JB_2017

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1. Geschäftsbericht für das Jahr 2017 4

2. Beratung 16

2.1 Einleitung 16

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung 16

2.2.1 Persönliche Beratung 16

2.2.2 Telefonische Beratung 17

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung 17

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet 18

2.2.5 E-Mail Beratung 18

2.3 Danksagung 19

3. Begleitung 20

3.1 Einzelbegleitung 21

3.2 Positivenfond 21

3.3 Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen 21

3.4 Angebote für Menschen mit HIV und Aids 22

3.5 Trauerarbeit 22

Seite

4. Öffentlichkeitsarbeit 24

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit 27

4.2. Veranstaltungen 28

4.3. Benefiz-Veranstaltungen 32

4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2017 33

4.5. Berichterstattung in den Medien 39

4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 40

5. Zielgruppenspezifische Prävention 42

5.1 HIV und AIDS Prävention bei Schwulen und Männern

die Sex mit Männern haben 42

5.2 Drogen und Substitution 46

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention 46

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm 46

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen 47

5.2.2 Substitution 47

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe 47

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB) 47

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten Drogengebraucher*innen 48

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene

Drogengebraucher*Innen“ am 21. Juli 50

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen 51

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung 51

2


5.3 HIV und Strafvollzug 52

5.3.1 Einführung 52

5.3.2 Überregionale Aktivitäten 53

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’ 53

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten 53

5.3.5 Primär- und Sekundärprävention 54

5.3.6 Begleitung 55

5.3.7 Resümee 55

5.4. Frauen und HIV /Aids – Prävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen 56

5.5. Frauen und HIV / Aids / Migration 57

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung 60

5.6.1 Veranstaltungsinhalte 65

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork 65

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikator*innen 68

5.6.4 Multiplikator*innen- und Erwachsenenbildung 68

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung 69

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 70

5.7. SCHLAU Duisburg 72

6. Ehrenamtliche Mitarbeit 74

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen 74

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen 74

6.3 Externe Fortbildungen 75

7. Controlling / Anhang / Pressespiegel 76

Seite

3


1. Geschäftsbericht für das Jahr 2017

mit HIV und AIDS in der Bevölkerung zu erreichen.

Aber wir brauchen dazu nicht nur möglichst viele Ärzt*innen,

sondern wir brauchen auch Sie, verehrte Leser*innen!

• „Wir brauchen Unterstützer*innen,

die unsere Botschaft teilen – online und offline!

• Wir brauchen Menschen,

die sich für einen offenen Umgang mit dem Thema

einsetzen und sich gegen Diskriminierung von

HIV-positiven Menschen stark machen.

• Wir brauchen Fachleute und ehrenamtlich Engagierte,

in Organisationen und in der Community, die deutlich

machen, dass ein HIV-Test keine Schande,

sondern eine Chance ist.

• Wir brauchen Ärztinnen und Ärzte,

4

Kein AIDS für alle! Bis 2020!

Das überragende Ereignis des Jahres 2017 war aus unserer

Sicht die Verkündigung eines (endlich) öffentlich formulierten

historischen Zieles. Mit dem sicherlich erklärungsbedürftigen

Slogan ist gemeint, dass in Deutschland kein

Mensch mehr an AIDS erkranken oder gar an den Folgen

versterben muss! Mit der am 12. Mai 2017 gestarteten

Kampagne „Kein AIDS für alle! Bis 2020!“ will die Deutsche

AIDS-Hilfe Geschichte schreiben – und lädt uns alle ein,

daran mitzuwirken.

Wir sind dazu bereit! Auch wenn das Ziel sehr ambitioniert

ist, es ist keine Utopie mehr.

Es ist eine realistische Vision. Und wie sagte es schon

Kanzler Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“

Das würde jedenfalls enorm helfen, denn zur Zielerreichung

brauchen wir viele Ärzt*innen, weil möglichst frühe Diagnosen

und Zugänge zu den modernen HIV-Therapien die

besten Optionen eröffnen. Und wir brauchen natürlich auch

mehr Arztbesucher*innen, die offen über ihre gelebte Sexualität

sprechen können. Die Erkenntnis dazu ist wahrlich

nicht ganz neu. Aufmerksame Leser*innen unserer Jahresberichte

erinnern sich etwa an den Claim der Aidshilfe NRW

„Wir wollen mehr Positive!“ aus dem Jahre 2015 und eigentlich

sind die Erkenntnisse spätestens seit dem sogenannten

EKAF-Statement der Schweizerischen Kommission für

AIDS-Fragen aus dem Jahre 2008 nicht mehr wegzudiskutieren.

Es wurde also Zeit, damit stärker in die Offensive zu

gehen, um einen Schub für mehr Entspannung im Umgang

die mit ihren Patient*innen (offen über Sexualität

und) über HIV-Risiken sprechen und gegebenenfalls

einen HIV-Test anbieten.

• Wir brauchen Politiker*innen,

die sich für Behandlungsmöglichkeiten für Menschen

ohne Papiere einsetzen.“

(s. Kampagnenbooklet und www.kein-aids-fuer-alle.de ,

Berlin 2017)

Wir brauchen mehr und gute Beratungs- und Testangebote

und auch finanzielle Ressourcen, um wirklich erfolgreich

sein zu können.

Um die Seriösität der Botschaft zu untermauern möchten

wir an dieser Stelle auf die Einschätzung namhafter Unterstützer*innen

verweisen. Allen voran die ehemalige Bundesgesundheitsministerin

und Bundestagspräsidentin, Rita

Süßmuth, die ganz wesentlich die Grundlage für eine deutsche

Präventionserfolgsgeschichte geschaffen hat: „Das

Ende von AIDS ist machbar“, so Ihre Einschätzung vom Mai

2017.

Und auch der UNAIDS-Direktor, Michel Sidibé, beurteilt die

DAH-Kampagne sehr positiv, wenn er sagt: „Deutschland

kann den Kampf gegen HIV und Aids gewinnen, so wie

es viele Fußballweltmeisterschaften gewonnen hat. Dafür

muss Deutschland seine Bemühungen jetzt noch verstärken,

um die Menschen zu erreichen, die bisher noch nicht

erreicht werden konnten.“


(Jahrbuch 2016 I 2017 der Deutschen AIDS-Hilfe, Oktober

2017, S. 8)

Angelehnt ist diese Kampagne an die „neuen“ nachhaltigen

WHO / UNAIDS-Ziele, die unter der Formel 90-90-90 natürlich

auch das diesjährige Kongressgeschehen beherrschten.

Dahinter stehen die Ziele, bis 2030 weltweit 90 % an

HIV-Diagnosen zu erreichen, davon 90 % Zugang zu den

Therapien zu gewähren und davon wiederum 90 % unter

erfolgreiche Therapie, also stabil unter die sog. HIV-Viruslast-Nachweisgrenze

(und damit nicht mehr infektiös!) zu

bekommen.

Verstärkt wurde auf eine weitere Zahl hingewiesen, die

zwingend hinzukommen müsse, nämlich die „Null“, die für 0

% Diskriminierung von Menschen mit HIV und AIDS stehen

soll, um eine der wichtigsten Testbarrieren zu senken oder

gar zu eliminieren.

06.04.2016).

So heißt es dort: „Um diese Ziele zu erreichen und die errungenen

Erfolge nicht zu gefährden, bedarf es in den

nächsten Jahren verstärkter Anstrengungen aller Beteiligten.

Ein ganzheitlicher Ansatz ist dafür erforderlich. (…) Für

die Umsetzung müssen alle relevanten Akteure ebenenübergreifend

zusammenarbeiten. Bund, Länder, kommunale

Selbstverwaltung, Öffentlicher Gesundheitsdienst, freie

Träger, die Selbsthilfe, Ärzteschaft, Pflegekräfte sowie die

Bereiche Justiz, Bildung und Arbeit sind gefordert.“ (a.a.O.,

S. 4).

Ähnlich gute Konzepte und Vereinbarungen gibt es vom

Land NRW und einigen weiteren staatlichen Organen und

Fachgesellschaften (BZgA, Deutsche STI-Gesellschaft,

Vereinigung der AIDS-Koordinator*innen in NRW et al.).

Die Musik ist also bestellt – und die Leistungsverzeichnisse

sehr gut erstellt. Sie wird nur leider nicht adäquat bezahlt!

bis 2030 erschien für Deutschland

allerdings für deutlich zu wenig ambitioniert. Daher hat man

sich hier das Ziel „bis 2020!“ gesetzt. Und das ist gut so,

denn wir haben eigentlich gute Voraussetzungen dazu: eine

sehr geringe Inzidenz und Prävalenz, HIV-Medikamente

sind in Deutschland flächendeckend verfügbar und werden

in aller Regel über das Gesundheitssystem finanziert und

wir haben eigentlich ein sehr leistungsfähiges Gesundheitssystem

– dies allerdings nicht unbedingt flächendeckend!

Ländliche Strukturen hinken in vielen Gesundheitsversorgungsfeldern

bekanntermaßen hinter Ballungsräumen (s.

z.B. fast-track-city berlin) her. So auch unsere Region.

Die Ziele sind klar, die dazu erforderlichen strategischen

Maßnahmen erkannt und vielfach gut formuliert. Schon im

April 2016 hat das Bundeskabinett in fachlich hoher Qualität

den „Fahrplan“ vorgelegt, mit dem Papier zur „Strategie

zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen

sexuelle übertragbaren Infektionen. BIS 2030 – Bedarfsorientiert

* Integriert * Sektorenübergreifend“ (Bundesministerium

für Gesundheit und Bundesministerium für wirtschaftliche

Zusammenarbeit. Beschluss des Bundeskabinetts vom

„Kein AIDS für alle! Bis 2020!“ – ob die Ziellinie 2020 also

auch für unsere Region realistisch sein mag, wagen wir zu

bezweifeln. Von erforderlicher Verstärkung der Anstrengungen

ist im Berichtsjahr 2017 nur wenig zu erkennen. Zumindest

aber für die Stadt Duisburg ist von guten Entscheidungen

zu berichten (s.u.).

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Richtig ist, dass wir noch erhebliche Anstrengungen unternehmen

müssen, um das Mögliche zeitnah erreichen zu

können. Klar ist, dass wir dazu eine adäquate Infrastruktur,

insbesondere zu Beratungs- und Testmöglichkeiten, aber

auch bzgl. der medizinischen Versorgungslage benötigen.

Und dort, wo dies gegeben ist, wo also etwa checkpoints

mit Beratungs- und Testangeboten (oder gar noch mit Versorgungsangeboten,

wie etwa beim Zentrum für sexuelle

Gesundheit, „WIR“ in Bochum), mit interdisziplinären Fachlichkeiten

entstanden sind, verzeichnen wir seit ein paar

Jahren deutliche Effekte – im Sinne einer Reduzierung der

HIV-Inzidenzen – insbesondere in der besonders relevanten

Gruppe der MSM (Männer, die Sex mit Männern haben).

Das ist allerdings zumeist nur in einzelnen großstädtischen

Räumen der Fall. Und dass die Zahl der Neuinfektionen insgesamt

nicht gesunken ist, liegt unter anderem eben daran,

dass in Regionen mit eher schlechter Infrastruktur ein

Anstieg zu verzeichnen ist (s.u.). Dazu gehört leider auch

unsere Region!

Epidemiologische Eckdaten aus der Region

So ist die HIV-Inzidenz (HIV-Erstdiagnosen / 100.000

Einwohner) nach Angaben des Robert-Koch-Institutes

(RKI-Bulletin Nr. 39 vom 28.09.2017) im Berichtsjahr alleine

in der Stadt Duisburg in 2016 auf 6,13 (= 31 Fälle) gestiegen,

damit um 2,2 Punkte gegenüber dem Vorjahr 2015.

Und hier sind nur die aus Duisburg gemeldeten Fälle von

Duisburger*innen registriert sind und natürlich nicht alle diejenigen,

die Teststellen außerhalb von Duisburg wahrnehmen

und keine Angaben zum Wohnort machen wollen.

Das wird sich jedoch aller Voraussicht nach in 2018 verbessern,

denn mit der (Wieder-) Einrichtung und –besetzung

einer vollen Stelle „AIDS-Koordination“ ab November

2017 stehen die Signale auch auf Erweiterung des Beratungs-

und Testangebotes. Hinzu kommt ebenfalls voraussichtlich

im Verlaufe des Jahres 2018 die Möglichkeit eines

„Selbsttest-Angebotes“ in der AIDS-Hilfe, für das erstmalig

kein Mediziner unmittelbar beteiligt werden muss. Für die

Zulassung sind nahezu alle Weichen schon gestellt. Es benötigt

allerdings noch das letzte GO einer Bundesregierung,

die wir ja vermutlich wieder bekommen werden. Hier würde

das Testangebot natürlich mit einer qualifizierten Beratung

durch Expert*innen einhergehen, damit niemand alleine im

stillen Kämmerlein mit den Ergebnissen klar kommen muss.

Der HIV-Test ist heute eben keine Schande mehr, sondern

eine Chance!

Für den Kreis Wesel verzeichnen wir leider eine sehr gegenläufige

Entwicklung, nämlich eine deutliche Reduktion

der Ressourcen – zumindest im ÖGD. Und das im Jahre

„30“ der Kooperation, im Jahr „1“ ohne Beratungsstelle vor

Ort - keine Anlässe für eine Jubiläumsfeier.

Die Funktion der „AIDS-Koordination“ ist zwar seit dem

Frühjahr 2017 wieder besetzt, aber das Stundenvolumen

eher als „Alibi“ (vermutlich nur 0,1 VZÄ) zu bezeichnen.

Leider hat der Gesetzgeber es versäumt, den Umfang

der Pflichtaufgabe zu regeln. Darüber hinaus ist der Kreis

Wesel aus der Präventionsarbeit mit Jugendlichen (v.a. in

schulischen Zusammenhängen) komplett ausgestiegen.

Das Beratungs- und Testangebot (in Moers zwei Stunden

wöchentlich zwischen 14 und 16 Uhr; in Wesel nur zweimal

1,5 Stunden zwischen 14 und 15:30 Uhr im Monat) ist weiter

reduziert worden (aus unserer Sicht ist vor allem die Aufgabe

eines Abendangebotes, das recht gut angenommen

worden ist, besonders bedauerlich! Weiterhin gibt es keine

aufsuchenden Angebote mehr). Das ist gemessen an der

Größe des Kreises und seiner Einwohnerzahl äußerst bescheiden!

Und hier geht es ja schon lange nicht mehr „nur“

um HIV und AIDS, sondern in zunehmendem Maße auch

um andere STI`s, bei denen wir leider andere epidemiologische

Zahlen konstatieren müssen – nämlich zum Teil deutliche

Anstiege – auch in der sog. Allgemeinbevölkerung (s.

RKI-Daten). Zudem mussten wir unsere Beratungsstelle in

Wesel (das einzige spezifische Vor-Ort-Angebot) zum Jahresende

2016 aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben.

Gleichzeitig aber waren wir gefordert, das Berichtswesen

für den Kreis Wesel zu modifizieren, was im Berichtsjahr

unverhältnismäßig viele Ressourcen (auf beiden Seiten!)

gebunden hat. Die Auswertung des Verhältnisses von Aufwand

und Nutzen steht noch aus. Statt dem Ziel eines

möglichst einheitlichen Berichtswesens für die verschiedenen

föderalen Ebenen näher zu kommen –wie es die ->

Rahmenvereinbarung eigentlich einfordert- sehen wir uns

inzwischen mit fünf bis sechs verschiedenen Dokumentationssystematiken

konfrontiert und werden zunehmend an

den Schreibtisch und an den Computer gedrückt (für die

der Kreis Wesel leider keinen Cent refinanziert)! Und das

modifizierte Berichtswesen bildet mit der hauptamtlichen

Beratung und den Youthwork-Aktivitäten noch dazu nur Teilaspekte

unseres Leistungsspektrums ab.

Wenn wir in der ein oder anderen Beratungsvorlage für den

Fachausschuss und den Kreistag lesen mussten, dass die

vorgenommenen Maßnahmen als einvernehmlich erzielte

„Synergieeffekte“ dargestellt wurden, so kann man das

nur als „Hohn“ bezeichnen. De facto handelt es sich hier

um „Einsparpotentiale“, die die sog. „Jamaika-Koalition“ zur

Senkung der Kreisumlage intendiert hat. In wie weit es sich

dabei auch um nachhaltige Einspareffekte für die Sozialkassen

und Ausgabetöpfe für das Gesundheitswesen und

damit für Kassenbeiträge und Steuern der Bevölkerung

handelt – dies zu beurteilen überlassen wir Ihnen, liebe Leser*innen.

Gemeinsam gegen AIDS

Angesichts der ambitionierten aber erreichbaren Ziele erachten

wir es für entscheidend, dass die partnerschaftliche

und partizipative Kooperation zwischen staatlichen Strukturen

(hier die unteren Gesundheitsbehörden) und den freien

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Trägern (hier also wir, die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel)

erhalten und günstigenfalls gestärkt wird.

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle Ressourcen,

verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur so

können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden und

andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen insbesondere

in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen. Vor allem auch, weil die

Erfordernisse für Netzwerkarbeit stetig anwachsen, diese

allerdings nur dann auch effektiv wirken können, wenn hier

personelle Kontinuität gewährleistet werden kann.

Das gilt natürlich auch für die Versorgungslage von Menschen

mit HIV und AIDS in unserer Region. Im Berichtsjahr

blieb es leider auch dabei, dass wir mit Dr. Friedhelm Kwirant

nur noch einen einzigen HIV-Schwerpunktbehandler im

Duisburger Süden haben, mit dem wir allerdings sehr, sehr

zufrieden sind und der im Verbund mit seinem Praxisteam

enorm viel leistet. Diesem Team gilt unser tiefer Respekt

und großer Dank!

Eine weitere Erosion der spezifischen Ressourcen zu

verhindern erfordert wiederum mehr zeitliche Investitionen

in die Gremien- und Netzwerkarbeit, um drohenden

Know-how-Verlusten vorzubeugen und das Mögliche zu

tun, um zumindest etablierte Standards zu erhalten.

Ob dies im erforderlichen Maße gelingen mag, ist mehr als

fraglich. Wir werden uns voraussichtlich eher mit der Verhinderung

von weiteren Erosionen befassen müssen – und

zwar im personellen wie auch im finanziellen Bereich, denn

die Deckelungen der öffentlichen Förderung werden sich

weiter sehr ungünstig auf den Erhalt der vorhandenen Kapazitäten

auswirken!

Unsere Haushaltslage und die Folgen

Die seit vielen Jahren gedeckelten Landes- und kommunalen

Fördermittel führen auch bei unserer AIDS-Hilfe dazu,

dass die Schere zwischen öffentlicher Förderung und Haushaltsbedarfen

immer weiter auseinander driftet und darüber

allein schon die Aufrechterhaltung unseres Angebotsspektrums

immer schwieriger wird. Zu betonen ist, dass ein ganz

überwiegender Teil dieser Angebote kommunale Pflichtaufgaben

abdeckt.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der Eigenmittelanteil

alleine durch tarifrechtliche Steigerungen im

Personalkostenetat sowie stetig steigender Sachkostenausgaben

(Mehrwertsteuer, technische Ausstattung durch

z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten, vom Land geforderte,

aber nicht refinanzierte Qualitätssicherungsmaßnahmen,

Nebenkosten für den Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs-

und Fortbildungskosten, Mitgliedsbeiträge bei

Dachverbänden und vieles mehr).

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinzu-

bekommen, benötigen wir mittlerweile über 50.000 Euro

per anno aus nicht-öffentlichen Drittmitteln. Das macht

zwischen 15 und 20 % unseres Haushaltsvolumens aus.

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 3200 Stunden ehrenamtlicher

(entgeltfreier, aber nicht kostenfreier!) Arbeit

per anno (entspricht ca. 3 Vollzeitäquivalenten!) noch nicht

eingerechnet!

Allerdings mussten wir im Berichtsjahr weitere Einbrüche

bei den Drittmitteln (Spenden, Sponsoring und sonstige

Einnahmen) verzeichnen, wodurch wir veranlasst waren,

noch mehr Betriebsmittelrücklagen einzusetzen und darüber

geraten wir in sehr absehbarer (ohne Nachbesserungen

oder/und Drittmittelsteigerungen schon im Jahre 2018) Zeit

in sehr ernsthafte Liquiditätsprobleme. Die stabile Vorhaltung

unseres Leistungsspektrums ist akut gefährdet. Wenn

es nicht gelingen sollte, diesen Trend zu stoppen, wird das

Überleben schwer.

Trotz einer erneut sehr umsichtigen Haushaltsführung, die

bei Werner Garbe in besten Händen liegt, mussten auch

wir uns in den letzten Jahren konkret mit eigenen Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen

beschäftigen und äußerst

schmerzliche Einschnitte vollziehen. Um nur ein paar Beispiel

zu nennen: so haben wir eine Viertel-Stelle im Bereich

der psychosozialen Begleitung abgebaut, seit 2015

auf supervisorische Begleitung vollständig verzichtet, was

fachlich und unter professionellen und qualitätssichernden

Gesichtspunkten eigentlich nicht tragbar ist. Seit 2016 haben

wir unseren sog. Positivenfonds für dringend benötigte

Soforthilfen abgeschmolzen und die Kriterien verändert.

Darüber hinaus haben wir in nahezu allen Sachkostenbereichen

Reduktionen vornehmen müssen, aber es zeigt sich

deutlich, dass wir damit schon an die Grenzen des Machbaren

gegangen sind und wir darüber kaum Entlastung erfahren

konnten.

Die auseinanderdriftende Schere zwischen öffentlicher

Förderung und den Personal- und Overheadkosten lässt

alljährlich das Defizit wachsen. Und obwohl es sich bei den

hauptamtlichen Leistungen –wie erwähnt- zum ganz überwiegenden

Teil um kommunale Pflichtaufgaben handelt und

wir von Land, Stadt und Kreis gehalten sind, qualifizierte

Fachkräfte einzusetzen (welche im untersten Level der tariflichen

Eingruppierungstabelle eingestuft sind), lassen uns

diese bisher im „Regen stehen“.

Die durch die Deckelung der kommunalen Förderungen

seit nunmehr zehn Jahren auflaufenden Defizite haben wir

lange weitgehend durch Drittmittelakquise und den Einsatz

von Eigenmitteln (Notwendige Betriebsmittelrücklagen) auffangen

können und darüber die kommunalen Haushalte geschont.

Durch die Einbrüche (s.o.) in diesen Bereichen aber

ist „das Ende der Fahnenstange“ erreicht.

Über diese Entwicklungen informieren wir natürlich unsere

Zuwendungsgeber alljährlich, allerdings bisher ohne

positive Effekte. So haben wir auch im Berichtsjahr eine

7


abermalige Initiative ergriffen und bei den beiden kommunalen

Strukturen Aufstockungsanträge gestellt.

In vielen Gesprächen und Korrespondenzen haben wir wiederholt

thematisiert, dass sich die Vertreter*innen der unteren

Gesundheitsbehörden eigentlich immer noch glücklich

schätzen können, dass das bundesweit einmalige Konstrukt

mit der Zuständigkeit für eine Großstadt und einem

Flächenkreis in Verbindung mit der Landessockelförderung

dazu geführt hat, dass beide Strukturen mit dem Einsatz

sehr geringer Mittel ein richtig großes Leistungspaket bekommen.

Die `berühmt-berüchtigten´ Synergieeffekte sind

in unserer Region darüber schon lange bestens erreicht.

Diese zu erhalten erfordert aber nunmehr eine u.E. überschaubare

Nachbesserung – wohlgemerkt für Kommunale

Pflichtaufgaben.

Die Forderung nach Nachbesserungen gelten natürlich in

gleichem Maße für die Landesebene. Hier unterstützen wir

natürlich mit voller Überzeugung unseren Landesverband

der Aidshilfe NRW e.V. bei seiner sehr guten Lobbyarbeit.

In wie weit und in welche Richtung sich der Wechsel der

Landesregierung im Berichtsjahr 2017 hier auswirken wird,

ist noch nicht abzuschätzen. Die Aufgabe der strukturellen

HIV-/AIDS-Prävention war allerdings von Beginn an ein

übergeordnetes, quasi interfraktionelles Thema und sollte

es bleiben, denn es geht uns alle an. Mit Karl-Josef Laumann

als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales ist

jedenfalls ein mit der komplexen Materie Vertrauter „alter

Bekannter“ wieder am Ruder, dem die HIV-/AIDS-Prävention

wichtig war und hoffentlich auch bleiben wird.

Ohne Nachbesserungen können die Standards jedenfalls

bei weitem nicht gehalten werden und die Anforderung zu

einer „Weiterentwicklung der HIV-/AIDS- und STI-Prävention“

gerät in Gefahr.

Wir begrüßen ganz eindeutig die bessere Wertschätzung

sozialer Berufe durch die tariflichen Anpassungen im öffentlichen

Dienst der vergangenen Jahre, die allerdings für

die meisten AIDS-Hilfen angesichts gedeckelter öffentlicher

Förderung eine kaum zu stemmende haushalterische Herausforderung

darstellen,

So fordern wir, dass diese Entwicklung nicht weiter dazu

führen darf, dass viele wichtige Angebote der AIDS-Hilfen

wegfallen könnten, weil die gestiegenen Personalkosten

nicht mehr aus Eigenmitteln aufgefangen werden können.

Bei allem Verständnis für die seit vielen Jahren schwierigen

Haushaltslagen unseres Landes und unserer Kommunen

ist es doch letztlich auch eine Frage, wie viel den Verantwortlichen

die Pflichtaufgabe zur Sicherung der sexuellen

Gesundheit wert ist und wie nachhaltig gedacht und geplant

wird, wenn man auch die Folgekosten im Blick haben will.

Wir können mehr!

Und wir wollen mehr und wir müssten mehr, denn die Prävention

ist komplexer geworden und damit steigen die Anforderungen

an fundierte Aus- und Fortbildungen unserer

ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen und ihrer Qualifikationen.

Auch die Instrumente der Prävention sind heute vielfältiger

und müssen kommuniziert werden. Mit der unumstrittenen

Strategie des „Schutzes durch Therapie“ (SDT oder

„treatment as prevention) und der für manche Zielgruppen

sinnvollen „Präexpositionsprophylaxe“ (PrEP) sind wichtige

neue Möglichkeiten des Schutzes vor HIV-Infektionen der

alten –und nach wie vor unerlässlichen- Kondomstrategie

hinzugefügt worden. Neue Testformate (Heim- oder Selbsttests

und sog. home-sampling-tests) stehen vor der Türe

und können nicht mehr ausgeblendet werden, weil die Qualität

inzwischen sehr gut zu sein scheint und Daten aus anderen

Ländern und einzelnen Pilotprojekten in Deutschland

darüber deutliche Präventionserfolge zeigen. Die Medikalisierung

der HIV-Prävention schreitet unaufhaltsam voran

– und das ist gut so.

Die anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI`s) sind

gleichsam originäre Bestandteile der HIV-Präventionsthemen

geworden und nicht mehr wegzudenken. Die Bearbeitung

der Testbarrieren, wie insbesondere das enorme

Stigmatisierungs- und Diskriminierungspotential und anderes

mehr sind weiterhin „dicke Bretter“ für die Präventionsarbeit.

Wir könnten die Liste der (relativ) neuen thematischen

Herausforderungen für eine „Präventionsarbeit auf

aktuellem Anforderungslevel“ noch weiter fortführen, wollen

es aber an dieser Stelle dabei belassen. Es ist einfach viel

Bewegung in der Landschaft – und das macht die Arbeit

ja durchaus auch spannend, nie langweilig und unterstützt

uns bei der motivierten Zielverfolgung von „Kein AIDS für

alle! Bis 2020!“

Auch wenn wir die staatlichen Strukturen nicht aus ihrer

Verantwortung für die pflichtige Arbeit entlassen wollen,

tuen wir gut daran, weiter auch nach entlastenden Kooperationen

oder Ergänzungen unseres Aufgabenspektrums

und/oder nach alternativen Einnahmequellen Ausschau zu

halten.

Vor dem Hintergrund der verbesserten Behandlungsoptionen

und der gestiegenen Lebenserwartung bleibt die Zahl

unserer Begleitungsverhältnisse auf stabil hohem Niveau.

Während uns eindeutig immer mehr Menschen mit HIV immer

weniger „nötig“ haben, wächst leider auch die Zahl derjenigen

Klient*innen, die aufgrund vielfältiger lebenspraktischer

Problemlagen eine besonders hohe Begleitungs- und

Betreuungsintensität benötigen. Hinzu kommt, dass in der

Bevölkerung insgesamt, aber in unserer Klientel in besonderem

Maße die Zahl und Vielfalt der psychischen (Begleit-)

Erkrankungen wächst. Hier stoßen wir zunehmend

an Kapazitäts- und Qualifikationsgrenzen und haben uns

8


im Berichtsjahr weiter intensiv mit Möglichkeiten einer Erweiterung

unserer Angebote durch den Einstieg in Projekte

des Ambulant Betreuten Wohnens beschäftigt. Da uns dazu

aber (noch) die personellen Ressourcen fehlen, haben wir

uns nach speziellen Förderprogrammen erkundigt und haben

entsprechende Beratung durch den PARITÄTISCHEN

NRW eingeholt und uns im Berichtsjahr intensiv um eine

sog. Starthilfeförderung zum „Aufbau eines Ambulant Betreuten

Wohnen-Projektes in einer bestehenden Organisation“

über die beworben. Unser Antrag wurde dann im

Oktober 2017 bewilligt!

Über maximal vier Jahre werden wir darüber eine

Personalkostenförderung erhalten können, die uns auch

ohne öffentliche Mittel (!) und ohne wirtschaftliche Risiken

endlich die Türen zu einer Umsetzung geöffnet haben.

Eine Fachliche Leitung konnte schon gefunden werden und

damit sind wir nunmehr in der Lage, im Frühjahr 2018 zu

starten.

Für die Aufrechterhaltung des originären AIDS-Hilfe-Leistungsspektrums

bleibt es allerdings dabei: Ohne Spendenund

Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche

Gruppierungen und Einzelpersonen wäre die Aufrechterhaltung

unseres regulären Angebotes schon lange nicht mehr

denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von

derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir es

gerne mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun reden

(s. 4.).

Epidemiologische Eckdaten in Deutschland

tes (RKI-Bulletin 39/2017vom 28.09.2017 und 47/2017 vom

23.11.2017) in Deutschland immer mehr Menschen (2016

über 88.400 = + 3.400 im Vgl. zu 2015) mehr oder weniger

gut. Etwa 2/3 davon sogar so gut, dass sie der Unterstützung

durch die AIDS-Hilfen kaum noch bedürfen. Es bleibt

allerdings gut ein Drittel, die aufgrund von diversen, oft prekären

Lebenssituationen auch aufgrund der HIV-Infektion

dringend auf Unterstützung, Rat und Hilfe durch AIDS-Hilfen

angewiesen sind. Und das zumindest phasenweise

sehr intensiv.

Dies gilt insbesondere für die Gruppe der sogenannten „late

presenter“, der Menschen also, die erst sehr spät ihre Erstdiagnose

bekommen und sich dann bereits in sehr ernst

zu nehmenden gesundheitlichen Problemlagen befinden

– nicht selten bereits im Stadium AIDS sind (in 2016 ca.

1.100 Fälle). Sie tauchen erst so spät auf, weil sie bis dahin

vielleicht nur wenig gesundheitliche Probleme hatten, weil

sie entweder bis dahin kein Risikobewusstsein entwickelt

haben, weil sie sich aus diffusen Ängsten heraus bewusst

gegen einen Test entschieden haben oder weil sie Stigmatisierung

oder/und diskriminierende Folgen befürchten oder

weil ihnen schlichtweg die Informationen fehlen. Oder weil

sie bis dahin auf schlecht informierte oder nicht sensibilisierte

Mediziner gestoßen sind und sie somit keine Testempfehlung

bekommen haben.

Leider sind auch in 2016 über 460 Todesfälle von HIV-Infizierten

zu verzeichnen.

Für das Berichtsjahr 2016 geht das Robert-Koch-Institut

(RKI; für 2017 kommen belastbare Daten erst Mitte 2018)

zudem davon aus, dass von den etwa 88.400 HIV-Infizierten

in Deutschland ungefähr 12.700 Menschen noch nicht

getestet sind und somit keine Ahnung von ihrem Status haben

können. Und dabei sind die zugewanderten Menschen

mit Migrationshintergründen (wie etwa Geflüchtete) nicht

(mehr) berücksichtigt, weil das RKI sich zurzeit dazu außer

Stande sieht, seriöse Angaben zu machen.

Und diese Gruppe der Ungetesteten spielt wiederum eine

wesentliche Rolle hinsichtlich der Zahl von HIV-Neuinfektionen

(für das Berichtsjahr 2016 etwa 3.100 = stabiles

Niveau), denn diese sind vermutlich für einen großen Teil

der Übertragungen verantwortlich.

Für das Jahr 2016 verzeichnet das RKI allerdings einen

5%igen Anstieg (ca. 3.700) bei den sog. Neudiagnosen (gesicherte

Diagnosen, die nicht zwingend alle aus 2016 stammen

müssen, hier werden z.T. auch ältere Infektionszeiten

inkludiert, die aber in 2016 gemeldet wurden). Diese verteilen

sich wie folgt auf die „Transmissionsgruppen“: 50,5

% MSM = Männer, die Sex mit Männern haben; HETerosexuelle:

24,2 %; intravenös verabreichter Drogenkonsum

–IVDU- 3,7 %; Mutter-Kind-Übertragungen in 2016 = < 10

gesamt; Rest: 19,9 % ohne Angaben zum Infektionsweg.

Mit HIV leben nach den Angaben des Robert-Koch-Institu-

9


Auffällig bei der weitergehenden Analyse der regionalen

Verteilung war laut RKI, dass die absoluten Zahlen der

HIV-Neudiagnosen bei MSM insgesamt leicht gesunken, im

ländlichen Bereich allerdings gestiegen sind, weiterhin Anstiege

bei den HETerosexuellen zu verzeichnen sind.

Hinzuzurechnen wären auch noch die nicht erfassten

HIV-Neudiagnosen bei Geflüchteten, wovon gemäß Königsberger

Schlüssel eben auch die meisten NRW zugewiesen

wurden. Da es sich aber epidemiologisch betrachtet

um keine auffälligen Herkunftsregionen handelt, sprechen

wir hier sicher nicht über „Massen“. So sind wir im Berichtsjahr

2017 mit weniger „Fällen“ als in 2016, dann aber auch

sehr intensiv beschäftigt gewesen.

Das RKI zieht im Bulletin vom November 2017 ein Fazit, in

dem es unter anderem heißt: „Die Zahl der HIV-Neuinfektionen

bleibt seit einigen Jahren weitgehend unverändert.

Der Anteil von Infizierten, die eine wirksame antiretrovirale

Behandlung erhalten und in der Regel nicht mehr infektiös

sind, nimmt zu. Dies, zusammen mit den bisherigen Präventionsanstrengungen

reicht aber bislang nicht aus, die

Gesamtzahl der Neuinfektionen deutlich zu reduzieren.“

(Epidemiologisches Bulletin Nr. 47, Robert-Koch-Institut,

23.11.2017, S. 541)

Darüber fordert das RKI entsprechend, dass die Strategie

zur Eindämmung von HIV weiter konsequent umgesetzt

werden sollte“ (ebd.).

Bei der näheren Analyse haben sich die Erkenntnisse aus

dem Vorjahr bestätigt, die wir deshalb hier noch mal wiedergeben

wollen:

„Das HIV-Infektionsgeschehen in Deutschland wird nach

wie vor stark durch die Entwicklung unter MSM geprägt.

Der größte Teil der Infektionen bei MSM wird in Deutschland

erworben, und der größte Teil der Infizierten ist deutscher

Herkunft. Es scheint jedoch, dass die Kombination

von fortgesetzter Präventionsarbeit, besserer und früherer

Behandlung und häufigerer HIV-Testung langsam Früchte

trägt. Zumindest dort, wo die Voraussetzungen für ein

Zusammenwirken aller drei Faktoren günstig sind, können

Rückgänge der Neudiagnosezahlen beobachtet werden. In

ländlichen Regionen, wo die Voraussetzungen ungünstiger

sind, hinkt die Entwicklung hinterher.“ (Epidemiologisches

Bulletin Nr. 38, Robert-Koch-Institut, 26.09.2016, S. 417).

Alles in allem also kein Grund zur Entwarnung oder zur Reduktion

von Maßnahmen der strukturellen HIV-/STI-Prävention.

10

Um den Ziel der Minimierung von HIV-Neuinfektionen näher

zu kommen, der Umsetzung des Menschenrechtes auf

Gesundheit, Information und Aufklärung gerecht zu werden

und um die adäquate Versorgung von Menschen mit HIV

und AIDS sicher zu stellen, werden entsprechende Ressourcen

benötigt.

Angesichts der epidemiologischen Situation in Deutschland

müssen Präventionsmittel und –maßnahmen insbesondere

dort zur Verfügung stehen, wo sie besonders benötigt werden

– z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-) Prostitution (s.

5.4.), bei Menschen mit bestimmten Migrationshintergründen

(s. 5.5.) oder bei der Versorgung von Suchterkrankten

(s. 5.2.) und eindeutig im Bereich von homo- und bisexuellen

Männern und Männern, die Sex mit Männern haben

(MSM) (s. 5.1.). Eine weitere sehr wichtige Zielgruppe

stellen Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch höhere

Infektionsgefährdungspotentiale (besonders bzgl. der

Hepatitiden B und C, aber durchaus auch bezogen auf HIV)

konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch höchst

bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen begründet

sind (s. 5.3.).

Offenbar müssten angesichts der Anstiege der letzten Jahre

auch die Aufklärungs- und Präventionsanstrengungen

bei Heterosexuellen wieder verstärkt werden.

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention

für Kinder und Jugendliche (s. 5.6.). Wichtig ist, HIV/

AIDS-Prävention als Teil von Gesundheitsförderung und

Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche frühzeitig

zu Beginn ihrer sexuellen Aktivität zu erreichen“ (Landeskonzept

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in

Nordrhein-Westfalen“, 2013, S. 10; s. auch 5.6. im vorliegenden

Jahresbericht).

Seit 2015 zeigen sich laut RKI auch HIV-Meldungen von

Geflüchteten signifikant in den Surveys. Hier weist das

RKI darauf hin, dass die Neudiagnosen aus dieser Gruppe

insbesondere im ländlichen Bereich stärker gestiegen seien

(Epidemiologisches Bulletin Nr. 27 vom 06.07.2015, S.

247). Diese Entwicklung hat sich auch in 2016 fortgesetzt,

ist allerdings in 2017 spürbar gesunken.

Die erhebliche Steigerung an Anfragen für das Jahr 2016

konnten auch wir nur bestätigen – sowohl für den Bereich

der Begleitung als auch für den Bereich der Nachfragen für


Präventionsveranstaltungen. In 2017 hat sich

dies wieder leicht reduziert.

Als ein bedeutsamer Erklärungsansatz für die

Stabilität der HIV-Neuinfektionen gilt auch für

das Berichtsjahr der weitere Anstieg der Syphilis-Inzidenzen

(oder in Berlin eine wachsende

Gonokokken-Prävalenz u.a. wegen erhöhter

Resistenzproblematiken), was wiederum die

zwingende Verbindung von HIV- mit STI-Prävention

untermauert und eine Intensivierung

der Arbeit vor allem in der Zielgruppe (junger)

schwuler Männer und Männern, die Sex

mit Männern haben (MSM) nach sich ziehen

sollte. Das RKI weist hier darauf hin, dass die

Syphilis die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit

auch dann erhöht, wenn sich am (insgesamt

sehr guten) Risikoverhalten (s. Daten der

EMIS-Studie) nichts ändert.

Dazu sollten sich der Zugang und die Abrechnungsmöglichkeiten

für STI-Screenings deutlich verbessern. Regelmäßige

Checks auf STI`s sollten auch für sexuell aktive Menschen

ohne Symptome zur Kassenleistung werden, denn

dies ist eine wichtige Maßnahme im Rahmen der HIV-Prävention

und auch zur Vermeidung von sehr hohen Folgekosten.

Darüber hinaus zeigen Studienergebnisse bei entsprechenden

Projekten (hervorragend: das PrEP-Projekt

über „Hein & Fiete“ in Hamburg – übrigens komplett vom

Senat finanziert) zwar naturgemäß einen deutlichen initialen

Anstieg von STI´s, aber aufgrund der darüber erfassten

Diagnosen auch rasch einen Abfall wegen der Therapieeffekte.

Auf Seiten der Ärzte wie auch der Patient*innen erfordert

dies allerdings einen tabufreieren, offenen Umgang mit dem

Thema Sexualität, denn nur wenn offen darüber kommuniziert

werden kann, können diagnostische und therapeutische

Maßnahmen zur Anwendung kommen. Let`s talk

about Sex!

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext

von Gesundheitsförderung hat sich dazu ganz eindeutig bewährt.

Angesichts der epidemiologischen Daten in Deutschland

erweist sich die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit

als immer bedeutungsvoller, damit die richtigen

Menschen mit den passenden Botschaften und Maßnahmen

lebenswelt- und akzeptanzorientiert erreicht werden

können und die Ansätze nicht ins Leere greifen, denn: Nur

wer sich schätzt, schützt sich und andere!

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. – Fachstelle

für sexuelle Gesundheitsförderung - arbeitet von Beginn

an nach diesem Grundsatz und bietet – mit einem für die

Größe des Zuständigkeitsgebietes und der Einwohnerzahl

vergleichsweise kleinen Team von ehren- und hauptamtlichen

Mitarbeiter*innen - ein umfassendes Projektspektrum

dazu.

So gibt der vorliegende Bericht vor allem Auskunft über die

konkrete Arbeit der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.-

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung- im Jahre

2017. Wir wünschen anregende Lektüre!

Wir beginnen mit einer der wichtigsten Netzwerkaufgaben,

der Analyse und Koordination der Versorgung von Menschen

mit HIV und AIDS und derer, die davon betroffen sind

oder sein können in unserer Region. Die Zusammenarbeit

im Rahmen des „Runden Tisches zur HIV-Versorgung“,

in dem neben Dr. Kwirant auch die Gesundheitsämter der

Stadt Duisburg und des Kreises Wesel (dieser allerdings

zuletzt eher als passives Mitglied) sowie die AIDS-Hilfen

Duisburg / Kreis Wesel und Oberhausen vertreten sind, gestaltet

sich recht stabil und aktiv. Hier übernehmen wir –wie

in manch anderen Feldern- die Koordination und Organisation,

was eigentlich eine der Kernaufgaben der kommunalen

AIDS-Koordination wäre (s. § 23 ÖGDG).

Wir pflegen den wichtigen Austausch, der wichtige Anhaltspunkte

für die Situation in der Region und daraus resultierender

Steuerungsaspekte ergibt und treffen uns in dieser

Runde in der Regel zweimal im Jahr. In diesem Kreise wird

unter anderem auch das alljährliche Fachgespräch zur

HIV-Therapie geplant und vorbereitet. Die Bewerbung dessen

wird unter anderem auch dazu genutzt den Strukturen

der medizinischen Versorgungssysteme Kenntnis über die

spezifische Infratsruktur zu vermitteln und so der Versuch

unternommen, das Thema HIV / AIDS u.a. STI`s wach zu

halten.

Leider verzeichnen wir nicht nur hier eine stetig nachlassende

Aktivität von Seiten der kommunalen Gesundheitsämter,

die sich -bewusst oder nicht- immer mehr darauf verlassen

(können), dass wir hier einspringen (auch die Öffentlichkeitsarbeit

betreffend, etwa im Rahmen des Welt-AIDS-

Tages u.a.m.; s. dazu: „Standards und Perspektiven in der

HIV-/AIDS- und STI-Arbeit und –Koordination, 2. Revision

11


vom August 2015; hrsgg. vom Verband der AIDS-KoordinatorInnen

NRW e.V.). Das machen wir seit vielen Jahren,

auch wenn wir dafür keine Refinanzierung erfahren, weil es

aber unerlässlich ist, um die fachlichen Standards so gut es

geht zu halten und Weiterentwicklung vor dem Hintergrund

der sich stetig verändernden Anforderungen grundsätzlich

möglich zu machen.

Bezeichnend war es, dass auf unsere Anfrage zu einer gemeinsamen

Nutzung des Kampagnenstartes „Kein AIDS für

alle! Bis 2020!“ von Seiten des ÖGD keinerlei Reaktion erfolgte.

Vor dem Hintergrund der heutigen medizinischen Optionen

muss unser gemeinsames Ziel sein, möglichst auch denjenigen

HIV-Positiven Zugang zu medizinischer Versorgung

zu ermöglichen, die diesen bisher noch nicht hatten. Darüber

hinaus gilt es, die noch nicht Getesteten zu möglichst

früher Diagnosestellung zu bewegen und somit u.a. die Problematik

der „late presenter“ zu verringern.

Unsere Aufgabe diesbezüglich besteht dabei darin, zum einen

ein Risikobewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen

und die Testbereitschaft zu erhöhen. Dieser Komplex benötigt

dann aber eben auch eine entsprechende Infrastruktur

der strukturellen Prävention und damit eben auch der

HIV-spezifischen medizinischen Versorgung.

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die

stete Weiterentwicklung dessen als erstes Ziel sind in

erster Linie nur deshalb noch möglich, weil wir trotz immer

wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien und

manch anderer Ernüchterungen (Wegfall wichtiger Personen

in den Netzwerken, Erhöhung des bürokratischen Aufwandes

u.a.) ein immer noch hochmotiviertes ehren- und

hauptamtliches Team haben.

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die Aufrechterhaltung

unserer Angebotspalette sind und bleiben

dabei unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, denen

einmal mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.

Angefangen beim Vorstand über nahezu alle anderen Arbeitsfelder

können wir hier auf eine sehr stabile wenn auch

vergleichsweise kleine „Mannschaft“, bauen. Allerdings gibt

es leider auch nur überschaubaren Andrang von neuen Interessent*innen.

Wir möchten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, an dieser

Stelle bitten, potentiell interessierte Menschen auf uns

aufmerksam zu machen, denn: AIDS-Hilfe-Arbeit ist spannend,

kann intensiv und unter Umständen belastend sein,

aber auch dankbar und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung

gewinnbringend. Das gilt nach wie vor auch für

die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

/ Ehrenamt).

Wenn wir immer wieder vom „ehren- und hauptamtlichen

Team“ der AIDS-Hilfe reden, so ist dies keine Floskel. Wir

sind ein Verein und wir arbeiten partnerschaftlich und partizipativ

gemeinsam – jede/r im Rahmen seiner/ihrer Möglichkeiten

und alle im Sinne unseres Vereinszweckes und

der verfolgten Ziele. Das gilt natürlich insbesondere für die

Zusammenarbeit von Vorstand und hauptamtlichem Team.

Bestätigung und Rückhalt für unsere Arbeit und Entwicklung

erfuhren wir auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung

am 15. Mai 2017, die trotz anstehender Vorstandswahlen

allerdings recht überschaubar besucht war. Insgesamt verzeichnen

wir leider einen fortschreitenden Rückgang an

beitragszahlenden Mitgliedern.

Der Vorstand bis Mai 2017: Silke Stützel, Thomas Hilgers, Daniela Niemczyk und Peter Külpmann

12


Der amtierende Vorstand wurde einmal mehr einstimmig

entlastet und für seine umfassende Arbeit gewürdigt.

Die diesjährigen Wahlen führten wieder zu einer vollen Besetzung

des Vorstandes. Peter Külpmann wurde als Vorsitzender

genauso einstimmig wiedergewählt wie Silke Stützel

als Stellvertreterin und Daniela Niemczyk nunmehr als

Kassenwartin. Thomas Hilgers stellte sich nicht mehr zur

Wahl, weil er zur Schwäbischen Alb verzogen ist. Besten

Dank für Dein tatkräftiges Mitwirken im Vorstand, in der Öffentlichkeitsarbeit

und im Youthwork über viele Jahre, lieber

Thomas! Wir sehen uns, denn niemals geht man so ganz!

Seit Mai haben wir aber auch wieder zwei neue Beisitzer

im Vorstand und wir begrüßen Joachim Müller und Kevin

Hengsteler in unserer Runde!

Mit der neuen „Legislaturperiode“ standen auch gleich wichtige

Inhalte und Weichenstellungen an. Aufstockungsanträge

an die Kommunen, Projektantrag zur Starthilfeförderung

für das BeWo-Projekt, Personalsuche und –auswahl und

vieles mehr.

rascht, als Sie im Rahmen unseres Sonder-Aktiven-Treffens

ihre wohlverdienten Blumen in Empfang nehmen durfte.

Seit Juli 2017 konnte auch der Dienstvertrag mit Nadine

Bolte (PSB, Drogen) entfristet werden.

Ganz besonders erfreulich konnten wir im Berichtsjahr eine

unverhofft erfolgreiche Wiederbelebung unseres SCHLAU

Duisburg-Projektes beobachten. Hier hat der Koordinator,

Kai-Uwe Diel, es mit unglaublicher Akribie, Kreativität und

Fleiß sowie dank seiner enormen Fähigkeiten und Affinitäten

bei der Nutzung der sozialen Medien und Netzwerke ein

Team für die LSBTIQ*-Aufklärungsarbeit aufzubauen, das

nach entsprechenden Qualifizierungs- und Hospitationsphasen

seit September 2017 sehr aktiv am Start ist und sich

seither mit stetig steigenden Nachfragen belohnt sieht.

Wir bedanken uns beim Jugendamt und dem Jugendhilfeausschuss

der Stadt Duisburg für eine Sachkostenförderung

aus dem Aktionsprogramm zum Kinder- und Jugendschutz

im Berichtsjahr.

Personelle Struktur

Stete Fort- und Weiterentwicklung einer Organisation kann

nur da gut gedeihen, wo auch spezifische Kompetenzen

und Erfahrungen vorhanden sind, wo Bewährtes den erforderlichen

Wandel konstruktiv, kritisch begleitet.

Kontinuität bei der Personalstruktur ist einer der wichtigsten

Faktoren für die Aufrechterhaltung des Leistungsspektrums

und das Funktionieren auch der Kooperations- und Netzwerkarbeit,

auf die wir in vielfältiger Weise angewiesen sind.

Ganz zu schweigen von der enormen Bedeutung möglichst

fester Ansprechpartner*innen in der Begleitungsarbeit mit

Klient*innen.

Das Berichtsjahr 2017 zeichnete sich erfreulicherweise

durch personelle Stabilität im hauptamtlichen Team aus –

ein Segen!

Gleich zwei Dienstjubiläen konnten gefeiert bzw. begangen

werden. Einen ganz besonderen und unvergesslichen Tag

hat das hauptamtliche Team und der Vorstand dem Youthworker,

Öffentlichkeitsarbeiter und Geschäftsführer, Dietmar

Heyde, aus Anlass seines 20-jährigen Dienstjubiläums

beschert.

Frisch aus dem Sommerurlaub kommend hat das Team ihn

völlig überrascht und gemeinsam mit vielen Gästen, einigen

langjährigen Wegbegleiter*innen einen ganz besonderen

„Arbeitstag“ gestaltet.

Auf inzwischen auch schon fünf Jahre Dienst bei der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel konnte im November

Janina Boers, unsere XXelle-Frauen- und Migrationsbeauftragte

zurückblicken. Auch Sie zeigte sich angenehm über-

Ein herzlicher Dank der Geschäftsführung und des Vorstandes

gilt einmal mehr den ehren- und hauptamtlichen Kolleginnen

und Kollegen, die Ihre Arbeit weit über das erwartbare

„business as usual“ hinaus wahrnahmen. Und das in

einem Jahr mit erneut hohen Intensitäten und wachsenden

Sorgen über die Erhaltung des Status Quo. DANKE!

Dass wir trotz zum Teil demotivierender Umstände und

zusätzlichen Arbeitsbelastungen unsere angestammten

Arbeitsbereiche und –angebote in gewohnter Form und

Qualität fast durchgehend vorhalten konnten, darüber legt

der vorliegende Jahresbericht (und die Controlling-Daten im

Anhang) Zeugnis ab.

So ist etwa von einem wichtigen Primärpräventionsbereich,

der Duisburger Substitutionsregelung, welche nicht unbedingt

zum Kernbereich zählt, zu berichten, dass dieses

Angebot, wenngleich mit gesunkenen Teilnehmerzahlen,

13


Erwähnenswert auch in diesem Arbeitsfeld ist die Nachfrage

an Veranstaltungen für junge (vorwiegend männliche)

Geflüchtete, die zwar eine neue konzeptionelle und sprachliche

Herausforderung darstellen, die aber höchst erfreulich

verliefen und sich vor allem bei der DAA, dem Bildungsrecht

stabil weiter läuft. Diese Regelung ist nicht nur für

die Klient*innen von hohem gesundheitlichen und psychosozialen

Nutzen ist, sondern auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller

Segen. Hier gilt den Ärzten Dr. Hander und seit

dem Herbst Frau Dr. Stech, Herrn Harzem, Dr. Stark und Dr.

Gudat sowie unseren begleitenden Ehrenamtler*innen ein

ganz großes Dankeschön! (s. 5.2.2.).

Die Absicht, im Bereich der Drogenarbeit in Duisburg die

JES- (Junkies, Ehemalige und Substituierte) Selbsthilfegruppe

zu stärken und weiter zu etablieren, war weiterhin

von Erfolg gekrönt. Dies ist insbesondere eine Folge der

intensiven Streetworkarbeit durch unsere Kollegin Nadine

Bolte, die sich inzwischen als feste und gern gesehene

Ansprechpartnerin der zu erreichenden Gruppe drogengebrauchender

Duisburger*innen etabliert hat und als Koordinatorin

in diesem Sektor eigentlich nicht mehr wegzudenken

ist. Besonders erwähnenswert sind sicher zum einen

die Ausweitung der aufsuchenden Arbeit auf den Duisburger

Norden (einmal wöchentlich in Hamborn) durch den

JESler Marko Stegmann. Und zum anderen läuft die „Kooperation“

mit den „ArtGenossen“ vom Lehmbruck-Museum

hier höchst erfreulich

Unser erklärtes und auch satzungsgemäßes Ziel bleibt es,

im Sinne eines partizipativen Ansatzes, Selbsthilfestrukturen

anzuschieben und so gut es geht zu fördern (s. 5.2.).

Im Bereich der Präventions-, Beratungs- und Begleitungsarbeit

in den Justizvollzugsanstalten konnte die erfreuliche

Kooperation im Berichtsjahr wieder in vollem Umfang

durchgeführt werden. Hier ist die Anstaltsleitung mit der Arbeit

von Rüdiger Wächter offensichtlich so zufrieden, dass

wir einmal mehr bereits zum Jahresende den Vertrag für

das Jahr 2018 unterzeichnen konnten, worüber auch Fördermittel

des Justizministeriums NRW abgerufen werden

können, die zumindest Teile der Personalkosten decken

können. Indiz für die hohe Wertschätzung unserer Arbeit in

diesem Bereich sind die regelmäßigen Anfragen an Rüdiger

Wächter, als Referent bei Fachkongressen (s. 5.3).

Es freut uns ganz besonders, dass im Bereich der Frauenarbeit

mit Janina Boers die wichtige Arbeit (XXelle-Kampagne,

PSB bei Frauen mit HIV u.a.m.) mit einer festen

Ansprechpartnerin stabil fortgeführt werden konnte. Ist es

doch die einzige fachspezifische Stelle in unserem großen

Zuständigkeitsgebiet. Die Frauenquote in unserer AIDS-Hilfe

ist gewachsen – und das ist gut so. Eine ganze Reihe von

neuen Beratungs- und Begleitungskontakten ergab sich insbesondere

durch die gute Vernetzung mit der HIV-Schwerpunktpraxis

von Dr. Kwirant. Besonders intensiv waren im

Berichtsjahr die Begleitungsfälle von Frauen mit Migrationshintergründen.

Darüber hinaus funktioniert die landesweite und überregionale

Vernetzungsarbeit im landesgeförderten XXelle-Projekt

hervorragend (s. 5.4.).

Zudem waren und sind wir auf dem Sektor der (Beschaf-

14

fungs-) Sexarbeit angesichts erheblicher Zuwanderung

–v.a. von Frauen aus südosteuropäischen Regionen- im

Praktischen und Konzeptionellen zunehmend gefordert.

Auch für die dabei unerlässliche Netzwerkarbeit und im

Besonderen die Zusammenarbeit mit den ÖGD-Strukturen

ist eine stabile personelle Struktur besonders wichtig. Erst

recht durch die Veränderungen, die die Umsetzung des

ab dem 01.07.2017 geltenden neuen Prostitutionsschutzgesetzes

(ProstSCHG) mit sich gebracht haben und weiter

bringen werden.

Im Arbeitsbereich der Prävention bei Männern, die Sex

mit Männern haben (MSM), gab es nicht nur bei den Präventionsoffensiven

im Umfeld des im Berichtsjahr weiter

ausgebauten CSD in Duisburg ebenfalls wieder viel „Action“

für die Abteilung Herzenslust (s.o.) – und auch hier viel Anerkennung

für das Geleistete. Erfreulich ist insgesamt eine

weiter zu verzeichnende (Wieder-) Belebung der schwul-lesbischen

Szene in Duisburg. Es tut sich was und wir sind zuversichtlich,

dass das auch positive Auswirkungen bei der

Gewinnung von neuen „Herzenslüstlern“ haben mag. Die

Zahl der Veranstaltungen, bei denen das Herzenslust-Team

als gern gesehener Partner auftritt um das hier und da gar

heftig geworben wird, ist deutlich gestiegen. Darüber hinaus

ist auch hier die erheblich gesteigerte Qualität und Quantität

der konsequenten Einbeziehung moderner Kommunikationskanäle

besonders erwähnenswert.

Auch das große Ziel, das Beratungs- und Testangebot zumindest

in Duisburg in Kooperation mit dem ÖGD auszubauen

war schon fast erreicht worden und vier Abendtermine

bereits in die Bewerbung gegangen – bis die zunächst

eingestellte AIDS-Koordinatorin ausschied und damit die

Ressourcen auf dieser Seite nicht mehr ausreichten und

das Angebot kurzfristig wieder eingestellt werden musste.

Das hat uns schon sehr gewurmt. Aussicht auf Besserung

im Frühjahr 2018 ist allerdings durch die Wiederbesetzung

der Koordinatorinnenstelle seit Anfang November 2017 gegeben.

(s. 5.1.)

Im Sektor Youthwork / Prävention in der

Allgemeinbevölkerung (s. 5.6.) können wir über weitgehend

stabile Nachfragen mit nach wie vor hervorragenden

Rückmeldungen berichten. Seit dem „Comeback“ von Anika

Walther können wir zumindest gelegentlich auch hier wieder

etwas mehr anbieten – vor allem in Zeiten von Mehrfachanfragen.

Erwähnenswert ist dabei sicher das tolle Projekt der

„Sexualpädagogischen Stadtrallye“ für Schüler/innen der

neunten Jahrgänge aller Schulformen, das in Kooperation

mit der pro familia Duisburg dank der Förderung durch den

Jugendhilfeausschuss der Stadt Duisburg weiter erfolgreich

durchgeführt wurde und sich reger Nachfrage erfreut.


träger mit zahlreichen Integrationskursen in unserer Region

sehr schnell herumgesprochen haben.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit (s. 4.) sind wir in zunehmendem

Maße „Alleinunterhalter“ für die Region geworden,

denn da kommt von Seiten der unteren Gesundheitsbehörden

einfach nicht mehr viel. Da heißt es leider eher „Einsam

gegen AIDS“ als „Gemeinsam“!

Dies gilt jedoch nicht für andere Netzwerke, wie etwa den

Arbeitskreis Prävention Duisburg. Hier ist auch schon im

Berichtsjahr eine Stabilisierung durch die aktive Mitarbeit

des Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg zu verzeichnen.

Intensiviert haben wir unsere Kooperation mit dem Suchthilfeverbund

Duisburg e.V. unter anderem durch eine gemeinsame

Teamsitzung im Januar.

Leider waren wir im Berichtsjahr erneut mit Diskriminierungsfällen

beschäftigt. In der Regel irrationale Ängste,

aber auch klare Ausgrenzungen scheinen eher wieder zuals

abzunehmen. Als „Dauerbrenner“ sind hier insbesondere

wiederkehrende Probleme mit Zahnarztpraxen hervorzuheben.

Hinzu kamen über das gesamte Jahr rege Korrespondenzen

und Gespräche mit den kommunalen Strukturen durch

unsere Aufstockungsanträge, Gespräche hinsichtlich der

sog. Bedarfsbestätigungen der Gesundheitsämter für unseren

BeWo-Starthilfeantrag bei der Aktion Mensch sowie

ganz besonders intensive „Verhandlungen“ zum modifizierten

Berichtswesen im Kreis Wesel (s.o.).

Nicht unerwähnt lassen möchten wir an dieser Stelle aber

auch, dass die Weiterleitung der Landesmittel wie der städtischen

Zuwendungen über die Stadt Duisburg im Berichtsjahr

erneut sehr reibungslos geklappt hat, was nicht immer

so war. Und Gleiches gilt für die pünktlichen Überweisungen

durch den Kreis Wesel.

Es deutet einiges darauf hin, dass unser Haushaltsabschluss

für 2017 erneut ein kleineres Defizit ausweisen

wird, als es die Planung befürchten ließ. Dennoch bleibt es

dabei, dass die erforderliche Betriebsmittelrücklage weiter

in bedrohliche Bereiche abschmilzt. Also kein Grund zur

Entwarnung!

Und natürlich waren wir auch in diesem Jahr wieder „auf der

Straße“ mit Infoständen und Aktionen im Sommer und boten

ein umfangreiches Programm zum Welt-AIDS-Tag 2017

(s. 4.4.).

„Klappern gehört zum Handwerk“.

Einmal mehr erfreulich war diesbezüglich allerdings im Berichtsjahr

das Medieninteresse und die Unterstützung durch

Funk und Fernsehen – demgegenüber hinken die Printmedien

mittlerweile hinterher.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch und

nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher

Förderung immer mehr gefragt. Diesbezüglich können wir

einmal mehr auf ein Jahr mit zum Teil wirklich großartiger

Unterstützung zurückblicken (s. 4.). Insbesondere im Zusammenhang

mit dem diesjährigen Welt-AIDS-Tags-Geschehen

erlebten wir viel Engagement von verschiedensten

Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend möchten wir

hier schon mal auf die WAT-Aktionen an einigen Schulen

unserer Region sowie die hervorragende mediale Unterstützung

durch das Duisburger Lokalfernsehen „Studio47“

wie auch der WDR-Lokalzeitredaktion verweisen.

Besonders bemerkenswert ist auch das erneute Engagement

der Alpener Gastronomen, Wolfgang Gödeke und

Frank Stieger und Ihrem Team der „Burgschänke“, die uns

das Essen für die Weihnachtsfeier am Heiligen Abend spendeten.

Dieses ist von den knapp 20 Teilnehmer*innen sehr

gelobt worden. Ganz herzlichen Dank für diese wunderbare

Geste, die Menschen zugutekam, die über Weihnachten

keine Familienanbindung haben.

DANKE!

Wir bedanken uns bei den Sparkassen aus unserer Region

für ebenso treue Unterstützung und besonders beim „Strick-

Team“ der Targobank Duisburg um Frau Ursula Busshoff.

Dieses Duisburger „Bären-Alleinstellungsmerkmal“, die

wunderbaren Strick-Accessoires, ist kaum noch wegzudenken.

Immer mehr Interessent*innen fragen gezielt danach.

Ein ganz großer Dank gilt dieser Kreativ-Gruppe!

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle bei

all jenen treuen Freund*innen und Förderern, Zuwendungsgebern

und Sympathisant*innen sowie bei den Vertreter*innen

aus Politik, Verwaltungen, der Staatsanwaltschaft

Duisburg für die Berücksichtigung der AIDS-Hilfe bei der

Zuweisung von Bußgeldern, bei den Gesundheitsämtern,

medizinischen und Beratungseinrichtungen, einigen Kirchengemeinden

für die Unterstützung unserer Weihnachtsfeier,

den vielen Netzwerkpartnern, Schulen und sonstigen

Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden, den

„PARITÄTISCHEN“ Kreisgruppen, der Deutschen AIDS-Hilfe

und der AIDS-Hilfe NRW für ihre Wertschätzungen, unterstützenden

Aktionen und guten Wünsche im Berichtsjahr

aufs Herzlichste bedanken.

Unsere Arbeit und unsere Aktionen werden wahrgenommen

– wir können nicht behaupten, dass wir keine Lobby hätten.

Allerdings möchten wir an dieser Stelle eingestehen, dass

der stete Kampf für den Erhalt der Strukturen immer wieder

auch demotiviert und Kraft raubt.

15


2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

zum Themenkomplex der sexuellen Gesundheit mit dem

Fokus auf HIV / AIDS und anderen sexuell übertragbaren

Infektionen (STI`s) von der primärpräventiven- bis zur tertiärpräventiven

Ebene wurde wie in den vorangegangenen

Jahren als ein Hauptschwerpunkt unserer Arbeit durchgeführt.

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden

wie folgt genutzt werden:

16

1. persönliche Beratung in unseren Büroräumen während

der Öffnungszeiten und nach Vereinbarung in

der AIDS-Hilfe oder aufsuchend;

2. telefonische Beratung durch Hauptamtler*innen

während der Bürozeiten in Duisburg unter der

Nummer 0203 / 66 66 33 sowie für die bundesweite

Telefonberatung Donnerstags in der Zeit von 09.00

– 12.00 Uhr am Donnerstag unter der Nummer

0180 / 33 19411;

3. telefonische und E-Mail Beratung durch die eh-

renamtlichen Telefonberater in der Zeit von 19.00-

21.00 Uhr am Montag über Duisburg.

2.2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer Absprache

auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten Ratsuchende

sich persönlich durch hauptamtliche Mitarbeiter*innen

in unserer Beratungsstelle in Duisburg beraten

lassen. Bei diesen Beratungsgesprächen wird auf eine ruhige

und entspannte Atmosphäre geachtet. Bei Bedarf konnten

Ratsuchende, die anonym bleiben wollten, sich auch

Termine außerhalb der Öffnungszeiten und dem damit verbundenen

Publikumsverkehr geben lassen. Bei Beratungen

von Personen, die kürzlich ihr HIV-positives Testergebnis

erhalten haben, kann im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer

das Angebot unterbreitet werden, mit einem geschulten

HIV-Positiven zu sprechen, der schon länger mit der Infektion

lebt. Dieses Angebot wurde auch im Berichtsjahr vereinzelt

nachgefragt.

Die persönliche Beratung wurde im Berichtszeitraum erneut

recht rege in Anspruch genommen. Der Standortwechsel im

Jahre 2013 zur Bismarckstr. in Du-Neudorf kann inzwischen

als bekannt angesehen werden. Nach der Schließung der

Beratungsstelle in Wesel zum Jahresende 2016 ist es natürlich

für Ratsuchende aus dem Kreisgebiet deutlich schwieriger

geworden, eine persönlichen Beratung in geschützter

Atmosphäre einer Beratungsstelle in Wohnortnähe zu bekommen.

Diese Ratsuchenden müssten entweder nach

Duisburg kommen können oder einen Vor-Ort-Termin über

Telefon oder per e-mail mit uns vereinbaren. Dieses Angebot

halten wir grundsätzlich noch vor, da dies allerdings mit

erheblichen Kosten verbunden (Fahrt- und Arbeitszeit) ist,

können wir dies angesichts unserer Unterfinanzierung leider

nur noch in Einzelfällen (bei besonderer Bedarfslage)

leisten.


Das (Test- und) Beratungsangebot durch den Fachdienst

Gesundheitswesen im Kreis Wesel ist leider sehr spärlich

(Montags von 14-16 Uhr in Moers und nur jeden 1. und 3.

Dienstag von 14-15.30 Uhr in Wesel) und die Zeiten sind

etwa für Berufstätige sicherlich suboptimal. Laut Homepage

des Kreises Wesel sind leider auch keine Termine nach Vereinbarung

möglich.

Das (Test- und) Beratungsangebot des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg sah für das Berichtsjahr für die Größe

der Stadt nur marginal besser aus (nur 4 Stunden an jedem

Donnerstag – ohne Abendstunden für Berufstätige). Durch

die personelle Aufstockung des Teams (volle AIDS-Koordinatorenstelle)

ist hier für 2018 vermutlich Besserung in

Sicht.

Insgesamt haben wir im Berichtsjahr 2017 1250 Beratungen

mit primärpräventivem Hintergrund über persönliche

und telefonische Gesprächskontakte geleistet. Davon

800 für männliche und 450 für weibliche Personen, davon

geschätzt 235 Menschen mit Migrationshintergrund, bis 21

Jahre 185 und 1065 über 21 Jahren (s. Controlling-Daten

im Anhang).

2.2.2 Telefonische Beratung

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen

während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

An 62 Stunden pro Woche können sich Ratsuchende unter

der Rufnummer 0180 33 19411 (9 ct./min. aus dem deutschen

Festnetz maximal 42 ct./min. aus deutschen Mobilfunknetzen)

mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS telefonisch

an die Berater*innen der AIDS-Hilfen wenden. Die Hotline

ist erreichbar in den Zeiten: Montags bis Freitags von 9.00-

21.00 Uhr und am Samstag und Sonntag von 12.00-14.00

Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich

als eine von bundesweit 26 Einrichtungen an diesem nunmehr

fest etablierten Angebot. Die haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

bedienen Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet am

Montagabend von 19.00-21.00 Uhr und am Donnerstag von

09.00-12.00 Uhr. Die regionalen Angebote bleiben im vollen

Umfang bestehen. So können sich Menschen telefonisch,

persönlich und per E-Mail zu den gewohnten Zeiten an die

Mitarbeiter*innen der AIDS-Hilfe wenden. Die aktive Beteiligung

an diesem bundesweiten Angebot wird ausgesprochen

gut genutzt. Häufig melden sich sehr verunsicherte

Menschen, die sich über das Internet oder andere Quellen

informiert haben, aber durch die Vielfalt an unterschiedlichen

Aussagen im Ergebnis eher verunsichert wurden und

umso dankbarer für klare und kompetente Beratungsleistungen

sind. Die Telefonberatung trägt dem Wunsch nach

Anonymität in besonderem Maße Rechnung. Dadurch können

wir allerdings in aller Regel keine regionale Zuordnung

der Ratsuchenden leisten. Für unsere Mitarbeiter*innen bietet

die Telefonberatung gewissermaßen eine wöchentliche

Fortbildungsmöglichkeit zur HIV-/AIDS- und STI-Beratung.

Im Berichtsjahr 2017 wurden 544 Beratungen im Rahmen

dieses Angebotes durchgeführt (über 100 mehr als 2016),

davon 402 mit Männern, 142 mit Frauen und überwiegend

für Heterosexuelle (geschätzt über 68 %).

wurden nach eingehender Erörterung der Risikosituationen

aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die Ratsuchenden

zwecks HIV-Antikörper-Test an das jeweilige örtliche Gesundheitsamt

verwiesen. Vor dem Hintergrund der sehr

schmalen Zeitfenster der Testberatungsangebote der Gesundheitsämter

mussten wir allerdings auch zunehmend

auf Angebote in umliegenden Städten verweisen. Insbesondere

gilt dies für Berufstätige (s.o.). Eine sehr unbefriedigende

Situation, zumal das Testangebot zu HIV und STI`s

eine kommunale Pflichtaufgabe ist, deren Umfang allerdings

leider nicht festgelegt ist.

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV nach

wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur Beantwortung

persönlicher Fragen und zur Abklärung eines individuellen

HIV-Übertragungsrisikos. Mit der Rufnummer

17


0180 33 19411 werden bestehende Angebote unter einer

bundesweiten Nummer zusammengeführt und damit die Erreichbarkeit

für Ratsuchende weiter verbessert. Durch die

Intensivierung der Weiterbildung und die Einrichtung eines

Online-Portals für Berater*innen wird die Qualität der Beratung

langfristig gesichert.

Im Rahmen der Bundesweiten Telefonberatung werden mit

den ehrenamtlichen Telefonberatern regelmäßig Treffen

mit dem hauptamtlichen Koordinator durchgeführt. Ziel ist

einerseits der Austausch und die Terminvergabe (wer ist an

welchen Tagen für die Beratung zuständig) und andererseits

werden Beratungsgespräche als Fallbeispiele bearbeitet

sowie bei belastenden Gesprächen supervidiert. Seit

2016 leistet Werner Garbe die hauptamtliche Koordination.

Unseren ehrenamtlichen Telefonberatern Johann Mangelsdorf

und Klaus Gürke gilt an dieser Stelle ein großer Dank

für ihren fantastischen Einsatz.

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen

Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer Telefonberatervernetzung

zusammengeschlossen. Ziel dieser

Vernetzung ist der fachliche Austausch und der Erhalt der

hohen Qualitätsstandards.

GIBT ES EXTRAGROSSE KONDOME?

Ja, es gibt extragroße Kondome. Kondome, in allen möglichen

Ausführungen, gibt es in Apotheken und Drogeriemärkten

zu kaufen. Achtet dabei auf das aufgedruckte

Haltbarkeitsdatum und auf eine vorhandene Kontrollnummer!

Übrigens: Kondome sollten kühl, trocken, vor Hitze und

direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden.

Sie sollten auch nicht mit Ölen oder Fetten in Berührung

kommen, dies greift sie an und lässt sie schneller

zerreißen. Benutze für den Gebrauch von Kondomen nur

vom Hersteller zugelassene Gleitmittel.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WO MACHE ICH EINEN HIV-TEST?

Einen kostenlosen und anonymen HIV Test kann man

beim Gesundheitsamt machen.

2.2.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin angeboten.

Die E-Mailberatung ist unter der folgenden Adresse

zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de/beratung.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden auf

unserer Homepage die acht häufigsten gestellten Fragen

(FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim Anklicken

einer Frage gleich die Antwort lesen. Durch dieses Beratungsangebot

konnten viele Ratsuchende ohne dass sie an

uns eine E-Mail schreiben mussten, bedient werden. Detailliertere

Fragen konnten dann per E-Mail an uns gesendet

werden.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WANN MUSS ICH MEDIKAMENTE NEHMEN?

Die Frage nach einem Therapiebeginn und Medikamenten

können wir nicht so allgemein beantworten. Das sollte ein

Arzt entscheiden, da dafür aufwendige Blutuntersuchungen

nötig sind.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

18


WIE WIRD MEIN PARTNER REAGIEREN?

Um diese Frage zu klären, ist es ratsam ein Beratungsgespräch

zu führen oder komm doch mit Deinem Partner

in die AIDS-Hilfe und sprecht vor Ort über Eure Probleme

und Fragen.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2017 allerdings

recht wenig genutzt. Als Grund ist hierfür sicherlich

die ebenfalls bundesweite E-Mailberatung der AIDS-Hilfen

zu nennen.

2.3 Danksagung:

Wir danken unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die diese

anspruchsvolle und zuweilen äußerst belastende Tätigkeit

ausüben und sich konsequent weiterbilden, um den hohen

Qualitätsstandards in der Beratung zu entsprechen.

IST AIDS EIN GRUND ZUR KÜNDIGUNG?

Es besteht kein Gesetz in der BRD, dass Du dem Arbeitgeber

einen positiven HIV Test mitteilen musst.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WIE GEFÄHRLICH IST ORALER SEX?

Bei oralem Sex, ohne Verletzungen / Wunden und ohne

Abspritzen besteht ein sehr geringes HIV Risiko, jedoch

hinsichtlich anderer Geschlechtskrankheiten besteht ein

hohes Risiko!

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WO TREFFE ICH ANDERE POSITIVE?

Wo Du andere Positive treffen kannst erfährst Du am besten

in Deiner regionalen AIDS-Hilfe. In Duisburg gibt es

eine Positivengruppe.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

INFO ZUR E-MAIL BERATUNG

19


20

3. Begleitung

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet HIV-positiven

und an Aids erkrankten Menschen Begleitung an. Eine HIV-

Infektion geht oftmals einher mit Ängsten und Problemen

bei der Bewältigung der Diagnose. Diese können Prozesse

sozialer Isolation fördern und auch in ökonomische Krisen

führen, die nicht selten vielfältige sozialrechtliche Problemen

mit sich bringen.

Auch beeinflussen die Anforderungen und Nebenwirkungen

der lebenslang erforderlichen Medikamente den Alltag

von HIV-positiven Menschen. Ängste vor dem Verlust

sozialer Attraktivität oder einer möglichen Verkürzung

des Lebens, können den Alltag beeinträchtigen. Die

psychische Stabilisierung und Akzeptanz einer veränderten

Lebenssituation sind wichtige Ziele im Rahmen der

Begleitung.

Die Menschen, die zu uns in die Beratung kommen,

haben vielfaltige Probleme. Gerade in der PSB

(Psychosoziale Begleitung) begegnen uns Menschen mit

existenzbedrohlichen Problemlagen. Verlust der Wohnung

und anstehende Obdachlosigkeit, bei Migrant*innen häufig

eine fehlende KV, die den Zugang zu der lebenswichtigen

ART erschweren oder verzögern, bei HIV positiven

Drogenkonsument*innen psychische, physische und

mentale Instabilität aufgrund von Drogenkonsum oder

fehlende Compliance bzgl. der HIV Medikation.

Im Mittelpunkt der PSB steht die individuelle

Gesundheitsförderung, das gemeinsame Suchen und

Finden von situativ angepassten Strategien bei der

Bewältigung von Krisen und emotionalen Konflikten.

Das soziale Umfeld, also die Bedeutung sozialer Verhältnisse

auf die individuelle Gesundheit, in denen Menschen leben,

müssen ebenfalls mit einbezogen werden, wenn es um die

Stärkung individueller Ressourcen und Kompetenzen geht.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet:

• Individuelle Hilfen für Menschen mit HIV/Aids

• Beratung für An- und Zugehörige zur Stabilisierung

des sozialen Umfeldes

• Psychosoziale Begleitung bei Substituierten durch

Fachkräfte

• Angeleitete Gruppen für Menschen mit HIV/Aids

• Angebote zur Freizeitgestaltung

• Förderung von Selbsthilfegruppen

HIV ist heute eine chronische Erkrankung, allerdings mit

einigen Besonderheiten. Ein großer Teil der HIV-positiven

Menschen verträgt die Medikamente gut und hat auch

eine gute Compliance. Während aufgrund der Vielzahl

der Medikamente die akuten Nebenwirkungen weniger

werden, treten häufiger Langzeitnebenwirkungen und

Multimorbidität insbesondere psychische Erkrankungen,

Osteoporose und Herz-Kreislauferkrankungen auf. Hier gilt

es, andere gesundheitsschädigende Risiken zu minimieren.

Des Weiteren werden unsere Begleiteten auch älter und in

der Beratungs- und Begleitungsarbeit ist es uns wichtig, für

bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren und

altersbedingte Erkrankungen, wie das „Thema Krebs und

HIV“ mit in den Fokus zu nehmen.

Ein weiteres Themenfeld unserer Beratung von Begleiteten

liegt in der Koinfektion mit Hepatitis C. Einige von Ihnen

haben neben ihrer HIV-Infektion zusätzlich noch eine

Hepatitis C-Infektion. Insbesondere im Bereich der

Psychosozialen Begleitung von Substituierten ist dies

häufig Gegenstand der Beratung und auch diese Zielgruppe

von den heute verbesserten Therapieoptionen- mit deutlich

weniger Nebenwirkungen- profitieren kann.

Viele unserer langjährig Begleiteten waren bereits an Aids

erkrankt, beziehen eine kleine Rente und leben auf dem

Niveau des Arbeitslosengeldes II, der Grundsicherung oder

leicht darüber. Hierbei handelt es sich um Leistungen, die

ihrem Ursprung nach zur Überbrückung einer kurzen Zeit

angedacht waren. Letztendlich verharren diese Begleiteten

nicht selten in einer Lebenssituation, die Ihnen finanziell

keinen Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die

Zukunft bietet. Neben fehlenden Mitteln für existentielle

Dinge wie Stromnachzahlung oder Ersatzanschaffungen

von Haushaltsgeräten, fehlt es aufgrund der nicht

vorhandenen materiellen Ressourcen an Lebensqualität,

da die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wie

Kinobesuche und andere Freizeitaktivitäten einen Faktor

für Lebensqualität darstellen kann. Dadurch kommt es

oft zu Vereinsamung und Depressionen, so dass auch

von Einzelnen suizidale Gedanken geäußert werden, die

Thema in der Beratungsarbeit sind. Um der Vereinzelung

vorzubeugen, haben wir einige Angebote, die weiter unten

beschrieben sind, auch im Berichtsjahr vorgehalten bzw.

freuen uns, dass Angebote in Selbsthilfe ausgestaltet

werden. Des Weiteren bieten wir Unterstützung bei

sozialrechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten.

Einige unserer Begleiteten bringen sich aktiv ein oder

engagieren sich auf landes- und bundesweiter Ebene in

Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.

Andere gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen

die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten Fragen in

Anspruch, besuchen unser Mittwochs-Café oder von uns

durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.

Im Berichtsjahr mussten wir uns – wie in den letzten Jahren

auch - mit dem Thema „Late-Presenter“ beschäftigen.

Das bedeutet, dass bei diesen Personen die Infektion

erst festgestellt wurde, als sie sich schon im Stadium Aids

befanden. Hier ist besonders psychosoziale Unterstützung

gefordert, da in diesen Fällen bereits eine lebensbedrohende

Situation vorlag. Für die hauptamtlichen Mitarbeiter*innen

bedeutete dies, häufige und zeitintensive Besuche im


Krankenhaus.

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere

Ressourcen übersteigen, und die entsprechenden

Voraussetzungen gegeben sind, vermitteln wir in Formen

ambulant betreuten Wohnens.

Neben dem Beratungsangebot in der AIDS-Hilfe bieten

wir in Einzelfällen auch aufsuchende Arbeit und somit

Treffpunkte außerhalb der AIDS-Hilfe an. Dies kann bei dem

Begleiteten Zuhause oder einem neutralen Ort außerhalb

von AIDS-Hilfe und Wohnung sein.

3.1 Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wird in der Regel von drei

hauptamtlichen Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichem

Zeitanteil ihrer Voll- bzw. Teilzeitstellen neben ihren anderen

Aufgabenbereichen durchgeführt.

Im Berichtsjahr 2017 konnten wir weiterhin auf ein

Begleitungsteam von drei hauptamtlichen Mitarbeiter*innen

– zwei Halbe- und einer Viertel- Teilzeitstellen - blicken.

In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen

zu Nebenwirkungen der Medikamente, zu

Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und finanziellen

Problemen an. Wir unterstützen bei Rentenanträgen

wegen Erwerbsminderung oder schreiben Widersprüche

bei fehlerhaften ALG II Bescheiden. Bei weitergehenden

und komplexeren Problematiken stellen wir Kontakt zu

entsprechenden Beratungsstellen, wie zum Beispiel der

Schuldnerberatung, her.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem

Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir Anträge an

die Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die Antragshintergründe

die Kriterien der Stiftung erfüllen.

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich für die

perfekte Unterstützung durch die Deutsche AIDS-Stiftung

und des Verbandes der Privaten Krankenversicherung

e.V., für die Zuwendung in Höhe von 1.000.- €, die uns als

Zuschuss für Dolmetscher*innenkosten gewährt wurden.

Zeitintensive Krankenhausaufenthalte waren im Berichtsjahr

bei zwei Frauen und drei Männern zu verzeichnen.

Hier ist es den Mitarbeiter*innen des Begleitungsteams

weiterhin wichtig, dass - wenn irgendwie möglich –

wir einmal pro Woche im Krankenhaus einen Besuch

abstatten. Da die Aufenthalte in den Krankenhäusern in

den unterschiedlichsten Orten stattfinden, und unsere

Begleiteten aus einem großen Einzugsgebiet kommen

(Duisburg / Kreis Wesel) sowie teilweise die stationäre

Versorgung in den Unikliniken Essen und Düsseldorf erfolgt,

ist der Besuch mit hohem Zeitaufwand verbunden.

Im Berichtjahr 2017 konnten die hauptamtlichen

Mitarbeiter*innen insgesamt 1.114 Beratungs- und

Begleitungskontakte verzeichnen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen sind in diesem Feld, u.a.

da die Qualifikationsanforderungen nicht mehr adäquat

erfüllt werden können, zurzeit nicht aktiv.

3.2 Positivenfond

Im Berichtsjahr 2016 veränderte die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. die bisherigen Strukturen und

Auszahlungsmodalitäten des Positivenfonds.

Der Rückblick zeigt, dass sich die neuen Strukturen aus

der Sicht der Mitarbeiter*innen im Begleitungsbereich als

sinnvoll erwiesen haben.

Die Vorgabe, dass in dringenden Notfällen eine finanzielle

Hilfe ohne großen administrativen Aufwand ermöglicht

werden sollte, blieb bestehen.

Im Jahr 2017 war es mithilfe des Positivenfonds möglich,

in 14 Fällen Menschen, die von der AIDS-Hilfe begleitet

werden, in problematischen finanziellen Situationen zu

entlasten.

Die Gesamtausgaben des Positivenfonds beliefen sich

2017 auf 823,43€, wobei 143,43 € für die Begleitungsarbeit

in der JVA Hamborn und Dinslaken gebraucht wurden.

3.3 Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen

Die langjährige Zusammenarbeit mit

Kooperationspartner*innen wurde im Berichtsjahr

fortgesetzt. Im Einzelnen handelt es sich um folgende

Partner*innen:

HIV-Schwerpunktpraxen

In Duisburg und dem Kreis Wesel gibt es nur noch eine

HIV-Schwerpunktpraxis. Mit Dr. Kwirant haben wir eine

gute Zusammenarbeit. Ein Teil unserer Begleiteten wird in

den Ambulanzen der Uni-Kliniken Essen und Düsseldorf

behandelt.

Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten werden unsere Begleiteten

in die umliegenden Uni-Kliniken Essen, Bochum und

Düsseldorf eingewiesen. Insbesondere zur Uniklinik Essen

bestehen gute Kontakte.

Im Berichtsjahr gab es eine gute Zusammenarbeit mit den

örtlichen Krankenhäusern und somit konnten wir sehr gut

mit dem medizinischen Personal kooperieren.

Flüchtlingsberatung

In diesem Bereich haben wir fallspezifisch eine enge

Zusammenarbeit zum Beispiel mit ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen von Unterkünften. Weiter konnten wir

21


in bei Verständigungsschwierigkeiten auf die Hilfe der

Mitarbeiter*innen von Dr. Kwirant zählen, die uns als

Dolmetscher hilfreich zur Seite standen. Einen herzlichen

Dank an dieser Stelle dafür.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, zum Beispiel

Aussicht e.V., mit denen wir bisher zusammen gearbeitet

haben, wurde erfolgreich fortgeführt.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten war im

Berichtsjahr nicht erforderlich.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern, im Berichtsjahr

2017 insbesondere mit Aussicht GbR und der AIDS-Hilfe

Essen zusammen.

ÖGD Duisburg

Die gute Kooperation wurde auch im Jahr 2017 fortgeführt.

liegen schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher Hand.

Die Weihnachtsfeier konnte wieder mit Spenden aus

den Kirchengemeinden und insbesondere durch eine

Cateringspende von Wolfgang Gödecke – Inhaber der

Burgschänke in Alpen - durchgeführt werden, wofür wir uns

an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

3.5 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr 2017 sind ein langjährig Begleiteter und ein

ehrenamtlicher Mitarbeiter verstorben.

Wir gedenken der Verstorbenen in der Mitgliederversammlung

und mit unserer Trauerecke, die sich im Café befindet. Hier

befinden sich unser Trauerbuch und weitere Informationen

zu Verstorbenen.

Im Berichtsjahr haben wir zu einem Gedenkabend für

Angehörige und Freunde unserer Verstorben eingeladen.

22

3.4 Angebote für Menschen mit HIV und Aids

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin ein

beliebter Treffpunkt zwischen HIV positiven und an Aids

Erkrankten, ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und der

AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender Menschen.

Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für

an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.

Im Café ist ein Austausch zwischen HIV positiven Menschen,

hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

möglich. Hier können sich Interessierte auch über

Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe informieren und die Angebote

an der Infotafel zur Kenntnis nehmen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen fahren jeweils vor dem

Café zu Bürger für Bürger und holen dort Lebensmittel, die

dann im Mittwochs-Café verteilt werden ab.

Für dieses Engagement sagen wir - den ehrenamtlichen

Mitarbeitern und Bürger für Bürger - recht herzlichen Dank!

Das Café startet um 15 Uhr, wobei einige Besucher schon vor

15 Uhr eintreffen und endet um 18 Uhr. Während der Café-

Zeit sind immer hauptamtliche Mitarbeiter*innen präsent, da

diese Treffen von vielen Cafébesucher*innen dazu genutzt

werden, Anliegen an die Berater*innen heranzutragen. Über

die Café-Zeit hinaus ist die AIDS-Hilfe mittwochs bis 19 Uhr

für persönliche und telefonische Beratung geöffnet.

Die Weihnachtsfeier fand wieder in den Räumlichkeiten

unserer Fachstelle statt. Die 20 Teilnehmer*innen

verbrachten einen schönen Nachmittag mit anschließendem

Festessen und erhielten jeder eine Weihnachtstüte mit

Süßigkeiten, Obst, Kaffee und teilweise Zigaretten. Die

Vorbereitung und die Durchführung der Weihnachtsfeier


23


4. Öffentlichkeitsarbeit

„Mit HIV kann man leben, lieben, alt werden. Weitersagen!.

In Deutschland leben etwa 88.400 Menschen mit HIV. Dank

Medikamenten haben die meisten von ihnen eine fast normale

Lebenserwartung. Sie können in jedem Beruf arbeiten,

ihre Freizeit gestalten wie andere auch. Wird HIV rechtzeitig

festgestellt und behandelt, ist eine AIDS-Erkrankung

vermeidbar.

Man kann also heute in der Regel gut mit HIV leben. Aber

immer noch wird hinter dem Rücken von Menschen mit HIV

getuschelt, verweigern manche Ärztinnen und Ärzte eine

Behandlung, und in einigen Fällen ist sogar der Arbeitsplatz

in Gefahr. Zurückweisung, Ausgrenzung und die Angst davor

wiegen heute für viele HIV-Positive schwerer als die gesundheitlichen

Folgen der Infektion selbst.

Hrsg.: BMG, BZgA, DAH und DAS)

Viele Menschen wissen leider noch nichts von dieser

Schutzwirkung der HIV-Therapie. Auch deshalb ist es wichtig,

immer wieder über das heutige Leben mit HIV aufzuklären

– und zu zeigen, dass positiv zusammen leben möglich

ist.

Und zu AIDS kommt es heute nicht mehr, wenn eine HIV-Infektion

rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird – sie

ist dann eine chronische Infektion. Bei fast allen Menschen

mit HIV, die ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und

darüber stabil unter eine sog. HIV-Viruslast-Nachweisgrenze

kommen, sind so wenige Viren im Blut und in anderen

Körperflüssigkeiten, dass eine Übertragung von HIV selbst

beim ungeschützten Sex auszuschließen ist.

Insofern ist die im Mai gestartete Kampagne der Deutschen

Ursache für Zurückweisung und Diskriminierung sind häufig

Vorurteile, Unwissen oder unbegründete Ängste vor einer

Ansteckung.

Da hilft nur eines: drüber reden!

Denn wir alle können ganz selbstverständlich und ohne

Angst positiv zusammen leben. Im Beruf, im Alltag und in

der Freizeit gibt es keine Übertragungsgefahr. Und beim

Sex schützen Kondome ebenso gut wie eine wirksame

HIV-Therapie.“

(Aus der Kampagnenbroschüre zum Welt-AIDS-Tag 2017,

AIDS-Hilfe

eine gute und

konsequente Ergänzung der großen, jährlichen Kampagne

zum Welt-AIDS-Tag (s. 1.).

Die 2014 neu ausgerichtete bundesweite Kampagne zum

Welt-AIDS-Tag ist in ihrer Ausrichtung und den Botschaften

auch im Jahre 2017 nur marginal modifiziert worden.

Das erscheint uns konsequent, denn zum einen finden wir

diese Form der direkten Ansprache von Menschen gut und

24


zum anderen ist die Zielrichtung unverändert wichtig. „Gemeinsam

gegen Angst und Ausgrenzung!“ Erneut zeigen

wieder drei HIV-positive Botschafter*innen nicht nur ihr

Gesicht, sondern damit auch Mut, an die Öffentlichkeit zu

gehen. Dies ist nach wie vor bei weitem noch nicht selbstverständlich,

wie die entsprechenden Aussagen, für die die

Botschafter*innen stehen, zeigen.

Die zwingende Kombination von Information & Aufklärung

über HIV und andere STI`s mit Maßnahmen Botschaften,

die zur Entdiskriminierung und Entstigmatisierung von Menschen

mit HIV und AIDS beitragen sollen, ist nach wie vor

geboten. Denn nur so können wir Ängste abbauen und zu

einem entspannteren Umgang miteinander kommen.

Aber nicht nur nach unserem Eindruck sind diese Botschaften

immer noch schwer zu „verkaufen“, stoßen wir immer

noch häufig auf Unglauben, Gleichgültigkeit oder Ablehnung,

wenn es um die Annahme der Wahrheiten geht. Und

unsere langjährigen Erfahrungen aus der präventiven Arbeit

lehren eben auch, dass Erfolge in der Medizin immer auch

die Prävention latent gefährden, weil sie Entwarnungsphantasien

und Sorglosigkeit hervorrufen können. Dennoch werden

wir nicht nachlassen, betrachten diese Arbeit als „positive“

Herausforderung – wissend, dass es sich lohnt und

dass in Deutschland durchaus schon viel erreicht wurde, wir

aber noch lange nicht am Ziel unserer Wünsche sind.

Der im Jahre 2017 anhaltend zu verzeichnende Rechtsruck

in der Gesellschaft, das scheinbar gesellschaftsfähig werdende

Verbreiten von „alternativen Faktenlagen“, gefühlten

und nicht hinterfragten Wahrheiten im „post-faktischen

Zeitalter“ oder „fake news“ meist in populistischen Formen

vorgetragen, macht die Arbeit nicht leichter. Dies gefährdet

generell die „Akzeptanz von Lebensweisen“, das respektvolle

Miteinander und den gesellschaftlichen Frieden – und

befördert in immer gleichen Mustern die „Suche nach Minderheiten,

die sich als Sündenböcke“ eignen.

HIV- / AIDS-und STI- Prävention bleibt Herausforderung

„Aufklärung, Information und Prävention statt Repression ist

seit nunmehr 30 Jahren der Leitgedanke der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen. Seitdem sehen sich das

Land Nordrhein-Westfalen, die Kommunen und die freien

Träger in der Verantwortung, die weitere Verbreitung von

HIV-Infektionen (…) zu minimieren, HIV-Infizierte und an

AIDS erkrankte Menschen zu unterstützen und sie vor Ausgrenzung

und Diskriminierung zu bewahren.

Diese grundsätzliche Ausrichtung war und ist die Basis

des großen Erfolges der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen

und hat deshalb auch heute noch Bestand.

Dabei haben sich als besondere Qualitätsmerkmale das

Zusammenspiel staatlicher, kommunaler und nichtstaatlicher

Akteurinnen und Akteure, die Orientierung der Angebote

an der Lebenswirklichkeit der Betroffenen und die

Einbeziehung der Menschen, die von HIV und AIDS bedroht

oder betroffen sind, bewährt. Diese Qualitätsmerkmale sind

auch für die zukünftige Entwicklung und Umsetzung der

Präventionskonzepte unverzichtbar.

Einem Wandel unterworfen sind jedoch die Rahmenbedingungen

der Prävention in sehr unterschiedlichen Feldern:

25


Prävention darf und muss Spaß machen – auch den Präventionist*innen!

26

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Übertragbarkeit

des HI-Virus werden immer detaillierter.

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppen der

HIV-Prävention verändern sich. Das Internet bietet neue

Möglichkeiten der Information und Beratung. Die Lebenserwartung

von Menschen mit HIV nimmt zu.

Die Präventionsbotschaften und die Methoden der Vermittlung

an die Zielgruppen müssen sich diesem Wandel

anpassen. Deshalb bleibt die HIV/AIDS-Prävention auch in

Zukunft eine Herausforderung.“

(Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation,

Pflege und Alter des Landes NRW bis Mai 2017, Vorwort

zum Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen“, Düsseldorf 2013, S. 5 f)

Einem Wandel unterworfen sind in der Tat die Rahmenbedingungen

der Prävention. Diese Erkenntnis trifft trotz

–auch im Berichtsjahr - massiver wissenschaftlicher Untermauerung

durch verschiedene Fachgesellschaften und Organe

leider auch auf andere Felder immer mehr zu. Der

Kampf um die finanziellen und personellen Ressourcen zur

Erfüllung der Anforderungen an die Träger der Aufgabe der

strukturellen HIV-Prävention wird immer schwieriger (s. 1.).

Und dieser Kampf bindet wiederum wichtige Ressourcen.

Wir haben schon viel erreicht und der Leitgedanke der Präventionsarbeit

hat sich in Deutschland eindeutig bewährt,

denn bezogen auf HIV gilt in den allermeisten denkbaren

Lebenssituationen nach wie vor, dass jeder vernunftbegabte

Mensch sich selbst und andere davor schützen kann,

wenn er über die notwendigen Informationen, Fähigkeiten

und Mittel verfügt und seine Verhältnisse, in denen er lebt,

keine Hindernisse bieten.

Der darauf aufbauende Ansatz der „strukturellen HIV-/

AIDS-Prävention“ war und ist in Deutschland die Basis für

einen großen Erfolg, den die beteiligten Akteure fortschreiben

wollen und müssen. Das Ziel bleibt, die Zahl der Neuinfektionen

auf niedrigem Niveau zu halten und nachhaltig zu

minimieren und das Stigma von Menschen mit HIV zu nehmen,

damit es uns gelingen kann, die Testbereitschaft von

Menschen zu erhöhen, die Zahl der sog. „late presenter“

deutlich zu verringern und die Errungenschaften der medizinischen

Behandelbarkeiten auch anwenden zu können.

Das Ziel hat seit diesem Jahr quasi einen neuen Namen:

„Kein AIDS für alle! Bis 2020!“

Information und Aufklärung zielgruppenadäquat und seriös

zu transportieren, ist die zentrale Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel.

Diese Aufgabe umzusetzen, wird nicht leichter angesichts

der langen Zeit, in der es darum geht, das Thema im Bewusstsein

der Bevölkerung wach und bewusst zu halten,

die Menschen zu erreichen, denn schon der gute Freiherr

von Knigge wusste:


„Die Menschen wollen lieber unterhalten als belehrt werden.“

Und getreu dieser Erkenntnis ist auch unsere Öffentlichkeitsarbeit

nicht von Zeigefingerpädagogik geprägt, sondern

sehr darum bemüht, Information & Aufklärung so zu

gestalten, dass sie die Menschen erreichen kann.

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die neue,

alte Botschaft – nicht nur zum Welt-AIDS-Tag, die unsere

Öffentlichkeitsarbeit von Beginn an prägt.

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung

von Menschen mit HIV abgebaut werden. Indem

wir Betroffenen unvoreingenommen begegnen und ihnen

so erleichtern, offen und verantwortungsvoll mit ihrer Infektion

oder Krankheit umzugehen, indem wir den Mut aufbringen,

aufeinander zuzugehen, über Ängste zu sprechen,

einander verstehen lernen.

Die offene Kommunikation benötigt allerdings ein adäquates

soziales Klima und sie braucht gewissermaßen den

Geist der Aufklärung. Wer informiert ist, ist (nicht nur) beim

Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten

klar im Vorteil – hinsichtlich des Umganges mit Menschen

mit HIV, aber eben auch hinsichtlich des Schutzes

vor einer Infektion und ihren Folgen. Wir werden weiter

über Verhütungsmöglichkeiten aufklären und nicht die

Aufklärung verhüten!

Der `präventive Spagat´ zwischen Enttabuisierungs- und

Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIV-positiven und

an AIDS erkrankten Menschen und der Mahnung vor einer

„chronischen Erkrankung“, die im Einzelfall immer noch zu

erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen

kann und eben ein nicht unerhebliches Stigmatisierungsund

Diskriminierungspotential birgt, bleibt eine große Herausforderung

für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Von wachsender Bedeutung bleibt dabei die konsequente

Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell

übertragbarer Infektionen (STI`s, wie Syphilis, Chlamydien

u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz für

die HIV-Inzidenzen besitzen, denn STI`s erhöhen das

HIV-Übertragungsrisiko um das Zwei- bis Achtfache.

Während wir nach über 30 Jahren HIV- / AIDS-Prävention

in der Region sicherlich behaupten können, dass das Aufklärungsniveau

bezüglich HIV/AIDS in der Bevölkerung

vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich der STI`s noch

keineswegs in gleicher Weise. Hier muss in der künftigen

Präventionsarbeit weiter nachgearbeitet werden.

uns die vielen positiven Rückmeldungen, die aus sehr unterschiedlichen

Gruppierungen kommen.

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die Haltungen

der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen und

der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren Förderung

angenommen werden. Dies ist nicht zuletzt auch für die

Arbeit und die Motivation unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

sehr wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer

Arbeitsqualitäten sind das Leitbild sowie das Konzept zur

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

).

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der entsprechenden

Informations- und Aufklärungsarbeit befasste Arbeitsgruppe

trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um

18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen, Informationsstände

u.a. Aktionen zu konzipieren und zu organisieren.

Die Gruppe ist mit stabil sechs bis acht Mitgliedern besetzt.

Um diesen Kern von Mitarbeiter*innen herum finden

sich immer wieder neue Interessent*innen über mehr oder

minder lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht

das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler*innen

voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung und Begleitung

zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich

hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

wäre die Menge an Veranstaltungen und

Aktionen, die wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen

konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler*innen

gilt dafür unser herzlichster Dank!

Weiterhin aber suchen wir gerade für das Feld der Präventions-

und Öffentlichkeitsarbeit neue ehrenamtliche Mitarbeiter*innen.

Wer hier aktiv werden möchte oder Interessenten

kennt … bitte melden! Ansprechpartner sind Dietmar

Heyde für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit oder

alle anderen hauptamtlichen Mitarbeiter*innen.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten unserer

AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil hoch. Das

spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen unserer

ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen und die

Flexibilität eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege

werden offensichtlich sehr geschätzt. Dies zeigen

27


inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden und

andere sexuell übertragbare Infektionen, Homo-, Bi- und

Trans*Sexualität, Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und

HIV/AIDS, Migration und HIV/AIDS u.a.m.) über öffentlichkeitswirksame

Veranstaltungen abzubilden, ist es alljährlich

auf`s Neue schwierig, halbwegs flächendeckend in unserer

großen Region Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle

an Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“ (s.

5.6.) sowie durch intensive Berichts- und Dokumentationsarbeit

zum Vorjahr.

28

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die

Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ) und inzwischen

sicherlich auch der Auftritt bei facebook. Medien, die

immer mehr an Bedeutung gewinnen und auf die Schnelle

nicht nur Informationen zum Verein und seinen Angeboten

bieten, sondern auch zu Beratungszwecken genutzt werden.

Für die Pflege und Aktualisierung ist immer noch unser

hauptamtlicher Kollege als „Herzenslust-Koordinator“, Raphael

Diaz-Fernandez, verantwortlich. Er lebt allerdings

vom „Futter“ durch das AIDS-Hilfe-Team. Und allmählich

bessert sich das Mitdenken an die Veröffentlichung von Informationen

und Terminen hier. Das gilt auch für den Auftritt

bei „facebook“, welcher ebenfalls in neuer Qualität gepflegt

wird.

Das gilt natürlich insbesondere auch für den vorliegenden

Jahresbericht, für dessen Lay-out ebenfalls Raphael

Diaz-Fernandez (weiterhin mit freiwilligem Engagement!)

verantwortlich ist. DANKE, lieber Raphael! Die Welt der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel wäre ohne dieses tolle

Engagement erheblich trister.

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht,

ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent

zu machen und nutzt dazu verschiedene Orte und Anlässe.

Wie könnte man auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung

und Emanzipation ausgelegte Präventionsarbeit leisten,

ohne die sog. Allgemeinbevölkerung über den Sinn und

Zweck zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren und zu

überzeugen?

Neben der Herausforderung, das sehr breite Spektrum an

Diese war im Berichtsjahr 2017 (das 30. Jahr der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V.) besonders aufwendig durch

etliche Gespräche mit dem Fachdienst Gesundheitswesen

des Kreises Wesel und erhöhtem Erfassungsaufwand zum

verlangten modifizierten Berichtswesen. Durch längere

Krankheiten und Vakanzen in der dortigen Sachbearbeitung

wechselten noch dazu die Gesprächspartner*innen

und wir waren mit höchst unterschiedlichen Kenntnisständen

zu unserer Arbeit konfrontiert. Die Verabredung einer

vorläufigen Endversion zog sich bis zur Jahresmitte. Darüber

hinaus erfolgte der von uns geforderte Abgleich mit der

landesweiten Datenerhebung über die Geschäftsstelle der

AG Aidsprävention NRW trotz steten Bekundungen dazu im

Berichtsjahr wohl nicht. Immerhin verfolgt auch der Landkreistag

als Mitunterzeichner der Rahmenvereinbarung mit

dem Land NRW das Ziel, zu einem möglichst einheitlichen

Berichtswesen zu kommen, das den Aufwand für die einzelnen

Akteur*innen reduzieren soll (s. 1.).

Die neue Version wurde im September dem Fachausschuss

für Gesundheit und Soziales per Vorlage vorgestellt. Die

speziellen Rückmeldungen aus den Fraktionen dazu waren

allerdings äußerst „sparsam“. Wir gehen auch von einer

Überforderung der meisten ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitiker

aus. Unser Angebot zu spezifischen Fragen zur

Verfügung zu stehen, wurde jedenfalls in der Sitzung nicht

genutzt. So haben wir allerdings die Entscheidungsträger

um eine ernsthafte Prüfung von Aufwand und Nutzen gebeten.

Schauen wir mal.

Für ein positives Votum zu unserem Aufstockungsantrag für

2017 (Ablehnung per Kreistagsbeschluss vom März 2017)

kamen die vorgelegten Daten für die Jamaika-Koalition

aus CDU, Bündnis 90/Die GRÜNEN und der FDP/VWG

angeblich zu spät – was nicht an uns lag. Wir haben verabredungs-

und fristgemäß geliefert. Das Ganze, was sich

hier unter dem Deckmantel der Haushaltskonsolidierung

abspielte, hat mit intendierten „Synergieeffekten“ aber auch

gar nichts mehr zu tun! Es wird allein zusätzlicher bürokratischer

Aufwand produziert und konkret bei den Ressourcen

für die Präventionsarbeit des Fachdienstes eingespart. Und

die fortdauernde Deckelung der Festbetragsfinanzierung

bedeutet für uns de facto auch eine alljährliche Kürzung.

Unsere steten Gesprächsangebote wurden von diesen

Fraktionen leider in keinster Weise aufgegriffen.


Die Sozialpolitik insgesamt hat sich im Kreis Wesel in den

letzten Jahren bedauerlicherweise sehr verändert. Da hilft

es uns leider auch nicht viel, wenn wir feststellen dürfen,

dass wir uns mit dieser Erfahrung mit nahezu allen Sozial-

und Wohlfahrtsverbänden und Trägern der freien Wohlfahrtspflege

in „guter Gesellschaft“ befinden.

Bezüglich unserer Nöte bezogen auf die erhebliche Unterfinanzierung

unserer –wohlgemerkt ganz überwiegend

kommunal-pflichtigen – Leistungen, gibt es zudem auch

bei der Stadt Duisburg keine Bewegung! Außer diversen

Wertschätzungs- und Verständnisbekundungen für unsere

Arbeit und unsere Anträge haben wir hier nur Vertröstung

ernten können.

Immerhin aber hat die Stadt Duisburg mit der Einrichtung

einer vollen Stelle „AIDS-Koordination“ die eigenen Ressourcen

gestärkt und wir hoffen und denken, dass dieser

Zugewinn an Kapazität sich insgesamt positiv auswirken

wird – zumindest auch eine Entlastung für uns bringen wird,

die wir wesentliche Aufgaben der AIDS-Koordination bisher

„on top“ übernommen haben.

Wie schon im letzten Jahresbericht 2016 erwähnt, haben

die Gespräche mit den unteren Gesundheitsbehörden des

Kreises Wesel und der Stadt Duisburg immerhin zu einer

inhaltlichen Positionierung der ÖGD-Strukturen geführt und

uns deutlich vermittelt, dass gewünscht wird, dass wir unsere

Arbeit in allen Bereichen weiterführen mögen. Ob und

wie lange dies unter der defizitären Refinanzierung gelingen

mag, wird allerdings immer fraglicher. Wir haben die

Hoffnung, dass die Fachbereiche der Stadt und des Kreises

wieder miteinander ins Gespräch kommen und bleiben und

ihre Verantwortung für die pflichtige Aufgabe der AIDS-Koordination

in unserer Region auch wieder kooperativ wahrnehmen.

(Gem-) Einsam gegen AIDS!

Trotz dieser ernüchternden und wenig motivierenden Erfahrungen

waren wir auch im Berichtsjahr intensiv öffentlich

tätig und sichtbar – sogar mit einer leichten Erhöhung der

Zahl der Infostände und Aktionsformen.

Die „Saisoneröffnung“ begingen wir schon im März mit einem

Info- und Beratungsstand beim 1. Weseler Gesundheitstag

in der Niederrheinhalle. Eine sehr gelungene Premiere mit

einer hohen Quote an interessierten Messebesucher*innen.

Lara Merke steht bereit zur Präventionsoffensive

Schon Ende März mussten wir unser Kontingent für die

diesjährigen „Solibären“ für die Einsätze rund um den Welt-

AIDS-Tag ordern. Immer wieder ein gewisses Wagnis – in

diesem Jahr besonders, weil unser „Premium-Vertriebspartner“,

die GudsO-Initiative der Targobank Duisburg eine

Aktionspause einlegen musste. Ein herber Verlust, denn

darüber gingen in den letzten Jahren über 700 Bären gegen

Mindestspende in den Umlauf. Somit war früh klar, dass ein

weiterer Einbruch bei Drittmitteln drohte (s. 4.4.).

Ende März waren wir mit drei Mitarbeiter*innen beim Verbandstag

der Aidshilfe NRW in Köln vertreten, der wichtige

Updates und Impulse für die verschiedenen Arbeitsbereiche

liefern konnte. Fortbildung ist angesichts des recht rasanten

Tempos der Neuerungen im Themenfeld unerlässlich. Und

erfreulicherweise bieten unsere Dachverbände hier viel

gute Unterstützung zu günstigen Konditionen.

Im Mai erfolgte dann der offizielle Kampagnenstart für „Kein

AIDS für alle! Bis 2020!“.

Auch wenn wir uns aufgrund fehlender Ressourcen nicht

offensiv an den Roll-out-Aktionen unter dem Motto „40 Orte

– 40 Aktionen“ beteiligen konnten, so haben wir dennoch

eine PR-Offensive über Pressemitteilungen unternommen

– leider mit überschaubarer Resonanz. Immerhin aber hat

„unser“ treuester Medienpartner, der Lokalfernsehsender

„Studio47“ uns am 30.05. zum Live-Interview eingeladen, in

dem wir Näheres über die Kampagnenziele erläutern konnten.

Mit etwas Verzögerung hat auch die WAZ-Redaktion die

Thematik aufgegriffen und in Verbindung mit einem Interview

mit einem unserer Langzeit-Positiven Mitte Juni eine

ganze Sonderseite gebracht. Vielen Dank für diese wichtige

Unterstützung.

Am 17.05., dem Tag gegen Homo- und Transphobie (IDA-

HOT – in Erinnerung an den alten Paragrafen 175 StGB),

hat unser „Herzenslust-Team“, eine „SCHLAU“-Delegation

und Vertreter der Öffentlichkeitsarbeit eine sehr schöne

Aktion des Vereins „DU-gay“ in der Duisburger Innenstadt

unterstützt.

29


Im Juni geht es traditionell auf die Straße. In diesem Jahr

gleich zweimal. Am 11.06. haben wir uns erneut am Walsumer

Sommerfest beteiligt und bei herrlichstem Sonnenschein

und mit exponiertem Standort viele Menschen,

insbesondere junge Familien erreicht und bei den Eltern

überprüft, ob die Aufklärung ihrer Kinder gut laufen könnte.

In the heat oft he sommer – Infostand in Walsum

Am 24.06. fand der alljährliche Eine-Welt- und Umweltmarkt

in der Duisburger City statt, bei dem wir seit vielen Jahren

nicht fehlen und hier immer wieder auch eine erfreulich

hohe Quote an sehr offenen und sympathisierenden Menschen

erreichen.

Auch das sog. Oststraßenfest in unserer neuen Heimat

Duisburg-Neudorf begleiten wir ausgesprochen gerne, weil

dieser stark von studentischem Leben geprägte Stadtteil

viele für Gespräche zugängliche Menschen zu bieten hat.

So auch in diesem Jahr am 06.07.

Erfreulich war die Resonanz auf unsere Aktion und am

Infostand zum Nationalen Gedenktag der verstorbenen

Drogengebraucher*innen am 21.07. in der Duisburger City

von Passanten (s. 5.2.). Und sehr erfreut sind wir über die

jährliche Vergrößerung der Veranstaltung(en) und der Resonanz

zum Duisburger CSD am und um den 29.07. herum,

an dem unser Herzenslust-Team maßgeblich beteiligt war

(s. 5.1.). Besonders gefallen hat uns, dass eine Parade mit

über 400 Teilnehmern den diesjährigen CSD eröffnet hat.

Am 19.08. haben wir uns einer besonderen Herausforderung

mit der aktiven Teilnahme an der ersten „Duisburg-Challenge“,

veranstaltet und organisiert von der BKK Novitas als Begleitprogramm

zum Duisburger City-Lauf. Hier konnten sich

soziale Einrichtungen in ungewöhnlicher Weise einem größeren

Publikum präsentieren und sich einem Prämierungswettbewerb

stellen. Zudem wurde die Teilnahme schon mit

500,- Euro „Startgeld“ belohnt – eine tolle Idee. Wir haben

unsere verschiedenen Projekte um eine überdimensionierte

Rote-Schleife versammelt, um so zu dokumentieren, dass

wir alle auch im Zeichen der Solidarität unterwegs sind und

gemeinsam quasi an einem Strang ziehen.

Da wir uns immer noch als Selbsthilfeorganisation verstehen

und auch danach handeln, haben wir uns am diesjährigen

Selbsthilfetag des Kreises Wesel am 09.09., veranstaltet

durch den Kreisverband des PARITÄTISCHEN Wesel

und Kleve, auf dem schönen Marktplatz in Xanten beteiligt

– mit überschaubarer Resonanz. Aber uns ist es schon

wichtig, auch in möglichst vielen Städten und Gemeinden

des Kreises Wesel Präsenz zu zeigen und das Thema zu

präsentieren. Gerne wären wir auch insbesondere in den

größeren Gemeinden des Kreises Wesel häufiger präsent,

aber die geeigneten Events liegen in der Regel für uns ungünstig

(Sommerferienzeit = Urlaubszeiten) und darüber hinaus

sind unsere personellen Kapazitäten insgesamt letztlich

sehr begrenzt.

30


Am 15.09. haben wir uns auf eine weitere Premiere eingelassen

und waren beim Sommerfest unseres Kooperationspartners,

des Niederrhein-Therapie-Zentrums (geschlossene

forensiche Einrichtung) in Duisburg-Hohenbudberg

mit einem Info- und Beratungsstand vertreten – bei einer

wichtigen Zielgruppe für die Prävention von sexuell übertragbaren

Infektionen.

Und noch eine Premiere stand für uns am 21.10. an. Auf

die sehr freundliche Anfrage zur Beteiligung an der Gesundheitsmesse

in Neukirchen-Vluyn haben wir gerne positiv reagiert

und uns aktiv beteiligt.

Die im Berichtsjahr 2017 ungewöhnlich hohe Zahl an Infostand-Aktivitäten,

die ganz überwiegend an Wochenenden

platziert sind, war nur deshalb möglich, weil wir zwar eine

überschaubare Zahl von- aber ausgesprochen motivierten

ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen haben, ohne die dies

nicht zu stemmen gewesen wäre. Deshalb gilt all denen an

dieser Stelle ein großes DANKE schön! für den phantastischen

Einsatz im Jahre 2017!!!

Damit unsere Informationen und Botschaften auch dem aktuellen

Wissensstand entsprechen wurde auch die fachliche

Fort- und Weiterbildung im Berichtsjahr nicht vernachlässigt.

So sind sowohl im hauptamtlichen Team wie auch bei

den Ehrenamtlichen erneut jeweils gut 300 Stunden zur Fortund

Weiterbildung investiert worden. Neben den Tagungsund

Seminarangeboten vor allem unserer Dachverbände

sind wir immer auch darum bemüht, inhouse-Angebote für

unsere Mitarbeiter*innen, für Netzwerk- und Kooperationspartner

vorzuhalten – wie etwa die „Rundreise der DAH“,

die wir im September an zwei Tagen mit dem diesmaligen

Schwerpunkt „Migration“ zu den Themenfeldern „Asyl- und

EU-Recht“ sowie „Interkulturelle Kommunikation“ mit zwei

hervorragenden Referentinnen aus Berlin zu Gast hatten.

Im Sinne einer partizipativen Qualitätsentwicklung sind die

meisten Angebote auch für unsere Klient*innen offen und

manche speziell für sie konzipiert.

Soweit umsetzbar, holen wir uns die fachlichen Updates

auch von den wichtigen Fachkongressen. So konnte Dietmar

Heyde etwa im Juni am Deutsch-österreichischen

AIDS-Kongress (DÖAK) in Salzburg und am Fachtag

zur „Medikalisierung der HIV-Prävention“ der Deutschen

AIDS-Hilfe im November in Mannheim teilnehmen und die

dort gewonnenen Erkenntnis in die Mitarbeiterschaft transportieren.

Daraus resultieren oft auch wichtige Impulse für

die inhaltliche Planung unseres alljährlichen Fachgespräches

zur HIV-Therapie. Eine solche Teilnahme ist einfach

effektiver und nachhaltiger als die aufwendige Literatur-Recherche,

für die in der Praxis eh selten Zeit ist.

haben wir auch in diesem Jahr ein Fachgespräch zur

HIV-Therapie veranstaltet, das mit fast 40 Teilnehmer*innen

wieder einmal sehr gut besucht und genutzt wurde. Im

Rahmen des Welt-AIDS-Tags-Veranstaltungsprogrammes

fand dies am 28.11.17 in der AH Duisburg unter dem Titel

„Alles in Einer – Eine für Alles? – reicht eine Tablette

pro Tag inzwischen aus?“ statt. Unser verbliebener Duisburger

HIV-Schwerpunktbehandler, Dr. Friedhelm Kwirant

gab dazu den fachlichen Input und stand in einer anschließenden

„offenen Sprechstunde“ gerne Rede und Antwort.

Ermöglicht wurde uns dieses tolle Fachgespräch einmal

mehr durch die freundliche Unterstützung der Firmen: MSD

Sharp & Dohme, Janssen-Cilag GmbH und Hexal.

Danke schön!

Dr. Friedhelm Kwirant … und das Moderator*innen-Paar

Natalie Rudi und Dietmar Heyde

Ganz in unserem Sinne waren die Botschaften dieses

Abends, nämlich insbesondere, dass immer klarer wird,

dass HIV-Therapie nach wie vor kein „Wunschkonzert“ ist

und viele Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die erzielbaren

guten Optionen auch wirklich greifen können.

Schließlich muss die Therapie auch zu den jeweils individuellen

Lebensbedingungen passen. Dazu aber ist es von

ganz besonderer Bedeutung, dass ein gutes Arzt-Patientenverhältnis

entstehen und eine offene, von gegenseitigem

Vertrauen geprägte Kommunikation stattfinden kann.

Wie immer begannen wir in der Arbeitsgruppe im Frühsommer

auch mit den Planungen zum Veranstaltungsprogramm

zum diesjährigen Welt-AIDS-Tag (s. 4.4.).

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen

31


4.3. Benefiz-Veranstaltungen

gibt es zu Beginn eine Diskussionsrunde und einen Infotisch

von der AIDS-Hilfe. Die Hälfte des Reinerlöses kommt

noch dazu unserer Arbeit zugute. Ein besonderer Dank gilt

den gagenfrei auftretenden Bands sowie den Mitarbeiter*innen

des Jugendzentrums „Haus der Jugend“ an der Friedrich-Alfred-Str.

14 in Duisburg-Rheinhausen.

Aus Solidarität, Überzeugung oder aus Einsicht in die Notwendigkeit

der Unterstützung unserer Arbeit erfahren wir

Jahr für Jahr viel Wertschätzung, aber eben auch finanzielle

Hilfen von zivilgesellschaftlichen Einzelpersonen, Gruppen

und Institutionen, ohne die vieles nicht machbar wäre.

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen für

uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern oder anderen

Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser Thema

auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam

zu platzieren.

Im Berichtsjahr 2017 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“

Gruppen und Einzelpersonen, die für uns und unsere

Arbeit sehr Gutes getan haben und wir wollen darüber reden

und schreiben.

Wie beschrieben (s.o.) mussten wir in diesem Jahr nach elf

Jahren unglaublich kreativer und effektiver Bärenvertriebsaktionen

auf die Unterstützung des GudsO-Projektteams

der Targobank aus nachvollziehbaren Gründen verzichten –

ehrenamtliches Engagement braucht Rückhalt, Wertschätzung

und Unterstützung und kann auch zu Erschöpfung

führen. Wir hoffen darauf, dass die schöpferische Pause

„nur“ ein Jahr andauert und wir im nächsten Jahr wieder auf

diese starke Truppe setzen können. Für das bisher Geleistete

sprechen wir aber gerne auch in diesem Jahr unseren

großen Dank aus.

Und ganz eingestellt wurde die Unterstützung durch Mitarbeiter*innen

der Targobank auch nicht.

So hat auch die durch eine Mitarbeiterin der Bank initiierte

„Strickgruppe“ in vielen, vielen Stunden Heimarbeit abermals

eine eigene Mützen- und Schalkollektion erstellt. In

diesem Jahr wurde erneut eine unfassbare Menge an ganz

individueller Bärenwinterkleidung produziert, die erneut unglaublich

gut ankam. Eine Aktion, die aus dem Duisburger

Geschehen rund um den Welt-AIDS-Tag eigentlich nicht

merh wegzudenken ist, denn die Zahl derjenigen Menschen,

die gezielt nach den bekleideten Bären fragen, wächst und

gedeiht jedes Jahr weiter an.

Es ist schön, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile

Unterstützungsaktivitäten berichten zu können. Da sind

zum einen die Spendensammlungen und thematischen

Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden zu nennen, die

zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin für unsere alljährliche

Weihnachtsfeier für Menschen mit HIV und AIDS

eingehen – vielen herzlichen Dank dafür!

Ein besonderer Dank gilt hier der evangelischen Kirchengemeinde

Trinitatis im Duisburger Süden, die einen ganzen

Monat lang Kollekten für uns bzw. unsere Arbeit gesammelt

haben und uns darüber mit fast 1.000,- Euro unterstützt haben.

DANKE!

Zum anderen möchten wir die Spendenausschüttungen der

Sparkasse am Niederrhein (mit den Zweigstellen Moers

und Rheinberg) erwähnen, die unsere Arbeit sehr kontinuierlich

fördern. Ganz besonders bedanken wir uns hier bei

der Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich der Teilfinanzierung

unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen Schülerinnen

und Schülern und engagierten Lehrkräften zu

danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung und

zum Teil sehr kreativen Aktionsideen vor allem zum Welt-

AIDS-Tag nicht nur bei der Spendensammlung, sondern

auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos

wichtigsten Zielgruppen fantastisch unterstützen. Stellvertretend

möchten wir hier die Projektgruppen am Gymnasium

Adolfinum in Moers, dem Gymnasium Rheinkamp

und dem Sophie-Scholl-Berufskolleg in Duisburg-Marxloh

erwähnen.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Frau Ursula Busshoff und den fleißigen Stricker*innen gilt

entsprechend abermals unser Riesen-Dank!

Unermüdliche Kämpfer*innen im Kampf gegen AIDS sind

schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid und ihr

Mitstreiter*innen-Team in Duisburg-Rheinhausen, die im

Berichtsjahr mit Ihrem Benefiz-Konzert „Treatment for all,

part XIV“ im Haus der Jugend in Rheinhausen, das am

02.12. über die Bühne ging. Begleitend zu den Konzerten

32


4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2017

„Wir können positiv zusammen leben. WEITERSA-

GEN!““

„Viele Menschen mit HIV ernten erst einmal Mitleid, wenn

sie anderen von ihrer Infektion erzählen. Oft weiß ihr Gegenüber

nämlich nicht, dass man dank der HIV-Medikamente

heute die Chance auf ein langes Leben bei guter

Lebensqualität hat.

Der „Soli-Bär“ 2017

Einmal mehr konnten wir uns der Ausrichtung und Intention

der WAT-Kampagne voll und ganz anschließen und in

unsere lokale Öffentlichkeitsarbeit einbeziehen – so auch in

unserer Pressemitteilung zum Welt-AIDS-Tag 2017:

Unsere Kampagne will Vorurteile und Ausgrenzung abbauen.

Die können nämlich krank machen – und auch dazu

führen, dass man sich nach einem HIV-Risiko nicht testen

lässt: aus Angst, bei einer HIV-Diagnose selbst ausgegrenzt

zu werden. Wer sich aber nicht testen lässt, kann auch nicht

behandelt werden. Eine unentdeckte HIV-Infektion kann

dann lange Zeit unbemerkt den Körper schädigen, bis es

schließlich sogar zu AIDS kommt.

Wir haben es in der Hand: Positiv zusammen leben ist möglich.

Leichter, als Du denkst.“

(aus dem Kampagnenfyler zum WAT 2017, hrsgg. von:

BMG, BZgA, DAH und DAS)

Welt-AIDS-Tag 2017

Frühzeitiger HIV-Test bringt gesundheitliche Vorteile!

Nur wer von seiner HIV-Infektion weiß, kann von den

Behandlungsfortschritten profitieren. Information und

Beratung zu allen Fragen rund um HIV bietet im Kreis

Wesel die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Wenn HIV-positive Menschen frühzeitig mit einer Behandlung

beginnen, haben sie wesentliche gesundheitliche Vorteile.

Laut Robert-Koch-Institut erfolgen Nordrhein-Westfalen

jedoch 33 Prozent der HIV-Diagnosen (Stand:

23.11.2017 – Bezugsjahr 2016) erst dann, wenn die Patient*innen

bereits einen fortgeschrittenen Immundefekt aufweisen.

Darauf weist die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

im Vorfeld des Welt-AIDS-Tages hin.

33


„Während in den zumeist großstädtischen Zentren mit guter

Präventions- und Versorgungsstruktur in den letzten zwei

Jahren bereits deutliche Erfolge erzielt werden und die Zahl

der Neudiagnosen insbesondere in der Gruppe der Männer,

die Sex mit Männern haben (MSM), gesenkt werden konnten,

macht das RKI deutlich, dass dies in Flächenkreisen

– wie etwa dem Kreis Wesel – nicht der Fall ist und hier

weitere Infektionsanstiege zu verzeichnen sind“, analysiert

Dietmar Heyde, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel die Erhebungsdaten des RKI für das Jahr

2016. „Entsprechend müssten im Kreis Wesel verstärkte

Anstrengungen unternommen und zusätzliche Ressourcen

in Aufklärung, Beratung und Versorgung eingesetzt werden,

um auch hier mehr Menschen vor einer AIDS-Erkrankung

bewahren zu können“, fordert Heyde.

„Wir möchten alle, die Fragen zu HIV und anderen sexuell

übertragbaren Infektionen haben, ermuntern, die kostenlose,

anonyme und vertrauliche Beratung durch die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel in Anspruch zu nehmen“, erklärt

der Vorsitzende der AIDS-Hilfe, Peter Külpmann. Beraten

wird zum Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren

Infektionen (STI) und zum HIV-Test. In der AIDS-Hilfe

erfährt man auch, wo eine qualifizierte Behandlung zu erhalten

ist. Menschen mit HIV, die frühzeitig eine Behandlung

beginnen, haben ein deutlich geringeres Risiko, AIDS oder

andere schwere Krankheiten zu entwickeln. „Wir wünschen

uns, dass alle Menschen mit HIV von den riesigen Behandlungsfortschritten

profitieren können“, ergänzt Külpmann.

Dazu müssen insbesondere die Testbarrieren weiter abgebaut

werden. Angst vor Stigmatisierung oder gar Diskriminierung

ist einer der wesentlichen Gründe, warum Menschen

nicht zum HIV-Test gehen. „in vielen gesellschaftlichen

Bereichen sind noch irrationale Ängste vor Ansteckung zu

beobachten, die zu Ausgrenzung oder Diskriminierung von

Menschen mit HIV führen können, erläutert die stellvertretende

Vorsitzende des Vereins, Silke Stützel. Auch hier ist

die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel unterstützend tätig.

Sie bietet Beratung für Arbeitgeber*innen und Arbeitskolleg*innen

von Menschen mit HIV, für im Gesundheits- und

Sozialwesen Tätige und weitere Personen an, die unsicher

im Umgang mit HIV-positiven Menschen sind. Darüber hinaus

bietet das „Youthwork-Projekt“ nach wie vor auch im

Kreis Wesel Informations- und Aufklärungsveranstaltungen

für Jugendliche in schulischen oder außerschulischen Settings

an.

Die AIDS-Hilfe ruft alle auf, bei der Verbreitung der guten

Nachrichten mitzuhelfen und das Motto der diesjährigen

bundesweiten Welt-AIDS-Tags-Kampagne aufzugreifen:

Wir können positiv zusammen leben. Weitersagen!

Positiv zusammen leben – ist nicht nur absolut möglich,

sondern sollte allmählich einfach zum Normalfall werden.

Es ist an der Zeit! Allein – es sind noch nicht alle bereit.

Daran müssen und wollen wir weiter arbeiten. Und dazu

ist der Welt-AIDS-Tag nach wie vor besonders wichtig, weil

wir rund um den 01. Dezember einfach mehr Öffentlichkeit,

mehr mediale Aufmerksamkeit erreichen können als sonst

34


im Jahr. Die Kampagnenfragen und –botschaften, die zentrale

Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und der damit

verbundenen Werteorientierung berühren, verdeutlichen

sehr anschaulich, worum es heute gehen (darf): um gleichberechtigte

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unter der

Bedingung, dass der Status „HIV-positiv“ bekannt sein darf!

Mit vier eigenen Veranstaltungen und sieben weiteren mit

und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen

konnte auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches Angebot

vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang)

und viele Menschen darüber erreicht werden.

Den Auftakt zum WAT-Veranstaltungsprogramm bildete der

von der SPD-Queer Grippe Duisburg veranstaltete Vortragsabend

„Die Pille gegen HIV – wirklich das Wundermittel?“

in der AIDS-Hilfe. Im Zentrum der Betrachtung und

einer regen Diskussion im Anschluss an das Input-Referat

von Christian Robyns aus Köln standen die neuen Entwicklungen

zur sog. „PräExpositionsProphylaxe“ (PrEP)

als zusätzliche Möglichkeit einer Schutzstrategie vor einer

HIV-Infektion. Mit über 20 Teilnehmer*innen stieß diese Veranstaltung

auf nennenswertes Interesse – vorwiegend aus

der schwulen Community.

Infostand mit Roter-Schleifen-Aktion zum WAT in Moers

am Samstag, dem 25.11.2017.

Traditionell am Samstag vor dem Welt-AIDS-Tag haben wir

die Moerser Bevölkerung dazu bewegen wollen, Schleife

und damit Solidarität zu zeigen. In diesem Jahr bekamen

wir einen Standort zugeiwesen, der zwar in den Weihnachtsmarkt

integriert allerdings dennoch etwas versteckt

war. Dennoch konnten wir viele Menschen erreichen und

nicht nur zum Tragen der Roten Schleife, sondern auch

zum Spenden bewegen. Die unmittelbare Nähe zum 01.

Dezember ist einfach gut, um die Menschen auf die Kampagne

aufmerksam zu machen.

Ein großer Dank gilt der Stadt Moers und ihrer Tochter, der

Moers Marketing GmbH für die gute Unterstützung.

Weitere fachliche Einstimmung gewährte uns das traditio-

nelle Fachgespräch zur HIV-Therapie am 28. November

mit dem Titel „Alles in Einer – Eine für Alles? Reicht eine

Tablette pro Tag inzwischen aus?“, welches mit knapp 40

Teilnehmer*innen wieder sehr gut besucht war. Näheres

dazu s.o. (4.2.).

Am 27.11. bot unser treues Unterstützermedium, das Studio47,

Dietmar Heyde wieder Gelegenheit, in der Live-Sendung

Werbung für die weiteren Veranstaltungen zum Welt-

AIDS-Tag zu machen und auch die Kampagnenbotschaften

in die Zuschauerschaft zu transportieren.

Das zentrale Mediengespräch zum Welt-AIDS-Tag 2017

fand am 29.11. in der neuen Beratungsstelle zu HIV u.a.

STI`s des Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg auf der

Universitätsstr. 32 in der Innenstadt statt. Aufgrund der

schönen Tatsache, dass die „AIDS-Koordinationsstelle“ bei

der Stadt Duisburg mit Frau Martina Jungeblodt Anfang November

wieder besetzt werden konnte, haben wir ihre Vorstellung

in den Fokus der Berichterstattung gestellt – natürlich

neben den üblichen Informationen zur Kampagne, zu

aktuellen Entwicklungen und Zahlen, Daten, Fakten aus der

Region. Frau Jungeblodt gilt unser Herzliches Willkommen!

Wir freuen uns über den Zugewinn an Kapazität für die

wichtige gemeinsame Sache und natürlich auf die weitere

Zusammenarbeit.

Nach einigen Jahren der Überlegung, ob unser traditioneller

Candle-Light-Walk zum Welt-AIDS-Tag, also dem Schweigemarsch

über den Duisburger City-Weihnachtsmarkt, in

der Form noch zeitgemäß sei, haben wir uns in diesem Jahr

erneut entschieden, darauf zu verzichten, was von einigen

Vertreter*innen durchaus sehr bedauert wurde, denn wahrgenommen

wurde unser –Jahr für Jahr kleiner werdendes-

Walk-Team schon.

Klar war aber immer auch, dass wir auf das Gedenken an

die vielen Menschen, die wir durch AIDS und seine Folgen

verloren haben, nicht verzichten wollten. So mussten wir leider

auch im Berichtsjahr 2017 von zwei Menschen, die wir

lange begleitet haben, Abschied nehmen. Deshalb soll und

wird ein adäquates Veranstaltungsformat einfach auch und

gerade im Rahmen des WAT bleiben.

In diesem Jahr die Mitglieder unserer Präventions- und Öffentlichkeitsarbeitsgruppe,

Daniela Niemczyk, Lara Merke

35


und Peter Külpmann, eine ganz wunderbare Form gefunden

– einen Rückblick in Bildern, Videos und Gesprächen

unter dem Titel „Gegen das Vergessen! Wir können positiv

zurückblicken. Weitersagen!“.

Den Teilnehmer*innen wurde ein einstündiger, filmischer

Rückblick präsentiert, der die ganze Palette an Emotionen

zu Tage brachte: Spaß an vielen Aktionen und Veranstaltungen

aus 31 Jahren AIDS-Hilfe-Arbeit, Freude am Wiedersehen

und Wiederentdecken, aber auch Trauer und Wehmut

bei der Betrachtung von vielen Akteur*innen, von denen

einige nicht mehr bei uns sind. Dazu gab es Erinnerungsgespräche

mit diversen Anekdoten, aber auch das stille Gedenken

fand seinen Platz. Eine wunderbare Veranstaltung!

Vielen, vielen Dank für die sehr umfangreiche Arbeit, die

darin investiert wurde!

Der Aktionstag zum Welt-AIDS-Tag konnte bereits zum

neunten Male in Kooperation und Partnerschaft mit dem

FORUM Duisburg stattfinden. Diese –aus unserer Sichtwirklich

glorreiche und konstruktive Partnerschaft mit dem

Centermanagement ermöglicht uns schon lange einen besonders

öffentlichkeitswirksamen Auftritt am 01.12. Nicht

nur die Chance, viele Menschen erreichen zu können ist

für uns natürlich ganz wichtig, sondern auch die menpower,

das Engagement und die Ressourcen, die das Centermanagement

bereitstellen, macht dies zu einem echten Gewinn

und sicher zu einem best-practice-Beispiel für „private

public partnership“. Dafür gilt unser großer Dank an die beteiligten

Akteurinnen und Akteure der Einkaufsmall.

Allerdings mussten wir uns auch 2017 abermals mit einem

„Schmalspur-Auftritt“ begnügen, vor allem wegen der noch

nicht gänzlich geklärten Auflagen durch das neue Brandschutzkonzept,

das zu einer deutlichen Verringerung der

Präsentationsmöglichkeiten führte. Dennoch waren wir

letztlich froh, überhaupt noch einen Fuß „an der goldenen

Leiter“ des Forums zu erhalten und danken insbesondere

dem neuen Manager, Herrn Jan Harm und den Seelen des

Centermanagements, Frau Vanessa Rademacher und Frau

Ingrid Döhring, für ihre tolle Unterstützung und Kooperationsbereitschaft.

36


Bilder und O-Töne zur Aktion brachten das Studio47 und

die WDR Lokalzeit im Schaufenster Duisburg/Niederrhein.

Parallel zu dieser Aktion bot die AIDS- und STI-Beratungsstelle

der Stadt Duisburg zwischen 11 und 16 Uhr in der

neuen Beratungsstelle auf der Universitätsstraße 32 in der

Innenstadt ein HIV-Test-Angebot an, welches erneut erfreulich

gut angenommen wurden.

Eine der schönsten und effektivsten Kooperationen der letzten

Jahre in unserem Netzwerksystem ist sicher das Duisburger

„Aktionsbündnis gegen AIDS“, bestehend aus

folgenden Institutionen: UNICEF Duisburg, Kindernothilfe,

AIDS- und STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes der

Stadt Duisburg, Infostelle Dritte Welt des ev. Kirchenkreises

Duisburg, dem evangelischen Kirchenkreis Duisburg,

die evangelische Kirchengemeinde Alt-Duissern und der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel.

Das wunderbare „Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“

konnte im Berichtsjahr nicht mehr umgesetzt werden – auch

weil die finanziellen Möglichkeiten zur Gestaltung des Rahmenprogrammes

einfach nicht mehr gegeben waren.

Das bedauern wir sehr und blicken noch mit den besten

Erinnerungen auf das letzte Abendgebet des Aktionsbündnisses

vom letzten Jahr zurück. Vielleicht sollte auch hier

gelten: Wenn es am schönsten ist …

Seit dem Sommer 2017 treffen wir uns allerdings weiter im

Aktionsbündnis-Netzwerk und planen ein neues Format.

Wir sind sehr froh, dass die Weiterführung der Kooperation

von allen Bündnispartner absolut gewollt ist.

Am Abend des 02.12. ging es in Rheinhausen weiter – beim

14. Benefizkonzert „Treatment for all, pt. XIV“ im Haus der

Jugend in Duisburg-Rheinhausen (s. 4.2.).

Ganz besonders aktiv war in diesem Jahr erneut unser „Herzenslust-Präventainment-Team“

um Raphael Diaz Fernandez

und Uwe Altenschmidt von Anfang November bis Mitte

Dezember bei verschiedensten Events (s. 5.1.)

Seit einigen Jahren findet auch im Arbeitsbereich „Sexarbeit“

die gute Kooperation mit dem Gesundheitsamt Duisburg

eine Jahresabschlussaktion in dem großen Duisburger

Bordellbereich statt, bei der nicht nur die Sexarbeiter*innen

kleine, nützliche „Geschenke“ und Beratungen bekommen,

sondern natürlich auch Freier mit Erkenntnisgewinnen bereichert

werden können (s. 5.4.).

Und ab Mitte Dezember 2017 begannen die Auswertungen

des diesjährigen WAT-Geschehens und damit auch die Vorbereitungen

für das nächste Jahr.

37


Ein Engel hat Euch / Sie geschickt.

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2017 durch viel Engagement

und Kreativität unterstützt haben, gilt an dieser Stelle

noch einmal unser ganz herzlicher Dank !!! –

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-AIDS-

Tag! Interessierte, die 2018 dabei sein wollen, können sich

jederzeit gerne bei uns melden.

Dank ans Ehrenamt und unsere Förderer – unser Dezember „Sonder-Aktiven-Treffen“

38


HIV und andere Erreger sind da nicht wählerisch und insofern

halten wir es für bedenklich, dass diesen wichtige Informationen

quasi vorenthalten werden! Beispielhaft haben

wir diesbezüglich mit den Rheinberger Lokalredaktionen

der NRZ und der RP gesprochen – mit unterschiedlichen

Reaktionen. Wir bleiben hier am Ball und werden dies insbesondere

mit der AIDS-Koordination des Kreises Wesel

besprechen, die sich im Berichtsjahr leider gar nicht an der

Öffentlichkeitsarbeit beteiligt hat.

Zu guter Letzt noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache:

Nachdem wir seit Ende 2016 keine Beratungsstelle im Kreis

Wesel unterhalten können, möchten wir an dieser Stelle darauf

hinweisen, dass wir natürlich auch weiterhin im Kreis

aktiv und auch zuständig sind:

Wir brauchen sie, denn nur gemeinsam bewirken wir mehr,

um das Thema im Bewusstsein der Bevölkerung zu halten

und so dem Ziel der Minimierung von Neuinfektionen sowie

der Verbesserung der Akzeptanz und Toleranz gegenüber

HIV-Positiven näher zu kommen.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bittet die Bürgerinnen

und Bürger des Kreises Wesel darum, sich bei Bedarfen

zur Information, Aufklärung und Beratung sowie natürlich

bei Hilfs- und Unterstützungswünschen von und für

Menschen mit HIV oder davon bedrohten Personen an die

Geschäftsstelle in Duisburg zu wenden (Kontaktdaten, s.

unten). Darüber können natürlich auch Termine im Kreisgebiet

ausgemacht werden.

Dies gilt auch weiterhin für Anfragen für die Präventionsprojekte

(Youthwork, SCHLAU, Herzenslust oder XXelle) in

Schulen oder von anderen Einrichtungen und Gruppen. HIV

ist treu – die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel auch!“

4.5. Berichterstattung in den Medien

Für das Berichtsjahr 2017 haben wir, was das Interesse von

Seiten der Print-, Funk- und TV-Medien betrifft, relativ wenig

Grund zur Klage. Wir konnten vereinzelt sogar wieder

Redakteur*innen der Printmedien begrüßen, was uns sehr

freute und in den letzten Jahren eher selten geworden war

(s. Pressespiegel).

Mit dem Interesse von Seiten des Lokalfunks und dem Lokalfernsehen

sind wir einmal mehr sehr zufrieden.

Insbesondere das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen

„Studio 47“ ist ein ungemein treues Begleiter- und

Unterstützermedium, das uns im Berichtsjahr wieder einmal

mehrmals in den Nachrichtenfokus gerückt hat – dafür herzlichen

Dank! Dank gilt genauso den Lokalradios von Radio

DU und Radio KW und für das Berichtsjahr auch der Redaktion

der WDR-Lokalzeit Duisburg.

Um das vergleichsweise niedrige Niveau der Neuinfektionen

im Berichtsjahr weiterhin halten zu können und die neu

ausgerichteten Kampagnenziele der weiteren Akzeptanz

und Toleranz gegenüber Menschen mit HIV und AIDS umsetzen

zu können, müssen aus unserer Sicht aber auch

weitere Kommunikationsoffensiven folgen, um die Präventionserfolge

der vergangenen Jahre nicht wieder zu gefährden.

Aufklärung, sachliche Information und Erinnerung

müssen wahrnehmbar bleiben.

Was uns allerdings ärgert, ist dass die Lokalredaktionen im

Kreis Wesel unsere Pressemitteilungen –etwa zum Welt-

AIDS-Tag- nicht veröffentlichen, weil diese aus ihrer Sicht

„nur“ kreisweite“ Bedeutung hätten und nur begrenzt lokalen

Bezug. Da stellt sich die Frage, wer macht denn die Bevölkerung

des Kreises Wesel aus, wenn nicht die Bürger*innen

der Städte und Gemeinden dieses Kreises?

39


4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen:

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg,

dem Kreis Wesel und auf Landesebene

• Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen, Aktionsformen sowie Seminar- und

Vortragsangeboten,

• Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und Kooperationsveranstaltungen,

• Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung),

• Kontaktpflege zu Förderern, Kooperations- und Netzwerkpartnern,

• Telefonische und persönliche Beratung,

• Geschäftsführung,

• U.a.m.

40


Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2017 – Veranstaltungen insgesamt

41


5. Zielgruppenspezifische Prävention

5.1 HIV und AIDS Prävention bei Schwulen und Männern

die Sex mit Männern haben

Vorbemerkung:

Das Projekt „strukturelle Prävention für homosexuelle und

bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit Männern

haben) im Kontext HIV / STI“ unter dem Namen „Herzenslust

Duisburg / Kreis Wesel“ der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. ist im Jahr 2017 durch zielgruppenspezifische

Mittel des Landes NRW gefördert worden.

Die Ausrichtung des Projektes ist hauptsächlich lokal/regional

und hat einen primärpräventiven Schwerpunkt, wirkt

aber auch im sekundärpräventiven Bereich, stets methodisch

und niedrigschwellig, wie für den Nutzer kostenlos.

Besonders intensiv wurde die Einbettung des Projektes in

die auf die zu erreichende Zielgruppe ausgelegte lokale

Infrastruktur betrieben.

Das Projekt ist regional und überregional eingebunden und

vernetzt. Die Kooperationen mit weiteren lokalen Projekten,

sowie den landesweiten Strukturen ermöglichten Ressourcen

schonende Synergien bei Kampagnen und Großveranstaltungen

und gewährleisten wesentliche Aspekte

im Bereich der Qualitätssicherung.

Vernetzung und Kooperationen

Herzenslust wird lokal angeboten. Die Aidshilfe NRW e.V.

dient als Koordinierungsstelle aller lokalen Herzenslustprojekte

und organisiert die Landesarbeitsgemeinschaft,

über die Austausch, Abstimmung und Qualitätssicherung

gewährleistet werden. Die Projektnehmer im Berichtsjahr

nahmen an allen Terminen der Landesarbeitsgemeinschaft

teil und brachten Anregungen ein, ebenso nahmen sie solche

auf.

Im Rahmen der Qualitätssicherung fanden erneut verschiedene

Veranstaltungen auf Landes- und auf Bundesebene

statt.

cengleichheit und -gerechtigkeit.

Mit den Vertreter*innen des öffentlichen Gesundheitsdienstes

wurde ein intensiver Austausch gepflegt und

Kooperationsmöglichkeiten, insbesondere bzgl. eines

Beratungs- und Testangebotes ausgelotet. Leider konnten

im Berichtsjahr keine gemeinsamen Beratungs- und Testangebote

vorgehalten werden, was im Wesentlichen an

den deutlich schrumpfenden Ressourcen in den regionalen

ÖGD-Strukturen liegt. Diese unbefriedigende Situation und

das insgesamt schmale Testangebot des ÖGD in unserer

Region wurden im Laufe des Berichtsjahres erneut offensiv

mit den Leitungsstrukturen (Gesundheitsamtsleitungen

und Dezernenten) thematisiert, allerdings zunächst ohne

unmittelbare Erfolge. Die Problematik ist allerdings erkannt,

das suboptimale Angebot wird eingestanden und

grundsätzlich bedauert. Personelle Veränderungen in den

ÖGD-Strukturen im Berichtsjahr ließen allerdings keine

Umsetzungschancen zu.

Die konkreten Angebote von Herzenslust Duisburg /

Kreis Wesel (Umsetzung, Methodik, Ergebnisse)

Herzenslust Gruppe

Die Herzenslust Gruppe traf sich wöchentlich und ist somit

selbst Teil der schwulen Szene und Ort schwuler Begegnungen.

Die ehrenamtlich Mitwirkenden und die bei Bedarf

durch den Projektnehmer angeleitete Teilzeitkraft wirken

durch das regelmäßige, öffentliche und kostenlose Angebot

strukturell präventiv. Durch Aktionen in der schwulen

Lebenswelt Duisburgs und des Kreises Wesel (z.B. Szenerundgänge,

Rastplatzbegehungen, Besuch von Partys und

präventive Infoabende) werden primärpräventive Botschaften

vermittelt. Kontakte entstehen, die sowohl primär- als

sekundärpräventive Wirkung haben. Die Gruppe ist Kern

der kreativen Arbeit und plant eigenständig mit der Teilzeitkraft,

ggf. unter Anleitung und Mitwirkung des Projektnehmers

Aktionen, bspw. zum CSD. Der Projektnehmer gibt

Informationen, besonders zu Fortbildungsmöglichkeiten

Die Abstimmung mit den umgebenden Herzenslustprojekten

wurde, fokussiert auf gemeinsame Aktionen, fortgesetzt.

Lokal schritt die angestrebte Vernetzung mit weiteren

Akteuren schwuler Lebenswelten voran. Der jeweilige Projetnehmer

ist aktives Mitglied des Vereins DU-Gay e.V.,

welcher den Duisburger CSD und den monatlich stattfindenden

Regenbogenstammtisch organisiert. Der Projektnehmer

(oder in Vertretung der HL-Gruppenleiter) nahm an

allen durch die kommunale Politik veranstalteten Treffen

der schwul-lesbisch-bi-trans Akteure teil und pflegt regelmäßigen

Austausch mit dem zuständigen Mitarbeiter des

auf städtischer Ebene angesiedelten Referates für Chan-

42


und Schulungen anderer Ebenen an die Gruppe weiter.

Im Berichtsjahr 2017 konnten die Gruppentermine ausgebaut,

die Teilnehmerzahl erhöht, mehr Männer für das

aktive Mitwirken der Gruppe gewonnen und die Anzahl von

Aktionen ausgebaut werden.

Konkrete Aktionen

Für das Jahr sind hier regelmäßige Szenerundgänge (alle

vier Wochen) und mehrere Infostände mit Aktionsformen

zu besonderen Events in den Duisburger Szenekneipen

gegeben. Der Verein „DUGay“ hat zwar die Aufgaben, wie

den CSD übernommen, jedoch ist ein wichtiger Baustein

wie eine regelmäßig stattfindende Party verloren gegangen.

Erstmalig wurde im Berichtsjahr die Veranstaltung

„Warm Up Special“, welche in Anlehnung zur 2013 aufgegebenen

„WarmUp-Party“ mit Unterstützung der gesamten

Duisburger Szene durchgeführt. Dies konnte den Zusammenhalt

der Duisburger Szene weiter zu stärken. Durch

die Kooperationen mit den Szenekneipen in Duisburg der

Vernetzungsstruktur mit „DUGay e.V.“ und „HoKuDu -

Homosexuelle Kultur Duisburg e.V.“ ist diese Veranstaltung

ein großer Erfolg geworden.

zu benennen. Darüber hinaus beteiligte sich das Herzenslust-Team

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel auch am

Düsseldorfer CSD am 27.05.2016 aktiv.

Herzenslust Checkpoint - in der AIDS- und STD- Beratungsstelle

des Duisburger Gesundheitsamtes

Dem geplanten Beratungs-und-Test Angebot, in Kooperation

mit dem Gesundheitsamt Duisburg, wurde im Jahre

2017 mit viel Enthusiasmus entgegengefiebert. Dadurch

dass am Anfang des letzten Jahres eine neue AIDS-Koordinatorin

bei der Stadt Duisburg angefangen hat, konnten

wir in Kooperation mit der Stadt Duisburg das Thema

Beratung und Test neu angehen. Beim Runden Tisch HIV

in der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel Anfang 2017,

bei dem das Gesundheitsamt der Stadt Duisburg unter

anderem vertreten war, wurde durch den Herzenslust-Koordinator

und den Geschäftsführer sehr deutlich gemacht,

dass dieses Angebot mit Hinblick auf die neue Stelle der

AIDS-Koordination der Stadt Duisburg nach mehrjährige

Pause wieder in Angriff genommen werden musste. Daraufhin

wurden Termine ab August bis November 2017

geplant, plus zum Welt-AIDS-Tag einen Termin organisiert

vom Gesundheitsamt.

Leider ist die Stelle Mitte 2017 von der neuen Koordinatorin

nach wenigen Monaten aufgegeben worden und musste

in Berichtsjahr, erneut neu besetzt werden. Mit dieser

„Aufgabe“, wurde das Projekt „Herzenslust Checkpoint“ bis

auf weiteres auf Eis gelegt, allerdings mit Hinblick auf eine

Neubesetzung, sollte es mit einer neuen AIDS-Koordination

der Stadt Duisburg wieder weitergehen.

Warm Up Special - club roation by herzenslust

Das Angebot einer regelmäßigen Party, wurde von einem

vor mehreren Jahren aufgegebenen Verein „AkDuLuS“

(Arbeitskreis Duisburger Lesben und Schwule e.V.) auf-

HOMOLOBBY - Wir schaffen das!

Die Herzenslustgruppe wirkte beim Auftritt der Herzenslust-Landesarbeitsgemeinschaft

beim ColognePride sowie

beim Duisburger CSD mit. Unter dem Motto: „HOMOLOB-

BY - Wir schaffen das!“ traten in Köln wieder einmal über

einhundert ehrenamtlich Engagierte gemeinsam auf und

hatten den Auftrag, die Vielfalt ins echte Leben zu bringen

und erreichten eine sehr große Zahl von Menschen. Die

politisch angehauchten Botschaften wurden in zahlreichen

43


Kontakten vermittelt und konnten dank der zur Verfügung

gestellten, entsprechend dem Moto gestalteten Informationsbroschüre

auch nachhaltig vermittelt werden.

Diese Aktion wurde natürlich auch auf dem CSD Duisburg

am 29.07.2016 umgesetzt. Der CSD wurde durch die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. und durch SCHLAU

Duisburg verstärkt, welches einen Auftritt ergab, der in diesen

Dimensionen lange nicht mehr beim CSD in Duisburg

gesehen wurde. Es gelang, mit dem HL-Gruppenleiter

(geringfügige Beschäftigung) und hohem Engagement

der Ehrenamtlichen aus der Ruhrgebietsvernetzung und

hauptamtlichen Mitarbeitern der AIDS-Hilfe, sowie der Öffentlichkeitsgruppe

eine sehr starke Präsenz zu zeigen und

viele personalkommunikative Kontakte zu erreichen. Wie

viele Stände, so war auch der Herzenslust-Stand durchweg

gelagert. Dieses Jahr fand dazu das zweite Mal eine

Demonstration im Vorfeld des Straßenfestes statt, bei dem

natürlich auch das Herzenslust-Team durch die große Präsenz,

ebenfalls aus der Ruhrgebietsvernetzung, exponiert

und gut sichtbar vertreten war. Sie fanden nach den Parteien

die größte öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit, die

in Duisburg zu erreichen war.

Zudem gab es einen „Gänsehaut Moment“ auf der CSD

Duisburg Bühne: Zwei Ehrenamtliche Mitarbeiter aus dem

Team Herzenslust Duisburg / Kreis Wesel, konnten sich,

dank der sehr guten Vernetzung, die Herzenslust mit dem

Verein „DUGay e.V.“ beitreibt, öffentlich auf der Bühne verloben.

Dies war möglich dank der kurz zuvor im Bundestag

beschlossenen Öffnung der „Ehe für alle“.

Herzenslust im Rahmen des Queeren Kulturmonats

zum CSD Duisburg

Im Berichtsjahr gab es darüber hinaus eine aktive Veranstaltungsbeteiligung

des Herzenslust Teams im Rahmenprogramm

zum CSD, einem Monat mit einer Reihe von

Veranstaltungen. So wurde das zur Tradition werdende

„CSD-Angrillen“ bei der AIDS-Hilfe angeboten. Ein Warming

up, das dieses Jahr so gut frequentiert war, dass wir

beinahe an den Rande unserer Kapazitäten kamen. Dies

konnte Zugang zu neuen ehrenamtlichen Interessenten

schaffen. Zum CSD wurde im Vorfeld der Akzeptanzpreis

verliehen. Dieser wurde zum fünfjährigen Jubiläum mit

zwei Preisen ausgezeichnet. Die Brücke der Solidarität in

Gold für ein Lebenswerk, die an Hape Kerkeling ging und

der „normale“ Akzeptanzpreis an Klaus Wowereit. Diese

konnte unter Beteiligung von mehreren Vereinen und anderen

Honoratioren umgesetzt werden, was noch dazu ein

sehr erfreuliches Medienecho und somit ein hohes Maß an

Aufmerksamkeit in der öffentlichen Wahrnehmung erfuhr.

Zudem konnte zum vierten Mal in der Geschichte des

Duisburger CSDs erreicht werden, dass die Regenbogenflagge

am Duisburger Rathaus wehen durfte. Ein weiterer

Meilenstein und Hinweis auf die deutlich verbesserte Lobbyarbeit

für Belange schwuler Lebenswelten.

Herzenslust im Rahmen von queer-life Duisburg

Eine gute Präsentationsplattform für die Herzenslust-Kampagne

und deren Botschaften ist alljährlich die „queer-life

Duisburg“-Reihe von hokudu e.V. (Homosexuelle Kultur

Duisburg), die in diesem Jahr zwischen dem 31. Oktober

und dem 6. Dezember 2017 in Duisburg und Moers eine

ganze Reihe von Veranstaltungen anbot.

In Berichtsjahr fand dazu erstmalig ein Vortrag zum Thema

„Die Pille gegen HIV – Wirklich das Wundermittel?“ bei

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. statt. Hier galt der

Fokus auf Fragen und Antworten zur PrEP. Hierzu war der

Referent Christian Robyns eingeladen, der dieses Thema

in einer sehr gut besuchten Runde anschaulich präsentierte

und auf großer Aufmerksamkeit auf Grund der Aktualität

des Themas stieß.

Der Film „120 BPM“ wurde im Rahmen von QLD ebenfalls

gespielt, welcher einen Anschluss an die Themen der frühen

„schwulen“ Bewegung aufzeigte und von Teilnehmern

der Community besucht wurde.

Mit der Party „TANZT QUEER! – DU & FRIENDS“ in den

Räumen des Bürgerhauses Neumühl in Duisburg wurde

eine zweite Schwul lesbische Party in Duisburg, dieses

Jahr aus Ehrenamtlichen Kreisen organisiert wurde, ins

Leben gerufen. Diese findet im Jahr 2018 erneut statt,

da diese sehr gut besucht wurde und Anschluss auch ein

jüngeres Publikum erreicht. Die Veranstaltung ist so besonders,

da sie auch minderjährigen Duisburgern eine

Plattform bietet und damit einzigartig ist.

Die Bewerbung konnte sowohl im Rahmen des „queer-life

Duisburg“ als auch im Rahmen des Veranstaltungsprogrammes

der AIDS-Hilfe zum Welt-AIDS-Tages 2017 recht

breit gestreut werden und darüber auch Menschen mit der

Thematik erreichen, die nicht persönlich erscheinen konnten

oder wollten. Die Ausstellungen wurden in Kooperation

mit dem Referat für Chancengleichheit und –Gerechtigkeit

der Stadt Duisburg umgesetzt.

44


Herzenslust zum Welt-AIDS-Tag 2017

Im Rahmen der WAT Großveranstaltungen war natürlich

auch das Herzenslust-Team aktiv beteiligt und konnte sich

und „seine“ Botschaften präsentieren.

Und auch im Dezember konnte die Herzenslust-Aktion

„HOMOLOBBY … WIR SCHAFFEN DAS!“ im Rahmen

einer „Weihnachtsrevue“ eines Duisburger Szenelokales

fortgeführt werden. Eine Travestie-Show im Mittelpunkt der

Revue zog das entsprechende Zielpublikum an.

In Rahmen einer Benefizgala am 18.11.2017, hat das

Duisburger Szenelokal „Harlekin“ für das Präventionsteam

„Herzenslust Duisburg“ der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. Spenden gesammelt. Im Fokus stand die fortwährende

Arbeit gegen das Vergessen, gegen Entwarnung

und Gleichgültigkeit sowie gegen Angst und Ausgrenzung

gegenüber HIV, AIDS und anderen sexuell übertragbaren

Infektionen. Dazu wird insbesondere auch zivilgesellschaftliche

Unterstützung benötigt. Gemeinsam mit Travestiekünstlern

Tanzgruppen und Livesängern aus dem ganzen

Ruhrgebiet, konnten sehr viele Menschen erreicht werden.

Darüber hinaus gab es weitere Veranstaltungen in Kooperationen

mit der Duisburger Szene wie beim „Pink

Wednesday“ auf dem Duisburger Weihnachtsmarkt, der

sich mittlerweile etabliert hat und vom Angebot her wächst.

Zeitgleich zum „Pink Wednesday“ fand ebenfalls „Travestie

der Extraklasse“ am Wintermarkt in der Altstadt statt, welche

von unserem Team besucht wurde.

Herzenslust online

Ganz erheblich verbessert und weiterentwickelt werden

konnte die online-Präsenz und Präsentation über die

Homepage und den facebook-Auftritt. Hier zeigt sich anhand

der Zugriffszahlen, dass die Weckung von User-Interesse

mit der Pflege und steten Aktualisierung dessen

einhergeht und dies neben dem spezifischen Informationstransport

in die Zielgruppe wichtiges Instrument für die

Akquise von Ehrenamtlichen sein kann bzw. ist.

Projektkritik

Die Projektziele wurden trotz des erneuten Personalwechsels

beim ÖGD Duisburg überwiegend erreicht. Res-

sourcen wurden schonend und unter Nutzung bestmöglicher

Synergieeffekt aus Arbeitsteilung eingesetzt. Eine

Erhaltung der fachlich geforderten Standards und eine

Weiterentwicklung der strukturellen HIV-Prävention ist in

unserer Region gefährdet, denn mit dem präventiven Einsatz

– hier speziell von Herzenslust – muss auch eine gute

Testinfrastruktur verbunden sein. Anders wird es schwer,

bei Menschen eine Testbereitschaft zu fördern, frühe Diagnosestellungen

zu erreichen und sie zu einem möglichst

frühen Therapiestart zu bewegen oder die Zahl der „late

presenter“ zu verringern. Ganz zu schweigen von den primärpräventiven

Effekten von „Schutz durch Therapie“. Hier

ist die Infrastruktur in unserer Region äußerst bescheiden

aufgestellt. Wir werden dies weiter thematisieren und dafür

kämpfen – zur Not auch ohne den ÖGD.

Die Zusammenarbeit zwischen Projektnehmer und dem

HL-Gruppenleiter (Geringfügig Beschäftigt), konnte durch

gemeinsames Auftreten bei allen Aktionen ganz erheblich

optimiert werden, der Bekanntheitsgrad von Herzenslust

deutlich gesteigert werden. Die Intensität der Herzenslust-Arbeit

konnte durch die Neubesetzung im Jahr 2016

deutlich gesteigert werden konnte.

Die Nutzung sozialer Netzwerke und Mobiler Medien

konnte ausgebaut und noch aktueller gepflegt werden und

erwies sich insbesondere zur Veranstaltungsbewerbung

und Nachbetrachtung als sehr gewinnbringend. Die Kooperation

auf regionaler und landesweiter Ebene ist in

der Umsetzung sehr effizient. Die Kooperation auf lokaler

Ebene ist in Bezug auf die queere Infrastruktur erheblich

verbessert und auch personell gewachsen, aber auch mit

Ressourceninvestition verbunden.

Die Kommunalisierung der Landesmittel und der Umstand,

dass bei den grundsätzlich pflichtigen Aufgaben

der Gesetzgeber den Umfang nicht geregelt hat, erweisen

sich in unserer Region immer mehr als kontraproduktiv,

es würde viel zu (re-) investieren sein, um eine halbwegs

bedarfsgerechte Steuerung und eine adäquate Ressourcenausstattung

zu erhalten bzw. zu erreichen. Umso mehr

ist die erfreulich stabile Förderung der „Strukturellen HIV/

AIDS-Prävention bei MSM“ über zielgruppenspezifische

Landesmittel für unser großes Zuständigkeitsgebiet (mit

einer nach der EMIS-Studie vergleichsweise hohen Populationsdichte

an MSM) unerlässlich und unverzichtbar.

45


5.2 Drogen und Substitution

Im Arbeitsbereich Drogen fand eine enge Zusammenarbeit

mit der Selbsthilfegruppe JES (Junkies, Ehemalige, Substituierte)

Duisburg statt. Im Berichtsjahr 2017 haben wir für

Gruppentreffen unsere Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt

und begleiteten und unterstützten unsere Begleiteten,

soweit es unsere Ressourcen zuließen. Wie in den Vorjahren

haben wir in Kooperation mit JES Duisburg und dem

Suchthilfeverbund gemeinsam den nationalen Gedenktag

am 21.7.2017 für verstorbene Drogengebraucher*innen erfolgreich

geplant, vorbereitet und durchgeführt.

JES Duisburg führte weiterhin anlaog zur Aids-Hilfe das

Streetwork durch. Care-Packs, die vom Land NRW finanziert

wurden sowie Spritzen und Kondome, die die AIDS-Hilfe

Duisburg aus Eigenmitteln finanzierte, sind verteilt worden.

Hierdurch und durch gemeinsame Treffen und Fachtage

wurde der partizipative Ansatz der Aids-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel im Bereich Drogen umgesetzt, da wir im direkten

Austausch mit der Zielgruppe waren.

Im Jahr 2017 gab es einige Veränderungen in der Gesetzgebung

im Drogenbereich.

Politisch hat sich beispielsweise im Bereich der Substitution

einiges geändert. Am 30. Mai 2017 sind Änderungen in der

Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) in

Kraft getreten. Am zweiten Oktober 2017 wurde die neue

Richtlinie der Bundesärztekammer (BÄK) bekanntgemacht.

Die wichtigste Änderung ist wohl die Aufhebung des absoluten

Abstinenzgedankens. Jetzt ist es möglich, auch andere

Ziele zur Sicherung des Überlebens bei der Behandlung in

den Vordergrund zu stellen. Ebenso sind Take-Home-Regelungen

und PSB- Vorschriften gelockert worden. Sie ermöglicht

ferner die Durchführung der Substitutionsbehandlung

in Alten- und Pflegeheimen sowie Rehabilitationszentren.

Wir freuen uns über diese Entwicklung, aber es bleibt sicherlich

abzuwarten, wann sich die Neuerungen in der Praxis

bemerkbar machen.

Gleiches gilt leider auch für Cannabis auf Rezept. Am 19.1.

2017 hat der Bundestag einen Gesetzentwurf der Bundesregierung

zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften

angenommen und seit dem 10. März 2017 können

schwer kranke Patienten künftig auf Kosten der Krankenversicherung

mit hochwertigen Cannabis-Arzneimitteln versorgt

werden. Bisher kam Cannabis nur mit einer Ausnahmegenehmigung

des Bundesinstituts für Arzneimittel und

Medizinprodukte (BfArM) als Heilmittel zum Einsatz, etwa

um Schmerzpatienten zu helfen. Die nicht unerheblichen

Kosten mussten die Patienten in der Regel selbst tragen.

Für die Versicherten wurde zudem, auch in eng begrenzten

Ausnahmefällen, ein Anspruch auf Versorgung mit den

Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon geschaffen. Um die

Versorgung sicherzustellen, wird der Anbau von Cannabis

zu medizinischen Zwecken in Deutschland ermöglicht, was

allerdings laut Cannabisagentur des Bundes erst 2019 der

Fall sein wird. Diese koordiniert und kontrolliert dann den

Anbau und Vertrieb. Um die genaue medizinische Wirkung

der Cannabis-Arzneimittel zu erforschen, ist eine wissenschaftliche

Begleiterhebung vorgesehen. Die generelle

Freigabe von Cannabis wird von der Bundesregierung weiter

strikt abgelehnt.

In der Praxis verschreiben bisher leider nur wenige Ärzte

Cannabis. Gründe sind Unsicherheit im Umgang mit der

Arznei, ein hoher Dokumentationsaufwand und nicht zuletzt

die Sorge der Ärzte vor einem Regress wegen Überschreitung

ihres Budgets. Krankenkassen erstatten sehr häufig

die Rezepte nicht und es gibt Lieferengpässe in Apotheken.

Es scheint also noch etwas Zeit zu brauchen, bis das Gesetz,

so wie es verabschiedet wurde auch umgesetzt wird

und sich für schwerkranke Patienten etwas ändert.

Diamorphin wird trotz Anerkennung als Arzneimittel immer

noch nur in wenigen Städten eingesetzt und nur sehr wenige

Menschen profitieren hiervon.

Letztendlich geht es aber immer noch um die Abschaffung

des BtmG, welches die größten Probleme in dem Lebensbereich

drogengebrauchender Menschen verursacht.

Weiterhin wurde die Substitution an Wochenenden und

Feiertagen in der Aids-Hilfe durchgeführt. Bewährt hat

sich hier das Frühstück am letzten Sonntag im Monat, welches

rein ehrenamtlich angeboten wird.

Ebenso wird das monatliche JES Frühstück, das auch von

den hauptamtlichen Mitarbeitern mit organisiert und durchgeführt

wird, gut angenommen.

Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Nutzern des Kantparks

(Szenetreffpunkt), konnte weiter intensiviert werden.

Dies bezieht sich vor allem auf das Lehmbruckmuseum,

das an dem „Aufeinanderzugehen“ der Akteur*innen des

Sozialraumes maßgeblich mitarbeitet.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. nimmt weiterhin

mit den von ihr betreuten Spritzenautomaten am Projekt der

AIDS-Hilfe NRW e.V. teil. Die Standorte befinden sich in

Wesel neben der Dogenberatung und in Duisburg befindet

sich der Spritzenautomat an der Aids-Hilfe direkt vor dem

Eingangsbereich. Der Spritzenautomat in Duisburg wird

gut angenommen und muss mehrfach wöchentlich aufge-

46


füllt werden. Der Spritzenautomat in Wesel wird im zweiwöchigem

Rhythmus neu bestückt. Insgesamt wurden aus

den Automaten 2017 3650 Safer-Use-Materialien gezogen.

Tendenz steigend. Deshalb laufen Planungen für einen weiteren

Automaten in Moers.

Weiter besteht die Möglichkeit während der Öffnungszeiten

auch persönlich gebrauchte Spritzen gegen neue Materialien

zu tauschen. Dabei wurden 8678 Materialien vergeben.

Im Vergleich zum Vorjahr sind das fast 1000 Materialien

mehr.

Insgesamt ist das Angebot des Spritzentausches und der

Automaten nach wie vor eine sehr erfolgreiche Maßnahme

der strukturellen HIV/ HCV-Prävention.

Arbeitsbereich keine Projekte umgesetzt werden.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2017 haben wir über das komplette Jahr

an allen Wochenenden und Feiertagen also insgesamt

121 Tagen die Vergabe von Methadon in der Aids-Hilfe in

Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten lag im

Durchschnitt bei 75 Personen. Die Vergabezeit beträgt 1,5

Stunden. Seit 2014 wird die Vergabe von Honorarkräften

begleitet. Insgesamt sechs Ärzte entsenden ihre Patient*innen.

Die Vergabe in der Aids-Hilfe führen vier Ärzte durch.

Im Berichtsjahr kam eine neue Ärztin dazu, die in Zukunft

eine Praxis übernehmen soll.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten, unseren Honorarkräften

und den Apotheken verlief weiterhin reibungslos.

An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an die

Mitarbeiter*innen für ihr Engagement und ihre Mithilfe.

Weiterhin wird bei fast jeder Vergabe den Substituierten

Kaffee angeboten mit Ausnahme von den Tagen, an denen

unser Gruppenraum durch andere Veranstaltungen belegt

war. Am letzten Sonntag im Monat gibt es ein ehrenamtlich

organisiertes Frühstück. Bei der Vergabe und dem Frühstück

bietet sich die Gelegenheit, sich über Sorgen und Nöte

auszutauschen. Hierbei bietet sich regelmäßig die Möglichkeit

zur Präventionsberatung und zu Safer-Use-Strategien.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an Aids

erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil der

Drogenarbeit innerhalb der Aids-Hilfe.

Spritzenautomat Bismarckstr. 67

innen mit Entsorgungsbox

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

@drugthive

von

Aufgrund mangelnder Ressourcen und fehlender ehrenamtlicher

Mitarbeitenden konnten im Berichtsjahr in diesem

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klient*innen,

die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt

werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei im

Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klient*innen. Das

bedeutet in erster Linie, dass das subjektive Wohlbefinden

der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse verbessert

werden sollen. Entsprechend dieser Zielsetzung steht

bei einigen Substituierten die Verbesserung des Gesundheitsstatus

im Mittelpunkt, während bei anderen die Sicherung

der materiellen Grundversorgung oder der Aufbau sozialer

Netze im Vordergrund stehen kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir in

eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um wenige

47


Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den substituierenden

Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel problemlos.

Des Weiteren stellen wir den Kontakt zu dem HIV-Schwerpunkt-Arzt

oder den Ambulanzen her und unterstützen die

Drogengebraucher*innen, die zum Teil starke Berührungsängste

mit Ärzten dieser Fachrichtung haben, sich in eine

adäquate Behandlung zu begeben. Teilweise ist es jedoch

schwierig, neue Klient*innen in ein relativ schematisches

Korsett zu bringen, welches für eine HIV Behandlung notwendig

ist (regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-Parameter,

regelmäßige Tabletteneinnahme, Compliance).

genommen.

Ein Teil des Streetworks beinhaltet sekundärpräventive

Arbeit, da auf der Platte auch einige HIV-Positive Drogengebraucher*Innen

bzw. Subsituierte erreicht werden, die

ansonsten die AIDS-Hilfe selten aufsuchen.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen

der Begleiteten zu stärken. Durch die eigene Bewältigung

von Problemen und Aufgaben erfahren sie eine Stärkung

ihres Selbstwertgefühles.

Im Jahr 2017 ging es in der PSB vor allem um Hilfestellungen

im medizinischen und alltäglichen Bereich, die

Vermittlung in eine Schuldnerberatung, Unterstützung bei

Ämtergängen und Postverkehr und Vermittlung zu einer

Substitutionsärztin und Hilfestellungen und Unterstützung

bei der Organisation von Krankenhausaufenthalten.

Insgesamt hatten wir im Berichtsjahr 850 zeitintensive Psychosoziale

Begleitungskontakte.

Insgesamt sehen wir hier steigende Bedarfe der Begleiteten

auch Angebote von Betreutem Wohnen in Anspruch zu nehmen.

Hier wurden wir vermittelnd tätig.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten Drogengebraucher*innen

Im Jahr 2017 hat die Aids-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel in

Kooperation mit JES Duisburg und einer neu gewonnenen

Ehrenamtlerin 129 Streetworkeinsätze in Duisburg Mitte im

Kantpark geleistet. In Duisburg Hamborn am Rathaus waren

wir 32 Mal unterwegs. Ziel dieser Einsätze waren die

Aufklärung zu Safer-Use Strategien, klientenzentrierte Beratung

zu Ansteckungswegen bei HIV, Hepatitis und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten und die Ausgabe von

ca. 7982 Spritzen und anderen Safer-Use Materialien. Eine

weitere wichtige Funktion ist dabei die Alltagsberatung, z.B.

Hilfestellungen und Unterstützung zu Anträgen oder das

Verweisen/Vermitteln an andere Hilfsangebote oder Institutionen.

Genau wie auch im Bereich der PSB stiegen hier die

Anfragen zu Betreutem Wohnen.

Beim Streetwork werden Spritzen, Kondome und Care

Sets verteilt. Zudem wurde unbeschichtete Alufolie zum

Rauchen, gut angenommen. Im Sinne des Safer-Use-Gedanken

stellt diese Konsumform eine gute Alternative zum

intravenösen Gebrauch dar und wird von der Szene gut an-

Durch die Szenenähe im Kantpark hat auch im Jahr 2017

eine gute Zusammenarbeit mit dem Lehmbruckmuseum

stattgefunden. Die „Artgenossen“ des Museums luden die

Szene und uns insgesamt acht Mal zu kostenlosen Besichtigungen

des Museums ein, bei denen es jedes Mal eine

geführte Tour mit anschließendem Snack gab. Außerdem

gab es drei gemeinsame Parkbegehungen, einen gemeinsamen

Workshop und ein Adventstreffen mit Lesung und

Musik. Diese Angebote wurden gerne durch die Szene angenommen.

Durch die enge Kooperation und dem Museum

war es sogar möglich, dass die Artgenossen selber „auf der

Platte“ Werbung für ihre Veranstaltungen machen konnten.

Dies zeigt, wie Vorurteile und Hemmschwellen beiderseits

abgebaut werden konnten. Wir sehen an diesem Beispiel,

48


dass unser partizipativer Ansatz Erfolge erzielt und arbeiten

auch weiterhin an der strukturellen Prävention.

Im Sommer gab es ein Parkfest, bei dem Kunstobjekte

im Park vorgestellt wurden, gemeinsam und für die Besucher*innen

kostenlos gegessen wurde und ein weiterer

Austausch für Ehrenamtliche und Szenezugehörige stattfand.

Dieses Event war sehr erfolgreich und alle Beteiligten

waren sehr zufrieden.

Insgesamt hat die sozialräumliche Arbeit positive Auswirkungen

auf die drogengebrauchenden Menschen, z.B.

stärken Einbeziehung und Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben das Selbstwertgefühl. Regelmäßige Gespräche mit

Anwohnern und anderen Akteuren fördern aber ebenso die

Akzeptanz gegenüber Drogengebraucher*innen und wirken

Diskriminierung und Kriminalisierung entgegen.

JES Duisburg hatte 2017 insgesamt 23 Gruppentreffen

und es konnte ein neues Mitglied gewonnen werden.

Zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

wurde eine erfolgreiche gemeinsame Aktion mit dem

Suchthilfeverbund durchgeführt (siehe unten). JES Duisburg

stand in Verbindung mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle

und erhielt die Selbsthilfe-Förderung nach §20 SGB V von

500Euro.

Das Frühstück für Drogengebraucher*innen, Ehemalige,

Substituierte und Freund*innen fand in der Aids-Hilfe im

Berichtsjahr 2017 regelmäßig am dritten Freitag im Monat

statt. Das Frühstück wird überwiegend von zwei ehrenamtlichen

Mitarbeitern vorbereitet und mit Lebensmittelspenden

vom Verein „Bürger für Bürger“ unterstützt. Hierfür sagen

wir recht herzlichen Dank. Das Frühstücksangebot wurde

gut angenommen.

49


5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*Innen“

am 21. Juli

Anlässlich des Nationalen Gedenktages ziehen die Aids-Hilfe

Duisburg/ Kreis Wesel e. V. und JES Duisburg Bilanz zu

den Angeboten im Drogenbereich in Duisburg und zur Drogenpolitik

im Allgemeinen.

In Duisburg ist im vergangenen Jahr ein Mensch, der illegale

Drogen konsumierte, verstorben. Dies ist ein Rückgang

zum Vorjahr. Die Dunkelziffer ist jedoch leider viel höher.

Das ist vor allem den gesellschaftlichen und gesetzlichen

Umstände geschuldet.

Es gibt in Duisburg keinen Drogenkonsumraum. In einem

solchem Raum wäre geschützt unter sicheren Bedingungen

der Konsum möglich. Medizinisch ausgebildetes Personal

kann bei lebensgefährlichen Überdosierungen Akuthilfe

leisten, sterile Spritzen werden zur Verfügung gestellt und

im Verhältnis 1 zu 1 getauscht, es besteht die Möglichkeit

in Therapien oder Entgiftungen zu vermitteln. Auch die nicht

Drogen konsumierende Bevölkerung wird durch Drogenkonsumräume

deutlich entlastet, da durch diese der Konsum

illegaler, harter Drogen in der Öffentlichkeit, etwa in

Parkanlagen wie dem Kantpark, auf offener Straße sowie in

Verkehrsstationen erheblich reduziert werden konnte. Das

belegen auch Beispiele aus anderen Städten. Dies führt

wiederum auch dazu, dass dort deutlich weniger benutztes

Spritzbesteck, aufgeschnittene Blechdosen und weitere

Mittel vorzufinden sind, welche zum Konsum der Drogen

außerhalb von Drogenkonsumräumen trotz damit verbundener

gesundheitlicher Risiken oft verwendet werden.

Somit wird auch die damit verbundene Verletzungsgefahr

deutlich verringert. Drogenkonsumräume gibt es in zehn

Städten in NRW u. a. Dortmund, Bochum, Essen, Wuppertal

und sogar in Troisdorf.

mal monatlich ein Frühstück, am dritten Freitag und letzten

Sonntag im Monat. Die klassische Drogenhilfe in Duisburg

hat kein Kontakt-Cafe und erreicht daher keine Drogengebraucher*innen

im niedrigschwelligen Bereich.

Durch die Substitution werden drogengebrauchende Menschen

älter und benötigen spezifische Angebote, da sie in

bestehende Altersheime kaum zu integrieren sind. Auch

hier sind in Duisburg im Gegensatz zu anderen Städten,

keine Angebote in Planung.

Generell liegt in der Illegalität das Hauptproblem der

Drogenkonsumenten. Die überteuerten Preise auf dem

Schwarzmarkt erzeugen Beschaffungskriminalität und Beschaffungsprostitution.

Dies führt zu Kriminalisierung, Stigmatisierung,

sozialer Ausgrenzung und massiven Schäden

an Körper und Seele. Der Schwarzmarkt ist auch die Ursache

für die Streckung des Stoffes mit gesundheitsgefährdenden

Beimengungen wie Arsen, Puddingpulver oder zerstoßenem

Glas.

Der bessere Weg wäre es, Energie und finanzielle Mittel

nicht für die Prohibition sondern für Präventions- und Hilfsangebote

für Menschen zur Verfügung zu stellen, die mit

ihrem Drogenkonsum Probleme haben.

Die Substitution mit Methadon oder anderen Substitutionsmitteln

kann helfen, die Drogengebraucher*innen gesundheitlich

und sozial zu stabilisieren, den Drogenkonsum zu

reduzieren oder sogar ganz aufzugeben. In Duisburg wird

die Substitution durch engagierte niedergelassene Ärzte

gewährleistet und hier ist auch mit der Wochenendvergabe

die Aids-Hilfe ein Partner im System. Für die Zukunft gilt

es jedoch, neue substituierende Ärzt*innen zu finden, da

die bisherigen in absehbarer Zeit aus Altersgründen ihre

Tätigkeit aufgeben werden. Eine zentrale Forderung von

JES und der Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist die

Substitution mit Diamorphin, welches als Arzneimittel und

zur Substitution zugelassen ist, aber nur in einigen wenigen

Städten verfügbar ist.

Die einzigen niedrigschwelligen Angebote in Duisburg werden

von JES Duisburg und der AIDS-Hilfe aufrecht erhalten,

hierbei handelt es sich um das Streetwork und zwei-

Am 21.07. führten wir eine gemeinsame Aktion mit JES

50


Duisburg und dem Suchthilfeverbund Duisburg, zum Gedenktag

der verstorbenen Drogengebraucher*innen, durch.

Es gab einen Infostand in der Innenstadt. Wir stellten Kreuze

und Kerzen für die im Jahr 2017 verstorbenen Drogengebraucher*innen

auf. Es wurden weiße Rosen an die Passantinnen

und Passanten verteilt und gleichzeitig ein Folder

überreicht. In diesem Folder befanden sich die Presseerklärung

der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. und eine

Forderung zu Drogenkonsumräumen vom Bundesverband

der akzeptierenden Eltern und Angehörigen e.V., vom JES

Bundesverband, der DAH und Akzept e.V.

nen. Von diesen Materialien konnte auch 2017 profitiert

werden. Zusätzlich konnten Streetworkjacken und T-shirts

mit dem JES Duisburg -Logo erworben werden.

Zusammen mit JES Duisburg nahm die hauptamtliche

Mitarbeiterin für den Drogenbereich an der Mitgliederversammlung,

an den JES NRW-Treffen, JES Westschienentreffen

und an Fachtagen teil.

Durch die gemeinsame Aktion wurden ca. 200 Passanten

erreicht und mit ihnen teilweise intensiv über die aktuelle

Situation der drogengebrauchenden Menschen in Duisburg

diskutiert.

Medial gab es am 21.07. einen WDR-Bericht in der Lokalzeit

und einen Artikel in den Printmedien.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch die

hauptamtliche Mitarbeiterin für den vorgenannten Bereich

in dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der

substituierenden Ärzte), am Landesarbeitskreis „Drogen

und Haft“ und in der PSAG Basisarbeitsgruppe „Suchtkrankenhilfe“

vertreten.

Weiterhin kann die gute Zusammenarbeit mit dem Lehmbruckmuseum

betont werden, insbesondere mit der Gruppe

der „Artgenossen“. Regelmäßig lud das Museum zu Führungen

speziell für die Szene im Kantpark mit anschließendem

Kaffetrinken ein. Dabei waren Mitarbeiter*innen der Polizei,

sowie der Aids-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel auch willkommen.

So konnten sich Nutzer*innen des Parks unbefangen

näher kommen und ins Gespräch kommen. Dadurch werden

Ängste abgebaut und gegenseitige Rücksichtnahme

gestärkt. Im Berichtsjahr 2017 gab es sogar einen gemeinsam

organisierten Ausflug in ein Kunstatelier.

An dieser Stelle möchten wir allen Beteiligten danken und

hoffen weiterhin auf gute Zusammenarbeit.

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung

Die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist Mitglied im

Landesverband JES NRW e.V.. Aufgrund eines Projektantrages

von JES NRW letztes Jahr über die Krankenkassenförderung

konnten der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.

V. Care-Packs, Spritzen, Feuerzeuge, Abbinder und Smoke-it-Sets

für das Streetwork zu Verfügung gestellt werden.

Ebenso wie eine Drop-Flag von JES Duisburg, z.B. zur Nutzung

am Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*in-

51


5.3 HIV und Strafvollzug

Haft“.

5.3.1 Einführung

Tendenziell kann in den letzten Jahren eine Veränderung

der Zielgruppe „Menschen in Haft“ beobachtet werden. Zum

einen nimmt die Anzahl der Insassen, die eine

psychische Störung aufweisen, zu (hier stellt sich die Frage,

ob eine Hafttauglichkeit immer gegeben ist) und zum anderen

sind immer weniger Inhaftierte der deutschen Sprache

mächtig. Diese Veränderungen müssen daher auch

zu einer Anpassung unserer Arbeit im Strafvollzug führen.

Neben dem Angebot der Gruppenarbeit ist daher vermehrt

auf die visuelle Präventionsarbeit zu setzen (Piktogramme)

sowie dem Auslegen der Informationsmaterialien in anderen

Sprachen.

Aufgrund der Defizite, die die Inhaftierten vorweisen (niedrige

Intelligenz, geringe Regelakzeptanz, geringe soziale

Kompetenz, Drogenabusus, geringes Selbstbewusstsein,

Impulsivität) müssen die Angebote der AIDS-Hilfe, die sich

im Rahmen der strukturellen Prävention für eine autarke

und akzeptierende Arbeit mit den Menschen einsetzt, den

Gegebenheiten angepasst umgesetzt werden.

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ wurde auch 2017 durch die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und landesweiten

Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten Ebene erfolgte

die Arbeit ausschließlich in Vernetzung und Kooperation

mit Institutionen, die im Bereich „HIV und Strafvollzug“ tätig

sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis Drogen und Haft

der Aidshilfe NRW e.V.).

Um die Infektionsketten effektiv zu unterbinden sind daher

„Basics“ notwendig, die den inhaftierten Menschen vermittelt

werden müssen. Neben Körperhygiene und sozialer

Kompetenz (von sozialer Kompetenz gibt es mehrere Definitionen;

nach Hirsch und Pfingster ist soziale Kompetenz

ein Gleichgewicht zwischen den eigenen Bedürfnissen und

den Anforderungen von der sozialen Umwelt) sind dies vor

allem die Stärkung des Selbstbewusstseins und die Verbesserung

der Kommunikation. Wenn diese „Basics“ vermittelt

werden konnten, kann die „eigentliche“ Präventionsarbeit,

dem geistigen Alter der Inhaftierten entsprechend, umgesetzt

werden.

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten,

dem offenen Vollzug sowie den Gerichten

und Staatsanwaltschaften der Region kooperiert,

um die Präventionsarbeit für Bedienstete und Inhaftierte im

Bereich Strafvollzug zu platzieren. Ziel war die Wissensvermittlung

von Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten

im Themenfeld der sexuellen Gesundheit mit dem Fokus auf

sexuell übertragbare Infektionen (STI´s), vor allem im Hinblick

auf HIV und die Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte

waren die Begleitung HIV-positiver Inhaftierter sowie

die Durchführung regelmäßiger Gruppenangeboten für inhaftierte

Frauen sowie Männer zum Thema „Gesundheit in

Daher hat sich das Angebot der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. in den letzten Jahren verändert, welches sich im

folgenden Jahresericht auch niederschlägt.

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise weiterhin

über das Justizministerium NRW zum Teil refinanziert.

Wir sehen dies als ein Zeichen, dass unser Ansatz über die

Region Duisburg hinaus anerkannt und gewürdigt wird.

52


5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen in

Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-Hamborn

sowie deren Zweiganstalt in Dinslaken.

Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

- Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld

HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten

- Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver

Inhaftierter

- Einzelberatung von Inhaftierten

- Mitarbeiterschulungen

- Regelmäßige Gruppenveranstaltungen

5.3.2 Überregionale Aktivitäten

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem Landesarbeitskreis

„Drogen und Haft“ der Aidshilfe NRW e.V.

teilgenommen. Durch den regelmäßig stattfindenden fachlichen

Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich modifiziert,

einheitliche Standards erarbeitet und somit die lokale Arbeit

weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten

Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen teil.

Informationsveranstaltungen

Der Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

hat bei dem „Gesundheitstag in der Justizvollzugsakademie

NRW / Recklinghausen“ einen Informationsstand in Kooperation

mit der AIDS-Hilfe NRW e.V. betrieben.

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Kongress

Der Mitarbeiter hat an der europäischen Konferenz zur

Gesundheitsförderung in Haft in Wien teilgenommen. Unter

anderem wurde bei einer Lesung das Buch „Männergesundheit

in Haft“ aus einem Artikel vorgelesen, den der

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel verfasst

hatte.

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind das

gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien beim

intravenösen Drogenkonsum (IVDU), sexuelle Kontakte

und Tätowieren / Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit

der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. eine starke Fokussierung

auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer

Forschungsergebnisse:

53


Drogenkonsum

Intravenöser Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen

zwar weniger verbreitet als außerhalb, aber die

Inhaftierten, die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies

unter hoch riskanten Bedingungen und in der Regel in

Form eines gemeinsamen Gebrauches von Spritzen, Nadeln

und Spritzutensilien. Wedershoven (s. Wedershoven

C. Katamnese der HIV-Infektion bei drogenabhängigen und

nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich im Justizvollzug

des Landes Nordrhein-Westfalen. 1998) bestätigt,

dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle

der von ihr untersuchten Gefangenen darstellt. Knapp fand,

dass bei den von ihm befragten Inhaftierten positiven Strafgefangenen

bis zu neun Personen eine Spritze zusammen

benutzten (s. Knapp R., AIDS im Strafvollzug. Zur Situation

HIV-Infizierter und AIDS-Kranker Strafgefangener unter besonderer

Berücksichtigung der Problematik intramuralen

Drogenkonsums: Ergebnisse einer empirischen Erhebung

und rechtliche Konsequenzen. Bonn (Unveröff. Diss. 1996).

dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt, um hier

eine Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch und Infektionszahlen

von Inhaftierten über Tätowieren und Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden

Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit und bietet den

Rahmenbedingungen entsprechende Lösungsansätze an.

Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie der

illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von gleichgeschlechtlicher

Sexualität ist jedoch so gut wie unmöglich.

Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten heterosexuelle

Kontakte im Rahmen der Besuchszeit von (Ehe-)

Partner*innen (z.B. JVA Werl, JVA für Frauen Vechta) oder

bei Haftlockerungen der Inhaftierten sexuelle Kontakte im

Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von Sexualität

als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird nicht

zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen. Der Drang

nach sexuellen Handlungen führt zu einer Abspaltung der

Sexualität von der allgemeinen sozialen Haltung der Inhaftierten.

Es werden gleichgeschlechtliche Handlungen

praktiziert, die konträr zur Haltung und allgemeinen Aussage

der Inhaftierten stehen. Durch diese abgetrennte, nicht

akzeptierte Sexualität wird teilweise bzw. vollständig auf

Kondomgebrauch verzichtet. Die Prävention steht hier vor

einem Dilemma. Der Thematisierung von gleichgeschlechtlicher

Sexualität in Präventionsveranstaltungen wird mit Ablehnung

begegnet. Um Inhaftierten die Möglichkeit eines

Beratungsgespräches zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen

vertrauensvoll beantwortet werden, bietet

die AIDS-Hilfe daher seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-Sprechstunde

in den Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler Injektionsnadeln

eine Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis

C und, in geringerem Ausmaß, von HIV. Leider wurden bis

5.3.5 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten durchgeführt.

Neben den Übertragungswegen von HIV und Hepatitiden

wurden die Behandlungsmöglichkeiten und mögliche

Schutzmaßnahmen angesprochen (Desinfektion von gebrauchten

Spritzen, Förderung des „Blutbewusstseins“,

Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und Safer Sex - Praktiken

bei Männern, die Sex mit Männern haben sowie Frauen,

die Sex mit Frauen haben).

54


Die Veranstaltungen wurden aufgrund der in der Einführung

beschriebenen Bedingungen in eine kontinuierliche wiederkehrende

Gruppenveranstaltung „gegossen“. In einem immer

wiederkehrenden Turnus wird in diesen Gruppen (in

der Regel 2 mal im Monat in der JVA-Dinslaken und 1 mal

im Monat in der JVA-Hamborn) neben den „Basics“ auch

die Themen HIV und Hepatitiden besprochen. Aufgrund der

hohen Fluktuation der Inhaftierten kann so in der Gruppe

(die aufgrund von Sicherheitsbestimmungen max. aus 8

Personen bestehen darf) einerseits intensiv und in einem

persönlicheren Rahmen die notwendigen und manchmal

schambehafteten Themen bearbeitet werden und zugleich

effizient eine hohe Anzahl von Inhaftierten erreicht werden.

5.3.7 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches Jahr

zurückschauen. Die Kooperation mit den Anstalten ist

konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote der

AIDS-Hilfe wurden sehr gut angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten

konnte eine regelmäßige und kontinuierliche Arbeit

sichergestellt werden.

5.3.6 Begleitung

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen und

Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel alle zwei

Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e.V. zu sprechen. Hier werden folgende Aspekte

erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium der HIV-Infektion,

medizinische Behandlung sowie die Angebote der

AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung, Resozialisierung

nach der Haftentlassung etc.).

Außenansicht des neu erstellten Flyers

Innenansicht des neu erstellten Flyers

55


5.4. Frauen und HIV /Aids – Prävention bei Frauen in

besonderen Lebenslagen

Im Berichtsjahr 2017 konnte die Arbeit im Bereich Frauen

und HIV/Aids sowie für Frauen in STI relevanten Lebenslagen

mit Hilfe der Bereitstellung der Fördermittel für die

zielgruppenspezifische Prävention des Landes NRW umgesetzt

werden. Sie ist seit vielen Jahren fester Bestandteil

unserer Angebote.

Dies gilt insbesondere für den Bereich der Beratung und

psychosozialen Begleitung von Frauen mit HIV und Aids

aus unserer Region Duisburg / Kreis Wesel mit ca.1 Mio.

Einwohnern.

Im Jahre 2017 konnten die angestrebten Projektziele aufgrund

einer kontinuierlichen Besetzung dieses Arbeitsbereiches

durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin erreicht und

in dem Maße umgesetzt werden, wie diese geplant wurden.

Die Projektinhalte umfassen insbesondere Beratung / Begleitung

von Frauen mit HIV / Aids, die Gestaltung bedarfsgerechter

Versorgungsstrukturen, den Abbau von gesellschaftlichen

Diskriminierungen und die Primärprävention

bei spezifischen Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.

Im Berichtsjahr 2017 konnten durch die Projektnehmerin

260 persönliche/ 91 telefonische und 40 aufsuchende (PSB)

zeitintensive Beratungs- und Begleitungskontakte verzeichnet

werden. Innerhalb der bundesweiten anonymen Telefonberatung

waren es 137 Beratungskontakte.

Wie in den letzten Jahren auch, musste sich die Projektnehmerin,

insbesondere in der Begleitungsarbeit, mit dem

Thema „Late-Presenter“ beschäftigen.

Im Bereich der zielgruppenspezifischen Prävention - Frauen

in STI relevanten Lebenslagen - wurden im Berichtsjahr 385

Sexarbeiterinnen durch Streetwork und Aktionen in der Vulkanstraße

und auf dem Straßenstrich in Duisburg erreicht.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Besetzung der für

unsere Region einzigen auf HIV spezialisierten strukturellen

Präventionsstelle mit einer qualifizierten hauptamtlichen

Projektnehmerin unerlässlich ist.

Im Jahr 2017 wurde wieder deutlich, dass für eine erfolgreiche

Arbeit auf den unterschiedlichen Ebenen die Vernetzung

ein wesentlicher Bestandteil ist. Vernetzungen

fanden auf der überregionalen Ebene mit den benachbarten

AIDS-Hilfen Dortmund, Essen, Oberhausen, Bochum,

Düsseldorf und Unna sowie auf landesweiter Ebene innerhalb

der Landesarbeitsgemeinschaft „Frauen und HIV/Aids

in NRW“ und auf lokaler Ebene insbesondere mit dem ÖGD

Duisburg sowie im Bedarfsfall mit dem FD Gesundheitswesen

des Kreises Wesel statt.

So konnten vorhandene personelle Ressourcen gebündelt

werden, was eine effiziente Planung und Durchführung der

Projekte gewährleistete.

Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung auf der kollegialen

- ebenso wie die auf der Selbsthilfeebene - unverzichtbar,

um das Projekt adäquat weiterzuentwickeln.

Das Projekt XXelle in Duisburg und dem Kreis Wesel wurde

auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt, der landesweiten,

ruhrgebietsweiten und der kommunalen Ebene.

Auf der landesweiten Ebene bestanden die Projektziele

2017 darin, durch die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft

„Frauen und HIV / Aids in NRW“

den fachlichen Austausch fortzuführen und die Marke XXelle

weiter politisch zu positionieren. Durch die inhaltliche

Auseinandersetzung mit den Fachfrauen auf der Landesebene

entwickeln sich neue Projektideen, die sich auf der

lokalen und regionalen Ebene umsetzen lassen. So konnten

gemeinsame Veranstaltungen geplant und durchgeführt

werden. Die kontinuierliche Beteiligung der Projektnehmerin

an der Arbeitsgemeinschaft Öffentlichkeitsarbeit der

LAG „Frauen und HIV / Aids in NRW“ konnte auch im Jahr

2017 sichergestellt werden.

Von August bis November 2017 fanden in neun Städten in

NRW - Aachen, Ahlen, Bochum, Bonn, Dortmund, Düsseldorf,

Duisburg, Essen und Köln - das Projekt:

Komm in Bewegung

Mit XXelle den Selbsthilfegedanken stärken, statt.

Insgesamt standen 19 sehr unterschiedliche, interessante

Bewegungs- und Entspannungsangebote zur Auswahl,

die von 89 Teilnehmer*innen davon 61 HIV positive Frauen

genutzt wurden. In Duisburg waren es 7 Teilnehmer*innen

davon 5 HIV Positiven, die vom Autogenen Training und

progressive Muskelentspannung profitieren konnten.

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene wurde die sehr gute Zusammenarbeit

der Ruhrgebiets-Aidshilfen Dortmund, Bochum,

Essen, Düsseldorf, Oberhausen und Duisburg / Kreis

Wesel weiter fortgeführt.

Durch die vorhandenen Vernetzungsstrukturen konnten im

Jahr 2017 gemeinsame Aktionen geplant und durchgeführt

werden. Hierbei handelte es sich sowohl um Angebote für

Klientinnen als auch um öffentlichkeitswirksame Aktionen.

Es fanden regelmäßige Arbeitstreffen statt. Darüber hinaus

erfolgten weitere Vernetzungstreffen des Runden Tisches

Ruhrgebiet, an dem alle Ruhrgebiets –Aidshilfen und andere

Träger mit XXelle-Standorten teilnehmen.

Ebenso fanden in regelmäßigem Turnus „ XXelle - Runder

– Tisch“ – Arbeitstreffen der beteiligten Fachfrauen im

Ruhrgebiet statt, in denen unter anderem die Planung und

Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktionen erfolgte.

Eine Teilnahme am Afro- Ruhr Festival musste leider aus

56


Im Jahr 2017 konnten insgesamt 385 Sexarbeiterinnen erorganisatorischen

Gründen abgesagt werden, da nicht- wie

in den vergangenen Jahren- am Samstag ein Infostand

vom Veranstalter genehmigt wurde.

Auch im Jahr 2017 konnte innerhalb der XXelle Ruhrgebietsvernetzung

wieder ein Frauenvernetzungstreffen im

Lore Agneshaus der AWO Essen angeboten werden. In

Zusammenarbeit mit den AIDS-Hilfen Essen, Bochum,

Düsseldorf, Dortmund und Duisburg / Kreis Wesel wurde

dieses Angebot koordiniert und umgesetzt. Neben der Erfahrung,

aus der durch die Infektion oft hervorgerufenen

sozialen Isolation ausbrechen zu können, konnten die 12

teilnehmenden Frauen und 2 Kinder vor allem Strategien

der individuellen Gesundheitsförderung (Klangschalenmassage)

und

Freizeitgestaltung erlangen. Die Ausstellung Liebes Welten

-Interkultureller Parcours zur sexuellen Gesundheit- war für

alle ein ganz besonderes Highlight. So bietet dieser

Mitmach-Pacours die Möglichkeit sich über Themen: Liebe,

Verhütung, Schwangerschaft, sexuell übertragbare Infektionen

und vieles mehr auszutauschen.

Insbesondere diese Veranstaltung hat gezeigt, wie effektiv

die Vernetzung von XXelle Ruhrgebiet ist. Durch die Bündelung

von personellen und finanziellen Ressourcen konnten

die geplanten Ziele umgesetzt werden.

5.5. Frauen und HIV / Aids / Migration

Eine besonders wichtige Zielgruppe innerhalb der frauenspezifischen

Arbeit sind Migrantinnen. Hierbei handelt es

sich um eine sehr heterogene Personengruppe.

Unterschiedliche Formen der bereits erfolgten oder noch zu

erfolgender Integration in Bezug auf sprachliche, kulturelle

oder soziale Integration spiegeln sich hier wieder.

Die Zielgruppe Migrantinnen - Frauen mit Kindern

und HIV/Aids - wurden ebenfalls durch verschiedene

ruhrgebietsweite Veranstaltungen erreicht.

Insgesamt nahmen 31 Teilnehmer*innen -7 Familien,

10 Mütter, 2 Väter, 13 Kinder, 1 Tante, 1 Integrationshelferin

für ein behindertes Kind, 4 MA

Beratungsstellen Fachkräfte- an einem Familienausflug

zum Ketteler- Hof, teil. Die Erfahrung der

letzten Jahre hat gezeigt, dass gerade alleinerziehende

Frauen und ihre Kinder mit HIV/Aids dieses

Angebot sehr gerne nutzen. Oftmals verfügen diese

Familien über keinerlei finanzielle Ressourcen

zur Realisierung von Freizeitaktivitäten. Des Weiteren

ist dieses Angebot ein kreativer Beitrag, der

sozialen Isolation entgegen zu wirken und positive

Begegnungen zu fördern und ist somit eine willkommene

Abwechslung zum regulären Alltag. Hier

wurden Kontakte und Freundschaften zu anderen

HIV positiven Frauen, Kindern und ihren Familien

hergestellt.

Auf der lokalen Ebene erwies sich die Zusammenarbeit mit

dem Duisburger Frauennetzwerk Agenda 21 auch im Jahr

2017 als sehr erfreulich und konstruktiv.

Am internationalen Frauentag waren wieder zahlreiche Organisationen

mit diversen Infoständen vertreten. Die Projektnehmerin

war beteiligt an gemeinsamen Aktionen.

Der Arbeitsbereich Frauen und Migration war im Berichtsjahr

gekennzeichnet durch zeitintensive Beratungs- und Begleitungsarbeit.

Im Jahr 2017 konnte durch die Projektnehmerin in Duisburg

und den Kreis Wesel die Beratung / Begleitung von

Frauen mit Migration und HIV / Aids sichergestellt werden.

Insbesondere für Frauen mit Migrationshintergrund und HIV

/ Aids ist diese Form der geschlechtsspezifischen Arbeit unabdingbar.

Die zielgruppenspezifische Prävention auf dem Duisburger

Straßenstrich konnte im Berichtsjahr 2017 -in Kooperation

mit einer Kollegin des Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg-

regelmäßig im 14-tägigen Rhythmus erfolgen.

Dieses Angebot ist mittlerweile so etabliert, dass die Frauen

nicht nur aufgesucht werden müssen, sondern von sich aus

auf die Kooperationspartnerinnen zukommen. Zeitlich wird

darauf geachtet, die Frauen möglichst noch vor Aufnahme

ihrer Tätigkeit zu erreichen, um die Möglichkeit für individuelle

Fragestellungen zu geben. Thematisch geht es vor

allem darum, sich über sexuell übertragbare Krankheiten zu

informieren, sich zu schützen und ausstiegsorientierte Problemstellungen

zu bewältigen. Gerade bei drogenabhängigen

Frauen, die der Beschaffungsprostitution

nachgehen, sind aufgrund der HIV Relevanz in dieser Population,

Beratungs- und Testangebote von großer Bedeutung.

In abendlichen Gesprächen während der aufsuchenden Arbeit

wird auf die verschiedenen Möglichkeiten der Substitution

und entsprechende Beratungsangebote der AIDS- Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel hingewiesen. Ein mehrsprachiger

Flyer, den wir insbesondere neuen Frauen auf dem Straßenstrich

anbieten, weist auf HIV-Testmöglichkeiten, STI -

Untersuchungsangebote im Gesundheitsamt hin.

Gelegentlich werden auch konkrete Termine vereinbart, die

jedoch nicht immer eingehalten werden.

57


Für diejenigen Sexarbeiterinnen die sich nicht anmelden

können oder wollen, sei es wegen eines prekären Aufenthaltsstatus

(bei albanischen Sexarbeiterinnen nur Visa

ohne Arbeitserlaubnis) oder aus Angst vor Behörden sowie

der Unmöglichkeit sich zu outen (Familie, soziales Netzreicht

werden. Auf dem Straßenstrich in Duisburg sind ca.

80% der Frauen Migrantinnen, vor allem aus

Osteuropa. Viele besitzen keine Krankenversicherung und

verfügen – wenn überhaupt - nur über geringe Deutschkenntnisse.

Im Berichtsjahr konnte die Projektnehmerin aufgrund der

guten Kooperation mit dem ÖGD der Stadt Duisburg und

durch den Einsatz einer ehrenamtlichen bulgarischen

Sprachmittlerin, insbesondere für die Beratungsarbeit in der

aufsuchenden Arbeit, profitieren. Hier ist Sensibilität und

Empathie in Bezug auf unterschiedliche Kulturen und der

allgemeinen Lebenssituation der Frauen gefragt.

Sexarbeiterinnen sind eine multinationale, heterogene und

gesundheitlich gefährdete Gruppe, die oft nur einen eingeschränkten

Zugang zum Gesundheitssystem haben. Die

STI-Prävention stößt somit an Grenzen, die durch z.B. Lebensbedingungen,

soziale und wirtschaftliche Zwänge, Armut,

Unwissenheit über STI und Verhütungsmethoden gesetzt

werden. Der zunehmende Konkurrenzdruck erschwert

es, den Wünschen von Kunden nach kondomfreiem Sex zu

widerstehen. Darüber hinaus gibt es wie bei vielen Menschen

eine Tendenz, medizinische Hilfe nur bei akuten Beschwerden

in Anspruch zu nehmen. Ein kontinuierliches

Beratungs- und Untersuchungsangebot sollte auch aus diesem

Grund eine Grundvoraussetzung für die STI-Prävention

bei Sexarbeiterinnen sein.

Im Rahmen der Angebote der aufsuchenden Arbeit im Bereich

Sexarbeit des ÖGD´s konnten einige Frauen mit

Selbstabstrichen auf diverse STI´s untersucht werden. Bei

einem positiven Befund werden die Frauen angerufen und

es besteht die Möglichkeit weitere erforderliche Untersuchungen

und entsprechende Medikamente - auch ohne

Krankenversicherung - zu erhalten.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich die Sexarbeiterinnen

kostengünstig mit Kondomen versorgen können, die

über das Gesundheitsamt erworben werden.

Die regelmäßige aufsuchende Arbeit ermöglicht einen langfristigen

Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbeiterinnen.

Darüber hinaus gewährleistet die Kontinuität, dass die

Projektarbeit den sich ändernden Verhältnissen der Arbeit

vor Ort angepasst wird. Hierbei steht vor allem die Verbesserung

der Arbeitssituation der Frauen im Fokus.

Beratungs- und medizinische Angebote werden durch niedrigschwellige,

arbeitsplatznahe und aufsuchende Arbeit angeboten.

In der Adventszeit wurde wie jedes Jahr wieder eine Weihnachtsaktion

in den Bordellen/ Laufhäusern und auf dem

Straßenstrich in Duisburg durchgeführt.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Sachgebietsleiterin und

einer weiteren Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes Duisburg

konnte die Projektnehmerin in einer nächtlichen Aktion

58

insgesamt 201 Sexarbeiterinnen mit Kondomen, und Angeboten

zur Untersuchung von STI´s erreichen.

Zu erwähnen ist für diesen Bereich, dass sich auch hier der

Zielpersonenkreis erweitert bzw. verändert. Der Zuzug von

Sexanbieterinnen aus dem südosteuropäischen Raum

(v.a. Rumänien und Bulgarien) ist in Duisburg, wie auch im

Kreis Wesel (dort allerdings mehr im Clubbereich) enorm

und stellt für die Projektnehmerinnen eine wachsende Herausforderung,

in sprachlicher, kultureller und sozialrechtlicher

Hinsicht dar.

Mit dem ProstSchG „Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes

sowie zum Schutz der in der Prostitution

tätigen Personen“ wurde eine neue rechtliche Grundlage

geschaffen. Ab dem 1. Juli 2017 müssen sich alle Sexarbeiter*innen

amtlich registrieren, egal ob die Sexarbeit

„hauptberuflich“ oder nur „nebenbei“ ausgeübt wird. Ohne

Registrierung und Beratung darf zukünftig der Prostitution

in Deutschland nicht mehr nachgegangen werden. Die Anmelde-Bescheinigung

muss bei Ausübung der Sexarbeit

immer mitgeführt werden. Für die Umsetzung der Pflichtaufgaben-wurde

in Duisburg und in anderen Kommunen

in NRW- die Übergangsfrist bis zum 31.12.2017 für die Anmeldung

und gesundheitliche Beratung genutzt.

Eine kleine Anfrage vom 11.10.2017 von der Landtagsfraktion

Bündnis 90/ Die Grünen, bei dem die Bezirksregierungen

des Landes gebeten wurden, die Angaben bei den Kreisen

und kreisfreien Städten die Umsetzung des ProstSchG

in NRW zu erheben ergab, dass sich vom 01.017.2017 bis

19.10.2017 lediglich 525 Frauen und 12 Männer angemeldet

haben. Eine Bescheinigung über Anmeldebemühungen

erhielten 36 Frauen und 1 Mann. Vgl. Landtag Nordrhein-Westfalen

Drucksache 17/1223

Zum Jahresende wurden in Duisburg Anmeldungstermine

für Februar 2018 vergeben.

Die Zahl der gemeldeten Prostituierten zum 01.01.2018 ergab

laut einer Anfrage der RP ONLINE vom 17.01.2018,

dass sich in Duisburg 89 weibliche und 2 männliche Sexarbeiter*innen

angemeldet haben. Darüber hinaus gab

es 23 Gewerbeanmeldungen. Im Kreis Wesel waren es

100 weibliche Sexarbeiterinnen und 18 Gewerbeanmeldungen.

Vgl. http://www.rp-online.de/nrw/panorama/prostitution-in-nrw-so-viele-prostituierte-sind-in-nrw-angemeldet-aid-1.7321809

Die langen Wartezeiten für die Anmeldungen in Duisburg

führen dazu, dass Sexarbeiterinnen aus Duisburg sich

in anderen Städten im Kreis Wesel anmelden.


werk, Beruf) bedeutet dies den Entzug der finanziellen Lebensgrundlage

und ggf. den Rückzug in die Illegalität.

Projektkritik

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die frauenspezifische

Arbeit von XXelle Duisburg/ Kreis Wesel wieder

kontinuierlich und erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der bestehenden

Vernetzungsstrukturen von XXelle Ruhrgebiet und die

Präsentation in der (Fach-) Öffentlichkeit.

Mit Hilfe der personellen Ressourcen konnten die Beratung

und Begleitung von Frauen mit HIV/ Aids sichergestellt und

umgesetzt werden.

Aufgrund der komplexen Problemlagen und sehr heterogenen

Ausgangslagen der betroffenen Frauen beansprucht

die Beratungs- und Begleitungsarbeit die größten Zeitkapazitäten.

Dem entsprechend sehen und setzen wir hier auch

die Priorität.

Vor allem im Bereich der Sexarbeit werden gerade in Duisburg

die Bedarfe noch wachsen und höchstwahrscheinlich

weitere Ressourcen erfordern. Die strukturelle HIV- und

STI- Prävention für Sexarbeiterinnen ist somit weiterhin unbedingt

erforderlich.

Der Standort XXelle Duisburg/ Kreis Wesel ist ein wichtiger

Teil der Ruhrgebietsvernetzung und mittlerweile fester

Bestandteil der Angebote für Frauen mit HIV/Aids der

AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e.V.

Auf der lokalen, regionalen und landesweiten Ebene hat

sich das etablierte Netzwerk hier äußerst bewährt und hervorragende

kollegiale Unterstützung geleistet.

In einer Reihe von Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag

2017 konnte auch das mit dem XXelle-Standort Duisburg

/ Kreis Wesel verbundene frauenspezifische Angebot und

die feste Ansprechpartnerin wieder öffentlichkeitswirksam

präsentiert werden.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit konnten die Angebote

auf den Internetportalen: www.xxelle.nrw.de, www.xxelle.

ruhrgebiet und aufgrund einer kontinuierlichen Aktualisierung

der Termine auf unserer Homepage, www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

, Frauen zugänglich gemacht

werden.

59


5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in sexualpädagogischem

Kontext) ein fester und wichtiger Bestandteil der

Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Auch wenn das alte richtliniengestützte Förderprogramm

(1988 vom damaligen MAGS NRW eingeführt, s. www.youthwork-nrw.de

) im Zuge des Kommunalisierungsprozesses

seit 2009 grundsätzlich nicht mehr landesgesteuert ist, so

ist aufgrund der unzweifelhaften Sinnhaftigkeit nicht nur

die Landesförderung erhalten geblieben, sondern auch die

kommunalen Ergänzungsfinanzierungen (wenn auch gedeckelt

und nicht mehr auskömmlich, s.o.) – zumal auch

die „Sexualpädagogisch orientierte HIV-Primärprävention

für Kinder und Jugendliche in Schulen und im außerschulischen

Bereich“ zu den kommunalen Pflichtaufgaben nach

Öffentlichem Gesundheitsdienstgesetz, ÖGDG § 12 (1) und

dem Infektionsschutzgesetz, IfSG § 16, zählen.

Mit Hilfe einer zusätzlichen Förderung durch das damalige

MGEPA NRW konnte seit 2014 eine Relaunch der Marke

„Youthwork“ entwickelt werden, die seit 2016 online ist. Das

Motto „dein leben. deine lust“ macht seither noch deutlicher,

um wen und was es bei „Youthwork“ geht - um junge

und jugendliche Menschen und ihre Lebenssituation. Die

neuen Medien bieten im Corporate Design neue Informations-

und Aktionsmöglichkeiten unter dem bewährten Ansatz

(s. www.youthwork-nrw.de ).

Inhaltlich fußt die modernisierte Youthwork-Kampagne ganz

wesentlich auf dem Landeskonzept „Weiterentwicklung der

HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen. Schwerpunkt

Neuinfektionen minimieren“ (Juli 2013), welches den spezifischen

Arbeitsansatz auch sehr eindeutig untermauert:

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders gefährdeten

Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang ihrer

sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch eine wichtige

Zielgruppe für die Primärprävention. Jugendliche stehen

vor der Herausforderung, zu Beginn ihrer partnerschaftlich

ausgerichteten Sexualität sich sowohl mit Fragen der Verhütung

und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Infektionen

als auch mit physischen und psychischen Veränderungen

auseinanderzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen

haben gezeigt, dass personalkommunikative Ansätze in der

Sexualaufklärung und Prävention diese Lernprozesse besonders

fördern und unterstützen. Sie müssen jedoch frühzeitig

einsetzen, kontinuierlich weitergeführt werden und

sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand, der sexuellen

Orientierung und den sozialen, kulturellen und ethischen

Hintergründen der Jugendlichen ausrichten. (…)

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere

HPV, Syphilis, Tripper und Chlamydien auch Jugendliche

betreffen und sich damit das Risiko einer HIV-Infektion erhöht,

müssen die Inhalte der HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung

mit den Informationen zur Verhinderung der

o.g. Infektionen verknüpft werden. (…)

Die Angebote der Schule und der außerschulischen Ju-

60


gendarbeit werden durch HIV- und STI-Präventionsmaßnahmen

der AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen

unterstützt und ergänzt. Notwendig sind kontinuierliche und

strukturierte Kooperationen und gemeinsame Projekte zwischen

AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen, Jugendhilfe,

Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in

öffentlicher und freier Trägerschaft.“ (Landeskonzept „Weiterentwicklung

der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ vom Juli

2013; S. 21 f; Die Druckfassung kann bestellt oder heruntergeladen

werden: www.mgepa.nrw.de/ministerium/service,

unter Angabe der Veröffentlichungsnummer 112)

Diese wichtige Aufgabe wurde auch im Berichtsjahr 2017

ausschließlich von den Youthworkern der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel wahrgenommen, nachdem sich der Kreis

Wesel per Kreistagsbeschluss seit April 2016 komplett aus

diesem Aufgabenfeld herausgezogen hat. In Duisburg hat

das Gesundheitsamt in den letzten Jahren ebenfalls kein

eigenes Angebot mehr vorgehalten. Allerdings ist hier für

2018 ein Wiedereinstieg geplant.

Seit einigen Jahren sind wir also auch hier die einzigen

spezialisierten Anbieter. Daher sind wir froh, wenn wir die

Nachfragen zumindest überwiegend bedienen können. Wir

agieren häufig in Kooperation mit Partnern von sexualpädagogischen

Angeboten, wie der pro familia in Duisburg und

der AWO im Kreis Wesel, um Synergien erzielen zu können.

der Information, Beratung und Untersuchung“ (ebd., S. 22).

Der Landes-Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention unter

Federführung des Referates IV A 5 „AIDS, Sucht und Drogen“

in der Abteilung IV des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit

und Soziales (MAGS NRW) (s. www.aids-nrw.

de) gebührt ein großes Kompliment für die Analyse und die

daraus resultierenden Handlungsempfehlungen. Diese sind

auf der Höhe der Zeit. Und - aufmerksame Leser*innen unserer

Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie bestätigen

unsere regionale Youthwork-Arbeit und ihre Ansätze in

eindrucksvoller Weise. Zielgruppenspezifische Prävention

ist unser Geschäft!

Die Zielgruppenanalyse erklärt eben auch die besondere

Eignung des Youthwork-Angebotes einer AIDS-Hilfe,

die seit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der strukturellen

und vor allem zielgruppenspezifischen Präventionsarbeit

besitzt. Darüber bringen wir spezifische Kenntnisse und

Feldkompetenzen in den Themenfeldern der sexuellen Gesundheit,

sexueller Vielfalt, Drogengebrauch und diversen

Formen sozialer Benachteiligung bis hin zu Stigmatisierungsproblematiken

mit und können jeweils flexibel auf Bedarfe

in Gruppen oder auf Einzelpersonen reagieren. Wie

bei allen Adressaten, so gilt auch - und vielleicht besonders

- für Jugendliche der didaktische Grundsatz, dass

(Präventions-) Angebote an der jeweiligen Lebenswelt

(akzeptierend) orientiert werden sollten. „Die Berücksichtigung

von sozialen, ethnischen, kulturellen und

geschlechtsspezifischen Besonderheiten ist Voraussetzung,

um Jugendliche emotional und kognitiv zu erreichen“

(Landeskonzept, a.a.O., S. 37). Darüber hinaus

können Themen durchaus auch in Präventionsveranstaltungen

in heterogenen Gruppen (wie Schulklassen) integriert

oder exponiert platziert werden. Die Bedarfe werden

jeweils in Planungsgesprächen erhoben.

Jugendliche sind also per se eine besondere Zielgruppe für

den Auftrag der HIV- / STI-Prävention, jedoch differenziert

das besagte Landeskonzept hier noch speziell: „Besonders

zu berücksichtigen sind männliche Jugendliche im „coming

out“, Jugendliche, die Drogen konsumieren, und Jugendliche

in schwierigen sozialen Verhältnissen, da das Infektionsrisiko

in diesen Gruppen erhöht ist. Sie benötigen einen

niedrigschwelligen Zugang zu den vorhandenen Angeboten

61


„Youthwork“ will „Appetit“ und / oder „Heiß-Hunger“ machen

auf präventive Kommunikation über Liebe, Sexualität

& Partnerschaft – inklusive deren potentielle Risiken und

Nebenwirkungen. „Youthwork“ zielt auf sexuelle Gesundheit

und auf die Befähigung, ein Schutzbedürfnis kommunizieren

und durchsetzen zu können.

eine höhere Übertragungswahrscheinlichkeit besteht. Dies

wiederum korrespondiert mit der Annahme, dass mehr als

50 % der Neuinfektionen von frisch Infizierten stammen, die

zum Teil ihren Status noch gar nicht kennen (können – weil

noch im diagnostischen Fenster befindlich).

Die Berücksichtigung von anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten ist allerdings auch für Jugendliche

anderer sexueller Orientierungen zunehmend bedeutungsvoll,

da sich nach RKI-Angaben die Diagnosen insgesamt

mehren. Auf die Erwähnung wirklich belastbarer Daten für

das Berichtsjahr 2017 müssen wir zwar noch etwas warten,

aber die bisherigen Hinweise scheinen sich einmal mehr zu

verifizieren.

Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung wirkt

und ist zielführend im Hinblick auf eine Verankerung von

Präventionswissen und die Stärkung der Handlungskompetenzen

für die individuelle Gesunderhaltung sowie die Förderung

eines nachhaltigen Schutzverhaltens und dessen

Implementierung im persönlichen Lebensstil. Auch darüber

erklärt sich gewiss zu einem nicht unwesentlichen Teil, dass

Jugendliche in Deutschland und auch in unserer Region tatsächlich

nicht zu den von HIV besonders riskierten Personengruppen

zählen.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen Ziel

der Vermeidung von Primärinfektionen hat also nichts an

Bedeutung verloren – und dass sie wirkt, beweisen nicht

zuletzt die Infektions-Diagnose-Zahlen und Inzidenzannahmen

des RKI (s. www.rki.de ) für das Jahr 2016, wonach die

Neuinfektionen (ca. 3.100) auf weitgehend stabil niedrigem

Niveau geblieben sind. Dabei spielen Jugendliche generell

keine exponierte Rolle. Zu beachten ist allerdings die Gruppe

der 20-39-jährigen MSM. Gerade hier ist auch ein signifikanter

Zusammenhang mit den Syphilis-Inzidenzen bemerkenswert.

Darüber bestätigt sich, dass HIV-Prävention

zwingend STI-Prävention beinhalten sollte.

Als Hauptgrund für den Anstieg bei jüngeren Schwulen gibt

das Robert-Koch-Institut den Umstand aus, dass unter jüngeren

Männern mit HIV ein höherer Anteil noch nicht unter

antiretroviraler Therapie steht, so dass in dieser Gruppe

Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten müssen

eindeutig weiter enttabuisiert werden. Darüber reden zu

können ist eine entscheidende Voraussetzung für Schutz

und Diagnostik. Hier kommt der schulischen Arbeit eine besondere

Bedeutung zu, denn über den Rahmen der Schulpflicht

kann es besser als in weiteren Lebensphasen funktionieren,

möglichst viele Jugendliche die Erfahrung machen

zu lassen, dass dies gelingen kann – dazu bedarf es guter

Unterrichtsprozesse, geschulter Lehrkräfte (oder noch besser:

sexualpädagogischer Fachkräfte) und am besten gezielter

Projektformen in adäquaten Settings.

Bei Jugendlichen tragen die Schulen (gemäß ihrem Auftrag,

s. Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW vom

30.09.1999, BASS 15 – 04 Nr. 1) zudem entscheidend zur

spezifischen (Sach-) Informationsvermittlung bei. Sie sollen

damit allerdings nicht allein gelassen werden. So wird

ihnen über den –im Juli 2012- aktualisierten Runderlass

zur „HIV/AIDS-Aufklärung in den Schulen“ explizit die

„Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen und

Fachkräften“ anempfohlen: „Die Behandlung des Themas

HIV und AIDS legt eine enge Zusammenarbeit der Schule

mit den unteren Gesundheitsbehörden sowie anderen

außerschulischen Einrichtungen und Fachkräften nahe.

Hierzu zählen neben der Ärzteschaft vor allem die bei den

Kommunen, AIDS-Hilfen und anderen freien Trägern angesiedelten

sog. Youth-Workerinnen und Youth-Worker, die

insbesondere sexualpädagogisch orientierte HIV/AIDS-Aufklärung

für Jugendliche durchführen. Ihre Fachkompetenz

sollte sowohl in den Unterricht als auch in Beratungs- und

Entscheidungsprozesse einbezogen werden.“ (aus: BASS,

18 – 12 Nr. 4; RdErl. D. Kultusministeriums vom 01.07.1987,

GABI. NW. S. 416; geänderte Fassung vom 01.07.2012)

Wer HIV- und STI-Prävention ernst nimmt, muss sich auch

gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von Men-

62


schen mit HIV und den von HIV besonders betroffenen

Gruppen –wie eben homosexuellen Jungs und Männern

(s.o.)- stark machen. Dies berücksichtigen wir in unserer

Youthwork-Arbeit –soweit es die zeitlichen und personellen

Möglichkeiten zulassen – schon immer.

auszeichnen.

Eine wirklich dankbare Aufgabe, die wir gerne wahrnehmen

und damit die Hoffnung verbinden, wichtige Impulse zu gelingenden

Integrationsprozessen geben zu können.

Eine wichtige Ergänzung in unserem Angebotsportfolio ist

unser ehrenamtliches Projekt SCHLAU-Duisburg (s. 5.7.).

Hier können wir für das Berichtsjahr über eine wunderbare

Entwicklung berichten. Unser Koordinator, Kai-Uwe Diel hat

seit dem Frühjahr mit enormer Energie, ganz viel Kreativität

und Engagement ein hochmotiviertes Team akquirieren

und mit der Unterstützung des Landesverbandes SCHLAU

NRW auch qualifizieren können. Seit September sind unsere

„SCHLAUen Teamer*innen“ nicht mehr nur angefragt,

sondern im aktiven Einsatz gegen Homo- und Transphobie,

gegen rassistische Tendenzen und für die Akzeptanz von

sexueller Vielfalt. Das Feedback von den Schulen ist klasse

und die Anfragen für das nächste Jahr wachsen. Wir sind

glücklich und stolz darüber. Wir bedanken uns ganz herzlich

für das ehrenamtliche Engagement sowie auch für die

Unterstützung durch das Jugendamt und den Jugendhilfeausschuss

der Stadt Duisburg.

Interessent*innen sind nach wie vor herzlich willkommen (s.

http://duisburg.schlau.nrw.de oder über facebook: SCHLAU

Duisburg).

Die Teamerweiterung im „Youthwork“ durch die Dipl. Pädagogin

Anika Walther war und ist ein Segen – zumal nunmehr

auch der Fachdienst Gesundheitswesen des Kreises

Wesel kein eigenes Präventionsangebot mehr vorhält und

wir somit dort wie auch in Duisburg die letzten verbliebenen

spezialisierten Anbieter sind.

Damit können wir prinzipiell auch wieder geschlechtsspezifische

Angebote unterbreiten und neue Projektformen `aus

der Wiedervorlage´ holen und umsetzen, aber auch hier

sind die Kapazitäten für das Arbeitsfeld „Youthwork“ immer

noch begrenzt, da Frau Walther vorwiegend im Bereich der

psychosozialen Begleitung tätig ist. Für die Größe der Region

und die Anzahl der Schulen und Bildungsträger ist dies

einfach viel zu wenig. Wir sind froh, wenn wir zumindest die

meisten Nachfragen bedienen können.

Als besonders wert- und sinnvoll erscheint uns ein gemeinsames

Wirken von Frau und Mann im Bereich der Zielgruppe

von Geflüchteten jungen Menschen. Hier haben wir im

Berichtsjahr erneut äußerst positive Erfahrungen in einer

ganzen Reihe von sog. Integrationsmaßnahmen mit vorwiegend

männlichen Jugendlichen und jungen Männern machen

dürfen, die sich durch einen regelrechten „Bildungshunger“

und durch ein hervorragendes Sozialverhalten

Sexualpädagogische Stadt-Rallye

Seit drei Jahren wird das Youthwork-Regelangebot der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. durch die Sexualpädagogische

Stadt-Rallye ergänzt und bereichert. Im

Rahmen der Sexualpädagogischen Stadt Rallye werden

Schüler*innen aus Duisburg der 9ten Jahrgangsstufen dazu

eingeladen, drei Beratungsstellen kennenzulernen, die sich

mit unterschiedlichen Aspekten der Sexualität beschäftigen.

Die Umsetzung der Rallye erfolgt in enger Zusammenarbeit

mit der pro familia Duisburg e.V.. In der ersten Jahreshälfte

ergänzte der Verein “DU bist DU e.V.” das Beratungsstellenangebot

und in der zweiten Hälfte 2017 konnten wir in

Kooperation mit dem “Lebenslust” die Rallye anbieten.

Neben der Präsentation der inhaltlichen Arbeit steht das

Kennenlernen der spezifischen Beratungs- und Hilfe-Infrastruktur

Duisburgs im Vordergrund. Ziel ist es, die Schüler*innen

zu befähigen, diese im Bedarfsfall selbständig und eigenverantwortlich

aufzusuchen.

Die Erweiterung der Kommunikations- und Alltagskompetenzen

der Jugendlichen stellt einen weiteren Schwerpunkt

der Rallye dar. So gilt es, auf dem Weg zu den Institutionen

Auskünfte, die thematisch passen, bei den aktiv beteiligten

Handelseinrichtungen in Duisburg zu erfragen. Beispielsweise

stellen die Schüler*innen im Drogeriemarkt Fragen

zu Kondomen oder sie informieren sich in einer Apotheke

über die „Pille danach“.

63


Mit Hilfe der Rückmeldebögen, welche die Lehrer*innen im

Anschluss an die Veranstaltung mit den Schüler*innen ausfüllen,

lässt sich der Erfolg der Rallye dokumentieren. 2017

bestätigten die Teilnehmer*innen, dass ihnen eine Kontaktaufnahme

zu den Beratungsstellen nach der Veranstaltung

in Zukunft leichter fallen würde.

2017 ließen sich in Kooperation mit der pro familia Duisburg

e.V. und Du bist Du e.V. bzw. Lebenslust acht Termine erfolgreich

durchführen. Genutzt wurde die Rallye in diesem

Jahr in erster Linie von Duisburger Gesamtschulen und

einer Förderschule. Durchschnittlich nahmen 2017 an einer

„Sexualpädagogischen Stadt-Rallye“ 27 Schüler*innen im

Alter von 14-17 Jahren teil. Insgesamt ließen sich mit diesem

Projekt 218 Schüler*innen erreichen.

Das Projekt wurde 2017 mit den Mitteln des „Aktionsprogrammes

Kinder- und Jugendschutz 2016“ der Stadt Duisburg

gefördert. Danke!

Terminmöglichkeiten und nähere Informationen zur Sexualpädagogischen

Stadtrallye finden sich auf unserer Homepage

(www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ).

Um auch weitere Chancen auf Umsetzung kreativer Projektformen

zu erhalten, die wir mit den vorhandenen Ressourcen

für das Regelangebot „Youthwork“ nicht vorhalten

könnten, ist die „Abteilung Youthwork“ der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel seit 2015 beim Jugendamt der Stadt

Duisburg als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe nach

§ 75 SGB VIII anerkannt.

„Youthwork NRW“ steht für wertorientierte, altersgemäße

und fachlich fundierte Präventionsarbeit basierend auf dem

Landeskonzept des Gesundheitsministeriums NRW zur

Minimierung von HIV/STI-Infektionen und den Standards

für die Sexualaufklärung in Europa. Dabei ist uns die Vernetzung

und Kooperation im Kontext von Sexualität und

Gesundheit mit professionell Tätigen und entsprechenden

Facheinrichtungen ein Anliegen.

Im Zusammenhang der immer noch schwelenden Debatte

zur Sexualpädagogik, die vor allem durch sog. „besorgte

Eltern“ befördert wird, schließen wir uns dem Statement der

Gesellschaft für Sexualpädagogik ausdrücklich an. Außerdem

verweisen wir auf die Erklärung des Bundesverbandes

von pro famila zum Recht auf Sexualaufklärung.

Nähere Informationen zum Youthwork-Angebot finden sich

auch auf der Internetseite www.youthwork-nrw.de . Die ca.

60 Youthworker*innen in NRW sind gut vernetzt und pflegen

den fachlichen Austausch sowie die stete Fort- und Weiterentwicklung

über eine jährliche dreitägige Fachfortbildung

und durch quartalsweise Treffen der Gruppen der fünf Regierungsbezirke.

Diese stellen jeweils zwei Sprecher/innen

für den sog. „Sprecherkreis Youthwork“ ab, der den Kontakt

mit dem Ministerium (MAGS NRW) pflegt und die Fachtagungen

organisiert. Seit 2013 ist der Youthworker der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel, Dietmar Heyde, Mitglied

dieses Sprecherkreises.

Darüber hinaus ist Dietmar Heyde seit September 2017 als

Vertreter ebendieses Sprecherkreises der Youthworker*innen

NRW vom Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege

in die AG Aidsprävention NRW berufen.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte

Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze sind

eindeutig kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz dieses

Ansatzes wird uns auch vor Ort durch Rückmeldungen,

Resonanzen und Evaluationserfahrungen zu unseren Veranstaltungen

in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung

nach Arbeitsfeldern) bestätigt.

Dem Rechnung tragend, gestalten wir unsere HIV-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext und zielen auf einen

Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre und ohne pädagogischen

Zeigefinger.

Das landesweite Logo von Youthwork-NRW.

64


5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings auch eine

jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch

verantwortungsvoll vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern

statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen können u.a. folgende Themenfelder behandelt

werden:



• Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS und anderen STI`s (Virologie, Immunologie,

...)

• Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

• Übertragungswege und –risiken

• Infektionsschutzmöglichkeiten

• Testverfahren und ihre Bedingungen

• Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende Präventionserfordernisse und –strategien

• Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen

• Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten Menschen

• Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

• Drogen- und Substitutionsproblematik

• HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

• Diskriminierungs- u. Stigmatisierungspotentiale

• Juristische und ethische Fragestellungen

• HIV in der Arbeitswelt

• Sekundärpräventive Aspekte für Menschen mit HIV

• Liebe, Sexualität und Partnerschaft

• Sexuelle Bildung, sexuelle Gesundheit, sexuelle Rechte

• LSBTI* Lebens- und Liebesformen (v.a. über SCHLAU Duisburg)

• Geschlechterrollen und ihre Problematiken

• Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der Sexualität

• u.a.m.

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

Wir bieten für Sie an:

• HIV-Präventionsveranstaltungen im

Rahmen von Sexualpädagogik und ganzheitlicher

Gesundheitsförderung

• Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen

und LehrerInnen

Beratung

Angebote

Präventionsveranstaltungen

Fort- und

Weiterbildung

Kooperation,

Koordination,

Vernetzung

• Beratung (telefonisch, persönlich,

schriftlich und via Internet) für Jugendliche,

Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen

etc.

• Kooperation, Koordination und Vernetzung

• Geschlechtsspezifische Angebote für

Mädchen und Jungen

Einzel-, Paar,

Gruppenberatung;

-telefonisch

-persönlich

-schriftlich

-via Internet

Gruppenarbeit, Moderation, Workshop,

Seminar, Expertengespräch,

Diskussion, Projekt, Fachtagung,

Event, Vortrag, Referat, Infostand

etc.

Arbeitskreise,

Gremien, Ausschüsse,

Lobbyarbeit,

etc.

(siehe auch: www.youthwork-nrw.de/unsereangebote )

65


Unsere Youthworkerin Anika Walther … und unser Youthworker Dietmar Heyde

HIV/AIDS- und STI-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem

Kontext wurden von der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. für Schülerinnen und Schüler

aller Regelschulformen sowie Kollegschulen durchgeführt.

In der Regel werden unsere Angebote in den Jahrgängen

ab der Klasse 9, in einzelnen begründeten Ausnahmen

auch in jüngeren Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert

konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht hier

von Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen von

Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund

bis hin zu Projekttagen und – wochen, die günstigenfalls

außerhalb des Schulrahmens durchgeführt werden.

Mit dem Berichtsjahr 2017 blicken wir im Bereich „Youthwork

/ Prävention in der Allgemeinbevölkerung“ auf ein

sehr aktives Jahr mit leicht steigenden Nachfragen zurück.

Ein immer noch recht junges Tätigkeitsfeld bedient Anfragen

von Bildungsträgern mit Integrationskursen für junge

(vor allem männliche) Geflüchtete. Eine Herausforderung

(nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell), die uns aber

große Freude macht und sehr gut angenommen wird.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der

wachsenden Bedarfe, der zunehmenden Notwendigkeit,

auch andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen

und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes in der

Region sind unsere Fachkraftressourcen trotz der stabilen

Einbeziehung von Frau Walther nach wie vor begrenzt. Zudem

stehen wir vor zunehmenden Finanzierungsschwierigkeiten,

weil die öffentliche Förderung schon die Personalkosten

des hauptamtlich Beschäftigten längst nicht mehr

abdecken und wir schon lange immer mehr Eigenmittel zur

Refinanzierung der Sachkosten und derer für die ehrenamtlich

Tätigen einsetzen müssen. Die Gewinnung von Projektfördermitteln

(wie etwa die der Aktion Mensch) sowie die

steigende Notwendigkeit, von den Nachfragenden (Schulen

et al.) Aufwandsentschädigungen abzuverlangen, sind

unerlässlich geworden. Diese Maßnahmen erfordern aber

auch Zeit und Kapazitäten und senken zudem die Niedrigschwelligkeit

des Zugangs und die Finanzierbarkeit des

Angebotes für die „Kunden“. Wenn die Zuwendungsgeber

(Land und Kommunen) weiterhin dieses wichtige Angebot

vorhalten wollen, wird hier eine Nachbesserung unumgänglich

werden!

Unser Dank galt an dieser Stelle insbesondere den aktiven

HIV-positiven Ehrenamtler*innen, die sich immer wieder bereit

erklären, in authentischer Weise zur Frage „HIV-positiv

sein – was heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung

von Selbsthilfeaktivist*innen war fester Bestandteil

vieler Präventionsveranstaltungen. Der besondere Wert

dieser Authentizität wurde uns auch immer wieder rückgemeldet.

Allerdings hatten wir zuletzt mit unserem Ehrenamtler,

Thomas Hilgers, nur noch einen „Aktivisten“ zu bieten.

Und dieser ist im Laufe des Berichtsjahres umgezogen und

steht somit nur noch sehr sporadisch zur Verfügung, dann

aber „immer wieder gerne“. Ein herzliches Dankeschön für

viele ehrenamtliche „Dienstjahre“!

Der von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzung in

Duisburg kommt ebenfalls besondere Bedeutung zu. Dabei

geht es uns vor allem darum, über Multiplikator*innen

eine kontinuierliche Präsenz der Präventionsthemen in den

Institutionen zu schaffen und von `nur´ punktuellen Veranstaltungen

wegzukommen. Durch die Vernetzung und die

damit verbesserte Kooperation und Koordinierung werden

Synergieeffekte erzielt. Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit

wird für die potentiellen Kunden mehr Transparenz

zu den Präventionsangeboten geschaffen und den Schülerinnen

und Schülern die Beratungseinrichtungen und ihre

Mitarbeiter* innen bekannt gemacht.

„Lernvoraussetzungsanalyse – und didaktische Konsequenzen“

Wir konstatieren bei der Zielgruppe der Jugendlichen weiterhin

insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen

66


und kommunikativen Kompetenzen im Feld von Liebe, Sexualität

und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz mag in der

intensiven Nutzung von virtuellen Medien und den damit

verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern zu finden

sein (die „Explosion“ im Bereich der sog. Sozialen Netzwerke,

…). Ein anderer Ansatz ist uralt, nämlich dass auch

heute der Eintritt in das Abenteuer „Liebe, Sex und Partnerschaft“

immer noch mit ganz viel Aufregung, Nervosität und

auch Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz oder gerade

wegen der vermeintlichen Banalisierung der Thematik

durch vielfältige einschlägige Medien, die den Jugendlichen

vermeintliche Realitäten und / oder Normalitäten vorspiegeln.

Hier ist einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations- und

Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der thematischen

Auseinandersetzung von entscheidender Bedeutung. Die

Erkenntnis ist nicht neu, dass HIV/AIDS-Prävention mit Jugendlichen

im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln

ist, dass personalkommunikative Methoden, d.h. „Veranstaltungen

von Mensch zu Mensch“, die an der Lebenswelt

der Schüler*innen orientiert und hinsichtlich der ersten Erfahrungen

zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder

eindimensionalen Vermittlungsformen vorzuziehen sind,

bzw. diese unbedingt ergänzen sollten (vgl. Landespräventionskonzept

o.).

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns zudem

eine – zumindest phasenweise und themenabhängige

– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll. Hier müssen

einfach die nicht selten durchaus großen Unterschiede im

Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen

einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung finden. In Anwesenheit

des anderen Geschlechtes fällt es manchmal schwerer,

in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer bin

ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in vollem

Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich

heterosexuellen Orientierungen Erfahrungen gelingender

Kommunikation zwischen den Geschlechtern unentbehrlich

und nicht zuletzt besonders wichtig für die Verabredung von

Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung individueller

Schutzbedürfnisse. Aufgrund unserer schmalen personellen

Besetzung (in der Regel sind wir „Einzelkämpfer“, weil

es für die gesamte Region nur eine Youthworker-Stelle gibt,

können wir diese Trennungsphasen allerdings in aller Regel

leider auch nicht bedienen und sind an dieser Stelle auf die

Mitwirkung der Lehrenden in den Projekten angewiesen.

Dies ist aber eine suboptimale Situation, da die Lehrenden

nicht selten in einen Rollenkonflikt geraten können, da sie in

ihrer „Hauptrolle“ am nächsten Tag wieder zensieren müssen

und so eine professionelle Distanz wahren müssen.

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht erfolgreicher

Face-to-face-Kommunikation durch die rasante

Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung oder für

Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird einerseits

sehr geschätzt, aber andererseits auch zunehmend missbraucht.

Der Ansatz, kommunikative Kompetenzen zu fördern,

wird aus unserer Sicht immer wichtiger (vgl. o.).

Mit diesem spezifischen Ansatz platzieren wir unsere Veranstaltungen

in der Regel frühestens ab der Jahrgangsstufe

9. In den letzten Jahren kommen wir allerdings immer

häufiger aus Veranstaltungen aus dieser Altersgruppe mit

dem Eindruck, es sei möglicherweise für einige SuS eigentlich

zu früh, sie schon in die Auseinandersetzung mit den

„Risiken und Nebenwirkungen“ der Sexualität zu „schubsen“.

Dies gilt insbesondere für einen größeren Teil der

Jungen. Grundsätzlich wäre angesichts der entwicklungspsychologischen

Unterschiede ein jahrgangsstufenübergreifendes

Agieren wünschenswert. Es lohnt sich, darüber

mit den schulpolitischen Entscheidungsträger*innen in den

Austausch zu treten. An einigen Modellschulen laufen dazu

auch schon vielversprechende Ansätze.

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –bestimmung

mit sozialer Verantwortung und solidarischem

Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe

von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

67


Prävention in Zahlen:

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen

in der Allgemeinbevölkerung konnten

wir im Berichtsjahr 2017 4.061 Personen mit personalkommunikativen

Formen erreichen, davon 139 sog. Multiplikator*innen

(Lehrkräfte und sonstige Pädagog*innen sowie

ehrenamtliche Mitarbeiter*innen). Allein im schulischen Bereich

(-> Youthwork-Angebote) erreichten wir in 12 Schulen

des Kreises Wesel und fünf Schulen der Stadt Duisburg

1343 Jugendliche aus allen Schulformen, 497 in außerschulischen

Zusammenhängen wie offener Jugendarbeit

u.a. und 1.960 Jugendliche im Rahmen von personalkommunikativen

Formen bei Großveranstaltungen (wie z.B. bei

Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag). 31,1 % der jungen

Menschen kamen aus dem Alterssegment zwischen 14 und

17 Jahren, 25,1 % der Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund

(s. auch Controlling-Daten für 2017 im Anhang).

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche

und Multiplikator*innen

Wieder leicht erhöht war in diesem Berichtszeitraum die

Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler*innen,

die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat suchten.

Stabil war die Zahl der studentischen Nachfragen für

Referate.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B. Berufskollegs,

insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre)

gab es im Berichtsjahr leicht rückläufige

Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel wichtige

Zielgruppen; Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25

Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen und

einen geringen Grad an Aufklärungsniveau (z.T. auch migrationsbedingt)

aufweisen. Stabil ist dafür die Nachfrage

von Bildungsträgern, die Integrationsmaßnahmen für junge

Geflüchtete anbieten (s.o). Insbesondere ein ausgeprägter

„Bildungshunger“ und ein insgesamt tolles Sozialverhalten

waren hier zu verzeichnen. Günstiger Weise konnten wir in

diesen Gruppen mit Deutsch und Englisch sehr gut in den

Dialog kommen.

Besonders erfreulich war für uns die Anfrage vom kaufmännischen

Berufskolleg in Duisburg-Neudorf für den Ausbildungsgang

von zahnmedizinischen Fachangestellten. Mit

der Aufklärung dieser zukünftigen Fachkräfte erhoffen wir

uns mittelfristig einen entspannteren Umgang mit den Themenfeldern

HIV und Hepatitiden in den Zahnarztpraxen –

das tut not (vgl. 1. und 4.).

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang

mit schulischen Projekttagen und im Umfeld des Welt-

AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit Einrichtungen

der offenen Jugendarbeit eher selten. Dass wir hier allerdings

auch keine Offensiven starten konnten, hat unsererseits

einfach mit Kapazitätsgrenzen zu tun.

5.6.4 Multiplikator*innen- und Erwachsenenbildung

Die Bereitschaft der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.,

viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen zu investieren ist nach wie vor sehr

hoch, allerdings ist die Zahl der Bewerber*innen gesunken.

Und das leider nicht nur bei uns, sondern auch bei unseren

Nachbar-AIDS-Hilfen. Daher konnten wir auch in diesem

Jahr keine vernetzte Grundlagenausbildung anbieten.

Ein modifiziertes Konzept, das mit einem geringeren Aufwand

für eigene Kapazitäten einhergeht und externe Angebote

des Dachverbandes der DAH einbezieht, ist immer

noch in Bearbeitung. Allerdings fehlt zur Weiterbearbeitung

jemand, der Kapazitäten für die überregionale Koordinationsarbeit

hat.

Es spricht weiterhin vieles dafür, ehrenamtliche Ressourcen

gerade auch im Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit

weiter zu mobilisieren und zu qualifizieren, z.B. für

den peer-to-peer-Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler*innen

sind eine wichtige Ressource und die wichtigsten Multiplikator*innen.

Sie zu akquirieren, zu qualifizieren und ihre

Einsätze zu koordinieren erfordert aber hauptamtliche Ressourcen,

die zu wenig vorhanden sind. Auch muss dies von

zuwendenden staatlichen Strukturen so erkannt, gewollt

und dann auch gefördert werden – und darf sich nicht auf

„Sonntagsreden“ über die Bedeutung des freiwilligen Engagements

beschränken.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen Multiplikator*innen

sind in diesem Präventionsfeld natürlich

die Lehrenden und / oder sozialarbeiterisch Tätigen in

schulischen und außerschulischen Einrichtungen. Die

Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick auf und im

Vorfeld von Projektformen stagnieren auf sehr niedrigem

68


Niveau. Dies hat unter anderem mit den vielfältigen Veränderungen

im Schulbereich mit erheblichen Zusatzbelastungen

für die Lehrkräfte zu tun. Fortbildungen, die mit

Unterrichtsausfall verbunden sind, sind nicht leicht zu installieren.

Dies hat auch damit zu tun, dass wir überwiegend

bei z.T. schon sehr lange etablierten Projekten agieren und

hier nicht mehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Darüber hinaus wirkt hier in sehr positivem Sinne die alljährliche

Fachtagung des AK Prävention Duisburg in genau

diese Richtung (s.u.). Natürlich wäre eine Ausweitung des

Angebotes wünschenswert, aber wir sind nach wie vor froh,

wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen die Nachfragen

weitestgehend bedienen können.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation des

aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die epidemiologische

Entwicklung und daraus resultierende Präventionskonsequenzen

und –strategien bis hin zu Aspekten

spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung

und Moderation.

Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen und

die damit verbundenen Ziele an Schulen und in außerschulischen

(Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig zu

platzieren. Geschulte Pädagog*innen, Erzieher*innen oder

Sozialarbeiter*innen und –pädagog*innen sollten diese

repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen

ausgestattet sein und als Ansprechpartner*innen für die Jugendlichen

bekannt sein / werden.

Neben inhaltlichen Anregungen und methodischen Zugangsformen

dient die Fachtagung immer auch dem Ziel,

die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen lernen zu

können.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen

in Krankenpflegeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern

und im medizinischen Versorgungssystem verortet. Insbesondere

bei den Krankenpflegeschulen unserer Region

verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen und hocherfreuliche

Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt, dass

wir von der medizinischen Seite bis zu den Tiefen im psychosozialen

Bereich die ganze Bandbreite des komplexen

Themenfeldes rund um das Phänomen „HIV / AIDS und andere

sexuell übertragbare Infektionen“ abdecken können.

Nicht zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld bewährt sich

das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von

Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband sowie der Ansatz

der Strukturellen Prävention immer wieder aufs Neue.

Vereinzelt tauchen auch –wieder- Anfragen aus dem Bereich

der Altenpflegeseminare auf, was uns sehr erfreut, weil es

doch zeigt, dass immer mehr Menschen mit HIV auch hier

in Erscheinung treten, da sie immer größere Chancen auf

ein Älterwerden haben.

Auch für das Berichtsjahr 2017 hat der AK Prävention Duisburg

eine Fachtagung für Multiplikator*innen geplant und

für den 26.09. mit dem Schwerpunktthema „Gender TÜV –

Geschlechterrollen auf dem Prüfstand“ ausgeschrieben.

Aufgrund verschiedener ungünstiger Umstände geschah

dies allerdings recht kurzfristig und kollidierte noch dazu

u.a. mit einer Tagung der Duisburger Schulsozialarbeiter*innen.

Dadurch kam es zu einer ungewöhnlich niedrigen

Anmeldequote, die uns dazu bewegt hat, die Fachtagung

abzusagen und im nächsten Jahr gewissermaßen neu aufzulegen.

Erfreulich ist, dass sich der Kreis der aktiv Mitwirkenden

im Arbeitskreis im Berichtsjahr erweitert hat (Jungs

e.V., Mabilda e.V., die Schulsoziarbeit an der GE Du-Süd

sind hinzugekommen).

Also: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

69


5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

• Beteiligung an der Grundlagenausbildung für Ehrenamtler*innen inhouse und in der Ruhrgebietsvernetzung

der AIDS-Hilfen

• Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei den NRW-Youthworker-Arbeitskreisen und dem

Youthwork-Qualitätszirkel sowie im Sprecherkreis der NRW Youthworker*innen

• Vertretung des Youthwork-NRW-Projektes in der AG Aidsprävention NRW

• Evaluation und Qualitätssicherung – Fortführung des Verfahrens beim Youthwork-Förderprogramm-Controlling

MGEPA, NRW – seit 2013 der landesweiten Datenerhebung über die AG Aidsprävention

• Beratung / Informationen für Zeitungs- TV- und Radio-Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger

• Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations- und Präventionsprojekten

• Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und Multiplikator*innen

• Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder Projektgestaltung zum Thema HIV /

AIDS und anderer STI`s

• Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche

• E-mail Beratung

• Unterstützung von Jugendvertretungs- und Schülerzeitungsredakteur*innen

• Geschäftsführung

• u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

70


Abb.:

Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

71


5.7. SCHLAU Duisburg

len, Bi-, Intersexuellen und Trans*. Die dahinterstehende

Idee ist, dass Vorurteile und Klischees durch die direkte

Begegnung wirkungsvoll hinterfragt und abgebaut werden

können. Wir möchten die Jugendlichen mit Lesben, Schwulen,

Bi-, Intersexuellen und Trans* ins Gespräch bringen:

„Damit nicht mehr über uns geredet wird, sondern mit

uns!“

Der Unterstrich (auch als GenderGap bezeichnet) schafft einen Raum

für alle sozialen und geschlechtlichen Identitäten, die sich nicht in die

Dichotomie von weiblich und männlich einordnen

wollen und /oder können.

Seit 2013 ist die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V. Träger

des ehrenamtlichen Projektes SCHLAU. SCHLAU steht

für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung durch welche

wir nachhaltige Antidiskriminierung in Duisburg (und im

Kreis Wesel) erreichen wollen.

Beschreibung

SCHLAU steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch lokale Aufklärungsgruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen.

Die SCHLAU Duisburg Gruppe besucht

ehrenamtlich Schulen, Jugendzentren und andere Bildungseinrichtungen

in Duisburg und Umgebung.

Im Zentrum von SCHLAU steht die Begegnung zwischen

Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Lesben, Schwu-

72

Denn noch immer zeigen Studien in trauriger Regelmäßigkeit,

dass Homo- und Transphobie feste Bestandteile in

Klassenräumen, Freizeiteinrichtungen und auf Schulhöfen

sind. Manchmal entsteht so ein Klima gegenseitiger Feindseligkeit,

unter dem nicht nur homo- und bisexuelle sowie

inter- und transgeschlechtliche Jugendliche leiden, sondern

das alle betrifft. SCHLAU-Workshops thematisieren diese

Diskriminierungsmechanismen, geben authentische Einblicke

in gleichgeschlechtliche Lebensweisen und vermitteln

Akzeptanz gegenüber der Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe.

SCHLAU Duisburg leistet damit einen grundlegenden Beitrag

zu nachhaltiger Antidiskriminierung, effektiver Gewaltprävention

und demokratischer Menschenrechtsbildung.

Denn unsere Vision ist eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung,

Homophobie und Transphobie.

Kooperation mit dem Träger

SCHLAU Duisburg agiert weitgehend eigenständig, bedarf

aber eines Trägers. Die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel


e.V. stellt sich dazu gerne zur Verfügung. SCHLAU erhält

administrative Unterstützung sowie Sach-Unterstützung

z.B. einen Arbeitsplatz, Zugriff auf Materialien und im Rahmen

der Möglichkeiten personelle Unterstützung durch die

AIDS-Hilfe Mitarbeiter*innen. Die Zusammenarbeit und das

Verhältnis der beiden Institutionen werden durch eine Kooperationsvereinbarung

geregelt.

Einsätze

Vernetzung

SCHLAU Duisburg ist Teil des landesweiten Netzwerkes

SCHLAU NRW, getragen vom Schwulen Netzwerk NRW

e.V. Die Landesstruktur steht im Kontakt zur Landespolitik

und den fördernden Ministerien. Schulungen und Dokumentation

zählen zu den dortigen Aufgaben, wie auch die

bundesweite Vernetzung.

Seit Mai 2017 ist Kai-Uwe Diel der neue Koordinator von

SCHLAU Duisburg. Mit dieser neuen Aufstellung konnte

SCHLAU Duisburg an sieben neue ehrenamtliche

Teamer_innen gewinnen. Diese wurden im Rahmen der

„Start-Up“ Schulung durch das Landesnetzwerk SCHLAU

NRW geschult. Nach erfolgreicher Teilnahme, war es den

neuen Teamer_innen möglich, insgesamt fünf erfolgreiche

Workshops durchzuführen und dabei 127 Schüler_innen

zu erreichen. Parallel zu den Einsätzen finden regelmäßige

Teamsitzungen und Fortbildungen statt.

Neben den Schulbesuchen hat SCHLAU Duisburg an dem

Christopher-Street-Day (CSD) in Duisburg und Köln Präsenz

gezeigt. Am Duisburger CSD hatte SCHLAU Duisburg

einen eigenen Stand gemeinsam mit Herzenslust Duisburg

in der Duisburger Innenstadt.

Für das Berichtsjahr 2018 hat SCHLAU Duisburg bereits 13

festgesagte Workshops und weitere Anfragen von Schulen

und Jugendeinrichtungen aus Duisburg und deren Umgebung.

73


6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

liger Runde fand in unserem Café der Abend statt. Wie in

den Vorjahren konnten wir uns bei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern für ihre Tätigkeit im abgelaufenen

Jahr und auch bei den Veranstaltungen zum WAT bedanken.

Unter den Anwesenden fand ein reger Austausch statt.

Im Berichtsjahr waren als Kern 25 Personen ehrenamtlich

für die AIDS-Hilfe tätig. Punktuell, wie zum Beispiel im Rahmen

der CSD-Saison oder beim WAT beteiligen sich weitere

interessierte Menschen an unserer Arbeit und unterstützen

uns tatkräftig.

Das ehrenamtliche Engagement ist für das Angebot der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. weiterhin überaus

wichtig. Ohne die freiwilligen Mitarbeiter*innen könnten wir

unser umfangreiches Angebot nicht aufrechterhalten. Daher

an dieser Stelle unser großer Dank für den unermüdlichen

Einsatz und die vielen unentgeltlich geleisteten Stunden

des freiwilligen Engagements.

Die AIDS-Hilfe bietet vielfältige Aufgabengebiete, in denen

sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen engagieren können.

Diese umfassen die Begleitung, die Prävention im Bereich

HIV & Drogen, die „Knastarbeit“, Präventions- und

Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust, Telefon- und E-Mail-Beratung,

Chat-Beratung, Vorstandsarbeit, Mittwochs-Café,

Freitagsfrühstück, Substitutionsfrühstück und Weihnachtsfeier.

Einige ehrenamtliche Mitarbeiter*innen arbeiten in

mehreren Bereichen, andere haben sich spezielle Aufgabengebiete

gesucht, so zum Beispiel das Freitagsfrühstück.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sind in den unterschiedlichsten

Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder HIV-positiv,

setzen sich aus Frauen und Männern aus allen sozialen

Lebensbereichen zusammen und stammen aus den

unterschiedlichsten politischen Richtungen. Dies bedeutet

für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen Erfahrungsschatz,

der in unsere Arbeit mit einfließt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser

Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der zentrale

Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen oder sich

untereinander oder mit den hauptamtlich Tätigen auszutauschen.

Mit unserem traditionellen Dezember-Aktiventreffen dankte

die AIDS-Hilfe den ehrenamtlich Mitarbeitenden. Zu einem

leckeren Buffet richtete das hauptamtliche Team den Gruppenraum

gemütlich her. In stilvoller Atmosphäre und gesel-

Gute Gespräche bei vorweihnachtlicher Atmosphäre –

unser Danke schön! – Sonder-Aktiven-Treffen

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen

Im Berichtsjahr fand erneut leider keine Schulung für ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen in Vernetzung mit den AIDS-Hilfen

Bochum, Essen und Oberhausen statt.

Vor dem Hintergrund des hohen Ressourceneinsatzes von

hauptamtlichen Trainer*innen sollte ein modifiziertes Konzept

mit einer Basisschulung über den Dachverband der

DAH und aufbauenden Modulen in den Aidshilfen entstehen.

Das Gerüst dazu konnte entwickelt werden, allerdings

stockt der Prozess, weil es immer schwieriger wird, Kapazitäten

für ein überregionales Engagement frei zu stellen.

74


So müssen wir zurzeit für die Einsteigerschulungen auf die

Verbandsangebote verweisen, können aber natürlich unsere

spezifischen AIDS-Hilfe Bedarfe in verschiedenen Formen

in der Regel auch intern abdecken. Die großen Synergien

sind aber zunächst mal weg.

6. 3 Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein Fortbildungsetat

für ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter*innen.

Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-Bereich, sondern auch

bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten und in der

Sozialgesetzgebung ergeben sich immer schneller Veränderungen.

Fortwährende Weiterbildungen garantieren

somit eine kompetente und aktuelle Beratung und daraus

resultierend entsprechende Qualitätssicherung.

Wir bedanken uns abschließend an dieser Stelle für das

enorme freiwillige Engagement und die vielen Stunden ehrenamtlicher

Arbeit bei unserem „EA-Team“!

75


Controlling-Daten für das Kalenderjahr 2017 -

Verteilung nach Arbeitsfeldern

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2017 durch Maßnahmen primärpräventiver Zielsetzung

(personalkommunikativ) :

Gesamt 13.170

Davon im Arbeitsbereich :

1.1. Youthwork u. Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Gesamt: 4296 ( 32,7 %)

Davon männlich 1910

Davon weiblich 2386

Mit erkennbarem Migrationshintergrund 1132

Ohne erkennbaren Migr.hintergrund 3164

Bis 21 Jahre 2412

Über 21 Jahre 1884

1.2. Beratung (persönlich, telefonisch, inkl. bundesweite Telefonberatung u.per e-mail)

Gesamt : 1250 ( 9,5 %)

Davon männlich 800

Davon weiblich 450

Mit Migrationshintergrund 235

Ohne Migrationshintergrund 1015

Bis 21 Jahre 185

Ab 22 Jahre 1065

76


1.3 Frauen (inkl. überregionale Aktionen i. R. der Landesarbeitsgemeinschaft; AG XXelle-Ruhrgebiet , …)

Gesamt : (100% weiblich) 425 ( 3,2 %)

Mit Migrationshintergrund 287

Ohne Migrationshintergrund 138

Bis 21 Jahre 33

Ab 22 Jahre 392

1.4 Migration (in 2017 subsumiert in Beratung 1.2, Frauen 1.3 u. YW 1.1)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.5 Herzenslust regional (inkl. Beratung & Test, CSD Duisburg-Veranstaltungen, queer-life, Parties, …)

Gesamt : 2068 (15,7 %)

Davon männlich: 1314

Davon weiblich 744

Mit Migrationshintergrund 214

Ohne Migrationshintergrund 1854

Bis 21 Jahre 552

Ab 22 Jahre 1516

1.6 Herzenslust (Knotenpunktarbeit im Ruhrgebiet, fast vollständig über ZSP-Landesmittel gefördert)

(CSDs Köln, Düsseldorf und Essen)

Gesamt : 520 (3,9 %)

Davon männlich 410

Davon weiblich 110

Mit Migrationshintergrund 44

Ohne Migrationshintergrund 476

Bis 21 Jahre 110

Ab 22 Jahre 410

77


1.7. SCHLAU Duisburg (seit 06/2013 in Trägerschaft der AIDS-Hilfe)

Gesamt: 127 (1,0 %)

Davon männlich: 73

Davon weiblich: 54

Mit Migrationshintergrund: 73

Ohne Migrationshintergrund: 54

Bis 21 Jahre: 127

Ab 22 Jahre: 0

1.8. Justizvollzug („Knastarbeit“) (JVA Du-Hamborn mit Zweigstelle Dinslaken)

Gesamt : (alle über 21 Jahre!) 290 (2,2 %)

Davon männlich 105

Davon weiblich 185

Mit Migrationshintergrund 96

Ohne Migrationshintergrund 194

1.9. Drogen (allgemeine und zielgruppenspezifische Präventionsarbeit d. AH)

Gesamt : 1044 (7,9 %)

Davon männlich 783

Davon weiblich 261

Mit Migrationshintergrund 120

Ohne Migrationshintergrund 924

Bis 21 Jahre 82

Ab 22 Jahre 962

78


1.10. Spritzentausch (über persönlichen Kontakt, ohne Automaten in Du. u. Wesel)

Gesamt : 2400 (18,2 %)

Davon männlich 1980

Davon weiblich 420

Mit Migrationshintergrund 330

Ohne Migrationshintergrund 2070

Bis 21 Jahre 150

Ab 22 Jahre 2250

1.11. Substitution (an Wochenenden und Feiertagen in Duisburg, flankierende personalkommunikative

Maßnahmen)

Gesamt : 750 (5,7 %)

Davon männlich 540

Davon weiblich 210

Mit Migrationshintergrund 190

Ohne Migrationshintergrund 560

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre 750

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2017 durch Maßnahmen sekundär- und tertiärer Zielsetzung

(personalkommunikativ)

Gesamt : 1.114

1.1 (Psychosoziale-) Begleitung

Gesamt : 850 (76,3 %)

Davon männlich 489

Davon weiblich 361

Mit Migrationshintergrund 237

Ohne Migrationshintergrund 613

Bis 21 Jahre 28

Ab 22 Jahre 822

79


1.2 Beratung (für 2017 in 2.1. PSB integriert)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Mit Migrationshintergrund

Ohne Migrationshintergrund

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.3 Justizvollzug

Gesamt : 2 (0,2 %)

Davon männlich 0

Davon weiblich 2

Mit Migrationshintergrund 0

Ohne Migrationshintergrund 2

Ab 22 Jahre (alle!) 2

1.4 Frauen

Gesamt : 194 (17,4 %)

Mit Migrationshintergrund 104

Ohne Migrationshintergrund 90

Bis 21 Jahre 4

Ab 22 Jahre 190

80


1.5 Migration (s. 2.1. Begleitung und 2.4. Frauen)

2.6 Drogen

Gesamt: 52 (4,7 %)

Davon männlich 46

Davon weiblich 6

Mit Migrationshintergrund 8

Ohne Migrationshintergrund 44

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre (alle!) 52

1.6 Youthwork (hier nur Personen! mit i.d.R. mehreren Kontakten!)

Gesamt : 16 (1,4 %)

Davon männlich 12

Davon weiblich 4

Mit Migrationshintergrund 4

Ohne Migrationshintergrund 12

Bis 21 Jahre 2

Ab 22 Jahre 14

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SAMSTAG, 2.12. - AB 18:00 UHR

TREATMENT FOR ALL, PART XII

Solidaritäts-Benefizkonzert zum Welt-AIDS-Tag

18.00 Uhr Informations- und Diskussionsrunde

19.00 Uhr Benefizkonzert zum Welt-AIDS-Tag

mit den Bands: Nachgemacht, fresh

game & Absolut.

Ort: Haus der Jugend

Friedrich-Altfred-Str. 14

47226 Duisburg

Eintritt: 5€ ermäßigt: 3€

SAMSTAG, 9.12. - AB 18:30 UHR

HOMOLOBBY ... WIR SCHAFFEN DAS!

Herzenslust bei der Weihnachtsrevue 2017 des

„Kristalls“

mit Michelle Charell und Honey Hoghhead

Ort: Kristall

Hafenstrasse 54, 47119 Duisburg

Eintritt: 14€

FREITAG, 1.12. WELT-AIDS-TAG

10:00 - 16:00Uhr

BERATUNG UND TEST

HIV- ANTIKÖRPERTEST

Anonym und kostenlos

Gesundheitsamt Beratungsstelle,

Universitätsstr. 32, 47051 Duisburg

TEL.: 0203 / 283 75 74

WELT-AIDS-TAG 2017

Veranstaltungsprogramm

der

und Kooperationspartnern

MITTWOCH, 20.12. - AB 18:30 UHR

PINK WEDNESDAY

HOMOLOBBY ... WIR SCHAFFEN DAS!

Herzenslust on Tour

Pink Wednesday auf dem Weihnachtsmarkt

Ort: Weihnachtsmarkt Duisburg

Bismarckstr. 67

47057 Duisburg

Soli-Bär 2017

gegen eine Spende

von 6€ erhältlich

PRÄVENTION, BERATUNG, BEGLEITUNG

Tel: 0203 / 66 66 33

Fax: 0203 / 6 99 84

Mail: info@aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

Netz: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

SPENDENKONTO:

SPARKASSE Duisburg

IBAN: DE71 3505 0000 0227 0055 50

BIS: DUIS DE 33 XXX

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