positiv_05_2018_web

onexmagazin

AUSGABE 5 MAI 2018

Claudia Komminoth

Gute Fee

Mit viel Engagement hilft sie Kindern in

Kambodscha – aus der Schweiz und vor Ort.

WALD TUT GUT

Warum der Aufenthalt

im Wald wohltuend

und heilsam ist.

HOCKEYHOFFNUNG

Yannick Rathgeb und

Sven Bärtschi starten

karrieremässig durch.

HOLZINDUSTRIE

Die Lanz AG schrieb

eine eindrückliche

Wirtschaftsgeschichte.


ZU VERMIETEN

Obersteckholz, Melchnaustrasse 21A

• 2.5-ZWG CHF 1220.00 + Akonto CHF 190.00

• 3.5-ZWG CHF 1370.00 + Akonto CHF 190.00

• 4.5-ZWG CHF 1650.00 + Akonto CHF 210.00

• alle Schlafzimmer mit Parkettboden

• Küche, Badezimmer und Wohnzimmer mit

Plattenboden

• Waschmaschine/Tumbler in der Wohnung

• Mahlzeiten-Service möglich

• Einstellhallenplätze à CHF 100.00 verfügbar

• Verfügbar ab sofort

*Infos und Besichtigung

Egerkingen, Widenfeldstrasse 12, 5.5-

Zimmer-Duplexwohnung im 2. OG, 153 m 2

• helle Küche

• grosser Balkon 12.5 m 2

• zwei Badezimmer mit je einer Badewanne,

WC und Dusche

• Waschmaschine und Tumbler im Keller

• Ein Einstellhallenplatz für CHF 120.00 und

ein Aussenparkplatz für CHF 40.00 können

dazu gemietet werden.

• Verfügbar ab 01.08.2018

Mietzins: CHF 1950.00 plus Akonto 200.00

*Infos und Besichtigung

Roggwil, Hofmattenweg 1,

2.5-Zimmerwohnung im 1. OG

• Wohnzimmer und Küche mit Plattenboden

• Schlafzimmer mit Laminat

• Badewanne

• Einbauschränke

• grosser Balkon

• Wohnung ist neu gestrichen

• Estrichabteil

• Eine abschliessbare Garage kann

für CHF 100.00/mtl. dazu gemietet werden

Mietzins: CHF 950.00 plus Akonto 110.00

*Infos und Besichtigung

Kerzers FR, Allmendstrasse 8,

4.5-Zimmerwohnungen im 1.OG, 114 m 2

• Parkettboden

• Plattenboden in den Badezimmern

• moderne und hochwertige Küche

• Gäste WC mit Lavabo und Dusche

• Badezimmer mit Badewanne, Lavabo

und WC

• eigene Waschmaschine/Tumbler im Keller

• grosszügiges Kellerabteil

• Zwei Einstellhallenplätze können à CHF

120.00 dazu gemietet werden

• Verfügbar ab sofort

Mietzins: CHF 1840.00 plus Akonto 250.00

*Infos und Besichtigung

Rohrbach, offene Lagerhalle

Ab 500 m 2 offene, überdachte Lagerhalle.

Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

*Infos und Besichtigung: MB Immobilien AG,

Langenthal, Telefon 062 919 01 08

Wynau, Weiherweg 6,

4.5-Zimmer wohnung im 3. OG, 200 m 2

• Dach-Maisonette-Wohnung

• grosses Wohnzimmer

• Galerie

• Schwedenofen

• Bad/WC

• Bad/Dusche/WC

• Dusche/WC mit Waschmaschine/Tumbler

• geschlossener Kellerraum mit Lavabo

plus ein zusätzliches Kellerabteil

• Einstellhallenplatz kann à CHF 120.00 dazu

gemietet werden

Mietzins: CHF 1600.00 plus Akonto 250.00

*Infos und Besichtigung

Huttwil, Überbauung Mühleweg (Erstvermietung),

3 x 4.5-Zimmerwohnungen

• Die ganze Wohnung mit Platten und

Fussbodenheizung

• Bad/WC

• Dusche/WC

• Balkon

• eigene Waschmaschine/Tumbler

• Einbauschrank Garderobe

• grosses Kellerabteil

• Einstellhallenplatz kann à CHF 100.00 dazu

gemietet werden

Mietzins: Ab CHF 1650.00 plus Akonto 220.00

*Infos und Besichtigung

Rohrbach, Werkstatt

Rund 250 m 2 Werkstattfläche mit grosser

Raumhöhe.

Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 062 919 01 08 I Fax 062 919 01 09


EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

Dass in vielen Teilen unserer Erde die

Welt nicht so ist, wie bei uns, wissen wir.

Wir sind deshalb froh, gibt es Hilfswerke,

denn diese beruhigen unser Gewissen,

auch wenn wir selbst nichts spenden.

Aber darüber hinaus können wir

nichts tun. Dessen sind wir überzeugt.

Und falls wir nichts spenden, wissen wir

meistens weshalb. Wir lassen es bleiben,

weil – so sind wir überzeugt – ja sowieso

nur ein Bruchteil von den Spenden am

Bestimmungsort ankommt. Dabei machen

wir gleich mehrere Denkfehler.

Einer davon ist, dass, wenn wir 100

Franken spenden und davon zwanzig

am Bestimmungsort eingesetzt werden,

diese zwanzig Franken am andern Ende

der Welt mehr bewirkten als bei uns

100 Franken. Ein anderer Fehler ist,

dass wir vergessen, dass die Menschen,

die für die Hilfswerke arbeiten, auch

ihre Kosten bezahlen müssen. Sie können

also ihre Einsätze nicht gratis leisten,

sonst brauchen sie selbst ein Hilfswerk.

Claudia Komminoth hat ein Hilfswerk

gegründet. Nicht für sich selbst. Sie hilft

damit 2800 Kindern in Kambodscha.

Wie das gehen kann, erzählt sie uns im

grossen Interview (ab Seite 4). Beim

Waldbaden (ab Seite 16) können Sie

dann das Gelesene verarbeiten.

Viel Spass beim Lesen

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: s’Positive AG,

St. Urbanstrasse 31, 4914 Roggwil

Tel. 062 929 24 25

info@spositive.ch

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Geschäftsleitung:

Sebastian Wüthrich

Layout: tnt-graphics AG,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 75000 Exemplare

Erscheinung: monatlich

Druck: Swissprinters AG,

4800 Zofingen

Versand: Die Post

34

4 WELTVERBESSERIN

Claudia Komminoth gibt

Einblick in ihr Schaffen für

Kinder in Kambodscha. Sie

tut dies ehrenamtlich, im

Hauptberuf ist sie Leiterin

Personalwesen und Finanzen

einer Werkzeugfirma.

16 WALDHEILUNG

Der Aufenthalt im Wald hat

eine wohltuende, ja heilende

Wirkung auf Menschen.

Deshalb gehen die Japaner

«waldbaden».

22 WUSSTEN SIE SCHON ...

... wie lange es den politischen

Wahlkampf gibt und

wie lange ein Blickkontakt

sein darf? Die Antworten.

26

00

22

26 WIRTSCHAFTSGESCHICHTE

Wie die Mitglieder der

Familie Lanz aus Rohrbach

als Pioniere ein stattliches

Industriewerk schufen –

und wie dieses wieder in

sich zusammenfiel.

34 HOCKEY-TALENTE

Die Oberaargauer Sven

Bärtschi und Yannick Rathgeb

erobern die Eishockey-

Welt und werden in der

NHL zu Dollar-Millionären.

38 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe und Veranstaltungskalender.

16

4

s’Positive 5 / 2018 3


CLAUDIA KOMMINOTH

4 s’Positive 5 / 2018


Gute Fee

für Kinder in Kambodscha

Claudia Komminoth kam so ergriffen aus Kambodscha

zurück, dass sie sich fortan für die Kinder

dieses Landes engagieren wollte. Sie erzählt, welche

Schwierigkeiten zu meistern sind und was bei Hilfsprojekten

vor Ort besonders wichtig ist.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH; FOTOS: MARCEL BIERI, ZVG

Claudia Komminoth

arbeitet ehrenamtlich für ihr

Pojekt in Kambodscha.

s’Positive 5 / 2018 5


CLAUDIA KOMMINOTH

Claudia Komminoth

Claudia Komminoth (34) wuchs als

Tochter eines Gärtner-Ehepaars in Ueberstorf

im Kanton Freiburg auf. Nach

der kaufmännischen Ausbildung auf einem

Notariat absolvierte sie diverse

Weiterbildungen, unter anderem auch

in Fotografie. Sie arbeitete zehn Jahre

als Projekt- und Teamleiterin in einer

bernischen Anwalts- und Notariatskanzlei,

danach weitere Jahre für den

Verwaltungsrat einer grossen Telekommunikationsgesellschaft.

Seit 2013 ist

sie Leiterin Personalwesen und Finanzen

beim Werkzeughersteller PB Swiss

tools in Wasen. Sie wohnt mit ihrem

Partner in Neuenegg und geniesst es

nach eigenen Angaben, vier Tage die

Woche in die Postkarten-Landschaft

ins Emmental zur Arbeit zu fahren.

Nach Kambodscha reiste sie erstmals

2012. Seither besuchte sie ihr Projekt

insgesamt achtmal. Jährlich ist sie einbis

zweimal vor Ort.

Claudia lerne ich durch Zufall kennen.

Die Firma, für die sie arbeitet,

organisierte einen Ski- und

Schlitteltag, an dem ich teilnehmen

darf, weil auch meine Freundin dort

angestellt ist. Während dieses Tages erfahre

ich vom Projekt und befinde, dass

sich daraus unbedingt ein Interview ergeben

muss.

s’Positive: Wie kommt eine Kadermitarbeiterin

eines mittelständischen Unternehmens

in Wasen dazu, sich ehrenamtlich

für Kinder in Kambodscha zu

engagieren?

Claudia Komminoth: Ich habe schon

während meiner Lehrzeit gespendet. Für

mich war dies bereits damals etwas

Selbstverständliches. Als ich 2012 einen

Monat lang in Kambodscha arbeitete und

dabei hautnah diese Menschen erlebte,

reichte es mir danach nicht mehr, jährlich

ein paar hundert Franken zu spenden. Es

musste doch möglich sein, mehr zu tun.

Sie leisten in Ihrem Beruf bei der PB

Swiss Tools ein 80-Prozent-Pensum,

Sie verdienen also auch weniger als

wenn Sie ein 100-Prozent-Pensum leisten

würden. Gleichzeitig leisten Sie bei

Ihrem Projekt nicht nur ehrenamtliche,

also unentgeltliche Arbeit, sondern

bezahlen auch noch Ihre eigenen,

nicht unbeträchtlichen Spesen selber.

Wie kann das aufgehen?

Es gibt die These von Peter Singer, dass

jeder, der Geld verdient, fünf Prozent und

mehr seines Einkommens spenden sollte,

weil damit – sofern es sinnvoll eingesetzt

wird – sehr viele Probleme auf der Welt

gelöst werden könnten. Im Wissen darum,

dass nicht alle Menschen auf fünf Prozent

ihres Einkommens verzichten, kompensiere

ich halt etwas (lacht). Im Ernst: Eyes

Open verfügt inzwischen über ein Budget

von mehr als 100 000 Franken, die wir in

Kambodscha investieren. Durch den Verzicht

entsteht also ein grosser Mehrwert.

Wie kam es denn zu diesem Arbeitseinsatz

in Kambodscha?

Alles begann in Argentinien, wo ich

2009 allein unterwegs war. Da erlebte

ich, wie sich Strassenkinder von den

Resten ernährten, welche die Gäste eines

Strassenrestaurants übriggelassen

hatten. Ich wurde also zum ersten Mal

direkt mit Hunger konfrontiert. Da wurde

der Samen gesetzt.

Aber damit sind wir noch nicht in

Kambodscha ...

Franziska, später ebenfalls ein Gründungsmitglied

von Eyes Open, kam

2011 durch eine Empfehlung zu einem

sechswöchigen Arbeitseinsatz in Kambodscha.

Als sie zurückkam, schwärmte

sie von diesem Land und vermittelte

mich alsbald ebenfalls dorthin.

Wo leisteten Sie diesen Arbeitseinsatz

und was trafen Sie dort an?

Eine Kanadierin hatte ein Projekt aufgezogen,

damit die Kinder eines Dorfes

6 s’Positive 5 / 2018


Der Schulweg ist für

viele Kinder sehr weit.

eine Schule besuchen konnten. Dieses

Dorf liegt geografisch in einer Zone, die

in der Regenzeit einen Meter unter Wasser

steht. Die Kinder waten also durch

dieses Wasser in die Schule. Es ist dreckig,

und es fehlt an Hygiene. Die meisten

Kinder in dieser Gegend besuchten keine

Schule. Wie ihre Eltern werden auch sie

ohne Bildung nie aus der Armut herausfinden.

Wie gehen die Menschen damit um?

Es gibt auch eine andere Seite. Die Leute

lachen und winken einem zu. Ich wurde

zum Mittagessen eingeladen, obwohl diese

Menschen selbst kaum etwas haben.

Die Einladung abzulehnen, wäre eine

grosse Beleidigung. Zum Schluss meines

Aufenthaltes wurde ich zu einer kambodschanischen

Hochzeit in einem Dorf

eingeladen. Dort war ich für die Kinder

die erste weisse Frau, die sie in ihrem Leben

gesehen hatten. Dies war ein besonderer

Moment.

«Heute wissen wir, dass wir

mit Eyes Open viel mehr

in Kambodscha bewirken

können, als wenn ich damals

dorthin gezogen wäre.»

Sind Sie dann gleich in Kambodscha

geblieben?

Nein. Aber ich kehrte völlig verändert

wieder nach Hause zurück. Mein Partner

Tom, der damals nicht mitreiste, und ich

gingen davon aus, dass ich nach meinem

Arbeitseinsatz zurückkehren und hier so

weitermachen würde wie bisher. Doch

ich kam zurück und hatte den Eindruck,

die Welt gehe unter. Ich hielt es in Bern

nicht mehr aus. Die Stadt, die lange Zeit

meine Heimat war, erdrückte mich. Ich

lief durch die Strassen, sah all den Reichtum

und den Konsum, und hätte heulen

können. Ich fühlte mich nicht mehr wohl

in meiner Haut. Wäre mein Partner nicht

gewesen, hätte ich meinen Job gekündigt,

meine Wohnung aufgelöst und wäre

drei Monate später in Kambodscha

gewesen. Doch für Tom war dies keine

Option. Die Beziehung zu ihm war mir

zu wichtig und ich sagte mir, dass es andere

Wege geben müsse, als kopflos auszuwandern

oder einfach nichts zu machen.

Heute wissen wir, dass wir mit

Eyes Open viel mehr in Kambodscha

bewirken können, als wenn ich damals

dorthin gezogen wäre.

Wie ging es weiter?

Ich suchte Projekte, an die ich mich anschliessen

könnte, fand aber nichts, das

dem entsprochen hätte, was ich mir vorstellte.

So entschloss ich mich, selbst etwas

aufzuziehen. Zwei Monate nach meiner

Rückkehr aus Kambodscha war Eyes

Open gegründet.

Sie hatten also einen Plan, was Sie machen

wollten.

Ja, aber unsere damaligen Ideen stellten

sich als falsch heraus. Wir gingen davon

aus, dass wir in Kambodscha kein Projekt

durchführen können, wenn wir nicht dort

wohnen. Unser Plan sah deshalb den Bau

von Infrastruktur vor, weil alle Projekte

Infrastruktur benötigen.

An welche Art von Infrastruktur dachten

Sie?

Schulhäuser, Trinkwasserbrunnen und

Ähnliches. Franziska und ich reisten im

November 2012 für einen Monat nach

Kambodscha, um vor Ort einen Partner

zu finden. Wir hatten bereits zu diesem

Zeitpunkt 12 000 Franken an

Spendengeldern zur Verfügung,

obwohl wir noch nicht einmal

ein konkretes Projekt hatten.

Wie war das möglich?

Wir schalteten zwei Monate zuvor

unsere Website auf und erzählten

unseren Freunden davon.

Mit 12 000 Franken kann

man in Kambodscha bereits etwas

bewirken.

Das Einfachste wäre gewesen, wenn

Sie sich an das Projekt der Kanadierin

gehängt hätten, für die Sie Ihren Arbeitseinsatz

geleistet hatten.

Daran hatten wir auch gedacht. Doch dieses

Projekt hing zu sehr von dieser ei-

s’Positive 5 / 2018 7


CLAUDIA KOMMINOTH

Claudia Komminoth reist

regelmässig nach Kambodscha.

nen Person ab. Muss sie aus irgendeinem

Grund aufhören, bedeutet dies das Aus

für das ganze Projekt. Das war uns deshalb

nicht nachhaltig genug. Aus diesem

Grund wollten wir direkt mit Kambodschanern

zusammenarbeiten. Wir wollten

ein kambodschanisches Projekt. Wir

prüften weit über ein Dutzend Projekte

vor Ort. Doch kein einziges erfüllte unsere

Anforderungen.

Weshalb nicht?

Die kambodschanischen Projektleiter

zahlten sich zum Teil viel zu hohe Eigenlöhne.

Wir wollten nicht, dass sich mit

unserer Hilfe einzelne Personen bereichern

können.

Es ging aber trotzdem weiter.

Ja, dank eines glücklichen Zufalls. Wir

bezogen Zimmer im Gästehaus von der

Stiftung Ponheary Ly, die ebenfalls ein

Projekt am Laufen hat, über das am Tag

unserer Ankunft referiert wurde. Wir erfuhren,

dass in diesem Projekt vieles anders

ist als bei all den Projekten, die wir

zuvor besucht hatten. Seit sechs Jahren

arbeiten wir nun mit der Ponheary Ly

Foundation zusammen.

Und machen was genau?

Die Ponheary-Ly-Stiftung unterstützt

2800 Kinder von der 1. Klasse bis zum

Abschluss ihrer Ausbildung. Entscheidend

sind dabei die Bedürfnisse der Kinder.

Die Stiftung arbeitet mit den öffentlichen

Schulen zusammen.

Ist dies bei andern Projekten anders?

Andere Projekte gründen ihre eigenen

Schulen. Offiziell immer für die Ärmsten.

Doch wie erfolgt die Auswahl? Gucken die

Kinder von Eltern, die etwas zu ihrem Lebensunterhalt

beitragen, in die Röhre?

Das geht doch nicht. Es muss doch jedes

Kind in die Schule dürfen. Ich bin gegen

jede Art von Auswahl. Wollen wir eine

nachhaltige Entwicklung fördern, müssen

wir mit dem Staat zusammenarbeiten.

«Die kambodschanischen

Projektleiter zahlten sich zum

Teil viel zu hohe Eigenöhne.

Wir wollten nicht, dass sich mit

unserer Hilfe einzelne Personen

bereichern können.»

Welche Vorteile bietet die Zusammenarbeit

mit dem Staat?

Der Staat ist die Grundlage der Gesellschaft.

Zudem sind gewisse Grundkosten

bereits bezahlt, wenn der Staat involviert

ist. Die Zusammenarbeit lohnt sich, selbst

wenn viele Dinge länger dauern. Wenn

der Staat involviert ist, sind die Schulen

staatlich anerkannt. Wer von der 1. bis

zur 6. Klasse an einer privat gegründeten

Schule war, kann oft gar keine weiterführende

Schule besuchen.

Welche Infrastrukturen sind denn bereits

vorhanden?

Zum Beispiel die Schulhäuser. Die Lehrer

beziehen vom Staat einen Grundlohn.

Zwar reicht dieser nicht aus, weshalb die

Lehrer von den Kindern ein Schulgeld fordern.

Weil wir mit dem Staat zusammenarbeiten,

müssen wir kein Schulhaus bauen

und sparen uns auch den Grundlohn

für die Lehrer. Wir zahlen einfach die

Differenz bis zu dem Betrag,

der den Lehrkräften und ihren

Familien zum Leben

reicht. Im Gegenzug dürfen

die Lehrer kein Schulgeld

fordern und müssen immer

zur Arbeit erscheinen.

Wie meistern die Kinder

die weiten Schulwege?

Das Projekt beschränkt sich

nicht auf das Lernen allein.

Für viele Schüler wird der

Schulweg nach der 6. Klasse

zu weit. Mit dem Fahrradprogramm sorgen

wir dafür, dass die Kinder trotzdem

in die Schule gehen können. Und weil

sich mit Hunger schlecht lernen lässt, sorgen

wir mit unserem Mahlzeitenprogramm

dafür, dass die Kinder anwesend,

satt und konzentrationsfähig sind.

Sie benötigen demnach auch Geld für

Nahrungsmittel? Finden Sie dafür

überhaupt Spender? Normalerweise

spenden Schweizer doch für Soforthilfe

und Infrastrukturprojekte.

8 s’Positive 5 / 2018


In der Schule wurde ein Mahlzeitenprogramm

eingeführt.

Ältere Schüler bekommen

Velos für den Schulweg.

Wer Hunger hat, weil zu Hause zu wenig

Nahrung vorhanden ist, besucht keine

Schule, sondern begibt sich auf Nahrungssuche.

Wir arbeiten deshalb nach

dem Baustein-Prinzip. Soll eine Schule

ihren Zweck erfüllen, so müssen die Kinder

etwas zu essen haben. Ich sah in Argentinien,

wie sich die Kinder die Essensreste

reinstopfen. Und wenn ich miterlebt

habe, wie sich die Knirpse im Norden

Kambodschas unser Essen mit beiden

Händen zuführen, dann muss ich keine

Sekunde überlegen, ob das Geld für Nahrungsmittel

richtig investiert ist.

Doch die Frage bleibt ...

Sie haben recht. Braucht es Geld für ein

Schulhaus, sind wir Spender schnell zu

haben. Wenn wir jedoch Geld brauchen,

um täglich für 700 Kinder etwas zum Essen

zu haben, denken viele, dass damit

doch gar nichts verändert wird. Deshalb

müssen wir den Zusammenhang erklären.

Das Essen ist der Grund, weshalb die

Kinder in die Schule kommen. Hier erhalten

sie Bildung. Hier erklären wir ihnen,

weshalb Hygiene wichtig ist und wie sie

funktioniert. Es werden auch allfällige

Wunden der Kinder versorgt und sie lernen,

dass und wie man den Abfall richtig

entsorgt.

Und das zeigt Wirkung?

Ja. Viele Familien leben in sehr ärmlichen,

schmutzigen Verhältnissen, wo der Abfall

nur so rumliegt. Die Kinder grausts zuhause.

Ihre Schule ist ein sauberer Ort. Deshalb

beginnen sie auch zuhause, den

Dreck wegzuräumen, was sich positiv auf

ihre Gesundheit auswirkt. Es gibt weniger

Malaria- und Dengue-Infektionen, weil die

Abfallberge voller Moskitos weg sind. Alles

hängt miteinander zusammen. Wenn ich

den ersten Baustein, das Essen, wegnehme,

kracht alles in sich zusammen.

Erklären Sie uns die Ponheary Ly Foundation.

Die Stiftung gibt es seit über zehn Jahren.

Mich beeindruckt, wie sehr dieses Projekt

in die Tiefe geht. Ich folgte den Mitarbeitenden

der Stiftung zehn Tage lang auf

ZUSATZINFOS

Eyes Open & Ponheary Ly Foundation

2012 gegründet, kümmert

sich Eyes Open zusammen

mit der Poheary

Ly Foundation in erster

Linie um die Bildung

von Kindern im Norden

Kambodschas.

Damit die Kinder Bildung

erfahren können,

braucht es indes mehr

als Schulhäuser und

Lehrer. Um die Schule

überhaupt erreichen zu

können, erhalten die

Kinder Fahrräder und

Verpflegung, sowie ärztliche

und zahnärztliche

Betreuung. Zudem wird

die Trinkwasserversorgung

sichergestellt.

Schritt und Tritt. Die Stiftung hat zum Teil

Spender, die nach kurzer Zeit sagen, das

sehe gut aus, und gleich 30 000 Franken

spenden. Ich kam mit 12 000 Franken und

wollte alles wissen. Ich arbeitete mit, half

beim Anstreichen von Schulhäusern,

beim Kochen und bei vielem mehr. Vor

allem war ich sehr hartnäckig. Inzwischen

trägt Eyes Open mit über 100 000 Franken

am zweitmeisten an das Jahresbudget von

über 600 000 Franken des Projekts bei.

Wie funktioniert das bei den Fahrrädern?

Die müssen ja ein Heidengeld kosten.

Wer erhält überhaupt ein Velo?

Inzwischen geben die

beiden Organisationen

rund 2800 Kindern die

Chance, sich dank der

Bildung selber zu helfen.

Die ersten haben ihre

Ausbildung inzwischen

bereits abgeschlossen

und einen Beruf ergriffen.

Alle Mitglieder bei

Eyes Open arbeiten ehrenamtlich.

Nahezu 100

Prozent der Spenden

fliessen direkt in die

Projekte in Kambodscha.

Die hohen Unkosten wie

beispielsweise die Flüge

nach Kambodscha, die

wir benötigen, um die

Projekte zu besuchen,

bezahlt jedes Mitglied

selbst. Aus diesem

Grund betragen die administrativen

Kosten

seit der Gründung

durchschnittlich nur

zwei Prozent.

s’Positive 5 / 2018 9


CLAUDIA KOMMINOTH

Die Kinder besuchen die Primarschule

meistens in ihrem Heimatdorf. Wechseln

sie in die Oberstufe, müssen sie häufig 15

bis 20 Kilometer zurücklegen, um dahin

zu gelangen. Weil es keinen öffentlichen

Verkehr gibt, müssen sie den Weg zu Fuss

gehen. Die Eltern lassen ihre Kinder aber

so nicht gehen, weil sie zuhause zu lange

fehlen würden und nicht bei der Arbeit

mithelfen könnten. Die Kinder erhalten

deswegen von uns ein Fahrrad, damit sie

«Wir arbeiten wenn

immer möglich mit dem

lokalen Gewerbe zusammen,

Frauen aus der

Umgebung kochen in

der Schule.»

weiterhin die Schule besuchen können.

Jährlich benötigen wir zwischen 300 und

450 Velos, die wir aus Japan importieren

und uns pro Stück 49 Franken kosten.

Um was für Fahrräder handelt es sich

denn da?

Das sind gebrauchte Fahrräder, die in

Containern aus Japan angeliefert werden.

In Kambodscha selbst werden keine

Velos hergestellt. Es handelt sich um sehr

einfache Räder mit Stahlrahmen, ohne

Gänge, die aber robust und in gutem Zustand

sind. Weil es in Kambodscha mehrheitlich

flach ist, kann man auch ohne

Gänge gut radeln. Die Räder lassen wir

vom einheimischen Gewerbe auffrischen.

Vom einheimischen Gewerbe?

Ja, wir arbeiten wenn immer möglich mit

dem kambodschanischen Gewerbe zusammen.

Ware gratis zu importieren, die

auch lokal beschafft werden kann, macht

das einheimische Gewerbe kaputt. Was

immer wir also vor Ort kaufen oder machen

lassen können, kaufen wir vor Ort

ein. Wir beschaffen uns die Lebensmittel

vor Ort, Frauen aus der Umgebung kochen

in der Schule und die Kinder haben

etwas zu essen. Damit schaffen wir gleich

einen dreifachen Nutzen.

Gibt es keine Schwierigkeiten oder gar

Rückschritte zu meistern?

Die gibt es. Wir hatten beispielsweise einen

Schulleiter, der von den 30 Kilo

Fleisch fürs Frühstück einfach manchmal

ein paar Kilo für sich abzweigte in der

Meinung, das merke niemand. Wir kamen

ihm aber durch unangekündigte

Kontrollen auf die Schliche und konnten

2012 reiste Claudia

Komminoth erstmals

nach Kambodscha.

dies fortan unterbinden. Doch dann wurde

dieser Mann zum Schulleiter des Bezirks

befördert, und von da weg blieben

die Reislieferungen vom Welternährungsprogramm

aus. Diese wurden einfach

abgezweigt und privat verkauft.

Offenbar in der Meinung, unser Projekt

würde den Reis dann anderweitig beschaffen

und bezahlen. Bei Tolerierung

hätten wir der Korruption Tür und Tor

geöffnet. Doch auch hier fanden wir die

Lösung.

Erzählen Sie.

Wir entschlossen uns, das Projekt an diesem

Ort zu schliessen, um 500 Meter von

der öffentlichen Schule ein Lernzentrum

zur Ergänzung der staatlichen Schule zu

eröffnen. Die Kinder lernen Rechnen, Lesen

und Schreiben an der staatlichen

Schule, den Rest wie Englisch, Informatik,

Naturkunde, etc. lernen sie bei uns.

Auch das Essensprogramm konnten wir

inzwischen wieder aufnehmen.

Kambodscha ist ehemaliges Kriegsgebiet.

Man hört und liest auch immer

wieder von Katastrophen. Inwieweit

wird Ihr Projekt dadurch behindert?

2013 gab es in Kambodscha so viel Regen,

dass alles unter Wasser war. Das Welternährungsprogramm

hatte die Reislieferungen

eingestellt, weil die Lieferung unter

diesen Umständen als zu kompliziert

befunden wurden. Wir beschafften den

Reis dann auf anderen Wegen und fi-

10 s’Positive 5 / 2018


ANGEBOTE

OCCASIONEN

In unserem Angebot finden Sie laufend interessante und gepflegte

Occasionen. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

TOP!

TOP!

BMW M550d Touring xDrive

Steptronic (Kombi)

• Automat sequentiell, Diesel,

381 PS, weiss

• Inverkehrsetzung: 06.2015

• Kilometer: 4200 km

• Preis: CHF 62 900.– (NP: 119450.–)

BMW 335d xDrive Touring M

Sport Line Steptronic (Kombi)

• Automat sequentiell, Diesel,

313 PS, schwarz mét.

• Inverkehrsetzung: 11.2015

• Kilometer: 5000 km

• Preis: CHF 47 900.– (NP: 100620.–)

VW Touran 2.0 TDI Blue-

Motion (Kompaktvan/Minivan)

• Automatisiertes Schaltgetriebe,

Diesel, 150 PS, blau mét.

• Inverkehrsetzung: 01.2016

• Kilometer: 15 000 km

• Preis: CHF 28 900.– (NP: 46340.–)

TOP!

TOP!

VW Scirocco 2.0 TSI R DSG

(Coupé)

• Automatisiertes Schaltgetriebe,

Benzin, 265 PS, blau mét.

• Inverkehrsetzung: 03.2013

• Kilometer: 14 000 km

• Preis: CHF 26 490.– (NP: 55300.–)

BMW 318d Steptronic

(Limousine)

• Automat sequentiell, Diesel,

143 PS, grau mét.

• Inverkehrsetzung: 03.2015

• Kilometer: 64 000 km

• Preis: CHF 20 900.– (NP: 57300.–)

BMW 530d Touring xDrive

Steptronic (Kombi)

• Automat sequentiell, Diesel,

258 PS, weiss

• Inverkehrsetzung: 08.2014

• Kilometer: 68 000 km

• Preis: CHF 37 490.– (NP: 94370.–)

Pneu Bösiger AG | Lotzwilstrasse 66 | 4900 Langenthal | Tel. 062 919 01 03

Fax 062 919 01 00 | b.leandro@boesiger-langenthal.ch | www.pneuboesiger.ch

Öffnugnszeiten: Mo.–Fr. 7.30–12.00, 13.15–17.30; Sa. 7.30–12.00


CLAUDIA KOMMINOTH

Die Ponheary-Ly- Stiftung arbeitet

mit öffentlichen Schulen zusammen.

nanzierten ihn selbst. Nach kurzem Unterbruch

besuchten die Kinder die Schule

wieder. Vor zwei Jahren litt das Land unter

der grössten Dürre, seit das Wetter in

Kambodscha statistisch erfasst wird. Die

Familien hatten weder Reis noch Trinkwasser.

In solchen Zeiten besteht die Gefahr,

dass Kinder ins Ausland verkauft

werden, zum Beispiel nach Thailand, wo

sie in der Prostitution landen können. Wir

versorgten in dieser Phase die Familien

zuhause mit Lebensmitteln, um zu verhindern,

dass die Kinder weggegeben werden.

Der Deal war, dass wir die Familien

mit Lebensmitteln und Saatgut versorgten,

die Brunnen tiefer gruben, bis wir auf

Wasser stiessen; im Gegenzug wurden die

Kinder wieder in die Schule geschickt.

So konnten Sie also die Kinder retten.

Damals ja. Aber so brutal es klingt: auch

wir müssen akzeptieren, dass wir nicht

alle retten können. Es gibt Kinder, die bei

ihren Grosseltern leben, nachdem ihre

Eltern ausgewandert sind und nie mehr

zurückkehrten. Wenn die Grosseltern

sterben, wird es schwierig. Die Kinder

werden dann zu entfernten Verwandten

gebracht, die nicht mehr im Dorf wohnen,

und wir wissen nicht, wie deren Geschichte

weitergeht.

Was macht diese Erkenntnis, nicht alle

retten zu können, mit Ihnen?

Natürlich beschäftigt mich das. Doch wir

sind längst nicht in ganz Kambodscha tätig.

Nur ein paar Dutzend Kilometer von

da, wo wir tätig sind, wäre unser Einsatz

genauso nötig. In diesen Momenten ist es

wichtig, den Fokus darauf zu legen, was

wir tun. Wir geben rund 2800 Kindern

eine Chance, ihre Zukunft in die Hand zu

nehmen.

«Nur ein paar Dutzend Kilometer

von da, wo wir tätig sind,

wäre unser Einsatz genaus nötig.

Wir geben rund 3000 Kindern

eine Chance, ihre Zukunft

in die Hand zu nehmen.»

Sie reisen regelmässig nach Kambodscha

und haben da vermutlich eine

dicht gedrängte Agenda. Wie flexibel

müssen Sie sein?

Sehr flexibel. Ich muss mir regelmässig in

Kambodscha einen Ruck geben. Es ist

nicht möglich, dort eine straffe Agenda

durchzuziehen. Die andere Mentalität

und Lebensweise führt dazu, dass immer

alles verschoben und durcheinandergebracht

wird. Das Erstaunliche ist aber,

dass am Schluss alles gut kommt.

Was ist die Aufgabe von Eyes Open im

Projekt der Ponheary-Ly-Stiftung?

Kurz zusammengefasst: die Geldbeschaffung.

Dazu gehört auch, dass wir überprüfen,

wie die Mittel verwendet werden.

Wir sind somit gleichzeitig strategisch

und operativ tätig und müssen dafür sorgen,

dass das gespendete

Geld, das ja nicht uns gehört,

auch seiner Bestimmung gerecht

eingesetzt wird. Was

heute super läuft, kann in

einem Monat aus dem Ruder

gelaufen sein. Ich kann nur

dann mit gutem Gewissen

Spenden sammeln, wenn ich

mir auch sicher sein kann,

dass die Mittel in Kambodscha

so eingesetzt werden,

wie wir uns das vorstellen.

Sie sagen, Ihre Verwaltungskosten würden

lediglich zwei Prozent des Budgets

betragen. Dies ist schwer zu glauben.

Es ist aber so. Aus unserer Sicht sind beispielsweise

die Lohnkosten des Lehrers

oder der Köchin Projektkosten, weil ohne

die beiden das Projekt nicht läuft. Das

gleiche gilt für die Miete des Lernzentrums.

Ohne die Infrastruktur könnten wir

die Projekte nicht durchführen.

12 s’Positive 5 / 2018


STARKES

SORTIMENT

STARKE

BERATUNG

STARKER

SERVICE

ENERGIEEFFIZIENTE KOMFORTLÜFTUNG

UND HEIZUNGEN?

DER SCHWEIZER HAUSTECHNIKLEADER

HAT DIE LÖSUNGEN

Energieeffiziente, nachhaltige Haustechniklösungen sind im Trend. Tobler bietet als Fachpartner Ihres

Haustechnik-Installateurs hierzu nicht nur ein breites Programm an Produkten führender Marken. Unser

kompetentes Beratungsteam steht auch bei der Planung und Installation gern zur Seite. Und dank

unserer starken Serviceorganisation können wir Ihnen jederzeit einen reibungslosen Betrieb garantieren.

Tobler Haustechnik AG, Moosrainweg 15, 3053 Münchenbuchsee

T +41 31 868 56 00, F +41 31 868 56 10, tobler@toblergroup.ch, www.haustechnik.ch


CLAUDIA KOMMINOTH

Sie bezahlen vieles selber. Ist es das,

was die Verwaltungskosten tief hält?

Ja, ich bezahle sowohl meine Flüge wie

auch die Aufenthalte in Kambodscha aus

meinem eigenen Sack und arbeite ehrenamtlich.

Würde ich diese Kosten über das

Projekt laufen und mir zudem meine Arbeit

bezahlen lassen, wären dies eindeutig

Verwaltungskosten. Grössere Organisationen,

die Löhne und Spesen bezahlen,

belasten diese zum Teil ihren Projekten,

um nicht zu grosse Verwaltungskosten

ausweisen zu müssen. Die einzigen

Verwaltungskosten, die bei Eyes Open

anfallen, sind die Kosten für die Revision,

die eidgenössische Stiftungsaufsicht, die

Domaingebühren für die Website sowie

Bank- und Postspesen.

Eyes Open ist nicht ZEWO-zertifiziert.

Weshalb nicht?

Die ZEWO vergibt Zertifikate für vertrauenswürdige,

Spenden sammelnde Non-

Profit-Organisationen. Doch die Zertifizierung

kostet jährlich mehrere Tausend

Franken. Zudem müssten wir unseren

Personalbestand ausbauen. Wir müssten

mehr Stiftungsräte und eine Geschäftsleitung

stellen, wobei Stiftungsräte und Geschäftsleitung

nicht die gleichen Personen

sein dürften. Der Verwaltungsapparat

würde gewaltig aufgebläht, was die

Kosten durch die Decke schnellen lassen

würde. Das wollen wir nicht! Ich bin

überzeugt, dass Eyes Open trotzdem ein

sehr gutes und vertrauenswürdiges Projekt

ist. Unsere Spenderinnen und Spender

können jederzeit unsere Projekte in

Kambodscha besuchen.

Wo setzen Sie Ihrer Ehrenamtlichkeit

Grenzen?

Ich arbeite zu 80 Prozent als Leiterin Personal

und Finanzen bei PB Swiss Tools in

Wasen. Eine weitere Reduktion des Pensums

wäre für mich nicht möglich. Irgendwie

muss ich ja meine Kosten hier in

der Schweiz auch bezahlen können.

Welche Art Mensch muss man sein, um

sich so zu engagieren, wie Sie das tun?

Meine Eltern sind selbständig und führen

eine Gärtnerei, was sehr arbeitsintensiv

ist. Sie – und auch ich – hätten wohl nicht

gedacht, dass ich einmal so etwas aufziehen

würde. Wir hatten ein geregeltes Familienleben,

assen auch immer zusammen.

Ich hatte bereits früh viel Verantwortung.

Während meine Eltern samstags

auf dem Markt waren, passte ich

bereits mit neun Jahren auf meine jüngere

Schwester auf. Nach ihrer Rückkehr

halfen wir jeweils beim Ausladen des Busses.

Wir lernten von Kind auf, dass viel

gearbeitet werden muss und dass jammern

nichts nützt. Die Gärtnerei war aber

auch der grösste Abenteuerspielplatz,

den man sich vorstellen kann. Das war

super. Auch waren unsere Eltern immer

da, im Gegensatz zu den Eltern unserer

Klassenkameraden, die teilweise nicht

einmal wussten, welchen Beruf ihr Vater

ausübt. Wichtig war dann aber das Reisen.

Sobald ich konnte, ging ich auf Reisen,

und das, was ich da erlebte, prägte

mich sehr.

Was sagen Ihre Eltern zu Ihrem Engagement?

Claudia Komminoth

arbeitet zu 80 Prozent

als Leiterin Personalwesen

und Finanzen.

14 s’Positive 5 / 2018


Sie sind sehr stolz. Meine Mutter war vor

meinem ersten Arbeitseinsatz in Kambodscha

etwas skeptisch, ist nun - wie mein

Vater – von unserer Arbeit beeindruckt.

Vor drei Jahren begleitete sie mich auf

meinem Projektbesuch in Kambodscha.

Apropos Ferien: Sie reisen oft nach

Kambodscha. Können Sie sich da auch

erholen?

Ich mache auch noch richtige Ferien.

Wie das? Sie sind doch jährlich mehrere

Wochen in Kambodscha. Und dann

noch richtige Ferien. Sind Sie überhaupt

irgendwann im Büro?

Mein Arbeitgeber wusste bereits bei meiner

Einstellung von meinem Projekt und

ist diesbezüglich sehr offen. Zudem arbeite

ich 80 Prozent und habe damit die

Möglichkeit, Zeit vorzuarbeiten. Aber es

stimmt, ich fehle im Jahr etwas mehr als

andere. Doch wo ein Wille ist, ist immer

auch ein Weg.

Wie müssen wir uns die Kambodschaner

vorstellen?

In Kambodscha herrscht erst seit Mitte

der 1990er-Jahre Frieden. Das heisst,

dass die Eltern der Kinder, mit denen wir

es zu tun haben, den Krieg miterlebt haben,

der sie traumatisiert hat. Dies zeigt

sich massiv in Alkohol- und Spielsucht

wie auch in häuslicher Gewalt. Die Involvierung

der Eltern in die Ausbildung der

Kinder ist sehr gering, denn viele von ihnen

können weder lesen noch schreiben.

Die Kinder werden von ihren Eltern auch

ZUSATZINFOS

Kambodscha

Das Königreich Kambodscha

liegt in Südostasien

am Golf von Thailand

zwischen Thailand,

Laos und Vietnam.

Die Hauptstadt Phnom

Penh liegt im Süden des

Landes. Auf einer Fläche

von 181 040 km²

(knapp viereinhalb Mal

die Schweiz) leben 16

Millionen Menschen.

Nach der Unabhängigkeit

von Frankreich

1953 blieb Kambodscha

zunächst von den militärischen

Konflikten in

Indochina verschont,

wurde aber nach einem

Militärputsch 1970 in

den zweiten Indochinakrieg

hineingezogen.

Nach Jahren des Bürgerkriegs

errichteten

1975 die Roten Khmer

eine Schreckensherrschaft,

die nach unterschiedlichen

Schätzungen

1,7 bis weit über

2 Millionen Menschenleben

forderte, bis die

Roten Khmer 1979 von

vietnamesischen Truppen

entmachtet wurden.

In der Schule gibt es zu

essen, denn mit Hunger

lässt sich schlecht lernen.

zum Arbeiten angehalten, weshalb die

Schule eigentlich stört. Die Kinder fehlen

während dieser Zeit bei der Arbeit. Deshalb

ist es unser Ansatz, die Schule zu

einem so guten Ort zu machen, dass die

Kinder darum kämpfen, um dorthin gehen

zu dürfen.

Sie schaffen damit auch einen Mehrwert

für die Eltern.

Richtig. Denn immerhin haben die Kinder

dann bereits gegessen, was zuhause eine

Kambodscha blieb zehn

Jahre von Vietnam besetzt,

wobei aber die

entmachteten Roten

Khmer mit Guerillataktik

Widerstand leisteten.

Nach 1989 folgten

unter der Mitwirkung

der Uno ein Friedensabkommen

und der

Neuaufbau staatlicher

Strukturen, die 1993

mit einer neuen Verfassung

und der Wiederherstellung

der Monarchie

endeten. Kambodscha,

zu diesem Zeitpunkt

nach zwei Jahrzehnten

Krieg, Schreckensherrschaft

und

Besatzung eines der

ärmsten Länder der

Welt, konnte seitdem

erhebliche Fortschritte

im Kampf gegen Armut

und Unterentwicklung

erzielen, wird aber

immer wieder von

Umweltkatastrophen

(Hochwasser, Dürren)

heimgesucht.

Entlastung bedeutet. Manchmal bringen

sie sogar noch Reste mit. Das Fahrrad

wird auch von der Mutter mitbenutzt, die

damit zum Markt fahren kann, und bei

Schulfeierlichkeiten sind jeweils auch die

Eltern eingeladen, dann gibt es auch Essen

für alle. Mittlerweile ist die Bereitschaft

der Eltern, ihre Kinder zur Schule

zu schicken, deutlich gewachsen.

Das heisst, sie war zu Beginn gering?

Hätten Sie mich vor zwei Jahren gefragt,

hätte ich gesagt, dass die Zusammenarbeit

mit der Generation ab 30 sehr schwierig

ist. Doch inzwischen wollen auch die

Eltern etwas lernen. Zum Beispiel über

Gesundheit, Erziehung und häusliche Gewalt.

Zu Beginn waren es nur Frauen. Als

wir jedoch im letzten November einen

Workshop zum Thema Kindererziehung

organisierten, erschienen erstmals auch

drei Väter. Das war gewaltig!

Wie können Sie messen, ob Ihre Projekte

effektiv nachhaltig sind?

Im ländlichen Kambodscha beenden nur

42 Prozent der Schülerinnen und Schüler

die Primarschule. Das ist ein sehr tiefer

Wert und es leuchtet ein, dass sich dadurch

das Land kaum entwickeln kann.

In unseren Schulen beenden 92 Prozent

die Primarschule. Eine weitere spannende

Zahl ist, dass im nationalen Durchschnitt

die Zeit, die benötigt wird, um die

6-jährige Primarschule abzuschliessen,

zehn Jahre beträgt. In unseren Schulen

beträgt der Durchschnitt 6,4 Jahre. Das

bedeutet, dass keine Klassen repetiert

werden müssen und es auch keine langen

Absenzen gibt.

s’Positive 5 / 2018 15


WISSEN

Waldbaden

tut uns gut

Immer mehr Studien zeigen auf: Bereits

die Nähe zu Bäumen wirkt auf unseren

Körper wie ein Medikament. Waldspaziergänge

sind deshalb viel mehr als

nur ein angenehmer Zeitvertreib.

TEXT: : BRUNO WÜTHRICH

Shinrin-yoku nennen die Japaner

den Therapieaufenthalt im Wald,

der im asiatischen Land längst eine

anerkannte Therapieform ist.

«Waldbaden», so der Ausdruck auf

Deutsch, ist inzwischen auch in Europa

angekommen und ist Teil einer grünen

Revolution, die derzeit durch die Medizin

rollt. Ärzte und Psychologen entdecken

die therapeutischen Wirkstoffe von Wald

und Flur. Natur tut nicht nur subjektiv

gut, sie hat auch Heilkräfte, die sich objektiv

messen lassen.

EINTAUCHEN IN DEN FORST

Die zunehmende Zahl der Zivilisationskrankheiten

wie Übergewicht, Depression

und Angststörungen zwingt Mediziner

heutzutage, nach unkonventionellen Wegen

zu suchen. Vor allem seelische Störungen

und stressbedingte Erkrankungen

sind trotz aller pharmazeutischer Fortschritte

weltweit auf dem Vormarsch.

Herkömmliche Therapien richten oft wenig

aus.

Doch was ist Waldbaden eigentlich?

Müssen deswegen Schwimmbäder in

Wäldern gebaut werden? Oder wird im

Laub gebadet, in Farn, Moos und Wurzelwerk

eingetaucht? Antwort: Mit Schwimmen

im Wald hat Waldbaden wenig zu

tun. Aber der Begriff Eintauchen ist gar

nicht so falsch.

1982 regte die staatliche japanische

Forstbehörde an, Ausflüge in den Wald

als Bestandteil eines guten Lebensstils zu

integrieren. Japanische Wissenschaftler

haben mittlerweile anhand verschiedener

Studien entdeckt, dass der Aufenthalt

im Wald wie eine Art Aromatherapie

wirkt, die für die Gesundheit förderlich

ist. Längst ist Shinrin-yoku, in Japan zu

einer anerkannten Stress-Management-

Methode avanciert und wird vom japanischen

Gesundheitswesen gefördert.

Waldbaden ist das Eintauchen in die

angenehme Atmosphäre des Waldes, wo

es würzig riecht, das Licht milde schimmert,

die Luft klar ist, sich die Wipfel im

Wind wiegen und der Boden unter den

Füssen federt. Der Wald tut uns gut.

Nach millionenschweren Forschungsprogrammen

eröffnete in Japan vor

zwölf Jahren das erste Zentrum für Waldtherapie,

und japanische Universitäten

bieten inzwischen eine fachärztliche Spezialisierung

in Waldmedizin an. Bis zu

fünf Millionen Japaner nutzen jedes Jahr

die angelegten Wege des Nationalen Erholungswaldes

von Akasawa. Südkorea

legt Forest-Bath-Parks in der Nähe von

Städten an, und im hügeligen Norden

entstanden fünf grosse Natural Recreation

Forests.

Inzwischen ist Waldbaden längst in

Europa und auch in der Schweiz angekommen.

Angebote findet, wer «Waldbaden

Schweiz» googelt.

HEILKRAFT DER BÄUME

Doch was ist da los? Warum kann man

nicht einfach von Spazieren reden? Weshalb

braucht es einen neuen Begriff?

Waldbaden klingt wie ein neuer Köder

von Tourismusmanagern, um die Menschen

in die Provinz zu locken, raus aus

den Wellnessoasen und Fitnessstudios

der Städte. Steckt da mehr dahinter? Vielleicht

sind die Japaner etwas Grossem auf

der Spur: der Heilkraft der Bäume.

Der romantische Sehnsuchtsort, der

zum Holzwirtschaftsraum verkommen

ist, soll zum Behandlungszimmer für Naturmedizin

werden. Der Wald kann mehr

FOTO: SHUUTERSTOCK, GUENTER ALBERS

16 s’Positive 5 / 2018


Der Wald soll

für Menschen

gesundheitsfördernd

sein.

als Wellness. Doch welche medizinischen

Effekte des Waldbadens sind seriös belegbar

und nicht nur gefühlt vorhanden?

Gibt es bald Waldbesuche auf Rezept?

Wissenschaftler erforschen nun auch

in Europa, ob sich der heimische Wald

wirklich für medizinische Zwecke nutzen

lässt. Auch wenn die japanischen Waldmediziner

damit recht haben sollten, ist

ja noch lange nicht gesagt, dass Eichen,

Buchen und Birken dieselbe Wirkung haben

wie die in Japan verbreiteten Pinien,

Zedern und Lärchen.

UNSER EVOLUTIONÄRES ZUHAUSE

Unbestritten ist, dass der Wald dem Menschen

guttut. «Wir sind genetisch dazu

bestimmt, die Natur zu lieben. Das ist in

unserer DNA», sagte in den 1980er-Jahren

der Evolutionsbiologe Edward O. Wilson

und nannte diese Eigenschaft «Biophilia».

Unsere Verbindung mit der Natur

sei «das Resultat eines Jahrmillionen langen

Evolutionsprozesses», schreibt der

österreichische Biologe Clemens Arvay in

seinem 2016 erschienenen Buch «Der

Biophilia-Effekt». Die Natur sei unser evolutionäres

Zuhause, meint Arvay, darum

liege in dieser archaischen Verbindung

die Möglichkeit «grüner Heilung». Doch

Heilung wovon?

Wahrscheinlich steckt die Vorliebe für

bestimmte Biotope noch immer in unseren

Genen. Diese Qualitäten eines natürlichen

Waldes richtig einschätzen zu können,

dazu seien Menschen auch heute

Um zu überleben, mussten

unsere Vorfahren

beurteilen, ob ein Wald

gesund ist, und ob seine

ökologischen Rahmenbedingungen

stabil sind.

noch in der Lage, sagt Peter Wohlleben,

Förster aus der Eiffel, der in Bestsellern

die Wechselwirkungen zwischen Bäumen

und Menschen beschreibt. «Um zu überleben,

mussten unsere Vorfahren beurteilen,

ob ein Wald gesund ist, und ob seine

ökologischen Rahmenbedingungen stabil

sind», sagt er, «Menschen reagieren also

auf den Zustand eines Waldes und auch

auf seine Botenstoffe.

Ein anderer Waldexperte hat sein Quartier

an einer viel befahrenen Strasse in

Tokio. Quing Li ist sozusagen der Oberbademeister

des Waldbadens weltweit. Eine

Koryphäe der Waldmedizin. Sein Ziel: die

Waldmedizin zu einer international anerkannten

Wissenschaft zu machen.

Jeden Montagnachmittag geht Li mit

seinen Studenten nach draussen. «Natürlich

machen wir dann nicht einfach einen

Spaziergang», schreibt er in seinem Buch

«Forest Bathing», das kürzlich erschienen

ist. Der Professor praktiziert mit seinen

Studenten Shinrin-yoku: «Schau dir die

Farben der Bäume an, atme tief ein, hör

die Blätter rauschen. Wenn du müde bist,

darfst du dich ausruhen, wo und wann du

willst. Wenn du durstig bist, darfst du etwas

trinken, wo und wann du willst. Dreckige

Hände machen dich gesund. Waldgänge

klären deine Gedanken.» «Wie Bäume

dir helfen können, Glück und Gesundheit

zu finden», lautet der Untertitel seines

Werks. In mehreren Studien hat Li gemeinsam

mit japanischen und koreanischen

Kollegen gezeigt, dass schon ein

s’Positive 5 / 2018 17


WISSEN

Ein entspannter

Spaziergang hat

einen positiven

Einfluss auf unsere

Gesundheit.

kurzer entspannter Spaziergang durch

den Wald einen Einfluss auf unsere Gesundheit

hat. Im Wald steige die Zahl der

Killerzellen, und das Immunsystem verbessere

sich, schreiben die Wissenschaftler.

Blutdruck, Kortisol und Puls würden

sinken – schon nach einer Stunde im Wald.

DIE NATUR STÄRKT DAS

IMMUNSYSTEM

1984 verglich der schwedische Forscher

Roger Ulrich die Heilungsverläufe von

Patienten mit Aussicht ins Grüne und Patienten,

die nur Blick auf eine Betonwand

hatten. Ergebnis: Wer die Aussicht ins

Grüne hatte, konnte im Durchschnitt einen

Tag früher entlassen werden als die

Vergleichsgruppe (acht statt neun Tagen)

und kam zudem mit weniger Schmerzmitteln

aus. Auch eine spätere Studie mit

Bildern an der Wand einer Intensivstation

mit 160 herzkranken Patienten bestätigte

diese Resultate. Patienten, die auf ein Foto

von einem licht bewaldeten Flussufer

geblickt hatten, erholten sich schneller

und brauchten weniger Medikamente als

Patienten mit abstrakter Malerei oder gar

keinen Bildern vor Augen.

Muss man also wirklich im Wald «baden»,

um die Jungbrunnenwirkung zu

spüren, wenn schon der blosse Anblick

von Natur einen positiven Effekt hat?

Nachgewiesen ist, dass das schonende

Klima des Waldes zu einem Erholungseffekt

durch Stressreduktion führt. Es gibt

Hinweise darauf, dass sich die Leistungsfähigkeit

des Immunsystems verbessert.

Der japanische Waldforscher Qing Li

weist in seinen Arbeiten den Botenstoffen

der Bäume eine zentrale Bedeutung zu.

«Wir atmen den Duftcocktail der Bäume

ein und nehmen ihn über unsere Haut

Erholungseffekt durch

Stressreduktion: Es gibt

Hinweise darauf, dass

sich die Leistungsfähigkeit

des Immunsystems

verbessert.

auf», sagt Li. In einem Versuch liess er

Freiwillige in einem Hotel übernachten.

Während sie schliefen, atmeten sie eine

mit Terpenen (Naturstoffe) angereicherte

Luft ein. Am nächsten Tag untersuchten

Ärzte (Ärzte und Probanden wussten

nicht, um was es in der Studie geht) das

Blut der Probanden und stellten fest: Die

Zahl ihrer Killerzellen war deutlich angestiegen.

Li: «Wer einen Tag im Wald verbringt,

hat sieben Tage lang mehr natürliche

Killerzellen im Blut.»

POSITIVE STIMULATION

«Naturreize wirken faszinierend», sagt

Anja Göritz, Psychologieprofessorin an

der Universität Freiburg, «sie fesseln die

Menschen, ziehen deren Aufmerksamkeit

auf sich. Der Geist ist auf angenehme

Weise beschäftigt.» Die beiläufige, ungerichtete

Aufmerksamkeit komme im

Stadtleben oft zu kurz. «In der Natur wird

sie stimuliert, vor allem durch überraschende

Momente, besonders schöne

Blüten oder durch eine unerwartete Lichtung.»

Diese Form der Stimulation überfordere

uns nicht, sondern werde als positiv

erlebt. Göritz ist deshalb überzeugt:

«Natur passt einfach zu uns.»

Möglicherweise ist Shinrin-yoku ein

neuer Weg zu einem alten Bekannten: der

Möglichkeit, in den Wald zu gehen, ohne

auf Nordic-Walking-Pfaden hindurchhecheln

zu müssen. Im Gegenteil: Wir haben

die Erlaubnis, endlich wieder im

Wald herumtrödeln zu dürfen. So wie

Kinder es tun.

Quellen: zeit.de, PM-Magazin

FOTO: SHUUTERSTOCK, NICO SCHUELER

18 s’Positive 5 / 2018


HAMILTONWATCH.COM

PROUD PARTNER OF AIR ZERMATT

Bahnhofstrasse 34

4950 Huttwil

www.schaerhuttwil.ch


WUSSTEN SIE SCHON

SEIT WANN GIBT ES:

Wahlen und Wahlkampf?

1

«Wer Wahlen gewinnen will, darf nicht

zimperlich sein, sondern muss allen alles

versprechen. Nach der Wahl erledigt sich

so manches ganz von selbst. Und keinesfalls

bezieht man konkret Stellung zu einem

Sachproblem.»

Wer könnte dies gesagt haben? Ein Wahlkampfstratege

unserer Zeit? Nein, diese

Strategie hat vor mehr als 2000 Jahren

Quintus Tallus Cicero (102–43 v. Chr.) für

seinen älteren Bruder, den Redner Marcus

Tullius Cicero formuliert, der im Jahr

63 v. Chr. zur Wahl um das Amt eines römischen

Konsuls antrat.

Bereits zu Zeiten der römischen Republik

(509–27 v. Chr.) wurde mit allen Tricks

Wahlkampf geführt. Politische Parteien

gab es damals jedoch noch keine. Für die

Ämter, zum Beispiel um einen Sitz im Rat,

gingen Einzelpersonen auf Stimmenfang,

unterstützt oftmals von beliebten Prominenten.

Bewerber versuchten in persönlichen

Gesprächen und öffentlichen Auftritten,

die Wählerschaft von sich zu überzeugen.

Ähnlich wie dies heute immer

noch der Fall ist, geizten sie dabei nicht

mit Versprechungen, die sie niemals einzuhalten

gedachten. Sämtliche Kandidaten

wurden damals immer nur für ein

Jahr gewählt. Sie befanden sich deshalb

auch nach der Wahl im ständigen Wahlkampf.

Nach dem Ende der römischen

Republik gab es bis zur Neuzeit allerdings

keine Wahlkämpfe mehr. Auch nicht auf

dem Gebiet der heutigen Schweiz. Die

ersten in Europa waren die Engländer:

Als nämlich das englische Parlament

1689 seine Rolle als reiner Berater des

Königshauses aufgab und begann, eigenständige

Beschlüsse zu fassen.

WUSSTEN

SIE SCHON?

22 s’Positive 5 / 2018


EINKOMMENSVERTEILUNG

Was ist der Gini-Koeffizient?

Der italienischen Statistiker Corrado Gini

entwickelte den nach ihm benannten

Gini-Koeffizienten, den Ökonomen verwenden,

um die Einkommensunterschiede

innerhalb eines Landes auszudrücken.

Die Werte dieses Koeffizienten

liegen zwischen null und eins, oder in

Prozenten ausgedrückt, zwischen 0 und

100 Prozent, und ist deshalb besonders

anschaulich. Der Wert sagt aber nichts

über die tatsächliche Höhe der Einkommen

aus, sondern eben nur über die Unterschiede.

Null steht für eine Gesellschaft,

in der alle das Gleiche verdienen.

Der Wert 1 (oder entsprechend 100 Prozent)

würde das genaue Gegenteil bedeuten:

Einer bekommt alles, alle andern

nichts.

Die Wirklichkeit liegt jedoch überall dazwischen.

Am jeweils errechneten Wert

lässt sich ablesen, ob zwischen Grossund

Kleinverdienern Welten liegen (hoher

Gini-Wert) oder ob das Einkommen

in einem Land einigermassen gleichmässig

verteilt ist (niedriger Gini-Wert).

Statistisch am besten da stand 2015 gemäss

den Zahlen der OECD Island mit

einem Wert von 0,246 vor der Slowakei

(0,247), Slowenien (0,251 und Dänemark

(0,256). In diesen Ländern sind die

2

Einkommensunterschiede im Vergleich

am geringsten. Am grössten sind die Unterschiede

hingegen in Südafrika. In der

grössten Volkswirtschaft des afrikanischen

Kontinents beträgt der Gini-Wert

nahezu 0,7 (also 70 Prozent). In der

Schweiz liegt der Wert seit dem Jahrtausendwechsel

immer leicht unter 0,3 –

und damit auch leicht unter dem europäischen

Durchschnitt.

SCHAU MIR IN DIE AUGEN

Wie lange dauert der Blickkontakt?

3

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/CRIS FOTO/MILKICA R/LISA S

Langer Blickkontakt wird oft als aufdringlich

empfunden, ein zu kurzer jedoch

als seltsam und gestört. Forscher

des University College London stellten

sich die Frage, was als normaler und angenehmer

Blickkontakt wahrgenommen

wird. Nach einem kurzen Persönlichkeitstest

wurden 500 Personen unterschiedlichen

Alters und Geschlechts jeweils

40 Clips vorgespielt, in denen

Schauspieler und Schauspielerinnen ihnen

unterschiedlich lange in die Augen

schauten. Per Knopfdruck konnten die

Probanden danach signalisieren, wie sie

den Blick empfunden hatten.

Die Teilnehmer der Untersuchung waren

sich erstaunlich einig in ihrem Urteil: Die

meisten Personen favorisierten eine Dauer

zwischen zwei und fünf Sekunden,

woraus die Forscher die perfekte Dauer

von 3,3 Sekunden errechneten. Dieser

Wert gilt allerdings nur für Fremde.

Freunden, Angehörigen und dem oder

der Liebsten darf man länger in die Augen

schauen.

Die Einigkeit unter den Probanden kannte

eine Ausnahme. Ältere Männer liessen

sich gerne länger anschauen – von hübschen

Frauen.

s’Positive 5 / 2018 23


HORNUSSER LEXIKON

BEGRIFF

STECKEN

Aus Aluminium, Fiberglas, Kunststoff und neuerdings auch aus

Carbonfasern werden die 2 bis 3 Meter langen, flexiblen Stecken hergestellt.

Dabei werden Länge, Spannkraft und Material des Steckens

sowie das Gewicht des Träfes entsprechend der Schlagtechnik, Kraft

und Grösse des Schlägers ausgewählt. Mit dem aus Buchen- oder

Ahornholz gepressten und zur endgültigen Form gedrehten Träf erfolgt

die Kraftübertragung auf den Hornuss. Hohe Beschleunigung, rechtwinkliges

Auftreffen auf den Hornuss sowie eine grosse Spannung im

Stecken sind die Voraussetzungen für grosse Weiten.

s’Positive ist offizieller Vermarkter des Eid genössischen Hornusserfests 2021 in

Thörigen / Bleienbach. Bis dann erklären wir Ihnen monatlich einen Begriff aus dieser

vor allem in unserer Gegend äusserst beliebten Sportart.

I n d u B a u A G

CH-4617 Gunzgen

Tel. 062 / 216 10 77

Projektierung & Montage info@indubau.ch

von Industriebauten www.indubau.ch

24 s’Positive 5 / 2018


Das

s’Positive

Hornusser-

Lexikon für

Laien

FOTO: MARCEL BIERI

s’Positive 5 / 2018 25


HISTORY

Die Sagi von

Rohrbach, wie sie

heute aussieht.

Rohrbacher Pioniere

Umgenutzte Industrieareale sind im unteren Oberaargau

nicht ungewöhnlich. In den Tälern Richtung Napf hingegen

schon. Eine Industriebrache in Rohrbach erzählt Schweizer

Wirtschaftsgeschichte. TEXT: KLAUS ZAUGG

Auf dem Gelände des einstigen

Sägerei- und Furnierwerks

beidseits der Hauptstrasse sind

heute verschiedene Firmen angesiedelt.

Diese Vielfalt lässt beinahe die

Grösse und Bedeutung dieses Sägereiund

Furnierwerks und die gewaltige unternehmerische

Leistung vergessen, die

vor mehr als hundert Jahren von der Familie

Lanz erbracht worden ist. Hier ist

nationale Wirtschaftshistorie geschrieben

worden. Ein Blick zurück öffnet ein

faszinierendes Kapitel oberaargauischer

Wirtschaftsgeschichte, das erst Ende

2012 zu Ende gegangen ist.

Rohrbach ist in den 1880er-Jahren ein

bettelarmes Dorf. Dass hier ein Unternehmen

entsteht, das später bis zu 400

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen

wird, ist ein Wunder. Welche

enorme Bedeutung diese Firma für das

ganze Tal der Langeten hatte, mag eine

Anekdote illustrieren, die noch heute erzählt

wird – und den Tatsachen entspricht.

Am Morgen hielt jeweils der Zug

der Vereinigten Huttwil Bahnen (VHB)

auf der Fahrt nach Langenthal ausserfahrplanmässig

auf der Höhe des Firmengeländes

– damit die Arbeiter aussteigen

und weniger weit zu Fuss zu ihrem Ar-

beitsplatz gehen mussten. Für die Heimkehr

am Abend gingen die Beschäftigten

dann zu Fuss zum Bahnhof Rohrbach.

Der Halt machte Sinn, weil so viele Arbeitnehmer

aus Eriswil und Huttwil mit

dem Zug anreisten.

GRÜNDERJAHRE

Die Anfänge des Furnier- und Sägewerkes

Lanz AG gehen in die 1880er-Jahre zurück.

Im Nachruf an seinen Vater Gottfried,

den Gründer des Unternehmens

und Pionier der Oberaargauer Wirtschaftsgeschichte,

schreibt Hans Lanz im

Jahre 1950: «Gottfried Lanz, Bürger von

FOTOS: PATRICK PHILLOT, «ROHRBACH EINST UND JETZT»

26 s’Positive 5 / 2018


Rohrbach, geboren am 20. Februar 1859,

war das neunte und jüngste Kind des Johann

und der Anna Barbara geb. Heiniger.

Nach Schulaustritt erlernte er den

Sägerberuf in der kleinen Sägerei seines

Vaters. Nach der Lehre folgten die damals

üblichen Wanderjahre: Sie führten ihn

auch in die französische Schweiz. Alsdann

kehrte er, mit Berufskenntnissen

wohl ausgerüstet, zurück und übernahm

die väterliche Säge in Pacht. Nach Ableben

seines Vaters erwarb er diese käuflich.

In Fräulein Marie Ruprecht von

Laupen lernte er seine künftige Gattin

kennen und vermählte sich mit ihr im

Jahre 1881.»

ERSTE KRISENZEITEN

Damals war das wirtschaftliche Umfeld

schwierig. Der französisch-deutsche

Krieg war 1871 zu Ende gegangen (und

endete mit der französischen Niederlage

und der Gründung des Deutschen Reiches)

und beeinträchtigte die wirtschaftliche

Entwicklung. Wie üblich in Krisenzeiten

schotteten die Regierungen die

heimische Wirtschaft mit Zollschranken

ab. Die Schweiz befand sich in diesen Jahren

mit Frankreich in einem regelrechten

«Zollkrieg». Der Export nach Frankreich,

einem wichtigen Absatzgebiet auch für

den Holzhandel im Oberaargau, war erschwert.

Mit seiner verhältnismässig kleinen

Säge ist Gottfried Lanz nicht konkurrenzfähig.

Er entschliesst sich daher im Jahre

1890, sein Unternehmen zu modernisieren.

Die eidgenössischen Räte bewilligen

1891 Schutzzölle gegenüber Frankreich,

verteuern so Importe aus Frankreich und

verbessern damit die Situation der einheimischen

Holzindustrie – und somit

auch von Gottfried Lanz.

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG

Die Investitionen lohnten sich. Im März

1897 erwirbt Gottfried Lanz bei der Gemeinde

Rohrbach einen sogenannten

Wasserkraftankauf, also das Recht, die

Wasserkraft der Langeten zu nutzen. Die

Bedingung: Diese Kraft soll zu allen Zeiten

in Rohrbach genutzt werden. Womit

Gottfried Lanz und seine Rechtsnachfolger

die moralische Verpflichtung übernehmen,

möglichst viele Arbeiter vor Ort

zu beschäftigen. Das ist von enormer Bedeutung.

Um die bittere Not in Rohrbach

zu lindern, unternehmen die Behörden

alles, um der Bevölkerung Arbeit und

Brot zu verschaffen. Das ist Wirtschaftsförderung

im besten Wortsinne. Aus jener

Zeiten stammt ein Spruch, welcher

Sägen allein genügt

nicht, um mehr Arbeitsplätze

zu schaffen.

Gottfried Lanz sucht

neue Absatzmöglichkeiten

und installiert

eine Schälmaschine.

der älteren Generation noch vertraut ist:

Im Sommer, wenn es warm war, protzig:

«Vo Rohrbach bim Donner», im Winter,

in Zeiten der Not, demütig: «Vo Rohrbach

Herr Jeses».

Sägen allein genügt natürlich nicht,

um mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Gottfried

Lanz sucht neue Absatzmöglichkeiten.

Er weiss aus seinem Welschlandaufenthalt,

dass in Monthey ein Säger

namens Mathey vorübergehend eine

Schälmaschine in Betrieb genommen,

das Potenzial dieser Technik aber nicht

erkannt hatte. Mit dem Gespür für die

kommende Entwicklung installiert Gottfried

Lanz im Jahre 1906 in Rohrbach

eine französische Schälmaschine und

1911 die erste Messermaschine. Nun ist

er dazu in der Lage, als erster Säger in der

Schweiz auf industrieller Basis Furnier

herzustellen. Er wird damit zum Pionier

Die Industriebauten im Jahr 1994.

der schweizerischen Furnierindustrie,

und Rohrbach das Epizentrum dieses

Wirtschaftszweiges. Dieses Unternehmen

wird nun bis weit in die zweite Hälfte des

20. Jahrhunderts in der schweizerischen

Furnier-Produktion führend bleiben.

IMPORT VON SPEZIALHÖLZERN

Zum ersten Mal steht dem schweizerischen

Furnierhandel im eigenen Land, in

Rohrbach ein Furnierwerk zur Verfügung,

das Furniere aller Art liefern und

exotische Rundhölzer verarbeiten kann.

Gottfried Lanz geht bald einen Schritt

weiter. Als nach dem 1. Weltkrieg die

Wirtschaft wieder in Schwung kommt,

beginnt er mit dem Import preiswerter

afrikanischer und kostbarer überseeischer

Rundhölzer. Im Laufe der 1920er-

Jahre wird seine Firma auch als Lieferantin

von Spezialhölzern landesweit ein

Begriff. Aus dieser starken Position

heraus meistert das Unternehmen die

Wirtschaftskrise der ausgehenden

1920er- und frühen 1930er-Jahre mit erstaunlichem

Geschick und kann in diesen

schwierigen Zeiten den Betrieb sogar ausbauen.

Mit der Fabrikation auf Mass zugeschnittener

edelfurnierter Sperrholzplatten

mit Bildcharakter (so wurden die

Schönheiten des Holzes besonders zum

Ausdruck gebracht) wird dem Modetrend

der Möbelindustrie und des Innenausbaus

entsprochen und mit der Fabrika-

s’Positive 5 / 2018 27


HISTORY

1906 installierte Lanz die erste

Schälmaschine in der Schweiz.

Lanz ist ein Patron im besten Wortsinne, der

sich um seine Arbeiter kümmert. Es gibt noch

keine AHV und Pensionskasse, als er Stiftungen

für Betriebsangehörige einrichtet.

tion grossflächiger Tischlerplatten mit

fast 10 Quadratmeter Fläche wird eine

weitere Marktlücke geschlossen.

SOZIALER ARBEITGEBER

Gottfried Lanz ist nicht nur ein erfolgreicher

Geschäftsmann. Er ist auch ein Patron

im besten Wortsinne, der sich um

seine Arbeiter kümmert. Es gibt noch kein

Pensionskassen-Obligatorium, keinen

mit heute vergleichbaren Versicherungsschutz

und die AHV wird erst nach mehreren

Anläufen im Jahr 1948 durch die

Volksabstimmung kommen. Aber Gottfried

Lanz sorgt bereits in der ersten Hälfte

des letzten Jahrhunderts für den

Schutz seiner Arbeiter. Er richtet Stiftungen

ein, um Betriebsangehörige finanziell

zu unterstützen, die durch Krankheit,

Gebrechen oder bei Todesfällen in Not

geraten sind, und stellt Dienstalters-Abfindungssummen

an ältere Arbeiter bereit.

Für die Angestellten werden Lebensversicherungen

mit Beiträgen aus der der

Stiftung finanziert.

POLITISCHE AMBITIONEN

Der Firmengründer engagiert sich auch

für die Allgemeinheit. Er waltet zwei Jahre

als Gemeindekassier. In der Zeit von

1896–1897 und 1905–1906 bekleidet er

das Amt eines Vizepräsidenten des Gemeinderates.

Während zwei Amtsperioden

gehört er für die BGB (die heutige

SVP) dem Grossen Rat an.

Hans Lanz schildert den geselligen

Wesenszug des Firmengründers in Nachruf:

«Mein Vater war stets ein Gönner der

dörflichen Vereine, besonders des Musikund

Schützenvereins. Schon in seinen

frühen Jugendjahren war er als talentierter

Musiker der Musikgesellschaft Rohrbach

beigetreten. Er galt auch als einer

der besten Schützen weitherum. Man war

sich gewohnt, ihn von jedem Schützenfest,

das er besuchte, kranzgeschmückt

heimkehren zu sehen. Noch in seinen

Achtzigerjahren hat er stets mit grossem

Interesse an den beliebten Veteranenschiessen

teilgenommen. Für diese

Treue wurde er mit dem goldenen Veteranenzweig

ausgezeichnet. Vater Lanz war

mit 91 Jahren der älteste Berner und der

zweitälteste Schweizer Schützenveteran.

Seine kameradschaftliche Frohnatur, sein

stets aufrichtiges und ehrliches Wesen

machten ihn zum Freunde, den jedermann

liebgewann.»

GENERATIONENWECHSEL

Noch heute wird erzählt, Gottfried Lanz

sei noch im hohen Alter bei seinen Kontrollgängen

durch den Betrieb nichts entgangen.

Müssig herumstehende und lässig

arbeitende Leute habe er zurechtgewiesen

und an ihre Pflicht gemahnt. Im Herbst

habe er sich stets Zeit genommen, in seiner

kleinen Hofstatt das Obst selbst aufzulesen

und es in seiner kleinen Mostpresse

zu «mosten». Es sei ihm ein Vergnügen

gewesen, den Kunden und Bekannten

mit «Most eigener Fabrikation»

aufzuwarten.

Nach und nach reift die zweite Generation

heran. Gottfrieds Söhne Hans und

Fritz, jener mit der technischen, dieser mit

der kaufmännischen Leitung betraut,

kümmern sich mehr und mehr um die Geschicke

des Unternehmens. Gottfried Lanz

hat inzwischen das achtzigste Lebensjahr

überschritten und zieht sich nach dem Tod

seiner Gattin allmählich aus dem Geschäft

zurück. Die letzten Jahre verbringt der

grosse Unternehmer in seinem Heim in

Rohrbach und in seinem Haus im Tessin,

wo er am 19. Februar 1950 im Alter von 91

Jahren entschlafen ist.

Die Nachfolge scheint geregelt. Der

kaufmännisch begabte Fritz erschliesst

neue Absatzmärkte und sichert die Versorgung

des Betriebes mit einheimischen

und exotischen Rundhölzern. Er ist ein

charismatischer Unternehmer mit einem

freundlichen und gewinnenden Wesen.

Ein glänzender Verkäufer und Verhandler.

Sein Bruder Hans kümmert sich als

technischer Leiter dem «Innendienst»,

dem Ausbau des Betriebes. Er orchestriert

den etappenweisen Ausbau zu einer imposanten

Fabrikanlage, die mit den modernsten

Einrichtungen und Maschinen

ausgestattet wird. In dieser Zeit nimmt

FOTO: «ROHRBACH EINST UND JETZT»

28 s’Positive 5 / 2018


Die «Landbeiz» mit Charme und regionalem Charakter

Ein Besuch lohnt sich ...

• Saisonal wechselnde Speisekarte

mit vielen regionalen Produkten – feine

Mittagsmenüs

• Gemütliche Gaststube, 2 Säali für

kleine Bankette

• Faires Preis/Leistungsverhältnis

• Wunderschöner Garten mit Blick

auf den Jura

• Grosser Parkplatz

Jedermann/frau ist bei uns herzlich Willkommen – wir werden alles daran setzen,

dass Sie sich bei uns wohlfühlen und freuen uns schon jetzt auf Ihren Besuch!

Susanne und Roland Moeri und Team

Restaurant Kreuz – Melchnaustrasse 21

4924 Obersteckholz – 062 915 68 26

info@kreuz-steckholz.ch / www.kreuz-steckholz.ch

Sonntag ab 16.30 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen

Zeit für einen starken Rücken! Wir biegen Sie wieder gerade.

Rückentherapiecenter / Rückentraining / Physiotherapie / Koordination / Beweglichkeit / Massage

9 Jahre max Fitnesscenter

99 Tage Fitness, Wellness und

Gesundheit für 3 x 99.-

Ihre Vorteile:

- 2 begleitete Einführungstrainings

- Gesundheitscheck, Rückencheck

- 3 Monate Fitness- und Gesundheitstraining

- Besuch der Kurse Ihrer Wahl

- 3 Monate Saunalandschaft

- Abschlusscheck und -analyse

Einziges ***** Sterne-Fitnesscenter der Region

Wohlbefinden Gesundheit Fitness Mobil Dampfbad Aktivität

Lebensqualität Schmerzfrei Vitalität Junggeblieben Atmosphäre Spinning

Entspannung Familiär Kraft Massage Sauberkeit so angenehm

anders Betreuung Beweglichkeit Fit im Alter Rückentraining

Vertrauen Qualität Ausdauer Lebensfreude Physiotherapie

Ehrlichkeit Gewichtskontrolle Fun Koordination Sauna Freundlichkeit

Yoga Krankenkassenanerkannt Fitnesscenter des Jahres

100% WIR

Gemeinsamkeit Vorbeugen Aussenbereich Spass Lebenslust Wellness

Motivation Persönlich Ganzheitlich Gemütlichkeit Zuverlässigkeit

Erfolg Sicherheit gesundheitsorientiertes

Fitnesstraining Selbstwert Erholung

Ihr Fitness-, Gesundheits- und Wellnesscenter

MTT

in Langenthal

Individualität Rehibilitation Pilates Freunde

Infos unter www.maxfit.ch


HISTORY

Die Industriebauten in der

Hauptstrasse des Dorfes damals ...

Der 2. Weltkrieg und die

damit verbundenen

kriegswirtschaftlichen

Massnahmen stellen

die Firma vor vielfältige

Probleme.

das Unternehmen baulich den Umfang

an, den wir noch heute bei einem Gang

über das Gelände sehen und erahnen

können.

Aber der plötzliche Tod von Fritz Lanz

im Kriegsjahr 1940 trifft das Unternehmen

hart. Die Verantwortung ruht nun

allein auf dem älteren Hans Lanz. Er muss

zur technischen auch die kaufmännische

Leitung und den «Aussendienst» von seinem

verstorbenen Bruder übernehmen.

Welch gewaltige Belastung er zu tragen

hat, kann wohl nur jemand ermessen, der

diese Zeit miterlebt hat. Der 2. Weltkrieg

und die damit verbundenen kriegswirtschaftlichen

Massnahmen unseres Landes

stellen die Firma vor vielfältige Probleme.

Der Import der afrikanischen und

überseeischen Hölzer ist schwierig und es

braucht viel Flexibilität und Engagement,

um den Betrieb trotz der vielen kriegsbedingten

Absenzen weiterzuführen. Viele

Arbeiter müssen nach der Mobilmachung

zur Landesverteidigung in den Wehrdienst

einrücken.

Die 1940er-Jahre sind für Hans Lanz,

der die Nachfolge seines Vaters angetreten

hatte, eine schwierige Zeit. Sein Sohn

Hans Lanz Junior schreibt darüber im

Nachruf: «Er begann in einer mehr als

... und heute.

zehnjährigen rastlosen und enormen Arbeitsleistung

ein Werk aufzubauen, das

seinem Leben wahren Inhalt verlieh.

Nächte hindurch sass Hans Lanz am Arbeitstisch

und entwarf Pläne für Neubauten

und Einrichtungen.»

NEUE HERAUSFORDERUNGEN

Er ist ein begabter Techniker und setzt

alles daran, sein Unternehmen technisch

auf den neusten Stand zu bringen und so

der Konkurrenz immer einen Schritt voraus

zu sein. Aber die jahrelange Überbeanspruchung

zehrt allmählich seine Gesundheit

auf. Ein Herzleiden stellt sich

ein, dem er vorerst keine Beachtung

schenkt. Schliesslich wird ein Kuraufenthalt

notwendig. Kurz darauf, am 15. September

1951, stirbt er unerwartet an einem

Herzversagen, nur ein Jahr nach

seinem Vater Gottfried. Mit Sorge blickt

man in die Zukunft. Nun steht nach Gottfried

und Hans Lanz die dritte Generation

in der Verantwortung.

Wohl arbeiten seine beiden Söhne

Hans und Eugen bereits seit längerer Zeit

im Betrieb und haben einen erheblichen

Einblick in die Gänge und Läufe der Firma

gewonnen. Aber sie haben noch nicht die

reichen Erfahrungen ihres Vaters. Und

André Lanz, der Sohn des im Jahre 1940

verstorbenen Fritz Lanz, weilt zu einer

Ausbildung in den USA. Er muss nach

Hause zurückkehren.

Hans Junior, Eugen und André bilden

nun gemeinsam ein Dreierdirektorium.

Sie meistern die grosse Herausforderung

und das Unternehmen expandiert. Nach

der Verlegung und dem Neuaufbau des

Zürcher Güterbahnhofes von Zürich nach

Spreitenbach wird die Interholz AG mit

imposanten, neuzeitlich eingerichteten

Lagerhallen für die Lagerung und den

Verkauf eigener Produkte gegründet. Um

weniger der wachsenden Unsicherheit

des Erdölmarktes ausgesetzt zu sein, wird

eine automatische, umweltfreundliche

Holzschnitzelfeuerung – damals eine der

grössten in der Schweiz – errichtet. Dadurch

kann der Ölbedarf drastisch verringert

werden. Bei den Furnieren bleibt das

Unternehmen in den Nachkriegsjahren

das grösste und modernste Werk der

Schweiz.

DAS ENDE

1990 verkauft die dritte Generation Lanz

schliesslich die Firma an die Hiag-Gruppe

in Basel. Die wiederum verkauft es 1994

an die Galliker Holz AG im luzernischen

Hofstatt. Am 28. Dezember 2012 werden

die Maschinen für die Furnier-Produk-

FOTOS: «ROHRBACH EINST UND JETZT», BRUNO WÜTHRICH

30 s’Positive 5 / 2018


Am Fichtenweg Geisshubel in 4852 Rothrist

Einfamilienhäuser

Typenähnliches Gebäude

NEUBAUPROJEKTE

Am Jöriweg in 5014 Gretzenbach

Ein Mehrfamilienhaus

5 ½ Zimmer - Einfamilienhäuser

Ausbauwünsche können noch berücksichtigt werden

Erstklassige, ruhige und sonnige Lage

Kinderfreundliches Quartier

Verkaufspreise ab:

CHF 934‘000.- mtl. Zins CHF 778.-

An zentraler und trotzdem ruhiger Lage.

Sämtliche Wohnungen zeichnen sich durch ein überaus

attraktives Preis / Leistungs-Verhältnis aus.

Erdgeschoss

4.5 Zi. 100 m² 593 000.- CHF mtl. Zins: 494.-

3.5 Zi. 70 m² 434 000.- CHF mtl. Zins: 362.-

Obergeschoss

4.5 Zi. 100 m² 570 000.- CHF mtl. Zins: 475.-

3.5 Zi. 70 m² 399 000.- CHF mtl. Zins: 333.-

Dachgeschoss

5.5 Zi. 163 m² 864 000.- CHF mtl. Zins: 720.-

Industriestasse 12a

5036 Oberentfelden

Kontakt:

Weitere interessante

Peter Gruner

078 750 40 01 auf unserer Homepage Ihr Team für Neu- und Umbauten!

ZU VERMIETEN

LAGERHALLE UND ATTIKAGESCHOSS IN ROHRBACH

• 1000 m 2 Attikageschoss

unterteilbar.

Gut lichtdurchflutet.

• 1500 m 2 Lagerhalle/

Einstellhalle unterteilbar

• Nahe Bahnhof Rohrbach

• Direkt an der Hauptstrasse

• Mehr Informationen unter:

079 431 56 42

100 %

WIR

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 079 431 56 42


HISTORY

tion in Rohrbach endgültig abgestellt. Die

letzten sechs verbliebenen Mitarbeiter

verlieren ihre Stelle. Die Geschichte eines

grossen Unternehmens ist zu Ende. Eines

Unternehmens, das alle Stürme des 20.

Jahrhunderts, zwei Weltkriege und eine

Weltwirtschaftskrise überstanden, das in

seiner Blütezeit bis zu 400 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter beschäftigt, das während

hundert Jahren das Dorf geprägt,

und das zeitweise nationale Bedeutung

hatte, wird letztlich das Opfer eines veränderten

Marktes und der Globalisierung.

Einerseits verliert Furnier laufend

Marktanteile an Folien, und andererseits

Das Studerhaus stand bis 1933, danach

kamen die Industriebauten.

sind die Produktionskosten im Vergleich

zu ausländischen, vor allem in Osteuropa

domizilierten Herstellern viel zu hoch.

Das Lebenswerk von drei Generationen

gibt es nicht mehr – und ist heute schon

fast vergessen.

Literatur

• Bernische Wirtschaftsgeschichte von

Werner Juker

• Verschiedene Jahrbücher des

Oberaargaus

• Die Möbel- und Holzindustrie in der

Schweiz, Verlag für Wirtschaftsliteratur

Zürich

ZUSATZINFOS

Rohrbach: Vom Arbeits- zum Vergnügungsort

Das Ende des Industriezeitalters

und der Übergang zu

einer Dienstleistungsgesellschaft

wird auf dem Areal

der Furnierwerke Lanz in

Rohrbach in seltener Eindringlichkeit

sichtbar.

Die Geschichte wiederholt

sich. Unter anderen Umständen,

mit anderen

Hauptdarstellern zwar. Aber

es geht um das gleiche Problem.

So wie die Lokalpolitiker

und Behörden froh waren,

dass Ende der 1800er-

Jahre der mutige, tatkräftige

Unternehmer Gottfried

Lanz in Rohrbach Arbeitsplätze

schuf, so sind die Lokalpolitiker

und Behörden

heute froh, wenn ein mutiger,

tatkräftiger Unternehmer

sich darum kümmert,

dass nach dem Verschwinden

der Firma Lanz auf dem

gleichen Gelände neue Arbeitsplätze

entstehen.

ZENTRUMSREGION

So wie einst Gottfried Lanz

das Potenzial der Wirtschaftsregion

Oberaargau

erkannte, so glaubt der Langenthaler

Unternehmer

Markus Bösiger an den

Wirtschaftsstandort

Oberaargau. Die Vorteile

sind die gleichen wie vor

mehr als 150 Jahren: eine

Region im Zentrum der

Schweiz, mit schnellen, direkten

Verkehrsverbindungen

auf Strasse und Schiene

in die urbanen Zentren des

Landes. Pessimisten sprechen

in diesem Zusammenhang

von einem Standort in

der Provinz. Optimisten

sehen hingegen den Vorteil

einer Zentrumsregion.

So wie Ende der 1880er-

Jahre die Industrialisierung

den ländlich geprägten

Oberaargau mit ihrer ganzen

Dynamik erfasst, so

trifft nun die Globalisierung

und der Übergang von der

Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft

unsere

Region.

SPIELEN STATT ARBEITEN

Oft wird uns das erst richtig

bewusst, wenn wir an einem

Ort die direkten Folgen

sehen. Wie beispielsweise

in Rohrbach. Dort, wo einst

bis zu 400 Menschen Arbeit

in der Holzindustrie fanden,

entsteht nun eine Freizeitanlage.

Das Areal der ehemaligen

Furnierwerke gehört

heute zum grössten

Teil Markus Bösiger. Die Betriebe,

die sich hier angesiedelt

haben, bieten rund 100

Arbeitsplätze. Eigentlich

sollte auf dem Gelände auch

eine Kletterhalle entstehen.

Die Pläne waren fertig. Die

Bauarbeiten hätten beginnen

können. Aber der Bauherr

hatte nicht vor, die Anlage

auch selber zu betreiben.

Dafür hatte er das

Know-how nicht. Alles aus?

Der Kids Dome in Rohrbach.

Alles vorbei? Nein. Nun

wird doch gebaut. Aber im

Gebäude wird nicht mehr

geklettert. Nun wird daraus

ein «Kids Dome» («Kinder-

Dom») und eine Trampolinhalle

(«Jumping Dome»).

Dabei handelt es sich um

eine Kinderspielwelt der Superlative.

Oder, um es etwas

salopp zu formulieren: Ein

«Europapark en miniature

unter einem Dach». Auf dem

Gelände des einstigen Furnierwerkes

entsteht also eine

Anlage, in der es um Vergnügen

geht.

Die Eröffnung ist im Frühjahr

2019, rund um diese

Anlage entstehen rund 20

Arbeitsplätze. Die erfahrenen

Macher haben sich

gründlich mit dem Standort

Rohrbach befasst und sind

zum Schluss gekommen,

dass rund vier Millionen

Menschen in einer Autooder

Eisenbahnstunde

Rohrbach erreichen können.

Der Oberaargau ist nicht

«Provinz», sondern Zentrums-Region.

Die Konzession für das

Wasserkraftwerk, das einst

die Firma Lanz gebaut hatte,

wurde neu gelöst, das

Kraftwerk revidiert und die

Anlage mit einer Fischtreppe

ergänzt worden. Es geht

nicht um Rendite. Es geht

um die Erhaltung eines kleinen

technischen Wunderwerkes.

FOTOS: «ROHRBACH EINST UND JETZT», ZVG

32 s’Positive 5 / 2018


WAAGE-HUBWAGEN

mit Drucker

SBC-D 115 PU: Palettrolli mit integrierter Waage

& Drucker, Nutzlast 2t, Gabel 115cm, PU Räder

AKTION !!! CHF 1050

exkl. MwSt.

1050 100%

WIR

s’Positive

finden Sie

jetzt auch

online:

www.spositive.ch

BÄRTSCHIGER AG

ROGGENSTR. 3, 4665 OFTRINGEN

062 794 36 66

OFFIZIELLER

HANGCHA

IMPORTEUR

5

Pneus sind unser Business

PWs / Offroader / Lieferwagen / Lastwagen / Motorräder.

Wir sorgen dafür, dass Sie sicher und sauber durchs ganze Jahr fahren.

• Radeinlagerung à CHF 10.–

• Montage + Auswuchten à CHF 25.–

• Altpneuentsorgung à CHF 5.–

Verlangen Sie

unverbindlich eine Offerte:

pneu@boesiger-langenthal.ch

Tel. 062 919 01 01

Fax 062 919 01 00

100% WIR

WEBSEITEN

FÜR HANDWERKER & KMU

032 631 05 59

www.schiessmobileweb.ch

info@schiessmobileweb.ch

WEBSEITEN

• Zeitgemäss

• Benutzerfreundlich

• Mobile-optimiert

• Google-konform

BERATUNG

• Professionell

• Kostenlos

• Unverbindlich

• Vor Ort

BETREUUNG

• Persönlich

• Unkompliziert

• Schnell

• Zuverlässig


YANNICK RATHGEB

Von Langenthal nach

New York

Vom Oberaargau aus kann die Sport-Welt erobert

werden. Wer seine Karriere in Langenthals Juniorenabteilung

beginnt, kann es bis in die NHL, in die

wichtigste Eishockey-Liga der Welt, bringen und

Dollar-Millionär werden. TEXT: KLAUS ZAUGG

Vom Schoren am Waldrand bis nach Amerika.

Die kühnsten Träume können wahr werden.

Sven Bärtschi, einst beim SC Langenthal

Junior und im Klub-Sekretariat Büro-

Lehrling, ist schon NHL-Profi und Dollar-Millionär.

Und nun beginnt erneut für einen ehemaligen Langenthaler

Junior das Abenteuer NHL. Yannick Rathgeb

(22) zügelt im Sommer nach New York. Zum

sportlichen Hintergrund: Der Verteidiger gehört seit

Jahren zu den grössten Talenten des Landes – allerdings

mit dem latenten Hang zu riskantem und hitzigem

Spiel. Nach einer beeindruckenden ersten

NLA-Saison (2015/16) rockte er 2016/17 zu sehr. Er

buchte zwar 34 Punkte (11 Tore, 0,76 Punkte pro

Spiel) und war damit der drittproduktivste Verteidi-

ger. Aber mit 115 Strafminuten eben auch der meistbestrafte

Sünder (35 kleine Strafen!) und mit Minus

21 das Schlusslicht in der Plus-Minus-Statistik der

gesamten höchsten Liga.

So wäre die NHL ein Traum geblieben. Aber letzte

Saison hat er sich gebessert, ja sich gewandelt wie zu

biblischen Zeiten Saulus zum Paulus. Der Langenthaler

erzielte 28 Punkte (0,74 Punkte pro Spiel), liess

sich nur 18 Strafminuten zuschulden kommen und

verbesserte seine Plus-Minus-Bilanz auf Minus 3. Der

Lohn für diese Steigerung: Ein Zweiwegvertrag bei

den New York Islanders.

Die Talentsucher des NHL-Unternehmens, das Nino

Niederreiter gedraftet hatte (2010) und dem Mark

Streit zwei Jahre als Captain diente (2011–2013),

34 s’Positive 5 / 2018


1

1

2

3

4

Yannick Rathgeb, Verteitiger bei

Fribourg Gotteron.

Yannick Rathgebs steile Karriere

im Schnelldurchlauf: Langenthal–

Fribourg–New York.

Im Berner Tierpark wird Yannick

Rathgeb ab Sommer nicht mehr oft

anzutreffen sein.

Alles im Griff: Yannick Rathgeb

freut sich auf die Herausforderung

bei den New York Islanders.

2

3

4

FOTOS: MARCEL BIERI

s’Positive 5 / 2018 35


YANNICK RATHGEB

«Yannick Rathgeb ist noch kein

NHL-Verteitiger. Aber er bringt alle

Voraussetzungen mit, um es zu

werden. Das wissen auch die New

York Islanders.»

hatten Yannick Rathgebs Fortschritte aufmerksam

registriert. Bereits im vergangenem September hatten

ihn die Islanders kontaktiert. Ende Januar 2018

kam es schliesslich zu einer mündlichen Einigung.

Letztlich sollte da auch der Schlüsselbeinbruch, den

er sich in der Olympia-Pause im Februar zuzog und

seine Saison vorzeitig beendete, die Amerikaner

nicht davon abbringen, ihr Wort zu halten. «Nach

drei Saisons in der National League ist dies der richtige

Moment», sagt der Langenthaler, der zwischen

2013 und 2015 bereits zwei Jahre lang für die Plymouth

Wahlers auf höchster nordamerikanischer

Juniorenstufe den Lebensstil und die Hockeykultur

in Übersee kennengelernt hat. «Ich habe in meiner

Karriere immer relativ früh den nächsten Schritt gemacht.

Damit bin ich gut gefahren, damit werde ich

auch jetzt gut fahren.»

VON DER AHL ZUR NHL

Bei den Islanders hat Yannick Rathgeb interessante

Perspektiven. Die Mannschaft befindet sich im Umbau,

viele Verträge – vor allem in der Verteidigung

– laufen aus. Die Karten werden in diesem Sommer

neu gemischt. Das Farmteam der Islanders in Bridgeport

liegt im Einzugsgebiet von Long Island, die Wege

zwischen AHL und NHL sind geografisch kurz.

Ausserdem kennt sein Agent André Rufener, der auch

hinter den Karrieren von Spielern wie Sven Andrighetto,

Mirco Müller, Nino Niederreiter oder Sven

Bärtschi steht, die NHL und die Situation der einzelnen

Klubs bestens. Er ist überzeugt, dass Yannick

Rathgeb in der NHL Fuss fassen kann. «Er ist noch

kein NHL-Verteidiger. Aber er bringt alle Voraussetzungen

mit, um es zu werden und das wissen die Islanders.

Sie werden ihm die Zeit geben, um sich im

Farmteam zu einem NHL-Verteidiger zu entwickeln.»

So sieht es auch Yannick Rathgeb selber: «Ich rechne

nicht damit, dass ich auf Anhieb in der NHL spielen

werde. Vielleicht braucht es ein halbes, vielleicht ein

ganzes, vielleicht sogar anderthalb Jahre in der AHL,

Aber ich glaube fest, dass es klappen wird.»

Er schätzt seine Situation richtig ein – so wie immer

schon im Laufe seiner Karriere. Träumen vom

grossen Ziel, alles tun, um dieses Ziel zu erreichen,

und doch immer geerdet bleiben und wissen, was

möglich ist – das gehört zu den Stärken von Yannick

Rathgeb. So gibt er zu: «Im Sommer vor einem Jahr

hätte ein solcher Wechsel noch keinen Sinn gemacht».

BEDACHTE KARRIEREPLANUNG

Er wird durch seinen Agenten klug beraten. Sein erster

Karriereschritt führte ihn von Langenthal nach

Langnau (2010) und von dort für zwei Jahre ins nordamerikanische

Juniorenhockey (2013 bis 2015). Bei

der Rückkehr in die Schweiz im Sommer 2015 hatte

er weit lukrativere Angebote als jenes von Fribourg-

Gottéron. Aber er entschied sich für Gottéron, weil er

bei diesem Klub eine tragende Rolle übernehmen

konnte. Er stellte die sportliche Weiterentwicklung

und damit die langfristigen Perspektiven für seine

Karriere vor einen sofortigen höheren Lohn.

FOTOS: MARCEL BIERI

36 s’Positive 5 / 2018


Bald zwei Dollarmillionäre?

Yannick Rathgeb (22) hat

gute Chancen, nach Sven

Bärtschi (26) der zweite

NHL-Dollarmillionär aus

dem Oberaargau zu

werden.

Ein Oberaargauer ist in der NHL bereits

Millionär geworden. Sven Bärtschi (25),

der wie Yannick Rathgeb sein Hockey-

ABC beim SC Langenthal gelernt hat,

steht seit fünf Jahren in der NHL unter

Vertrag. Er wechselte von Langenthal erst

ins nordamerikanische Juniorenhockey

(2010), wurde von Calgary gedraftet, bekam

2013 einen dreijährigen NHL-Einstiegsvertrag

und wurde 2014/15 zu den

Vancouver Canucks transferiert.

OFFENE ZUKUNFT

In Vancouver hat er im Sommer 2016 seinen

ersten Millionen-Vertrag unterschrieben:

für zwei Jahre und einem Gesamtsalär

von 3,7 Millionen brutto

plus 200 000 Dollar Handgeld

jährlich. Dieser Kontrakt ist nun

am Ende dieser Saison ausgelaufen.

Er kann mit einer Vertragsverlängerung

von mindestens dem gleichen

Salär rechnen. Aber offen ist, für

wie viele Jahre und ob wieder in Vancouver

oder ob sein Klub ihn im Rahmen

eines Spielertausches zu einem anderen

NHL-Klub transferiert. Yannick Rathgeb

wird voraussichtlich zwei Jahre auf seine

erste Salär-Million warten müssen. Womit

sich die Frage stellt: Ist Gart Snow, der

General Manager der New York Islanders,

klüger als Nationaltrainer Patrick Fischer?

Wir sollten es nicht ausschliessen. Er hat

Yannick Rathgeb nicht nur einen Zweijahresvertrag

gegeben, sondern bezahlt dem

Langenthaler auch das für einen Neuling

nach Gesamtarbeitsvertrag zulässige Maximalsalär

von 832 500 Dollar plus 92 500

Dollar Handgeld jährlich. Rathgeb kann

also in zwei Jahren maximal 1,85 Millionen

Dollar verdienen. Gut 50 Prozent davon

verliert er durch Steuern.

So viel wird er aber mit ziemlicher Sicherheit

nicht kassieren. Der Gesamtarbeitsvertrag

schreibt vor, dass der erste

NHL-Vertrag ein Zweiwegvertrag

zu sein hat. Muss Yannick

Rathgeb ins Farmteam,

schrumpft sein Salär

auf 70 000 Dollar pro

Saison plus 92 500 Franken Handgeld

jährlich. Wenn er in der AHL und in der

NHL spielt, wird das Salär pro Spiel- und

Trainingstage in der jeweiligen Liga hochgerechnet.

Viermal waren Vertreter der

Islanders diese Saison in der Schweiz, um

Yannick Rathgeb zu beobachten. Das Urteil

ist eindeutig: ein talentierter «Schillerfalter»

mit erstaunlicher Schusskraft sowie

Spielintelligenz, aber auch mit defensiven

Mängeln. Defensivspiel kann einer im Alter

von 22 Jahren noch lernen. Talent ist

hingegen eine Gabe der Hockeygötter. Die

Islanders trauen Rathgeb zu, dass er nach

der Lernphase in der AHL in der NHL eine

wichtige Rolle spielen kann. Nur für die

Nationalmannschaft war er noch nie gut

genug für eine WM oder ein olympisches

Turnier. Die Chancen stehen gut, dass sich

Yannick Rathgeb in den zwei Jahren zu

einem NHL-Stammverteidiger entwickelt.

Dann wird im Sommer 2020 der

erste Millionenvertrag fällig.

Noch im Dress des SC Langenthal:

NHL-Profi Sven Bärtschi.

ZUSATZINFOS

Milliarden-Geschäft NHL – aber kein Geld für SC Langenthal

Die NHL setzt im Jahr mehr

als 3 Millarden Dolalr um.

Die reichste Liga der Welt

zahlt aber keine Ablösesummen

für Spieler.

Die meisten NHL-Klubs sind

im Besitze reicher Unternehmerfamilien

und operieren

mit Budgets zwischen

100 und 180 Millionen Dollar.

Im Eishockey wollen alle

in die NHL. So kommt es,

dass die besten Spieler der

Welt alle in einer Liga spielen

– in der NHL. Weil die

National Hockey League

nicht Mitglied des Internationalen

Eishockeyverbandes

ist, fehlen die NHL-Stars an

der WM und zuletzt auch

beim olympischen Turnier:

Während der WM werden in

der NHL die Playoffs um

den Stanley Cup ausgespielt.

Zur WM kommt nur, wer aus

den Playoffs geflogen ist.

Jedes der 31 NHL-Teams

unterhält in der American

Hockey League (AHL) ein sogenanntes

Farmteam. Dort

werden Spieler eingesetzt,

die noch nicht für die NHL

bereit oder ausser Form geraten

sind. Es ist sozusagen

die «zweite Mannschaft».

HOHE SALÄRE

Das durchschnittliche jährliche

Salär in der NHL beträgt

rund 2,5 Millionen Dollar.

Davon gehen zwischen 40

und 60 % durch Steuern weg.

Die NHL-Verträge sind stark

reguliert und es gibt eine

Lohnobergrenze – das

heisst, jedes Team darf nur

eine bestimmte Summe für

Saläre ausgeben. Zurzeit

sind es jährlich 75 Millionen

Dollar pro Jahr.

Für Schweizer war die NHL

lange nur ein ferner Traum.

Heute stehen zwischen 10

und 15 Schweizer in der

NHL (oder in einem Farmteam).

Doch Ablösesummen

werden nicht bezahlt: Der

SC Langenthal verdient mit

den Wechseln von Sven

Bärtschi und Yannick Rathgeb

zur NHL nicht einen einzigen

Dollar. Geld gibt es

nur, wenn Junioren von Langenthal

zu einem Schweizer

Klub wechseln – dann gibt

es die Ausbildungsentschädigungen.

s’Positive 5 / 2018 37


IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

Widerspruch

Der Leserbrief von Dietmar Bachmann

im s’Positive Augabe 4 darf so nicht

unwidersprochen bleiben. Es ist sehr

unfair, seinen Frust an den beiden sehr

guten Redaktoren Bruno Wüthrich und

Klaus Zaugg auszulassen!

Man braucht s’Positive ja nicht zu

lesen. Es ist gratis! Man kann es ja

einfach im Altpapier entsorgen, wenn

man kein Interesse an guter Lektüre

hat.

Die Berichte sind sehr gut recherchiert,

die Interview-Fragen sind interessant

und durchdacht! Ich bin auch

nicht immer gleicher Meinung wie die

Redaktoren, aber es schadet niemandem,

auch mal eine andere Meinung

zu lesen. Auch wenn man halt gar keine

Interessen hat und anonym bleiben

will…

Ich jedenfalls freue mich immer sehr

auf s’Positive und lese jeden Artikel

von vorne bis hinten. Ich gebe Herrn

Bachmann den guten Rat, s’Positive

doch einmal richtig durchzulesen.

Lernen kann man immer etwas!

Ich wünsche Ihnen, Herr Wüthrich und

Herr Zaugg, trotz solcher Kritik weiterhin

viel Spass und Erfolg. Ihnen und

mir wünsche ich zudem, dass es

s’Positive noch sehr lange gibt!

Ernst Nydegger, Wynigen

Aufruf

In Ihrem Heft hat es sehr gute Artikel

und Werbung, von der man Gebrauch

machen kann. Darum verstehe ich

nicht, dass man s’Positive negativ sieht.

Und hier noch ein Aufruf: Ich möchte

alle Kinder und Erwachsenen, die

meinen Garten an der Bahnhofstrasse

in Roggwil immer wieder als Abfalleimer

missbrauchen, bitten, doch endlich

auch an die Natur zu denken. Solches

Verhalten ist respektlos und anstandslos.

Ursula Eller, Roggwil

VERANSTALTUNG

Oberaargauischer Musiktag 2018

2. + 3. Juni 2018

Ort: rund um die 3-Fach Sporthalle

Mittelholz in Herzogenbuchsee

www.musiktag-herzogenbuchsee.ch

PROFITIEREN

SIE JETZT VOM

VERANSTALTUNGS-

KALENDER

Möchten Sie Ihre Veranstaltung

bei uns publizieren?

Dann teilen Sie uns dies

doch bitte mit.

Ihre Meinung interessiert uns

Sind Sie mit etwas nicht einverstanden?

Haben Sie Fragen, die auch andere Leser

interessieren könnten? Oder haben

Sie eine Ergänzung zu einem Artikel?

Dann schreiben Sie uns. Ab der kommenden

Ausgabe reservieren wir Platz

für Sie. Oder möchten Sie über ein Thema,

das wir noch nicht gebracht haben,

mehr erfahren? Wir können Ihnen zwar

keinen Artikel darüber garantieren.

Aber prüfen werden wir Ihren Vorschlag

ganz bestimmt.

Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt,

wenn wir die Möglichkeit zu

Leserreaktionen bieten. Möglich, dass

keine einzige kommt. Ebenfalls möglich,

dass wir nicht alle Ihre E-Mails

und Briefe publizieren können, und

deshalb eine Auswahl treffen müssen.

Werden Sie bitte nicht zu lang. Sonst

müssten wir Ihren Beitrag eventuell

kürzen.

Beiträge mit beleidigenden, diffamierenden,

rassistischen und sexistischen

Inhalt werden nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

SCHREIBEN

SIE UNS

E-Mail:

redaktor@spositive.ch

Postadresse:

Redaktion «s’Positive»

Feedback

St. Urbanstrasse 31

4914 Roggwil

FOTO: ZVG

38 s’Positive 5 / 2018


Jeden Sonntag im

«gastro elemänt»,

Bowlingcenter Langenthal.

Reservationen unter

Tel. 062 919 01 16,

www.elemaent.ch

Bis Ende

Mai zum

Einführungspreis

von

Fr. 24.50


ERSTEIGERN

SIE DIESE

WERBEFLÄCHE!

Auktionsbeginn: ab sofort

Auktionsschluss: 08.06.2018, 15.00 Uhr

Teilnahme: Hinterlassen Sie per Mail

Ihr Gebot und die Kontaktdaten

Auskunft: info@spositive.ch oder 062 929 24 25

Wir freuen uns auf Ihr Gebot.

s’Positive AG | St. Urbanstrasse 31 | 4914 Roggwil | Telefon: 062 929 24 25 | E-Mail: info@spositive.ch | www.spositive.ch

Weitere Magazine dieses Users