SOPHISTICATED POP

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34 [ Kunst ]

Ulrike Langen, „Paradise Now", 2016

Ulrike Langen

Eleganter Pop,

der Glücksgefühle weckt

In ihren Arbeiten thematisiert und inszeniert die Künstlerin Ulrike Langen auf gekonnte

Weise die Weiblichkeit und das mediterrane Lebensgefühl. Etwas Positives umgibt die Werke

der Aalener Künstlerin, die auch einen Zweitwohnsitz in Südfrankreich hat. Betrachtet man

die ansprechenden und farbenfrohen Bilder Langens sticht einem zunächst Schönheit ins Auge,

doch die Sujets offenbaren – bei näherer Beschäftigung damit – soviel mehr als bloße Ästhetik.

Von Kathrin Albrecht

Die zeitgenössischen Arbeiten von Ulrike Langen

sind unverkennbar. Mit starkem und direktem

Blick begegnen dem Betrachter Frauen, die mal

romantisch-träumerisch, mal lasziv-verspielt daherkommen.

Stets jedoch wirken die Darstellungen wie das Versprechen

von einer besseren Welt. Die Künstlerin wählt

ihre Sujets aus einem bestimmten Grund: „Meine Gesichter

des Femininen spiegeln die Themen meines Lebens

wieder“, sagt sie. Jedoch sind es nicht schlicht und

einfach Porträts von Damen, vielmehr verkörpern sie den

Menschen im Allgemeinen. „Es geht immer um menschliche,

grundlegende Gefühle, wie Liebe, Freude, Glück

und Lebenserfüllung“, erklärt Ulrike Langen.

Der Traum von Arkadien

Ihr ist es wichtig, den Betrachter mit ihrer Kunst auf

Der Kunsthandel I 05/2018


[ Kunst ]

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Ulrike Langen, „Pop Up Girl", 2016

positive, lebensbejahende Weise zu erreichen, ihn die

Leichtigkeit des Seins spüren zu lassen. Und genau das

vermögen ihre Arbeiten – sie vermitteln, in ihrem charakteristischen

Stil, das Gefühl von Harmonie.

„Ich will den Traum von Arkadien, vom Paradies, leben,

von dem wir uns nie wirklich entfernt haben“, so

Langen. In ihrer Arbeit „Paradise Now“ aus dem Jahr

2016 ist dieser paradiesische Ort, das mythische Arkadien,

nicht nur subtil, sondern in großen Lettern

präsent. Das Werk zeigt im Bildvordergrund, auf der –

vom Rezipienten aus betrachtet –rechten Seite schemenhaft

das Gesicht einer jungen, attraktiven Frau.

Mit gesenktem Haupt, von unten nach oben blickend,

sind ihre Augen auf den Betrachtenden gerichtet. Ihre

roten Lippen gehen eine Symbiose ein mit verschiedenen

weiteren Bildelementen, die auf der collagenhaften

Arbeit wie Übermalungen wirken. So finden

wir im schwarzen Haar der Protagonistin eine, im kubistisch

anmutenden Stil à la Pablo Picasso gehaltene,

ebenfalls knallig-rote Blüte. Diese wiederum scheint

eine Ergänzung zur angedeuteten roten Perlenkette,

sowie zu der im Bildmittelpunkt skizzenartig auf den

Malgrund gebrachten üppigen Frauenfigur darzustellen,

die in derselben Manier gemalt sind. Im gesamten

Werk dominieren Blau- und Rottöne, die ein harmonisches

Gesamtes schaffen. Im Hintergrund begegnen

uns drei Figuren, die an die antiken Darstellungen

der drei Grazien erinnern. Sie huldigen der skizzierten

Dame in der Bildmitte, scheinen diese sogar emporzuheben.

Gespickt ist das spannende Werk mit weiteren

Details, die zum einen das Gesamtbild komplettieren,

zum Anderen wieder neue Aspekte beziehungsweise

Reminiszenzen an weitere Kunstrichtungen einbringen.

Die Beschriftungen mit Schlagwörtern wie

„Modern Arcadia“, „Dream“ oder „Paradise“ und ein

plakatives rotes Herz sowie ein Ausrufezeichen lassen

an Elemente der Urban- und Streetart denken. Ein

vielschichtiges und hintersinniges Bild also, das dem

Betrachter immerneue Bedeutungsebenen eröffnet.

Dementsprechend nennt die Künstlerin auch ihre

Inspirationsquellen: „Meine Werke sind ein Artwalk

durch verschiedene Kunstepochen. Neben antiken

Elementen verarbeite ich meine handgezeichneten beziehungsweise

-gemalten Motive, die an Bilderwelten

von Matisse, an Porträts von Picasso oder Scribbles von

Jean-Michel Basquiat erinnern“.

Eindeutig liest man aus ihren Bildern die Verbindungen

zwischen Klassischer Moderne, Pop- und Street Art.

Für ihre daraus entstandene ganz eigene Stilrichtung

hat die Künstlerin eine passende Bezeichnung gefunden:

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36 [ Handwerk ]

Ulrike Langen, „Girl In Love", 2016

„Meinen Art Style bezeichne ich als Sophisticated Pop.“

Mode und Kunst

Bei genauer Betrachtung erkennt man in den Sujets

eine Station aus dem Lebenslauf von Ulrike Langen.

Gelernt hat die Künstlerin nämlich ursprünglich Modedesign.

„Modemacher sind Künstler. Die Paarung von

Design, Mode und Kunst ist für mich untrennbar“, so

sagt sie. In der Zeit, in der sie als Designerin kreativ

war, entwickelte sie auch die ersten Arbeiten, die der

bildenden Kunst zuzuordnen sind. „Basierend auf dem

Design von Stoffen und Seidenfoulards sind die ersten

plakativen Collagen entstanden; inspiriert von der Pop-

Art insbesondere von den Werken Roy Lichtensteins

und Tom Wesselmanns. Letztendlich habe ich darin

meine Berufung gefunden“, erinnert sich die Künstlerin.

Und diese Berufung scheint eine Passion. Diese

überträgt sich mittels der mit Glück, Freude und Liebe

gefüllten Arbeiten offenbar mühelos auf den Rezipienten.

Doch auch eine Botschaft enthalten die aufwendig

geschaffenen Bilder. „Ich möchte mit meinen Bildern

aber auch aufrütteln und ein Umdenken herbeiführen.

Ändern wir unser Bewusstsein, bringen wir uns in Harmonie

mit den Naturgesetzen, sind wir eins mit dem

Leben“, so Ulrike Langen.

Schaffensprozess und Trägermaterialien

Wie bereits angedeutet, geht den Kunstwerken von

Langen ein aufwendiger Schaffensprozess voraus. So

entsteht jede Arbeit aus etwa drei bis fünf handgemalt

und -gezeichneten Originalen, die digital collagiert

werden.

„Die Motive in den Bildern entstammen einem über

Jahre entstandenen Fundus von Malerei, Zeichnungen

und Scribbels sowohl von mir als auch von meinem

Mann, der ebenfalls Künstler ist“, erklärt sie. Heraus

kommt bei der oft kleinteiligen Herstellung eine

ausdrucksstarke Symbiose aus individueller Malerei,

Siebdruck und Fine Art Giclee. Durch den Prozess

entstehen Bilder, die auch innerhalb limitierter Auflagen

– meist von circa 49 Exemplaren – handsignierte,

nummerierte Originale sind. Als Trägermaterialien bevorzugt

Ulrike Langen den heute aktuellen, kühlen Stil

von handgebürstetem Aluminium. Das Trägermedium

Aluminium erfordert jedoch bei der Bearbeitung große

Genauigkeit.

„Die Kunstwerke werden mithilfe modernster Methoden

sowie sorgfältiger Handarbeit auf das handgebürstete

Aluminium übertragen, wobei Untermalungen

den Bildern Unikatscharakter verleihen“, erläutert die

Künstlerin. Darüber hinaus hebt sie einen Aspekt des

Materials hervor, der den Werken zusätzliche Besonderheit

verleit: „Das Edle an Aluminium ist das sich

reflektierende Licht, das sich mit der Perspektive des

Betrachters ändert.“

Und noch ein weiteres Präsentationsverfahren findet

bei Ulrike Langen Gefallen und Anwendung: „Auch

gefällt mir die moderne Wirkung von Acrylglas kombiniert

mit Aludibond. Beide Bildträger werden in einem

Abstand zueinander montiert. So entsteht aus einem

Der Kunsthandel I 05/2018


ursprünglich zweidimensionalen Bild ein dreidimensionales

Kunstwerk mit Tiefenwirkung.“ Abgerundet

wird ihr Œuvre von handgemalten Unikaten, die sie

ebenfalls mit akribischer Detailtreue erstellt.

Je nach Medium, Bildthema und Ausführungsart arbeitet

Langen etwa ein bis zwei Tage im Durchschnitt an

einem Werk.

Formate und Preise

Ebenfalls entsprechend der Ausführungsart gestalten

sich auch die Formate und Preise für die Arbeiten. Unter

den Werken auf gebürstetem Aluminium sind vor

allem Formate von 100 x 100 Zentimetern sowie von

90 x 140 Zentimetern erhältlich. Diese liegen zwischen

circa 1900 und 2600 Euro. Die hinter Acrylglas auf

Aludibond kaschierten Bilder sind meist in der Größe

70 x 70 Zentimeter und kosten etwa 1700 Euro. Bei

den Originalen beziehungsweise Unikaten ist die Preisspanne

größer. Angefangen bei 750 Euro für kleine

Formate steigen die Preise selbstverständlich mit der

Größe. Erhältlich sind die Arbeiten der Aalenerin, die

auch in der südfranzösischen Provence einen Wohnsitz

hat, beim Baden-Württembergischen Unternehmen Art

28 Kunsthandel & Gallery. Im Portfolio der namhaften

und erfolgreichen Firma befinden sich außerdem solche

Größen wie James Rizzi oder Janosch.

Projekte

Mit Ulrike Langen sind auch in Zukunft große Projekte

geplant: „In Zusammenarbeit mit Art 28 nahmen innerhalb

kurzer Zeit über 20 Galerien deutschlandweit

meine Bilder auf, darunter drei AIDA-Schiffe. Neue

Werke von mir waren zudem Anfang dieses Jahres auf

der Art Karlsruhe zu entdecken“, sagt Langen. Und auch

weitere Galerien im Ausland haben die Arbeiten in ihrem

Programm: „Seit diesem Jahr kann ich auf einen

weiteren neuen Galeristen in den USA setzen“, so die

Künstlerin. Und auch weitere Erfolge kann sie verzeichnen:

„Eine erfolgreiche Pop-Art-Ausstellung mit einer

exklusiven Auswahl meiner Werke liegt gerade erst in

einem historischen Gebäude in der Schweiz zurück. Im

Juni dieses Jahres wird es eine weitere Pop-Art-Gruppenausstellung

in Meppen geben.

Wer weiß, vielleicht erweitert sich der Horizont demnächst

über die deutsche Grenze hinaus auf den asiatischen

Kunstmarkt?“

Das facettenreiche Gesamtwerk voller Poesie und Leichtigkeit

sowie dem Spiel mit Sehnsucht und Verlangen

findet sicher auch in Fernost, ebenso wie bereits in der

westlichen Welt, Liebhaber und Sammler.

Ulrike Langen, „No 896 - 30 Now", 2017

Kontakt

Art 28 GmbH & Co. KG

Schaffhausenstraße 123

D-72072 Tübingen

Tel: +49 7071 97731 0

www.art28.com

www.ul-art-design.com

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