Mixology - Magazin für Barkultur 3-18
Für unsere neue Ausgabe haben wir Regensburg und seine schönen Bars besucht. Außerdem waren wir auf ein Glas in der schönen Bar von Gerhard Tsai. Sehr beschäftigt haben wir uns mit Whiskey Sour und Zuckersirup. Und verkostet haben wir Rhum Agricole und Bitter Lemon beim Mixology Taste Forum. Viel Vergnügen beim Lesen!
Für unsere neue Ausgabe haben wir Regensburg und seine schönen Bars besucht. Außerdem waren wir auf ein Glas in der schönen Bar von Gerhard Tsai. Sehr beschäftigt haben wir uns mit Whiskey Sour und Zuckersirup. Und verkostet haben wir Rhum Agricole und Bitter Lemon beim Mixology Taste Forum.
Viel Vergnügen beim Lesen!
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Rhum<br />
Agricole<br />
Was kann »der Andere«<br />
Rum? Ein Test<br />
Whiskey<br />
Sour<br />
Der Ewige.<br />
Der Vielfältige.<br />
Regensburg<br />
erwacht<br />
Die besten Bars der<br />
Domstadt<br />
3/20<strong>18</strong> —— 16. Jahrgang<br />
Einzelverkaufspreis: [D] 8,50 € — [A, LUX] 9,50 € — [CH] 10 CHF
APERITIF<br />
VEREHRTE LESER!<br />
Wie nähert man sich als Bar-<strong>Magazin</strong> im Jahre 20<strong>18</strong><br />
einem Drink wie dem Whiskey Sour? Schließlich<br />
müsste doch eigentlich alles gesagt sein zu diesem<br />
weltweit vielleicht bekanntesten klassischen Cocktail.<br />
Denn ich erlaube mir diese These: Der Dry<br />
Martini mag ikonischer sein, der Old Fashioned<br />
möglicherweise der Bartender-Liebling, die Margarita<br />
der massenstärkste Cocktail der USA – einen<br />
Whiskey Sour hingegen bekommt man im Prinzip<br />
wirklich in fast jeder sogenannten Bar rund um den<br />
Erdball.<br />
Die Frage könnte aber auch lauten: Warum nähert<br />
man sich als Bar-<strong>Magazin</strong> im Jahre 20<strong>18</strong> einem<br />
Drink wie dem Whiskey Sour? Und da wird es<br />
interessant. Weil es keine anderen Themen mehr,<br />
aber noch immer Seiten zu füllen gibt? Aus irgendeinem<br />
Back-to-the-roots-Gedanken? Weil sich der<br />
»Forschungsstand« geändert hat? Weil man damit<br />
ein Anzeigenumfeld generieren kann? Nein, das<br />
stimmt irgendwie alles nicht.<br />
Die Antwort, sie liegt nah: Weil sich ein Bar-<strong>Magazin</strong> einfach nach<br />
langer Zeit einmal wieder mit dem Whiskey Sour befassen muss!<br />
Denn tatsächlich ist der Whiskey Sour bis heute nicht einfach einer<br />
der wenigen wirklich kanonischen Drinks der klassischen Bar; er ist<br />
eine Referenz, und das in so viele Richtungen. Er ist und war <strong>für</strong> zahllose<br />
Menschen der erste Berührungspunkt mit echter Cocktailkultur.<br />
Ich habe es im Februar schon einmal an anderer Stelle geschrieben:<br />
Nur die wenigsten heutigen Bartender oder Connaisseure haben direkt<br />
mit einem Sazerac angefangen. Auch <strong>für</strong> mich selbst war der Whiskey<br />
Sour (wenn man zweifelhaften Scotch, eine halbe Zitrone, milchiges Eis<br />
und Kristallzucker im Jugendzimmer meines besten Schulfreundes als<br />
solchen bezeichnen darf) die erste Berührung mit einem klassischen<br />
Drink.<br />
Nils Wrage<br />
Chefredakteur<br />
Der Whiskey Sour ist einer jener Cocktails, mit<br />
denen Menschen eine Bar bei einem Erstbesuch<br />
testen. Denn noch immer kann man sich sicher<br />
sein: Eine Bar, die zufällig einen tollen Signature<br />
Drink mit einer abgefahrenen Sous-Vide- Infusion<br />
hinbekommt, beherrscht vielleicht auch einen<br />
Whiskey Sour. Serviert man mir aber irgendwo<br />
einen miesen Whiskey Sour, weiß ich, dass ich<br />
generell nicht viel zu erwarten habe. Denn ein<br />
Whiskey Sour ist zwar zugänglich, verzeiht aber<br />
keine Fehler. Es ist genau diese Erhabenheit in<br />
der Simplizität, die kaum einem anderen Drink<br />
innewohnt. Die Zutaten gibt es quasi überall. Der<br />
Whiskey Sour vereint im Prinzip alles, was die<br />
High-End-Bar ausmacht mit der absoluten, rustikalen<br />
Basis. Cowboyspirituose, Zitrone, Zucker. Niemand<br />
muss wissen, wo man Bitters, guten Wermut<br />
oder Absinth herbekommt. Auf diese Weise ist der<br />
Whiskey Sour auch zum großen Archetypus der<br />
Sour-Kategorie geworden, zum Synonym der wahrscheinlich<br />
langlebigsten Cocktailgattung.<br />
All diese Gründe haben uns dazu bewogen, diesen ganz besonderen<br />
Drink endlich einmal wieder ausgiebig zu würdigen. Unser Autor Stefan<br />
Adrian hat das in seiner ureigenen humorvollen Art getan und sich zur<br />
Erstellung eines historischen Zeitstrahls durch die Fachliteratur gewälzt.<br />
Und unser Fotograf Tim Klöcker hat – nach mehr als einem Jahr<br />
– endlich einmal wieder einen Drink auf unser Cover gesetzt. Und was<br />
<strong>für</strong> einen. Gerade jetzt, wo es warm wird, passt ein Whiskey Sour doch<br />
hervorragend. Und im Winter gilt das Gleiche.<br />
Viel Freude mit dieser Ausgabe!<br />
Nils Wrage<br />
DER LANGE WEG<br />
Eine Bartender-Karriere verläuft nicht ohne Hindernisse und Verlockungen. Sie ist ein komplexes<br />
Unterfangen, noch immer ist sie als echte Karriere im eigentlichen Wortsinn eher die Ausnahme<br />
als die Regel. Die Gründe da<strong>für</strong> sind vielschichtig, wie unser Autor Steffen Goubeaud in seiner<br />
detaillierten Analyse (ab S. 102) zu den Themen Recruitment und Ausbildung herausstellt. Doch eins<br />
ist eine Bartender-Karriere auch oft: spaßig und unterhaltsam wie ein Jump&Run-Spiel. Diesem<br />
Umstand hat der Berliner Illustrator Marius Rehmet aka VOJD mit der fantastischen Bildstrecke ein<br />
Gesicht gegeben. Wir wünschen viel Spaß dabei!<br />
Illustration: Marius Rehmet<br />
3
Bars & Menschen<br />
MIXOLOGY INTERN<br />
Die Redaktion und ihre Whiskey-Sour-Favoriten<br />
................................................................................ 6<br />
ZEHN<br />
American Whiskey: Zehn Themen und Fakten<br />
gegen das Halbwissen<br />
................................................................................ 8<br />
STADTGESCHICHTEN<br />
Regensburg auf dem Weg zum Bar-Kleinod<br />
.............................................................................. 22<br />
AUF EIN GLAS MIT …<br />
Gerhard Tsai im Wohnzimmer<br />
.............................................................................. 32<br />
NEUE BARS<br />
Mit Marian Krause ausrastern: »The Grid«<br />
.............................................................................. 36<br />
NACHTRAUSCHEN<br />
Nordnorwegisches Wirkungstrinken<br />
.............................................................................. 38<br />
TRINKWELT<br />
Portugal: Trinken mit Saudade und »Minis«<br />
.............................................................................. 70<br />
Flüssiges<br />
22 STADTGESCHICHTEN<br />
Klammheimlich hat sich im pittoresken Regensburg eine kleine, aber ernst zu<br />
nehmende Landschaft an Bars entwickelt. Damit zeigt sich einmal mehr, dass<br />
besonders im Süden der Republik hochwertige Bars keine Exklusivität der Großstädte<br />
mehr sind. Ein Rundgang um den Dom, im Gespräch mit den Machern und<br />
Gestaltern der Regensburger Nacht.<br />
MIXTUR<br />
Produktneuheiten im Bar-Universum<br />
.............................................................................. 10<br />
MEINUNG<br />
Drei Bartender über ihren liebsten Sherry<br />
.............................................................................. <strong>18</strong><br />
MADE IN GSA<br />
Frisches aus der Heimat<br />
.............................................................................. 20<br />
FOOD & DRINK<br />
Einmal Trockenfi sch, bitte!<br />
.............................................................................. 40<br />
TITEL<br />
Whiskey Sour: Standard, Heiliger, Chamäleon.<br />
Der große Überblick<br />
.............................................................................. 42<br />
ALCHEMIST<br />
»Simple Syrup«? Zuckersirup:<br />
Keine simple Angelegenheit<br />
.............................................................................. 52<br />
MIXOLOGY TASTE FORUM<br />
Rhum Agricole und Bitter Lemon unter der Lupe<br />
.............................................................................. 60<br />
FOUR OF A KIND<br />
Tawny Port 10 Years im Redaktions-Vergleich<br />
.............................................................................. 76<br />
BACK TO BASICS<br />
Das Ei an der Bar. Warum eigentlich? Und wie?<br />
.............................................................................. 78<br />
HOW TO COCKTAIL<br />
Gestatten, Adonis!<br />
.............................................................................. 86<br />
32 AUF EIN GLAS MIT…<br />
… Gerhard »Geri« Tsai. Der langjährige<br />
Motor und Initiator der heutigen<br />
Wiener Barszene im Gespräch über<br />
Simplizität, Eleganz, Hausschuhe in der<br />
Bar und darüber, warum auch ein guter<br />
Gastgeber sich den Stolz vorbehalten<br />
sollte, einfach mal »nein« zu sagen.<br />
52 ALCHEMIST<br />
Die Sache mit dem Zuckersirup ist der<br />
klassische Fall vom Teufel im Detail.<br />
Einerseits ist er eine simple Grundlage<br />
so vieler Rezepte – gleichzeitig aber<br />
steckt allein im Zuckersirup so Vieles,<br />
was zu beachten ist und den fertigen<br />
Cocktail mitbestimmt. Reinhard<br />
Pohorec geht den vielen Varianten<br />
und ihren Vorteilen handwerklich auf<br />
den Grund.<br />
4
60 MIXOLOGY TASTE FORUM<br />
Bis heute ist Rhum Agricole irgendwie<br />
»der andere«, wenn es um Zuckerrohrdestillate<br />
geht. Das zeigt allein sein<br />
Name, der einen Zusatz trägt. Dabei hält<br />
der Brand mit französischer Tradition<br />
Aromenschätze bereit, die sich vor dem<br />
großen Bruder aus Melasse nicht verstecken<br />
braucht. Das <strong>Mixology</strong> Taste<br />
Forum testet die Basis-Kategorie:<br />
Rhum Agricole Blanc.<br />
WHISK(E)Y NEWS<br />
Neuheiten rund um Roggen, Mais und Torf<br />
.............................................................................. 88<br />
BIER<br />
Eigentlich ist Cider gar kein Bier, er wird aber<br />
meistens so verkauft. Eine Einführung<br />
.............................................................................. 90<br />
BIERNOTIZEN<br />
Peter Eichhorn mit aktuellsten Hopfigkeiten<br />
.............................................................................. 94<br />
KLIMEKS KAUFBEFEHL<br />
Gefangen zwischen Rosa, Blau und Gelbem Muskateller<br />
.............................................................................. 96<br />
KAFFEE<br />
Die ganze Kaffeebohne als Drink-Zutat. Der Leitfaden<br />
.............................................................................. 98<br />
KAFFEENOTIZEN<br />
Innovatives aus dem Kaffeekosmos<br />
........................................................................... 100<br />
42 TITEL<br />
Whiskey Sours wurden<br />
und werden immer getrunken.<br />
Und sie werden<br />
auch in Zukunft getrunken<br />
werden. Kaum ein<br />
Cocktail steht so sehr <strong>für</strong><br />
eine komplette Kategorie,<br />
er symbolisiert gleichzeitig<br />
den unheimlichen<br />
Variantenreichtum, der in<br />
der Beschränkung liegt.<br />
Unser Autor verfolgt den<br />
Drink zurück zu seinen<br />
Ursprüngen und huldigt<br />
dem Whiskey Sour mit<br />
einer Ahnengalerie von<br />
damals bis heute.<br />
Wirtschaft & Kultur<br />
BUSINESS<br />
Ausbildung & Recruitment: Zwei große Zukunftsthemen<br />
der Bar<br />
........................................................................... 102<br />
GLOBAL PLAYER<br />
Sherry boomt – im Kleinen. Doch er schrumpft.<br />
Gründe und Lösungen<br />
........................................................................... 108<br />
DIE FLASCHE IN ZAHLEN<br />
Slyrs Bavarian Single Malt Whisky<br />
........................................................................... 111<br />
TIEFENRAUSCH<br />
Wolfgang Hilbig: das asoziale Asche-Genie der<br />
deutschen Literatur<br />
........................................................................... 112<br />
HOMEBAR<br />
Nicht ohne meinen Tumbler!<br />
........................................................................... 114<br />
MUSIK<br />
Lizz Wright hat »Grace«<br />
........................................................................... 116<br />
ESSENTIAL CULTURE<br />
Les- & Hörbares zur Drinkbegleitung<br />
........................................................................... 1<strong>18</strong><br />
36 NEUE BARS<br />
Marian Krause gehört zu den vielen<br />
Alumni des Kölner Bar-Impresarios<br />
Dominique Simon. Nun eröffnet<br />
Krause seine erste eigene Bar, das<br />
ambitionierte »The Grid«. Mit<br />
dabei: Zwei alte Weggefährten und<br />
ein gesunder Blick auf aktuelle<br />
Bar-Realitäten. Ein Bericht von<br />
der fast fertigen Baustelle.<br />
Rubriken<br />
VERANSTALTUNGEN & WETTBEWERBE<br />
Was ist passiert? Was kommt? Der Überblick<br />
........................................................................... 120<br />
MIXOLOGY IM DIREKTVERKAUF<br />
........................................................................... 127<br />
IMPRESSUM & KOMMENDE THEMEN<br />
........................................................................... 128<br />
5
22
STADTGESCHICHTEN<br />
REGENSBURG<br />
REGT SICH<br />
Text Stefan Adrian<br />
Beobachtungen am Breitengrad, alte Gemäuer in neuem<br />
Gewand und ein nahtloser Übergang zwischen drinnen und<br />
draußen: zu Besuch in Regensburg.<br />
Es tut sich was am »Idiotenkreisel«. So nennen Einheimische in Regensburg<br />
die kurvige Passage vom Domplatz über den Krauterermarkt<br />
und – wie der Name schon sagt – um das sakrale Wahrzeichen herum.<br />
Denn an diesem Kreisel drückt der Typ Mensch, der sein Dasein an<br />
einen aggressiv klingenden Auspuff gekoppelt hat, besonders gern aufs<br />
Gaspedal, und besonders an diesem Wochenende: Es ist das erste Frühlingswochenende<br />
im Jahr, das sich auch aufgrund der Temperaturen so<br />
nennen darf.<br />
Die Sonne streichelt warm über die Pflastersteine, Jacken hängen<br />
über Stuhllehnen, in Sonnenbrillen spiegeln sich die unzähligen Eisbecher,<br />
die aus den Gastronomien an die zahlreichen Außenbestuhlungen<br />
getragen werden. Was auch immer der Grund sein mag, warum sich bayerische<br />
Städte gerne einen Wettstreit um den Zusatz »nördlichste Stadt<br />
Italiens« liefern, Regensburg (Breitengrad 12’096890) hat definitiv ein<br />
Ass im Ärmel gegen München (11’581981). Schier hinter jedem zweiten<br />
Gässchen der oberpfälzischen Kleinstadt öffnet sich ein adretter Platz,<br />
mal mit Springbrunnen, mal nicht, aber auf jeden Fall mit Menschen,<br />
die ein Bad in der Sonne und der Menge nehmen. Auf nicht wenigen Tischen<br />
und in nicht wenigen Händen glänzt einschlägiges Aperolorange.<br />
Foto: Andreas Fuchs<br />
23
Die wunderbare Welt der Schwerkraft<br />
Aber wenn schon keine Prohibitionsdrinks, dann »Prohipunks«. Das ist<br />
die erste Assoziation, die man hat, wenn man die Wunderbar betritt.<br />
Drei Gäste befinden sich im Raum, sie schreien sich eher an, als dass sie<br />
miteinander sprechen. Aus den Boxen dröhnen Punk und Hardcore,<br />
der im Gegensatz steht zu den Krawatten und der distinguierten Art<br />
der Bartender.<br />
Die Wunderbar wurde 1988 eröffnet, »tatsächlich auch mit Drinks aus<br />
dem Schumann’s«, erzählt Martin Stein. Er hat die Bar vor zwei Jahren<br />
übernommen, »weil ich wollte, dass ein Ort wie die Wunderbar in<br />
Regensburg weiterbesteht«. Soll heißen: eine mit Subkultur und günstigem<br />
Bier, aber eben auch mit anspruchsvollen Drinks. Am ersten Tag<br />
der Pacht wurde er vom Motorrad gefahren, in den zwei Monaten Reha<br />
kam es zur Frage, ob er »überhaupt noch mal hochkommen werde«. Der<br />
passionierte Hutträger tat es und auch die Bar, in der es neben Klassikern<br />
wie Sazerac, Gibson und Manhattan auch Cocktails wie einen<br />
»Hauzenberger Gwasch« aus Blutwurz, Limette, Apfelsaft, Triple Sec,<br />
Blue Curaçao, Ginger Beer und Basilikum gibt.<br />
Wunderbar<br />
Keplerstraße 11, 93047 Regensburg<br />
+49 941 9922 8826<br />
— facebook.com/wunderbarregensburg<br />
Schöne Dinge & Orte<br />
Tom’s Kuchenbar<br />
Kaffee und Kuchen <strong>für</strong> den Tag<br />
danach oder den Abend zuvor.<br />
Am Protzenweiher 1<br />
93059 Regensburg<br />
Coloneum –<br />
Biedermeier & Art-Déco<br />
Wunderbarer Vintage-Laden, der<br />
eigentlich sofort als Bar loslegen könnte.<br />
Watmarkt 3<br />
93047 Regensburg<br />
Storstad Restaurant<br />
Das Sternerestaurant von Anton Schmaus,<br />
das neben vorzüglicher Küche mit einer<br />
imposanten Skyline glänzt.<br />
Watmarkt 5<br />
93047 Regensburg<br />
Marple & Stringer<br />
Am belebten Bismarckplatz wird hier am<br />
Wochenende englisches Frühstück serviert,<br />
abends unter der Woche Sandwiches und<br />
Cocktails.<br />
Bismarckplatz 4<br />
93047 Regensburg<br />
Pura Vida Regensburg<br />
Oliver Gassner serviert eine abenteuerliche<br />
Mischung aus kolumbianischem Kaffee<br />
und österreischischem Bio-Wein.<br />
Gesandtenstraße 17<br />
93047 Regensburg<br />
document Schnupftabakfabrik<br />
Auf zwei Etagen mit einer Gesamtfl äche von<br />
230 m² wird ein authentischer Eindruck der<br />
historischen Tabakherstellung vermittelt.<br />
Gesandtenstraße 5<br />
93047 Regensburg<br />
Foto: Gag Kögl<br />
Rough Riders<br />
Als klein, aber fein bezeichnet sich der<br />
Denim Store. Und das trifft es ganz genau.<br />
Obere Bachgasse 14<br />
93047 Regensburg<br />
Gibt es in sehr vielen deutschen Städten, warum also nicht in Regensburg: eine WunderBar<br />
30<br />
Stadtgeschichten — Regensburg
Der Hausherr selbst trinkt einen Last Word, und sich nur wenige Worte<br />
mit ihm zu unterhalten heißt Bayern zu verstehen; dieses andere<br />
Bayern, das aus Wortwitz, Selbstironie und einem angeborenen Drang<br />
gegen Obrigkeit besteht. Stein, der mit seinem »komatös ruhenden«<br />
Buchverlag das Werk des US-Underground-Autoren Richard Brautigan<br />
verlegt, sammelt leidenschaftlich gerne alte Cocktailbücher. Er präsentiert<br />
seine neueste Ersteigerung, Giggle Water von Charles S. Warnock,<br />
1928 erschienen. Die Bar füllt sich indes, und obwohl es auf zwei Uhr<br />
zugeht, wollen immer mehr herein. Die Erklärung: Aufgrund ihrer Historie<br />
muss die Wunderbar nicht um zwei Uhr morgens schließen, hat sozusagen<br />
eine kleine Traditionssondergenehmigung, und der eine Euro,<br />
den Stein als Solidaritätseintritt verlangt, schreckt niemanden ab. »Mir<br />
san a Spätkneip’n, ham aber scho a bisserl was drauf«, um es im O-Ton<br />
des Hausherrn zu sagen.<br />
Zwei der Neuankömmlinge klopfen ihm auf die Schulter, worauf einige<br />
Tropfen des Last Word auf dem Cover der historischen Originalausgabe<br />
landen. Für einen kurzen Augenblick betrachtet Stein das feuchte<br />
Cover. »Na, wenigstens Alkohol!«<br />
Sagt's und wischt die Tropfen mit der Hand hinfort in die Regensburger<br />
Nacht …<br />
__<br />
Bars<br />
Bar Barock<br />
Krauterermarkt 2<br />
Eingang: Watmarkt 10<br />
93047 Regensburg<br />
— barock-bar.com<br />
Bar Palletti<br />
Pustetpassage<br />
Gesandtenstraße 6<br />
93047 Regensburg<br />
— facebook.com/<br />
pallettibar<br />
Birretta<br />
Bier Bar<br />
Ostengasse 13<br />
93047 Regensburg<br />
— birretta-bierbar.de<br />
Degginger<br />
Kaffee- und<br />
<strong>Barkultur</strong><br />
Wahlenstraße 17<br />
93047 Regensburg<br />
— facebook.com/das.<br />
degginger<br />
Ka5per<br />
Hinter der Grieb 5<br />
93047 Regensburg<br />
— ka5per.de<br />
Meyer Lansky<br />
Obermünsterstraße 19<br />
93047 Regensburg<br />
— facebook.com/<br />
meyerlanskyrgb<br />
Sticky Fingers<br />
Untere Bachgasse 9<br />
93047 Regensburg<br />
— stickyfi ngers.<br />
restaurant<br />
Wunderbar<br />
Keplerstraße 11<br />
93047 Regensburg<br />
— facebook.com/<br />
wunderbarregensburg<br />
Professionelle Spültechnik<br />
Frische Ideen – nachhaltige Impulse!<br />
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AUF EIN GLAS MIT … GERHARD TSAI<br />
»DAS IST BEI UNS<br />
NICHT DRIN!«<br />
32<br />
Foto: Constantin Falk
Etwas über drei Jahre gibt<br />
es die Wiener »Tür 7« nun.<br />
Josefstadt-Fan Gerhard<br />
»Geri« Tsai prägt Wiens<br />
Szene allerdings schon länger<br />
– etwa im »Planter’s« oder im<br />
»Scotch Club«. Warum sein<br />
Cocktail-Wohnzimmer ohne<br />
Karte gut funktioniert, erzählt<br />
er bei einem Daiquiri.<br />
Interview & Text Roland Graf<br />
Wir sind früh dran, doch eigentlich ist es wie<br />
immer in der Buchfeldgasse: Man läutet am<br />
kleinen Klingelknopf neben dem Hotel Graf<br />
Stadion und »Geri« öffnet die Tür. Er nimmt<br />
einem die Garderobe ab und bringt den Gast<br />
dann an seinen Platz. Nur dass der diesmal gar<br />
keinen Drink will (okay, am Ende des Gesprächs<br />
waren es dann sogar drei), sondern heute vom<br />
Hausherrn der »Tür 7« wissen möchte, was er<br />
denn gerade so trinkt.<br />
<strong>Mixology</strong>: Lieber Geri, was wird es denn<br />
werden? Diesmal steht ja nicht die Vorliebe<br />
des Gastes am Beginn, sondern deine?<br />
Gerhard Tsai: Ich mache einen Daiquiri<br />
natural. Den mag ich persönlich und er passt<br />
ja auch perfekt zur Jahreszeit.<br />
Welches Verhältnis bevorzugst du da?<br />
Für mich steht der Drink unter dem Motto<br />
»alt, aber frisch«, daher ist <strong>für</strong> mich 6 : 3 : 1,5<br />
genau richtig. Da kann man die Frische schön<br />
rausspüren.<br />
Wird er auch oft bestellt in der Bar?<br />
Du weißt ja, dass wir ohne Karte arbeiten.<br />
Wenn dann jemand kommt, der sagt, er will<br />
etwas Frisches, bieten sich als erstes Rum<br />
und Gin an. Da startet dann das Frage-und-<br />
Antwort-Spiel mit dem Gast. Für manche ist<br />
der Daiquiri zu simpel, da habe ich dann was<br />
anderes. Wenn er aber mit einem Klassiker<br />
beginnen will, dann gerne!<br />
Wie weißt du im Vorhinein, wie viel er<br />
überhaupt trinken will – das ist ja speziell<br />
bei euch fast dramaturgisch notwendig?<br />
Man kann das nebenbei erwähnen mit Fragen<br />
wie »In welche Richtung soll es gehen?«.<br />
Wenn wir mit einer Eigenkreation beginnen,<br />
dann mache ich gern als zweiten Drink einen<br />
Klassiker. Da sieht der Gast, dass wir nicht nur<br />
unsere eigenen Rezepte können, sondern auch<br />
die großen, klassischen Standards. Und dann<br />
spielt noch Süße oder Säure eine Rolle. Daher<br />
ist diese Frage-Antwort-Sache wichtig: Man<br />
muss die Bedürfnisse heraushören können.<br />
Manchmal braucht man ja gar nicht zu viel<br />
Zauberei hineinbringen. Wenn das ein Purist<br />
ist, wird er auch mit einem Longdrink glücklich.<br />
Und gegen einen guten Gin & Tonic habe<br />
ich nichts.<br />
Womit natürlich die Frage folgen muss:<br />
Was ist ein guter G & T?<br />
Wir haben bei uns nur ein Tonic, das heißt,<br />
der Gin muss hier viel leisten. Er soll blumig,<br />
zitral, fruchtig oder aber herb und kräutrig<br />
sein. Wir sind bei schottischen Gins sehr gut<br />
aufgestellt. Sagt dann der Gast »Es war ein<br />
geiler Gin & Tonic«, dann haben wir in der<br />
Kunst Erfolg gehabt, genau das zu bringen,<br />
auf das er gewartet hat. Da spielt aber auch die<br />
Situation eine Rolle. Merke ich, dass der Gast<br />
eher in Richtung Longdrink tendiert, sollte es<br />
schneller gehen, und dann kann der einfache<br />
Drink mit seiner spannenden Geschichte aus<br />
Schottland gut funktionieren.<br />
Apropos funktionieren: Hat sich schon einmal<br />
jemand beschwert, weil es keine Karte gibt?<br />
Na ja, Karten haben wir ja: Hinter jedem<br />
der Fotos auf unserer Pinnwand finden sich<br />
Spirituosen. Das Ganze auf Bildern, die alle<br />
den Bezirk Josefstadt zeigen, etwa die Maria<br />
Treu Kirche. Aber da stehen keine Cocktails.<br />
Und hier bin ich der Meinung: Ohne Karte zu<br />
arbeiten bringt dem Gast extrem viel. Du gibst<br />
Die Person<br />
Das Speakeasy-Stadium hat Gerhard Tsai<br />
nach vielen Stationen in Wiens Barszene<br />
übersprungen: Die »Tür 7« ist ein Wohnzimmer,<br />
in dem es leise zugeht und ohne<br />
Karte gemixt wird. Sogar Hausschuhe<br />
stehen bereit, um den Gast sanft in die<br />
Nacht gleiten zu lassen. Der dreifache<br />
Familienvater begründete 2010 auch die<br />
Vienna Bar Community mit.<br />
ihm die Möglichkeit zu entscheiden, was er<br />
will, aber gleichzeitig ist es sehr leicht, etwas zu<br />
empfehlen. Ansonsten greift er in einer Bar ja<br />
in seiner Unsicherheit oft genug erst zu einem<br />
Klassiker. Allerdings: Nur mit der begrenzten<br />
Gästezahl bei uns ist so ein Arbeiten möglich.<br />
Wie wichtig ist dieser Bezug zur Josefstadt,<br />
in der du ja wohnst und arbeitest?<br />
Wenn du hier wohnst und etwa die Postkarten<br />
siehst, dann fühlst du dich vielleicht noch einen<br />
Tick wohler bei uns. Ich bin ja nicht nur<br />
der »Wirt ums Eck«, sondern <strong>für</strong> viele auch<br />
der Nachbar. Das hat dann schon Dorf-Bar-<br />
Charakter. Du siehst Leute am Morgen, wenn<br />
die Kinder in den Kindergarten gebracht werden,<br />
und dann am Abend wieder als Gast. Es<br />
gibt nahezu jeden Abend Gäste, die um die<br />
Ecke wohnen. Aber auch viele andere, die reinkommen,<br />
sehen sich als Nachbarn. Schließlich<br />
kommt man bei uns schnell ins Gespräch. Alles<br />
ist gemütlich und reduziert, auch allein traut<br />
man sich eine Runde anzusprechen oder wird<br />
umgekehrt was gefragt. Das liegt aber auch am<br />
Gästeschnitt, der bei 30 bis 40 Jahren liegt, da<br />
hat man weniger Scheu als in jüngeren Jahren.<br />
Die räumliche Nähe zur Bar hat ja nicht nur<br />
Vorteile, wie siehst du das als dreifacher Vater<br />
unter dem Aspekt der »work-life-balance«?<br />
Ich glaube, dass das sehr stark eine Einstellungssache<br />
ist. In Summe bringt die Nähe mehr<br />
Annehmlichkeiten als Unannehmlichkeiten.<br />
Lass es mich so sagen: Je unabkömmlicher<br />
man sich macht, desto näher sollte man an der<br />
Bar wohnen. Es liegt aber in meiner Verantwortung,<br />
Mitarbeiter so stark zu machen, dass<br />
sie selbst entscheiden können und dich nicht<br />
ständig anrufen. Da müsste ich dann auch<br />
mein Management hinterfragen.<br />
33
COCKTAIL<br />
SO WAS<br />
VON SOUR!<br />
Text Stefan Adrian<br />
Fotos Tim Klöcker<br />
Eine Bar ohne Martini und Manhattan ist undenkbar. Aber<br />
eine Bar ohne Whiskey Sour ist unmöglich. Bis heute bleibt<br />
der Dreiteiler der vielleicht beliebteste Gradmesser <strong>für</strong> die<br />
Qualität einer Bar. Ein Blick in die Ahnenreihe dieses Zentralgestirns.<br />
Und in die Zukunft, die längst begonnen hat.<br />
42
Whiskey Sour im Heute: Nach Christian Gentemann,<br />
Klaus St. Rainer und der »Penicillin« von Sam Ross (v.l.n.r.)
»Ich weiß nicht, wie viele Whiskey Sours wir<br />
an einem Wochenende absetzen. Ich sage<br />
aber mal so: Es vergeht kein Abend, an dem<br />
wir keinen Whiskey Sour verkaufen.«<br />
Das sagt nicht irgendein Wirt auf dem Ballermann, sondern<br />
Klaus St. Rainer. Seine Goldene Bar in München ist eine der<br />
führenden Bars des Landes, honoriert, dekoriert und frequentiert.<br />
Ort des Lebensgefühls namens Screw Crew, zu dem ein nimmermüder<br />
Quell der Innovation zählt. Als diese geht der Whiskey<br />
Sour mit Sicherheit nicht mehr durch, die Aussage von Klaus<br />
St. Rainer verdeutlicht aber eines: Obacht davor, den Whiskey<br />
Sour zu schmähen!<br />
Zeig mir deinen Sour, und ich sag dir …<br />
Schließlich verlangt der Gigant, auf den Barkarten landauf, landab<br />
als Standard vorausgesetzt, vielen heute wenig mehr ab als ein<br />
müdes Lächeln. Der Drink ist die größte Selbstverständlichkeit<br />
der Bar, ein grauer Riese aus einer Zeit, als die Präsenz einer<br />
Videothek an der Ecke noch so selbstverständlich war wie jene<br />
von Thomas Gottschalk im Fernsehen. In dieser Zeit schob der<br />
Drink, den David Wondrich als »das Fried-Egg-Sandwich der<br />
amerikanischen Mixologie« bezeichnet, die Bar-Renaissance gewaltig<br />
an; im jungen, neuen Millennium waren es Twists auf den<br />
Whiskey Sour wie etwa der »Penicillin« von Sam Ross, die in<br />
den internationalen Barkanon aufstiegen. Heute ist der Lack am<br />
Klassiker einigermaßen ab. Whiskey Sour? Schulterzucken. Pour<br />
that Motherfucker und raus damit! Keine große Herausforderung,<br />
geschweige denn Kunst. Aber: Obacht davor, den Whiskey Sour<br />
zu schmähen!<br />
»Der Drink sagt schon einiges über die Einstellung einer Bar und<br />
die Definition ihres Süß-sauer-Spiels aus. In diesem Sinne ist er<br />
nach wie vor der Referenzdrink schlechthin«, umschreibt Klaus<br />
St. Rainer weiter.<br />
Und als Referenzdrink haben auch die meisten Bars ihre persönliche<br />
Whiskey-Sour-Version im Ärmel. So natürlich auch in der<br />
Goldenen Bar im Haus der Kunst. »Unsere Version sind 5 cl American<br />
Whiskey, 3 cl Zitronensaft und 2 cl ›Triple Zucker‹. Letzteres<br />
ist eine Hausmischung aus Agavendicksaft, Runny Honey und<br />
Läuterzucker zu gleichen Teilen«, beschreibt Rainer. »Zusätzlich<br />
gebe ich gerne ein wenig frische Orange in den Shaker. So ein<br />
›Orangenpopo‹ gibt die perfekte Menge da<strong>für</strong> her, und als Deko<br />
kannst du ihn auch nicht mehr verwenden. Serviert wird unser<br />
Whiskey Sour im Tumbler auf Eis.«<br />
Von links nach rechts: Varianten nach <strong>18</strong>91, 1906 und <strong>18</strong>62 (s. S. 46)<br />
Vom Punch zum Shortdrink<br />
Womit wir bei einer Frage wären, die das Whiskey-Sour-Lager gewissermaßen<br />
teilt: den Drink auf Eis oder straight-up servieren?<br />
Eine Frage, die uns in den »DeLorean« klettern und das Jahr <strong>18</strong>62<br />
in das Motherboard des Fluxkompensators drücken lässt.<br />
Dort treffen wir auf einen fülligen Herrn mit wuchtigem Schnauzer,<br />
der als junger Mann am kalifornischen Goldrausch teilnahm,<br />
dort aber bereits nach kurzer Zeit festgestellt hatte, dass ihm das<br />
mühsame Schürfen im Dreck nicht sonderlich lag, fortan sein<br />
Geld hinter dem Tresen verdiente und in besagtem Jahr sein<br />
erstes Buch vorstellte; in diesem führt ebenjener Jerry Thomas<br />
erstmals den »Sour« als Begriff ein, und zwar als »Brandy Sour«.<br />
Es ist im Grunde ein Brandy Fix, in dem bis auf eine Viertelzitrone<br />
alle Früchte entfernt werden. Gebaut wird der Drink auf Eis<br />
im Glas. Sein »Whiskey Cocktail« wiederum kommt dem heutigen<br />
Sour schon näher: Er besteht aus Gomme Sirup, Bogart’s<br />
Bitters, Whiskey und Zitrone, das Ganze auf Eis geschüttelt und<br />
straight-up serviert. So zeigt sich die DNA des Punches, dessen<br />
reduzierteste Komprimierung der Drink letztendlich darstellt:<br />
Spirituose (strong), Säure (sour), Zucker (sweet), Bitters (spices)<br />
und Wasser bzw. Eis (weak).<br />
44<br />
Cocktail — So was von Sour!
Es ist eben die Zeit, in der individuelle Shortdrinks als Zeichen<br />
des persönlichen Geschmacks dem gesellig genossenen Punch<br />
den Rang abgelaufen haben. Der »Cocktail« – ebenso neu als<br />
Begriff – ist eine amerikanische Erfindung, und Thomas’ Buch<br />
erscheint mitten im Amerikanischen Sezessionskrieg (<strong>18</strong>61 –<br />
<strong>18</strong>65). In Bars und Saloons schwingen keine Perückenträger ihre<br />
Punchkeulen, sondern Misters ihre Revolver, und ihre Einstellung<br />
zum Drink ist denkbar einfach: Zack – das Ding muss die<br />
trockene Kehle runter.<br />
Die Folgejahre, das Goldene Zeitalter des Cocktails Ende des<br />
19. Jahrhunderts, sieht so den Whiskey Sour erblühen und verschiedenste<br />
Blüten treiben. »The Only« William Schmidt<br />
nimmt <strong>18</strong>91 in seinem The Flowing Bowl eine halbe Zitrone oder<br />
Limette, etwas in »Seltzer Water« aufgelösten Zucker und serviert<br />
straight-up. Louis Muckensturm nimmt in Louis’ Mixed Drinks<br />
(1906) eine halbe Zitrone, einen Teelöffel Zucker und Rye Whiskey.<br />
Das nennt er allerdings »Whiskey Punch«. Sein Whiskey<br />
Sour genannter Drink kommt völlig ohne Zucker aus, da<strong>für</strong> wird<br />
eine halbe Zitrone mit Rye Whiskey geschüttelt und mit Soda<br />
aufgefüllt.<br />
»Der Drink sagt schon<br />
einiges über die Einstellung<br />
einer Bar aus. Er ist der<br />
Referenzdrink schlechthin.«<br />
– Klaus St. Rainer<br />
ENJOY<br />
THE BITE<br />
@withaBite #withaBite<br />
Schwarze und Schlichte GmbH | Paulsburg 1– 3 | 59302 Oelde<br />
Tel. 02522 93020 | www.schwarze-schlichte.de
52
ALCHEMIST<br />
SAME, BUT<br />
DIFFERENT<br />
Text Reinhard Pohorec<br />
Fotos Tim Klöcker<br />
Sauer soll lustig sein, Bitter gehört der Avantgarde. Zucker<br />
aber ist mittlerweile eher was <strong>für</strong> den Pöbel. Dabei kommt so<br />
gut wie kein Cocktail dieser Welt auf den Tisch, ohne dass<br />
ein paar der süßen Kristalle in ihm landen. Vor allem in einer<br />
Form: als Sirup. Ein Überblick zwischen Raffinade, Muscovado,<br />
Invertiertem und Gummi Arabicum.<br />
53
60
MIXOLOGY TASTE FORUM<br />
EXOTIK<br />
TRIFFT LIMONE<br />
Text Peter Eichhorn<br />
Zweimal Zitrus mit Spirituose – aber unterschiedlicher ginge<br />
es kaum: Ti Punch oder Vodka-Lemon? Das MIXOLOGY TASTE<br />
FORUM widmet sich mit Rhum Agricole und klassischem<br />
Bitter Lemon zwei sommerlichen Gattungen, die in gewisser Weise<br />
eine Art Schattendasein teilen. Der Rhum ist (noch!) zu wenig<br />
verbreitet, die Limonade gilt (noch!) als beiläufiger Verdünner.<br />
Doch das muss nicht sein, wie der große Test beweist.<br />
Illustration: Editienne<br />
61
HOW TO COCKTAIL<br />
ADONIS<br />
Ein Drink wie ein Butterbrot: Alles geht, nichts muss! Klassisch mit Fino oder<br />
Manzanilla Sherry und schlankem Wermut ergibt sich ein knackig-trockener Aperitif.<br />
Ein Schwenk in Richtung Oloroso oder Amontillado und schwerem Wermut hingegen<br />
bringt einen opulenten Dessert-Drink hervor. Lässt sich im Laufe eines langen Abends<br />
übrigens alles ausprobieren, denn der Adonis ist stets: leicht und bekömmlich!<br />
6 cl trockener Sherry (Fino oder Manzanilla)<br />
3 cl roter Wermut (vorzugsweise spanisch)<br />
2 Dashes Bitters nach Wahl (z. B. Orange Bitters)<br />
GLAS: Copita oder Cocktailschale<br />
GARNITUR: Zitronenzeste<br />
ZUBEREITUNG: Zutaten im Rührglas mischen und auf Eiswürfeln gründlich<br />
kaltrühren. Ins vorgekühlte Glas abseihen und mit der Zeste parfümieren.<br />
86<br />
Fotos: Constantin Falk, Drink-Design: Nils Wrage, Location: MIXOLOGY-Redaktion, Karl-Marx-Allee, Berlin
KLIMEKS KAUFBEFEHL<br />
Wohlmuth Ried Steinriegl,<br />
Gelber Muskateller 2017,<br />
Online-Shop vom Weingut:<br />
€ 14,00<br />
— wohlmuth.at<br />
ideologisch gefestigter Weintrinker meistens nur darum, das Besondere<br />
des Unterschiedlichen festzumachen. Hier könnte die klassische Barszene<br />
eine Lücke schließen. Vor allem im Sommer, wenn der Durst<br />
schreit. Nach kühlem Weißwein.<br />
Für die Girlz und die Boyz<br />
Der anarchische<br />
österreichisch-berlinerische<br />
Wein messias Manfred Klimek erteilt<br />
exklusiv in jeder Ausgabe einen<br />
könig lichen Weinbefehl. Also: Kaufen!<br />
ROSA UND BLAU<br />
Ein Wein, der Girl & Boy gleichermaßen schmeckt:<br />
der gigantisch gute Muskateller Steinriegl von<br />
Gerhard Wohlmuth aus der Steiermark.<br />
Draußen ist es später Abend. Draußen ist es noch heiß. Drinnen ist<br />
es dunkel. Drinnen wird einem schnell warm. Boy meets Girl. Girl<br />
meets Boy. Girl will einen Drink. Girl will einen Wein. Boy will einen<br />
Drink. Boy will eigentlich keinen Wein. Ist ja ’ne Bar hier. Aber <strong>für</strong> den<br />
Anfang? Ein Bier? Nee! Boy will Wein. Wegen Girl.<br />
Warum Wein?<br />
Wein in der Bar? Ein Fremdkörper. Das war lange Jahre so. Aber dann<br />
kamen Weinbars schrecklich schnell in Mode; Weinbars, wie etwa die<br />
inzwischen schon berühmt-berüchtigte Cordobar in Berlin. Die klassische<br />
Barszene, die mit den kreativen und weniger kreativen Cocktails,<br />
ahnte bald, dass man da einen Trend verschlafen hatte, der sich nun, im<br />
Zustand der Wachheit, nicht mehr einfangen ließ.<br />
Inzwischen gibt es in Deutschland und Österreich viele Dutzend<br />
hippe Weinbars, die mehr der kreativen Barszene zuzuordnen sind als<br />
den banalen Ausschankbetrieben, die Weinbars allesamt vor geraumer<br />
Zeit waren. Diese neue Weinbarszene folgt meist einer Ausrichtung: Sie<br />
huldigt Orange- oder Naturweinen von außergewöhnlichen, meist kleinen<br />
Winzern, die nicht nur kreativ cuveetieren sollen, sondern auch<br />
biodynamisch keltern müssen. Der »normale« Weingenuss, das einfache<br />
Trinken, geht dabei verloren, denn es geht in dieser Gemeinschaft<br />
Girl will einen Drink. Girl will Wein. Boy will einen Drink. Boy will ausnahmsweise<br />
Wein, weil er Girl gefallen will. Girl will einen fruchtigen<br />
Wein. Boy will einen trockenen Wein. Girl will einen Wein mit Aroma.<br />
Boy will einen Wein mit Mineralität. Ich rate, einen Wein zu suchen,<br />
der beide Welten vereint, einen Boy-meets-Girl-Wein, der fruchtig und<br />
trocken, aromatisch und mineralisch zugleich ist. Solche Weine gibt<br />
es leider nicht wie Sand am Meer. Aber einen zumindest gibt es: Bei<br />
Gerhard Wohlmuth in der österreichischen Steiermark.<br />
Wir reden von Wohlmuths Muskateller Ried Steinriegl aus 2017.<br />
Muskateller ist in unseren Breiten die bekannteste Aromasorte. Hinter<br />
ihr rangieren der Gewürztraminer und der Sauvignon. Nicht wenige<br />
meiner Bekannten, allesamt große Flaschenkiller, würden nie und nimmer<br />
einen Wein trinken, der aus diesen drei Sorten gekeltert wurde. Zu<br />
viel Rosenduft, zu viel Süßkram (selbst wenn der Wein furztrocken ist)<br />
und Katzenpisse (beim Sauvignon). Dann lieber einen reschen, straffen,<br />
mineralischen Riesling. Dieses Trinkverhalten kann auf die Dauer fad<br />
werden, doch Männer bleiben ja auch immer dem gleichen Pils treu.<br />
Anstatt der Vernichtung<br />
Muskateller, in unserem Fall verwenden wir die Ösi-Bezeichnung »Gelber<br />
Muskateller«, wird wegen seiner fruchtig-blumigen Note sehr oft zu<br />
Frizzante oder Sekt vernichtet. In der St. Eiermark, wo auch Wohlmuths<br />
Steinriegl herkommt, trinkt man Muskateller vor allem als spritzigen<br />
Jungwein, der dann – im Gegensatz zu fetten Muskatellern – auch ein<br />
bisschen sauer sein darf. Ernsthaft verarbeitete Muskateller sind eher<br />
selten. Wenn die Traube <strong>für</strong> voll genommen wird, dann verarbeitet man<br />
sie in fast jedem Fall zu Süßwein, der dann aber auch richtig gigantisch<br />
sein kann. Wenn der Winzer und der Jahrgang es zulassen.<br />
Wohlmuths Steinriegl-Muskateller aber ist so ein Zwischending, ein<br />
Muskateller, der zwischen allen Muskateller-Stühlen sitzt, denn Wohlmuth<br />
baut den Steinriegl wie einen ernst zu nehmenden, trockenen<br />
Wein aus. Die Reben sind alt, die Trauben bleiben im Herbst länger am<br />
Stock hängen, die Mineralität steht deutlich im Vordergrund, der fruchtig-blumige<br />
Charakter der Sorte wird von einer extrem eleganten Säure<br />
maskiert, ja sogar zurückgedrängt, und der Wein offenbart im Schluck<br />
einen delikaten Bitterton.<br />
Das ist ideal <strong>für</strong> die Boy-meets-Girl-Situation. Denn hier kriegt jedes<br />
Geschlecht das, was es will. Rosa kriegt Frucht und Aroma. Blau kriegt<br />
Mineralität und Gewicht. Und weil dieser Genderscheiß ohnehin längst<br />
nicht mehr stimmt, wohl auch nie gestimmt hat, kann man ihn am Ende<br />
der Story auch weglassen und sagen, dass Wohlmuths Steinriegl-Muskateller<br />
einer der wenigen Weine ist, der, ohne sich groß aufzuspielen,<br />
alle Schraubenschlüssel des Sensorik-Werkzeugkastens bedienen kann.<br />
Ein Wein also, der in jeder Bar immer funktioniert; ein Wein, der<br />
originell und selten ist; ein Wein, der dem Klischee und der Ausrichtung<br />
der Sorte radikal widerspricht. Ein Wein, nach dem man am besten<br />
einen Cocktail mit Sake drin trinkt.<br />
__<br />
96
BUSINESS<br />
CATCH ME<br />
IF YOU CAN!<br />
Gern wird darüber gesprochen, was Bartender können sollen, um sich <strong>für</strong> Job<br />
und Karriere zu empfehlen. Doch in einer Branche, die explodiert ist und<br />
nun weiter wachsen und sich konsolidieren will, sind auch die anderen Parteien<br />
in der Pflicht. Um an gutes Personal zu gelangen und dieses auch zu halten,<br />
müssen noch immer viele Arbeitgeber umdenken. Denn das Thema Recruitment<br />
will so betrachtet werden, wie es nun mal ist: komplex.<br />
Text Steffen Goubeaud<br />
102<br />
Eigentlich ist alles geil, könnte man meinen, wenn man<br />
auf die Entwicklung der Bar und ihres Berufsstandes in<br />
den letzten 15 Jahren zurückblickt. Gefühlt täglich eröffnet<br />
in irgendeiner Stadt eine neue Bar mit einer innovativen<br />
und kreativen Getränkekarte, anspruchsvolles Trinken<br />
ist bei den Konsumenten en vogue, die Berichte über<br />
Bars und ihre Akteure häufen sich in den Massenmedien,<br />
die Besucherzahlen auf Barmessen erreichen jedes Jahr<br />
neue Bestmarken und selbst die Hotellerie von Boutique<br />
bis Branchengigant hat erkannt, dass gute, innovative<br />
Bars durchaus die Attraktivität des Hauses steigern und<br />
die durchschnittlichen Tripadvisor-Einträge ins Positive<br />
rücken können.<br />
Doch kaum ein Wachstum kommt langfristig ohne<br />
Ressourcen aus, auf die es sich gründet. Und die wichtigste<br />
Ressource der Gastronomie findet sich unter dem<br />
Sammelbegriff »Personal«. Nun ist es nicht neu, dass die<br />
Gastro-Branche generell über zu wenig Nachwuchs klagt<br />
und kaum ein Unternehmen alle Stellen, die <strong>für</strong> einen reibungslosen<br />
Ablauf des Operativen notwendig sind, auch<br />
besetzen kann. Erst kürzlich schrieb die AHGZ, dass etwa<br />
50 % aller Koch-Azubis ihre Lehre abbrechen und nannte<br />
als Gründe Stress, rauen Umgangston im Berufsalltag, geringe<br />
Löhne und ein verzerrtes Bild des Berufs durch alltägliche<br />
Kochshows [1] . Das brandenburgische Online-Portal<br />
MOZ schreibt, dass allein in Berlin die Zahl der Azubis<br />
im gesamten Hotel- und Gaststättengewerbe um fast 2000<br />
auf 3557 im Jahr 2016 zurückging, obwohl die Branche »rosige<br />
Zukunftsaussichten« habe. [2]<br />
Dieses seit Jahren bekannte Problem macht auch vor der<br />
Bar nicht halt, obwohl der Beruf des Bartenders nie so<br />
attraktiv war wie heute. Die Branche boomt und doch<br />
möchten zu wenige darin ihren Lebensunterhalt auf Dauer<br />
verdienen. Egal ob in sozialen Netzwerken, in Fachmedien<br />
oder in privaten Gesprächen – aus allen Ecken hört<br />
Illustration: Editienne
103
Foto: Roland Justynowcz<br />
EIN PASSENDER AUFTAKT!<br />
Das erste Bar Symposium Cologne<br />
setzt auf die richtige Ausrichtung<br />
zur richtigen Zeit. Das Gründer-Trio<br />
Dominique Simon, Dominik Mohr<br />
und Felix Engels zeigt sich hochzufrieden<br />
und gibt bereits den Termin<br />
<strong>für</strong> 2019 bekannt.<br />
SAVE THE DATE<br />
BAR SYMPOSIUM COLOGNE 2019<br />
6. UND 7. MAI 2019<br />
THE NEW YORKER HARBOUR CLUB<br />
HAFENSTRASSE 4, KÖLN<br />
— BARSYMPOSIUM.COM<br />
124 Veranstaltungen & Wettbewerbe
Wenn man einmal ganz ehrlich ist, war es überfällig. Überfällig, innerhalb<br />
der deutschen Barszene endlich eine zweite Fachveranstaltung an<br />
den Start zu bringen. Denn mittlerweile kann eine Veranstaltung wie der<br />
immens gewachsene Bar Convent Berlin den Wissensdurst der Branche<br />
nur noch in Teilen stillen, zumal der BCB mittlerweile eine deutlichere<br />
Fokussierung in Richtung Messe genommen hat – was nicht die Tatsache<br />
überdecken soll, dass auf den Bühnen in Berlin nach wie vor einige<br />
der weltweit renommiertesten Fachleute in Erscheinung treten.<br />
Bar Symposium Cologne: Nein zum Messecharakter<br />
Gerade aber auch diese Internationalisierung und Expansion des BCB<br />
mögen weitere Gründe da<strong>für</strong> gewesen sein, weshalb das Bar Symposium<br />
Cologne, das am 23. und 24. April in Köln über die Bühne gegangen ist,<br />
mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet worden war: ein fachliches,<br />
edukatives Event <strong>für</strong> die deutsche bzw. deutschsprachige Szene, veranstaltet<br />
von Bartendern <strong>für</strong> Bartender und mit einem deutlichen »Nein«<br />
in Richtung Messecharakter.<br />
Und – um das Resümee gleich einmal vorwegzunehmen – diese Lorbeeren<br />
waren nicht umsonst. Das Bar Symposium Cologne konnte die<br />
hohen Ansprüche, die durch das ambitionierte Programm und die<br />
selbstbewussten Absichten von vornherein herrschten, erfüllen, und<br />
zwar mit Bravour!<br />
Das liegt in erster Linie daran, dass die Macher um Dominique Simon<br />
ihr nicht zu überbordendes Bühnenprogramm sorgsam kuratiert<br />
und die beiden Stages mit klarem Profil versehen haben:<br />
So standen auf der Hauptbühne generelle und aktuelle Fragestellungen<br />
des Business auf dem Programmplan: Wie geht man als Bartender<br />
oder Barbetreiber mit den Anforderungen der Digitalisierung um? Wie<br />
wird man vom Bartender zum Spirituosenhersteller? Wie sorge ich da<strong>für</strong>,<br />
dass ein Barkonzept langfristig erfolgreich ist und möglicherweise<br />
skalierbar wird? Über die Talks und Vorträge auf den Bühnen meint<br />
Simon anschließend: »Inhaltlich sind wir super zufrieden mit der Umsetzung<br />
des Events und auch der Performance der Referenten, das Feedback<br />
war überragend und motiviert uns natürlich, das nächstes Jahr<br />
wieder zu machen.«<br />
Ein ganz besonderes Highlight war die Podiumsdebatte zum Thema<br />
»Finanzierung« der eigenen Bar. Hier diskutierten Maximilian Gradl<br />
(u. a. Herzog, München), Sven Riebel (u. a. The Tiny Cup, Frankfurt)<br />
sowie die beiden Kölner Barbetreiber Attila Kiziltas (u. a. Shepheard)<br />
und Indika Silva (Toddy Tapper) anhand ihrer eigenen Erfahrungen<br />
die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten und Rechtsformen<br />
<strong>für</strong> ein eigenes Unternehmen. Für viele potentielle Selbstständige sicherlich<br />
ein Augenöffner. Das von der DBU durchgeführte Panel zum<br />
Thema »Perspektiven des Bartenders«, an dem auch der Autor dieses<br />
Textes teilnehmen durfte, nahm zwar nur langsam Fahrt auf und erging<br />
sich in einigen Gemeinplätzen, sorgte aber wiederum in der zweiten<br />
Hälfte durch rege Wortmeldungen und Anstöße aus dem Publikum<br />
dann doch noch <strong>für</strong> die Beleuchtung strittiger Sachverhalte in Bezug<br />
auf die Karriereplanung als Bartender.<br />
Bar Symposium Cologne: erfrischend wenig Rezepturen<br />
Den konkreten Gegenpol zu den abstrakteren Themen der Hauptbühne<br />
bildete die Konzeptbühne, auf der – ganz in der Tradition der Le Bar<br />
Rouge bei der Pariser Cocktails Spirits stehend – namhafte Barbetreiber<br />
ihre Konzepte und deren Realisierung vorstellten. Und auch dort<br />
ging es nicht nur um Drinks und Barkarten, im Gegenteil: Gerade komplexe<br />
Fragen wie Finanzierung, Rentabilität, Nachhaltigkeit, bauliche<br />
Probleme etc. waren auch hier teils bestimmende Elemente der Vorträge<br />
von Rednern wie Marian Krause und Freddie Knüll (The Grid,<br />
Köln), Boris Gröner und Andreas Schöler (One Trick Pony, Freiburg),<br />
Gonçalo de Sousa Monteiro (Buck & Breck, Berlin) oder René<br />
Soffner und Mathias Noori (The Black Dog, Frankfurt).<br />
Vielleicht waren es genau jene Aspekte der Vorträge auf der Konzeptbühne,<br />
die eine zentrale Entwicklung der Barszene zeigen: nämlich die<br />
der Professionalisierung. Im Vordergrund steht nicht mehr einfach der<br />
Cocktail an sich. Auf dem gesamten Bar Symposium Cologne wurde<br />
erfrischend wenig über Rezepturen und Drinks gesprochen. Wo die Atmosphäre<br />
<strong>für</strong> viele der »älteren Semester« extrem an die Erstauflage des<br />
BCB im Jahre 2007 erinnerte, zeigen die Inhalte und deren Umsetzung<br />
auf den Bühnen, dass die Barszene verstanden hat, wie wichtig all jene<br />
»grauen« Rahmenbedingungen sind, um mit nachhaltigem Erfolg ein<br />
Barprojekt zu bewirtschaften. Ein guter Old Fashioned und klares Eis<br />
reichen da<strong>für</strong> meist nicht aus.<br />
Jetzt muss nur noch die Jugend kommen!<br />
Diese Erkenntnis würde auch vielen Nachwuchsbartendern guttun, die<br />
zwar vielleicht noch keine eigene Bar planen, aber sich auf diese Weise<br />
dennoch mit einigen fachlichen Themen abseits der reinen Mixologie<br />
hätten auseinandersetzen können. Allein: Es kamen kaum welche. Der<br />
einzige große Minuspunkt, den man dem Bar Symposium Cologne vielleicht<br />
ankreiden kann, ist der, dass man es kaum geschafft hat, jüngere<br />
Barleute zu erreichen bzw. zum Kommen zu animieren.<br />
So war die Schnittmenge aller rund 300 Besucher tatsächlich überraschend<br />
alt und setzte sich zu einem erschlagenden Anteil aus Barleuten<br />
zusammen, die auch schon bei der BCB-Premiere vor fast zwölf Jahren<br />
dabei waren oder zumindest dabei gewesen hätten sein können. Der Unmut<br />
darüber, dass in der nachkommenden Generation offenbar kaum<br />
Bartender bereit sind, die (wahrhaft überschaubaren) Unkosten eines<br />
entsprechenden Trips zum Symposium auf sich zu nehmen, war eines<br />
der Hauptthemen der Gespräche besonders am zweiten Tag des Events.<br />
Denn wer denkt, dass ein von einer Spirituosenmarke veranstalteter<br />
Ice-Carving- oder Fassreifungs-Workshop, der gratis angeboten wird, ertragreicher<br />
ist als eine Veranstaltung wie das Bar Symposium Cologne,<br />
der liegt leider vollkommen falsch.<br />
Großes Lob und bis zum nächsten Jahr<br />
So bleibt zu hoffen, dass die zweite Auflage im kommenden Jahr, die vom<br />
Team um Simon und seinen beiden Mitveranstaltern Dominik Mohr<br />
und Felix Engels bereits bestätigt worden ist, auf mehr Resonanz unter<br />
jüngeren Bartendern stößt. Denn das Bar Symposium Cologne muss<br />
sich sowohl mit seinen Inhalten als auch mit seiner Infrastruktur nicht<br />
verstecken. Die Location, der New Yorker Harbour Club, bietet fast<br />
ideale Rahmenbedingungen und herrlichen industriellen Charme. Die<br />
Bars in Köln sind sowieso immer eine Reise wert. Wenn noch ein wenig<br />
am Food-Konzept geschraubt wird, das noch arg dünn war, wäre eines<br />
der wenigen kleinen Mankos ebenfalls behoben.<br />
In jedem Fall muss man den Machern des ersten Bar Symposium Cologne<br />
ein ausdrückliches, großes Lob aussprechen. Und Simon gibt die<br />
Lorbeeren umgehend zurück: »Das ganze Event hat uns wirklich zutiefst<br />
beeindruckt und zeigt uns, dass wir in der geilsten Branche der Welt<br />
arbeiten dürfen.« Ein tolles, gewinnbringendes Event, das die Branche<br />
und Szene hoffentlich noch in vielen weiteren Jahrgängen bereichern<br />
wird.<br />
__<br />
125
MIXOLOGY IM ABONNEMENT – ALLE 2 MONATE 100% BAR<br />
MIXOLOGY.EU/ABONNEMENT