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mosquito Magazin Osnabrück, issue 128, Juni 2018

Das Magazin für Osnabrück & Umgebung, im Taschenformat.

036 * tipp festival #Aus

036 * tipp festival #Aus Ihrer Sicht: Wie verändert sich das Festival über die Jahre, wie verändert sich das Publikum und was wünschen Sie sich? – – – Das Morgenland Festival Osnabrück hat sich in den vergangenen 13 Jahren immer mehr hin zu einem internationalen Forum für Musik entwickelt. Hier entstehen Produktionen, die dann in die Welt hinausziehen. Über die Jahre ist ein Netzwerk von vielen Hundert Musikern entstanden, die Enthusiasmus, Können und Freude am Experimentieren teilen – ein grandioser Luxus, mit diesen Menschen arbeiten zu dürfen! Dazu hat sich auch unser Publikum verändert. Es ist quasi mit uns mitgewachsen. Ich staune jedes Jahr aufs Neue, dass so viele Osnabrücker und Nicht-Osnabrücker uns Vertrauen schenken, da sie oft nicht wirklich wissen, was sie erwartet. Sie haben aber offensichtlich in den letzten Jahren selten schlechte Erfahrung gemacht und wissen, dass sie beim Morgenland Festival etwas hören können, das sie wirklich kaum an einem anderen Ort in dieser Form und Konzentration erleben können. Wenn ich zu einem namhaften Pianisten in ein klassisches Konzert gehe, weiß ich ziemlich genau, was ich hören werde. Das ist ja bei uns nicht so. Diese Spannung teilen letztlich Musiker, Publikum und ich. Meistens ist das eine positive, tolle Spannung, manchmal macht es mir aber auch ein wenig Angst... #Sie geben mit dem Morgenland Festival Osnabrück viele Gastspiele, dieses Jahr u.a. in Almaty und Berlin. Warum hat das Festival in Osnabrück seine Wurzeln? – – – Das Festival ist 2005 in Osnabrück entstanden und diese Stadt ist einfach ein wunderbarer Gastgeber. Alle Musiker lieben es, hier zu sein. Großartig finde ich die Kollegialität unter Kulturschaffenden in Osnabrück. Wir sind mit etlichen Akteuren vernetzt, und ich habe nie kompetitive Situationen erlebt in all den Jahren. Gastspiele und Satelliten sollen auch in Zukunft fester Bestandteil des Festivals sein, aber Osnabrück bleibt immer das Zentrum und die Heimat des Festivals. # Sie bespielen in diesem Jahr eine Halle auf dem Gelände von VW. Was ist der Anlass, wie kam es dazu und was erwartet das Publikum? – – – Eine grandiose Morgenland All Star Band und den phänomenalen Lichtkünstler Philipp Geist. Geist hat nicht nur klassische Konzertsäle wie die Elbphilharmonie oder das Konzerthaus Berlin bespielt, sondern auch die Christusstatue von Rio de Janeiro, den Kölner Dom, den Königsthron in Bangkok unzählige andere Orte weltweit. Als Vorband spielt das Ensemble des 'Morgenland Campus', ein Projekt, das wir gemeinsam mit dem Institut für Musik der Hochschule Osnabrück machen. #Angesichts der Situation im Nahen Osten: Kann ein Festival wie Ihres nur Musik im Fokus haben oder ist es nicht zwangsläufig auch politisch? – – – In der Tat bewegen wir uns oft auf dem schmalen Grat zwischen Kultur und Politik. Das lässt sich nicht vermeiden, wenn man in dieser Region arbeitet, die ausgesprochen kompliziert und oft instabil ist. Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass wir ein Kulturfestival sind und nicht vorrangig politische Botschaften machen. Aber manchmal ist die Botschaft "Wir sind hier" schon politisch brisant. Ich denke da etwa an unser Programm mit uigurischen Musikern vor ein paar Jahren. #Was sind Ihre Pläne für die nächsten Jahre? – – – Ich wünsche mir, dass wir noch viele Jahre die Möglichkeit haben werden, unsere Arbeit unter guten Bedingungen fortzusetzen, dass wir spannende Musiker und Partner finden und noch lange mit diesem musikalischen Abenteuer Publikum, Musikwelt und Musiker begeistern können. – – –

festival tipp * 037 Interview mit Michael Dreyer – – – 15.–24. Juni, Osnabrück www.morgenland-festival.com Michael Dreyer Künstlerischer Leiter Morgenland Festival Osnabrück www.morgenland-festival.com Foto: © Liudmila Jeremies

mosquito Magazin Osnabrück, issue 127, Mai 2018
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