2018/20 - unternehmen Mai

suedwest.presse

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 62 | Mai 2018 | 3,00 €

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Hart, aber

gerecht

Was können deutsche Unternehmer von den

Amerikanern lernen: Harald Hiller, Chef der US-

Tochter Alko Fahrzeugtechnik, berichtet.

Finanzen Die liebe Not mit dem digitalen Kreditprüfer SEITE 6

Speditionen Flüchtlinge übernehmen das Lenkrad SEITE 28

Frühsommer Wonach sich Führungskräfte sehnen SEITE 46


Was verbindet Memmingen

und chinesische Schifffahrer?

… Und wieso muss dabei die Internet-Infrastruktur von

LEW TelNet besonders sicher sein?

Videos auf www.lechreporter.de


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Verantwortung in Unternehmen zu tragen,

war vielleicht noch nie so herausfordernd

wie heute. Das Tempo der Veränderung ist

enorm, die Arbeitsverdichtung immens und

die Themen sind eng vernetzt. Bei Harald

Hiller kam noch das Eintauchen in eine

komplett andere Welt dazu: der Wechsel

von einem schwäbischen Familienunternehmen

zu einem US-geführten Private-Equity-

Konzern. Warum sich sein Leben wie im

Hochgeschwindigkeitszug anfühlt, erzählt

der Chef der Alko Fahrzeugtechnik aus Kötz

im Titelinterview (Seite 10). Weil die Konjunktur

boomt, arbeiten viele Firmen an ihrer

Kapazitätsgrenze. Da macht es Sinn, über

externe Hilfe nachzudenken – auch beim

Thema Energie-Contracting (S. 30). Zugleich

wird der Firmenalltag digitaler. Wie smart

sich Zukunft gestalten lässt, zeigt unser

Por trät der Göppinger Speidel GmbH (S.20).

Ich wünsche Ihnen anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

[finanzieren]

6 Digitaler Kreditprüfer mit Tücken

Wenn Roboter Kunden beurteilen

[titelthema]

10 Vom Erfolg getrieben Alko-Fahr zeugtechnik-Chef

Harald Hiller im Gespräch

[machen]

22 Neue Ideen für smarte Energie Die

Speidel GmbH aus Göppingen

36 Der Herr der Lösungen Die Neu-Ulmer

[s.i.g.] mbH setzt auf IT mit IQ

[spezial]

24 Schlüssel mit Mehrwert Von den

Vor- und Nachteilen eines Dienstwagens

30 Nicht erfasstes Sparpotenzial

Energie-Contracting: So optimieren

Mittelständler ihren Energieverbrauch

38 Schön herausgeputzt Wie sich die

Reini gungs branche neu aufstellt

[verantworten]

28 Vorfreude auf die große Kiste

Mohammed Amany, Flüchtling aus

Afghanistan, lernt bei Allgaier in Neu-

Ulm das Lkw-Fahren

[führen]

44 Motivation mit kleinen Extras Was

Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter Gutes

tun können

[leben]

46 Sehnsucht nach Natur Umfrage: Das

treibt Führungs kräften im Wonnemonat

Mai an

[namen & nachrichten]

4 Streit um das Tor zur Ulmer City

4 Liebherr investiert 60 Millionen Euro

in Oberopfingen

5 Würth testet 24-Stunden-Einkauf für

Handwerker

20 Bio-Premium aus Oberschwaben

42 Konkurrenz für DHL & Co.

50 Wenn der stolze Vater mit den

Söhnen

50 Impressum

24 44

30 38

06

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Streit um das Tor zur Ulmer City

Mit dem Bauprojekt Sedelhöfe in

Ulm geht es von nun an nur noch

aufwärts: Die Aushub- und Tiefbauarbeiten

in der 18 Meter tiefen

Grube gegenüber des Bahnhofs

sind beendet. Als nächstes

werden die vier Untergeschosse

des künftigen Wohn- und Einkaufszentrums

gebaut, drei für

die Tiefgarage, eines für den Handel.

Insgesamt sollen bis Frühjahr

2020 in den vier Gebäuden 112

Wohnungen entstehen, Platz für

Gastronomie, Büroräume und

18.000 Quadratmeter Fläche für

den Einzelhandel. Der Hamburger

Investor DC Developments

steckt etwa 200 Millionen Euro

in das Großprojekt.

Während die Sedelhöfe schon

nach oben wachsen, wird das benachbarte

Gebäude am Bahnhofsplatz

7 erst noch abgerissen.

Von Winter 2018 an soll hier für

40 Millionen Euro ein Neubau

mit Hotel, Dachterrasse und Sky-

Bar entstehen, ein neues Tor zur

Ulmer City. Der Bau soll zeitgleich

mit den Sedelhöfen in

zwei Jahren fertiggestellt sein,

Investor ist ebenfalls DC Developments.

Das zweite Bauprojekt

war in Ulm anfangs umstritten.

Vor allem aus der CDU gab es

Stimmen, die eine Sichtachse wie

vor dem Krieg von der Bahnhofstraße

zum Bahnhof schaffen

wollten. Das Architekturbüro

Mühlich, Fink und Partner nahm

die Kritik auf und verbreiterte

unter anderem den Zugang zur

unterirdischen Passage. Das

mehr als 30 Meter hohe Gebäude

wird mit den Sedelhöfen direkt

gegenüber dem Bahnhof einen

markanten und eleganten Eingang

zur Innenstadt bilden. Genutzt

wird es als Hotel (140 Zimmer).

Besonderes Flair erhält es

durch einen gläserenen Aufsatz

und eine „Skybar“. Die bewirtete

Dachterrasse könnte buchstäblich

zu einem neuen Höhepunkt

in der Innenstadt werden – mit

glänzender Rundumsicht auf die

Dächer Ulms. [!] CIK, JON, REI,

Foto: Lars Schwerdtfeger

Blick aus der 19 Meter tiefen Baugrube des 200-Millionen-Projekts Sedelhöfe

auf die Bahnhofsplatz 7: Nach dem Abriss soll dort ein Hotel entstehen.

Liebherr investiert 60 Millionen Euro in Oberopfingen

Der familiengeführte Mischkonzern

Liebherr mit Firmensitz in

Bulle (Schweiz) investiert kräftig

in seine Zukunft. Zu den größeren

Maßnahmen 2017 zählte der

Bau eines 60 Mio. Euro teuren

Werks für Hydraulikzylinder In

Oberopfingen. Dort entstanden

zwei neue Werkshallen für Logistik,

Montage, Prüfung und Lackierung

sowie ein Verwaltungsgebäude.

Die zugehörige

mechanische Fertigung bleibt

vorerst im fünf Kilometer entfernten

Kirchdorf an der Iller. Bis

zur Jahresmitte soll der Umzug

der Mitarbeiter vollzogen sein.

Zukünftig werden ca. 250 der aktuell

450 Mitarbeiter im neuen

Werk beschäftigt sein.

Künftig sollen bei Bedarf in

Kirchdorf von Hydraulikzylindern

samt Sensorik über zugehörige

Aggregate bis zu Komplettsystemen

mit Hilfe anderer

Komponentenwerke entstehen,

sagt Paul Ibach der kaufmännische

Geschäftsführer der Liebherr-Components

Kirchdorf

GmbH. Insgesamt steigerten die

elf Liebherr-Sparten, die von der

Raumfahrt über Baukrane bis hin

Blick in das neue Werk. Hier werden Hydraulikzylinder hergestellt.

zu Hausgeräten reichen, 2017

den Umsatz um 9 Prozent auf

rund 9,9 Milliarden Euro. Der Gewinn

kletterte um 11 Prozent auf

331 Mio. €. Von den 43.900 Beschäftigen

arbeiten 17.100 in

Süddeutschland.

Weltweit größter Standort – gemessen

an der Kopfzahl – ist das

Werk in Ehingen (3463 Mitarbeitern,

Fahrzeugkrane). Auf Platz

zwei kommt Biberach (3106, unter

anderem Turmdrehkrane),

gefolgt von Ochsenhausen (1900,

Hausgeräte), Lindenberg (2700,

Zulieferer für die Luftfahrt). Weitere

Standorte sind unter anderem

in Kempten (1264) und Bad

Schussenried (664) und Lindau

(580). [!] AMB

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unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[namen & nachrichten]

Würth testet 24-Stunden-Einkauf für Handwerker

Dübel und Sägeblätter auch um

Mitternacht noch einkaufen,

wenn es schnell gehen muss: Mit

einem Pilotprojekt in seiner 481.

Niederlassung in Vöhringen betritt

der Würth-Konzern Neuland.

Auch außerhalb der Öffnungszeiten

können Handwerker

und andere Firmenkunden dort

von Montag bis Samstag einkaufen.

In der 500 Quadratmeter großen

Filiale gibt es nach Ladenschluss

weder Kasse noch

Personal. Stattdessen werden die

Waren per Förderband in einen

Tunnelscanner transportiert, digital

erfasst, einige Tage später

flattert eine Rechnung ins Haus.

Nachts können die Kunden aber

lediglich 4500 Produkte aus dem

Sortiment mit 120.000 Produkten

kaufen. Das ist zwar nur ein

kleiner Ausschnitt, doch sind

dies die am häufigst nachgefragten

Waren, erklärte Matthias Glaser,

der bei Würth den Geschäftsbereich

Niederlassungen leitet.

Außerdem sei bei manchen Produkten,

etwa Chemikalien, eine

gesetzliche Beratung vorgeschrieben.

Zutritt in den Verkaufsraum

erhalten ausschließlich

Geschäftskunden via

QR-Code über die Würth-App.

Das Unternehmen aus Künzelsau

handelt mit Montage- und Befestigungsmaterial

für professionelle

Anwender und ist weltweit tätig.

Würth erwirtschaftete zuletzt

mit 74.000 Mitarbeitern einen

Jahresumsatz von rund 12,7 Milliarden

Euro. [!] REI/CZI

Vorstellung der Test-Filiale von Würth in Vöhringen: Nachts weisen sich die

Kunden über eine App und einen QR-Code aus.

Mit dem Motorrad und den

Söhnen unterwegs

Sein Rückzug hat viele überrascht:

Fast acht Jahre hatte Stefan

Klebert den Göppinger Pressenbauer

Schuler geleitet. Die

Gründe für seinen Abschied hat

der 52-Jährige nie öffentlich gemacht.

Es sei der richtige Zeitpunkt

gewesen

für einen

persönlichen

Neuanfang

gewsen. Klebert

gönnt

Gönnt sich eine

Pause: Stefan

Klebert.

sich nun seit

Monatsbeginn

eine Pause.

Die will er

nutzen, um

mit seinen

Söhnen eine Motorradtour durch

Europa zumachen. Auch künftig

will er mehr Zeit haben zu reisen,

und auch für sein Hobby. Der gebürtige

Stuttgarter ist leidenschaftliche

Flieger. Bei Schuler

war Klebert stark gefordert und

schreckte auch vor unpopulären

Entscheidungen nicht zurück.

Heute sei der Pressenbauer ein

extrem gesundes Unternehmen.

Zur Restrukturierung gehörte

unter anderem die Aufgabe der

Windkraft-Aktivitäten, die Zusammenlegung

von sieben auf

vier Standorte. Davon betroffen

waren 450 Mitarbeiter in Weingarten,

Waghäusel und Netphen.

Bereits 2014 hatte er die Gießerei

in Göppingen mit 100 Mitarbeitern

geschlossen. Zudem baute er

das China-Geschäft aus. 2017 erwirtschaftete

der Pressenbauer,

der seit 2016 mehrheitlich dem

österreichischen Andritz-Konzern

(Graz) gehört, mit 6570 Mitarbeitern

einen Umsatz von 1,2

Milliarden Euro. Das Konzernergebnis

sank leicht auf 72,1 Millionen

Euro. Schuler werde er stets

im Herzen behalten, sagt Klebert,

der von Domenico Iacovelle abgelöst

worden ist. [!] SU

Weniger Führungsposten

bei Sparkasse Göppingen

Angesichts von Nullzinsphase

und Digitalisierung strafft die

Kreissparkasse Göppingen ihre

Führungsstruktur. Künftig wird

es nur noch zwei Vorstände geben.

Die Zahl der Direktoren wird

von 26 auf 16 sinken. Man wolle

bewusst in der Fläche mit derzeit

51 Filialen präsent bleiben, sagte

Vorstandschef Hariolf Teufel.

Gleichzeitig will die Sparkasse

digitaler werden. So wird die mediale

Kundenberatung eine eigenständige

Abteilung. Bei einer

Bilanzsumme von 5,9 Milliarden

Euro erwirtschaftete das Institut

ein operatives Ergebnis von 48

Millionen Euro. [!] REI/JOA

Auch im Mittelstand gibt

es kaum Chefinnen

Die Zahl der Frauen in Geschäftsführungen

ist 2017 um 1,3 Prozentpunkte

auf 16,3 Prozent gestiegen.

Sie ist damit mehr als

doppelt so hoch als in börsennotierten

Unternehmen. Nach einer

Studie der Beratungsfirma EY besteht

die Geschäftsführung bei 36

Prozent der Mittelständler nur

aus Männern. Hat es eine Frau in

die Führungsetage geschafft, ist

sie oft allein. Gerade einmal bei

13 Prozent der Mittelständler ist

die Geschäftsführung zu mehr

als 40 Prozent von Frauen besetzt.

Der Anteil der Chefinnen beträgt

im Maschinenbau 12 Prozent, im

Bausektor 14 Prozent. Handelsund

Logistikunternehmen erreichen

20 Prozent. [!] AMB

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[finanzieren] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Digitaler Kreditprüfer mit Tücken

Selbstlernende Programme mit künstlicher Intelligenz entscheiden bei Banken immer häufiger über Finanzierungen.

Was auf den ersten Blick wie ein Fortschritt erscheint, kann in der Praxis für Firmenkunden zum Problem werden.

Illustration: © Zenzen / shutterstock.com

Der Besuch bei seiner Hausbank hat für

Anton Bäuerle mit einem Schock geendet.

Den dringend benötigten Kredit

für eine neue Kücheneinrichtung in einem

seiner zwei Gasthäuser, über den er wochenlang

verhandelt hatte, hat das Geldhaus kurzerhand

abgelehnt. „Mein Bankberater konnte

mir noch nicht einmal genau sagen, aus

welchem Grund“, erzählt Bäuerle, der seinen

richtigen Namen an dieser Stelle nicht lesen

möchte. „Dabei laufen meine beiden Restaurants

in Langenau und Ulm seit Jahren gut.

Die Zahlen stimmen ebenso wie mein Konzept.“

Doch für die beantragte Kreditsumme

war die Bonitätsnote, die die Bank berechnet

hat, kurz Rating genannt, zu schlecht.

Spätestens seit Einführung der Eigenkapitalrichtlinien

(Basel II) sind die Banken verpflichtet,

die Bonität ihrer Kreditkunden zu

bewerten und in die Verzinsung ihrer Kredite

eine Risikokomponente einzukalkulieren.

Mit dem Rating versuchen sie das Risiko eines

Zahlungsausfalls zu ermitteln. Das Ganze

funktioniert in den meisten Fällen nach einer

Art Schulnotensystem: Bei einer Eins oder

Zwei wird der Kredit ohne Bedenken vergeben.

Eine Vier bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit

einer Pleite ist hoch. Je

schlechter die Note, desto höher

fällt der Zinssatz aus. Denn riskante

Kreditengagements

muss die Bank mit mehr Eigenkapital unterlegen

als ein Darlehen an einen Kunden mit tadelloser

Solvenz.

DATEN-FUTTER FÜR RECHNER

Zur Berechnung des Ratings fragen die Bankberater

bei bestehenden als auch neuen Kreditnehmern

regelmäßig eine Fülle von Informationen

ab und füttern damit ihre

Rechner. Dazu gehören quantitative Daten

wie etwa Zahlen zur Geschäftsentwicklung

und bestimmten betriebswirtschaftlichen

Kennziffern ebenso wie qualitative,

sogenannte weiche Faktoren – zum Beispiel

zur Qualifikation des Managements, Unternehmensstruktur,

Produkten und zur Branche.

Spezielle Programme ermitteln dann mit

Hilfe traditioneller statistischer Auswer-

Heute entscheiden oft Rechner und Algorithmen über Kreditanträge. Die

Bankberater kennen teilweise nicht die Gründe für eine Ablehnung.

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unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[rubrik]

tungsverfahren

die Ratingnote. Zunehmend

setzen

die Banken dabei

auch auf Künstliche

Intelligenz

und Big-Data-Analysen,

um Muster

und Zusammenhänge

zwischen

Hans-Peter Burghof, bestimmten Daten

Universität Hohenheim. und einer Pleitewahrscheinlichkeit

zu entdecken. Liegt das Rating über einem

hausintern gesteckten Grenzwert, sagt

die Bank häufig nein, weil ihr das Risiko eines

Ausfalls zu groß erscheint. Allerdings gibt es

jederzeit Ermessenspielräume – die die Bank

im Fall von Bäuerle jedoch nicht nutzen wollte

oder konnte.

Das Problem aus Sicht des Kreditnehmers ist,

dass die Rating-Verfahren der Banken oft nach

einem Black-Box-Prinzip funktionieren. Das

Mit künstlicher Intelligenz versuchen Banken die Pleitewahrscheinlichkeit zu berechnen.

Prinzip selbstlernender Systeme hat die Tücke,

dass Kriterien und Muster, die in der Vergangenheit

auf einen Kreditausfall hingewiesen

haben, im Zeitablauf immer stärker vom

Rating-Programm gewichtet werden – was zu

Lasten derjenigen Kunden geht, die dieses

Merkmal nur zufällig aufweisen. „Sie können

dadurch als Kunde eine eventuelle Diskriminierung

gar nicht mehr nachweisen“, kritisiert

Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehr-

Illustration: © Zenzen / shutterstock.com

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[finanzieren] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

stuhls für

Bankwirtschaft

und Finanzdienstleistungen

an der

Universität Hohenheim.

„Vielleicht

liegt ihr Betrieb

in einem

Viertel, in dem es

häufig zu Pleiten

Oliver Wenzler,

kommt oder sie

Commerzbank Ulm. haben einen merkwürdig

klingenden

Nachnamen. Dafür können sie nichts,

aber es drückt ihre Ratingnote, weil die Statistik

dagegen spricht. Die Banken, die diese Systeme

verwenden, haben dadurch eine geringere

Ausfallquote. Aber am Ende können

weder sie selbst noch die Bank konkret nachvollziehen,

warum ihr Antrag abgelehnt wurde,

und sie können nicht dagegen angehen.“

SCHNELLERE ENTSCHEIDUNG

Für Oliver Wenzler, Niederlassungsleiter Firmenkunden

der Commerzbank Ulm, haben

moderne Ratingsysteme indes für beide Seiten

Vorteile: „Von der Digitalisierung des Ratings

profitieren auch unsere Kunden immens.

Zum einen weil sie aufgrund der

schnellen Kreditentscheidung besser planen

können, zum anderen, weil die Analyse der

vorliegenden Daten sehr treffgenau ist“, hebt

der Commerzbanker hervor. „Und durch die

Digitalisierung ist die Ratingerstellung und

damit die Kreditentscheidung sehr viel

schneller geworden. Früher hat dieses Procedere

zwei bis vier Wochen in Anspruch genommen.

Heute reicht oftmals ein Tag.“ Dem

Eindruck, dass es in dem standardisierten Verfahren

keinen Platz gibt für menschliches Eingreifen,

widerspricht der Firmenkundenchef:

„Kreditkunden, bei denen im Rahmen des Ratingprozesses,

zum Beispiel aufgrund fehlender

Zahlen noch weitere Fragen offen sind,

werden dann von ihrem Firmenkundenbetreuer

kontaktiert“, beschreibt Wenzler den

hausinternen Prozess. „In diesem Gespräch

erklärt der Betreuer seinem Kunden auch genau,

an welchen Faktoren der Unternehmer

gezielt arbeiten kann, um sein Rating zu verbessern.

Diese Transparenz zwischen Berater

und Kunde in Bezug auf die Rating-Faktoren

halte ich für enorm wichtig.“ Auch Heimo

Koch, stellvertretendes Vorstandsmitglied der

Sparkasse Ulm, sagt: „Es gibt zwar für viele

Faktoren hinterlegte Ratingeinschätzungen

Fit für den Kreditcheck?

Die Rating-Vorbereitung ist komplex. Firmen tun gut daran, sich an eine Checkliste zu halten.

Zur Ermittlung eines Ratings fragen die

Banken eine Fülle von Informationen ab.

Dazu gehören zum einen quantitative Daten

etwa zur laufenden Geschäftsentwicklung,

Investitionsplanung und der Hausbankbeziehung,

zum anderen gehören

auch qualitative Merkmale dazu, wie zum

Beispiel Managementerfahrung des Inhabers,

Produkte, Unternehmenskonzept,

aber auch allgemeine Daten wie etwa die

geografische Lage des Geschäftsbetriebes

und die Entwicklung der Branche.

im System, aber das Rating ist nur ein Faktor

von mehreren bei der Kreditvergabe. Der Betreuer

entscheidet auch am Ende aus dem Gesamtzusammenhang

heraus – gegebenenfalls

zusammen mit dem Abteilungsleiter oder

dem Vorstand – über die Genehmigung eines

Kreditantrags.“

Die Handwerkskammer Koblenz hat eine

Broschüre zusammengestellt, die Unternehmen

dabei hilft, sich auf diese Prüfung

und die Gespräche mit dem Bankberater

im Zuge eines Kreditantrags vorzubereiten.

Eine Checkliste hilft dabei, systematisch

vorzugehen und keinen Punkt zu vergessen.

Die Broschüre steht im Internet

zum Download bereit unter der Adresse:

https://hwk-koblenz.de/fileadmin/dateien/formulare/betriebsfuehrung/merkblatt_basel_3_und_rating.pdf.

TLU

DIGITAL-STRATEGIE IM BLICK

Eine andere Seite der Digitalisierung beim Ratingprozess

ist, dass die digitale Strategie der

Kreditkunden immer stärkeren Eingang in

den Bewertungsprozess findet. „Aus Sicht der

Bank ist es selbstverständlich, dass die Validierung

des Geschäftsmodells auch die Frage

nach einer digitalen Anpassung oder gar Änderung

beinhaltet. Darüber sollte kein Firmenkunde

überrascht sein, dass sein Rating

schlechter ausfällt, wenn er hierzu keine

überzeugenden Antworten liefern kann“, erläutert

Bankexperte Burghof. Aber auch hier

liegt die Tücke im Detail. Für Christian Groschupp,

Leiter Kompetenzzentrum Finanzierung

bei der Unternehmensberatung Dr.

Wieslhuber & Partner, haben viele Institute

bei ihrem Ratingprozess keine ausreichenden

Antworten auf die Herausforderungen durch

die Digitalisierung bei ihren Unternehmenskunden.

„Die traditionellen Ratingsysteme

können Digitalisierungsinvestitionen nur

unzureichend bewerten“, sagt Groschupp.

„Häufig liegt der Fokus zu stark auf der Vergangenheit

und es mangelt an einer ganzheitlichen

Sicht auf das Geschäftsmodell“. Auch

Illustration: © DrAfter123/Getty Images

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unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[finanzieren]

Heimo Koch,

Sparkasse Ulm.

die internen Voraussetzungen

des

Betriebes zur Digitalisierung,

der

Kun den nutzen

ent lang der Wertschöpfungskette

und das künftige

Wertangebot gingen

üblicherweise

nicht oder nur unzureichend

in das

Kreditrating ein.

Bei allen Schwächen sollte jedoch nicht vergessen

werden: Deckt das Ratingverfahren

Defizite auf, sollten Unternehmer dies als

Anlass nehmen, diese Defizite anzugehen

und abzubauen. „Gelegentliche Überziehungen

des Firmenkontos zum Beispiel

gehen nicht nur in das Rating ein, sondern

lösen auch ein Frühwarnsystem

aus“, sagt Sparkassen-Mann Koch. „Wir

kommunizieren es dann unserem Kun-

Illustration: © Zenzen / shutterstock.com

den sehr offen, dass dies sein Rating verschlechtert

und zukünftige Kredite damit

teurer werden. Aber der Berater sucht auch

regelmäßig das Gespräch mit dem Kunden

und erörtert mit ihm konstruktiv, wie sich eine

solche negative Entwicklung vermeiden

lässt oder warum seine Bewertung in bestimmten

Bereichen schlechter ausfällt

als etwa der Branchendurchschnitt.

In diesem Sinne sollte das Rating

auch als Instrument zur strategischen Unternehmenssteuerung

gesehen werden, um Gefahren

abzuwenden und den Betrieb zu stärken.“

Das freut nicht nur den Unternehmer, sondern

auch die Banken: Der Kredit ist leichter zu bekommen

und billiger wird er auch noch. [!]

THOMAS LUTHER

Mitunter verschlechtern Firmenkunden ihr Rating aus Unachtsamkeit,

beispielsweise indem sie ihr Firmenkonto überziehen.

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[titelthema] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[titelthema]

Vom Erfolg

getrieben

Alko Fahrzeugtechnik steckt weltweit in Caravans. Das Unternehmen befindet

sich auf rasanter Fahrt: Ein Gespräch mit Vorstandschef Harald Hiller über einen

Finanzinvestor als Eigner, gestiegene Erwartungen, Unterschiede zwischen

deutscher und US-Firmenkultur – und wie sich Veränderung anfühlt.

Erst Jahrzehnte Teil des Familienunternehmens Alko,

seit 2016 im Besitz eines Finanzinvestors zu

sein – wie fühlt sich das an?

Wie im Hochgeschwindigkeitszug.

Was ist anders?

Unsere Prozesse sind schneller und transparenter geworden.

Mittlerweile arbeiten wir mit einem professionellen

internationalen Reporting. Wir haben somit

stets einen Überblick über die aktuelle Geschäftslage.

Bei Abweichungen können wir sofort gegensteuern.

Was hat sich noch verändert?

Ein Private-Equity-Investor hat private Investoren im

Hintergrund, für die das Wachstum im Fokus steht.

Früher gab es für Wachstum ein anderes Verständnis.

Es stand weniger im Fokus. Entscheidungen müssen

heute stärker auf die Ziele ausgerichtet sein und müssen

wesentlich schneller getroffen werden.

Was ist heute noch anders?

Heute verfolgen wir einen steilen Wachstumskurs, der

ein 100-prozentiges Commitment voraussetzt. Halbherzige

Zustimmungen und Entscheidungen können

wir uns nicht erlauben. Das gilt besonders für Mitarbeiter,

die bei uns eine Führungsrolle übernehmen – ganz

egal, auf welcher Hierarchieebene. Die Anforderungen

im Vergleich zu früher sind heute deutlich höher.

Was ist der größte Unterschied in Sachen Unternehmenskultur

unter dem neuen Besitzer?

An vielen Stellen herrscht fast schon „militärische Disziplin“,

die sich in einem eng getakteten Reporting widerspiegelt.

Es gibt regelmäßige Business-Updates mit

dem internationalen Leadership Team in den USA sowie

jeden Monat mit dem Investor. Kurzum: Sämtliche

Zahlen müssen jederzeit präsent oder abrufbar sein.

Woher kommt diese „militärische Disziplin“?

Davon, Teil eines US-Konzerns zu sein. Und eben auch

durch den Private-Equity-Investor. Haben wir uns früher

einmal im Monat „auf die Waage gestellt“, machen

wir es heute jeden Tag. Nichts wird dem Zufall überlassen

– „Überraschungen“ sind nicht erwünscht. Das

Schlimmste, was passieren kann, ist, dass das Ergebnis

zum Monatsende vom Plan oder Forecast abweicht.

Was hat die Alko Fahrzeugtechnik noch mit der Alko-Gruppe

zu tun?

Nichts mehr – abgesehen von dem Markennamen. Wir

waren einst Teil eines Familienunternehmens, sind

aber inzwischen schon zweimal verkauft worden. 2016

an den US-Investor Sterling, Mitte 2017 an KPS Capital.

Warum erfolgte der Weiterverkauf so schnell?

Der erste Finanzinvestor hatte nicht die Kapitalkraft,

unser Wachstum langfristig zu finanzieren. Während

des ersten Zyklus war der frühere Eigentümer Stefan

Kober noch in entsprechendem Umfang mitbeteiligt.

Dieses Engagement hat sich mit dem neuen Eigentümer

sehr stark reduziert. Er ist in Entscheidungen deshalb

nicht mehr eingebunden.

Gibt es ansonsten noch Verbindungen?

Herr Kober vermietet uns die Räumlichkeiten an allen

bisherigen Standorten und wir pflegen noch Traditionen,

wie gemeinsame Weihnachts- und Jubilarfeiern.

Ist Fabriken zu mieten nicht ungewöhnlich?

Nein, Investoren denken anders. Sie investieren nicht

Zur Person

Harald Hiller hat sich

emporgerabeitet –

mit Dispzilin und

Durchsetzungsvermögen.

Geboren in

Niederstotzingen, absolvierte

er eine

Werkzeugmacher-

Lehre bei Gardena in

Ulm. Auf dem zweiten

Bildungsweg holte er

das Abi nach, studierte

Feinwerktechnik in

Ulm und später nebenberuflich

an der

Fernuni Wirtschaftsingenieurwesen.

All

das finanzierte er

sich selbst, weil sein

Vater früh gestorben

war. Der 53-Jährige

(verheiratet, zwei

Kinder 20 und 16 Jahre)

arbeitet seit 1996

für die Alko Fahrzeugtechnik,

seit 2006

steht er an deren

Spitze. Hiller hat früher

im Verein geboxt.

Er fährt gerne Ski und

spielt Tennis. Abschalten

und mental

regenerieren kann er

beim Joggen und im

Fitnesstraining. AMB

Wandelt zwischen den Welten der schwäbischen und der US-amerikanischen Firmenkultur: Harald Hiller.

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[titelthema] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

„Innerhalb kürzester Zeit

mussten wir eine eigene Verwaltung

aufbauen, das war

extrem herausfordernd“, sagt

Harald Hiller.

in Gebäude, sondern lieber in Geschäfte. Für neue

Standorte, zum Beispiel in Osteuropa, planen wir inzwischen

aber auch eigene Gebäude.

Was war das schwierigste Thema bei der Herauslösung

der Sparte aus dem Familienunternehmen?

Die Trennung der Zentralfunktionen sowie der Aufbau

einer eigenen Verwaltungsstruktur in so kurzer Zeit

waren extrem herausfordernd. Zudem mussten wir den

Bereich Merger & Acquisitions komplett neu aufstellen.

Zuvor hat es keine Abteilung gegeben, die sich ausschließlich

um den Zu- und Verkauf von Unternehmen

gekümmert hat.

Geht es da in erster Linie ums Kerngeschäft?

Nicht nur, wir bedienen mittlerweile drei Bereiche:

Zum Kerngeschäft (Core Business) gehören unter anderem

unsere Chassis für Wohnmobile, Chassis für Caravans

sowie Achsen und Komponenten für Nutzanhänger.

Der sogenannte Core Extension-Bereich umfasst

Zubehör, wie z. B. hydraulische Hubstützen. In der

Transformational Section geht es darum, neue Geschäftsbereiche

aufzubauen, z. B. im Nutzfahrzeugbereich

bis 3,5 Tonnen.

Wie setzt Ihr US-Eigner die ehrgeizige Wachstumsstrategie

um?

Sehr professionell und mit einer durchdachten Struktur.

Wir sind stets auf der Suche nach Unternehmen,

die ins Kerngeschäft, in den Bereich Core Extension

oder das Transformational Business passen. Allein in

diesem Jahr planen wir, sechs bis sieben Unternehmen

zu kaufen. Hierzu nutzen wir alle uns zur Verfügung

stehenden Quellen.

Wie war das in den alten Alko-Zeiten?

Da stand diese Art von Wachstum nicht so sehr im Zentrum.

Zwar waren Stefan Kober und sein Bruder gewillt,

eine progressive Strategie zu verfolgen, jedoch

gab es in Summe in der Familie eine gewisse Unklarheit

über die gesamtstrategische Ausrichtung.

Ist das ein generelles Problem von Familienfirmen,

dass Gesellschafter die Entwicklung bremsen?

Verallgemeinern darf man das nicht. Doch hat der

Mensch ein gewisses „Beharrungsvermögen“. Das

heißt, wenn es einem sehr gut geht und die Geschäfte

laufen, warum sollte man dann etwas verändern – warum

ein Morgen und Übermorgen gestalten oder gar

ein Risiko eingehen? Die große Gefahr dabei ist, dass in

der Folge Unternehmen die Fähigkeit verlieren, sich

neu zu erfinden und weiter zu entwickeln.

Wie war das bei Alko Fahrzeugtechnik?

Der Impuls von außen war wichtig und nötig, um dem

Unternehmen neue Perspektiven zu eröffnen.

Was hat sich für die Mitarbeiter verändert?

Sicherlich spüren die Mitarbeiter die stärkere Zahlenorientierung.

Damit verbunden entsteht an manchen

Stellen mehr Transparenz, mehr Druck bei Abweichungen

und mehr Verantwortung. Für die Mitarbeiter,

die darin die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung

erkennen, ergeben sich daraus auch

Perspektiven.

Gab es auch Mitarbeiter, die aufgrund des Kulturbruchs

gegangen sind?

Die gab es. Aber die Fluktuationsquote war sehr gering.

Das hängt sicher auch damit zusammen, dass US-Unternehmen

fair bezahlen. Wer Leistung bringt, wird

entsprechend entlohnt. Viele Mitarbeiter spüren die

Veränderung und Aufbruchsstimmung, fühlen sich

von dieser aber nicht negativ betroffen.

Zwei Besitzerwechsel in einem Jahr sind das eine,

das zweite war die Verschmelzung mit dem US-

Konzern Dexter Dexo. Wie gut passen Dexter und

12


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[titelthema]

Alko Fahrzeugtechnik zusammen?

Unsere Produktwelten sind ähnlich – wir stellen Achsen

her, aber mit unterschiedlicher Ausrichtung. Wir

sind jeweils Marktführer in unseren Bereichen, Qualität

steht für uns an erster Stelle. Zusätzlich sind beide

Unternehmen aus Familienstrukturen entstanden. Ich

würde sagen, wir ergänzen uns gegenseitig gut.

Inwiefern?

Dexter Axle ist stark in den USA, wir profitieren von

den dortigen Strukturen. Die Alko Fahrzeugtechnik ist

komplexer, was die Produktwelt, Prozesse und die internationale

Aufstellung betrifft. Wir sind nicht nur im

US-Sprach- und Rechtsraum vertreten, sondern auch in

Europa, Südafrika, Südamerika, China, Australien und

Russland. In diesen Bereichen lernen die amerikanischen

Kollegen von uns.

Wie stark waren die Veränderungen im Unternehmen

nach dem Verkauf?

Die Veränderungen im ersten Jahr waren „brutal“. Wir

haben zwei unserer Standorte – den einen in Westfrankreich,

den anderen in Nordengland – die nicht

mehr profitabel waren und nicht mehr zu unserer Ausrichtung

gepasst haben, geschlossen. Die rasche Umsetzung

war nur möglich, weil wir uns schon früher

Gedanken über die Standorte gemacht hatten. Zudem

haben wir uns von zwei kleineren Bereichen getrennt,

die nicht zum Kerngeschäft gehörten – und obendrein

drei Wettbewerber übernommen und integriert.

Was hat dieses „brutale Vorgehen“ bei den Mitarbeitern

hervorgerufen?

Anfangs hatten viele unserer Mitarbeiter die Befürch-

Die Verantwortung ist deutlich

gewachsen, der Humor

geblieben: Harald Hiller ist

Chef des Alko-Fahrzeugtechnik-Konzerns,

in der Sprache

des US-Mutterkonzerns ist er

President und CEO der Vehicle

Technology.

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13


[titelthema] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Heute ist nach seinen Worten

bei der Alko Fahrzeugtechnik

Normalität eingekehrt. „Die

ersten Monate nach dem Verkauf

waren brutal“, sagt Harald

Hiller.

tung, dass die neuen Eigentümer nicht nachhaltig

wirtschaften oder investieren würden. Die gefühlte

Sicherheit war verschwunden. Mancher sorgte sich,

dass ihn die neuen Aufgaben überfordern würden.

Wie ist die Situation heute?

Die Sorgen und Befürchtungen haben sich innerhalb

der ersten zwölf Monate gelegt und es kehrte eine gewisse

„Normalität“ ein. Wir investieren

heute nicht weniger, nur anders

– etwa in den Zukauf anderer

Unternehmen. Das verstehen nicht

alle Mitarbeiter, denn manche hätten

gerne mehr neue Maschinen

und Anlagen. Doch solange die bisherige

Ausstattung gut ist, ist es

sinnvoller, un seren Verbindlichkeiten

nach zukommen und in Wachstum

zu investieren. Wenn wir in

inter na tionalen Märkten mitmischen wollen – und das

müssen wir bei unserer Unternehmensgröße – benötigen

wir Kapital. Bei manch einem schwelen dabei sicherlich

noch Sorgen im Hintergrund. Aber ich kann

versichern: Wir setzen alles daran, unseren Konzern

gut aufzustellen, um sowohl den heutigen Mitarbeitern

wie auch den zukünftigen Kollegen sichere Arbeitsplätze

bieten zu können.

Die Unternehmensführung ist stark auf Zahlen und

Ergebnisse fokussiert.

Jedes Unternehmen muss positive Resultate erwirtschaften,

egal ob es ein familiengeführtes Unternehmen

ist oder ob es einem Investor gehört. Dafür brauchen

sie natürlich aber auch die richtigen Mitarbeiter.

Ohne diese „Performer“ ist ein Unternehmen schlichtweg

nicht überlebensfähig.

Wir fühlen

uns nach

wie vor der

Region

verpflichtet

Wirtschaftlichkeit ist die eine Seite, wo bleibt die

andere Seite des Unternehmens?

Natürlich leben wir unsere bewährten Werte weiter.

Beispielsweise dürfen wir uns zu den zehn besten Ausbildungsbetrieben

in Deutschland in der Kategorie Metallindustrie

zählen. Ohne die Menschen, die sich in

der Region, am Standort und im Unternehmen wohlfühlen,

wäre bei der Alko Fahrzeugtechnik das, was wir

gemeinsam erreicht haben, nicht

möglich. Viele unserer Mitarbeiter

sind seit 15, 20, 30 und mehr Jahren

für uns tätig. „Last but not

least“ haben wir unser Wertesystem

auch in der Unternehmensphilosophie

verankert.

Wie steht es mit dem Unternehmen

selbst?

Die Alko Fahrzeugtechnik fühlt

sich nach wie vor der Region verpflichtet und handelt

entsprechend. Das zeigt sich z. B. in Schul- und Hochschulpartnerschaften.

Eines ist klar: Egal wer „oben“

das Sagen hat, das Unternehmen hier vor Ort ist das

Leitunternehmen und wird es bleiben. Das sehen auch

unsere amerikanischen Vorgesetzten und Kollegen so.

Wie lautete nach Übernahme die Ansage an Sie?

Ich möchte „die Ansage“ charmant wiederholen. Mir

wurde mitgeteilt, dass das alles schön und gut gewesen

sei, was ich in den vergangenen 18 Jahren gemacht habe.

Aber das gehöre der Vergangenheit an. Es gäbe einen

klaren Plan für die nächsten 180 Tage und man

würde mich an dessen erfolgreicher Umsetzung messen

und danach über meine Zukunft entscheiden.

Wie hat sich das angefühlt?

14


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[titelthema]

Auch hier wieder charmant ausgedrückt – ganz und

gar nicht gut. Die vergangenen 18 Jahre waren plötzlich

nicht mehr wichtig. Die Welt war nicht mehr dieselbe.

Aber ich habe gelernt, damit umzugehen und

mich weiter zu entwickeln.

Wie sehen Sie die Situation heute?

Rückblickend war es ein riesiger Wachstumsschritt

fürs Unternehmen, aber auch für mich persönlich. Ich

habe sehr viel Gestaltungsfreiraum und kann ohne lange

Diskussionen meinen Geschäfts- und Unternehmeralltag

gestalten. Das fühlt sich gut an, allerdings nur

solange es läuft.

Was hat sich für Sie persönlich gewandelt?

Ich habe ein neues Bewusstsein entwickelt für das, was

möglich ist. Den Anforderungen der Konzernspitze gerecht

zu werden, ist meine tägliche Herausforderung.

Ich habe deutlich mehr Verantwortung. Wenn es hart

auf hart kommt, gibt es nur einen der den Kopf hinhalten

muss: mich. Gleichzeitig hab ich aber auch mehr

Freiheiten: Hart, aber gerecht.

Wie hat sich Ihr Leben verändert als Manager eines

US-Konzerns?

Die Gesamtbelastung ist stark gestiegen. Vorstandsvorsitzender

einer Private Equity geführten Organisation

im US-Umfeld zu sein, fordert mich und meine interkulturelle

Kompetenz sehr. Ich musste erstmal meinen

eigenen Weg finden, mich zu regenerieren: Körperlich,

vor allem aber auch mental. Anders ist das langfristig

nicht durchzustehen. Am meisten hatte ich an der gedanklichen

Dauerbelegung zu knabbern.

Und an was noch?

An den viel höheren Anforderungen bezüglich der finanztechnischen

Führungskompetenz. Von Haus aus

bin ich Ingenieur und Wirtschaftsingenieur. Sämtliche

Kennzahlen und deren Inhalte parat haben zu müssen,

das war eine Umstellung für mich. Und auch – wie es in

„Amerika“ so schön heißt – „ahead of things“ (den Dingen

voraus) zu sein. Auch wenn der aktuelle Plan gut

„Was ich die vergangenen 18

Jahre für Alko geleistet habe,

war nach dem Verkauf auf

einmal nicht mehr wichtig“,

erzählt Harald Hiller.

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15


[titelthema] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Blick in die Servicewerkstatt des Alko-Kundencenters in Kötz. Rechts ist ein Anti-Schleuder-System für Wohnwagen zu sehen, das an einer Achse montiert

ist. Das System aus Sensortechnik und Radbremsen reagiert, bevor sich der Caravan aufschaukeln kann.

Von der Dorfschmiede zum weltweit tätigen Fahrzeugzulieferer

Als Alois Kober im Jahr 1931 seine Dorfschmiede

in Kötz (Kreis Günzburg) gründete,

hätte er kaum zu träumen gewagt,

wie groß später einmal die Kober-Gruppe

sein würde. Bis 2015 bestand das Familien

unternehmen aus den drei Sparten Garten-,

Luft- und Fahrzeugtechnik. Damals

verkaufte die Familie Kober die größte und

ertragreichste Sparte: die Fahrzeugtechnik

an einen US-Investor, der das Unternehmen

kurze Zeit später an den US-

Investor KPS Capital weiter veräußerte.

2017 erfolgte die Verschmelzung mit dem

US-Unternehmen Dexko Aexle zu Dexko

Global. Seither bilden die beiden Achsenhersteller

einen Konzern, der über mehr

als 30 Produktions- und Vertriebsstandorte

verfügt. 2017 erwirtschafte Dexko Global

mit 4500 Mitarbeitern einen Umsatz

von 1,4 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro).

Davon entfallen auf die Alko Fahrzeugtechnik

rund 490 Millionen Euro. In den

vergangenen Jahrzehnten hat die Alko

Fahrzeugtechnik mehr als 25 Millionen

Achsen für Freizeitmobile, Nutzfahrzeuge

und Anhänger produziert. Sie ist unter

anderem führender Anbieter von Dämpfungstechnik

für Nutzfahrzeuge. Von den

2400 Mitarbeitern der Alko Fahrzeugtechnik

sind 944 im Kreis Günzburg tätig. AMB

ist, muss man den nächsten immer schon in der Tasche

haben. Das ist nichts Neues, gewinnt aber bei der gesamten

Veränderungsgeschwindigkeit extrem an Bedeutung.

Was meinen Sie mit interkultureller Kompetenz?

Wir bei Alko sind viel direkter – wir sagen, was wir denken.

Das kommt bei den US-Kollegen – wo „Höflichkeit“

oft im Vordergrund steht –

nicht immer richtig rüber. Zudem

haben wir bei der Alko Fahrzeugtechnik

aufgrund unserer internationalen

Ausrichtung schon früher

mit Menschen aus verschiedenen

Kulturkreisen zusammengearbeitet.

Deswegen war die Umstellung

nicht wirklich schwierig.

Was macht eine erfolgreiche Unternehmensführung

aus?

Wirkungsvoll ist derjenige, der seine Materie und seinen

Verantwortungsbereich profund kennt. Es geht

darum, echte Verantwortung zu übernehmen und Resultate

zu erzielen. Wir haben von den amerikanischen

Guns N’ Roses

als Motto:

Welcome

to the

Jungle

Kollegen gelernt: „It’s all about planning and execution“

(Es geht nur ums Planen und Ausführen).

Ist das in Deutschland nicht auch so?

Manche Führungskräfte hierzulande durchdenken

meines Erachtens komplexe Projekte nicht vollständig

oder ziehen die Umsetzung nicht konsequent durch.

Ich bin mir sicher, dass konsequente Planung und Umsetzung

die Schlüssel zum Erfolg

sind. Dazu ist eine klare Taktung

von Maßnahmen notwendig, die

in sinnvollen Abständen überprüft

wird. Wenn es eine Abweichung

gibt, wird diese mit dem

nötigen Fokus korrigiert.

Welche Mentalitätsunterschiede

gibt‘s zwischen deutscher

und US-Führungskultur?

Es gibt keinen Vertrauensvorschuss für Geleistetes in

der Vergangenheit. Wir sind jeden Tag auf dem Prüfstand.

Bei einer gemeinsamen Tagung aller Portfoliounternehmen

in Houston, Texas, lief das Lied „Welcome

to the jungle“ von Guns N’ Roses. „Das ist

16


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[titelthema]

Programm“, jeden Tag. Die amerikanischen Kollegen

sind jederzeit freundlich, erwarten aber trotzdem „Zahlen,

Daten, Fakten“. Bei uns wird zudem oft aufgrund

von Vertrauen zueinander entschieden, was aus meiner

Sicht auch nachhaltiger ist. Wir Deutschen sind oft

auf Win-Win-Situationen aus, während die Amerikaner

weitaus kompromissloser sind.

Was lässt sich von Amerikanern lernen?

In jedem Fall konsequentes Handeln, absolute Zahlen-

Transparenz und Umsetzungsgeschwindigkeit. Und

ganz wichtig: Auch wenn du nicht für „einen“ Missstand

verantwortlich bist, nimm ihn an.

Was meinen Sie damit?

Wir haben bei der Alko Fahrzeugtechnik anfangs –

nach dem Verkauf – oft gesagt, dass wir für vergangene

Fehler nichts können. Unser US-Management sagt:

„Übernimm trotzdem die Verantwortung und verändere

es“. Das ist „Commitment“.

Wie sehen Ihre Pläne für die nähere Zukunft aus?

Wir wollen wachsen. Wir haben sechs bis sieben Akquisitionen

für 2018 in Europa und Übersee in der Pipeline.

Eine davon ist abgeschlossen. Außerdem wird es

neue Produkte und Innovationen geben. Für das Jahr

2020 strebt unser Dachkonzern Dexko 2 Mrd. US-Dollar

Umsatz an. Heute sind wir bei 1,4 Mrd. Dollar.

Welches Thema an den Märkten beschäftigt Sie

derzeit am meisten?

Aktuell befinden wir uns in einer sehr kritischen Beschaffungsmarktsituation.

Die Wirtschaft boomt und

viele Zulieferer kommen an ihre Grenzen.

Welche positiven Einflüsse gibt es?

In diesen unruhigen politischen Zeiten steigt das Sicherheitsbedürfnis

der Menschen. Viele tendieren deshalb

zu Urlaub mit einem Freizeitfahrzeug. Sehr viel

läuft über Mietservice. Viele Menschen kaufen sich

kein eigenes Wohnmobil, sondern mieten sich eines.

In Europa, aber zum Beispiel auch in Australien. Ein

sicheres Reiseland, in dem viele – vor allem junge Leute

– mit dem Caravan oder Motorcaravan unterwegs sind.

Woher kommen sonst noch Impulse?

Auch das knappe Wohnraumangebot in den Städten

und die wirtschaftliche Gesamtsituation treiben das

Wachstum. Weil es an Wohnraum fehlt, wird viel gebaut.

Wir wiederum produzieren die Komponenten für

Nutzanhänger, die Handwerker zum Transport ihrer

Materialien benötigen.

Sie besetzen auch innovative Themen.

Da spielt unser Hang zur Diversifikation eine große

Von US-Amerikanern kann

man viel lernen in Sachen

konsequentes Handeln, Zahlen-Transparenz,

Umsetzungsgeschwindigkeit

und

den Umgang mit Fehlern,

sagt Harald Hiller.

17


[titelthema] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Optimistischer Blick in die

Zukunft: Harald Hiller im

Gespräch mit Alexander

Bögelein, Redaktionsleiter

unternehmen[!].

DAS INTERVIEW FÜHRTE

ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

MARC HÖRGER

Rolle und hilft uns, zu wachsen. In den Bereichen Nutzfahrzeuge

und E-Mobilität werden wir immer aktiver.

Nehmen Sie zum Beispiel den Street Scooter der Deutschen

Post: Vor drei Jahren haben wir mit der Lieferung

von 250 Achssystemen begonnen, mittlerweile sind es

mehr als 10.000 pro Jahr.

Wo steckt noch Potenzial für mehr Umsatz?

Wir haben da eine Vielzahl von Ansätzen. Zukäufe gehören

hier ebenso dazu wie die Themen E-Mobilität

und das Geschäft mit Endverbrauchern, das wir seit einigen

Jahren betreiben und nun verstärken. Damit ergänzen

wir unser Kernproduktportfolio,

das ganz klassisches

B2B-Geschäft ist, indem wir Zubehör

für Endverbraucher anbieten.

Das erhöht die Kundenbindung,

was wiederum Potenzial für mehr

Umsatz birgt. Auch in der zunehmenden

Internationalisierung liegt

eine große Wachstumschance. Vergangenes

Jahr haben wir zum Beispiel

eine Produktionsgesellschaft

in Brasilien gegründet.

Werfen Sie mit uns einen Blick in die Zukunft: Wie

sieht die Nutzfahrzeug- und Caravan-Technik in

zehn Jahren aus?

Das ist schwer zu sagen. Caravans werden in Zukunft

smarter. Dazu laufen auch bei uns Projekte. Es geht etwa

darum, Sicherheitsfunktionen abzufragen oder

selbstfahrende Konzepte zu integrieren. Dabei darf

10.000

Achsen pro

Jahr für den

Streetscooter

der Post

man aber nicht vergessen, dass unsere Käuferschicht

speziell in diesem Segment ein gewisses Alter hat und

daher bisher eher auf traditionelle Werte setzt.

Wie wird sich der Urlaub mit dem Reisemobil verändern?

Die Urlaubsform wird beliebt bleiben. Service- und

Dienstleistungen werden zunehmen. Es gibt zwar viele

tolle Campingplätze und Freizeitangebote, aber oft

fehlt ein Rundum-Service für Leute, die ihre Reise nicht

selbst organisieren können oder wollen. Ich sehe einen

Markt für Komplettangebote.

Welche Veränderungen bringt

der technische Wandel?

Der Leichtbau wird eine größere

Rolle spielen. Zudem gehen wir

weg von Stahl und Eisen und hin

zu hybriden Strukturen. Durch die

E-Mobilität ergeben sich neue

Märkte, in denen wir zuvor nicht

aktiv waren.

Wie zum Beispiel?

Mit dem eCab haben Alko Fahrzeugtechnik und Abt

z. B. einen vollelektrisch angetriebenen E-Transporter

auf die Straße gebracht. Die flexible Fahrzeug-Plattform

ist für unterschiedlichste Aufbaukonzepte geeignet.

Das ist eine perfekte Mischung – speziell auch für

den innerstädtischen Bereich, wo bestimmte Emissions-

und Abgasregelungen gelten. So ergeben sich für

uns weitere Felder, in die wir diversifizieren können.

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[namen & nachrichten] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Investor für

insolventes

Wochenblatt

Als Unabhängiges Wochenblatt

GmbH firmiert in Zukunft das

zuvor insolvente und seit 45

Jahren bestehende Anzeigenblatt

mit Hauptsitz in Ravensburg.

Die Beteiligungsgesellschaft

Prolimity mit Sitz in

Ummendorf bei Biberach hat

den Geschäftsbetrieb übernommen.

Als Geschäftsführer fungieren

Christoph Fluhr und

Sven Jetter. Prolimity Capital

Partners ist eine Beratungs- und

Beteiligungsgesellschaft im

deutschsprachigen Mittelstand

mit Fokus auf Unternehmen in

Sondersituationen.

Reiner rückt in

Vorstand von

Pfleiderer auf

Seit dem 1. April ist Nico Reiner

neues Vorstandsmitglied und

Finanzvorstand der Pfleiderer

Group S.A., die am Standort

Leutkirch aktiv ist. Er löst damit

Richard Mayer ab. Reiner

verfügt über langjährige Erfahrung

als Geschäftsführer und

Finanzvorstand internationaler

Unternehmen, unter anderem

in den Bereichen Fahrzeugtechnik,

Solar und Erneuerbare

Energien. Der Holzwerkstoffhersteller

Pfleiderer hat seinen

Hauptstandort in Wrocław (Polen)

und beschäftigt dort und in

Deutschland rund 3500 Mitarbeiter.

Der Jahresumsatz beträgt

rund eine Milliarde Euro.

Rolls-Royce setzt

auf Technik von

G+L Innotec

Bio-Premium aus Oberschwaben

Der Motorenhersteller Rolls-

Royce Power Systems (Friedrichshafen)

hat vom Laupheimer

Ingenieurdienstleister

G+L Innotec das exklusive Nutzungsrecht

für eine neue Technologie

zur elektrisch-unterstützten

Aufladung für

Off-Highway- Verbrennungsmotoren

erworben. Von 2021

an will Rolls-Royce die Motoren

seiner Marke MTU damit anbieten.

Die Technik sei ein „Meilenstein“

in der Hybridisierung

des Motors und ermögliche es,

verbrauchsärmere und schneller

beschleunigende Motoren

zu entwickeln.

Carthago

verstärkt die

Ausbildung

Der Reisemobilhersteller Carthago

aus Aulendorf verstärkt

sein Engagement in der Ausbildung.

Seit etwa einem Jahr geht

das Unternehmen die Nachwuchs-Suche

aktiv als Teilbereich

ihres Marketings an. Allein

im Beruf Holzmechaniker

bildet Carthago derzeit 10 junge

Menschen aus und will dies

weiter aufstocken. Das inhabergeführte

Unternehmen beschäftigt

etwa 1200 Mitarbeiter und

erwirtschaftete im Geschäftsjahr

2016/2017 einen Umsatz

von 305 Millionen Euro.

Rekordumsatz

bei ZF in

Friedrichshafen

Von einer fünfprozentigen Erlössteigerung

im Jahr 2018 geht

Wolf-Henning Scheider, Vorstandschef

der ZF Friedrichshafen

AG, derzeit aus. Mehr als

zwei Milliarden Euro sollen in

die Entwicklungsarbeit fließen.

Im Jahr 2017 konnte das Unternehmen

seinen Umsatz auf 36,4

Milliarden Euro steigern – ein

Zuwachs von sechs Prozent gegenüber

dem Vorjahr. Der operative

Gewinn stieg von 2,2 auf

Foto: Thomas Kapitel

Die Buchmann GmbH aus Grünkraut bei Ravensburg

ist mit umliegenden Bioland-Höfen

in der Region Oberschwaben/Württembergisches

Allgäu eine Kooperation eingegangen.

Buchmann’s Bio Rind heißt die neue Premium-

Marke des Fleischerei-Betriebs. Durch die Zusammenarbeit

werden kurze Transportwege

garantiert. Derzeit sind das etwa vier Tiere pro

Woche. Die Buchmann GmbH ist ein seit über

80 Jahren bestehendes Familienunternehmen

mit 120 Mitarbeitern und beliefert etwa 1200

Großhandelskunden.

2,3 Milliarden Euro. Der Technologiekonzern

beschäftigt

weltweit rund 146.000 Mitarbeiter

an etwa 230 Standorten.

Hymer erweitert

Standort in

Wangen

Die Hymer-Leichtmetallbau

GmbH & Co. KG baut eine neue

Produktionshalle und erweitert

so die Kapazität am Firmensitz

in Wangen im Allgäu. Hintergrund

ist laut Geschäftsführer

Gerald Schock die ausgezeichnete

Auftragslage und weiteres

Wachstumspotenzial. 2017

kletterte der Umsatz um 25 Prozent

auf 70 Millionen Euro. Neben

Steigtechnik stellt der

Aluspezialist auch Fahrzeugtechnik

her. Die Firmengruppe

beschäftigt an vier Standorten

544 Mitarbeiter, davon 200 im

türkischen Farhym. [!] RIZ

20


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In puncto Steuern sitzen wir alle in einem Boot. Aber:

mit dem richtigen Lotsen an Bord lässt sich so manche

fiskalische Klippe sicher umschiffen. In vorausschauenden

Steuerberatungsleistungen liegt das kreative Potential,

mit dem unser Spezialistenteam neue Spielräume für unternehmerische

Entscheidungen herausarbeitet.

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Beim Elektrospezialisten Speidel durchlaufen alle Lehrlinge alle Abteilungen: Darum messen hier die angehende Industriekauffrau Sina Weiler und der künftige

Elektroniker Fabian Deppert einen Schaltschrank vor dessen Auslieferung durch.

Fotos: Giacinto Carlucci

Neue Ideen für smarte Energie

Das Göppinger Elektrotechnik-Unternehmen Speidel wächst rasant und begeistert junge Leute für die E-Mobilität – sei

es mit einer „Nacht der Ausbildung“, Talent-Programmen oder schlicht Wertschätzung für die Mitarbeiter

Dumpf donnert der Bass durch den

Raum. Lichter tanzen im Takt und

durchbrechen nur mit Mühe die weißen

Schwaden, die bauschig aus den Nebelmaschinen

strömen. Auch der rote Teppich

fehlt nicht. 450 Fußpaaren weist er den Weg

in die heiligen Hallen – die Produktionshallen

von Speidel Elektrotechnik in Göppingen.

2017 war das erste Mal, dass die Schwaben

sich bei der von den Wirtschafsjuroren organisierten

Nacht der Ausbildung beteiligten.

„Wer am Zahn der Zeit bleiben will, muss auch

mal unkonventionelle Wege gehen“, findet

Geschäftsführer Rolf Eppinger. Also verzichtet

der Göppinger auf eine Rede und lässt stattdessen

seine Lehrlinge erzählen, wie der Arbeitsalltag

bei Speidel aussieht. „Der Chef

kann schließlich viel behaupten“, meint der

48-Jährige, dem Kommunikation auf Augenhöhe

genauso wichtig ist wie Begeisterung für

die eigenen Dienstleistungen. Neben DJ und

Segway-Parcours warten deshalb auch ein

Porsche Panamera Hybrid mit Elektromotor

und ein BMWi8 darauf, ausprobiert zu werden.

„E-Mobility muss erlebbar sein“, sagt Eppinger,

„nur so können wir mit Leidenschaft

an deren Verbreitung mitwirken.“ Der Erfolg

gibt ihm Recht. Innerhalb von fünf Tagen landen

90 Bewerbungen auf dem Schreibtisch

des Ingenieurs.

SPEZIALIST FÜR LADESÄULEN

Seit März 2016 leitet Rolf Eppinger den mittelständischen

Betrieb in Göppingen gemeinsam

mit seinen Kollegen Konrad Hommel

und Brigitte Speidel. Was 1921 als klassisches

Elektroinstallations-Unternehmen startete,

ist in den vergangenen Jahren zum Allround-

Technologieanbieter gewachsen. 330 Mitarbeiter

und rund 50 Auszubildende installieren

unter anderem Kommunikations- und

Sicherheitssysteme, automatisieren Gebäude-

und Produktionsanlagen,

entwickeln

Energieversorgungskonzepte

oder verbauen europaweit

Photovoltaik-Anlagen.

Dabei setzen die

Göppinger verstärkt

auf smarte Geschäftsführer

Systeme, die regenerative

Energie

Rolf Eppinger.

aus der Sonne möglichst effizient zur Versorgung

von Gebäuden oder seit neustem für E-

Ladestationen nutzen. „Die Elektromobilität

kommt. Spätestens seit Dieselfahrverbote im

Raum stehen, beschäftigen sich immer mehr

Menschen mit den Vor- und Nachteilen von

E-Autos“, sagt Eppinger. Auch die Zahlen sprechen

für sich: mindestens 650 E-Ladestatio-

22


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[machen]

nen planen die Elektrofachmänner 2018 landesweit

zu installieren. „Täglich erreichen

uns neue Anfragen von Unternehmen, Kommunen

oder Privathaushalten dazu“, so der

Ingenieur, der viele seiner rund 300 Projektpartner

persönlich kennt. „Für uns gehört E-

Mobility seit Jahren zum Tagesgeschäft.“ Diese

Wissensbasis habe Speidel vielen

Konkurrenten, ja selbst Autoherstellern voraus.

Um das Auftragsvolumen, das sich innerhalb

der vergangenen zwölf Monate verdoppelt

hat, erfüllen zu können, ist Speidel auf

der Suche nach jungen Talenten. „Unsere derzeit

größte Herausforderung ist der Fachkräftemangel“,

sagt Eppinger. Insbesondere qualifizierte

Monteure seien regelrecht umkämpft.

Um das Leck langfristig zu stopfen, setzen die

Göppinger auf Selbsthilfe.

Fokus auf Vernetzung und Energiespeicherung.

Die Verwaltung samt Vertrieb, Technik und IT in Göppingen: Hier arbeiten 80 Mitarbeiter.

Die Speidel GmbH ist 1921 von Widerhold

Speidel in Göppingen gegründet

worden. Noch heute ist das mittelständische

Elektrounternehmen inhabergeführt:

Brigitte Speidel teilt sich die Geschäftsführung

mit Rolf Eppinger und

Konrad Hommel. Neben dem Hauptsitz in

Göppingen betreibt das Unternehmen mit

330 Mitarbeitern zwei Niederlassungen in

Berlin und Frankfurt, sowie Produktionsstandorte

in Ungarn und Tschechien. Um

den Anforderungen moderner Energiesysteme

gerecht zu werden, fokussiert sich

Speidel seit 2017 auf die Vernetzung von

Anlagen sowie auf den effizienten Einsatz

und die Speicherung von Energie. GYS

IMPULSE VON TALENTEN

Bis August 2018 soll eine neue Ausbildungswerkstatt

entstehen, die mit 150 Quadratmetern

doppelt so groß ist wie die bisherige. „Ein

Ausbildungsleiter ist zu 100 Prozent für die

Qualifizierung der Azubis angestellt“, erklärt

Eppinger, der Investitionen in den Nachwuchs

für eine der sinnvollsten Kapitalanlagen

hält. „Oft sind es Impulse junger Talente,

die das Unternehmen vorantreiben“, weiß der

Geschäftsmann. Ein hauseigenes Talentprogramm

soll High Potentials identifizieren und

ihren Wünschen gemäß „nach vorne bringen“.

Denn dann, so Eppinger, bleiben sie.

Um junge Leute auf sich aufmerksam zu machen,

kooperiert das Unternehmen mit Hochschulen,

ist auf Bildungsmessen präsent oder

wirbt mit öffentlichkeitswirksamen Events

für sich. Etwa mit der Speidel Europapokalnacht

in der EWS Arena. Bei dem Event Ende

März waren alle Mitarbeiter mit ihren Familien

zum Handballmatch zwischen Frisch auf

Göppingen und der slowenischen Mannschaft

RD Koper eingeladen. „Als Dankeschön

für das gute Geschäftsjahr.“ Denn auch das

haben Eppinger und sein Team gelernt: „Noch

wichtiger als qualifiziertes Personal zu akquirieren

ist es, die bestehende Belegschaft wertzuschätzen.“

Die ganze Zeit über ist die „Hands

on“-Mentalität der Schwaben spürbar. Im eigentlichen

Sinn, weil das Sport-Event mit Informationen

rund ums Thema E-Mobilität

gespickt ist. Aber auch im übertragenen,

wenn Kinder, Ehemänner und –frauen zum

ersten Mal im neuen Panamera 4E-Hybrid

Sport Turismo sitzen dürfen und fühlen, was

E-Mobilität bedeutet. [!] RONJA GYSIN

23


[spezial] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Schlüssel mit Mehrwert

Für viele Fach- und Führungskräfte sind Dienstwagen eine begehrte Nebenleistung des Arbeitgebers. Diese hat viele

Vorteile, verringert aber das Nettogehalt – auch wenn ein Urteil des Bundesfinanzhofs eine gewisse Entlastung bringt.

Der Dienstwagen hat als Statussymbol

nicht ausgedient. Die Hälfte der vom

Meinungsforschungsinstitut Emnid

befragten Arbeitnehmer ist der Meinung, dass

die persönliche Nutzung eines solchen Fahrzeugs

ein Privileg darstellt. Ein Drittel findet,

dass diese Sachleistung den Arbeitgeber attraktiver

macht. Doch nur jeder achte Mitarbeiter

kann einen Dienstwagen für sich beanspruchen,

den er auch privat verwenden darf.

Ob sich ein Dienstwagen auch ökonomisch

lohnt, hängt von den persönlichen Lebensumständen

und von der Ausgestaltung der

Vereinbarung mit dem Arbeitgeber ab. In vielen

Fällen übernimmt der Arbeitgeber die

Kosten für Benzin, Versicherungen, Wartung

oder Reparaturen.

Foto: © Kzenon / fotolia.com

VW IST BELIEBTESTE MARKE

Für Mitarbeiter ist das interessant, weil sie

dann privat nichts für die Nutzung ihres Wagens

zahlen müssen. Es kommt hinzu: Wer

einen Dienstwagen hat, fährt meist ein standesgemäßes

Modell, das immer auf dem neuesten

Stand ist und regelmäßig ausgetauscht

wird. Unter Fachkräften liegt der Anschaffungspreis

für einen Dienstwagen laut Statistikportal

Statista zwischen 29.600 und 40.000

Euro. Für Führungskräfte liegt der Wert zwischen

44.400 bis 53.400 Euro. GmbH-Geschäftsführer

gönnen sich im Schnitt ein

70.800 Euro teures Auto. Beliebteste Marke

unter den Dienstwagenfahrern ist VW mit einem

Anteil von 28 Prozent. Dabei ist vor allem

der Passat gefragt. Dann folgen Audi mit

dem A4 und A6 sowie BMW (Dreier-, Fünferreihe).

Selbst wenn eine private Nutzung erlaubt ist

und der Arbeitgeber sämtliche Kosten übernimmt,

muss der Mitarbeiter den geldwerten

Vorteil aus der privaten Nutzung versteuern.

Das kann teuer werden, vor allem wenn es

Dienstwagen für Fachkräfte kosten bis zu 40.000

Euro, für Führungskräfte bis zu 53.400 Euro.

24


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[rubrik]

sich um ein gehobenes

Fahrzeug

handelt. Vor die

Wahl gestellt, Gehaltserhöhung

oder Dienstwagen,

ist es oft attraktiver,

die Gehaltserhöhung

einzustreichen.

Das gilt

Christian Goetze

für die wachsende

von Ecovis in Ulm. Gruppe derer, die

in einer Großstadt

wohnt und nicht Auto fährt. „Die Besteuerung

des geldwerten Vorteils für die private

Nutzung richtet sich nach dem Bruttolistenpreis.

Der ist deutlich höher, als wenn man ein

Auto beim Händler direkt kauft“, sagt Steuerberater

Christian Goetze von Ecovis in Ulm.

BEQUEME PAUSCHALLÖSUNG

Finanziell lohnend ist ein Firmenwagen häufig

dann, wenn alternativ ein privates Fahrzeug

Egal wie alt der Dienstwagen ist: Die Besteuerung richtet sich nach dem Bruttolistenpreis.

angeschafft würde, für das die Kosten für Anschaffung,

Kraftstoffe, Wartung, Verbrauchsmaterialien

und Reparaturen dann natürlich

selbst zu tragen wären. Das gilt selbst dann,

wenn für ein privates Auto die Kosten für lange

Anfahrtswege vom Wohn- zum Arbeitsort steuerlich

absetzbar sind. Es kommt auf den Einzelfall

an, welche Lösung finanziell attraktiver ist.

Foto: © Tomasz Zajda / fotolia.com

Wenn der Arbeitgeber die private Nutzung

des Fahrzeugs erlaubt, hat der Arbeitnehmer

zur Abgeltung des geldwerten Vorteils zwei

Möglichkeiten: Er führt ein Fahrtenbuch, in

dem er jede private Nutzung des Autos lückenlos

und vollständig dokumentiert. Ein

solches Fahrtenbuch lässt sich mit einem

elektronischen Aufzeichnungsgerät, einer

25


[spezial] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

App oder auch klassisch mit Büchlein und Kugelschreiber

führen. Letzteres verlangt Sorgfalt,

Disziplin sowie eine zeitnahe Dokumentation

und stellt einen gewissen

bürokratischen Aufwand dar. Die Fahrtenbuchlösung

empfiehlt sich vor allem dann,

wenn das Fahrzeug selten privat genutzt wird.

Wesentlich praktischer für den Arbeitnehmer

ist die Pauschalmethode oder auch Ein-Prozent-Regel.

Diese nutzen die meisten Dienstwagenfahrer.

Dann wird monatlich ein Prozent

des Bruttolistenpreises (inclusive

Sonderausstattungen) auf das Gehalt aufgeschlagen.

„Das ist immer dann sinnvoll, wenn

das Auto häufig für private Anlässe genutzt

wird und man sich den bürokratischen Aufwand

sparen will“, sagt Steuerberater Goetze.

Von einem von Hand geführten Fahrtenbuch

rät er ab, „weil man es dann doch immer wieder

vergisst und genau das bei einer Prüfung

häufig Ärger verursacht.“

Ist die private Nutzung erlaubt, dann sind die

Fahrten vom Wohnort zur Arbeit ebenfalls zu

versteuern. Bei 30 Kilometern einfacher Entfernung

zwischen Wohnung und Arbeit berechnen

diese sich monatlich mit 0,03 Prozent

mal 30 Kilometer mal Bruttolistenpreis.

EIGENE KOSTEN ANRECHNEN

In einem aufsehenerregenden Urteil hat der

Bundesfinanzhof kürzlich ein arbeitnehmerfreundliches

Urteil gefällt. Betroffene können

den geldwerten Vorteil um die selbst getragenen

Benzinkosten kürzen. „Wichtig ist, dass

der Arbeitnehmer seinen eigenen Aufwand

nachweisen kann“, sagt Ecovis-Steuerberater

Goetze. Dies geschieht in der Regel in Form

von Tankbelegen und Zahlungsnachweisen.

Die meisten Arbeitgeber leasen die Fahrzeuge

bei einem der großen Flottenbetreiber. Vor allem

für Selbständige stellt sich die Frage, ob

sie einen Dienstwagen leasen oder kaufen.

Kosten für betrieblich genutzte Fahrzeuge, etwa

Parkgebühren, Steuern, Maut sowie Benzin-,

Wartungs- und Reparaturkosten, bedeuten

betrieblichen Aufwand und lassen sich

steuerlich absetzen. Dazu gehören auch Leasingraten.

Im Fall eines Kaufs können die Anschaffungskosten

für ein Fahrzeug über sechs

Jahre abgeschrieben werden.

Angesichts der Diskussion um Dieselfahrverbote

kann auch ein Elektroauto oder Hybrid

als Dienstwagen in Frage kommen. Da sind

zwar die Anschaffungskosten höher. Der Gesetzgeber

gewährt jedoch einen Zuschuss von

bis zu 4000 Euro (maximaler Kaufpreis: 60.000

Die beliebtesten Modelle der Geschäftsführer

Von Platz eins bis zehn sind die deutschen Hersteller BMW, Audi, VW und Mercedes unter sich.

Zeige mir, was du fährst, und ich sage

Dir, wer du bist: Getreu dieses Mottos ist

für Geschäftsführer die Wahl des Dienstwagenmodells

durchaus heikel. Wie die

Untersuchung „GmbH-Geschäftsführervergütungen

2018“ des Verlags BBE Media

zeigt, bevorzugen Entscheider deutsche

Modelle. Das ist das Ranking ihrer

zehn beliebsten Modelle: 9,8 Prozent der

Geschäftsführer fahren einen BMW 5er.

Euro). Da Elektroautos teurer sind, gibt es

auch bei der Berechnung des geldwerten Vorteils

für die Privatnutzung des Firmenwagens

– egal ob Fahrtenbuch oder Ein-Prozent-Regel

– noch eine Vergünstigung. Der Bruttolistenpreis

als Basis für die Berechnung des geldwerten

Vorteils verringert sich um einen Wert,

der vom Zeitpunkt der Anschaffung sowie der

Größe (Ladekapazität) der Batterie abhängt.

Konkret bedeutet dies: Der vom Bruttolistenpreis

abzuziehende Betrag errechnet sich

2018 aus dem Faktor 250 multipliziert mit

den Kilowattstunden (kWh) der Batterie. Die

exakte Batteriekapazität des E-Autos steht in

Ziffer 22 der Zulassungsbescheinigung Teil 1.

Wer sich erst 2019 ein Elektrofahrzeug kaufen

will, sollte beachten, dass die Minderung pro

Kilowattstunde der Batteriekapazität mit den

Jahren geringer ausfällt. Für 2019 beträgt der

Minderungsbetrag noch 200 Euro; ab 2020

nur noch 150 Euro.

Außerdem ist der Abzugsbetrag gedeckelt.

2018 liegt die Obergrenze bei 7500 Euro, egal,

ob die Batterie 40 oder wie bei Tesla bis zu 100

Es folgen Audi A6 (9,6 Prozent); Mercedes

E-Klasse (8,8 Prozent); BMW X3, X5, X6

(6,5 Prozent); Audi Q3, Q5, Q7 (5,2 Prozent);

VW Touareg (3,3 Prozent); Mercedes

M-Klasse (2,9 Prozent); Mercedes C-

Klasse (2,8 Prozent); Mercedes S-Klasse

(2,8 Prozent), Audi A4 (2,4 Prozent). Unter

den ersten 20 sind mit Volvo (Platz 19)

und Land Rover (20) nur zwei ausländische

Hersteller.

AMB

kWh groß ist. Diese Obergrenze sinkt jährlich

um 500 Euro bis auf 5500 Euro im Jahr 2022,

wenn die Förderung vorerst ausläuft.

PRIVILEG AUCH FÜR E-BIKES

2012 wurde das Dienstwagenprivileg auf

Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes ausgeweitet.

Das bieten immer mehr Firmen an. Mitarbeiter

können etwa ihr Dienstrad und auf

Wunsch ein zweites über das Unternehmen

leasen und so Steuervorteile nutzen. Das

lohnt sich laut Finanzexpertin Isabel Klocke

vom Bundesverband der Steuerzahler vor allem

beim Kauf eines teuren Rads. Nach Ablauf

des Leasingvertrages besteht die Möglichkeit,

es zu einem kalkulierten Restwert zu übernehmen.

Die Ersparnis gegenüber einem Barkauf

kann bis zu 40 Prozent betragen. Auch

hier gilt: Der geldwerte Vorteil muss nach der

Ein-Prozent-Regel oder mit dem Fahrtenbuch

versteuert werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber

sollten im Vorfeld eine entsprechende

Gehaltsumwandlung vereinbaren, aber auch

Haftungsfragen klären. [!] GERHARD BLÄSKE

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[verantworten] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Vorfreude auf die große Kiste

Mohammed Amany lernt bei der Neu-Ulmer Spedition Allgaier seinen Wunschberuf. In Deutschland herrscht schon

jetzt ein akuter Mangel an Kraftfahrern. Das Berufsbild ist anspruchsvoll und gute Sprachkenntnisse sind Pflicht.

Die Theorieprüfung für den Führerschein

Klasse B hat Mohammed Amany

bereits in der Tasche. Der 18-jährige

Afghane möchte hoch hinauf, nämlich in das

Führerhaus eines Lastwagens. Aus diesem

Grund hat der Flüchtling, der 2015 nach

Deutschland kam, sich entschlossen eine Ausbildung

zum Berufskraftfahrer zu machen:

„Ich finde es sehr interessant, auf den Straßen

in Deutschland unterwegs zu sein“, sagt er.

Amany wird – sobald er den Führerschein hat

– eine begehrte Fachkraft sein. Das deutsche

Speditions- und Logistikgewerbe sucht händeringend

Fahrer. Trotz nachhaltiger Lohnanpassungen

steigt die Attraktivität des Berufsbildes

nach Angaben des Branchenverbandes

DSLV nicht. „Dabei wandelt sich das gerade

sehr“, sagt Ingrid Eibner, Managerin des Logistik-Clusters

Schwaben. Die Fahrzeugführer

müssten in digital vernetzten Lieferketten die

Aufträge koordinieren, hätten eine höhere Eigenverantwortung

auch mit Blick auf das zunehmende

Hightech im Führerhaus. Eigenständiges

Arbeiten und eine große Portion

Kontaktfreude seien nötig.

Bis sich der junge Auszubildende der Neu-Ulmer

Konrad Allgaier Spedition GmbH & Co.

im Alltag bewähren kann, vergehen noch

zwei Lehrjahre. In denen hat er die parallellaufende

Führerscheinausbildung der Klassen

C und CE vor sich. Mohammed Amany ist

zuversichtlich, dass er in seinem Traumberuf

arbeiten wird.

Nach einer aktuellen Studie der Weltbank, die

von der Kühne Logistics University angefertigt

wurde, gibt es in ganz Europa einen Mangel

an Lkw-Fahrern. „Gegenwärtig sind EUweit

die Probleme in Deutschland und

Großbritannien am Größten“, heißt es in der

Analyse. Aktuell fehlen in Deutschland

45.000 Berufskraftfahrer, rechnet der Deutsche

Speditions- und Logistikverband (DSLV)

Mohammed Amany freut sich auf Fahrten in großen

Fahrzeugen.

Foto: Marc Hörger

28


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[verantworten]

vor. Aus diesem Grund machte sich der Verband

bereits 2015 für die Beschäftigung von

Flüchtlingen stark und forderte pragmatische

und unbürokratische Lösungen. Hauptgeschäftsführer

Frank Huster sieht darin eine

Win-win-Situation, die die Politik nicht verschlafen

dürfe: „Auf der einen Seite sucht die

international agierende Speditions- und Logistikbranche

Fach- und Nachwuchskräfte.

Auf der anderen Seite sind viele Menschen,

die jetzt nach Deutschland kommen, qualifiziert

und motiviert und hoffen auf Arbeit,

Ausbildung oder Praktikumsplätze.“ Zahlreiche

Unternehmen seien bereit, Flüchtlingen

eine Chance zu geben.

NICHT NUR AUS EIGENNUTZ

Dies tut auch Albert Schwarz, der die aktuellen

Probleme der Branche nur zu gut kennt.

„Wer Berufskraftfahrer werden möchte, hat

sich einen der schwierigsten Ausbildungsberufe

überhaupt in Deutschland ausgesucht“,

sagt der Personalleiter von Allgaier. Auch er

sucht händeringend nach Fahrern. Bereits

2016 bot er ersten Flüchtlingen Praktikumsplätze

in dem Unternehmen an, das neben

dem Transportgewerbe auch in den Bereichen

Logistik, Beschaffung, Verpackung, Montage

und Hebesysteme tätig ist: „Die Anforderungen

des Berufskraftfahrers sind so vielseitig,

dass man heutzutage ohne mathematisches

Wissen und technisches Verständnis keine

Chance hat.“ Die Liste der Ausbildungsschwerpunkte

ist lang, die Inhalte anspruchsvoll.

Sie reichen vom Arbeits- und Tarifrecht,

über Sicherheit, Umweltschutz, Rechtsvorschriften

im Straßenverkehr, das Verhalten

nach Unfällen über Vertragsabwicklung bis

hin zu kundenorientiertem Verhalten.

Im September des vergangenen Jahres stellte

Albert Schwarz sechs Flüchtlinge ein, die parallel

zur dreijährigen Berufsausbildung die

theoretischen und praktischen Führerscheinprüfungen

absolvieren. Während die Klasse

C1/C1E den Auszubildenden erlaubt leichte

Beschleunigte Qualifizierung

Schauten Teilnehmer Ghassan Bani Waisi über die Schulter (v.l.): Armin Speidel (IHK Ulm), Harald

Lämmle (Jobcenter Biberach), Elke Renz (Spedition Noerpel), Otto Sälzle (IHK Ulm), Bernd

Berkau vom Seminaranbieter KVS.

Die Jobcenter Ulm, Biberach und die IHK

Ulm fördern die Ausbildung zum Kraftfahrer.

Ende April ging ein sechsmonatiges

Modellprojekt zu Ende, mit dem unter anderem

Flüchtlinge für den Beruf teilqualifiziert

wurden. „Das Projekt ermöglichte

Geringqualifizierten eine praktisch orientierte

Qualifizierung mit besten Übernahmechancen

in eine Anstellung in Verkehrsbetrieben“,

sagt Armin Speidel von der

und schwere Lkw zu fahren, ermächtigt sie

die Klasse C/CE zum gewerblichen Führen

von schweren Lkw mit Anhängern über 750

Kilogramm. Bei seinem Projekt zieht Albert

Schwarz an einem Strang mit der Ulmer Verkehrsfachschule

Bayer, in der die Auszubildenden

auf ihre theoretischen und praktischen

Führerscheinprüfungen vorbereitet

werden. Bei einem Informationstag im Ulmer

Donautal haben sie gemeinsam Flüchtlingen

das Berufsbild nähergebracht.

Die Firma Allgaier gibt Migranten oder Asylanten

jedoch nicht nur aus Eigennutz eine

Chance, vielmehr möchte sie damit – ebenso

Koordinierungsstelle Flüchtlinge der IHK

Ulm. Die 14 Teilnehmer aus Deutschland,

Indien, Irak, Iran, Kosovo und Syrien legten

im Rahmen des Projektes unter anderem

die Fahrerlaubnis der Klassen C und

CE ab, erwarben die beschleunigte

Grundqualifikation im Güterverkehr und

absolvierten Ladungssicherungsschulungen.

Voraussetzung für die Maßnahme

waren gute Sprachkenntnisse. LOE

wie Fahrschul-Chefin Eva Bayer – einen Beitrag

zur Integration leisten. Die liegt dem engagierten

Flüchtlingshelfer Albert Schwarz

auch persönlich am Herzen. Er fördert die jungen

Menschen in seiner Freizeit, zum Beispiel

mit Sprachkursen. Denn das Erlernen der

deutschen Sprache ist das A und O der Ausbildung.

Das weiß auch Mohammed Amany, einer

seiner engagiertesten Lehrlinge: „Es geht

ja nicht nur darum, mit Kunden zu sprechen,

man muss auch die Abläufe einer Spedition

oder Logistikprozesse von Grund auf verstehen.

Ohne die deutsche Sprache geht das einfach

nicht.“ [!]

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[spezial] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Nicht erfasstes

Sparpotenzial

Mittelständler können ohne große Investition ihre

Versorgung mit Strom und Wärme optimieren und

Geld sparen. Das Thema Energie-Contracting bietet

viele Vorteile. Doch bei vielen Firmen steht es noch

nicht auf der Tagesordnung – zu Unrecht.

Die Energiewende gelingt nur, wenn der Energieverbrauch

deutlich reduziert und Einsparmöglichkeiten besser genutzt

werden. In bestehenden Gebäuden schlummert großes Potenzial,

das oft nicht gehoben wird. Das hat finanzielle Gründe,

liegt aber auch an Informationsdefiziten oder daran, dass sich Firmenchefs

und Führungskräfte in Zeiten boomender Konjunktur um

andere Themen kümmern. Viel zu wenig genutzt wird etwa das Energie-Contracting.

Dabei werden die Belieferung

mit Energie oder die Realisierung von

Energiesparmaßnahmen an Spezialisten

ausgelagert.

Wenn es um Vertragslösungen für die Belieferung

von Energie geht, ist die öffentliche

Hand und die Wirtschaft aufgeschlossener.

Bei dieser Form des Contracting

vergeben sie einem externen Experten den

Auftrag, eine bestimmte Menge Energie zu

liefern. Der so genannte Contractor erhält

dafür über eine Laufzeit von teilweise bis Rüdiger Lohse, KEA

zu 20 Jahren eine monatliche Gebühr für Baden-Württemberg.

die Energie und eine feste Pauschale. Dafür

übernimmt er häufig nicht nur die Planung, sondern auch die Investition

und vielleicht sogar den Betrieb einer Anlage. „Energie-Contracting

ist ein super-spannendes Thema. Hier kann das Thema Energieversorgung

bzw. -einsparung outgesourct werden“, sagt Rüdiger Lohse,

Bereichsleiter Contracting im Kompetenzzentrum Contracting BW

der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg.

IDEAL FÜR EINE HÖHERE EFFIZIENZ

Noch eine Nische ist das Energiespar-Contracting. Hier verhilft der

Contractor dem Auftraggeber zu vorher vereinbarten Energieeinsparungen,

etwa indem er dessen Anlagen oder Gebäude technisch verbessert

beziehungsweise auf deren Betrieb mit bestimmten Methoden

Einfluss nimmt. Der Auftragnehmer erhält seine Arbeit mit einem Teil

Foto: © Bayurov Alexander /

shutterstock.com

Auf die Industrie im Südwesten entfällt 20 Prozent des Energieverbrauchs.

Contractoren helfen Produktionsprozesse energieeffizienter zu machen.

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Ausgezeichnete Versorgung

Als innovatives Projekt in puncto zukunftsweisender Energieversorgung wurde die neue

Wohnanlage „Hofgut Blaustein“ mit dem Contracting-Preis Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Verleihung des Contracting-Preises (v. l. n. r.): Volker Munk, Marcus Deutenberg (SWU Energie),

Florian Ebinger (Munk), Timo Exel (SWU Energie).

Foto: SWU

Das Hofgut Blaustein wurde mit dem

Contracting-Preis ausgezeichnet.

Foto: Munk

Im November 2017 erhielten Munk Bauen &

Wohnen und die SWU Energie dafür in Stuttgart

den erstmals ausgelobten Contracting-

Preis des Landes Baden-Württemberg. Vergeben

wird er für Gebäude mit intelligenter Energieversorgung

unter Contracting-Beteiligung

z.B. eines Energiedienstleisters.

Energieerzeugung inhouse

Wärme und Strom werden in der Wohnanlage

erzeugt und direkt vor Ort verbraucht. Die

Energieerzeugung erfolgt über ein modernes,

energieeffizientes Blockheizkraftwerk im Keller

eines der sieben Gebäude. Mit 39 Kilowatt

thermischer und 20 Kilowatt elektrischer Leistung

liefert es neben der Wärme auch noch gut

60 Prozent des benötigten Stroms – frei von

Netznutzungsentgelten, Stromsteuer, KWK-

Zuschlag und Konzessionsabgabe.

„Der sogenannte ‚SWU PartnerStrom‘ ist deutlich

günstiger und nur ein Teil unserer Contracting-Leistung“,

erklärt Timo Exel, Leiter Energiedienstleistungen

bei der SWU. Ergänzend

profitieren die Bewohner vom intelligenten

„Smart Meter“ – einem mit Webportal verbundenen

Stromzähler – sowie von TV, Internet

und Telefon der SWU TeleNet. „Der neuartige

Rund-um-Service bringt also viele Vorteile“,

meint Timo Exel. Das Preisgeld von 1.500 Euro

haben beide Preisträger verdoppelt und den

Gesamtbetrag von 4.500 Euro an zwei soziale

Einrichtungen in Blaustein gespendet.

Auch mit Photovoltaik attraktiv

Bei anderen Gebäuden kann es sinnvoll sein,

die lokale Stromerzeugung durch Photovoltaik

zu realisieren. Die Vorteile sind dieselben:

günstiger Strompreis, Wertsteigerung der Immobilie,

energetische Optimierung, Beitrag zur

Energiewende durch Nutzung regenerativer

Energie und Verbrauch direkt vor Ort im Gebäude.

Vorteile für Unternehmen

Das Contracting-Modell bietet diese Vorteile

nicht nur für Wohngebäude, sondern auch für

Firmengebäude – beispielsweise Lagerhallen

mit großen Dächern. Der Einsatz eines Blockheizkraftwerkes

ist überall dort wirtschaftlich

interessant, wo Unternehmen neben Strom

auch viel Wärme benötigen. Sei es in Gebäuden

oder bei Produktionsprozessen.

Die Projektpartner

Die Munk Bauen & Wohnen GmbH ist seit

über 20 Jahren als Bauträger für moderne

Wohnanlagen, Innenstadtquartiere und

Stadthäuser in der Region Ulm/Neu-Ulm

aktiv. Das nächste größere Projekt wird mitten

in Ulm-Söflingen mit insgesamt circa

200 Wohneinheiten entstehen.

Ansprechpartner Projektentwicklung

Julika Kern

T 0731 96896-47 · kern@munk.de

Nina Munk

T 0731 96896-30 · nmunk@munk.de

Die SWU Energie GmbH bietet innovative

Lösungen und Dienstleistungen für

die Versorgung von Gebäuden, von der

Energieversorgung über Energieeffizienzmaßnahmen,

Elektromobilität bis hin zu

Telekommunikation (über die Schwestergesellschaft

SWU TeleNet).

Ansprechpartner

Timo Exel

Leiter Energiedienstleistungen

T 0731 166-2697 · timo.exel@swu.de

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[spezial] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Foto: © industryviews / shutterstock.com

Im Rahmen des Energiespar-Contractings kann der Dienstleister auch den Bau und Betrieb von Anlagen übernehmen.

der eingesparten Kosten vergütet – ebenfalls über eine meist längere

Vertragslaufzeit hinweg. Diese Leistung kann mit einem Energieliefer-

Contracting verbunden sein. Maßnahmen dieser Art werden oft durch

den Bund (KfW) oder eine Landesregierung gefördert.

Solche Modelle sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Dabei „ist

Energiespar-Contracting ideal, um Effizienzziele voranzubringen“, urteilt

Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der

Deutschen Energie-Agentur (Dena): „Wir sehen großes Potenzial und

wollen das Einspar-Contracting bekannter machen“, fügt er hinzu.

Christian Stolte,

Deutsche Energieagentur.

MUSTERVERTRÄGE HELFEN NUR BEDINGT

Nach einer jüngst veröffentlichten Studie, die die dem Bundesamt für

Wirtschaft unterstellte Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) beim

Forschungs- und beratungsunternehmen Prognos in Auftrag gegeben

hat, wird der Gesamtmarkt für Energie-Contracting in Deutschland

2015 auf 7,7 Milliarden Euro geschätzt. Davon entfielen weniger als

zehn Prozent auf das Energiespar-Contracting.

Mit zahlreichen Veröffentlichungen versuchen die Beteiligten, die Informationsdefizite

zu beheben. 2015 wurde ein Bund-Länder-Dialog

Contracting eingerichtet. Auf Landesebene gibt es in Baden-Württemberg

das Kompetenz-Zentrum Contracting.

Dazu kommen ein Leitfaden des Umweltbundesamtes

sowie der Dena-Leitfaden

„Ein Beitrag zu mehr Klimaschutz und

Energieeffizienz“. „Die Kunst ist es, die verschiedenen

Akteure miteinander zu verknüpfen“,

meint Stolte. Lohse hofft, „Vorbehalte

ausräumen und das Thema bekannter

machen zu können“.

Interessierte sollten aber nicht blauäugig

vorgehen und lieber externen Rat einholen.

Es existieren zwar Musterverträge.

Doch die Projekte sind höchst unterschiedlich,

weshalb jede Vereinbarung anders aussieht. Es geht um Privathäuser

genauso wie um große Liegenschaften, etwa Wohnblöcke, Fabriken,

Schulen oder Krankenhäuser. Am Ende muss sich das Projekt

sowohl für den Auftragnehmer als auch für den Contractor rechnen.

Vor besonderen Herausforderungen steht die öffentliche Hand: „Die

streng funktionale Ausschreibung und die Vergabe nach dem insgesamt

erreichten Einsparergebnis sowie der Abschluss eines speziellen

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Die Julius Gaiser GmbH & Co. KG in der Blaubeurer Straße 86 in Ulm.

Foto: Julius Gaiser GmbH & Co. KG

Energie-Contracting –

Ein Vertrag mit der Zukunft

Als Ein-Mann Betrieb startete Julius Gaiser im

Jahre 1928 auf dem Gebiet der Bauspenglerei

und Installation. Auch nach 90 Jahren steht das

Unternehmen Gaiser immer noch für intelligente

und wirtschaftliche Lösungen aus einer Hand:

von der Energieversorgung mit Wärme, Strom

und Kälte über die Heizungs-, Sanitär-, Kälte- sowie

Luft- und Klimatechnik. Insbesondere im Bereich

des Energie-Contracting konnte Gaiser in

den vergangenen 25 Jahren ein großes Knowhow

auf- und ausbauen.

Warum Contracting?

Contracting ist die moderne und effiziente Art der

Energieversorgung. Mit Contracting wird das Ziel

verfolgt, durch den Einsatz von Intelligenz in Form

von moderner Anlagentechnik und Kapital langfristig

und nachhaltig den Bedarf – sprich den

Verbrauch und dadurch die Kosten für die Kunden

zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.

Gaiser bietet innerhalb des Dienstleistungskonzeptes

Contracting dem Kunden ein Rundum-

Sorglos Paket an: Von der Planung über die Finanzierung,

den Bau und dem eigenverantwortlichen

Betrieb der Energieerzeugungsanlage, alles wird

aus einer Hand umgesetzt. Das bedeutet, dass

nicht nur die Investition der Anlage, sondern auch

das gesamte Risiko des wirtschaftlichen Betriebs

der technologisch anspruchsvollen Anlage dadurch

ausgelagert werden.

„Ob Wärme, Kälte oder Strom – wir decken alle

Wünsche unserer Kunden in höchster Qualität

ab.“, so Harald Kretschmann, Geschäftsführer

bei Gaiser. Contracting lohnt sich auch für die

Umwelt. Denn Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

sind die Unternehmensgrundsätze von Gaiser.

Aus diesem Grund legt die Firma besonderen

Wert auf den Einsatz von innovativer und moderner

Anlagentechnik mit hoher Effizienz. „Durch

unsere jahrelangen Erfahrungen in diesem Bereich,

kombiniert mit der Verfügbarkeit all unserer

Leistungen innerhalb der Wertschöpfungskette

und unserem persönlichen und umfassenden

Service, macht dies uns zu einem Partner, auf den

sich unsere Kunden jederzeit ver lassen können.“,

so Reinhold Köhler, Geschäfts führer bei Gaiser.

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Blaubeurer Str. 86

89077 Ulm

T +49 (731) 3987-100

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[spezial] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Energiespar-Contractingvertrags sind für kommunale Auftraggeber

ungewohnt. Hierfür muss ein Verfahrenswissen aufgebaut und in der

Regel externe Beratung in Anspruch genommen werden“, sagt Stolte.

„Informieren können sich Firmen und Kommunen beispielsweise bei

den Landesenergieagenturen oder der Dena“. Die Beratung wird vom

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gefördert.

Energie umweltfreundlich herzustellen ist das eine, sie gar nicht erst zu verbrauchen,

der zweite Baustein in der Klimapolitik Baden-Württembergs.

Was Firmen sparen können und

wie sie das Projekt angehen sollten

Rund 20 Prozent des Energieverbrauchs in Baden-Württemberg

entfällt auf die Industrie. Das Effizienzpotenzial betrage

mehr als 12 Prozent, alleine durch den Einsatz von Querschnittstechnologien,

sagen die Experten des Fraunhofer Instituts

für System- und Innovationsforschung ISI. Die Einbindung

von Contractoren sei häufig sinnvoll, da Realisierung, Betrieb

und Optimierung einer Maßnahme besonderes Know-how oder

zusätzliche Personalkapazitäten erforderten. Ihr Rat: Um Angebote

vergleichen zu können, müssten vorab die Kriterien exakt

festgelegt werden. Im Vertrag müssen nach Angaben der Fraunhofer-Experten

die Zuständigkeiten und Aufgaben des Auftraggebers

für die eingebauten Anlagen und die Schnittstellen zu

den vorhandenen Anlagen geregelt sein. Wer ist für die Wartung,

wer für die Störungsbeseitigung zuständig? Welche Reaktionszeiten

und Kommunikationswege müssen bei Ausfällen

beachtet werden? Was bedeutet „Betrieb der Anlage“? Wie

werden die Abrechnungsbeträge ermittelt? Für Unternehmen,

denen die Materie oder das Contracting-Verfahren nicht geläufig

ist, empfehlen die Experten mit regionalen Energieagenturen

oder Ingenieurbüros zusammenzuarbeiten.

AMB

Foto: © highwaystarz / fotolia.com

RISIKOARMES MODELL

„Vielfach sind Kommunen auch unsicher.“, meint Stolte. „Es geht um

viel Geld und es braucht Vertrauen.“ Übertriebene Ängste sind nicht

angebracht. „Das ist ein sehr risikoarmes Modell für Kommunen, Unternehmen

und Private. Wenn man die Grundregeln beachtet, kann

wenig passieren“, meint Lohse. Für ihn liegen die Vorteile auf der

Hand. Während vielen Auftraggebern das fachliche Know-how fehle,

sei es bei den Contractoren vorhanden. So könnten etwa die Energieversorgung

sichergestellt und Einsparpotenziale gehoben werden –

ohne dass die Investitionskosten das Budget belasten. Experten erwarten,

dass der Markt in den kommenden Jahren deutlich wächst und

sich verbreitert.

Regional liegt neben Bayern und Nordrhein-Westfalen vor allem Baden-Württemberg

vorn. Kommunen und Land beschäftigten sich seit

Jahren mit dem Thema, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums

und verweist unter anderem auf die Contracting-Offensive der Jahre

2012/13. Energiespar-Contracting sei ein „sehr gutes Instrument, um

Modernisierungen anzustoßen, die Sanierungsrate und die Energieeffizienz

zu erhöhen“. Tipps und 22 Praxisbeispiele sind in der Broschüre

„Contracting im Energiebereich“ des Ministeriums zu finden. Sie

steht auf https://um.baden-wuerttemberg.de unter Publikationen.

VON SCHULEN BIS ZU FABRIKEN

Auch die Hochbauverwaltung, die für die Landesliegenschaften verantwortlich

ist, setzt seit Jahren Maßnahmen mit Hilfe von Contracting-Verträgen

um. Vom Land seien bisher mehr als 140 Projekte mit

externen Contractoren realisiert worden. Baden-Württemberg sei das

erste Bundesland gewesen, das für landeseigene Gebäude Contracting-

Verträge abgeschlossen habe. Baden-Württemberg habe unter allen

Bundesländern die meisten Energiespar-Contracting-Verträge für Landesgebäude

vereinbart, heißt es im Energiebericht 2017 der Staatlichen

Vermögens- und Hochbauverwaltung. Zusätzlich werde seit

1996 eine verwaltungsinterne Refinanzierungsform angewandt. Dabei

würden energiesparende Maßnahmen vorfinanziert und über ihre

Energiekosteneinsparungen verwaltungsintern refinanziert. Das Finanzministerium

habe dieses Verfahren 2012 stark erweitert. Seither

könnten auch große Baumaßnahmen über die durch sie ausgelösten

Energieeinsparungen verwaltungsintern refinanziert werden. Die

Bandbreite der geförderten Projekte reicht von Schulen über Fabriken,

einem Quartierskraftwerk mit eigener Wärme- und Stromerzeugung

für 72 Wohneinheiten in Flein (Landkreis Heilbronn), bis hin zum

Uni-Klinikum Tübingen oder dem Energielieferungs-Contracting mit

Biogas für einen Industriebetrieb in Crailsheim.

Seit 2012 wurden laut Umweltministeriums mehr als 90 Millionen

Euro bereitgestellt und mehr als 50 Einzelmaßnahmen vor allem im

Bereich Anlagentechnik umgesetzt. Dabei seien etwa Heizzentralen

mit effizienten Blockheizkraftwerken modernisiert, Lüftungsanlagen

mit Wärmerückgewinnungsanlagen ausgestattet und Regelungstechnik

nachgerüstet worden. [!]

GERHARD BLÄSKE

34


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Mit biotark business zur

CO 2 -freien Nudel

Nudeln sind wahre Energiebündel. Dies gilt

auch für ihre Produktion. Mit einem auf wändig

en, energieintensiven Prozess wird den

Teig waren Feuchtigkeit entzogen – für das Tradi

tionsunternehmen Franz Tress GmbH & Co.

KG (Tress) ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

Hier setzen die Energiespezialisten der

Erdgas Südwest GmbH an. Das Konzept nennt

sich biotark business. Das langfristige Ziel:

Unternehmen zum Selbstversorger machen.

Das Unternehmen Tress verbraucht pro Jahr

rund 7,5 Millionen Kilowattstunden Strom und

Wärme. Geschäftsführer Markus Tress möchte

den Energiebedarf und den CO 2

-Ausstoß reduzieren

– der Grundstein für eine grüne, nachhaltige

Produktwelt. „Wir arbeiten auf die ‚CO 2

-

freie Nudel‘ hin“, erklärt Markus Tress.

Also nahmen die Erdgas Südwest Mitarbeiter

den Teigwarenhersteller genau unter die Lupe.

Die Experten studierten Produktionsprozesse

und Energieverbräuche. Heraus kam ein maßgeschneidertes

Konzept mit erstaunlichem

Optimierungspotenzial: Senkung der Energiekosten

um circa 20 Prozent und Verminderung

des CO 2

-Ausstoßes um bis zu 30 Prozent pro

Jahr (Basisjahr 2013). „Wir haben uns bewusst

für biotark business von Erdgas Südwest entschieden.

Das Energiekonzept erfüllt genau

unsere Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz“,

so Geschäftsführer Markus Tress. Positive

Begleiterscheinung: 83 Prozent des

Stroms und 84 Prozent der benötigten Wärme

erzeugt das Unternehmen heute selbst. Tress

ist damit auf dem Weg zum Energieselbstversorger.

Während der Nudelherstellung Temperatur absenken

und Hydraulik anpassen waren zwei

der empfohlenen Verbesserungen. Das Prinzip

der Kraft-Wärme-Kopplung nutzen und gleichzeitig

Strom und Wärme erzeugen eine weitere.

Möglich ist dies durch kleine Kraftwerke, sogenannte

Blockheizkraftwerke (BHKWs). Die

Funktionsweise eines BHKWs ist dabei denkbar

einfach: Durch Verfeuern eines Brennstoffes

– in der Regel Erdgas – wird ein Generator

zur Stromerzeugung angetrieben. Bei diesem

Prozess entsteht zusätzlich Wärme. Tress setzt

diese Wärme direkt im Gebäude ein. Zu viel erzeugte

Wärme wird in einem zusätzlich installierten

Energiespeicher „zwischengelagert“

und kann bei späterem Bedarf genutzt werden.

Anstatt klassischem Erdgas verwendet das

Unternehmen so oft wie möglich Biomethan

für die Energiegewinnung. Benötigten Reststrom

deckt der Teigwarenhersteller über grünen

Strom aus Wasserkraft ab. Beides wirkt

sich positiv auf die CO 2

-Bilanz des Familienbetriebes

aus.

In den Nudeln von Tress steckt also keine Kilowattstunde

mehr als nötig. Dass sie trotzdem

als kleine Energiebündel gelten, liegt rein an

ihrem Nährwert von etwa 370 Kalorien pro 100

Gramm.

Kontakt

Erdgas Südwest GmbH

Brunnenbergstraße 27

89597 Munderkingen

Tel. 07393 958-100

info@erdgas-suedwest.de

www.erdgas-suedwest.de

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LÖSUNGEN:

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WIE UNSERE NUDELN.“

Markus Tress,

Geschäftsführer des Teigwarenherstellers

Franz Tress GmbH & Co. KG,

schätzt uns als kompetenten

Energie-Lösungspartner.

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Firmenchef Guido Fetzer: Mit

seinem IT-Dienstleister ging

es seit der Gründung im Jahr

1997 steil nach oben.

Fotos: Volkmar Könneke

Der Herr der

Lösungen

Ob Schokoladenhersteller, Gerüst-Konzern oder Fußball-Zweitligist: Der

Neu-Ulmer IT-Dienstleister [s.i.g.] ist seit mehr als 2o Jahren erfolgreich. Die

Zeiten, in denen es nur um Hardware ging, sind lange vorbei.

Guido Fetzer hat ein einfaches Motto

und einen hohen Anspruch: Er will

Lösungen bieten. „Es geht nicht um

die IT-Infrastruktur an sich, sondern immer

darum, wie man mit ihrer Hilfe echte Mehrwerte

für die Kunden schafft“, sagt Fetzer,

Geschäftsführer der [s.i.g.] mbH – IT mit IQ

aus Neu-Ulm. Aus diesem Selbstverständnis

heraus hat er im Jahr 1997 ein Systemhaus

gegründet, das heute 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Der einst in Ulm gegründete IT-Dienstleister

verfügt damit im Branchenvergleich

über eine respektable Größe und kann sich in

vielen Gebieten durchaus mit den Branchenriesen

messen. Dabei ist Fetzer eines wichtig,

stets flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden

einzugehen und Lösungen zu schaffen, die alle

Aspekte der Informations- und Kommunikationstechnologie

abdecken.

So hat die [s.i.g.] beispielsweise dem Fußball-

Zweitligisten FC Heidenheim, mit dem sie seit

2012 zusammenarbeitet, nicht nur die komplette

IT-Infrastruktur erneuert, mit deutlich

höherer Kapazität und Ausfallsicherheit.

DATENSCHUTZ IM STADION

Daneben sind Fetzer und sein Team für die

Netze in der Voith-Arena zuständig. Auch hier

sind die Anforderungen hoch: Während eines

Heimspiels tummeln sich 2000 Besucher im

Sparkassen-Business-Club und nutzen das

Wlan. Darüber hinaus wurden getrennte Netze

für die Presse, die Zutrittskontrolle und die

Kameraüberwachung installiert.

Weil es sich um sensible Daten handelt, liefert

[s.i.g.] die entsprechenden Sicherungs- und

Schutzsysteme gleich mit. Einen herausfordernden

Einsatz hatte der Neu-Ulmer IT-

Dienstleister beispielsweise auch beim Radiosender

Donau 3 FM. „Bei laufendem

Sendebetrieb haben wir die komplette IT-Infrastruktur

ausgetauscht. Das glich einer Operation

am offenen Herzen“, erzählt der Firmenchef.

Fetzer kann viele weitere Beispiele nennen.

Für den Gerüst- und Schalungsspezialisten

Peri aus Weißenhorn hat [s.i.g.] ein portalbasiertes

Einkaufssystem entwickelt, über das

sichergestellt wird, dass alle Stützpunkte und

Niederlassungen im In- und Ausland mit einer

einheitlichen IT ausgestattet sind. Das

spart Kosten dem familiengeführten Konzern

und sorgt für reibungslose Kommunikationsflüsse.

Beim Pistenbully-Hersteller Kässbohrer

(Laupheim) übernahmen die Spezialisten

aus Neu-Ulm den kompletten Umbau der ITund

Telekommunikationsinfrastruktur für

alle europäischen Standorte. „Ein Herzstück

war dabei die Telefonie, die auf VoIP umgestellt

wurde. Auch die Wlan-Telefonie wurde

flächendeckend ausgerollt“, erzählt Fetzer.

Ein weiteres Beispiel für den ganzheitlichen

Ansatz ist die stark expandierende Taste-Ho-

36


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[machen]

tel-Gruppe. Hier entwickelte [s.i.g.] ein Vorgehensmodell,

mit dem ein neues Haus in nur

wenigen Monaten komplett ausgestattet werden

kann: von den Rechnern in der Verwaltung

und an der Rezeption über Server, Netze

und Telefonie bis hin zum Zimmerschlüssel

auf dem Smartphone oder der einheitlichen

TV-Ausstattung auf den Zimmern. Dabei geht

es immer auch um Fragen der IT-Sicherheit

und des Datenschutzes – insbesondere vor

dem Hintergrund der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung.

Hier unterstützen Fetzer

und sein Team zahlreiche Unternehmen. Wie

bei der Teufel Prototypen GmbH in Unterfahlheim,

die sich auf die Herstellung von Vorserienteilen

und -modellen spezialisiert hat. Zu

deren Kunden zählen viele deutsche Autohersteller

ebenso wie Gardena oder Playmobil.

Unternehmen also, die auf Geheimhaltung

höchsten Wert legen.

Zwei Standorte, 100 Beschäftigte

Der Firmensitz von [s.i.g.] in Neu-Ulm – und ein Blick ins Innere.

Direkt aus dem Mathematikstudium

heraus bei Siemens-Nixdorf angeheuert,

daraus erfolgte der Schritt in die Selbstständigkeit

und die Gründung von [s.i.g.]

– so lässt sich der Beginn der Karriere

von Gründer und Geschäftsführer Guido

Fetzer im Zeitraffer zusammenfassen. Die

NETZWERKEN BEIM SPORT

„Bei alledem decken wir die klassischen Geschäftsfelder

eines IT-Systemhauses ab, von

IT-Beschaffung über internationale Logistik,

IT Infrastruktur Service und Lösungen bis hin

zu Hosting und Industrial-IT“, sagt Fetzer. In

der Vernetzung von Produktion und Verwaltung

und generell im Industriebereich sieht er

derzeit die größten Wachstumschancen –

Stichwort Industrie 4.0.

Im Moment befindet sich das Unternehmen

nach seinen Worten in einer Konsolidierungsphase,

die Jahresumsätze schwankten zuletzt

zwischen 33 bis 40 Millionen Euro. Um die

Auftragsakquise kümmert sich eine achtköpfige

Vertriebsmannschaft. Und Fetzer selbst.

Und er setzt auf regionale Beziehungen: Neben

dem FC Heidenheim engagiert sich [s.i.g.]

auch beim Ulmer Basketball und bei Rot-Weiß

Erfurt – in der Stadt in Thüringen unterhält

[s.i.g.] eine Niederlassung. Für Fetzer zählen

dabei enge und vor allem stabile Beziehungen.

Nicht zuletzt deswegen ist die Kundentreue

groß. Viele Firmen setzen seit vielen

Jahren auf die Kompetenz des Systemhauses

aus Neu-Ulm, einige schon seit der Gründung

1997. Bei Ritter Sport wurde [s.i.g.] 2014 zum

1997 gegründete Firma mit Hauptsitz in

Neu-Ulm und einer Niederlassung in Erfurt

beschäftigt 100 Mitarbeiter. Zu den

Kunden gehören mittelständische Betriebe

aus Industrie und Gesundheit, Global

Player ebenso wie die öffentliche Verwaltung

oder der Gesundheitssektor. THV

„Lieferant des Jahres“ gekürt. Für das Familienunternehmen

aus Waldenbuch haben die

Neu-Ulmer schon seit Jahren die Kleinteilebeschaffung,

die Netzwerktechnik, die Telekommunikationsanlagen,

Notfallsysteme und die

Videokonferenzen betreut. Doch birgt die

langjährige Zusammenarbeit auch Gefahren

für die Leibesfülle: An Schokolade mangelt es

in der [s.i.g.]-Zentrale in der Regel nicht. [!]


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37


[spezial] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Die Anforderungen an die Reinigungsbranche steigen: Viele Kunden wollen Leistungen aus einer Hand, von sauberen Fenstern, über Büros und Fabrikhallen.

Schön herausgeputzt

Sie halten die deutschen Unternehmen sauber. Etwa jeder 100. Arbeitnehmer in Deutschland ist in der

Gebäudereinigung beschäftigt. Die Branche wandelt sich, um die steigenden Kundenansprüche zu erfüllen.

Sie kommen, wenn die anderen gehen.

Mehr als 650.000 Mitarbeiter waren

2015 in Deutschland in der meist kleinund

mittelständisch strukturierten Gebäudeund

Industriereinigungsbranche beschäftigt.

Tendenz steigend. Denn die Zahl der Betriebe

hat sich von rund 14.000 im Jahr 2008 auf

mehr als 21.000 im Jahr 2016 erhöht. Das

Spektrum reicht von kleinen Nischenanbietern

bis zu großen Dienstleistungsunternehmen,

die sämtliche Leistungen in und an Gebäuden

anbieten und mitunter bis zu 40.000

Mitarbeiter beschäftigen. Kleinbetriebe mit

weniger als einer halben Million Euro Jahresumsatz

stellen jedoch mit rund 80 Prozent die

größte Zahl der Unternehmer dar.

Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks

vertritt die Interessen von

rund 2500 Mitgliedsbetrieben, die annähernd

90 Prozent des vergebenen Reinigungsmarktes

in Deutschland abdecken. Zumindest im

Bereich der Gebäudereinigung bei gewerblichen

Kunden ist er weitgehend ausgeschöpft.

Das belegt eine Marktstudie, die der Bonner

Verband in Auftrag gegeben hat. Nach deren

Ergebnissen ist die Unterhaltsreinigung bei

diesem Kundenkreis bereits zu 79 Prozent, die

Fenster- und Glasreinigung sogar zu 92 Prozent

ausgelagert. Für die Gebäudereinigungsbetriebe

ist dies einer der Gründe, sich noch

mehr herauszuputzen und das Leistungsangebot

gezielt zu erweitern, um neue Märkte

zu erschließen und zu sichern.

IM TREND: DAYTIME-CLEANING

Die Ausweitung der Leistungsangebote führt

zu einem verbesserten Image in der Öffentlichkeit.

Nach Einschätzung des Verbandsgeschäftsführers

Johannes Bungart wandelt sich

38


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[spezial]

IndustrieDienstleistung Süd


Foto: © Polryaz / shutterstock.com

langsam, aber kontinuierlich

das

Bild der Branche

von der Putzkolonne

zum qualifizierten

Handwerksund

Dienstleistungsbetrieb.

Zu diesem Bild

Verbandsgeschäftsführer tragen auch die

Johannes Bungart

vielen qualifizierten

Beschäftigten

bei. Die duale Ausbildung zum Gebäudereiniger

oder zur Gebäudereinigerin dauert drei

Jahre. Neben der klassischen Gesellenausbildung

und den vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten

zum Meister oder zur Meisterin

bietet sich mit dem Ingenieur-Studium

Reinigungs- und Hygiene management an den

Hochschulen ein weiterer Karriereweg an.

In der Gebäudereinigung zeichnet sich seit

einiger Zeit ein weiterer Trend ab: Auftraggeber

entscheiden sich für einen Dienstleister,

der verschiedene Serviceleistungen aus einer

Historischer

Lohntarifvertrag

Am 27. Februar 2018 erklärte das Bundesarbeitsministerium

den Mindestlohntarifvertrag

des Gebäudereiniger-

Handwerks für allgemeinverbindlich.

Seit dem 1. Januar 2018 betragen die

Löhne der Lohngruppe 1 in Westdeutschland

10,30 Euro und steigen in

Stufen bis zum Jahr 2020 auf 10,80 Euro.

In Ostdeutschland sind es 9,55 Euro,

die sich schrittweise ebenfalls auf 10,80

Euro erhöhen. Durch die äquivalente Erhöhung

der Ausbildungsvergütungen

werde das Gebäudereiniger-Handwerk

auch für junge Menschen interessanter,

sagt Christian Kloevekorn, Verhandlungsführer

des Bundesinnungsverbandes.

Erstmalig wird in Westdeutschland

2019 im dritten Lehrjahr die 1000 Euro-

Grenze überschritten und in Ostdeutsch

land im Jahr 2020. Mit dem seit

1. Januar 2018 geltenden Tarifvertrag

sei es gelungen, zum 1. Dezember 2020,

genau 30 Jahre nach der Deutschen

Einheit, eine 100-prozentige Angleichung

der Löhne in Ost und West für

die gewerblich Beschäftigten in der Gebäudereinigung

zu erreichen. LOE

Hand anbietet. Dazu zählen neben der klassischen

Glas- und Unterhaltsreinigung auch

reinigungsferne Tätigkeiten, wie Catering, Sicherheitsdienste

und Wartungsarbeiten –

mitunter das Gesamtangebot des modernen

Facility Managements.

Immer öfter setzt sich unter anderem auch

das sogenannte Daytime-Cleaning durch. In

der Vergangenheit wurde zum Beispiel in

Büroräumen entweder am Abend geputzt,

wenn alle Kollegen ihren Schreibtisch bereits

verlassen hatten oder morgens, bevor der erste

Angestellte zur Arbeit kam. Viele Unternehmen

lassen nach den Angaben des Bundesverbandes

die Reinigung während der

regulären Betriebszeiten durchführen. Dies

fördere das Miteinander und vereinfache die

Abstimmung zwischen Auftraggeber und

Kunde. Gleichzeitig hat das nach Bungarts

Einschätzung auch positive, soziale Auswirkungen.

So könne beispielsweise eine berufstätige

Mutter tagsüber arbeiten, wenn die Kinder

in der Betreuung oder in der Schule sind

und abends zu Hause sein, wenn die Kinder zu

Bett gehen.

39

Mit uns steigern

Sie Ihre

Produktivität!

Sie entlasten Ihre eigenen, auf

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Sie reduzieren die Ausfallzeiten in

der Produktion dank unserer flexiblen

Arbeits- und Einsatzzeiten.

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erhalten den Wert Ihrer Immobilien,

Maschinen und Anlagen.

Wir sind Ihr Partner für:

Industry & Facility Services

Personalleasing

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[spezial] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Blitzblanke Produktionshalle: Bei der Auswahl von Reinigungsfirmen hat Uhlmann Pac-Systeme aus Laupheim eine ganze Reihe an Anforderungskriterien.

Auch die Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co.

KG setzt auf gründliche Reinigungen der

Büroräume und Produktions- und Montageflächen,

die in der Regel jedoch außerhalb der

der regulären Arbeitszeiten stattfinden. „Wir

unterscheiden zwischen der Unterhaltsreinigung

in den Verwaltungsgebäuden an den

Standorten in Laupheim und Ehingen und der

industriellen Reinigung, die die Montage- und

Fertigungsbereiche am Standort Laupheim

umfasst“, erklärt Antonio Pereña, Abteilungsleiter

des Bereiches Einkauf Nicht-Produktionsmaterial

des Laupheimer Verpackungsmaschinenspezialisten.

„Dabei werden neben

den Grundreinigungen in bestimmten Bereichen

und Intervallen auch die Maschinen von

Öl- und Fettfilmen befreit – innen und außen.

Es gehört durchaus zu den Aufgaben des Personals,

zum Beispiel

die Filter in

den Fertigungslinien

zu reinigen.

Für diese Arbeiten

ist jedoch eine spezielle

Einweisung

notwendig, die

über die reguläre

Reinigungsausbildung

hinausgeht.“

Antonio Pereña,

Welche Anforderungen

und Uhlmann Pac-Systeme.

Kriterien

spielen für Uhlmann vor der Beauftragung

einer Reinigungsfirma eine Rolle?

Antonio Pereña: „Grundsätzlich kommen für

uns ausschließlich Unternehmen mit langjähriger

Erfahrung und einer Firmengröße

von mehr als 50 Mitarbeitern in Frage. Denn

je kleiner ein Unternehmen ist, desto schwieriger

wird es bei Ausfällen die von uns geforderte

Leistung weiter zu erbringen.“

K.-O.-KRITERIUM MINDESTLOHN

Zudem ist es für Uhlmann entscheidend, dass

der Mindestlohn sowie die Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes,

der Arbeitssicherheitsstandards

und des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes

gewährleistet sind. „Für uns ist

dabei besonders wichtig, dass der beauftragte

Reinigungsbetrieb hinsichtlich Einsatzzeiten

äußerst flexibel ist“, erläutert Pereña.

Trotz dieser strikten Vorgaben findet der weltweit

operierende Branchenmarktführer entsprechende

Dienstleister: „Es gibt genügend

Anbieter am Markt, die nicht zwingend aus

der Region kommen müssen. Schließlich sind

die zu reinigenden Flächen in der Fertigung

und Montage sowie der Verwaltung an allen

Standorten mit insgesamt etwa 50.000 Quadratmetern

für viele Dienstleister attraktiv“,

betont Antonio Pereña. Pro Monat bekommt

er zwei bis drei Bewerbungen von Gebäudereinigungsfirmen

auf den Tisch beziehungsweise

wird von diesen telefonisch kontaktiert,

die seinen Anforderungen durchauch

entsprechen.

Dennoch sind bei der Beauftragung eines

Dienstleisters auch mögliche Risiken zu beachten:

„Durch die Fluktuation in beauftragten

Betrieben, kann es bei Personalwechseln

zu Qualitätsunterschieden bei der erbrachten

Leistung kommen“, sagt Pereña. Hinzu komme,

dass die Mitarbeiter der Reinigungsfirmen

eine kaum wahrnehmbare Identifikation

mit dem Auftraggeber hätten. Eigenes

Personal würde sich auf jeden Fall stärker mit

dem Unternehmen verbunden fühlen. „Allerdings

zählt diese Tätigkeit nicht zu unserer

Kernkompetenz, daher haben wir uns für die

Vergabe an Fremdfirmen entschieden.“

Ein weiterer Pluspunkt für den oberschwäbischen

Verpackungsspezialisten ist, dass die

Reinigungszeiten durch die Beauftragung einer

Fremdfirma von den regulären Arbeitszeiten

getrennt werden können: „Festangestelltes

Reinigungspersonal kann nicht außerhalb

der üblichen Arbeitszeiten sehr früh am Morgen

oder sehr spät abends arbeiten. Andernfalls

stören Reinigungsarbeiten während den

regulären Arbeitszeiten den betrieblichen

Ablauf und das Personal.“ So gilt bei Uhlmann:

Das Reinigungspersonal kommt, wenn

die anderen Mitarbeiter gehen. [!]


STEFAN LOEFFLER

40


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Lernen Sie das Team von all clean kennen.

Wir bringen Ihr Unternehmen

rundum zum Strahlen

Unser Motto lautet: „Zufriedene Kunden – dauerhafte Geschäfte“

Die Firma all clean ist ein junges, kleines und

stetig wachsendes Unternehmen.

Ein gepflegtes Büro-Ambiente ist selbstverständlich

die Visitenkarte Ihres Unternehmens.

Wir, vom Gebäudereinigungsunternehmen all

clean mit Sitz in Laupheim, kümmern uns gerne

intensiver und engagierter um Ihre Objekte.

Schließlich bleiben wir während und nach

unserer Tätigkeit stetig diskret und zuverlässig,

bis ins kleinste Detail. Unser Auftrag endet

erst dann, wenn Sie mit unserem Ergebnis

restlos zufrieden sind.

Das Unternehmen all clean leistet seine Reinigungsarbeiten

in allen Ecken und an schwierigen

Stellen. Mit Zufriedenheitsgarantie für

unsere Kunden. Die Qualität unserer Arbeit,

die Zuverlässigkeit und die Qualifikationen unseres

Personals erfüllen stetig höchste Ansprüche.

Ob Industriereinigung, Glasreinigung oder

Büroeinrichtung – wir legen höchsten Wert

auf Sauberkeit und Hygiene.

Unsere Reinigungsgeräte und –mittel sind auf

dem modernsten Stand der Technik. So reinigen

wir nachhaltig, effizient und gründlich

selbst hartnäckige Verschmutzungen. Somit

erhalten Sie langfristig den Wert Ihrer Gebäu-

Spezialist für Industrie- & Maschinenreinigung, Sonderreinigung.

de und Immobilien. Diesen Wunsch nimmt

sich all clean zu Herzen.

Unser ausführliches Leistungsspektrum umfasst

unter anderem:

Industrieeinigung & Wartung:

Reinigen von industriellen Anlagen und Gebäuden

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Spezialisten der Industriereinigung, die solche

Maßnahmen schnell und kostengünstig in

produktionsfreien Zeiten erledigen!

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auf unserer Homepage unter www.allclean.de

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Anfragen entgegen und erstellen Ihnen gerne

ein kostenloses und unverbindliches Angebot.

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41


[aus den hochschulen] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Studierende

erforschen

Smart Home

„Das Zuhause wird smart“, sagt

Kira Rambow-Höschele von der

Robert Bosch GmbH. Wie genau

das aussieht, will das Unternehmen

zusammen mit 26 Studierenden

der HS Ravensburg-

Weingarten herausfinden. Sie

untersuchen den Stand der Forschung,

führen Studien durch,

werten Daten aus und leiten daraus

Trends im Bereich „Smart

Home“ ab. Ziel ist es auszuloten,

welche technischen Möglichkeiten

tatsächlich von Nutzen

sind und wie diese

eingesetzt werden können.

Kontakt: christoph.oldenkotte@hs-weingarten.de,

Telefon

0751 501-9526

Schwarmroboter

gewinnen

Robotic-Award

Das Ziel war, hochmobile Roboterschwärme

für die Landwirtschaft

zu entwickeln. Jetzt hat

das Projekt Mars der HS Ulm

und des Landmaschinenherstellers

Agco den zweiten Platz

beim Robotics Technology

Transfer Award der EU gewonnen.

Eineinhalb Jahre hatten

die Forscher an der Idee getüftelt.

Agco entwickelte das Konzept

weiter, sodass die im

Schwarm arbeitenden Robotereinheiten

heute kurz vor der Serienreife

stehen.

Hochschulen

leisten Firmen

digitale Hilfe

Die Schere zwischen Großbetrieben,

Mittelstand und kleinen

Unternehmen ist groß, insbesondere

im Hinblick auf die

Themen Innovation und Digitalisierung.

Die Hochschulen Esslingen,

Aalen, Reutlingen und

Konkurrenz für DHL & Co.

Pakete ohne DHL, Hermes und Co. – wenn es

nach den Wissenschaftlern der Hochschule

Neu-Ulm geht, ist das bald Realität. In Zusammenarbeit

mit der TU München und der Bundesvereinigung

Logistik tüftelt ein Team an einem

CO 2

-neutralen Logistikkonzept für

die Steinbeissstiftung wollen

nun mit der neuen Transferplattform

Baden-Württemberg

Industrie 4.0 vor allem kleinen

Firmen die Chancen der Digitalisierung

aufzeigen. Dabei erstellen

die Hochschulen mit

den teilnehmenden Unternehmen

Lastenhefte. Diese sollen

dann in konkrete Lösungen

umgesetzt werden. Mehr Informationen:

www.tpbw-i40.de,

Christine Rathmann, Telefon

0711 397-30 08

Neues Labor für

kluge Stromnetze

eröffnet

Noch mehr Energie liegt künftig

am Campus der HS Ulm in

der Eberhard-Finckh-Straße in

der Luft. Mit dem neuen Smart

Grid Labor legt die Hochschule

den Grundstein für die realitätsnahe

Forschung an dezentralen

Energiesystemen. Unter anderem

will das Ulmer Forschungsteam

Solarwechselrichter,

Energiespeicher oder

E-Ladesäulen an Testplätzen in

ein intelligentes Verteilnetz integrieren

und auf Kommunikationsfähigkeit

prüfen.

SAP und ZU

sichern deutsche

Wirtschaft

„Die Bodenseeregion ist ein Abbild

all dessen, was den Erfolg

der deutschen Industrie ausmacht“,

erklärt Prof. Josef Wieland,

Vizepräsident der Forschung

an der Zeppelin

Universität. Sie bietet gute Voraussetzungen,

um Daten über

Bedrohungen und Chancen der

digitalen Transformation zu erheben.

In Kooperation mit SAP

SE startet die ZU dazu nun ein

Forschungsprojekt. Nach einer

Großstädte. Die Idee: Privatleute, die ohnehin

unterwegs sind, nehmen Pakete mit und fungieren

als Zusteller. Untersucht wird unter welchen

Voraussetzungen ein Transportnetz funktionieren

kann, welche Anreize nötig sind und

welche IT für die Umsetzung nötig ist.

Bestandsaufnahme soll ein Innovationscluster

aus Forschungseinrichtungen,

Technologieunternehmen

und anderen

Anspruchsgruppen entstehen.

Mehr

Lebensqualität

in der Stadt

Foto: © Atstock Productions / shutterstock.com

Parkplatzsuche, Stau und volle

Busse wirken sich negativ auf

die Gesundheit aus. Das Projekt

Living City der HS Neu-Ulm soll

Abhilfe schaffen. In Kooperation

mit den Städten Ulm und

Neu-Ulm sowie Firmen wird untersucht,

wie Routenplaner und

Fitnesstracker Bürger dazu bewegen

können, gesundheitsfördernde

Dienstleistungen zu nutzen.

So könnte eine App künftig

helfen, städtische Angebote zu

finden. Kontakt: Theresa.Osterholzer@hs-neu-ulm.de,

0731-9762-2600 [!] GYS

42


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Der Reinigungsroboter Cleanfix RA 660 Navi.

Foto: Cleanfix Reinigungssysteme AG

Maximale Sauberkeit durch

smarte Technologie

Fachkräftemangel, häufig wechselndes

Personal und eine mögliche Beschädigung

von Einrichtung oder Waren – viele Unternehmen

sehen sich bei der manuellen oder

teilautomatisierten Reinigung mit Herausforderungen

wie diesen konfrontiert.

Eine Alternative bietet die automatisierte

Reinigung. Leistungsstarke Roboter eignen

sich sowohl für große Flächen, wie Sporthallen,

Einkaufszentren oder Flughäfen, als auch

für den Einsatz in sensiblen oder zulassungsbeschränkten

Produktions- und Hygienebereichen.

Ein Anbieter für autonome Reinigungsroboter

ist die Schöler Fördertechnik

AG, Vertragspartner des Schweizer Herstellers

Cleanfix AG, die mit dem Cleanfix RA 660 Navi

neue Möglichkeiten für die Säuberung von

Oberflächen schafft.

Die Automatisierung ganzheitlicher Arbeitsprozesse

erleichtert die innerbetrieblichen Abläufe

in immer mehr Unternehmen. Höchste

Zeit, auch bei der Reinigung über eine kostenund

ressourcensparende Automation nachzudenken.

Roboter eignen sich für den Einsatz in

weitläufigen Räumen wie Fluren, Hallen oder

Veranstaltungsräumen – damit sind sie für bis

zu 70 Prozent der anfallenden Reinigungsarbeiten

in Unternehmen prädestiniert.

Mit dem Cleanfix RA 660 Navi bietet die

Schöler Fördertechnik AG ihren Kunden

eine neuartige Lösung zur automatischen

Reinigung von Großflächen. Dies schließt den

Einsatz in sensiblen Bereichen, wie beispielsweise

Laboren oder Sicherheitszonen, ein, in

denen der Personeneinsatz problematisch

sein kann. Der autonome Roboter orientiert

sich mit Hilfe von Geo-Navigation in seinem

Umfeld.

Die patentierte runde Form des Cleanfix RA

660 Navi ermöglicht Richtungsänderungen

auf der Stelle und somit eine größtmögliche

Präzision bei der Reinigung. Dank der

integrierten Sensoren nimmt der RA 660 Navi

Hindernisse, wie z. B. Personen, wahr, stoppt

und umfährt diese. Der dabei nicht gereinigte

Bereich wird zu einem späteren Zeitpunkt

während des Reinigungszyklus vom Fahrzeug

nochmals angefahren und, sofern die

Fläche dann nicht mehr durch das Hindernis

versperrt ist, gereinigt. Dank des 45-Liter-

Frischwassertanks reinigt der Scheuer-Saug-

Automat in einem Arbeitsdurchgang bis zu

2.000 m². Zudem können die Nutzer mittels

des intuitiv bedienbaren Touchdisplays über

bis zu 99 verschiedene vorprogrammierte

Areale ansteuern.

Unternehmenskontakt

Schöler Fördertechnik AG

Robert-Bosch-Straße 3–5

D-79618 Rheinfelden

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43


[führen] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Motivation mit kleinen Extras

Statt mit Gehaltserhöhungen können Unternehmen ihren Mitarbeitern auch mit Sachleistungen etwas Gutes tun. Der

Vorteil: Sie sind steuerfrei oder steuerbegünstigt – und damit für den Arbeitgeber gar nicht so teuer.

Arbeitgeber tun in Zeiten des Fachkräftemangels

gut daran, auf die Zufriedenheit

ihrer Stammbelegschaft zu

achten. Kleine Extras in Form von Sachleistungen

kommen gut an und haben den Vorteil,

dass sie steuerlich begünstigt oder sogar

steuerfrei sind. Für unternehmen[!] hat die

Wirtschaftsberatung Ecovis die beliebtesten

Arbeitgeberleistungen zusammengestellt.

Dazu gehören Benzingutscheine für Mitarbeiter,

die mit dem Auto zur Arbeit kommen.

Maximal 44 Euro können Beschäftigte im Monat

steuerfrei erhalten. Anstelle eines Gutscheins

können sie selbst tanken und den Beleg

einreichen. Solche Gutscheine können

Arbeitgeber auch für andere Zwecke nutzen,

auch hier gilt die Grenze von 44 Euro.

GELD FÜR KINDERBETREUUNG

Auch die Kosten für Kindergarten oder

Kindertagesstätte können Arbeitgeber

ihren Mitarbeitern steuerfrei erstatten.

Dabei ist es egal, ob es sich um eine

betriebliche oder eine außerbetriebliche

Einrichtung handelt. Dem Arbeitgeber

ist es freigestellt, wieviel er seinem

Mitarbeiter bezahlt. Er kann auch die

vollen Kosten zahlen.

Gesunde Mitarbeiter sind für Unterneh-

Übersicht über die

Anforderungen

Die Bandbreite sogenannter Sachbezüge

oder Sachleistungen sind per Definition

geldwerte Vorteile, die den Empfänger

bereichern. Für Gesundheitskurse

hat der Spitzenverband der Gesetzlichen

Krankenversicherung eine Übersicht

über die Anforderungen erstellt: www.

gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/praevention_selbsthilfe_beratung/praevention/

bgf/2015_Umsetzungshilfe_Jahressteuergesetz_kurz.pdf.


GBL

men von zentraler Bedeutung. Arbeitgeber

können zusätzlich zum

Gehalt bis zu 500 Euro jährlich für

Maßnahmen gewähren, die den

Anforderungen der Krankenkassen

als vorbeugende Maßnahmen – also

Prävention – gerecht werden. Dazu gehören

unter anderem Bewegungsprogramme,

Kurse zu den

Themen Ernährung, Entspannung,

Stressbewältigung und

Rauchentwöhnung. Vorsicht!

Die Mitgliedsbeiträge für das

Fitnessstudio oder den

Sportverein gehören

nicht dazu.

Mit bis zu 500 Euro

können Firmen gesundheitsfördernde

Kurse ihrer Mit arbeiter

steuerfrei

unterstützen.

Foto: © Marco Wydmuch / fotolia.com

44


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

[führen]

Eine pauschale Lohnsteuer müssen Arbeitgeber

für andere Maßnahmen bezahlen. Das

betrifft zum Beispiel Erholungsbeihilfen mit

pauschaler Lohnsteuer von 25 Prozent,

die Arbeitnehmern den Jahresurlaub versüßen.

Pro Kalenderjahr betragen sie für den

Arbeitnehmer 156 Euro, für Ehegatten 104

Euro und für jedes Kind 52 Euro. Arbeitgeber

müssen die gewährte Erholungsbeihilfe pauschal

mit 25 Prozent versteuern.

Auch ein Beispiel für eine steuerfreie Leistung des Arbeitgebers: Zuschuss für die Kinderbetreuung.


Foto: © Robert Kneschke / fotolia.com

ESSEN, MOBILITÄT, URLAUB

Wichtig ist, dass die Erholungsbeihilfe zeitnah

ausbezahlt wird. Geht der Mitarbeiter

im Juni in den Urlaub, sollte das Geld frühestens

drei Monate vor oder spätestens

drei Monate nach dem Urlaub auf seinem

Konto landen. Den Fahrtkostenzuschuss

lieben Mitarbeiter, die auf die

Bahn angewiesen sind oder mit öffentlichen

Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen.

Diesen Zuschuss können Arbeitgeber

pauschal besteuert mit 15 Prozent

erstatten. Als Obergrenze gilt hier der Betrag,

den Arbeitnehmer in der Steuererklärung als

Werbungskosten geltend machen können. In

Betrieben ohne Kantine können Arbeitgeber

ihren Mitarbeitern bis zu 6,33 Euro täglich für

Essensmarken gewähren, wenn der Arbeitnehmer

3,23 Euro hinzuzahlt oder versteuert.

Alternativ kann der Arbeitgeber den Betrag –

also die 3,23 Euro – pauschal mit 25 Prozent

besteuern. Das Gesetz zur Förderung der Elektromobilität

sieht steuerbegünstigte Arbeitgeberleistungen

vor. Pauschal mit 25 Prozent

versteuern können Arbeitgeber zum einen

das kostenlose oder verbilligte Bereitstellen

einer Ladevorrichtung, zum anderen Zuschüsse

für den Kauf oder die Nutzung einer

solchen Ladevorrichtung.

Die Finanzverwaltung verlangt jedoch, dass

Arbeitnehmer ihre Kosten einzeln nachweisen.

Begünstigt sind auch die Ausgaben für die

Zukunftssicherung des Arbeitnehmers.

Beiträge des Arbeitgebers aus dem ersten

Dienstverhältnis an einen Pensionsfonds, eine

Pensionskasse oder für eine Direktversicherung

bleiben hier bis zu einer gewissen

Grenze sozial versicherungsfrei: Für Geringverdiener

mit einem Monatsbrutto von 2200

Euro sind zwischen 240 und 480 Euro pro Kalenderjahr

steuer- und sozialversicherungsfrei

möglich. [!]

GERHARD BLÄSKE

GESUCHT.

GEFUNDEN.

Die Suche nach den passenden Mitarbeitern

kann anstrengend und zeitaufwändig sein.

Mit uns kommen Sie schneller an Ihr Ziel.

Wir kümmern uns um Ihren Personalbedarf.

Ulm | Kronengasse 14 | T 0731. 9 68 98 0

Biberach | Gymnasiumstraße 12/1 | T 07351. 5 79 80 1

team@massarbeit-ps.de Seit 1996.

45


[leben] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Sehnsucht nach Natur

Die Sonne lacht und die Pflanzenwelt explodiert förmlich. Alles blüht, alles flattert. Die Freizeitsaison

ist eröffnet. Sechs Führungskräfte aus der Region haben Stefan Loeffler in unserer Umfrage verraten,

zu was sie der Wonnemonat Mai anstiftet.

1) Die Natur sprießt und schießt. Wozu treibt Sie es –

mal ganz privat gesehen?

2) Und beruflich? Was beschäftigt Sie derzeit am

meisten?

3) Welche Vorsätze haben Sie sich – beruflich und

privat – für die Sommersaison vorgenommen?

4) Welchen Plan, welche Arbeit schieben Sie privat

schon länger vor sich her?

5) Wie sieht ein perfekter Mai-Tag ohne Verpflichtungen

für Sie aus?

Winfried Wanka, Mitglied

der Gruppengeschäftsleitung

HR & Recht sowie Standortleiter

des Werkes Ulm der

Mayser GmbH & Co. KG, zieht

es mit dem Cabrio an den

Bodensee.

1) Am Wochenende mache ich bei schönem Wetter mit meiner Frau

und unserem Hund gerne Spaziergänge an der Iller.

2) Neben vielen anderen aktuellen Themen haben die Planungen für

unseren Werksneubau in Senden hohe Priorität.

3) Etwas mehr körperliche Bewegung

als in letzter Zeit.

4) Meine Steuererklärung

(wie jedes Jahr).

5) Gemütlich mit offenem Dach an

den Bodensee fahren und dort mit

Blick auf das Wasser einen leckeren

Eisbecher essen.

Foto: gradyreese/Getty Images

46


unternehmen [!] Ausgabe 62 | Mai 2018

Foto: © Alexander Raths - fotolia.com

[leben]

WIR

GESTALTEN

MIT

Inne halten und zu

schauen, was wächst und

blüht: Das fasziniert die

Patentanwältin Dr. Ulrike

Cremer, die mit ihrem Mann

die Ulmer Kanzlei

Cremer & Cremer führt.

1) Es treibt mich in meinen Garten – inne halten und schauen, was zu wachsen beginnt, was

schon blüht, pflanzen, und Zukunftspläne schmieden für die weitere Beet- und Gartengestaltung.

2) Personalsorgen – die Vollbeschäftigungssituation in Ulm macht es sehr schwierig, Mitarbeiter

zu finden.

3) Keine bis dato. Wenn ich nun so darüber nachdenke: Möglichst häufig mit den Kindern

an den See zum Baden gehen.

4) Keller aufräumen und ein- und aussortieren.

5) Morgens mit meinem Mann im Café zu sitzen, ein leckeres Frühstück zu genießen und dabei

Zeitung zu lesen und anschließend einen langen Spaziergang im Lautertal zu machen.

mediaservice ulm

Frauenstraße 77

89073 Ulm

www.mediaservice-ulm.de

Alexander Gonzalez entspannt

gerne mit einem Buch auf der

Gartenliege. Der 49-Jährige ist

Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

Göppingen.

1) Endlich mein Bike wieder auf Vordermann bringen und raus in die Natur zum Radeln

gehen. Die frische Luft, die Sonne und die Wärme genießen und die trüben Tage endlich

abzuhaken. Und endlich mal wieder laufen gehen, ohne sich dick einpacken zu müssen.

2) Nach vielen Jahren in der Kreishandwerkerschaft habe ich im Januar die Geschäftsführung

übernommen. Die Arbeit ist mir nicht fremd – jedoch habe ich derzeit viele neue

Themen und Aufgaben, die zu bewältigen sind und noch auf mich zukommen werden.

Mir liegt das Handwerk sehr am Herzen. Egal welches Gewerk. Wir müssen uns um die

Nachwuchsförderung und die Fachkräftesicherung kümmern und unser Image noch

mehr stärken. Das ist eine große Herausforderung und Verantwortung – und erfordert

viel Kraft.

3) Das Sommerloch so klein wie möglich zu halten.

4) Die Terrasse im Garten sollte endlich mal renoviert werden.

5) Auf der Liege im Garten mit einem guten Buch und abends lecker grillen

mit einem Glas gutem spanischem Vino Tinto.

47


[leben] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Tanja Sienitzki profitiert

auch im Büro von der Dynamik

des Frühlings. Die Dipl.-Bankbetriebswirtin

leitet seit April

2017 die Niederlassung der

Commerzbank Ulm.

1) Nach draußen, um die

Explosion der Natur zu genießen.

2) Von der Dynamik des Frühlings auch profitieren zu können.

3) Unsere Kunden mit „frischer“ Beratung zu begeistern und zu überzeugen,

dass Sie vom Sparer zum Anleger werden.

4) Die Renovierung unter dem Dach.

5) Länger schlafen und ein gutes Frühstück – und mich einfach mal

vom Tag treiben zu lassen.

Foto: © Sorbis / shutterstock.com

Frank Lindenmann, Geschäftsführer

der Lindenmann GmbH

+ Co Präzisionsfertigung KG in

Blaustein, möchte mehr Zeit

mit der Familie und mit Freunden

verbringen.

1) Endlich mal wieder den Grill anzuwerfen, aufs Fahrrad zu steigen

und mit unserem Hund raus in die Natur. Es ist einfach schön, wenn

die Tage wieder länger werden und die Sonne scheint.

2) Viel Arbeit und viel zu wenig Fachkräfte. Wir würden gerne schneller

wachsen, aber es ist nicht einfach die richtigen Mitarbeiter zu

finden. Wir haben noch um die 20 freie Arbeitsplätze für CNC-Facharbeiter.

Wir planen auch eine neue Halle, deren Bau sich jedoch

durch behördliche Probleme verzögert.

3) Geschäftlich hatten wir im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum

und auch dieses Jahr sind wieder 20 Prozent mehr geplant. Das kostet

viel Zeit und Kraft. Daher möchte ich wieder mal mehr Zeit mit

meiner Familie und meinen Freunden verbringen – und mehr Sport

treiben.

4) Mal länger als zwei Wochen Urlaub am Stück zu machen. Wir

möchten mit der Familie gerne die Westküste der USA bereisen.

5) Mit der Familie an den Bodensee fahren. Den ganzen Tag Sonne

bei mindestens 20 Grad und dann mit dem Segelboot raus. Einfach

mal faulenzen oder wie man heute sagt: chillen. Zum

Abschluss gibt es einen Sundowner am See und was Leckeres

zu essen.

Zu einem geruhsamen Maitag

gehört für ihn auch ein Bummel

durch die Altstadt von Weißenhorn.

Thomas Spiekermann

ist seit über zwei Jahren

Inhaber des Küchen- und Einrichtungshauses

Möbel Wirth.

1) Im Frühling treibt es mich hinaus in die Natur. Zu sehen und zu

spüren wie die Vegetation erwacht und sich alles mit neuem Leben

füllt. Ich kann dabei neue Energie „tanken“.

2) Beruflich ist bei uns ebenfalls Frühling. Bei Möbel Wirth wächst in

den nächsten Wochen viel Neues heran. Wir werden das Unternehmen

komplett neu am Markt aufstellen und das mit umfangreichen

Erneuerungen unserer Ausstellungsräume verbinden. Wir werden

für den Möbelverkauf in unserer Region einen vollkommen neuen

Standard setzen.

3) Geschäftlich habe ich mir vorgenommen, mit unseren Kunden und

unseren Mitarbeitern die erfolgreiche Entwicklung von Möbel Wirth

weiter fortzusetzen und in unserer Region das attraktivste und innovativste

Küchen- und Einrichtungshaus zu werden. Privat: Neben

der vielen Arbeit gönne ich mir für meine Familie

auch die eine oder andere kleine Auszeit.

4) Mit meiner Familie mal in die Berge zu fahren. Es

wird langsam Zeit, unsere neue Heimat besser

kennen zu lernen.

5) Ein langes Frühstück auf der Terrasse, ein Bummel

durch die sehenswerte Altstadt von Weißenhorn

und der Ausklang bei einem guten Weizenbier

in einem der fantastischen Biergärten unserer

Region.

Foto: © Ksenia Raykova / shutterstock.com

48


AIR

LAND

NAVITIMER 1

SEA

NAVITIMER 1 B01 CHRONOGRAPH 46

MANUFACTURE CALIBER B01

CHRONOMETER-CERTIFIED


[namen & nachrichten] Ausgabe 62 | Mai 2018 unternehmen [!]

Firmenpionier

Handtmann

gestorben

Unternehmer

Arthur

Handtmann.

Er war einer der prägenden

oberschwäbischen Unternehmerpersönlichkeiten

der Nachkriegszeit,

nun ist Arthur

Handtmann,

Seniorchef

der

gleichnamigen

Firmengruppe,

im

Alter von 91

Jahren gestorben. 1947 war er in

das elterliche Unternehmen

eingetreten. Der Maschinenbau-

Ingenieur entwickelte die kleine

Messinggießerei zu einem

international tätigen Unternehmen.

Unter seiner Geschäftsführung

wuchs die Belegschaft

von 56 auf 1500 Mitarbeiter.

Heute beschäftigt Handtmann

3600 Mitarbeiter.

Großer Festabend

zu Manfred

Osters Abschied

Wenn der stolze Vater mit den Söhnen

Premiere beim börsennotierten Bodenspezialisten

Uzin Utz aus Ulm: Vater Werner Utz

(Aufsichtsratschef) stellte erstmals die Bilanz

mit seinen Söhnen Philipp (links) und Julian

(rechts) vor. Die Söhne sind in den Vorstand

aufgestiegen, den Thomas Müllerschön (nach

Abschied in den

Ruhestand:

Manfred Oster.

Mehr als 17 Jahre ist Manfred

Oster an der Spitze der Sparkasse

Ulm gestanden. Im Rahmen

eines Festabends im Ulmer

Congress Centrum spendeten

ihm 700 Gästen stehend Applaus.

Oster war sichtlich gerührt.

Unter seiner Führung

kletterte das Bilanzvolumen der

Sparkasse

Ulm von 3,7

auf 6,1 Milliarden

Euro.

Oster will

seinen Ruhestand

gelassen

angehen

– und lässt

sich als

Chauffeur

buchen. Dieses

Angebot „an alle, die etwas

Interessantes zu diskutieren haben“,

begründete er in der SÜD-

WEST PRESSE: „Ich fahre gerne

Auto und freue mich über spannende

Gespräche.“ Sein Nachfolger

ist Stefan Bill.

Wieland wird

zur Nummer 1

in Europa

Die Wieland-Werke AG steigt

mit dem Kauf der Flachwalzprodukte-Sparte

des Hamburger

Konzerns Aurubis zum größten

Kupferverarbeiter Europas auf.

In der Sparte erwirtschafteten

zuletzt 1900 Beschäftigte einen

26 Jahren bei Uzin) und Beat Ludin (12 Jahre)

verlassen hatten. Der Umsatz stieg 2017 auf

knapp 296 Millionen Euro. Das Ergebnis vor

Steuern ging leicht auf 24,4 Millionen Euro zurück.

Die Aktionäre erhalten eine Dividende

von 1,30 Euro pro Aktie.

Umsatz von 1,5 Milliarden Euro.

Wieland stellt unter anderem

Hochleistungsrohre her,

Bänder, Bleche und Drähte, die

beispielsweise in Autos, im Anlagenbau

und in der Luftfahrt

verwendet werden. Im Geschäftsjahr

2016/17 (30. September)

steigerte Wieland den

Umsatz um 18 Prozent auf 3

Milliarden Euro. Das Ergebnis

vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen

stieg auf 190 Millionen

Euro. Wieland beschäftigt

knapp 7000 Mitarbeiter,

1300 in Ulm und 2800 im Werk

in Vöhringen. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Andreas Simmet

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Antje Meyer (Bild)

Fotos Marc Hörger (Titel + Titelinterview),

Volkmar Könneke,

Giacinto Carlucci, Werkfotos,

Getty Images, PR, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

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Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

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Telefon 0731 156-356

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Auflage: 18.000 Exemplare

Nächste Ausgabe

13. Juli 2018

Die Themen

Patente, Gebrauchsmuster,

Marken, Geschmacksmuster

Transporter & Co.

Hochstapeln – was Gabelstapler

können

Stiftungen für Privatvermögen

u. v. m.

Anzeigenschluss

19. Juni 2018

www.swp.de/unternehmen

50


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ist einfach.

Weil wir den Motor der

Wirtschaft am Laufen halten.

In Deutschland und an

64 Standorten weltweit.

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