db 2018-02
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
durch<br />
blick<br />
Nr. 2/<strong>2018</strong><br />
Seit 1986<br />
kostenlos<br />
Autorenzeitschrift<br />
... nicht nur für Senioren<br />
MEINUNGEN<br />
INFORMATION<br />
PERSPEKTIVEN<br />
UNTERHALTUNG<br />
KULTUR<br />
Wenn<br />
Vergangenes<br />
neu erblüht<br />
Seite 20
Inhaltsübersicht<br />
Kurz berichtet4<br />
Aus dem Siegener Seniorenbeirat 16<br />
Wenn vergangenes neu erblüht 20<br />
Dschungelbuch Siegen und Umgebung 22<br />
Gedenken an Erika Krumm24<br />
Vom Wahren, Guten und Schönen 26<br />
Kunstverein 27<br />
Als die Countrymusik ins Siegerland kam 28<br />
Manchmal ist „Altes“ doch besser 30<br />
Leipziger Buchmesse / Moderne Lyrik31<br />
Buchbesprechungen 32<br />
Vor 685 Jahren 34<br />
Die letzte Tour 36<br />
Aufstieg38<br />
Der Traum vom Fliegen 40<br />
Besuch in Zagan 42<br />
Abenteuer Europa 44<br />
Denk ich an Düsseldorf ... 46<br />
Ein gewöhnlicher Morgen 49<br />
Die Schafgarbe 50<br />
Archibald der Molch 51<br />
Mundart 52<br />
Denken erlaubt 55<br />
Gedächtnistraining 56<br />
Etwas über die Turner, die keine Sportler sein durften5 8<br />
Hinters Werkstor geschaut 62<br />
Himmeroder Geschichten 64<br />
Der Kommentar 67<br />
Die Unverbesserlichen 68<br />
Veranstaltungen im Haus Herbstzeitlos 69<br />
durchblick verlost Karten für „Denis Scheck“ 70<br />
Veranstaltungen in Siegen-Wittgenstein 70<br />
Leserbriefe 80<br />
Lÿz Frühstarter 81<br />
Es fiel uns auf / Lösungen 82<br />
Zu guter Letzt / Impressum82<br />
Gerland & Panning terzo-Zentrum<br />
Bahnhofstr. 12-14 | 57072 Siegen I Tel. <strong>02</strong>71.30372800<br />
Siegtalstr. 2 I 57080 Siegen-Eiserfeld I Tel. <strong>02</strong>71.25 08 89 26<br />
NEU seit März: Rathausstr. 1b I 57234 Wilnsdorf I Tel. <strong>02</strong>739. 479 84 98<br />
www.gerland-siegen.de<br />
Unsere Leistungen<br />
Gehörtherapie/Aufbautraining<br />
kostenloser Hörtest<br />
unverbindliche Hörgeräteprobe<br />
Tinnitusberatung<br />
Hörgeräte führender Hersteller<br />
Gehörschutz<br />
Besser hören aus eigener Kraft -<br />
werden Sie selber aktiv:<br />
Für mehr Lebensqualität.<br />
Gutschein<br />
für ein(e) kostenlose(s)<br />
Höranalyse/Probetraining<br />
Vereinbaren Sie vorab einfach einen<br />
unverbindlichen Termin mit uns<br />
Sie erhalten Antwort auf die Fragen<br />
• Wie gut höre ich?<br />
• Wie gut verstehe ich?<br />
• Was leistet die terzo ® Gehörtherapie?<br />
©WavebreakmediaMicro-fotolia.com<br />
Aus der Redaktion<br />
Nachrichten und Berichte in Tagespresse und Fernsehen zum Thema Altenheime<br />
und Pflege sind in der Regel negativ besetzt. Sie hinterlassen bei älteren<br />
Menschen meist das Gefühl, es sei alles schlecht und deprimierend. Dass es im<br />
Alltag der Altenheime durch die engagierte Arbeit von Altenpflegerinnen und Altenpflegern<br />
durchaus auch heitere, ja mitunter beglückende Momente gibt, möchte<br />
unsere Mitarbeiterin Eva Schumacher hin und wieder in ihren Texten aufzeigen<br />
wie in diesem Heft mit dem Beitrag „Ein gewöhnlicher Morgen“, auf Seite 49. Eva<br />
Schumacher ist Altenpflegerin und in einem Altenheim in unserer Region tätig.<br />
Bei der redaktionellen Arbeit an diesem Heft stellten wir fest, dass uns noch ein<br />
druckfähiges Bild des Berleburger Schaumstoffwerkes fehlte. Also machte sich<br />
einer unserer Redakteure auf den Weg, nahm seine Frau mit und die beiden konnten<br />
an einem schönen Frühsommertag die malerische Fahrt mit der Rothaarbahn genießen.<br />
Eine Win-Win-Win-Situation: Schöne Fahrt, Bummel durch Bad Berleburg und natürlich<br />
wurde der „dienstliche“ Auftrag auch erfüllt: siehe Bild auf Seite 62.<br />
Ihnen viel Freude beim Lesen des neuen durchblick. Titelfoto: Marion Schneider<br />
2 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 3
Kurz berichtet<br />
Autobahnkirche Siegerland<br />
unter den 1000 besten zeitgenössischen Bauten<br />
DA STECKT MEHR<br />
FÜR SIE DRIN!<br />
UNSER KOMBI-PAKET<br />
GAS UND STROM.<br />
Wilnsdorf. Der Architektur-Reiseführer<br />
„Destination Architecture“ zeigt beeindruckende<br />
moderne Bauten auf der<br />
ganzen Welt<br />
Einen Reisebegleiter für Architekturliebhaber<br />
hat Phaidon, einer der weltweit<br />
führenden Verlage für Architektur,<br />
nun herausgebracht. Darin enthalten<br />
sind die 1.000 besten zeitgenössischen<br />
Bauten auf der ganzen Welt. In die Auswahl<br />
hat es auch die von dem Architektenbüro<br />
Schneider und Schumacher<br />
entworfene Autobahnkirche Siegerland<br />
geschafft, deren unverkennbare Silhouette<br />
einer traditionellen Dorfkirche<br />
auch das Cover ziert.<br />
Geordnet nach Kontinenten und Ländern<br />
präsentiert das handliche Buch<br />
unter dem Titel „Destination Architecture“<br />
1.000 sehenswerte zeitgenössische<br />
Bauten, die in den letzten 30<br />
Jahren entstanden sind. Darunter beispielsweise<br />
das Guggenheim Museum<br />
in Bilbao, die Elbphilharmonie in Hamburg,<br />
oder auch die Erweiterung des<br />
Städel Museums in Frankfurt.<br />
Die Autobahnkirche Siegerland erweist<br />
sich damit erneut als beliebtes<br />
Cover-Motiv: Erst vor kurzem wurde<br />
sie als Titelbild für das im Reclam-Verlag<br />
erschienene Buch „Meisterwerke<br />
der Architektur“ von Günter Baumann<br />
ausgewählt.<strong>db</strong><br />
Geisterführung im MGK<br />
Nachts im Museum werden Schatten lebendig<br />
Yoga<br />
im Begegnungszentrum<br />
Siegen. An einem Abend im März trafen<br />
sich 21 neue Freundeskreismitglieder<br />
zu einem ganz besonderen Seherlebnis<br />
im Museum für Gegenwartskunst<br />
Siegen. Ganz nach dem Motto „Frau<br />
Schwarz bringt Licht ins Dunkel!“ hatte<br />
Museumsführerin Kirsten Schwarz<br />
zur „Geisterführung“ eingeladen. Nach<br />
einem Willkommensgetränk wurde das<br />
Licht in den Museumsräumen nicht<br />
eingeschaltet, sondern gelöscht. Ausgestattet<br />
mit Taschenlampen gingen<br />
die sichtlich neugierigen Teilnehmer im<br />
finsteren Museum auf Kunstschau. Erstaunlich<br />
anders sahen die Exponate<br />
im Scheinwerferkegel aus. Auf einmal<br />
ließen sich Details besser erkennen,<br />
gleichzeitig entstanden durch die besondere<br />
Beleuchtung Schattenspiele,<br />
die regelrecht neue Aspekte „ans Licht“<br />
beförderten. Bei einigen Gemälden veränderte<br />
sich die räumliche Wirkung so<br />
stark, dass sich selbst bei jenen Neumitgliedern<br />
Verblüffung einstellte, die das<br />
Museum und seine Sammlung schon<br />
sehr gut kannten. Große Begeisterung<br />
am Ende: „Das war mal ein völlig neues<br />
Museumserlebnis!“ Die Geisterführung<br />
ist ein besonderes Angebot für alle<br />
Neumitglieder des Freundeskreises. Sie<br />
findet einmal jährlich statt. <strong>db</strong><br />
Siegen. Die Frage, ob „Yoga“ und „Senioren“<br />
nicht ein Widerspruch in sich ist,<br />
hat sich auch der Seniorenbeauftragte<br />
der Stadt Siegen Lars Dörr gestellt.<br />
Marga Pietrowski Yogalehrerin mit viel<br />
Erfahrung konnte diese Befürchtung<br />
schnell ausräumen.<br />
Extreme Übungen von Yoga gehören<br />
nicht zu dem Angebot, welches sie ab<br />
Oktober im städtischen Begegnungszentrum<br />
Haus Herbstzeitlos verwirklichen<br />
will. Sanftes Yoga kann selbst<br />
bei körperlich geschwächten Menschen<br />
Erstaunliches bewirken: Es verbessert<br />
das Körpergefühl, kräftigt Gelenke und<br />
Muskeln, stärkt die Konzentration und<br />
den Gleichgewichtssinn und kann sogar<br />
Krankheiten vorbeugen. Starke Beine<br />
und Gelenke vermindern die Gefahr zu<br />
stürzen. Durch gezielte Atemübungen<br />
entspannen sich Körper und Geist, die<br />
Durchblutung und der Lymphfluss werden<br />
gestärkt.<br />
<strong>db</strong><br />
4 durchblick 2/<strong>2018</strong><br />
Jetzt jährlich<br />
40 Euro<br />
<br />
sichern!<br />
Die SVB versorgen die Region Siegen und Umgebung<br />
mit Naturstrom aus 100<br />
Erdgas. Wechseln Sie jetzt zu den SVB und sparen Sie<br />
mit dem Kombi Paket Gas und Strom.<br />
Wir beraten Sie gerne – in unserem<br />
Kundenzentrum, am Telefon unter <strong>02</strong>71 3307-250<br />
oder im Internet auf www.svb-siegen.de.
Kurz berichtet<br />
Kurz berichtet<br />
5000 Schritte Miteinander<br />
Wandertouren durch die Gemeinde<br />
Senioren<br />
unterstützen Senioren<br />
Gedächtnistraining<br />
unabhängig vom Alter<br />
Neunkirchen. Bewegung an der frischen<br />
Luft macht Freude, vor allem,<br />
wenn die Umgebung so viele schöne<br />
Strecken zu bieten hat. Die neue Initiative<br />
der Senioren-Service-Stelle<br />
spricht jene Menschen an, die gemeinsam<br />
mit einer Gruppe durch die Natur<br />
wandern und schöne Flecken in den<br />
verschiedenen Ortsteilen erkunden<br />
möchten.<br />
In der örtlichen Kompetenzrunde<br />
war die Idee gekommen, regelmäßige<br />
Touren für die Generation 55+ anzubieten.<br />
Entstanden sind daraus sechs<br />
moderate Wanderungen, die immer<br />
mittwochsmorgens um 10 Uhr beginnen<br />
sollen. Die Strecken sind maximal<br />
vier Kilometer lang und sollten ohne<br />
Probleme zu bewältigen sein. Das Besondere:<br />
Alle Touren sind unterschiedlich:<br />
„Jeden Mittwoch werden wir ein<br />
anderes schönes Fleckchen Neunkirchens<br />
durchstreifen“, erklärt Seniorenberaterin<br />
Bettina Großhaus-Lutz (Foto).<br />
Die Wanderrouten sind so ausgesucht,<br />
dass genügend Parkplätze für alle Interessen<br />
zur Verfügung stehen.<br />
Bei den ersten Touren wird die Seniorenberaterin<br />
ihre Schuhe schnüren<br />
und die Gruppe begleiten. „Wenn sich<br />
die Aktion etabliert hat, können sich die<br />
Teilnehmer sicher allein auf die Socken<br />
machen. Sollte das Angebot gut angenommen<br />
werden, denken wir auf jeden<br />
Fall darüber nach, über den 4. Juli hinaus<br />
weitere Wanderungen anzubieten“,<br />
so die Seniorenberaterin.<br />
Die Aktion richtet sich an Wanderfreunde<br />
und Naturliebhaber ab 55 Jahren.<br />
Gestartet wird immer mittwochs<br />
um 10 Uhr.<br />
Für Fragen steht Bettina Großhaus-<br />
Lutz telefonisch unter <strong>02</strong>735 767-200<br />
zur Verfügung. Die Mailanschrift lautet:<br />
b.grosshaus-lutz@neunkirchen-siegerland.de<br />
<br />
<strong>db</strong><br />
Kreisgebiet. Wo liegen Ängste der<br />
Senioren? Bei welchen Straftaten sind<br />
sie betroffen oder gefährdet? Wie kann<br />
man vorbeugen? Durch eine mehrtägige<br />
Schulung erhielten 22 Bürger und<br />
Bürgerinnen die Eignung zu Seniorenberatern.<br />
Der Bevölkerungsanteil der<br />
Seniorinnen und Senioren im Vergleich<br />
zur Gesamtbevölkerung steigt an. Die<br />
Kriminalität zum Nachteil der älteren<br />
Mitbürger wird vermehrt in den Fokus<br />
der polizeilichen Prävention rücken.<br />
Mit dem Projekt Senioren unterstützen<br />
Senioren. Gut orientiert und mobil<br />
im Alter soll das Sicherheitsgefühl gerade<br />
der älteren Bevölkerung gestärkt<br />
und Seniorinnen/Senioren möglichst<br />
vor Straftaten und Verkehrsunfällen<br />
bewahrt werden.<br />
Seniorensicherheitsberater halten<br />
Vorträge im Wohnumfeld, führen auf<br />
Wunsch Einzelgespräche, geben praktische<br />
Ratschläge u.a. zu den Themen<br />
Betrug und Trickdiebstähle und vermitteln<br />
bewährte Hilfsangebote.<br />
Seniorengruppen oder Vereine, die<br />
an dem Angebot interessiert sind oder<br />
Interesse an einer Ausbildung haben,<br />
können sich an folgende Dienststelle<br />
wenden: Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz,<br />
Leiterin Kriminalhauptkommissarin<br />
Susanne Otto<br />
Siegen, Weidenauer Straße 231.<br />
<strong>02</strong>71/7099-4800, Siegen-Wittgenstein@polizei.nrw.de<strong>db</strong><br />
Netphen. Senioren aus Netphen nahmen<br />
an einem Seminar „Ganzheitliches<br />
Gedächtnistraining“ teil.<br />
Organisiert wurde die Veranstaltung<br />
von der Seniorenbeauftragten Eva Vitt<br />
aus Netphen. Assoziatives und logisches<br />
Denken stellte die Teilnehmer vor Herausforderungen,<br />
die sie gemeinschaftlich<br />
lösten. Ein regelmäßiges Gedächtnis<br />
und Konzentrationstraining kann<br />
zu einer Steigerung der Gehirnleistung<br />
beitragen, ganz unabhängig vom Alter,<br />
so die Trainerin Bernadette von<br />
Plettenberg. <br />
<strong>db</strong><br />
Gemeinschaftliches Wohnen<br />
Freudenberg. Am 14. März haben<br />
die Interessenten eines gemeinsamen<br />
Wohnprojektes den Verein Wohn(t)räume<br />
Freudenberg gegründet. Damit soll<br />
sich für einige Menschen der Traum von<br />
einem gemeinschaftlichen Leben unter<br />
einem Dach erfüllen.<br />
Die Bürgermeisterin, Nicole Reschke,<br />
hob die Gründung des Vereins bereits<br />
ein halbes Jahr nach dem ersten Treffen<br />
der künftigen Bewohner als eine<br />
großartige Leistung hervor.<br />
In ihrer Begrüßung erklärte sie, dass<br />
hier etwas Neues für Freudenberg<br />
entstehe und sie von der Realisierung<br />
überzeugt sei.<br />
In der Satzung des Vereins wird festgeschrieben,<br />
dass Eigenverantwortung<br />
und Selbstbestimmung der Bewohner<br />
bis ins hohe Alter erhalten bleiben sollen<br />
und das gemeinsame Wohnen von<br />
Menschen verschiedener Altersgruppen<br />
und Behinderungen gefördert wird. Das<br />
wird durch gemeinsame interne und öffentliche<br />
Aktivitäten verwirklicht sowie<br />
durch integration einer Behinderten-<br />
Wohngruppe. Zu dem feierlichen Start<br />
gehörte auch ein fröhlicher Austausch<br />
mit einem Glas Sekt und Snacks.<br />
Der Vorstand wurde einstimmig gewählt.<br />
Marita Moers ist erste Vorsitzende.<br />
Sie hat zusammen mit der zweiten<br />
Vorsitzenden, Brigitte Saul, das Wohnprojekt<br />
initiiert. Die Mitgliedertreffen<br />
finden weiterhin einmal monatlich statt,<br />
Interessenten sind ganz herzlich willkommen.<br />
Informationen unter <strong>02</strong>293 9070068<br />
und <strong>02</strong>297 9094720.<br />
<strong>db</strong><br />
6 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 7
Kurz berichtet<br />
DRK-Kreisverband<br />
Dr. Martin Horchler ist der neue Vorsitzende<br />
Siegen. Seit April lenkt Dr. Martin<br />
Horchler den DRK-Kreisverband Siegen-Wittgenstein<br />
als hauptamtlicher<br />
Vorstand. In den nächsten Wochen<br />
möchte sich der neue Vorstand einen<br />
Einblick in die Rotkreuzarbeit des Wohlfahrtsverbandes<br />
und Hilfsorganisation<br />
verschaffen und die Rotkreuzler möglichst<br />
persönlich kennenlernen.<br />
Auf die neue Truppe wird in diesem<br />
Jahr bereits ein DRK–Großevent zukommen.<br />
Die deutschen Meisterschaften in<br />
Erster Hilfe für die Rotkreuzbereitschaften<br />
und Wasserwachten werden am<br />
15. September in Siegen ausgetragen.<br />
Hierzu werden rund 700 Teilnehmer aus<br />
ganz Deutschland erwartet.<br />
Mit der im Juni 2017 beschlossenen<br />
Satzung wurde erstmals die Gesamtverantwortung<br />
über alle haupt- und<br />
ehrenamtlichen Aufgabenbereiche des<br />
DRK-Kreisverbandes vom früher ehrenamtlich<br />
arbeitenden an einen hauptamtlichen<br />
Vorstand übertragen. <strong>db</strong><br />
Dr. Martin Horchler (Mitte) mit Mitarbeiter*<br />
innen des DRK-Kreisverbandes e.V. freut sich<br />
auf neue Aufgaben<br />
Einige Energieausweise<br />
verlieren Gültigkeit<br />
Siegen. Die Siegener Versorgungsbetriebe<br />
weisen darauf hin, dass einige<br />
Energieausweise in diesem Jahr ihre<br />
Gültigkeit verlieren.<br />
„Alle Eigentümer, die <strong>2018</strong> ein Haus<br />
oder eine Wohnung vermieten oder<br />
verkaufen möchten, sollten prüfen, ob<br />
sie ihren Energieausweis erneuern lassen<br />
müssen.“, sagt SVB-Energieberater<br />
Christian Abend. „Wer eine Immobilie<br />
verkaufen möchte, muss schon beim<br />
Besichtigungstermin einen gültigen<br />
Ausweis vorzeigen können“. Das ist in<br />
der Energie-Einsparverordnung so geregelt.<br />
Immobilieneigentümer können<br />
sich von den Siegener Versorgungsbetrieben<br />
Energieausweise erstellen<br />
lassen. Bei Fragen rund ums Thema<br />
hilft Christian Abend weiter unter<br />
<strong>02</strong>71/3307-203.<br />
<strong>db</strong><br />
Im Alter<br />
in Bewegung<br />
Dreis-Tiefenbach. Ein zwölfwöchiges<br />
Trainingsprogramm ist für Menschen<br />
ab 60 Jahren konzipiert – vor allem für<br />
die, die bisher inaktiv waren, aber in<br />
Zukunft ihren Alltag nachhaltig aktiver<br />
gestalten möchten. Dieser Kurs des<br />
TVE Dreis-Tiefenbach wird in Abstimmung<br />
mit den Krankenkassen bezuschusst.<br />
Hierzu wurde ein Alltags–Trainings-<br />
Programm (ATP) entwickelt. Ziel ist,<br />
den Tagesablauf drinnen und draußen<br />
als Trainingsmöglichkeit zu verstehen.<br />
Schließlich hält regelmäßige körperliche<br />
Aktivität das Herz-Kreislauf-System,<br />
den Bewegungsapparat sowie das<br />
Gehirn in Schwung und steigert neben<br />
der Mobilität unter anderem die soziale<br />
Integration sowie das allgemeine Wohlbefinden.<br />
Die Teilnehmenden lernen,<br />
dass ein Training überall, jederzeit und<br />
einfach nebenbei stattfinden kann. Diese<br />
Trainingssituationen sollen zu einer<br />
stabilen Gewohnheit im individuellen<br />
Alltag werden um nachhaltig die motorische<br />
Kompetenz zu fördern. Im Kurs<br />
können die Teilnehmenden Spaß und<br />
Freude an der Bewegung entdecken,<br />
sich körperlich erleben, die eigenen<br />
Fähigkeiten kennenlernen und Neues<br />
ausprobieren.<br />
In zwölf Kurseinheiten werden verschiedene<br />
Aspekte des täglichen Lebens<br />
genutzt, um typische Alltagssituationen<br />
und -bewegungen (z. B.<br />
Treppensteigen, Tragen, Stützen etc.)<br />
als Übungs- und Trainingsmöglichkeit<br />
zu vermitteln.<br />
Anmeldungen unter <strong>02</strong>71/76104<br />
oder per Mail (ingrid.voss@tve-dreistiefenbach.de).<br />
<br />
<strong>db</strong><br />
Kurz berichtet<br />
Prostata-Symposium war erfolgreich<br />
Siegen-Weidenau.<br />
Mit über 60.000<br />
Neuerkrankungen<br />
im Jahr stellt das<br />
Prostatakarzinom<br />
die häufigste Tumorerkrankung<br />
des<br />
Mannes in Deutschland<br />
dar und etwa<br />
12.000 Männer sterben<br />
an deren Folgen.<br />
Grund genug, um im<br />
Rahmen des 14. Siegener<br />
Prostata-Symposiums<br />
in einen intensiven<br />
Austausch<br />
über Prostatakrebs<br />
und andere urologische<br />
Erkrankungen zu treten. Eingeladen<br />
wurden Mediziner und Interessierte<br />
von den Chefärzten der beiden Siegener<br />
urologischen Abteilungen Dr. Johannes<br />
Spelz (Kreisklinikum) und Dr. Peter<br />
Weib (DiakonieKlinikum Jung-Stilling)<br />
in Kooperation mit dem Kompetenznetz<br />
Prostata sowie der Siegener Prostata-<br />
Viele Männer sterben jährlich an den Folgen<br />
eines Prostatakarzinoms.<br />
krebs-Selbsthil-<br />
fegruppe. Während<br />
sich die<br />
Mediziner zur aktuellen<br />
Vorsorge-,<br />
Diagnose- und<br />
Behandlungsmöglichkeiten<br />
weiterbildeten,<br />
nutzen danach<br />
fast 200 Besucher<br />
die Möglichkeit,<br />
sich<br />
von Fachärzten<br />
informieren zu<br />
lassen. Viele Interessierte,<br />
darunter<br />
zahlreiche<br />
Betroffene, stellten den anwesenden<br />
Fachärzten persönliche Fragen. So<br />
konnten sie Unklarheiten beseitigen<br />
und in einigen Fällen eine unverbindliche<br />
Zweitmeinung einholen. Auch im<br />
nächsten Jahr soll das Prostata-Symposium<br />
wieder in der Bismarckhalle<br />
Weidenau stattfinden.<br />
<strong>db</strong><br />
Die Leseeulengruppe unterwegs<br />
Fliedner-Heim-Bewohner erfreut<br />
Siegen. Die Leseeulen im Alter von 3-5<br />
Jahren aus dem „DRK-Familienzentrum<br />
Weltenbummler“ in Weidenau machen<br />
sich alle drei Monate auf den Weg zum<br />
nahegelegenen Fliedner-Heim. Diesmal<br />
hatten die Kindergartenkinder das<br />
musikalisches Erzähltheater „Frühling<br />
wird es nun bald“ einstudiert. Unter<br />
der Leitung von Erzieherin Michaela<br />
Heinz wurden selbstgebastelte Blumen<br />
in Form von Kinderhandabdrücken,<br />
Tanzeinlagen zu den Klängen der Bildergeschichte<br />
und pantomimischen<br />
Darstellungen vorgeführt. Anschließend<br />
wurden von den Kindern und Bewohnern,<br />
begleitet von Gitarrenklängen,<br />
bekannte Volkslieder gesungen.<br />
Diplom-Sozialarbeiterin Ursula Rompel-Birkefeld<br />
bedankte sich im Namen<br />
der Bewohner bei den Kindern. <strong>db</strong><br />
8 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 9
Kurz berichtet<br />
Kurz berichtet<br />
Kunstsommer<br />
zum Zwanzigsten<br />
Die Macher des „Siegener Kunstsommers“: Albrecht Thomas und Franz-Josef Weber (2.und<br />
3.v.lks.) mit Kulturbüroleiter Jens von Heyden (re.) und Siegens Stadtrat Arne Fries (lks.)<br />
Siegen. Der Sommer kann kommen.<br />
Ausgestattet mit entsprechend anmutenden<br />
Brillen stellte der Kunstverein<br />
Siegen e. V. sein diesjähriges Programm<br />
vor. Seit 1999 organisiert er das Projekt<br />
in der Form von Ausstellungen, Offenen<br />
Ateliers und Kunstaktionen. Künstlerinnen<br />
und Künstler aus der Region<br />
und darüber hinaus können sich beim<br />
Kunstverein mit einem Kunstprojekt<br />
bewerben, woraufhin eine fünfköpfige<br />
Jury etwa 23 Einzelprojekte auswählt.<br />
Ziel des dann entstehenden Programmes<br />
ist, eine abwechslungsreiche Gestaltung<br />
zu gewährleisten, um so das<br />
regionale Image zu fördern sowie eine<br />
breitere Wirkung und Akzeptanz für die<br />
Bildende Kunst zu erzielen.<br />
In diesem Jahr erreichten 31 Bewerbungen<br />
die Jury, die daraus 22 Einzelveranstaltungen<br />
auswählte. Stets gesetzt<br />
ist der Siegener Kunsttag, der in<br />
diesem Jahr unter dem Thema „Kunststoff“<br />
am Sonntag, dem 6. Mai <strong>2018</strong>,<br />
von unterschiedlichen Künstlerinnen<br />
und Künstler an verschiedenen Orten<br />
in Siegen präsentiert wurde.<br />
Weitere Informationen unter www.<br />
kunsttag-siegen.de bzw. www.kunstverein-siegen.de.<strong>db</strong><br />
Siegen. Vor dem Hintergrund des geplanten<br />
Erweiterungsbaus besuchte<br />
die Ministerin für Kultur und Wissenschaft,<br />
Isabel Pfeiffer-Poensgen, das<br />
Museum für Gegenwartskunst Siegen.<br />
Das Land Nordrhein-Westfalen ist ein<br />
möglicher Zuschussgeber dieses Vorhabens.<br />
Die konkreten Pläne für den<br />
Museumsanbau wurden der Ministerin<br />
vom Vorstand des Trägervereins vorgestellt.<br />
Angedacht ist eine mehrstöckige Überbauung<br />
des Museumsparkplatzes. Das<br />
Museum benötigt großzügigere Funktionsräume,<br />
beispielsweise für die sachgerechte<br />
Unterbringung und Erhaltung<br />
der sich stetig vergrößernden Sammlung.<br />
Geplant sind zudem ein neuer<br />
Veranstaltungssaal sowie zusätzliche<br />
Ausstellungsflächen.<br />
Als Eigentümerin des Gebäudes unterstützt<br />
die Stadt die Planungsphase,<br />
ebenso wie die Universität Siegen als<br />
unmittelbarer Nachbar und Kooperationspartner.<br />
Für die Ministerin war es<br />
der erste Besuch des Museums. Pfeiffer-Poensgen<br />
zeigte sich beeindruckt<br />
von der Qualität der Sammlungen und<br />
der Verankerung des Hauses in der<br />
Stadtgesellschaft.<strong>db</strong><br />
Ministerin informiert sich<br />
Museumserweiterung geplant<br />
Bürgermeister Mues (lks.), Ministerin Pfeiffer-Poensgen (3. von lks.)<br />
mit Verantwortlichen aus Kultur und Politik<br />
Landschaften und Tierportraits<br />
Fotoausstellung von Gudrun Neuser<br />
Es geht weiter<br />
Flyer liegen aus<br />
Ausstellung bis zum 28. August<br />
Kreuztal-Kredenbach. Detailverliebt<br />
und gern mit dem Makroobjektiv ist die<br />
Hobbyfotografin Gudrun Neuser in der<br />
Natur unterwegs. Tiere, Blumen und<br />
Landschaften sind ihre Motive. Mit aufmerksamen<br />
Blick erblickt sie die kleinsten<br />
Einzelheiten. Man sieht filigrane<br />
Flügel bei Faltern, winzige Fühler und<br />
Antennen, Facettenaugen bei Libellen,<br />
die Mundwerkzeuge oder die feinste<br />
Behaarung von Insekten. Ein Beispiel<br />
dafür ist ihr Foto „Hummel und Ameise<br />
beim Sammeln von Blütenpollen“ von<br />
2017, das sie auch bei der Fotoausstellung<br />
vom 29.05. bis zum 28.08. in der<br />
Celenus Klinik für Neurologie in Kredenbach<br />
zeigt. Aber auch Landschaften,<br />
Stadtbilder und Portraits hat sie im Fokus.<br />
Beeindruckend auch ihre Schwarz-<br />
Weiß-Bilder. Trotz einer halbseitige<br />
Lähmung, sie kann nur mit einer Hand<br />
die Kamera bedienen und ist meist mit<br />
Rollstuhl oder E-Trike unterwegs, gelingen<br />
ihr die schönsten Fotos. Bewundernswert<br />
sind ihre Ruhe und Geduld.<br />
Die Fotografie hat Gudrun Neuser eine<br />
neue Welt eröffnet und sie möchte<br />
anderen Menschen mit Behinderung<br />
Mut machen, sich auch ein kreatives<br />
Hobby zu suchen. Auch im durchblick<br />
hat Gudrun Neuser seit 2014 schon<br />
viele Fotos und Collagen veröffentlicht.<br />
Inzwischen ist sie im Siegerland und<br />
darüber hinaus bekannt. Außerdem<br />
ist sie in diversen Internetforen unterwegs,<br />
tauscht sich mit anderen Fotografen<br />
aus, genießt dort Anerkennung<br />
und erhält viele „Likes“.<br />
tere<br />
Freudenberg. Der Seniorenbeirat der<br />
Stadt Freudenberg hat mit der Gesamtschule<br />
Freudenberg vereinbart, ab<br />
sofort die beliebte Taschengel<strong>db</strong>örse<br />
fortzusetzen. Diese sozialen Kontakte<br />
fördern den Austausch zwischen Senioren<br />
und Jugendlichen.<br />
Zahlreiche Schülerinnen und Schüler<br />
der Klassen 9 werden gerne für Senioren,<br />
Familien und Berufstätige einfache<br />
Arbeiten für kleines Geld in Haus, Hof<br />
und Garten übernehmen (aber nicht<br />
vor Schulbeginn). Bisher hatten Jugendliche<br />
der Realschule Freudenberg<br />
diese Tätigkeiten seit dem Jahr 2014<br />
übernommen, dafür bedankt sich der<br />
Seniorenbeirat bei der Schule und den<br />
Schülern.<br />
Flyer zur Tschengel<strong>db</strong>örse liegen im<br />
Rathaus, in der Stadtbücherei und bei<br />
den sozialen Diensten aus, ebenso die<br />
Notfall-Karten, auf die der Seniorenbeirat<br />
noch einmal besonders hinweisen<br />
möchte. Kontaktaufnahme: Gertrud<br />
Giebeler, <strong>02</strong>734-8097<br />
eh<br />
10 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 11
Kurz berichtet<br />
Nachtwächter Balthasar<br />
darf lebenslang öffentlich singen<br />
Kurz berichtet<br />
Suttner Vorsitzender im Deutschen Kunstrat<br />
Mit großer Mehrheit in Berlin wiedergewählt<br />
Foto: Gesellschaft für Stadtmarketing Siegen e.V.<br />
Siegen. Über 1000 Mal erklang sein<br />
Ruf „Hört Ihr Leut´und lasst Euch sagen“<br />
in der Siegener Altstadt. Jetzt<br />
wurde Nachtwächter Balthasar, alias<br />
Siegbert Ullrich, von Bürgermeister<br />
Steffen Mues in den Ruhestand verabschiedet.<br />
Die Feier fand im Alten<br />
Weinkeller im Kreise der Stadtführer-<br />
Kolleginnen und -kollegen statt, die,<br />
wie Siegbert Ullrich, für die Touristeninformation<br />
der GSS e. V. tätig sind.<br />
Siegbert Ullrich vollendete im Sommer<br />
letzten Jahres sein 80. Lebensjahr.<br />
Danach reifte seine Überlegung,<br />
die Nachtwächter-Hellebarde niederzulegen,<br />
„wenn und solange es am<br />
schönsten ist“. Seinen ersten Auftritt<br />
in der Rolle des Balthasar hatte Ullrich<br />
am 11. September 2004 anlässlich<br />
eines Altstadtfests. Danach war er<br />
13 Jahre bei Wind und Wetter in den<br />
Altstadtgassen unterwegs und machte<br />
über 20.000 Gäste mit Geschichten<br />
und Geschichtchen der alten Zeit vertraut.<br />
Unter den drei Nachtwächtern,<br />
die in den Diensten der GSS stehen,<br />
zeichnete Siegbert Ullrich vor allem<br />
seine Stimmgewalt aus. Keiner sang<br />
das Nachtwächter-Lied so schön wie<br />
der ausgebildete Tenor.<br />
Bürgermeister Mues fand für die<br />
Verabschiedung Ullrichs launige Worte<br />
und stellte unter anderem fest,<br />
dass Ullrich der erste Mitarbeiter sei,<br />
den er mit über 80 Jahren aus dem<br />
Dienst entlasse. Für den unermüdlichen<br />
Einsatz gelte Siegbert Ullrich<br />
große Dankbarkeit und Wertschätzung.<br />
Letztere fand ihren Ausdruck<br />
in einer Urkunde, die der Bürgermeister<br />
überreichte. Mit seinem Ausscheiden<br />
wurde Ullrich zum „Oberstadtknecht“<br />
befördert, der nun auf<br />
Lebenszeit das Privileg hat, auf den<br />
Siegener Straßen und Plätzen ohne<br />
behördliche Genehmigung zu singen.<br />
Balthasar 2, alias Günther Klaes,<br />
und Balthasar 3, alias Martin Horne,<br />
halten das Angebot der Nachtwächter-Rundgänge<br />
aufrecht und werden<br />
bis auf weiteres die Lücke füllen, die<br />
Siegbert Ullrich hinterlässt. <strong>db</strong><br />
Siegen/Berlin. In seiner Sitzung im<br />
Mai wählte der Deutsche Kunstrat Wolfgang<br />
Suttner, den ehemaligen Kulturreferenten<br />
des Kreises Siegen-Wittgenstein<br />
und Mitgründer des Kunstvereins<br />
Siegen, zum Vorsitzenden.<br />
Der Deutsche Kunstrat ist einer der<br />
acht Sektionen im Deutschen Kulturrat.<br />
Dort heißen die Vorsitzenden aller acht<br />
Sektionen „Sprecher“ und bilden den<br />
Sprecherrat, das wichtigste Gremium<br />
des Deutschen Kulturrates.<br />
Der Spitzenverband aller Bundesverbände<br />
der Kultur in Deutschland repräsentiert<br />
mehr als sieben Millionen kulturaktive<br />
Bürgerinnen und Bürger im<br />
Zusammenschluss von 22 bundesweit<br />
organisierten Verbänden. Er vertritt<br />
auf Bundesebene die Interessen des<br />
Kunstbetriebes, er hat insbesondere<br />
das Ziel, der Bildenden Kunst die gebührende<br />
Geltung zu verschaffen und<br />
die kulturpolitischen Rahmenbedingungen<br />
mit zu gestalten. Als Co-Sprecherin<br />
wurde die Vorsitzende des Berufsverbandes<br />
Bildender Künstler, BBK, die Installationskünstlerin<br />
Dagmar Schmidt<br />
aus Hannover gewählt. Suttner vertritt<br />
besonders die Galerien, Kunstvereine,<br />
Museen, Versteigerer, Kritiker usw.<br />
Neben der Mitberatung aller kulturpolitischen<br />
Fragen des Deutschen<br />
Kulturrates und der Besetzung der<br />
Fachausschüsse des Deutschen Kulturrates<br />
setzt der Deutsche Kunstrat<br />
einen jährlichen Themenschwerpunkt,<br />
der „kunstpolitisch“ besonders auf den<br />
Nägeln brennt.<br />
In diesem Jahr ist das der Kunstunterricht<br />
an deutschen Schulen, der in<br />
fast allen Bundesländern Anlass zu großer<br />
Unzufriedenheit gibt: Die Lehrpläne<br />
sind nicht mehr zeitgemäß oder werden<br />
zusammengestrichen. Die Kunstlehrerausbildung<br />
wird ausgedünnt und<br />
das Fach Bildende Kunst – Ästhetische<br />
Erziehung in einer Zeit der bildmächtigen<br />
Kommunikation, wie Facebook<br />
oder Instagram, zum vernachlässigten<br />
„Orchideenfach“ degradiert. <strong>db</strong><br />
Wolfgang Suttner (lks) Präsident des Deutschen<br />
Kulturrates, Prof. Christian Höppner<br />
Neue Fotografien<br />
im MGK<br />
Den Kopf voller Farben<br />
„Museums-Momente“ – eine Erfolgsgeschichte<br />
Siegen. Die Unterstützung durch den Freundeskreis<br />
des Museums und der Sparkassen-<br />
Stiftung ermöglichte es dem Museum für<br />
Gegenwartskunst in Siegen, kürzlich weitere<br />
zehn eindrucksvolle Fotografien von Bernd<br />
und Hilla Becher zu erwerben. Dabei handelt<br />
es sich um Aufnahmen aus den Jahren<br />
1961 und 1972, die die Industrieanlagen in<br />
Eiserfeld, Siegen-Hain und Birlenbach zeigen.<br />
Sie folgen dabei der typischen, stilbildenden<br />
Fotokunst der Bechers, wie sie in deren berühmten<br />
Aufnahmen der Siegerländer Fachwerkhäuser<br />
sowie der nordamerikanischen<br />
Industriearchitektur geprägt wurde. <strong>db</strong><br />
Siegen. Um die Museums-Momente<br />
für Menschen mit Demenz ging es bei<br />
einer Informationsveranstaltung im<br />
Museum für Gegenwartskunst. Die<br />
Vertreter von elf Pflegeeinrichtungen<br />
fanden sich zu einem Erfahrungsaustausch<br />
zusammen. Eingeladen waren<br />
auch Vertreter der Selbsthilfegruppe<br />
„Mitten im Leben“.<br />
Die an Demenz betroffenen Teilnehmer<br />
berichteten über die Erfahrungen<br />
ihrer Führung im Februar. Seit<br />
2016 gehört die Sonderführung zum<br />
festen Programm des Museums.<br />
Zeit für eine Zwischenbilanz. „Der<br />
gemeinsame Spaß in der Gruppe<br />
und die sinnliche Erfahrung vor den<br />
Kunstwerken wurde einhellig als positiv<br />
von den Mitarbeiterinnen der<br />
ambulanten und stationären Pflege<br />
hervorgehoben", sagt Karin Puck aus<br />
der Abteilung Kunstvermittlung des<br />
Museums. Denn die Führungen sind<br />
ganz auf die Bedürfnisse dieser speziellen<br />
Besuchergruppe zugeschnitten<br />
und beginnen immer mit einer<br />
Tasse Kaffee. Dass dieses Konzept<br />
aufgeht, wurde in den begeisterten<br />
Schilderungen der Teilnehmer der<br />
Selbsthilfegruppe sehr deutlich. „Ich<br />
habe meinen Kopf ganz voll. Voller<br />
schöner Dinge“, so beschrieb es eine<br />
Teilnehmerin.<br />
Charlotte Boes vom Demenz-Service<br />
Zentrum, auf dessen Initiative<br />
die Museums-Momente entstanden<br />
sind freut sich, dass diese Veranstaltungen<br />
inzwischen zu einem ganzen<br />
Strauß von Angeboten für Menschen<br />
mit Demenz im Siegerland gehört.<strong>db</strong><br />
Interssierte Besucher<br />
12 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 13
Anzeige<br />
Für Vorstand sowie Mitarbeiter der<br />
Sparkasse Siegen war 2017 ein gutes<br />
und kontrastreiches Jahr. Es war geprägt<br />
von bunten Feiern und Aktionen<br />
anlässlich des 175jährigen Bestehens<br />
des Kreditinstituts, von anspruchsvollen<br />
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen<br />
und den Vorbereitungen zur Fusion<br />
mit der Stadtsparkasse Hilchenbach,<br />
die zum 1. Mai <strong>2018</strong> rechtskräftig wird.<br />
Im Jahr ihres 175jährigen Bestehens hat<br />
die Sparkasse Siegen erneut ein gutes Vertriebsergebnis<br />
erzielt.<br />
Wilfried Groos, Vorstandsvorsitzender:<br />
„Trotz des schwierigen Marktumfelds<br />
blieb die Ertragslage stabil, so dass wir die<br />
Reserven weiter ausbauen konnten. Das<br />
fusionierte Haus wird dann über 400 Mio.<br />
Euro an Eigenkapital aufgebaut haben –<br />
eine stabile Basis.“ Mit der Sparkasse Hilchenbach<br />
beträgt das Kundengeschäftsvolumen<br />
dann über 7 Mrd. Euro. Weit über<br />
120.000 Menschen schenken der Sparkasse<br />
Siegen ihr Vertrauen und führen ihr<br />
Girokonto dort. Die Bilanzsumme liegt für<br />
2017 bei 3,5 Mrd. Euro.<br />
Marktführer im Immobilienbereich<br />
und Kreditgeschäft<br />
Die weiter anhaltende Niedrigzinsphase<br />
beeinflusst mit günstigen Zinskonditionen<br />
das Kreditgeschäft. Die Darlehenszusagen<br />
an Privatkunden stiegen im Vergleich<br />
zum Vorjahr um 6 Prozent, also um<br />
Sparkasse Siegen Jahrespressebericht 2017<br />
Die Sparkasse Siegen in ihrem Jubiläumsjahr 2017<br />
Seit 175 Jahren verlässlicher Partner vor Ort.<br />
13 Mio. Euro an. Insgesamt stellt die Sparkasse<br />
Siegen für die Menschen der Region<br />
und die heimische Wirtschaft Kredite<br />
in Höhe von über 2,8 Mrd. Euro bereit.<br />
Das Thema Nummer eins im Kreditgeschäft<br />
bei den privaten Kunden war auch<br />
in 2017 wieder die Immobilienfinanzierung.<br />
Mit ihrem Immobiliencenter und<br />
der S-Bauland GmbH bietet die Sparkasse<br />
Siegen rund ums Eigenheim umfassenden<br />
Service aus einer Hand – von der Suche<br />
nach dem geeigneten Baugrundstück<br />
und der passenden Immobilie über die<br />
Finanzierung bis hin zur Absicherung der<br />
eigenen vier Wände.<br />
Partner des Mittelstandes<br />
Die Unternehmen der Region investierten<br />
in 2017 kräftig – zum Teil in Immobilien,<br />
vielfach aber auch in Maßnahmen zur<br />
Digitalisierung. Als größter Financier des<br />
heimischen Mittelstandes ist die Sparkasse<br />
Siegen bei Investitionsvorhaben erster Ansprechpartner,<br />
auch beim Thema Leasing.<br />
Geldanlage – deutliche Zuwächse<br />
im Wertpapierbereich<br />
Was sich für Kreditnehmer positiv auswirkt,<br />
macht den Anlegern auf der anderen<br />
Seite das Leben schwer. In Zeiten niedriger<br />
Zinsen werfen kurzfristige Anlagen<br />
nur wenige bis gar keine Erträge ab. Zwar<br />
parken viele Kunden auch bei der Sparkasse<br />
Siegen ihre Gelder noch in solch<br />
niedrigverzinsten Anlagen, immer mehr<br />
erkennen jedoch die Chancen, die der<br />
Aktienmarkt bietet. In der privaten Geldvermögensbildung<br />
verzeichnete die Sparkasse<br />
in 2017 einen Zuwachs von 113 Mio.<br />
Euro – davon wurden fast 50 Mio. Euro<br />
im Wertpapierbereich angelegt.<br />
Vorstandsmitglied Günter Zimmermann:<br />
„Zurückzuführen ist das sicherlich auf unsere<br />
gute persönliche und spezialisierte<br />
Beratung. Dabei schätzen Anleger vor allem<br />
unsere individuellen Dienstleistungen.<br />
Speziell ausgebildete Berater bieten Aktive<br />
Depotbetreuung, Nachfolgeberatung<br />
und Testamentsvollstreckung an. Diese<br />
Angebote werden so gut nachgefragt, dass<br />
in <strong>2018</strong> mit der Individuellen Vermögensverwaltung<br />
ein weiterer Baustein hinzukommt.“<br />
Im Jahr 2017 wurden rund 6.000<br />
neue Fondssparpläne abgeschlossen, das<br />
sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr. „Zu<br />
diesem großen Erfolg haben sicherlich<br />
auch die besonderen Wertpapierangebote<br />
im Jubiläumsjahr beigetragen und ebenso<br />
der persönliche Einsatz vor Ort in der<br />
Region mit Zielgruppenveranstaltungen<br />
für interessierte Anleger.“ In den Kundendepots<br />
konnte die Sparkasse Siegen einen<br />
Zuwachs in Höhe von 43 Mio. Euro verzeichnen;<br />
damit habe der Bestand erstmals<br />
die 1-Mrd.-Grenze überschritten.<br />
Zuwachs im Versicherungsgeschäft<br />
Auch im Versicherungsbereich konnten<br />
die Bestände weiter ausgebaut werden,<br />
insbesondere im Kfz- und Firmenkundengeschäft,<br />
mit einem Plus von 6 Prozent.<br />
Besonders gut etablierten sich in 2017 die<br />
staatlich geförderten, kapitalmarktnahen<br />
Altersvorsorgeprodukte (Riester).<br />
Gesellschaft im digitalen Umbruch<br />
– die Sparkasse Siegen im Wandel<br />
Die Sparkasse Siegen hat in den 175<br />
Jahren ihres Bestehens so manchen gesellschaftlichen<br />
Umbruch durchlebt und<br />
sich dabei als zeitgemäß und wandlungsfähig<br />
erwiesen. Aktuell sind es der digitale<br />
Umbruch sowie das schwierige Marktumfeld<br />
und vor allem die veränderten<br />
Kundenbedürfnisse, die nach Anpassungen<br />
verlangen. Für die Sparkasse Siegen<br />
ergeben sich daraus auch Veränderungen<br />
im Filialnetz. Zum 1. März <strong>2018</strong> werden<br />
sieben Filialen von einer halbtägigen Öffnungszeit<br />
auf den SB-Betrieb umgestellt<br />
und zwar in Achenbach, in Gosenbach,<br />
am Lindenberg in Siegen, in Werthenbach,<br />
in der Dreisbach in Siegen, in Wilden und<br />
in Fellinghausen. Der jeweilige Standort<br />
bleibt zunächst erhalten und damit das<br />
heute schon umfassende SB-Angebot.<br />
Wilfried Groos: „Der digitale Wandel<br />
greift nachhaltig sowohl in unser Privatleben<br />
als auch in die Arbeitsprozesse von<br />
Unternehmen ein. Ein treffendes Sprichwort<br />
besagt, das, wenn der Wind der Veränderung<br />
weht, die Einen Mauern errichten<br />
und die Anderen Windmühlen bauen.<br />
Wir Sparkassen haben einen regionalen<br />
Versorgungsauftrag, den wir sehr ernst<br />
nehmen, den es allerdings in der digitalen<br />
Welt zeitgemäß zu interpretieren gilt. Natürlich<br />
brauchen wir weiterhin Filialen als<br />
starke Flaggschiffe.<br />
Mit nach wie vor den meisten Filialen<br />
in der Region und SB-Angeboten<br />
an vielen Standorten trägt die Sparkasse<br />
diesem Versorgungsauftrag Rechnung<br />
und bringt den Menschen auch über die<br />
Filialen hinaus mit dem Bargeld-Bring-<br />
Service Bargeld nach Hause. Oualifizierte<br />
Sparkassenangestellte kommen natürlich<br />
auch für die Beratungen gerne vorbei.<br />
Neue Versorgungslösungen, werden<br />
in Kooperation zum Beispiel mit der<br />
Universität Siegen entwickelt.<br />
Innovativ und kundenorientiert –<br />
die Bezahlverfahren der Zukunft<br />
Bei der Sparkasse Siegen ist man offen<br />
für Neues und nutzt den digitalen Fortschritt<br />
gerne auch in der Beratung. Günter<br />
Zimmermann: „Technische Weiterentwicklungen<br />
sind immer eine Chance für<br />
uns, die Kontakte zu unseren Kunden<br />
auf eine breitere und innovative Basis zu<br />
stellen. Unsere Kunden entscheiden heute<br />
situativ und flexibel, welcher Weg gerade<br />
der richtige für sie ist; ob stationär in der<br />
Filiale, mobil von unterwegs oder bequem<br />
von zuhause aus per Telefon, über die Onlineberatung<br />
und den Servicechat. Diese<br />
Angebote werden wir weiter ausbauen,<br />
immer ausgerichtet an den Bedürfnissen<br />
unserer Kunden und immer unter der Prämisse,<br />
dass am anderen Ende der Leitung<br />
immer ein Sparkassenmitarbeiter als persönlicher<br />
Ansprechpartner sitzt.“<br />
Für die Zukunft stellt die Sparkasse<br />
Siegen auch die Weiterentwicklung von<br />
Bezahlverfahren in den Fokus. Sie bietet<br />
moderne Zahlungswege an, um das<br />
Bezahlen in der Zukunft für die Kunden<br />
noch komfortabler zu machen. „Moderne<br />
Zahlungslösungen wie auch das kontaktlose<br />
Bezahlen ‚paydirekt‘, für das sichere<br />
Bezahlen im Internet oder die Debit-Mastercard<br />
bieten einen echten Mehrwert, weil<br />
sie so komfortabel zu bedienen und schnell<br />
sind“, so Wilfried Groos.<br />
Fusion mit der<br />
Stadtsparkasse Hilchenbach<br />
Eine weitere Veränderung für die Sparkasse<br />
Siegen steht mit der Fusion mit der<br />
Stadtsparkasse Hilchenbach an, die im<br />
Mai <strong>2018</strong> wirksam wird. Anfang des Jahres<br />
<strong>2018</strong> ist die Zahl der bundesweit selbstständigen<br />
Sparkassen erstmals unter 400<br />
gesunken. Diese Entwicklung macht auch<br />
vor dem Siegerland nicht halt. Wilfried<br />
Groos: „Bereits seit geraumer Zeit wurde<br />
in Hilchenbach über eine Fusion nachgedacht.<br />
Vor dem Hintergrund stetig wachsender<br />
formaler Anforderungen durch die<br />
BaFin und durch den Gesetzgeber stehen<br />
gerade die kleineren Sparkasseninstitute in<br />
Deutschland vor der Frage, wie sie diese<br />
umfangreichen regulatorischen Prozesse<br />
umsetzen sollen. Oftmals fehlen ihnen<br />
schlicht die notwendigen personellen Kapazitäten.“<br />
Nach der positiven Erfahrung<br />
aus der Fusion mit der Stadtsparkasse<br />
Freudenberg im Jahr 2015 sei davon auszugehen,<br />
dass auch die aktuelle Fusion für<br />
Kunden wie Mitarbeiter harmonisch vonstatten<br />
gehen wird, so Groos.<br />
Bei der Sparkasse Siegen freut man sich<br />
auf die neuen Kunden und auf die neuen<br />
Kollegeninnen und Kollegen. Mit knapp<br />
800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist<br />
die Sparkasse Siegen nicht nur das größte<br />
Kreditinstitut in Südwestfalen, sondern<br />
auch einer der größten Arbeitgeber in der<br />
Region.<br />
Gesellschaftliches Engagement<br />
Neben Mitarbeitern und Kunden können<br />
auch die Vereine und gemeinnützigen<br />
Institutionen im Hilchenbacher Raum von<br />
dem größeren, noch leistungsfähigeren<br />
Kreditinstitut profitieren. Die Sparkasse<br />
Siegen bringt sich seit Jahren mit einem<br />
weit überdurchschnittlichen gesellschaftlichen<br />
Engagement in ihrem Geschäftsgebiet<br />
ein und wird dies zukünftig auch im<br />
Hilchenbacher Raum tun. Im Jahr 2017<br />
stellte die Sparkasse Siegen 3,8 Mio. Euro<br />
an Spenden zur Verfügung. In <strong>2018</strong> wird<br />
nach dem großen Erfolg im Jubiläumsjahr<br />
die Spendenaktion Herzenswunsch<br />
für gemeinnützige Vereine wiederholt –<br />
mit leicht veränderten Rahmenbedingungen.<br />
Ab Mitte Februar geht es wieder los,<br />
150.000 Euro sind zu verteilen. Alle Informationen<br />
finden Interessierte im Internet<br />
auf www.sparkassen-herzenswunsch.de.<br />
Ausblick und Fazit<br />
„Die Sparkasse Siegen konnte ihre Positionierung<br />
als zukunftsfähiges, agiles und<br />
kundenzentriertes Kreditinstitut im Jahr<br />
ihres 175jährigen Bestehens weiter verfestigen.<br />
Dies konnte nur gelingen, weil<br />
die Sparkasse immer modern war, weil<br />
sie sich im Laufe der Jahrzehnte immer<br />
wieder verändert hat und weil engagierte,<br />
kompetente und kreative Mitarbeiter zu<br />
allen Zeiten die Sparkasse Siegen weiterentwickelt<br />
haben.<br />
Gegründet, um allen Teilen der Bevölkerung<br />
wirtschaftliche und soziale Teilhabe<br />
zu ermöglichen, bieten wir auch heute<br />
ein Konto für Jedermann an. Unsere Aufgabe<br />
ist es, Menschen bei der Verwirklichung<br />
ihrer Ziele zu helfen, ihre Wünsche<br />
zu verstehen und sie diesen ein Stück näher<br />
zu bringen. Wir sind unseren Kunden<br />
menschlich nah, auch in einer digitalen<br />
Welt, und das werden wir auch bleiben.<br />
Unser gutes Ergebnis 2017 ist für uns Bestätigung<br />
und Ansporn, unsere nachhaltig<br />
ausgerichtete Geschäftspolitik auch im<br />
176. Geschäftsjahr der Sparkasse Siegen<br />
fortzusetzen“, so Wilfried Groos zum Ausblick<br />
auf die zukünftige Entwicklung. •<br />
Sparkasse Hilchenbach fusionierte am 1. Mai <strong>2018</strong> mit der Sparkasse Siegen
Aus dem Siegener Seniorenbeirat<br />
Von Partnerstadt freundlich empfangen<br />
Siegener Seniorenbeirat zu Besuch in Ypern<br />
Aus dem Siegener Seniorenbeirat<br />
Schwerpunkt Siegen-Süd<br />
Stadtrat Arne Fries stellte sich vor<br />
Seniorenbeiratsmitglieder aus Siegen und Ypern<br />
Siegen/Ypern. Nachdem der Seniorenbeirat<br />
vor knapp zwei Jahren die<br />
Kolleginnen und Kollegen in Plauen besuchte<br />
und dieser im vergangenen Jahr<br />
bereits zum Gegenbesuch in Siegen war,<br />
stand jetzt eine Reise in die belgische<br />
Partnerstadt Ypern auf dem Programm.<br />
Eine achtköpfige Delegation unter Leitung<br />
des Beiratsvorsitzenden Dr. Horst<br />
Bach weilte für drei Tage in der Metropole<br />
Flanderns. Am Anfang des Besuches<br />
fand ein gemeinsames Diner mit Vertretern<br />
des Yperner Seniorenbeirates und<br />
Mitgliedern des Verwaltungsrates im historischen<br />
Landsitz „Kasteelhof `Hooghe“<br />
statt. Dieses Treffen diente dem persönlichen<br />
Kennenlernen und beinhaltete bereits<br />
einen ersten Erfahrungsaustausch<br />
zur Beiratsarbeit. Gleich am nächsten<br />
Tag wurden die Projekte der „Friedensstadt<br />
Ypern“ vorgestellt. In einer gemeinsamen<br />
Beiratssitzung am Nachmittag<br />
erläuterten beide Beiräte ihre Arbeit.<br />
Beim Austausch der jeweiligen Strukturen<br />
wurde deutlich, dass es im Hinblick<br />
auf Arbeitsweisen und Schwerpunkte<br />
doch einige Unterschiede gab, die allerdings<br />
beiderseits als willkommene Anregungen<br />
aufgenommen wurden. Besonders<br />
eindrucksvoll geriet die bei eisiger<br />
Kälte durchgeführte Stadtführung. Der<br />
nahezu zweistündige Rundgang führte<br />
die Siegener Delegationsmitglieder zum<br />
historischen Marktplatz mit den Tuchhallen,<br />
in die Kathedrale der alten Bischofsstadt,<br />
in die wie ein Kriegsmuseum hergerichtete<br />
Anglikanische Kirche sowie<br />
zum „Menenpoort“, dem Gedenktor mit<br />
den in Marmor gemeißelten Namen von<br />
54.896 Toten und Vermissten aus dem<br />
Ersten Weltkrieg.<br />
Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ<br />
schließlich der abschließende Besuch<br />
im „In Flanders Fields“-Museum,<br />
wo im Rahmen eines mehrfach prämierten<br />
museumspädagogischen Multimedia-Konzeptes<br />
persönliche Schicksale<br />
aus dem 1.Weltkrieg aufgezeigt und<br />
auch an den in der Nachbarschaft gelegenen<br />
deutschen Soldatenfriedhof Langemarck<br />
erinnert wurde.<br />
<strong>db</strong><br />
Siegen. Der Siegener Seniorenbeirat<br />
hatte zu seiner Frühjahrssitzung erstmals<br />
den neugewählten Stadtrat Arne<br />
Fries eingeladen. Der Beigeordnete gab<br />
einen Überblick über seinen Aufgabenbereich,<br />
der neben der Zentralen Vergabestelle<br />
auch die Bereiche Recht und Versicherungen,<br />
Ordnung und Stadtreinigung,<br />
Bürgerdienste, Kultur, Sport und Bäder<br />
beinhaltet. Beiratsvorsitzender Dr. Horst<br />
Bach machte deutlich, dass ein Großteil<br />
dieser Aufgabengebiete gerade für die<br />
älteren Menschen der Stadt eine wichtige<br />
Bedeutung habe. Aktuell würde besonders<br />
der Einsatz von mehr Fußstreifen<br />
empfohlen. Beiratsmitglied Eberhard<br />
Schäfer wies auf die Probleme des Winterdienstes<br />
im ländlichen Raum hin.<br />
Arne Fries zeigte sich offen für die<br />
vielfältigen Anliegen des Seniorenbeirates.<br />
„Wenden Sie sich mit Wünschen und<br />
Vorschlägen an mich. Ich habe stets ein<br />
offenes Ohr für Ihre Anliegen und werde<br />
mich persönlich für Verbesserungen<br />
einsetzen“, versprach der Beigeordnete.<br />
Ein besonderes Augenmerk will der<br />
Seniorenbeirat nunmehr auf den Siegener<br />
Süden richten, wo mit Rolf Steinemann,<br />
Karin Piorkowski und Vorstandsmitglied<br />
Michael Horak nur drei<br />
Mitglieder vertreten sind. Horst Bach<br />
appellierte in diesem Zusammenhang<br />
an alle Vereine und Organsiationen die<br />
für ihren Bezirk zuständigen Beiratsmitglieder<br />
doch vermehrt zu ihren Veranstaltungen<br />
einzuladen.<br />
Für den Siegener Süden ist jetzt vor<br />
den Sommerferien noch eine umfassende<br />
Präsentation des Seniorenbeirates<br />
mit Vorstellung der Beiratsmitglieder<br />
aus dem Bezirk sowie Berichten<br />
aus Vorstand und Arbeitskreisen geplant.<br />
Für die zweite Jahreshälfte ist<br />
eine ähnliche Veranstaltung für den<br />
Bereich Siegen-Ost mit den Stadtteilen<br />
Bürbach, Kaan-Marienborn, Volnsberg,<br />
Breitenbach und Feuersbach vorgesehen.<br />
Das neue unter der Federführung<br />
von Presse- und Arbeitskreissprecher<br />
Ernst Göckus verfasste Faltblatt „Der<br />
Stadtrat Arne Fries<br />
Siegener Seniorenbeirat informiert“ ist<br />
erschienen und liegt an den bekannten<br />
Auslegestellen zur Mitnahme aus. Hier<br />
sind neben der allgemeinen Zielsetzung<br />
des Beirats insbesonder auch die aktuell<br />
bearbeiteten Themenschwerpunkte<br />
der vier verschiedenen Arbeitskreise<br />
aufgeführt.<strong>db</strong><br />
Rückblick auf 20jährige Arbeit Seniorenbeirat<br />
Gelungener Austausch mit Partnerstädten Plauen und Leeds<br />
Siegen. In der letzten Sitzung des Siegener<br />
Seniorenbeirates im Jahr 2017<br />
dankte Bürgermeister Steffen Mues<br />
sämtlichen Mitgliedern des Gremiums<br />
für die engagierte und erfolgreiche ehrenamtliche<br />
Tätigkeit. Gleichzeitig gab er<br />
einen kurzen Rückblick auf die 20jährige<br />
Arbeit des Beirates. „Im Sinne aller<br />
Beteiligten war es eine wichtige und<br />
gute Entscheidung, den Seniorenbeirat<br />
zu installieren.“ Beispielhaft nannte<br />
er die kompetente Mitwirkung bei<br />
Bauvorhaben, Sicherheit, Verkehr und<br />
seniorengerechten sozialen Einrichtungen.<br />
Besonders hob der Bürgermeister<br />
die gelungenen Austauschbesuche mit<br />
Senioren der Partnerstädte Plauen und<br />
Leeds hervor. Aus einer anschließenden<br />
Gesprächsrunde konnte Mues zahlreiche<br />
Anregungen mitnehmen, so etwa<br />
zu verbessertem Winterdienst, seniorenfreundlichen<br />
Aufzügen und Mitwirkungen<br />
bei Altersjubiläen städtischer Bürger.<br />
Die neu konstituierten vier Arbeitskreise<br />
zeigten Perspektiven künftigen<br />
Tuns auf, welche in eine Agenda für die<br />
neue Amtsperiode einfließen werden.<br />
Die politische Teilhabe der älteren Menschen<br />
an der Gestaltung einer generationengerechten<br />
sozialen Stadt werde<br />
dabei eine wichtige Rolle spielen. Die<br />
Aufgaben aus der Agenda 2012 seien<br />
überwiegend vollständig und bürgernah<br />
umgesetzt worden. Auch die bereits erfolgreich<br />
angestoßene Zusammenarbeit<br />
mit den Seniorenbeiräten der Städte<br />
Kreuztal und Freudenberg solle weiter<br />
intensiviert werden, so der Vorsitzende.<br />
Einstimmig sprach sich der Senioren<br />
beirat für eine seniorenfreundlichere<br />
Schalterhalle im Siegener Hauptbahnhof<br />
aus. Dringend geboten sind ein<br />
Nummern-Automat mit akustischer<br />
und visueller Anzeige sowie verbesserte<br />
Sitzgelegenheiten. Eine entsprechende<br />
Resolution wird gemeinsam mit<br />
dem Beirat der Menschen mit Behinderungen<br />
verabschiedet werden. <strong>db</strong><br />
16 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 17
Kurz berichtet<br />
Orientierung und Hilfe im Alter<br />
Netphen. Bei Eintritt ins Rentenalter<br />
und nachdem die eigenen Kinder aus<br />
dem Haus sind, stehen vielen älteren<br />
Menschen in Deutschland noch durchschnittlich<br />
25 bis 30 „geschenkte“ Jahre<br />
bevor. Erstmals in der Geschichte kann<br />
eine so große Bevölkerungsgruppe ihr<br />
Alter(n) weitgehend selbst gestalten –<br />
aktuell ist im Kreis Siegen-Wittgenstein<br />
ungefähr einer von vier Menschen (Ü60)<br />
in dieser Situation. Für alle gilt, die damit<br />
verbundenen Chancen wahrzunehmen<br />
und die Herausforderungen anzunehmen.<br />
Am 18. Oktober startet – diesmal in<br />
Netphen – ein weiterer Kurs unter dem<br />
Titel „Orientierung und Hilfe im Alter“.<br />
Der einjährige Kurs wird vom Verein<br />
ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V. in<br />
Verbindung mit der Senioren-Service-<br />
Stelle der Stadt Netphen und dem Institut<br />
für Kirche und Gesellschaft angeboten.<br />
Angesprochen sind Menschen,<br />
die ihre „späte Freiheit“ bedenken und<br />
gestalten wollen. Geplant sind etwa<br />
zehn Nachmittags– und zwei zweitägige<br />
Veranstaltungen in Bildungsstätten.<br />
Inhaltlich geht es um das Bewusstmachen<br />
des eigenen Alters (individuelle<br />
und gesellschaftliche Altersbilder, biografische<br />
Impulse, Werte im Alter), aber<br />
auch um besondere Herausforderungen<br />
(Krankheit, Sucht, Demenz, Vorsorge).<br />
Außerdem werden gesellschaftliche Entwicklungen<br />
behandelt (Demografischer<br />
Wandel, geschlechtsspezifische Aspekte<br />
beim Altern, Generation der Kriegskinder,<br />
Gewalt im Alter, Sozialrecht….). Diese<br />
und weitere Themen werden von fachkundigen<br />
Referenten bearbeitet und mit<br />
unterschiedlichen Methoden vermittelt.<br />
Die Kursveranstaltungen finden überwiegend<br />
in der Alten Schule in N.-Beienbach<br />
statt, der Beitrag für den gesamten<br />
Kurs beträgt 120,- Euro pro<br />
Teilnehmer*in. Netphener Bürgerinnen<br />
und Bürger werden bevorzugt.<br />
Eva Vitt von der Netphener Senioren-Service-Stelle<br />
nimmt Anmeldung entgegen. <br />
<strong>02</strong>738/603-145 E.Vitt@netphen.de<br />
Die Senioren-Service-Stelle Netphen<br />
lädt zu einer Info-Veranstaltung ein. Termin:<br />
20. Sept., 14:30 Uhr im Rathaus,<br />
Amtsstraße.<strong>db</strong><br />
Sicher mit dem E-Bike unterwegs<br />
Senioren-Service-Stelle Neunkirchen bietet Kursnachmittag an<br />
Neunkirchen. Mit dem E-Bike erlangen<br />
insbesondere ältere Menschen wieder<br />
eine neue Mobilität. Der Motor unterm<br />
Sattel fängt körperliche Defizite<br />
auf: Selbst in hügeliger Landschaft ist<br />
es der Generation 55+ möglich, Ausflüge<br />
von mehr als 40 Kilometern Länge zu<br />
machen. Doch wer den Drahtesel über<br />
Jahre oder Jahrzehnte nicht genutzt hat,<br />
kann schnell mit dem Handling überfordert<br />
sein. Aus diesem Grund bietet die<br />
Senioren-Service-Stelle für alle E-Bike-<br />
Fahrer und die, die es werden wollen, am<br />
13. Juni einen speziellen Kurs an.<br />
E-Bikes sind im Trend. Der Markt<br />
wächst. Mehr als 15 Prozent der Räder<br />
auf deutschen Straßen sind inzwischen<br />
motorunterstützt. Insbesondere den sogenannten<br />
Best Agern bieten die Pedelecs<br />
neue Möglichkeiten und eine Ausweitung<br />
ihres Mobilitätsradius - und das trotz<br />
gesundheitlicher Probleme, etwa mit den<br />
Knien oder der Ausdauer. Auf dem E-Bike<br />
sind Fahrradfahrer dank des „elektrischen<br />
Schubs“ komfortabel und mit nur geringer<br />
körperlicher Anstrengung unterwegs.<br />
Für ungeübte Fahrer steigt jedoch das<br />
Unfallrisiko. Die Räder kommen dank der<br />
Motorunterstützung schnell in Fahrt und<br />
werden erst bei 25 km/h gedrosselt. In<br />
unvorhergesehenen Situationen - auf unebenen<br />
Untergründen, wie etwa Schotter<br />
oder bei entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
- können ältere Fahranfänger schneller<br />
unter Stress geraten und möglicherweise<br />
falsche Entscheidungen treffen.<br />
Kommt es dann zu einem ungeplanten<br />
Bremsmanöver, lässt sich nicht nur<br />
das Rad ob seines höheren Gewichts<br />
schwerer halten, auch der Fahrer selbst<br />
kann unvermittelt auf dem Boden liegen,<br />
weil er sich nicht mehr so gut abfangen<br />
kann. Da sich ältere Menschen schneller<br />
verletzen, birgt jeder Sturz ein Risiko.<br />
Um die Unfallgefahr zu verringern<br />
und den Fahrern zugleich ihre anfänglichen<br />
Unsicherheiten zu nehmen, veranstaltet<br />
die Senioren-Service-Stelle<br />
Neunkirchen im Rahmen des kreisweiten<br />
Mobilitätskonzepts ein Sicherheitstraining<br />
auf dem Verkehrsübungsplatz<br />
in Altenseelbach. Hier können E-Bike-<br />
Fahrer ihre Gefährte stressfrei testen.<br />
Um 14 Uhr geht’s los. Einem Theorieteil<br />
zu Beginn folgen verschiedene<br />
praktische Übungen, die vom Anfahren<br />
am Berg bis zur Bewältigung klassischer<br />
Verkehrssituationen reichen. Die beiden<br />
Verkehrssicherheitsberater der Polizei<br />
Siegen, Gerd Heldmann und Anette<br />
Schmetz, leiten die E-Bike-Besitzer an<br />
und geben Tipps zum Handling des Rades.<br />
„Unser Ziel ist, dass E-Biker sicher<br />
im Umgang mit ihrem Fortbewegungsmittel<br />
werden und ihre mobile Freiheit<br />
noch mehr genießen können“, fasst Seniorenberaterin<br />
Bettina-Großhaus-Lutz<br />
den Sicherheitstag zusammen.<br />
Mit dem Zweiradhaus Kämpflein aus<br />
Daaden ist ein versierter Fachmann vor<br />
Ort. Er wird ein E-Bike vorstellen, das<br />
mit der notwendigen Sicherheitsausstattung<br />
ausgerüstet ist. Dazu gehören neben<br />
einem Fahrradständer insbesondere<br />
die Rückspiegel. Mit ihnen lässt sich der<br />
Verkehr auch dann im Auge behalten,<br />
wenn ein Schulterblick Schwierigkeiten<br />
bereitet. Auch sollten die Bremsen gut<br />
zu dosieren sein, damit bei der höheren<br />
Geschwindigkeit keine Unfälle durch<br />
blockierende Reifen geschehen.<br />
Für die Veranstaltung, die bis 17 Uhr<br />
anberaumt ist, wird ein Versicherungsbeitrag<br />
von 10 Euro erhoben.<br />
Anmeldung, unter <strong>02</strong>735 767-200<br />
oder b.grosshaus-lutz@neunkirchensiegerland.de.<strong>db</strong><br />
18 durchblick 2/<strong>2018</strong><br />
2/<strong>2018</strong> durchblick 19
Wenn Vergangenes neu erblüht<br />
Ältere Leserinnen unserer Zeitschrift erinnern sich<br />
sicher noch an Peter Alexander. Mit seinem unnachahmlichen<br />
Wiener Schmelz sprach er besonders<br />
weibliche Wesen an und ein Lied aus seinem Repertoire<br />
kommt mir in jedem Frühjahr wieder in den Sinn.<br />
Zu allen Wohnhäusern im Dorf gehörte zu meiner Jugendzeit<br />
ein Garten, meistens „hinnerm Hus“ gelegen.<br />
Die Flächen wurden überwiegend von unseren Müttern<br />
für den Anbau von Gemüse genutzt, auf dem Stück Wiese<br />
auch häufig Wäsche zum Bleichen ausgelegt. Viele<br />
hatten noch Kleinvieh, wie Kaninchen oder Hühner und<br />
wie heute wieder, war das dörfliche Bild von Unmengen<br />
an Brennholz „hinnerm Hus“ geprägt. Außerdem standen<br />
in jedem Garten noch eine stattliche Zahl an Obstbäumen.<br />
Wer träumt nicht zuweilen von der, damals<br />
vermeintlich heilen und vollkommen unkomplizierten<br />
Welt, in der wir noch Möhren stibitzen und ungewaschen<br />
verspeisen konnten oder uns das Obst von den<br />
Bäumen pflückten.<br />
Wenn ich heute aus dem Küchenfenster schaue, sehe<br />
ich ein ähnliches Bild aus meiner Jugendzeit. Es ist ein<br />
alter, jetzt schon in die Jahre gekommener Baum und er<br />
lässt Peter Alexander und das Lied von den Kirschen in<br />
Nachbars Garten wach werden.<br />
Als Bübchen mit heißem Verlangen, sah oft ich zum<br />
Nachbarn hinein. Dort sah einen Kirschbaum ich prangen,<br />
der lud mich zum Naschen ein ..., so beginnt der Text.<br />
Inzwischen lebt eine dritte Generation unter diesen<br />
Kirschbaum. Haus und Grundstück wechselten den Besitzer.<br />
Es zog eine junge Familie ein. Heute sind es allerdings<br />
nicht mehr die Kirschblüten oder die rot leuchtenden<br />
Früchte des Baumes, die mich in ihren Bann ziehen.<br />
Jetzt sind es Rosen.<br />
Meine Nachbarin hat den besagten „grünen Daumen“<br />
und sie ist eine Liebhaberin alter Rosensorten, deren<br />
edle Triebe sich überall in Bäumen, Hecken und Sträuchern<br />
ihren eigenen Lebensraum erobern. Es ist eine<br />
einzigartige Atmosphäre, die sich während der Sommermonate<br />
im Nachbargarten eröffnet. Ein Meer an Blüten<br />
und Farben und ein ganz berauschender Duft.<br />
Zuerst war es nur der alte Kirschbaum, den ich blühend<br />
wahrnahm. Doch irgendwann wurde es plötzlich<br />
ein anderes Leuchten! In den Ästen hatten sich Ramblerrosen<br />
ihren Weg gesucht. Inzwischen erwacht diese besondere<br />
Leuchtkraft in jedem Frühjahr und Sommer, ja<br />
es ist ein ganzer Rosengarten entstanden. Alle weiteren<br />
Gehölze, die Obelisken und Bögen erstrahlen weit sichtbar<br />
in neuem Leben. Überwiegend sind es alles einmalblühende<br />
und historische Rosengehölze, die meine Nachbarin<br />
im Laufe der Jahre in Kleinarbeit und mit viel Liebe<br />
gesammelt und angepflanzt hat. Vor allem sind sie frostsicher<br />
für unsere Siegerländer Verhältnisse geeignet.<br />
An den Rosen in Nachbars Garten erfreut sich die Vogelwelt<br />
und all dem Kleingetier bietet sich ein paradiesisches<br />
Domizil.<br />
Es ist eine Renaissance des Altbewährten im neuen Stil<br />
und eine farbenfrohe, naturbelassene Wiederbelebung der<br />
knorrig, langsam absterbenden Bäume im Einklang mit<br />
den Jahreszeiten. Ohne chemische Spritzmittel dankt es<br />
die Natur. Selbst an reichhaltigen Gaumengenüssen lässt<br />
es der Rosengarten nicht fehlen. Das Herz erfreut sich an<br />
den Blüten, der Gaumen an köstlichen Marmeladen und<br />
Leckereien und die Seele darf in einem Bad mit Rosenwasser<br />
oder -blättern baumeln. Ich finde es einzigartig und erfreue<br />
mich in jedem Jahr an dem Blütenmeer vor meinem<br />
Küchenfenster.<br />
Eva-Maria Herrmann<br />
Foto: Marion Schneider<br />
20 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 21
Menschen helfen Menschen<br />
Dschungelbuch<br />
Klaus Reifenrath<br />
... immer vorneweg<br />
Was tun, wenn man plötzlich seinen Job verliert<br />
und zum Hartz4-Empfänger wird? Für die meisten<br />
Menschen ist das zunächst einmal ein Schock.<br />
Sie ziehen sich zurück, verlieren ihren Mut und laufen Gefahr,<br />
in lähmende Trostlosigkeit zu verfallen.<br />
Nicht so Klaus Reifenrath, seines Zeichens Fahrschullehrer,<br />
aus gesundheitlichen Gründen ohne Job und unverbesserlicher<br />
Optimist. Er lotet zunächst einmal die vielfältigen<br />
Möglichkeiten finanzieller Hilfen aus, die ihm als Hartz4-<br />
Empfänger hier in Siegen zur Verfügung stehen. Und wie das<br />
so ist, dabei trifft er auf andere Menschen, die von der gleichen<br />
Situation betroffen sind .Man tauscht sich aus.<br />
So entstand die Idee zum „Dschungelbuch Siegen“, einer<br />
Informationssammlung im Internet für Menschen mit wenig<br />
oder gar keinem Einkommen, zusammengetragen von Betroffenen<br />
für Betroffene. Warum „Dschungelbuch“? Die hier<br />
veröffentlichten Informationen sollen helfen, sich im Dschungel<br />
der Siegener Behörden und der verschiedenen Hilfsorganisationen<br />
und Hilfsmöglichkeiten in Siegen zurechtzufinden.<br />
Das Dschungelbuch kann von jedermann kostenlos heruntergeladen<br />
werden unter: „Dschungelbuch Siegen“ bei<br />
Google oder im Internet unter www.krwe.de.<br />
Um das Dschungelbuch ständig zu aktualisieren wird<br />
jeder Hinweis auf weitere, noch nicht erfasste soziale<br />
Hilfseinrichtungen in Siegen und Umgebung oder Änderungen<br />
gerne vom Initiator Klaus Reifenrath entgegengenommen:<br />
E-Mail: DBS@krwe.de<br />
Flüchtlingshilfe<br />
Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die Initiatoren<br />
des Dschungelbuches von Anfang an auch um die Nöte und<br />
Belange der Menschen gekümmert haben, die ihre Heimat<br />
mit nur dem Nötigsten verlassen mussten und dringend Hilfe<br />
benötigten, die weit über das hinausgeht, was die Kommune<br />
leisten kann.<br />
Inzwischen besteht das ehrenamtliche Team der Flüchtlingshelfer<br />
aus ca. 20 Personen verschiedener Nationalitä-<br />
ten. Jeder bringt sich mit seinen Möglichkeiten und der ihm<br />
zur Verfügung stehenden Zeit ein. Inzwischen wurden 15<br />
Patenschaften eingerichtet, die vom Verein ALTERAktiv<br />
Siegen-Wittgenstein mit unterstützt werden.<br />
Der Schwerpunkt der Hilfen liegt in der Betreuung bei Behördengängen,<br />
dem Stellen von Anträgen, der Begleitung zur<br />
Anhörung im Asylverfahren, bei Arztbesuchen, dem Dolmetschen,<br />
bei der Vermittlung in Arbeit oder in sonstige Maßnahmen<br />
verschiedener Träger, bei der Wohnungssuche und auch<br />
bei der Suche nach Kindergartenplätzen.<br />
Über die Sprachvermittlung werden gleichzeitig Informationen<br />
über das tägliche Leben in Deutschland gegeben.<br />
Ganz wichtig ist auch die Vermittlung von Verhaltensregeln<br />
im öffentlichen Leben, das alles ist ja total fremd für die<br />
Menschen, die aus ganz anderen Kulturen zu uns kommen.<br />
Wichtige Lebenshilfen sind auch die Hinweise auf<br />
günstige Einkaufsmöglichkeiten und Beschaffung von<br />
Einrichtungs- und Haushaltsgegenständen. Auch gemeinsame<br />
Einsätze bei Wohnungsauflösungen sind eine willkommene<br />
Gelegenheit für die Flüchtlinge, etwas gegen<br />
die belastende Untätigkeit zu tun und dabei auch günstig<br />
Möbel und Hausrat für den eigenen Bedarf zu finden.<br />
Ein wichtiger Schwerpunkt sind die gemeinsamenFreizeitaktivitäten<br />
wie Ausflüge u.v.m., die den oft tristen Alltag<br />
vergessen lassen und die Gemeinschaft fördern.<br />
Die Helfer treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch,<br />
was sehr wichtig ist, um sich gegenseitig zu stützen<br />
und zu motivieren, während die tägliche Koordination der<br />
Einsätze über Handy läuft: Wer hat heute Zeit? Wer kann<br />
den oder jenen Job übernehmen? Wer hilft bei einer Wohnungsauflösung?<br />
Und so weiter.<br />
Als ganz großes Problem für die meisten Flüchtlinge<br />
und Asylsuchenden zeigt sich immer wieder die Untätigkeit,<br />
zu der sie gezwungen sind. Auch die mangelnde Mobilität<br />
ist ein Problem. Da kam dem Helferteam eine Idee:<br />
Das Fahrradreparatur-Café<br />
Eine Selbsthilfe-Werkstatt zur Reparatur von gespendeten<br />
alten Fahrrädern für geflüchtete und bedürftige Menschen.<br />
Und das läuft so ab: Wer ein Fahrrad braucht, legt selbst Hand<br />
mit an, man hilft sich gegenseitig, die Fahrräder wieder so<br />
fahrtüchtig zu machen, dass sie den gesetzlichen Bestimmungen<br />
entsprechen. Für die Verkehrssicherheit der Radfahrer<br />
und der Verkehrsmittel ist dann wieder Klaus Reifenrath zuständig,<br />
der als ausgebildeter Fahrschullehrer weiß, worauf es<br />
ankommt. Jeder, der Lust hat kann beim Reparieren mithelfen.<br />
Gute Schrauber, die ehrenamtlich mitmachen wollen, die<br />
Drahtesel wieder flott zu machen, sind immer willkommen.<br />
Spenden wie alte Fahrräder (auch defekte), Ersatzteile, Werkzeug,<br />
auch Geldspenden für die Anschaffung von Ersatzteilen<br />
und Werkzeugen werden gerne entgegen genommen.<br />
Die Stadt Siegen hat den Tüftlern im Rahmen ihrer<br />
Flüchtlingshilfe einen Raum in der alten Hammerhütter<br />
Schule, Koblenzer Str. 90 zur Verfügung gestellt. Jeden<br />
Klaus Reifenrath: Mit dem Dschungelbuch hat er wichtige<br />
Informationen für Menschen mit wenig Einkommen zusammengetragen,<br />
die auch auf seiner Hompage abgefragt<br />
werden können. www.krwe.de<br />
Mittwoch ist die Werkstatt von 14 bis 17 Uhr geöffnet,<br />
zeitgleich mit dem Kleiderladen der studentischen Initiative<br />
„Refugees Welcome Siegen“, im gleichen Gebäude.<br />
Das im März eröffnete Café zur Reparaturwerkstätte ist<br />
ein Treffpunkt für alle. Während die einen mit der Reparatur<br />
der Fahrräder befasst sind, unterhalten sich die anderen<br />
bei Kaffee, Tee und Kuchen. So entsteht ein lebhafter Austausch,<br />
der auch wieder neue Vernetzungen schaffen kann.<br />
Alle diese ehrenamtlichen Einsätze laufen unbürokratisch<br />
und erfolgreich wegen der guten Vernetzung vieler<br />
Einzelkämpfer. Klaus Reifenrath hat auch durch seinen unermüdlichen<br />
Einsatz mit dem Dschungelbuch Grundlagen<br />
dafür geschaffen. Dieses Netzt der Helfer*innen wächst<br />
ständig und ist ein wesentlicher Beitrag zu gelungener Integration.<br />
<br />
Anne Alhäuser<br />
22 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 23
In Gedenken an unsere Kollegin Erika Krumm<br />
Das ganze Leben ist ein Theater<br />
Sagt man! Und ich kann mich dieser Feststellung nicht<br />
entziehen. Aber mir fehlt das Rüstzeug. Die große<br />
Weltenbühne – Völker und ihre Reiche tauchen auf<br />
und gehen unter – Regierungsformen überleben sich selbst<br />
– Menschen bauen auf und die Zerstörung durch Menschenhand<br />
folgt auf dem Fuße. Der Mensch korrigiert die Natur und<br />
entkorrigiert sie, da sich seine Utopien als totale Fehlplanung<br />
erweisen. Jeder spielt seinen Part, widmet sich einer Art Beschäftigungstherapie,<br />
ohne, dass der Weltenlauf groß Notiz<br />
davon nähme.<br />
Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreibe.<br />
Den Ausschlag gab ein Gespräch mit einer Bekannten.<br />
Wir stellten fest, dass wir uns im Älterwerden immer<br />
mehr danach sehnen, noch wahr genommen und<br />
beachtet zu werden, noch eine Rolle zu spielen, Anerkennung<br />
und Zuwendung zu erheischen, wenn auch immer<br />
nur für kurze Zeit.<br />
Ich trat von der beruflichen Bühne ab und suchte eine<br />
neue Plattform, um mich darstellen zu können. Meine<br />
Auserwählt<br />
Es war einmal eine Schneeflocke, die in Gesellschaft<br />
ihrer Brüder und Schwestern ihre himmlische<br />
Behausung verließ und in einem faszinierenden<br />
Tanz der Erde entgegen wirbelte. Konnte sie<br />
sich ihr Ziel aussuchen oder folgte sie, ganz ergeben,<br />
aber glücklich, den göttlichen Vorgaben? Sie ließ sich<br />
auf mir nieder und schaute sich dann in ihrer weißen<br />
Unschuld nach ihren Begleitern um. Diese sanken tiefer.<br />
Vielleicht waren sie schwerer. Sie bildeteten eine geschlossene<br />
Zudecke auf der Erde. Für einen Augenblick<br />
waren sie traurig, weil sie getrennt wurden. Ich spürte<br />
es an den Tränen meiner Schneeflocke, aber dann nahmen<br />
sie Kontakt auf zu den fremden Flocken um sie herum<br />
und verbanden sich mit ihnen.<br />
Die weiße, wattige Leichtigkeit begrub alle Hässlichkeit<br />
unter sich und machte ihre Umgebung zu einer<br />
Einheit. Sie verknüpfte die Häuser, die Wälder und die<br />
Menschen miteinander. Jede Individualität wurde aufgesaugt.<br />
Sie schaffte Konzentration, da sie den Gedanken<br />
ihre Sprunghaftigkeit nahm. Diese gleiten nur über<br />
Weiß, welches jede Farbe, jede scharfe Kante schluckt.<br />
Ich spüre Geborgenheit, Nähe und Frieden. Alles verlor<br />
seine Bedrohlichkeit. <br />
Erika Krumm<br />
Leidenschaft galt schon immer dem Film und dem Theater.<br />
Es ging mir, natürlich, um Inhalte, aber ich habe<br />
auch die Diven beneidet und tue es noch, um das Leben,<br />
welches sie führten. Die Glitzerwelt, in der die Sterne<br />
und Sternchen aufblitzen und verlöschen hat etwas<br />
Verführerisches für mich. Diese Welt des Scheins, die<br />
uns für Stunden eine Kostprobe davon geben kann, was<br />
Kunst ist oder nicht ist. Ich wagte nicht einmal davon zu<br />
träumen, diese Bretter zu betreten.<br />
Ich wählte den Beruf der Krankenschwester. Ein<br />
größerer Kontrast zwischen zwei Welten ist kaum vorstellbar.<br />
Meine Sehnsucht nach allem Schönen wuchs<br />
ins Unermessliche. Heute erhielt ich eine Karte mit dem<br />
tröstlichen Spruch: Wenn du dir die Fähigkeit erhältst,<br />
Schönes zu erkennen, wirst du nie alt. In unserem Theaterstück<br />
„Grauburgunder“ spricht unsere Sängerin<br />
den rührenden Satz: Im Alter nimmt der Wunsch nach<br />
Schönheit zu. Wohl, weil der Glanz des Äußeren so allmählich<br />
verblasst. Die Ausstrahlung muss jetzt von Innen<br />
kommen.<br />
Es ergab sich, dass in Siegen die Einrichtung eines<br />
Senioren-Theaters diskutiert wurde. Regte sich da ein<br />
uraltes Verlangen in mir? War es, endlich, eine Möglichkeit,<br />
aus mir heraus zu treten? Aber, wie war das doch<br />
mit dem Alter? Wollte ich mich noch in der Öffentlichkeit<br />
präsentieren? Hatte ich, in Gedanken, nicht schon<br />
oft dafür plädiert, man möge in Europa für ältere Frauen<br />
die Pflicht einführen, Schleier zu tragen? Mir kam eine<br />
zündende Idee: es könnte Therapie für mich sein. Ich<br />
werde immer bedürftiger, und mein Selbstbewusstsein<br />
schwindet dahin. Warum mir nicht wieder ein Stück<br />
Freiheit erkämpfen? Warum nicht endlich lernen, mit<br />
dem Leben etwas spielerischer um zu gehen?<br />
Ich betrat die Bühne des Seniorentheaters in Siegen.<br />
Meine Vorstellungen waren hemmungslos. Klassische<br />
Rollen schwebten mir vor. Drama, Tragödie. Ich sah es<br />
ein, dass die Ernüchterung folgen musste.<br />
Mit mir bestiegen 17 Frauen und ein Mann den Ring.<br />
Der männliche Ritter ergriff schon recht bald die Flucht.<br />
Ihm folgte ein wahrer Held, die Säule unseres Unterfangens.<br />
Die Gruppe dünnte aus, aber der harte Kern blieb.<br />
Beziehungsgeschädigt, bin ich nie in den Hafen<br />
der Ehe eingelaufen. Es gab, also, abgesehen von der<br />
zeitweiligen Rolle einer Geliebten oder Partnerin, nie<br />
eine der unzähligen Rollen, in die andere schlüpfen. Ich<br />
spielte immer nur mich selbst. Ich muss mich jeden Tag<br />
neu erfinden und bin einfach manchmal leer, wenn ich<br />
nicht immer wieder neue Anregungen bekommen.<br />
Warum kapitulieren die Männer? Ich bekomme, auf<br />
Anfrage, dürftige Ausreden: ich möchte keine Rolle<br />
spielen oder Männer haben Angst, Gefühle zu zeigen<br />
und Panik vor dem Versagen. Sollte die Frau doch das<br />
stärkere Geschlecht sein?<br />
Die wöchentlichen Theaterproben verkamen zum<br />
besseren Debattierclub. Wir übten ein paar Sketche,<br />
die Spaß machten. Dann wieder Leerlauf. Es wurde<br />
erst richtig spannend, und eine wahre Katharsis vollzog<br />
sich bei jedem einzelnen, als der Entschluss reifte ein<br />
eigenes Stück zu erarbeiten, in dem jeder die von ihm<br />
gewünschte Rolle spielen durfte. Wir konnten schöpferisch<br />
tätig sein. Ein Leben lang bin ich Menschen<br />
hinter her gelaufen, die kreativ sind. Alle erschienen<br />
vollzählig zu den Proben, die Arbeit schweißte uns zusammen,<br />
und es entstand ein Ensemble, welches diesen<br />
Namen auch verdient. Wir wurden einander sehr<br />
wichtig. Die Vorstellung, im Lyz aufzutreten, elektrisierte<br />
uns. Panik brach aus, da die Zeit bis zum ersten<br />
Auftritt nur so dahin schmolz. Fieberhaft wurden<br />
Kostüme zusammengestellt, z.T. auch genäht. Wir waren<br />
detailversessen, was das Bühnenbild betraf. Nur,<br />
was passierte mit dem Inhalt? Die Texte saßen nicht,<br />
immer wieder wurden Änderungen vorgenommen. Es<br />
gab Konflikte, gelöste und ungelöste. Zuerst beharrte<br />
ich auf meiner Interpretation meines Textes, öffnete<br />
mich, jedoch, mit der Zeit und bekam ein Gefühl dafür,<br />
wie ich mit dem Text spielen kann, er ist nicht starr<br />
und kompromisslos. Ich kann ihn benutzen, wie ein<br />
Instrument. Ich war begeistert und bin unserer Theater-<br />
Pädagogin dankbar dafür, dass sie mich dort hin<br />
geführt hat. Ich wurde mir der Sprache wieder bewusst.<br />
Es ist auch im Alltag spannend, deutlich und mit Betonung<br />
zu sprechen. Das gesprochene Wort wird dadurch<br />
viel lebendiger und auch gewichtiger sowohl für mich<br />
selbst als auch für meinen Gesprächspartner. Es hat<br />
mich immer schon gestört, wenn Menschen die Zähne<br />
nicht voneinander bekommen.<br />
Wir waren erfolgreich mit unserem Stück und sind<br />
sehr stolz, Nachhaltig beeindruckt hat mich ein Moment,<br />
in dem mich meine Partnerin auf der Bühne entsetzt ansah,<br />
sie wusste im Text nicht weiter. Die Augen weiteten<br />
sich vor Schreck, das Gesicht war blutleer, sie fing an<br />
zu zittern. Diese Erfahrung ist sehr wichtig, damit man<br />
lernt, damit um zu gehen. Wir gehen wieder auf Tournee,<br />
und ich wünsche mir, dass ich das freie Agieren auf der<br />
Bühne auch in den Alltag zu transponieren vermag.<br />
Liebäugeln nicht auch Sie mit einem Aufbruch<br />
ins Reich der gespielten Träume oder des geträumten<br />
Spielens?<br />
Erika Krumm<br />
ERIKA KRUMM<br />
29.01.<strong>2018</strong><br />
Wir trauern um unsere Weggefährtin<br />
und Freundin Erika, die beinahe 20 Jahre<br />
mit großem Engagement die Arbeit im<br />
Eine-Welt-Laden St. Michael in Siegen<br />
unterstützt und begleitet hat.<br />
Sie hat ihre ganz eigenen Spuren hinterlassen,<br />
dafür danken wir ihr.<br />
Erika, wir vermissen Dich!<br />
2/<strong>2018</strong> durchblick 25
Kunst und Kultur<br />
Kunst und Kultur<br />
Vom Wahren, Guten und Schönen<br />
Alte Oper Frankfurt<br />
Als ich im Jahre 1948 mit meiner Großmutter per<br />
Straßenbahn durch das immer noch stark zerstörte<br />
Frankfurt am Main fuhr, fiel mir in der Innenstadt<br />
ein großes altes Gebäude auf, von dem nur noch die<br />
Umrisse erhalten waren, aber immerhin seine Vorderfront<br />
mit einer Inschrift, die ich noch nicht lesen konnte. Meine<br />
Großmutter zeigte auf die Ruine und sagte: „Das war einmal<br />
das Frankfurter Opernhaus.“<br />
Erst einige Jahre später wusste ich, was Opern sind<br />
und was auf dem Fries über dem Eingang zu dem schönen<br />
Gebäude stand und immer noch steht: „DEM WAHREN<br />
SCHOENEN GUTEN“. Diese kurz gehaltene Widmung<br />
gilt sowohl dem Haus als auch den musikalischen Kunstwerken,<br />
die dort seit 1880 aufgeführt wurden, aber auch der<br />
Kunst im Allgemeinen und stammt von Johann Wolfgang<br />
Goethe, der im Großen Hirschgraben in Frankfurt geboren<br />
wurde und zu Recht als der „größte Sohn“ der Stadt gilt.<br />
Allerdings haben die Frankfurter entweder ihren Goethe<br />
falsch zitiert oder auf eine ganz alte Überlieferung jener drei<br />
Eigenschaften zurückgegriffen, die den Künsten nachgesagt<br />
werden. Bei Goethe ist die Reihenfolge anders; denn es heißt<br />
in dem dreizehnstrophigen Gedicht „Epilog zu Schillers Glocke“<br />
über den schon verstorbenen Freund Friedrich Schiller:<br />
„Indessen schritt sein Geist gewaltig fort<br />
Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen,<br />
Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine,<br />
Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.“<br />
Schließlich ist die<br />
Reihenfolge dieser<br />
substantivierten Adjektive<br />
unwichtig, weil<br />
sie zusammengehören<br />
und doch jedes<br />
für sich stehen kann<br />
und nicht nur künstlerische,<br />
sondern auch<br />
philosophische Idealvorstellungen<br />
repräsentieren.<br />
Tatsächlich<br />
lehnte sich Goethe mit<br />
den drei Begriffen an<br />
langjährige Erörterungen<br />
der Philosophen<br />
an, spiegeln doch die<br />
vereinfachten Bezeichnungen<br />
nichts anderes<br />
wider als die drei<br />
grundlegenden Disziplinen<br />
der Philosophie:<br />
Erkenntnistheorie (das<br />
Wahre), Ethik (das Gute) und Ästhetik (das Schöne)<br />
und sind gleichermaßen im menschlichen Leben wie im<br />
künstlerischen Schaffen enthalten und wirksam.<br />
Die Erkenntnistheorie beschäftigt sich aufgrund<br />
der Kräfte des Verstandes mit den Möglichkeiten des<br />
menschlichen Geistes, kleinen und großen Wahrheiten<br />
auf die Spur zu kommen, und beschreibt die Voraussetzungen<br />
für wissenschaftliches Denken (Wissen sammeln,<br />
unterscheiden, klassifizieren, systematisieren).<br />
Die Ethik ist die Theorie des guten und vernünftigen<br />
Handelns in der Welt. Sie untersucht Verhaltensweisen<br />
und Wertvorstellungen, macht Vorschläge und gibt Anweisungen<br />
zu humaner Denkweise und sinnvoller praktischer<br />
Lebensführung. Ethische Vorstellungen sind<br />
grundlegend und dauerhaft, moralische können unterschiedlich<br />
und je nach Zeit und Ort wechselhaft sein.<br />
Die Ästhetik ist dem Prinzip des Schönen gewidmet,<br />
d.h. Begriffen wie Wohlgefallen, Harmonie,<br />
Struktur, Proportionen, und zwar im Betrachten, im<br />
Beurteilen und auch in produktiver Gestaltung. Ästhetische<br />
Merkmale sind unmittelbare Bestandteile<br />
von Kunstwerken und von Menschen wahrzunehmen,<br />
zu erfühlen, zu genießen, zu interpretieren oder<br />
zu kritisieren. Die Kunst ist mit dem freien Spiel der<br />
Phantasie gepaart und kann die menschliche Vorstellungskraft<br />
und Erfindungsgabe wiederum anregen.<br />
Das Kunstwerk und somit auch die Oper, heutzutage<br />
nur noch selten in der wieder aufgebauten „Alten<br />
Foto: Rita Autor<br />
Oper“ gespielt, sind nicht nur ästhetischen Anforderungen<br />
verpflichtet, sondern auch der Wahrheit und<br />
ethisch-moralischen Ansprüchen. Literarische, bildnerische<br />
und musikalische Kunstwerke geben nicht die<br />
Wirklichkeit selbst dokumentarisch wieder; sie bauen<br />
eine eigene, innere Wirklichkeit auf, die allerdings<br />
an der äußeren, uns vertrauten Wirklichkeit orientiert<br />
bleibt und insofern wahr ist, als sie in sich schlüssig,<br />
wahrscheinlich und glaubwürdig zu sein pflegt.<br />
Gut sollen Kunstwerke sein, indem sie den Menschen,<br />
seine Lebensbedingungen und seine Gefühlswelt in den<br />
Vordergrund rücken und letztlich eine humane Botschaft<br />
enthalten, auch wenn etwa die literarisch oder auf der<br />
Opernbühne dargestellten Handlungen, Ereignisse und<br />
Charaktere tragisch enden können. Auch im Untergang<br />
kann das Ideal erhalten bleiben und das Gute sich auch<br />
am negativen, ja sogar hässlichen Beispiel zeigen. So<br />
können nicht zuletzt auch die bildende Kunst und die<br />
Musik das Gute im Menschen widerspiegeln, im Betrachter<br />
oder Hörer ansprechen und hervorrufen.<br />
Das Schöne in der Kunst kann in der Form der Darstellung<br />
oder Darbietung liegen, so beispielsweise in<br />
Kunstverein<br />
von Jörn Heller<br />
Bildungsbürgers Monatstreffen,<br />
Stammtischreden mit Niveau,<br />
kultureller Meinungsaustausch,<br />
dazu Rotwein aus Bordeaux.<br />
Heute ist zu diskutieren,<br />
was man künftig planen soll.<br />
Alle äußern ihre Wünsche,<br />
einer schreibt ein Protokoll.<br />
Möglich wär ein Liederabend,<br />
denkbar auch ein Auftragsstück<br />
eines renommierten Künstlers,<br />
Kleingeld hat man ja zum Glück.<br />
Viele glänzende Ideen,<br />
alle hält man schriftlich fest,<br />
sieben werden durchgesprochen,<br />
in vier Wochen folgt der Rest.<br />
Fest stehn für die nächste Sitzung<br />
schon drei Punkte jedenfalls:<br />
gleiche Uhrzeit, gleicher Treffpunkt,<br />
Spätburgunder aus der Pfalz.<br />
aus: Frische Verse<br />
ISBN 978-3-935555-011-1<br />
Foto: wikimedia commons<br />
der poetischen Gesetzmäßigkeit eines Gedichts, in der<br />
Stimmigkeit der dramatischen Struktur eines Schauspiels,<br />
im konsequenten Ablauf eines Romans, in der<br />
Bildsprache der Malerei und Skulptur sowie in der<br />
Musikalität der Symphonie oder einer ganzen Oper mit<br />
dem Einklang von Orchester und Gesang. So unwirklich<br />
die Oper mit ihren singenden Figuren sein mag; sie<br />
ist dennoch im besten Falle wahr, gut und schön.<br />
Opern waren es, die ursprünglich in dem eingangs<br />
erwähnten Haus in Frankfurt aufgeführt wurden.<br />
Heute dient die 1944 zerstörte, wieder aufgebaute und<br />
1981 mit Gustav Mahlers 8. Sinfonie neu eröffnete<br />
„Alte Oper“ immer noch der Kunst, überwiegend als<br />
Konzerthaus für klassische und moderne Musik, steht<br />
aber auch für Vorträge, festliche Anlässe und Kongresse<br />
zur Verfügung und ist, ursprünglich nach den<br />
Plänen von Richard Lucae erbaut und 1880 mit Mozarts<br />
Oper „Don Giovanni“ eingeweiht, allein als Gebäude<br />
im Stil der Renaissance ein architektonisches<br />
Kunstwerk. <br />
Horst Feger<br />
Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Oper. The Oxford Dictionary of Opera, Oxford<br />
University Press, 1992 by John Warrack and Ewan West. Goethes ausgewählte Gedichte,<br />
Stuttgart (Cotta), o.J., S.160-164<br />
Franz Laktanz Firmian: Mann mit Rotwein<br />
26 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 27
Kunst und Kultur<br />
Kunst und Kultur<br />
Teenager sind musikbegeistert,<br />
deren Musikgeschmack<br />
trafen die deutschen Rundfunksender<br />
sechziger Jahre allerdings<br />
nur eingeschränkt: Während<br />
Rudi Schuricke immer wieder seine<br />
Caprifischer besang und Freddy<br />
Quinn von den Weiten der Meere<br />
träumte, spielte ein amerikanischer<br />
Sender in Deutschland genau die<br />
Musik, die die jungen Leute hören<br />
wollten. Im Jahre 1945 verfügte<br />
US-Präsident Eisenhower, dass die<br />
amerikanischen Besatzungssoldaten<br />
in Deutschland einen eigenen<br />
Radiosender erhalten sollten.<br />
So nahm am 15. Juli 1945 AFN<br />
Frankfurt (American Forces Network)<br />
seinen Sendebetrieb auf. In<br />
den fünfziger und sechziger Jahren<br />
konnte man über den Sender Großer<br />
Fel<strong>db</strong>erg das Programm auf der<br />
Frequenz 98.7 („Ninetyeight point<br />
seven“) auch im Siegerland gut<br />
empfangen. Ein starker Mittelwellensender<br />
trug das Programm auf<br />
873 kHz über Deutschland hinaus<br />
und soll in den Nachtstunden sogar<br />
bis Großbritannien zu empfangen<br />
gewesen sein. Nach dem Abzug<br />
vieler US-Soldaten wird AFN in<br />
Deutschland nur noch im Raum<br />
Wiesbaden über 103.7 mHz ausgestrahlt<br />
und ist natürlich per Internet<br />
über eine App zu empfangen.<br />
Was machte AFN für die Deutschen<br />
so attraktiv? Die älteren<br />
Hörer freuten sich, dass man den<br />
Swing nach dessen Verbot in der NS-Zeit wieder hören<br />
konnte. Die Jugend stand auf Rock’n Roll und wer<br />
Fan von Elvis war, hörte ihn auf AFN. Dazu kam, dass<br />
ein Stück amerikanisches Lebensgefühl durch die in<br />
Deutschland stationierten Soldaten vermittelt wurde.<br />
„Have you chewing-gum?“ war einer der ersten englischen<br />
Sätze, die deutsche Kinder sprechen konnten,<br />
und glücklich war so mancher Teenager, der über Beziehungen<br />
zu GI‘s seine erste Jeans erwerben konnte.<br />
Zur Beliebtheit trugen natürlich auch die Moderatoren<br />
und Discjockeys bei, die durch ihre lockere und<br />
sympathische Art der Moderation den Nerv so mancher<br />
jungen Leute trafen. Einige bekannte Namen sind<br />
in Erinnerung geblieben: Moderatoren wie Gary Bautell,<br />
Wolfman Jack, Tommy Cash (Bruder von Johnny<br />
Als die Countrymusik ins Siegerland kam<br />
Der Radio sender AFN<br />
Cash), auch Bill Ramsey, der in einem<br />
Frankfurter Jazzkeller und bei<br />
AFN seine Karriere begann, dort<br />
u.a. Chefproduzent war und heute<br />
noch beim Hessischen Rundfunk<br />
die Sendung „Swingtime mit Bill<br />
Ramsey“ moderiert.<br />
Sehr erfolgreich waren die Macher<br />
von AFN, die Countrymusic<br />
in Deutschland bekannt zu machen.<br />
Sendungen wie „Stickbuddy<br />
Jamboree“, „Gerties Country<br />
Show“ und vor allen Dingen der<br />
legendäre „16.05 to Nashville“<br />
erfreuten sich auch hier bei uns<br />
einer immer größer werdenden<br />
Zuhörerschaft. Viele junge Radiohörer<br />
(an großen 3D-Geräten mit<br />
der Skala der Stationen) saßen täglich<br />
gebannt vor ihren Geräten und<br />
lauschten den Songs von Johnny<br />
Cash, Sonny James, Hank Snow,<br />
Bobby Bare oder Dave Dudley.<br />
Man konnte bei „16.05 to Nashville<br />
„ (später „15.05“ bzw. „14.05“)<br />
sogar Hörerwünsche äußern, da<br />
diese Sendungen eben beim AFN<br />
original vor Ort in Frankfurt, übrigens<br />
in der Bertramstraße 6 in<br />
direkter Nachbarschaft zum Hessischen<br />
Rundfunk, produziert<br />
wurden.<br />
Apropos Legenden des AFN:<br />
Wer den Sender in den sechziger<br />
Jahren gehört hat, wird sich ganz<br />
bestimmt an einen Namen erinnern:<br />
Werner Lamp, ein deutscher<br />
Zivilangestellter auf der Rhein-<br />
Main-Airbase, der stets den aktuellen Wetterbericht<br />
verlas. Da er weder das englische „th“ noch das typisch<br />
amerikanische „r“, mit dem wir Siegerländer keine<br />
Probleme hätten, sprechen konnte, geriet sein Wetterbericht<br />
zu einem sprachlichen Highlight, das nicht nur<br />
bei uns in Deutschland, sondern auch bei den GI’s Kult<br />
wurde. Lassen wir im Gedenken an die große AFN-Zeit<br />
zum Schluss Werner Lamps Wetterbericht noch einmal<br />
erklingen, der sich in etwa folgendermaßen anhörte:<br />
„Sis is Werner Lamp from se segend wesser wing ditätschment<br />
ät Rhein-Main-Ehr-Bees. Ser will be cloudy<br />
wesser in se morning and sen matsch sannschein in se<br />
day“, um danach zum Musikprogramm überzuleiten:<br />
„Sis is Werner Lamp from Rhein-Main-Ehr-Bees ritörnig<br />
ju tu se Musik off se Reckort.“<br />
Fotos: Hessischer Rundfunk –Text:Uli Hoffmann<br />
28 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 29
Manchmal ist „Altes“ doch besser!<br />
Ich weiß noch ganz genau, wie es war, als ich mein<br />
erstes Fahrrad bekam. Ach, war ich stolz! Ich radelte<br />
gleich los, und obwohl wir an einem Berg wohnten,<br />
fuhr ich immer wieder hinunter zu meinen Freunden und<br />
es machte mir auch überhaupt nichts aus, anschließend das<br />
Rad wieder den Berg hinauf zu schieben. Das schönste und<br />
schrillste an meinem Gefährt war die eher unscheinbar wirkende<br />
Fahrradklingel. Sobald ich sie betätigte, ob nun zum<br />
Spaß oder um Jemanden zu warnen, der Klingelton war<br />
so laut, dass man denken konnte, ich wollte ganze Straßenzüge<br />
informieren, dass ich unterwegs war. Viele Jahre<br />
war das Rad mein treuer Begleiter bei Wind und Wetter.<br />
Doch dann war Fahrradfahren absolut „out“ für mich. Ich<br />
verbannte es in den Keller.<br />
Gesellschaft<br />
Foto: Autorin<br />
Viele Jahre später, ich war inzwischen<br />
schon erwachsen, erinnerte ich mich an<br />
meinen guten alten Drahtesel. Ich holte ihn<br />
wieder hervor und sein Anblick enttäuschte<br />
mich sehr. Die Form, die Farbe, die Größe,<br />
alles entsprach nicht im Geringsten mehr<br />
meinen Ansprüchen. Auch die inzwischen<br />
schon stark verrostete und immer noch nicht<br />
zu überhörende Fahrradklingel, fand ich<br />
altmodisch und unbrauchbar. So fiel es mir<br />
auch überhaupt nicht schwer, das Fahrrad<br />
wieder wegzustellen, bis es vielleicht ein<br />
Schrotthändler mitnehmen würde.<br />
Ich kaufte mir ein neues Superrad, allerdings<br />
auch zu einem Superpreis. Doch das<br />
war mir egal. Ich wollte „up to date“ sein.<br />
Die erste Tour radelte ich durch meinen<br />
Heimatort, der inzwischen schon an einem<br />
Fahrradwegenetz angeschlossen war. Aber<br />
was war das? Da überquerten Fußgänger<br />
vor mir den Fahrradweg. Noch bevor ich<br />
meine so hochgelobten Han<strong>db</strong>remsen anziehen konnte,<br />
betätigte ich die designgeformte Fahrradklingel. Doch<br />
die enorme Geräuschkulisse von der, neben dem Radweg<br />
gelegenen Hauptverkehrsstraße, übertönte das viel<br />
zu leise „Plim, Plim“. Ich verdanke es nur meinem guten<br />
Reaktionsvermögen, das dieses Ausweichmanöver<br />
glimpflich verlief und wir alle mit einem Riesenschrecken<br />
davon kamen<br />
Eine ganze Weile später, entfernte ich die rostige<br />
Klingel, von meinem alten Fahrrad, strich sie farblich<br />
passend, ölte und montierte sie an mein neues Rad. Nun<br />
hat kein Fußgänger mehr eine Chance, mir in die Quere<br />
zu laufen, denn meine alte, schrille Fahrradklingel<br />
warnt Jeden schon von Weitem! Ulla D’Amico<br />
Leipziger<br />
Buchmesse <strong>2018</strong><br />
Rund 271.000 Besucher<br />
kamen<br />
dieses Jahr zur<br />
Leipziger Buchmesse,<br />
um sich einen Überblick<br />
über das Buchangebot<br />
und vor allem die Neuerscheinungen<br />
zu machen.<br />
Das fällt schwer, kommen<br />
doch jährlich circa<br />
100.000 neue Bücher auf<br />
den Markt. 19 Prozent<br />
der Bundesbürger ab 14<br />
Jahren lesen nach Feierabend<br />
„häufig“, rund 28<br />
Prozent immerhin „gelegentlich“<br />
ein Buch. Das<br />
Buch spielt bei fast der Hälfte der Deutschen eine größere<br />
Rolle bei der Freizeitgestaltung. Ein Trend geht dabei<br />
zum Hörbuch. Offenbar gilt der Ausspruch des deutschen<br />
Philosophen Carl Peter Fröhling doch noch. Er soll einmal<br />
formuliert haben:“ Ein Leben ohne Bücher ist wie<br />
eine Kindheit ohne Märchen, wie eine Jugend ohne Liebe,<br />
ist wie ein Alter ohne Frieden“. Das meistgelesene Buch<br />
weltweit ist statistisch betrachtet übrigens nach wie vor<br />
die Bibel. Man könnte sie also als Klassiker bezeichnen –<br />
sollte man aber nicht. Denn ein klassisches Buch ist laut<br />
dem Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway eines,<br />
„das die Menschen loben, aber nie lesen“. Horst Mahle<br />
Kultur<br />
Moderne Lyrik<br />
von Jörn Heller<br />
Über eine leere Seite<br />
schweben still in Haaresbreite<br />
ein paar auserlesne Wörtchen,<br />
exquisit wie Sahnetörtchen.<br />
Durch die Zeilen, kühl und herb,<br />
huscht ein unbestimmtes Verb,<br />
welches heimlich zu sich rief<br />
ein verwaistes Adjektiv,<br />
das sich am geplanten Ort<br />
mit dem rechten Nachbarwort<br />
nicht so recht befreunden wollte,<br />
was es nach dem Dichter sollte.<br />
Die bewährten Großbuchstaben,<br />
wie sie Wörter manchmal haben,<br />
hat derselbe unverfroren<br />
unter anderm kurzgeschoren.<br />
Jeder Satz ist kurz und knapp,<br />
denn der Autor lehnt es ab,<br />
des Gedichtes Wirkung wegen<br />
seine Absicht festzulegen.<br />
Diese näher zu erfassen,<br />
bleibt dem Leser überlassen,<br />
welcher, hat er sie gesichtet,<br />
lieber selber etwas dichtet.<br />
aus: Frische Verse ISBN 3-935555-<strong>02</strong>-4<br />
Entdecken Sie die Musik für sich<br />
Individueller<br />
Musikunterricht<br />
für jedes Alter<br />
Gitarre<br />
Flöte<br />
Schlagzeug<br />
Mit Freude, Geduld<br />
und Erfolg lernen<br />
Martina Groos 0151-5392 4715<br />
Workshop Gitarre 1 – Lie<strong>db</strong>egleitung leicht gemacht<br />
Für Einsteiger/innen mit Grundkenntnissen<br />
Freitag 13.07. 17.30 – 20.00 Uhr<br />
Samstag 14.07. 10.00 – 14.30 Uhr<br />
Workshop Gitarre 2 – Lagerfeuersongs zum Mitsingen<br />
Für leicht fortgeschrittene Teilnehmer/innen<br />
Freitag 20.07. 17.30 – 20.00 Uhr<br />
Samstag 21.07. 10.00 – 14.30 Uhr<br />
Schnupperkurs Gitarre 1 – jetzt oder nie<br />
Für Einsteiger/innen ohne Vorkenntnisse<br />
Dienst. 12.06., 19.06. und 26.06., jeweils 11.00 – 12.30 Uhr<br />
Schnupperkurs Gitarre 2 – jetzt oder nie<br />
Für Einsteiger/innen ohne Vorkenntnisse<br />
Mittw. 18.07., 25.07. und 01.08., jeweils 13.00 – 14.30 Uhr<br />
www.guter musikunterricht<br />
30 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 31
Buchbesprechung<br />
Buchbesprechung<br />
Diana-Verlag 224 S. 19,99 €<br />
ISBN 978-3810510822<br />
Die Welt von gestern<br />
im Poesiealbum<br />
führt die Leserinnen<br />
und Leser zurück in das<br />
Jahr 1961. In dieser Zeit<br />
hatten Mädchen ein Poesiealbum<br />
und waren stolz darauf,<br />
wenn Großmutter, Tante,<br />
Lehrerin und vor allem die<br />
beste Freundin einen Vers<br />
hineinschrieben. Die Autorin<br />
Heidrun Vondung erzählt<br />
Geschichten zu Poesieversen<br />
Stieglitz-Verlag 153 S. 16,50 € aus der Sicht einer elfjährigen<br />
Schülerin, die mitunter<br />
ISBN 978-3-7987-0425-1<br />
die Naivität dieses Schulalters<br />
hat, gleichzeitig jedoch das kritische Denken der<br />
erwachsenen Autorin verrät. Die Begebenheiten führen in<br />
eine Kleinstadt, wo moralische Enge und Klatsch zum Alltag<br />
gehörten. „Hohe Absätze, rote Lippen. Was sind das für<br />
Zeiten!“ empört sich die Mutter. Aber es werden auch unkonventionelle<br />
Personen beschrieben, der Onkel Ernst, das<br />
schicke Fräulein Magenreuter oder die Handarbeitslehrerin<br />
Frau Knödler; da bekommen die kleinstädtischen Figuren<br />
Herz hat keine Falten<br />
Zugang zu einem Buch<br />
erhält man mitunter,<br />
wenn einen das Cover<br />
im Zusammenwirken<br />
mit dem Titel anspricht oder<br />
wenn der Klappentext einen<br />
neugierig macht. So griff ich<br />
neulich zum Roman „Und<br />
jetzt lass uns tanzen“ der<br />
belgischen Autorin Karine<br />
Lambert. Sie erzählt die Liebesgeschichte<br />
zweier alter<br />
Menschen, Marguerite und<br />
Marcel, die sich während einer<br />
Thermalkur zufällig begegnen.<br />
Sie ist 78, er 73 Jahre alt, beide haben zuvor ihren<br />
langjährigen Ehepartner verloren. Diese Romankonstellation<br />
böte den Stoff für sentimental-romantischen Kitsch, wie<br />
er oft in der Form von rührseligen Fernsehfilmen angeboten<br />
wird. Nicht so in Lamberts Geschichte, in der sich zwei<br />
unterschiedliche alte Menschen begegnen und nach kurzer<br />
Zeit feststellen, dass sie über die gleichen Dinge lachen<br />
können: „Sie lacht noch mehr und ihn überrascht dieses Lachen<br />
eines kleinen Mädchens im Körper einer alten Dame.“<br />
Marguerite, Witwe eines Notars, mit dem sie finanziell gut<br />
versorgte und durchgeplante, aber emotionsarme Ehejahre<br />
verbracht hat, fragt sich, was die restlichen Jahre wohl<br />
noch für sie bereithalten: „Und einmal im Monat ein Museumsbesuch<br />
mit Seniorenkarte. Im Alter gibt es mehr Beerdigungen<br />
als Tanzabende.“ Marguerite und Marcel finden<br />
langsam zueinander, argwöhnisch von deren Familien betrachtet.<br />
Insbesondere der Sohn Marguerites, der die überbehütende<br />
Rolle seines Vaters eingenommen hat, versucht<br />
auf seine Mutter einzuwirken, als diese mit Marcel eine<br />
Reise unternehmen möchte: „Aber in deinem Alter?! Seid<br />
vorsichtig! Ihr werdet euch erkälten. Das ist unvernünftig.<br />
Schaut doch lieber Fernsehen!“ Aber Marguerite und Marcel<br />
setzen sich durch: Das Leben kann bisweilen zauberhaft<br />
und zart sein, auch das hatte sie zuvor nicht gewusst. Auch<br />
Marcel lebt in dieser Liebesbeziehung richtig auf: „Besser<br />
als alle Glückspillen der Welt!“ Karine Lambert hat einen<br />
berührenden und wegen seiner Leichtigkeit gut zu lesenden<br />
Roman über die Liebe im Alter geschrieben. Wie lässt sie es<br />
Marcel ausdrücken: „Ich würde gerne für immer in deiner<br />
Küche tanzen. Ich bin zwar Rentner, aber mein Herz hat<br />
keine Falten.“ <br />
Uli Hoffmann<br />
Rosen, Tulpen, Nelken...<br />
Farbe. Der Nachmittag mit Frau Knödlers Katzenschar wird<br />
jedem Leser in Erinnerung bleiben, so phantastisch verlief<br />
er und so sinnlich ist er geschildert. Oder die Geschichte<br />
über Annette und ihren Onkel: sie ist nicht nur wegen der<br />
Heidelbeerpfannkuchen-Szene köstlich, sondern auch dank<br />
des fein gezeichneten Sozialprofils lesenswert. Man spürt in<br />
diesen Geschichten, wie sehr die Nachkriegszeit vom Fortleben<br />
der NS-Epoche geprägt wurde. Die Gymnastiklehrerin<br />
Frau von Hesselbach ist so eine Figur; da merkt der Leser,<br />
die Unverbesserlichen sind noch unter uns, ähnlich wie die<br />
„Jammeroma“ immer noch von ihrer BDM-Zeit schwärmt.<br />
Es ist erstaunlich, wie viel Erinnerungskraft die Autorin<br />
aufbringt und sich an so viele Details aus jener Zeit erinnert.<br />
Wie heißt es in einem Albumvers:<br />
„Wenn du einst in späten Jahren,<br />
liesest dieses Blättchen.<br />
Dann denke wie vergnügt wir waren,<br />
als so kleine Mädchen.“<br />
Das Lesevergnügen werden nicht nur die kleinen Mädchen<br />
haben; sie sind heute erwachsen. Vielleicht hat auch<br />
ein großer Junge einmal Lust, Geschichten zu Versen aus<br />
dem Poesiealbum zu lesen. Den einen oder anderen Spruch<br />
kann man eventuell noch für ein Freundschaftsbuch gebrauchen,<br />
so heißt das ja heute. Gert Sautermeister<br />
Vom Sudeten- ins Siegerland<br />
Biografischer Roman einer Familiengeschichte<br />
Sieghilde Maria Neuser legt einen autobiografischen<br />
Roman vor, der das Schicksal ihrer Familie beschreibt,<br />
das im Sudetenland beginnt. Sie schreibt<br />
dazu, dass sie sich lange mit dem Gedanken getragen hat,<br />
die zahlreichen Facetten ihres Lebens aufzuschreiben,<br />
bis dieser Entschluss an einem Ostersonntag plötzlich<br />
feststand. So ist das Buch mit dem tröstlichen Titel vor<br />
wenigen Wochen im durchblick-Verlag erschienen.<br />
Nun mag man fragen, was kann an der Geschichte<br />
einer unbekannten Familie so interessant sein, dass man<br />
das Buch lesen muss. Der Autorin ist es gelungen, ihr<br />
Leben in einen aussagekräftigen Roman einzubinden. Als<br />
Leser kann man teilhaben an den entscheidenden und allgemeinen<br />
Alltagsgeschichten, die anschaulich mit Liebe<br />
zu den Details geschildert werden. Am interessantesten<br />
finde ich die Beschreibung des kargen Lebens im Sudetenland<br />
im ersten Teil des Buches. Die Geschichte beginnt<br />
1941 im Geburtsjahr der Autorin .Die Familie lebt<br />
in dem 1200 Einwohnerort Stiebnitz im Adlergebirge.<br />
Dieser Gebirgszug ist ein Teil der mittleren Sudeten und<br />
erstreckt sich entlang der böhmischen Grenze. Hier leben<br />
die Familien in einfachen Verhältnissen vorwiegend von<br />
der Landwirtschaft. Unvorstellbar für uns heute ist, dass<br />
die meist vier- bis sechsköpfigen Familien in Häusern mit<br />
nur einem oder zwei Zimmern wohnten. Die Biografie<br />
umfasst eine Zeitspanne von vier Generationen mit ihren<br />
Stärken und Schwächen. Einen großen Teil widmet die<br />
Autorin ihrer Mutter Anna, einer Frau zu Beginn des 20.<br />
Jahrhunderts.<br />
Sehr hilfreich für den Leser ist eine ausführliche Darstellung<br />
der geografischen, ethnischen und volkskundlichen<br />
Entwicklung dieses Teiles des Sudetenlandes. Nach<br />
dem zweiten Weltkrieg wurde das Adlergebirge in die<br />
engen Grenzen der Tschechoslowakei gezwängt. Durch<br />
die Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland nach<br />
Ende des Krieges wurden<br />
die bereits in der<br />
Vergangenheit arg gebeutelten<br />
Bewohner besonders<br />
hart getroffen.<br />
Wie für viele aus anderen<br />
Gebieten des Ostens<br />
Vertriebene auch,<br />
bedeutete es Abschied<br />
von ihrem Besitz, aber<br />
auch die Trennung von<br />
Nachbarschaft, Freunden,<br />
dem Verwandtenkreis,<br />
der heimatlichen<br />
durchblick-Verlag 352 S. 18,90<br />
ISBN 978-3947599004<br />
Verbundenheit und den zum Teil jahrhundertealten Traditionen.<br />
Während in neueren Büchern die Kapitel fast nur noch<br />
mit Ziffern bezeichnet werden, hat Sieghilde Maria Neuser<br />
die Buchteile mit Überschriften und Untertiteln versehen.<br />
Als Beispiel sei genannt „Kampf ums Überleben“<br />
mit den Einteilungen „Angst und Mut“, „Nach der Trennung<br />
in den Westen“ und „Endgültige Aussiedlung“. Das<br />
erleichtert die Zurechtfindung. Ein Beispiel für ihren anschaulichen<br />
Schreibstil sei aus diesem Kapitel gewählt:<br />
Gerüchte machen sich breit. Unter anderem munkelt man,<br />
dass die jungen und andere noch arbeitsfähige Männer<br />
nach Russland gebracht werden sollen. Es dauert nicht<br />
lange, bis ein Befehl kommt. „Alle Jungen und Männer<br />
auf die eine Seite antreten, Frauen und Kinder auf die<br />
andere!“ Erneute Angst, erneutes Entsetzen. Emotionen<br />
brechen auf. Die Situation ist unbeschreiblich. (S.61)<br />
Ein lesenswertes Buch, das neben aller Unterhaltung<br />
auch eine umfassende Übersicht des Lebens in der ersten<br />
Hälfte des 20. Jahrhunderts im Sudetenland liefert.<br />
<br />
Horst Mahle<br />
32 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 33
Aus dem Siegerland<br />
Vor 685 Jahren<br />
Der Lahnhof und seine Ersterwähnung am 28.03.1333<br />
Ansicht des Lahnhofs etwa Anfang des 19. Jahrhunderts.<br />
Radierung von Christian Reinermann<br />
Seit Jahrhunderten übt der Lahnhof eine besondere<br />
Anziehungskraft aus. Die einen besuchen ihn wegen<br />
der weiten, vielfältigen Spazierwege, die anderen,<br />
um den Quellbereich der dort entspringenden Lahn in Augenschein<br />
zu nehmen, die nach 245 km bei Lahnstein im<br />
Rhein mündet. Viele weitere Gründe sind vorhanden, um<br />
der kleinen Ansiedlung im Rothaargebirge einen Besuch<br />
abzustatten.<br />
„Datum et actum anno Domini MCCCXXXIII, in die<br />
palmarum“ so lautet die Datumsangabe in der lateinisch<br />
verfaßten Urkunde. In unsere Sprache übertragen: „Ausgestellt<br />
im Jahr 1333, am Tag der Palmen“. Gemeint ist der<br />
Palmsonntag, eine Woche vor Ostern.<br />
Das Dokument, welches den Lahnhof erstmals nennt,<br />
wurde am 28.03.1333 verfasst und beinhaltet die Zusage<br />
der Adeligen Kraft und Gottfried von Hainchen, residierend<br />
auf der dortigen Wasserburg, ihrem Mitarbeiter, Berthold<br />
von Nenkersdorf, ein Achtel der in ihrem Eigentum<br />
stehenden landwirtschaftlichen Flächen auf dem Lahnhof<br />
schenkungsweise zu übertragen. Damals wurde der Lahnhof<br />
noch Lonebach genannt. Der „ehrenwerte Berthold“,<br />
so wird er ausdrücklich bezeichnet, erhielt auf „ewige Zeiten“<br />
für sich und seine Erben die Grundstücke auf dem<br />
Lahnhof (1) .<br />
Die Ritter von Hainchen waren Lehnsnehmer der Grafen<br />
von Nassau a. d. Lahn, die bereits im 13. Jahrhundert<br />
dem Europäischen Hochadel angehörten. Das gesiegelte<br />
Schriftstück befindet sich im Staatsarchiv Münster.<br />
An weiteren, frühzeitlichen Urkunden über das waldreiche<br />
Ausflugsziel mangels es nicht. Die Historiker Dr.<br />
Johannes Arnoldi und Dr. Friedrich Philippi berichten von<br />
einem exakt drei Jahre später auf dem Lahnhof vereinbarten<br />
Vergleich, der bei Eintritt eines Erbfalles wirksam werden<br />
sollte (2) .<br />
2 Fotos Wikimedia Commons<br />
Quellteich der Lahn<br />
an der Gaststätte Forsthaus Lahnquelle<br />
In der einschlägigen Literatur wird in nahezu jedem<br />
Jahrhundert der Lahnhof urkundlich mehrfach erwähnt (3) .<br />
Seit 1807 ist er der Gemeinde Nenkersdorf, jetzt Stadtteil<br />
von Netphen, zugeordnet. „Die Lahnquelle entspricht im<br />
Keller des Forsthauses“ war über Jahrhunderte gefestigte<br />
Meinung. Helmut Cramer hat in dem Buch „Der Lahnhof“<br />
eine Auswahl diesbezüglicher Publikationen zusammengefaßt.<br />
Gegen ein geringes Eintrittsgeld konnte das Kellergewölbe<br />
bis in die 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts<br />
besichtigt werden. Den Lahnhof-Förstern war die Gebühr<br />
ein willkommener Nebenverdienst (4) .<br />
Nach dem Verkauf des Gebäudes im 1965 wurde bei Bauarbeiten<br />
festgestellt, daß sich in seinem Keller ein Brunnen<br />
befand, dessen gesammeltes Grundwasser zur Speisung der<br />
„Lahnquelle“ diente. Inzwischen ist es unstreitig, dass mehrere<br />
kleine Wasserstellen den Quellbereich der Lahn bilden.<br />
Ein derartig großflächiges Waldgebiet weckte Begehrlichkeiten<br />
bezüglich seines bedeutenden Wild- und Holzbestandes.<br />
Helmut Cramer hat in sein bereits zitiertes Werk<br />
einige Auszüge aus der 1853 bis 1923 angelegten „Auerhahnchronik“<br />
übernommen. Bis zum Jahr 1943 war das<br />
an die Waldungen von Wittgenstein angrenzende Gebiet<br />
ein außerordentlich beliebtes Auerwild-Revier, welches<br />
viele Jagdgäste aus Nah und Fern anzog (5) . Ein Auerhahnabschluss<br />
soll als jagdlicher Höhepunkt mit dem Erlegen<br />
eines kapitalen Rothirsches vergleichbar sein.<br />
Ein erfolgreicher Schütze aus dem Jahr 1904 bringt<br />
sein Hochgefühl wie folgt zum Ausdruck:<br />
„Den ersten Urhahn hab ich heut<br />
in seinem Liebestaumel dahingerafft,<br />
im Vollbewußtsein seiner Manneskraft.<br />
Ein bitteres Los,<br />
doch schön ist er und groß“<br />
Einen Auer-Wild-Bestand soll es bis ca. 1950 im Lahnhofgebiet<br />
gegeben haben (6) . Neben hochrangigen Diplomaten<br />
war der Heidedichter Hermann Löns mehrfach auf<br />
dem Lahnhof zu Gast. Sein Jagdfreund, der Hegemeister<br />
Adolf Bahne, schildert in dem Buch „Im Wald und auf der<br />
Heide“ die Erlebnisse des bekannten Schriftstellers in dem<br />
großartigen Waldgebiet zwischen Lützel und dem angrenzenden<br />
Wittgensteiner Revier. In der Frühe eines Morgens<br />
waren Löns und Bahne unterwegs, um einen in der Balz<br />
liebestrunkenden Auerhahn „anzuspringen“. Durch eine<br />
unbedachte Han<strong>db</strong>ewegung des Jagdgastes wurde der<br />
Hahn aufgeschreckt und „ritt zu unserem großen Leidwesen<br />
mit lautem Gepolter ab“ (7) .<br />
Prominente Jagdgäste brachten auch manch ausgewählten<br />
Geweihträger zur Strecke. Wilderer und sonstige<br />
Störenfriede bereiteten den Förstern Aufregung und viel<br />
Arbeitsaufwand. Sie mussten sich so ausgiebig mit den<br />
verschiedensten Arten von Forstvergehen auseinandersetzung,<br />
daß sie „Forstfrevelbücher“ anlegten, in denen die<br />
unterschiedlichsten Übertretungen festgehalten wurden.<br />
So wird u. a. bekundet, daß eine 50jährige Witwe aus Nenkersdorf<br />
„am 13.08.1926 ohne einen (Erlaubnis-) Schein<br />
geholt zu haben, im Distrikt 17 Beeren gesammelt“habe.<br />
Die Bewohner vom Lahnhof gehörten bis zum Bau<br />
des Deuzer Gotteshauses im Jahr 1910 zur Netphener<br />
Kirche. Der alte Kirchweg nach dort hatte eine Länge<br />
von 14 km und führte über Walpersdorf und ab Nenkersdorf<br />
zu dem Höhenrücken, der oberhalb der alten Martinikirche<br />
ausläuft.<br />
Das Tauf- und Eheregister der Ev. ref. Kirchengemeinde<br />
verrät, daß im Jahre 1635 acht Personen in dem auswärtigen<br />
Weiler wohnten (8) . Der Kirchenbesuch glich nahezu<br />
einer Tagesreise. Wen wundert es, dass sich die Kirchenbesucher<br />
nach dem Gottesdienst mit Lebensmittelvorräten<br />
eindeckten, bevor sie den Heimweg antraten? Im Nahbereich<br />
der Kirche befanden sich in früheren Zeiten mehrere<br />
Gaststätten, Bäckerein und Lebensmittelgeschäfte (9) .<br />
Lahnhof, kein Name wie Schall und Rauch. Wenige km<br />
von Lahnhof entfernt befinden sich die Quellen von Eder<br />
und Sieg. Der 290 km lange Lahnwanderweg beginnt auf<br />
dem Lahnhof, verschafft bis zur Flußmündung großartige<br />
Aussichts- und Wandererlebnisse.<br />
Dabei werden auch viele geschichtsträchtige Orte berührt,<br />
die an die Regenten der Lahnhof-Region, die Grafen<br />
von Nassau, erinnern. Er stellt eine wertvolle Ergänzung<br />
zur Lahn-Ferienstraße dar. Einer der beliebtesten deutschen<br />
Fernwanderwege, der Rothaarsteig, führt unmittelbar<br />
am Lahnhof vorbei.<br />
Geschichte und Geschichten berühren seit 685 Jahren<br />
einander und sprechen eine Einladung zu eigenen Erkundungen<br />
aus. <br />
Heinz Stötzel<br />
Literatur- und Quellennachweis: Philippi, Dr. Friedrich Siegener Urkundenbuch 1837, Seite<br />
120. Bald, Dr. Ludwig Das Fürstentum Nassau/Siegen, 1932, Seite 397. Arnoldi, Dr. Johannes<br />
Geschichte der Oranien/Nassauischen Länder und ihrer Regenten, Hadamar, 1799, Seite 146.<br />
Philippi, Dr. Friedrich SUB, 1837, Seite 128. Scholl, Gerhard Im Quellgebiet von Sieg und Lahn,<br />
Gebr. Zimmermann-Verlag, Balve, 1961, Seiten 226 ff. Cramer, Helmut Der Lahnhof, Verlag die<br />
Wielandschmiede, Kreuztal, 1994, Seiten 14ff wie 4) Seiten 79 ff. Moll, Kurt von Haubergshasen<br />
und Rothaarhirschen, Verlag Die Wielandschmiede 2000, Seite 91 ff. Bahne, Adolf Im Wald<br />
und auf der Heide, Heimatverlag Dr. Wagener, Meschede, 1937, Seite 58. Tauf und Eheregister<br />
Archiv der Ev. ref. Kirchengemeinde Netphen des Jahres 1635. Seidenstücker, Christine Weihnachtsgemeindebrief<br />
der Ev. ref. Kirchengemeinde Netphen, 2004, Seiten 6 und 7.<br />
Zu Hause gut betreut, denn daheim ist´s am schönsten...<br />
Unsere Arbeit beginnt dort, wo die Unterstützung durch<br />
den Pflegedienst endet. Mit unserer stundenweisen<br />
Alltagsbegleitung verschaffen wir Ihnen Entlastung bei der<br />
Betreuung Ihrer Angehörigen zu Hause.<br />
Unsere Alltagshelfer sind fachkundig, einfühlsam und fest<br />
für einen Seniorenhaushalt zuständig.<br />
vivacus.de<br />
Abrechnung mit allen Pflegekassen<br />
Wir kümmern uns um...<br />
• Alltagsbegleitung<br />
• Gemeinsame Unternehmungen<br />
• Haushaltshilfe & Einkaufen<br />
• Demenzbetreuung<br />
• Entlastung der Angehörigen<br />
• Fahrtdienste und Botengänge<br />
Ihre Ansprechpartnerin...<br />
Daniela Arndt<br />
Telefon: <strong>02</strong>71 - 4058 5280<br />
E-Mail: siegen@vivacus.de<br />
34 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 35
Die letzte Tour<br />
Wehmütig klang das Posthorn<br />
Hilchenbacher Postschaffner mit Dame<br />
Wenn auch in vielen Gegenden Deutschlands die<br />
Postkutscher schon unterwegs waren, um Nachrichten<br />
und Waren zu befördern, gab es sie bei<br />
uns im Siegerland noch nicht. Wir lagen damals und heute<br />
an keiner wichtigen Verkehrsader bzw. Route. All dies und<br />
auch die schlechten Wege und Straßen ließen bei uns die<br />
Postkutschen erst etwas später fahren.<br />
Um 1700 wurde das Siegerland aber gleich von drei Routen<br />
durchkreuzt. Es waren die Linien Siegen-Köln, Frankfurt<br />
a. M.-Siegen und Siegen–Attendorn. Heftig wurde sich<br />
nach dem siebenjährigen Krieg um diese Linien zwischen<br />
Kurpfalz, Kurköln, Preußen sowie Thurn und Taxis gestritten.<br />
Dies war natürlich für die Entwicklung der Post keinerlei<br />
Vorteil. Durch die Kurpfalz bekam das Siegerland endlich<br />
im Jahre 1782 an die wichtige Strecke Memel – Berlin<br />
– Cleve Anschluss. Bei der französischen Besatzung traten<br />
1809 neue Ungereimtheiten auf, als die ,,Marie‘‘ Hilchenbach<br />
zum Departement Dillenburg kam. Sie wurde seinerzeit<br />
dem Großherzogtum Berg angeschlossen.<br />
Eine Briefsammlung gab es ab 1824 in Hilchenbach.<br />
Dienstags und samstags brachten besondere Boten Pakete<br />
und Briefe zum preußischen Postamt nach Siegen. Zwei<br />
Aus dem Siegerland<br />
Jahre später gab es die<br />
erste Postexpedition in<br />
Hilchenbach. Für Stadt<br />
und Lan<strong>db</strong>ezirk war der<br />
erste Expeditor Bürgermeister<br />
Johan Henrich<br />
Reifenrath, der dieses<br />
Amt bis 1851 begleitete.<br />
Im Hause W. G. Weiß<br />
Bruchstraße 12, später<br />
Walter Freudenberg,<br />
war die erste Posthalterei,<br />
wo auch der Pferdewechsel<br />
stattfand.<br />
Dreimal wöchentlich<br />
wurde zum Beispiel<br />
um 1850 in Hilchenbach<br />
die Post<br />
verteilt. Zu diesem sehr<br />
großen Lan<strong>db</strong>estellgebiet<br />
gehörte Altenteich,<br />
Lützel, Hof Ginsberg,<br />
Buchhelle mit Grube<br />
Irene, Helberhausen,<br />
Oberndorf, Hof Schreiberg,<br />
Vormwald, Grund,<br />
Öchelhausen, Ruckersfeld,<br />
Buchen, Hillnhütten,<br />
Stift Keppel, Allenbach, Hof Stöcken, Haarhausen,<br />
Sterzenbach, Hadem und Hilchenbach selbst. Außer der<br />
Personenpost, es war die Postkutsche, wurde auf den wichtigen<br />
Strecken auch eine Bodenpost eingerichtet. Der Hilchenbacher<br />
Postschaffner Haardt, der für die Beförderung<br />
von Hilchenbach nach Erndtebrück zuständig war, ging<br />
jeden Morgen, bei jedem Wetter, nachts um 4 Uhr los. Er<br />
legte auch zur Winterzeit täglich etwa 30 km zurück.<br />
Der Hilchenbacher Postschaffner Hoppe erzählte seinerzeit,<br />
dass er als 15jähriger 1882 nachts eingehende Eilbriefe,<br />
die entsprechend frankiert waren, sofort bei jedem Wetter<br />
bis nach Altenteich und überall im Bezirk bestellt hätte. Ab<br />
1880 war ein Herr Langenbach Postverwalter in Hilchenbach.<br />
Bei Revisionen musste er manchmal erst von seiner<br />
geliebten Jagd geholt werden und wurde 1885 abgelöst.<br />
An das Telegraphennetz im Morsebetrieb wurde Hilchenbach<br />
am 1. Dezember 1873 mit der Nummer 882 angeschlossen.<br />
In den Jahren von 1877 bis 1881 gingen in<br />
Hilchenbach jährlich etwa 15.000 Briefe mehr ein als abgeschickt<br />
wurden sind. So wurden 1881 immerhin 67.734<br />
Briefe nach Hilchenbach geschickt und nur 51.660 Briefe<br />
verließen das Postamt. Erwähnenswert ist noch, dass Anno<br />
Fotos: Archiv Bensberg<br />
1900 in Hilchenbach das erste Fernsprechamt eröffnet wurde.<br />
Es bekam in diesem Jahre schon 34 Anschlüsse. Die<br />
Nummern 1 bis 5 waren folgende Teilnehmer: Ruf-Nr. 1<br />
Weiss, Leimfabrik; Ruf-Nr. 2 Vogtmann & Co.; Ruf-Nr. 3<br />
Lederwerke; Ruf-Nr.4 Vollpracht und Weiss, Chem. Fabrik;<br />
Ruf-Nr. 5 Hüttenhain, Eduard.<br />
Öfters blieben die Postkutschen bei den schlechten Wegverhältnissen<br />
im Morast stecken. Es mussten dann Ochsen,<br />
die stärker waren als Pferde, vorgespannt werden, um die<br />
Karre aus dem Dreck zu ziehen. Aus dieser Zeit stammte<br />
auch das Sprichwort: ,, Man muss die Karre wieder aus<br />
dem Dreck ziehen.‘‘ Dies war oft sehr zeitaufwendig und so<br />
mussten Postillion und Reisende oft in Hilchenbach übernachten.<br />
Hierüber freuten sich die Reisenden nicht, allerdings<br />
die hiesigen Gastwirte. Es war schon ein Wagnis seinerzeit<br />
mit der Postkutsche zu reisen. Vorsorgliche Personen<br />
bestellten vor Antritt einer langen Reise ihr Haus und ließen<br />
sich vorher in der Kirche die Sakramente reichen.<br />
Nach Fertigstellung der Wittgensteiner Straße, der heutigen<br />
B 508 im Jahre 1835, wurde der Postverkehr Kreuztal<br />
– Hilchenbach und zurück aufgenommen. Zuerst fuhr<br />
wöchentlich ein Einspanner die Post. Später wurde täglich<br />
gefahren und man nahm auch Personen mit. 1838 kam die<br />
Strecke Laasphe – Hilchenbach – Kreuztal und retour hinzu.<br />
8 Silbergroschen pro Meile betrug das Fahrgeld. Hierbei<br />
waren noch 30 Pfund Gepäck frei. Anno 1842 kam die<br />
Personenpost Hilchenbach-Siegen und natürlich wieder<br />
zurück mit sechssitzigen Wagen dazu. Die Route Siegen<br />
– Marburg, die über Kreuztal, Hilchenbach, Erndtebrück,<br />
Wir bieten Ihnen Stationäre Pfl ege und Kurzzeitpfl ege.<br />
Seniorenzentrum Erndtebrück<br />
Struthstraße 4 • 57339 Erndtebrück<br />
Fon: 0 27 53 - 507 74-0<br />
sz-erndtebrueck@awo-ww.de<br />
Hans-Georg-Vitt-Seniorenzentrum<br />
Ziegeleifeld 9 • 57223 Kreuztal<br />
Fon: 0 27 32 - 20 10<br />
sz-kreuztal@awo-ww.de<br />
Mehr zu uns unter: www.awo-ww.de/Seniorenzentren<br />
Laasphe und zurück galoppierte, wurde 1846 in den Postverkehr<br />
aufgenommen. Die tägliche 2spannige Fahrpost<br />
verließ Siegen um 6 Uhr und erreichte Marburg abends um<br />
19 Uhr. Ab 1851 kam noch die Strecke Siegen – Hilchenbach–Plettenberg<br />
und retour, die täglich gefahren wurde,<br />
hinzu. Am 1. Januar 1852 wurde noch eine tägliche viersitzige<br />
Personenpost von Hilchenbach nach Laasphe eingerichtet.<br />
Man dachte überall noch nicht fortschrittlich. So<br />
waren 1852 die Gemeinden Allenbach und Lützel nicht an<br />
dem Vorzug interessiert auf Gemeindekosten Briefkästen<br />
aufzustellen. Die letzte eingerichtete Strecke war von Hilchenbach<br />
nach Altenhundem. Da diese nicht wirtschaftlich<br />
war, bestand sie nicht lange.<br />
Diese sehr rege Personenpost in Hilchenbach endete<br />
mit Eröffnung der Eisenbahnlinie Kreuztal – Hilchenbach,<br />
in denen auch zwei Bahnpostwagen mit Postschaffnern<br />
mitfuhren, am 1. März 1884. Die letzte offizielle Fahrt einer<br />
Postkutsche im Ferndorftal war am 29. Februar 1884<br />
und wurde ein wahres Fest. Die Postillione bliesen ganz<br />
wunderbar und länger als üblich. Der Ferndorfer Apotheker<br />
ließ bei der Durchfahrt ein brillantes Feuerwerk abbrennen.<br />
Der Fahrplan wurde nicht eingehalten, denn in<br />
den Wirtshäusern tränkten Postillione und Fahrgäste tüchtig.<br />
Die Hilchenbacher berichteten über die Ankunft der<br />
letzten Postkutsche: „Am Vorabend der Eröffnungsfeier<br />
hörten wir zum letzten Male die lang gewohnten meistens<br />
melancholisch klingenden Töne des Posthorns. Sie klangen<br />
besonders wehmütig auf dieser letzten Tour.‘‘ <br />
<br />
Heinz Bensberg<br />
SICHER,<br />
GEBORGEN<br />
UND<br />
ZU HAUSE.<br />
Fritz-Fries-Seniorenzentrum<br />
Rosterstraße 186 • 57074 Siegen<br />
Fon: <strong>02</strong> 71 - 3 30 30<br />
sz-siegen@awo-ww.de<br />
36 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 37
Aufstieg<br />
Eine Siegener Kurzgeschichte<br />
Der Bus kam pünktlich. Die junge Frau reihte<br />
sich ein in den Strom der einsteigenden<br />
Menschen. Der Fahrer quittierte den Kauf<br />
ihrer Fahrkarte mit einem kurzzeitigen Lächeln. Einen<br />
Platz fand sie im vorderen Teil des Busses neben<br />
einem jungen Mann mit Baseballkappe. Diese Linie<br />
war wie immer am Nachmittag gut frequentiert und<br />
nach der zweiten Haltestelle mussten einige Fahrgäste<br />
im Gang stehen, sich mit einer Hand festhaltend<br />
der einhändigen Bedienung ihrer Smartphones<br />
konzentriert widmend. Die junge Frau verspürte ein<br />
bekanntes Gefühl von Enge, wobei man nicht behaupten<br />
kann, dass es sich dabei um so etwas wie<br />
Klaustrophobie handelte, wohl aber in der Art, die<br />
einem das Zu Nahetreten auf kleinem Raum als<br />
unangenehm erscheinen lassen konnte. Sie schaute<br />
sich um und versuchte, in den Gesichtern der Mitreisenden<br />
Anhaltspunkte für die Einschätzung des<br />
Grundes und damit des Zieles deren Reise abzulesen.<br />
War die Benutzung des Busses beruflich bedingt,<br />
diente sie eher dem Zwecke, in der Stadt einzukaufen,<br />
oder wollte man soziale Kontakte pflegen<br />
und jemanden treffen. Gleichzeitig machte sich<br />
die junge Frau gewissermaßen einen Sport daraus<br />
und taxierte die Menschen, wie sie es häufig zu tun<br />
pflegte, hinsichtlich ihrer, man könnte es so nennen,<br />
gesellschaftlichen Einordnung. Sie hätte sich, darauf<br />
angesprochen, vermutlich gewehrt, in diesem<br />
Fall von Schubladen zu sprechen. Aber ihrem gänzlich<br />
privaten Vergnügen nachhängend, wäre es ihr<br />
egal gewesen, ob man den Begriff Schublade, Leiter<br />
oder Stufe angewandt hätte. Sie fuhr zwar hin und<br />
wieder mit dem Bus, aber auch heute beschlich sie<br />
das Gefühl, sich in einem olfaktorischen Bad in der<br />
Menge zu befinden. Nicht, dass jeglicher Geruch,<br />
den die sie umgebenden Menschen verbreiteten,<br />
unangenehm oder gar abstoßend zu nennen wäre.<br />
Jedoch führte die Melange aus Parfum, Schweiß<br />
und Alkohol auch zu einer weiter differenzierenden<br />
Einordnungstätigkeit.<br />
Am Bahnhof Weidenau stieg die junge Frau aus,<br />
um in den Bus zur Universität auf dem Haardter<br />
Berg zu wechseln. Der Bus war ebenfalls überfüllt,<br />
und sie konnte sich weiterhin intensiv ihren privaten<br />
Studien widmen. Allerdings hatten sich die Sinnesreize<br />
deutlich gewandelt: Nunmehr waren es eher<br />
die akustischen Emissionen, die sie einzuordnen<br />
versuchte. Ein Wolkenmeer von Unterhaltungen,<br />
Gesprächen per Smartphone, mehr oder weniger<br />
kreativen Klingeltönen sowie nur unzureichend gedämpfter<br />
Musikbeschallung über Kopfhörer drangen<br />
diffus an ihr Ohr. Dazu war ihr die Gelegenheit<br />
gegeben, die aufgenommenen mehrsprachigen Partikel<br />
hinsichtlich ihrer Herkunft sozusagen geographisch<br />
zuzuordnen.<br />
An der Endhaltestelle stieg die junge Frau aus<br />
und hielt zügigen Schrittes auf ein kleines Wäldchen<br />
oberhalb des Universitätskomplexes zu. Während ihres<br />
Studiums war sie des Öfteren hier entlanggegangen,<br />
um ein wenig den Kopf freizubekommen. Sie<br />
schmunzelte, als ihr klar wurde, dass heute ihr Spaziergang<br />
dem gleichen Zweck diente. Der Morgen in<br />
der Firma hatte sie ein wenig aus der Bahn geworfen.<br />
Dazu hatte der übliche Stress des Arbeitsalltages<br />
weniger beigetragen als das Gespräch mit der<br />
Geschäftsleitung, zu dem man sie gebeten hatte. Dabei<br />
war nicht die Tatsache der Einbestellung selbst<br />
irritierend, denn sie hatte das Gefühl, dass die Arbeit<br />
in ihrer Abteilung in den vergangenen Tagen ohne<br />
große Probleme, wenn nicht gar besonders erfreulich<br />
verlaufen war, sodass sie nichts Negatives erwartete.<br />
Nein, es war der lapidare Satz ihres Chefs gewesen,<br />
über den sie jetzt grübelte: „Können Sie sich vorstellen,<br />
die Leitung der Personalabteilung zu übernehmen?“<br />
Sie befürchtete, in ihrer Reaktion nicht gerade<br />
souverän gewesen zu sein, wie es sonst stets der Fall<br />
war, was sogar ihre Kolleginnen bestätigen konnten.<br />
„Bitte geben Sie mir ein paar Tage Bedenkzeit!“, hatte<br />
sie geantwortet.<br />
Und jetzt war sie auf dem Weg zu einem markanten<br />
Siegener Aussichtspunkt, von dessen erhöhter<br />
Position sie sich einen klaren Blick auf die Dinge<br />
erhoffte, so wie der entsprechende englische Begriff<br />
„view point“ mehrere Bedeutungsebenen aufbietet,<br />
die ihr aktuelles Dilemma treffend beschreiben:<br />
Standpunkt, Aussichtspunkt, Sichtweise, Gesichtswinkel<br />
auch waren die Übersetzungsangebote, die<br />
ihr dazu einfielen. Sie passierte das kleine Birkenwäldchen<br />
und stand vor dem letzten, steiler werdenden<br />
Anstieg zum Monte Schlacko, der fast Wahrzeichen<br />
gewordenen ehemaligen Schlackenhalde bei<br />
Weidenau. Als sie oben angekommen war, ließ sie<br />
ihren Blick schweifen über das Hüttental mit seinen<br />
Industriebetrieben und Werkshallen. Ein zufriedenes<br />
Gefühl bemächtigte sie bei dem Gedanken,<br />
wie sie vor Jahren in einem Betrieb dort unten ihre<br />
Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert hatte.<br />
Und nun stand sie hier oben, ausgestattet mit dem<br />
großzügigen Angebot ihres jetzigen Chefs, gewissermaßen<br />
auf der Karriereleiter einen entscheidenden<br />
Schritt nach oben zu machen. Die junge Frau<br />
blickte von hier auf die Industrielandschaft unter ihr,<br />
in der in diesem Moment unzählige Menschen bemüht<br />
waren, auf dem ihnen zugeteilten Arbeitsplatz<br />
als kleines Rädchen im System das große Ganze am<br />
Laufen zu halten.<br />
Sie hatte sich für das Angebot zwar bedankt, jedoch<br />
nicht spontan zugesagt, weil ihr plötzlich ein<br />
Paket voller unbeantworteter Fragen sozusagen vor<br />
die Füße gefallen waren. Was würde ihr Freund sagen,<br />
würde er sich damit arrangieren können, dass<br />
mit der Beförderung künftig nicht mehr an einen<br />
geregelten Acht-Stunden-Tag zu denken war? Würde<br />
es ihre gemeinsame Lebens- und Familienplanung<br />
entscheidend beeinflussen? Was würden die<br />
Arbeitskollegen denken, die sich an eine neue Vorgesetzte<br />
würden gewöhnen müssen? Und sie selbst:<br />
Will sie überhaupt in die anspruchsvollere Position<br />
wechseln? Sie allein hat die Entscheidung in der<br />
Hand, sie muss den Schritt tun. Sie sinnierte an diesem<br />
Ort über das Thema vorhin im Bus: Würde sie<br />
sich bei dem Wechsel auf eine andere Stufe, in eine<br />
andere Schublade der Einsortierung auch selbst<br />
eine Andere werden? Würde sie die Menschen heute<br />
im Bus künftig noch anders betrachten? Würde<br />
sie in ihrer privilegierten Position künftig überhaupt<br />
noch dieses Bad in der Menge nehmen wollen? Und<br />
grundsätzlich: War sie nicht glücklich, wie es im<br />
Moment war? Sie trat einen Schritt vor und hatte<br />
die Abbruchkante des Berges erreicht. In den nächsten<br />
Tagen würde sie dem Chef ihre Entscheidung<br />
mitteilen müssen. Diese nahm in ihren Gedanken<br />
hier oben so langsam Konturen an.<br />
Sie genoss noch einmal den Blick vom Monte<br />
Schlacko, atmete tief ein, war froh, diesen Ort aufgesucht<br />
zu haben, hatte sie doch den Sachverhalt<br />
sozusagen von einer höheren Warte in den Blick genommen,<br />
und trat, mit nunmehr größerer Klarheit<br />
im Kopf, den Rückweg zur Bushaltestelle an. Den<br />
Abstieg bewältigte sie mit einer gewissen Leichtigkeit,<br />
sie empfand ihn in diesem Moment gar nicht<br />
steil, nein, man darf behaupten, auf dem nunmehr<br />
wieder erreichten Niveau des Geländes fühlte sie<br />
sich wohl.<br />
Uli Hoffmann<br />
Hintergrundfoto: Tessie Reeh<br />
38 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 39
Der Traum vom Fliegen<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
Ich sitze auf der Terrasse einer Berghütte. Wir hatten<br />
heute mit einer kleinen Gruppe eine anstrengende<br />
Wanderung. Ich bin angenehm k.o. und genieße ein<br />
eiskaltes Bier. Die Stimmung der Gruppe ist gut. Alle<br />
sind ziemlich ausgelassen, stolz und zufrieden. Wir prosten<br />
uns zu und lassen Teile der Tour immer wieder Revue<br />
passieren. Plötzlich werfen alle die Köpfe nach oben. Ein<br />
Gleitschirmflieger, zum Greifen nah, segelt über uns hinweg.<br />
Der Pilot stößt einen Freudenschrei aus. Man hört<br />
das Rauschen des Schirmes ganz deutlich. Alle Gespräche<br />
sind verstummt und jeder schaut gen Himmel. Das will<br />
ich auch mal! Dort oben ein paar Runden drehen, davon<br />
träume ich schon lange... Der Hüttenwirt bringt eine Brotzeit.<br />
Während wir essen, drehe ich mich immer wieder um<br />
und schaue dem Schirm nach. Erik stößt mich in die Rippen<br />
und meint augenzwinkernd: „Faszinierend, oder?“ Ich<br />
gebe ihm recht und wir genießen den Augenblick.<br />
Abends blättere ich im örtlichen Ferienmagazin. Eine<br />
riesige Werbeanzeige fällt mir ins Auge: „Flieg mit den<br />
Profi’s – Tandemgleitschirmflüge mit dem deutschen<br />
Meister“. Ganz unten ist eine Telefonnummer angegeben.<br />
Später erzähle ich Christa meine Erlebnisse vom Tag –<br />
auch vom Gleitschirmflieger und der Anzeige. „Würde ich<br />
ja auch mal gerne machen“, vertraue ich ihr an. „Ja, dann<br />
los, mach’s doch,“ ruft sie mir zu. „Wenn das so einfach<br />
wäre...,“ denke ich und gehe nach oben zum Schlafen.<br />
Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und blättere<br />
wieder im Magazin und sehe erneut die Anzeige. Kurz entschlossen<br />
nehme ich mein Handy, wähle die angegebene<br />
Nummer und beende sofort wieder die Verbindung. Mein<br />
Herz rast. Ich laufe im Zimmer umher wie ein Tiger im<br />
Käfig. Dann wähle ich erneut. Eine freundliche Stimme<br />
fragt was sie für mich tun kann. Ich stottere mir einige<br />
Wörter und Sätze zurecht. Kurze Zeit später habe ich für<br />
den nächsten Tag gebucht. Sollte mein Traum sich wirklich<br />
erfüllen...? Es sei vollkommen ungefährlich, die Landung<br />
wäre wie ein Sprung von einem Stuhl. Meine Stimmung<br />
verdüstert sich schlagartig. Plötzlich habe ich doch<br />
Zweifel. Ich habe Angst! Soll ich lieber wieder absagen?<br />
Ich ziehe meine derben Bergschuhe und eine Kniebandage,<br />
die ich vorsichtshalber immer dabei habe, an, steige auf<br />
einen Stuhl und springe. Überlebt! Auch nach meinem Gewicht<br />
hatte man mich gefragt. Ich mogelte vorsichtshalber<br />
einige Kilo dazu. Sicher ist sicher! Und ob ich sportlich fit<br />
wäre. Na, wenn der wüsste...! Ich glaube, das ganze Vorhaben<br />
ist doch nicht so eine gute Idee. Ich habe Übergewicht,<br />
Probleme mit den Knien, die ich mir sicher für immer ruinieren<br />
werde. Warum träume ich von so etwas? Zu allem<br />
Unglück soll sich das Wetter auch noch ändern. Obwohl,<br />
vielleicht ist der Flug dann nicht möglich und ich könnte<br />
mich ganz elegant aus der Affäre ziehen.<br />
Inzwischen ist meine gute Urlaubsstimmung hin. Ich beschließe,<br />
einen kleinen Spaziergang zu machen um auf andere<br />
Gedanken zu kommen. Dann erinnere ich mich aber an<br />
einen Zeitungsbericht, den ich mal über’s Gleitschirmfliegen<br />
gelesen habe. Man schrieb von schwierigen Windverhältnissen<br />
und sonstigen Komplikationen. Wahrscheinlich liege ich<br />
übermorgen mit komplizierten Brüchen in einer Spezialklinik...!<br />
Ich breche meine Gedanken ab. Fast am Höhepunkt<br />
meiner Zweifel beschließe ich für mich, mir das Recht he-<br />
rauszunehmen, noch ganz kurzfristig abzusagen. Plötzlich<br />
bete ich, was ich sonst nicht oft tue. Ich bitte um weniger<br />
Angst, mehr Mut und Schutz. Danach fühle ich mich etwas<br />
besser. Aber nicht lange, denn mir wird klar, dass ich immer<br />
nur bete, wenn es brenzlig wird - und Gott vielleicht sauer ist<br />
und er mir doch mal eine Lektion erteilen könnte.<br />
Aber jetzt steht erst mal das Tagesprogramm der Gruppe<br />
an. Abseiltraining für Anfänger! Es geht in dicken<br />
Neoprenanzügen mit Helm und Abseilgeschirr durch eine<br />
Schlucht. An der ersten Abseilstelle hoffe ich, sachte herunter<br />
gelassen zu werden. Fehlanzeige! Man muss sich breitbeinig<br />
mit fast durchgestreckten Knien von der Felswand<br />
weg nach hinten lehnen. NACH HINTEN LEHNEN! Und<br />
das schon über einen ziemlich tiefen Abgrund. Alle haben<br />
richtig Angst. Ich versuche mich etwas weiter nach hinten<br />
zu mogeln. Doch das hilft auch nicht viel, denn irgendwann<br />
bin ich dran. Der laute und zynische Bergführer hat<br />
ständig irgendwelche nervenden Scherze auf den Lippen.<br />
Furchtbar! Für mich ist dieses „nach hinten lehnen“ einfach<br />
nur schlimm. Doch ich habe keine Wahl mehr, weil<br />
der Schinder das Seil langsam, aber stetig nachlässt und<br />
gleichzeitig noch energisch warnt: „Beine durchdrücken<br />
nicht vergessen!“ Es funktioniert tatsächlich. Alle klatschen<br />
als ich unten ankomme. Ich fühle mich fast wie eine<br />
Heldin. Ein Glücksgefühl durchströmt mich. Wir werden<br />
noch einige Male abgeseilt und ich staune über mich selbst,<br />
wie schnell ich mich daran gewöhne. Plötzlich kommt mir<br />
in den Sinn: „Da war aber doch noch was?“ Ja, richtig,<br />
mein Flug morgen. Hoffentlich klappt der auch so gut.<br />
<br />
Ursula D’Amico<br />
Schauerte bringt<br />
Wärme ins Haus!<br />
Heizöllieferungen ins Siegerland und Wittgenstein<br />
· preiswert<br />
· schnell<br />
· zuverlässig<br />
Preisabfrage unter:<br />
<strong>02</strong>723 / 85 09<br />
Albin Schauerte e. K.<br />
Winterberger Str. 83 · 57368 Lennestadt-Saalhausen<br />
40 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 41
Reisen<br />
Besuch in Zagan<br />
Eine Reise in Netphens Partnerstadt<br />
Warum denn immer gleich nach Hawaii, Mexiko,<br />
New Seeland oder die Fidschi-Inseln reisen?<br />
Das Schöne und Interessante liegt praktisch vor<br />
der Haustür. Europa ist noch immer weitestgehend unentdeckt.<br />
Polen wäre z.B. eine Option, denn dieses Land gehört<br />
ebenfalls nach Europa.<br />
Ich habe mich daher sehr gefreut, dass die Netphener Ratsherren<br />
es mir gestatteten, im Herbst 2017 an einer Reise nach<br />
Zagan (Sagan) teilzunehmen, die schon seit 22 Jahren Partnerstadt<br />
von Netphen ist und regelmäßig alle zwei Jahre von<br />
den Netphener Bürgern besucht wird. Im Gegenzug kommen<br />
in den dazwischenliegenden Jahren polnische Menschen aus<br />
Zagan nach Netphen und werden hier willkommen geheißen.<br />
Die Geschichtsschreibung sagt über Zagan folgendes:<br />
Beiderseits des Bober gelegen. Stadtgründung wahrscheinlich<br />
vor 1241, planmäßige Stadtanlage mit rechteckigem<br />
Ring. Rathaus von 1486. Von 1472 – 1548 sächsisch, 1548<br />
habsburgisch, 1742 preußisch, fiel als Lehensfürstentum<br />
1844 an die Herzöge von Talleyrand-Perigord in Paris<br />
(letzte Besitzer bis 1945). Das Besitzrecht war im Versailler<br />
Vertrag ausdrücklich bestätigt worden. Der Herzogtitel<br />
erlosch 1929, die Lehnseigenschaft I 935.<br />
Im Jahre 162l belehnte Kaiser Ferdinand II seinen 1623<br />
in den Fürstenstand erhobenen General Wallenstein mit dem<br />
seit 1397 unabhängigen Fürstentum Sagan. Die kurze Zeit bis<br />
zur Ermordung Wallensteins 1634 in Eger ist für Sagan gekennzeichnet<br />
durch die Errichtung der großzügig geplanten<br />
Georg-Philipp Telemann auf dem Marktplatz in Zary<br />
Schlossanlage von 1627. Darin der Schreibtisch, an dem im<br />
Juni l8l5 die Beschlüsse des Wiener Kongresses unterzeichnet<br />
wurden. Das Schloss brannte nach 1945 aus. Die kostbare<br />
Inneneinrichtung ist nicht mehr vorhanden.<br />
Gotische Stadtpfarrkirche St. Mariä-Himmelfahrt aus<br />
dem 14. Jahrhundert mit dem ersten Blitzableiter in Schlesien.<br />
Tuchfabrikation, Wollspinnerei, Papier- und Glasindustrie.<br />
Sagan wurde am 12.<strong>02</strong>.1945 von sowjetischen<br />
Truppen besetzt und bis zu 55% zerstört. 1939: 22700 Einwohner,<br />
1973: rund 22.000 Einwohner<br />
Johannes Keppler, Mathematiker und Astronom (l571<br />
– 1630) hielt sich vom Juli 1628 bis November 1630 in<br />
Sagan auf und richtete hier 1629 die erste Druckerei ein.<br />
Nach einem Zwischenstopp in der interessanten Porzellan-Manufaktur<br />
Meißen kommen wir gegen Abend in<br />
unserem Hotel ,,Willa Park“ in Sagan an und freuen uns<br />
über das reichhaltige Abendessen, die Willkommensrede<br />
der gastfreundlichen Hoteliersfamilie und über die Honoratioren,<br />
einschließlich des Bürgermeisters.<br />
Der nächste Tag ist Besichtigungen gewidmet. Wir besuchen<br />
den Landschaftspark des Grafen Friedrich von Hochberg<br />
zu Fürstenstein. Er ließ sich von seinen Reisen nach Japan und<br />
Asien inspirieren und dekorierte den Park mit orientalischen<br />
Elementen. Der inzwischen alte Baumbestand wurde aus Samen<br />
außereuropäischer Bäume gezogen. Man scheint sich<br />
hier im Schlesisch-Lausitzer Grenzgebiet gegenseitig inspiriert<br />
zu haben. Schmale Fließgewässer durchströmen den Park<br />
und sind von romantischen<br />
kleinen Brücken überbaut.<br />
Es gibt auch ein Museum<br />
mit Gebrauchsgegenständen<br />
aus vergangenen Zeiten und<br />
wunderschönem Porzellan<br />
in tiefblauem und rotem Design<br />
im nahegelegenen Zary<br />
(Sorau). Hier hat ein polnischer<br />
Künstler an einer Seite<br />
des malerischen Marktplatzes<br />
eine formschöne eiserne<br />
Bank geschaffen, auf der ein<br />
in Eisen filigran geschmiedeter<br />
Georg-Philipp Telemann<br />
mit seiner ebenso filigranen<br />
Viola da Gamba sitzt. Er lädt<br />
förmlich dazu ein, sich neben<br />
ihn zu setzen und nachzudenken<br />
oder seine Musik nachzuempfinden.<br />
Unser Mitreisender<br />
Bernd Heinemann, bekann-<br />
Modell vom Gefangenenlager Stalag Luft III<br />
ter Künstler aus dem Netpherland, hat auch in Zagan Akzente<br />
gesetzt. Von ihm sind u.a, eine Edestahlskulptur Namens „Eisener<br />
Gustav“, der mit seinem rechten, ausgestrecktem Arm<br />
nach Netphen zeigt. Eine Kepler-Bronzeplakette auf einem<br />
Findling, sowie das Jubiläumsbild zum 20jährigen Partnerschaftsjubiläum,<br />
außerdem zwei weitere Bilder im Rathaus.<br />
Am nächsten Tag besuchen wir die Rekonstruktion des<br />
Kriegsgefangenenlagers Stalag Luft III (Stammlager der<br />
Luftwaffe) des deutschen Militärs von 1943. Hier wurden<br />
Hunderte von abgeschossenen alliierten Piloten, die sich<br />
zunächst retten konnten, gefangen genommen und inhaftiert.<br />
Aus dem spektakulären US-amerikanischen Film<br />
,,The Great Escape“ von 1962 weiß man, dass die Gefangenen<br />
das Lager untertunnelten. 600 Gefangene waren an<br />
diesem spektakulären Mammut-Unternehmen beteiligt.<br />
Die Tunnel wurden ,,Tom“ „Dick“ und ,,Harry“ genannt,<br />
Sie brauchen:<br />
400 g Weißkohl<br />
400 g Sauerkraut<br />
10 g getrocknete Pilze<br />
1 Lorbeerblatt<br />
1 gehackte Zwiebel<br />
2-3 Pimentkörner<br />
200 g Schweinefleisch<br />
200 g Kalbfleisch<br />
250 g Knoblauchwurst<br />
50 g Speck fett<br />
100 g Speck durchwachsen<br />
4-5 Backpflaumen oder<br />
4 Fotos: Wikimedia Commons<br />
Kepler war drei Jahre in Zagan<br />
waren neun Meter tief und 110 Meter lang. Der Plan war,<br />
dass 200 Gefangene fliehen sollten, 78 Personen gelang<br />
schließlich in der Nacht vom 24. März 1944 die Flucht,<br />
aber nur drei von ihnen gelangten letztendlich bis nach<br />
Hause, der Rest wurde wieder gefangen genommen und<br />
50 von ihnen auf Befehl Hitlers erschossen.<br />
Wieder zurück in Zagan besuchten wir noch die von einem<br />
polnischen Künstler errichtete übermannsgroße Statue von Johannes<br />
Kepler, Mathematiker und Astronom, der sich 1628 bis<br />
1630 von Prag kommend in Zagan aufhielt und in seinen letzten<br />
Lebensjahren hier die erste Druckerei gründete, um seine<br />
Berechnungen veröffentlichen und verbreiten zu können.<br />
Am Tag der Abreise verabschiedeten uns die Honoratioren<br />
der Stadt mit einem herzlichen Do widzenia (auf<br />
Wiedersehen). Der Gegenbesuch in Netphen hat in diesem<br />
Monat stattgefunden.<br />
Erna Homolla<br />
Bigos – ein polnisches Nationalgericht<br />
2-3 TL Pflaumenmus<br />
1 TL Mehl<br />
1 TL Tomatenmark<br />
2-3 EL Schmalz<br />
Zucker<br />
Saure Sahne<br />
Varianten: Mit 125 ml.<br />
Rotwein und einer gehackten<br />
Knoblauchzehe<br />
verfeinern.<br />
Statt Schweine- und<br />
Kalbfleisch Hackfleisch<br />
verwenden.<br />
Den Kohl hobeln. Mit Sauerkraut, Pilzen, Lorbeerblatt, Zwiebeln und Pimentkörnern schmoren. Das Fleisch in<br />
etwa 4 cm große Würfel schneiden und anbraten. Mit dem Kohl mischen und unter ständigem Rühren kochen. Wenn<br />
nötig, Wasser zugießen, jedoch möglichst wenig. Wurst und Speck würfeln, Backpflaumen zugeben. Weiterkochen, dabei<br />
ständig rühren. Mehl und Tomatenmark in Schmalz anbraten salzen und dem Bigos beifügen. Mit Salz Pfeffer und<br />
Zucker abschmecken. Kalt stellen und vor dem Servieren erhitzen. Mit einem Teelöffel saurer Sahne garnieren.<br />
Bigos ist seit Jahrhunderten eines der typischen Gerichte Polens, wenn nicht gar das Nationalgericht. Jeder Haushalt,<br />
ob in Kaschubien, Masowien oder beim Bergvolk der Goralen ,,hütete“ sein Rezept. Bis heute existieren zahlreiche<br />
Variationen des beliebten, herzhaften Gerichtes. Bigos wird mehrere Tage vor dem Servieren gekocht und, bevor es<br />
heiß auf den Tisch kommt, mehrmals aufgewärmt. Zubereitungszeit ca. drei Stunden<br />
42 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 43
Abenteuer in Europa<br />
Eine Reise zu den äußeren Hebriden<br />
Damals in den 80-er Jahren fuhr ich einen SEAT<br />
Marbella. Man konnte mit ihm ganz sicher keine<br />
Schönheits-Konkurrenz zu gewinnen, aber er hatte<br />
Ähnlichkeit mit einem robusten ,,Packtier“. Durch Umklappen<br />
der Hintersitze erzielte man eine größere Ladefläche<br />
und ich hatte damit schon allein einen ganzen Umzug<br />
in eine neue Wohnung hinter mich gebracht und unzählige<br />
Bausteine, Gartenerde und Rindenmulch transportiert.<br />
Außerdem war mein ,,Packtier“ schmal gebaut. Er würde<br />
sich sicherlich für die oft engen Straßen in Großbritannien<br />
eignen. So tat ich mich - wie jedes Jahr während des Jahresurlaubes<br />
- mit meiner Freundin Hilda aus dem Züricher<br />
Oberland zusammen, um einen neuen für uns noch unbekannten<br />
Teil der britischen Inseln kennenzulernen.<br />
Seit unserer Sommersaison in North-Devonshire Ende<br />
der 50er Jahre waren wir große Fans des Landes geworden,<br />
und durch Kostenteilung waren diese Reisen auch günstig.<br />
Ich war für alle Aufgaben, die mit dem Auto zu tun hatten,<br />
zuständig und Hilda war Verpflegungsmeisterin und Quartiermacherin.<br />
Über Dover fuhren wir durch Cambridge,<br />
den Hadrians-Wall, über die Insel Skye immer weiter nördlich,<br />
bis wir dem Abfahrtshafen zum Übersetzen auf die<br />
Inselgruppe der Hebriden erreichten. Wir zahlten damals<br />
schon die stattliche Summe von DM 400 für das Übersetzen,<br />
eine Summe, die andere Touristen offensichtlich<br />
scheuten. Deshalb waren wir dort fast allein unterwegs, die<br />
schmale Straße<br />
quer durch die<br />
Inseln hätte auch<br />
nicht viel Verkehr<br />
zugelassen.<br />
Zu beiden Seiten<br />
der Straße sah<br />
man Schafsweiden,<br />
die von einem<br />
niedrigen<br />
Das Urlaubsauto<br />
Wall aus Steinen<br />
eingegrenzt waren. Trotzdem hatten es lämmerführende<br />
Schafe geschafft, über diesen Wall zu klettern und an den<br />
Straßenrändern weiterzuweiden, wohl nach dem britischen<br />
Sprichwort, dass in der Nachbarschaft das Gras immer<br />
noch grüner zu sein scheint. Wir fuhren daher vorsichtig.<br />
Die Äußeren Hebriden bestehen aus sieben Inseln, wovon<br />
die Inseln Lewis und Harris die größten und wichtigsten<br />
sind. Auf der rechten, der Nordsee zugewandten Seite,<br />
gibt es einen schmalen Sandstreifen, auf dem im Juni die<br />
Ringelrobben ihre Jungen zur Welt bringen, auf der linken<br />
Seite, dem Atlantik zugewandten Seite besteht der Strand<br />
aus rund gewaschenen Steinen (Pebbels). Hier bringen die<br />
Weddelrobben im August ihren Nachwuchs zur Welt. Die<br />
Bevölkerung der Hebriden spricht nur mit den Touristen<br />
oder Geschäftsreisenden der Insel Harris Englisch, untereinander<br />
wird noch gälisch (keltisch) gesprochen, wie vor<br />
tausenden von Jahren. In dieser Sprache heißen die Robben<br />
,,Menschen der Meere“. So sehen sie auch aus, wenn<br />
sie mit ihren runden Köpfen und den großen Augen aus<br />
den Fluten auftauchen.<br />
Auf den großen Inseln sieht man beim Vorbeifahren<br />
auch Steinkreise, die aber kleiner sind als z.B. die in<br />
Stonehenge. Dies sind vorchristliche Heiligtümer aus der<br />
Zeit der Kelten. Wir haben noch bewohnte, uralte Lehmhäuser<br />
gesehen in denen Menschen und Tiere unter einem<br />
Dach lebten. Die Dächer waren aus langgewachsenen, zu<br />
Zöpfen geflochtenem Heidekraut gedeckt die über die Dächer<br />
gelegt an schwere Steinen geknüpft wurden, so dass<br />
sie vor Sturm gesichert waren. Einen Schornstein gab es<br />
nicht. Kochdünste der Rauch des Feuers mussten durch<br />
das Dach entweichen. Vom Deckenbalken hing eine eiserne<br />
Kette, daran ein eiserner Kessel. Auf dem gestampften<br />
Lehmboden wurde ein Torffeuer zum Kochen entzündet.<br />
Im gleichen Raum befanden sich drei größere Alkoven,<br />
in denen mehrere Menschen schlafen konnten. Beleuchtet<br />
wurde der Raum mit einer Carbid-Lampe. In diesem diffusem<br />
Licht wurde die Schafwolle gesponnen und Pullover<br />
in traditionellen Mustern gestrickt. Der Stall war mit einer<br />
halben Wand abgeteilt. Dort hörte man die Kühe rumoren.<br />
Sie dünsteten Wärme aus und ,,beheizten“ damit auch den<br />
Wohnraum. Hühner gingen durch eine Klappe ein und aus<br />
und legten ihre Eier überall hin.<br />
Wir näherten uns nun der Insel Harris, wo wir bei der<br />
Produktion des berühmten Tweed-Stoffes zusahen. Die geschorene<br />
Wolle wurde mit Naturfarben gefärbt. Von jeder<br />
Farbe wurde ein kleiner Teil abgezupft und zu einem Faden<br />
gesponnen. Es folgte das Weben auf einem Webstuhl.<br />
Das Tuch wurde zu Stoffballen aufgerollt. Auf der Weiterfahrt<br />
entdeckte Hilda ein Schild mit der Aufschrift ,,Bed<br />
& Breakfast“. Wir klingelten und freuten uns, dass noch<br />
ein Zimmer frei war. Am nächsten Morgen wurden wir mit<br />
einem frugalen Frühstück überrascht Es bestand aus dem<br />
üblichen Tee, einem Porridge und danach aus einer Scheibe<br />
eines undefinierbaren<br />
,,Etwas“. Erst sehr<br />
viel später erfuhren wir,<br />
dass es sich um Haggis<br />
gehandelt hatte, also um<br />
Schafsinnereien in einer<br />
Schafsblase gekocht,<br />
eine typisch schottische<br />
„Haggis“, eine Spezialität Spezialität.<br />
Unsere ,,Expedition“<br />
über die Inseln ging weiter. Wir wollten uns eine Ausstellung<br />
ortsansässiger Künstler ansehen. Leider war sie<br />
geschlossen. Wir kamen an einem Bistro vorbei, das war<br />
ebenfalls geschlossen. Durch eine große Scheibe sahen wir<br />
ungewöhnliche Bistro-Tischchen. Sie bestanden aus Unterteilen<br />
von Nähmaschinen mit ovalen Tischplatten. Jetzt<br />
realisierten wir, dass Sonntag war. Endlich sahen wir eine<br />
zur Seite geschobene Glastür und einen Billiardtisch. Wir<br />
fragten, ob wir hier Tee trinken könnten. Ein junger Mann<br />
bat uns, hereinzukommen und stellte sich als Malcolm vor.<br />
Sofort kam die Frage, die überall in Great Britain gestellt<br />
wird: „Where do you come from?“. Als wir ihm erzählten,<br />
wir kämen aus der Schweiz und aus Deutschland, freute er<br />
sich sehr über die Begegnung mit uns. Er erzählte, dass er<br />
erst kürzlich aus Norddeutschland zurückgekommen sei,<br />
wo er bei der britischen Armee gedient habe. Das sei die<br />
schönste Zeit seines Lebens gewesen, schwärmte er. Man<br />
könne dort so frei leben. Sogar an Sonntagen hätten Cafés<br />
und Restaurants geöffnet. Das sei hier auf den Hebriden<br />
nicht der Fall. Man lege großen Wert darauf, dass der „Tag<br />
des Herrn“ geehrt werde. Deshalb seien ständig mittelalterliche,<br />
dunkel gekleidete Damen, die der Kirche nahestehen,<br />
unterwegs, um die Menschen daran zu erinnern. Seit<br />
seinem Aufenthalt in Deutschland ließe er sich aber nicht<br />
mehr einschüchtern und öffne sein Lokal trotzdem. Inzwischen<br />
war seine Mutter hinter der Theke hervorgekommen<br />
und brachte eine große Kanne Tee mit dem dazugehörigen<br />
Kännchen Wasser, Milch und Zucker. Sie hatte auch frische<br />
Scones gebacken, die sie nun butterte und mit einem<br />
Reisen<br />
Auf den größeren Inseln der Hebriden sind Steinkreise<br />
aus der Zeit der Kelten zu finden.<br />
Schälchen Strawberryjam (Er<strong>db</strong>eer-Marmelade) an den<br />
Tisch brachte. Wir freuten uns, dass wir unsere Lebensgeister<br />
auffrischen konnten.<br />
Hilda erzählte Malcolm,<br />
dass sie Ende der 50er Jahre etwas<br />
Ähnliches erlebt hatte. Da<br />
sei sie mit ihrem Freund durch<br />
Irland gereist. Und weil es praktisch<br />
war und in der Schweiz<br />
jedenfalls nicht verboten, habe<br />
sie eine lange Hose getragen.<br />
Da sei sie mehrfach unterwegs<br />
angespuckt worden. Für die Damen<br />
in Irland war das Tragen einer<br />
langen Hose eine Sünde und<br />
deshalb verpönt. Wir hatten uns<br />
mit Malcolm und seiner Mutter<br />
angeregt unterhalten und wurden<br />
nun herzlich verabschiedet<br />
und gebeten, doch mal wiederzukommen.<br />
Schon als wir das<br />
Lokal betraten, befand sich kein<br />
Old Man of Storre<br />
Innere Hebriden<br />
anderer Gast darin. Während unseres Besuchs hatte sich<br />
daran nichts geändert. Vielleicht ließen sich die Anwohner<br />
weiterhin von den Sittenwächterinnen einschüchtern.<br />
„Andere Länder, andere Sitten“. Erna Homolla<br />
44 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 45
Kultur – Reisen<br />
Denk ich an<br />
Düsseldorf…<br />
Werbung ist überall in der Stadt der Kreativagenturen, hier ein Bauzaun am Corneliusplatz<br />
Stadt zwischen Kunst und Kommerz, Glamour und<br />
Gentrifizierung, Punk und Politik, Regierungssitz von<br />
Nordrhein-Westfalen und „Schreibtisch des Ruhrgebiets“<br />
denken die einen. Andere an die verrückten 60iger<br />
Jahre rund um die Kunstakademie am Rhein. Oder an die<br />
vielen Bettler „Haste mal nen Euro?“, die man nicht übersehen<br />
kann. Oder doch Schickimicki am Rhein? Alles prägt<br />
die Stadt. Aber am typischsten ist und bleibt immer wieder<br />
die Kö, also Königs- oder Kastanienallee, der fast ein Kilometer<br />
lange elegante, urbane Boulevard. Anstelle der alten<br />
Stadtbefestigung wurde die Allee seit 18<strong>02</strong> mit dem großzügigen<br />
Stadtgraben in der Mitte von Architekten, Garten- und<br />
Wasserbaumeistern angelegt. Besonders schön zeigt sich<br />
die prächtige Flaniermeile im Frühjahr, wenn die Kastanien<br />
blühen. Hier trifft man alle: Manager, Banker, Playboys und<br />
Heiratsschwindler. Models, Hipster und Alternative, Bettler<br />
und „Penner“*. Und nicht zu vergessen: Blondinen, natürlich<br />
mit Sonnenbrille, die in High Heels und in den gewagtesten<br />
Outfits die Luxusmeile entlang stöckeln, vielleicht<br />
mit einer handgefertigten Edel-Tasche am Arm, aus der ein<br />
winziger Chiwawa schaut, neugierig wie Frauchen: Sehen<br />
und gesehen werden! Nicht zu vergessen, Düsseldorf war<br />
mit der IGEDO und CPD lange Modehauptstadt in Deutschland.<br />
Und manche, gerne auch aufgehübschte Senioren, sind<br />
auch heute noch im Achtzigerjahre-Look unterwegs. Männer<br />
im Blazer mit Goldknöpfen, Slipper mit Bommeln, im<br />
Sommer das rosa Poloshirt mit hochgestelltem Kragen,<br />
Frauen im perfekten Kostümchen mit Perlohrringen und in<br />
Lackschuhen.<br />
Mittendrin auf der Shoppingmeile vor der Kö-Galerie<br />
aber sitzt „Kö-Peter“ mit seiner Hündin Kira auf Decken<br />
mit seinem Trekkingrucksack. Er hat für jeden ein offenes<br />
Ohr, Tipps und weiß fast alles. Seit 30 Jahren sitzt Peter<br />
Otte hier und liebt sein Düsseldorf und die Menschen in<br />
Düsseldorf. Er ist der bekannteste Bettler der Stadt. Ein<br />
echtes Original. Der 72-Jährige schläft im Freien oder bei<br />
Kumpels, langsam wird es Zeit für eine feste Bleibe. Dieses<br />
Problem hat er wie viele Obdachlose oder Penner, wie man<br />
hier sagt. Anlaufstelle für sie ist ein Gebäude des Rathauses<br />
vorn am Rhein. Hier gibt es Rat, eine Dusche und ein<br />
warmes Essen.<br />
Auf der Uferseite direkt am Kö-Graben, über den wunderschöne<br />
Brücken mit Schmiedeeisen im Jugendstil führen<br />
- etwa die Girardet-Brücke - sieht man die Öko-Düsseldorfer<br />
im Allwetterparka mit dem Fahrrad vorbeirauschen.<br />
Bänke laden zum Verweilen ein, zum Picknick mit einem<br />
Coffee to go. Man kann so schön die Prunkmeile aus der<br />
Distanz und die Menschen dort beobachten. Manchmal im<br />
Sommer schieben sich dort wahre Menschenmassen vorbei,<br />
um hier die Atmosphäre von "klein Paris" zu genießen.<br />
Auf der anderen Kö-Seite geht es meistens gediegener<br />
zu: Banken wohin das Auge reicht, Wirtschaftsprüfer, Anwälte<br />
oder Steuerberater und ein Verlag haben hier ihr Domizil.<br />
Früher oder vielleicht heute noch waren hier zu bestimmten<br />
Zeiten auch die "Bordsteinschwalben" unterwegs.<br />
Gleich um die Ecke steht der Breidenbacher Hof, eine der<br />
ersten Adressen der Stadt. Hier wohnten die Rolling Stones<br />
letztes Jahr im Oktober während ihres Open Air Konzerts<br />
in der Esprit-Arena. <strong>2018</strong> bevorzugte das deutsche Fußball-<br />
Nationalteam als Quartier das neue Hyatt-Hotel mit der angesagten<br />
Bar „Pebbles“ im Medienhafen.<br />
Der Jugendstil ist in der Düsseldorfer Architektur noch<br />
immer sichtbar. Der Kaufhof am Cornelius-Platz, der Stahlhof,<br />
Bürgerhäuser in Oberkassel oder Mietshäuser neben<br />
dem immer noch angesagtem Bistro “ Zicke“, die nur dank<br />
einer Bürgerinitiative erhalten werden konnten. Überhaupt ist<br />
Gentrifizierung** ein großes Problem – wie in allen Metropolen.<br />
„Bezahlbarer Wohnraum“ ist ein weiter Begriff. Auf<br />
der Strecke bleiben viele der alteingesessenen Düsseldorfer.<br />
Im neuen Medienhafen ist nur Platz für boomende Start-<br />
Ups, Werbeagenturen und Edelgastronomie. Für erfolgreiche<br />
Newcomer oder „altes Geld“, die sich solche Mieten<br />
oder Eigentumswohnungen leisten können. Man denkt an<br />
die Entwicklung in Hamburgs Hafen-City. Den Auftakt der<br />
neuen Entwicklung des alten Düsseldorfer Hafens, der zur<br />
Brache verkommen war das neue WDR-Studio, das in Form<br />
eines überdimensionierten Katamarans am Yachthafen um<br />
1990 gebaut wurde. Gefolgt von einem skurril wirkenden<br />
schiefen Haus von 1998/99 von Frank O. Gehry. Vorher gab<br />
es hier aber auch schon „Geheimtipps“: Das traditionelle<br />
Muschelhaus Reusch hatte eine Dependance eröffnet. Und<br />
Gabriele Henkel, die Frau des Henkel-Chefs, hatte schon<br />
früh den richtigen „Riecher“. In einem alten Speicherhaus<br />
eröffnete die Mäzenin und Netzwerkerin ein Kunstatelier.<br />
Von hier aus bestimmte sie die Zukunft von Düsseldorf als<br />
Kunst-Metropole mit, neben den Galeristen und vor allem<br />
neben dem Geschehen der Kreativen an der Düsseldorfer<br />
Akademie der „Schönen Künste“. So schön waren für viele<br />
die zeitgenössischen Künste nun gar nicht mehr. Denn der<br />
„Guru“ vom Niederrhein, Joseph Beuys, hatte sich hier 1961<br />
– 1972 als Professor eingenistet und die Menschen mit seinen<br />
privaten Mysterien vor Rätsel gestellt, provoziert und<br />
viele überfordert. Die Skandale um seine Fettecke in der<br />
Akademie oder die Badewanne gehören noch heute zu den<br />
Klassikern rund um die Kunst der 70iger und 80iger Jahre.<br />
Diese Objekte wurden nicht als Kunst erkannt und zerstört.<br />
Ein Skandal, der hohe Wellen schlug.<br />
Übrigens der gebürtige Laaspher Otto Piene hatte 1966<br />
in Düsseldorf die Gruppe „Zero“ (Nullpunkt zwischen<br />
deutscher Nazi-Vergangenheit und dem Kommenden in der<br />
Kunst) gegründet, zu der Künstler wie Mack und Uecker<br />
(der mit den genagelten Gebilden) gehörten, die eine reduzierte,<br />
eher abstrakte Kunst entwickelten. Das "Creamcheese"<br />
in der Altstadt war ihr Treffpunkt. Ein abgefahrenes<br />
Lokal mit Dancefloor für Künstler und Intellektuelle. Die<br />
Künstler der "Zero-Gruppe" gaben dem Lokal dem Zeitgeist<br />
entsprechend den Look mit ihren abstrakten Kunstobjekten.<br />
Man fühlte sich dem New Yorker Andy Warhol ganz<br />
nah. Auch Josef Beuys, „der Mann mit Hut“ gehörte zu den<br />
Gästen. Er machte das Lokal zur Bühne für seine Aktionen.<br />
Im Herzen der Altstadt liegt ein weiterer Publikumsmagnet:<br />
Der Carlsplatz. Der ehemalige Wochenmarkt ist zu einer<br />
festen Institution und zum Treffunkt geworden. Neben<br />
4 Fotos: Tessie Reeh<br />
Blick aus dem alten Landtag auf den „Schwanenspiegel“<br />
den Produkten der heimischen Bauern aus dem Vorort Kappeshamm<br />
(also Kappes bedeutet Kohl) werden inzwischen<br />
auch feinste Leckereien bester Qualität aus ganz Europa verkauft.<br />
Statt der alten Kaffe- und Reibekuchenbuden gibt es<br />
immer mehr Stände der Edelgastronomie. Und es ist geplant,<br />
Französisches Flair bietet das „Bistro Zicke“ an der Altstadt<br />
weitere Flächen zwischen den Pavillons und den Marktgängen<br />
zu überdachen, um den Markt wetterfest zu machen. Vor<br />
allem am Samstagmittag ist es für viele Düsseldorfer und<br />
Besucher Pflicht, über den Carlsplatz zu schlendern. Und<br />
Girardet-Jugendstilbrücke von 1905 über dem Kö-Graben<br />
46 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 47
Sommerfeeling am Rheinufer<br />
hier einen Cappuccino oder ein Alt zu trinken. Getreu dem<br />
Motto: Sehen und gesehen werden! Gleich um die Ecke<br />
liegt die Altstadt mit der legendären „längsten Theke der<br />
Welt“. Doch die Kneipenmeile ist für Insider schon lange<br />
nicht mehr attraktiv. Es ist zu voll, zu laut, zu unsicher geworden.<br />
Alteingesessene Brauhäuser und Treffpunkte sind<br />
verschwunden. Touristen werden abgezockt.<br />
Aufreger gab es schon immer. Als Ende der 60iger Jahre<br />
das neue Schauspielhaus von Architekt Bernard Pfau<br />
zwischen dem Dreischeibenhaus und Hofgarten gebaut<br />
wurde, gab es einen „Shitstorm“ wie wir heute sagen würden.<br />
Auch dieses Gebäude ist nun in die Jahre gekommen<br />
und wird runderneuert.<br />
Denn Düsseldorf erneuert sich ständig. Auch heute stolpern<br />
viele Besucher an Sicherheitszäunen und monströsen<br />
Baugruben entlang. Entweder wird wieder eine neue U-Bahn-<br />
Linie oder ein neuer Gebäudekomplex gebaut. Der neue Kö-<br />
Bogen am Hofgarten sorgt nun seit einigen Jahren für weltstädtisches<br />
Flair. Der Architekt Daniel Libeskind brachte mit<br />
Foto: Hartmut Reeh<br />
einer besonderen Fassadentechnik „schwebende Gärten“ nun<br />
auch an den Rhein. Ein Leuchtturmprojekt – wie so viele.<br />
Der alte Hafen wurde zum Objekt der Begierde von globalen<br />
Investoren. Zwischen 1981 und 1988 entstand das neue<br />
Landtagsgebäude von NRW am Rhein, das das alte "Ständehaus"<br />
am Schwanenspiegel - ein romantischer Teich - mit<br />
Park ablöste. Das Gebäude, Ende des 19. Jahrhunderts im Stil<br />
der italienischen Renaissance erbaut, wurde nach dem Umzug<br />
des Landtags modernisiert und erhielt die spektakuläre Glaskuppel.<br />
Heute ist hier das " K 21", ein Museum für moderne<br />
Kunst, und eine exquisite Bar untergebracht. 1993 wurde die<br />
Rheinuferstraße in den Untergrund verlegt. Der Rheinufertunnel<br />
eröffnete den Ausbau des Flussufers zum Treffunkt,<br />
zum Verweilen und Flanieren am Rhein. Die Rheintreppe vor<br />
Schlossturm und Lambertus-Kirche wurde angelegt. Bis heute<br />
der Treff für Jung und Alt mit dem schönsten Rheinblick<br />
und Sonnenuntergang. Abends geht hier die Post ab mit Junggesellenabschieden<br />
und Abi-Feiern, aber auch ohne Motto,<br />
jede Gelegenheit gilt es in Düsseldorf zu feiern.<br />
Also wie ist es mit dem Ruf der Düsseldorfer? Sie gelten<br />
als arrogant, überheblich und oberflächlich. Viel Schau<br />
und nichts dahinter! Ja klar, die gibt es auch. Düsseldorfs<br />
Oberbürgermeister Dirk Elbers wehrte sich gegen den Ruf<br />
einer Stadt, die nur reich, schuldenfrei, schickimicki oder<br />
gar spießig sei. Denn daneben gibt es ja auch die Kritischen,<br />
Unangepassten, Kreativen. Erfolgreiche Unternehmer, Forscher<br />
und Wissenschaftler. Musiker wie der Punk Campino<br />
oder Marius Müller-Westernhagen prägen bis heute den<br />
Mix des Sounds of Düsseldorf. Scharfzüngige Kritik ist seit<br />
Heinrich Heine hier zu Hause. Die wurde von den Kabarettisten<br />
Lore und Kai Lorenz im „Kommödchen“ und heute<br />
von Dieter Nuhr oder Jacques Tilly, dem bissigen Designer<br />
der Düsseldorfer Karnevalswagen, fortgeführt.<br />
Düsseldorf – eine Stadt der Kontraste: prickelnd wie<br />
Champagner, aber auch scharf wie Düsseldorfer Löwensenf.<br />
<br />
Text und Fotos: Tessie Reeh<br />
* „Penner“ war in Düsseldorf ein durchaus üblicher Begriff für Stadtstreicher, die auch mal<br />
Wir saßen auf der Terrasse, die Sonne schien, wir<br />
chillten und klönten, als Frau Gerhard in die<br />
Runde rief: „Wisst ihr was?! Ich könnte gerade<br />
mal in den Urlaub fahren!“ „Ja“, sagte ich, „ist doch kein<br />
Problem! Wir haben Fantasie und wünschen kann man alles.<br />
Wo wollen wir denn hin?“<br />
Wir überlegten und kamen zu dem Entschluss, dass es<br />
die Nordsee werden soll. Wangerooge! Autofrei und nicht<br />
so groß. Das nächste Problem war auch schnell gelöst. Ein<br />
Koffer für zwei Leute, die Kleidung knapp bemessen. Wir<br />
würden ja nur schönes Wetter haben! Die Badeanzüge ziehen<br />
wir zu Hause schon an, zwecks Platzersparnis. „Die<br />
ändere ich vorher aber noch ab! Ich öffne sie im Schritt<br />
und nähe praktische Druckknöpfe dran, falls wir auf der<br />
Hinfahrt mal aufs Klo müssen“, merkte Frau Schmiedel,<br />
die ehemalige Näherin, aufgeregt an. Wir überlegten weiter:<br />
Die Rollstühle bleiben zu Hause, Toilettenstühle sind<br />
praktischer. „Ja gut, dass wir in Deutschland bleiben, in<br />
Frankreich muß man ja im Stehen Pipi machen“, warf Frau<br />
Sebastian ein. „In Venedig auch!“, rief Frau Burger, „da<br />
dauert es immer so lang bis es läuft!“<br />
Es wurde beschlossen, dass wir mit dem Zug fahren. Einen<br />
ganzen Waggon nur für uns. Das erste Ziel soll Harlesiel<br />
Geschichte aus dem Altenheim<br />
Ein<br />
gewöhnlicher<br />
Morgen<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
sein und von da aus geht’s mit der Fähre weiter. Wir stellten<br />
uns vor, wie der Wind unsere Haare zerzaust und hörten im<br />
Geiste die Möwen schreien. Da die Insel autofrei ist, werden<br />
wir mit Bollerwagen abgeholt. In einem immer vier Mann.<br />
Die übrigen müssen die Toilettenstuhlfahrer schieben.<br />
Unser Domizil ist eine gaaanz große Ferienwohnung<br />
mit zwei Terrassen, eine mit Ausblick zum Strand, eine zur<br />
Wangerooger Mitte. Das Gelächter war bis hierhin schon<br />
reichlich. Nur unser Lebensunterhalt war noch nicht gesichert.<br />
Dafür entstand folgender Plan: Frau Santor und ich<br />
werden im ortsansäßigen Altenheim arbeiten. Frau Haller<br />
will für alle kochen und abends ein Schnäpschen parat halten.<br />
Frau Burger schlägt vor, dass sie Eis verkauft. Allerdings<br />
will sie 20 Euro pro Kugel nehmen.<br />
„Kann ich doch mit?“, rief Frau Schlegel, sie fühlte<br />
sich erst zu alt für den Ausflug. „Ich singe gegen Geld!“<br />
Also, Frau Schlegel singt. Die anderen Damen wollen vor<br />
Ort was finden. Abends lustiges Zusammensein, Pyjamaparties<br />
und, auf mehrfachen Wunsch: viel Vanilleeis mit<br />
Schokosoße. Die Dauer der Reise soll drei Monate dauern<br />
und jeder kann mit. ...aber das mit dem Eis werden wir<br />
morgen angehen! Treffpunkt: 10 Uhr auf der Terrasse<br />
Eva Schumacher<br />
Testen Sie uns!<br />
Schnuppertag möglich.<br />
Kursana Tagespflege<br />
– Aktiv in Gemeinschaft!<br />
Seit mehr als 30 Jahren steht Kursana für qualitativ hochwertige<br />
Pflege-, Betreuungs- und Serviceangebote. Das Kursana Domizil<br />
Siegen bietet zudem auch die Betreuung von pflegebedürftigen<br />
Tagesgästen und somit Entlastung für pflegende Angehörige.<br />
Kursana Domizil Siegen, Am Witschert 10, 57072 Siegen<br />
Telefon: 0 2 71 . 31 75 - 0, E-Mail: kursanasiegen@dussmann.de<br />
Mein sicheres Zuhause.<br />
48 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 49<br />
90x90_Tagespflege_2c.indd 1 15.<strong>02</strong>.<strong>2018</strong> 09:55:11
Gesundheit<br />
Unterhaltung<br />
Die Schafgarbe<br />
Eine Lanze für unsere Heilkräuter<br />
Mein Großvater väterlicherseits stammte aus Volkholz<br />
im ehemaligen Kreis Wittgenstein. Er war<br />
ein sehr naturverbundener Mensch und schon in<br />
jungen Jahren in`s Siegerland gekommen, weil es im Wittgensteiner<br />
damals für junge Menschen so gut wie keine<br />
beruflichen Perspektiven gab.<br />
Er hatte von seinen Eltern viele Kenntnisse über die<br />
landläufigen Heilpflanzen erfahren, die er sein Leben lang<br />
nach Möglichkeit genutzt hat. Vor 150 Jahren versuchte<br />
man bei Krankheit sich zunächst einmal selbst zu helfen,<br />
denn bei den damals bestehenden sozialen Verhältnissen<br />
war es kostspielig einen Arzt zu konsultieren.<br />
Wir, das heißt meine Eltern, meine beiden Brüder und<br />
ich, wohnten im elterlichen Haus meines Vaters in der ehemaligen<br />
Nordstraße in Geisweid. Wir Kinder hatten den<br />
besten Kontakt zu unseren Großeltern und ich, als der nach<br />
9 Jahren geborene Nachkömmling, hatte natürlich allerwegen<br />
den Vorzug und es gab wohl kein Ereignis im Haus, an<br />
dem ich nicht meinen Anteil gehabt hätte.<br />
So nahm mich mein Opa mit in den Hauberg, auf die Setzer<br />
Wiesen zum Heumachen oder auf das Kartoffelfeld oder<br />
Kornfeld und versuchte dabei, mir sein Wissen über die Natur<br />
weiter zu geben. Ich lernte schon früh die verschiedensten<br />
Heilkräuter kennen, zum Beispiel Huflattich, Rainfarn<br />
oder Schachtelhalm, aber die Pflanze, die mich fast mein<br />
ganzes Leben begleitet hat, war die Schafgarbe.<br />
Im Spätsommer pflückten wir an Wiesenrändern und Feldrainen<br />
die blühende Schafgarbe, die an ihren weißen Blüten<br />
und den kräftigen Stengeln leicht zu erkennen war und brachten<br />
sie nach Hause, wo sie nach leichtem Waschen gebündelt<br />
auf dem „Ollern“ (Hausboden) zum Trocknen aufgehängt<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
wurde. Nach dem Trocknen wurde sie in Tüten oder kleinen<br />
Säckchen verpackt und konnte nun gebraucht werden.<br />
Mein Opa trank den aus den Schafgarbeblüten hergestellten<br />
Tee regelmäßig täglich, während wir ihn nur dann<br />
tranken, wenn wir erkältet waren oder leichtes Fieber hatten.<br />
Zeigte sich nach zwei Tagen keine Wirkung, dann<br />
wurde der für unsere ganze Familie zuständige Hausarzt<br />
Dr.,Zimmermann aus der Zimmerstraße zu Rate gezogen.<br />
Zu ihm hatte ich ein ganz besonderes Verhältnis: Als ich<br />
geboren werden sollte, hatten meine Eltern schon meine<br />
beiden Brüder und sie hatten sich auf eine Tochter vorbereitet<br />
und für einen dritten Jungen keinen Namen bereit. Dr.<br />
Zimmermann, der als Geburtshelfer dabei war, wußte Rat.<br />
Er sagte zu meinen Eltern:“Nennt ihn doch einfach Otto“.<br />
So hatte ich meinen Namen und mit Dr.Zimmermann verband<br />
mich lebenslang ein besonderes Verhältnis.<br />
Als meine Frau und ich geheiratet hatten und wir mit unseren<br />
beiden Töchtern im eigenen Haus wohnten, habe ich immer<br />
noch in jedem Spätsommer Schafgarbe gesammelt und<br />
getrocknet, zuletzt für meine Enkelin Lara, die während ihrer<br />
Ausbildung zur PTA Schafgarbe für ihr Herbarium brauchte.<br />
Nach dem Tode meiner Frau geriet die Schafgarbe in<br />
Vergessenheit, bis ich vor einigen Wochen mit meiner älteren<br />
Cousine über das Altern und die dazugehörigen Krankheiten<br />
sprach und wir auch von unserem Opa sprachen, der<br />
ein Alter von 90 Jahren erreicht hatte, nie krank war und<br />
immer Schafgarbetee getrunken hätte.<br />
Als ich „Schafgarbe“ hörte, ging plötzlich bei mir ein<br />
Licht auf. Sofort setzte ich mich an meinen Laptop und<br />
las im Internet alles über die Heilwirkung der Schafgarbe<br />
nach und dabei entdeckte ich so manche Eigenschaft der<br />
Heilpflanze, die mir früher nicht bekannt war.<br />
Weil das letzte noch im Gartenhäuschen hängende Bündel<br />
zu alt war, holte ich mir in der Apotheke, in der meine Enkelin<br />
als PTA beschäftigt ist, 50 Gramm Schafgarbetee und<br />
begann sofort mit meiner Eigentherapie: Jeden Abend einen<br />
Kaffebecher Tee zum Abendessen. Schon in der ersten Nacht<br />
schlief ich vier Stunden bevor ich zum ersten Male aufwachte<br />
und diese beruhigende Wirkung hat sich bis heute fortgesetzt.<br />
In der Beschreibung im Internet wurde auch von entspannender<br />
Wirkung geschrieben. Ich leide schon seit vielen<br />
Jahren an nächtlichen Muskelkrämpfen beider Oberschenkel.<br />
Seit ich meinen Schafgarbetee trinke, hat sich die<br />
Häufigkeit und die Intensität der Anfälle stark reduziert.<br />
Weil ich ein selbstkritischer Mensch bin, habe ich natürlich<br />
die Wirkung des Tees genau beobachtet und habe<br />
festgestellt, daß die heilende Wirkung keine Eintagsfliege<br />
war, sondern zu einem beständigen Teil meines Lebens geworden<br />
ist und zu meiner Lebensqualität, wenn auch nur<br />
nachts, wesentlich beiträgt. <br />
Otto Schneider<br />
Archibald der Molch<br />
Eine kurze, schmerzliche Freundschaft<br />
Kinder, besonders kleine Jungs finden ja alles, was<br />
in der Natur kreucht und fleucht, ungeheuer interessant<br />
und spannend. Max war auch so ein kleiner<br />
Bube. Jeder Käfer, jeder Wurm wurde genauer unter die<br />
Lupe genommen um zu erkunden, wie er fraß, wie er schlief<br />
oder einfach, auf welche Weise er sich bewegte.<br />
Wir besuchten wieder einmal Tante Grete im Bergischen<br />
Land. In ihrem Garten zwischen den Sträuchern und Büschen<br />
eröffnete sich für Max ein Eldorado mit eigenartigen<br />
Lebewesen. Ganz besonders aber hatte es ihm ein flacher<br />
Tümpel angetan, in dem sich Sicker- und Regenwasser sammelte.<br />
Obwohl ihm das Spielen rund um die Wasserstelle<br />
jedes Mal untersagt wurde, war der Reiz einfach zu groß!<br />
So saß an jenem Sonntag die Familie im Sonnenschein<br />
bei Kaffee und Kuchen, als Max aufgeregt aus dem<br />
Strauchwerk gestürmt kam. Es war unschwer zu erkennen:<br />
Er war am Wasser gewesen und rief: „Guck mal, was ich<br />
gefunden hab“. In seinen matschig verschmierten Händchen<br />
zappelte ein geschecktes Etwas. Oma geriet außer<br />
sich. „Junge, was schleppst du jetzt wieder an! Schmeiß<br />
das Viech in das Dreckloch zurück!“ Enttäuscht und den<br />
Tränen nahe, blickte der Knirps von einem zum anderen.<br />
„Aber es ist doch ein ganz besonderes Tier“, kam es kläglich<br />
zurück. Tante Grete winkte. „Lass mal sehen!“ Auch<br />
Papa und Mama blickten auf das zappelnde Etwas und<br />
stellten fest: „Das ist ein Molch“. „Kann ich ihn mitnehmen?“,<br />
fragte Max. „Aber was willste mit dem Viech und<br />
dann auch noch mitnehmen?“ entrüstete sich Oma wieder,<br />
„kommt ja gar nicht in Frage!“<br />
Geknickt zog sich Max zurück. Tante Grete folgte ihm<br />
augenzwinkernd und kam mit einem Schraubglas in der<br />
Hand, in der anderen einen Büchsenöffner. Sie bohrte Löcher<br />
in den Deckel. Papa riet leise und klammheimlich: „Füll<br />
Wasser aus dem Tümpel rein!“ Max war selig. Während der<br />
Heimfahrt hielt er das Glas ganz fest, und, vor Omas Blicken<br />
geschützt, zwischen seinen Knieen eingeklemmt.<br />
Zuhause wurde das Tier ins Aquarium gesetzt und fühlte<br />
sich zwischen den anderen Fischen scheinbar froh und lebendig.<br />
Feierlich wurde er auf den Namen Archibald getauft.<br />
Jeden Tag bevor Max in den Kindergarten marschierte,<br />
begrüßte er Archibald. Mittags sah er nach ihm und jeden<br />
Abend wünschte er dem glitschigen Freund eine gute<br />
Nacht. So ging es bis zum Donnerstag, da ertönte mittags<br />
ein entsetzlicher Schrei. „Archibald ist weg!“ Sofort setzte<br />
eine Suche ein und wirklich, unter der Couch lag, sich<br />
mühsam windend, der arme Molch. Wir schoben ihn vorsichtig<br />
auf einen Suppenlöffel und setzten ihn wieder ins<br />
Aquarium. Sollte er einen rettenden Sprung aus dem neuen<br />
Gefängnis gewagt haben? Für Max hieß es nun, auch zwischendurch<br />
nach Archibald zu schauen.<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
Doch das nächste Unglück nahte. Es war wieder Wochenende,<br />
als Max jammerte: „Archibald ist schon wieder weg!“<br />
In der Wohnstube krabbelten eine Mama, ein Papa und ein<br />
Kind auf dem Boden herum und suchten, leider vergebens.<br />
„Jetzt wird ihn der Hund gefressen haben“, sagte Papa und<br />
löste mit den Worten bei Max ein entsetztes, schmerzliches<br />
Wehklagen aus. Am Nachmittag schluchzte er immer noch<br />
und stellte plötzlich fest: „Das Aquarium blubbert nicht<br />
mehr“. „Das muss an der Pumpe liegen“ meinte Papa. Und<br />
ja! In der Ansaugleitung hing leblos der arme Archibald. Er<br />
war im Sog umgekommen und verstorben.<br />
In einer ausgeschmückten kleinen Pappschachtel fand<br />
Archibald der Molch eine würdige letzte Ruhestätte im Garten<br />
und war nun „im Himmel“, wie Max es immer gehört<br />
hatte. Drei Tage pflückte er mittags auf dem Heimweg Blumen.<br />
Die dicken Sträuße konnte er kaum in den Händen halten.<br />
Ja, selbst Mamas Geburtstagsstrauß stand plötzlich nur<br />
noch als blütenloses Stilgebilde auf dem Tisch.<br />
Das Schicksal nahm seinen Lauf. Nach der Trauer war<br />
Max allzu sehr von der Neugier gepackt worden. Vier Tage<br />
nach dem tragischen Ende ging er der Sache auf den Grund<br />
und stellte recht ärgerlich und zornig fest: „Archibald sollte<br />
doch längst im Himmel sein! Das stimmt gar nicht! Der<br />
liegt noch in der Schachtel und ... er stinkt auch schon! Das<br />
versteh ich nicht“, sinnierte er weiter und ging dann wieder<br />
mit seinen Freunden spielen.<br />
Mama nutzte den Augenblick. Sie buddelte die Schachtel<br />
aus, entsorgte Archibald in einem Salatblatt auf dem Kompost<br />
und versenkte die leere Schachtel wieder in der Erde.<br />
Max und Archibald fanden endgültig ihren Frieden.<br />
Eva-Maria Herrmann<br />
50 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 51
Mundart<br />
Mundart<br />
Ömweld on Nadurschutz vor 75 Johrn<br />
So oglaublich se och klengt, awer se es wor on vor die<br />
heudige Ömweltschützer unvorstellbar, wie mer domols<br />
met derr Nadur on derr Gesondheid derr Bürger<br />
ömgegange es. Awer et woute och keiner während derr<br />
Nazizit wat dogeje zo säh orer zo do. Die Wirtschaft stonn<br />
em Hinblick ob die Wereraufrüstung no demm Versailler<br />
Verdrach a erster Stell on dä 1936 vam Göring obgestallte<br />
erschte Vierjahresplan wor tonangebend.<br />
E minner Jugendzitt, ech sinn 1930 geborn, gowett e<br />
Geisweid on Klowend 3 Firme, die en Verzenkereei betrewe.<br />
He wurde all Arde va Stohlkonstruktione, Juddelfässer<br />
on allerlei Kleideile zom Schutz gäje Korrosion mit Zenk<br />
öwerzoje. So en Oberflächenschutz wurde on wird och<br />
heut noch zom Onnerschied zo der galvanischen Verzenkung<br />
Feuerverzenkung genannt on wird e nem Zenkkessel<br />
durchgeführd, dä derr Größe va den Werkstöcke entsprecht<br />
Bevor dat awer gemacht werrn konn, moßte a den Deile<br />
die verzenkt wern solle, die sogenannde Walzhutt beseidigt<br />
werrn, domet die Oewerfläche va dä Werkstöcker metallisch<br />
sauber woenne on de Zenk och hehl on net hennerher<br />
werrer abbläerte. Öm dat zo erreiche, moßte die Oewerfläche<br />
va dä Werkstöcker met Salzsäure abgebeitzt wern. on<br />
wurde da ä dä met flüssigem Zenk, dä en Temperatur va<br />
420 Grad Celsius hatte, e dä große Zenkkessel getaucht.<br />
Die Säure verbruchte sich met der Zit on moßde usgeduscht<br />
wern. Aber wohin met der Bröh? Die Lüh wosste<br />
sich zo helfe on growe em Hauberch om Hohe Raih<br />
henner der Höhnerfarm, zwo Löcher e der Wal<strong>db</strong>orm, so<br />
groeß wie en Baugrob vor e noemales Huß on machte<br />
noch en Holzzung drömröm. Dat wor da die „Altsäureentsorgungsanlage“<br />
vor dem Kreech, ogefähr honnert Meder<br />
vam Waldrand endfernd on direkt anem veelbegangene<br />
Spazierwech. Die aale Säure wurde da met nem Perdsfuhrwerk<br />
e nem hölzerne Juddelfaß durch Kloawend tranpordiert,<br />
am Maartplatz vorbie, de heudije Ruhrschtstroße<br />
hoch, durch derr Hoolwech, enem wiere Boje öm de Höhnerfarm<br />
on de Orbstblandasche röm bes nom Beizeloch.<br />
Do moß sich einer mo vorstelln, wat passiert wör, wenn<br />
dat Faß ob eimo odechte wurn wör!<br />
Am Beizeloch wurde da die stengende Bröh einfach<br />
abgeloose, damet se langsam em Borm versickern konn.<br />
Schor va wierem roch mer dä abscheuliche Gestank va<br />
der verbruchte Säure, wo jo och noch dä Rest va der abgebeizte<br />
Walzhutt dren wor on va der dä Borm va dä Growe<br />
ekelerregend ussao. Die Bäum, die öm dat Beizeloch<br />
drömröm stonne, sauje im Sommer schor so us, als wenn<br />
et ald Herwest wör. Et kom och vor, dat die Bröh onnerhalb<br />
va dä Growe usfloss, dat wor da e Richtung Krauseburch<br />
und dat ganze Gröh meterwidd vernichtete, wo se<br />
hinkom. Dä Holzzung dä se öm dat Beizeloch gemacht<br />
hadde, wor schnell va der säurehaltigen Loft so ramponiert,<br />
darre schor baal e sich zosamefel. Et bestonn also keinerlei<br />
Schutz meh, wenn do einer em Düstern durch derr Berg<br />
geng, dä konn doerenn falln.<br />
De meisde Lüh beachde se net, on äre em Nadurschutzjebiet<br />
frejjloufende Hüng „markiern“ höchsdens moal doadrob,<br />
wat mr dä Dierer noch nerremoal veröweln ka. Ech<br />
schwätze loa va Flechten. On wat si Flechten? Ech moßde<br />
mech och obklärn loaße on weiß etzend: Flechten si sojenannde<br />
Dobbelorganismen, d. h. et es en Symbiose, also en<br />
Läwensjemeinschaft döscher ner Alge on nem Pilz. Je meh<br />
Flechten et em Wald göd, öm so jesonder es dat Ökosystem<br />
– sä de Biologen. Et lournt sech moal em Internet noazegugge,<br />
waret doa all vör inderessande Exemplare göd. Ganz<br />
wunderbarer Vertreter der Art görret och bi os em Growejelände,<br />
dat si sojenannde Cladonien. För mech de schüernsde<br />
es ohjefähr 6-10 mm. hoch, on retzerourt jefärwt. Ech ha<br />
se för mech „Korallenflechde“ jenannt, wat nadüerlech net<br />
korrekt es. Cladonia macilenta. Örrer ob dütsch rotfrüchtige<br />
Säulenflechte wör rechdijer. (falls ech mech bi der Veelzahl<br />
net verguggt ha) Wä die eimoal bet obbene Oawe rechdech<br />
jeseh hä, wüerd die nie werrer vergesse. Selbstverschdändlech<br />
bewungern ech och noch veele angern Arte, wie z.B.<br />
deTrompetenflechte, Finger-Becherflechte, Rentierflechte,<br />
Eichenmoos , (es awer kä Moos) on net ze vergesse dat Isländische<br />
Moos. Ääng va ganz wennije bet nem jebräuchlije<br />
dütsche Name. Hiddi Flechte kennt mr och us dr Medizin.<br />
Se hät en schleimlöesende Wirkung on sall god helfe, wenn<br />
mr dr Kich (Hosde) häd.<br />
Mir Jonge verbroochte jo e der domalige Zitt meistens os<br />
Freizeit em Wald, om Rurscht oder om Hohe Raih, awer öm<br />
dat Beizeloch machde mir ömmer en große Bouje, och weil<br />
oos Ellern oos dovor gewarnd hadde, däm Beizeloch zo noh<br />
zo komme. Ech weiß net meh, wie lang dat Beizeloch no<br />
dem Kreech noch existiert hät, awer ech ka mir denke, dat<br />
denn betroffene Firme baal strengere Auflaje vor die Altsäureentsorgung<br />
gemacht wurde. Otto Schneider, Geisweid<br />
Net drob dabbeln ...<br />
Foto: Bruno Steuber<br />
Et lournt sech wüerklech, bim Wandern moal schdoahbliewe,<br />
de Schnudde hale. on ser die verscherene Flechten<br />
moal jenauer azegugge. Em Wanderleed heißdet „Es blühet<br />
im Walde tief drinnen die blaue Blume fein ....“ För<br />
mech schdiert fesde, dat die besungene Blom och rourt si<br />
ka, so wie min „Korallenflechde“, besüngersch, wenn mr<br />
se a nem sonnije Wenderdaach schneebedeggt ah nem ahle<br />
Dännegnutz wie e Postkaardemotiv fotografiern ka.<br />
Dat Glöggsjeföhl es jedenfalls dt selwe!<br />
<br />
Bruno Steuber, Littfeld<br />
Wanderers Klopapier<br />
Ech weiß, mr schwätzt net gern doadröwer,<br />
dat Thema es tabu,<br />
doch wenn ein’m hingeröm lacherich wüerd,<br />
kömmt mr eh Druck em Nu.<br />
Ech stoah em Wald, weiß net wohe,<br />
em Buch kniffdet ganz wahne,<br />
ech moß schwing us dr Botze etz,<br />
dän Rest konnt ihr schur ahne.<br />
Et es bassiert, ech hüche loa<br />
verzweifelt eh de Bösche,<br />
kä Däschedöcher va Babier,<br />
wobet sall ech no wösche?<br />
De Reddung wierst vör minner Nas,<br />
ech bruch se nur ze plögge,<br />
zom reinije, wie’t sech jehört<br />
am ungerm Äng vam Rögge.<br />
Wanderes Klobabier, sech doa,<br />
dat wierst direkt am Wäch,<br />
wä dat net kennt, dä es ze domm,<br />
dä häd da äwe Bäch.<br />
Die Blarer va däm Fingerhot,<br />
got si och Oursezunge,<br />
die helfe mir eh minner Nourt,<br />
jeschafft, et es jelunge,<br />
dä Padde wüerd etz zojedeckt,<br />
mr es jo got erzouwe,<br />
de Pilzesammler macht derbest<br />
öm hiddän Ort eWn Bouwe.<br />
Wat göaw mr för en Wasserklo<br />
em Wald sädde dr Peder,<br />
möchlechst bet föchdem Klobabier –<br />
da göawt kä Umwelttäter<br />
Bruno Steuber, Littfeld<br />
52 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 53
Mundart<br />
Gesellschaft<br />
Stammtischgespräche zum Klimaschutz<br />
Denken erlaubt<br />
Dr Heinz, dr Jost on dr Ingo droafe sech moal werrer<br />
am Stammdesch, on wie dat so giert lällde se<br />
dejsmoal va dr Erderwärmung, vam Afschmelze<br />
der Gletscher, on doava, dat irjendwann dt Münsterland<br />
on angern flache Regioane unger Wasser stoah, wenn dr<br />
Meeresspejjel wierer so ahstijjt. Mir Lettfer brüchde da<br />
nur noch bes noam Westhofener Krüzze ze fahrn öm am<br />
Strand ze lejje. Statt dörch Dännewäller ze wandern, entspann’<br />
mir os da bungerm Kingelsbrich em Schadde va<br />
exodische Palme, on de Wegedarier könne sech da bet Kokosnösse<br />
beschmisse on Sojaburn zöchde. Statt Wisende<br />
am Rothaarsteig wern mr da verlechds Löürwe brölln hörn,<br />
on statt Eichhörncher schwupche Affe dörch de Äsde.<br />
Awer da wur dt Jespräch werrer etwas ernsthafter, on die<br />
drejj froawde sech, wo jeder Einzelne wat do könn’, öm de<br />
Klimakatastrophe obzehale. Se braggezierde, wo mr evenduell<br />
Wasser sparn könn. Bim Bier net, dat woar kloar, awer<br />
zom Beispeel bim Grog. Doa moß zwar Rum re, on Zugger<br />
och, awer net obedingt Wasser. On och bi dr Hygiene könn mr<br />
sparn. Mosse mir da jeden Daach dusche, mänche extrafeine<br />
Lüh sogar mehrmoals? „Mooomendemoal“, öwerläde dr Jost,<br />
„ On wat es bet dä veele Ärwetsplätze bi dr Herstellung va Seife<br />
on Duschgel? On Lidl on Aldi won doch och läwe örrer“?<br />
„Hör doch ob“, räjde sech dr Ingo ob, „Die wonn doch<br />
all ömmer sofort ganze Serie fa däm Müffelzüch verkaufe,<br />
jede Woche bet nem nöjje Jeröch, alles synthetisch, on se<br />
do därwäje so, als öf mir all Drecksöjj wörne. Min Grourßellern<br />
ha sech dusse<br />
om Hoff ah dr<br />
Bompe bet kalem<br />
Wasser on Kernseife<br />
jewäsche, on ha<br />
och net jestonke!<br />
Ech könn jerad eh<br />
de Jucht komme“!<br />
So ging dat hen on<br />
her, bes sogar einer<br />
öwerlähde, öf dat<br />
nüerich wör, dat mr<br />
jeden Daach de Üngerbotze<br />
wierseln<br />
mößde. Ech well<br />
loa net öffendlech<br />
üssern, wä dat sädde,<br />
awer är konnt mirt<br />
glauwe, doanoa ginget<br />
so rechdech zor<br />
Sache. Öm die veele<br />
dütsche Üngerbotze,<br />
on wat so ähnlech<br />
ussüd, dächlich ze<br />
wäsche, moß doch<br />
erschdemoal en Masse Strom erzüjd wern, öm dat die düre<br />
Wäschmaschine at Loufe komme. Fam Wasserverbruch garnet<br />
ze schwätze.Dä ganze Schwachsenn, doa woarne sech<br />
die drejj Schlaumeier endlech moal einich, wüerd os doch<br />
nur va dr Industrie suggeriert, unger däm Deckmandel va<br />
Hygiene on Sauberkeit. Hinger vörjehalener Hand erfuhr mr,<br />
dat dm Heinz sin Frou jedesmoal wenn se bem Auto eh de<br />
Stadt fuhre vörher sin Üngerbotze kontrollierde, öf net en<br />
„ Kondensstreife“ doadren woar. Et könn jo si, dat se moal<br />
veroglöggde, et Krankehus köame, on dat die Unsauberkeit<br />
da ob sie zeröggefeel.....<br />
Awer zerögge zom Klimawandel. Ech seh dat och so, dat<br />
jeder vör sinner Husdör kehr’n , on bi ser selwer bet Energiesparn<br />
afänge sall. Wat dä eine örrer dä anger doa före<br />
Rezept häd, es letztenendes sin äjene Sorj. Öff einer Energiesparlampe<br />
för düres Geld käuft, on hingerher net weiß<br />
wie hä dat Queckselwerzüch doadren rechdich entsorjt, öf<br />
einer sin Üngerbotze drejj Daach ahlöaßt on da zom Fahrrad<br />
botze nömmt, örrer öf en Wiewesmänsche us Sparsamkeit<br />
ären sexy String- Tanga zom Räängmache fa de Zearn benotzt,<br />
es mir doch völlich egal. Ech loaße mech jedenfalls va<br />
dr Werbung on dr Industrie net unger Druck setze!<br />
Sowitt also die Stammdeschparolen. On noam dredde Glas<br />
Bier hanech beschlosse, dat ech mr hiddat Joahr zom Öwe<br />
en bloawisse ( Schalke Farwe) Strandkorf hingert Hus ah de<br />
Lettfe stelln, weil dat bet däm Meeresstrand am Westhofener<br />
Krüzze jo doch noch wat durn ka ... Bruno Steuber, Littfeld<br />
Historische Bilder sind Fenster in Epochen der<br />
Geschichte. Sie geben meist Aufschluss über<br />
politische Verhältnisse, Geistesströmungen und<br />
Veränderungen. Dies gilt insbesondere für politische Karikaturen.<br />
Ein besonders schönes Beispiel ist die Karikatur<br />
„Der Denkerclub“, die im Jahre 1819 entstand und auf die<br />
politischen Verhältnisse des Vormärz, also der Zeit vor der<br />
Märzrevolution 1848/49, anspielt. Gezeigt wird eine Gruppe<br />
von Gelehrten, denen durch die Karlsbader Beschlüsse,<br />
die liberale und nationale Tendenzen im Deutschen Bund<br />
unterdrücken sollten, jegliches Verbreiten ihrer Meinungen<br />
in Wort und Text untersagt wurde. Lediglich das Denken<br />
war ihnen geblieben und so hatten sie sich Maulkörbe<br />
aufgesetzt, damit ihre Gedanken nicht nach außen dringen<br />
konnten. Der an der Wand hängende Wahlspruch des Denkerclubs<br />
lautet: „Wie lange möchte uns das Denken wohl<br />
noch erlaubt sein?“. Eine bissige Satire also auf die Unterdrückung<br />
der Meinungsfreiheit in Deutschland in der<br />
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.<br />
Niemand wird bestreiten, dass sich die Möglichkeiten<br />
der Meinungsäußerung und politischen Willensbildung<br />
seitdem deutlich verbessert haben. Denkerclubs von heute<br />
müssen nicht mehr im Verborgenen ihrer Tätigkeit nachgehen.<br />
Meinungs- und Pressefreiheit werden durch die<br />
Verfassung garantiert, jedermann kann einen Verein, eine<br />
Partei gründen oder ein Volksbegehren initiieren. Und<br />
doch gibt uns die Karikatur heute wieder Anlass, über das<br />
Dargestellte nachzudenken. Besteht nicht<br />
etwa die Gefahr, dass das Nach-Denken im<br />
Politikbetrieb mitunter zu kurz kommt, ja,<br />
schmerzlich vermisst wird? Lösen laufende<br />
Kameras und hingehaltene Mikrofone<br />
bei Politikern nicht einen Reflex aus, der<br />
sie veranlasst, jedwede Gelegenheit beim<br />
Schopfe zu fassen und sich, meist zur eigenen<br />
Profilierung, medial in Szene zu setzen.<br />
Verhalten, das auch in diversen Talkshows<br />
zu beobachten ist. Man wünscht sich, dass<br />
diese Leute sich besser erst einmal in eine<br />
Art Denkerclub wie auf dem Bild zurückziehen,<br />
meinetwegen mit Maulkorb wegen<br />
der Intensität des Denkvorgangs. Erst dann<br />
sollten sie auf die Mikrofone und damit auf<br />
das Volk losgelassen werden. Dies hätte<br />
den Vorteil, dass sich nachher die eine oder<br />
andere Richtigstellung oder gar Entschuldigung<br />
erübrigen würde. Ein substantieller<br />
Denkerclub ist so manchem Gerne-Redner<br />
zu wünschen, in der Hoffnung, dass der<br />
Vorgang des (Nach-) Denkens im Einzelfall<br />
nicht bereits eine Überforderung darstellen<br />
könnte. <br />
Uli Hoffmann<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
Netphen – Deuz – Irmgarteichen<br />
Rudersdorf – Dreis-Tiefenbach<br />
Pohl & Steuber<br />
Klein-Nöh<br />
Beerdigungsinstitut<br />
persönlich - hilfreich<br />
Brauersdorfer Straße 10<br />
57250 Netphen<br />
<strong>02</strong>738 – 6308<br />
Eigene Trauerhalle<br />
54 durchblick 2/<strong>2018</strong><br />
2/<strong>2018</strong> durchblick 55
Gedächtnistrai ning<br />
Lösungen Seite 82<br />
Märchensprüche<br />
Kennen Sie sich in Märchen aus? Um welches Märchen handelt<br />
es sich bei den folgenden Sprüchen? Nennen Sie das Märchen!<br />
1. Annas Mutter hat zwei Töchter: Hanni und ……… ?<br />
2. Ein Mann ist halbnackt und schwitzt inmitten von<br />
vielen Menschen. Trotzdem hat er Handschuhe an.<br />
3. Wieviel mal müssen Sie die „9“ anbringen, wenn Sie in einem<br />
Theater die Stühle von 1 bis 100 durchnummerieren wollen?<br />
4. Frau Müller muss 730,00 Euro bezahlen. Diese Summe soll in<br />
Papiergeld beglichen werden, ohne dass Zehneuroscheine<br />
benutzt werden. Wie kann sie das tun?<br />
5. Wenn Einsteins Sohn der Vater meines Sohnes ist, was bin<br />
ich dann für Einstein?<br />
Trainingsziel: Konzentration, LZG<br />
Foto: Rita Petri<br />
Gleicher Anfang<br />
In der jeweiligen Antwort auf die Fragen<br />
steht das Wort „Brot“ vorne.<br />
1. Wenn man sparen will, muss man ihn „höher hängen“.<br />
2. Im Gefängnis gibt es sie heute bestimmt nicht<br />
mehr zum Mittagessen.<br />
3. Diabetiker zählen sie jeden Tag, damit sie gesund<br />
bleiben.<br />
4. Anderes Wort für erwerbslos, ohne Verdienst.<br />
5. Der Unterhalt wird so genannt.<br />
6. Ein ganzes Brot nennt man so.<br />
7. Hänsel und Gretel streuten sie auf ihrem Weg<br />
aus dem Wald heraus.<br />
8. In Bayern nennt man eine Zwischenmahlzeit so.<br />
Trainingsziel: Wortfindung, Fantasie u. Kreativität<br />
Wer bin ich?<br />
Die Übungen wurden<br />
zusammengestellt von:<br />
Gedächtnistrainerin<br />
Bernadette von Plettenberg<br />
Mitglied im Bundesverband<br />
Gedächtnistraining e.V.<br />
<strong>02</strong>732-590420 E-Mail:<br />
bernadette@plettenberg-struwe.de<br />
Gedächtnistrainingskurse<br />
auf Anfrage<br />
Heinz Erhardt<br />
Hier finden Sie einige Aussagen zum Leben von<br />
Heinz Erhardt. Es gibt drei Möglichkeiten, aber nur<br />
eine ist jeweils richtig. Entscheiden Sie sich!<br />
1. Heinz Erhardt stammt aus<br />
a. Riga<br />
b. Moskau<br />
c. Danzig<br />
2. Heinz Erhardts Lebenslauf hat humoristische<br />
Seiten. So wurde er wegen seiner Vorliebe für<br />
humoristische Gedichte<br />
a. Als Deutschlehrer angestellt<br />
b. Als Buchhalter entlassen, weil er sich immer<br />
verrechnet hat.<br />
c. Als Nichtschwimmer und Brillenträger zur<br />
Marine eingezogen.<br />
3. Sein Enkel, der ebenfalls Schauspieler ist und in<br />
vielen deutschen Filmen mitgewirkt hat, heißt<br />
a. Ebenfalls Heinz Erhardt<br />
b. Marek Erhardt<br />
c. Frank Erhardt<br />
4. Er wurde beim NWDR mit ins Programm<br />
genommen mit seiner<br />
a. 10-Pfennig-Oper<br />
b. 3-Groschen-Oper<br />
c. 1-Euro-Oper<br />
5. Weil er so an Lampenfieber gelitten hat,<br />
soll er der Anekdote nach<br />
a. Auf der Bühne eine Brille aus Fensterglas<br />
getragen haben<br />
b. Sich vor einem Auftritt immer im Bad<br />
eingeschlossen haben<br />
c. Immer zu spät gekommen sein.<br />
6. Einer seiner Filme heißt: Natürlich diese<br />
a. Einbrecher<br />
b. Krankenschwestern<br />
c. Autofahrer<br />
7. Tragisch war,<br />
a. Dass er nach einem Schlaganfall nicht<br />
mehr sprechen und schreiben konnte.<br />
b. Dass er sich bei einem Sturz beide Arme<br />
gebrochen hat.<br />
c. Dass er seine Karriere wegen einer Liaison<br />
mit einer Kollegin beenden musste.<br />
Trainingsziel: Konzentration, Kreativität<br />
56 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 57
Sportliches<br />
Sportliches<br />
Etwas über die Turner, die keine Sportler sein durften<br />
Die Degradierung der Erben Jahns zu einem Fachverband<br />
Turnvater Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852)<br />
Es gab einmal eine Zeit, da war das Turnen in den Augen<br />
der Turner keineswegs eine Sportart. Im Gegenteil, die<br />
Turner blickten eher feindselig auf die Sportler, wollten<br />
mit ihnen am liebsten rein gar nichts zu tun haben. Um dieses<br />
zu begreifen, muss man auf die Anfänge der Turnbewegung<br />
zurückblicken. Fangen wir also an bei Jahn. Bei wem sonst?!<br />
Wenn man vom Turnen spricht, dann kommt man an Friedrich<br />
Ludwig Jahn (1778 – 1852) nicht vorbei. Er ist für die Turnvereine<br />
der verehrte, teilweise vergötterte, zumindest aber mit<br />
einem Glorienschein umgebene „Turnvater“. Und wenn es<br />
ein „Altes Turner-Testament“ gäbe, dann begänne es mit den<br />
Worten „Am Anfang schuf Jahn das Reck und den Barren.“<br />
Als Jahn zum „Schöpfer“ wurde, lagen freilich „lange Irrjahre<br />
und Irrfahrten“ hinter ihm. So jedenfalls beschrieb er<br />
selbst seine ersten drei Lebensjahrzehnte. In der Tat, „Fritz“,<br />
wie er unbedingt genannt werden wollte, war wegen seines<br />
aufbrausenden Temperaments zunächst keineswegs ein Vorbild.<br />
„Was soll aus diesem Kind bloß werden?“, fragten sich<br />
seine Mutter und sein Vater wohl sehr, sehr oft. Dabei hatte<br />
man ihn getreu dem biblischen Vers „Wen der Herr liebt, den<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
züchtigt er“, im elterlichen Pfarrhaus mit viel, viel Liebe erzogen.<br />
Er selbst freilich berichtete - in völliger Verkennung<br />
dieses ehrenwerten Motivs - in seinen späteren Jahren von<br />
einer überaus strengen Erziehung.<br />
Wie dem auch sei – der Pfarrerssohn entwickelte sich als<br />
„kleines Fritzchen“ zu einem regelrechten Tunichtgut. Nach<br />
zahlreichen Raufereien mit Mitschülern, sogar mit Lehrern,<br />
musste er gleich zweimal das jeweilige Gymnasium verlassen.<br />
Ohne Abitur verschaffte er sich dennoch den Zugang zu<br />
verschiedenen Universitäten. Doch auch hier glänzte er eher<br />
durch Raufhändel. Eine der letzten Stationen war Greifswald,<br />
wo er unter falschem Namen auftrat. Nach der Misshandlung<br />
eines Studenten, verbunden mit einer „gotteslästerlichen<br />
Rede“, musste Fritz nicht nur die Universität, sondern auch<br />
noch die Stadt verlassen. Immerhin konnte er so den Beweis<br />
antreten, dass man es im Leben auch als schulischer Versager<br />
und „Bruder Leichtfuß“ noch zu etwas bringen kann.<br />
Die Kehrtwende nahm ihren Anfang während einer Wanderung.<br />
Der mittlerweile 31-Jährige berichtete später, dass ihm<br />
„plötzlich ein Hoffnungsstern aufging“. Es folgten Monate des<br />
Nachdenkens, der Vorbereitung, des Ingangsetzens. Anderthalb<br />
Jahre nach der Sternstunde, im Frühling des Jahres 1811,<br />
geschahen vor den Toren Berlins merkwürdige Dinge. Auf der<br />
„Hasenheide“ ließ Fritz etliche der auch heute noch gebräuchlichen<br />
Turngeräte, vorwiegend Barren und Recke, aufstellen.<br />
Es entstand der erste öffentliche Platz zum „Turnen“. Dieses<br />
Wort für die angedachten Leibesübungen hatte er selbst ergrübelt.<br />
Seine Anstellung als Hilfslehrer in einem Knabeninternat<br />
lag erst wenige Monate zurück. Fritz war redegewandt und<br />
fand die richtigen Worte. Und so begeisterte er trotz seiner<br />
eher geringen Stellung viele seiner Schüler. Gemeinsam mit<br />
etlichen interessierten Studenten wurden sie die ersten Turner.<br />
Was aber war Jahns Triebfeder zum Bau des Turnplatzes?<br />
Es wäre unredlich, wenn an dieser Stelle verschwiegen würde,<br />
dass der Turnvater durch und durch ein Franzosenhasser<br />
war. Der Historiker Gustav Freytag schrieb über die Zeit, in<br />
der Preußen nach den verheerenden Niederlagen bei den<br />
Schlachten von Jena und Auerstedt (anno 1806) gedemütigt<br />
am Boden lag und die Soldaten Napoleons die heimische Bevölkerung<br />
massiv drangsalierten, folgende Zeilen: „Überall<br />
in Deutschland brennt der Hass gegen den fremden Kaiser.<br />
Aber am gewaltigsten ist der Hass in Preußen. Alles Schlechte,<br />
Verdorbene, Frevelhafte, alle Hinterlist und Grausamkeit,<br />
Verleumdung, Tücke und brutale Gewalt wird gallisch und<br />
korsisch gescholten. Wie der wunderliche Jahn nennen den<br />
Kaiser auch andere Eifrige nicht mehr beim Namen, er wird<br />
‚Er‘ genannt, wie einst der Teufel.“<br />
Das Motiv für Jahns Eifer lässt sich aus Vorstehendem<br />
herauslesen. Alles was dazu dient, den unausweichlichen<br />
Schicksalskampf gegen Napoleon erfolgreich zu bestehen,<br />
ist anzupacken. Bestmöglich muss vor allem die körperliche<br />
Verfassung sein. Und es ist ihm völlig egal, wenn ihn die einen<br />
„wunderlich“, die anderen „närrisch“ nennen.<br />
Heute würde man die ersten Turner als „Wehrsportgruppe“<br />
einstufen. Einheitlich in graue Drillichanzüge gekleidet,<br />
übten sie stundenlang. Wasser zur Erfrischung wurde gestellt,<br />
gegessen werden durfte nur trockenes Brot. Jahns lapidare<br />
Begründung: „Wem trocken Brot nicht mundet, hat keinen<br />
Hunger.“ Die umfangreiche Wehrertüchtigung fand ihre Vollendung<br />
im Jahr 1813 während der Völkerschlacht bei Leipzig.<br />
Fritz Jahn und seine „Vaterländischen Turner“ bewährten sich<br />
im Lützower Freikorps.<br />
Wen wundert es da noch, dass Jahn in seiner Turn-Gebrauchsanweisung<br />
„Die Deutsche Turnkunst zur Einrichtung<br />
der Turnplätze“ das „Schießen mit dem Feuergewehr“<br />
als „eine für Jünglinge herrliche Übung“ einstufte?! Überhaupt<br />
sind in diesem Buch eine größere Anzahl Disziplinen<br />
aufgeführt, die man mit dem heutigen Geräte- und Bodenturnen<br />
nicht mehr in Verbindung bringt. Als Beispiele<br />
mögen dienen: Ringen und Gewichtheben, Armbrust- und<br />
Bogenschießen, Speerwerfen, Kugelstoßen, Lang- und<br />
Kurzstreckenlauf (mit und ohne Gepäck), Gehen, Weit-,<br />
Hoch- und Tiefsprung, jeweils mit und ohne Stab. Natürlich<br />
fehlen auch nicht die klassischen Turngeräte wie Seitpferd,<br />
Schwebebaum, Reck, Barren, Kletterstange. Und damit<br />
niemand falsch trainiert, sind alle Übungen mit vielen Variationen<br />
bis ins kleinste Detail vorgeschrieben; alle ohne<br />
Ausnahme müssen mit geschlossenem Mund ausgeführt<br />
werden; beim Laufen sollen lange Atemzüge für „Lauf ohne<br />
Schnauf!“ sorgen.<br />
Zunächst in den Städten rund um Berlin, schnell aber auch<br />
in ganz Deutschland setzte nach den Befreiungskriegen eine<br />
Entwicklung ein, die von Enthusiasmus geprägt war. Jahn<br />
und seine Jünger waren nicht nur mittendrin, sondern auch<br />
außerordentlich erfolgreich in ihrem Bemühen, das Turnen<br />
Ihr Profi für<br />
Komplettbad - Lösungen<br />
und regenerative Energien<br />
Zertifizierter Fachbetrieb<br />
für senioren- und<br />
behindertengerechte<br />
Installationen<br />
als wichtiges patriotisches Anliegen überall zu etablieren.<br />
Mehr und mehr sah man es als Teil der Nationalbewegung an,<br />
die eine freiheitliche Verfassung und die deutsche Einheit als<br />
Ziel hatte. Der Turnplatz diente daher auch zu Versammlungen<br />
und Gedenkfeiern, auf denen politische Reden gehalten<br />
und patriotische Lieder gesungen wurden.<br />
Bevor wir den guten Jahn und sein späteres Schicksal<br />
(dass wegen seiner politischen Aktivitäten unter anderem fünf<br />
Jahre Festungshaft enthielt) verlassen, muss noch etwas - für<br />
unser Thema sehr Bedeutendes - zur Sprache kommen. Erklären<br />
kann man es mit Jahns Bewertung des Dauerlaufs: „Beim<br />
Wettrennen auf Dauer gebührt dem der Preis, der den weitesten<br />
Raum, in der kürzesten Zeit, mit der mindesten Anstrengung<br />
zurücklegt und am Ziele unerschöpft bei guten Kräften<br />
anlangt.“ Das heißt, dass im Ziel untersucht werden musste,<br />
ob der Schnellste tatsächlich noch „bei guten Kräften“ war.<br />
Hatte er sich beim „Lauf ohne Schnauf“ übernommen und<br />
machte einen schlappen Eindruck, dann eroberte ein anderer,<br />
der sich mehr Zeit gelassen hatte, den Preis. Darüber hinaus<br />
spielten zur Ermittlung eines Besten das Körpergewicht und<br />
die Größe eine Rolle.<br />
England wird mit Recht als das Mutterland des Sports bezeichnet.<br />
Von der Insel aus verbreitete dieser sich gegen Ende<br />
des 19. Jahrhunderts über Europa. Wichtigstes Merkmal war<br />
der Gedanke, dass in einem Wettbewerb nur der Beste gewinnen<br />
kann. Darum wurden die Leistungen der Sportler gemessen<br />
und verglichen, es gab Sieger und Platzierte. Das konnte<br />
mal dieser, mal jener Sportler sein. Und genau diese Möglichkeit<br />
machte den Sport, der ursprünglich vor allem als reines<br />
Spiel angesehen wurde, populär. Internationale Wettkämpfe<br />
kamen in Mode, ab dem Jahr 1896 wurden Olympische Spiele<br />
durchgeführt, es wurden Medaillen und Lorbeerzweige für<br />
die Besten der jeweiligen Disziplinen vergeben.<br />
Das Streben nach sportlichen Spitzenleistungen war den<br />
ursprünglich auf Kriegserziehung fixierten Turnern <br />
Kostenlose Beratung vor Ort - unverbindliche Angebotserstellung<br />
58 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 59
Daniel Uhlig von der Siegerländer Kunstturnvereinigung (SKV) am Seitpferd<br />
eher fremd. Messband und Stoppuhr kamen aus dem Ausland<br />
und waren als „undeutsch“ verpönt. „Die Zeit“ schreibt: „Als<br />
die Flut des weltbürgerlichen Sports von der englischen Insel<br />
aus den Kontinent überspülte, suchte die nationalistische Führung<br />
der Turnerschaft in Verboten und Verdächtigungen ihr<br />
Heil. Man warf den Sportlern, die internationale Wettkämpfe<br />
durchführten, ‚Ausländerei‘ vor, ja stellte sogar ihre vaterländische<br />
Zuverlässigkeit in Zweifel. Immer wieder traten Führer<br />
wie etwa Ferdinand Goetz auf, die den Kampf gegen den ‚undeutschen<br />
Sport‘ organisierten.“ Genannter Turnführer Goetz<br />
rief seinerzeit zum Boykott der Olympischen Spiele mit folgender<br />
Begründung auf: „Nur Untreue gegenüber dem Vaterland<br />
und eitle Ruhmsucht kann dazu verleiten, an den mit deutscher<br />
Ehre unverträglichen Spielen teilzunehmen.“ 21 deutsche Teilnehmer<br />
reisten dennoch anno 1896 nach Athen. Weil das Streben<br />
nach Höchstleistungen als gesundheitsgefährdend, unästhetisch<br />
und unsozial eingestuft wurde, erhielten sie hinterher<br />
von der Deutschen Turnerschaft einen Verweis.<br />
Es war ein Schock für das Turnerlager, als zu Beginn des<br />
20. Jahrhunderts ausgerechnet das Militär den Sport als ein<br />
wichtiges Rüstzeug für die Ausbildung der Soldaten entdeckte.<br />
Bei der Armee hatte man erkannt, dass der Gruppenzusammenhalt<br />
durch den Mannschaftssport enorm gestärkt wurde.<br />
Zeitgleich schlossen sich viele junge Männer den allerorten<br />
aufstrebenden Sportvereinen an. Vor allem das Spiel mit dem<br />
Fußball erlebte so einen raschen Aufschwung. Hingegen verloren<br />
die Turnvereine im Gegenzug viele Mitglieder. Wie sehr<br />
dies das Verhältnis der beiden Lager prägte, lässt sich leicht<br />
nachvollziehen. Trotz aller Warnungen und Erlasse der Oberen<br />
gab es dennoch viele Turnvereine, die sportliche Abteilungen<br />
in ihren Reihen duldeten. Als Beispiel möge der TV Jahn<br />
Siegen dienen, bei dem sich im Jahre 1899 eine Fußballabteilung<br />
etablierte, die dem<br />
Deutschen Fußballbund<br />
(DFB) als Fachverband<br />
angehörte.<br />
Das Abraten des Dichters<br />
Joachim Ringelnatz,<br />
der den Fußballsport in<br />
jenen Tagen als eine „seltene<br />
Krankheit“ beschrieb,<br />
blieb vergebens. Er hatte<br />
in einem Spottgedicht<br />
empfohlen: „Ich warne<br />
euch, ihr Brüder Jahns,<br />
vor dem Gebrauch des<br />
Fußballwahns!“ Nach<br />
dem ersten Weltkrieg<br />
verstärkte sich der sportliche<br />
Aufschwung mit der<br />
Gründung vieler weiterer<br />
Sportvereine. Der Mitgliederschwund<br />
und die<br />
Tatsache, dass der Sportgeist<br />
inzwischen auch die<br />
Turnerjugend erfasst hatte,<br />
zwangen die Turnoberen<br />
zum Handeln.<br />
Am 16. Juli 1923 lief der Siegener Herbert Böcher, Mitglied<br />
der Leichtathletik-Abteilung des F.C. Jahn von 1899,<br />
beim Deutschen Turnfest auf der Münchner Theresienwiese<br />
im 800-m-Lauf so schnell wie kein anderer und durfte sich<br />
als Deutscher Meister der Turnerschaft feiern lassen. Um<br />
das Wort „Sport“ zu vermeiden, gehörten bei den Turnern<br />
das Wettlaufen sowie viele andere Wettbewerbe nicht zu den<br />
sportlichen, sondern zu den „volkstümlichen Wettkämpfen“.<br />
Nicht zu übersehen war freilich, dass inzwischen das Sport-<br />
Prinzip auch bei den Turnern eingekehrt war, denn es wurde<br />
nicht mehr wie einst bei Fritz Jahn untersucht, ob der Sieger<br />
im Ziel noch bei guten Kräften war. Ein Jahr zuvor war<br />
Böcher schon Westdeutscher Meister eines Sportverbands,<br />
nämlich des W.S.V. (Westdeutscher Spielverband), über 800<br />
m geworden. Der Jahner ist ein gutes Beispiel für die damals<br />
gegebene Möglichkeit, sich als Mitglied eines Turnvereins<br />
sowohl bei den Turnern als auch bei den Sportlern an Meisterschaften<br />
zu beteiligen.<br />
Dieses Privileg endete am 1. September 1923. Schon Monate<br />
zuvor hatte die Turnerschaft angekündigt, dass Mitglieder<br />
nicht mehr gleichzeitig bei ihnen und in einem Sportverband<br />
tätig sein dürfen. Die Abteilungen, die also zum Beispiel<br />
unter der Regie des DFB ihre Meisterschaftsspiele austrugen,<br />
mussten entweder den Fußballbund oder die Turnerschaft<br />
verlassen. Dieses Vorgehen bezeichneten die Jünger Jahns als<br />
„Reinliche Scheidung“.<br />
Eine nicht geringe Anzahl der Sport treibenden Abteilungen<br />
trennte sich daraufhin von den Turnern. Die Ausgetretenen<br />
gründeten eigene Vereine. So entstand beispielsweise der<br />
FC Schalke 04. Auch die Fußballer des TV Jahn blieben dem<br />
DFB verbunden. Die Folge war, dass der Jahnplatz nun für<br />
sie tabu blieb. Angesichts dessen hoben sie gemeinsam mit<br />
Foto: Siegerländer Kunstturnvereinigung<br />
dem SV 07 Siegen, der auf dem Stadtplatz in der „Schemscheid“<br />
seine Spiele austrug, die „Sportfreunde von 1899 Siegen“<br />
aus der Taufe.<br />
Als Folge der Reinlichen Scheidung gab es nun auch beim<br />
Mannschaftssport einige Jahre lang zwei Deutsche Meister<br />
– einen der Turner und einen des jeweiligen Fachverbands.<br />
1925 beispielsweise hieß der Fußballmeister der Turner<br />
„MTV Fürth“, der des Deutschen Fußballbundes hingegen „1.<br />
FC Nürnberg“.<br />
Als die Nazionalsozialisten die Macht übernahmen, witterten<br />
die Turnfunktionäre „Jahnsche Morgenluft“. Ihr neuer<br />
Führer, Edmund Neuendorff, gelobte Adolf Hitler in einem<br />
Brief, „dass die Deutsche Turnerschaft sich unter ihrer Führung<br />
Seite an Seite neben SA und Stahlhelm stellt.“ Als Unterpfand<br />
wurde 122 Jahre nach Fritz Jahns Bestrebungen auf<br />
der Hasenheide ganz offiziell das Wehrturnen eingeführt. Am<br />
7. April 1933 verkündeten die Nazis den sogenannten „Arierparagraph“<br />
und bereits einen Tag später übernahm der Turnerbund<br />
diesen in seine Satzung. In seiner Publikation „Die<br />
Arisierung des deutschen Sports im Nationalsozialismus“<br />
schrieb der Autor Thyll Warmbold: „Nicht nur das Tempo,<br />
sondern auch die Radikalität, mit der die Turner vorgingen,<br />
suchte ihresgleichen. Schon ein jüdischer Großelternteil genügte,<br />
um ausgeschlossen zu werden.“<br />
Hintergrund der Eile war ein genialer Plan. Neuendorff<br />
beantragte bei der Regierung, den gesamten Sport unter die<br />
Regie der Turnerschaft zu stellen. Die zuvor von ihm öffentlich<br />
an den Tag gelegte Seelenverwandtschaft mit den<br />
Braunhemden schloss ein Scheitern des Plans regelrecht aus.<br />
Stoppuhren und Messbänder wurden vorsorglich schon mal<br />
zertrümmert, auf manchen Sportanlagen demonstrativ Eichen<br />
angepflanzt.<br />
Doch ausgerechnet die derart hofierten Machthaber sorgten<br />
in der Folge dafür, dass sich die Turnoberen ins eigene<br />
Fleisch geschnitten hatten. Rasch waren von den Nazis die<br />
propagandistischen Chancen bei Erfolgen im internationalen<br />
Sport erkannt worden. Dazu standen die Olympischen Spiele<br />
in Berlin vor der Türe. Für Sentimentalitäten war hier kein<br />
Platz. Statt des erwarteten großen Sieges und einer Wiederherstellung<br />
des einstigen Monopols folgte eine Degradierung:<br />
Die Deutsche Turnerschaft wurde 1934 zum sportlichen<br />
Fachverband erklärt und zwei Jahre später formell aufgelöst.<br />
Die von den politischen Machthabern erhofften Erfolge<br />
blieben nicht aus. Bei den Olympischen Spielen 1932 hatten<br />
die Geräte- und Bodenturner noch durch Abwesenheit<br />
Foto: Siegerländer Kunstturnvereinigung<br />
Nachwuchsturner Gabriel Kiess (SKV)<br />
geglänzt, vier Jahre später in Berlin holten sie gleich sechs<br />
Goldmedaillen. Das deutsche „Kunstturnen“ war urplötzlich<br />
führend in der Welt. Die Traditionen aus der Mottenkiste und<br />
die damit verbundenen Engstirnigkeiten schienen endgültig<br />
vorbei zu sein. Doch nach dem Ende der Nazi-Herrschaft<br />
wollten sportfeindliche Turnfunktionäre rund zwei Jahrzehnte<br />
lang in der Bundesrepublik das Rad der Geschichte noch<br />
einmal zurückdrehen. Turnen in sportlicher Vollendung war<br />
nicht erwünscht. „Die Zeit“: „Am krassesten trat die Ablehnung<br />
der Höchstleistung bei der Frauenturnwartin zutage, die<br />
durchgesetzt hatte, dass die Turnerinnen an internationalen<br />
Wettkämpfen überhaupt nicht mehr teilnehmen durften. Nach<br />
ihrer Ansicht war das Frauenturnen, wie es besonders die Russinnen<br />
und Japanerinnen mit ihrem Ballett-Training praktizieren<br />
und dabei am Schwebebalken und Stufenbarren hinreißende<br />
Bewegungsschönheit zeigen, deutscher Art nicht gemäß!“<br />
Inzwischen ist diese „Tragikomödie des deutschen Kleinbürgertums“<br />
(„Die Zeit“) endgültig vorbei. Aus den Geräteturnern<br />
sind allseits bewunderte und international erfolgreiche<br />
Sportler geworden.<br />
Ulli Weber<br />
Ihr Partner fürs<br />
Wohnen und Bauen<br />
60 durchblick 2/<strong>2018</strong>
Hinters Werkstor geschaut<br />
Aus Siegen – Wittgenstein<br />
Das Berleburger<br />
Schaumstoffwerk<br />
Foto: Uli Hoffmann<br />
verlässlicher Service nicht immer zum günstigsten Preis zu<br />
haben ist. „Auch wir stehen regelmäßig vor entsprechenden<br />
Entscheidungen und unsere Wahl fällt gewohnheitsmäßig<br />
zu Gunsten der guten und hochwertigen Produkte aus“, so<br />
verlautet aus der Geschäftsleitung. Nicht zuletzt deshalb haben<br />
sich die Berleburger Schaumstoffwerke den Titel „Weltmarkführer“<br />
gesichert. Apropos Weltmarkt: BSW-Tochtergesellschaften<br />
befinden sich in Amerika, Dubai, Australien,<br />
Shanghai und der Schweiz. Ein weltweites Netzwerk mit<br />
über 80 Händlern sorgt für den internationalen Vertrieb.<br />
Dass es jenseits der Tagesgeschäfte auch einmal zu Arrangements<br />
kommen kann, bei denen nicht „geklotzt“, sondern<br />
eher „gekleckert“ wird, soll die abschließende Episode<br />
zeigen. Kommen wir daher zurück zum eingangs angesprochenen<br />
„Blauen Wunder“. Blau ist die Farbe des Fußball-<br />
Bundesligisten Hertha BSC und auf dessen Wunsch kam<br />
im Olympiastadion nicht das traditionelle Ziegelrot dieser<br />
Sportflächen zum Einsatz. Stattdessen verlegte BSW das<br />
Regupol im eigens hierfür entwickelten „Hertha-Blau“. Bei<br />
der Weltmeisterschaft der Leichtathleten anno 2009 lief der<br />
Jamaikaner Usain Bolt in Berlin Fabel-Weltrekorde über<br />
100 und 200 Meter. Nicht zuletzt die danach veröffentlichten<br />
Fotos mit der so genannten Bolt-Sieger-Pose „To-Di-<br />
World“, sicherten dem blauen Geläuf das verbale Gütesiegel<br />
„Weltmeisterhaft“.<br />
Dass die Berleburger mit dem Sprintstar daraufhin einen<br />
Werbebotschafter-Vertrag anstrebten, ist leicht nachvollziehbar.<br />
Exportleiter Peter Breuer fährt nach Berlin, hat hier<br />
aber kein Glück: „Ich habe auf allen Kanälen versucht, an<br />
ihn ranzukommen, es war nichts zu machen. Zwei Wochen<br />
später im Züricher Letzigrund-Stadion klappt es. In der Prominenten-Lounge<br />
kann er ihm eine blaue Regupol-Platte in<br />
die Hand drücken. Auf der Rückseite ist das entsprechende<br />
Angebot der Schaustoffwerke aufgeklebt. Danach geht alles<br />
sehr schnell. Der Bolt-Manager meldet sich und ein Jahr später<br />
hat BSW auf dem Campus der Universität in Kingston, Jamaika,<br />
eine Regupol-Laufbahn erstellt. Und zwar im Farbton<br />
„Blau“. Ausdrücklich hat sich Bolt das so gewünscht. Natürlich<br />
kostenlos, versteht sich! Seither ist der Jamaikaner Werbebotschafter<br />
der Kurstädter. Das war der Deal! Die Investitione<br />
von BSW hat sich dank zahlreicher Anschlussaufträge<br />
in der Karibik und andernorts rasch amortisiert. Überhaupt ist<br />
Investition ein „gekleckertes“ Schnäppchen, wenn man weiß,<br />
dass der Schuhhersteller Puma „klotzt“ und jährlich schlappe<br />
neun Millionen US-Dollar für den Werbevertrag mit Usain<br />
Bolt blecht. <br />
Werner Müller-Späth<br />
Im beschaulichen Bad Berleburg – abseits des Zentrums<br />
– befindet sich der Hauptsitz der Firma „Berleburger<br />
Schaumstoffwerk GmbH“. Und beim ersten Gespräch zu<br />
diesem Beitrag war ich regelrecht überrascht, als ich von der<br />
Vielfältigkeit der Produkte des Unternehmens hörte. Das breite<br />
Angebot an Böden und Matten für innen und außen besticht<br />
auch den Nichtfachmann. Ein Erzeugnis freilich überstrahlt<br />
alle anderen und machte die Kurstädter weltweit bekannt.<br />
Regupol heißt der Verbundwerkstoff, der bereits vor<br />
über viereinhalb Jahrzehnten in den Räumen des mittelständigen<br />
Unternehmens entwickelt wurde und anschließend<br />
nicht nur zum vielseitigsten, sondern auch zum<br />
erfolgreichsten Werkstoff der Firma emporwuchs. Das<br />
Produkt besteht insbesondere aus Kautschuk-Granulat und<br />
dem Bindemittel Polyurethan. Den angesprochenen Bekanntheitsgrad<br />
verdankt der Hersteller indes vornehmlich<br />
dem „Blauen Wunder“ von Berlin. So jedenfalls wurde<br />
anfangs die Kunststofflaufbahn im Olympiastadion der<br />
Hauptstadt genannt. Und erstellt und verlegt hatte diese<br />
das Berleburger Schaumstoffwerk. Hierzu später mehr.<br />
Der Kaufmann Karl Pöppel gründete in der Stadt an der<br />
Odeborn gemeinsam mit Carl Schneider das Unternehmen<br />
im Jahr 1954. Auch heute noch wird die Firma inhabergeführt.<br />
Anfangs stellte man Polsterelemente her, auch damals<br />
hieß der Rohstoff „Polyurethan“. Die Produktpalette<br />
wuchs von Jahr zu Jahr und damit einhergehend auch die<br />
Lagerkapazitäten in und um Bad Berleburg sowie die Anzahl<br />
der Mitarbeiter (derzeit 550). Neben dem bereits genannten<br />
Regupol dominieren in den Werkshallen die von<br />
BSW entwickelten Werkstoffe Regufoam (PU-Schaumstoff),<br />
Variofoam (Verbundschaum) und Recoflex (Holzverbundwerkstoff).<br />
Aus diesen Materialien werden nicht<br />
nur zahlreiche eigene Endprodukte hergestellt, sondern sie<br />
werden auch zwecks Weiterverarbeitung an andere Industrieunternehmen<br />
geliefert.<br />
Es ist unmöglich, im Rahmen dieses Beitrags alle in<br />
Berleburg entwickelten Schöpfungen aufzuführen. Dies vor<br />
allem, weil je nach Anforderungsgrad eine spezielle Zusammensetzung<br />
gemischt wird. Beschränken wir uns also auf die<br />
wichtigsten und einige aus dem Rahmen fallenden Erzeugnisse.<br />
Eine breite Palette nimmt der Sportbereich ein: Tartanbahnen<br />
für Stadien und Hallen, Bodenbeläge für Tennis- und<br />
Golfplätze, Elastik- und Tragschichten für Kunstrasen, Judound<br />
Gymnastikmatten, Stallmatten für Pferde. Letztere ließ<br />
sogar der Saudi-arabische Kronprinz zum Wohlbefinden seiner<br />
edlen Rennpferde großräumig verlegen.<br />
In vielen Kletterhallen – so auch im 16 Meter hohen<br />
DAV-Kletterzentrum in Siegen – sind die Böden zum<br />
Schutz der Sportler und entsprechend der UVV-Vorschriften<br />
mit BSW-Fallschutzmatten ausgelegt.<br />
Dank seiner dauerelastischen und rutschhemmenden Eigenschaften<br />
kommt Regupol aber auch in großem Umfang<br />
in der Bauindustrie und als Antirutschmatte im Transportgewerbe<br />
zum Einsatz. Dazu sind Matten für den Schallschutz<br />
sowie Trittschalldämmungen sehr gefragt.<br />
Dass diverse Tüftler im Schaumstoffwerk ständig bemüht<br />
sind, die Produkte ihrer Firma weiter zu entwickeln oder gar<br />
einen völlig neuen Werkstoff zu erfinden, gehört zur BSW-<br />
Strategie. Zum Geschäftsmodell gehört weiter, dass die<br />
Kundschaft aus aller Welt durch eine entsprechende Qualität<br />
dauerhaft zufrieden gestellt wird. Freilich sollte diese<br />
wissen, dass das beste und dauerhafteste Produkt sowie ein<br />
BSW–Stallmatten für seine Pferde ließ sogar der Saudi-arabische<br />
Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud verlegen<br />
„Das blaue Wunder“ – Olympiastadion in Berlin<br />
4 Werksfotos BSW<br />
Usain Bolt auf seiner Tartan<br />
Trainingslaufbahn in Jamaica<br />
Themenspielplatz in Koblenz<br />
62 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 63
Seit den 70er Jahren war ich oft Gast im Zisterzienser<br />
Kloster Himmerod, wunderschön im Salmtal<br />
in der Eifel gelegen, zwischen Manderscheid und<br />
Wittlich. Ein wunderbarer Ort, um Natur und Stille zu<br />
erleben, zur Ruhe zu kommen und auch ganz besonderen<br />
Menschen zu begegnen.<br />
Der Konvent wurde Ende 2017 leider geschlossen, aber<br />
noch hält der im Kloster verbliebene, inzwischen 84-jährige<br />
Pater Stephan das Gästehaus und das Angebot für die Gäste<br />
offen: er gibt noch nicht auf! Deshalb haben langjährige<br />
„alte“ Freunde Himmerods beschlossen, mit ihren Geschichten<br />
etwas von dem atmosphärisch festzuhalten, was diesen<br />
Ort neben allem geistlichen und spirituellen Erleben auch<br />
geprägt hat. So sind auch die beiden Geschichten entstanden,<br />
die ich aus meiner Erinnerung ausgegraben habe.<br />
Was weiterhin mit dem Kloster geschieht, ist offen. Es<br />
gehört jetzt dem Bistum Trier, wo man gerne das Kloster<br />
als geistliches Zentrum erhalten möchte.<br />
Eine geheimnisvolle Begegnung<br />
In den70er und 80er Jahren war ich regelmäßig einmal<br />
im Jahr Gast im Kloster Himmerod, mal in der Woche<br />
vor Ostern, mal im Herbst. In dem Jahr, in dem diese Geschichte<br />
spielt war es bereits November. Ich wusste, dass<br />
Himmeroder<br />
Geschichten<br />
Das Kloster Himmerod in der Eifel war fast 900 Jahre im Besitz des Zisterzienser-Ordens.<br />
Im Herbst haben die Mönche die Abtei verlassen. Bis auf einen: Pater Stephan<br />
Pater Stephan, der für die Gäste im Gästehaus zuständig<br />
war, diesmal nicht anwesend sein würde, aber, dass außer<br />
mir gar keine Gäste im Hause waren, damit hatte ich nicht<br />
gerechnet. So war es nicht nur sehr ruhig im Gästehaus,<br />
was mir nicht ungelegen kam, sondern in den dicken Mauern<br />
auch lausig kalt.<br />
Wenigstens war tagsüber das mir wohlvertraute Hauspersonal<br />
da und auch der damalige Zivildienstleistende<br />
Peter, der versuchte, alle bei Laune zu halten. So waren<br />
wenigstens diese menschlichen Kontakte gewährleistet<br />
und auch das Plauderstündchen abends in der Gaststätte<br />
bei einem Bier oder auch einem Klosterlikör. Manchmal<br />
trafen wir uns auch zum Klönen im Plaudereckchen in der<br />
großen Küche, was zu den Zeiten noch möglich war.<br />
Und dann kam doch noch ein Gast, eine ältere Dame.<br />
Ich war sehr gespannt auf die erste Begegnung. Beim<br />
Frühstück im großen Speisesaal des Gästehauses traf ich<br />
sie dann zum ersten Mal an unserem gemeinsamen Tisch.<br />
Ich war irritiert: Mir gegenüber saß eine altjüngferlich anmutende<br />
Person, die direkt dem Krimi „Arsen und Spitzenhäubchen“<br />
entstiegen zu sein schien. Wir saßen da zwar<br />
am selben Tisch, aber die Dame gab sich im tatsächlichen<br />
und im übertragenen Sinn zugeknöpft bis obenhin. Ehe<br />
sie dann mit ihrem Frühstück begann, erhob sie sich mit<br />
fromm gefalteten Händen und gesenktem Haupt zu Gebet,<br />
setzte sich wieder hin und erwiderte nur knapp mein „Guten<br />
Appetit“, bevor sie ihr Frühstück gesenkten Hauptes<br />
zu sich nahm. Offensichtlich hatte sie kein Bedürfnis nach<br />
Kommunikation, und so verlief das gemeinsame Frühstück<br />
sehr wortkarg.<br />
Diese ungewöhnliche Besucherin stachelte natürlich Peters<br />
und meine Fantasie an: wer war sie? Die Stille im Gästehaus,<br />
die Novembernebel draußen und ihre rätselhafte Unnahbarkeit<br />
führten zu einer Stimmung, die uns die wildesten<br />
Geschichten um diese geheimnisvolle Person ausdenken<br />
ließen, eben im Sinne von „Arsen und Spitzenhäubchen“.<br />
Es ist mir nicht gegeben, so schnell aufzugeben, wenn<br />
es um den Kontakt zu Menschen geht. Und wenn sie, wie<br />
in diesem Fall etwas wunderlich erscheinen, reizt es mich<br />
um so mehr. Dass sie aus einem sehr konservativ geprägten<br />
religiösen Umfeld kam, hatte ich aufgrund ihrer Gebetshaltung<br />
bereits vermutet. Bestätigt wurde ich darin durch<br />
eine Reaktion ihrerseits, die mich fast vom Stuhl haute.<br />
Wie ich es üblicherweise tue, reichte ich auch ihr bei Tisch<br />
das Brot an oder was immer sie brauchte. Sie bedankte<br />
sich überschwänglich für diese Selbstverständlichkeit.<br />
Nachdem sich dieser Vorgang mehrmals wiederholt hatte,<br />
schaute sie mich plötzlich sehr ernst an, erwähnte meine<br />
Hilfsbereitschaft und verblüffte mich mit der Frage, ob ich<br />
das denn auch für den Herrn Jesus täte? Ich wüsste doch,<br />
dass alle guten Taten sinnlos wären, wenn ich sie nicht für<br />
den Herrn Jesus täte, weil nur das wirklich zählt, was wir<br />
für Jesus tun. Darauf fiel mir nichts mehr ein. Ganz fremd<br />
war mir diese Geisteshaltung nicht, es gibt sie ähnlich auch<br />
in streng pietistischen Kreisen. Ich fühlte mich aber nicht<br />
berufen, mit meiner Tischnachbarin über ihre Aussage zu<br />
diskutieren, also nickte ich einfach freundlich.<br />
Nach diesem Statement öffnete sie sich ein wenig und<br />
erzählte auf meine Nachfrage, warum sie hier in Himmerod<br />
sei und dass sie ihrem Bruder, einem katholischen<br />
Geistlichen, den Haushalt führe. – Ich wusste es doch! Offenbar<br />
tat es ihr gut, ihre Zurückhaltung aufzugeben, denn<br />
sie erzählte mehr und mehr, beklagte sich auch über die<br />
Kälte im Haus und war offensichtlich das erste Mal in<br />
Himmerod im Gästehaus, das gewiss nicht ihren Vorstellungen<br />
vom Kloster entsprochen hätte. Aber es waren ja<br />
keine der sonst üblichen, kunterbunt gemischten Gäste da<br />
und auch nicht der absolut unkonventionelle Pater Stephan,<br />
der für die Gäste zuständig war. Ihre Vorstellungen wurden<br />
also durch nichts erschüttert.<br />
Ich weiß heute nicht mehr genau, über was wir dann<br />
alles geredet haben, was sie mir aus ihrem sehr religiös geprägten<br />
Leben erzählte, aber es kam irgendwann ein Punkt,<br />
an dem ich mich nicht mehr zurückhalten konnte. Offenbar<br />
ging sie ganz selbstverständlich davon aus, dass auch ich<br />
wie sie „gut katholisch“ sei. Ich musste ihr sagen, dass ich<br />
mich zu dem von ihr Gesagten leider nicht äußern könne,<br />
da ich evangelisch sei. Sie stockte, hielt den Atem an und<br />
war sichtlich erschrocken. Ich war gespannt auf ihre weitere<br />
Reaktion und malte mir schon aus, dass sie vielleicht<br />
Gesellschaft<br />
2 Fotos: Wolfgang Valerius<br />
Himmerod ist ein Ort, wo Zisterziensermönche seit fast<br />
900 Jahren gemäß der Regel des Hl. Benedikt Gott in Gebet<br />
und Arbeit gedient haben. Am 13. Oktober 2017 hat<br />
das Kapitel der Mehrerauer Zisterzienser-Kongregation<br />
beschlossen, den Konvent mit sofortiger Wirkung aufzulösen.<br />
Seither ist das Bistum Trier bestrebt, Himmerod als<br />
„geistlichen Ort“ zu erhalten und – wenn möglich – in<br />
eine neue Zukunft zu führen.<br />
1134 von Bernhard von Clairvaux gegründet, ist Himmerod<br />
– neben Kloster Eberbach im Rheingau – die erste<br />
der beiden direkten Gründungen des Ordensheiligen auf<br />
deutschem Gebiet. Nach der Aufhebung in der Säkularisation<br />
wurde das weitgehend zerstörte Kloster zu Beginn<br />
des 20. Jahrhunderts unter der Obhut der Zisterzienserabtei<br />
Marienstatt neu besiedelt und die Klosteranlage in<br />
den Folgejahren nach barockem Vorbild wiedererrichtet.<br />
<br />
Website der Abtei Himmerod<br />
irritiert den Tisch verlassen würde, doch dann fing sie sich<br />
wieder, nahm diese Kurve und erzählte lebhaft von ihren<br />
evangelischen Nachbarn, zu denen sie in ihrer Kindheit guten<br />
Kontakt hatte, und betonte ausdrücklich, was das doch<br />
auch für gute und nette Menschen gewesen seien … Ich<br />
sah mich durch dieses emotionale Zeugnis für die evangelischen<br />
Nachbarn ihrer Kindheit als nicht katholischer<br />
Christenmensch von einer strengen Glaubenshüterin fast<br />
so etwas wie rehabilitiert, ja, in Himmerod ist das möglich.<br />
Das Jubiläum<br />
Kloster Himmerod war wieder einmal angesagt. Diesmal<br />
fuhr ich nicht alleine, sondern mit meiner Freundin<br />
dorthin. Es war im Frühjahr, und wir freuten uns schon<br />
auf die die Spaziergänge in den Eifelwäldern, die Begegnungen<br />
im Gästehaus, die Meditationen in der Hauskapel-<br />
Pater Stephan<br />
vor der Klosteranlage<br />
64 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 65
Gesellschaft<br />
Der Kommentar<br />
le mit Pater Stephan. Ich freute mich besonders auf die<br />
Zeiten der Stundengebete in der Abteikirche, den Gesang<br />
der Mönche. Für mich calvinistisch geprägte Protestantin<br />
ein besonderer Gewinn und eine große Bereicherung meiner<br />
spirituellen Erfahrung, möglich geworden durch die zu<br />
Hause und die hier in Himmerod praktizierte Ökumene.<br />
Nun hatte ich eigentlich durch viele Jahre hindurch<br />
gelernt, dass man nie mit bestimmten Vorstellungen nach<br />
Himmerod fahren sollte, da immer alles „ganz anders“<br />
kommt. So war es auch diesmal.<br />
Im Kloster Himmerod stand ein Jubiläum an, welches<br />
genau weiß ich heute nicht mehr. Aus diesem Anlass war<br />
die Klosterkirche renoviert worden, und am Sonntag sollte<br />
im Festgottesdienst Mozarts Krönungsmesse zur Aufführung<br />
kommen. Wie schön. Aber da gab es ein Problem, die<br />
Kirche war zwar renoviert, aber dreckig: sie musste noch<br />
geputzt werden! Und wie das im Kloster so geht, man fragt<br />
die Gäste, die gerade im Hause sind um Hilfe. Das entsprach<br />
natürlich überhaupt nicht unserer Vorstellung von<br />
dem kurzen Himmerod Aufenthalt, Stunden putzend in<br />
der großen dunklen Kirche zu verbringen. Aber wie das<br />
so ist, an einem Ort wie Himmerod sagt man nicht nein,<br />
und so machten wir uns innerlich leise grummelnd zur<br />
Reinigungsaktion der Kirche auf. Natürlich gab es auch<br />
noch andere helfende Hände und mitten drin Abt Ambrosius<br />
Schneider (aufgrund seiner eher zierlichen Gestalt und<br />
seines sich kümmernden Wesens wegen liebevoll heimlich<br />
„Mutter Abt“ genannt), der überall gleichzeitig herumwuselte<br />
und nach dem Rechten schaute.<br />
Während meine Freundin im Kirchenraum mit Putzen<br />
beschäftigt war, wurde ich gebeten, doch oben auf der Orgelempore<br />
sauber zu machen und dort alles in Ordnung zu<br />
bringen. Okay. Nun lag da aber mitten im Weg ein halb<br />
aufgerollter großer Teppich, der mich an meinem Vorhaben<br />
hinderte. Als der Abt dann auch bei der Orgel vorbeischaute,<br />
sprach ich ihn darauf an. Kurz entschlossen half<br />
er mir in voller Montur, den Teppich ordentlich zusammen<br />
zu rollen und als er sah, dass er trotzdem noch ein großes<br />
Hindernis war, öffnete er ohne langes Überlegen die Tür<br />
zur Klausur und wuchtete mit mir gemeinsam den Teppich<br />
dort in den Flur. Ich war erst einmal baff, aber für Abt Ambrosius<br />
schien das eine völlig normale Aktion. Tja, dachte<br />
ich mir, wenn wir Frauen zum Putzen gebraucht werden<br />
gibt es wohl keine klösterlichen Tabus.<br />
Wer Kloster Himmerod und sein Gästehaus kennt, vor<br />
allem aber den ehrwürdigen Gästepater Stephan, kann<br />
sich vorstellen, was da später los war, als ich von meinem<br />
Erlebnis erzählte. Nun sollte man wissen, dass Pater Stephan,<br />
ein Freund von Gespenstergeschichten, auch gerne<br />
freundlich stichelnd seine „Überzeugung“ kundtat, dass er<br />
Frauen grundsätzlich als seelenlose Wesen betrachte: Wo<br />
Männer eine Seele hätten, hätten Frauen nur ein großes<br />
schwarzes Loch. Und nun das: ich, eine Frau, seelenlos<br />
und dazu noch eine Ketzerin, in der Mönchsklausur! Katastrophe!<br />
Das Kloster war entweiht!!!<br />
Die Folgen wurden nun bis ins Detail geschildert und<br />
diskutiert, mit welchem Aufwand das Kloster jetzt neu<br />
geweiht werden müsse, schrecklich! Das Jubiläum stand<br />
auf dem Spiel.<br />
Es war ein vergnüglicher Abend in der Gaststätte des<br />
Klosters, wir haben uns köstlich amüsiert. Natürlich wurde<br />
nichts und niemand neu „geweiht“. Einmal geweiht ist<br />
immer geweiht in der römisch-katholischen Kirche, daran<br />
ändert auch der Einfall protestantischer Frauenpower<br />
in die mönchische Klausur nichts. Na, da haben wir aber<br />
noch mal Glück gehabt!<br />
Anne Alhäuser<br />
Neue Besen kehren (nicht) immer gut<br />
Vor jeder Wahl kommen, solange ich denken kann,<br />
stetig wiederkehrende Themen, mit denen uns die<br />
Politik ködern will. Das ach so kranke Gesundheitssystem<br />
steht dabei seit Jahren an erster Stelle. Zahlreiche<br />
Gesundheitsminister arbeiteten sich daran ab. Es wurde<br />
gespart, konsolidiert, saniert, reformiert und die kargen Ergebnisse<br />
stetig als großer Erfolg gelobt. Das alles um die<br />
Kosten zu senken. Jetzt stehen wir kurz vor dem Kollaps<br />
wie man allerorts hört. Welch ein Elend: wir Bürger werden<br />
älter, gebrechlicher und oh Graus: auch immer teurer!<br />
Nach großem Ringen huldigte unsere neue Regierung<br />
den nun ausgehandelten Koalitionsvertrag und darin fand<br />
ich u.a. die Worte von „der neuen Dynamik für Deutschland“.<br />
Spontan schrieb sich unser agil-frischer Gesundheitsminister<br />
diese auf seine Fahnen und wirbt dafür<br />
vermehrt Pflegekräfte aus unseren Nachbarländern einzustellen.<br />
Spahn nennt dies „die nächstliegende Option“.<br />
Eigentlich hätte ihm längst auffallen müssen, dass heute<br />
schon viele Kräfte aus dem Ausland, vorwiegend Menschen<br />
aus dem südöstlichen Europa, als Ärzte und Pflegepersonal<br />
in unseren Einrichtungen beschäftigt sind. Häufig fehlen<br />
diesen aber die nötigen Sprachkenntnisse zur ausreichenden<br />
Verständigung mit den Patienten.<br />
Um, wie es heißt, die Wettbewerbsfähigkeit<br />
beizubehalten,<br />
sind befristete Arbeits- und<br />
Dienstleistungsverträge wie<br />
auch geringfügige Beschäftigungen<br />
nicht unüblich. Ich bewundere<br />
die vielen pflegerisch<br />
tätigen Menschen, die trotz<br />
schlechtester Bezahlung immer<br />
noch freudig und motiviert ihre<br />
Heute von<br />
Eva-Maria Herrmann<br />
Arbeit machen. Gebetsmühlenhaft<br />
wird der Pflegenotstand seit<br />
Jahren beschworen, erörtert, beklagt,<br />
die Pflegeleistungen hoch und runter gerechnet. Dabei<br />
reicht eine einfache Erkenntnis die Dinge zu ändern: Gute<br />
Arbeit verlangt ordentlichen Lohn. Der Pflegeberuf ist nach<br />
wie vor attraktiv, wenn er den Anforderungen entsprechend<br />
gewürdigt und honoriert würde. Die Rahmenbedingungen<br />
muss die Politik dafür schaffen, dabei ist der nur auf Rendite<br />
ausgerichtete Privatisierungswahn sicherlich der denkbar<br />
falscheste Weg. <br />
Eva Maria Herrmann<br />
Foto: Rita Petri<br />
Vorsorgevollmacht,<br />
Patientenverfügung,<br />
Testament<br />
„Möchten Sie auf diesen<br />
Gebieten beraten werden und<br />
brauchen Unterstützung, um<br />
die Dinge zu regeln, die Ihren<br />
Nachlass betreffen? Sollte es<br />
Ihnen schwerfallen, mich aufzusuchen,<br />
komme ich auch<br />
gerne zu Ihnen und berate Sie<br />
in Ihrer vertrauten Umgebung<br />
oder in einem Heim. Bei Bedarf<br />
melden Sie sich bitte.“<br />
FACHBERATER<br />
für Testamentsvollstreckung<br />
und Nachlassverwaltung<br />
(DStV. e.V.)<br />
Klaus Ißling<br />
c/o Advisio Im Elzgarten (früher: Ißling 10 ·57234 &Partner Wilnsdorf Steuerberater)<br />
Telefon <strong>02</strong>739-470884·Mobil An der Alche 15, 57072 Siegen 0171-2166475<br />
Telefon: E-Mail: <strong>02</strong> 71 /23657-81, klaus.issling@web.de<br />
Mobil 01 71-2 16 64 75<br />
Termine bitte E-Mail: vorher klaus.issling@web.de<br />
telefonisch vereinbaren!<br />
66 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 67
Quotenhits von damals<br />
„Die Unverbesserlichen“<br />
Seniorenbegegnungszentrum der Stadt Siegen<br />
Seniorenhilfe Siegen e.V.<br />
Geschäftsstelle <strong>02</strong>71 / 6 61 03 35<br />
durchblick - siegen e.V.<br />
Geschäftsstelle <strong>02</strong>71/ 6 16 47<br />
Redaktion 0171 / 6 20 64 13<br />
ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.<br />
Lesepaten <strong>02</strong>739 / 22 90<br />
Senec@fé <strong>02</strong>71 / 2 50 32 39<br />
Seniorenbeirat <strong>02</strong>71 / 404-22 <strong>02</strong><br />
SeniorenServiceStelle <strong>02</strong>71 / 38 78 61 62<br />
montags<br />
mittwochs<br />
donnerstags<br />
10.00 - 12.00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe Siegen<br />
10.00 - 12.00 SeniorenServiceStelle<br />
geöffnet<br />
10.00 - 12:00 Werkstatt geöffnet<br />
14.00 - 18.00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />
Computertreff<br />
dienstags<br />
09.00 - 12.00 ALTERAktiv-Senec@fé,<br />
Computertreff<br />
10.00 - 12.00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe Siegen<br />
10.00 - 12.00 Redaktionsbüro des<br />
durchblick geöffnet<br />
10.00 - 12.00 Malgruppe (außer jeden<br />
1. Dienstag im Monat)<br />
Haus Herbstzeitlos<br />
Gruppen<br />
57074 Siegen<br />
Marienborner Straße 151<br />
Trauercafé<strong>02</strong>71 / 23 / 56<strong>02</strong>-67<br />
34 46<br />
Film- und Video-Club <strong>02</strong>732 /1 24 60<br />
SHG Sauerst. Therapie <strong>02</strong>71 / 37 03 54<br />
Gedächtnistraining <strong>02</strong>71 / 8 49 99<br />
Malgruppe <strong>02</strong>71 / 3 73 87<br />
Selbstverteidigung 0160 / 830 18 67<br />
Foto: Rita Petri Werkstatt<strong>02</strong>71 / 6 27 76<br />
www.unser-quartier.de/haus-herbstzeitlos-siegen Englischkurse <strong>02</strong>71 / 404-2200<br />
09.00 - 12.00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />
Computertreff<br />
09.30 - 11.00 Englischkurs auf Anfrage<br />
<strong>02</strong>71 / 404-2200<br />
10.00 - 12.00 SeniorenServiceStelle<br />
geöffnet<br />
10.00 - 12.00 Redaktionsbüro des<br />
durchblick geöffnet<br />
11.00 - 12.30 Englischkurs auf Anfrage<br />
14.00 - 18.00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />
Computertreff<br />
14.30 - 16.30 Handarbeiten mit der<br />
Seniorenhilfe Siegen<br />
14.30 - 16.30 Werkstatt geöffnet<br />
15.00 - 17.00 Singen mit der<br />
Seniorenhilfe Siegen<br />
19.00 - 22.30 Film und Videoclub<br />
19.00 - 21.00 Regenbogentreff<br />
Spielen und Klönen<br />
09.30 - 10.30 Selbstverteidigung<br />
10.00 - 12.00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe Siegen<br />
10.00 - 12.00 Redaktionsbüro des<br />
durchblick geöffnet<br />
freitags<br />
10.00 - 12.00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe Siegen<br />
11.00 - 14.00 Englischkurse (2)<br />
<strong>02</strong>71 / 404-2200<br />
samstags<br />
09.00 - 12.00 Wandergruppe der<br />
Seniorenhilfe Siegen<br />
Termine auf Anfrage<br />
Die Familienserie der sechziger Jahre in der Nachfolge<br />
der „Schölermanns“ und der „Hesselbachs“<br />
war die vom NDR produzierte Reihe „Die Unverbesserlichen“<br />
mit dem Serienstart am 9. Mai 1965. Neu<br />
war, dass pro Jahr jeweils nur eine Folge gesendet wurde,<br />
die ersten vier noch in Schwarzweiß. Gezeigt wurde das<br />
Leben der Berliner Familie Scholz mit Inge Meysel (Käthe<br />
Scholz) und Joseph Offenbach (Kurt Scholz) in den Hauptrollen.<br />
Die Familiengeschichte zeigt im Gegensatz zu den<br />
beiden Vorgängerserien nicht nur kleinbürgerliche heile<br />
Welt, sondern greift auch Probleme auf wie Generationenkonflikte,<br />
Scheidung, Verschuldung und Arbeitslosigkeit.<br />
Nährboden für diese Auseinandersetzungen war die Tatsache,<br />
dass vier Generationen in der kleinen Mitwohnung<br />
der Scholzens aufeinandertreffen, herrlich darunter auch<br />
Oma Köpcke (Agnes Windeck), die ständig durch ihre<br />
Rufe „Kääthe!“ und durch Erzählungen von ihrer Freundin<br />
Frau Schneider-Lützkendorf nervt.<br />
Im Grunde konnte der Zuschauer miterleben, wie das Familienidyll<br />
zunehmend von kleineren und größeren Katastrophen<br />
überschattet wird, insbesondere dadurch, dass die Kinder<br />
Doris (Monika Peitsch), Rudi (Gernot Endemann) und<br />
Lore (Helga Anders) in ihrer Lebensplanung so einige Schlingerkurse<br />
absolvieren, was die Eltern Scholz oft bedrückt.<br />
So gibt Sohn Rudi seine Stelle bei der Post auf, um<br />
eine Karriere als Profifußballer zu beginnen. Eine schwere<br />
Verletzung macht alle Pläne zunichte. Seine finanziellen<br />
Probleme bleiben, um seine uneheliche Tochter kümmert<br />
er sich nicht. Kurt Scholz wird kurz vor der Pensionierung<br />
freigesetzt, verschweigt seine Arbeitslosigkeit vor seiner<br />
Frau und verbringt die Tage, indem er planlos durch die<br />
Stadt geht. Mutter Käthe versucht immer wieder, die Familie<br />
zusammenzuhalten und einen Rest von Harmonie<br />
zumindest zum Schein zu bewahren.<br />
Obwohl zu Beginn gar keine Serie geplant war, wurden<br />
die „Unverbesserlichen“ ein Erfolg, nicht zuletzt durch die<br />
großen Schauspieler Inge Meysel und Joseph Offenbach.<br />
Inge Meysel begründete hiermit ihre Rolle als „Mutter der<br />
Nation“. Sinnigerweise wurde die jährliche Folge meist um<br />
den Muttertag herum ausgestrahlt, die letzte am 9. Mai 1971.<br />
Fotos: NDR/ Holtz – Text: Uli Hoffmann<br />
Das Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos befindet sich hinter der alten „Hainer Schule“, Ecke Marienborner Str. / Blumenstr.<br />
Anfahrt: Ab Hauptbahnhof, ZOB Bussteig B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109 (Bushaltest, Blumenstraße). Parkplatz: Kostenlos am Haus<br />
68 durchblick 2/<strong>2018</strong><br />
2/<strong>2018</strong> durchblick 69
Juni<br />
Do. 14. ab 14 Uhr, Fbg. Niederndorf<br />
Sa. 09. ab 10 Uhr, Burbach-Wahlbach<br />
Mi. 13. ab 18 Uhr, Fbg Hohenhain<br />
durchblick verlost Freikarten<br />
„Denis Scheck“<br />
5. Oktober <strong>2018</strong> ab 20 Uhr im Kulturhaus Lÿz Siegen<br />
Foto: Veranstalter<br />
B ac k e s tag e im Siegerland<br />
„Was sich zu lesen lohnt“ heißt es<br />
mit Deutschlands bekanntestem Literaturkritiker.<br />
Bei jährlich 90 000<br />
Buch-Neuerscheinungen behält<br />
Denis Scheck den Überblick und<br />
weiß, wie man in diesem immensen<br />
Angebot „das Schöne, Gute, Wahre“<br />
vom „Albernen, Überflüssigen<br />
und Banalen“ trennt. Der eloquente<br />
Literaturkenner spießt Sumpfblüten<br />
des Betriebs auf, stellt vor,<br />
was unbedingt lesenswert ist und<br />
kann sicher auch den Besuchern im<br />
Kulturhaus Lÿz den einen oder anderen<br />
fundierten Tipp für winterliches<br />
Lesevergnügen auf heimischer<br />
Couch geben.<br />
<strong>db</strong><br />
Gewinnen können Sie<br />
3 x 2 Eintrittskarten,<br />
wenn Sie bis 30. Juli eine<br />
Nachricht mit Namen, Telefonnummer<br />
und dem Vermerk Freikarten an uns<br />
senden:<br />
Redaktion durchblick<br />
Marienborner Str. 151<br />
57074 Siegen<br />
oder:<br />
gewinnspiel@durchblick-siegen.de<br />
Die Gewinner werden telefonisch<br />
benachrichtigt.<br />
Die Tickets werden auf Ihren Namen<br />
an der Abendkasse hinterlegt.<br />
Normale Eintrittskarten sind bei allen<br />
bekannten Vorverkaufsstellen<br />
erhältlich.<br />
Die Gewinner der letzten Verlosung.<br />
Je zwei Karten für „Der Trödeltrupp" erhielten:<br />
Renate Leiendecker, Siegen • Dagmar Langenhagen,<br />
Siegen • Claudia Klimke Hilchenbach.<br />
70 durchblick 2/<strong>2018</strong><br />
Foto: Ingrid Drabe<br />
Sa. 16. ab 10 Uhr, Bu.-Oberdresselndf.<br />
Sa. 16. ab 11 Uhr, Bu.-Nd.dresselndf.<br />
Sa. 23. ab 07 Uhr, Bad Berleburg<br />
Sa. 23. ab 10 Uhr, Kirchwiese Wilnsdorf<br />
Sa. 23. ab 10 Uhr, Fbg.-Oberholzklau<br />
Sa. 30. ab 13 Uhr, Siegen-Birlenbach<br />
Sa. 30. ab 14 Uhr, Netphen-Grissenb.<br />
Juli<br />
Do. 05. ab 14 Uhr, Fbg. Hohenhain<br />
Sa. 07. ab 10 Uhr, Girkhausen<br />
Di. 10. ab 11 Uhr, Bu.-Niederdresselnd.<br />
Mi. 11. ab 18 Uhr, Fbg Hohenhain<br />
Sa. 14. ab 10 Uhr, Burbach-Wahlbach<br />
Sa. 28. ab 10 Uhr, Fbg. Alchen<br />
Sa. 13. ab 13 Uhr, Siegen-Birlenbach<br />
August<br />
Sa. 04. ab 10 Uhr, Bad Berleburg<br />
So. 05. ab 10 Uhr, Bad Berleburg<br />
So. 05. ab 09 Uhr, Burbach/Holzhausen<br />
Mi. 08. ab 18 Uhr, Fbg. Hohenhain<br />
Sa. 11. ab 10 Uhr, Burbach-Wahlbach<br />
Fr. 17. ab 11 Uhr, Hellergarten-Neunk.<br />
Sa. 18. ab 15 Uhr, Hellergarten-Neunk.<br />
So. 19. ab 11 Uhr, Dorfmitte Feuersb.<br />
Sa. 25. ab 10 Uhr, Burbach-Holzhausen<br />
Sa. 25. ab 13 Uhr, Siegen-Birlenbach<br />
Sa. 25. ab 15 Uhr, Turnhalle Trupbach<br />
So. 26. ab 10 Uhr, Burbach-Holzhausen<br />
Siegener Mittwochsmarkt jetzt nachmittags<br />
23 Händler und Gastronomen machen mit<br />
Siegen. Regional, frisch, persönlich:<br />
so will er sich zukünftig verstärkt präsentieren,<br />
der Mittwochsmarkt unter<br />
dem Siegener Krönchen. Seit dem<br />
2. Mai hält der Wochenmarkt einige<br />
Neuerungen bereit. Die durchgreifendste<br />
davon: Der Mittwochsmarkt<br />
beginnt um 12.00 Uhr und endet um<br />
18.00 Uhr.<br />
Ein weiteres Novum: Zu den Anbietern<br />
des Wochenmarktes gehören Gastronomen,<br />
an deren Ständen in den<br />
Mittags- und Nachmittagsstunden der<br />
kleine Imbiss zwischendurch eingenommen<br />
werden kann.<br />
Die Zahl der Markthändler, die zuletzt<br />
mittwochs in Siegen ihre Waren feil geboten<br />
haben, verdreifachte sich beinahe.<br />
Auf dem Marktplatz und dem angrenzenden<br />
Kornmarkt werden zukünftig<br />
23 Stände platziert sein. Ein wichtiges<br />
Merkmal des Mittwochsmarktes bleibt<br />
erhalten: Es handelt sich um einen<br />
Grünmarkt mit Blumen, Obst, Gemüse<br />
und anderen Lebensmitteln aus regionaler<br />
Produktion. Textilien und Trödel sind<br />
vom Sortiment ausgeschlossen. <strong>db</strong><br />
Hilchenbacher Musikfest<br />
Samstag 16. Juni<br />
15.30 Konzert der<br />
Hilchenbacher Chöre<br />
Die Hilchenbacher Chöre geben einen<br />
Einblick in ihr kreatives Schaffen. Ein<br />
bunter Strauß wunderbarer Melodien,<br />
aber auch Rhythmus und Emotionen<br />
bringen die Lust am Singen und Musizieren<br />
zum Ausdruck. Die Sängerinnen<br />
und Sänger der Chöre tragen so zu<br />
einem unterhaltsamen und lebensfrohen<br />
Musikfest bei.<br />
Samstag 16. Juni<br />
19.30: 16. Open-Air-Konzert<br />
mit der Philharmonie<br />
Südwestfalen<br />
Zum Höhepunkt des Musikfestes präsentiert<br />
die Philharmonie Südwestfalen<br />
frühsommerlich beschwingte<br />
Klänge mit Solo-Saxophon.<br />
Durch das Programm führt der Dirigent<br />
Benjamin Levy, Solist des Abends ist<br />
Eudes Benjamin am Saxophon.<br />
Sonntag 17. Juni<br />
10.00 Open-Air-Gottesdienst<br />
auf dem Marktplatz<br />
Eingebettet in das musikalische Geschehen<br />
findet ein evangelischer Allianz-<br />
Gottesdienst statt.<br />
Am Samstag<br />
verwöhnen Hilchenbacher<br />
Gastronomen die Besucher<br />
2/<strong>2018</strong> durchblick 71
Wiederkehrende<br />
Termine<br />
montags:<br />
10.00 Seniorengymnastik mit Anne<br />
Freudenberger, im Gemeinschaftsraum<br />
Dr. Ernst-Schuppener-Haus, Stadtteilbüro<br />
Heidenberg, <strong>02</strong>71/23418872<br />
14.00 Montagscafé des DRK Ortsverein<br />
Siegen Nord e.V., Schneppenkauten<br />
1, 57076 Siegen-Weidenau<br />
<strong>02</strong>71-76585<br />
14.30 Handarbeitstreff: „Regiestelle<br />
Leben im Alter“ Rathaus Weidenauer<br />
Straße 215, <strong>02</strong>71/404-2200<br />
20.30 Tangosalon: Milonga, Tango<br />
Argentiono - Gefühle tanzen, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
Jeden 1. Montag im Monat<br />
14.30 Singen AWO-OV Siegen, Begegnungsstätte<br />
Rosterstr. 186,<br />
<strong>02</strong>71/53383<br />
19.00 Trauergruppe der Ambulanten<br />
Hozpizhilfe, Stiftung Diakoniestation<br />
Kreuztal, Ernsdorfstr. 3, <strong>02</strong>732/1<strong>02</strong>8<br />
20.00 Tango Schnupperkurs (bis 21<br />
Uhr), anschließend Tangosalon, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.18<br />
Jeden 2. Montag im Monat<br />
10.00 Frühstückstreff: AWO-Ortsverein<br />
Siegen, im der Begegnungsstätte Rosterstr.<br />
186, Siegen, <strong>02</strong>71/339857<br />
10.00 Trauercafé der Ambulanten<br />
ökumenischen Hospizhilfe Siegen e.V.;<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Str. <strong>02</strong>71/236<strong>02</strong>-67<br />
15.15 Montagsgespräch des „Bund<br />
der Vertriebenen“ – Diskurs zum<br />
aktuellen gesellschaftspolitschen<br />
Zeitgeschehen Geschäftsstelle Siegen,<br />
Seilereiweg 6 <strong>02</strong>71/82838<br />
18.30 „Anders Altern“ Gruppe für<br />
gleichgeschlechtliche Lebende und<br />
Liebende, Haus Herbstzeitlos Siegen<br />
Jeden 3. Montag im Monat<br />
15.00 ALTERAktiv, Lesepaten, Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Straße 151 <strong>02</strong>739/2290<br />
18.30 Treffen Selbsthilfegruppe:<br />
Sauerstoff-Langzeit-Therapie „Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen“ 370354<br />
Jeden 4. Montag im Monat<br />
14.30 Kaffeekränzchen: AWO-<br />
Ortsverein Siegen, in der Begegnungsstätte<br />
Rosterstr. 186<br />
Letzter Montag im Monat<br />
19.00 Selbsthilfegruppe Asthma und<br />
Bronchitis städtisches Begegnungszentrum<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />
Marienborner Straße 151<br />
<strong>02</strong>737/3308<br />
dienstags:<br />
9.30 Malgruppe freies Malen, (außer<br />
1. Di. im Monat) Begegnungszentrum<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />
Marienborner Ste.151 <strong>02</strong>71/37387<br />
17.00 Interkultureller Chor Siegerland<br />
Span. Zentrum Siegen, St.-Michael-Straße<br />
3<br />
14.00-16.00 Handarbeitskreis der<br />
SeniorenServiceStelle, Sozialraum des<br />
Rathauses Netphen, Amtsstraße 2<br />
Jeden 1. Dienstag im Monat<br />
9.00 Die Creativen Siegen, städtisches<br />
Begegnungszentrum Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Ste.151 <strong>02</strong>737/3455<br />
15.00 ALTERAktiv Lesepaten, Begegnungszentrum<br />
„Haus Herbstzeitlos“<br />
Siegen, <strong>02</strong>739/2290<br />
Jeden 2. Dienstag im Monat<br />
19.00 Vorwärts-Chor, städtisches<br />
Begegnungszentrum „Haus Herbstzeitlos“,<br />
Siegen, Marienborner Str.151<br />
Jeden 3. Dienstag im Monat<br />
15-17 Treffen der Heinzelwerker,<br />
Begegnungszentrum „Haus Herbstzeitlos“,<br />
Siegen, Marienborner Str. 151<br />
Jeden 4. Dienstag im Monat<br />
20.00 Vorwärts-Chor, städtisches Begegnungszentrum<br />
„Haus Herbstzeitlos“,<br />
Siegen, Marienborner Straße 151<br />
mittwochs:<br />
10.00-12.00 Heinzelwerker Sprechstunde,<br />
„Regiestelle Leben im Alter“,<br />
Rathaus Si.-Weidenau 404-2200<br />
10.00 Spaziergang: 3000 Schritte,<br />
Tempo und Strecke sind angepasst,<br />
ab Rathaus Si.-Weidenau 404-2200<br />
10.00-12.00 Sprechstunde des Seniorenbeirats,<br />
SeniorenServiceStelle<br />
Siegen-Geisweid, Am Klafelder Markt<br />
20 <strong>02</strong>71/372199-05<br />
14.00-16.00 Diakonischer Freundeskreis<br />
Siegen-Süd, Hilfen für zu Hause,<br />
Diakonie Eiserfeld, Mühlenstr. 7<br />
14.30-17.30 Taschengel<strong>db</strong>örse<br />
Siegen, MGZ St.-Johannstr. 7<br />
<strong>02</strong>71/2346066<br />
17.00 Internationaler Seniorentanz,<br />
Interkulturelle Gemeinschaft, kath.<br />
Gemeindehaus Siegen, St.-Michaelstr 3<br />
Jeden 1. Mittwoch im Monat<br />
10.00 Trauercafé Regenbogen Ambul.Hozpizhilfe,<br />
Diakonistation Kreuztal,<br />
Ernsdorfstraße 3 <strong>02</strong>732/1<strong>02</strong>8<br />
15.00 Frauenzimmer, Frauencafé<br />
des DRK-Niederschelden, Burgschule<br />
Si.-Niederschelden <strong>02</strong>71/33716-0<br />
19.30 Heimatfreundtreffen, Kapellenschule<br />
Si.-Trupbach, Trupbacher Str.<br />
Jeden 3. Mittwoch im Monat<br />
14.30 VDK-Siegen-Treff; Frohe Runde, Christofferhaus<br />
Siegen, Friedrich-Wilhelm-Str. 118<br />
14.30 Wir tanzen wieder! Für Menschen mit und ohne<br />
Demenz, Tanzschule „Im Takt“, Netphen-Dreistiefenbach,<br />
Dreisbachstr. 24. Anmeldung <strong>02</strong>71/234178-17<br />
Letzter Mittwoch im Monat<br />
15.00-16.30 Selbsthilfegruppe Frontotemporale Demenz<br />
im Café Auszeit Kreuztal, Ernsdorfstr. 5<br />
donnerstags:<br />
10.00 Seniorenwerkstatt, der „Interkulturellen Gemeinschaft“,<br />
katholisches Gemeindehaus Siegen, St.-Michaelstr.<br />
10.00-12.00 Diakonischer Freundeskreis Siegen-Süd,<br />
Hilfen für zu Hause, Diakonie Eiserfeld, Mühlenstr. 7<br />
14.30-15.30 Tanzen macht fit, Grundschule Niedernetphen,<br />
Anmeldung SSS-Netphen <strong>02</strong>738/603-145<br />
Jeden 1. Donnerstag im Monat<br />
19.00 Treffen der Selbsthilfegruppe für Hörgeschädigte<br />
Siegen, in der Diakonie Sandstr. 26<br />
Jeden 2. Donnerstag im Monat<br />
15.00-17.00 Selbsthilfegruppe Mitten im Leben für<br />
Menschen mit Gedächtnisproblemen KSG-Senioren-<br />
Wohnanlage Weidenau Weidenauer Str. 2<strong>02</strong><br />
Jeden 4. Donnerstag im Monat<br />
15.00 Trauercafé der Ambulanten ökum. Hospizhilfe Siegen<br />
e.V.; Haus Herbstzeitlos Siegen, <strong>02</strong>71/236<strong>02</strong>-67<br />
freitags:<br />
14.00 Englisch Tea Time AWO-Ortsverein Siegen, im der<br />
Begegnungsstätte Rosterstr. 186, Siegen, <strong>02</strong>71/339857<br />
17.00 Tanzen ab der Lebensmitte mit und ohne Partner,<br />
TanzZentrum AGNE-PRESCHER Siegen-Geisweid,<br />
Birlenbacher Hütte 16 <strong>02</strong>71/84999<br />
18.00 Wochenschlussandacht, Autobahnkirche Siegerland,<br />
Rasthof Wilnsdorf<br />
14.30-15.30 Tanzen macht fit, Aula der Grundschule<br />
Niedernetphen, Anmeldung bei der Senioren-Service-<br />
Stelle Netphen <strong>02</strong>738/603-145<br />
21.00 Tango Milonga, Café Basico Kreuztal, Hüttenstr.<br />
30 mit wechseln den DJ's<br />
Jeden 2. Freitag im Monat<br />
15.00 Wochenausklang der Seniorenhilfe Siegen e.V.<br />
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />
Marienborner Str. 151 <strong>02</strong>71/6610335<br />
samstags:<br />
Jeden 3. Samstag im Monat<br />
13.00 ALTERAktiv Repaircafé, Mehrgenerationenzentrum<br />
der Martinigemeinde Siegen, St. Johann-Str. 7<br />
Jeden 4. Samstag im Monat<br />
13.00 Klimawelten Repaircafé, Florenburg Hilchenbach,<br />
Kirchweg 17 <strong>02</strong>733/2366 (Ingrid Lagemann)<br />
sonntags:<br />
20.00 Salsa Fiesta, Café Basico Kreuztal, Hüttenstr. 30<br />
mit wechselnden DJ's<br />
Jeden 1. Sonntag im Monat<br />
15.00 Trauercafé der Ambulanten ökum. Hospizhilfe<br />
Siegen e.V. im Pfarrheim Heilig Kreuz Siegen, Im Kalten<br />
Born Siegen, <strong>02</strong>71/236<strong>02</strong>-67<br />
Jeden 2. Sonntag im Monat<br />
14.30 Sonntagscafé in der Alten Linde Wilnsdorf-Niederdielfen,<br />
Weißtalstraße 2<br />
15.00 Sonntagscafe im Bürgerhaus Siegen-Niederschelden,<br />
Auf der Burg 15 <strong>02</strong>71/3370122<br />
Rund um die Uhr für Sie da<br />
- ein Anruf genügt!<br />
Siegen<br />
Alte Poststraße 21<br />
Tel.: <strong>02</strong>71 / 52 00 9<br />
Wilnsdorf<br />
Rathausstraße 5<br />
Tel.: <strong>02</strong>739 / 47 72 07<br />
Vorsorge -<br />
Absicherung für den letzten Weg.<br />
Das Notwendige nach eigenen Wünschen<br />
selbst bestimmen und vorsorgend regeln<br />
Die Angehörigen finanziell absichern<br />
Mitglied der Deutschen Bestattungsvorsorge<br />
Treuhand AG<br />
Geprüftes Qualitätssystem<br />
seit 7 Jahren in Folge.<br />
www.beerdigungsinstitut-bell.de<br />
72 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 73
Schlosshof am Oberen Schloss<br />
Mi. 30.5. 17.00 Blue Stock Festival<br />
Fr. 01.6. 21:00 RadioLiveTheater:<br />
Das Leiden vom Schlossberg<br />
Sa. <strong>02</strong>.6. 21:00 Rock4 Abbey Road<br />
So. 03.6. 20:00 Singer<br />
Songwriter Slam<br />
Fr. 08.6. 21:00 Le Cabaret Burlesque<br />
Sa. 09.6. 21:00 Leo Bassi<br />
The power of innocence<br />
So. 10.6. 20:30 A Cappella de Luxe:<br />
OnAir<br />
Fr. 15.6. 21:00 World Music Night:<br />
Banda Senderos<br />
Sa. 16.6. 21:00 Bodecker & Neander<br />
Pantomime<br />
Fr. 22.6. 21:00 N.N.-Theater<br />
Sa. 23.6. 22:00 Late Night Special:<br />
Souljazz Disciples<br />
So. 24.6. 20:00 Poetry Slam<br />
Scheinerplatz<br />
Fr. 29.6. 20:00 Straßentheater:<br />
Der Duft von Sägemehl<br />
Sa. 30.6. 20:00 Straßentheater:<br />
Der Duft von Sägemehl<br />
Innenstadt & Schlosspark<br />
Fr. 13.7. 22:00 10. Nacht<br />
der 1000 Lichter<br />
Sa. 14.7. 22:00 10. Nacht<br />
der 1000 Lichter<br />
Zur 30. Ausgabe des<br />
Siegener Sommerfestivals<br />
gibt es am 1.6.<br />
ein Wiederhören und<br />
-sehen mit dem „LEI-<br />
DEN VOM SCHLOSS-<br />
BERG“. Anlässlich des<br />
25-jährigen Geburtstags<br />
der Hörfunk-Comedy<br />
von Radio Siegen<br />
ist die Show live und in<br />
Farbe im Schlosshof zu<br />
„erleiden“ – als interaktives<br />
Kaspertheater!<br />
Vokalmusik, Singer<br />
Songwriting, World Music<br />
und Jazz – erneut<br />
liegt der Programmschwerpunkt<br />
beim<br />
diesjährigen Sommerfestival<br />
auf der Präsentation<br />
hochkarätiger<br />
Konzert-Events. Mit der<br />
niederländischen Formation<br />
ROCK4 (2.6).<br />
und den Berliner Vokal-<br />
Artisten ONAIR (10.6.)<br />
kommen zwei der<br />
besten A-Cappella-Ensembles<br />
Europas nach<br />
Siegen. Die Holländer präsentieren am<br />
Schloss ihr brandneues Programm „Abbey<br />
Road“. ONAIR wird eigens für Siegen<br />
eine Auswahl der besten Stücke aus den<br />
drei bisherigen Programmen mit einer<br />
Preview auf ihr neues Programm „Vocal<br />
Legends“ verknüpfen.<br />
Lange Zeit galten sie als verstaubtes<br />
Relikt einer protestbewegten Lagerfeuerromantik<br />
der 70er Jahre – jetzt füllen<br />
sie mit ihren selbstgetexteten und -komponierten<br />
Songs wieder die Musik-Bars<br />
und Konzertbühnen: die Singer-Songwriter.<br />
Eine Auswahl an Nachwuchstalenten<br />
ist am 3.6. im Rahmen eines Slam-<br />
Contests im Schlosshof zu erleben. Eine<br />
Woche später unternehmen Miss EVI &<br />
DAS TIER nach zwei wetter- bzw. krankheitsbedingten<br />
Absagen einen erneuten<br />
Anlauf, um ihr Prädikat als die deutschen<br />
Botschafter des burlesken Entertainments<br />
unter Beweis zu stellen „Le Cabaret Burlesque“<br />
am 8.6.<br />
Mit der neunköpfigen BANDA SENDE-<br />
ROS gibt es am 15.6. eine Neuauflage<br />
der beliebten WORLD MUSIC NIGHT, die<br />
nach Konzertende nahtlos in eine Global<br />
Pop Party mündet. Abgerundet wird das<br />
Open-Air-Konzertvergnügen in diesem<br />
Sommer mit einem Late Night Special der<br />
SOULJAZZ DESCIPLES. Straßentheater,<br />
Kino, Poetry und Pantomime ergänzen das<br />
Programm-Menü.<br />
Die beiden Berliner Pantomimen BODE-<br />
CKER & NEANDER, früher Bühnenpartner<br />
von Weltstar Marcel Marceau, zeigen bei<br />
ihrer Siegen-Premiere am 16.6. eine Kostprobe<br />
ihres atemberaubenden Könnens.<br />
Bühnenlegende und „Anarchoclown“ LEO<br />
BASSI dagegen stand schon vier Mal auf<br />
Zirkusluft<br />
und 1000<br />
Lichter<br />
der Festivalbühne im Schlosshof. 23 Jahre<br />
nach seinem Siegener Debüt kommt der<br />
Wahl-Spanier am 9.6. noch einmal nach<br />
Siegen und lässt uns mit seiner provokanten<br />
Bühnenshow und autobiografischen<br />
Erzählungen teilhaben an seinem bewegten<br />
Künstlerleben und der abenteuerlichen<br />
Artisten-Welt seiner Vorfahren. Eine echte<br />
Deutschlandpremiere beschert uns das<br />
N.N. THEATER aus Köln am 22.6. Vor historischer<br />
Kulisse am Oberen Schloss wagt<br />
sich das bundesweit renommierte Straßentheaterensemble<br />
an das Experiment,<br />
Shakespeares „Sturm“ mit Jules Vernes<br />
Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“<br />
zu einem Theaterstück zu verschmelzen.<br />
Das Sommerfestival erobert die Siegener<br />
Innenstadt: Zirkusluft schnuppern<br />
kann man am 28. und 29. Juni unmittelbar<br />
vor dem Apollo-Theater: Zwei Tage lang<br />
verwandelt sich der<br />
Scheinerplatz in eine<br />
Straßentheater-Arena,<br />
in der auf zwei Trapezen<br />
fünf Akrobaten der<br />
südfranzösischen Artisten-Compagnie<br />
LES<br />
P‘TITS BRAS waghalsige<br />
Luft-Artistik präsentieren.<br />
Zum 10. Mal lockt<br />
die NACHT DER 1000<br />
LICHTER in die City, in<br />
der am 13. und 14. Juli.<br />
Halb Siegen ist auf den<br />
Beinen, wenn die Straßenbeleuchtung<br />
vom<br />
Siegufer bis hoch zum<br />
Oberen Schloss ausgeschaltet<br />
wird und Romantik<br />
und poetische<br />
Momente in der Stadt<br />
Einzug halten.<br />
Das Sommerfestival<br />
für die Kleinsten findet<br />
in den Ferien selbst<br />
statt: Der gelbe Sonnen-Pavillon<br />
im Park<br />
am Oberen Schloss<br />
bietet auch in diesem<br />
Jahr wieder die wunderbare Kulisse für<br />
das KINDERTHEATER IN DEN FERIEN,<br />
das an jedem Feriensamstag um 16 Uhr<br />
ein amüsantes Unterhaltungsprogramm<br />
für Kinder- und Familien bereithält.<br />
Ähnlich lebhaft geht es beim SIEGE-<br />
NER STADTFEST zu, das unmittelbar<br />
nach den Ferien (31.8.-2.9.) für große<br />
Augen und Ohren sorgen wird. Das Sommerfestival<br />
beteiligt sich erneut mit zahlreichen<br />
Programmpunkten am Stadtfest.<br />
Tickets für die eintrittspflichtigen Veranstaltungen<br />
sind zu stark ermäßigten<br />
Preis an allen lokalen und regionalen<br />
Vorverkaufsstellen des Apollo-Theaters<br />
erhältlich. Detailinfos<br />
und Videotrailer zu<br />
den einzelnen Veranstaltungen<br />
gibt es im Internet unter<br />
www.sommerfestival.com<br />
Schlosspark<br />
Sa. 21.7. 16:00 Theater Chapiteau:<br />
König Wackelturm von Babylon<br />
Sa. 28.7. 16:00 Doris Friedmann:<br />
Dornröschen hat verschlafen<br />
Sa. 04.8. 16:00 Figurentheater:<br />
Geheimnis des Leuchtturms<br />
Sa. 11.8. 16:00 Los Filonautas:<br />
Gestrandet<br />
Sa. 18.8. 16:00 Kabikaze Theater:<br />
Absender unbekannt<br />
Sa. 25.8. 16:00 17. Siegener<br />
Märchenzelt… mit Gwendith<br />
Veranstaltungen in der Innenstadt<br />
Siegener Stadtfest:<br />
Musik & Artistik<br />
Veranstaltungen<br />
auf vielen<br />
Bühnen<br />
in der Siegener<br />
Unter- und<br />
Oberstadt<br />
Freitag, 31.8.<br />
15.00-23.00<br />
Samstag, 1.9.<br />
11.00-24.00<br />
Sonntag, 2. 9.<br />
11.00-19.00<br />
10. Nacht der 1000 Lichter, in der Siegener Innenstadt und im Schlossparkt Miss Evi und das Tier, am 8.6. im Schlosshof<br />
N.N.-Theater, am 22.6. am Oberen Schloss<br />
Foto: Rene Achenbach<br />
Der Duft von Sägemehl, am 29 und 30.6. auf dem Scheinerplatz<br />
74 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 75
22. Tag der<br />
Begegnung<br />
Mit über 30 Infoständen und vielfältigen<br />
Angeboten präsentieren sich am<br />
Samstag, den 9. Juni<br />
Selbsthilfegruppen und die Behindertenhilfe<br />
verschiedener Verbände auf<br />
dem Weidenauer Bismarckplatz.<br />
Neben Informationen und der Gelegenheit<br />
zu Gesprächen runden ein buntes<br />
Bühnenprogramm, Jonglage und<br />
Walk-Acts die Veranstaltung ab. Die<br />
Veranstalter laden ein zu erleben, wie<br />
selbstverständlich Inklusion sein kann.<br />
Geplant ist folgendes Programm:<br />
11:05 „Schneeweißchen und Rosenrot“,<br />
heiter-folkloristisches Miteinander<br />
11:45 Der Kehlkopflosen-Chor,<br />
„Singen geht immer“<br />
12:00 Grüße des Bürgermeisters und<br />
des Beirates der Menschen mit Behinderung,<br />
„Inklusion ist wichtig“<br />
12:15 SiWi Vocal „Noch mehr Sangeslust“<br />
12:40 Tanzgruppen der Lebenshilfe<br />
und der AWO machen den Tag bunter<br />
13:35 Trommelbegeisterte der AWO<br />
„heizen ein“<br />
14:00 Der Landrat lässt auch grüßen<br />
14:10 Katrin und Die Quietschboys<br />
sorgen für beste Tanzstimmung<br />
15:15 „Better ITT“, die Lebenshilfe-<br />
Band rockt die Bühne<br />
Fußball WM<br />
14.06. – 15.07.<strong>2018</strong><br />
Public Viewing<br />
am unteren Schloss in Siegen<br />
Alle Spiele der Fifa WM<br />
nach offiziellem Spielplan<br />
Juni<br />
Am 9. Juni ist wieder Tag der Begegnung auf dem Bismarckplatz in Siegen-Weidenau<br />
1. Freitag<br />
20.00 Teddy Shows, Das passiert alles<br />
in deiner Birne!, Siegerlandhalle<br />
2. Samstag<br />
15.00 Poetische Wanderung, ab<br />
Forsthaus Hohenroth Netphen<br />
21.00 Rock4: Abbey Road, Siegener<br />
Sommerfestival am Oberen Schloss<br />
3.Sonntag<br />
10.45 Orgelmatinée, Gisbert Wüst,<br />
Kath. Kirche St. Joseph Weidenau,<br />
12.00 Große Jubiläumsfeier für die<br />
ganze Familie anlässlich 150 Jahre<br />
Stiftung Leonhard Gläser, Siegerlandhalle,<br />
Siegen, Koblenzer Str. 151<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4 im<br />
Schlossgarten, Oberes Schloss Si.<br />
18.00 Oldiekonzert mit The Greyhounds,<br />
Kreuztal Dreslers Park<br />
19.00 Schlagerabend, Wie wär's, wie<br />
wär's? Geschwister Pfister in der<br />
Toskana, Apollo-Theater Siegen<br />
6. Mittwoch<br />
19.30 WortSchmiede mit Volker Bunse,<br />
Jonglieren mit Worten, Villa Bubenzer,<br />
Freudenberg, Villa-Bubenzer-Weg<br />
Am 9. Juni tritt der Seemannschor der Marinekameradschaft Siegen<br />
im Heimhof-Theater in Burbach-Wasserscheide auf<br />
8. Freitag<br />
21.00 Le Cabaret Burlesque, Siegener<br />
Sommerfestival am Oberen Schloss<br />
9. Samstag<br />
10.00 Workshop, Coole Graffitis<br />
und Pop-Art, Jugendkunstschule<br />
Wilnsdorf, Realschule Niederdielfen,<br />
11.00 Grundzüge der Philosophie<br />
Nietzsches, Von der "Geburt<br />
der Tragödie" zum "Willen zur<br />
Macht", Gemeindeh. Heilig Kreuz,<br />
Weidenau, Im kalten Born 8<br />
16.00 Gitarre Pur, Schüler / Dozentenkonzert<br />
Fritz-Busch-Musikschule,<br />
Städtische Galerie Haus Seel Siegen,<br />
Kornmarkt (auch 18 Uhr)<br />
19.00 Vokalensemble aus Köln,<br />
Kammerchor Consono, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystr. 1<br />
20.00 Late Night Jazz Foundation, A<br />
Tribute to Wes Montgomery, B.-<br />
Holzhausen, Alte Schule<br />
20.00 Seemannschor der Marinekameradschaft<br />
Siegen, Heimhof-<br />
Theater Burbach, Heimhofstr. 7a<br />
10. Sonntag<br />
11.00 Kunst und Musik im Park der<br />
Villa Bubenzer, Freudenberg, Villa<br />
Bubenzer Weg 7 ,<br />
15.00 Sonntagskaffee der Heimatgruppe,<br />
Bürgerhaus Sgn. Nderschelden<br />
15.30 VHS-Siegen, Stadtrundgang<br />
zur politischen Erinnerungskultur im<br />
öffentlichen Raum, KrönchenCenter,<br />
Markt 25, Siegen<br />
15.30 Benefizveranstaltung anlässlich<br />
der Staatsgründung Israels<br />
1948, Martinikirche Siegen, Grabenstr.<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4<br />
im Schlossgarten, Fritz-Busch-Musikschule,<br />
Schlossgarten am Oberen<br />
Schloss Siegen, Burgstraße<br />
18.00 Konzert zum 50-jährigen<br />
Jubiläum des Kammerchors Weidenau,<br />
Kath. Kirche St. Joseph Weidenau,<br />
Weidenauer Str. 23<br />
11. Montag<br />
17.00 Kino ohne ALTERSbeschränkung,<br />
Ein Dorf sieht schwarz, Viktoria<br />
Filmtheater Hi.-Dahlbruch<br />
13. Mittwoch<br />
15.00 Computerspiele-Nachmittag<br />
für Seniorinnen und Senioren, Zum<br />
Spielen ist man nie zu alt, Stadtbibliothek<br />
Kreuztal, am Roten Platz<br />
14. Donnerstag<br />
18.30 Forum Alte Musik, Es musizieren<br />
Schüler und Schülerinnen des<br />
Fachbereiches Alte Musik, Ratssaal<br />
im Rathaus Siegen, Markt 2<br />
15. Freitag<br />
19.30 Konzert mit der Philharmonie<br />
Südwestfalen, mit bekannten<br />
und beliebten Melodien, Wilnsdorf<br />
-Forum Gymnasium<br />
19.00 Hans Hübner Räuberabend,<br />
Original Hilchenbacher Schlossberg<br />
Raubritter, Ginsburg bei Hi.-Lützel<br />
20.00 Theaterfahrt: Schauspielhaus<br />
Bochum, Maria Stuart, Apollo-Theater<br />
Siegen (18.00 ab Bahnhof Bad Blb.)<br />
16.Samst.<br />
17.00 16. Open-Air-Konzert mit der<br />
Philharmonie Südwestfalen, Hilchenbach,<br />
Marktplatz (17.6. vorm.<br />
mit Open-Air Gottesdienst)<br />
21.00 Pantomime: Bodecker & Neander,<br />
Siegener Sommerfestival am<br />
Oberen Schloss<br />
17.Sonnt.<br />
15.00 Uhr Schlosshof Open-Air, ein<br />
sommerliches Konzert mit der Philharmonie<br />
Südwestfalen, Bad Berleburg<br />
16.00 Sonntagnachmittag<br />
um<br />
4 im Schlossgarten,<br />
Schloss<br />
Pavillon, Oberes<br />
Schloss Siegen<br />
17.00 Sommerkonzert<br />
mit Lämpels<br />
Jatz Orchester,<br />
Kurpark<br />
Freudenberg , Musikpavillon<br />
21.Donnerst.<br />
19.30 Konzert mit<br />
der Damen Band<br />
Die Schmonzetten,<br />
Alte Linde,<br />
Wilnsdf.-Ndielfen,<br />
Weißtalstr. 2<br />
22. Freitag<br />
20.00 Kunst gegen Bares im Freibad,<br />
Warmwasserfreibad in Siegen, Kaan-<br />
Marienborn, Breitenbacher Str. 59<br />
21.00 N.N.-Theater, Siegener Sommerfestival<br />
am Oberen Schloss<br />
24. Sonntag<br />
15.00 Orgelpunkte zum Orgeltag<br />
der Westfälischen Landeskirche, Siegen<br />
Nikolaikirche und Gemeindehaus<br />
15.00 Chormusik mit den Gruppen<br />
Akzente und Half Past 8, Kreuztal<br />
Dreslers Park<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4<br />
im Schlossgarten, Schloß Pavillon,<br />
Oberes Schloss Siegen<br />
17.00 Benefizkonzert zu Gunsten<br />
der Bürgerstiftung Siegen,<br />
Marsalis`Swing Symphony und "Side<br />
by Side",Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />
Straße 151<br />
Samstag 16.6. 16. Open-Air-Konzert mit der Philharmonie<br />
Südwestfalen, Hilchenbach, Marktplatz<br />
27. Mittwoch<br />
20.00 NENA, – Nichts-Versäumt-Tour<br />
<strong>2018</strong> -, Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />
Straße 151<br />
28. Donnerst.<br />
18.00 Kreuztal Live mit den Open<br />
Doors Kreuztal, Auf dem Roten Platz<br />
18.30 Konzert des Forum junger<br />
Instrumentalisten der Fritz-Busch-<br />
Musikschule, Ratssaal im Rathaus<br />
Siegen, Markt 2<br />
21.00 Zirzensisches Straßentheater:<br />
Der Duft von Sägemehl, Siegener<br />
Sommerfestival Scheinerplatz<br />
(auch Samstag 30. Juni)<br />
30.Samstag<br />
17.00 Schauspiel, Wenn Prinz<br />
Wilhelm kommt, Hilchenbacher<br />
Hoftheater, Ginsburg bei Hilchenbach-Lützel<br />
24. Juni<br />
Chormusik mit den Gruppen<br />
Akzente und Half Past 8,<br />
Kreuztal Dreslers Park<br />
76 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 77
1. Sonntag<br />
9.00 Siegtal pur auf 130 Kilometer,<br />
Autofrei!, Naturregion Siegen<br />
10.45 Orgelmatinée, Helga Maria<br />
Lange, Kath. Kirche St. Joseph Weidenau,<br />
Weidenauer Str. 23<br />
15.00 Hilchenb. Hoftheater, Wenn<br />
Prinz Wilhelm kommt, Ginsburg,<br />
bei H.-Lützel<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4<br />
im Schlossgarten, Schloß Pavillon,<br />
Oberes Schloss Siegen<br />
17.00 Sommerkonzert mit dem Chor<br />
La Musica, Kurpark Freudenberg<br />
2. Montag<br />
19.30 Konzert, Renaud Capuçon,<br />
Violine, Sebastian Knauer, Klavier,<br />
Bad Berleburg, Schloss<br />
3. Dienstag<br />
20.00 Collegium Musicum Sgn.,<br />
Sinfoniekonzert, Amerikanische<br />
Klangbilder, Festsaal der Rudolf<br />
Steiner Schule, Siegen, Kolpingstr.3<br />
4. Mittwoch<br />
19.30 Hannelore Elsner, Rezitation<br />
Sebastian Knauer, Klavier, Harlekin<br />
sucht Colombine – Mozart und die<br />
Frauen, Bad Berleburg - Schloss<br />
20.00 tollMut-Theater, Ein Sommernachtstraum,<br />
Apollo-Theater Siegen<br />
5. Donnerstag<br />
18.00 Kreuztal Live mit den Blexes,<br />
Kreuztal, Auf dem Roten Platz<br />
Juli<br />
Dienstag, 3. Juli Collegium Musikum in der Rudolf-Steiner-Schule Siegen<br />
19.30 Konzert, Matthias Kirschnereit,<br />
Klavier, Bad Berleburg - Schloß<br />
Berleburg<br />
20.00 Finale des Schul-Battles mit<br />
Schulen, Schul-Slam "Lyrik analog",<br />
Apollo-Theater Siegen<br />
7. Samstag<br />
20.30 kreuztalklassik Eine amerikanische<br />
Nacht mit der Philharmonie<br />
Südwestfalen, (Vorprogramm Jekiss<br />
18 Uhr), Kreuztal Dreslers Park<br />
20.30 Comedy, LaLeLu – A Cappella,<br />
Muss das sein?! Bad Berleburg<br />
- Schloß Berleburg<br />
8. Sonntag<br />
15.00 Konzert für Freunde, mit Kaffee<br />
und Kuchen, Siegen Nikolaik.<br />
15.00 Sonntagskaffee der Heimatgruppe,<br />
Bürgerhaus Sgn. Niederschelden<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4 im<br />
Schlossgarten, Schloss Pavillon,<br />
Oberes Schloss Siegen<br />
18.00 Konzert, Aron Quartett, Patrick<br />
Messina, Klarinette, Bad Berleburg<br />
- Schloss Berleburg<br />
15.Sonntag<br />
11.00 Chorgemeinschaft Eichen-Bockenbach<br />
& Gäste mit Notencocktail<br />
Kreuztal, Dreslers Park<br />
15.00 Big-Band der Universität Siegen,<br />
Highlights auf Hohenroth,<br />
Forsthaus Hohenroth Netphen, An<br />
der Eisenstr.<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4 im<br />
Schlossgarten, Schloss Pavillon,<br />
Oberes Schloss Siegen<br />
17.00 Sommerkonzert in der Naturund<br />
Jagdhorn-Bläsergruppe Siegerland-<br />
Wittgenstein e.V., Freudenberg,<br />
Kurpark<br />
12. Donnerstag<br />
18.00 Kreuztal Live mit Luke Mays<br />
Band, Kreuztal, Auf dem Roten Platz<br />
13. Freitag/14.Samstag<br />
22.00 10. Nacht der 1000 Lichter,<br />
Siegen Innenstadt & Schlosspark<br />
Sonntag 29.7.<br />
Kleintier-Bauern-Öko und<br />
Trödelmarkt Irmgarteichen<br />
Marktplatz/Schützenhalle.<br />
2. Donnerstag<br />
18.00 Kreuztal Live mit Jojo Weber,<br />
Kreuztal, Auf dem Roten Platz<br />
3. Freitag<br />
19.00 Freudenberg Live, Opening<br />
<strong>2018</strong>, Freudenberg, Rathausplatz<br />
5. Sonntag<br />
15.00 Konzert mit dem Susan Weinert<br />
Rainbow Trio, Kreuztal Dreslers<br />
Park<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4 im<br />
Schlossgarten, Pavillon, Oberes<br />
Schloss, Siegen<br />
August<br />
9.<br />
Donnerst.<br />
18.00 Uhr<br />
„Kreuztal Live“<br />
mit der Gruppe<br />
Unart,<br />
Kreuztal,<br />
Auf dem Roten<br />
Platz<br />
Foto: Karlheinz Ley<br />
20. Freitag<br />
19.00 Freudenberg Live, Opening<br />
<strong>2018</strong>, Freudenberg, Rathausplatz<br />
22. Sonntag<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4<br />
im Schlossgarten, Schloss Pavillon,<br />
Oberes Schloss Siegen<br />
18.00 Rock'n'Roll mit der Gruppe<br />
The Peteles, Kutscherhaus<br />
Kreuztal, Dreslers Park<br />
26. Donnerstag<br />
18.00 Kreuztal Live mit Mission-<br />
2Party, Auf dem Roten Platz<br />
27. Freitag<br />
19.00 Freudenberg Live, Opening<br />
<strong>2018</strong>, Freudenberg Rathausplatz<br />
29. Sonntag<br />
11.00 Kleintier-Bauern-Öko und<br />
Trödelmarkt, Irmgarteichen Netphen,<br />
Marktplatz und Schützenhalle.<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4<br />
im Schlossgarten, Pavillon, Siegen<br />
Oberes Schloss<br />
9. Montag<br />
17.00 Kino ohne ALTERSbeschränkung,<br />
Florence Foster Jenkins,<br />
Viktoria Filmtheater Hi.-Dahlbruch<br />
12. Donnerstag<br />
15.00 Sonntagskaffee der Heimatgruppe,<br />
Bürgerhaus Sigen-Niederschelden<br />
15.30 VHS Siegen, CaféZeit, Lesung,<br />
Berühmte Tiere in der Literatur:<br />
Die Möwe Jonathan von Richard Bach,<br />
KrönchenCenter Siegen, Markt 25<br />
18.00 Kreuztal Live mit den Nightlife,<br />
Kreuztal, Auf dem Roten Platz<br />
Lämpels Jatz Orchester „Sonntagnachmittag um 4 im Schlossgarten“, am 22.7. Pavillon, Oberes Schloss, Siegen<br />
78 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 79
10. Freitag<br />
19.00 Freudenberg Live, Opening<br />
<strong>2018</strong>, Freudenberg Rathausplatz<br />
21.00 Illumination der Kirche<br />
Raumland, farbige Lichtinszenierung<br />
der Außenfassade, Ev.<br />
Kirche Raumland (bis 12.08.)<br />
12. Sonntag<br />
15.00 Konzert mit dem Bino Dola<br />
Trio, Kreuzt., Dreslers Park<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4<br />
im Schlossgarten, Schloß Pavillon,<br />
Oberes Schloss Siegen<br />
13. Montag<br />
17.00 Kino ohne ALTERSbeschränkung,<br />
Hidden Figures, Unerkannte Heldinnen,<br />
Viktoria Filmtheater Hi.-Dahlbruch<br />
16. Donnerstag<br />
18.00 Kreuztal Live mit Hörgerät,<br />
Kreuztal, Auf dem Roten Platz<br />
<strong>db</strong> 1-<strong>2018</strong> Kaffeefahrt auf Fahrradwegen.<br />
Der Bericht von Michael Kringe<br />
katapultierte mich ohne Umwege in<br />
meine Jugendzeit.<br />
Allerdings nutzte ich diesen neuen<br />
Radweg nicht „zweckentfremdet“ zum<br />
Kaffeeausliefern mit Rollschuhen, wie<br />
Herr Kringe schreibt, sondern, wie<br />
vorgesehen, zum Radeln. Ich fuhr<br />
nämlich damals, ab Ende der 50er<br />
Jahre, mit meinem neuen 3-Gang Rad<br />
sowohl zum neuen Schwimmbad nach<br />
Sonntag, 26. August 15.00 Salonmusik mit Il Piacere, Kreuztal Dreslers Park<br />
17. Freitag<br />
19.00 Freudenberg Live, Opening<br />
<strong>2018</strong>, Freudenberg Rathausplatz<br />
19. Sonntag<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4<br />
im Schlossgarten, Schloß Pavillon,<br />
Oberes Schloss Siegen<br />
Leserbriefe<br />
Weidenau als auch später zu meiner<br />
Arbeitsstelle. Die Strecke dorthin vom<br />
Rande Alt-Siegens war etwa 6,5 km<br />
lang. Und so manches Mal wurde ich<br />
vom Regen überrascht, kam morgens<br />
- abends zurück war es nicht schlimm<br />
- völlig durchnässt am Arbeitsplatz an.<br />
Eine Kollegin, deren Tochter in meinem<br />
Alter war, versorgte mich dann<br />
regelmäßig mit passender Kleidung,<br />
bis meine eigene getrocknet war.<br />
Hightech-Regenkleidung gab es noch<br />
23. Donnerstag<br />
18.00 Kreuztal Live mit On Line,<br />
Kreuztal, Auf dem Roten Platz<br />
26. Sonntag<br />
16.00 Sonntagnachmittag um 4 im<br />
Schlossgarten, Pavillon, Oberes<br />
Schloss Siegen<br />
Siegener<br />
Stadtfest:<br />
Musik & Artistik<br />
Veranstaltungen auf vielen Bühnen<br />
in der Unter- und Oberstadt<br />
Freitag, 31. August 15.00-23.00<br />
Samstag 1. September 11.00-24.00<br />
Sonntag, 2. September 11.00-19.00<br />
nicht und meine Regenjacke war nicht<br />
sehr zuverlässig.<br />
Herr Kringe, danke für das „Hervorholen“<br />
meiner Erinnerungen.<br />
Rosemarie Harth, Siegen<br />
<strong>db</strong>- Mundartseiten. Seit längerer Zeit<br />
lese ich regelmäßig den durchblick und<br />
bin immer wieder begeistert von den<br />
vielfältigen Texten, Rätseln usw. Besonders<br />
haben es mir die in „platt“ wiedergegebenen<br />
Geschichten, Episoden,<br />
Anekdoten und Gedichte angetan. Als<br />
waschechte Siegerländerin (fast 75),<br />
in Eisern geboren, lebe ich noch heute<br />
mit meinem Mann im Elternhaus. In<br />
der Anlage erhalten sie zwei Anekdoten<br />
in „Iserner Platt“. Vielleicht haben Sie<br />
Verwendung hierfür.<br />
Marlies Rademacher, Eisern<br />
Anm. d. Red.: Vielen Dank für die<br />
Beiträge, wir werden mindestens<br />
einen Text davon in der nächsten<br />
Ausgabe veröffentlichen<br />
Siegen. DIe Spielzeit 2017/<strong>2018</strong><br />
im Lyz ist zwar gerade erst beendet,<br />
doch mit einem Vorgriff auf die Saion<br />
<strong>2018</strong>/2019 macht das Lÿz bereits jetzt<br />
schon Lust auf den kommenden Kleinkunst-Herbst.<br />
Am 28. September eröffnet<br />
Comedian Johann König die Spielzeit,<br />
einen Tag später präsentieren die<br />
a capella-Barden von basta ihr neustes<br />
Programm „In Farbe“ und Kritiker-<br />
Papst Denis Scheck gibt am 5. Oktober<br />
so manchem Buch seinen Segen (oder<br />
schickt es in die Verbannung).<br />
Frühstarter No.1 hat einen Teil seiner<br />
Lebens-ToDo-Liste bereits abgearbeitet<br />
– er hat drei Kinder gezeugt, zwei<br />
Bäume gepflanzt und ein Haus gebaut.<br />
Nun stehen bei Johann König (28.9.)<br />
die nächsten Aufgaben an: den Auszug<br />
der Kinder vorbereiten, die Bäume fällen<br />
und das Haus verputzen. Gewohnt<br />
kühl in der Analyse, warm in der Poesie<br />
und heiß in der Darbietung fragt er<br />
sich dabei, ob die Eltern raus aus der<br />
Verantwortung für die Zukunft ihrer<br />
Kinder sind, wenn diese durch immensen<br />
Fleisch-, Spielzeug- und Gummistiefel-Bedarf<br />
die Ressourcen des Planeten<br />
frühzeitig verballern oder welche<br />
Auswirkungen es auf den Aktienmarkt<br />
hätte, wenn alle Menschen gleich wären<br />
und man die Begriffe Konsum und<br />
Moral tauscht.<br />
Kultur<br />
Lÿz-Frühstarter <strong>2018</strong>/2019<br />
Johann König, basta und Denis Scheck sind<br />
die Vorboten der kommenden Kleinkunst-Saison<br />
VdK Soziale Sicherheit in einer<br />
großen Gemeinschaft<br />
Kreisverband<br />
Siegen-Olpe-Wittgenstein<br />
57072 Siegen Morleystr.15-17<br />
Tel.: <strong>02</strong> 71 / 30 38 29-0<br />
Fax: <strong>02</strong> 71 / 30 38 29-18<br />
e-mail: kv-siegen@vdk.de<br />
www.vdk.de/kv-siegen-olpe-wittgenstein<br />
Falls Sie mehr über den VdK wissen möchten,<br />
wenden Sie sich an den Kreisverband oder direkt<br />
an den für Sie zuständigen Ortsverband<br />
Am 29. September präsentieren die a capella-Barden von basta<br />
ihr neustes Programm „In Farbe“ im Kulturhaus Lÿz<br />
Beständig versorgen<br />
auch „fünf<br />
Jungs im besten<br />
Alter“ ihr Publikum<br />
mit lebensprallen<br />
Liedern, komischen<br />
Geschichten<br />
und feinsinnigen<br />
Balladen. Dass<br />
basta (29.9.) das<br />
a cappella bewerkstelligt,<br />
ist<br />
fast schon Nebensache,<br />
entstehen<br />
hier doch ganze<br />
Orchester und<br />
Bands vor den inneren<br />
Augen und<br />
äußeren Ohren des Publikums. Irrwitzige<br />
und doch passende Kombinationen sind<br />
dabei neben einer außergewöhnlichen<br />
Bühnenpräsenz bastas Markenzeichen:<br />
„Kranke Männer“ verbindet klassischen<br />
Hardrock mit maskuliner Wehleidigkeit,<br />
„Mein Auto“ alpine Ländler-Romantik mit<br />
einer satirischen Hymne auf des Mannes<br />
besten Freund, das Auto. „Das Leben ist<br />
kein Wandtattoo“ heißt es bei ihnen, und<br />
dass dieser Satz schon fast selber zum<br />
Sinnspruch taugt, ist auch wieder eine<br />
typische basta-Ironie. „The Good, the<br />
Bad, the Ugly. Was sich zu lesen lohnt“<br />
heißt es dann eine Woche später mit<br />
Deutschlands bekanntestem Literaturkritiker.<br />
Bei jährlich 90 000 Buch-Neuerscheinungen<br />
behält Denis Scheck (5.10.)<br />
den Überblick und weiß, wie man in diesem<br />
immensen Angebot "das Schöne,<br />
Gute, Wahre" vom "Albernen, Überflüssigen<br />
und Banalen" trennt. Der eloquente<br />
Literaturkenner spießt Sumpfblüten des<br />
Betriebs auf, stellt vor, was unbedingt lesenswert<br />
ist und kann sicher auch den<br />
Besuchern im Kulturhaus Lÿz den einen<br />
oder anderen fundierten Tipp für winterliches<br />
Lesevergnügen auf heimischer<br />
Couch geben.<br />
Karten gibt es ab sofort auf www.Lyz.<br />
de und bei allen anderen bekannten<br />
Vorverkaufsstellen. <br />
<strong>db</strong><br />
80 durchblick 2/<strong>2018</strong><br />
2/<strong>2018</strong> durchblick 81
Unterhaltung / Impressum<br />
Es fiel uns auf, …<br />
…dass zu viel Zeit am PC depressiv macht. Wer in seiner<br />
Freizeit täglich mehr als sechs Stunden am Computer<br />
oder vor dem Fernseher sitzt, erkrankt besonders leicht an<br />
einer Depression. Das ergab eine Studie der Louisiana State<br />
University in Baton Rouge (USA). Sport oder ein Treffen<br />
mit Freunden hilft besser beim Abschalten.<br />
…dass das Arbeiten im Stehen schlauer macht. Israelische<br />
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Arbeiten<br />
im Stehen gut für den Geist ist. Die Haltung fördert<br />
die Konzentration, macht aufmerksamer und hilft dabei,<br />
sich wohler zu fühlen.<br />
…dass Stress durch Atemübungen gelindert werden<br />
kann. Akuter Stress lässt sich einfach wegatmen, so das<br />
Fazit einer Studie der Universität von San Francisco. Nach<br />
wenigen Minuten Atemtraining waren bei den Probanden<br />
Stressreaktionen wie Wut und Ärger ausgeschaltet. So<br />
geht`s: Beim Geradestehen Hände seitlich an die Rippen<br />
legen. Bewusst gegen die Hände atmen, auf vollständige<br />
Ausatmung achten. Siebenmal wiederholen.<br />
…dass ältere Menschen oft alleine leben. Rund ein Drittel<br />
aller 65-jährigen und älteren Menschen leben allein im<br />
Einpersonenhaushalt. Unter den Frauen ist der Anteil der<br />
Alleinlebenden mit 45 Prozent sogar mehr als doppelt so<br />
hoch wie bei den Männern (19 Prozent). homa<br />
Gedächtnistraining – Lösungen:<br />
Gleicher Anfang: 1.Brotkorb, 2.Brotsuppe,<br />
3.Broteinheiten, 4.brotlos, 5. Broterwerb, 6.Brotlaib,<br />
7.Brotkrumen, 8.Brotzeit. Märchensprüche:<br />
1.Schneewittchen, 2.Tischlein deck dich, 3.Rapunzel,<br />
4.Der Fischer und seine Frau, 5.Schneewittchen.<br />
Wer bin ich: Hildegard Knef. Heinz<br />
Erhardt: 1.a, 2.c, 3.b, 4.a, 5.a, 6.c, 7.a.<br />
Zu guter Letzt:<br />
Bruder Adrian<br />
Es flucht der Bruder Adrian:<br />
er kriegt nicht alle Kerzen an!<br />
Er hatte in der Osternacht<br />
am Hochaltar das Licht entfacht.<br />
Das Ende war bereits in Sicht,<br />
doch eine Kerze brannte nicht.<br />
Mein lieber Bruder, gräm dich nicht,<br />
geh hin, tu weiter deine Pflicht!<br />
Es geht halt nicht bei jedermann<br />
das Glaubenslicht auf Anhieb an.<br />
Jörn Heller<br />
durch<br />
blick<br />
Gemeinnützige Seniorenzeitschrift<br />
für Siegen und Siegen-Wittgenstein<br />
Herausgeber:<br />
durchblick-siegen Information und Medien e.V.<br />
Anschrift der Redaktion:<br />
„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen<br />
Telefon <strong>02</strong>71 / 6 16 47, Mobil: 0171 / 6 20 64 13<br />
E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de<br />
Internet: www.durchblick-siegen.de<br />
Öffnungszeiten:<br />
dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr<br />
1. und 3. Dienstag im Monat auch von 15.00 bis 17.00 Uhr<br />
Redaktion:<br />
Anne Alhäuser; Hans Amely; Maria Anspach; Ulla D'Amico; Ingrid<br />
Drabe (Veranstaltungen); Friedhelm Eickhoff (ViSdP); Fritz Fischer;<br />
Eberhard Freundt; Eva-Maria Herrmann (stellv. Redaktionsleiterin);<br />
Ulrich Hoffmann (stellv. Redaktionsleiter); Erna Homolla; Erich<br />
Kerkhoff; Horst Mahle; Werner Müller-Späth; Rita Petri (Nachrichten);<br />
Helga Siebel-Achenbach; Tessie Reeh; Eberhard Wagner; Ulli Weber<br />
Bildredaktion:<br />
Thomas Benauer; Rita Petri (Leitung); Tessie Reeh; Nicole Scherzberg<br />
Internet:<br />
Thomas Benauer; Thomas Greiner<br />
An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:<br />
Bernadette von Plettenberg; Bruno Steuber; Ernst Göckus;<br />
Heinz Stötzel; Jörn Heller; Gudrun Neuser; Marion Schneider;<br />
Hartmut Reeh; Eva Vitt; Bettina Großhaus-Lutz; Heinz Bensberg;<br />
Eva Schumacher; Horst Feger; Gert Sautermeister; Otto Schneider;<br />
Karlheinz Ley<br />
Gestaltung und Druckvorstufe:<br />
Friedhelm Eickhoff; Uli Hoffmann; Rita Petri<br />
Anzeigenanfrage:<br />
durchblick-siegen e.V. Telefon 0171 / 6 20 64 13 oder <strong>02</strong>71 / 6 16 47<br />
E-Mail: anzeigen@durchblick-siegen.de<br />
Es gilt die Preisliste 12/2015 (www.durchblick-siegen.de/Mediadaten)<br />
Diese Auflage beträgt cirka 23.000 Exemplare<br />
Druck:<br />
Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen<br />
Erscheinungsweise:<br />
März, Juni, September, Dezember<br />
Verteilung:<br />
Nadine Dören (Ltg.); Wolfgang von Keutz; Christel Schmidt-Hufer;<br />
Jörgen Meister; Hannelore Münch; Rüdiger Zimmermann; Dr.<br />
Horst Bach; Gerd Bombien; Marianne Hoffmann; Monika Müller;<br />
Klaus Rauer; Hans-Rüdiger Schmidt; Jörgen Meister; Maximilian<br />
Großhaus-Lutz; Dieter Vetter und alle Redakteure<br />
Der durchblick liegt im gesamten Kreisgebiet kostenlos aus: in<br />
Sparkassen, Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der City-<br />
Galerie, in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren<br />
Inserationskunden, in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen<br />
der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern<br />
und Senioren-Sercicestellen des Kreises Siegen-Wittgenstein.<br />
Der durchblick ist kostenlos. Für die Postzustellung werden für vier Ausgaben<br />
jährlich 8,00 € ins Inland bzw. 16,00 € ins Ausland berechnet.<br />
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung<br />
der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte<br />
Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge werden nicht<br />
zurückgeschickt. Der Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung<br />
des Herausgebers gestattet.<br />
82 durchblick 2/<strong>2018</strong> 2/<strong>2018</strong> durchblick 83