... beim Natur-, Landschafts- und Umweltschutz - ANTL

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... beim Natur-, Landschafts- und Umweltschutz - ANTL

Mitglied der LNU-Landes-

gemeinschaft Naturschutz

und Umwelt ·

Anerkannter Naturschutz-

verein nach § 12 LG/NRW

2011 Heft 18 9. Jahrgang

Ausgabe September

Mach Mach mit! mit!

... beim Natur-, Landschafts- und Umweltschutz

Beobachtungstürme im TE Land - S. 12

Faszinierende alte Sägetechnik - S. 18

IHR PERSÖNLICHES EXEMPLAR

ZUM MITNEHMEN

Auch Orchideen brauchen Schutz - S. 20


Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.

Der VR-FinanzPlan ist das Herz

unserer Beratung, die Sie mit Ihren

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Wir machen den Weg frei.


EDITORIAL

Sehr geehrte LeserInnen!

Geht es uns nicht allen so:

Die täglichen Horrormeldungen reißen nicht ab und wir spüren unsere

individuelle Machtlosigkeit, in die Abläufe einzugreifen und an vielen Dingen

etwas ändern zu können.

� Der Immobiliencrash in den USA bleibt noch gut im Gedächtnis haften.

� Griechenland ist pleite,

� Terror in Norwegen,

� die DAX- Werte purzeln in den Keller,

� Amerikas Zahlungsfähigkeit wird herab gestuft,

� Jugendliche in England randalieren und plündern,

� Hungersnot mit unvorstellbaren Folgen auf dem afrikanischen Erdteil.

(Die Aufzählung könnte noch lange weiter geführt werden)

Und dann, vielleicht symptomatisch für den Umgang mit unseren Energie-

ressourcen und dem Umweltschutz:

Die dunkle Bedrohung

Das mächtige Volkswagenimperium schädigt das Klima. Der Volkswagenkonzern

prahlt mit Umwelttechnologien, boykottiert aber niedrigere CO2-Werte und

strengere Klimaschutzgesetze. Außerdem gibt es die VW-Spritspartechnologie

nur gegen Aufpreis (Greenpeace Nachrichten 03/2011).

Das zeigt mal wieder deutlich: Wer der Umwelt etwas Gutes gönnt, kann das nur

leisten, wenn er Mehrausgaben auf sich nimmt. Leider ist das auch in anderen Bereichen

wie z.B. der Lebensmittelindustrie und der so genannten „Fleischveredelung“

normal. Diese Mehrausgaben können sich aber oft nur Besserverdienende leisten.

Was will uns dieses alles sagen?

Die Lobby der Umweltzerstörer muss nicht erst erfunden werden, sie ist überall präsent.

Die Lobby sind wir.

Die Lobby der Natur- und Umweltschützer mit einem sehr weiten Aufgaben-

spektrum gibt es nicht von selbst.

Die Lobby muss in unseren Köpfen immer wieder neu entstehen.

Täglich, bei jedem von uns!

Nur eins ist klar: Die Natur braucht uns nicht, wir sind jedoch von der möglichst

intakten Natur gnadenlos abhängig.

In diesem Heft finden Sie einige Ideen und Tipps, die auch Sie umsetzen können

und die Sie aktiv mit gestalten können.

Schuster bleib bei deinen Leisten!

Umwelt- und Naturschutz ist unser Ding!

Bernhard Kalfhues

2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

THEMEN

dieser Ausgabe

Editorial und Themenübersicht . . 3

LENA - Learning by nature .......4

Neue Vogelarten im

Tecklenburger Land (Teil 2/3) ....6

Naturschutz und Naherholung

über Kreuz .......................8

Impressum ......................9

Stille Einwanderer

in der Heide .....................10

Beobachtungstürme

im Tecklenburger Land .........12

„Neue“ Vogelarten (im Tecklen-

burger Land), Teil 1 .............10

Ein Lebensraum der

besonderen Art –

der Lengericher Bahnhof ........15

Faszinierende

alte Sägetechnik ................18

Mit der Natur

auf Tuchfühlung ................19

Auch Orchideen brauchen

unseren Schutz .................20

Begrünung von Hauswänden ...21

Um den Naturschutz

verdient gemacht ...............22

Titelfoto: Steinkauz vor seiner Niströhre, Otto Kimmel

Foto (L): Irmgard Heicks

Foto (M): Grünliche Waldhyazinthe, Michael Ott

Foto (R): Ernst-H. Schröder

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

LENA - Learning by nature

Umweltbildung in der Qualifizierung zum Garten-Landschaftsbau in Deutschland, Frankreich und Spanien

ist das Thema dieses Projektes.

In vielen Ländern Europas haben junge

Erwachsene Schwierigkeiten einen Arbeitsplatz

auf dem 1. Arbeitsmarkt zu

finden. Die Arbeitslosigkeit für junge

Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren

beträgt z.B. in Spanien 45 % (Karriere

Spiegel: Jugendarbeitslosigkeit in Spanien,

25.06.2011). Häufig nehmen junge

Erwachsene an Qualifizierungsmaßnahmen

teil, um doch einen Arbeits- oder

Ausbildungsplatz zu finden. Neben

aktuellen handwerklichen Tätigkeiten

werden Pflanzenkenntnisse, regionale

Kenntnisse zur Kulturlandlandschaft

oder alte Handwerkstechniken zur

Steinbearbeitung vermittelt. Methoden

der Umweltbildung finden ebenfalls

Eingang in diese Qualifizierungsmaßnahmen.

Die Ziele des Projektes LENA sind auf

zwei Ebenen zu sehen:

a) Zum einen fand ein Fachkräfteaustausch

in einem interdisziplinären Team

aus Ingenieuren, Sozialpädagogen,

Psychologen, Geographen, Landschafts-

ökologen und Lehrern statt, die in der

Qualifizierung von jungen Erwachsenen

tätig sind. Die jeweiligen Ausbildungsinstitutionen

in Deutschland,

Spanien und Frankreich wurden bei

gegenseitigen Besuchen vorgestellt,

Arbeitsbereiche besucht, eingesetzte

Methoden der Umweltbildung demonstriert

und durch die Teilnehmer des Projektes

ausprobiert bzg. der Einsetzbarkeit

in dem heimischen Arbeitsumfeld.

Einig waren sich alle Projektpartner,

dass insbesondere bei dem Ausbau, der

Pflege und der Auszeichnung von Wanderwegen

Arbeitsmöglichkeiten entstehen

können. Für unseren Tecklenburger

Bereich ist hier der Kultur- und Naturerlebnispfad

Tecklenburger Land als ein

gutes Beispiel zu nennen. Anhand der

Wanderwege ist die Arbeit der jungen


Erwachsenen gut sichtbar zu machen,

wie z.B. in Tecklenburg die Restauration

von Natursteinmauern entlang des Hermannsweges,

und zugleich profitiert der

Tourismus vor Ort von diesen Arbeiten.

Aus diesem Grunde fanden Wanderungen

auf exemplarischen Wegen statt.

Ein anderes Modell für die Qualifizierung

von jungen Erwachsenen ist in der

Anlage von Social Gardens/ Bürgergärten

zu sehen, wie wir sie in Barcelona

besuchen konnten.

b) Zum anderen sollte dieses Projekt

nicht nur auf den Fachkräfteaustausch

beschränkt bleiben, sondern Teilnehmer

von Qualifizierungsmaßnahmen

sollten ebenfalls von diesem Projekt

profitieren. Vom 14.-21. März 2011 fand

ein Projekttreffen auf Mallorca statt, an

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und die besten Möglichkeiten

zur Vorsorge.

dem sowohl junge Erwachsene als auch

Fachkräfte teilnahmen. Für viele Teilnehmer

war es das erste Mal, dass sie

ein Flugzeug bestiegen und auch junge

Erwachsene in der gleichen Lebenssituation

aus anderen Ländern kennen

lernten. Zuerst mühsam, aber im Laufe

der Woche immer flüssiger, wurden die

Schulkenntnisse in Englisch herausgekramt

und auch angewendet. Zusammen

wurde in Inca ein Social Garden

angelegt, aber auch die Natur auf Mallorca

wurde auf Wanderungen kennen

gelernt.

Beteiligt sind als Projektpartner an diesem

Projekt die ANTL e.V, Tecklenburg,

Arbeiten und Lernen e.V., Marburg,

ADACVL aus Lyon in Frankreich und

Probens mit Sitz in Barcelona, Spanien.

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2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

Dieses Projekt startete als Lernpartnerschaft

im August 2009 und wird gefördert

durch das Europäische Förderprogramm

Grundtvig für lebenslanges

Lernen.

Gisela Lamkowsky

Gemeinsam neue

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Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

„Neue“ Vogelarten (im Tecklenburger Land)

Teil 2/3 – Überall wo Leben ist, gibt es Veränderung. Das trifft nicht nur für uns Menschen zu, sondern ebenso für

die Pflanzen- und Tierwelt. Alle Pflanzen und Tiere reagieren auf Veränderungen in ihrer Umwelt. Überall wo Leben

ist, gibt es Veränderung. Das trifft nicht nur für uns Menschen zu, sondern ebenso für die Pflanzen- und Tierwelt.

Fortsetzung der Serie in Mach mit!, Heft 19

Komische Vögel in der Düsterdieker Niederung

Es ist nicht jedermanns Sache, einen noch niemals zuvor beobachteten Vogel exakt zu beschreiben. „So groß wie eine Gans, aber

ganz bunt, vorne gelb, am Kopf weiß und etwas rot, hinten braun, am Flügel weiß, was können das denn für Vögel sein?“ Diesen fragenden

Anruf erhielt ich vor einigen Jahren von einem Naturfreund, der in der Düsterdieker Niederung spazieren gegangen war. Er

fragte dann weiter, ob es vielleicht Trappen seien. Trappen zwischen Mettingen und Westerkappeln? Also nichts wie hin! Sie waren

noch da, die vier Nilgänse.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Nilgans erstreckt sich über Syrien, Palästina, Ägypten und Sudan. Im alten Ägypten und

auch bei den Griechen und Römern wurden Nilgänse in Gefangenschaft gehalten, wo sie sich leicht züchten ließen. In Europa wurden

die Gänse schon im 17. Jahrhundert als Ziervögel in englischen und schottischen Parkanlagen gehalten, später auch in Mittel-


europa. Aus der Gefangenschaft der Gehege entkommene

Vögel begründeten den heute großen Bestand

dieser Vogelart. 1969 fanden in den Niederlanden die

ersten Freibruten statt, ab 1989 an etlichen Stellen in

Deutschland. In Nordrhein-Westfalen registrierte man

die ersten Bruten in den Kreisen Unna und Recklinghausen.

Inzwischen brütet sie in allen Kreisen unseres

Bundeslandes. Die Gebirgslagen des Sauer- und Siegerlandes

meidet sie jedoch.

Die Nilgans zählt wie die Brandgans und die Rostgans

zu den Halbgänsen, d. h. sie steht in Aussehen und

Verhalten zwischen den echten Gänsen und den echten

Enten.

2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

Bei der Wahl des Neststandortes sind Nilgänse wenig

Nilgänse, Foto: Behlert

wählerisch. Sie brüten zwar meist in Niederungen am

Boden, nutzen aber auch am Wasser stehende Bäume

mit alten Greifvogel- oder Krähennestern zur Brut. Das Gelege besteht in der Regel aus vier bis sechs Eiern. Wie bei der Schellente,

der Mandarinente und den auf Flachdächern brütenden Austernfischern macht es den geschlüpften Küken der Nilgans nichts aus,

den Sprung aus mehreren Metern Höhe zu wagen.

Horst Michaelis

Ein schneeweißer Graureiher?

Haben Sie schon mal eine weiße Schwarzdrossel, eine weiße Krähe oder einen weißen Haussperling gesehen? Nein? Aber vielleicht

doch schon eine Dohle oder eine Schwarzdrossel mit einigen weißen Federn? Solch ein Mangel an Farbpigmenten im Gefieder wird

Albinismus bzw. Teilalbinismus genannt.

Sollten Sie aber in der Zeit von November bis März auf einer Wiese oder an einem Gewässer im Tecklenburger Land einen schneeweißen

Reiher mit gelbem Schnabel sehen, ist das keineswegs ein albinotischer Graureiher, sondern ein Silberreiher, vielleicht sogar

ein Seidenreiher. Beide Reiher-Arten brüten in südlichen Gefilden, der Silberreiher hauptsächlich am Schwarzen Meer, aber auch in

Ungarn und Österreich (Neusiedler See). Seit etwa sechs Jahren taucht der Silberreiher so regelmäßig bei uns auf, dass er den ornithologischen

Verbänden nicht mehr als Seltenheit gemeldet werden muss. Der deutlich

kleinere, aber bei uns sehr selten zu beobachtende Seidenreiher unterscheidet sich vom

Silberreiher durch zwei im Nacken flatternde weiße Schmuckfedern und gelbe Füße.

Silberreiher, Foto: Behlert

Im Tecklenburger Land wurden Silberreiher bislang am häufigsten in feuchten Niederungen,

zum Beispiel im Ibbenbürener Aatal und in der Düsterdieker Niederung zwischen

Mettingen und Westerkappeln und an Regenrückhaltebecken gesehen. Dort

suchen sie nach der gleichen Nahrung wie die Graureiher, nämlich nach Fischen, Wasserinsekten

und Mäusen.

Warum die Silberreiher ausgerechnet in der kalten Jahreszeit in Regionen weit nördlich

von ihrem Brutgebiet auftauchen, bereitet Wissenschaftlern noch Kopfschmerzen. Erkunden

sie neue Gebiete, sozusagen als Vorhut? Treibt sie der Klimawandel, durch den

ja auch Libellenarten, Spinnen und Käfer in neuen nördlichen Gebieten auftauchen? Wir

müssen abwarten. Vielleicht ist der Silberreiher in einigen Jahren ein fester Bestandteil

unserer Avifauna, ähnlich wie der Löffler, der seit einigen Jahren auf den ostfriesischen

Inseln brütet!

Horst Michaelis

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

Die Klippenspringer von Lengerich

Naturschutz und Naherholung über Kreuz (WN vom 11.7.11)

Die „Blaue Lagune“ in Lengerich steht unter Naturschutz und darf eigentlich nicht betreten werden.

Es hält sich nur niemand daran.

Foto: Jürgen Peperhowe

Lengerich – Sie kommen mit Einweg-

Grill, Dosenbier und Gummiboot, lassen

ihren Müll liegen und stören die Tierwelt:

Die Badetouristen an der „Blauen

Lagune“ in Lengerich machen Hermann

Holtmann und Dr. Klaus Kaplan seit Jahren

Kopfzerbrechen. Ihre Behörde, die

Untere Landschaftsbehörde des Kreises

Steinfurt, hat es schon mit Nato-Stacheldraht

versucht.

Gebracht hat es nichts. Jetzt setzen die

Naturschützer wieder verstärkt auf den

Einsatz von Ordnungskräften. Wer im

„Canyon“ erwischt wird, zahlt 35 Euro.

Ob das dauerhaft erfolgreich ist, wissen

sie nicht. Unbeliebt machen sie sich damit

aber auf jeden Fall bei den Kurzurlaubern.

Dass es die Menschen an diesen Ort

zieht, können Holtmann und Kaplan

gut verstehen: Türkisfarbenes Wasser,

wunderschöne Steilklippen, wilde

Rosen und bunte Orchideen, alles

erinnert an die Karl-May-Filme mit Old

Shatterhand und Winnetou. Wenn da

nicht die bösen Buben wären, die in

den Filmen immer hinter den Felsen

lauern. Deren Alter wird in der Lagune

im Durchschnitt zwischen 18 und

25 Jahren geschätzt. Sie stören den

brütenden Uhu, zertrampeln Orchideen

und stürzen sich auch von den Klippen

des Canyons.

Das will auch der Eigentümer der Fläche,

die Firma Dyckerhoff, nicht. Ansonsten

schätzt sie die Situation anders ein, wie

Dr. Michael Rossmanith deutlich macht:

„Wir sollten eine Premium-Badeanstalt

daraus machen und zehn Euro Eintritt

nehmen, die für den Naturschutz genutzt

werden“, schlägt er vor. Der Müll

sei in der Tat ein Problem. Zwei Mitarbeiter

des Kreises müssen ihn regelmäßig

einsammeln.

Trotzdem ist Rossmanith dafür, das absolute

Betretungsverbot zu lockern:

„Damit die Menschen die Natur erleben

können und sehen, wie schön es dort ist.“

Dass es dort gänzlich verboten ist, die

Fläche zu betreten, hält er für unglücklich.

„Es ist illusorisch zu denken, dass

die Leute dort wegbleiben. Das ist bisher

immer gescheitert.“ Das Argument

der Naturschützer, die den brütenden

Uhu und die Orchideen schützen wollen,

lässt er nur bedingt gelten.

Der Uhu füttere seine Jungen erst

abends und ob die Besucher Orchideen

zertreten, da hat Rossmanith seine

Zweifel. „Es gibt auch Naturschützer, die

dafür sind, das Gebiet zu öffnen“, weiß

er. Zum Beispiel könne man den Hermanns-Wanderweg

durch den Canyon

führen.

Er setzt ebenso wie Holtmann auf einen

naturschutzlichen Pflegeplan, der erarbeitet

werden soll. Mit dabei: die Firma

Dyckerhoff und die Arbeitsgemeinschaft

Naturschutz Tecklenburger Land.

Von dem Plan verspricht sich Holtmann

einiges, auch für die Frage, wie man mit

den Badetouristen umgeht. „Das Verfahren

beginnt ergebnisoffen“, betont

Rossmanith.


Holtmann hofft zudem auf eine Aussichtsplattform,

die nächstes Jahr fertig

sein soll. „Damit könnten die Menschen

ei¬nen Einblick bekommen und die Natur

würde geschützt.“ Das Problem: Die

Kosten sind höher als kalkuliert, die Finanzierung

noch ungesichert.

So ungesichert wie die Klippenspringer,

die bei einem Unfall hoffnungslos verloren

wären. „Es besteht keine Zufahrt für

Rettungskräfte“, sagt Rossmanith. Von

daher sei das mit der Premium-Badeanstalt

wohl schwer umzusetzen.

Uwe Renners, Münster

Foto: Jürgen Peperhowe

2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

IMPRESSUM

Herausgeber:

Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz

Tecklenburger Land e.V. (ANTL)

Bahnhofstr. 73, 49545 Tecklenburg

Tel.:: 05482-929290, Fax: 05482-929293

Mail: naturschutzzentrum@antl-ev.org

Redaktionsteam:

Klaus Helms

Bernhard Kalfhues (Leitung)

Anne-Katrin Kröger (Layout)

Ernst-H. Schröder

Werner Suer

Redaktionsadresse:

Bernhard Kalfhues

Alter Bergkamp 13, 49477 Ibbenbüren

Tel.: 05451-971199

Mail: bernhard@kalfhues.de

Erscheinungsweise:

2 x jährlich (Februar/August)

Auflage: 2.000

Druck: Gräuler-Druck, Ibbenbüren

Die Verteilung ist kostenlos.

Alle Texte, Abbildungen und Fotos sind

urheberrechtlich geschützt.

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

Stille Einwanderer in der Heide

Artenvielfalt im Naturschutzgebiet Heiliges Meer

Dr. Heinrich Terlutter, Leiter der

Biologischen Station, zeigt ein Frauenhaarmoos

(Sternmoos), eine der ersten

Pflanzen, die auf der zukünftigen

Heidefläche heimisch geworden ist.

Neuseeländische Deckelschnecke,

nordamerikanischer Bisam, drüsiges

Springkraut aus dem Himalaja, der asiatische

Marienkäfer – heimlich, still und

leise haben sie den Weg nach Deutschland

gefunden. Vorbei an sämtlichen

Ämtern und Behörden, ohne offizielle

Einwanderungsgenehmigung.

Sie kamen mit Ozeandampfern, sind

aus „sicherer“ Haltung ausgebüxt oder

haben sich unangekündigt einfach so

verbreitet. Und dabei auch nicht vor

den heimischen Naturschutzgebieten

haltgemacht. So könnte Dr. Heinrich

Terlutter, Leiter der Biologischen Station

Heiliges Meer viele Tier- und Pflanzenarten

aufzählen, die sich im Laufe der Zeit

weit weg von ihrer eigentlichen Heimat

im Tecklenburger Land angesiedelt haben.

Allein für das Gebiet Heiliges Meer

gibt es mehr als 200 wissenschaftliche

Publikationen zum Thema Artenvielfalt.

Einem Thema, dem sich 1992 auch die

Vereinten Nationen verschrieben haben

und seither jedes Jahr einen „Tag der

Biodiversität“ ausrufen. Meistens bleibt

ein Neuankömmling auch nicht lange

unbemerkt. „Oft sieht es so aus, dass

es die neue Art sehr häufig gibt und

sie die altbekannten Arten verdrängt“,

erklärt Terlutter. Das habe einen einfachen

Grund: Wer neu dazu komme, sei

meistens frei von Schädlingen und Parasiten

– ein unschätzbarer Vorteil, der

allerdings nicht lange halte.

Die Wissenschaft schaue zwar bei jeder

neuen Entwicklung kritisch hin,

die Erfahrung habe aber gezeigt, dass

sich die Natur mit der Zeit immer wieder

normalisiere. Natürlich gibt es auch

Problemfälle, bei dem es nicht bei einem

kritischen Blick bleibt. Etwa bei

Schädlingen, die mit ihrem plötzlichen

Auftauchen für massive Probleme in

der Land oder Forstwirtschaft sorgen.

Dem gegenüber stehe – ganz im Sinne

der Biodiversität – die enorme Bereicherung,

die pflanzliche und tierische

Immigranten für Flora und Fauna mit

sich bringen. Einen negativen Beiklang

erfahre die Artenvielfalt meist erst

durch die Einschätzungen des Menschen.

Er ist allerdings auch der Grund,

dass immer wieder Arten verschwinden:

Durch Landwirtschaft, Bebauung,

Verkehr, intensive Forstwirtschaft, kurz

durch alles, was den natürlichen Lebensraum

kaputtmache. „Deshalb sind

Naturschutzgebiete so wichtig“, betont

Terlutter. Diese seien zwar oft eher kleine

Inseln und grenzten wie in Hopsten

und Recke direkt an landwirtschaftlich

genutzte Flächen und große Straßen:

„Aber es funktioniert trotzdem. Zum

Glück.“ Ein Beispiel dafür ist eine etwa

zweieinhalb Hektar große Fläche im Naturschutzgebiet,

die von einem Acker

zur Sandfläche und nun zu einer Heidelandschaft

werden soll. Auf den ersten

Blick ist auf der noch recht öden Fläche

von Artenvielfalt nicht viel zu sehen.

Doch auf den zweiten und dritten Blick

gibt es viel zu entdecken: Kleine Birken

erobern ihr Revier wie auch zwei Heidearten,

Sandlaufkäfer, Marienkäfer und

Schnaken sowie erste Moose. In 20, 30

Jahren könnte die kleine Ecke direkt

neben der Ibbenbürener Straße aussehen

wie die bereits vorhandenen Heideflächen

im Naturschutzgebiet. Und

in dieser Zeit haben es sich sicher auch

wieder einige Einwanderer im Tecklenburger

Land gemütlich gemacht...

Foto und Text: Antja Raecke,

IVZ vom 24.5.2011


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2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

Beobachtungstürme ...

© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Frankfurt am Main, Fotos (5): Ernst-H. Schröder

Für alle Naturfreunde sind die wichtigen Daten der Beobachtungstürme im Tecklenburger Land zusammen getragen worden. Dabei

behilflich waren die Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises Steinfurt. Das Mittelblatt kann herausgetrennt werden. So hat

man bei Wanderungen gleich den geeigneten Wegweiser zur Hand. Hinweistafeln und ausreichend Parkfläche sorgen an jedem Turm

für ein besonderes Naturerlebnis. Alle Türme sind auch mit dem Fahrrad erreichbar.

Der Beobachtungsturm im NSG Finkenfeld (links) gewährt einen wunderschönen Blick auf feuchtes

Grünland, darin eingebettet einige Wasserflächen. Hier sind im Frühjahr Sing- und Zwergschwäne als

Gäste anzutreffen. Besonders die abendliche Rückkehr zum Rastplatz ist beeindruckend. In der Brutzeit

beherrschen Kiebitze und Brachvögel mit ihren Jungen das Bild.

Der westliche Beobachtungsturm im Recker Moor (in der Mitte) steht

am Rande der offenen Moorfläche und gibt einen Überblick über die

Landschaft. In den Monaten April, Mai, Juni lassen sich ca. 30 Brutpaare

der Lachmöwe beim Brutgeschäft beobachten. Wenn Libellen

fliegen, sieht der Baumfalke seinen Tisch gedeckt und geht auf Jagd.

Auch die Kornweihe kreist mit beständiger Regelmäßigkeit über

dem Moor. Am Wegesrand begegnen wir dem Blaukehlchen, Braunkehlchen

und dem Baumpieper, die gerne von den Weidepfählen als

Ansitz auf Jagd gehen.

Der östliche Beobachtungsturm im Recker Moor dient vor allem

der Tierbeobachtung. Sein Standort im Moorbereich, umgeben von

offenen Grünlandflächen mit gut einsehbaren Blänken ist ideal, um im

Frühjahr und Herbst Kraniche zu sehen. Die Krickente und Löffelente

haben diese Gebiet für sich als Brutplatz entdeckt. Besonders schön ist

die Beobachtung von Brachvögeln und Uferschnepfen in den Abendstunden.

Auch die auf der Roten Liste stehende Bekassine hat hier ihren

Schlafplatz. Da die beiden Türme nur unweit von einander entfernt

sind, lassen sich die Beobachtungsergebnisse miteinander verknüpfen.


... im Tecklenburger Land

Text: Bernhard Kalfhues

Der alte Beobachtungsturm in Emsdetten mit seinem Standort am

Nordostrand der Vennfläche gibt den Blick frei auf eine Moor-Waldfläche.

Er eignet sich nicht so sehr zur Vogelbeobachtung. Die Beobachtungshöhe

liegt auf ähnlicher Höhe wie die Baumwipfel. Gelegentlich

ist der Baumpieper zu sehen. Besondere Aufmerksamkeit

verdient der Raubwürger, der hier anzutreffen ist. Eine besondere

Eigenart des Raubwürgers ist die Methode

seiner Jagd und der Nahrungsbeschaffung

und Vorratshaltung. Die

Nahrung des Raubwürgers besteht

fast ausschließlich aus Tieren. „Der

Raubwürger ist in der Lage, Vögel

bis zur Größe einer Wacholderdros-

2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

sel und Säugetiere bis zur Größe eines Lemmings zu überwältigen

und Beutetiere bis zum eigenen Gewicht im Fluge wegzutragen. ...

Der Raubwürger ist vor allem ein Wartenjäger, der von meist exponierten,

mehrheitlich in Höhen zwischen drei und acht Metern liegenden

Ansitzen aus insbesondere den Boden seiner Umgebung

nach Nahrung absucht. Wird ein Beutetier entdeckt, gleitet er steil

abwärts und versucht es nach einem bodennahen Gleitflug zu

schlagen. Die Warten werden häufig gewechselt. ... Das Beutetier

wird durch kräftige Schnabelhiebe oder durch einen Nackenbiss

getötet und häufig auf Dornen aufgespießt oder in einer Astgabel

eingeklemmt, was sowohl der Aufbewahrung und Vorratshaltung

als auch der Fixierung der Beute dient, um bei ihrer stückweisen

Zerlegung die ganze Kraft einsetzen zu können.“ (Wikipedia)

Der Beobachtungsturm Emsdettener Venn (links oben) diente ursprünglich mehr der Landschaftsbetrachtung. Der offene Charakter

der Moorflächen sollte deutlich werden. Die jüngere Bedeutung geht in Richtung Tierbeobachtung. Ein zweiter Beobachtungsturm

(barrierefrei) wird in der brutfreien Zeit zum nächsten Jahr entstehen.

Der Beobachtungsturm Saerbeck (rechts) steht in einem Feuchtwiesengebiet in der Nähe des Dortmund-Ems-Kanals. Erläuternde

Tafeln zum Vogelaufkommen befinden sich im Turm. Zu den Beobachtungsempfehlungen muss gesagt werden, dass Türme und

ausgewiesene Wanderwege grundsätzlich betreten werden dürfen. Das Gelände darf aus Naturschutzgründen nie betreten werden.

Der Blick vom Beobachtungsturm schweift über eine Wasserfläche, die das ganze Jahr vom durchfließenden Mühlenbach gespeist wird. Das

Wasser gilt als nährstoffreich, die Vielfalt der rastenden Vögel ist deshalb besonders groß. Das Feuchtwiesengebiet Saerbeck ist der klassische Aufenthaltsort

für Lemikolen wie Kampfläufer, Grünschenkel und Waldwasserläufer. Eine gute Gelegenheit bietet sich hier, Silberreiher, Bekassinen,

Höckerschwäne, Krickenten und Kiebitze zu sehen. An dem vorhandenen Fließgewässer besteht die Gelegenheit, den Eisvogel zu beobachten.

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

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2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

Ein Lebensraum der besonderen Art –

der Lengericher Bahnhof

Die Pflanzengesellschaften des Lengericher Bahnhofs

Teil 1 – Fortsetzung in Heft 19

Bahnhöfe und Bahnbrachen gehören

heute zu den ökologisch wertvollsten

Standorten und sind mit ihrer vielfältigen

Tier- und Pflanzenwelt ausgesprochen

bedeutungsvoll für den Arten-

und Biotopschutz. So stellt sich auch

der Lengericher Bahnhof mit seinem

reichen Arteninventar als besonderer

und bedeutsamer Lebensraum dar.

Stadtökologisch ist er als wertvoller und

bereichernder Bestandteil für den Naturhaushalt

der Stadt zu sehen und zu

bewerten. Für eine Vielzahl von Pflanzen

sind die Bahnanlagen zu Refugien

und Rückzugsgebieten jener Arten

geworden, die in der freien Landschaft

kaum noch Platz finden oder von ihren

bisherigen Wuchsorten verdrängt

wurden. Meist spontan entwickelt sich

hier die Pflanzenwelt im Bereich der

Gleisanlagen und Ruderalflächen (lat.

rudus = Schutt, Ruinen). Für eine Reihe

von Fremdpflanzen (d. h. Pflanzen

anderer Florenregionen) sind vor allem

Häfen, Bahndämme und Verkehrswege

typische Einwanderungstore und

Einwanderungswege, wobei die Einwanderung

und zum Teil auch Einbürgerung

der Zuwanderer immer noch

nicht abgeschlossen ist. Viele Pflanzen

der heimischen Vegetation teilen sich

hier ihre Standorte mit diesen Neophyten

oder Neubürgern. Beachtlich ist

dabei vor allem der Reichtum der Neophyten.

Zu dieser Gruppe rechnen und

bezeichnen wir die Pflanzen, die etwa

ab 1492 (mit der Entdeckung Amerikas)

nach Mitteleuropa eingewandert sind.

Kanadisches Berufskraut (Conyza canadensis),

Japanischer Staudenknöterich

(Reynoutria japonica) u. a. verra-

ten allein schon durch ihre Namen ihre

Herkunftsgebiete. Die Artenvielfalt des

Bahnareals wird noch erhöht durch zum

Teil alte verwilderte Nutz-, Zier- und

Gartenpflanzen; aber auch aus botanischen

Gärten, Baumschulen und Klostergärten

verwilderten eine Reihe von

Pflanzen und breiteten sich erfolgreich

an geeigneten Standorten in der freien

Landschaft aus und wurden zum Teil

auch Bestandteil der Bahnflora. Aber

nicht alle Pflanzen haben sich hier dauerhaft

und fest etabliert. Einige der als

„Unbeständige“ bezeichneten Pflanzen

sind nicht imstande sich dauerhaft anzusiedeln,

sei es, dass sie nicht dem starken

Konkurrenzdruck der übrigen hier

wachsenden Arten gewachsen sind,

eine intensive Pflege sie beeinträchtigt

oder dass die standörtlichen Verhältnisse

ihnen auf Dauer nicht zusagen oder

diese sich verändern. Es erhebt sich die

Frage, auf welche Weise die vielen Pflanzenarten

hierher gelangt sind. Einige Arten

sind als Flugsamen durch den Wind

herantransportiert. Das Vorkommen der

auftretenden Kalkzeigerarten ist auf das

Diasporenangebot der unmittelbaren

Umgebung zurückzuführen (Kalkerhebungen

der Cenoman- und Turonkalke).

So hat zum Beispiel die Gemeine Waldrebe

(Clematis vitalba) den natürlichen

Kalkstandort verlassen und sich auf dem

Bahngelände als Ersatzstandort spontan

ausgebreitet, wobei das Lianengewächs

heute große Flächen der Gleisanlagen

überkleidet. Andere Pflanzen

wiederum sind durch Tiere, wie Vögel,

verbreitet worden und zu den Flächen

gelangt. Pflanzenarten, die mit Haft-

oder Klettfrüchten ausgestattet sind,

Kanadisches Berufskraut (Cconyza Canadensis)

dürften durch Tiere, Menschen oder

Verpackungsmaterialien unabsichtlich

eingebracht worden sein. Viele Arten

sind aber durch die Bahn selbst oder

den Frachtgütern herantransportiert

worden oder haben sich sprunghaft von

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

Kleines Liebesgras (Eragrostis Minor)

Haltepunkt zu Haltepunkt entlang der

Schienenwege oder des Bahndamms

ausgebreitet. Die sich so eingestellten

Arten entstammen verschiedenen Vegetationstypen

und Herkunftsgebieten.

Es ist vor allem eine wärme- und

trockenheitsliebende Pflanzenwelt, die

auf dem Bahnareal zusagende Lebensbedingungen

findet. Insbesondere für

eine Reihe gefährdeter oder selten gewordener

Pflanzen ist das Bahnareal zugleich

Lebensstätte und ökologische Nische

geworden (BRANDES 1983, HARD

1989). Daneben stellt die fast ganzjährige

blühende Vegetation eine Nahrungsquelle

für zahlreiche Insektenarten dar

und schafft für diese Lebensstätten. Damit

kommt ebenso wie auch anderen

Bahnanlagen dem vielfältig strukturierten

Areal der Lengericher Eisenbahn als

artenreichem Sekundärbiotop und als

städtischem Sonderstandort eine nicht

zu unterschätzende Bedeutung und

wichtige ökologische Funktion zu. Die

reichhaltige Pflanzenwelt des Bahnareals

bindet Schadstoffe und Staub und

trägt zur Verbesserung der Umwelt bei.

Der Standort mit seiner besonderen floristischen

Ausstattung ist aus der Sicht

des Naturschutzes schutzbedürftig und

erhaltenswert. Untermauert wird die

Schutzbedürftigkeit zusätzlich durch

das Vorkommen einer Reihe von Rote-

Liste-Arten.

Die meisten vegetationskundlichen

und floristischen

Arbeiten des Lengericher

Raumes

beziehen sich auf

die Kalkerhebungen

des Teutoburger

Waldes. Über die

Flora und Vegetation

des Lengericher

Eisenbahngeländes

ist dagegen vergleichsweise

wenig

bekannt. Auch die

umfassende Arbeit

von BÜKER (1939) mit der Aufnahme

der Pflanzengesellschaften des Messtischblattes

von Lengerich gibt über

die floristische Ausstattung des Bahn-

standortes keine Auskunft. Um die Aufmerksamkeit

auf die Bedeutung dieses

außergewöhnlichen städtischen Sonderstandortes

zu lenken wurde in zwei

Vegetationsperioden (2001/02) eine

Vegetationskartierung durchgeführt.

Dabei wurde das äußerst heterogene

Bahngebiet in den beiden Jahren zwischen

März und November vielfach aufgesucht.

Über die Ergebnisse gibt der

nachfolgende Beitrag Auskunft.

Lage

Der Lengericher

Bahnhof und das Güterbahnareal

mit den

dazugehörigen Rangiergeleisen

liegt in

der östlichen Randzone

der Stadt Lengerich(Lengerich-Hohne).

Hier liegt auch der

Bahnhof der als Museumsbahn

teilweise

im Güterverkehr betriebenenTeutoburger-Wald-Eisenbahn

(TWE). Der städtische

Bahnhof der Deutschen

Bundesbahn

wurde am 1. Juli 1871 eröffnet und mit

Personen- und Güterverkehr in Betrieb

genommen. Damit hat die Stadt Lengerich

Anschluss an die Hauptlinie Ruhrgebiet

- Bremen. Diese Hauptstrecke (Köln

- Münster - Osnabrück - Bremen) durchquert

nördlich der Stadt Lengerich den

Kalkrücken des Teutoburger Waldes.

Das Schienennetz der Firma Dyckerhoff

ist mit dem Lengericher Bahnhof angebunden

und dient dem Gütertransport.

Als weitere Bahnlinie durchzieht die

Trasse der TWE in Ostwest-Richtung die

Bergfußebene des südlich gelegenen

Osning-Vorlandes. Die Trasse mit dem

Städteverbund Gütersloh - Lengerich -

Ibbenbüren wurde 1901 in Betrieb genommen.

Die Höhenlage der Bahnbereiche

liegt bei etwa 70 m über NN. Der

Lengericher Bahnhof und die Güterverkehrsanlagen

sind im ersten Viertelquadranten

des Messtischblattes Lengerich

TK 3813 (1:25000) verzeichnet.

Klima und standörtliche

Besonderheiten

Das Gedeihen von Pflanzen auf dem

Bahnareal hängt in erster Linie von den

standörtlichen und klimatischen Gegebenheiten

ab. Eisenbahnlandschaften,

so auch die Umgebung des Lengericher

Ackerwinde (Convolvulus Arvensis)


Bahnhofs, bestehen aus einer Vielzahl

an Kleinarealen: Gleisbett, Bahnsteig,

Mauern, Laderampen, Schwellen, Gleise,

Pflasterungen, Gebäude, aber auch

Stellwerk und Bahnhof. Die aufgeschütteten

Böden und verbauten Flächen

enthalten im großen Umfang künstliche

Substrate unterschiedlicher Herkunft,

wie z. B. Schotter, Asche, Schlacke, Kiesel,

Sand und Grus. Ein häufiges natürliches

Ausgangsmaterial ist Basaltschotter.

Der abgebaute Basalt wird zerkleinert

und als Gesteinsschotter aufgebracht,

darüber hinaus verwendet man als

Bettungsstoffe auch Kalksteinschotter.

Die beim Bahnbau aufgebrachten Materialien

und Bettungsstoffe sind überwiegend

nährstoffarm und zumeist basenhaltig.

Zu einer Basenanreicherung

der Aufschüttungen dürften auch Kalkstaubniederschläge

des nahegelegenen

Dyckerhoff-Zementwerkes beitragen.

Diese erhöhte Bodenreaktion dürfte

basiphile Pflanzenarten begünstigen.

Der hohe Versiegelungsgrad der Trassen,

Bankette und Pflasterungen bewirkt

eine starke Aufheizung. Der Wasserhaushalt

der Böden ist als gering zu

bezeichnen. Für den eingeschränkten

Wasserhaushalt sind folgende Faktoren

relevant: ein abgesenkter Grundwasserspiegel

durch meterdicke Aufschüttungen,

ein geringes Wasserhaltevermögen

des Schotters sowie ein schneller

Ablauf des Niederschlagswassers auf

den verdichteten (versiegelten) Böden.

Einen selektierenden Einfluss auf das

Aufkommen und auf das Wachstum der

Pflanzen nehmen die meist zu bestimmten

Jahreszeiten eingesetzten chemischen

Spritzmittel. Derart behandelte

Flächen büßen hierdurch nicht nur ihre

farbliche Blütenpracht ein, sondern sie

erscheinen ausgesprochen steril und

leblos. Durch die Herbizidanwendung

werden direkt oder indirekt sogenannte

Wärmekeimer, z. B. Kleines Liebesgras

(Eragrostis minor), und ausdauernde Arten,

z. B. Ackerwinde (Convolvulus arvensis),

begünstigt, da tiefwurzelnde Ar-

ten der „Herbizid-Dusche“ ausweichen

können oder den konkurrenzschwachen

fremden Arten die Konkurrenz der

meisten einheimischen Arten „vom Leibe

gehalten“ wird (BRANDES 1993).

Mikroklimatisch weichen die Daten der

Bahnanlagen von der umgebenden

Landschaft ab, da hier, bedingt durch

die Gleisanlagen und Schotterungen,

auf den offenen Standorten veränderte

Umweltfaktoren Einfluss nehmen. Die

weitgehend freien Flächen sind einer

starken Strahlungsintensität der Sonne

ausgesetzt. Die meist dunkelfarbigen

Schotterungen bewirken zudem eine

starke Aufheizung, was bereits schon

im Frühjahr zu einer starken Erwärmung

der Schotter führt (vgl. BRANDES 1983).

Insbesondere aber in den Sommer-

monaten können extrem hohe Temperaturen

gemessen werden; einhergehend

ist eine geringe Luftfeuchtigkeit.

Die Extremwerte der Gleise und

Grobschotterbetten können sich um

60 - 70° bewegen. Entsprechend dieser

besonderen kleinklimatischen Bedingungen

wird es verständlich, dass sich

hier einige Pflanzen wärmerer Klimaregionen

etablieren können oder hier

angemessene Bedingungen finden.

Es sind meist Pflanzen mit besonderen

Anpassungsmechanismen (Dürre-

resistenz, Behaarung, Sukkulenz,

Kleinwuchs, Anthocyaneinlagerung).

Einige der Arten sind auch sogenannte

„Wärmekeimer“, die für das Aufkeimen

bestimmte hohe Temperatur-

werte benötigen; der Zurückgekrümmte

Fuchsschwanz (Amaranthus retroflexus)

ist ein Beispiel hierfür.

Der Verlauf der Eisenbahnstrecke (Linie:

Münster - Lengerich - Osnabrück) liegt

in einer pflanzengeographischen und

klimatischen Übergangsstelle. Viele

südliche Arten stehen hierbei im Raum

Lengerich an der Nordwestgrenze ihres

mitteleuropäischen Verbreitungsge-

bietes (RUNGE 1990). Die Florengrenze,

die zugleich eine Arealgrenze für

viele atlantische bzw. kontinentale und

2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

Japanischer Staudenknöterich

(Amaranthus Retroflexus)

Foto (4): Siggi Birken

(sub-)mediterrane Pflanzenarten bildet,

entspricht in etwa dem Verlauf Münster

- Lengerich - Osnabrück (vgl. BURRICH-

TER 1973). Mit dieser Linie identisch ist

der Verlauf der atlantisch-subatlantischen

Klimagrenze (vgl. MÜLLER-WILLE

1966). An dieser „Nahtstelle“ befindet

sich damit unmittelbar der Untersuchungsraum.

Siggi Birken

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

Faszinierende alte Sägetechnik

Alte Technik fasziniert die Menschen. Am bundesweiten Mühlentag am Pfingstmontag nahmen viele Besucher

staunend am Schausägen in der alten Sägemühle in Tecklenburg teil.

Knatternd und ächzend setzen sich die

Antriebsräder, Wellen und Bänder in Bewegung,

um das Sägegatter in Funktion

zu bringen. Fürs Erste sollte die zuvor

angestaute Wassermenge im Mühlenbach

reichen, die Thomas Volk dosiert

auf das Mühlrad strömen ließ, während

Franz Dühnen das komplizierte Räderwerk

der Mühle überwachte. Klaus

Helms erklärte derweil den Besuchern

unermüdlich die jahrhunderte alte

Technik. Dann nahm die Säge ihre Arbeit

auf und der Sägeschlitten mit dem

darauf befestigten Baumstamm wurde

langsam zur Säge geführt. Mit der Kraft

des Wassers wurde so das erste dicke

Eichenbrett vom Stamm getrennt. Zwar

musste beim zweiten Brett der Sägevorgang

abgebrochen werden, da sich ineinander

verzahnte Antriebsräder durch

die starken Vibrationen gelöst hatten,

doch zum Glück konnte der Schaden

repariert werden und der Sägebetrieb

wieder aufgenommen werden. Die

Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz

Tecklenburger Land freut sich, die Sägemühle

nun an besonderen Tagen einem

breiten Publikum vorführen zu können.

Beim nächsten Mühlentag wird die Sägemühle

wohl wieder in Aktion sein.

Im Mittelpunkt des Mühlentages stand

natürlich die kulturhistorische Sägemühle,

wofür auch viele der anwesenden

Kinder großes Interesse zeigten.

Betreut durch die Mitarbeiterinnen der

Umweltbildung konnten die Kinder sich

auch als kleine Forscher und Entdecker

beim Käschern und anschließenden

Bestimmen der Wasserlebewesen versuchen.

Beim Wolle-Filzen entstanden

Kulturhistorische Sägemühle, Foto: Irmgard Heicks

kleine bunte Kunstwerke. Wer wollte,

konnte Bentheimer Landschafen in einem

kleinen Gatter einen Besuch abstatten,

die zufrieden an den Grashalmen

rupften. Für die Besucher gab es

Lammbratwurst, Kuchen und den Streuobstwiesenapfelsaft.

Das restaurierte

ehemalige Müllerhaus, ein Zweiständerfachwerkhaus

aus dem Jahre 1804,

konnte ebenfalls besichtigt werden.

Viele nutzten auch die Gelegenheit zum

Einkauf im kleinen Hofladen der ANTL.

Irmgard Heicks


Mit der Natur auf Tuchfühlung

ANTL bringt die Umweltbildung in die Dietrich-Bonhoeffer-Schule

Dass man die Knospen der Rotbuche essen

kann und auch deren Blätter, wussten

die Schüler der Bio-AG der Dietrich-

Bonhoeffer-Schule (DBS) bislang nicht.

Mit den Blättern könnte man also durchaus

sein Pausenbrot kulinarisch aufmotzen.

Kirsten Kottmann kann in ihrer AG

immer wieder mit solchen Aha-Effekten

dienen.

Die Diplom-Landschaftsentwicklerin leitet

bei der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz

Tecklenburger Land (ANTL) die

Umweltbildung, und seit Sommer 2010

ist sie in dieser Eigenschaft nicht allein

im und rundum das Naturschatzzentrum

Sägemühle in Tecklenburg aktiv, sondern

ist jeden Dienstagnachmittag in der

katholischen Hauptschule in Recke, wo

sie im Rahmen der Offenen Ganztagsschule

eine Bio-AG leitet.

Im Naturschutzzentrum der ANTL in

Tecklenburg gehört schon lange die Umweltbildung

zum Programm. Es gibt vielfältige

Angebote, Natur zu erleben und

zu erkunden – vom Naturschutzcamp

über Angebote für Kindergeburtstage

und Schulklassen. Rainer Seidl, langjähriger

Leiter der DBS und 30 Jahre lang im

ANTL-Vorstand tätig, kam auf die Idee,

die ANTL könnte mit diesem Angebot

auch in die Schulen gehen. Um mit einer

Schulklasse ins Naturschutzzentrum zu

fahren, um den Schülern dort eine Stunde

lang die Natur näher zu bringen und

sie für ihre Umwelt zu begeistern, habe

man immer einen ganzen Vormittag

einplanen müssen, erläutert er die Motivation,

das Angebot in die Schulen zu

bringen. Bei den eigenen Lehrerkollegen

rannte er mit dieser Idee offene Türen

ein. Und so verwundert es nicht, dass mit

diesem Projekt in Recke gestartet wurde.

Inzwischen gebe es eine solche AG auch

in Mettingen. „Und wir wollen das noch

weiter ausbauen“, so Rainer Seidl.

Der Schwerpunkt in der Bio-AG von

Kirsten Kottmann ist anders als im klassischen

Biologieunterricht. Sie geht, so

oft es möglich ist, mit den Schülern nach

draußen. „Drinnen sind wir höchstens

mal, wenn mikroskopiert wird oder so“,

sagt die 27-jährige AG-Leiterin. Und Rainer

Seidl weiß aus seiner Erfahrung als

Lehrer, dass Schüler heute kaum mehr

freiwillig nach draußen gehen. Überhaupt

erleben junge Leute heute ihre

Umwelt nur noch aus zweiter Hand,

durch alle möglichen Medien, aber nicht

in natura. Deshalb gehe es bei der Umweltbildung

auch um das Sehen lernen.

„Das ist für alle Biologen wichtig. Deshalb

ist es gut, dass Kirsten rausgeht.“

Die Jugendlichen können so erleben,

wie Natur sich anfühlt. So machte es

den Teilnehmern der Bio-AG von Kirsten

Kottmann Spaß, Bänder aus Fasern der

Brennnessel anzufertigen, Insektenhotels

aus Ton oder Anhänger aus Pappelrinde

zu schnitzen. Am Dienstag wurden

Nistkästen gebaut, und demnächst will

die AG-Leiterin mit ihren Schützlingen

Kräuter sammeln.

Von der Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium

ist Kirsten Kottmann begeistert.

Die Lehrer seien alle sehr hilfsbereit.

Und einige hätten schon mal

angeregt: „Machen Sie doch auch mal

eine AG für uns“.

2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

Kirsten Kottmann

Die Naturerlebnis-AG ist für alle Beteiligten

ein Gewinn. Die Schule hält auf

diesem Wege ein qualifiziertes Angebot

mehr bereit, die Honorarkräfte der ANTL

haben immer eine berechenbare Konstante

mehr in ihrem Budget, und die

Schüler dürfen erleben, wie spannend

ein Waldspaziergang sein kann, was es

dort alles zu entdecken gibt und wie ihre

nächste Umgebung sich anfühlt, wie sie

riecht und schmeckt.

Die Umgebung der DBS bietet dafür ideale

Voraussetzungen. Das Regenrückhaltebecken

am Kreisel und auch das nahe

Fließgewässer, die Recker Aa, sind spannende

und artenreiche Biotope. Silberreiher,

Nilgänse und Austernfischer habe

er am Kreisel schon beobachtet, sagt Rainer

Seidl.

Cornelia Ruholl, IVZ vom 31.3. 2011

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

Auch Orchideen brauchen unseren Schutz

Die Familie der Orchideen besiedelt im Tecklenburger Land unterschiedliche Lebensräume. Insbesondere das

Lengericher Gebiet ist wegen seiner reichhaltigen Orchideenvorkommen bekannt. Aber auch die Ortsteile des

Tecklenburger Nachbarraums – Leeden und Ledde – beherbergen eine Reihe von Arten mit größeren Beständen.

So blüht recht zahlreich

das Breitblättrige

Knabenkraut

(Dactylorizha majalis)

in einer Frischund

Feuchtwiese

unterhalb der Autobahnbrücke

und in

Breitblättriges Knabenkraut,

den Randbereichen

Foto (3): Siggi Birken

direkt an der Landstraße

von Tecklenburg

nach Leeden und am alten Ledder Sportplatz. Hier, in westlicher

Richtung von der Sportanlage, tritt das Knabenkraut mit der unscheinbaren

Orchideenart Großes Zweiblatt (Listera ovata) und das Gefleckte

Knabenkraut (Dactylorizha maculata) auf. Gelegentlich konnte das

Pflücken durch Bewohner der nahe gelegenen Siedlung beobachtet

werden. In einigen Bereichen fanden sich auch eingebrachte Gartenabfälle.

Insbesondere der Standort unterhalb der Autobahn ist weitläufiger

bekannt und wird von vielen Liebhabern von Orchideen, auch von

auswärts, aufgesucht. Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises

Steinfurt und ANTL-Mitglieder konnten bei Begehungen vereinzelt

Ausgrabungen feststellen und besprachen Möglichkeiten zur Erhaltung

und Förderung der Orchideenbestände. Im Gegensatz zur positiven

Entwicklung der Bestände im Ledder Feuchtwiesenbereich (nach

Freilegung des Gehölzbestandes durch Naturschützer von der ANTL)

zeigte sich im Autobahnbrückenbereich eine deutliche Bestandsverminderung

gegenüber den Vorjahren. Dieser „Rückgang“ dürfte sich

noch stärker ausprägen, wenn mit dem dreispurigen Ausbau der A 1

begonnen wird. Neben den Beeinträchtigungen durch Baufahrzeuge

etc. werden sich auch die Lichtverhältnisse durch den verbreiterten

Brückenbau verändern. Eine stärkere

Beschattung wird sicherlich zum Verschwinden

der lichtliebenden Knabenkrautart

führen; außerdem wird

die verbreiterte Fahrbahn einen Teil

des Niederschlags aufnehmen und die

Wasserverhältnisse des Feuchtwiesenbereichs

verändern.

Hierdurch ergibt sich zum Schutz und

zum Erhalt der Orchideenbestände die

Großes Zweiblatt

Erfordernis, geeignete Flächen für Aus-

gleichsmaßnahmen auszuweisen. Entsprechende Einsatzpläne und

Maßnahmen sind mit dem Bauträger, dem amtlichen und dem ehrenamtlichen

Naturschutz rechtzeitig zu entwickeln und umzusetzen. Dabei

muss vorausgesetzt werden, dass die notwendige Pflege am Ausbringungsort

gesichert ist. Sämtliche Flächen wie auch die des Ledder

Sportplatzes sollten weiter durch geeignete Pflegemaßnahmen offen

gehalten werden. Unterbleibt die Mahd und die Beräumung des Mähgutes,

setzt eine Sukzession der Feuchtwiesenflächen zu Gebüsch ein.

Im Lauf dieser Entwicklung verschwinden die Orchideen und andere

Arten, die in offenen Wiesenflächen Existenzmöglichkeiten gefunden

hatten.

Nachfolgend sollen die an ihren einfachen Blättern und an ihrer Blüte

zu erkennenden einkeimblättrigen Pflanzen, die zum Keimen auf einen

speziellen Pilz angewiesen sind, kurz dargestellt werden.

Dem Breitblättrigen Knabenkraut (D. majalis) haben die breiten

Blätter zu seinem Namen verholfen. Der dicke Stängel ist zusammendrückbar

und hohl. Die dichten und

reichblütigen Ähren sind mittel- bis

dunkelviolett gefärbt. Das Gefleckte

Knabenkraut (D. maculata) mit

seinen mehr oder weniger stark

gefleckten Blättern ist deutlich

schlanker. Der Stängel ist markig, also

nicht zusammendrückbar. Standörtlich

hat diese Pflanze eine weitere

Amplitude als die vorgenannte Art

und blüht in der Regel Anfang Mai auf.

Das Große Zweiblatt (L. Ovata) tritt

häufig gesellig auf und wird vorzugs-

Breitblättriges

Knabenkraut

weise von kleinen Fliegen, Käfern und Schlupfwespen besucht. Es tritt

sowohl auf Kalkböden, in Laubwäldern und auch auf feuchten Wiesen

auf. In der Standortwahl ist es also nicht allzu wählerisch. Auf Grund der

unscheinbaren, kleinen grünen Blüten und dem langen Stiel wird diese

Pflanze meist nicht als eine der mitteleuropäischen Orchideen erkannt.

Alle Orchideen, also auch die vorgenannten, unterliegen dem gesetzlichen

Schutz und dürfen nicht gepflückt oder dem Standort entnommen

werden. Treffen wir auf Orchideenstandorte, so handelt es sich

meist um intakte Biotope; denn Orchideen gelten als wichtige Bioindikatoren

für naturnahe Lebensräume. Orchideenschutz ist somit zugleich

Biotopschutz!

Siggi Birken


Begrünung von Hauswänden –

Ein wichtiger Beitrag zum Natur- und Umweltschutz

„Im Zuge der zunehmenden Inanspruchnahme

von Flächen wird die

gleichzeitige Einbindung ökologischer

Aspekte in die Siedlungsplanung einen

immer größeren Stellenwert erhalten.

Auch im besiedelten Raum sollen die

Ressourcen der Natur langfristig für den

Menschen erhalten bleiben.“ („Ökologische

Aspekte in der Bauleitplanung“,

Heft 57 des Osnabrücker Fachbereichs

Städtebau)

Eine gute Möglichkeit, um diesem Ziel

näher zukommen, ist die Begrünung

von Dächern und Hausfassaden. Eine

der wichtigsten Fassadenpflanzen ist

der Efeu (Hedera helix). Seine immergrünen

Lederblätter sind an jungen

Zweigen drei- bis fünflappig. Sobald

im Herbst an älteren Zweigen Blüten

erscheinen, sind eiförmige Blätter zu

sehen.

Leider werden dem Efeu, der die Hausfassade

nicht nur verschönt, sondern

auch das Haus vor Kälte und Wind

schützt und Vögeln Nistmöglichkeiten

bietet, oftmals Vorurteile zum Verderben.

Die Efeupflanze klettert nämlich

mit kleinen Haftwurzeln an der Mauer

empor. Diese Haftwurzeln dringen aber

weder in die Mauersteine noch in die

Fugen ein! Das wird deutlich sichtbar,

wenn man Efeu von der Mauer ablöst:

Die von Efeu bedeckten Stellen sind völlig

intakt, während an den unbewachsenen

Stellen Algen, Flechten und Moose

zu sehen sind. Efeu eignet sich daher

auch hervorragend zur Erhaltung von

Denkmälern wie Burgen, Kirchen und

Grabmalen.

Horst Michaelis

Foto: Horst Michaelis

2011 Heft 18 9. Jahrgang Mach mit!

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Mach mit! 9. Jahrgang Heft 18 2011

Um den Naturschutz ...

Als ich Otto Kimmel in seinem Haus in Laggenbeck besuchte, fiel es mir in der Straße gleich als etwas Besonderes

auf: Es war über und über mit wildem Wein bewachsen und vor dem Haus trug ein Hochstamm seine

schwere Apfellast.

„Das muss es sein, das ist das Haus eines Naturschützers“, dachte ich. Die Vermutung

wurde zur Gewissheit, als ich in die Auffahrt zum Haus bog, dort parkte

ein praktischer Kastenwagen, der laut Aufkleber an der Heckscheibe mit

Erdgas betrieben wurde.

Später, im Laufe unseres Gespräches, erzählte

Otto Kimmel dann, dass in dem Wein am

Haus schon ein Trauerfliegenschnäpper gebrütet

habe und dass die Hausbegrünung

und der CO2 sparende Gasbetrieb seines

Autos nicht die einzigen Bemühungen zur

Schonung der Umwelt seien; seit Jahren

habe er eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung

und auch eine Photovoltaikanlage

zur Stromerzeugung auf dem Dach. Ich

war beeindruckt, wie konsequent sich hier

jemand bemühte, auf vielfältige Weise sei-

Otto Kimmel

nen CO2 Fußabdruck so klein wie möglich

zu halten.

Bei ANTL-Apfelsaft kamen wir dann zu dem eigentlichen Thema meines Besuches,

Otto Kimmels naturschützerischen Aktivitäten und seiner Mitarbeit in

der ANTL seit deren Anfängen. Den meisten Lesern wird es so gehen wie mir:

Obwohl wir teilweise schon seit Jahren in der ANTL sind, liegen die Anfänge

in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts für uns weitgehend im Dunklen.

Anfang der 70er Jahre, als der Naturschutzgedanke noch nicht annähernd

das gesellschaftliche Gewicht hatte wie jetzt, als es noch keinen BUND

(gegr.1975), kein Greenpeace (gegr. 1979) und keine GRÜNEN (gegr. 1980)

gab, tat sich Otto Kimmel mit einigen Gleichgesinnten wie Ingrid Peters, Edeltraut

und Wolfgang Büscher zusammen und traten dem Vogel-Schutz- und

-Liebhaberverein bei.

Dieser Verein, der noch heute besteht, ist unter anderem dafür bekannt, die

Vogel- und Geflügelschau in Westerkappeln zu organisieren. Mit der Zeit

überwogen in dieser Gruppe allerdings die züchterischen Interessen die der

Naturschützer, so dass Otto Kimmel und seine Mitstreiter eine Ortsgruppe

des BUND gründeten. Aber auch hier machten sie die Erfahrung, dass ihre

Interessen nur im Rahmen einer größeren, z. T. schwerfälligen Organisation

zu vertreten waren. So wurde schließlich eine eigene Naturschutzgruppe gegründet,

zunächst als informeller Zusammenschluss mit Otto Kimmel als Vorsitzendem.

Bei der Arbeit der Gruppe (Zählung und Schutz von Vögeln) zeigte

sich schnell, dass eine Vereinsgründung mit einer Satzung nach deutschem

Recht notwendig werden würde. So wurde 1976 die ANTL ins Leben gerufen.

Der erste Vorsitzende wurde Horst Michaelis und der Schwerpunkt der Arbeit

war Eulen-, Kleingewässer- und Ameisenschutz. Auch wurde versucht - entgegen

Bestrebungen der damaligen Flurbereinigung - Wallhecken zu bewahren

und zu pflegen.

Die ANTL wuchs weiter und der Verein entwickelte bis heute viele zusätzliche

Aktivitäten. Zivildienstleistende wurden beschäftigt und Mitarbeiter für die

Verwaltung und die Landschaftspflege eingestellt, Streuobstwiesen wurden

gekauft oder gepachtet. Das Recker Moor, seine Entbirkung und Wiedervernässung,

rückte zunehmend in das Interesse, die Sägemühle in Tecklenburg

wurde in Erbpacht genommen und mit großem Aufwand an Mitteln und

freiwilliger Arbeit restauriert, eine Schafherde wurde gekauft und ein Schäfer

wurde eingestellt.

Nicht mit jedem Entwicklungsschritt war Otto Kimmel einverstanden. So sieht

er z.B. die Haltung der Schafsherde kritisch, er glaubt, dass die Abhängigkeit

von Dyckerhoff zu groß und der Schaftag in Wechte mehr Volksbelustigung

als Naturschutz ist. Pacht und Restaurierung der Sägemühle sind für ihn eher

eine heimatpflegerische als naturschützerische Aufgabe. Enttäuscht war er

auch, dass sein Vorschlag, mit der Mühle Strom zu erzeugen, nicht umgesetzt

wurde. Seine Skepsis gegenüber umweltpädagogischen Programmen auf europäischer

Ebene scheint ebenfalls in der Erfahrung begründet, dass organisatorische

Strukturen schnell unübersichtlich und schwer beeinflussbar werden.

Bei seiner Arbeit hat es ihn immer gedrängt, überschaubare, konkrete

Projekte zu gestalten, wobei dem Ehrenamt nach wie vor die dominante Rolle

zufallen müsse. Da dies nach seiner Einschätzung nicht mehr der Fall ist, mag

er am allgemeinen Vereinsleben nicht mehr teilnehmen.

Trotz aller Kritik blieb und bleibt Otto Kimmel als Mann der ersten Stunde und

als Mann der Tat der ANTL verbunden, von 1994 bis 2004 z.B. fuhr er drei Mal

pro Woche ANTL-Apfelsaft aus und auch heute noch hilft er in der Gruppe, die

Nisthilfen baut und in der, die Orchideenwiesen pflegt.

Mit 77 Jahren ist der Kern seiner Arbeit nach wie vor der Steinkauzschutz. Mit

berechtigtem Stolz erwähnt er, dass im Kreis Steinfurt inzwischen 450 Paare

brüten. Bekannt und anerkannt ist er bundesweit als „Steinkauz-Papst“, dessen

Niströhren einen Besatz von 94% haben. Seine Methode, Steinkauzröhren

ohne Marderschutz zu bauen, hat sich inzwischen bundesweit durchgesetzt.

(s. auch: www.kimmel-steinkauzschutz.homepage.t-online.de)

Als ich Otto Kimmel am Schluss unseres Gespräches frage, was er sich für die

Zukunft wünsche, antwortet er nach kurzem Nachdenken und mit einem Lächeln...

„dass ich noch zehn Jahre so weiter machen kann“. Ich verabschiede

mich und denke, dass sein Wunsch in Erfüllung gehen möge, Otto Kimmel

geht zu seinem Wagen und lädt Steinkauzröhren ein.

Klaus Helms

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