Broschüre "Schulintegrierte Produktionsschule JADE-Arbeit"

bbs.fh.wilhelmshaven.de

Broschüre "Schulintegrierte Produktionsschule JADE-Arbeit"

Mit freundlicher Unterstützung von:

EINBLICKE

PRAXIS

LERNORT

ERFOLG & WIRKUNG

Schulintegrierte Produktionsschule

JADE-Arbeit

REPORTAGE


Impressum

Herausgeber

Berufsbildende Schulen Friedenstraße

Friedenstraße 60-62

26396 Wilhelmshaven

Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH

Geschäftsstelle Oldenburg

Kanalstr. 23

26135 Oldenburg

Kontakt

OStD Wilfried Steenblock (Schulleiter)

Tel.: 04421 / 934 100

E-Mail: steenblock@bbs.fh-wilhelmshaven.de

Dip.-Ing. Michael Knüver (Leiter der Produktionsschule)

Tel.: 04421 / 77 999 051

E-Mail: michael.knuever@bnw.de

Redaktion

Dr. Klaus-Dieter Mertineit

Gestaltung

Nicole Kossmer / Hamburg

Druck

Druckhaus Köthen GmbH

Fotonachweis

Cordula Kropke, Michael Kottmeier/agenda, Michael Knüver

Förderhinweis

Die Einrichtung und der Aufbau der Produktionsschule wurden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds

(ESF) fi nanziert. Die nachhaltige Ausrichtung der Produktionsschule wird gefördert durch die Deutsche

Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Wilhelmshaven / Oldenburg, im August 2011

WIRKUNG & ERFOLG

nomie-Küche sowie der Umbau des Zirkuswagens realisiert werden

können.

Dennoch gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz

in Wilhelmshaven schwierig. Erst nach intensiven Bemühungen,

Gesprächen mit Firmen und einem intensiven Bewerbungstraining

gelingt es schließlich, einen passenden Ausbildungsplatz als

Industriemechaniker zu fi nden. Mit dem in der Produktionsschule

verdienten Geld macht Max seinen Führerschein. Zurzeit überlegt er,

ab wann er sich selbst eine kleine Wohnung leisten und sein Leben

vollends selbst bestimmen kann. Der Kontakt ist nach wie vor sehr

herzlich und eng und Max schaut immer noch regelmäßig in der Produktionsschule

vorbei. Sascha und Max sind bereit für die Ausbildung.

33


Berufsbildung: Ein Schlüssel für

nachhaltige Entwicklung

Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung greift langsam aber stetig

und wird in der Wirtschaft immer stärker zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.

Dass Deutschland Exportweltmeister bei Umweltschutzgütern

noch vor den USA und Japan ist, ist letztlich auch ein Ergebnis

der hohen Qualität an beruflicher Qualifizierung. Ohne eine Schwerpunktsetzung

beim Umweltschutz unter zunehmender Berücksichtigung

der Nachhaltigkeitsfragen im Sinne einer „Berufsbildung für

nachhaltige Entwicklung“ wäre der erste Platz an der Weltspitze nicht

realisiert worden. Will man diese Entwicklung stützen, ist nachhaltiges

Handeln für jeden Beruf und für jede Branche von Bedeutung.

Das Motto der JADE-Arbeit Jugend, Arbeit, Durchblick, Erfolg macht

die Herausforderungen deutlich: Es geht vor allem darum, die jungen

Leute zu qualifizieren und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in

sinnvolle Arbeit zu bringen.

Als besonders innovatives Berufsbildungsprojekt ist das DBU-Vorhaben

der Berufsbildenden Schulen Friedenstraße in Wilhelmshaven

zum „Aufbau einer nachhaltigen Produktionsstätte zur Herstellung

solartechnischer Anlagen“ hervorzuheben. Neben den „Nachhaltigen

Schüler- und Juniorenfirmen“, von denen ebenfalls einige DBU-gefördert

sind, stellt das Konzept der „Nachhaltigen Produktionsstätte“

als innovative Weiterentwicklung des „Produktionsschulkonzeptes“

Vorwort


einen weiteren Schritt dar, junge Leute (hier: Berufsschüler) mit der

Arbeitsrealität frühzeitig berufsorientierend vertraut zu machen. In

Wilhelmshaven wird dieses Konzept am Beispiel der regenerativen

Energietechnik erstmals schulintegriert unter Einbindung der regionalen

Wirtschaft realisiert.

Besonders freut es mich, dass als sichtbares Ergebnis die gemeinsam

mit der DBU-Geschäftsstelle entwickelte Idee der „ersten solarbetriebenen

mobilen Duschanlage in Deutschland“ von den in der

Produktionsschule lernenden und arbeitenden Berufsschülern mit

Unterstützung der Arbeitsanleiter des Bildungswerks der Niedersächsischen

Wirtschaft in die Tat umgesetzt wurde. Inzwischen hat diese

mobile Solardusche sogar eine „Schwester“ bekommen. Beide Anlagen

wurden bereits im Rahmen von Großveranstaltungen mit jeweils

mehreren tausend Teilnehmern eingesetzt. Dies war nicht nur

eine nachdrückliche Anerkennung der Arbeit der beteiligten Jugendlichen,

Arbeitsanleiter und Lehrkräfte und eine Bestätigung ihrer Arbeit,

sondern sie erzielten damit auch einen außerordentlichen Multiplikatoreffekt

für die erneuerbaren Energien als einem der wichtigsten

Eckpfeiler für eine nachhaltige Entwicklung. Wie sich die Leser dieser

Broschüre überzeugen können, leistet die Produktionsschule weitaus

mehr als die Fertigung und den Betrieb mobiler Solarduschen. Wir

freuen uns, dass wir dieses Projekt zur Herstellung solartechnischer

Anlagen und der damit verbundenen Berufsbildungsprozesse „anstiftend“

durch Fördermittel stützen und unterstützen dürfen.

Ich danke dem gesamten Projektteam unter Leitung von Wilfried

Steenblock für die hervorragende Arbeit. Ich wünsche uns allen weiterhin

einen langen Atem auf dem Weg zu einer nachhaltigen, umweltgerechten

Entwicklung mit hochqualifizierten Fachkräften.

Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde

Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück

Inhalt

Vorwort: Berufsbildung: Ein Schlüssel für nachhaltige Entwicklung

JADE-Arbeit auf einen Blick 4

Idee und Ziele 4

Merkmale 6

Organisation 7

Personal 9

JADE-Arbeit in der Praxis 11

Produktionsräume, Maschinen und Gerätschaften 11

Ein typischer Tagesablauf 12

Kunden und Aufträge 13

Bau einer mobilen Solardusche 14

Restaurierung einer historischen Olivenölpresse aus Kreta 15

Umbau eines Zirkuswagens für einen Waldkindergarten 17

Schrauben für die Zukunft Ein Beitrag von Michael Kottmeier/agenda 18

JADE-Arbeit als Lernort 26

Lernpotenziale 26

Lernvoraussetzungen 27

Erfolge und Wirkungen 28

Erfolgskriterien 28

Erste Ergebnisse und Erfahrungen 29

Mit JADE zum Erfolg 32


JADE-Arbeit auf

einen Blick

Idee und Ziele

In der aktuellen Bildungsdiskussion werden zwei Momente besonders

hervorgehoben: Zum einen die notwendige Integration der Jugend

in die Gesellschaft, die wesentlich über eine erfolgreiche schulische

und berufl iche Ausbildung gesichert werden soll und deren Gelingen

spätestens durch die vorliegenden Studien zu den Effekten des sogenannten

Übergangssystems zu hinterfragen ist. Zum anderen klagt

die Wirtschaft über die zunehmende Zahl von Jugendlichen ohne ausreichende

Ausbildungsgrundlagen. Insbesondere im Handwerk können

viele Ausbildungsplätze aus diesem Grund inzwischen nicht mehr

besetzt werden.

Jugendliche, die weder einen Ausbildungsplatz noch einen Platz in

berufl ich vollqualifi zierenden schulischen Bildungsgängen gefunden

haben, sind häufi g lernbeeinträchtigt, verhaltensauffällig und/oder

sozial benachteiligt und bedürfen einer besonderen Förderung. Damit

sie Lernen als etwas Positives erleben, muss Schule sich ihnen anders

und unkonventionell präsentieren.

Zur Verbesserung des Berufseinstiegs von Jugendlichen, die in ihrer

Ausbildungsreife gefördert werden müssen, wurde an den BBS Friedenstraße

in Wilhelmshaven eine schulintegrierte Produktionsschule

eingerichtet. Dort können Schüler/innen der Berufseinstiegsschule

freiwillig und ergänzend zum Unterricht mitarbeiten. Unter Anleitung

von Handwerksmeistern lernen sie, unter Realbedingungen Produkte

nach Kundenvorgaben termingerecht herzustellen. Damit erhalten sie

Gelegenheit, notwendige Arbeitstugenden zu erlernen und sich durch

Erstqualifi kation in innovativen handwerklichen Techniken auf Ausbildungs-

und Arbeitsangebote der regionalen Wirtschaft vorzubereiten.

Die Produktionsstätte legt einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die

Herstellung nachhaltiger Produkte, insbesondere solartechnische Anlagen.

Im Zuge der Beschäftigung mit dieser Technik können die Ju-

ÜBERBLICK ÜBERBLICK

gendlichen Fachkompetenzen erwerben, die bisher in den Betrieben

nicht ausreichend vorkommen und deshalb als Verbreitungshemmnis

in der Solartechnik wirken.

Mit der schulintegrierten Produktionsschule werden folgende Ziele

verfolgt:

• Das Selbstwertgefühl der beteiligten Schüler/innen wird über Wertschätzung

durch gesellschaftlich nützliche Arbeit verbessert.

• Bildungsbereitschaft und Bildungsfähigkeit werden gefördert; die

Schüler/innen werden motiviert und befähigt, eine betriebliche Berufsausbildung

zu beginnen oder einen berufsqualifi zierenden

schulischen Bildungsgang aufzunehmen.

• Die Jugendlichen erwerben in exemplarischer Weise nachhaltigkeitsrelevante

Kompetenzen, hier: umweltschonende Energietechniken

/ Solaranlagen.

Endlich ist es soweit: Nach harter Arbeit

gibt es den verdienten Lohn.

4 5


Berufsbildende Schulen in Wilhelmshaven

in der Friedenstraße.

Merkmale

Die schulintegrierte Produktionsschule fi rmiert unter dem Namen

JADE-Arbeit (Jugend, Arbeit, Durchblick, Erfolg). Sie richtet sich an

Schülern/innen der Berufseinstiegsschule und hat die Herstellung und

den Vertrieb von marktgängigen Produkten und Dienstleistungen zum

Gegenstand und soll sich nach einer Anlaufphase zum größten Teil

selbst fi nanzieren. Dabei gilt grundsätzlich, dass mit den Waren und

Dienstleistungen der wirtschaftliche Wettbewerb der Region nicht gestört

wird.

Die Produktionsschule gliedert sich in die Bereiche

• Auftragsarbeit: Herstellung von Metallkonstruktionen nach Angaben

des Auftraggebers;

• Solar: Planung und Herstellung von thermischen Solaranlagen;

• Mobil: Konstruktion und Restauration von Zweirädern und Zubehörteilen,

teils mit Elektro-Antrieb;

• Elektrik: Installation und Steuerung von Photovoltaikanlagen, Hauselektrik

und Reparatur von elektrischen Kleingeräten.

ÜBERBLICK ÜBERBLICK

Die Mitarbeit in der Produktionsschule ist – sofern sie zusätzlich zum

Schulunterricht erfolgt – freiwillig. Entscheidet sich eine Schülerin

bzw. ein Schüler für die Mitarbeit, wird ein Vertrag mit ihr bzw. ihm

über eine verbindliche Teilnahme abgeschlossen. Verhaltensregeln in

der Produktionsschule werden erklärt und müssen von den Jugendlichen

anerkannt und unterschrieben werden.

Alle Teilnehmer werden einheitlich mit Arbeitskleidung (Latzhose,

Arbeitsjacke) und Sicherheitsschuhen ausgestattet.

Die beteiligten Schüler/innen erhalten für ihre in der Produktionsschule

zusätzlich zum Schulunterricht geleistete Arbeit eine angemessene

Vergütung.

Die Jugendlichen arbeiten im Team und müssen die Aufgaben gemeinsam

mit ihren Handwerksmeistern planen, kalkulieren und gemeinsam

durchführen. So entstehen alltagsbedingte Situationen, in

denen sich die Jugendlichen bewähren müssen.

Die in der Produktionsstätte zu bearbeitenden Aufträge orientieren

sich an den Kompetenzen der Jugendlichen. Durch das Mitwirken

an echten Aufträgen erhält die Arbeit einen Sinn.

Organisation

Zusätzlich zur schulischen Stundentafel (Fachtheorie- und Fachpraxisunterricht),

die etwa 22 Zeitstunden umfasst, wird ein ergänzendes

schulbegleitendes Praktikum angeboten, das in seiner Gesamtheit einer

typischen Arbeitswoche entspricht.

Der pädagogische Schonraum Unterricht und der Erwerbsraum Produktionsstätte

sind organisatorisch und räumlich getrennt:

• In der Schule erteilen Lehrkräfte im fachpraktischen und fachtheoretischen

Unterricht der Berufseinstiegsklasse produktionsorientierten

Unterricht und bereiten die Schüler/innen auf die Tätigkeit

in der Produktionsschule vor.

6 7


• In der Produktionsstätte sind Handwerksmeister des BNW für die

Arbeitsprozesse und die Produkte verantwortlich.

Die Produktionsschule wird vom Bildungswerk der Niedersächsischen

Wirtschaft (BNW) unter Marktbedingungen geführt. Das BNW stellt

die in der Produktionsschule tätigen Mitarbeiter/innen - Betriebsleiter

und Handwerksmeister – für die Mitwirkung im Projekt frei. Diese

sind zuständig für die Akquise von Aufträgen sowie die anforderungsgerechte

Abwicklung dieser Aufträge nach vorgegebenen Qualitätskriterien.

Eine Steuergruppe aus beiden Personengruppen koordiniert die

Aufgabenstellungen und sorgt für eine gute Kommunikation sowie

für eine enge Kooperation. Ein Beirat mit Vertretern der regionalen

Wirtschaft gewährleistet die Akzeptanz der Produktionsschule insbesondere

seitens der Unternehmen.

„Die Produktionsschule tut der Schule gut, weil dieser innovative pädagogische

Ansatz, die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit auf Lehrkräfte- bzw.

Meisterebene sowie die durch die Schüler und Schülerinnen gesammelten positiven

Erfahrungen in den Schulalltag getragen werden können. Insbesondere

wir Lehrer in der BES müssen über den Tellerrand schauen, damit wir unsere

Schülerinnen und Schüler erfolgreich auf die Arbeitswelt vorbereiten“ .

Peter Melchers, Lehrer für Fachtheorie

„Ideal wäre die Integration, wenn die Produktionsschule Regelschule wäre, wenn

wir also den Unterricht so organisieren würden, dass die Schülerinnen und Schüler

gar nicht merken, dass sie in der Schule sind, wenn sie produzieren und

zwischendurch etwas für die Produktion lernen müssen. Kurz: Wenn die Berufseinstiegsschule

mit integrierter Produktionsrealität der Normalfall wäre.“

Wilfried Steenblock, Schulleiter

ÜBERBLICK ÜBERBLICK

8 9

Personal

Die Arbeit in der Produktionsschule stellt erhöhte pädagogische, aber

auch psychische Anforderungen an die dort tätigen Fachkräfte. Flexibilität

ist gefragt, und zwar sowohl im Umgang mit den Jugendlichen

als auch bei der Auftragsorganisation, den Arbeitszeiten und der Abstimmung

mit den schulischen Lehrkräften. Abgesehen von solidem

handwerklichem Können im jeweiligen Fachgebiet wird Spaß am Umgang

mit jungen Menschen vorausgesetzt. Zudem sind Geduld, Sensibilität

für die jeweiligen Schüler/innen und viel Fingerspitzengefühl für

den Umgang mit Jugendlichen gefordert.

Erforderlich sind ferner die Bereitschaft und Fähigkeit,

• die Jugendlichen für die Arbeit am jeweiligen Auftrag zu begeistern

und vorhandene Aufträge mit ihnen eigenverantwortlich und mit

hoher Qualität und Kundenzufriedenheit zu bearbeiten;

• den Schüler/innen durch individuelle pädagogische Betreuung Erfolgserlebnisse

zu ermöglichen und sie zu fördern und zu fordern;

• auch mit schwierigen Jugendlichen wertschätzend und auf Augenhöhe

zu kommunizieren und die im Verhalten oftmals zu Tage tretenden

Sozialisationsdefi zite nicht automatisch als Provokation anzusehen;

• den Jugendlichen – über das gewohnte Maß hinaus – ein Vorbild zu

sein.

„Wer in der Produktionsschule als Arbeitsanleiter arbeiten will, der muss ein

hohes Maß an Toleranz, Fachkompetenz und Flexibilität mitbringen. Das ist

eine Erfahrung der letzten drei Jahre: Fachkompetenz muss sowieso da sein; das

ist eine Grundvoraussetzung. Als nächstes muss der Betreffende aber ein hohes

Maß an Toleranz haben, sich mit dem unterschiedlichen Klientel – vom Jugendlichen

bis zum Lehrerkollegen – konstruktiv auseinanderzusetzen. Das ist wirklich

ganz wichtig und ich habe gemerkt, dass die meisten, wenn sie anfangen,

Kenneth schmiedet eine Gartenskulptur


Florian und Sebastian dürfen das erste

Mal mit dem Brenner an einer neuen

Sitzbank arbeiten.

ÜBERBLICK

große Schwierigkeiten damit haben, diese Bandbreite zu akzeptieren und mit

diesen unterschiedlichen Charakteren über einen langen Zeitraum professionell

zusammenzuarbeiten. Einem Handwerker fällt so etwas schwer. Flexibilität: Es

gibt hier keinen Stundenplan wie in der Schule mit Schulbeginn um acht Uhr

und Schulschluss um 15 Uhr. Wir arbeiten in Projekten und sind auch mal am

Wochenende oder abends damit beschäftigt. Diese Flexibilität, die erwarte ich

von meinen Arbeitsanleitern.“

Michael Knüver, Leiter der Produktionsschule

10 11

PRAXIS

Produktionsräume, Maschinen und Gerätschaften

Die Produktionsschule verfügt über eine eigene Produktionshalle sowie

über eigene Maschinen, Werkzeuge und Geräte.

Die Produktionshalle hat eine Grundfl äche von ca. 400 m² und

ist durch ein 3,50 m breites Tor über das Schulgelände auch für LKW

zu erreichen. Die Halle ist eine Stahlrahmenkonstruktion, Innenhöhe

ca. 5,50 m mit Oberlichtern und seitlichen Fensterbändern. Über Deckenheizungen

ist sie auch im Winter gut zu erwärmen.

Die Halle verfügt über ein Materiallager, einen Schlosser- und

Schmiedebereich sowie über eine Fahrradwerkstatt. Die restlichen

Flächen werden gemäß den anliegenden Aufträgen so umgestaltet,

dass eine reibungslose Arbeit mit bis zu 12 Jugendlichen möglich ist.

Im Schlosserbereich ist die Halle mit Schutzgas-, WIG- und Autogenschweißgeräten

ausgestattet. Über eine mobile Gasabsaugung

werden die giftigen Schweißgase gefi ltert und unschädlich gemacht.

Auch eine kleine Weiler-Drehbank ist vorhanden. Ansonsten ist die

Halle mit allen gängigen Handwerkzeugen ausgestattet – vom Akkuschrauber

bis zum Blechnibbler. Hier können einfache Metallarbeiten

(z. B. Gitterzaunbau) sowie einfache Schweißkonstruktionen und

leichte Dreh- und Fräsarbeiten erledigt werden.

Durch die großen Freifl ächen können in der Halle Fahrzeugarbeiten

an PKW oder Anhängern durchgeführt werden. Montagearbeiten

als Auftragsarbeiten für befreundete Unternehmen gehören genauso

zum Alltag wie einfachste Restaurierungen von Zweirädern und Anhängern

und die Kleinproduktion von Dreh- und Frästeilen für die

Fahrradindustrie. Solch anspruchsvolle Tätigkeiten werden dann allerdings

in den schulischen Werkstätten unter Anleitung der dort arbeitenden

Fachpraxislehrer durchgeführt.

JADE-Arbeit in

der Praxis


Ein typischer Tagesablauf

Ein wichtiges Element zur Stabilisierung der Jugendlichen sind klar

strukturierte, nachvollziehbare Abläufe, Spielregeln und Rituale. Dies

drückt sich auch in einem gleichbleibenden Tagesablauf aus, von dem

nur im Falle der Erledigung von Auftragsarbeiten, die nicht am Schulstandort

durchgeführt werden können, abgewichen wird.

Je nach Stundenplan können interessierte Schüler/innen bereits am

Zeit Inhalt

7:15 Uhr Arbeitsbeginn für das Personal der Produktionsschule

7:30 Uhr

Die ersten Schüler/innen treffen ein. Sie erfassen den Beginn ihrer Arbeitszeit

mithilfe einer Stempeluhr.

Offi zieller Arbeitsbeginn. Neue Aufträge werden besprochen und zugeteilt. Ein-

8:00 Uhr

weisung der Schüler/innen in die Arbeit mit den Maschinen und Werkstoffen,

in Sicherheitsbestimmungen und Vorschriften. Ansonsten setzen die Schüler/

innen ihre Arbeiten vom Vortag fort.

8:00 – 9:30 Uhr Arbeit an den Aufträgen

9:30 – 9:45 Uhr Pause

9:50 – 11:20 Uhr Arbeit an den Aufträgen

11:20 – 11:35 Uhr Pause

11:35 – 13:05 Uhr Arbeit an den Aufträgen

Mittagspause: An zwei Tagen in der Woche ist das gemeinsame Mittagessen

13:05 – 13:35 Uhr aller Produktionsschüler/innen in der von Hauswirtschaftsschüler/innen betriebenen

Schulkantine fester Unterrichtsbestandteil.

13:35 – 15 Uhr Arbeit an den Aufträgen

15 Uhr Aufräumen des Arbeitsplatzes

15:30 Uhr

Feierabend. Die letzten Schüler/innen verlassen die Produktionsstätte und

stempeln sich aus.

PRAXIS PRAXIS

Vormittag in der Produktionsschule arbeiten, ansonsten erst nach

Ende des Unterrichts oder in Freistunden.

Kunden und Aufträge

Die schulintegrierte Produktionsschule fertigt Einzelstücke und Kleinserien

für soziale Einrichtungen und Unternehmen. Das Auftragsspektrum

reicht von der Herstellung von Kupferblech-Briefkästen, Blechrosen

und Rosengittern über die Fertigung von Dreh- und Frästeilen für

Liegeräder und den Bau einer mobilen Solardusche bis zur Restauration

und zum Umbau eines Zirkuswagens für einen Waldkindergarten.

Die Produktionsschule steht nicht im Wettbewerb zur regionalen

Wirtschaft. Die Auftraggeber kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Darüber hinaus kooperiert die Produktionsschule auch mit

Einrichtungen im Ausland.

Auszug aus der Kunden- / Auftragsliste:

• arteFakt Stifterfonds, Wilstedt: Restaurierung einer historischen

Olivenölpresse; Installation einer thermischen Solaranlage in Minervino,

Süditalien

• BBS Friedenstraße, Wilhelmshaven: Bau einer mobilen solarthermischen

Anlage für die Warmwasserbereitung; Planung, Bau und

Installierung einer thermischen Solaranlage mit ca. 25 m² Fläche auf

dem Dach der Berufsschule; Planung, Bau und Installierung einer

Solarladestation zum Aufl aden von Elektrofahrzeugen

• Heinen Freezing GmbH & Co. KG, Varel: Endfertigung von Kühlschranktüren

• Jonglieren in München e.V.: Erstellen von solarthermischen

Duschanlagen für die Europäische Jonglierconvention 2011 in

München

• Kindergarten Lindenallee, Jever: Restauration und Umbau eines

Zirkuswagens für den Waldkindergarten

Hauseigene Produktion und Entwicklungen

von Brennschalen und Sitzbänken

12 13


Der selbstgebaute Solarmobilanhänger

wird betriebsbereit gemacht.

• Landesjugendpfarramt im Haus der kirchlichen Dienste, Hannover:

Bau von Abwaschcontainern sowie Aufbau und Betrieb der Solardusche

im Landesjugendcamp 2010

• Toxy Liegerad GmbH, Hörnerkirchen: Anfertigung von Kleinserien

von Dreh- und Frästeilen für Liegeräder

Kooperationspartner bei solaren Anlagen:

• Stein + Bösch GmbH, Wilhelmshaven

• August Brötje GmbH, Rastede

Bau einer mobilen Solardusche

Im Auftrag der Berufsbildenden Schulen Friedenstraße wurde im

Zeitraum August 2008 bis Mai 2009 eine solarbetriebene mobile

Duschanlage erstellt. Dazu wurde eine komplette solare Warmwasserbereitungsanlage

gefertigt und auf einem Kraftfahrzeuganhänger

PRAXIS PRAXIS

in Kastenausführung (Länge: 3,71 m; Breite: 1,72 m) installiert. Der

Solarkollektor mit 80 Vakuumröhren heizt einen Wasserspeicher mit

800 Litern Kapazität so weit auf, dass zum Duschen kaltes Wasser

zugemischt werden muss und 100 Personen nach einem Heizvorgang

in einem mitgeführten Zelt (Mannschaftszelt Typ SAS 45, Länge: 8,00

m; Breite: 5,65 m; Firsthöhe: 2,70 m; Seitenhöhe: 1,70 m; 6 Duschplätze)

duschen können.

Die Solardusche benötigt nur einen Wasserhydranten und kann

bei bedecktem Himmel auch über einen biogasbetriebenen Brennwertkessel

betrieben werden. Die Dusche ist für den mobilen Einsatz

bei Sportveranstaltungen, Festivals oder anderen Freiluftveranstaltungen

konzipiert und kam u. a. im Rahmen der Olivenöl-Abholtage

2009 und 2010 in Wilstedt, beim Landesjugendcamp 2010 in Verden

und bei der Europäischen Jonglierconvention 2011 in München zum

Einsatz.

Restaurierung einer historischen Olivenölpresse aus Kreta

Die Produktionsschule erhielt im Juli 2009 von dem Bremer Kaufmann

Conrad Bölicke, Leiter des arte-Fakt Stifterfonds, den Auftrag,

eine historische Olivenölpresse zu restaurieren und für ein Museum

auf Kreta herzurichten.

Die Presse besteht aus Stahl mit Graugusswiderlager. Die Oliven

werden mit einem Mahlwerk aufgebrochen und zu einem pastösen

Brei verrührt, der Olivenmaische. Die Presse läuft zwischen vier Stahlstempeln,

die oben und unten von einem großen Holzblock geführt

werden. Der Pressvorgang wird anfangs über die Spindel erzeugt und

später mit einem Hebel (meist einem Baumstamm) so verstärkt, dass

der Maische das Öl entzogen werden kann.

Die Presse hatte die letzten 50 Jahre in einer alten Mühle unter

einem eingestürzten Dach auf Kreta gestanden und war mit der Zeit

oben: In diesem Zustand wurde die Olivenölpresse auf

Kreta entdeckt.

unten: Im Mai 2010 wurde sie restauriert so auf den

Olivenöl-Abholtagen in Wilstedt präsentiert.

14 15


Kinder und Erzieherinnen freuen sich auf

die Fertigstellung des Zirkuswagens.

verrostet und unbrauchbar geworden. Auf Initiative von Conrad Bölicke

wurde die Olivenölpresse nach Deutschland gebracht und in der

Produktionsschule Wilhelmshaven im Zeitraum August 2009 bis April

2010 wieder hergerichtet. Ende April 2010 wurde sie von Schülern

der Produktionsschule im Rahmen der Olivenöl-Abholtage zusammen

mit einer umfangreichen Fotoausstellung über den Werdegang

der Restaurierung der Öffentlichkeit und der Presse vorgestellt.

Umbau eines Zirkuswagens für einen Waldkindergarten

Vom evangelischen Kindergarten in Jever erhielt die Produktionsschule

im August 2009 den Auftrag, aus einem 50 Jahre alten Zirkuswagen

der Pfadfi nder einen funktionierenden Waldkindergarten mit Küche

und Toilette zu bauen. Mit ergänzender Unterstützung der Stadt Jever,

der Stiftung Orth, der evangelischen Kirche und der DBU gelang

die Finanzierung des Projekts.

PRAXIS PRAXIS

Der Zirkuswagen, ein aus einer Stahlrahmenkonstruktion mit Drehkranz

und Druckluft-Bremssystem bestehender Fahrzeuganhänger

(Gesamtlänge: 9,00 m; Breite: 2,50 m; Höhe außen ca. 3,50 m, Höhe

innen ca. 2,20 m), wurde vollständig zerlegt und entrostet. Defekte

Teile wurden repariert oder ersetzt. Der Aufbau wurde vollständig erneuert:

Die Wände erhielten eine 6 cm starke Wärmedämmung, außen

bestehen sie aus Holz, innen wurden sie mit Fermacell gespachtelt

und gestrichen. Der Fußboden besteht aus strapazierfähigem PVC. In

den Anhänger wurden eine Küchenzeile mit Spüle und Ablauf sowie

eine Toilette als Trockenklo mit Handwaschbecken eingebaut. Eine

Heizung mit zwei Elektro-Wandradiatoren sorgt für Wärme auch an

kühlen Tagen und eine Photovoltaik-Anlage versorgt die Innenraumbeleuchtung.

Im September 2010 erfolgte die feierliche Übergabe an

den Waldkindergarten. Der Anhänger steht seitdem in einem Wald in

Heidmühle/Schortens.

links: Wiederaufbau der Außenhaut mit BVJ Schülern

unter Anleitung des Meisters.

rechts: Der Zirkuswagen steht zum Abtransport in den

Wald bereit.

16 17


REPORTAGE

Das Model Produktionsschule qualifi ziert

junge Menschen ohne oder mit schwachem

Schulabschluss für den Arbeitsmarkt

Text: Michael Kottmeier / agenda

Fotos: Cordula Kropke / Hamburg

Sascha schiebt das Richtscheit prüfend

über die frisch verlegten Bodenklinker.

Zusammen mit anderen Schülern der

Berufsbildenden Schule Wilhelmshaven

(BBS) erneuert der 17-jährige den

Durchgang von der Produktionsschule

zum Schulgebäude. „Gelernt ist gelernt,“

lachend streicht er über seinen Strubbelkopf,

„ich wollte immer zum Bau. Schon bei

uns im Garten hab‘ ich den Sockel für den Grill

gemauert.“

Der Traum wird jetzt wahr – Sascha

hat eine feste Zusage: In diesem Jahr

wird er eine Lehrstelle als Maurer bei einer

Bauunternehmung in Wilhelmshaven

antreten. Danach sah es lange Zeit nicht

aus. Die Schule war für den groß gewachsenen,

kräftigen Jungen eine Qual. Bis zur

fünften Klasse hielt er durch, dann hatte

er keinen Bock mehr – Förderschule,

wie das so ist. Mit 15 wechselte er auf die

BBS. Dort erfuhr er von der Möglichkeit

in der Produktionsschule praktisch zu

arbeiten. Freiwillig, nach Schulschluss,

lernen interessierte Jugendliche dort mit

fachlicher Anleitung von Ausbildern unter

realistischen Bedingungen zu arbeiten.

„Da ist nicht alles für die Tonne, was man

baut und man verdient sogar ein bisschen,“

erklärt Sascha. Er blühte auf, erschien

18 19


Sascha bei Pfl asterarbeiten vor der

Produktionsschule.

regelmäßig und verbesserte dabei ganz

nebenbei seine schulischen Leistungen

„Nur noch Einser und Zweier hatte ich“, erzählt

er, „in Theorie `ne Drei, aber ich bin

voll zufrieden.“ Saschas Vater ist Staplerfahrer,

die Mutter Hausfrau. Sie haben

ihn ermuntert, das Angebot Produktionsschule

auszuprobieren.

Das Modell Produktionsschule kommt

ursprünglich aus Dänemark.

Die Idee war, Jugendlichen ohne

oder mit schwachem Schulabschluss

REPORTAGE REPORTAGE

die Möglichkeit einer fachlichen, sozialen

und persönlichen Entwicklung zu ermöglichen.

Und sie damit für normale

Jobs auf dem Arbeitsmarkt zu qualifi zieren.

Etwa 60 Schulen gibt es inzwischen

auch in Deutschland. Schwerpunkte

sind Hamburg, Berlin und die östlichen

Bundesländer. Produktionsschulen verwirklichen

das Prinzip Jugendwerkstatt

in einer marktnahen Form.

Dienstleistungen und Produkte werden

gegen Geld auf dem allgemeinen

Markt angeboten.

Oft sind die Schulen an berufsbildende

Schulen angegliedert und bieten

so den Schülern und Schülerinnen die

Möglichkeit, mit einem realistischen Arbeitsalltag

in Berührung zu kommen.

„Wir sind die Schule in der Schule,“ sagt Michael

Knüver. Der 53-jährige Diplomingenieur

und Leiter der Produktionsschule

in Wilhelmshaven ist froh, endlich ein

eigenes Büro zu haben: „Anfangs hatten

wir ja noch nicht mal eine Halle, da haben wir

in Räumen der Berufsschule rumgemurkelt.“

Seit Ende 2009 bietet eine neue

Leichtbauhalle neben den Hauptgebäuden

der BBS Platz. Hier lernen die Schüler

die Grundfertigkeiten im Metallbau,

bauen Steckzäune, Rankgitter, Schuhabtreter

oder Schlauchhalter.

Die hier angefertigten Produkte werden

in einem zentralen Laden, aber

auch auf Messen, angeboten und verkauft.

Eine besondere Herausforderung

sind die berufsübergreifenden Projekte

wie der Umbau eines Bauwagens für die

Belange eines Waldkindergartens oder

der Bau einer mobilen Solardusche.

Fertigkeiten aus der Holzverarbeitung

und der Elektrik werden so gefordert

und gefördert.

Bis zu 19 Stunden wöchentlich können

die Jugendlichen hier zusätzlich zum

Berufsschulalltag lernen und arbeiten.

2,50 Euro Vergütung pro Stunde Anwesenheit

bieten zusätzlichen Anreiz.

Geldverdienen, genauso wie Verlässlichkeit

und Pünktlichkeit, sind Teil

des Konzepts für eine Vorbereitung auf

das Berufsleben. Wer Lust hat mitzumachen,

unterschreibt nach ein paar

Schnuppertagen einen verbindliche Vertrag

über die regelmäßige Teilnahme.

Für Sascha kam der Durchbruch bei

einem Projekt in Süditalien. „Wir brauchen

Leuchtturmprojekte, die einen gemeinnützigen

Aspekt haben und in der Öffentlichkeit

wahrgenommen werden,“ erklärt

Michael Knüver, „der Jugendaustausch mit

Süditalien war so eins.“

Die Idee zu dem Projekt entwickelte

sich bei einem Besuch am Olivenöl-Abholtag

im Bremischen Wilstedt.

Knüver entdeckte eine dort ausgestellte

uralte kretische Olivenpresse. und bot

dem Veranstalter und Olivenimporteur

Conrad Bölicke an, das Museumsstück

mit seinen Schülern zu restaurieren. Bei

einem Besuch in der Produktionsschule

in Wilhelmshaven entdeckte dieser

wiederum in der Werkstatt eine mobile

Solardusche, die von den Schülern konstruiert

worden war. Und weil Conrad

Bölicke seit geraumer Zeit den kleinen

Fußballverein im apulischen Minervino

unterstützte – seit Jahren importiert

er Olivenöle auch aus Apulien nach

Deutschland – schlug er Klüver vor, den

Paolo und Hansi lernen in der Werkstatt

eine Solaranlage zu installieren.

20 21


Max, Hansi, Daniel und Sascha

posieren stolz mit dem Leiter der

Produktionsschule Michael Knüver auf

dem Hof der Olivenöl Kooperative in

Minervino.

Club beim Bau einer solchen Duschanlage

zu unterstützen.

Drei Monate später reisten vier Jugendliche

aus Minervino nach Wilhelmshaven

für ein Praktikum in der

Produktionsschule. Zwei Wochen lebten

und arbeiteten sie mit den Jugendlichen

aus Norddeutschland zusammen

und lernten den Bau und die Installation

von Sonnenkollektoren. Einen Monat

später reisten vier deutsche Schüler

wiederum mit ihrem Ausbilder Jörg

Groeneveld und Michael Knüver zur

Montage nach Minervino.

REPORTAGE REPORTAGE

Nach einer Woche erfolgreicher gemeinsamer

Arbeit, in der die Solaranlage

für Warmwasser auf dem Dach des

Sportvereins aufgebaut wurde, fi el Saschas

Bilanz begeistert aus:

„Das ist mal was ganz anderes gewesen,

da ist die Zeit stehen geblieben.“ Und gibt

zu: „Ich hab‘ mich ein bisschen verliebt“. Er

will jetzt Englisch lernen. Damit er mit

Maria, seiner neuen italienischen Freundin,

chatten kann. Und auch mit Paolo,

der Musik macht wie er.

„Wir hatten die Truppe ja bunt zusammengewürfelt“,

erzählt Knüver, „aber der

Reifungsprozess ist nicht zu übersehen“.

Es war das erste Auslandsprojekt der

Produktionsschule.

Michael Knüver ist positiv überrascht

vom Teamgeist, dem Benehmen

und der Verantwortlichkeit der Jugendlichen.

„Hundert Bewerbungen, das ist schon die

Regel bei den Jugendlichen und dann passiert

nichts, wie sollen wir da noch Hoffnung oder

Zuversicht vermitteln. Klar ist doch: Mehr

als die Hälfte der Jugendlichen ist und würde

nicht vermittelbar sein, die schleppen wir

bis zur Rente mit. Aber wir haben einen Bildungsauftrag

wir müssen ihnen gesellschaftliche

Wertschätzung entgegenbringen. Es geht

um Zukunftschancen. Um die Möglichkeit,

die Zukunft selbst in die Hand nehmen zu

können“. Die Produktionsschulen wollen

Motor sein für Motivation. Sascha ist so

ein positives Beispiel. Der hat schlicht

über den praktischen Arbeitserfolg wieder

die Bereitschaft zum Lernen gefunden:

er brauchte Rückendeckung und

Zeit für die persönliche Entwicklung.

Sascha zeigt auf den fast fertigen

Bauwagen in der Mitte der Halle:

„Den hatten wir komplett auseinander.“

„Die Idee Produktionsschule wurde hier anfangs

sehr skeptisch beäugt,“ erzählt Wilfried

Steenblock, Schulleiter der BBS in Wilhelmshaven,

„da gab es viele Berührungsängste.“

Die lokalen Handwerksbetriebe

witterten Billigkonkurrenz, Berufsschullehrer

bangten um die Attraktivität ihres

Unterrichts. Doch Steenblock setzte

sich durch: „Wir müssen die Wirklichkeit

in die Schule holen!“ betont der 58-jährige

Pädagoge. Als Schulleiter von 2500

Schülern kämpft er täglich gegen Schulmüdigkeit

und Schulverweigerung.

„Die Produktionsschule ist ein großer

Schritt in die richtige Richtung,“ fügt er

hinzu. So gelang es mit dem Bildungswerk

der Niedersächsischen Wirtschaft,

einen Partner und Bildungsträger zu

fi nden, der durch seine Nähe zur regionalen

Wirtschaft die Voraussetzung

für die Vernetzung von Bildungsangebot

und Ausbildungsplatz schuf. Und

die Deutsche Bundesstiftung Umweltstiftung

fördert den Bau von solarthermischen

Anlagen. Doch die Finanzierung

des Projekts steht auf tönernen

Füßen: Die EU Gelder fl ießen nur für

drei Jahre.

22 23


Auch ein Bad im Mittelmeer gehört

zu den Erfahrungen der Reise – zwei

der Jungs waren noch nie zuvor im

Ausland.

Die Zukunft der Produktionsschule ist

akut bedroht. Am 31. August 2011

läuft die Finanzierung aus.

„Und dann ist Schluss.“ Steenblock

runzelt die Stirn: „Es muss ein Regelangebot

geschaffen werden“, fordert der resolute

Norddeutsche, „ich denke, das fängt

jetzt langsam an zu gären.“

Zwischen 30 bis 60 Schüler schnuppern

pro Schuljahr in der Wilhelmshavener

Produktionsschule rein. Davon

bleibt eine Gruppe von 15 Jugendlichen

übrig. Und davon schafft es die Hälfte,

einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

„Wir werden daran gemessen, was danach

REPORTAGE REPORTAGE

mit den Jungs passiert“, weiß Michael Knüver.

Deshalb will er nicht locker lassen.

Gemeinsam mit Steenblock setzt er sich

für weitere Produktionsschulen in der

Region ein.

Zur Zeit wird an einer Solardusche

für 25 Personen gebaut, die soll beim

Jonglierfestival im August 2011 in München

das erste Mal zum Einsatz kommen.

Auch im Bau ist eine 18m² große

solarthermische Anlage für die eigene

Berufsschule.

Und zusammen mit dem Hamburger

Jürgen Schukey, Erfi nder des gleichna-

migen Motors – einer Wärmekraftmaschine

die Sonnenstrahlen in Kälte umwandelt

– will Knüver eine Solarkühlung

für ein Kinderkrankenhaus auf Sri Lanka

entwickeln und dort aufbauen. Das

nächste Leuchturmprojekt.

Wilfried Steenblock

24 25

Michael Knüver

Daten und Fakten

Laut der Studie Jugendliche ohne

Berufsabschluss des Bundesinstituts

für berufl iche Bildung (BIBB) ist

ein durchschnittlicher Hauptschulabschluss

heute eine Sackgasse: 15

Prozent der 20-29 Jährigen sind deshalb

ohne Berufsabschluss geblieben –

im Jahr 2009 waren das 1,5 Millionen

junge Erwachsene ohne Ausbildung.

Allein in Niedersachsen suchten Ende

Juli 2010 laut Statistik der Bundesagentur

für Arbeit (BfA) 26.676 junge

Menschen zu Beginn des Ausbildungsjahres

eine berufl iche Perspektive.

Dazu kommt, dass die Zahl der Altbewerber

auf dem Ausbildungsmarkt

anhaltend zunimmt: Inzwischen liegt

der Schulabschluss bei fast jedem

zweiten Lehrstellensuchenden, der bei

der BfA gemeldet ist, über ein Jahr zurück.

16.770 Jugendliche gehen sogar

schon mindestens in die dritte Runde

bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz.


JADE-Arbeit

als Lernort

Lernpotenziale

Die schulintegrierte Produktionsschule JADE-Arbeit weist vielfältige

Lernpotenziale auf:

Grundsätzlich wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit

geboten, den schulischen Alltag in seiner gewohnten Umgebung zu

verlassen und in kleinen Sequenzen einen betrieblichen Alltag kennen

zu lernen.

Diejenigen, die noch keinen festen Berufswunsch haben, erhalten in

der Produktionsschule Einblick in berufl iche Tätigkeitsfelder, insbesondere

im Bereich der Metallbearbeitung. Anderen ist die Mitarbeit

in der Produktionsschule Anlass, ihren ursprünglichen Berufswunsch

zu überdenken.

In der Produktionsschule lernen die Jugendlichen praktisches Arbeiten

an Produkten, für die es einen Auftraggeber gibt, den sie oftmals

persönlich bei der Arbeit kennen lernen können und der ihre Arbeit

durch den Kauf würdigt. Dabei lernen sie aber auch, auftragsbezogen

zu arbeiten und was es heißt, Produkte termingerecht, kostenbewusst

und nach Kundenwünschen zu fertigen. Der Begriff „Qualität“

wird direkt erlebt und erhält einen nachvollziehbaren Sinn.

Sorgfältiges Arbeiten, Zuverlässigkeit, die Übernahme von Verantwortung,

Pünktlichkeit, Teamfähigkeit die Fähigkeit, die Arbeitsschritte

und -ergebnisse interessierten Dritten (z. B. Kunden oder Nutzern der

Produkte) zu erklären, sind nur einige der fachübergreifenden Kompetenzen,

die die Schüler/innen in der Produktionsschule erwerben

können.

Unter fachlichen Gesichtspunkten können die Jugendlichen projektbezogen

ihre handwerklichen Fähigkeiten erweitern. Sie können

u. a. den Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen erlernen: von

der Feile bis zum Lötkolben. Sie lernen z. B. das Schweißen oder das

Pressen von Druckleitungen und müssen ihre erlernten Fähigkeiten

bei der Bearbeitung von Aufträgen sofort umsetzen.

LERNORT LERNORT

Durch die Mitwirkung an der Bearbeitung realer Aufträge insbesondere

im Solarbereich erhalten die Jugendlichen Gelegenheit, Tätigkeiten

auszuüben, die sie sonst erst im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr

ausführen dürften. Dadurch erwerben sie in einzelnen

berufl ichen Handlungsbereichen bereits ein sehr hohes Grundwissen

und die Kompetenz, eigenverantwortlich Projekte zu planen, durchzuführen

und zu kontrollieren.

Lernvoraussetzungen

Die Produktionsschule ist besonders geeignet für Jugendliche, die

schulmüde sind, Interesse an handwerklichem Arbeiten haben und

über den Unterricht hinaus nach berufl ichen Perspektiven oder Alternativen

suchen. Welche Voraussetzungen sollten sie mitbringen, um

die Produktionsschule mit Gewinn besuchen zu können?

Das Wichtigste ist Lust, etwas Neues lernen zu wollen. Alle Schüler/

innen müssen bereit sein, nach bzw. neben dem Schulunterricht, in

der Produktionsschule zu arbeiten und zu lernen. Motivation und

Freiwilligkeit sind nach der bisherigen Erfahrung die entscheidenden

Voraussetzungen. Auch ein grundsätzliches Interesse für den Fachbereich

sollte man schon mitbringen. Handwerkliches Geschick ist

allerdings nicht entscheidend, denn in der Produktionsschule werden

die Jugendlichen nach ihren Fähigkeiten eingesetzt und können unterschiedliche

Arbeiten ausprobieren

Serienproduktion in der Werkhalle der Produktionsschule.

26 27


Erfolge und

Wirkungen

Erfolgskriterien

Lernen und Arbeiten in der Produktionsschule sind erfolgreich gewesen,

wenn

• die Jugendlichen verstehen, was praktisches betriebliches Arbeiten

für sie bedeutet;

• Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit

sowie handwerkliche Grundfertigkeiten gefördert wurden;

• das Selbstwertgefühl der beteiligten Schüler/innen sich deutlich

verbessert hat;

• die Schule wieder mehr Spaß macht und die Schüler/innen motiviert

und befähigt sind, eine betriebliche Berufsausbildung zu beginnen

oder einen berufsqualifi zierenden schulischen Bildungsgang

aufzunehmen;

• die Jugendlichen berufl iche Fachkompetenzen im Bereich umweltschonende

Energietechniken / Solaranlagen nachweisbar erworben

haben;

• die Aufträge zur Zufriedenheit der Kunden bearbeitet wurden;

• die Lehrkräfte der Schule und die Arbeitsanleiter der Produktionsschule

mit gegenseitiger Wertschätzung gut miteinander zusammengearbeitet

haben.

Nach Möglichkeit werden die mitwirkenden Jugendlichen im Anschluss

an ihre Tätigkeit in der Produktionsschule JADE-Arbeit in Ausbildungsbetriebe

des ersten Marktes vermittelt. Seit Sommer 2010

können die Produktionsschüler/innen zudem Ausbildungsbausteine

in gewerblich technischen Berufen durchlaufen und abschließen. Ein

Hauptschulabschluss kann in der Berufseinstiegsklasse der BBS Friedenstraße

erworben werden.

„Wir haben einen Erfolg erzielt, wenn die Jugendlichen Vertrauen zu uns bekommen

haben, wenn sie uns zuhören und Ratschläge von uns annehmen können,

wenn sie durch die Arbeit mit uns ihren Berufswunsch festigen oder wechseln

WIRKUNG & ERFOLG WIRKUNG & ERFOLG

können. Wir freuen uns, wenn fachliche und persönliche Fragen an uns gestellt

werden und wir von den Jugendlichen ernst genommen werden. Wenn Jugendliche

die Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Start in das Berufsleben

wenigstens zum Teil verinnerlicht haben. Weitere Kriterien sind für uns auch

Aspekte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, sicheres Arbeiten und kollegiales

Verhalten. Das Finden geeigneter Ausbildungsstellen, eine fast fehlerfreie Bewerbung

und eine anschließende Praktikumszeit bestätigen uns in unserer Arbeit.

Wenn dann am Ende der Schulzeit eine Ausbildungsstelle herausspringt,

dann macht uns das gemeinsam stolz.“

Michael Knüver, Leiter der Produktionsschule

Erste Ergebnisse und Erfahrungen

Die Erfahrungen, die in den ersten drei Jahren gesammelt werden konnten,

sind sehr ermutigend:

• Die Zahl der freiwillig in der schulintegrierten Produktionsschule

lernenden und arbeitenden Schüler/innen, ist nach Überwindung

Die Olivenölpresse wird präsentiert.

28 29


der Anfangsphase über die Jahre hinweg auf einem hohen Niveau

konstant.

• Die Produktionsschule bietet allen Jugendlichen, ob mit handwerklichem

Geschick oder nicht, adäquate Lern- und Arbeitsmöglichkeiten.

• Das Selbstwertgefühl der beteiligten Schüler/innen hat sich nicht

zuletzt aufgrund der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Arbeitsanleitern

sowie der positiven Rückmeldungen von Auftraggebern

und Kunden deutlich verbessert.

• Insbesondere im Rahmen der Solarprojekte konnten die beteiligten

Schüler/innen eine relativ hohe Fachkompetenz erwerben.

• Die weitaus meisten Jugendlichen beginnen im Anschluss an die

Produktionsschule eine Ausbildung oder besuchen eine weiterführende

Schule.

„Wir haben die Schüler, die in der Produktionsschule gelernt und gearbeitet

haben, besser in Ausbildungsplätze vermitteln können. Dabei war von Vorteil,

dass die Kollegen des BNW die Schüler auch bei Außenkontakten begleitet haben.

Aus der Arbeit der Produktionsschule lernen wir, dass die Schüler so etwas

wie einen Vermittler in Ausbildungsplätze haben müssen. Die sind alleine überfordert.

Wir haben quasi so etwas wie eine Berufseinstiegsbegleitung durch die

Mitarbeiter der Produktionsschule. Und das war möglich, weil sich ein besonderes

Vertrauensverhältnis zwischen den Schülern und den Berufseinstiegsbegleitern

ergeben hat. Die Arbeitsanleiter hatten aus Sicht der Schüler ein hohes

Ansehen. D. h., Lernen durch bzw. über produktives Arbeiten allein macht noch

nicht den Erfolg der Produktionsschule aus. Hinzu kommen müssen das besondere

vertrauensvolle Verhältnis zwischen den Ausbildern und den Schülern und

die Rolle des Berufseinstiegsbegleiters, die die Ausbilder aktiv ausfüllen müssen.

Ein anderer Aspekt: Mit einigen Betrieben ist es gelungen, Technik in der Region

zu verbreiten. Z. B. das Projekt Zirkuswagen, wo Solarenergie eingesetzt wurde,

dann natürlich die Solardusche und das Projekt in München: Da waren immer

WIRKUNG & ERFOLG WIRKUNG & ERFOLG

auch Unternehmen der Solarenergiebranche aus unserer Region beteiligt. Und die

haben darüber eine Verbesserung ihres Verbreitungsangebots erhalten. Das war

ein ausdrückliches Ziel und das haben wir erfüllt.“

Wilfried Steenblock, Schulleiter

Schuljahr 2008/09 2009/10 2010/11

Schulart BFS BEK / BFS BEK (BVJ)

Anzahl Schüler* 8 - 10 25 20

Aufträge Bau einer mobilen

Solardusche, Sanierung

eines Gartentores,

Konstruktion und Bau

von Kupfer- briefkästen,

Restaurierung eines

Motorrades,

Fertigung von Dreh- und

Frästeilen für Liegeräder,

Bau von Rankgittern

und -hilfen nach Auftrag

und Zeichnung

Abgang in weiterführende

Schule

Abgang in

Ausbildung

Gewählte

Ausbildungsberufe

Umbau eines Zirkuswagens

zu einem mobilen

Waldkindergarten,

Restaurierung einer

Olivenölpresse und

Vorbereitung der

Olivenölabholtage,

Bau einer Solaranlage

in Minervino in Süditalien,

Fertigung von

Dreh- und Frästeilen für

Liegeräder, Umbau einer

Gastronomie-Küche

in Oldenburg, Bau von

Rankgittern und

-hilfen nach Auftrag

und Zeichnung

4 8

8** 13 11

Rohrleitungsbauer,

Anlagenmechaniker,

Industrieisolierer, Zerspanungsmechaniker,

Industriemechaniker

Maurer, Tischler, Kraftfahrzeugmechatroniker,

Elektriker, Industriemechaniker,

Anlagenbauer,

Zerspanungsmechaniker

Planung, Bau und Installierung

einer thermischen

Solaranlage auf dem

Dach der Berufsschule,

Planung, Bau und Installierung

einer Solarladestation

zum Aufl aden

von Elektrofahrzeugen,

Bau von Abwaschcontainern

sowie Aufbau und

Betrieb der Solardusche

im Landesjugendcamp,

Erstellen von solarthermischen

Duschanlagen

für die Europäische

Jonglierconvention in

München

Maurer, Anlagenbauer,

Industriemechniker, Zerspanungssmechaniker,

Elekektroniker, KFZ-Mechatronikerin,

Maler

* Nur freiwillige Teilnahme, d. h. ohne produktionsorientierten Unterricht.

** Alle acht Jugendlichen haben die Ausbildung durchlaufen und werden sie in Kürze abschließen.

Aktivitäten und Ergebnisse

der schulintegrierten

Produktionsschule im Überblick

30 31


32

Mit JADE zum Erfolg

WIRKUNG & ERFOLG

Christian, 19 Jahre alt, kommt 2006 nach seinem Hauptschulabschluss

an die BBS Friedenstraße. Weder nach dem BGJ noch während

der Berufsfachschule, die er anschließend besucht, gelingt es

ihm, einen Ausbildungsplatz zu fi nden.

Im September 2008 wird Christian Mitarbeiter in der Produktionsschule.

Er engagiert sich sehr und will sich mit seinem Verdienst seinen

Traum von einem Führerschein verwirklichen. Seine Motivation, sein

Selbstwertgefühl sowie sein Engagement in der Schule wachsen stetig.

Die Produktionsschule erhält für ihn einen sehr großen Stellenwert.

Selbst in den Ferien will Christian auf die Produktionsschule nicht verzichten.

Zu seinen Anleitern entwickelt er ein vertrauensvolles Verhältnis

und es gelingt ihm, persönliche Probleme, die von Geldnot über

Stress mit den Eltern bis hin zu Liebeskummer reichen, erfolgreich zu

bewältigen.

Durch intensive Gespräche und die Erstellung neuer Bewerbungsunterlagen

erhält Christian im Sommer 2009 einen Ausbildungsplatz

zum Industriemechaniker. Er macht seinen Realschulabschluss und

seinen Führerschein und fährt mit seinem ersten eigenen Auto zu seiner

Ausbildungsstelle. Der Kontakt zu Christian besteht bis heute.

Max, 17 Jahre alt, meldet sich im August 2009 in der Produktionsschule.

Wie die meisten Bewerber hat er in diesem Jahr keinen

Ausbildungsplatz erhalten und sucht neue Inhalte, um die Zeit an der

BBS möglichst sinnvoll zu gestalten. Zu Hause hat er große Schwierigkeiten,

sodass er in der ersten Jahreshälfte zu einer Verwandten zieht.

In der Produktionsschule entwickelt Max schnell eine vertrauensvolle

Beziehung zu seinem Ausbilder. Da er eigentlich ein ganz guter

Schüler ist, darf Max Teile seines Fachpraxisunterrichts in der Produktionsschule

verbringen. Er engagiert sich sehr und es ist seiner aktiven

Mitarbeit zu verdanken, dass Projekte wie der Solaranhänger, der Bau

einer thermischen Solaranlage in Süditalien, der Umbau der Gastro-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine