NEBEN DER SPUR 2018 Programmheft

hubertwynen

N BEN

E

DER

Europäisches Festival der Reiseliteratur

Fr 18. Mai und

So 20. Mai 2018

in Neuruppin

1


PROGRAMM AM 18. und 20. MAI 2018

Fr 18. Mai 2018

19 UHR

Fontane-Buchhandlung

Neuruppin

Töchter Lesung mit LUCY FRICKE

MODERATION Otto Wynen,

Peter Böthig

VORAB

Das 5. Europäische Festival der Reiseliteratur NEBEN

DER SPUR bietet – anders als in den vergangenen

Jahren – diesmal nur vier Lesungen. Dafür werden wir

uns im Fontane-Jahr 2019 ganze zehn Tage NEBEN

DER SPUR bewegen. Aber auch unser Kurzprogramm

hat es in sich: Vier Bücher, vier Welten. Und so widersprüchlich

unsere Welt im Jahr 2018 ist, so verschieden

sind die Perspektiven darauf. Das Private steht – auch

unterwegs – neben dem Politischen, das Komische

neben dem Erschütternden. Wir sind betroffen vom

Schicksal von Menschen, die wegen Krieg und Not ihre

Heimat verlassen müssen und fasziniert vom romantischen

Blick des Flaneurs. Die Literatur lässt uns daran

teilnehmen und fordert uns heraus, uns dieser Vielfalt

emotional und gedanklich zu stellen.

So 20. Mai 2018

11 UHR

Café Tasca Neuruppin

14 UHR

Siechenhauskapelle

Neuruppin

16 UHR

Siechenhauskapelle

Neuruppin

17.30 UHR

an der Siechenhauskapelle

Neuruppin

Nebentage Lesung mit THORSTEN

PALZHOFF

MODERATION Shelly Kupferberg

Gott ist nicht schüchtern Lesung mit

OLGA GRJASNOWA

MODERATION Bernhard Robben

Stadt der Feen und Wünsche Lesung

mit LEANDER STEINKOPF

MODERATION Andreas Knaesche

ABSCHLUSSFEST mit Livemusik

Fontane-Festspiele Neuruppin

2


Fr 18. Mai 2018

19 Uhr

Fontane-Buchhandlung

Neuruppin

LUCY FRICKE

Töchter – Lesung

MODERATION

Otto Wynen, Peter Böthig

Lucy Fricke 1974 in Hamburg geboren, wurde für

ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet; zuletzt war sie

Stipendiatin der Deutschen Akademie Rom. Töchter ist

ihr vierter Roman. Seit 2010 veranstaltet Lucy Fricke

HAM.LIT, das erste Hamburger Festival für junge

Literatur und Musik. Sie lebt in Berlin.

Wir hakten Pisa in unseren Köpfen ab. Man verstand

kein Land anhand seiner Sehenswürdigkeiten. Ein Land

verstand man in den Kneipen, im Herumsitzen in einer

fernen Landschaft oder in den Außenbezirken. Ein Land

verstand man dort, wo es nichts zu sehen gab. Und Italien

verstand man vielleicht am besten auf einer illegalen

Giftmülldeponie oder im Containerhafen von Neapel.

Aber dafür waren wir nicht angetreten, wir fuhren hier

bloß durch, wir suchten nur die Autobahn.

Es war nicht so, dass ein Roadtrip zwangsläufig voller

Überraschungen war, an jeder Raststätte das Versprechen

auf Liebe, Sex oder Verbrechen wartete. So war es

in Filmen und Romanen, eine Entwicklungsgeschichte

auf der Überholspur. Das Leben hingegen war langsam.

Wir waren imstande, jahrelang an einem einzigen Liebeskummer

zu leiden, während auf der Leinwand jeder

Verlierer, jeder Affe innerhalb weniger Tage die Welt

retten oder zerstören konnte, sofern er nur an sich und

seine Kräfte glaubte.

Lucy Fricke: Töchter (S. 107)

© Rowohlt Verlag, 2018

4 5


So 20. Mai 2018

11 Uhr

Café Tasca Neuruppin

THORSTEN PALZHOFF

Nebentage – Lesung

MODERATION

Shelly Kupferberg

Thorsten Palzhoff wurde 1974 in Wickede geboren.

Sein Erzählband Tasmon erschien 2006 bei Steidl. Das

Buch wurde von Alberto Manguel im Times Literary

Supplement zu einem der Books of the Year 2007

gekürt. Zuletzt erschien 2018 der Roman Nebentage.

Thorsten Palzhoff lebt in Berlin.

Wir saßen uns gegenüber, ohne einander anzusehen.

Nica tastete in einer Jackentasche nach ihren Zigaretten

und steckte sich eine an. Die Kippe im Mund,

kämpfte sie sich aus der Lederjacke und zog die Ärmel

des gerippten Pullovers lang, den sie statt ihres Kapuzenpullis

trug. Der Zug setzte sich in Bewegung und

sie blies mir mit dem Qualm die Frage ins Gesicht, ob

ich ihr sagen könne, welcher Tag heute sei.

Ich sah sie fragend an.

„Ich verrate es dir. Heute ist Samstag, der 10. März. Du

hast noch immer keine Ahnung, wohin wir jetzt fahren,

oder? Läufst mir einfach hinterher und hast keine Ahnung,

wohin es geht.“

„Wir fahren nach“ – ich spähte zur Anzeige auf dem

zurückbleibenden Gleis hinaus – „Altenburg.“

„Warum fragst du nicht einfach? Oder hast du gehofft,

wir würden endlich deine verdammte Berlinreise machen?“

Thorsten Palzhoff: Nebentage (S. 244)

© Fischer Verlag, 2018

6 7


So 20. Mai 2018

14 Uhr

Siechenhauskapelle

Neuruppin

OLGA GRJASNOWA

Gott ist nicht schüchtern –

Lesung

MODERATION

Bernhard Robben

Olga Grjasnowa geboren 1984 in Aserbaidschan. Nach

längeren Aufenthalten in Polen, Russland, Israel und

der Türkei lebt sie heute in Berlin. Für ihren vielbeachteten

Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt

wurde sie mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und

dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet.

Nach Izmir fliegt ein riesiger Jet, der sonst nur für Reisen

zwischen den Kontinenten eingesetzt wird. In Izmir

angekommen, nehmen sich Amal und Youssef ein Zimmer

in einem heruntergewohnten Hostel im Stadtteil

Basmane. Die Gänge im Hostel sind schmal und düster.

Der Fußboden, dessen Linoleum gerade gewischt

wurde, riecht penetrant nach Chlor. Hier ist alles alt, die

Teppiche sind abgewetzt, die Möbel zerschlissen, das

Geschirr angestoßen. Im Innenhof spielen drei Jungs

Fußball, und ein Kleinkind fährt Dreirad.

Sie schauen sich keine einzige Sehenswürdigkeit an.

Sie besuchen keine Basare, und sie spazieren nicht entlang

der Meerespromenade. Sie bewegen sich lediglich

in ihrem Viertel, wo in den Seitenstraßen neben dem

Bahnhof in Bekleidungsgeschäften Rettungswesten verkauft

werden, von denen viele wie Fälschungen aussehen

und es tatsächlich sind. Es gibt sie in unterschiedlichen

Ausführungen und auch in Kindergrößen und in

Rosa und mit Abbildungen von Disneys Superhelden.

Die Cafés und Schnellimbisse sind zu jeder Tages- und

Nachtzeit voller Syrer und Afghanen, die manisch rauchen,

während sie auf Schleuser und Wunder warten.

Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern (S. 10)

© Aufbau Verlag, 2017

8 9


So 20. Mai 2018

16 Uhr

Siechenhauskapelle

Neuruppin

LEANDER STEINKOPF

Stadt der Feen und Wünsche –

Lesung

MODERATION

Andreas Knaesche

Leander Steinkopf 1985 geboren, studierte in Mannheim,

Berlin und Sarajevo. Er arbeitet als freier Journalist

für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, veröffentlicht

literarische Essays im Merkur und schreibt Komödien

für das Theater. Er lebt in München.

Die U2 schlängelt sich in weiten Bögen unter der Innenstadt,

ich nehme sie eigentlich nie, um voranzukommen,

sondern nur, um eine überschüssige halbe Stunde

ordentlich im Keller zu verstauen. Neben mir nimmt ein

Mann Platz, mit schmutziger Kleidung, wildem Bart und

zwei ausgebeulten Plastiktüten. Er hantiert mit einer

Flasche Bier, versucht sie mit einer gerollten Zeitung zu

öffnen, die er aus einer Plastiktüte zieht, dann mit einer

Streichholzschachtel, mit einer Gabel. „Soll ich Ihnen

die Flasche öffnen“, frage ich. Er schaut mich verdutzt

an, reicht mir zaghaft das Bier. Ich ziehe eine leere Plastikflasche

aus seiner Tüte, heble damit die Bierflasche

auf und gebe sie ihm geöffnet zurück. Er starrt mich

an, dann die Flasche, wieder mich, wieder die Flasche.

Dann beginnt er sich zu bedanken, überschwänglich...

Und ich lächle ihn freundlich an, um seine Unsicherheit

zu besänftigen. Ich habe irgendwie Respekt vor dieser

Bettelarbeit.

Leander Steinkopf: Stadt der Feen und Wünsche (S. 86/87)

© Hanser Verlag, 2018

10 11


KURZPORTRAITS DER MODERATOREN

PETER BÖTHIG [*1958] in

Altenburg, Literaturwissenschaftler,

Ausstellungsmacher,

Herausgeber, Autor, leitet das

Kurt Tucholsky Literaturmuseum

in Rheinsberg.

ANDREAS KNAESCHE [*1958]

in Berlin. Arbeitet seit 1985 als

freier Journalist vor allem für

Hörfunk und Fernsehen des

SFB/ heute RBB. Seit Gründung

des RBB im Jahr 2003 Moderator

beim Kulturradio vom RBB.

Reisen ist besonders schön,

wenn man nicht weiß,

wohin es geht.

Aber am allerschönsten ist es,

wenn man nicht mehr weiß,

woher man kommt.

Lao-tse (4. Jahrhundert v.Chr.)

SHELLY KUPFERBERG [*1974]

in Tel-Aviv geboren, wuchs in

West-Berlin auf, studierte Publizistik,

Theater- und Musikwissenschaften.

Neben diversen

Radiosendungen moderiert sie

zahlreiche Veranstaltungen für

Stiftungen, Ministerien und

Kultureinrichtungen.

BERNHARD ROBBEN [*1955]

lebt in Brunne/Brandenburg

und übersetzt aus dem Englischen,

u. a. Salman Rushdie,

Peter Carey, Ian McEwan,

Patricia Highsmith und Philip

Roth. 2013 wurde er mit dem

Ledig-Rowohlt-Preis für sein

Lebenswerk geehrt.

OTTO WYNEN [*1952] im

Rheinland, lebt seit 2004 in

Neuruppin, freier Hörfunkund

Fernsehjournalist. Arbeitet

seit 2014 als Leiter eines Asylbewerberheims.

12

13


Rosenstr.

Heinrich-Heine-Straße

DB

i

VERANSTALTUNGSORTE

R.-Koch-Str.

Schäferstr.

Virchowstr.

Rudolf-Breitscheid-Straße

Präsidentenstraße

platz

Bernhard-

Brasch-

Platz

Schifferstraße

Wichmannstraße

August-Bebel-Straße

Friedrich-Ebert-Str.

Karl-Marx-Straße Schul-

2

Präsidentenstraße

Regattastraße

Erich-Mühsam-Str.

Bergstraße

Am Alten Gym.

Klosterstraße

61

*

Postsraße

B.-Brasch-Str.

Karl-Marx-Straße

Friedrich-Engels-Straße

An der Seepromenade

3

Fischbänkenstraße

Siechenstr.

Seestraße

Kommissonsstraße

Ruppiner See

Steinstraße

Leinweberstr.

An der Seepromenade

1

2

3

Fontane-Buchhandlung

Karl-Marx-Straße 83

Café Tasca

Regattastraße 9

Siechenhauskapelle im Up-Hus-Idyll

Siechenstraße 4

Fontane-Geburtshaus

Europäische Festival der Reiseliteratur

NEBEN DER SPUR

KONTAKT

Otto Wynen

Tel. 0152 . 53 68 67 99 | otto.wynen@gmx.de

Peter Böthig

Tel. 0151 . 23 20 23 30 | boethig@tucholsky-museum.de

IMPRESSUM

Fontane-Festspiele gUG (haftungsbeschränkt)

Geschäftsführerin Uta Bartsch

Präsidentenstraße 47 | 16816 Neuruppin

Tel. 0 33 91 . 65 98 198 | Fax 03391 . 458 446

info@fontane-festspiele.com

www.fontane-festspiele.com

REDAKTION Otto Wynen, Peter Böthig

GESTALTUNG Katharina Bülow, Veronika Žohová

FOTONACHWEISE

Leander Steinkopf: Peter Andreas Hassiepen | Lucy

Fricke: Dagmar Morath | Olga Grjasnowa: René Fietzek

| Thorsten Palzhoff: Andreas Labes | Andreas Knaesche:

Carsten Kampf | Shelly Kupferberg: Mika Ceron

Karl-Liebknecht-St


Fontane-Festspiele 2019

& NEBEN DER SPUR

Himmelfahrt bis Pfingsten

31. Mai – 10. Juni &

23. – 25. August 2019

KÜNSTLERISCHE LEITUNG

Otto Wynen und Peter Böthig

www.fontane-festspiele.com

www.facebook.com/fontane.festspiele

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine