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dasbibermitscharf

Österreichische Post AG; PZ 18Z041372 P; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

NEWCOMER

SCHOOL

EDITION

JUNI 2018

KOPFTUCH-

VERBOT

FLÜCHTLINGS-

KLASSEN

BYE, BABA

HÄUPL

DAS IST KUNST,

JUNGE

WIENER

ÜBER DEUTSCHRAP

DU OPFA!


WIR SCHENKEN IHNEN

GANZ ÖSTERREICH

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3

minuten

mit

Michael

Häupl

Er war 24 Jahre

Bürgermeister von Wien.

Zum Abschied ging biber mit

Michael Häupl noch auf ein

Burek ins Pitawerk.

Interview: Simon Kravagna

Foto: Marko Mestrović

Herr Häupl, vermissen Sie das Rathaus?

MICHAEL HÄUPL: Ich vermisse Menschen

dort, die ich mag.

Bereuen Sie Ihren „Lehrer-Sager“: Wenn ich

22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich

Dienstagmittag fertig“?

Definitiv nicht. Das war nicht gegen Lehrer

gerichtet, sondern gegen einen Lehrer-

Gewerkschafter, der sich jeder Reform

verweigerte.

Gibt es einen Spruch, den Sie bereuen?

Der Begriff „mieselsüchtige Koffer“ war

keine Sternstunde meiner Rhetorik.

Was geht Ihnen nach Ihrem Rücktritt nicht

ab?

Die 24-stündige Verfügbarkeit, die ich seit

30 Jahren lebe, wird mir sicher nicht abgehen.

Die Spitzenpolitik ist auch nicht gerade

familienfreundlich. Es ist ja kein Zufall, dass

ich zum dritten Mal verheiratet bin.

Am Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015

haben Sie bereitwillig Flüchtlinge aufgenommen.

Sie haben damals Luther zitiert: „Hier

stehe ich – ich kann nicht anders“. Würden

Sie das wieder tun?

Ja, natürlich. Ich erinnere mich, wie wir

traumatisierte Mädchen aus Traiskirchen

rausgeholt haben. Hätten wir sie dort lassen

sollen?

Sie sind ja auch Großvater. Wie legen Sie

diese Rolle an?

Ich war ein für damalige Zeiten recht

moderner Vater. Als Großvater bin ich eher

altmodisch. Also Babys wickeln würde ich

nicht mehr wollen.

Wie gefällt es Ihnen hier im Pitawerk?

Die Hüttn gfallt ma echt guat. Ich komme

wieder.

„Bye, bye, Baba Häupl“ auf Seite 78.

/ 3 MINUTEN / 3


3 MINUTEN MIT MICHAEL HÄUPL

Wir waren mit Michael Häupl zum Abschied noch

auf ein Burek im Pitawerk.

8 WAS UNS BEWEGT

Über Fortnine, Cardi B und Bibi B. und darüber,

dass Whatsapp eigentlich erst ab 16 Jahren

erlaubt ist!

12 IVANAS WELT

Wenn Promaja dich meier macht: Nichts fürchtet

der Jugo mehr als ein offenes Fenster.

POLITIKA

16 KOPFTUCH-KIDS

Die Debatte um das Kopftuchverbot ist in aller

Munde. Aber was sagen eigentlich betroffene

Mädchen, die im jungen Alter schon Kopftuch

tragen, dazu?

23 SCHÜLERBLOGS

Der 15-jährige Majd will seine Familie aus Syrien

nach Wien holen, und die gleichaltrige Elmanur

hat es satt, wegen ihres Kopftuchs angefeindet

zu werden

24 MICHAEL LUDWIG

IN ZAHLEN

26 INSIDE

FLÜCHTLINGSKLASSE

Wir haben eine Flüchtlingsklasse in Deutschland

besucht und mit betroffenen LehrerInnen sowie

SchülerInnen gesprochen

34 SCHÜLERBLOGS

Natalie versteht nicht, warum Mädchen ständig

als „Hure“ und „Bitch“ bezeichnet werden und

Talha erzählt über die Abschiebung seines

tschetschenischen Freundes

36 BRUSTKREBS

Eine Betroffene erzählt ihre Geschichte

INTERVIEW IN ZAHLEN

15 Mal in der Woche wird Michael Ludwig um eine

Wohnung gefragt, das sind 780 Anfragen pro Jahr.

26

IN

RAMBAZAMBA

48 GENERATION DEUTSCHRAP

Keine Musikrichtung hat heutzutage einen so

großen Einfluss auf Jugendliche wie Deutschrap:

Was sagen die Teenies zum Echo-Skandal und zu

frauenfeindlichen Zeilen?

LIFE & STYLE

56 ES GEHT AUF DIE 30 ZU

Aleks hat realisiert, dass sie nicht mehr die

Jüngste ist und sich zur Feier des Tages die

Augenbrauen blondiert – ganz wie X-Tina

anno 2002

KOPFTUCH IM KINDERGARTEN?

Was sagen betroffene Mädchen und ihre Familien

zum Kopftuchverbot an Kindergarten und

Volksschule? Ein exklusiver Einblick in den Alltag

junger kopftuchtragender Mädchen in Wien.

16

4 / MIT SCHARF /


HALT JUNI

2018

48

24

IST DEUTSCHRAP NOCH SO BABO, LAN ?

Welchen Einfluss hat Deutschrap auf die heutigen

Jugendlichen? Und wie war das mit dem Echo

nochmal? Wir haben sie gefragt.

WO

FLÜCHTLINGE

DIE

SCHULBANK

DRÜCKEN

Was wurde aus

Kindern, die

vor drei Jahren

nach Europa

geflüchtet sind?

Reportage aus

einer Hauptschule

in NRW.

Alexandra Stanić, Marko Mestrović, Zoe Opratko, Mafalda Rakoš. Cover: Alexandra Stanić

57 SCHÜLERBLOGS

Über Mobbing und darüber, warum Favoriten der

gefährlichste Boss-Bezirk Wiens ist, oida!

58 DONAUINSULANER

VOR DER LINSE

Wir haben mittels Live-Casting die coolsten Styler

der Donauinsel ausfindig gemacht und fotografiert

64 KEINE TRAUMFIGUR

IN VIER WOCHEN

Artur erklärt euch, dass es keine ultimative

Lösung für einen Beach-Body gibt. Realistisch

bleiben ist der Key.

TECHNIK

68 HONEYMOON BEI START-UPS

IST VORBEI

Jetzt müssen Uber, Airbnb und Co Verantwortung

tragen. Mark Zuckerberg macht es schon mal vor.

69 SCHÜLERBLOGS

Wenn aus dem harmlosen Hobby-Zocken eine

regelrechte Spielsucht wird und es heißt: Game

Over.

KARRIERE

70 WAS IST DER BIBER

NEWCOMER?

Alles, was ihr immer schon über das

Biber-Schulprojekt wissen wolltet

72 DAS IST DIE

NEWCOMER-REDAKTION

Diese Kinder haben fleißig am Projekt

teilgenommen

73 NETWORKING IST ALLES

Andrea erklärt euch, dass euer Netzwerk

wichtiger ist als euer berufliches Können. Ob ihr

wollt oder nicht: Das ist die Wahrheit

KULTUR

76 KULTUR MIT SCHARF:

Oma Jelena über die „junge Generation“; Shirin

Neshat und Soho in Ottakring

78 BEST OF HÄUPL

82 TODOR

Alle Ausländer in einen Topf werfen

/ MIT SCHARF / 5


Liebe Leser und Leserinnen,

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Musuemsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

Deutschrap. Das ist die Antwort auf

die Frage, die sich JournalistInnen

seit Jahren stellen. „Wie erreichen wir

die Jugendlichen?“, fragt auch unser

Chefredakteur zweimal im Jahr, wenn

wir unser Schul-Special, den biber

Newcomer, rausbringen.

Seit über drei Jahren tourt die biber

Redaktion durch Wiener Schulen

Unsere Covermodels sind in Wirklichkeit

mit hohem Migrationsanteil und gibt

nette Jungs und keine bösen Rapper.

den Jugendlichen eine Woche lang

einen Einblick in die mediale Welt.

Wir besprechen mit ihnen Rollenbilder, Vorurteile, aktuelle politische

Geschehnisse und alles, was sie sonst bewegt. Aber lesen, lesen wollen

sie nur „irgendwas über Deutschrap, Bruder“. Deswegen befassen wir uns

in unserer Cover-Story mit den Auswirkungen von deutschsprachigem

Rap auf Jugendliche. Wird unsere Jugend durch frauenverachtende und

antisemitische Textzeilen radikalisiert? S. 48

Ach und Ehre wem Ehre gebührt: Wir haben uns bei dem Cover-Wording von

einem Artikel der Süddeutschen inspirieren lassen. Danke, liebe KollegInnen!

Bosshafter Titel!

Aber um fair zu bleiben: Nicht nur bei Jugendlichen gibt es das eine Thema,

auf das alle anspringen, auch bei Erwachsenen ist das der Fall: Aktuell –

mal wieder – spricht Österreich seit Wochen über das Kopftuchverbot in

Kindergarten und Volksschule. Noch vor den Sommerferien will die Regierung

den Gesetzesentwurf dazu präsentieren. Biber hat ganz exklusiv mit denen

gesprochen, die das Verbot betreffen würde: Kopftuchtragende Mädchen und

ihre Familien. S. 16

Einer, der die Debatte unaufgeregt betrachtet, ist Michael Häupl. In einem

Interview nannte er muslimische Mädchen mit Kopftüchern eine Bereicherung

für das Stadtbild. Jetzt können wir es ja sagen: Michael Häupl war auch für uns

eine Bereicherung für diese Stadt. Wir verabschieden uns nach 24 Jahren von

Bürgermeister Häupl mit einem Best-of seiner Momente im biber. S. 78

STV. CHEFREDAKTEUR/IN:

Amar Rajković

Delna Antia (karenziert)

CHEFIN VOM DIENST:

Melisa Erkurt

Alexandra Stanić

CHEFREPORTERINNEN:

Melisa Erkurt

Alexandra Stanić

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

KOLUMNIST/IN:

Ivana Cucujkić, Todor Ovtcharov

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Bilal Albeirouti, Adam Bezeczky,

Alex Dietrich, Emir Dizdarević,

Susanne Einzenberger, Nada

El-Azar, Martina Gregorova,

Andrea Grman, Mamo Issa, Nour

Khelifi, Sophie Kirchner, Christoph

Liebentritt, Zoe Opratko, Jelena

Pantić-Panić, Julia Peternell, Adis

Serifović, Salme Taha Ali Mohamed,

Aleksandra Tulej, Artur Zolkiewicz

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LEKTORAT:

Christina Gaal, Birgit Hohlbrugger

CORPORATE SOCIAL INNOVATION:

Andrea Grman

BRANDED CONTENT:

Katja Trost

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Simon Kravagna

Wilfried Wiesinger

REDAKTIONSHUND:

Tito

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH

Quartier 21, Museumsplatz 1,

E-1.4, 1070 Wien

Tel: +43/1/ 9577528

redaktion@dasbiber.at

marketing@dasbiber.at

abo@dasbiber.at

WEBSITE: www.dasbiber.at

Um es mit dem Ego eines weißen Mannes mittleren Alters zu sagen: Die

Ausgabe ist ganz großes Kino! Oder wie Bonez MC sagen würde: stabil. Lest

sie und feiert uns, tamam?!

ÖAK GEPRÜFT 1. HJ 2017:

Druckauflage 85.000 Stück

verbreitete Auflage 80.601 Stück

DRUCK: Druckerei Berger

Grüße gehen raus an unsere treuen Leser und Leserinnen,

eure biber Redaktion

Alexandra Stanić

6 / MIT SCHARF /


Schneller durch

deine Welt.


AS UNS

Von Aleksandra Tulej

BEYCHELLA BRICHT DAS

INTERNET

Beyonce aka Queen B hat am Coachella

Festival 2018 einen legendären Auftritt

hingelegt, der wohl für immer und ewig

in die Geschichte des legendären Musik-

Festivals eingehen will. Das Highlight

der Show war eindeutig, als Beyoncé

zusammen mit Michelle Williams und

Kelly Rowland auftrat - zunächst nur

als Silhouette zu sehen, dann für drei

Songs auch zu hören: „Lose My Breath“,

„Say My Name“ und „Soldier“. Sie waren

endlich wiedervereint: Destiny‘s Child,

die Band, mit der Beyoncé ursprünglich

bekannt geworden war. Es war der

erste gemeinsame Auftritt des Trios

seit Beyoncés Superbowl-Halbzeitshow

2013.

Die Fans, die es nicht nach Kalifornien

zum Auftritt geschafft haben, konnten

sich die Show der Sängerin live auf

YouTube ansehen. Und das hat der

Videoplattform einen neuen Rekord

eingebracht. Wie das US-Portal

„TMZ“ berichtet, sahen sich 458.000

Zuschauer Beyoncés Hammer-Auftritt

im Live-Stream an. Damit ist die

Prozentzahl der Coachella-Live-Stream-

Aufrufe im Gegensatz zum vorherigen

Jahr, als Lady Gaga für die damals

schwangere Beyoncé einsprang, um satte

75 Prozent gestiegen. Seit insgesamt

acht Jahren wird das Coachella Festival

live auf YouTube gestreamt - allein das

Eröffnungswochenende 2018 generierte

nun 43,1 Millionen Aufrufe in 232

Ländern - unter anderem dank Queen B.

Cardi B,

Baby!

„Yo they call me Cardi B, I

run this shit like cardio!“ –

Cardi B liefert einen Ohrwurm

nach dem anderen.

Wir feiern sie und ihre Musik

gerade ziemlich, deshalb

freuen wir uns, dass es bald

Cardi B Nachwuchs gibt. Die

amerikanische Rapperin, die

mit bürgerlichem Namen

Belcalis Almanzar heißt,

bekommt nämlich ein Baby.

Schon seit einiger Zeit gab es

Schwangerschaftsgerüchte,

die bislang allerdings immer

dementiert worden sind. Nun

hat sie die News bestätigt.

Vater des Kindes ist der Rapper

Offset, mit dem Cardi B

seit Oktober 2017 verlobt ist.

Epic Games, Pixabay, ZDF, PATRICIA DE MELO MOREIRA / AFP / picturedesk.com, KYLE GRILLOT / AFP / picturedesk.com

8 / MIT SCHARF /


BEWEGT

ZU JUNG FÜR FORTNITE?

Kein Game wird momentan so viel

gezockt wie Fortnite. Für diejenigen

unter euch, die die letzten Wochen

irgendwo unter einem Stein verbracht

haben: Fortnite ist ein kostenloses

Spiel aus dem Battle-Royale-Genre.

Das heißt: Es treten viele Spieler

online gegeneinander an und wer

als Letzter überlebt, hat gewonnen.

Fortnite ist zwar noch gar kein

offizieller E-Sport, doch die ersten

Profiteams bilden sich schon. Noch

gibt es zwar keine professionellen

Fortnite-Wettbewerbe - sollte sich

der Hersteller Epic Games dies aber

irgendwann anders überlegen, ist

es relativ wahrscheinlich, dass es

ein Mindestalter für die Teilnehmer

geben wird. In der vor Kurzem

gestarteten Overwatch League dürfen

beispielsweise nur Spieler teilnehmen,

die mindestens 18 Jahre alt sind.

Bezahlte Anzeige

SCHULE?

LEHRE?

STUDIUM?

Ich geh mal ins BIZ

Im BerufsInfoZentrum bist du richtig,

wenn es um deine Berufswahl geht.

Ob du mit der Schulklasse, mit Freundinnen und Freunden oder

allein kommst – die Berater/innen der BerufsInfoZentren (BIZ)

des AMS Wien informieren und beraten dich gerne rund um deine

Ausbildungs- und Berufswahl. Weitere Infos unter www.ams.at/biz

UNIQUE/Grayling

www.ams.at/biz


AS UNS BEWEGT

Noch mehr Babys

WISST IHR, WER JENNA MARBLES IST?

Erinnert ihr euch an eine Zeit, in der Room

Tours, Food Diaries, Make-up-Tutorials,

Follow Me Arounds und Boyfriendtags

noch Fremdwörter waren? Eine Zeit, in

der das Bild noch dunkel und die Kameraqualität

noch nicht Super-Mega-Ultra-

3D-HD war? Es war eine Zeit, in der „Bibis

Beauty Palace“ mehr nach einem nicht

empfehlenswerten Nagelsalon als nach

der erfolgreichsten deutschen YouTuberin

klang. Damals, also circa 2012, war Jenna

YouTube-Star Bianca Heinicke (24),

besser bekannt unter ihrem YouTube-

Channel „BibisBeautyPalace“, und

ihr Freund, ebenfalls erfolgreicher

YouTuber Julian Claßen alias Julienco,

erwarten Nachwuchs. In einem

berührenden Video teilten die beiden

die frohe Botschaft mit ihren Zuschauern

– das Video hat schon jetzt fast

fünf Millionen Klicks. Bibi und Julian

kennen sich schon seit ihrer Schulzeit

und sind seit neun Jahren ein Paar.

Als Bibi 2012 ihre YouTube-Karriere

startete, war Julian an ihrer Seite. 2014

gründete der heute 26-Jährige einen

eigenen Kanal, auf dem er genau wie

Bibi Pranks, Vlogs und Parodien hochlädt.

In ein paar Monaten gibt es dann

hoffentlich auch noch Baby-Updates

und Vlogs aus dem Kreißsaal. Man darf

gespannt bleiben.

Marbles der unumstrittene Stern am

YouTube-Himmel. Ganz ohne self-Promo

auf Snapchat und ohne Instagram schaffte

sie es, sich eine Community aufzubauen,

von der YouTuber heutzutage nur träumen

können. YouTube-Veteran Jenna ist heute

mit über 18 Millionen Abonnenten eine

der Top-YouTuberinnen der Welt. Dabei

sind ihre Videos von damals nicht die

perfekt beleuchteten, perfekt geschnittenen

Kurzfilme, die wir heute gewohnt sind.

Jenna hat ihre Videos großteils einfach

bei ihrem Schreibtisch oder auf ihrem Bett

aufgenommen und einfach in die Kamera

geredet. Keine extra Beleuchtung, keine

Effekte oder musikalische Untermalung.

Statt veganen Food-Diaries lieferte Jenna

uns „Drunk Make-up Tutorials“. Jenna ist

verdammt lustig und vor allem: verdammt

real. Jenna flucht, schimpft und verarscht

alle um sich herum. Sich selbst nicht ausgeschlossen.

Auf YouTube findet ihr sie

ganz einfach unter: JennaMarbles.

WHATSAPP

KÜNFTIG ERST

AB 16 JAHREN

Bilder und Voice-Messages

schicken, überallhin telefonieren

und das alles auch

noch gratis: Wir könnten uns

wohl alle ein Leben ohne

WhatsApp nicht mehr vorstellen.

Aber Achtung: Bald

könnte der beliebte Nachrichten-Dienst

denJüngeren

unter euch zum Verhängnis

werden. In den nächsten

Wochen wird WhatsApp seine

Nutzer bitten, den neuen

Nutzungsbedingungen zuzustimmen.

Im Zuge dessen

soll auch das Alter bestätigt

werden. „Schuld“ ist eine

neue Regelung innerhalb der

EU. Wer noch nicht 16 Jahre

alt ist, hat laut WhatsApp

die Möglichkeit, die App zu

nutzen, wenn ein Elternteil

oder ein Erziehungsberechtigter

die neuen Nutzungsbedingungen

annimmt. Sonst

müssten Kinder und Jugendliche

unter 16 die App theoretisch

löschen, um sie nicht

unerlaubt zu nutzen. Was

passiert, wenn ihr es weiterhin

nutzt: Wahrscheinlich

nicht viel. Wir wollten euch

nur vorwarnen.

Epic Games, Pixabay, ZDF, PATRICIA DE MELO MOREIRA / AFP / picturedesk.com, KYLE GRILLOT / AFP / picturedesk.com

10 / MIT SCHARF /


Hier wird Energie zum Familienevent.

Begreifen, verstehen und überraschen lassen: an 19 interaktiven und

spannenden Stationen können Groß und Klein Energie ganz neu kennenlernen.

Erreichbar mit U4/U6, Station Spittelau – wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten und weitere Infos auf wienenergie.at/erlebniswelt

www.wienenergie.at

Wien Energie, ein Partner der EnergieAllianz Austria.


In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

IVANAS WELT

Foto: Igor Minić

BLOWN AWAY:

WENN PROMAJA DICH MEIER MACHT

Nichts fürchtet der Jugo so sehr wie das offene Fenster.

Denn durch dieses schleicht sich die tückische, todbringende Zugluft.

Wien im Sommer ist super. Ich genieße die ersten

heißen Tage in meiner Stadt sehr, bloß U-Bahn-

Fahren wird zur alljährlichen windigen Tortur. Kaum

knackt das Thermometer die 20°-Marke, wird in den

Öffis blankgezogen. Die Wiener sind nämlich leidenschaftliche

U-Bahn-Fensterkipper und frönen der

luftigen Abkühlung nur zu gerne. Für mich gut gelernten

Jugo der blanke Horror, lässt man sie doch

mit jedem geöffneten Fenster walten und ihr Unheil

verbreiten: die Zugluft. Und Zugluft, die gemeine

„promaja“, ist ganz schlimm, das weiß doch jedes

Balkankind.

CHOLERA? NEIN, PROMAJA!

Sie ist Verursacherin von Kopfweh, Zahnschmerzen,

Grippe. Selbst Rheuma kann auf promajatische

Ursachen zurückgeführt werden. So berichten zumindest

Promaja-Überlebende älterer Generationen.

Ja, sie bringt sogar den Tod!

Ich lehne mich geographisch also nicht zu weit

aus dem (auf einer Seite des Raumes geöffneten!)

Fenster, wenn ich die Angst vor Zugluft als Balkan-

Phänomen bezeichne. Meinte man, dass den krisenerprobten

Balkanesen nichts so schnell nervös

machen kann, schaltet er bei innerräumlichen Luftbewegungen

in den Survival-Modus.

Meine Mutter beispielsweise gehörte nie zu den

Betüdel-Muttis, die mit Bepanthen-Creme bewaffnet

bei jedem Husten die 144 wählten. Vor zwei

Dingen hat sie mich jedoch stets panisch gewarnt:

Ich solle nicht auf kaltem Beton sitzen, da verkühle

ich mir noch die Eierstöcke. Zweitens, und noch viel

wichtiger: „Hüte dich vor der Zugluft.“ („Pazi se promaje!“)

Balkan-Mamas wären ja wahre Rabenmütter,

stopften sie ihrem (ja, auch längst erwachsenen)

Nachwuchs nicht bei jeder Gelegenheit etwas

Essbares in den Mund, und! scheuchten sie diesen

nicht stets fürsorglich aus dem todbringenden

Durchzug. Alles andere kann man mit Rakija und

Essigsocken heilen.

KEEP CALM AND FENSTER ZU!

Promajas natürliche Feinde sind Familienfeiern. Verspürt

jemand kühle Luftzirkulationen im Nackenbereich,

haben mindestens drei weibliche Hände ein

Tuch oder ein anderes, vor Promaja schützendes

Textil griffbereit für die empfindliche südosteuropäische

Schulterpartie. Gesundheitsvorsorge à la

Balkan.

Wird in der westeuropäischen Populärmedizin jedem

körperlichen Gebrechen „Stress“ als Ursache

attestiert, weiß der Jugo ganz genau, was dir wiederfahren

ist: „Pa, du warst sicher in Promaja!“

Befolgt man also folgende Promaja-Rules, darf man

sich auf ein langes Leben freuen: Öffne niemals

zwei gegenüberliegende Fenster gleichzeitig, oder

ein Fenster und eine Türe. Schließe stets alle Fenster,

bevor du die Eingangstüre zur Wohnung öffnest.

Am allerbesten aber, du lässt überhaupt sämtliche

Raumöffnungen einfach geschlossen. Auch im

Sommer. Und erst recht im Zug. Denn Zug im Zug

geht gar nicht.

In diesem Sinne: Keep calm and moch’s Fenster zu

da vorn! ●

cucujkic@dasbiber.at

12 / MIT SCHARF /


MEINUNG

MÄDCHEN IST NICHT

GLEICH SCHLAMPE!

„Du Schlampe“, „Hure“, „Du Bitch“ – viele Mädchen

wurden schon so bezeichnet. Aber warum eigentlich?

Ist das nicht schon eine Art von Mobbing? Oder ist das

für die meisten Jugendlichen schon normal?

Vielleicht werden/wurden sie als „Hure“ bezeichnet,

weil die Person, die das gesagt hat, die Bedeutung

dieser Wörter nicht kennt. Aber das ist eher unwahrscheinlich,

denn ich denke, dass schon so gut wie

jeder Jugendliche diese Schimpfwörter kennt. Warum

wollen sie aber Mädchen so runterziehen? Bis heute

frage ich mich das und noch nie konnte es mir jemand

wirklich beantworten. Außer mit diesem einem Satz:

„Weil sie eine ist.“ Dann denkt man sich nur, ob das

jetzt wirklich stimmt.

STOPPT ES

Ich habe mit vielen Mädchen gesprochen, die meinten,

dass sie sich deshalb geritzt haben, weil es schon so

verletzend für sie war und sie keinen Ausweg gefunden

haben. Da diese Lügen über ihr Sexualleben

weiterverbreitet wurden.

Mädels, da ich selbst mit dem Ganzen schon mal in

Kontakt gekommen bin, rate ich euch, dass ihr euch

Hilfe sucht. Redet mit euren Eltern, mit Freundinnen

oder mit eurem Klassenvorstand darüber. Ich weiß,

dass es leichter gesagt als getan ist, aber bitte lasst

euch nicht runterziehen! Nur ihr selbst wisst, ob es

wahr oder falsch ist. Jede einzelne von euch sollte

stark bleiben und das nicht unterstützen, was die meisten

Jungs/Mädchen sagen. Und selbst wenn es wahr

ist, was die Jungs über euch sagen, das geht sie überhaupt

nichts an. Wenn Jungs viele Freundinnen haben,

urteilt auch keiner, nur auf Mädchen wird losgegangen.

Natalie ist 15 und besucht das BORG Henriettenplatz im 15. Bezirk

MEIN FREUND

IM ASYLHEIM

Ich habe einen Freund namens Alikhan. Er ist 12 Jahre

alt. Seine Familie und er sind eigentlich aus Tschetschenien.

Vor ungefähr zwei Monaten haben sie noch in

einem Asylheim in Wien Schwechat gelebt.

Eines Tages kam Alikhan sehr traurig zu mir. Wir haben

ihn gefragt, was los ist und er sagte nur: „Ich werd‘

weggeschickt.“ Wir fragten ihn: „Wohin?“ Er sagte: „Ins

Asylantenheim nach Schwechat.“ Bis dahin hatte Alikhan

mit seiner Familie in Wien im 21. Bezirk gewohnt. Er

wusste nicht, wieso er und seine Familie in ein Asylheim

geschickt werden.

WIR VERMISSEN DICH

Ich habe Alikhan dann vor ein paar Tagen angerufen und

ihn gefragt, wie es ihm geht. Er sagte es geht, aber dass

es voll langweilig ist. Danach fragte ich ihn, wie es ist in

einem Asylheim zu leben und er antwortete: ,,Es ist voll

scheiße und langweilig. Du kannst nichts machen. Und

außerdem bin ich nicht mehr in dem Asylheim, ich bin

schon in Ingushtetia (Tschetschenien).“

Alikhan und seine Familie sind vor ca. sieben Jahren aus

Tschetschenien nach Wien geflüchtet, weil der Vater

von Alikhan ein Problem mit dem tschetschenischen

Präsidenten Kadyrov hat. Alikhan hat mir aber gesagt,

dass sie wieder zurückkommen wollen. Ich vermisse ihn.

Eines verstehe ich nicht. Warum ist die ganze Familie

bestraft worden? Alikhan vermisst die Schule. Er vermisst

seine Freunde aus der Schule. Er vermisst sogar

seine Lehrer und Lehrerinnen. Das Lernen hat ihm auch

Spaß gemacht, aber jetzt wird es ihm verweigert zur

Schule zu gehen. Ich hoffe ich sehe ihn wieder und wir

werden uns wie in alten Zeiten gegenseitig veräppeln.

Ich finde es unfair, dass kleine Jungs oder Mädchen in

der Form bestraft werden. Das ist unglaublich.

Talha ist 14 und besucht die NMS Herthergasse im 12. Bezirk

Fabian Weiss, Alexandra Stanić, Marko Mestrović, Christoph Liebentritt, bereitgestellt

14 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF / /


POLITIKA

Kopfbekleidung verboten!

Foto: Kay von Aspern


„MISCHT EUCH

16 / POLITIKA /


DA NICHT EIN!“

Seit Wochen diskutiert Österreich über ein

Kopftuchverbot in Kindergärten und Volksschulen.

Aber was sagen jene Mädchen und ihre Familien,

die von dem Verbot betroffen wären?

Text: Melisa Erkurt/Mitarbeit: Bilal Albeirouti/ Fotos: Zoe Opratko, Marko Mestrovic

/ POLITIKA / 17


Fatima* ist außer Puste. Sie kommt gerade vom

Fußballspielen im Park und hat das Entscheidungstor

geschossen. Sie trägt ein Liverpool-

Dress, ihre Lieblingsmannschaft. „Fatima spielt

besser Fußball als die Jungs“, sagt ihr Schulfreund

Muhammed. Fatima grinst stolz. „Jetzt muss ich aber

nach Hause – Hausübung“, sagt die 9-Jährige und

schnappt sich ihren Roller. Zuhause wirft sie als erstes

ihren Rucksack in die Ecke, wäscht sich und geht mit

ihrer Mutter beten. Fatima kommt aus einer religiösen

Familie. Ihre Eltern sind vor zehn Jahren aus Somalia

nach Österreich geflüchtet, Fatima ist in Wien geboren.

Sie trägt seit sie sieben ist ein Kopftuch.

„Ich musste schon mit fünf ein Kopftuch tragen.

Ich habe Fatima zwei Jahre länger Zeit gelassen“, sagt

Fatimas Mutter Amina*. Der Vater lächelt verlegen,

dann wechselt er das Thema: „Fatima ist so eine fleißige

Schülerin und sie hat so viele Freunde, wir sind sehr stolz

auf sie“, sagt er und streicht seiner Tochter liebevoll

über das Haar. Denn zuhause trägt Fatima kein Kopftuch,

auch wenn sie es laut religiöser Vorschrift müsste, weil

gerade männliche Gäste, die nicht mit ihr verwandt sind,

zu Besuch sind. Doch es geht Fatimas Eltern nicht darum,

dass Fatima ihr Haar bedeckt. „Sie soll sich langsam an

das Kopftuchtragen gewöhnen“, sagt Amina. „Sonst wird

es später, wenn sie es offiziell tragen sollte, vielleicht

komisch für sie.“ Mit offiziell meint Fatimas

Mutter den Eintritt der Menstruation. Ab

diesem Zeitpunkt sollten sich nach Interpretation

einiger Muslime die Mädchen im Islam

bedecken. „Ich bin Taxi-Fahrer“, sagt Fatimas

Vater, „ich habe oft betrunkene junge

Frauen unter meinen Fahrgästen. Ich möchte

nicht, dass Fatima eines dieser Mädchen

wird. Wenn sie so früh schon Kopftuch trägt,

gewöhnt sie sich daran und wird hoffentlich

nicht so“, sagt er nachdenklich. Denn mit

dem Kopftuch geht ein keuscher Lebensstil

einher. In Fatimas Klasse ist sie das einzige

Mädchen mit Schleier. Als sie in der ersten

Klasse mitten im Schuljahr auf einmal das

Kopftuch aufsetzt, äußern sich weder LehrerInnen

noch die Direktorin dazu. Nur manche


Sie soll sich

langsam an das

Kopftuchtragen

gewöhnen.

Sonst wird es

später, wenn sie

es offiziell tragen

sollte, vielleicht

komisch

für sie.


18 / POLITIKA /

von Fatimas Freundinnen sind verwundert. „Meine

türkische Freundin wollte wissen, wieso ich ein Kopftuch

trage und sie nicht, sie ist ja auch Moslem“, sagt Fatima.

Eine Antwort hat Fatima darauf nicht wirklich: „Bei uns ist

das so“, sagt die 9-Jährige.

Im Koran wird Eltern empfohlen, ihre Kinder ab dem

siebten Lebensjahr zum Gebet anzuleiten. Einige streng

religiöse Muslime nehmen das als Anlass, auch das Kopftuch

ab sieben Jahren zu verpflichten. „Das hat mehr

etwas mit unserer Kultur zu tun, als mit dem Islam“, sagt

Amina. „In Somalia ist es üblich, dass Mädchen so früh

Kopftuch tragen.“ In Österreich dagegen ist das nicht

üblich. Hierzulande wird seit Wochen über ein Kopftuchverbot

an Kindergarten und Volksschule diskutiert. Bundeskanzler

Sebastian Kurz und Vizekanzler H.C. Strache

sehen das Kopftuchverbot als Integrationsmaßnahme,

die jungen Mädchen eine freie Entwicklung ermöglichen

soll. Fatimas Eltern ärgert diese Sonderbehandlung:

„Wieso unterscheidet man die muslimischen Kinder von

den anderen? Das Verbot wäre für uns okay, wenn alle

religiösen Symbole davon betroffen wären.“ Tritt das

Kopftuchverbot in Kraft, wird die Familie es trotzdem

akzeptieren: „Dann legt Fatima das Kopftuch eben ab,

wenn sie die Schule betritt und gibt es beim Läuten

wieder rauf“, sagt ihr Vater. Fatima zuckt mit den Schultern,

sie will jetzt eigentlich nur in Ruhe ihre Hausübung

machen.

„ICH HABE ANGST

UM MEINE KINDER“

Dounia * dagegen könnte sich niemals vorstellen, ihr

Kopftuch abzulegen, nicht einmal für einen Schultag.

„Mein Kopftuch gehört zu mir“, sagt die 12-Jährige. Sie

besucht mittlerweile die zweite Klasse einer privaten

muslimischen Mittelschule und trägt das Kopftuch seit

der vierten Klasse Volksschule. „Ich wollte das Kopftuch

schon seit der ersten Klasse Volksschule tragen, aber

meine Mutter hat mich nicht gelassen“, sagt Dounia und

schielt trotzig zu ihrer Mutter rüber. Ihre

Mutter Samira * nickt: „Es ist einfach zu früh

gewesen. Für die Verschleierung braucht

man die geistige und körperliche Reife, die

hat man mit sieben noch nicht.“ Außerdem

hatte sie Angst um ihre Tochter: „Die Mädchen

mit Kopftuch werden auf der Straße

und in den Öffis beschimpft und bespuckt,

das wollte ich ihr ersparen“, sagt die Kindergartenpädagogin.

Doch mit zehn setzt sich

Dounia durch und legt das Kopftuch an. Ihre

um fünf Jahre ältere Schwester trägt auch

ein Kopftuch, wie viele jüngere Geschwister

eifert Dounia ihr und ihrer Mutter, die

seit 2005 Kopftuch trägt, nach. Dounia hat

eine zehnjährige Schwester, die jetzt in die

vierte Klasse Volksschule geht. Auch bei


EINE

RECHTS-

PROBLEMATIK

Die Juristin und Feministin Brigitte

Hornyik sieht im Kopftuchverbot

an Kindergarten und Volksschule

eine Grundrechtsproblematik. „Das

Verbot zielt auf das Kindeswohl

ab, aber durch ein Verbot geraten

diese Kinder in ein Spannungsverhältnis.

Einerseits wollen sie

Kopftuch tragen, oder ihre Familie

will es, und auf der anderen Seite

steht dann in der Schule der Schulwart

oder die Lehrerin und sagt,

dass sie es abnehmen müssen.“

Weiters sieht die Juristin in dem

Verbot eine Verletzung der Menschenrechte:

„Die Kinder haben ein

Recht auf Bildung und die Eltern

haben das Recht darauf, dass ihre

religiösen und weltanschaulichen

Überzeugungen in ihrer Erziehung

und im Unterricht nicht angegriffen

werden.“ Hornyik hält es für

konstruktiver, das Gespräch mit

den Mädchen und deren Eltern zu

suchen. Denn ein Verbot würde

jenen Mädchen, die tatsächlich

zum Kopftuchtragen gezwungen

werden, nicht helfen. „Die müssten

dann zuhause bleiben“, so Hornyik.

Selbst wenn die Regierung das

Kopftuchverbot ausweitet, damit es

nicht nur Muslime betrifft, so wie

es beim Burka-Verbot der Fall war,

ist das Problem für Hornyik nicht

gelöst: „Das Burka-Verbot ist ein

abschreckendes Beispiel für dieses

Gleichheitsproblem. Es musste als

Anti-Gesichtsverschleierungsverbot

erweitert werden und jetzt haben

wir so absurde Fälle, dass Maskottchen

oder kranke Personen mit

Mundschutz bestraft werden, weil

sie gegen das Gesetz verstoßen“,

so die Juristin.

/ POLITIKA / 19


ihr wiederholt sich dieselbe Diskussion.

Sie würde so gerne Kopftuch tragen,

aber die Mutter erlaubt es nicht. „Wieso

dürfen es meine Schwestern tragen

und ich nicht?“, jammert die 10-Jährige.

Doch dieses Mal ist Amina strenger als

bei Dounia und setzt sich durch, die

Zeiten haben sich geändert. Denn während

viele Österreicher Angst vor dem

Kopftuch und dem Islam haben, haben

auf der anderen Seite auch die Muslime

große Angst: „Seit der neuen Regierung

und der Kopftuchverbots-Debatte haben

die Übergriffe auf Musliminnen zugenommen. Vor allem

wenn die Kinder alleine unterwegs sind, trauen sich die

Menschen alles Mögliche. Ich habe Angst um meine

Kinder“, sagt Samira.

ZWANG ODER VORLEBEN?


Es wäre unislamisch

meine

Kinder zu etwas

zu zwingen,

sie müssen das

selbst für sich

entscheiden.


weibliche Umfeld Kopftuch trägt, fällt es schwer,

sich für eine andere Lebensweise zu entscheiden.

„Es ist ein Vorleben“, sagt Samira dazu.

„Eltern leben den Kindern immer ein gewisses

Verhalten vor.“ Von Zwang hält die siebenfache

Mutter genauso wenig wie von Verboten: „Seit

dem Burkaverbot sind meine Nikab tragenden

Freundinnen nur zuhause, was hat das Verbot

also gebracht?“, fragt sie. Dounia nickt. „Meine

Schulkollegen, deren Mütter Burka tragen,

werden seit dem Verbot nur noch von ihren

Vätern abgeholt, die Mütter sieht man gar nicht

mehr“, sagt die 12-Jährige. Das Argument vieler

Feministinnen wie Alice Schwarzer, ein Kopftuch würde

die Mädchen sexualisieren, finden die beiden absurd.

„Feminismus und Religionsausübung sind für mich zwei

unterschiedliche Sachen. Ich trage das Kopftuch nicht,

um meine Haare vor Männern zu bedecken, ich trage es,

um mich näher zu Gott zu fühlen“, argumentieren Samira

und Dounia. Auch die Feministin und Juristin Brigitte

Alle ihre Kinder haben eine private islamische Volks- und

Mittelschule in Wien besucht. Diese sind für viele Muslime

ein geschützter Raum. Doch draußen, vor allem in

den öffentlichen Verkehrsmitteln, werden ihre kopftuchtragenden

Töchter fast täglich Opfer von islamophoben

Übergriffen. „Erst vorhin hat mir eine ältere Frau ‚scheiß

Fetzen’ entgegengerufen“, sagt Dounia traurig. „Manchmal

machen fremde Leute in der U-Bahn Fotos von mir

oder sagen andere gemeine Dinge“, so die 12-Jährige.

Auch die Dokustelle für Islamfeindlichkeit und antimuslimischen

Rassismus verzeichnet für das Jahr 2017 eine

Zunahme an Übergriffen, die sich gegen Muslime richten.

Was besonders auffällt: 98 Prozent der Angriffe richteten

sich 2017 gegen Musliminnen. Das Kopftuch ist in

den meisten Fällen das Symbol des Angriffs. Im Oktober

2017 wurden besonders viele Angriffe auf Musliminnen

gemeldet. Die Dokustelle führt das auf das Inkrafttreten

des Anti-Gesichtsverhüllungsgesetzes zurück. Das würde

erklären, wieso seit der Diskussion um das Kopftuchverbot

an Kindergarten und Schule die Übergriffe in Dounias

Alltag zugenommen haben. „Kommt das Kopftuchverbot,

wird es noch schlimmer“, ist sich Dounia sicher.

Weil sie die meisten Angriffe und Beschimpfungen in

den öffentlichen Verkehrsmitteln erlebt, hat sich Samira

mittlerweile ein Auto zugelegt. Trotzdem kann sie ihre

Kinder nicht vor allem beschützen. „Ich habe seit einigen

Monaten so ein ungutes Gefühl, wenn die Kinder alleine

unterwegs sind.“ Samira hat Dounia gesagt, dass sie das

Kopftuch abnehmen soll, wenn sie alleine in Wien unterwegs

ist. Doch Dounia ist ein selbstbewusstes Mädchen,

sie lässt sich nichts vorschreiben und trägt das Kopftuch

trotz allem. Von einem Zwang wollen Mutter und Tochter

nichts wissen. „Es wäre unislamisch meine Kinder

zu etwas zu zwingen, sie müssen das selbst für sich

entscheiden“. Doch der Soziologe Kenan Güngör spricht

hier von einem Konformitätsdruck: Wenn das gesamte

Ob das Kopftuch

Pflicht ist, hängt von

der jeweiligen Koran-

Interpretation ab. Die,

die es als Pflicht verstehen,

lesen, dass

das Tragen ab dem

Eintritt der Menstruation

empfohlen wird.

Da Eltern im Islam

angehalten

werden, ihre Kinder

schon mit sieben zum

Gebet anzuleiten,

interpretieren manche

dieses Alter als

Kopftuchreife.

20 / POLITIKA /


Hornyik, die im Vorstand des österreichischen Frauenrings

ist, kann dem Argument der Sexualisierung nichts

abgewinnen: „High Heels, Hotpants und Schminke sexualisieren

die Mädchen doch auch. Aber „unsere“ Mädchen

lassen wir ausprobieren. Sie dürfen ihre pubertären

Freiheiten leben. Also müssen wir den muslimischen

Mädchen auch ihr Kopftuch lassen.“

„JEDER SOLL TRAGEN,

WAS ER WILL“

Samira verweist zudem darauf, dass es auch für den

Mann im Islam bestimmte Regeln gibt, an die er sich

halten muss: „Für Männer gibt es bestimmte Vorgaben

für Hosen- und Bartlänge. Aber alle reden nur über das

Kopftuch“, so die Muslima. Das Kopftuchverbot sieht

sie als göttliche Prüfung, durch die sie hindurch müssen.

Verständnis hat sie dafür trotzdem nicht. „Es heißt

immer, wir Muslime bilden Parallelgesellschaften und

bleiben unter uns. Aber durch solche Verbote bewirkt

man genau das, dass Muslime in Privatschulen gehen

oder zuhause bleiben.“ Ob das Kopftuchverbot auch

für Privatschulen gelten wird, ist noch nicht geklärt. Das

hängt von dem Gesetzesentwurf ab, den die Regierung

bis zum Sommer vorlegen wird.

„Das Kopftuchverbot an Kindergarten und Volksschule

wäre mir eigentlich egal, da die Kinder in diesem Alter

auch laut Islam kein Kopftuch tragen müssen. Die Frage,

die ich mir stelle, ist nur: Wohin führt dieses Verbot?“,

fragt Samira. „Zuerst sind es die Kindergärten und

Volksschulen und dann die höheren Schulen, schließlich

wird ein Kopftuchverbot an Universitäten kommen“, ist

sich die Muslima sicher. Tatsächlich hat sich Vizekanzler

Strache bereits für ein allumfassendes Kopftuchverbot in

Bereichen des öffentlichen Schulsystems aber auch an

der Universität und im öffentlichen Dienst ausgesprochen.

Das wäre für die 12-jährige Dounia, die später

gerne einmal studieren will, furchtbar. Die Frage, ob sie

das Kopftuch im Falle eines Verbots absetzen würde,

überfordert das Mädchen. Dounia ist es leid, dass die

Öffentlichkeit das Kopftuch zu so einem großen Thema

macht. Die Schülerin fühlt sich seit der Diskussion um

das Kopftuchverbot nicht mehr wohl in Österreich. In

ihrer zweiten Heimat Tunesien fühlt sie sich mittlerweile

freier. Die Frage, wieso sie überhaupt ein Kopftuch trägt,

versteht Dounia nicht ganz. „Es gehört zum Islam. Es

gehört zu mir – mischt euch da nicht ein!“, sagt die NMS-

wgkk.at

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1868 – 2018

150 Jahre für Ihre Gesundheit


Schülerin. In der zweiten Klasse der islamischen Mittelschule,

die Dounia besucht, gibt es nur ein Mädchen, das

kein Kopftuch trägt: „Wir mischen uns bei ihr auch nicht

ein. Jeder soll tragen, was er will“, sagt die 12-Jährige.

Samira, die selber jahrelang in einem islamischen Kindergarten

gearbeitet hat, sieht in der Kopftuch-Debatte ein

konstruiertes Problem: „Ich habe in unserem islamischen

Kindergarten noch nie ein Mädchen gehabt, das Kopftuch

getragen hat.“ Drei ihrer Töchter besuchen aktuell eine

islamische Volksschule: „Selbst dort gibt es nur vereinzelt

Mädchen, die Kopftuch tragen“, sagt die Pädagogin.

Ibrahim Oglun, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft,

spricht im Interview mit der Austria Presse Agentur

von 15 Prozent der Mädchen, die in islamisch-konfessionellen

Volksschulen Kopftuch tragen. Die Hälfte der

Mädchen würde das Kopftuch aber nur ab und zu tragen,

die Mehrheit ab der dritten und vierten Klasse.

FÜR JEDE HAARSTRÄHNE

100 JAHRE HÖLLE

Offiziell gibt es gar keine Zahlen darüber, wie viele Mädchen

in Österreich in Kindergarten oder Volksschule ein

Kopftuch tragen. Laut dem Soziologen Kenan Güngör ist

die Zahl dieser Mädchen verschwindend klein. Es gäbe

aber eine Tendenz der Zunahme. Er fordert das Verbot

aller stark sichtbaren, dominanten Symbole in der Schule,

darunter würden dann neben dem Kopftuch auch die

Kippa oder ein groß angebrachtes Kreuz im Klassenzimmer

fallen. Ansonsten widerspräche das Verbot laut Güngör

dem Gleichheitsgesetz.

Beim Kopftuch stellt sich für Güngör die Frage, was

eigentlich freiwillig und was Zwang ist. Der Soziologe

nennt ein Beispiel von einem jungen Mädchen, dem von

ihren Eltern gesagt wurde, Mädchen würden für jede

sichtbare Haarsträhne 100 Jahre in die Hölle kommen.

„Viele Eltern arbeiten mit einer schwarzen Pädagogik und

sagen den Kindern, ‚Wer kein Kopftuch trägt, ist ein unanständiges

Mädchen und kommt nicht in den Himmel’“,

so Güngör. Dieses Argument verwendet auch Ali, um die

Verschleierung seiner kleinen Schwestern zu legitimieren.

Der 16-jährige Schüler hat eine sieben- und eine zehnjährige

Schwester, beide gehen in eine öffentliche Volksschule

und tragen Kopftuch: „Vor dem jüngsten Gericht stehen

die Eltern für ihre Kinder gerade. Wenn die Kinder ihren

Pflichten nicht nachgehen, indem sie kein Kopftuch tragen,

kommen die Eltern dafür nicht in den Himmel“, erklärt der

gebürtige Tschetschene, warum es seinen Eltern wichtig

ist, dass beide Schwestern seit ihrem siebten Lebensjahr

Kopftuch tragen. „Es ist auch meine Pflicht als Muslim, sie

auf ihre Pflichten als Musliminnen hinzuweisen“, erklärt Ali.

Dass es für so junge Mädchen keine Pflicht ist, Kopftuch zu

tragen, bezweifelt der Jugendliche, er findet, die Mädchen

sollen sich so früh wie möglich daran gewöhnen, Kopftuch

zu tragen, um nicht auf den falschen Weg zu geraten.

„Heutzutage sehe ich schon Volksschulkinder, die sich

Sollte ein Kopftuchverbot an Kindergarten und Volksschule

kommen, möchten einige Muslime ihre Töchter an

private islamische Schulen schicken. Das Verbot könnte

aber auch für Privatschulen gelten, das hängt davon ab,

wie der Gesetzesentwurf, der bis zum Sommer präsentiert

werden soll, aussehen wird.

küssen. Kein Wunder, dass die dann mit 13 schwanger

werden. Man muss die Mädchen früh daran gewöhnen,

Kopftuch zu tragen, damit sie erst gar nicht auf solche

Ideen kommen“, sagt der Schüler. Sein Freund Alen* nickt.

Der 17-Jährige hat eine vierjährige Schwester. Noch trägt

sie nur in der Moschee Kopftuch. „Meine Mutter sagt aber,

dass sie ab der ersten Klasse Volksschule ein Kopftuch

tragen wird, um sich daran zu gewöhnen“, sagt Alen, der

vor vier Jahren mit seiner Familie aus dem Sandzak, der

muslimischen Region von Serbien und Montenegro, nach

Österreich gekommen ist. Das Kopftuchverbot an Kindergarten

und Volksschule lässt Alen und seine Eltern kalt.

„Wenn das Verbot kommt, geht meine Schwester in eine

Privatschule“, sagt der 17-Jährige nüchtern. „Problem

gelöst.“ ●

* Namen von der Redaktion geändert

22 / POLITIKA /


„Die Angst, eine schlechte

Muslima zu sein.“

Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration | Foto: Jakob Studnar

Die CDU-Politikerin

Serap Güler hat in

Deutschland die

Kopftuchdebatte

angestoßen. Dabei

ist sie selbst gläubige

Muslima. Wie

passt das zusammen,

Frau Güler?

Von Amar Rajković

WER IST SIE?

Name:

Serap Güler

Alter: 37

Beruf:

Staatssekretärin

für Integration im

Ministerium für

Kinder, Familie,

Flüchtlinge und

Integration des

Landes NRW

Parteizugehörigkeit:

CDU

Besonderes:

Würde am

liebsten die

Staatspräsidenten

Trump, Putin und

Erdogan auf den

Mond befördern

BIBER: Frau Güler, angenommen Sie hätten eine

Tochter und sie äußerte den Wunsch, mit zehn Jahren

ein Kopftuch zu tragen. Was sagen Sie ihr?

SERAP GÜLER: Man muss einer Zehnjährigen nicht

jeden Wunsch erfüllen, den sie äußert.

Dürfte Ihre Tochter das Kopftuch in der Moschee

tragen?

Ich sehe einen großen Unterschied darin, ob ein

Mädchen in einer Moschee Kopftuch trägt oder in der

Grundschule und Kita.

Warum beharren Sie so stark auf Ihrem Standpunkt,

Kopftücher für Schülerinnen zu verbieten?

Sie müssen sich zuerst fragen, warum eine Frau

das Kopftuch trägt. Es ist ja kein Problem, wenn 15

Frauen in einem Raum zusammensitzen und kein

Kopftuch tragen. Erst wenn ein Mann den Raum

betritt, wird das Kopftuch aufgesetzt, weil die

Frauen ihre Reize vor dem Mann verhüllen sollen.

Warum muss das ein achtjähriges Mädchen genauso

machen? Das ist eine Sexualisierung des Kindes,

und genau daran störe ich mich. Der Islam schreibt

nicht vor, dass Mädchen vor Beginn der Pubertät ein

Kopftuch tragen müssen.

Muslimische Feministinnen behaupten aber, dass das

Tragen einer Hotpants im Sommer das Kind genauso

sexualisiert.

Das sehe ich differenzierter. Das Tragen bestimmter

Mode kann damit nicht gleichgestellt werden.

Warum nicht?

Wenn sie mit sieben Jahren anfangen das Kopftuch

zu tragen und zehn Jahre später für sich entscheiden,

dass sie das nicht mehr möchten, ist das gar

nicht so einfach, diese persönliche Entscheidung

durchzusetzen. Sie müssen sich dann als Muslima in

Ihrem Umfeld rechtfertigen und teils massiven internen

Druck aushalten. Oder Sie werden als schlechte

Muslima dargestellt. Die Entscheidung für oder gegen

das Kopftuch kann aber nicht bedeuten, ob man eine

gute oder schlechte Muslima ist.

Wie hat die türkische Community auf Ihren Vorstoß

reagiert? Die ist ja in NRW nicht gerade klein.

Wir bekommen viel Zuspruch, es sind aber auch kritische

Stimmen zu hören. Ich habe nichts gegen Kritik

und bin gerne bereit, die Debatte kritisch zu führen.

Aber dann mit sachlichen Argumenten. Uns geht es

nicht um religiöse Symbole, sondern um die freie Entfaltung

des Kindes. Kürzlich rief ein wütender Vater

an, beschimpfte meine Büro-Mitarbeiterin und fügte

hinzu, seine vierjährige Tochter würde das Kopftuch

freiwillig tragen. Allein dieser Anruf zeigt mir deutlich,

dass es wichtig ist, diese Debatte zu führen.

Ab welchem Alter sollen die Frauen selbst über Kopftuchtragen

entscheiden?

Vor allem Kinder im Kita- und Grundschulalter möchte

ich vor der Sexualisierung und Instrumentalisierung

bewahren. Da prüfen wir gerade, welche Möglichkeiten

wir haben. Wenn Sie mich fragen, ab wann

ich ganz persönlich das Tragen eines Kopftuches für

angemessen halte, würde ich ab dem 18. Lebensjahr

sagen. Ab diesem Alter muss man auch juristisch für

seine Entscheidungen gerade stehen.

Viele Eltern behaupten aber, dass ihre Tochter aus

freien Stücken das Kopftuch trägt.

Das ist aber häufig ein Irrglaube. „Gott wünscht,

dass du ein Kopftuch trägst, und wenn du das nicht

machst, dann kommst du in die Hölle“, so argumentieren

oft die Eltern. Ich weiß nicht, inwieweit ein Kind

dann tatsächlich frei entscheiden kann.

In anderen religiösen Kreisen gibt es auch starke

Segregation.

Den Ärger von manchen Muslimen über eine als

einseitig empfundene Berichterstattung kann ich

teilweise nachvollziehen. Wenn zum Beispiel ein

Imam einer Frau den Handschlag verweigert, gibt es

viel mehr Aufruhr als wenn das in jüdisch-orthodoxen

Kreisen passiert. Da wird mit mehreren Maßstäben

gemessen, dabei muss man beides anprangern.

/ POLITIKA / 23


Herr

Bürgermeister

Ludwig, wie links

sind Sie?

In welchem

Alter sind Sie

in die SPÖ

eingetreten?

Wie viele

Parteien haben

Sie in Ihrem

Leben bisher

gewählt?

Auf einer Skala

von 0 bis 100:

Wie viele Meter

links von der

Mitte stehen

Sie politisch?

Interview in Zahlen:

In der Politik wird schon genug

geredet. biber fragt in Worten,

Wiens neuer Bürgermeister Michael

Ludwig (SPÖ) antwortet in Zahlen.

20

1

50

Von Simon Kravagna, Fotos: Marko Mestrović

Michael Ludwig hat bisher nur eine Partei in seinem

Leben gewählt.

Der neue Bürgermeister hat sich angeblich niemals über

Michael Häupl geärgert.

Wie viele

Bücher lesen

Sie im Monat?

Wie viel Geld

geben Sie im

Monat für

Bücher aus?

Wie oft haben

Sie sich

bereits über

ihren grünen

Regierungspartner

geärgert?

Wie oft haben

Sie sich über

Michael Häupl

geärgert?

Wie viele

geförderte

Wohnungen soll

Wien pro Jahr

bauen?

10

200

4

0

7000

24 / POLITIKA /


Auf einer Skala

von 0 bis 100:

Wie viele Meter

rechts von der

Mitte steht HC

Strache?

Bis zu welchem

Alter sollte

das Kopftuch

in der Schule

verboten sein?

Bis wann

wird die

SPÖ in Wien

mindestens

noch den

Bürgermeister

stellen?

Wie viel

Prozent

wollen Sie bei

der Wiener

Gemeinderatswahl

2020

erreichen?

Wie viel

Prozent wird

die FPÖ bei

der Wiener

Gemeinderatswahl

maximal

erreichen?

75

10

2030

40

30

Drei mal im Monat kommt ein Wiener Schnitzel auf den Tisch.

Ludwig liest 10 Bücher im Monat und gibt rund

200 Euro dafür aus.

Wie oft im

Monat essen

Sie Wiener

Schnitzel?

Zu wie viel

Prozent sind

Sie Politiker?

Wie viele Songs

haben Sie auf

Ihrem Ipod

gespeichert?

Wie viele echte

Freunde haben

Sie?

Wie oft werden

Sie in der

Woche um

eine Wohnung

gefragt?

3

90

500

5

15

/ POLITIKA / 25


OHNE

DEUTSCHE

FREUNDE

KEIN

DEUTSCH

Die Errichtung von

Flüchtlings klassen sorgte

2015 in Nord rhein-Westfalen

für heftige Diskussionen. Was

ist aus den Kindern geworden?

Eine Reportage aus Frechen,

westlich von Köln.

Von Amar Rajković, Fotos: Mafalda Rakoš

26 / POLITIKA /


POLITIKA / 27


Was sind Adjektive?“,

fragt Frau Röher laut in

die Runde. Sofort schießen

alle Hände der 7e

in die Luft. Oskar, ein Schüler aus Polen,

zeigt auf und ruft zögerlich heraus: „Der,

die, das?“ „Nein, Oskar“, antwortet die

Pädagogin, „wer kann mir sonst erklären,

was Adjektive sind?“, fragt Frau Röher

noch einmal. Yaman, das Mädchen aus

Syrien, versucht sich an einer Erklärung:

„Wenn etwas heiß oder kalt ist, oder

wenn jemand schnell oder langsam ist.“

„Richtig, Yaman!“, regnet es Beifall für

die Schülerin mit dem blumenverzierten

Kopftuch. Yaman, sichtbar siegesgewiss,

genießt den Moment des Triumphes.

Auch Pakisa, eine kurdische Yesidin, wirft

ihr anerkennende Blicke zu, um gleich

wieder aufzuzeigen, in der Hoffnung, es

ihrer Sitznachbarin gleichzutun. „Was

ist das Gegenteil von spitz?“, fragt die

Pädagogin erneut in die Klasse. Die Willkommensklasse

ist kaum zu halten und

ruft reihenweise ungefragt die Lösung

heraus. Das „Spiel“ geht wieder von

vorne los.

FLÜCHTLINGSKLASSEN SEIT 2015

Wir befinden uns in der letzten Willkommensklasse

der Hauptschule Herbertskrau

in Frechen. Früher habe man die

Kinder ohne Deutschkenntnisse problemlos

in den Klassenverband integrieren

können, im Jahr 2015 sind aber die

Lehrer an ihre Grenzen gestoßen und

aus diesem Grund wurden „Willkommensklassen“,

im Boulevard auch oft

„Flüchtlingsklassen“ genannt, eingerichtet.

Dort sitzen 11- bis 16-jährige Kinder

aus Syrien, dem Irak, Albanien, Eritrea,

dem Kongo, Kasachstan, Polen oder Italien

zusammen. Das Hauptziel: möglichst

schnelles Lernen der deutschen Sprache

und Eingliederung in die Regelklassen.

Die Schule dient hier als Auffangbecken

für all diejenigen, die sonst keinen Platz

Rund 60 Flüchtlinge von 2015 sind heute in ihren Regelklassen eingegliedert

im deutschen Schulsystem finden. Die

Stadt ist bekannt für ihre Logistikunternehmen,

das größte Bauhaus Deutschlands,

den Braunkohleabbau und ihre

charakteristischen Backsteinhäuser, die

den Besuchern die architektonische

Nähe zu Holland suggerieren. Man habe

sich für den Begriff „Willkommensklasse“

entschieden, weil der viel freundlicher

rüberkommt als „Flüchtlings- oder

Auffangklasse“, so Frau Kusenberg, die

Schulleiterin, eine Frau mit kurzen, grauen

Haaren und beruhigender Stimme.

Sonderschullehrerinnen wie Frau Röher

wurden mit der Betreuung der Willkommensklassen

beauftragt. Die rund 60

Flüchtlinge von 2015 sind mittlerweile in

die Regelklassen integriert worden. Wie

geht es ihnen heute? Haben sie von der

damaligen Segregation profitiert oder

wurden sie den Stempel des Flüchtlings

nicht mehr los?

„Wir hatten eine super Zeit“, erinnert

sich Petros Kaja. Der 15-jährige Albaner

aus dem Städtchen Fier kam zusammen

mit seinem Vater nach Frechen.

Sie lebten zusammen in Griechenland,

bevor Petros‘ Eltern die Entscheidung

trafen, mit ihrem Sohn ein besseres

Leben führen zu wollen. In Deutschland

angekommen fühlte sich Petros einsam.

Da kamen die Schicksale der anderen

Flüchtlingskinder in der Klasse gerade

recht, um sich auszutauschen und von

den schlimmen Erfahrungen abzulenken.

„Wir konnten alle kein Deutsch und

teilten uns dieses Leid.“ Petros Aussagen

wirken sehr reif und durchdacht,

wenn man bedenkt, dass er gerade mal

15 Jahre alt geworden ist. Zusammen

28 / POLITIKA /


Eigene Deutschklassen?

Ja, aber …

Die viel diskutierten Deutschförderklassen sollen ab

nächstem Schuljahr in Österreich eingeführt werden.

Der Plan kann nur aufgehen, wenn folgende vier Punkte

beachtet werden:

mit Adil bildet er heute ein Power-Duo,

das durch dick und dünn geht. Die beiden

Freunde haben sich in der damaligen

Flüchtlingsklasse kennengelernt und blicken

durchwegs positiv auf die Zeit zurück.

Adil ist syrischer Kurde. Seine Eltern

stammen aus Afrin und Kobane, er und

seine zwei Geschwister Jinan und Kauwser

erblickten in Aleppo das Licht der Welt.

Die Schulzeit in Syrien war unbekümmert

und eben so, wie man sich eine Kindheit

in Frieden vorstellt. In Aleppo durften

die Geschwister in die Schule gehen, ein

Privileg, das ihnen nach der Flucht in die

Türkei verwehrt blieb. Die beiden Schwestern

Jinan, 17, und Kauwser, 16, mussten

in Massennähereien in Istanbul arbeiten.

Nicht selten von sieben Uhr morgens bis

zehn Uhr abends. Kein Wunder, dass ihre

Augen hell aufleuchten, wenn sie über

1. Flüchtlingsklassen sind

sinnvoll: Was jetzt wie böse,

rechte Propaganda klingt, ist

tatsächlich die vernünftigste

Entscheidung. Warum? Bei

Massenfluchtbewegungen wie

jener von 2015 hat die Lehrerin

einer Regelklasse schlicht

nicht die Ressourcen parallel

zum Unterricht die Flüchtlingskinder

zu betreuen. In einer

eigenen Klasse sind die SchülerInnen

mit ihrem Schicksal

nicht alleine und können sich

austauschen und füreinander

übersetzen. Außerdem sollte

man am Wording arbeiten: Bitte

Willkommens- statt Flüchtlingsoder

Auffangklassen.

2. Rasche Rückkehr in die

Regelklasse: Die Errichtung

von eigenen Klassen macht nur

dann Sinn, wenn die schnellstmögliche

Wiedereingliederung

der Schüler in die Regelklassen

angestrebt wird. In NRW

beschränkt sich die Zeit auf

ein Jahr, im zweiten Jahr gibt

es extra Deutschstunden für

die Sprachnachzügler. Nur in

den Regelklassen können die

Schülerinnen ihre Deutschfertigkeiten

perfektionieren oder

kennen Sie jemanden, der eine

Sprache gelernt hat, indem

er nur mit dem Lehrer praktizierte?

rajkovic@dasbiber.at

3. Auf den Mix kommt es an:

Türkei, Syrien, Eritrea, Italien,

Polen. Das ist nur ein kleiner

Auszug der Länder, die in den

deutschen Willkommensklassen

vertreten sind. Und genau das

macht das Salz in der Bildungsdebatte

aus. Natürlich ist es nicht

förderlich, wenn die Kinder weiterhin

nur ihre Muttersprache im

Unterricht anwenden. Aus diesem

Grund sollte man auf den Nationenmix

achten und schauen, dass

keine Sprachgemeinschaft eine

dominante Rolle einnimmt. Dann

klappt es auch mit Deutsch, weil

es mit Deutsch klappen muss.

4. Gymnasium in die Pflicht

nehmen: All die vorher genannten

Maßnahmen werden nicht

fruchten, wenn die Deutschförderklassen

eine exklusive

NMS-Veranstaltung werden. Trotz

gegenteiliger Behauptungen des

österreichischen Bildungsministers

bin ich sehr skeptisch,

was die Mitarbeit der Gymnasien

betrifft. Es ist nämlich sinnlos,

wenn nur Franzosen oder Engländer

die AHS besuchen dürfen und

in der städtischen NMS nur die

Kinder aus dem Irak, Syrien oder

Afghanistan landen. Und bitte

nicht mit der Ausrede kommen,

die sprechen kein Deutsch. Das

tun Francois oder John auch

nicht.

/ POLITIKA / 29


Das sind keine Teenie-Stars, sondern fünf Freunde, die alle eine damalige Flüchtlingsklasse besuchten.

Deutschland sprechen: „Hier haben wir

die Freiheit und den Frieden“, schwärmt

Kauwser, die mittlere der drei Geschwister.

Sie trägt ihre dunklen Haare offen

über beide Schultern, ihre mandelgroßen,

schwarzen Augen werden mit jedem

gesprochenen Satz größer. Die Euphorie

verfliegt als wir die beiden Schwestern

auf die Anfangszeit in der Flüchtlingsklasse

ansprechen. „Wir konnten es

nicht erwarten, endlich mit anderen

Schülern in normalen Klassen zusammengeführt

zu werden.“, so Jinan. Die

älteste Schwester wirkt nachdenklich

und erklärt uns sofort, warum: „Meine

Schwester und ich waren in der Flüchtlingsklasse

mit vielen anderen Syrern,

die Klasse unseres Bruders Adil war

besser durchmischt.“ Während der

Bruder sofort Anschluss fand, deutsche

Freunde im Schulhof kennenlernte,

ärgerten sich die Schwestern über ihre

Landsleute im Unterricht. „Die anderen

syrischen Schüler haben sich nur in

ihrer Muttersprache, entweder arabisch

oder kurdisch, unterhalten“, berichtet

Jinan. Ihre Schwester legt nach: „Ich

war ein Jahr in dieser Klasse und es war

so richtig schlimm, wirklich schlimm.“

Kauwser blickt auf eine Zeit zurück,

die sie nicht nochmal erleben möchte.

Auch die mitgebrachten Traumata der

Flüchtlingskinder trugen dazu bei, dass

die Geschwister ganz anders über die

Flüchtlingsklasse berichten als ihr Bruder

Adil. Sie betonen mehrfach während des

Gesprächs die Wichtigkeit, sofort mit

anderen in deutscher Sprache kommunizieren

zu können. Kauwser und Jinan

gehen sogar so weit, dass sie auch ihre

Mutter daheim zum Deutsch-Sprechen

„nötigen“. Ihr Motto: „Wir wollen deutsch

sprechen, um Deutsch zu lernen.“

FAB FIVE

Die fünfte im Bunde ist zugleich die

Unauffälligste. Während Petros, Adil,

Jinan und Kauwser schon 2015 nach

Frechen kamen, machte es ihnen

Fikrat Alamo im Oktober 2016 nach.

Die 17-jährige Syrerin bestand darauf,

mit uns zu sprechen. Sie brachte einen

handgeschriebenen Brief mit, in dem

sie die Vereinten Nationen und die EU

bat, das Blutvergießen in ihrer Heimat zu

beenden. Der rührende Brief beinhaltet

zwar Grammatikfehler, ist aber erstaunlich

eloquent verfasst– man bedenke,

dass das Mädchen noch nicht mal zwei

Jahre in Deutschland lebt. Wie sie solche

Fortschritte in Deutsch erzielen konnte,

wollen wir von ihr wissen. Der riesengroße

Adele-Fan nimmt es sehr ernst mit

dem Spracherwerb, nicht nur in Bezug

auf Deutsch. „Ich lerne auch Englisch,

indem ich mir Adeles Texte durchlese

und sie zuerst ins Arabische und dann

ins Deutsche übersetze“, verrät uns

die introvertierte Multi-Taskerin. Ihre

ersten schulischen Schritte setzte sie im

ortsnahen Gymnasium, doch dort konnte

man sich nicht richtig um sie kümmern:

„Hier in der Hauptschule habe ich viel

Hilfe von den Lehrern“, bricht Fikrat

eine Lanze für ihre aktuellen pädagogischen

Betreuer. Diese Zeilen werden

wahrscheinlich wohlwollend in dem viel

zu klein geratenen Lehrerzimmer der

Hauptschule in Frechen gelesen werden.

Dort herrscht Trubel und geschäftiges

Treiben als wir uns dort kurz in der Pause

30 / POLITIKA /


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SCHULE

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und

Auffangbecken

Hauptschule Herbertskaul in Frechen

(Nordrhein-Westfalen, westlich von

Köln)

SchülerInnen ingesamt: 455, davon 198

Mädchen und 257 Burschen

170 SchülerInnen mit nicht-deutschem

Pass, wobei diese Zahl mit Vorsicht zu

genießen ist, weil z.B. viele türkischstämmige

SchülerInnen den deutschen

Pass besitzen.

Rund 60 SchülerInnen aus Regelklassen

werden gezielt in Deutsch als Zweitsprache

unterrichtet.

Die Klasse 7e (Fr. Röher) ist die einzige

verbliebene Klasse, in der ausschließlich

SchülerInnen mit keinen oder keinen

ausreichenden Deutschkenntnissen

unterrichtet werden.

46 SchülerInnen haben sonderpädagogischen

Unterstützungsbedarf (Lernen,

Sprache, emotionale und soziale

Entwicklung)

45 LehrerInnen arbeiten an der Schule -

davon gibt es vier SonderpädagogInnen

und einen Sozialarbeiter.

verpflegen wollen. Im Gespräch mit einigen

Lehrkräften fällt auf: Deutschlands

Hauptschullehrer haben mit denselben

Problemen zu kämpfen wie ihre NMS-

Kollegen in Österreich. Dabei kommen

die Professoren aus dem Gymnasium

genauso schlecht weg wie die Politik,

von der viele Lehrer hier enttäuscht sind.

Einer davon ist Herr Gaebler Lehrer in

Mathematik, Physik und Deutsch. Er ist

für die Betreuung der Homepage verantwortlich

und gibt uns gerne Auskunft

zum Ruf der Schule und zur Schwierigkeit,

mit Kindern zu arbeiten, von denen

manche davor nicht mal gewusst haben,

wie man eine Schere benutzt. „Wir brauchen

auf jeden Fall Grundschullehrer (in

Ö. Volksschullehrer), weil wir hier Kinder

noch immer alphabetisieren müssen“, so

Gaebler. Ebenfalls habe der Einsatz eines

Vollzeit beschäftigten Sozialarbeiters

Früchte getragen. Der Medienbeauftragte

der Schulea erinnert sich zwar auch an

die positiven Beispiele, wie die syrische

Oberschicht, die in der Zwischenzeit auf

dem Gymnasium glänze. Der Großteil der

Flüchtlinge 2015 kam aber direkt in die

Hauptschule Herbertskrau, in das Haus

mit seinen grauen Betonwänden, die

mehr an einen Luftschutzbunker als eine

vibrierende Schule erinnern. Die Direktorin,

Frau Kusenberg, schlägt in eine ähnliche

Kerbe wie Herr Gaebler. „Manchmal

fühlen wir uns wie ein Schuleimer“, klagt

Kusenberg und setzt fort: „Andere Schulen

rufen an und sagen uns, sie hätten

einen Schüler, der verhaltensauffällig ist.

Wir von der Hauptschule nehmen jeden

auf, obwohl wir schon längst an unsere

Grenzen gelangt sind“.

OHNE HAUPTSCHULE KEIN

SOZIALER FRIEDEN

Trotz der Widrigkeiten würde sich Fr.

Kusenberg jederzeit wieder für die

Hauptschule entscheiden, was auch

in ihrer sozialen Herkunft als Arbeiterkind

begründet sein könnte. „Ich habe

selber meine Tochter im Gymnasium

gehabt und fand die Atmosphäre dort

ganz schrecklich, abgehoben, arrogant.

Ich müsste dort die ganze Zeit auf der

Hut sein, weil mich jederzeit irgendein

Anwaltsvater wegen nichts verklagen

könnte“, lässt Frau Kusenberg kein gutes

Haar am Schultyp Gymnasium, der so

ähnlich wie in Österreich höhere Stan-

dards voraussetzt, aber ebenfalls kaum

Flüchtlinge aufgenommen hat. Insgesamt

gebe es noch 84 Hauptschulen

im Regierungsbezirk Köln, 2023 sollen

es nur mehr 48 werden. Dabei sichert

die Hauptschule den sozialen Frieden

in Frechen, weil der Kontakt von Lehrer

zu Schülern enger ist als in Gymnasien.

Da der Unterricht auch fast nie ausfällt,

„laufen die Kinder nicht in die Stadt und

machen Unsinn“, betont die kurz vor

dem Ruhestand befindliche Frau und

resümiert: „Wir sind eine Schule, die alles

inkludiert, sowohl Hauptschüler, Kinder

mit Förderbedarf als auch Flüchtlingskinder,

die in Regelklassen inkludiert werden.“

Frau Kusenberg setzt diese Ansage

gar nicht als Resignation ein, vielmehr

scheint ihr die Rolle als Vermittlerin von

Wissen und klaren Regeln zu gefallen.

Und sie leugnet gar nicht die Konflikte,

die sich in ihrer Schule durch die Errichtung

der Flüchtlingsklassen herauskristallisiert

haben. „Wir hatten am Ende des

Jahres eine Situation, dass sich Gruppen

im Schulhof gebildet haben und gegen

andere gemotzt haben.“ Trotzdem habe

sie fast nur Positives zu berichten.

Zurück zu den „Fab Five“, den damaligen

Pionieren der Flüchtlingsklasse.

Wir treffen Petros, Adil, Jinan, Kauwser

und Fikrat am Nachmittag vor den

Toren des Schulhauses.Der Anblick ist

gewöhnungsbedürftig, denn der Eingang

zum Schulhaus ist mit Gitterstäben

versehen.“Damit Obdachlose nicht auf

die Idee kommen, hier zu übernachten.

Die Teenies schmieden gerade

After-School-Pläne und lassen sich in

Influencer-Manier von unserer Fotografin

ablichten. Sie flachsen und wollen gleich

zum McDonalds chillen und abhängen.

Übrigens ist hier „Mäces“ das Äquivalent

zum österreichischen „Mäci“. Danke für

die Info, Adil, wieder was dazugelernt.

Abschließend bitten wir die Clique um

ihre wichtigste Erkenntnis seit sie im

beschaulichen Frechen leben. Als Ratschlag

für alle Kinder, die in Zukunft nach

Deutschland oder Österreich kommen,

um hier ein neues Leben anzufangen. In

dieser Sache sind sich alle einig: „Ohne

deutsche Freunde hätten wir niemals

Deutsch gelernt.“ ●

32 / POLITIKA /


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MEINUNG

ICH WILL MEINE FAMILIE

NACH WIEN HOLEN

Vor zwei Jahren bin ich alleine nach Österreich geflohen.

Ich war damals 15 Jahre alt und musste Syrien

verlassen, weil man mich in den Krieg schicken wollte.

Ich musste meine Eltern und meine vier jüngeren

Geschwister zurücklassen. Ein in der Türkei lebender

Verwandter hat die Kosten meiner Flucht übernommen

– wie viel das war, weiß ich nicht. Schlepper haben

mich mit dem Boot nach Griechenland gebracht,

weitere Stationen waren Serbien, die Slowakei und

schlussendlich Österreich.

ES IST NICHT LEICHT, SO VIEL

VERANTWORTUNG ZU HABEN

Seither lebe ich alleine in Wien, in einer WG im 21.

Bezirk. Ich versuche meine Familie nach Österreich zu

holen, weil Syrien nicht sicher ist. Aber die österreichische

Bürokratie bereitet mir große Schwierigkeiten.

Ich bin erst seit zwei Jahren hier, mein Deutsch ist

dementsprechend noch nicht so gut. Wann auch

immer ich beim Bundesamt für Fremdenwesen (BFA)

nachfrage, nie kann mir jemand Antworten geben. Ich

habe mich auch an das Rote Kreuz in Wien gewandt,

aber auch dort wurde mir nicht geholfen. Es ist nicht

leicht für mich, so viel Verantwortung zu übernehmen.

Ich fühle mich oft einsam und vermisse meine Familie.

Als Teenager in ein fremdes Land zu kommen und sich

selbst um sein Leben kümmern zu müssen, fällt mir oft

schwer. Zum Beispiel konnte ich am Anfang nicht so

wirklich kochen und mich um den Haushalt kümmern

– aber mit der Zeit bin ich selbstständiger geworden,

weil ich musste. Mittlerweile harrt meine Familie in

der Türkei aus und wartet auf die Möglichkeit, nach

Österreich zu kommen. Dann könnten wir uns ein

gemeinsames Leben hier aufbauen und alles würde

sich weniger schlimm anfühlen.

Majd ist 16 Jahre alt und besucht die Produktionsschule ProVita im

2. Bezirk in Wien.

UNTERDRÜCKUNG EINER

MUSLIMISCHEN FRAU

Als Kopftuchträgerin erlebt man vieles auf der Straße.

Die Leute starren mich oft an, vielleicht weil sie nicht

daran gewöhnt sind, eine bedeckte Frau zu sehen

oder weil sie es als Unsinn empfinden. Manche Leute

verstehen nicht, warum sich eine Frau bedeckt,

warum sie sich das antut. Ich bin mir sicher, dass

die meisten alles für ihre Liebe aushalten würden,

genauso halte ich alles für meine Liebe aus, meine

Liebe zu Gott.

Leider wird man nicht nur angestarrt, sondern die

Menschen machen sich über dich lustig, was sehr

unnötig ist. Gleichzeitig wird man auch diskriminiert,

bespuckt und man hört blöde Kommentare von

irgendwelchen Personen.

DIE LEUTE DENKEN, ICH KANN KEIN DEUTSCH!

Ich habe einmal in der U-Bahn angeblich mit

meiner Tasche unabsichtlich eine Frau geschubst.

Die Frau zog wütend meine Tasche zu sich. Ich

habe gemeint, sie sollte mich doch einfach höflich

darauf aufmerksam machen, damit ich mich auch

entschuldigen kann. Oft sind die Leute dann

überrascht, weil sie dachten, dass ich kein Deutsch

kann.

Neulich hat mir ein fremder Mann im Autobus gesagt,

dass ich dorthin gehen soll, woher ich komme. Das

war das blödeste Kommentar, das ich je gehört habe.

Ich bin ja dort, wo mein zuhause ist – Österreich.

Auf jeden Fall bin ich nicht der Meinung, dass nur

diese Leute Schuld haben, auch wenn sie mich so

diskriminieren. Der Islam wird leider sehr schlecht

dargestellt, die Leute haben ein schlechtes Wissen

und einen schlechten Eindruck vom Islam. Ich würde

alle einfach bitten, dass sie sich mal Gedanken

über den richtigen Islam machen und nicht alle zu

verurteilen.

Elmanur ist 15 Jahre alt und besucht das BFI Wien Margareten.

Fabian Weiss, Alexandra Stanić, Marko Mestrović, Christoph Liebentritt, bereitgestellt

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SCHULE

NEU

DENKEN

DIGITALISIERUNG UND GLOBALISIE-

RUNG ERFORDERN NEUERUNGEN IN DER

SCHULLAUFBAHN. DURCH INNOVATIVE

REFORMEN IN BEREICHEN WIE SCHULREI-

FE, TALENTE-CHECKS UND NMS MÖCHTE

DAS BILDUNGSMINISTERIUM DIE NÄCH-

STE GENERATION FIT FÜR NEUE HERAUS-

FORDERUNGEN MACHEN.

iStock/davidf

Bereits ab dem Schuljahr 2019/20 soll

die stufenweise Einführung der Reformen

erfolgen. Ziel ist es, das österreichische

Bildungssystem noch besser zu

machen. Das Interesse der SchülerInnen

steht dabei im Mittelpunkt.

ES BEGINNT IN DER

VORSCHULE

In der Steiermark werden 1% der

SchülerInnen als nicht schulreif attestiert,

also in die Vorschule eingestuft.

Bundesland

Anteil der

Vorschulstufe

Burgenland 3 %

Kärnten 6 %

Niederösterreich 8 %

Oberösterreich 10 %

Salzburg 24 %

Steiermark 1 %

Tirol 15%

Vorarlberg 20 %

Wien 16 %

GESAMT 11 %

In Salzburg liegt dieser Prozentsatz

bei 24%. Sind die steirischen Kinder

tatsächlich so viel besser für die Volksschule

vorbereitet? Wohl kaum. Die

Differenz liegt eher in den unterschiedlichen

Schulreifekriterien, die von

Bundesland zu Bundesland, teilweises

sogar von Schule zu Schule, anders

sind (siehe Grafik). Wichtig dabei sind

Kriterien wie Wahrnehmung, Konzentration

und Merkfähigkeit. In den

nächsten Jahren soll dieser Prozess

bundesweit angeglichen werden, damit

alle SchülerInnen die gleiche Chance

haben.

VOLKSSCHULE –

UND DANN?

Sowohl am Ende der Volksschule als

auch zwischen Sekundarstufe I und II

stellen sich Eltern und Kinder die Frage:

Wie geht es weiter? Oft stehen LehrerInnen

unter Druck, gute Noten zu vergeben,

damit die SchülerInnen auf die

AHS kommen, obwohl diese Entscheidung

ihre Entwicklung nicht fördert.

Talente-Checks sollen aushelfen und

Grundlage eines Schüler-Eltern-Lehrer-

Gesprächs werden. Hierbei wird die

Wahl der Schullaufbahn an die Bedürfnisse

des Kindes angepasst.

DIE NEUE NEUE

MITTELSCHULE

Die NMS hat bereits positive Neuerungen

gebracht, wie etwa mehr

Teamarbeit, verbessertes Schulklima,

Individualisierung und bessere Unterrichtsqualität.

In Zukunft sollen sich

Neue Mittelschulen auch individuell

spezialisieren können. Schwerpunkte

wie Musik, Sport, Sprache oder MINT

(Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften

& Technik) ermöglichen es,

optimal auf die Interessen der SchülerInnen

einzugehen. Auch für die Hauptgegenstände

Deutsch, Mathematik und

die erste lebende Fremdsprache sind

Neuerungen geplant: Entwicklungsgruppen

sorgen hier für besseren und

leistungsorientierten Unterricht.


Das Porträt

einer jungen

Frau, die an

Brustkrebs

erkrankt ist.

Fotos und Text: Alexandra Stanić

„Meine Brüste

müssen gehen,

dafür darf

ich bleiben“

36 / POLITIKA /


Gespräch mit einer Ärztin und einer Psychologin verkündet,

dass sie die Genveränderung BRCA1 hat. Laut ihrem Befund

liegt das Brustkrebsrisiko in der österreichischen Durchschnittsbevölkerung

bei 12 Prozent, durch die Mutation BRCA1

erhöht sich dieses auf 70 bis 90 Prozent. „Das musste ich dann

erst einmal sacken lassen“, erinnert sich die heute 29-Jährige.

„Mir wurde dann noch gesagt, dass ich ab 25 jährlich zur

Mammografie gehen kann und mir bis dahin regelmäßig die

Brüste abtasten lassen soll.“ Laut den aktuellsten Zahlen zu

Brustkrebs sind im Jahr 2015 5.480 Frauen daran erkrankt.

Julia beschäftigt sich seit dem Gentest oft mit Krebs. „Es ist

nicht so, dass ich immer verzweifelt deswegen war, aber man

stellt sich schon viele Fragen, wenn man abends im Bett liegt“,

so Julia. „Selbst wenn ich jährlich zur Kontrolle gehe: Ein Jahr

ist eine verdammt lange Zeit, da kann viel passieren.“

Julia streicht sich ihre lockigen Haare aus dem

Gesicht. Sie reichen ihr nur bis zum Kinn, trotzdem

muss sie sie ständig zurechtzupfen. Julia wirkt

entspannt und fröhlich, wie jemand, der ein unbeschwertes

Leben führt. Während die 29-Jährige spricht, lacht

sie viel und laut und gestikuliert wild mit ihren Händen. Sie

lacht noch lauter auf, wenn sie sich verhaspelt oder wenn ihr

eine ihrer Locken wieder die Sicht versperrt. Eine fröhliche

Frau. Eine Optimistin, wie sie sich selbst nennt. Wenn wir uns

das nächste Mal treffen, wird Julia wegen der Chemo-Therapie

keine Haare mehr haben. Statt ihrer Locken wird sie sich während

der Unterhaltung ein buntes Tuch, das ihren Kopf ziert,

zurechtrücken.

Aber von Anfang an. Anlässlich des Breastcancer Awareness

Months im Oktober 2017 starte ich einen Aufruf: Ich bin

auf der Suche nach Frauen, die Brustkrebs haben oder hatten,

um sie zu interviewen und fotografieren. Ich möchte Bewusstsein

schaffen. Julia auch. Deswegen kontaktiert sie mich. Zu

dieser Zeit ist Julia noch nicht an Brustkrebs erkrankt. Die

Kindergärtnerin hat eine familiäre Vorgeschichte, ihre Mutter

und ihre Großmutter erkrankten beide an Brustkrebs, ihre Oma

sogar zweimal. Zunächst wurde sie brusterhaltend operiert, 13

Jahre später kam der Krebs wieder. Ihre Mutter hat sich mit

35 beide Brüste, die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernen

lassen, weil auch da ein erhöhtes Krebsrisiko bestand. Julia

ist mit Brustkrebs groß geworden. Sie weiß, wie die Diagnose

das Leben beeinträchtigt, hat beobachtet, welche Folgen eine

Chemo hat und mit welchen Fragen man sich als Krebserkrankte

beschäftigen muss.

Deswegen entscheidet sie sich mit 21 für einen Gentest.

Dieser wird von der Krankenkasse übernommen, sofern ein

dringender Verdacht auf Genveränderung herrscht - das ist bei

ihr der Fall. Nach zweimonatiger Wartezeit wird ihr in einem

DIE DIAGNOSE

Vier Jahre später, November 2017. Nach einer Mammografie

entdeckt die Röntgenärztin eine leichte Veränderung in Julias

Brustgewebe. Ein MRT-Termin ist notwendig, daraufhin eine

bioptische Abklärung. Unter Biopsie versteht man die Entnahme

von Gewebe. Im Wiener Wilhelminenspital wird Julia

mitgeteilt, dass es eine Woche dauert, bis der Befund fertig

ist. „Nach sieben Tagen wurde ich angerufen, dass der Befund

noch nicht fertig ist und ich noch eine weitere Woche warten

muss“, erinnert sie sich. „Da war ich dann wirklich fertig mit

meinen Nerven. Ich wusste, irgendetwas stimmt nicht.“ Zu dem

Zeitpunkt spürt Julia einen Knoten in der rechten Brust, der ein

paar Wochen zuvor noch nicht zu ertasten war. Die Wartezeit

bis zur Diagnose beschreibt Julia als besonders hart. „Ich bin

unter Dauerstrom gestanden und konnte an nichts anderes

denken“, erklärt sie. „Das war auch eine schwierige Phase für

meinen Partner und mich, normal weiterleben war nur schwer

möglich.“ Am ersten März erhält Julia dann die Diagnose: Sie

hat einen bösartigen Tumor in ihrer rechten Brust. Sie wirkt

gefasst, während sie spricht. Ihre Stimme ist leiser geworden,

ihre Mimik ernst. „Selbst wenn man ahnt, dass etwas nicht

okay ist, trifft einen die Diagnose doch sehr.“

Von nun an muss sich Julia mit schwerwiegenden Fragen

beschäftigen. „Ich hatte gar nicht wirklich Zeit, um alles zu verarbeiten,

ich musste so viele Entscheidungen treffen“, erklärt

die 29-Jährige. Eine davon war, ob sie brusterhaltend operieren

möchte. „Aber nachdem meine Oma wieder Krebs bekommen

hat, war für mich schnell klar, dass ich mir nach der Chemo

meine Brüste abnehmen lassen werde.“

SELBSTLIEBE TROTZ BRUSTKREBS

Diese Entscheidung fällt ihr nicht leicht, ihre Brüste waren

Julia – anders als der Rest ihres Körpers – immer lieb. „Ich

habe sehr lange an meinem Aussehen gezweifelt“, beschreibt

sie ein Gefühl, das die meisten Frauen kennen. „Ich hätte alles

für einen flachen Bauch und schlanke Beine gegeben, meine

Rundungen haben mich einfach überfordert.“ Sie meidet enge

Kleidung, setzt sich unter Druck, weil sie nicht so aussieht,

wie die Frauen im Fernsehen. Einmal traut sie sich doch, ein

enges Kleid anzuziehen, an dem Tag fragt sie eine Fremde, ob

sie schwanger ist. „Nie wieder habe ich dieses Kleid angezo-

/ POLITIKA / 37


gen.“ In den letzten Jahren

schafft sie es durch die Body

Positivity-Bewegung raus aus

den Zweifeln. Sie setzt sich

mit Prominenten auseinander,

die nicht dem gängigen

Schönheitsideal entsprechen.

„Schritt für Schritt habe

ich mich lieben gelernt und

mich in meiner Weiblichkeit

wiedergefunden“, so Julia.

„Und dann die Nachricht,

dass ich Brustkrebs habe.

Tschüss Haare, tschüss Brüste.

Ironischerweise muss ich

mich genau von jenen Dingen

verabschieden, die ich immer

an mir geliebt habe.“ Sie

schüttelt den Kopf, lacht leise

auf. „Diese Ironie ist schon

fast lustig.“

Auch mit ihrem Kinderwunsch

muss sich Julia

auseinandersetzen. „Bevor

die Chemo Ende März losging,

musste ich meinen Fertilitätserhalt

klären“, erklärt sie.

Sie hat folgende Optionen:

Entweder versetzt sie sich mit

monatlichen Spritzen künstlich

in den Wechsel, um ihre

Eierstöcke zu „schonen“ oder

sie lässt sich Eizellen entfernen.

Der Besuch bei einer

Kinderwunschklinik ernüchtert

sie: Vor der Eizellenentnahme

müssten ihre Eierstöcke

stimuliert werden, damit sie mehr Eizellen produziert. Eine

höhere Erfolgsrate gibt es, wenn bereits befruchtete Eizellen

eingefroren werden. Dafür müssten ihr Freund und sie notariell

beglaubigen lassen, dass sie zusammenbleiben werden. Sollten

sie sich trennen, würden die befruchteten Eizellen vernichtet

werden. „Das fand ich sehr arg, andere Paare müssen ja auch

nicht sicherstellen, dass sie zusammenbleiben“, so Julia. Sie

wirkt verstört. „Ich habe mich dann für die Spritzen entschieden,

mir war auch nicht wohl bei dem Gedanken, dass man

die befruchteten Eizellen vernichten würde, sollten wir unsere

Beziehung beenden.“

DAS LEBEN DANACH

Julia hat mittlerweile die erste Hälfte ihrer Chemotherapie

hinter sich gebracht. Alle drei Wochen muss sie dafür ins Krankenhaus,

insgesamt sechsmal. Mitte Juli hat sie den letzten

Termin. Nach den ersten Wochen beginnen ihre Haare auszufallen,

am ganzen Körper, bis auf Augenbrauen und Wimpern.

„Für den Sommer ist das eigentlich ganz bequem, ums

Rasieren muss ich mich nicht mehr kümmern“, scherzt sie.

„Tschüss Haare, tschüss Brüste.

Ironischerweise muss ich

mich genau von jenen Dingen

verabschieden, die ich immer

an mir geliebt habe.“

Julia geht sehr offen mit ihrer

Erkrankung um, sie spricht

jedes noch so unangenehme

Detail an. Nur ein Thema meidet

sie in all den Gesprächen:

Die Angst vorm Tod. „Meine

Mutter und Großmutter sind

beide echte Kämpferinnen“,

so Julia. „Sie haben den

Krebs besiegt und ich nehme

mir ein Beispiel an ihnen.“

Julia ist derzeit mit der

Planung ihres Lebens nach

der Chemotherapie und

Operation beschäftigt. Mitte

August sollen ihr die Brüste

abgenommen werden. „2019

möchte ich einen Halbmarathon

laufen und so bald

wie möglich wieder arbeiten“,

so die 29-Jährige. Die

körperlichen Anstrengungen

nach jeder Therapie-Einheit

versucht sie mit Humor zu

nehmen. Es fühle sich so an,

als hätte man den längsten

Kater seines Lebens, sagt sie

und lacht. Dann wird sie aber

doch ernst. „Mit der Übelkeit

habe ich am meisten zu

kämpfen. Ich habe kaum Lust

etwas zu essen, es kostet oft

Überwindung, etwas zu mir zu

nehmen“, beschreibt sie die

Situation. Derzeit beschäftigt

sie sich mit der Frage, wie sie

ihre Brüste rekonstruieren lassen

wird. Fremdkörper möge sie eigentlich nicht, aber eine OP

mit eigenem Gewebe könne auch komplizierter sein als mit Silikonimplantaten.

„Und dann wäre dann noch die Nippelsache“,

sagt sie und grinst wieder. „Wenn mir die Ärzte welche mit

meiner Haut ‚bauen‘, stehen sie quasi immer“, erklärt sie. „Eine

andere Option wäre, mir Brustwarzen tätowieren zu lassen.“

Viele offene Fragen. Klar ist: Julia wird ihre Brüste vermissen.

„Aber hey, Brüste gegen ein gesundes weiteres Leben. Diesen

Tausch gehe ich gerne ein. Wer nicht?“, wirft sie in den Raum.

Sie freut sich auf ihre neuen Brüste. Trotzdem schwingt viel

Trauer mit. „Meine Brüste müssen bald gehen. Dafür darf ich

bleiben.“●

Aus einer internationalen Studie aus dem Jahr 2017

geht hervor, dass die Krebsrate bei unter 40-jährigen

Frauen steigt. Rein statistisch gesehen sind häufig

ältere Frauen betroffen, aber junge Brustkrebspatientinnen

sind eine größer werdende Minderheit.

38 / POLITIKA /


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MEINE HAUT 3 Die Wahrheit

über Akne!

Acht(ung) -

gefährliche Mythen zum

Thema Sonnenschutz

Der warme Frühling lockt die ersten Sonnenanbeter an – und

den Hautkrebs. Denn viele können die Gefahren der UV-Strahlen

nicht abschätzen.

Wer kennt es nicht?

Pickel, Pusteln und Papeln, die

uns besonders in der Pubertät

das Leben schwer machen.

■ Mit speziellen Kosmetika lassen sich

Pickel und Hautrötungen gut abdecken.

■ Pickel und Mitesser nicht selbst ausdrücken!

Denn so geraten Talg und Bakterien

tiefer in die Haut und entzünden sich.

■ Akne ist eine Krankheit und hat nichts

mit mangelnder Körperhygiene zu tun. Daher

sollte Akne von einem Arzt behandelt

werden.

■ Mit einem erhöhten Anteil von Östrogenen

in der Antibabypille werden die

körpereigenen männlichen Geschlechtshormone

blockiert.

ILLUSTRATION: ISTOCKPHOTO/ KVITAJAN; FOTO: ISTOCKPHOTO/ KOLDUNOV

■ 1. Aus rot wird braun

Viele Leute meinen, dass ein Sonnenbrand

lediglich eine Vorstufe des Braunwerdens

ist. Das Gegenteil trifft zu: Ein starker Sonnenbrand

ist viel eher eine Vorstufe für

Hautkrebs. Regelmässige «Überdosen» an

Sonne verbrennen nicht nur die Haut, sondern

können auch das Erbgut schädigen.

■ 2. Öfter eingecremt heißt

längerer Schutz

Die Eigenschutzzeit der Haut beträgt je

nach Hauttyp zwischen 5 und 30 Minuten.

Multipliziert man diese mit dem Lichtschutzfaktor

der Sonnencreme, ergibt sich

jene Dauer, die wir uns mit Sonnenschutz

der Sonne aussetzen können. Das erneute

Auftragen der Creme ändert an dieser

Schutzzeit aber nichts, sie wird lediglich

aufrechterhalten.

■ 3. Vorbräunen im Solarium hilft

Eine weitere Fehlannahme ist, dass das Vorbräunen

im Solarium die Haut auf die Urlaubssonne

vorbereiten kann. Weit gefehlt:

Die Haut wird deshalb nicht resistenter. Regelmäßige

Sonnenbankbesuche steigern

bei jungen Leuten unter 30 sogar das Hautkrebsrisiko

wesentlich.

■ 4. Selbstbräuner schützt die Haut

Auch Selbstbräuner sind kein Präventionsmittel

gegen Sonnenbrand. Durch ihre Anwendung

verändert sich nur der Farbton

der obersten Hautschicht. Die Haut bleibt

aber sonnenempfindlich.

■ 5. Im Auto ist man vor

UV-Strahlen geschützt

Auch eine lange Autoreise sollte man nicht

ohne Sonnenschutz antreten. Die Seitenscheiben

im Auto lassen 60 bis 80 Prozent

der UV-Strahlen durch.

■ 6. Im Schatten ist man sicher

Wer denkt, im Schatten geschützt zu sein,

liegt ebenfalls daneben. Es ist zwar ratsam,

sich möglichst oft – vor allem mittags – im

Schatten aufzuhalten. Doch auch im Schatten

ist Eincremen angebracht, da laut Experten

die UV-Strahlung immer noch zu 50

Prozent durchdringt.

■ 7. Im Wasser passiert mir nichts

Wasser schützt nicht vor der Sonne. Die Reflexion

intensiviert sogar die Sonneneinstrahlung.

■ 8. UV-Strahlen gelangen nicht

durch die Kleidung

Nicht einmal bekleidet ist man vor UV-

Strahlen komplett geschützt. Ein weisses

Baumwoll-T-Shirt entspricht zum Beispiel

lediglich einem Lichtschutzfaktor von

zehn. ■

von Redaktion

■ Bei Akne sollte man auf fetthaltige

Salben und Kosmetik-Produkte verzichten,

da diese die Hautporen verstopfen können.

■ Eine Aknebehandlung braucht Geduld.

Eine Verbesserung zeigt sich meist erst

nach einiger Zeit.


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■■Wie bist du zu der Bezeichnung

„Curvy Model“ gekommen?

Ich war als Jugendliche schon immer

größer und „kurviger“ als die anderen

Mädchen in meinem Jahrgang. Nicht

übergewichtig, aber körperlich anders

entwickelt, was mir jahrelang stark zu

schaffen gemacht hat. Ich wollte immer

so dünn und zierlich sein, wie die anderen

Mädchen. Mit 17 habe ich mit ungesunden

Diäten angefangen und rapide Gewicht

verloren. In diesem Zeitraum hat mich ein

professioneller Fotograf „entdeckt“ und

ich habe angefangen als „normales und

dünnes“ Model zu arbeiten. Trotz 57 Kilo

auf 1,77 m Körpergröße hatte ich immer

noch zu viele Kurven auf Hüfte und Brust

und hätte weiter abnehmen sollen. Das

hat nicht mehr funktioniert und nach der

Erkenntnis, Essprobleme zu haben, habe

ich wieder auf meine natürlichen Körperproportionen

zugenommen und bin vom

Straight Size Model zum Curvy Model gewechselt.

■■Hattest du in deiner Jugend

Selbstzweifel und wenn ja, welche?

Ich befürchte, es gehört dazu, als Teenager

Selbstzweifel zu haben. Der Körper

verändert sich, die Hormone ärgern einen

und man muss sich selbst erstmal finden.

Das war bei mir genauso wie bei allen

meinen Freunden! Ich hab mich immer

viel zu groß und wohlgeformt gefunden.

Sogar für meine Brüste geschämt! Mir

hat es geholfen, darüber mit Freunden

zu reden und festzustellen, dass jeder

seine Unsicherheiten hat. Zusammen

geht es viel leichter, herauszufinden, was

man schön an sich selbst findet und mit

welchen Mittelchen man das hervorheben

kann, um sich wohlzufühlen. Ich mag

mein Lächeln und betone das gern mit

einer knalligen Lippenstiftfarbe – dadurch

fühle ich mich wohl.

■■Wie würdest du „die Frau von

heute“ beschreiben?

Für mich gibt es keine passende Definition

von „der Frau von heute“. Die sozialen und

kulturellen Bedingungen haben sich stark

verändert und Frauen sind alles, mit vielen

verschiedenen Facetten; wir lassen uns

nicht verallgemeinern!

Frauen sind stark, laut, individuell,

ruhelos, besonnen, stylisch, rebellisch,

liebevoll, natürlich, bunt, zielstrebig,

selbstständig und selbstbewusst. Und das

mal mehr und mal weniger! Immerhin sind

wir Frauen und die Hormone tanzen uns

manchmal gut auf der Nase rum!

■■Was bedeutet für dich „curvy“?

Für mich stellt „curvy“ ein Oberbegriff

für eine Frau mit gesunden, weiblichen

Körperproportionen dar. Egal, ob

Konfektionsgröße 36 oder 44! Optisch

passt die Sanduhrfigur am besten als

Beschreibung: Schultern, Brust und Po

ähneln sich in den Maßen, die Taille

dagegen ist deutlich schmaler.

Ich finde es jedoch beunruhigend,

dass gerade auf sozialen Plattformen

wie Instagram auch ungesunde und

übergewichtige Körper als „curvy“

bezeichnet werden, als Art positive

Rechtfertigung.

Jeder soll sein eigenes Maß an

Schönheit und Wohlbefinden ausleben

können. Jedoch ist zu viel ebenso wie

zu wenig Gewicht ungesund und sollte

nicht mithilfe des Begriffs von „curvy“

beschönigt werden. Gesundheit steht an

oberster Stelle!

■■Wie gehst du mit dem Thema

Sport & Ernährung um?

Ich ernähre mich ausgewogen und

versuche, mindestens zweimal die Woche

Sport zu machen und mich ordentlich

dabei auszupowern. Außerdem liebe ich

alle möglichen Beeren und Nüsse und

habe immer welche in meiner Tasche für

unterwegs dabei.

Aber im Grunde höre ich, worauf mein

Körper Lust hat. Das kann mal eine riesige

Portion Pommes oder eine leckere gesunde

Gemüsepfanne sein. Aktuell habe ich

Lust, meinen Körper eine Detox Saftkur

zu gönnen und für ein paar Tage auf feste

Nahrung zu verzichten.

■■Dein Lieblingsessen?

Alles was mit Pasta und Käse zu tun hat!

Am liebsten überbackene Aufläufe! Ich bin

aber auch ein großer Fan von asiatischen

Nudelsuppen wie Pho und Ramen.

■■Wie motivierst du dich beim

Einkauf, wenn die Jeans einmal

kneifen?

Ganz einfach, ich nehme eine größere Größe!

Wichtig ist zu wissen, dass jede Jeans in

ihrer Größe und im Material verschieden

ausfällt. Ich habe sogar ein und dieselbe Hose

in zwei verschiedenen Größen daheim

und sie passen beide perfekt! Deswegen

darf man sich auch nicht auf Zahlen fokussieren

– weder auf der Waage, noch bei Kleidergrößen!

Es muss passen und sich gut

für einen selbst anfühlen – darauf kommt

es an!

■■Einen Tipp, den du jungen

Menschen zum Thema

„Selbstbewusstsein“ mitgeben

möchtest?

Selbstbewusstsein fängt an mit Selbstakzeptanz

und geht weiter in Selbstliebe.

Selbstbewusst zu werden ist ein Prozess,

den man lernen kann und der einen ein

Leben lang mit Höhen und Tiefen begleiten

wird. Am Wichtigsten ist, dass ihr euch

selbst gut tut mit Dingen, die ihr mögt! Behandelt

euren Körper wie einen Tempel.

Verzichtet nicht auf Dinge, die ihr mögt,

sondern probiert, einen guten Ausgleich zu

finden. Stellt euch vor den Spiegel, schaut

euch von Kopf bis Fuß an und findet heraus,

was euch besonders gut an euch selbst gefällt!

Schreibt es auf und überlegt euch, wie

ihr die Körperpartie hervorheben könnt.

Hierbei ist alles erlaubt, vom breiten Lächeln

bis zum Gürtel in der Taille. ■

von Redaktion


6 · MEINE NATUR Anzeige

Wo die Seele auftankt

Lernen, Prüfungen, Stress! Du bist müde, energielos, auf Sparstrom?

Du willst einfach einmal tief durchatmen können? Na dann ab an die frische Luft!

Warum wir die Natur lieben?

Freiheit

Keine strikten Regeln, keine Grenzen und

nur von seinen eigenen Entscheidungen

abhängig sein – einfach frei sein. Tipp: Stell

dich auf einen Hügel und schrei einmal aus

vollem Herzen. Wohoo!

Abenteuer

Ob nur auf Bäume klettern, im Wald zelten

oder Wildwasser Rafting – finde dein eigenes,

individuelles Abenteuer und vergiss all

die alltäglichen Sorgen.

Stille

Vogelgezwitscher und Blätterrauschen

statt Klingeltöne und Stadtlärm. Die Geräuschkulisse

der Natur ist nicht unbedingt

leise, hat aber eine beruhigende Wirkung

– ähnlich wie Musik.

Gesundheit

Bewegung und frische Luft sind die meistverschriebene

Medizin von Ärzten und

100 Prozent rezeptfrei. Sie lindern so einige

unserer körperlichen und geistigen Beschwerden.

Probier es aus.

Warum manche die

Natur meiden?

Schmutz

Man sollte keine Angst haben, Dreck

unter die Fingernägel zu bekommen. Die

schöne weiße Hose ist auch nicht sonderlich

vorteilhaft. Mit etwas Wasser und Seife

ist der Dreck schnell abgewaschen, also

keine Panik.

Gefahr

Austria, not Australia! Mit einer Zeckenimpfung

und einem Blasenpflaster kann

man hier meist recht unbesorgt im Wald

spazieren gehen. Für alle Naturanfänger:

Lasst euch von jemandem begleiten, der

sich auskennt.

Langeweile

Grundsätzlich schadet es nicht, unserem

Gehirn ab und an ein wenig Erholung zu

gönnen. Alternativ ist eure Kreativität gefragt,

denn die Natur selbst ist vielfältig –

es liegt also an euch die richtige „Unterhaltung“

zu finden.

Ekel

Es ist etwas anderes, einen Frosch anzufassen,

als ihn nur auf dem Papier zu sehen.

Man lernt nur durch Ausprobieren und besiegt

seine Ängste auch nur, wenn man sich

ihnen stellt. Trau dich – YOLO!

von Redaktion

Foto: istoCKphoto/ NiKAdA


wildniscamp

WILDNIS SPÜREN - SICH SELBER SPÜREN!

W

ildniscamp Nationalpark Hohe Tauern

Der 1913 gegründete Nationalpark Hohe Jahrtausende unter dem Gletschereis verborgen lagen. Völlig

Tauern kaufte im Jahr 2017 rund 6.782 unbeeinflusst von direkter anthropogener Einflussnahme

ha und erklärte es zu dem „Wildnisgebiet

Sulzbachtäler“ um die in diesem Gebiet ungestörte natürliche

Entwicklung auch für die Zukunft zu sichern. Aufgrund der

Klimaerwärmung ziehen sich die Gletscher immer weiter

zeigen diese Gletschervorfelder Wildnis in ihrer ursprünglichsten

Form und Dynamik.

Diese Art von Wildnis zu erleben und zu spüren, lässt es auch

zu uns wieder selbst wahrzunehmen und zu spüren.

zurück und geben dadurch Flächen frei, die über

auf wilde Tage ?

Dann ist das Wildniscamp genau das Richtige für dich: Neben Streifzügen im Hochgebirge stehen unter

anderem Wildtierbeobachtungen, das Einrichten eines Lagerplatzes sowie Übernachtung im Freien auf dem Programm.

Die Hofrat-Keller-Hütte im Obersulzbachtal Neukirchen am Großvenediger wird unser Base Camp sein, welche auf jeglichen

Luxus verzichtet: kein Strom, kein warmes Wasser und keine Funkverbindungen! Und das Beste daran - du wirst diesen

Komfort nicht vermissen! Gemeinsam mit unseren Rangern werdet ihr die Wildnis des Ober- u. Untersulzbachtales erkunden.

In diesen 5 Tagen stehen euch spannende Tage bevor: Von den

Rangern lernt ihr Tipps und Tricks, wie man sich im Hochgebirge

orientiert, die Besonderheiten der Fauna und Flora im Nationalpark

erkennt und einen Lagerplatz im Freien einrichtet.

Termine

in den Sommerferien 2018

Lust

W

ildniscamp für Schulklassen:

Erlebe gemeinsam mit deiner Schulklasse unvergessliche

Tage im Wildnisgebiet Sulzbachtäler in

Neukirchen am Großvenediger.

Buchbar in den Monaten: Juni, Juli, September, Oktober

1. Camp: 23. - 27. Juli (Anmeldeschluss: 25.06.2018)

für Kinder von 9 bis 11 Jahren

2. Camp: 20. - 24. Aug. (Anmeldeschluss: 23.07.2018)

für Kinder von 12 bis 14 Jahren

Max. TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Kosten: € 275,00 (alles inklusive).

Dauer: wahlweise 2 bis 5 Tage

Schulklassen bis 25 Personen

Kosten pro Schüler/Tag: € 55,00 (inkl. Ranger-Betreuung,

Unterbringung und Verpflegung)

Nähere Informationen erhalten Sie unter:

+43 6562 40849 33

np.bildung@salzburg.gv.at

www.hohetauern.at

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Hauptsache, du liest!

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illustrAtioN: istoCKphoto/ANdrei KisliAK

Es gibt gute Gründe für dich,

zu lesen. Während du mit dem

einen Buch Wissenslücken füllst,

unterhält dich das andere: Es

bringt dich zum Lachen, Weinen

oder Grübeln. Doch das ist längst

nicht alles!

Wenn du das hier liest, trainierst

du zugleich dein Gehirn,

sodass es Signale zwischen

den verschiedenen

Hirnregionen besser austauscht. Das Lesen

hilft dir, dich zu konzentrieren und

geistig fit zu bleiben. Liest du eine Geschichte,

simuliert dein Gehirn sie. Du

siehst plötzlich mit den Augen des Story-

Helden, was geschieht. So lernst du, dich

buchstäblich in andere hineinzuversetzen.

Das hilft dir im wirklichen Leben,

denn du verstehst besser, warum deine Eltern,

Geschwister und Freunde handeln

wie sie handeln. Hauptsache, du liest!

Was lesen? Das!

Ob Thriller, Fantasy-Roman, Liebesgeschichte,

Reisebericht oder Gedicht, was

du neben den Must-Read-Texten für Schule,

Ausbildung, Studium und Job liest, ist deine

Sache. Du hast heute mehr denn je die Qual

der Wahl beim Lesestoff. Hauptsache, du

liest!

Wie lesen? So!

Lesestoff bekommst du heute analog auf

Papier oder digital auf Smartphone, Tablet

oder E-Reader. Bei der Antwort auf die Frage,

was besser ist, Buch oder E-Book, scheiden

sich die Geister. Während die einen auf das

unvergleichliche Erlebnis, Papierseiten

zu blättern, schwören, wischen sich die

anderen auf dem E-Reader glücklich durch

ganze Bibliotheken voller Lieblingsbücher.

So ein E-Reader punktet gegenüber einem

Buch aber nicht nur mit seinem enormen

Fassungsvermögen.

Er bietet dir zudem optimale Lesebedingungen,

ganz gleich, ob in der Sonne

am Strand oder im Dunkeln im Bett.

Displays mit E-Ink-Technologie sorgen

dafür, dass das Schriftbild so kontrastreich

ist wie bedrucktes Papier. Einen Vorteil

des E-Readers gegenüber Smartphone

und Tablet wirst du zu schätzen lernen: Er

blendet dir weder nervige Werbung noch

Nachrichten ein, du kannst also ungestört

darauf lesen. Moderne Geräte sind dazu noch

wasser- und staubfest und manche Modelle

haben sogar eine Vorlesefunktion und einen

MP3-Player an Bord. Ist dir die Umwelt

wichtig, solltest du wissen, dass der E-Reader

gegenüber Papierbüchern dann die bessere

Klimabilanz hat, wenn du mindestens zehn

Bücher im Jahr darauf liest.

Welche Kosten? Die!

Mit Preisen zwischen 50 und 300 Euro

ist so ein E-Reader eine Sache, die du dir

am besten schenken lässt. Die E-Books

sind dafür meist günstiger als Exemplare

aus Papier. Also: Wie du dir deinen

Lesestoff reinziehst, bleibt dir überlassen.

Hauptsache, du liest!

Doreen Brumme

Für die sonnigsten

Seiten des Lebens

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Vorlesefunktion und MP3-Player zum Abspielen von Hörbüchern und Musik.

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RAMBAZAMBA

Donauinsel Fashion-Himmel

Foto: Alex Dietrich


JUNG

BRUTAL

GUTAUSSEHEND

„Jung, brutal,

gutaussehend 3“ –

So heißt das Album,

mit dem Kollegah und

Farid Bang den Echo

in der Kategorie „Hip

Hop/Urban National“

gewonnen haben.

Jungs wie unsere

Cover-Models

sind Vertreter der

Generation Rap.

48 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF / /


Was Jugendliche

feiern, empört

Erwachsene: Deutschrap

ist im Mainstream

angekommen. Wächst

durch Rapper wie

Kollegah und Farid Bang

eine neue Generation

von Antisemiten heran,

die Frauen hasst und

homophob ist?

Text und Fotos: Alexandra Stanić

Sie sprechen die gleiche Sprache, haben die

gleichen Werte und kommen aus den gleichen

Verhältnissen wie ihre Fans: Rapper erobern seit

Jahren die deutschsprachige Musiklandschaft.

Lange Zeit galt das Genre als Musik der Unterschicht, fand

jedoch kaum mediale Beachtung. Doch das hat sich geändert.

Rapper haben ein Millionenpublikum, junge Menschen

nehmen sie als Vorbilder. Kritik gegen Rapper verstehen

diese jungen Menschen als Kritik gegen sich selbst. „Mit

wem sonst sollen sich Migranten identifizieren? Es gibt ja

niemanden, der uns nahe ist“, sagt Mehmed * . Der 22-jährige

Wiener wächst in einer konservativ-muslimischen Familie aus

dem Sandzak, einer Region in Serbien und Montenegro, auf.

Seit er 15 ist, hört er Deutschrap. Er weiß, dass Rapper wie

Kollegah, Farid Bang oder RAF Camora für viele Jugendliche

mit Migrationshintergrund Idole sind. Auch er fühlt sich von

ihnen abgeholt. „Sie sind mit einem ähnlichen Wertegefühl

aufgewachsen und sprechen genau das an, was sich viele

wünschen: Reichtum und Erfolg“, so der 22-Jährige.

KOLLEGAHS KÜNSTLERISCHE

FREIHEIT

Da könne man über einzelne problematische Textpassagen

schon mal hinwegsehen, so Mehmed. Er macht damit

eine Anspielung auf die Diskussion rund um die Zeile „Mein

Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“. Mitte April

wurde Kollegah und Farid Bang für ihr Album „Jung, brutal,

gutaussehend 3“ der „Echo“ verliehen. Das Album wurde

mehr als 200.000 Male verkauft und 30 Millionen mal

gestreamt. Die Preisvergabe löste einen Skandal aus, weil

auf der XXL-Version dieses Albums der Auschwitz-Vergleich

zu finden ist. Nun wurde der deutsche Musikpreis ganz

abgeschafft, der Vorstand des Bundesverbandes Musikindustrie

erklärt in einer Stellungnahme, dass die Marke „Echo“

beschädigt worden und ein vollständiger Neuanfang nötig

sei.

Mehmed kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen.

Die Diskussion über Antisemitismus im Deutschrap spiegelt

seiner Ansicht nach die Diskussion über den „importierten

Antisemitismus“ wider. „Rechte Politiker erlauben sich

ständig antisemitische und islamophobe ‚Ausrutscher‘, aber

kaum provozieren zwei muslimische Rapper, ist die gesamte

Medienlandschaft empört“, gibt Mehmed zu bedenken. Er

finde die Zeile zwar geschmacklos, sagen müsse es Kollegah

aber trotzdem dürfen. „Charlie Hebdo hat den Islam auch

verhöhnt und alle haben das Satire-Magazin verteidigt. Wieso

sollte Kollegah seine künstlerische Freiheit nicht ausleben

dürfen?“, argumentiert der Student. Er glaubt nicht, dass

Kollegah seine Hörerschaft zu Antisemiten großzieht. Aber er

gibt zu: „Wer in einem antisemitischen Umfeld aufgewachsen

ist und dieses Gedankengut in sich trägt, der könnte sich von

solchen Lines schon bekräftigt fühlen.“

Aber ist Antisemitismus fester Bestandteil von

Deutschrap? Nein, sagt die feministische Rapperin Reyhan

Şahin alias Lady Bitch Ray. In einem Kommentar der Süddeutschen

Zeitung beschreibt die Deutschtürkin, dass sich

der antisemitische Trend entwickeln konnte, weil Rap lange

ein kaum beachtetes Genre war. „Er galt auch in Deutschland

als Musik der Unterschicht und von jungen Heranwachsenden.

So konnte sich unbeobachtet eine halb kriminelle

Parallel-Community mit eigenem ‚Ehrenkodex‘ bilden - oder

zumindest eine, die so tut, als sei sie kriminell, weil das zum

Bad-Boy-Image und zur Street Credibility gehört.“ Ganz

offenbar reiche es nicht mehr, „Nutten und Mütter zu ficken“

und „Koks zu verticken“. Rap-Texte scheinen inzwischen mit

Judenfeindlichkeit, Islamismus und Verschwörungstheorien

aufwarten zu müssen, um ihre Zielgruppe zu erreichen, so

Lady Bitch Ray. „Sonst schocken sie weder die jungen Käuferinnen

und Käufer, noch die weißen Männer aus der bürgerlichen

Mittelschicht, die in den Plattenfirmen sitzen und

solchen Künstlern eine Menge Geld für Musikproduktionen

und Videos zahlen“, schreibt die deutsch-türkische Islam-,

Sprach- und Genderforscherin weiter.

Auch Adnan * ist genervt von der Frage, ob Kollegah und

Farid Bang Antisemiten sind. „Ganz sicher nicht.“ Der Schüler

ist ein großer Fan der beiden Rapper, oder wie sie sich selbst

gerne bezeichnen: vom Boss und vom Banger. Mit 14 entdeckt

Adnan Kollegah für sich, sein älterer Bruder spielt ihm

den Song „Du bist Boss“ vor. Der holt Adnan ab. „Ich höre

Deutschrap, weil er mich motiviert und mir das Gefühl gibt,

dass ich alles erreichen kann, wenn ich einen starken Willen

habe“, so der Schüler. Rapper kommen oft aus sozial schwachen

Familien. „Sie haben es aus dem Nichts geschafft“,

erklärt Adnan. Er kann den medialen Aufschrei rund um

Kollegah und Farid Bang nicht nachvollziehen. „Die beiden

sprechen das aus, was am besten ankommt“, erklärt der

17-Jährige mit albanischen Wurzeln. „Deswegen sind sie in

ihren Texten zum Beispiel auch gegen Frauen und Schwule.

Das zieht bei Jugendlichen und Ausländern einfach.“ Das

/ RAMBAZAMBA / 49


edeute aber nicht, dass sie oder ihre Fans frauenfeindlich,

homophob oder antisemitisch sind. „Sie machen gute Musik

und provozieren, das war‘s aber auch schon.“

Mit der Empörung von allen Seiten kann Adnan wenig

anfangen. „Farid Bang hat sich an dem Echo-Abend entschuldigt.

Ist es nicht seltsam, dass das Fernsehen genau

diesen Teil nicht gezeigt hat?“, fragt der 17-Jährige und

spielt damit auf Kollegahs Theorie, „die Medien“ hätten

sich gegen die beiden verschworen, an. So schnell können

falsche Informationen die Runde machen, denn der

TV-Sender Vox erklärt auf Twitter: „Das Video wurde beim

Dinner erstellt, also vor der Preisverleihung, die wir ab 20:15

live übertragen. Wir haben nichts rausgeschnitten, dieser

Teil des Abends wurde, wie auch 2017,

einfach noch nicht aufgezeichnet - das

wussten auch Farid Bang und Kollegah.“

Ob diese Klarstellung bei der

Fangemeinde angekommen ist? Adnan

wusste nichts davon.

Beschimpfungen unter der Gürtellinie

gehören zum Rap genauso wie Provokation

auf Kosten Schwächerer und

geschmacklose Vergleiche. Wenn es

nach Adnan geht, darf ruhig über den

Auschwitz-Sager diskutiert werden. Er

alleine mache Kollegah aber nicht zum

Antisemiten. „Wenn es um Judenfeindlichkeit

geht, sind plötzlich alle besonders

zimperlich“, sagt Adnan wütend.

Sei jemand gegen Muslime, interessiere

das keinen. „Diese Rockband frei.wild,

der Nähe zur rechten Szene vorgeworfen

wird, hat nicht halb so viel Aufmerksamkeit

bekommen, als sie den Echo

2016 gewonnen hat“, wirft er in den

Raum.

AMORALISCH FÜR

REICHTUM UND EHRE

Auch sein Mitschüler Stefan * empfindet den Skandal als

unnötig aufgebauscht. „Er hat ja nicht dazu aufgerufen, alle

Juden abzuschlachten“, so der 17-Jährige. „Kollegah ist eine

Kunstfigur, die gerne provoziert.“ Man müsse zwischen Kollegah

und Felix Blume (Kollegahs bürgerlicher Name, Anm.)

unterscheiden. Felix Blume ist Sohn einer Deutschen und

eines Kanadiers, er wuchs in Friedberg in Deutschland auf

und begann ein Jus-Studium. Sein Stiefvater ist Muslim, im

Teenager-Alter konvertierte Kollegah zum Islam.

Dass man reale Personen nicht so einfach von ihren

Kunstfiguren trennen kann, weiß Jugendforscher Philipp

Ikrath. „Es geht nicht nur darum, was für eine Musik Kollegah

macht, sondern auch, was er auf sozialen Medien

wie etwa Youtube oder Instagram verkörpert“, so Ikrath. Er

schließt aus, dass Jugendliche zu Antisemiten werden, wenn

sie Rapper wie Kollegah oder Farid Bang hören. „Aber wer

antisemitische Tendenzen hat, der wird sich von dieser Musik

bekräftigt fühlen“, erklärt der Jugendforscher. „Das gilt auch


WIESO

SOLLTE

KOLLEGAH

SEINE KÜNST­

LERISCHE

FREIHEIT

NICHT

AUSLEBEN

KÖNNEN?


für Frauenfeindlichkeit und Homophobie.“ Ihm fehlt in der

Debatte rund um Deutschrap eine differenzierte Herangehensweise.

„Was ich als besonders problematisch empfinde,

ist, dass bei Jugendlichen der Eindruck entsteht, dass man

alles machen kann, egal, wie amoralisch es ist, solange die

Verkaufszahlen stimmen“, so Ikrath.

Ruhm und Reichtum, egal um welchen Preis: Ist das die

Devise der Hip-Hop-Szene und holt sie Jugendliche ab? Ja,

findet der 22-jährige Mehmed. Obwohl er viele von Kollegahs

Texten als antisemitisch einschätzt, gehört er zu seinen Lieblingsrappern.

„Seine Songs sind sprachliche Spielerei, klar

provoziert er damit extrem“, so Mehmed. „Es ist wie wenn

du einen Film schaust.“ Mehmed betont, er habe keinesfalls

etwas gegen Juden, Frauen oder

Homosexuelle. „Aber es ist sehr heuchlerisch,

dass bei Deutschrap alle sofort

mit erhobenem Finger urteilen“, so der

Student. „Die Popsängerin Ariane Grande

trägt mit ihren sexistischen Texten

und Musikvideos nämlich auch nicht

unbedingt zu einem fortschrittlichen

Frauenbild bei.“ Kollegah und Co. würde

er vor seiner jüngeren Schwester,

die ein Kopftuch trägt, nicht abspielen.

„Das wäre dann doch irgendwie

unpassend.“ Als Ältester will er seinen

Geschwistern nicht das Gefühl vermitteln,

dass es in Ordnung ist, andere zu

beleidigen. „Was Kunst ist, checken sie

noch nicht“, so Mehmed.

Die deutsche WDR-Doku „Die

dunkle Seite des deutschen Rap“

beschäftigt sich mit der Frage, wie

antisemitisch Deutschrap ist und zeigt

unter anderem ein Video von Kollegah

aus dem Jahr 2016, das voll von

judenfeindlichen Stereotypen und Vernichtungsfantasien

ist. Kollegah selbst

inszeniert sich in dem Video als Kämpfer

für das Gute, als Retter der Welt. Das Böse trägt einen

Davidstern-Ring und ist Teil einer geheimen Banken-Weltverschwörung.

Auf Nachfrage des WDR antwortet Kollegah

lediglich mit einem Video auf Instagram: Das Pentagramm

und Hexagramm seien magische Symbole, die weit über die

Anfänge des Judentums zurückgehen.

„ICH BIN JA KEINE BITCH“

Auch Schülerin Luana hört gerne Deutschrap, RAF

Camora lieber als Kollegah und Farid Bang. Die beiden

Letzteren sind ihr zu brutal. Sie schätzt Deutschrap zwar als

frauenfeindlich ein, das stört sie aber nicht weiter. „Der Beat

ist gut, da achte ich gar nicht auf den Inhalt“, erklärt die

15-Jährige. Ob Deutschrap Burschen dazu bringt, dass sie

Frauen weniger Respekt entgegenbringen? „Ganz eindeutig,

die sind ja ihre Vorbilder“, ist sich Luana sicher. „Auf

Instagram verwenden Jungs in meinem Alter auch dauernd

Zitate von Liedern, sie schreiben da so Zeug wie dass man

50 / RAMBAZAMBA /


Auszüge aus dem

Album „Jung, brutal,

gutaussehend 3“

„Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)

Danach fick' ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe“

„Yeah, Bitch, also provozier nicht, sonst wird es blutig wie'n

Krokodil-Biss“

„Nutte, meine Lambositze Alcantra, mache wieder mal 'nen

Holocaust, komm' an mit dem Molotow“

„Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“

„Ey, ich schlag' Nutten nur halbtot, wenn ich durch

Rotlichtgassen lauf‘“

"(...)Bis mir seine Frau allein aus Gruppenzwang den Cock suckt

Lutsch mal an der Shotgun und bell wie ein Pudel (wau wau)

Sorry, leider nicht authentisch genug (*Schuss*)“

„Wir ballern die Ghettohuren, ballern die Testokuren, JBG

Bitches heute wollen Jungfrau bleiben

Zwei Optionen: Arsch oder Mund auf, Kleines“

Keine Rapper, dafür knallharte Poser: Diese Jungs

können easy mit Kollegah und Farid Bang mithalten.

/ RAMBAZAMBA / 51


Kollegah und Farid Bang gehören zu den

erfolgreichsten Rappern Deutschlands.

auf Frauen scheißen soll, weil sie sich einfach Bitches kaufen

können.“ Dass Frauen regelmäßig als Bitches und Schlampen

bezeichnet werden, stört sie nicht. „Ich bin ja keine Bitch,

daher fühle ich mich auch nicht angesprochen“, erklärt die

Schülerin und spielt damit genau jenem Frauenbild in die

Hände, das in der Rapszene so tief verwurzelt ist: Als „Bitch“

gelten oft alle Frauen, aber besonders jene Frauen, die zu

ihrem Sexleben (mit mehr als einem Mann und vor der Ehe)

stehen.

Luana findet es ähnlich wie Mehmed bedenklich, dass

zwei muslimische Rapper derart von deutschen Medien an

den Pranger gestellt

werden. „Wundern tut

es mich nicht, es hetzen

ja eh alle gegen Muslime“,

so die Schülerin

mit albanischen Wurzeln.

„Unfair ist es trotzdem.“

Zudem sollten sich Medien

ihrer Meinung nach

mehr mit rechter Politik

beschäftigen. „Politiker

haben viel mehr Macht

als Rapper und politischer

Antisemitismus ist viel

schlimmer als irgendwelche

provokanten Zeilen

von Kollegah“, findet die

15-Jährige. „Was können

Farid Bang und Kollegah

in Wahrheit schon ausrichten? Die erreichen doch nur ihre

Fans. Politiker können das ganze Land verändern.“

Kollegah und Farid Bang haben die Einladung des Internationalen

Auschwitz-Komitees angenommen und wollen die

KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau Anfang Juni besuchen.

Der Vize-Präsident des Komitees hofft, dass der Besuch ein

„Signal an ihre Fans“ sein wird. Auch Mehmed hält das für

eine gute Idee. „Dann stellen sich die beiden ihren Zeilen und

setzen sich damit auseinander“, so der Fan. „Ich selbst war

auch schon in Auschwitz. Das bewegt jeden, der dort ist.“ ●

*Namen von der Redaktion geändert.

Alle Fotos wurden nachgestellt.


ICH BIN JA

KEINE BITCH,

DAHER FÜHLE

ICH MICH

NICHT ANGE­

SPROCHEN


DER WIENER RAP IS

NED DEPPAT

Redakteurin Aleksandra Tulej hat sich die

Wiener Rapszene genauer angesehen.

RAF Camora hat’s geschafft. Der Wiener Rapper aus

dem 15. Bezirk hat es in Deutschland geschafft. Das

wissen wir mittlerweile alle, nachdem er nicht davor

scheut, es in jedem seiner Lieder zu erwähnen. Aber

RAF hat es gänzlich ohne antisemitische Anspielungen

geschafft. Und Nazar – Favoritner FPÖ-Feind der

ersten Stunde - sowieso.

Die Wiener, die derweil noch in Wien und am

Boden geblieben sind, singen meist nur davon, wie

viel sie kiffen und werfen gern mit Jugo-Schimpfwörtern

um sich. Die Rede ist von Yung Hurn, Jugo

Ürdens, Svaba Ortak und Co. Sie sind alle aus unterschiedlichem

Holz geschnitzt, aber die Texte sind

doch meistens ähnlich. Politisch tiefgründige Zeilen

sucht man vergeblich. Texte über Drogen, Frauenfeindlichkeit,

Homophobie und Co. gab es im Rap

immer schon. Zeilen über „Bitches“ und „Schwuchteln“

regen längst keinen mehr auf. Währenddessen

landeten in Deutschland Kollegah und Farid Bang mit

Antisemitismus in den Schlagzeilen. Kollegah und

Farid haben mit JBG 3 gewohnt harte aber gleichzeitig

ideologisch dämliche Zeilen geliefert. Es ist diese

„Niemand kann uns was, wir sind die Kings, wir dürfen

alles“- Einstellung der beiden. Aber in Kombi mit

Antisemitismus ist das nur deppat. Und das wissen

alle - die zwei Möchtegern-Babos miteinbegriffen.

Unsere Wiener Burschen liefern keine argen Aufreger.

Aber: Besser unpolitische Lines texten als wie Farid

Bang dumme Instagram-Stories posten.

Die Sache ist die: Wer im Deutschrap nach Moral

und Werten sucht, ist hier überhaupt falsch. Andererseits:

Image-Rap ist eine Sache, Vorbildfunktion eine

andere.187 Straßenbande-Mitglieder protzen etwa

auf Instagram mit Waffen und Drogen. Nur hätte das

Tupac nicht auch getan, wenn er schon Social Media

gehabt hätte? Lassen wir Tupac in Frieden ruhen

und kehren zurück nach Rudolfscrime: Vielleicht ist

Wien einfach nicht „arg“ genug, um für Deutschrap-

Schlagzeilen zu sorgen. Und vielleicht ist das auch gut

so. Weil ganz ehrlich, RAF: Gotham City hin oder her –

eine South Bronx wird dein Wiener Grätzl nicht.

Britta Pedersen/dpa/picturedesk.com , Marko Mestrović

52 / RAMBAZAMBA /


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LEHRE BEI BAWAG PSK

Die Lehre zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau ermöglicht

Lehrlingen eine Topausbildung. Zusätzlich bietet euch

die BAWAG PSK die„Lehre mit Matura“ an. Euer Bruttogehalt

beträgt im 1.Lehrjahr 840 €, im 2. Lehrjahr 964 € und im 3.

Lehrjahr 1.125 €. Besondere Leistungen werden zusätzlich

belohnt. Infos: http://www.bawagpsk.com/lehrlinge

Der

Tag vergeht viel

schneller als in der

Schule. Die Lehre war

die richtige

Entscheidung!


3 FRAGEN AN:

Life

& Style

Schick im

Schlamm

Circa 2005 habe ich

in allen Zeitschriften

Kate Moss’ Outfit beim

Glastonbury Festival

bewundert – Es sah einfach

so verdammt cool

aus, wie sie lässig mit

ihrer Zigarette und ihren

Gummistiefeln über das

Gelände geschlendert

ist. Als ich dann alt

genug war und selbst

auf den Geschmack von

Festivals kam, bin ich

draufgekommen, dass

man nach zwei Tagen

Zelt, Schlamm und

Sonne nicht halb so cool

aussehen kann wie Miss

Moss. Oder zumindest

war ich nicht cool genug.

Jetzt bin ich zu alt

(sprich: faul) für Festivals.

Aber würde ich es

nochmals versuchen,

dürfte etwas im Kate

Moss-Style an meinem

Outfit nicht fehlen. Wie

z.B. dieser BH von Tezenis.

Sehr Bad&Boujee.

Schöner Schein.

Von Aleksandra Tulej

DIE MIT DEM

GEBURTSTAG

Ich geh’ jetzt auf die 30 zu. Ich

realisiere es noch nicht ganz –

ich war doch gerade noch achtzehn

Jahre alt und habe sorglos

vor mich hingeträumt. Davon

geträumt, dass ich eines Tages

eine eigene Kolumne haben

würde und ein annähernd glamouröses

Leben führen würde.

Ja, das war eine schwache Sex

and the City-Anspielung. Aber:

Wenn man näher an der 30 als an

der 20 ist, sollte man sein Leben

irgendwie im Griff haben, dachte

ich immer. Und jetzt stehe ich

da: Kolumne? Check. Der Rest?

Naja. Während ich diese Zeilen

tippe, liegt neben mir ein angebissenes

Dürüm und daneben

eine zerdrückte Redbull-Dose.

Not so glamourös. Aber ich war

auch nie glamourös, und das wird

sich wohl jetzt auch nicht mehr

ändern. Und es passt schon. Weil:

Was genau definiert, ob ich mein

Leben im Griff habe? Für mich

ist es vor allem eines, so abgedroschen

es auch klingt: Sich

selbst feiern, was auch immer das

heißen mag. Und das tue ich. In

meinem Alter werde ich das wohl

schon sagen dürfen.

tulej @dasbiber.at

DMIA

Design Made in

Austria – Plattform

für herausragendes

Design

Was ist Design Made in Austria eigentlich?

DMIA ist eine Plattform für herausragendes

Design – von Architektur über Games, Grafikdesign

bis hin zu Mode und Möbeln.

Was ist das Ziel eurer Plattform?

Wir möchten jungen Kreativen eine Chance

geben, ihre Arbeiten zu präsentieren und

zeigen, dass Österreich in puncto Design

einiges zu bieten hat.

Wie wählt ihr die Projekte aus, die vorgestellt

werden?

Die Arbeiten kann man per Mail an info@

design madeinaustria.com einreichen und

unsere Kuratorinnen und Kuratoren entscheiden,

ob sie dem Anspruch an hervorragendes

Design gerecht werden. Wir finden auch

selbst Projekte, die uns gut gefallen und kontaktieren

dann die Designer.

DIY-Augenbrauen

Es gibt Ideen, vor

denen einem immer

abgeraten wird.

Augenbrauen selbständig

blondieren

fällt wohl unter die

Top 5. Ich hab’s

trotzdem gemacht.

Jetzt kann ich mich

entscheiden, ob ich

aussehe wie ein

Albino-Nacktmull

oder ob es eher einen

X-Tina post „Dirrty“ Flair hat. Wahrscheinlich

beides. Aber irgendwie feier ich es. Weil mich

diese fetten Wow-Brows mit denen alle jetzt

herumlaufen aussehen lassen wie Professor

Snape – und, weil es halt einfach Haare sind.

Die man jederzeit wieder umfärben kann. Zum

Bespiel mit den RefectoCil Augenbrauenfarben.

Aber Achtung: Sie sind eigentlich für den professionellen

Gebrauch gemacht, also geht damit

lieber zur Kosmetikerin. Außer, ihr wollt euch

meiner Albino-Nacktmull Gang anschließen. Wir

könnten uns Nice Nagetiere nennen oder so.

Vorschläge bitte an tulej@dasbiber.at

TEZENIS, Marko Mestrović, bereigestellt

54 / LIFESTYLE /


MEINUNG

SCHAU NIEMANDEM IN DIE

AUGEN IN FAVORITEN.

Ich lebe seit 16 Jahren in Favoriten. Es leben meistens

nur Ausländer im 10ten. Meistens Jugos, Türken und

Tschetschenen. Viele denken, dass Favoriten sehr

gefährlich ist und deshalb bleiben die meisten weg von

unserem Bezirk, obwohl das gar nicht so ist, wenn man

sich auskennt.

Fast alle Jugendliche kennen sich im 10ten gegenseitig

und deshalb gibt es sehr selten Fetzereien

untereinander.

Wenn es doch mal zu einem Kampf kommt, kann man

hier in 15 Minuten Hilfe bekommen. Auch die, die dich

nicht so sehr mögen, kommen und helfen. Die Orte,

wo die Kämpfe ausgetragen werden, will ich Ihnen

nicht genau sagen, aber in der Nähe vom Reumannplatz.

Viele in Favoriten schaffen die Schule nicht und

finden auch keine Arbeit, weil viele hier vorbestraft

sind. Deshalb haben sie nichts zu tun und sind immer

im Park.

ES GIBT BEI MAYA MACHEN REGELN

Mit der Zeit beginnen sie aus Langeweile Drogen zu

nehmen, weil sie nichts Besseres zu tun haben. Nach

einer gewissen Zeit geht ihnen das Geld aus und sie

versuchen maya zu machen (jemandem Geld wegnehmen).

Sie brauchen das Geld für Essen und Drogen.

Meistens machen sie dann einen Überfall. Erst sagt

man: “Gib dein Geld her!“ Wenn er es nicht tut, nimmt

man es weg. Es gibt aber auch bei maya machen

Regeln. Zum Beispiel nimmt man keiner Oma/keinem

Opa was weg. Auch keinen Kindern und Frauen. Nur

Männern ab unserem Alter.

Ich mache das alles nicht und finde das auch schlecht.

Aber es ist so und ich weiß es, weil ich aus dem 10.

Bezirk bin. Es ist oft besser nicht in gewisse Gegenden

hier zu gehen. Vor allem aber schau niemandem in die

Augen und rede nicht mit Leuten, die du nicht kennst.

Der Autor geht in eine Schule im 10. Bezirk

„DU BIST SELBER SCHULD,

WENN DU GEMOBBT WIRST.“

Diesen Satz hab ich so oft gehört. Manchmal, wenn

andere gemobbt wurden, aber auch wenn ich mal

gemobbt wurde. Ich war sehr oft dabei, wenn andere

gemobbt wurden. Meine Freundin hat sich immer

schwarz angezogen und wurde aufgrund dieses Kleidungsstils

gemobbt. Jeden Tag wurde ihr Outfit kommentiert:

„Ist jemand bei dir gestorben?“, „Was hast du

bitte an?“ war der Anfang – „Hure“ und „Mistgeburt“

dann die nächsten Wörter, die ihr an den Kopf geworfen

wurden. Mit der Zeit wurde es immer schlimmer.

Sie wollte nicht zur Schule und hatte Depressionen.

Eines Tages wurde sie von einer Gruppe getreten

und beleidigt, ich bin sofort dazwischen gegangen

und hab gemeint, dass sie aufhören sollen, denn was

wäre, wenn die auch so gemobbt werden würden oder

irgendwann mal deren Kinder. Am nächsten Tag bin

ich zu den Eltern meiner Freundin gegangen und hab

ihnen alles erzählt. Nach einer Weile wurde sie nicht

mehr gemobbt.

WEHRT EUCH!

Die meisten Mobber fühlen sich cool und wenn ihr

euch nicht wehrt, dann bekommen sie die Bestätigung,

die sie wollen. Ich spreche aus Erfahrung, da ich selber

mal gemobbt wurde, der Grund dafür war, dass ich mit

elf Jahren eine Monobraue hatte.

Das heißt, eigentlich könnte es jedem passieren, dass

er gemobbt wird. Jeder Mensch kann machen was er/

sie will, solang es keine anderen verletzt. Wenn ihr das

Gefühl habt, dass ihr gemobbt werdet, dann redet mit

jemandem, bevor es schlimmer wird. Bei mir wurde

es auch sehr schlimm, da ich mit niemandem darüber

geredet habe. Es kam sogar dazu, dass ich mich

geritzt habe. Erst, als ich mich einer für mich wichtigen

Person anvertraut habe, ist das alles besser geworden

und ich werde nun nicht mehr gemobbt.

Elsa ist 14 und besucht das BORG Henriettenplatz im 15. Bezirk.

55 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF / /

55


KNIETIEF IM STYLE-HIMMEL

Neue Models braucht das Land! Wir geben den Wienern und Wienerinnen

eine Chance, in den Model-Olymp aufzusteigen, und machen diesmal ein

Live-Casting. Dass die Donauinsel der perfekte Ort für ein Fashion-Shooting

ist, war uns sofort klar. Und wir stoßen auf eine Goldgrube an Style.

Text und Fotos: Marko Mestrović, Styling: Hvala Ilija

Ahmed und Muhammed spannen gern an, wenn sie im Wasser stehen und Schwäne beobachten.

Rechts: Badehose von Tommy Hilfiger, € 55,- links: Badehose von H&M, € 15,- Kapperl: Kids of the Diaspora

56 / MIT SCHARF /


Gideon haben wir nicht am Wasser getroffen, sondern beim Freeletics Training - klatschnass war er trotzdem, eh klar bei der

Hitze. Zum Abkühlen haben wir ihn in den Schatten der Bäume gestellt. Sonnenbrille: Hvala Ilija, € 155,-

/ MIT SCHARF / 57


58 / MIT SCHARF /

Karl ist ein richtiges

Wiener Original, die

stolze Brust braun

gebrannt. Original ist

auch sein Hemd von

Versace (Vintage,

stylists own).


Marietta wollte leider nicht erkannt werden. Geschmack beweist sie aber

trotzdem mit der Uhrenwahl, farblich perfekt zum Bikini von intimissimi

abgestimmt. Und etwas Bling-Bling darf auf der Donauinsel nicht fehlen.

/ MIT SCHARF / 59


Anna Black (wir vermuten: ein

Künstlername) macht Perücken.

Leider hatte sie auf der Donauinsel

keine dabei, ein Hingucker ist sie

aber trotzdem. Hose und Bikini von

H&M. Hemd von S.Oliver, € 16,99

Rajko kommt oft auf die

Romawiese zum Grillen mit

der ganzen Familie. Dabei sitzt

er aber gern abseits in seinem

Camping-Stuhl und verzaubert

mit einem Vintage Yves Saint

Laurent Hemd (stylists own) und

seiner grünen Ray Ban Brille.

60 / MIT SCHARF /


BIBER SUCHT

DICH!

zubilden. Das Stipendium ist mit 714 Euro brutto laut

Kollektivvertrag monatlich dotiert. Bist du interessiert

und zwischen 18 und 30 Jahre alt? Schick uns deinen

Lebenslauf und schreib uns in einem Motivationsschreiben,

warum du das Stipendium bekommen solltest,

welche drei Geschichten du gerne schreiben würdest

Du möchtest lernen, wie man richtig recherchiert und sende uns eine Textprobe. Die interessantesten

und gute Geschichten schreibt? Du hast es satt, wie Bewerber*innen werden zu einem Gespräch eingeladen.

Die österreichische Staatsbürgerschaft ist keine

über Migrant*innen geschrieben wird und möchtest

wissen, wie die österreichische Medienlandschaft Voraussetzung. Für uns zählen deine Motivation und

tickt? Dann bewirb dich für ein Stipendium an der deine Ideen, nicht deine Nationalität.

biber-Akademie. Biber sucht für August und September

zehn Jungtalente, die sich mit biber identifizieren Alle Bewerbungsunterlagen an:

können und die Medienlandschaft aufmischen wollen.

Alle Stipendiat*innen erhalten eine zweimona-

stanic@dasbiber.at

tige journalistische Grundausbildung. Workshops mit

externen Medienschaffenden, Diskussionsrunden über

gesellschaftlich relevante Themen und Ausflüge in

die großen Redaktionen Wiens stehen genauso auf

dem Programm wie das Erarbeiten eigener Geschichten,

Mobile Reporting und Beratungsstunden für den

weiteren Berufsweg. Das Ziel der Akademie ist es, die

kommende Mediengeneration zu rekrutieren und aus-

AKADEMIE

In Wien wird Bildung großgeschrieben.

Denn sie ist der Schlüssel

zu einem selbstbestimmten

Leben. Bildung ist der Klebstoff,

der unsere Gesellschaft zusammenhält.

Darum ist sie für uns ein

Grundrecht, das allen Menschen

zusteht – ganz egal, wo sie geboren

sind oder wie viel sie verdienen.

Das gilt besonders für die

jungen Wienerinnen und Wiener.

Sie sollen alle Chancen haben.

Wir wollen alle Kinder motivieren,

sich Wissen anzueignen. Damit

auch der Traumjob nicht nur ein

Traum bleibt. Gerade Wienerinnen

und Wiener mit Migrationshintergrund

haben hier einen schweren

Start. Das gilt es auszugleichen.

Denn Wien lässt niemanden

zurück.

Der Gegenwind seitens der Bundesregierung

weht scharf. Sie

kürzt die Mittel für Integration und

will uns mit ihrer Bildungspolitik

um Jahrzehnte zurückzuwerfen.

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BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL

Das lassen wir in Wien nicht zu.

Wir gestalten unsere Zukunft

gemeinsam. Deshalb unterstützen

wir das biber-NEWCOMER-Projekt.

Der SPÖ-Klub im Wiener Rathaus

wünscht allen Beteiligten alles

Gute und viel Erfolg.

/ MIT SCHARF / 61


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PACK DIE

BADEHOSE

EIN…

WIEN

Die Badestadt

…die Freibadsaison ist

eröffnet! Ob Bewegung,

Spiel und Spaß oder einfach

Chillen: In den Sommerund

Familienbädern der

Stadt Wien lässt es sich an

heißen Tagen besonders gut

genießen.

Foto: Votava/MA44

Über die schöne Aussicht auf

Wien und viele schattige Plätze

freuen sich die Badegäste des

Schafbergbads im 18. Bezirk.


Die schönste Zeit des Jahres

ist wieder angebrochen.

Lange Tage, kurze Nächte,

Eis und Langos essen, am Wasser

liegen, Ball spielen und die Sonne

genießen. Heuer starteten die

Wiener Bäder sogar einige Tage

früher in den Sommer als geplant.

Und das mit einigen Neuheiten für

die Badegäste. Ab Juli kommen

besonders junge Wasserratten auf

ihre Kosten: Das neue Familienbad

im Einsiedlerpark im fünften Bezirk

eröffnet dann auch. Und im dritten

Bezirk öffnet das sanierte Familienbad

im Schweizergarten mit einer

um die Hälfte erweiterten Badefläche

seine Pforten. Geringe Wassertiefen

sowie günstige Preise sorgen für ein

sicheres und familienfreundliches

Vergnügen. Kleinkinder und Kinder

bis 14 Jahre können die Familienbäder

der Stadt unentgeltlich besuchen,

erwachsene Begleitpersonen

zahlen lediglich 3,20 Euro.

KINDERSICHERHEIT

IM BAD GEHT VOR

Die Wiener Bäder starten in dieser

Saison eine Sicherheitsoffensive für

Kinder. Wir möchten Eltern auch

dringend ersuchen, ihre Kinder nur

mit ausreichenden Schwimmkenntnissen

alleine ein Bad besuchen zu

lassen, so Bäderchef Hubert Teubenbacher.

Weiters dürfen Kleinkinder

nie unbeaufsichtigt bleiben,

sollten möglichst früh an das Wasser

gewöhnt werden und schwimmen

lernen. Vielen Kindern fehlt trotz des

verpflichtenden Schwimmunterrichts

in der dritten Klasse Volksschule die

Übung. In ausgewählten Hallenbädern

der Stadt Wien werden daher 27 verschiedene

Schwimmkurse angeboten.

Ein Kurs kostet jeweils 100 Euro, eine

lebenswichtige Investition. Anfang

Juli starten in neun Hallenbädern

die nächsten Schwimmkurse. Im

Kurs werden Schwimmbewegungen,

Tauchen, sowie Sprünge vom Beckenrand

mit den Kindern geübt. Für noch

bessere Sicherheit in den Bädern

sind seit 2016 die sogenannten „First

Responder“ vor Ort. Das sind 40 speziell

ausgebildete Sicherheitsfachkräfte,

die im Ernstfall für Kontrolle und

Deeskalation sorgen.

SCHON

GEWUSST?


Mit einer Monatskarte

für 29,50 Euro

(Jugendliche 16 Euro,

Kinder 10 Euro) geht

es schneller ins kühle

Nass – so spart man

sich das lange Warten

an der Kassa.


Das größte städtische

Bad ist mit einer Liegefläche

von 236.314m²

das Gänsehäufel

(1220).


Spaß auf der längsten

Wasserrutsche hat

man im Schafbergbad

(1180) auf 102 Metern.


Der höchste Sprungturm

befindet sich im

Laaerbergbad (1100)

und ist mit zehn Metern

nichts für Angsthasen.


Die beste Aussicht

auf die Stadt hat man

im Krapfenwaldlbad

(1190) mit 192 Metern

über dem Spiegel des

Donaukanals.

SPORT UND SPASS

MIT ABKÜHLUNG

Für Sportskanonen gibt es in den

Bädern auch heuer jede Menge Angebote.

Wasserrutschen, Fußballplätze

und Unterhaltung durch Animationsteams

locken in ausgewählte Bäder

der Stadt. Während der Sommerferien

gibt es in den Freibädern Hietzing, im

Kongreßbad, Schafbergbad, Krapfenwaldlbad,

Gänsehäufel und Höpflerbad

ein Beachvolleyballprogramm. Ein- bis

zweimal pro Woche findet dort von

15 bis 18 Uhr ein Training mit professionellen

TrainerInnen statt. An je

einem Sonntag können Badegäste an

Turnieren teilnehmen. Wassergymnastik

wird im Höpflerbad, Schafbergbad

und Ottakringer Bad angeboten. Im

geschichtsträchtigen Strandbad Gänsehäufel

läuft die Ausstellung „Bäderstadt

Wien“ noch bis September. Seit

100 Jahren schätzen die WienerInnen

die Sandinsel mit den kleinen Kabanen

als Freizeitparadies. Der großzügige

FKK-Bereich im Gänsehäufel ist ein

Relikt der Freikörperkultur der Nachkriegszeit

und erlebt gerade unter

jungen Menschen ein Comeback.

Für jeden Geschmack gibt es das

passende Bad.

Alle Informationen gibt es unter

www.wienerbaeder.at und bei

der Bäderhotline 01 601 12-8044

(erreichbar Montag bis Freitag 07:30

bis 15:30 Uhr)


Mann

&

Body

Fun Fact

In Finnland gibt es

Gummistiefelwurf-

Meisterschaften. Den

Weltrekord hält auch

ein Finne mit Rund

68 Metern.

TIPP!

Gegen Stress

Versuche kohlenhydratarme

Diäten zu

vermeiden, wenn du

dich im Stress befindest.

So genannte Low-Carb

Diäten können von

unserem Körper als

zusätzlicher Stress empfunden

werden. Dabei

darf nicht vergessen

werden, dass hartes

Training ebenfalls eine

Art Stress für den Körper

darstellt. Unraffinierte

Kohlenhydrate können

helfen das Stresshormon

Cortisol zu senken

und somit dabei helfen,

dem Stress entgegen

zu wirken.

Zahl des

Monats

30-40g

so viele

Ballaststoffe sollte

man am Tag verzehren.

Quinoa statt Qebab.

Von Artur Zolkiewicz

Sei ehrlich zu dir

selbst!

„In vier Wochen zur Traumfigur“

schreien die Mai-Schlagzeilen

zahlreicher Magazine hinaus. Der

Sommer naht und jeder will seine

Strandfigur so schnell wie möglich

haben. Nun, was muss man wirklich

tun, um einen schön aussehenden

Körper zu bekommen?

Ich wünschte, ich hätte eine einfache

und schnelle Lösung, die habe

ich aber leider nicht. Dafür habe ich

ein paar Tipps, wie man den Weg zur

Traumfigur am besten starten kann.

Zuerst ist es wichtig, dass man seine

Ziele und Prioritäten definiert. Ohne

sich darüber Klarheit zu verschaffen,

was genau man erreichen

will, kann keine effektive Strategie

ausgearbeitet werden.

Es ist wichtig, mit sich selbst ehrlich

zu sein, wie konsequent man

bei der Umsetzung dieser Strategie

sein kann. Dazu sollte man klar

stellen, wie viel man bereit ist zu

tun, um diese Ziele zu erreichen. Je

weniger Körperfett man haben will,

desto mehr muss man dafür opfern.

Realistische Zielsetzung macht

meiner Meinung nach die Hälfte

des Erfolges aus. Auf diese Art

kann man zwar einen langsameren,

dafür aber nachhaltigen Weg zur

Traumfigur starten.

zolkiewicz@dasbiber.at

Marko Mestrović, bereigestellt

MyWU

Kids Camp

2018

Ferienspaß statt Langeweile

Klettern, Fußball, Schwimmen, Turnen,

Kegeln … das sind nur einige von vielen

spaßigen Aktivitäten, die im Sommercamp

der Western Union warten. Jeweils 35

Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren

können an zwei spannenden Projektwochen

in Wien teilnehmen. Dort werden sie von

professionellen Pädagogen und Sporttrainern

betreut. Für 40 Euro Unkostenbeitrag

können sich auch Kinder aus sozial schwachen

Familien und Flüchtlingskinder bei

gemeinsamen coolen Aktivitäten besser

kennenlernen. Ziel des Sommercamps ist

nicht nur jede Menge Spaß, sondern auch

der respektvolle Umgang der Kinder aus

verschiedenen Kulturkreisen untereinander.

Wann?

Camp 1:

9.–13. Juli 2018 von 09:00–16:30

Camp 2:

16.–20. Juli 2018 von 09:00–16:30

(Betreuung ab 08:30–17:00)

Wo?

ASKÖ Sportgelände Brigittenau

Hopsagasse 5

1200 Wien

Weitere Infos unter:

www.westernunionbank.com/kids.html

64 / LIFESTYLE /


WAS FRAU BEWEGT

Das neue Bauchgefühl

Von Delna Antia und Julie Brass (Fotos)

Kickende Söhne im Bauch, kotzende Männer

daheim und das Wunder des weiblichen Körpers.

1 Tag, 1 Auto,1 Thema – und 4 Frauen, die losfahren,

den Kopf frei kriegen, ordentlich PS genießen

und sich austauschen; darüber: Was Frau bewegt.

Diesmal: Schwangerschaft.

/ LIFESTYLE / 65


Kurven-Kontest: Wer hat die schönste Silhouette im Land? Während der CLS als Design-Ikone gehandelt wird, können sich Frauen

grundsätzlich Design-Wunder auf die Stirn schreiben – wie Mechthild und Daniela: In ihren Bäuchen wachsen zwei Babyboys heran.

#wunderdeslebens #350d4MATIC #SSW24 #SSW26

Keine selektive Wahrnehmung, sondern reale Statistik:

Babys boomen wieder. Die Frau von heute entdeckt

ihre schönste Kurve mehr denn je: Den Babybauch.

Und nicht nur sie ist stolz darauf und präsentiert – auch ihr

Mann. „Oder?“ will ich von den beiden Prachtexemplaren im

Rückspiegel wissen.

Daniela nickt. „Mein Mann hat sich so gefreut!“ Die Krankenschwester

mit serbischen Wurzeln strahlt so rosig wie ihr

Kleid. Typischer Fall von Pregnancy Glow. Könnte man von

unserem Auto heute übrigens auch behaupten. Unser CLS

350 d 4MATIC leuchtet wie zehn Schwangere zusammen. Das

neuste Coupé in dritter Generation macht seiner Familie alle

Ehre. „Design-Ikone“ mit „souveräner Sportlichkeit“, ein „hochemotionales

Fahrzeug“, das mit „seinen Innovationen begeistert“

– so liest sich seine Beschreibung. Ähnlich lässt sich jede

Schwangere beschreiben, grinsen wir.

SCHOCK: ES IST DA!

Bei den beiden Frauen auf den Ledersitzen wächst gerade die

zweite Generation heran. „Unser Baby ist ein Wunschkind“,

lächelt Daniela. Es hat gleich geklappt. Das ist nicht selbstverständlich,

weiß sie selbst aus ihrem Freundeskreis, wo schon

mit künstlicher Befruchtung nachgeholfen wurde. „Es ging so

schnell, ich war ur geschockt!“, lacht sie. Ihr Mann war erst

geschockt, als er erfuhr, dass es kein Mädchen wird. Ja, richtig

gelesen. Diese modernen Männer... Wir lachen.

Mechthilds Freund hat Glück, die beiden haben schon ein

zweijähriges Mädchen. Nun wirbelt ein Sohn unter dem grünen

Kleid auf dem Beifahrersitz herum und genießt die Schaltkulisse

eines 9 GTRONIC Getriebes. Einen Sohn zu bekommen, das

lässt die Papabrust ja doch anschwellen. Bei der 35-jährigen

Architektin hat er zudem den Appetit auf Fleisch anschwellen

lassen. „Im Gegensatz zur ersten Schwangerschaft ist

auch mein Bauch viel größer...“ Stimmen die Volksweisheiten

über spitze Bubenbäuche also doch? Jedenfalls sind die zwei

kleinen Kerle munter, 286 PS unter Mamas Popo scheinen zu

aktivieren. Daniela freut sich. Sie hatte lange Sorge, weil sie

keine Tritte spürte. Dass sie es womöglich verlieren würde.

Viele Schwangere plagen Ängste: Werde ich es behalten? Ist

es gesund? Wie wird die Geburt?

Mechthild hatte keine Angst – die Deutsche ist der genetische

Typ ‚coole Socke’. „Ich habe auch beim ersten Kind

keinen Geburtsvorbereitungskurs gemacht und fahre jetzt noch

ohne Helm Fahrrad.“ Top Urvertrauen, staunen wir. In unserem

Cockpit stellt sich die Helmfrage gar nicht erst. Im Gegenteil:

Die 360-Grad-Kamera samt Widescreen mit Kinofeeling sorgen

dafür nicht einmal mit einer Maus kollidieren zu können, das

Keyless-Go-Paket scheint extra gegen Schwangerschaftsdemenz

erfunden worden zu sein und der Innenraum ist so

geräumig, wir könnten hier noch zu viert hochschwanger unsere

Füße bequem kneten.

SCHWANGERE MÄNNER

Unterwegs zu unserer Location tauschen die beiden Frauen

66 / LIFESTYLE /


die Hardfacts aus. Sie sind nahezu gleich weit

(24. SSW und 26. SSW), mehr als die Hälfte ist

geschafft. Gott sei Dank, seufzt Daniela. Sie litt

so stark unter der heute als „Kate-Middleton“-

Krankheit bekannten, extremen Anfangsübelkeit,

dass sie ins Spital aufgenommen werden musste,

weil nicht einmal Wasser in ihr bleiben wollte.

Das ist gar nicht lustig – außer vielleicht das eine

Detail: Ihr Mann hat aus Solidarität immer mitgebrochen.

Ja, manche Männer fiebern so stark mit,

dass sie selbst Schwangeren-Symptome kriegen.

Ich schmunzle, das weiß ich selbst aus Erfahrung,

mein Freund war letztes Jahr auch hochgradig

schwanger. Aber besser empathisch und nervtötend,

als desinteressiert und abwesend. Wer soll

sonst babysitten, wenn die Mamas cruisen wollen?

Eben.

Dann kommen wir an. Rot und riesig rollen wir

auf den weißen Schotter vor dem Schloss Miller-

Aichholz. Die Hochzeitslocation am Stadtrand von

Wien gibt einen tollen Kontrast zu unserem Kurvenwunder in

hyazinth-metallic. Die jungen Frauen posieren selbstbewusst

am „Stern“ und die gesamte Szenerie bekommt einen Charakter

von: Mein Schloss, mein Auto, mein Bauch. Apropos

Hochzeit: Habt ihr schon „ja“ gesagt? „Wir haben vor kurzem

geheiratet. Mein Kind hätte sonst auf jeden Fall nur meinen

Gegen die Macht der Hormone hilft nur eines: Eine gescheite Lüftung im Look

eines Designer-Cockpits. #hitzewallung #cockpitstyle #amginterieur

Namen bekommen und das wollte mein Mann nicht“, erzählt

Daniela. So war sie bei ihrer „kleinen“, serbischen Hochzeit mit

160 Personen schwanger. „Anstrengend!“ Klar, Feiern ist mit

Bauch eine andere Hausnummer. Statt nachts unterwegs zu

sein, rennt man tagsüber eher in der Mission Nestbau herum.

Da muss plötzlich eine neue Wohnung mit Garten her und man

steht bei Autohändlern und inspiziert Kofferraumgrößen. Seufz,

ich streichle über das AMG-Lenkrad und kuschle mich tiefer in

die klimatisierten Sportsitze.

Ein Bauch macht sicher pragmatisch, aber er ist nicht das

Ende von Stil und Spaß. Doch verändern wir uns als Frauen?

„Schon. Ich bin eigentlich ein Kopfmensch, jetzt verlagert sich

alles in den Bauch. Ein neues Vertrauen entsteht, nach dem

Motto: Ich und mein Körper werden schon wissen, was zu tun

ist“, beschreibt Mechthild. Die Schwangerschaft sei ein unaufhaltsamer

Prozess, sie ist ein Gefühl der Kontrolllosigkeit und

damit eine Übung im Loslassen – du kannst es nicht verstehen,

du musst dich hingeben.

Weise Worte, wir nicken. Dann befühle ich mama-professionell

meine Brüste. Tatsache, auch mein Körper weiß was

zu tun ist: Heimfahren, mein Baby hat Hunger. Ich trete aufs

Gaspedal und wir geben uns dem AIR BODY CONTROL des CLS

hin. Und siehe da, die kleinen Söhne schlafen schon. ●

Der EMOTIONALE

Unser Testwagen: Mercedes CLS 350 d 4MATIC Coupe

Sinnlich, sportlich, klar: Die Design-Ikone vereint den

Komfort einer Limousine und die Dynamik eines Coupés in

puristischer Eleganz: 4 Türen, 5 Sitze, pure Aerodynamik und

Energyzing Komfortsteuerung

Ausstattung: 9 G-TRONIC / LED High Performance-

Scheinwerfer / 12,3 Zoll großes Display

„Beim zweiten Mal wird der Zauber weniger“, sagt bereits-Mama

Mechthild. Aber fasziniert ist sie nach wie vor: „Mein Körper weiß was

zu tun ist.“ Gerade rät er: Ins Coupé einsteigen und 286PS genießen.

#bauchgefühl #286PS #loslassen

Leistung: 210 kW/286 PS, 600 Nm

Dieses Auto wurde im Rahmen einer Kooperation

mit Mercedes zur Verfügung gestellt.

/ LIFESTYLE / 67


Technik

& Mobil

Ex-Gott des Krieges Kratos ist diesmal im hohen

Norden unterwegs und zerlegt Werwölfe, Trolle

und Dunkle Elfen. Mit dabei auch sein Sohn

Atreus, der den Papa mit seinem Bogen im

Alles auf Reset.

Von Adam Bezeczky

Kampf unterstützt. Gewinne das aktuelle „God

of War“ für die PS4! Schreibe dazu einfach eine

Mail an bezeczky@dasbiber.at!

Disruptiv oder

destruktiv?

ROBOTER-

HAUSTIERE

Jeff Bezos, seines

Zeichens Milliardär und

Gründer von Amazon,

hat ein neues Haustier:

einen Roboter-Hund.

Entwickelt von Boston

Dynamics, jenem Unternehmen,

das auch schon

den aufrecht gehenden,

furchterregenden Atlas-

Roboter entwickelt hat.

Das Robo-Hundi soll die

friedfertigen Absichten

von Boston Dynamics

zeigen - wenn es sich

aber ähnlich zahm wie

Amazon auf dem Markt

verhält, kann uns Angst

und Bange werden.

Start-ups haben das Ziel disruptiv

zu sein: in neue Märkte vorstoßen,

alteingesessene Player

aufscheuchen und damit eine

Menge Kohle machen. Funktioniert

ja auch - siehe Airbnb,

Uber oder Facebook. Allerdings

sollte man sich – nachdem

man die Weltherrschaft an sich

gerissen hat – bitte auch um

die Welt kümmern. Wie sagte

der Onkel von Spiderman Peter

Parker? Aus großer Kraft folgt

große Verantwortung. Diese

Verantwortung spüren jetzt

Facebook und Mark Zuckerberg,

der mit seiner Social Media

Plattform die Kommunikation

der menschlichen Art verändert

hat. Die „Honeymoon“-Phase,

in der Start-ups alles dürfen, ist

vorbei. Jetzt lernen die jungen,

dynamischen Unternehmen

jene Dinge kennen, die die alteingesessenen

Player so träge

gemacht haben. Alles bewegt

sich halt doch in Zyklen, das

sagen auch die Keynote-Gurus.

bezeczky@dasbiber.at

PUBG VS. FORTNITE

Battle Royale ist in. Zumindest seit dem

Erfolg von Playerunknown‘s Battlegrounds

(PUBG). MIt Fortnite ist ein quietschbunter

Herausforderer am Markt, der bereits 10

Mio. Spieler überzeugen konnte. Während

PUBG auf den Schwerpunkt Simulation

setzt, hat Fortnite die Casual Gamer

im Fadenkreuz. Egal für welches Spiel

man sich entscheidet:

Action ist auf jeden Fall garantiert.

ASPERN FÄHRT

AUTONOM

Schon 2019 sollen in der Seestadt Aspern selbstfahrende

Busse herumkurven. Mit 20 km/h

Spitzengeschwindigkeit und einem menschlichen

Backup werden maximal 11 Personen befördert.

Der Pilotversuch soll zeigen, ob sich das System

bewährt und wo die Herausforderungen liegen.

Pierre Salom, Santa Monica Studio, Marko Mestrović

68 / MIT TECHNIK SCHARF / /


MEINUNG

GAME

OVER

Wenn das Leben nicht so spannend ist, gibt es eine

Kiste. Diese Kiste steckt voller Wunder. Wenn du da

drin bist, kannst du alles sein, was du möchtest. Ein

legendärer Held oder ein Soldat, der für sein Land

kämpft. In der Welt geht alles, aber das hat auch seine

Zeit - irgendwann muss man in die Realität zurückkehren.

Dann kommen die Probleme zB die Schule,

oder man muss arbeiten gehen, oder deine Mutter

ruft dich zum Essen. Das macht meistens nichts aus,

aber manchmal wird alles zu viel und man möchte nur

in sein Zimmer und wieder in die Kiste. Die Wahrheit

ist hart, aber zum Glück gibt es manche Freunde, die

dich verstehen. Das sind meistens nicht viele, aber es

reicht völlig aus. Lieber man hat fünf Freunde, die dich

verstehen, statt 50, die dich nicht verstehen.

DER END BOSS

Diese Gedanken begannen als ich mein erstes richtiges

Spiel bekommen habe. Das war für die Playstation und

hatte denn Namen “Rachtet and Clank Size Masters“.

Diese Gedanken wurden stärker in den laufenden Jahren.

Heutzutage haben viele zu viel Stress, die denken

man muss immer “erwachsen“ sein. Ich verstehe nicht,

wieso man sich nicht wie ein Kind verhalten kann.

Jedes Mal im Spiel wenn ich ein Level-up hatte, habe

ich mich gut gefühlt, bis zum Ende des Spiels. Aber als

das Spiel endete, hatte ich ein leere Stelle im Körper,

die habe ich mit einem neuem Spiel zu füllen versucht

und das wiederholte sich dann immer wieder. Aber wie

bei jedem guten Spiel gibt es auch einen “End Boss“

und der End Boss ist bei jedem Menschen anders. Der

Boss kann in allen verschiedenen Formen vorkommen,

eine schwere Schularbeit, die dein Leben entscheidet

oder eine Bewerbung an eine Firma - egal welche

Form es hat, nachdem du ihn besiegt hast, beginnt ein

neues Leben für den, der es geschafft hat. Wenn du

es verbockst, versuche es bis du keine Versuche mehr

hast.

Semih ist 16 und besucht die HTL Ettenreichgasse im 10. Bezirk.

SPIELSUCHT – EINE KRANKHEIT

Meine Spielsucht hat mit zehn angefangen. Damals

habe ich bei meinem Cousin „Metin 2“ gezockt. In

der Schule war ich gut, deswegen war es für mich am

Anfang kein Problem, aber ich vernachlässigte vieles

andere, um zu zocken. Nach einer Zeit wurde mir

Metin2 langweilig und mein Cousin hatte ein anderes

Spiel gefunden namens 4Story. Damals wussten wir

nicht, dass es verschiedene Server in einem Spiel gab

und wir konnten uns bei Metin2 und auch 4Story nie

treffen und zusammenspielen. Aber es hat trotzdem

Spaß gemacht, weil wir uns öfters gegenseitig besucht

und uns unsere Charaktere gezeigt haben. Als 4Story

dann auch zu langweilig wurde, haben wir wieder mit

Metin2 begonnen und diesmal hatten wir mehr Wissen

und konnten auf demselben Server spielen. Ich habe

meine Familie und Freunde vernachlässigt und in der

Schule habe ich auch nur noch ans Zocken gedacht.

LOL

Die Einzigen, mit denen ich was zu tun hatte, waren

die Leute mit denen ich auch gezockt habe. Ich war

auch nie bei Familienbesuchen dabei. Ich war nur ab

und zu draußen, geschwänzt habe ich aber nie, weil

ich in der Schule mit den Zockern diskutieren konnte

und das eigentlich auch Spaß gemacht hat.

Das Schlimmste was ich angefangen habe, ist League

of Legends (LoL). Ich war so süchtig danach, dass ich

gar nicht mehr rausging und am Tag ca. 7-10 Stunden

vor dem PC verbachte. Ich konnte öfters nicht

schlafen, weil ich immer zwei Energy Drinks pro Tag

getrunken habe und deswegen habe ich bis fünf Uhr in

der Früh gezockt, bis sieben Uhr geschlafen und dann

ging ich zur Schule. Dort hatte ich acht Fünfer. Erst mit

16 hatte ich nicht mehr so viel Lust zu zocken, weil

ich mit Fitness begonnen habe und oft raus ging. Es

hatte den Nachteil, dass ich mit Shisha und Zigaretten

angefangen habe, aber es war nicht so schlimm wie

die Spielsucht. Nach einer Zeit wurde es immer besser

und jetzt spiele ich nur 1-2 Runden LoL pro Tag und

gehe sehr oft raus.

Der Autor ist 16, besucht die HTL Ettenreichgasse im 10. Bezirk und

möchte anonym bleiben

69 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF / /

69


DIE PARTNER DE

„In Zeiten des Internets und

der Sozialen Netzwerke ist es

wichtig, sich mit Journalismus

und der Qualität von Nachrichten

auseinanderzusetzen. BIBER macht

Schülerinnen und Schüler zu

Redakteuren. Das unterstütze ich

sehr gerne.“

Heinz Faßmann

Bildungsminister

„Jugendlichen Ziele und

Perspektiven für die Zukunft

zu geben, ist eine Aufgabe die

wir sehr ernst nehmen. Es hat

großen Spaß gemacht das Projekt

‚Newcomer‘ zu unterstützen.“

Mario Aigner

Lehrlingsbeauftragter BAWAG PSK

„Der Stadtschulrat unterstützt

das Projekt ,Newcomer‘, weil es

SchülerInnen die Gelegenheit

bietet, mehr über Medien zu

erfahren und das außerhalb des

klassischen Unterrichts.“

Heinrich Himmer

Wiener Stadtschulrats-Präsident

„Wien steht für Vielfalt. SPAR

steht für Vielfalt. biber steht für

Vielfalt. Es ist schön, Partner für ein

Jugendprojekt zu sein, das diese

Vielfalt auch abbildet.“

Alois Huber,

SPAR-Geschäftsführer

Monat für Monat touren biber-RedakteurInnen im Rahmen

des Projekts „Newcomer“ durch Wiener Schulen und geben

im Jahr 2018 rund 250 Jugendlichen eine Projektwoche

lang die Chance, ihre Medienkompetenz und Persönlichkeit

zu stärken und neue (Job-)Perspektiven zu sehen. Der

biber-Newcomer wird von Menschen gestaltet, die selbst

aus zugewanderten Familien kommen und daher wissen, mit

welchen Schwierigkeiten die Jugendlichen auf dem Weg ins

Arbeitsleben konfrontiert sind. Wenn wir es geschafft haben,

können sie es auch!

Um Österreichs größte Schülerredaktion aufzubauen,

„Die Biber-Redakteure

engagieren sich im Newcomer-

Projekt, um Jugendlichen

aus oft sozial benachteiligten

Familien neue Perspektiven und

Selbstbewusstsein zu geben.

Das ist eine Idee, die die ÖBB

gerne unterstützen.“

Andreas Matthä

Vorstandsvorsitzender

ÖBB-Holding AG

Martin Lusser, SSR / Johannes Zinner, Mario Aigner, SPAR/Johannes Brunnbauer, Georg Hochmuth

70 / NEWCOMER /


R „NEWCOMER“

„Verlässlicher Qualitätsjournalismus,

wie ihn der ORF

täglich liefert, wird in einer

zunehmend fragmentierten

Welt immer wichtiger. Uns

ist es daher ein Anliegen,

auch Jugendliche für den

Journalismus zu begeistern.“

Alexander Wrabetz

ORF-Generaldirektor

Petra Spiola, Markus PRANTL, HBF/ Franz HARTL, Andreas Jakwerth, AK/Sebastian Philipp, Thomas Ramstorfer

braucht es mehr als nur guten Willen. Es braucht enorm viel

Zeit, Geld und Know-how sowie verlässliche Partner, die das

Projekt begleiten. Wir danken unseren vielen Leserinnen

und Lesern, die unsere Crowdfunding-Kampagne unterstützt

haben, um das Projekt zu finanzieren.

Wir danken zudem folgenden Institutionen und Firmen

für die Unterstützung des „Newcomer“-Projekts: Bundesministerium

für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMB-

WF), Wiener Stadtschulrat, ORF, SPAR, Arbeiterkammer,

ÖBB, BAWAG PSK, Dr. Roland, Industriellenvereinigung sowie

LUKOIL.

„Das Projekt Newcomer vermittelt

die demokratiepolitische

Bedeutung des Journalismus

und fördert durch Text- und

Videoworkshops die Kreativität

der Jugendlichen. LUKOIL ist mit

Freude Partner des Newcomers. “

Robert Gulla

Geschäftsführer LUKOIL-Holding

„Als Partner des Projekts

,Newcomer‘ möchten wir

Jugendliche vor allem ermutigen

ihre Kreativität zu nutzen,

sich gesellschaftlich und

bildungspolitisch einzubringen.“

Christoph Neumayer

Generalsekretär der

Industriellenvereinigung

„Guter Journalismus schafft

Verständnis: Indem er Einblicke

in das Leben anderer vermittelt,

berührt, verbindet, Probleme

und Lösungen aufzeigt und eine

Basis für die Demokratie und das

Zusammenleben bildet. Es ist

super, wenn sich junge Menschen

dafür begeistern.“

Renate Anderl

AK Präsidentin

„Die Maturaschule Roland hat

sehr gerne den ,Newcomer‘

unterstützt, weil es eine

Abwechslung zum Schulalltag

darstellt und den SchülerInnen

einen exklusiven Einblick hinter

die Kulissen eines dynamischen

Mediums erlaubt.“

Matthias Roland

Schulleitung Dr. Roland

/ NEWCOMER / 71


DAS SIND UNSERE NEWCOMER!

Muhamed Acer

Gabriel Mosberger

Mirlind Krasniqi

Annabell Janik

Yasin Belhaj

Dzharap Amirov

Bekir Arslan

Ruzhdi Ollomani

Jaqueline Pregler

Dominic Posekany

Majid Gazii

Semih Ozan Aydin

Stefan Budak

Yusuf Özcan

Hava Sivgin

Adelaide Piba

Dalibor Guskovic

Dominic Benzer

Sami Erbas

Dusko Rakic

Emre Ünlü

Uriba Abdul

Antonio Misic

Enbiya Sükrü

Lazar Jankovic

Janika Riha

Seda Tankrikulu

Mervenur Congar

Kristijan Mratinkovic

Patryk Ciesla

Ahmad Jawhar

Melisa Sadic

Mert Gencyigitoglu

Jonathan De Chavez

Gabriel Orlowski

Musa Dogu

Nemanja Marinkovic

Havanur Semiz

Enes Ariöz

Hatice Deniz

Valentino Petrovic

Matthias Drbusek

Zlatko Mitrovic

Matea Sisic

Hanin Mahmud

Tolga Eroglu

Adam Pikusa

Muhamed Duyar

Mahdi Muhebi

Szymon Skibinski

Dominik Zhang

Jasmeen Guron

Milos Predic

Hakan Günes

Mato Mutapcic

Zuzanna Sokalska

Olivia Christopher

Lucian Haas

Daniel Radosavljevic

Hasan Kades

Ivan Neskovic

Peter Tseng

Elif Duygu Sahan

Serhat Hasil

Albian Sisianu

Rizvan Kovrnukaev

Hamzat Okuev

Vanesa Vlainic

Viktor Bervoets

Nenad Ilic

Muhammed Ünal

Przemyslaw Kucaba

Dejan Radanovic

Alena Wacenovsky

Joanna Zhelyazkova

Ertan Islami

Oliver Uwira

Hamzat Litipov

Murat Yalcin

Esmanur Yazan

Asli Mete

Andreas Lindauer

Ismail Yormaz

Dragan Marinkovic

Aleksandra Djordjevic

Samah Asskar

Karina Trauner

Tatijana Mihajlovic

Rana Cavdaoglu

Kristian Mitrovic

Natasa Grahovac

Osama Abd Alla

Zakia Nazari

Ivan Miladinovic

Kiraz Celik

Waris Nori

Dajana Knezevic

Osman Aktas

Ibrahim Adouni

Nemanja Miladinovic

Madlen Demirovic

Ender Öz

Gloria Mbala

Mohannad Altai

Madeline Gromann

Aleksander Mujkovic

Silvia Dinkic

Samet Öztürk

Merjem Morina

Yusuf Altuntup

Matthias Balmetzhofer

Cosmo Pammer

Monika Djordjevic

Uros Radovanovic

Zorica Peric

Daniel Brcic

Lydia Mitterbauer

Senanur Safak

Zahra Husseini

Selman Saymaz

Mihaela Petrovic

Emre Caliskan

Alena Wacenovsky

Fitim Shabani

Kristina Ilic

Ardit Sejdini

Khanzad Salaschor

Mert Cansever

Margarita Daloglanian

Dilan Talu

Aneta Joklova

Maksymilian Skrzypek

Arzo Sediqi

Fatih Dikici Muhammed

Victoria Serth

Caglar Ulusoy

Rinesa Maloku

David Smailovic

Dijana Vasiljkovic

Enes Er

Simon Ergin

Cem Üstündag

Seda Mise

Martin Stojkovski

Mejrema Zejnelovic

Vladan Gergic

Sabrina Holzer

Miranda Volsa

Maximilian Schlosser

Mehmet Tok

Mariem Abdelazez

Ebu Bekir Gündogan

Kevin Kostecki

Elida Yürümez

Patrick Hauptmann

Nurullah Yavuz

Selma Delkic

Slavko Jovanovic

Cyprian Masiarek

Nikola Zivkovic

André-Darius Khazai-

Sezer Yetgin

Zeynep Ersöz

Mahmut Kasap

Emanuel Sas

Aleksandar Zivotic

Moghadam

Leon Dekic

Alikhan Ezhiyev

Dino Kurbegovic

Katharina Skola

Arya Zöhrer

Stefan Dichtl

Celebi Dinc

Benjamin Fritz

Mario Oroz

Florian Skola

Rina Abdulahi

Yijun Qian

Alexsander Djordjevic

Amro Hassan

Sepehr Pahlevan

Sonja Lechner

Riona Abdulahi

Jessica Düll

Ali Kilinc

Bilal Kilic

Muharrem Tosun

Antonio Kristic

Acelya Ayhan

Christopher Tuma

Talha Memedoski

Mustafa Kilic

Dogmara Dschabrailova

Nika Chubinidze

Melisa Bejera

Kristiana Mikova

Omid Nurzai

Jelena Knezevic

Vanessa Nikolic

Armin Schwarz

Jana Dimic

Ella-Margareta Lahner

Rohitpreet Singh

Ivana Mladinovic

Ummal Nisa

Emanuel Dobre

Felix Georg Franz Gaszczyk

Bianca Letsch

Kosta Ranislav

Safete Naipi

Rijalda Ramovic

Silvana Filipovic

Svetlana Gekimyants

Michael Novak

Md Musfiqur Shakim

Elham Omari

Dusica Zivkovic

Simon Ergin

David Goldin

Anna-Maria Pinter

Hajk Sireyan

Alexandra Paunovic

Uriba Abdul

Sabrina Holzer

Tamino Raphael Hasler

Annabell Janik

Mladen Stojnic

Nermin Pepik

Osama Ahmad

Kevin Kostecki

Ina Nuhu

Dominic Posekany

Zoran Tanackovic

Melisa Sadic

Tamara Arapovic

Cyprian Masiarek

Vildan Ören

Adelaide Piba

Aleksandar Tomic

Qendrim Shatri

Muhammed Ates

Emanuel Sas

Thomas Purgstaller

Helin Eren

Kaltumo Abdi

Aman Siddiqi

Anica Avramovic

Katharina Skola

Sally Schamat

Dilara Arac

Abeer Abo Naser

Szymon Skibinsky

Bojan Bjelic

Florian Skola

Julian Zachenhofer

Vanessa Slap

Cagla Basar

Lejla Spahovic

Markus Brix

Sonja Lechner

Alba Clara Zuna-Kratky

Patrick Kramer

Salije Bejtuli

Djordje Stojanovic

Matea Buric

Antonio Kristic

Tahae Abdelazez

Vladimir de Rosas

Michelle Brocic

Natasa Stojanovic

Ayse Cetin

Nika Chubinidze

Florian Ahmeti

Rana Amer-Khel

Iman Hassan

Andjelina Strbac

Hatice Deniz

Armin Schwarz

Musa Altinöz

Sebastian Eder

Monika Ivanova

Helin Süner

Elvis Djordjevic

Emanuel Dobre

Burak Arslan

Alexandra Dumitras

Saba Jaweesh

Sinem Tanrikulu

Khadizmat Dukurbalaeva

Silvana Filipovic

Maninder Atwal

Betül Tekinus

Neetu Kaur

Jarina-Sophia Woloschtschuk

Lucian Haas

Moritz Höllbacher

Stefan Baumgart

Kadife Celik

Fatima Musa

Ishak Yüksel

Danijel Kamenko

Izabela Adamczyk

Daniel Buzle

Will Dibo

Milena Paunovic

Simona-Maria Capatina

Sophie Korenzhan

Julie Aigner

Suayip Catak

Daniel Jevremovic

Amna Yusef

Marijana Corikic

Anja Kostadinovic

Ega Arikan

Marco Firlovic

Eray Öztürk

Fatma Akbarzada

Sabrina Derp

Diana Kycko

Dominik Biesaga

Alexandar Grbic

Aleksandra Borisova

Nesrin Basuny

Margarete Fischer

Nikolett Lakatos

Juan De Souza

Musa Kubaev

Petty Palkovics

Dominik Biesaga

Jovana Jeremic

Edona Loshaj

Ahmed El Degwy

Sascha Marinovic

Aleksandra Sajin

Ayodeji Bishi

Milica Jovanovic

Magdalena Madzarevic

Zeyad Elsabagh

Justin Nigitz

Calvin Gruber

Natalie Dobousek

Kristina Jovicic

Nicole Steinböck

Faris Hendy

Christian Vernica

Aleksabdar Dimitrijevic

MJ Dejan

Laura Lemac

Barbara Stojanovic

Yasemin Irik

Gülizar Akpinar

Negah Abdulsatar

Ala Ghali

Natascha Marousek

Dilan Talu

Tatjana Jovicic

Rabia Aksoy

Filip Buna

Gözde Kilic

Robert Molnar

Ayten Yigit

Mertcan Koza

Michelle Bruckner

Fatma Calisgan

Amaya Koppel

Corinna Neckar

Nina Onyemauwa

Kacper Koziol

Dilara Erdem

Manpreet Kaur Cheema

Natascha Felkl

Katarina Peric

Victor Bervoets

Aleksandar Lukic

Jennifer Jovanovic

Gui Chen

Angelika Hajduk

Jasmin Petschning

Simon Ramsbacher

Florian Malek

Jovana Jovic

Yi Wen Chen

Milena Matejic

Janine Salenka

Jovana Jovanovic

Gabriel Mosberger

Amina Khamagomadova

Süheda Gelen

Jasmin El-Tabei

Maria Todorovic

Aleksandar Jovanovic

Ahmed Moustafa

Rabia Kiymaz

Gamze Genc

Acelya Gercek

Miroslav Vukman

Maria Poljak

Christopher Müller

Lara Mayer

Melissa Gjoka

Tatjana Jovicic

Aleyna Acar

Marija Bosnjak

Ilir Naipi

Nicole Pock

Silvana Gligoric

Venhar Merseli

Zeynep Can

Lea Karschigijew

Ummal Msa

Alisha Sharma

Songül Kahraman

Mostafa Shehata

Lena Gharwal

Melisa Kurt

Nomin Odonchimmeg

Selenay Congar

Ilirjana Kastrati

Marjana Vastinar

Samantha Kirnbauer

Alena Ijaz

Sabrina Putzlager

Bengü Benal Fidan

Martina Matic

Elsa Vinca

Erelinda Krrakay

Nour Saber

Eda Sakizci

Dominik Güney

Sarinha Mischka

Kalin Nedyalkov

Helena Stojanovic

Marlin Buchner

Safaa Sewilam

Anna Ianchis

Samah Mohamed

Julia Vukovic

Büsranur Yücel

Josephin Bauer

Julian Winkler

Irina Ilievska

Tanjina Mohammad

Margo Marzec

Parham Azaresh Karkan

Emilie Han

Seda Zeyrek

Ilias Joya

Shanaira Montoya

Kacper Koziol

Hasan Bakir

Mikail Cakir

Iclal Yilmaz

Joel Karakkattu

Frida Schreiner

Mertcan Koza

Berat Cakir

Leonard Corfaru

David Jeremic

Arslan Kaya

Hakan Wozniak

Ummal Nisa

Ali El Shebli

Dejan Huszarek

Jan Drazyk

Georg Mansour

Anna Zuser

Durim Nasufi

Florian Gmeilbauer

Ahmet Özdemir

Andrej Zdenkovic

Tamara Milovanovic

Ali Ahmadi

Ahmet Atmaca

Paul Goldner

Alexander Radosavljevic

Clara Zimmermann

Arianit Nimanaj

Denis Bogdanovic

Selin Bakar

Aleksandar Latinovic

Ali Sahin

Alejandro Burgos

Patrick Parth

Endrit Bujari

Antonio Curcic

Kevin Obradovic

Emre Sahintürk

Deyna Huaccha Correa

Iva Pelic

Ramil Chasujew

Jonathan De Chavez

Salih Önsoy

Ilhan Tazi

Dilara Özdemir

Hakan Sabri

Toma Jovanovic

Recep Deniz

Adrian Radosavljevic

Lidija Andrejic

Edanur Öztürk

Rosa Said

Yunus Karabulut

Deniz-Selin Dogandemir

Tarik Sahin

Elena Atanasovski

Kenan Özuckun

Aleksandar Savic

Ahmet Kelmendi

Yagmur Kacar

Kubilay Soyyigit

Dejana Huszarek

Julia Zubek

Michelle Schwiegelhofer

Slaven Miladinovic

Saliha Karaoguz

Lukas Stoch

Lydija Jovanovic

Daniel Lutzky

Viktoria Vexelberg

Nemanja Miletic

Haydar Kaya

Beynur Syuleymanov

Katarina Juric

Timo Steyer

Izabela Adamczyk

Ahmet Öztürk

Elmanur Kayaslan

Nenad Tesanovic

Laura Juric

Roya Rezai

Julie Aigner

Christofer Tomik

Andrej Knezevic

Yasar Vural

Vanessa Markovic

Armin Benes

Ega Arikan

Ugur Yildirim

Rey Maranan

Yusuf Yildiz

Fatma Öztürk

Ömer Özcan

Dominik Biesaga

Albion Zeqiraj

Kristina Mitrovic

Türkü Yilmazkaya

Jale Palta

Bahtinur Capaci

Juan De Souza

Aleyna Bozkil

Özkan Öz

Jasmine Rebh Ben Cheikh Taieb

Laura Petrovic

Stefanie Jaksch

Ahmed El Degwy

Juliana Draganovic

Aleksandra Pajcic

Serhat Tas

Eliona Rragamaj

Yasin Belhaj

Zeyad Elsabagh

Meryem Duyar

Asim Polat

Julian Pflüger

Dida Vasileva

Majid Gazii

Faris Hendy

Khava Ersanukaeva

Senanur Safak

Carmen Kalata

Lorenzo Aleksic

Dalibor Guskovic

Yasemin Irik

Jasmin Fellner

Sara Sekulic

Ehlimana Sahbegovic

Bat-Itgel Amgalanbayar

Antonio Misic

Tatjana Jovicic

Ksenia Gherman

Andjela Simeunovic

Max Eschlböck

Manuel Ates

Kristijan Mratinkovic

Mertcan Koza

Melda Kaya

Marko Stanojevic

Viktoria Varga

Yusuf Halici

Gabriel Orlowski

Kacper Koziol

Hamassa Niazai

Nemanja Stojadinovic

Tatjana Sargic

Elvir Ibrahimovic

Valentino Petrovic

Aleksandar Lukic

Shamila Niazai

Helena Stokic

Olimpia Nowak

Damir Jagodic

Adam Pikusa

Florian Malek

Sudenaz Özkol

Miranda Volsa

Sarah Chaaban

Dawid Jedrzejczyk

Milos Predic

Gabriel Mosberger

Jasmina Rajevic

Elida Yürümez

Fatih Yalcin

Yusuf Karakaya

Daniel Radosavljevic

Ahmed Moustafa

Janette Zurzevic

Stefan Zivanovic

Theodora Steiner

Stefan Kolm

Albian Sisianu

Christopher Müller

Uriba Abdul

Aleksandar Zivotic

Ibrahim Adouni

Fernando Matusic

Muhammed Ünal

Ilir Naipi

Mervenur Congar

Angeza Firozudin

Lara Renner

Ionut Merca

Oliver Uwira

Ummal Msa

Jonathan De Chavez

Celine Ifkovits

Asli Mete

Nazir (Omed) Mohammadi

Ismail Yormaz

Nomin Odonchimmeg

Hatice Deniz

Adrian Svantner

Melike Yahsi

Erwin Obojkovits

Rana Cavdaoglu

Sabrina Putzlager

Tolga Eroglu

Zameer Sarwari

Robert Höfer

Kevin-Gabriel Soporan

Kiraz Celik

Eda Sakizci

Jasmeen Guron

Ahmet Öztürk

Dina Lebed

Michelle Aschauer

Madlen Demirovic

Safaa Sewilam

Lucian Haas

Dalal Skheita

Bella Haltrich

Romana Casny

Silvia Dinkic

Julian Winkler

Serhat Hasil

Majd Aldeen

Nicolina Mitevski

Sabine Mayer

Milena Dimitrijevic

Viktorija Dordevic

Monika Djordjevic

Zahra Husseini

Seda Zeyrek

Iclal Yilmaz

Nenad Ilic

Ertan Islami

Zaciim Salim

Rebecca Pfeiler

Arberita Hakaj

Kristina Ilic

David Jeremic

Andreas Lindauer

Tijana Stojadinovic

Yasamin Hasani

Aneta Joklova

Jan Drazyk

Tatijana Mihajlovic

Theodor Geischläger

Denise Pils

Rinesa Maloku

Andrej Zdenkovic

Ivan Miladinovic

Sarah Nadj

Besjana Shala

Seda Mise

Clara Zimmermann

Nemanja Miladinovic

Olivia Di Meglio

Patricia Stankovic

Maximilian Schlosser

Alejandro Burgos

Aleksander Mujkovic

Asiye Arslan

Andzelika Swierzewska

Patrick Hauptmann

Deyna Huaccha Correa

Cosmo Pammer

Alina Cakaj

Sara Yildiz

André-Darius Khazai-

Dilara Özdemir

Senanur Safak

Dorsaf Chakabkab

Margarita Daloglanian

Alikan Ezhiyev

Omar Hajdarpasic

Selimhan Harmankaya

Martin Jaksic

Aleksander Lukic

Florian Malek

Krysia Mendoza

Adam Mohammed

Adrijana Mosic

Viktoria Balint

Lulav Haweri

Vanessa Dziba

Jaqueline Groschke

Döndu Caglar

Yagmur Bozkurt

Aida Mahmic

Julia Erlbeck

Viktoria Walli

Moghadam

Stefan Dichtl

Yijun Qian

Jessica Düll

Christopher Tuma

Kristiana Mikova

Ella-Margareta Lahner

Bianca Letsch

Michael Novak

Anna-Maria Pinter

Edanur Öztürk

Kenan Özuckun

Julia Zubek

Daniel Lutzky

Timo Steyer

Roya Rezai

Armin Benes

Ömer Özcan

Bahtinur Capaci

Stefanie Jaksch

Fitim Shabani

Dilan Talu

Caglar Ulusoy

Cem Üstündag

Miranda Volsa

Elida Yürümez

Nikola Zivkovic

Aleksandar Zivotic

Arya Zöhrer

Meris Alickovic

Die Blogs von den

Jungredakteuren

liest du auf

www.dasbiber.at/

schueler/blog

72 / WALL OF FAME /


3 FRAGEN AN:

hokify, Marko Mestrović

Karriere

& Kohle

FOMO

(fear of

missing out)?!

Nicht mit uns! Gönn

deinem Körper und

Geist bewusste

Pausen - sie werden

es dir danken.

Die VHS-Kurse

„Power durch Yoga

am Morgen“ oder

„Entspannung

durch Meditation

und Achtsamkeit“

helfen dir, neue

Kräfte zu sammeln

und innere Ruhe

zu finden. Start ist

im Juni, also gleich

anmelden.

Übers Geld

redet man

nicht?

Hier schon!

Auf

www.apropos-geld.at

bekommst du Tipps,

die dich und dein

Sparschwein glücklich

machen.

Studieren statt

saunieren.

Von Andrea Grman

Durchs Reden

kommen die Leit zam

Wusstest du, dass 60% deines beruflichen

Erfolges nicht von deinem Können

abhängen, sondern von deinem

Netzwerk? Je mehr und je einflussreichere

Menschen du kennst, desto

besser für dich. Ich wusste ja, dass

Networking wichtig ist, aber so wichtig?

Um bei den Fakten zu bleiben:

80% der Jobs in Österreich werden

nicht ausgeschrieben, sondern über

Kontakte vergeben. Einerseits erschreckend,

andererseits nachvollziehbar.

Wen würdest du einstellen? Person

A: Jemanden, den du bereits kennst,

sympathisch findest und weißt, dass

ihr beiden gut auskommt. Person B:

Jemanden, von dem du den Lebenslauf

und bestenfalls ein Empfehlungsschreiben

gesehen hast. Diese Frage

beantwortet sich wohl von selbst.

Du kannst dich jetzt mit dieser

Erkenntnis zuhause verkriechen und

weinen, weil die Welt ungerecht ist.

Oder du gehst mal raus und machst

neue Bekanntschaften. Sei aktiv, sei

offen, rede mit den Leuten und frage

sie, was sie machen – völlig egal, ob

sie beruflich für dich relevant sind

oder nicht. Es wird deinen Horizont

erweitern und dir völlig neue Möglichkeiten

eröffnen. Und vielleicht –

aber nur vielleicht – findest du sogar

Gefallen daran, neue Menschen

kennenzulernen.

Karl Edlbauer

Co-Founder der Bewerbungs-App Hokify

Wie funktioniert eure App?

Hokify ist ein einfacher Weg, sich über

Handy oder Tablet zu bewerben. Du

bekommst Jobs vorgeschlagen. Findest du

sie uninteressant, wischst du nach links.

Willst du dich bewerben, wischst du nach

rechts. Dann beantwortest du noch ein

paar Fragen. Fertig.

Wann werden die meisten

Stellen vergeben?

Heuer war bei uns im Jänner extrem viel

los – sowohl bei den Lehrlingen als auch

bei den klassischen Jobs. Da heißt es wohl:

neues Jahr, neues Glück.

Was ist ein Must-Have bei

einer Bewerbung?

Überlege dir, was dich von anderen KandidatInnen

abhebt, z.B. du baust gerne deine

eigenen Möbel oder bist leidenschaftliche

Bergsteigerin. Ich habe mich mal für ein

Praktikum in der Unternehmensberatung

beworben und geschrieben, dass ich einen

Marathon gelaufen bin. Darüber haben wir

das halbe Bewerbungsgespräch geredet.

Ergreife die

Initiative!

Du willst nicht Bewerbung

Nummer 762 sein? Dann schicke

eine Initiativbewerbung raus

– vor allem auch an kleinere

Unternehmen, die vielleicht

nicht so bekannt sind.

/ KARRIERE / 73


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DEUTSCHKLASSEN

FÜR SCHULEINSTEIGER

Ab Herbst werden in Österreich

Deutsch förderklassen

eingeführt. Wer kommt

in diese Klassen?

Was bringen

diese Klassen?

Fünf Antworten auf

fünf Fragen!

iStock/davidf


1

Warum

Deutschförderklassen?

Obwohl Österreich in den Jahren 2006

bis 2017 insgesamt 345 Millionen Euro

an zusätzlichen Mitteln in die Deutschförderung

investiert hat, konnte das

Leistungsniveau von SchülerInnen mit

Migrationshintergrund nicht erhöht

werden. Es ist höchste Zeit, diese

Kinder und Jugendlichen fit für den

Unterricht zu machen. Ab Herbst gilt:

Bevor SchülerInnen, die nicht ausreichend

Deutsch sprechen, in eine normale

Schulklasse einsteigen können,

müssen sie in Zukunft eine Deutschförderklasse

erfolgreich absolvieren.

2

Wer kommt in

Deutschförderklassen?

Nur Schulanfänger oder Schuleinsteiger

mit zu geringen Deutschkenntnissen

werden die neuen

Deutschförderklassen besuchen.

Eingeführt werden die Deutschförderklassen

schrittweise ab dem Schuljahr

2018/19. Dafür werden zunächst

alle Kinder, denen bei der Schuleinschreibung

Deutschmängel attestiert

werden, einem einheitlichen Test

unterzogen. Auf Basis dieser Testergebnisse

erfolgt die Entscheidung,

ob ein Kind eine Deutschförderklasse

besucht.

3

Wie viele Stunden

Deutschunterricht

pro Woche gibt es?

Konkret sind in der Volksschule insgesamt

15 Stunden pro Woche, in

der Sekundarstufe I 20 Stunden pro

Woche intensiver Deutschunterricht

vorgesehen. Es gibt für die neuen

Deutschklassen einen eigenen Lehrplan

und zusätzliche Lehrkräfte. Die

Einführung von Deutschförderklassen

wird eine gezielte Förderung dieser

Kinder und Jugendlichen in der Unterrichtssprache

Deutsch gewährleisten.

In den

Fächern

Musik, Sport

und Werken

werden

alle Kinder

gemeinsam

unterrichtet

4

Wie viele Stunden

Unterricht

haben Kinder aus

der Deutschförderklasse

gemeinsam

mit Kindern aus der

Regelklasse?

Bestimmte Schulfächer, die nicht

sprachintensiv sind, wie etwa Musik,

Sport oder Werken, werden gemeinsam

mit den SchülerInnen ihrer jeweiligen

Regelklasse besucht. In Summe kann

es bis zu sieben Stunden pro Woche

gemeinsamen Unterricht mit Kindern

anderer Klassen geben.

5

Ab wann wechseln

Schüler in eine

Regelklasse?

Das Ziel der Deutschförderklassen ist,

SchülerInnen so schnell wie möglich fit

für den Regelunterricht zu machen. Am

Ende jedes Halbjahres gibt es eine

österreichweit einheitliche Überprüfung,

die bestimmt, welche Kinder

beziehungsweise Jugendliche dem

Unterricht bereits ausreichend folgen

können. Sobald festgestellt wird,

dass ein Kind dem Unterricht in der

Unterrichtssprache Deutsch einigermaßen

folgen kann, wechselt dieses

Kind in die Regelklasse. Bei Bedarf

können SchülerInnen dann weiterhin

parallel zum normalen Unterricht

sechs Stunden pro Woche Deutschförderung

erhalten.


3 FRAGEN AN: SHIRIN NESHAT

KulturaNews

Die exil-iranische Künstlerin Shirin

Neshat über den Westen, iranische

Frauen und ihren neuen Film. In

“Auf der Suche nach Oum Kulthum”

dreht eine iranische Künstlerin einen

Film über die ägyptische Diva Oum

Kulthum – und scheitert.

Von Jelena Pantić-Panić

Vergiss verstaubte

Museen.

Von Jelena Pantić-Panić

Generation Whatever

Ab einem gewissen Alter ist es ganz besonders

wichtig, jüngere Menschen bei jeder Gelegenheit

mit „eure Generation...“ anzusprechen und ihnen

ihre eigene Generation zu erklären. Über meine

Generation, bin stolzer Millenial, wird ganz viel

erzählt: Wir haben praktisch jede Industrie zerstört,

die es gibt. Wir sind nicht loyal. Wir wollen nicht

arbeiten. Jedem, der so einen Blödsinn erzählt,

möchte ich gerne meinen bumvollen Kalender zeigen,

der meine Eltern dazu bringt, sich Sorgen zu

machen, ob ich mich nicht maßlos überfordere. Wir

wollen arbeiten, aber nur für etwas, dass uns einen

Sinn gibt. Ich persönliche finde wir sind eine großartige

Generation an top ausgebildeten Leuten, die

extrem engagiert sind für das, woran sie glauben

und die Arbeitswelt hoffentlich revolutionieren werden.

Worauf ich hinaus will: Über euch wird ebenso

viel Mist erzählt. Ihr habt es sicher auch satt, dass

andere euch beschreiben. Wie seid ihr wirklich?

Schreibt mir auf pantic@dasbiber.at oder unter

Insta auf @medien.geil - Ihr nutzt wahrscheinlich

Snapchat, aber das hab ich nicht mehr, sorry!

#oidekraxn

BIBER: Was soll der Westen durch deine Arbeit über den Iran

wissen?

SHIRIN NESHAT: Meine Arbeit funktioniert auf zwei Wegen: Sie ist

sehr persönlich und handelt von der Geschichte meiner Heimat,

abseits von den Darstellungen der Medien. Man reduziert uns

beispielsweise auf die heutige Islamische Republik Iran. Aber wir

haben ein großes kulturelles Erbe, das einen großen Teil unserer

Identität ausmacht. Die heutige mediale Darstellung des Nahen

Ostens ist eine grobe Verallgemeinerung.

Du sagst immer, iranische Frauen sind deine Inspiration. Wie

siehst du ihren aktuellen feministischen Widerstand?

Es ist unglaublich: Je mehr die Regierung die Frauen gegen die

Wand drückt, desto kämpferischer werden sie. Die Regierung wird

immer brutaler, sie verhaften, sie morden, foltern. Man würde

denken, die Frauen würden zunehmend Angst haben. Aber ganz

im Gegenteil! Die Frauen dieser

Generation sind so mutig, es ist

verblüffend.

Warum ein Film über Oum

Kulthum?

Ich bin besessen von ikonischen

Frauen. Mich inspirieren Frauen,

die Großes geleistet haben und

erstaunliche, ungewöhnliche

und schwierige Leben führten.

Oum Kulthum war eine Ikone

und ein Idol. Sie starb am Höhepunkt

ihrer Beliebtheit. Vier

Millionen Menschen kamen zu

ihrer Beerdigung. Sie war und

bleibt beispiellos.

Das Interview in voller Länge

auf www.dasbiber.at

SOHO IN

OTTAKRING

Shirin Neshats neuer Film „Auf

der Suche nach Oum Kulthum“

handelt von der iranischen

Künstlerin Mitra, die einen

Film über die ägyptische Diva

Oum Kulthum dreht. Mitra hat

ihre Familie und ihren Sohn

aufgegeben, um ihrer Arbeit

nachzugehen. Inmitten des Films

beginnt sie zu zweifeln und zu

zerbrechen. Sie erkennt, dass

auch Oum Kulthum gerungen

haben muss. Doch sie war ein

Idol. Und Idole leiden nicht.

Gegen Ende des Films versucht

Mitra einen anderen Blick auf

den Mythos Oum Kulthum zu

zeigen.

Ab 15.6.2018 in den Kinos.

Die Liebe zur Demokratie sinkt, die

allgemeine Unsicherheit steigt. Und

wie kann Kunst eigentlich darauf einwirken?

Im Rahmen des Kunstfestivals

SOHO in Ottakring von 2. bis 17. Juni

2018 realisieren 152 Künstler*innen

in Wien Ottakring ihre Arbeiten. Das

Motto: „JENSEITS DES UNBEHAGENS.

Vom Arbeiten an der Gemeinschaft“

62 Kunstprojekte & - veranstaltungen

zum Thema Demokratie, Arbeit, soziale

Verantwortung, Solidarität und Gemeinschaft.

www.sohoinottakring.at

Oum Kulthum, Lina Bertucci, Thaddäus Stockert

76 / KULTURA MIT SCHARF / /


Was halten

Jugendliche

von einem

seit 100

Jahren toten

Autor?

von Jelena Pantić-Panić

„CHEKHOV Fast & Furious“- Was BIBER: Die Superamas

haben Vin Diesel und Autor bezeichnet man als

Chekhov gemeinsam? Erst mal „aufständisches Kollektiv“

– Was macht euch

gar nichts. Aber das französisch-österreichische

Kollektiv denn so rebellisch?

„Superamas“ will anhand eines PHILIPPE: Wir missachten

Konventionen, die

klassischen Chekhov-Textes

wissen, wie man Theater heute besagen wie Theater

zugänglicher und gegenwärtiger sein sollte.

machen kann. Zur Beantwortung

holen sie sich Jugendliche der Kollektiven-Arbeit

CARO: Allein die Art

aus vier europäischen Städten ist speziell. Es gibt kein

dazu. Zwei der Superamas Mitglieder,

Caro Madl und Philipmanden

der das letzte

Mastermind, niepe

Riéra, erzählen von ihrem Sagen hat. Es wird viel

neuen Stück im Rahmen der diskutiert und wir stellen

Theater als solches

Wiener Festwochen.

in Frage und was es heute repräsentieren kann oder soll.

Wie seid ihr zu den Jugendlichen gekommen?

CARO: Das erste Mal haben wir bei unserem Stück „Vive

l‘Armée!“ mit SchülerInnen gearbeitet. Dieser Prozess hat uns

ganz gut gefallen und jetzt arbeiten wir mit jungen Erwachsenen

zwischen 18 und 25. Diese wurden in Reykjavik, Wien,

Maubeuge und Amiens gecastet. Sonst schreiben wir Stücke

fertig, bevor wir zu proben beginnen, in dem Fall bleibt es

sehr offen, weil wir den Jugendlichen sehr viel Platz überlassen,

um ausgehend von Chekhov ihre eigenen Ideen zu

entwickeln.

Wie tastet ihr euch an Chekhov heran?

PHILIPPE: In dem Fall hat Superamas den Text von Chekhov

„Onkel Wanja“ aufgearbeitet. Und dann sind die Jugendlichen

dazu angehalten, das zu verwerfen, abzuändern oder weiterzuentwickeln.

Wir wollten von Jugendlichen wissen, was

für sie relevant ist. Somit hat man zwei Sichtweisen dieses

Stücks. Eine Interpretation der Superamas, die „alte“ Performance

und die andere, die von den Jugendlichen performt

wird. Wir spielen also nicht den Text als solches, die Performance

ist davon inspiriert.

CARO: Jede Gruppe hat sich basierend auf dem Text ein oder

zwei Themen ausgesucht. Die eine Gruppe knüpft an die Diskurse

der anderen Gruppe an und entwickelt sie weiter.

PHILIPP: In Wien ist es Kommunikation. Der Mangel an

Kommunikation zwischen Menschen trotz pausenloser

Kommunikation – diese Diskrepanz zwischen Qualität und der

Quantität in der wir kommunizieren.

Warum habt ihr euch für Chekhov entschieden?

PHILIPP: Weil Chekhov für uns old-fashioned Theater repräsentiert.

Wir wollten ein etabliertes Theaterstück mit einer

jungen Vision konfrontieren. Wie denken sie über Chekhov?

Was löst er in ihnen aus?

Und was denken sie darüber?

PHILIPP: Sieh dir die Show an! (lacht) Manche von ihnen

sind sehr neugierig und aufmerksam. Die Jugendlichen

ärgern sich darüber, warum in Onkel Wanja niemand etwas

macht.

CARO: Sie waren irritiert, konnten es aber doch in den damaligen

Kontext setzen - dass die Begebenheiten im Russland

vor 100 Jahren eben anders waren als heute. Auf einer

persönlichen Ebene waren sie aber davon überzeugt, dass

die Charaktere nicht genug tun, um sich aus ihrer misslichen

Lage zu befreien.

Und warum der Zusatz Fast & Furious?

PHILIPP: Wenn du Chekhov hörst, denkst du an Langsamkeit

und Melancholie - und Fast & Furious ist das komplette

Gegenteil, der junge Part. Clash!

Eure Arbeiten sind stets sozialpolitisch kritische Analysen.

Kommentare zur aktuellen Politik in Österreich?

CARO: Im Feld der Kunst macht man sich große Sorgen, wie

das weitergehen wird. Vor allem eben für Künstler, die nicht

in den etablierten Häusern auf der Welt spielen. Das ist ein

großes Fragezeichen.

PHILIPP: Die neue Regierung wird es nicht einfacher machen

für Kunst, sich zu entwickeln. Aber es ist zu früh, um wirklich

etwas zu sagen.

Im Rahmen der Wiener Festwochen findet „Chekhov Fast

& Furious“ von 15.-17. Juni jeweils um 20:30 in der Halle

EG des Museumsquartiers statt. Weitere Infos unter

www.festwochen.at

Dieses Interview ist im Rahmen einer entgeltlichen Kulturkooperation

zwischen biber und den Wiener Festwochen entstanden. Die redaktionelle

Verantwortung liegt allein bei biber.

/ KULTURA MIT SCHARF / / 77


Bye bye,

Der Boxer, der Rapper und Ihr Bürgermeister: Der bekennende Austria-

Fan Häupl hatte keine Scheu, mit Menschen aus anderen Milieus auf

dem Foto zu posieren. Hier mit Rapper Nazar und Boxer Knežević auf

einem Enzo im Museumsquartier. Erschienen: September 2010

78 / MIT SCHARF /


Baba* Häupl

Ende Mai ging eine

Ära zu Ende. Nach

24 Jahren an der

Spitze der Wiener

Stadtregierung übergab

Michael Häupl das Zepter

an seinen Nachfolger

Michael Ludwig. Der Wahlottakringer

hat nicht nur

in der Hauptstadt, sondern

auch im biber seine Duftmarken

gesetzt. Obwohl

wir nicht immer einer Meinung

waren, seine direkte

Art war eine willkommene

Abwechslung zu sonst

so einigen inhaltsleeren

Politiker-Interviews, bei

denen es uns schwerfiel,

auch nur ein knackiges

Zitat hervorzuheben. Als

Ort für unser letztes Interview

wählten wir bewusst

das „Pitawerk“ in Wien-

Fünfhaus. Und Herr Ex-Bürgermeister,

das nächste Mal

bitte essen Sie davor keine

zwei Leberkässemmeln,

wenn Sie wissen, Sie sind

zum Pita-Essen eingeladen.

*Türkisch für Vater

Lucia Bartl, Marko Mestrović, Christian Müller

Das erste Biber-Interview mit

Bürgermeister Häupl wäre heute,

zehn Jahre später, wahrscheinlich

ein Ding der Unmöglichkeit. Der

Bürgermeister inkl. Tross sitzt

beim Türken, vor einer riesigen

türkischen Flagge, schlemmt Adana

und schlendert anschließend

über den Brunnenmarkt.

Erschienen: August 2008

/ MIT SCHARF / 79


100 SchülerInnen und 1 Bürgermeister. Bei der

großen biber- Zeugnisverleihung 2016 überreichte

Bürgermeister Häupl höchstpersönlich Auszeichnungen

an unsere biber Schüler-RedakteurInnen.

Sommer 2015. Die

anstehenden Gemeinderatswahlen

stehen vor der Tür,

bei denen vor allem

den rechten Parteien

Zugewinne prognostiziert

werden. Häupl

setzt auf Solidarität

mit den Menschen

und spricht sich für

die Aufnahme von

weiteren Flüchtlingen

aus. Die Geste

kommt gut an und

der gelernte Biologe

geht als Gewinner

in seine letzte

Regierungsperiode.

Wir wollen ja nicht

angeben, aber unsere

kompetente Kaffeesudleserin

Zeynep

hatte es von Anfang

an prophezeit, dass

Häupl die Wahl

gewinnt. Erschienen:

September 2015

80 / MIT SCHARF /


JOBS MIT AUSSICHTEN

„Ich zeig, was ich kann.

Als Lehrling bei SPAR!“

LEHRLINGE

GESUCHT!

JOBS MIT

ÖSTERREICH DRIN.

SPAR als 100% österreichisches Unternehmen ist nicht nur einer der letzten großen heimischen Arbeitgeber,

sondern auch Österreichs größter privater Lehrlingsausbildner. Jedes Jahr beginnen rund 900 junge

Menschen ihre Karriere bei SPAR in 20 spannenden Lehrberufen und nützen die vielfältigen Ausbildungsangebote,

die ihnen den Weg zu einer zukünftigen Karriere ebnen. Wer Freude am Kontakt mit Menschen hat und

offen für Neues ist, ist bei SPAR genau richtig. Prämien und Aufstiegschancen nach der Lehre gibt‘s genug.

SPAR Jobcenter Wien

Josefstädterstraße 64 | 1080 Wien

E-Mail: jobcenter@spar.at

Besuche uns auf www.spar.at/lehre


„Die Leiden des jungen Todors“

Von Todor Ovtcharov

Identität (Ausländersachen)

J

säufzt und sagt: “Egal wie viele Jahre

ich in diesem Land lebe, egal was ich

versuche, um nicht herauszustechen

und wie die Mehrheit zu sein, ich bleibe

für immer eine Ausländerin und die Einheimischen

erwarten von mir, dass ich Ausländersachen treibe.”

Ich denke nach, was wohl diese Ausländersachen

laut den echten Bio-Österreichern sind. An erster

Stelle sicherlich Probleme. Dreck (als ein echter

Ausländer muss man wohl immer Dreck erzeugen,

dann ist man ein dreckiger Ausländer). Seltsames

Essen (egal, ob man aus Thailand oder aus Kroatien

kommt, man erwartet von einem, dass man Insekten

und Regenwürmer isst). Verbrechen (man kann wohl

ein Pazifist und ein Gandhi-Nachfolger sein, aber es

wird erwartet, dass man eine Pistole oder wenigstens

einen Schlagring immer mithat.) Man trägt

seltsame Kleider (es muss keine Burka sein, aber

jeder, der keine Lederhose anhat ist ein verdächtiger

Ausländer.) Man spricht mit einem unverständlichen

Akzent (ich kenne einen Bulgaren aus Berlin, der alle

deutsche Dialekte nachmachen kann. Von Sächsisch

bis Kärntnerisch. Das schlimme ist, dass er Bogdanov

heißt. Dieses -ov verrät ihn immer.) Ausländer

jammern immer (das heißt, dass sie ihren Platz nicht

kennen. Wenn es ihnen nicht gefällt, dann sollen sie

gefälligst verschwinden!)

J erzählt mir über ihre Nachbarn im 16. Bezirk.

Ihre Lieblingsbeschäftigung sei es in einem Auto zu

sitzen (am besten einem BMW) und laute deutsche

Schlagermusik zu hören. Die, die nicht ins Auto

reingepasst haben, bleiben draußen und tanzen um

das Auto herum. Da die Musik zu laut war, bat sie

die Musik ein bisschen leiser zu stellen. Die Antwort

war: “Wenn es dir nicht gefällt, dann geh nach Hause,

du dreckige Ausländerin!”

J erzählt mir auch über einen Bekannten von ihr,

der in einer winzigen Wohnung in Wien wohnte. Er

wollte so gerne ein Grillsteak essen. Er kaufte sich

einen Griller und entschied sich in seinem Hinterhof

schnell zu grillen. Schon als er mit dem Griller in den

Hof rauskam, fühlte er sich beobachtet. Er erwartete,

dass ihn jemand mit einer Flüssigkeit aus den

Fenstern begießt. Danach würde man die Polizei, die

Feuerwehr, die Rettung und die Cobra Einheit wegen

ihm holen. Er entschied sich doch nicht im Hinterhof

zu grillen und nahm seinen Griller zur Grillzone auf

der Donauinsel mit. Als er endlich da war, stellte

er fest, dass er vor lauter Aufregung sein Steak zu

Hause vergessen hatte. Er ließ seinen Griller da und

fuhr schnell nach Hause, um sein Steak zu holen.

Als er wieder auf der Insel war, war sein Griller

verschwunden. Er saß alleine mit einem Steak in

der Hand da. Er fragte die Leute rundherum, ob sie

jemand gesehen hätten, der sich mit einem Griller

in der Hand entfernt hatte. Sie sagten ihm, dass sie

niemand gesehen hatten, aber es wohl ein Ausländer

gewesen sein muss. ●

82 / MIT SCHARF /


Hände weg vom Handy im Straßenverkehr!


84 / MIT SCHARF /

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