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Das Netzwerkmagazin des APOLLON Alumni Network e.V. blickt mal über den Zaun der Gesundheitssysteme.

Medizin 4.0:

Die Digitalisierung ist nur der letzte Schritt

Von Dr. med. Felix Hoffmann

Die Digitalisierung ist derzeit in aller Munde. Schnelles

Internet, eine intensive Vernetzung und die Verbannung

jeglicher Papierdokumentation aus Krankenhäusern

versprechen das Allheilmittel aller Probleme im

Gesundheitswesen zu sein. Doch ist das wirklich so? Dieser

Artikel wagt einen Blick über den Tellerrand.

„Industrie 4.0“, „Arbeitswelt 4.0“, „Medizin 4.0“: die Liste

lässt sich endlos fortsetzen. Das Kürzel „4.0“, welches sich

derzeit hinter fast jedem Begriff wiederfindet, steht für eine

neue Arbeitswelt, welche sich seit einigen Jahren immer

mehr etabliert. Angelehnt sind diese Begriffe an die

industriellen Revolutionen, welche die westliche Welt seit

der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachhaltig

verändert haben. 1 Die erste industrielle Revolution steht für

die Entwicklung von der Handarbeit zur Maschinenkraft. Die

zweite industrielle Revolution brachte durch die Einführung

der Fließbandarbeit eine deutliche Steigerung der Effizienz

mit sich, jedoch auf Kosten der Individualität der

produzierten Güter. Die dritte industrielle Revolution wird

mit der Automatisierung durch datenverarbeitende

Systeme gleichgesetzt und erlebt gerade erst ihren Boom.

Die technische Entwicklung ist heute so schnell wie noch

nie.

Durch ein hohes Maß an Automatisierung ist heute die

Fertigung von einstigen Massenprodukten in kleinen

Stückzahlen bis hin zur individuellen Einzelanfertigung

möglich, wodurch Produkte erstmals sowohl

kostengünstig als auch auf die individuellen Bedürfnisse

des Kunden zugeschnitten hergestellt werden können.

Gleiches gilt auch für den Dienstleistungssektor. Das

Besondere an dieser Entwicklung – der vierten industriellen

Revolution – sind nicht die großen technischen

Möglichkeiten selbst, sondern die Individualisierung, welche

zunehmend Einzug in alle Wirtschaftszweige und auch in

das Gesundheitswesen hält.

Die ausgesprochen große Vielfalt heutiger Möglichkeiten

führt zu einem Wandel in der Erwartungshaltung der

Menschen. Heute ist es normal, dass jegliche Leistung zu

jedem Zeitpunkt in einer einwandfreien Qualität und vor

allem kostengünstig erhältlich ist. 2 Dies lässt sich nur

schwer vereinbaren mit einem Gesundheitssystem, in dem

schon die Wartezeit auf einen Arzttermin teilweise Tage

oder gar Wochen beträgt und die medizinische Versorgung

fließbandartig mit teilweise nur mäßiger Qualität

stattfindet.

Der Weg zu einer Organisation 4.0 im Gesundheitswesen,

welche genau das verspricht, führt jedoch zunächst nicht

zur Digitalisierung. Zunächst müssen die Ziele der

Organisation genau definiert werden. In der Regel dürften

diese die Erfüllung der Bedürfnisse von Patienten und

Mitarbeitern sein.

Sind die Ziele festgelegt, gilt es, die Prozesse so

anzupassen, dass in ihrem Verlauf jegliche Verschwendung

eliminiert wird. Das sind alle Prozessschritte, welche

lediglich Kosten verursachen und nicht zur Zielerreichung

beitragen. In der Regel können derartige Veränderungen

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