05.06.2018 Aufrufe

FINE Das Weinmagazin 01/2018

Themenschwerpunkte der 40. Ausgabe sind unter Anderem: TASTING Reife Reservas: Bodegas Marqués de Riscal Weitere Themen sind: BORDEAUX Mouton bleibt Mouton BORDEAUX Ebenbürtig: Château La Mission Haut-Brion BURGUND Langer Atem: Die Maison Louis Jadot STEIERMARK Weiße Magie: Der steirische Winzer Erwin Sabathi STEIERMARK »Muschelkalk satt«: Das Weingut Erich & Walter Polz NEUSEELAND Arktische Strömung: Pinot Noir von Felton Road DAS GROSSE DUTZEND Château Cheval Blanc WEIN UND SPEISEN Jürgen Dollase im Restaurant Opus V in Mannheim CHINA Ao Yun: Wein vom Dach der Welt DIE PIGOTT KOLUMNE Das Comeback der Scheurebe TOSKANA Keine halben Sachen: Das Weingut Avignonesi TASTING Riesling-Ikonen FRAUEN IM WEIN Meike und Dörte Näkel und die neue Ahr-Stilistik DIE WÜRTZ KOLUMNE Der Klimawandel: Fluch und Segen VINOTHEKEN Online-Pionier: Silkes Weinkeller WEIN UND ZEIT Sangría von der Saale: Weinbau an Saale und Unstrut GENIESSEN Wann kommt der Käse? BADEN Kontrolliertes Nichtstun: Weingut Ziereisen

Themenschwerpunkte der 40. Ausgabe sind unter Anderem:

TASTING Reife Reservas: Bodegas Marqués de Riscal

Weitere Themen sind:

BORDEAUX Mouton bleibt Mouton
BORDEAUX Ebenbürtig: Château La Mission Haut-Brion
BURGUND Langer Atem: Die Maison Louis Jadot
STEIERMARK Weiße Magie: Der steirische Winzer Erwin Sabathi
STEIERMARK »Muschelkalk satt«: Das Weingut Erich & Walter Polz
NEUSEELAND Arktische Strömung: Pinot Noir von Felton Road
DAS GROSSE DUTZEND Château Cheval Blanc
WEIN UND SPEISEN Jürgen Dollase im Restaurant Opus V in Mannheim
CHINA Ao Yun: Wein vom Dach der Welt
DIE PIGOTT KOLUMNE Das Comeback der Scheurebe
TOSKANA Keine halben Sachen: Das Weingut Avignonesi
TASTING Riesling-Ikonen
FRAUEN IM WEIN Meike und Dörte Näkel und die neue Ahr-Stilistik
DIE WÜRTZ KOLUMNE Der Klimawandel: Fluch und Segen
VINOTHEKEN Online-Pionier: Silkes Weinkeller
WEIN UND ZEIT Sangría von der Saale: Weinbau an Saale und Unstrut
GENIESSEN Wann kommt der Käse?
BADEN Kontrolliertes Nichtstun: Weingut Ziereisen

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1| 2018 Deutschland € 15 Österreich € 16,90 Italien € 18,50 Schweiz chf 30,00

4197772 515002 01

MARQUÉS DE RISCAL

VERTIKALE DER PHANTASTISCHEN ROTEN VON 1922 BIS 2013

Bordeaux Burgund Tasting Ao Yun Baden

Château Mouton Rothschild Die Maison Louis Jadot La Mission Haut-Brion Wein vom Himalaya Das Weingut Ziereisen


ENJOY RESPONSIBLY.

ZWEI SPIRITUOSEN, ENTSTANDEN AUS LIEBE ZU DESIGN

UND AUSSERGEWÖHNLICHEM GESCHMACK

- BROTHERS -

FROM DIFFERENT MOTHERS

- KEIN HOKUSPOKUS -

Das Geheimnis dieses feinen Wodkas: fünffach

destillierter, qualitativ hochwertiger

Getreidealkohol mit einem samtweichen

Wasser, auf exzellente Trinkqualität gebracht.

Fertig. Kein Hokuspokus. Purer,

weicher Wodkageschmack. So ist Harald

Schatz Wodka.

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Eine moderne Interpretation des klassischen

Gins hingegen ist Muscatel Distilled Gin:

eine dezente Wacholder-Note, kombiniert mit

einem ausgewogenen Muskateller-Aroma

sowie eine markante Prise Orangenschale,

abgerundet durch neun komplettierende

Botanicals. Enjoy!

HARALDSCHATZ.DE

MUSCATEL-GIN.DE

JOIN US


FINE

DAS WEINMAGAZIN 1|2018

DIE MAISON LOUIS JADOT 30

ERWIN SABATHI 46

DAS WEINGUT POLZ 54

CHÂTEAU MOUTON ROTHSCHILD 12

BODEGAS MARQUÉS DE RISCAL 40

9 FINE EDITORIAL _________________ Thomas Schröder

12 FINE BORDEAUX ________________ Mouton bleibt Mouton

22 FINE BORDEAUX ________________ Ebenbürtig: Château La Mission Haut-Brion

30 FINE BURGUND _________________ Langer Atem: Die Maison Louis Jadot

40 FINE TASTING ___________________ Reife Reservas: Bodegas Marqués de Riscal

46 FINE STEIERMARK ______________ Weiße Magie: Der steirische Winzer Erwin Sabathi

54 FINE STEIERMARK ______________ »Muschelkalk satt«: Das Weingut Erich & Walter Polz

62 FINE NEUSEELAND _____________ Arktische Strömung: Pinot Noir von Felton Road

70 FINE DAS GROSSE DUTZEND ___ Château Cheval Blanc

FELTON ROAD 62 AO YUN 82 AVIGNONESI 98 RIESLING-IKONEN 106

CHÂTEAU LA MISSION HAUT-BRION 22

74 FINE WEIN UND SPEISEN _______ Jürgen Dollase im Restaurant Opus V in Mannheim

82 FINE CHINA _____________________ Ao Yun: Wein vom Dach der Welt

94 FINE DIE PIGOTT KOLUMNE ____ Das Comeback der Scheurebe

98 FINE TOSKANA _________________ Keine halben Sachen: Das Weingut Avignonesi

106 FINE TASTING ___________________ Riesling-Ikonen

114 FINE FRAUEN IM WEIN __________ Meike und Dörte Näkel und die neue Ahr-Stilistik

122 FINE DIE WÜRTZ KOLUMNE ____ Der Klimawandel: Fluch und Segen

124 FINE VINOTHEKEN ______________ Online-Pionier: Silkes Weinkeller

128 FINE WEIN UND ZEIT ____________ Sangría von der Saale: Weinbau an Saale und Unstrut

134 FINE GENIESSEN _______________ Wann kommt der Käse?

MEIKE UND DÖRTE NÄKEL 114

WEINBAU AN SAALE

UND UNSTRUT 128

DAS WEINGUT ZIEREISEN 136

DAS GROSSE DUTZEND 70

136 FINE BADEN ____________________ Kontrolliertes Nichtstun: Weingut Ziereisen

146 FINE ABGANG___________________ Ralf Frenzel

6 FINE 1 | 2018 INHALT INHALT FINE 1 | 2018 7


VEREHRTE LESERIN, LIEBER LESER,

So Clicquot, so responsible. www.massvoll-geniessen.de

Wird am besten zu

Überraschungen

serviert.

erinnern Sie sich? Vor genau zehn Jahren hielten Sie die erste Ausgabe von FINE

in Händen. Nun, ein Dezennium danach, legen wir Ihnen unser Magazin zum vierzigsten

Mal vor – wie immer in der Hoffnung, auf Ihr Interesse zu stoßen und Ihre

Erwartung zu erfüllen, wenn möglich zu übertreffen. Packende Geschichten über

Winzer und ihre Gewächse zu erzählen, die Kenntnis von Wein und Weinen zu vertiefen

und dabei immer wieder Enthusiasmus für unser aller Lieblingsgetränk zu

entfachen – das war und ist Antrieb unserer Arbeit. Und nicht müde zu werden im

Bekunden, dass Wein nicht nur dies ist: ein Getränk. Sondern viel mehr: ein wichtiger,

belebender Teil unserer Kultur, ein Tiefenlot in eine vieltausendjährige Vergangenheit

ebenso wie ein Teleskop in die Zukunft, ein Indikator des persönlichen wie des

gesellschaftlichen Befindens, ein Freund von Austausch und Gespräch, ein Ausweis

von Stil und Lebenskunst, ein Freudenspender – und manchmal, nicht zu vergessen,

ein Tröster in schwerer Zeit. Das ist nicht wenig. Dies alles mit Ihnen geteilt zu haben

und für viele weitere Jahre zu teilen, ist unser journalistisches Privileg.

Weil das so ist, finde ich, finden wir solche Fachleute wenig hilfreich, die, wie

manche Sommeliers und leider auch etliche Weinjournalisten in Blogs und Zeitschriften-Kolumnen,

ihrem Publikum nahelegen, sich doch von dem Ȋffschen

Gequatsche« über Wein nicht ins Bockshorn jagen zu lassen – es komme doch nur

darauf an, dass der Wein »lecker« schmeckt. Leider ist solche Ansicht durchaus

verbreitet – sie erscheint mir recht genügsam, wenn nicht reichlich regressiv. Natürlich

soll mir ein Wein, den ich trinke, schmecken. Aber was heißt das schon? Weingenuss,

wie Genuss überhaupt, verlangt eine Haltung, er provoziert Neugier, sucht

nach Erkenntnis. Dass mir etwas gut schmeckt, kann ich schlicht konstatieren. Aber

will ich nicht wissen, warum es meinem Gaumen schmeichelt? Will ich nicht herausfinden,

welche Elemente daran beteiligt sind, mir solch ein Wohlgefühl zu bereiten?

Also setze ich – und welcher Weinfreund täte das nicht – meine Sinne auf die Fährte

durch das wundersame Labyrinth der Aromen, spüre den Texturen nach, bis ich die

schönen Komponenten der Geschmacksflutung entschlüsselt und so die Amplitude

des Genusses voll ausgekostet habe.

Das dann für andere angemessen zu formulieren, verlangt freilich nicht nur

kennerische Erfahrung, sondern auch gewandten Umgang mit Sprache. Dies ist zweifellos

ein Vorzug aller Autorinnen und Autoren im Team von FINE, im vorliegenden

Heft vielleicht besonders anschaulich am Tasting von vierzig reifen trocknen Rieslingen

nachzuvollziehen, zu dem Michael Schmidt Sie in die Runde am Verkostungstisch

bittet.

Abwägende Kennerschaft und spontane Begeisterung – beides hat FINE bis

heute geprägt. So soll und wird es bleiben. Wir alle freilich werden, einmal zehn

Jahre weiter, gewisslich nicht dieselben sein. Und auch der Wein wird ein anderer

sein. Es bleibt spannend.

Thomas Schröder

Chefredakteur

EDITORIAL FINE 1 | 2018 9


FINEAUTOREN

KRISTINE BÄDER Als Winzertochter aus Rhein hessen

freut sie sich über die positive Entwicklung dieser Weinregion,

als ehemalige Chefredakteurin des Sommelier

Magazins über die der deutschen Weine im Allge meinen.

Darüber hinaus hat die studierte Germanistin eine besondere

Beziehung zu den Weinen aus Portugal.

DANIEL DECKERS Die Lage des deutschen Weins

ist sein Thema – wenn er nicht gerade als Politik-

Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über

Gott und die Welt, über Lateinamerika oder Rauschgift

zur Feder greift. An der Hochschule Geisenheim lehrt er

Geschichte des Weinbaus und -handels. In seinem Buch

»Wein. Geschichte und Genuss« beleuchtet er durch

mehr als dreitausend Jahre die Rolle dieses unschätzbaren

Kulturguts als Spiegel der Zeitläufte.

ARMIN DIEL Einerseits ist er Winzer – seine Weine

von der Nahe spielen im nationalen wie im internationalen

Ranking eine Rolle. Andererseits ist er Publizist.

Als einstiger Mitherausgeber des Wein-Gault-Millau hat

er den Guide an die Spitze der weinkritischen Publikationen

in Deutschland gebracht.

STEFAN PEGATZKY Der promovierte Germanist

hat nach vielen Jahren in der Verlagsbranche die Online-

Galerie Time Tunnel Images für historische Foto grafie

gegründet. Daneben findet er immer wieder Zeit zum

Schreiben, am liebsten über Wein. Aber auch über

Essen: In der Tre-Torri-Reihe »Beef!« erschien der

Band »Raw. Meisterstücke für Männer«.

STUART PIGOTT In der gehobenen Weinwelt ist er

ein Begriff. Seit der 1960 in London geborene studierte

Kunsthistoriker und Maler im Wein, im deutschen Wein

zumal, sein Lebensthema fand, hat er sich mit unkonventioneller

Betrachtungsweise in die Ränge der weltweit

geachteten Autoren und Kritiker geschrieben. Sein

letztes Buch »Planet Riesling« erschien bei Tre Torri.

RAINER SCHÄFER wuchs in Oberschwaben auf und

lebt seit zwanzig Jahren in Hamburg, wo er über die

Dinge schreibt, die er am meisten liebt: Wein, gutes

Essen und Fußball, stets neugierig auf schillernde

Persön lich keiten, überraschende Erlebnisse und unbekannte

Genüsse. Als Ko-Autor hat er über »100 Länder,

100 Frauen, 100 Räusche« berichtet.

VERLEGER UND HERAUSGEBER

Ralf Frenzel

ralf.frenzel@fine-magazines.de

CHEFREDAKTEUR

Thomas Schröder

thomas.schroeder@fine-magazines.de

REDAKTION

Carola Hauck

ART DIRECTION

Guido Bittner

MITARBEITER DIESER AUSGABE

Kristine Bäder, Daniel Deckers, Armin

Diel, Jürgen Dollase, Till Ehrlich,

Ursula Heinzelmann, Uwe Kauss, Stefan

Pegatzky, Stuart Pigott, Rainer Schäfer,

Michael Schmidt, Luzia Schrampf,

Christian Volbracht, Dirk Würtz

FOTOGRAFEN

Guido Bittner, Johannes Grau, Marco

Grundt, Alex Habermehl, Christof Herdt,

Stefan Pegatzky, Thilo Weimar

JÜRGEN DOLLASE Kunst, Musik und Philosophie

hat er in Düsseldorf und Köln studiert. Er war Rockmusiker

und Maler. Heute ist er der bei weitem einflussreichste

Kritiker der kulinarischen Landschaft in

Deutschland und Europa. Vielbeachtet sind seine Bücher

über die Kunst des Speisens; zuletzt erschien der Band

»Geschmacksschule« in der Reihe SZ Gourmet Edition

(bei Tre Torri). Sein visionäres Kochbuch »Pur, präzise,

sinnlich« widmet sich der Zukunft des Essens.

TILL EHRLICH Der profilierte Weinkritiker und mehrfach

ausgezeichnete Journalist hat sich als Autor von

unabhängi¬gen Weinbüchern, kulinarischen Kolumnen

und Essays einen Namen gemacht. Er kann Weine, Berge

und gedeckte Tafeln zum Sprechen bringen.

URSULA HEINZELMANN Die gelernte Sommelière

und Gastronomin schreibt unter anderem für die Frankfurter

Allgemeine Sonntagszeitung, für Efflee und Slow

Food sowie Bücher zum Thema Essen und Trinken,

das jüngste Buch, »China – Die Küche des Herrn Wu«,

erscheint im Frühjahr (bei Tre Torri).

UWE KAUSS In Weinkellern kennt er sich aus. Was

immer er beschreibt: Stets vermittelt er sein Entzücken

einem mit ihm faszinierten Publikum. Er veröffentlicht

Beiträge in der österreichischen Zeitschrift Wein.Pur,

in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, im

Internetportal Wein-Plus und arbeitet als Buchautor zu

verschiedenen Themen – auch für Kinder.

Titel-Foto: Marqués de Riscal, GUIDO BITTNER

MICHAEL SCHMIDT Der »deutsche Engländer«,

wie ihn die britische Weinszene nennt, schreibt für die

Purple Pages der Weinpäpstin Jancis Robinson über

deutschen Wein. Bei Sotheby’s Wine Encyclopedia und

dem World Atlas of Wine von Hugh Johnson und Jancis

Robinson ist er als Berater für das Kapitel Deutschland

zuständig.

LUZIA SCHRAMPF Sie weiß alles – zumindest

über den österreichischen Wein. Über ihr Lebensthema

berichtet die Journalistin regelmäßig im Wiener

Standard wie in der Süddeutschen, in World of Fine

Wine und Decanter, in Vinum und Feinschmecker.

In ihrem Buch »Weinmacher« hat sie alle wichtigen

Winzer ihres Landes porträtiert.

CHRISTIAN VOLBRACHT Der Journalist, Autor

und Antiquar schreibt über Wein und Gastronomie,

seit er für die Deutsche Presse-Agentur in Paris gearbeitet

hat. Seine besondere Leidenschaft gehört neben

Wein und gutem Kochen den Pilzen und Trüffeln. Er ist

Sammler und Inhaber des Buchantiquariats MykoLibri,

als Buchautor ergründete er das Thema »Trüffeln –

Mythos und Wirklichkeit« (bei Tre Torri).

DIRK WÜRTZ ist Weinbauer und Betriebsleiter des

Rheingauer VDP-Weinguts Balthasar Ress. Seit 2008

schreibt er in seinem Blog über alles rund um den

Wein. Er hat das erste Live-Wein-TV-Format im Internet

produziert und mit dem Magazin Stern die Video-

Weinschule zu zahlreichen Themen gedreht.

Editorial-Foto: PEKKA NUIKKI

VERLAG

Tre Torri Verlag GmbH

Sonnenberger Straße 43

65191 Wiesbaden

www.tretorri.de

Geschäftsführer: Ralf Frenzel

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Judith Völkel

Tre Torri Verlag GmbH

+49 611-57 990

anzeigen@fine-magazines.de

DRUCK

Eversfrank Berlin GmbH

FINE Das Weinmagazin erscheint

vierteljährlich zum Einzelheft-Preis

von € 15,– (D), € 16,90 (A),

CHF 30,– (CH), € 18,50 (I)

VERTRIEB

DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH

www.dpv.de

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht

unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der

Verlag haftet nicht für unverlangt eingereichte

Manuskripte, Dateien, Datenträger und Bilder.

Alle in diesem Magazin veröffentlichten Artikel

sind urheberrechtlich geschützt.

10 FINE 1 | 2018 IMPRESSUM


EXKLUSIV FÜR

FINE-LESER

Wer Riesling liebt, kommt an diesem Namen nicht vorbei.

Die blauen Etiketten des Weinguts Robert Weil sind ein

Versprechen auf großartige Rieslinge in all ihren Facetten.

Die Große-Gewächs-Lage Gräfenberg in Kiedrich gehört zu den besten des

Rheingaus. Viel Sonne und der komplexe Phylittboden sind die Basis für vielschichtige

Weine mit außergewöhnlichem Reifepotenzial.

Der Jahrgang 2015 gehört zu den besten der vergangenen Jahre. Reife Trauben

und eine herrliche Säurestruktur prägen die Weine.

2015 Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs

Weingut Robert Weil Rheingau

Der „Grand Cru“ aus dem Rheingau ist das Aushängeschild des Weinguts Robert

Weil. Seine vielschichtige Struktur und Mineralität und die klaren Fruchtaromen

kenn zeichnen diesen großen trockenen Riesling. Mit seiner Tiefe und Komplexität

spiegelt er das Terroir der Lage wieder und verspricht ein gutes Reifepotenzial.

6 FLASCHEN FÜR € 240,–

(53,33 €/l), inkl. MwSt.*

Bei Kauf einer 6-er Kiste 2015 Kiedrich Gräfenberg Großes Gewächs Weingut

Robert Weil erhalten Sie kostenlos ein Exemplar des Buches »Der Riesling – Weingut

Robert Weil« im Wert von 69,90 Euro. Lieferung frei Haus.

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inkl.

Buch zum Wein

Der Riesling -

Weingut Robert

Weil

im Wert von

€69,90

Foto: Christof Herdt

* Solange der Vorrat reicht.

Wichtige Informationen zu diesem Wein: 2015 Kiedrich Gräfenberg Riesling Trocken GG VDP.Großes Gewächs | Rebsorte: Riesling | Herkunftsort; Deutschland, Rheingau

Hersteller/Abfüller: Weingut Robert Weil, Mühlberg 5, 65399 Kiedrich | Nettofüllmenge: 0,75 l | Alkoholgehalt: 13 % vol. | Enthält Sulfite

Anbieter: Tre Torri Verlag GmbH, Sonnenberger Straße 43, 65191 Wiesbaden


REIFE RESERVAS

BODEGAS MARQUÉS DE RISCAL

Von KRISTINE BÄDER

Fotos GUIDO BITTNER und RUI CAMILO

40 FINE 1 | 2018 TASTING TASTING FINE 1 | 2018 41


»MUSCHEL-

Lakonisch beschreibt Walter Polz, der das

Familienweingut zusammen mit seinem

Bruder leitet, die Arbeitsteilung: »Erich

drinnen, ich draußen«. Mit Blick auf die

Reben lässt er sich vor der Flaschenwand

des neuen Kellers, einem Kubus aus Holz

und Glas, einen Weißen schmecken.

KALK SATT«

IM SÜDSTEIRISCHEN WEINGUT POLZ

WEISS MAN DAS KOSTBARE GESCHENK

DER NATUR ZU NUTZEN

Organisch gewachsen – dieser Gedanke hakt sich fest, wenn man

mit Christoph, Erich und Walter Polz darüber spricht, was sie

in den letzten drei Jahrzehnten in der Südsteiermark geschaffen

haben. Bis heute sehen sie sich vor allem gutem Wein verpflichtet.

Von LUZIA SCHRAMPF

Fotos JOHANNES GRAU

54 FINE 1 | 2018 STEIERMARK STEIERMARK FINE 1 | 2018 55


DAS GROSSE DUTZEND

CHÂTEAU

CHEVAL BLANC

SAINT-EMILION

Das Café du Sommelier, letzten

Oktober im Düsseldorfer Szene-

Viertel Andreas-Quartier eröffnet,

ist weniger ein Café als eine internationale

Wein-Bar, die französisches

Lebensgefühl vermittelt. Hier

präsentierte Château Cheval Blanc

zwölf ausgewählte Jahrgänge.

Von KRISTINE BÄDER

Fotos GUIDO BITTNER

64 FINE 1 | 2018 DAS GROSSE DUTZEND DAS GROSSE DUTZEND FINE 1 | 2018 65


AO YUN WEIN VOM DACH DER WELT

Weinbau im Himalaya: Weltenfern auf

dem hohen Ufer des Mekong reifen im

Weinberg von Shuori Trauben für Ao Yun,

den chinesischen Premier Grand Cru des

Luxuskonzerns LVMH.

China ist weltweit der größte geschlossene Markt für Wein – und mittlerweile der sechsgrößte Erzeuger. Nicht nur Masse – immer öfter

wird hier auch Klasse produziert. Mit dem Ao Yun erhebt der Luxusgüterkonzern Moët Hennessy – Louis Vuitton (LVMH) nun den

Anspruch, einen Premier Grand Cru aus dem Reich der Mitte zu erzeugen. Mit diesem Wein, angebaut in den Himalaya- Ausläufern

Ost tibets auf einer Höhe von bis zu zweitausendsechshundert Metern, wird ein neues Kapitel der Weingeschichte aufgeschlagen.

Von STEFAN PEGATZKY (Text und Fotos)

Mehr als achtzehn Monate Vorbereitung

und eine halbe Reise um die Welt habe

ich gebraucht, um hierher zu gelangen.

Und dann das. Gut eine Viertelstunde vor dem Ziel

ist die Straße gesperrt. Direkt vor uns baut sich ein

mächtiger, schwer beladener Sinotruck auf. Links

auf der Gasse, die bis vor wenigen Minuten noch

als Notspur diente, häuft ein Schaufel bagger einen

Geröllberg auf. Der Weg ins Paradies, so scheint es,

ist verriegelt.

Begonnen hatte alles in einer trubeligen Messehalle

der ProWein 2016. Jens-Peter Gardthausen,

der Deutschland-Chef von LVHM, hatte zwei

Gläser vor uns gestellt und mich kosten lassen.

Angesichts meiner Ratlosigkeit zeigte er die

Flasche. »Ao Yun 2013« konnte ich lesen – und:

»Shangri-La«. Shangri-La? »Ja, das Shangri-La in

Tibet, dies hier ist die erste Flasche in Europa.«

Acht Monate später präsen tierte Jean-Guillaume

Prats, der CEO des »Wine & Estates«-Bereichs von

LVMH, den Wein erneut anlässlich eines Diners im

82 FINE 1 | 2018 CHINA CHINA FINE 1 | 2018 83


DIE STUART PIGOTT KOLUMNE

Verkostung aktueller und gereifter trockner Scheurebe- Weine

eingeladen. Um den langen Tisch sitzen lauter junge, neugierige

Sommeliers, und ich bin eindeutig das Fossil unter ihnen.

Das erste, was der Gruppe auffällt, ist, wie stark die einfachen

trocknen Scheurebe-Weine schmecken. Die etablierten Spezialisten

wie die Wein güter Müller-Catoir und Pfeffngen in der Pfalz und

Scheurebe-Stars wie Weingut Bickel-Stumpf in Frickenhausen/

Am Tisch herrscht jetzt

ziemliche Begeisterung, die

anfäng liche Skepsis bei

manchen der Sommeliers

ist komplett ver flogen. Jetzt

diskutieren sie nicht mehr,

ob man diese Weine gastronomisch

einsetzen kann,

sondern was wann und wozu

am besten passt.

Franken und Schloss Proschwitz in Meißen/Sachsen haben 2015

und 2016 ausdrucksstarke und feine Weine erzeugt. Die stilistische

Bandbreite überrascht die jungen Sommeliers, die wohl eher ein

uniformes Geschmacksbild erwartet haben. Zwischen der schlanken

und sehr rassigen trocknen 2015er Scheurebe vom Weingut Wagner-

Stempel in Siefersheim/Rheinhessen und der muskulösen 2016er

Kronsberg Scheurebe Alte Reben vom Weingut Wirsching in

Iphofen/Franken (eine wahre Grapefruit-Bombe!) liegen Welten.

Daneben gibt es leicht zugängliche Weine wie die saftige und

animierende 2016er Scheurebe trocken vom Weingut Espenhof

in Flonheim-Uffofen/Rheinhessen und die deutlich rundere, nicht

ganz trockne 2015er Scheurebe vom Weingut Zimmer-Mengel in

Engelstadt, die mehr als geeignet sind, glasweise in guten Weinbars

und Restaurants ausgeschenkt zu werden. Wieder ganz anders

präsentieren sich Weine mit sehr ausgeprägtem Charakter wie die

2015er Scheurebe trocken von Katharina Wechsler. Es stehen so

viele verschiedene Varianten auf dem Tisch!

Dann kommt die zweite Kategorie der Verkostung, Weine

mit innovativer Vinifizierung, was alles bedeutet – von

Maischegärung bis Barrique- Ausbau. Die Diskussion wird

immer lebhafter, auf dem Tisch steht enorm viel Gesprächsstoff. Ich

halte mich etwas zurück, habe aber einen ganz klaren Favoriten, die

2016er Scheurebe trocken SP vom Weingut Pfeffngen. Der Wein

ist die Quadratur des Kreises, was die Vermählung von Eichenton

und Scheurebe-Aromatik (Cassis!) betriff. Selten passen sie

so wunderbar zusammen, oft liegen sie einander total quer. Das

Geheimnis dieses tatsächlich revolutionären Gewächses? Eine ganz

zarte Eichennote und eine beachtliche Geschmackskonzentration.

Fast ebenso beeindruckend schmeckt die überraschend burgundisch

anmutende 2015er Saulheimer Scheurebe trocken vom Winzerhof

Thörle in Saulheim/Rheinhessen, einem der wichtigsten Aufsteiger

in der »Traumfabrik des trocknen deutschen Weißweins«,

wie ich Rheinhessen gern nenne. Hier liegt der Schwerpunkt auf der

Komplexität am Gaumen, die sicherlich auf der langen Lagerung des

Jungweins auf dem gesamten Hefedepot nach der Gärung beruht.

Aber das kann man genauso leicht übertreiben wie einen Holzton

in dieser Art von Wein. Die Kunst in beiden Fällen ist die Balance

zwischen Frucht-Aromatik aus der Traube – noch wichtiger bei

Scheurebe in Deutschland als zum Beispiel bei Chardonnay in

Burgund – und dem Charakter, der durch kellerwirtschaftliche Maßnahmen

entsteht. Am Tisch herrscht jetzt ziemliche Begeisterung,

die anfängliche Skepsis bei manchen der Sommeliers ist komplett

verflogen. Jetzt diskutieren sie nicht mehr, ob man diese Weine

gastronomisch einsetzen kann, sondern was wann und wozu am

besten passt.

Wir sind aber noch nicht ganz fertig, weil zum Schluss

ein paar gereifte Gewächse kommen. Werden uns fünfzehn

Jahre alte trockne Scheurebe-Gutsweine von 2002 –

keinem besonderen Jahrgang wegen des verregneten Oktobers –

wirklich noch gefallen können? Doch als wir die 2002er Scheurebe

trocken vom Weingut Wittmann probieren, herrscht wieder Staunen

im Raum. Dieses Überraschungsmoment ist mir bestens vertraut.

Und mir wird klar, wie sehr sich das Rad der Weinmoden seit

September 1991 tatsächlich gedreht hat. Die Balance bei vollen

13,5 Prozent Alkohol und das schier endlose Finale des Weins

sind großartig. Dann folgt noch ein Stück Wein-Wahnsinn, das

niemand im Geringsten erwartet hat. In der Nase wirkt die 2002er

Haardter Mandelring Scheurebe Kabinett trocken vom Weingut

Müller-Catoir, als sei sie zwei bis drei Jahre alt statt der tatsächlichen

fünfzehn. Der Wein duftet wie ein hochwertiger trockner

Riesling mit einem zarten Hauch Grapefruit, und im Geschmack

vereint er Kraft und Feinheit auf geradezu ideale Weise. Obwohl

diese Scheurebe nur 12 Prozent Alkohol hat, ist ihr Nachhall ewig

lang. Wir sind alle fassungslos.

Die Veranstalter hatten von vornherein entschieden, auch

zum Abschluss keine edelsüßen Scheureben zu zeigen; das hätte

von diesen Überraschungen nur abgelenkt. Jeder am Tisch hat

schon mindestens einmal eine gute edelsüße Scheurebe erlebt,

aber keiner von uns – auch ich nicht – hatte je solch sensationell

gereiften trocknen Scheurebe- Weine im Glas. Die Verkostung hat

eine Diskussion entfacht, und ich bin sicher, dass in den nächsten

Monaten eine ganze Reihe junger Gewächse dieser Art auf den

Weinkarten der besten Weinbars und Restaurants von Berlin auftauchen

werden. Ich wage auch zu behaupten, dass Scheurebe

endlich aus dem Schatten des Sauvignon Blanc treten wird.

DAS ULTIMATIVE CHINA KOCHBUCH

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€ 25,00 (D)

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96 FINE 1 | 2018 DIE PIGOTT KOLUMNE


FRAUEN IM WEIN XXXIII

»WIR

HABEN

KEINE

ANGST

VOR

SÄURE«

Meike und Dörte Näkel

sind die Protagonistinnen

der neuen beschwingten

Ahr-Stilistik

Von RAINER SCHÄFER

Fotos CHRISTOF HERDT

Für Schwestern muss man sie nicht halten, dafür

bräuchte es reichlich Phantasie. Die eine, Meike Näkel,

Jahrgang 1980, ist blond und zierlich und zählt zu

einem Frauentyp, der dem Klischee nach gern in

Skandinavien verortet wird. Die andere, Dörte Näkel,

1982 geboren, ist dunkelhaarig, etwas größer und

kräftiger. Und momentan auch ziemlich rund. Sie ist

schwanger. »Verwechselt hat man uns noch nie«, sagt

sie. »Wir könnten kaum unterschiedlicher sein im

Aussehen und im Charakter.« Die beiden liegen nicht

immer auf derselben Wellenlänge und teilen auch

längst nicht jede Meinung. Aber sie ergänzen sich gut

in ihrer Unterschiedlichkeit und führen als Doppelspitze

erfolgreich das Weingut Meyer-Näkel in Dernau.

Denn im entscheidenden Punkt sind sie sich einig: wie

ihr Wein zu schmecken hat. Mit ihren präzisen und

spannungsreichen Spätburgundern prägen Meike und

Dörte Näkel die neue Rotwein-Stilistik an der Ahr und

zählen damit auch international zu den anerkannten

Erzeugerinnen.

Gemächlich tuckert der Regionalzug durch das enge

Tal, immer an der Ahr entlang. Der Fluss schlängelt

sich durch eine dramatisch wildromantische Berglandschaft

mit zerklüfteten Schieferwänden, die senkrecht nach

oben ragen – sie könnte Kulisse sein für Filme mit Helden

und großen Gefühlen. Winterruhe hat sich übers Land gelegt,

nur in den halsbrecherischen Steilhängen werden Trockenmauern

repariert und erneuert. Wie Spielzeugfiguren wirken

die Winzer in diesem kolossalen, übereinander geschichteten

Naturkunstwerk aus Fels, Mauern und Reben. Am Bahnhof in

Dernau und auch an einigen Häusern im Dorf wehen Fahnen

des 1. FC Köln stolz im Wind; schon da wird offensichtlich, dass

es sich um einen eigenwilligen Landstrich handeln muss: Wo

andere resigniert und verschämt die Fahnen des abgeschlagenen

Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga eingerollt hätten, sagt

man hier: Jetzt erst recht. Ganz in der Nähe der katholischen

114 FINE 1 | 2018 FRAUEN IM WEIN FRAUEN IM WEIN FINE 1 | 2018 115


VINOTHEKEN [1]

ONLINE-PIONIER:

SILKES WEINKELLER

Der deutsche Online-Weinhändler Silkes Weinkeller wird zwanzig Jahre alt. Schon 1998, als das

Internet noch langsam, teuer und kompliziert war, bot das Gründerehepaar Silke und Wolfgang

Spruch auf seiner Website Wein an. Heute gehört das Unternehmen zum Medienkonzern Burda.

Ein Start-up mit Familienanschluss ist es geblieben.

mit rasender Geschwindigkeit. Schon wenige Jahre später

hatten sich die beiden einen Ruf als zuverlässige und günstige

Einkaufs quelle für spanische Weine erworben. Also mieteten

sie in der Nähe einige Garagen als Lager und packten Kisten

in der Küche. Silke Spruch ging nicht mehr ins Kranken haus,

sondern an den PC oder in den bis zur Decke mit Wein kisten

gefüllten Keller. Ihre drei Söhne und die Großmutter halfen

beim Packen.

Bald vertrieben sie Weine der spanischen Top-Güter Ygay und

Marqués de Murrieta sowie weiterer bekannter Betriebe exklusiv

in Deutschland. Zudem kam Vega Sicilia ins Programm,

ebenso der Pingus von Peter Sisseck und viele weitere berühmte

Weine. »Wolfgang Spruch hat sich im Winter manchmal fast

die Füße abgefroren, weil er in einer eiskalten Garage stundenlang

auf einen Speditionslaster wartete, der im Stau steckte«,

erzählt John-Philip Kautsch. Seit 2015 führt der Geisenheim-

Absolvent gemeinsam mit der Betriebswirtin Elena Vollmer

die Geschäfte des auf fünfundvierzig Mitarbeiter gewachsenen

Unternehmens.

Nach fünf Jahren zwischen Wein und Bergbau gab 2003

auch Wolfgang Spruch seinen Job als Ingenieur auf. Er

und seine Frau gründeten die Silkes Weinkeller GmbH

und mieteten im Industriegebiet eine Logistikhalle. Seither

gehören sie zu den großen Online-Weinhändlern in Deutschland.

Doch zum zwanzigsten Geburtstag ist nicht nur die damalige

Adresse internetoase.de Vergangenheit: 2013 kaufte Burda

direct, eine Tochter des Münchner Medienkonzerns Hubert

Burda Media, 74,9 Prozent an Silkes Weinkeller, und ein Jahr

später auch die restlichen 21,1 Prozent. Das Ehepaar Spruch

zog sich aus dem Unternehmen zurück. Nun entwickeln sie

im Priorat gemeinsam mit dem renommierten Önologen Salus

Alvarez das Spitzenwein-Projekt Terroir X aus einer Lage mit

hundertzwanzig Jahre alten Rebstöcken. In Deutschland ist

der Wein, wo sonst, bei Silkes Weinkeller zu haben.

»Wir sind einerseits ein klassisches Start-up, andererseits ein

echtes Familienunternehmen. Wir optimieren unseren Shop,

verbessern die Benutzerführung und das Auffinden bei Google,

Mutiges Geschäftsmodell: Seit 2013 tragen Elena Vollmer

und John-Philip Kautsch die Verantwortung für Silkes

Weinkeller. In Stoß zeiten, wenn an die tausend Kisten pro

Tag zu packen sind, legen sie selbst mit Hand an.

Das Unternehmen, vor zwanzig Jahren von Silke und

Wolfgang Spruch als Start-up gegründet, zählt heute zu

den führenden Online-Händlern für Premium-Weine.

vereinfachen Prozesse und arbeiten an neuen Ideen. Inzwischen

führen wir dreizehnhundert Weine, in jedem Jahr kommen

zweihundert neue hinzu. Und noch immer bestellen die ersten

Kunden aus dem Jahr 1998 bei uns. Manche rufen sogar an,

weil sie ihre Order nur bei einer ganz bestimmten Mit arbeiterin

aufgeben wollen, die sie seit Jahren kennen«, erzählt Elena

Vollmer. »Im ersten Jahr habe ich hier als Interims managerin

gearbeitet. Meine Aufgabe war es, die Entscheidungskultur

eines Familienunternehmens mit der eines Medienkonzerns

zusammenzubringen.«

Es hat funktioniert: Das sympathische junge Führungsduo

trägt nun die Verantwortung. Kurz nach ihrem Start stellten

Elena Vollmer und John-Philip Kautsch auch den Namen

silkes- weinkeller.de zur Disposition: Er steht in scharfem Kontrast

zu den Silbenkombinationen mit Wein-Assoziation der

Wettbewerber wie Belvini, Vicampo, Hawesko oder Ebrosia.

»Der Name wirkt im E-Commerce ein wenig befremdlich, aber

er vermittelt Wärme. Zudem wird er durch eine authentische

Geschichte getragen – den Weinkeller von Silke Spruch gab

es schließlich. Wir haben mit dem Team diskutiert, mit Kunden

gesprochen und beschlossen: Er wird nicht geändert.«

Mit dem Start von Elena Vollmer und John-Philip Kautsch

stand zugleich ein Umzug an. Die Halle in Velbert war für das

steile Wachstum zu klein geworden. Nach langer Suche zog

Silkes Weinkeller ins einige Kilometer entfernte Mettmann. Auf

dem Areal der einstigen Fabrik für Gold-Zack- Gummibänder

Von UWE KAUSS

Fotos CHRISTOF HERDT

Vor zwanzig Jahren war das Internet noch eine elitäre

Angelegenheit. Nur etwa sechseinhalb Millionen

Deutsche hatten Zugang zum weltweiten Netz über

ein Modem oder eine ISDN-Verbindung. Dazu musste das

richtige Kabel in der Telefondose stecken, an WLAN dachte

damals noch niemand. Die Datenrate lag bei unvorstellbar

langsamen sechsundfünfzig Kilobit per Modem oder vierundsechzig

Kilobit per ISDN – heute surft man in den Großstädten

und Ballungs räumen mit sechzig Megabit, der fast

tausendfachen Geschwindigkeit. Und: Das Surfen kostete

1998 nach mehreren Preissenkungen bei T-Online ab einundzwanzig

Uhr noch sechs Pfennige pro Minute, zuvor hatten

die Internet-Nutzer dreißig Pfennige gezahlt. Die Gründer des

heute markt beherrschenden Internet-Weltkonzerns Alphabet

aus dem Silicon Valley, Larry Page und Sergey Brin, starteten

1998 ihre Firma mit der Betaversion einer Suchmaschine. Sie

nannten sie Google.

Das Bestellen im Internet war eine Spielwiese für Freaks und

Neugierige. Nur drei Prozent aller deutschen Händler pflegten

1998 eine Website, die seltenen Online-Shopping- Angebote

wurden bestaunt und waren auf Bücher, Kleidung, Schuhe,

Hotel- und Flugbuchungen beschränkt. Der Umsatz mit Wein

lag nahe Null. Doch in jenem Jahr entwickelte das Ehepaar Silke

und Wolfgang Spruch aus Velbert bei Wuppertal ein mutiges

Geschäftsmodell: Der Bergbau-Ingenieur und die Krankenschwester

starteten in ihrem Wohnzimmer die »Internet-Oase«.

Unter der Adresse internetoase.de boten sie Elektronik an –

und dazu selbst importierten Wein, zunächst aus Frankreich.

Die Weinliebhaber hatten mit Freunden Sammelbestellungen

organisiert und ihnen die jeweils passenden Flaschen empfohlen.

Dann kam das Internet.

Das Paar gehört damit zu den deutschen Pionieren des

Online-Weinhandels. Das Geschäft mit Elektronik schleppte

sich dahin, doch der Internet-Weinverkauf entwickelte sich

124 FINE 1 | 2018 DEUTSCHLANDS VINOTHEKEN DEUTSCHLANDS VINOTHEKEN FINE 1 | 2018 125


KONTROLLIERTES

NICHTSTUN

DAS AUSNAHMEWEINGUT ZIEREISEN

STELLT SICH GEGEN DEN STROM

In dem spärlich beleuchteten kleinen Gewölbekeller unter dem Gutsgebäude

scheint die Zeit stillzustehen: die Wände schwarz vom Keller­

Pilz, das Kopfsteinpflaster alt und holprig. Hier ruhen die jahrhundertealten

Holzfässer des Weinguts Ziereisen im badischen Efringen­Kirchen.

In diesem Keller, einem der schönsten und am besten erhaltenen der

Region, reifen Weine mit Tiefgang, Charakter und einem erstaunlichen

Potential, das man in Baden und weit darüber hinaus nur selten findet.

Von KRISTINE BÄDER

Fotos ALEX HABERMEHL

136 FINE 1 | 2018 BADEN BADEN FINE 1 | 2018 137


FINEABGANG

WEINGUT

EMIL BAUER

& SÖHNE

ANSPORN UND ANSPRUCH

Sie werden es schon im Editorial gelesen haben: FINE Das Weinmagazin

wird zehn Jahre alt! Dieses Jubiläum hat für mich eine ganz besondere

Bedeutung. Natürlich war es ein Risiko, im Jahr 2008 mit einem Weinmagazin

auf den Markt zu gehen: In den Vereinigten Staaten war die Immobilienblase

geplatzt, was sich als globale Wirtschaftskrise auch in Deutschland niederschlug.

Etablierte deutschsprachige Weinzeitschriften verschwanden vom Markt.

Wir hingegen waren überzeugt, dass die Zeit reif war für eine neue Art Weinjournalismus.

Nicht wenige sahen uns schon scheitern, bevor wir noch richtig

begonnen hatten.

Zehn Jahre später sind die Skeptiker verstummt, und der Erfolg gibt uns Recht.

FINE zählt heute zu den bedeutendsten und renommiertesten Weinmagazinen,

nicht nur im deutschsprachigem Raum. Diese Bilanz hat für mich auch eine ganz

persönliche Seite. Meine Leidenschaft für Wein wie für gut erzählte Geschichten

sind mir eine echte Herzensangelegenheit. Jede einzelne Ausgabe von FINE ist

Ausdruck dieser Passion, und es macht mich schon ein wenig stolz, dem eigenen

Anspruch immer treu geblieben zu sein.

Doch ohne Sie, liebe Leser, wäre das alles gar nicht möglich. Dass Sie die

Begeisterung für große Weine und guten Journalismus mit uns teilen, ist für uns

der schönste Ansporn. Dafür möchte ich Ihnen danken. Ihr Vertrauen in unsere

Arbeit soll auch in Zukunft mit vielen spannenden und einzigartigen Geschichten

aus der Welt der Weine belohnt werden. Wir freuen uns darauf!

Ralf Frenzel

Herausgeber

STARKES STUCK!

146 FINE 1 | 2018 ABGANG

Walsheimer Straße 18 · 76829 Landau-Nußdorf · Tel: 06341-61754 · E-mail: bauerwein@web.de · www.bauerwein.de

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