2018-02_pfarrbrief

SigridStadler

Dompfarrbrief Linz 2018/2

Erfahrungen im neuen Dom

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ich gehe des Öfteren durch den Dom

und schaue die Neugestaltung des Innenraums

an, z.T. mit einer gewissen

Freude über das, was da „neu“ ist,

und über das, was an „Altem“ wiederhergestellt

wurde, z.T. weil ich

mich in den neuen Raum eingewöhnen

will, z.T. weil ich nachdenke, wie

gewisse Feiern oder auch Teile von

Feiern im „neuen Raum“ Gestalt gewinnen

können.

Dabei fallen mir auch Menschen auf,

die den Dom besuchen, anschauen,

erkunden, Interesse zeigen für das

Neue und das Alte im Dom. Viele

gehen in den Raum rund um den

alten Hochaltar, schauen die Mosaiken

am Hochalter aus nächster Nähe

Den Raum erkunden

an, bewundern den Marmorboden im

historischen Altarraum, probieren das

Sitzen im Chorgestühl aus. Viele

gehen zum neuen Hauptaltar und betrachten

die eingemeißelten Kreuze

und die Flecken, die von der Salbung

mit Chrisam bei der Altarweihe zurückgeblieben

sind, stellen sich zum

Ambo, als ob sie den Lektorendienst

versehen wollten.

Die klaren Linien des Altars, des

Ambo, der Sitze und der Stufe haben

dem Dom und seiner strengen neugotischen

Architektur noch einmal eine

neue Raumqualität gegeben. Der

Raum lädt nach wie vor ein, von hinten

nach vorne zu gehen und den

Raum in seiner Größe zu erspüren.

Das Gitter rund um den historischen

Altarraum grenzt ab und gibt zugleich

einen Durchblick, der lange

verstellt bzw. verhängt war. Der Dom

„hat Luft“ und gibt Blicke frei.

Die zwei Lampen über Altar und

Ambo heben im Alltag diese beiden

Stellen heraus und weisen auf ihre

Bedeutung hin. Wenn ich den Dom

durch das Seitenportal (vom Domplatz

oder von der Hafnerstraße her)

betrete, habe ich nicht mehr das Gefühl,

dass ich in einen Durchgang

gehe, sondern in einen Kirchenraum.

Mein Blick fällt auch vom Seitenportal

her auf den Altar und den Ambo.

Der Windfang beim gegenüberliegenden

Ausgang ist so dezent gestaltet,

dass er (trotz seiner Größe) nicht ins

Auge sticht.

Mich freut auch, wenn ich höre, dass

vielen der neue Raum gefällt, auch

wenn manche zuerst skeptisch waren

und sich die neue Gestalt nur schwer

vorstellen konnten.

Der neu gestaltete Raum verändert

das Erleben unserer Feiern. Bereits

der Einzug der liturgischen Dienste

(ob „großer Einzug“ von hinten oder

„kleiner Einzug“ an der hinteren Vierungssäule

vorbei) ist neu und will

bewusst gestaltet sein.

Den Raum erleben

Die Wege zwischen Altar und den

Sitzen bzw. zwischen Altar und

Ambo sind länger, das Holen des

Evangelienbuches vom Altar und die

Prozession mit dem Buch zum Ambo

ist vom neuen Raum geprägt, ebenso

das „Abstellen“ des Evangeliars bei

der Vierungssäule.

Vieles ist noch in einer „Erprobungsphase“,

z.B. die Besprengung mit

Weihwasser am Beginn der Messe in

der Osterzeit. Vor einem Jahr war der

Weg, der dabei gegangen wurde, der

Mittelgang. Jetzt will ich auch die

Mitfeiernden im Querschiff erreichen.

Eine Frage, die mich schon vor der

Fertigstellung beschäftigt hat, war die

nach der Ordnung beim Kommunionempfang.

Bisher war es üblich, dass

die Mitfeiernden in einer Prozession

Im Raum feiern

zum Empfang der

Kommunion herangetreten

sind.

Eine Ausnahme bildet dabei die Kindermesse

und einmal im Monat die

Vorabendmesse. Bei diesen Messfeiern

bilden die Mitfeiernden zum

Vater-unser einen Kreis um den Altar,

in diesem Kreis empfangen sie auch

die hl. Kommunion. Es wäre ein

schönes Zeichen, wenn so ein „Kommunion-Kreis“

auch bei anderen Gottesdiensten

(bei allen?) gebildet

würde. Es würde für mich das „Gemeinschaftliche“

des Kommunionempfanges

stärker erfahrbar machen.

Wir haben im Pfarrgemeinderat und

im Fachausschuss Liturgie schon darüber

gesprochen und noch keine Entscheidung

getroffen. Ich glaube, es

wäre eine Entscheidungshilfe, wenn

wir viele Meinungen und gute

Gründe für das Beibehalten des Bisherigen

oder für eine Erneuerung

hören würden.

Wir befinden uns im ersten Jahr des

Feierns im neugestalteten Raum.

Mitte Dezember 2018 können wir auf

ein Jahr Erfahrung zurückblicken.

Für Anregungen bin ich dankbar,

ebenso (nehme ich an) alle, die in irgendeiner

Form einen liturgischen

Dienst versehen oder sonst für die Liturgie

oder Teile der Liturgie verantwortlich

sind.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit im

Sommer und Freude an allem Schönen.

Ihr Pfarrer

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Dompfarrbrief 2/2018

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