Profi Wissen Holzrahmenbau - gesamt neutral
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<strong>Holzrahmenbau</strong>
l K h<br />
Zimmereien sind heute „Geschosshandwerker“<br />
Foto: Ing.-Büro Meyer<br />
Dass das Zimmererhandwerk weit mehr bietet als die typische Dachkonstruktion, hat es längst bewiesen. Eindrucksvoll<br />
und rasant ist die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre. Der Marktanteil des Holzbaus ist stetig<br />
gestiegen. Die Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen.<br />
Einige Betriebe haben sich auf das Bauen kompletter Gebäude verlagert. In der Mehrzahl ist das Zimmererhandwerk<br />
jedoch weiter in der Domäne Dach unterwegs - klassisch: Mauerwerkswände, Betondecken, Holzdach.<br />
Wenn mehrere Gewerke im Rohbau eines Geschosses arbeiten, geht Effizienz verloren: Gewerkewechsel, Detailabstimmung,<br />
unklare Gewährleistung und Warten auf den Anderen. Das lohnt sich nicht, kostet Zeit und birgt<br />
unnötige Risiken. Dazu fehlt die Wertschöpfung für eine gute Wirtschaftlichkeit.<br />
Mit diesem <strong>Profi</strong><strong>Wissen</strong> zum <strong>Holzrahmenbau</strong> kann sich der Unternehmer im Zimmerhandwerk auf das Aufgabenfeld<br />
„Geschossbau“ einstellen. Und dies von der betriebswirtschaftlichen Seite, denn dort spielt die Musik. Es ist<br />
eine Sache der Strategie sich für die Zukunft zu wappnen. Das Leistungsangebot bestimmt darüber, ob der Betrieb<br />
auch in Zukunft noch gefragt ist. Dazu ist es die Sache der Struktur, den Betrieb in allen Abläufen auf Effizienz zu<br />
trimmen. Denn die Zeitwirtschaft ist im Handwerksbetrieb der Schlüssel für die Wirtschaftlichkeit. Jeder leitende<br />
Mitarbeiter hat seine Aufgaben technisch (effektiv) und wirtschaftlich (effizient) zu erfüllen.<br />
Seien Sie gespannt auf die vielen Tipps und Vorschläge in diesem <strong>Profi</strong><strong>Wissen</strong> - <strong>Holzrahmenbau</strong>. Wenn es um die<br />
technischen Zusammenhänge im <strong>Holzrahmenbau</strong> geht, steht das <strong>Profi</strong><strong>Wissen</strong> Holzbau zur Verfügung.<br />
2
Inhaltsverzeichnis<br />
Seite<br />
A. Einführung .....................................................................................................................4<br />
1. Anforderungen an den Zimmereibetrieb ............................................................................................. 6<br />
2. Betrachtungen der Beteiligten am Bau ............................................................................................... 7<br />
B. Kalkulation.....................................................................................................................8<br />
1. Vorfertigung......................................................................................................................................... 9<br />
2. Segmentfertigung auf der Baustelle.................................................................................................. 14<br />
3. Ansätze der Kalkulation .................................................................................................................... 15<br />
C. Bauvertrag ...................................................................................................................17<br />
1. Sockel ............................................................................................................................................... 18<br />
2. Fenster.............................................................................................................................................. 19<br />
3. WDVS ............................................................................................................................................... 20<br />
4. „3-Gewerke-Vertrag“ ......................................................................................................................... 22<br />
D. Werkplanung................................................................................................................24<br />
E. Vertrieb.........................................................................................................................28<br />
1. Gründe für die Entscheidung <strong>Holzrahmenbau</strong>.................................................................................. 29<br />
2. Welche Rolle spielen Architekten? ................................................................................................... 30<br />
3. Gewinnung von privaten Investoren ................................................................................................. 31<br />
4. Wie läuft das beim 3GV? .................................................................................................................. 32<br />
Impressum ...................................................................................................................35<br />
Haftungshinweis<br />
Bei diesen Unterlagen handelt es sich um Empfehlungen des Verfassers, welche nach bestem <strong>Wissen</strong> und Gewissen<br />
und nach gründlichen Recherchen erstellt wurden. Irrtümer oder Fehler, welche sich z. B. aus veränderten<br />
Randbedingungen ergeben könnten, sind dennoch nicht ausgeschlossen, so dass der Verfasser und der Herausgeber<br />
keinerlei Haftung übernehmen können.<br />
Erste Auflage Nov. 2017<br />
3
A. Einführung<br />
Wie wird in der Zimmerei der<br />
<strong>Holzrahmenbau</strong> organisiert?<br />
Werkstatt<br />
Werkhalle<br />
Planung<br />
Logistik<br />
Lager<br />
Foto: Klaus Sell GmbH Holzbau, Ottendorf<br />
A. Einführung<br />
Sie sind regional tätig? Arbeiten viel für Stammkunden und werden weiterempfohlen? Dann ist es für Sie ein<br />
Genuss, wenn Sie mit anderen Gewerken arbeiten können, mit denen Sie sich gut verstehen, wo die Abstimmung<br />
funktioniert. Prima, wenn es klappt, dann freut sich auch der Bauherr über einen reibungslosen Bauablauf. Allerdings<br />
ist doch häufig „Sand im Getriebe“. Quertreiber schleichen sich ein, meist mit günstigen Preisen.<br />
Das Verfahren der Bauvergabe in Deutschland fördert den Egoismus auf den Baustellen. Dies hat mehrere<br />
Gründe:<br />
• Es bekommt derjenige Betrieb tendenziell den Auftrag, der den niedrigsten Preis hat.<br />
• Das beste Preis-Leistungsverhältnis wird oftmals nicht ermittelt, weil bei der Beurteilung viele Aspekte eine<br />
Rolle spielen.<br />
• Der Verbraucherschutz (Bauherren) ist so stark, dass sich der Auftragnehmer permanent absichern muss.<br />
• Trotz der Komplexheit der Bauaufgaben, beauftragen die Bauherren kompetente Planer in zu geringem Maße.<br />
• Die professionelle Koordinierung der Abläufe unterbleibt, statt dessen ist „spontaner Zuruf“ sehr verbreitet.<br />
Dies führt zu Fehlern, die dann wirtschaftlichen Verlust bedeuten, für wen auch immer!<br />
4
Eine fehlerfreie Bauausführung wird es wohl kaum geben. Allerdings sind die methodischen Fehler der Bauorganisation<br />
oft so erheblich, dass sich bei diesen Baumaßnahmen der wirtschaftliche Verlust vorhersagen lässt.<br />
<strong>Holzrahmenbau</strong> ist „Charaktersache“<br />
Dies ist eine gewagte Aussage und sicherlich erklärungsbedürftig.<br />
Wer bisher im Dachbau gut durch die Baustellen gekommen ist, wird sich mit den vielen Fallen, die dort für den<br />
Handwerksbetrieb lauern gut auskennen. Das nennt man dann „Erfahrung“. Wer es dann noch schafft seine Erfahrungen<br />
zum Vorteil seiner Bauherren einzusetzen, wird sicherlich gern weiterempfohlen. Auch dann, wenn man<br />
nicht der billigste Anbieter ist.<br />
Wer im <strong>Holzrahmenbau</strong> gleichsam erfolgreich agieren will, sollte bereit sein sich intensiv mit den Details zu befassen.<br />
Bei den Wänden bestehen gegenüber dem Dach ungleich mehr Varianten in der Ausführung. Es sind mehr<br />
Gewerke beteiligt. Es gibt mehr angrenzende Bauteile. Die Funktionalität ist höher, Beispiele sind die Fenster und<br />
haustechnische Installationen. Die Wand genießt beim Bauherren eine höhere Aufmerksamkeit (Fassade, Innenoberfläche,<br />
Leibungen), die Fehlertoleranz ist geringer.<br />
Der <strong>Holzrahmenbau</strong> ist in vielen Regionen wenig verbreitet und eine Nischenbauart. Um so mehr wird die Ausführung<br />
kritisch betrachtet und Fehler gleich auf die <strong>gesamt</strong>e Bauweise bezogen. Als Nischenanbieter muss eine<br />
höhere Qualität abgeliefert werden, als bei der klassischen Baumethode Mauerwerksbau.<br />
Die Einstellung, die Zimmerei müsse sich allein um den <strong>Holzrahmenbau</strong> als Tragwerk kümmern, genügt nicht. Mit hoher<br />
Wahrscheinlichkeit werden diese Baumaßnahmen in Unzufriedenheit enden. Es genügt nicht, weil nachfolgende<br />
Gewerke oftmals ungeübt in der Baumethode sind. Sie werden gewohntes Material oder Verfahren verwenden, die<br />
womöglich ungeeignet ist. Entsprechend werden sie bei Fehlern kein gutes Haar an dem <strong>Holzrahmenbau</strong> lassen.<br />
Der Zimmerer steht als Protagonist der Methode <strong>Holzrahmenbau</strong> in besonderer Verantwortung zum Gelingen der<br />
Baumaßnahme beizutragen. Dies geht im Grunde bis zur Bezugsfertigkeit und vollen Funktionstüchtigkeit. Ziel<br />
sollte es sein, die Bauorganisation professionell durchzuführen. Bauleitung, ob vom Zimmermeister oder dem<br />
Architekten ist vom Bauherren zu vergüten. Qualität entsteht nicht zufällig, wenn individuell gebaut wird. Auch die<br />
Organisation und Überwachung ist eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Bauleistung. Daraus profitiert am stärksten<br />
die Bauherrschaft selbst mit einer geplanten Qualität.<br />
Vieles wird von Seiten des Zimmermeisters dennoch „Ehrenamt“ sein, bis die Methoden in allen Gewerken funktionieren<br />
und hinreichend eingeübt sind. Dazu sollte er bereit sein.<br />
10 Gewerke sind zu viel<br />
Schon im Mauerwerksbau ist der ständige Gewerkewechsel lästig und bei kleineren Baustellen eher unwirtschaftlich.<br />
Auch dies ist ein Phänomen in Deutschland, dass sich Handwerksbetriebe oft sehr schmal aufstellen. Hinzu<br />
kommt, dass viele Bauherren dazu neigen, statt zu bündeln eher die Leistungen reduzieren. Grund ist, dass ein<br />
noch billigeres Angebot eingebaut werden soll. Wer badet das aus? Im Grunde alle, der Bauablauf ist unruhig, die<br />
Schnittstellen unvollständig geklärt. Der robuste „schnell-wieder-weg-Handwerker“ mag vielleicht noch einen Vorteil<br />
daraus ziehen. Beispiel: Importfenster in der Ruckzuckmethode in die Öffnungen befestigt.<br />
Im Hausbau und besonders dem Bauen im Bestand ist genau das Gegenteil sinnvoll. Der Zimmerer als Bauhauptgewerk<br />
aus der Region profitiert eher von der soliden abgestimmten Leistung. Bauherren profitieren, wenn das<br />
Handwerk sich als Anbieter von Dienstleistungen versteht.<br />
5
A. Einführung<br />
1. Anforderungen an den Zimmereibetrieb<br />
Hausbauteams<br />
Kultivieren Sie den Hausbau in einer Gewerkebündelung. Warum? Weil alle profitieren und Sie selbst am meisten.<br />
Wäre es für Ihren Betrieb sinnvoll, wenn:<br />
1. der Umfang des Auftrages sich deutlich vergrößert? (Wertschöpfung)<br />
2. die Gewährleistung für Tragwerk, kompletter Witterungsschutz und Luftdichtung beim Zimmerer bleibt?<br />
3. es weniger Ansprechpartner in der Abstimmung gäbe?<br />
4. ein überschaubares Handwerkerteam regelmäßig Bauaufgaben erfüllt?<br />
Das gibt es natürlich schon. Aber noch zu wenig.<br />
1. Anforderungen an den Zimmereibetrieb<br />
Viele denken bei der Erweiterung auf das Segment <strong>Holzrahmenbau</strong> zunächst an die technischen Details. Das ist<br />
zunächst auch korrekt, denn das technische Grundlagenwissen ist elementar. Zum Gelingen einer Baumaßnahme<br />
kommt jedoch einiges hinzu. Die Herausforderungen, denen sich der Zimmereibetrieb mit dem <strong>Holzrahmenbau</strong><br />
stellt, lassen sich vielleicht in folgenden Stichworten beschreiben:<br />
1. Entwurf und Tragwerksplanung<br />
Trotz aller Flexibilität wäre es übertrieben zu behaupten, jeder Entwurf wäre im <strong>Holzrahmenbau</strong> realisierbar. In<br />
der Entwurfsphase lässt sich einiges optimieren, wenn die Bauart möglichst frühzeitig festgelegt wird.<br />
Es ist gut, wenn der Zimmerer die Entwurfsphase begleitet. Eine stetige Zusammenarbeit mit Planern zahlt<br />
sich aus. Gleiches gilt für die Statik. Augenmerk sollte u. a. auf der Spannweite der Decke liegen, die Grenze<br />
liegt bei 4,5 m / 5,0 m. Weiterhin sollten Einzellasten aus Unterzügen (Stützlasten) besser auf direktem Weg<br />
ins Fundament geleitet werden.<br />
2. Werkplanung<br />
Entwurf und Statik sind in die Werkplanung umzusetzen (siehe ab Seite 24). Dies erfolgt bei der Vorfertigung<br />
mit einer Eingabe in das Abbundprogramm oder einer CAD. Gehört dies nicht zur Betriebsausstattung, lässt<br />
sich diese Leistung bei spezialisierten Ing.-Büros einkaufen.<br />
3. Fertigung<br />
Für den <strong>Holzrahmenbau</strong> ist die Vorfertigung der Königsweg, allerdings gibt es mit der Segmentfertigung eine<br />
interessante Alternative. Ersteres setzt eine Werkhalle voraus incl. Fertigungstisch und Hebegeräte, die ein<br />
Versetzen der Elemente ermöglichen. Die Segmentfertigung kommt ohne dem aus (näheres ab Seite 8).<br />
4. Bauleitung und Integration der Haustechnik<br />
Der <strong>Holzrahmenbau</strong> ist nur dann eine leistungsfähige Bauart, wenn es bei jedem einzelnen Projekt erfolgreich<br />
endet. Deshalb sollte sich die Zimmerei im Rahmen der Baubesprechungen für funktionierende Lösungen<br />
engagieren. Im Idealfall wird ein ausführender Gebäudetechniker empfohlen, der bereits Erfahrung mit dem<br />
<strong>Holzrahmenbau</strong> gesammelt hat. Wer macht die Bauleitung bis zur Fertigstellung? Hier gilt es Verantwortung<br />
zu übernehmen und die Baumaßnahmen nicht dem Prinzip „es wird schon“ zu überlassen. Der Bauherr soll<br />
Bauart und Zimmereibetrieb aktiv weiterempfehlen. Dies wird er nur dann tun, wenn die Maßnahme ins<strong>gesamt</strong><br />
erfolgreich ist.<br />
5. Das außenfertige Gebäude<br />
In Tab. 8 auf Seite 23 werden verschiedenen Ausbaustufen dargestellt. Der „Rohbau“ und das „Ausbauhaus“<br />
sind aus Sicht des Autors nicht ausreichend. Das „außen fertige“ Haus sollte zum selbstverständlichen<br />
Leistungsprogramm der Zimmerei gehören. Dann können wesentliche Leistungsmerkmale sichergestellt<br />
werden und die notwendigen Garantien sind abgedeckt.<br />
6
2. Betrachtungen der Beteiligten am Bau<br />
Das Maurerhandwerk hat in Deutschland die Rolle des Hauptgewerkes erlangt, jedenfalls bei der Mehrzahl der<br />
Neubauten. Dies ändert sich gerade etwas, der Zimmerer schlüpft mit dem <strong>Holzrahmenbau</strong> immer häufiger in<br />
diese Rolle. Wie früher schon als der Fachwerkbau vorherrschte. Es ist ein Gewöhnungsprozess für alle Beteiligten<br />
am Bau. Dazu einige Anmerkungen.<br />
Bauherr<br />
Gleich zwei Dinge verändern sich. Der Bauherr identifiziert sich mit der „neuartigen“ Bauweise <strong>Holzrahmenbau</strong><br />
und er gewöhnt sich an den Zimmerer als Baupartner. Dies bedarf vertrauensbildender Maßnahmen. Nicht<br />
schlecht, wenn es Empfehlungen gibt von gelungenen Bauausführungen und professionellen Bauprozessen. Dies<br />
gilt es immer wieder auf´s Neue zu beweisen. Begeisterte Bauherren empfehlen aktiv weiter.<br />
Architekt<br />
Für einen Architekten ist es kaum möglich die Vielzahl an Systemen und Produkten zu kennen. Die Zimmerei sollte<br />
damit rechnen und auch bereit sein in seiner Werkplanung (Seite 24) so manche „Ungenauigkeit“ des Architekten<br />
auszubügeln. Dies löst einen Lernprozess aus, der den Holzbau besser macht.<br />
Zimmerei<br />
Geschossbau ist weit mehr als der Dachbau. Auf Seite 5 ist sogar<br />
zu lesen, es wäre „Charaktersache“. Die Zimmerei ist „Systemgeber“<br />
des <strong>Holzrahmenbau</strong>s. Entsprechend kommt es darauf an die<br />
Fehleinschätzungen von Bauherren und Planern aktiv gerade zu<br />
rücken. In der Firmenbezeichnung kann gezielt der Begriff „Bauunternehmen“<br />
aufgenommen werden. Das unterstreicht den<br />
Anspruch als Bauhauptgewerk wahrgenommen zu werden.<br />
Mustermann<br />
Zimmerei & Bauunternehmen<br />
•Neubau<br />
•An- und Umbau<br />
•Aufstockung<br />
Tragwerksplaner<br />
Ähnlich wie beim Architekten ist auch hier manchmal ein Lernprozess notwendig. Denkt der Zimmerer aktiv mit,<br />
sollte die Fortentwicklung gelingen. Dabei ist zu bedenken, dass der statische Nachweis eines Gebäudes in <strong>Holzrahmenbau</strong>weise<br />
aufwendiger herzustellen ist gegenüber dem Mauerwerks- und Betonbau. Dazu kommt diese<br />
Bauart bei vielen Tragwerksplaner seltener vor. Somit bedarf es einiger Annäherungsversuche, um dann (hoffentlich)<br />
Freundschaft zu schließen. Vielerorts ist der <strong>Holzrahmenbau</strong> immer noch exotisch.<br />
Systemlieferant<br />
Einen Systemlieferanten seitens der Industrie gibt es nicht. Es sind viele Produkte verschiedener Hersteller, die es<br />
zu kombinieren gilt. Denn es ist ja nicht nur der Wandaufbau zu betrachten, sondern die vielen verschiedenen<br />
Bauteilanschlüsse vom Sockel über das Fenster bis zum Dach. Es hat sich für das Handwerk als lohnend herausgestellt,<br />
sich an einen kompetenten Fachhandelspartner zu wenden, der mit dem <strong>Holzrahmenbau</strong> bereits viel<br />
Erfahrung gesammelt hat. Dieser hilft über manche <strong>Wissen</strong>slücke hinweg oder hat wertvolle Tipps parat.<br />
7
B. Kalkulation<br />
2. Betrachtungen der Beteiligten am Bau<br />
Wie viel kostet ein Haus?<br />
€ - Entwurf<br />
€ - Ausstattung<br />
€ - Bausituation<br />
€ - Standards<br />
Flächen<br />
Stück<br />
B. Kalkulation<br />
Anschlusslängen<br />
Wie viel kostet ein Quadratmeter Wand oder wie viel kostet der <strong>Holzrahmenbau</strong> auf die Wohnfläche bezogen?<br />
Dies zu beantworten setzt voraus, dass man a) genaue Informationen über Objekt und Leistungsumfang hat; b)<br />
genügend Eckwerte in der Kalkulation gesammelt hat.<br />
Art des Objektes<br />
Für einen Neubau auf der „grünen Wiese“ gibt es eine Spanne an marktüblichen Preisen. Dabei spielt eine Rolle:<br />
• Komplexheit der Geometrie - rechte Winkel sind günstiger als Abweichende<br />
• Raumgrößen - große Räume sind günstiger als viele Kleine<br />
• Anzahl der Sonderwünsche<br />
• Zugänglichkeit des Grundstücks<br />
• und natürlich die Ausstattung mit den Materialqualitäten<br />
8
Beim Bauen im Bestand kommen noch ein paar „Kostentreiber“ dazu:<br />
• Abriss und Entsorgung<br />
• Das Herrichten des Baukörpers für die Erweiterung<br />
• Die Anbindung der Erweiterung an den vorhandenen Baukörper<br />
• Anarbeiten (innen / außen) des vorhandenen Baukörpers an die Erweiterung<br />
Vorfertigung oder Baustellenfertigung<br />
Keine Frage, die Vorfertigung ist der Idealfall für den Bauablauf. Die Vorteile sind hinreichend bekannt. Allerdings<br />
gibt es einige Gründe über eine Baustellenfertigung nachzudenken und diese in Erwägung zu ziehen:<br />
• Die Baustelle ist schwer erreichbar (Abstand zu Verkehrswegen)<br />
• Aufmaß und Anpassung beim Bestandsbau hat einen großen Aufwand<br />
• Werkhalle und Fahrzeuge lassen nur kleine Elementgrößen zu<br />
• die Ausstattung der Werkhalle lässt nur eine einseitige Beplankung zu<br />
• die Fremdüberwachung fehlt (notwendig bei geschlossenen Elementen)<br />
Vorfertigung lohnt nur, wenn die Betriebsausstattung eine rationelle Fertigung ermöglicht.<br />
Vorfertigung erzeugt „Elementierkosten“, die bei der Baustellenfertigung nicht anfallen.<br />
In dieser Frage gibt es kein grundsätzlich Richtig und Falsch. Vielmehr ist es eine Frage der richtigen Methode.<br />
Für beide Arten gibt es Argumente. Es gibt Zimmereien, die grundsätzlich auf eine weitreichende Vorfertigung setzen<br />
(Optimalfall) und die notwendige Fremdüberwachung nachweisen können. Und es gibt Betriebe, die weitgehend<br />
auf der Baustelle fertigen und trotz des vermeintlichen Nachteils, bei guter Qualität wirtschaftlich arbeiten. Es<br />
ist eine Frage der Rahmenbedingungen der Baustelle sowie Ausstattung des Betriebes. Womöglich ist es sinnvoll<br />
beide Methoden parat zu haben.<br />
Die nur einseitige Beplankung von vorgefertigten Elementen, ist wirtschaftlich kritisch zu bewerten.<br />
Der Autor dieser Schrift hat für die Baustelle die sogenannte „Segmentfertigung“ entwickelt.<br />
1. Vorfertigung<br />
Die Vorteile der Vorfertigung sind bekannt. In einer entsprechend ausgestatteten Werkhalle lassen sich Rahmenwerke<br />
und Beplankungen rationeller herstellen gegenüber der Baustelle. Grund sind die optimierten Arbeitsbedingungen.<br />
Das Werkstück kommt zum Werkzeug in der Halle! Eine Qualitätskontrolle ist möglich. Allerdings löst das<br />
zu fertigende Werkstück einige Aufwendungen aus, die es auf der Baustelle nicht geben würde. Dies nennen wir<br />
Zusatzkosten bei der Elementierung - „Elementierkosten“.<br />
Je größer eine Baumaßnahme ist, desto sinnvoller ist die Vorfertigung im Sinne eines rationellen Baufortschrittes.<br />
Wenn Elemente in der Werkhalle produziert und an der Baustelle später montiert werden, verteilt sich örtlich der<br />
Material- und Arbeitseinsatz. Die Effizienz in der Vorfertigung liegt in der Wiederholung von immer gleichen<br />
Arbeitsschritten. Die Vorfertigung ermöglicht das Verteilen von Material und Arbeitskräften auf zwei Orte.<br />
9
B. Kalkulation<br />
1. Vorfertigung<br />
Wie ist es aber mit kleineren Baustellen? Wenn die Häufigkeit der Wiederholung fehlt, ist die Methode der Vorfertigung<br />
in Frage zu stellen. Doch dazu später mehr. Zurück zu den Zusatzkosten bei der Vorfertigung, den „Elementierkosten“.<br />
Die folgende Tabelle zeigt in den Arbeitsschritten, welche Aufwendungen zu leisten sind.<br />
Arbeitsschritt flächenbezogener Aufwand Elementierkosten a<br />
Aufmaß<br />
Werkplanung b<br />
Überprüfen der zeichnerischen<br />
Vorgaben am bestehenden Baukörper<br />
Geometrie des Baukörpers auf den<br />
Holzbau umsetzen<br />
(-) exaktes Aufmaß notwendig,<br />
Ungenauigkeiten sind in planmäßigen<br />
Fugen auszugleichen<br />
(-) Besonderheiten der Elementierung<br />
berücksichtigen<br />
<br />
Zuschnitt fertiger Abbund vorab —<br />
Schwelle zum<br />
Betonunterbau<br />
Nivelierschwelle mit Unterfugung (-) Zweite Schwelle im Element<br />
Rahmenwerk formgenaues Rahmenwerk<br />
(-) Stabilisierung für den Transport<br />
durch Verschraubung / Wellennägel<br />
OSB-Beplankung<br />
(innen)<br />
Zuschnitt und Befestigung —<br />
Ü-Zeichen — (-) Dokumentation, Eigenüberwachung<br />
Transport Materiallogistik zur Baustelle (-) Verladung / Transport der Elemente<br />
Montage Kraneinsatz (-) Hebegurte in den Elementen<br />
<br />
Tab. 1<br />
Dämmung der<br />
Gefache<br />
Holzfaserplatte<br />
(außen)<br />
Ü-Zeichen —<br />
Montage der<br />
geschl. Elemente<br />
Zuschnitt und Einbau<br />
(z. B. Mineralfaser)<br />
Zuschnitt und Befestigung<br />
—<br />
(+) zeitlicher Vorteil<br />
(-) Verbindung zu einer<br />
Gesamtfläche c<br />
(-) Dokumentation,<br />
Fremdüberwachung<br />
Ansätze für die Kalkulation des Aufwandes bei der Vorfertigung - Basiselement.<br />
(-) Mehraufwand durch besondere<br />
End- und Eckverschraubung<br />
a Mehraufwand ist mit (-) gekennzeichnet, Einsparungen mit (+).<br />
b Werkplanung ist ein im Zimmererhandwerk etablierter Begriff für die Ausführungsplanung. Bei der W. müssen zusätzlich alle<br />
technischen Besonderheiten berücksichtigt sein, die sich aus der Methode der vorgefertigten Bauart ergeben. Bei der A. sind<br />
lediglich alle Besonderheiten des Baukörpers zu berücksichtigen. Die A. wird durch den Architekten erstellt, die W. ist<br />
normalerweise Sache des ausführenden Zimmereibetriebes (bitte weiterlesen ab Seite 24 sowie Tab. 9 auf Seite 25).<br />
c Die Übergänge von Element zu Element sind zu einer funktionstauglichen regensicheren Bekleidung herzustellen<br />
(z.B. Z-<strong>Profi</strong>le, Schleppfolien, Ergänzungsplatten an der Baustelle)<br />
10
Wichtig: bei gedämmten Elementen müssen die Fensterbrüstungen regensicher abgedeckt werden. Es ist zu<br />
verhindern, dass Niederschläge in das gedämmte Gefach eindringen können.<br />
Tab. 1 zeigt die Ansätze für die Kalkulation bei der Elementierung. Bevor es an die pauschalen Ansätze für Rahmenwerk<br />
und Beplankungen geht, sollen die verschiedenen Aufwendungen beurteilt werden. Der „flächenbezogene<br />
Aufwand“ ist in jedem Fall notwendig, unabhängig davon ob die Wände vorgefertigt werden oder nicht. Die<br />
„Elementierkosten“ ergeben sich aus der Vorfertigung und sind als Pauschalen drauf zu rechnen. Somit ergibt sich<br />
der Gesamtpreis aus: Kosten pro qm + Elementierkosten.<br />
Die Elementierkosten verteilen sich besser, wenn der Vorfertigungsgrad wächst.<br />
Je mehr Material zum Werkzeug kommt (Vorfertigung in der Werkhalle), desto besser.<br />
Je mehr Arbeitsschritte die Elemente enthalten, desto besser verteilen sich die Elementierkosten. Elemente sind<br />
dann wirtschatlich, wenn möglichst viele Montagen an den Elementen in der Werkhalle vorgenommen werden.<br />
Dies hört beim Rahmenwerk mit der inneren und äußeren Bekleidung nicht auf. Betrachtet werden weitere Arbeitsschritte<br />
in der folgenden Tabelle. Im Fokus stehen Fenster, Fensterleibungen und Fassade.<br />
Arbeitsschritt Aufwand Elementierkosten a<br />
<br />
<br />
Fenster<br />
Verschattung<br />
Fugen zum<br />
Baukörper<br />
Leibungen innen<br />
mit Fensterbank<br />
Fassadenleibungen<br />
außen<br />
mit Fensterbank<br />
Transport und Montage<br />
Wärmedämmung, Luftdichtung,<br />
Regensicherheit<br />
Zuschnitt und Einbau<br />
Zuschnitt und Einbau<br />
a Mehraufwand ist mit (-) gekennzeichnet, Einsparungen mit (+).<br />
Für die Arbeitsschritte und ergeben sich erhebliche Effizienzgewinne.<br />
(+) Hilfsmittel für die Montage in der<br />
Werkhalle (Setzhilfen)<br />
(+) Vermeidung von einzelnem<br />
Transport von Material und Werkzeug<br />
in die Etagen und Räume<br />
(+) Vermeidung von einzelnem<br />
Transport von Material und Werkzeug<br />
in die Etagen und Räume<br />
(-) Schutz der Elemente vor<br />
Beschädigung, Abstand vergrößert<br />
Verladung und Transport —<br />
Fassadenfläche Transport, Zuschnitt und Montage<br />
Tab. 2 Ansatz für die Kalkulation des Aufwandes bei der Vorfertigung - Fenster und Fassade.<br />
(-) Anschluss zu benachbarten<br />
Bauteilen<br />
11
B. Kalkulation<br />
1. Vorfertigung<br />
Wie sind die einzelnen Arbeitsschritte bei der Vorfertigung zu beurteilen?<br />
1. Rahmenwerk + OSB<br />
Verbleibt es bei diesem Arbeitsschritt in der Vorfertigung ist aufgrund der hohen Elementierkosten die<br />
Fertigung an der Baustelle in vielen Fällen günstiger.<br />
2. Holzfaserplatte / geschlossene Elemente<br />
Die Montage an der Baustelle oder in der Werkhalle dürften bezüglich Montagezeit in etwa <strong>neutral</strong> sein.<br />
Allerdings ist bei der Vorfertigung zwingend die Fremdüberwachung notwendig. Diese lohnt sich nur bei einer<br />
gewissen Auslastung. Was ist sonst zu beachten?<br />
- die Details in den Elementübergängen sind aufwändig und gut zu planen<br />
- In der Werkhalle ist das Wenden der Elemente sicherzustellen<br />
- die Verschraubung der Elemente bei der Montage ist aufwendiger<br />
Ins<strong>gesamt</strong> ist der Kostenvorteil bei der geschlossenen Fertigung begrenzt. Der große Vorteil liegt jedoch im<br />
fertigen temporären Witterungsschutz des Holzbaus.<br />
Hat eine Baumaßnahme nur geringe Flächen, lohnt sich eine Vorfertigung kaum. Erst recht nicht, wenn dazu<br />
noch Anpassungen an ein bestehendes Gebäude erforderlich sind. Ausnahme: der Witterungsschutz ist ein<br />
durchschlagendes Argument.<br />
Wenn Holzrahmen-Elemente in der Werkhalle hergestellt werden, die die Fenster vollständig einfassen, dann<br />
ist der Einbau der Fenster in der Werkhalle nur logisch.<br />
3. / 4. Fenstereinbau und Leibungen<br />
Viele Zimmerei scheuen den Schritt des Fenstereinbaus, weil dabei neue Risiken lauern. Doch erst hier<br />
können Elementierkosten tatsächlich wieder wett gemacht werden.<br />
Es sind beim Fenstereinbau viele Arbeitsschritte erforderlich, die stationär in der Werkstatt ideal herzustellen<br />
sind. Die Elementierung eines Baukörpers ist mit dem Fenstereinbau und deren Anschlüssen erst wirklich<br />
effizient. Mit diesen Arbeitsschritten wird viel Arbeitszeit in die Werkhalle verlagert. Dazu ist die<br />
Qualitätssicherung in der Werkhalle tatsächlich erst möglich.<br />
5. Fassade<br />
Ob die Montage einer Fassade sinnvoll sein kann, ist unterschiedlich zu bewerten. Das hängt u. a. von der Art<br />
der Fassade ab.<br />
Der Klassiker einer lohnenden Fassadenbekleidung am Element ist der Giebel. Ein vorgefertigtes<br />
Giebelwandelement kann in der Werkhalle (liegend) weit schneller bekleidet werden als an der Baustelle. Die<br />
Schrägschnitte können nach der Befestigung erfolgen.<br />
12
Güteüberwachung / Ü-Zeichen<br />
Für die Kalkulation und die Betriebsorganisation ist die Güteüberwachung<br />
zu berücksichtigen. Bei vorgefertigten Bauteilen muss das Ü-<br />
Zeichen am gelieferten Element befestigt sein. Mit dem Übereinstimmungszeichen<br />
(Ü-Zeichen) wird die Übereinstimmung eines Bauproduktes<br />
(vorgefertigtes Element) mit den geltenden technischen<br />
Regeln dokumentiert (DIN 1052). Das Ü-Zeichen muss auf jedem<br />
Holzrahmenelement an sichtbarer selbst Stelle angebracht sein.<br />
• einseitig beplankt, Verfahren ÜH:<br />
Der Hersteller dokumentiert eigenverantwortlich die Übereinstimmung<br />
mit den technischen Regeln. Im Zuge seiner<br />
werkseigenen Produktionskontrolle dokumentiert der Hersteller<br />
(Zimmerei) die eigene laufende Überwachung seiner Elemente.<br />
Dieses Verfahren gilt nur für einseitig beplankte und tragende<br />
Holzbauteile, die in einem Holzbaubetrieb vorgefertigt werden.<br />
• beidseitig beplankt, geschlossene Elemente, Verfahren ÜZ:<br />
Als Ergänzung zu der werkseigenen Produktionskontrolle<br />
schließt der Hersteller einen Vertrag mit einer Zertifizierungsstelle<br />
zur Fremdüberwachung 1 . Diese prüft nach einer Erstprüfung in<br />
regelmäßigen Abständen die Herstellung der Bauprodukte und<br />
deren Dokumentation. Dieses Verfahren gilt bei geschlossenen<br />
Bild: Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V<br />
Bauelementen (beidseitig beplankte und tragende Holzbauteile),<br />
die in einem Holzbaubetrieb vorgefertigt werden.<br />
• Das RAL-Gütezeichen:<br />
Es gelten die Bedingungen aus dem Verfahren ÜZ. Zusätzlich sind die Güte- und Prüfbestimmungen zum RAL<br />
Gütezeichen Holzhausbau einzuhalten. Das Erreichen des RAL-Gütezeichens ist freiwillig und eine Ergänzung<br />
zum Ü-Zeichen.<br />
Dem Betrieb, der vorfertigt entstehen Kosten für die Güteüberwachung, insbesondere im Verfahren ÜZ. Um<br />
diesen Aufwand umzulegen, sollte eine regelmäßige Auslastung angestrebt werden.<br />
1 Vom Deutschen Institut fur Bautechnik (DIBt) werden Zertifizierungsstellen für die Fremdüberwachung von Bauprodukten<br />
bestimmt. Den Auftrag zur Überwachung erteilt der Betrieb selbst. Ansprechpartner ist u. a. der DHV (www.d-h-v.de)<br />
13
B. Kalkulation<br />
2. Segmentfertigung auf der Baustelle<br />
2. Segmentfertigung auf der Baustelle<br />
Im Abschn. F2.4 von <strong>Profi</strong><strong>Wissen</strong> Holzbau wird das Prinzip der Segmentfertigung vorgestellt. Es ist einfach und<br />
dabei hochflexibel. Ohne das Verfahren an dieser Stelle näher zu erläutern, geht es vielmehr um den kalkulatorischen<br />
Ansatz. In Tab. 1 wurde in der mittleren Spalte der „flächenbezogene Aufwand“ dargestellt. Dieser Kalkulationsansatz<br />
ist bei der Segmentfertigung vollständig zu berücksichtigen. Die Elementierkosten aus der rechten<br />
Spalte der Tab. 1 fallen allerdings nicht an. Die in der Segmentfertigung notwendigen Arbeitsschritte werden in<br />
Tab. 3 erläutert.<br />
Arbeitsschritt<br />
<br />
Transport<br />
Montage<br />
<br />
Aufmaß<br />
Werkplanung a<br />
Zuschnitt<br />
Schwelle zum<br />
Betonunterbau<br />
Rahmenwerk<br />
OSB-Beplankung<br />
(innen)<br />
flächenbezogener Aufwand<br />
Überprüfen der zeichnerischen<br />
Vorgaben am bestehenden Baukörper<br />
Geometrie des Baukörpers in Bezug<br />
auf die Rohbaumaße festlegen<br />
fertiger Abbund vorab<br />
Nivelierschwelle mit Unterfugung<br />
formgenaues Rahmenwerk<br />
Zuschnitt und Befestigung<br />
Holzfaserplatte<br />
Zuschnitt und Befestigung<br />
(außen)<br />
Tab. 3 Arbeitsschritte der Segmentfertigung (vgl. Tab. 1).<br />
a bitte weiter lesen ab Seite 24<br />
Arbeitsschritte der<br />
Segmentfertigung<br />
Festlegen der Geschosshöhen<br />
incl. der tragenden Sonderbauteile<br />
aus der Statik<br />
es werden fertig gekappte Rippen<br />
eingesetzt<br />
eine zweite Schwelle entfällt<br />
Ü-Zeichen — nicht erforderlich<br />
Dämmung der<br />
Gefache<br />
Materiallogistik zur Baustelle vom<br />
Fachhandel<br />
manuell<br />
Zuschnitt und Einbau<br />
(z. B. Mineralfaser)<br />
hergestellt werden Beplankungs- und<br />
Öffnungssegmente<br />
auf den Beplankungssegmenten,<br />
verarbeitet im gelieferten Rohformat<br />
etagenweise geliefert<br />
Kraneinsatz für die Wandmontage ist<br />
nicht erforderlich<br />
ideal ist die Einblasdämmung später<br />
von der Raumseite<br />
nach der Erstellung des <strong>gesamt</strong>en<br />
Rohbaus vom Gerüst<br />
Bei der Segmentfertigung können die Ansätze der klassischen Kalkulation verwendet werden.<br />
Elementierkosten (Tab. 1) sind nicht zu berücksichtigen.<br />
14
3. Ansätze der Kalkulation<br />
Wände werden nach Quadratmeter abgerechnet. Dies gilt im <strong>Holzrahmenbau</strong> gleichfalls. Zunächst ist das Herstellen<br />
einer ungestörten / ununterbrochenen Fläche die Basis der kalkulatorischen Betrachtung. Ein wesentlicher<br />
Zeitaufwand verbirgt sich allerdings in den Anschlüssen. Bei der Wand sind die Fenster und die weiteren Bauteilanschlüsse<br />
zu betrachten. Wie sind die Anschlüsse kalkulatorisch zu erfassen?<br />
Die Kalkulation hat das Ziel einer möglichst genauen Vorhersage der Kosten. Das Material und der Zeitaufwand<br />
sind die Messgrößen. Beim Material ist es die Wandfläche selbst, zzgl. der Anschlussmittel. Der Zeitaufwand teilt<br />
sich mit der Arbeit in der Fläche und der Arbeit am Anschlussdetail.<br />
Die <strong>gesamt</strong>en Kosten ließen sich in einem Flächenpreis zusammenfassen. Problem dabei ist, dass sich die<br />
Gebäude stark unterscheiden, die Menge der Anschlüsse bezogen auf die Fläche variieren. Es wäre zwar möglich<br />
den Flächenpreis durch Schätzung anzupassen. Dies ist aber recht ungenau.<br />
Wir verfolgen eine zweite Methode, die eine genauere Ermittlung zulässt. Zugleich wird die Komplexität der unterschiedlichen<br />
Gebäude berücksichtigt. Die Kalkulation erfolgt über Fläche Stück Anschlusslänge.<br />
Beispiel a<br />
Giebelseite<br />
geom. Form Breite Höhe Fläche<br />
Erdgeschoss •<br />
2,90 m 27,55 m²<br />
Dachgeschoss<br />
• 9,50 m<br />
0,80 m<br />
7,60 m²<br />
<br />
4,00 m<br />
19,00 m²<br />
Summe 9,50 m (Sockel) 54,15 m²<br />
Tab. 4 Mengenermittlung einer Außenwandfläche am Beispiel einer Giebelseite.<br />
a Um den Umfang in diesem Kalkulationsbeispiel gering zu halten, wird hier lediglich ein Giebel betrachtet. Es wäre sinnvoll für<br />
eine <strong>gesamt</strong>e Gebäudekalkulation die Mengenermittlung über ein Tabellenkalkulationsprogramm vorzunehmen.<br />
Beispiel<br />
Giebelseite<br />
Erdgeschoss<br />
Dachgeschoss<br />
Art des Fensters Breite Höhe Fläche<br />
2-Flg., DK/Dreh<br />
1-Flg., Fenstertür<br />
1-Flg., DK<br />
2-Flg., DK/Dreh<br />
2-Flg., DK/Dreh<br />
Brüstung<br />
Sturz<br />
Leibung (seitl.)<br />
1,60 m<br />
1,15 m<br />
0,75 m<br />
1,50 m<br />
1,50 m<br />
6,50 m<br />
6,50 m<br />
1,45 m<br />
2,25 m<br />
1,25 m<br />
1,35 m<br />
1,35 m<br />
Summe<br />
15,30 m<br />
Tab. 5 Mengenermittlung für die Fenster. Die Kosten der Fenster werden per Stück ermittelt.<br />
Nach VOB/C DIN ATV 18334 sind Öffnungen mit mehr als 2,5 m² von der Wandfläche abzuziehen.<br />
In diesem Beispiel ergibt sich eine abrechenbare Wandfläche von: 54,15 m² - 2,59 m² = 51,56 m²<br />
2,59 m²<br />
15
B. Kalkulation<br />
3. Ansätze der Kalkulation<br />
Ausbaustufe a<br />
Rohbau<br />
(tragende<br />
Konstruktion)<br />
Ausbauhaus<br />
außen fertig<br />
Wand<br />
(Flächen aus Tab. 4)<br />
•Rahmenwerk e = 62,5 cm<br />
(nur Rasterrippen)<br />
•OSB-Beplankung<br />
•Sonderstiele und -stürze<br />
(gemäß Statik), per Stück<br />
•Luftdichtung<br />
•Wärmedämmung<br />
•Unterdeckung<br />
•Konterlattung<br />
•Fassade mit<br />
Unterkonstruktion<br />
•ggf. Beschichtung<br />
Jede einzelne Position aus Tab. 6 wird mit einer<br />
Kalkulation aus Material und Zeitaufwand hinterlegt.<br />
Die Befestigungsmittel sind dabei zu berücksichtigen.<br />
Sodann ist es bei verschiedenen<br />
Angeboten sehr einfach Anpassungen vorzunehmen.<br />
Es können die Verkaufspreise für die drei<br />
verschiedenen Ausbaustufen als Pauschalwerte<br />
genannt werden. Ergeben sich Änderungen, so<br />
können diese sehr rasch eingepflegt werden. In<br />
diesem System ist es möglich mit den immer gleichen<br />
Kalkulationswerten zu arbeiten.<br />
Es ist bei der Kalkulation ein interessantes Ziel,<br />
die Preisgestaltung möglichst transparent zu<br />
machen. Ideal ist es, wenn der Kunde selbst<br />
bestimmt, in wie viel Garantie und Leistung er<br />
investieren möchte (vgl. Tab. 7 und Tab. 8).<br />
Sockel<br />
(Länge aus Tab. 4)<br />
•Schwelle<br />
•Mörtelfuge<br />
•Dübelanker<br />
•Zuganker (Stück)<br />
•Luftdichtung<br />
•Schleppbahn<br />
•Lüftungsprofil<br />
•Perimeterdämmung<br />
•Sockelputz<br />
•Noppenbahn<br />
Fenster<br />
(Längen aus Tab. 5)<br />
•Brüstungsriegel<br />
•Sturzriegel<br />
•seitliche Fensterrippen b<br />
•Ausschnitt OSB (4-seitig)<br />
•Ausschnitt Unterdeckung<br />
•Fenster nach Liste (Stück)<br />
•Fugendämmung<br />
•Luftdichtung<br />
•Dichtband außen<br />
(Leibung und Sturz)<br />
•Dichtung unter der Fensterbank<br />
außen (Brüstung)<br />
•Leibung<br />
•Sturz<br />
•Fensterbank (Brüstung)<br />
Tab. 6 Positionen einer Kalkulation. Für weitere Anschlüsse werden ebenfalls die Positionen aufgestellt: Außenund<br />
Innenecke, Dach- und Deckenanschluss.<br />
a vgl. Tab. 8 auf Seite 23<br />
b Achtung: ungefähr die doppelte Holzmenge kalkulieren, weil die Länge größer ist als in Tab. 5 ausgewiesen.<br />
Ausstattung<br />
gehoben<br />
Rohbau ___% ___% ___%<br />
Ausbaustufen<br />
preisorientiert<br />
Mittelklasse<br />
Ausbauhaus<br />
außenfertig<br />
___% ___% ___%<br />
___% 100% ___%<br />
Tab. 7 Kostentransparenz durch Faktoren. Es ist möglich<br />
dem Bauherren eine Kostenübersicht zu geben, ohne über<br />
konkrete Eurowerte sprechen zu müssen. Das „außenfertige“<br />
„Mittelklasse“-haus könnte dabei der Maßstab-100%<br />
sein.<br />
16
Foto: Colourbox<br />
C. Bauvertrag<br />
In diesem Abschnitt werden Hinweise gegeben, den Bauvertrag weiter zu entwickeln. Ziel ist es die Bauqualität zu<br />
fördern und den Zimmereibetrieb möglichst weit abzusichern. Es gilt den Widerspruch zwischen einem günstigen<br />
Preis und den dazu unpassend hohen Erwartungen aufzulösen. Der Unternehmer sollte bedenken, dass der Verbraucherschutz<br />
immer größer wird. Dass bei Geschäften von gewerblichen Anbietern zu Endverbrauchern gerichtlich<br />
eher der „unterlegene“ Laie geschützt wird. Je klarer und unmissverständlicher ein Bauvertrag formuliert wird,<br />
desto höher sind die Aussichten bei Gericht einzuschätzen. Wenn Risiken im Leistungsumfang und den entsprechenden<br />
Garantien erkannt werden, sollte sorgfältig bei der Angebotserstellung vorgegangen werden. Hinweise zu<br />
(fehlenden) Garantieansprüchen sind hilfreich.<br />
Die im Folgenden gewählten Themen sind ausgesuchte Beispiele. Sie sprechen Bereiche an, die immer wieder<br />
Grund für Auseinandersetzungen sind.<br />
17
C. Bauvertrag<br />
1. Sockel<br />
1. Sockel<br />
An keiner anderen Stelle im Holzhausbau werden derart gravierende Fehler gemacht. Ursachen sind vermutlich<br />
Unwissenheit, unbegründeter Optimismus und unpassende Forderungen der Bauherrschaft. Es geht um Sockelschäden<br />
aufgrund untauglicher Abdichtungen und /oder hoher Geländeanfüllungen.<br />
Holz ist ein Material des Hochbaus. Tiefbaumaßnahmen schließen sich für ein organisches Material wie Holz<br />
zumindest bei Gebäuden nachvollziehbar aus. Es gibt eindeutige Regeln, die zu beachten sind:<br />
• Ab welcher Höhe darf Holz zum Einsatz kommen?<br />
• Welche Maßnahmen sind zum Feuchteschutz am Sockel zu ergreifen?<br />
Definitiv darf Holz nicht zum Einsatz kommen, bei Höhen unterhalb 15 cm über Gelände. Und dies auch nur dann,<br />
wenn Spritzwasser weitreichend z. B. durch ein geeignetes Kiesbett reduziert wird. Ansonsten gilt die Höhe von<br />
30 cm ab Gelände als untere Grenzlinie für das Holz. Von der in DIN 68800-2 im Anhang A gezeigten „5 cm-<br />
Lösung“ rät der Autor dieser Schrift ab.<br />
Die Gefahr von Feuchte im Bereich des Schwellholzes nimmt erheblich zu, wenn es an Höhe fehlt.<br />
Die korrekte Ausführung wird in DIN 68800<br />
vorgegeben. Die Holzschutznorm gibt im<br />
OKFF<br />
Teil 2 genaue Empfehlungen für eine korrekte<br />
Ausführung des Sockels in der Holzbauart.<br />
Die Norm enthält im Anhang Details UK Schwelle<br />
zur Ausführung 1 .<br />
Abb. 1 Standarddetail<br />
GOK<br />
(Gebrauchsklasse GK 0 wird eingehalten):<br />
Diese Sockelausbildung entspricht den<br />
Vorgaben der DIN 68800. Der Abstand der<br />
Schwelle zum Gelände ist hinreichend. Eine<br />
vertikale Abdichtung ist nicht erforderlich.<br />
300<br />
Kiesbett<br />
Tipp: Klärung im Bauvertrag<br />
Dem Holzbaubetrieb sei empfohlen, das Sockeldetail zum Bestandteil des Vertrages zu machen und klarzustellen,<br />
dass die Einhaltung der zulässigen Geländehöhe im Verantwortungsbereich der Bauherrschaft liegt.<br />
Damit wird eindeutig belegt, dass die Geländeanfüllung einer Maximalhöhe unterliegt. Im Bereich von Podesten<br />
sind besondere Maßnahmen zu ergreifen.<br />
Bauherren sollten wissen:<br />
Die korrekte Ausführung ist der beste Schutz gegen stehendes Wasser auf dem Gelände bei<br />
Starkregenereignissen!<br />
150<br />
1 Literaturhinweis: „Richtlinie Sockelanschluss im Holzhausbau“, Hrsg. Holzforschung Austria<br />
18
Kalte Abdichtungen vermeiden<br />
Rutscht das Holz in den „Keller“, sprich in die Höhe des Geländes, wäre eine äußere Abdichtung auf der Holzkonstruktion<br />
notwendig. Und gerade diese Abdichtung bereitet tendenziell die Gefahr von Auffeuchtungen im Bereich<br />
des Schwellholzes. Wird Holz auf der Außenseite mit einer Abdichtung versehen, entwickelt sich hier zwangsläufig<br />
Kondensat, weil die Abdichtung auf der Kaltseite liegt. Die Gefahr von stetig steigender Feuchte (Auffeuchtung) ist<br />
sehr groß, weil das Potenzial zur Austrocknung sehr gering ist. Die bewährte Formel (DIN 68800-2) von 250<br />
Gramm mehr Austrocknung als Feuchteanfall, dürfte hier schwer nachzuweisen sein.<br />
Abb. 2 Empfehlung bei höherer Geländeanfüllung<br />
(Gebrauchsklasse GK 0 wird hier<br />
eingehalten): Im Bereich der notwendigen<br />
Abdichtung wird als Aufkantung ein<br />
mineralischer Werkstoff (z. B. Beton) verwendet.<br />
Die Schwelle liegt mind. 150 mm<br />
über Gelände, bestehend aus einer<br />
Kiesschüttung . Die äußere Perimeterdämmung<br />
sorgt für eine hinreichende<br />
Überdämmung der Abdichtung.<br />
Hinweis: Der Überstand der Schwelle gegenüber<br />
der Aufkantung ist zu begrenzen.<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
Abdichtung!<br />
<br />
2. Fenster<br />
Fenster und Türen bilden die Öffnungen von Außenwänden. Bauphysikalisch ist die Außenwand selbst relativ simpel<br />
zu lösen. Das Fenster als Konstruktionselement ist ebenfalls technisch gelöst, ist funktionstauglich und dauerhaft<br />
konstruiert.<br />
Merkwürdig ist, dass gerade dem Teil die geringste Aufmerksamkeit geschenkt wird, der technisch die größten<br />
Schwierigkeiten bereitet, der Einbaufuge, dem Übergang zwischen Fenster und Außenwand.<br />
Funktionsschichten<br />
im Fensterbereich<br />
Um die Funktionsebenen sauber und der Außenwand<br />
dauerhaft zum Fenster anzuschließen, sind<br />
mehrere Gewerkewechsel üblich. Ist das<br />
sinnvoll?<br />
Abb. 3 Die Funktionen der Außenwand<br />
sind sehr vielfältig. In der Fläche sind die<br />
Bauteilschichten der Außenwand sehr<br />
einfach herzustellen. Der „Teufel steckt<br />
allerdings im Detail“ und dies gilt<br />
insbesondere für den Fensteranschluss.<br />
Wetterschutz<br />
Lastabtragung<br />
Wärmeschutz<br />
Luftdichtung<br />
19
C. Bauvertrag<br />
3. WDVS<br />
Darf man im Holzbau dieses entscheidende Detail einem Fensterlieferanten überlassen, der nur bedingt die<br />
Anforderungen des Holzbaus beherrscht?<br />
Wirtschaftlich entscheidend ist nicht der günstige Kaufpreis für Fenster, sondern ob ein funktionstauglicher und<br />
dauerhafter Einbau gelingt.<br />
Der Zimmerer liefert die komplette Außenwand<br />
Es sollte im Holzbau der Normalfall sein, dass der Zimmerer die Außenwand einschl. Fenster und Fassade verantwortet.<br />
Der Einbau der Fenster erfolgt z. B. nach RAL 1 . Sodann ist die Gewährleistung für Wetterschutz, Wärmeschutz<br />
und Luftdichtung eindeutig. Die Qualitätssicherung verbleibt in einem Gewerk, dem Hauptgewerk für die<br />
Außenwand.<br />
Wer trägt die Gewährleistung für den Fensteranschluss? Dies sollte im Bauvertrag eindeutig geklärt werden.<br />
Tipp: Klärung im Bauvertrag (Textvorschlag 2 )<br />
Auf Wunsch der Bauherrschaft (Auftraggeber) werden die Außenwände ohne Fenster und Außentüren geliefert<br />
und montiert. Die Lieferung der Fenster und Außentüren wird vielmehr auftraggeberseitig (Bauherr) organisiert.<br />
Somit sind ebenfalls sämtliche Anschlüsse der Fenster und Außentüren wie außenseitiger Witterungsschutz, Wärmeschutz<br />
und innenseitige Luftdichtung auftraggeberseitig (Bauherr) zu organisieren und zu überwachen. Von den<br />
Anschlüssen hängt maßgeblich ab, ob der Feuchteschutz im Bereich der Außenwand ins<strong>gesamt</strong> funktioniert.<br />
Sämtliche besagten Leistungen bezüglich der Fenster und deren Anschlüsse wurden unsererseits angeboten und<br />
erläutert, auftraggeberseitig allerdings nicht beauftragt. Somit beinhalten unsere Leistungen keinen Anschluss im<br />
Bereich der Fenster und Außentüren. Einen Anspruch auf diesbezügliche Gewährleistung besteht mit diesem Vertrag<br />
somit nicht.<br />
Das Überwachen der besagten Leistungen sollte durch einen sachkundigen Fachmann erfolgen. Wir als Auftragnehmer<br />
übernehmen diese Leistung nur für den Fall, in dem der Auftraggeber (Bauherr) uns mit der Überwachung<br />
des Fenstereinbaus schriftlich beauftragt.<br />
3. WDVS<br />
Das Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) hat vertraglich gewisse Parallelen zum Thema Fenster. Allerdings<br />
steht hier der Zimmerer, der die putzbare Dämmplatte selbst montiert in besonderer Verantwortung. Das WDVS ist<br />
eine schadensträchtige Konstruktion, weil immer wieder Fehler gemacht werden. Auch hier liegt die Ursache oftmals<br />
im Gewerkewechsel zwischen Dämmplatte, Putzbeschichtung und Fenster.<br />
1 Literaturhinweis: „Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren“,<br />
Hrsg. RAL-Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e. V.<br />
2 Der Textvorschlag ist baurechtlich für den Einzelfall zu prüfen und anzupassen.<br />
20
Die VOB hat mit einer eigenen ATV 1 DIN 18345 für das<br />
WDVS bereits vor vielen Jahren diesem Problemthema<br />
Rechnung getragen. Außerdem ist für das eingesetzte<br />
WDVS eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung nachzuweisen.<br />
Dies zeigt die Bedeutung dieses Themas. Leider<br />
kennen viele beteiligte Handwerker die fachlichen<br />
Zusammenhänge nicht.<br />
Abb. 4 Das WDVS ist fachlich und organisatorisch eine<br />
Herausforderung. Das Gelingen hängt von den<br />
Fachkenntnissen der beteiligten Handwerkern ab.<br />
Der Zimmerer liefert die komplette Außenwand<br />
Wie schon zuvor beim Thema Fenster beschrieben, sollte es im Holzbau der Normalfall sein, dass der Zimmerer<br />
die Außenwand einschl. kompletter Fassade verantwortet (hier WDVS). Die Vergabe der Putzarbeiten erfolgt in<br />
dem Fall durch den Zimmerer. Sodann ist die Gewährleistung für den Wetterschutz eindeutig. Die Qualitätssicherung<br />
verbleibt in einem Gewerk, dem Hauptgewerk für die Außenwand.<br />
Wer trägt hingegen die Gewährleistung bei Gewerketeilung? Dies sollte im Bauvertrag eindeutig geklärt werden.<br />
Tipp: Klärung im Bauvertrag (Textvorschlag 2 )<br />
Auf Wunsch der Bauherrschaft (Auftraggeber) werden die Außenwände ohne Putzbeschichtung sowie ohne Fenster<br />
und Außentüren geliefert und montiert. Der Fassadenputz und die Fenstermontage werden vielmehr auftraggeberseitig<br />
(Bauherr) an andere Gewerke organisiert. Somit ist die fachtechnisch korrekte Ausführung einschließlich<br />
sämtlicher Anschlüsse z. B. zu den Fenstern auftraggeberseitig (Bauherr) zu organisieren und zu überwachen.<br />
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der zu erstellende Fassadenputz einer bestimmten allgemeinen bauaufsichtlichen<br />
Zulassung unterliegt. Diese haben wir diesem Bauvertrag als Anlage beigelegt. Es liegt in der Verantwortung<br />
des Auftraggebers (Bauherr) die Zulassung verpflichtend mit dem beauftragten Putzhandwerker zu<br />
vereinbaren und deren Einhaltung zu überwachen.<br />
Sämtliche besagten Leistungen bezüglich der Außenwand und deren Anschlüsse wurden unsererseits angeboten<br />
und erläutert, auftraggeberseitig allerdings nicht beauftragt. Somit beinhalten unsere Leistungen keinen Putzaufbau<br />
und dessen Anschlüsse im Bereich der Fenster und Außentüren. Einen Anspruch auf diesbezügliche Gewährleistung<br />
besteht mit diesem Vertrag somit nicht.<br />
Das Überwachen der besagten Leistungen der anderen Gewerke durch uns als Auftragnehmer erfolgt nur für den<br />
Fall, in dem der Auftraggeber (Bauherr) uns mit der Überwachung schriftlich beauftragt.<br />
Nach Fertigstellung der Montage des Putzuntergrundes (Holzfaserdämmplatte) durch uns als Auftragnehmer werden<br />
wir zu einer technischen Abnahme auffordern. Das Protokoll ist vom Auftraggeber zu unterzeichnen. Die<br />
anderen Gewerke sollten ebenfalls anwesend sein und die Unbedenklichkeit unserer Vorleistungen bescheinigen.<br />
1 Allgemeine technische Vertragsbedingungen<br />
2 Der Textvorschlag ist baurechtlich für den Einzelfall zu prüfen und anzupassen.<br />
21
C. Bauvertrag<br />
4. „3-Gewerke-Vertrag“<br />
4. „3-Gewerke-Vertrag“<br />
Bauherren suchen aus Gründen der Sicherheit und Zeitersparnis Komplettleistungen „schlüsselfertig“. Laien (Bauherren)<br />
geben die Maßnahme in eine Hand. Trotz des Wunsches nach Dienstleistung wird nicht unbedingt die Hilfe<br />
eines Architekten gesucht. Ob der Verzicht allein an den Kosten liegt, ist schwer zu ergründen. Bauherren geben<br />
dem Baupartner den Vorzug, der zum einen kompetent und vertrauenswürdig erscheint und andererseits das<br />
beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Nicht selten wird das ausführende Hauptgewerk direkt angesprochen.<br />
Bei Neubauten auf der „grünen Wiese“ werden sehr häufig Bauträger und GUs beauftragt. Aber wie verhält es sich<br />
beim Bauen im Bestand, bei Ausbauten, Anbauten und Aufstockungen? Auch hier sind Komplettleistungen durchaus<br />
gewünscht.<br />
In Abschn. A. „Einführung“ war bereits von den „Hausbauteams“ die Rede. Eine abgestimmte Zusammenarbeit<br />
bietet die Grundlage für das Gelingen von Baumaßnahmen. Dabei geht es um Sicherheit mit dem Vermindern von<br />
Risiken in der Gewerkeabstimmung.<br />
Risiken für das Handwerk<br />
Komplettleistungen sind für Bauherren eine gute Sache und<br />
werden geschätzt. Auf der anderen Seite entstehen allerdings<br />
neue Risiken für das Handwerk, wenn es eine schlüsselfertige<br />
Leistung anbietet. Die Aufschläge auf<br />
Fremdleistungen müssen einiges abdecken:<br />
• Vertriebsarbeit, Beratung und ggf. Planung<br />
• Bauleitung<br />
• Vertragsrisiken<br />
• Finanzierung<br />
• Wagnis und Gewinn<br />
Vieles von dem muss sowohl von dem Nachunternehmer<br />
als auch dem Generalübernehmer und somit doppelt kalkuliert<br />
werden. Dies verteuert die Leistungen.<br />
Foto: Ing.-Büro<br />
Abb. 5 Für Gebäudeerweiterungen gibt es eine<br />
beständige Nachfrage - abgestimmte und<br />
komplette Dienstleistungen sind gewünscht.<br />
Wie viel Gewährleistung möchte der Bauherr?<br />
Bauherren genießen heute einen umfassenden Gewährleistungsanspruch. Handwerker staunen immer wieder<br />
über gerichtliche Entscheidungen. Wohngebäude sind komplexe Produkte und hochindividuell. Dazu besteht im<br />
Privatkundengeschäft zumeist eine unklare Vertragsgrundlage. Die VOB gilt nicht, statt dessen gilt das BGB. Dieses<br />
wiederum war bezüglich der Anforderungen beim Bauen bisher recht ungenau. Ein Bau-BGB ist seit vielen<br />
Jahren in Arbeit und tritt nun zum 1. Jan. 2018 in Kraft. Es ergeben sich dadurch neue Vertragsbedingungen.<br />
Zurück zum Thema Gewährleistung. Wer übernimmt für was die Garantie? Wie viel Gewährleistung möchte der<br />
Bauherr? In Tab. 8 wird darüber aufgeklärt wie viel Gewährleistung ein Bauherr bei den verschiedenen Ausbaustufen<br />
erwarten kann. Dies sollte der Bauvertrag eindeutig formulieren. Dann sollte bei nicht kompletter Leistung definiert<br />
werden, wer für die Bauüberwachung verantwortlich ist. Andernfalls kann das Bauhauptgewerk bei Mängeln<br />
auch für nicht erbrachte Leistungen belangt werden. Dies gilt für den Wärme-, Feuchte-, Brand- und Schallschutz.<br />
22
Drei Baupartner genügen für Komplettleistungen<br />
Als interessanten Ausweg kann das Vertragsmodell „3-Gewerke-Vertrag“ (3GV) empfohlen werden.<br />
1. Das „Außen-fertige-Gebäude“ als kompletter Witterungsschutz, Wärmedämmung, evtl. Brandschutz<br />
2. Die komplette Gebäudetechnik incl. Nass- und Heizestriche, Fliesenarbeiten<br />
3. Innenausbau, Böden, Türen, Treppe, Tischlerarbeiten, Innenoberflächen<br />
Gewerk /<br />
Vertrag<br />
im 3GV<br />
<br />
Holzbau<br />
<br />
Gebäudetechnik<br />
<br />
Innenausbau<br />
Tab. 8<br />
Leistung und Garantien<br />
Rohbau a<br />
Ausbaustufen<br />
außen<br />
fertig<br />
a Die Ausbaustufe Rohbau kann nur empfohlen werden, wenn ein bauleitender Architekt beauftragt wurde.<br />
b Ein Keller wäre vom Bauherren gesondert zu beauftragen.<br />
fast<br />
fertig<br />
Jeder der drei Gewerke bleibt in seinem Kompetenzfeld und handelt eigenverantwortlich. Ein gemeinsamer Terminplan<br />
und gemeinsame Abnahmen sind die Basis für einen abgestimmten Bauablauf. Ziel ist es ein bezugsfertiges<br />
Gebäude anbieten zu können, ohne den Einzelnen zu überfordern. Die Schnittstellen bei der Ausführung sind<br />
auf ein Minimum reduziert, Leistungsumfang und Garantien sind klar geregelt, es gibt keine doppelten Zuständigkeiten.<br />
Alle drei Fachhandwerksbertriebe zeigen sich als „Teamplayer“ im Sinne eines überzeugenden Gesamtergebnisses.<br />
Ausbauhaus<br />
bezugsfertig<br />
Entwurf, Gebäudeplanung<br />
ja ja ja ja<br />
—<br />
Erdbau, Fundamente b<br />
ja ja ja ja<br />
Tragwerk ja ja ja ja ja<br />
Fenster<br />
ja ja ja ja<br />
Wärmeschutz, Luftdichtung ja ja ja ja<br />
—<br />
Witterungsschutz<br />
ja ja ja<br />
—<br />
Terrassen, Podeste — — ja<br />
Technische Gebäudeausrüstung<br />
mit Ausführungsplanung<br />
ja ja<br />
Nassestrich, Heizestrich<br />
— — —<br />
ja ja<br />
Fliesen — ja<br />
Innenbekleidungen<br />
ggf. mit Schall- und Brandschutz<br />
ja ja<br />
Treppe, Innentüren — — — ja ja<br />
Einbauschränke<br />
ja<br />
—<br />
Böden, Maler<br />
ja<br />
Vorschlag für die Ausbaustufen im „3-Gewerke-Vertrag“.<br />
23
D. Werkplanung<br />
4. „3-Gewerke-Vertrag“<br />
Foto: Ing.-Büro Meyer<br />
D. Werkplanung<br />
Für den Holzbau spielt die professionelle Werkplanung eine entscheidende Rolle. Die effiziente Erstellung eines<br />
Gebäudes hängt maßgeblich von der zeichnerischen Vorbereitung ab. Der Zuschnitt des Rahmentragwerkes<br />
erfolgt im Vorwege und nicht durch „messen-anzeichnen-schneiden“ an der Baustelle. Der Holzbau funktioniert<br />
nun mal anders als der klassische Mauerwerksbau.<br />
Im Mauerwerksbau genügt die Ausführungsplanung eines Architekten, um die Geometrie der Wände real umzusetzen.<br />
Im Holzbau ist das anders, wenn es um eine vorgefertigte Arbeitsweise geht. Dann werden Elemente in<br />
der Werkhalle produziert und an die Baustelle gefahren. In Tab. 9 wird der Unterschied zwischen einer Ausführungsplanung<br />
eines Architekten und einer Werkplanung durch die Zimmerei deutlich. Im Holzbau ist die Ausführungsplanung<br />
eines Architekten bei kleineren überschaubaren Projekten verzichtbar. Bei größeren, komplexeren<br />
Projekten sattelt die Werkplanung auf der Ausführungsplanung des Architekten auf.<br />
Die Werkplanung ist eine umfassende Leistung und muss mit dem Angebot kalkuliert werden.<br />
24
Ausführungsinformation<br />
Ausführungsplanung<br />
durch Architekten<br />
Maßstab mind. 1:50, Detailplanung 1:10 / 1:5<br />
Grund- und Höhenmaße<br />
Öffnungsmaße<br />
Tragwerkselemente aus der Statik<br />
Installationsschächte aus der<br />
Haustechnikplanung<br />
Ausführung Fenster und Verschattung<br />
Anschlussdetails<br />
Zuschnitt für das Rahmenwerk<br />
Elementierung<br />
Hinweis auf die Fertigungsmethode<br />
im <strong>Holzrahmenbau</strong><br />
enthalten<br />
—<br />
Die Ausführungsplanung<br />
ist für die Segmentfertigung<br />
(siehe Seite 14) ausreichend<br />
Werkplanung<br />
durch die Zimmerei<br />
enthalten<br />
Für die Vorfertigung in der<br />
Werkhalle bestehen höhere<br />
Anforderungen an Planung<br />
Tab. 9 Die Ausführungsinformation für die Außenwände in der Ausführungsplanung und in der Werkplanung sind<br />
auf den Rohbau zu beziehen. Innenbekleidungen und Fassadenaufbauten werden idealerweise nicht dargestellt.<br />
Es ist heute üblich geworden, dass die Beauftragung einer Ausführungsplanung an den Architekten unterbleibt.<br />
Das Fehlen einer frühzeitigen und kompetenten Detailplanung ist u. U. Ursache für Ausführungsfehler.<br />
Die Werkplanung des Zimmerers setzt früh an. Dies ist für manche Bauherren und Architekten gewöhnungsbedürftig,<br />
hat aber entscheidende Vorteile. Die Planung findet im Büro statt und nicht an der Baustelle. Ausführung<br />
auf Zuruf, wie es im Mauerwerksbau verbreitet ist, funktioniert im Holzbau nicht. Denn es ist alles vorgefertigt,<br />
wenn der Zimmerer an der Baustelle beginnt. Die Werkplanung kann eine Ausführungsplanung ersetzen.<br />
Arbeiten nach Checklisten<br />
Die Anforderungen an Gebäude sind heute so hoch, dass es teilweise schwer ist den Überblick zu behalten. In die<br />
Werkplanung spielt sehr viel an Informationen rein. Um so wichtiger ist es, den Planungsstand fortlaufend zu dokumentieren,<br />
um einen zeitlichen Verzug möglichst frühzeitig zu erkennen. Trotz des verständlichen Wunsches nach<br />
schnellem Fertigungsbeginn ist Sorgfalt für das hochwertige Endergebnis von größter Bedeutung.<br />
Beispiel Planung der Gebäudetechnik: Die Leitungsführung hat sehr großen Einfluss auf die Rohbaukonstruktion.<br />
• Sturzhöhen von Innentüren - der Fußbodenaufbau bemisst sich u.a. nach dem Leitungsmaß, Schellen, Muffen.<br />
• Steigleitungen benötigen ausreichend dimensionierte Installations- und Innenwände.<br />
• Lüftungsleitungen sind innerhalb oder unterhalb der Geschossdecken zu verziehen.<br />
• Wandhalterungen für Sanitärobjekte benötigen Befestigungshölzer an den richtigen Stellen.<br />
Zur Durchführung der Werkplanung sollte die Fachplanung der Gebäudetechnik vorliegen.<br />
25
D. Werkplanung<br />
4. „3-Gewerke-Vertrag“<br />
Informationen zur Werkplanung Status a Bemerkung b<br />
Entwurfszeichnungen<br />
Baubeschreibung<br />
Aufmaß<br />
örtliche Begebenheiten<br />
Statik<br />
Feuchte- / Holzschutz<br />
Luftdichtheitskonzept<br />
Wärmeschutz / EnEV / KfW<br />
Fachplanung Hzg./Lüft.<br />
Fachplanung Elektro<br />
Brandschutz<br />
Schallschutz<br />
Ausführung Fenster,<br />
Verschattung<br />
Ausführung Fassade<br />
Sondermaterial, Bestellung c<br />
Lieferzeit:<br />
Materiallisten, Bestellung<br />
Ladelisten<br />
Fertigungsabfolge<br />
Elementcheckliste<br />
Tab. 10 Checkliste zur sicheren Werkplanung. Die notwendigen Informationen sollen rechtzeitig und verbindlich<br />
vorliegen. Im Zuge der Werkplanung wird der Informationsfluss anhand dieser Checkliste regelmäßig überprüft.<br />
Ziel ist es, die Störfaktoren für den Bauablauf möglichst frühzeitig zu erkennen.<br />
Auftragsunterlagen<br />
Fertigung<br />
a Hier wird eingetragen, welchen Stand des Informationsflusses aktuell besteht. Zum Beispiel:<br />
nicht notwendig / angefragt / vorhanden / fertig gestellt / Vorlage beim Kunden / Freigabe erteilt<br />
b Hier kann u. a. eingetragen werden, wer sich bis wann um die Fertigstellung kümmert.<br />
c Lieferzeiten und Lieferort auf der Bestellliste angeben.<br />
Wer macht was? Auch dies wird aus Tab. 10 deutlich. Hat die Bauherrschaft alle Aufträge zur Fach- und Detailplanung<br />
erteilt? Beizeiten kann auf die Notwendigkeiten hingewiesen werden.<br />
Arbeitsteilung und Zuständigkeiten – Der Zimmerer übernimmt Verantwortung und sorgt durch die<br />
Werkplanung für die Grundlage eines möglichst reibungslosen Bauablaufes.<br />
26
Nacharbeit im Zuge der Werkplanung<br />
In Tab. 9 wurde bereits auf die Unterschiede der<br />
Ausführungs- und Werkplanung hingewiesen. Abb.<br />
6 zeigt den Ausschnitt aus einer Werkplanung, die<br />
auf den <strong>Holzrahmenbau</strong> abgestimmt wurde. Innenbekleidung<br />
und Fassadenaufbau fehlen. Die Maßketten<br />
berücksichtigen das Rahmenwerk (hier d =<br />
160 mm) und die innere aussteifende Beplankung<br />
(hier d = 15 mm). Während im Entwurf noch<br />
<strong>gesamt</strong>e Wanddicken vermaßt werden, ist dies bei<br />
der Ausführungsplanung auf die Rohbaukonstruktion<br />
zu reduzieren (hier Wanddicke d = 175 mm).<br />
Die dargestellte Planung genügt um einen <strong>Holzrahmenbau</strong><br />
in der Methode „Segmentfertigung“ auf der<br />
Baustelle zu errichten. Bei der Vorfertigung sind<br />
Wandansichten üblich und sinnvoll.<br />
Sonderbauteile aus dem Tragwerksnachweis<br />
müssen in die Werkplanung integriert werden.<br />
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BRH 0.80<br />
SH 2.30<br />
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BRH 0.80<br />
SH 2.30<br />
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Abb. 6 Grundriss eines Erdgeschosses als Ausschnitt<br />
aus einer Planung zum <strong>Holzrahmenbau</strong>.<br />
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Unabhängig von der Fertigungsmethode geht<br />
es im nächsten Schritt um die Geschosshöhen.<br />
Hier bestehen immer wieder Abweichungen,<br />
die am Ende zu Lasten der lichten<br />
Raumhöhe gehen können. Bauherren zeigen<br />
hier nur wenig Toleranz.<br />
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Abb. 7 Geschosshöhen.<br />
Schnittzeichnung zur Vorlage<br />
bei der Bauherrschaft<br />
(Beispiel Erdgeschoss).<br />
Abb. 8 Umsetzung der<br />
Höhen im <strong>Holzrahmenbau</strong>.<br />
Der Meterriss dient als<br />
Kontrollmaß für die Wandöffnungen.<br />
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27
E. Vertrieb<br />
4. „3-Gewerke-Vertrag“<br />
Foto: Colourbox<br />
E. Vertrieb<br />
Beim Bau von Dächern oder bei deren Sanierung stoßen Investoren fast zwangsläufig auf den Zimmerer. Diese<br />
Leistung wird eindeutig mit Gewerk Holzbau in Verbindung gebracht. Beim <strong>Holzrahmenbau</strong> ist das anders. Der<br />
Bau ganzer Geschosse ist für viele Investoren nicht naheliegend die Leistung des Zimmerers. Sowohl der Bau von<br />
Wänden aus Holz ist für viele Neuland, als auch die Zimmerei als Baupartner. Die Holzbauquote liegt je nach<br />
Region zwischen 5% und 30%. Von einer Marktführerschaft ist der Holzbau somit weit entfernt. Vielen Investoren<br />
und mit Ihnen den Architekten liegt der Mauerwerksbau näher.<br />
Schon aus diesem Grund ist die Betrachtung des Vertriebs wichtig für eine erfolgreiche Entwicklung. Schließlich<br />
soll sich der Bau von Wänden (Geschossen) zu einem dauerhaften Standbein in den Zimmereien etablieren. Es ist<br />
notwendig die Leistung vertrieblich bekannt zu machen.<br />
Der <strong>Holzrahmenbau</strong> soll weiter in das Bewußtsein der Entscheider rücken.<br />
28
1. Gründe für die Entscheidung <strong>Holzrahmenbau</strong><br />
Warum sollte sich ein Investor für die Bauart <strong>Holzrahmenbau</strong> und gegen den Mauerwerksbau entscheiden?<br />
Handwerksbetrieb<br />
<strong>Holzrahmenbau</strong><br />
zuverlässiger und kompetenter<br />
Zimmerer empfiehlt sich für das<br />
Bauen von Wänden / kompletter<br />
Geschosse<br />
Mauerwerksbau<br />
Standardleistung eines<br />
Maurerbetriebes<br />
Baumethode<br />
vorgefertigt und trocken<br />
an der Baustelle, Verwendung von<br />
viel Wasser, Trocknung notwendig<br />
Bauzeit sehr beschleunigt normal<br />
Planung<br />
Geometrie des Gebäudes<br />
Wärmeschutz<br />
Brandschutz<br />
Grenzbebauung<br />
Schallschutz<br />
Material<br />
Umwelt<br />
Werkplanung vorab<br />
verspringende Geschosse einfach<br />
möglich, komplexe Formen lassen<br />
sich leicht realisieren, z. B. Wände<br />
unter geformten Dächern<br />
höheres Maß bei kleineren<br />
Wandquerschnitten<br />
(Tragwerk = Hauptdämmebene)<br />
bis Gebäudeklasse 3 einfach zu<br />
lösen, feuerhemmend<br />
als Gebäudeabschlusswand<br />
möglich und geregelt<br />
ggf. viele Entscheidungen an der<br />
Baustelle<br />
eher für die rechteckige Form<br />
geeignet<br />
Zusatzdämmebene erforderlich,<br />
die Wände werden mit den<br />
Anforderungen dicker<br />
in allen Gebäudeklassen möglich<br />
möglich<br />
bei den Wänden ist die Schallschutzleistung vergleichbar,<br />
die Qualität hängt jeweils stark von dem Wandaufbau ab<br />
nachwachsender Rohstoff,<br />
organisch,<br />
keine Reststoffe, CO 2 -Speicher<br />
(Klimaschutz)<br />
viele Betriebe sind zertifiziert und<br />
Qualität, Güteüberwachung kennzeichnen ihre Bauteile mit<br />
dem Ü-Zeichen / RAL<br />
Tab. 11 Gründe sich für den <strong>Holzrahmenbau</strong> zu entscheiden.<br />
Rohstoffabbau, mineralisch<br />
Reststoffentsorgung,<br />
energieintensive Herstellung<br />
Baustellenfertigung<br />
29
E. Vertrieb<br />
2. Welche Rolle spielen Architekten?<br />
2. Welche Rolle spielen Architekten?<br />
Dazu ist es wichtig sich über die typischen Dienstleistungen eines Architekten im Klaren zu sein:<br />
• Prüfung der Baubarkeit, Bauordnungsrecht<br />
• Beurteilung der bestehenden Bausubstanz<br />
• Abgleich von der bisherigen zu der geplanten Nutzung<br />
• Entwurf zur Gestaltung und Nutzung<br />
• ggf. Einholen von Fachplanungen (z. B. Tragwerksplanung)<br />
• Bauantragsverfahren<br />
• ggf. Baubegleitung - Empfehlung: mind. Teilnahme an den verschiedenen Abnahmen<br />
Die ersten sechs Leistungselemente sind hier zu betrachten. Will der Zimmereibetrieb hier keine eigenen Dienstleistungen<br />
anbieten, so ist die Zusammenarbeit mit Architekten unabdingbar. Dies kann auf drei Arten erfolgen:<br />
1. Den Bauherren werden Architekten empfohlen, sie kümmern sich selbst um einen Planungsvertrag.<br />
Nachteil: Begrenzter Einfluss auf die Vergabe. Sogar ein Umschwenken auf den Mauerwerksbau ist möglich.<br />
2. Die Zimmerei bleibt im Boot und sorgt mit seinem Stammarchitekten für einen Planungsvertrag.<br />
3. Die Zimmerei schließt selbst mit dem Bauherren einen Planungsvertrag und beauftragt seinerseits einen<br />
Architekten.<br />
Der Zugriff auf die Baumaßnahme ist bei der ersten Lösung am geringsten und der Dritten am größten. Die Aufgabe<br />
des Zimmereibetriebes ist in allen drei Varianten die Kostenseite zu begleiten. Dies beginnt mit einer ersten<br />
Kostenschätzung bis hin zum konkreten Angebot für eine durchgeplante Baumaßnahme. Ziel ist es mit dem Architekten<br />
eine möglichst gut abgestimmte Planungsphase herzustellen. Je reibungsloser dies funktioniert, desto besser<br />
empfehlen sich Architekt und Zimmerei als Baupartner für die Bauherren.<br />
Aus vertrieblicher Sicht ist es eine wichtige Aufgabe für die Zimmerei eine gute Zusammenarbeit mit Architekten<br />
herzustellen. Diese begründet sich aus Kompetenz, Vertrauen und einem interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis.<br />
Klare Absprachen sollte es darüber geben, wo eine kostenlose Beratung endet und eine kostenpflichtige Planungsphase<br />
beginnt. Außerdem ist abzustimmen, wie der Bauauftrag für die Zimmerei in einer möglichst hohen<br />
Quote gesichert werden kann.<br />
In den Prozessen können die zwei anderen Gewerke (siehe Seite 22) eingebunden werden.<br />
Ein wesentliches Arbeitsfeld für die Zimmerei könnte die Erweiterung im Bestand in Form von Anbauten, Aufstockungen<br />
oder ganzer Umnutzungen sein. Hier ist eine Planungsphase gemeinsam mit einem Architekten<br />
besonders naheliegend.<br />
Wie geht die Zimmerei vor? Aufgabe ist es die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Architekten aktiv zu fördern<br />
und in gemeinsamen Projekten einzuüben. Dabei sollte es unerheblich sein, wer von den Partnern den Bauinteressenten<br />
aquiriert hat.<br />
30
3. Gewinnung von privaten Investoren<br />
Im vorigen Thema wurden die Erweiterungen im Bestandsbau als ein wesentliches Aufgabenfeld unterstrichen.<br />
Wie lassen sich diese oft privaten Bauherrengruppen gewinnen? Im Grunde kann die Werbung ganz gezielt erfolgen.<br />
Denn es steht die Adresse dieser Gebäude fest. Es sind die Wohngebiete, die vor mehreren Jahrzehnten<br />
erschlossen wurden. Bei Gebäuden, die bis in die 1990er Jahre gebaut wurden können heute bereits Nutzungserweiterungen<br />
anstehen. Die Motive dafür sind vielfältig und hängen mit Änderungen der Familien- und Berufsverältnisse<br />
zusammen. Die Motivation zu baulichen Veränderungen ist dann am größten, wenn Eigentümerwechsel<br />
anstehen oder die Aufnahme einer weiteren Generation in separaten Wohnungen ansteht. Aber auch berufliche<br />
Selbständigkeit ist ein häufiges Motiv zu baulichen Veränderungen.<br />
Kurzum, die Adressen dieser Gebäude sind zu ermitteln. Bei selbstgenutztem Eigentum wohnen die potenziellen<br />
Investoren selbst darin. Die Frage ist nur, wie das Interesse an der Gebäudeerweiterung gefördert werden kann.<br />
Man unterscheidet drei Wege für Marketingmaßnahmen, die in Tab. 12 aufgezeigt werden.<br />
Art der Werbung Kontakt Werbemaßnahmen<br />
anonym<br />
halbanonym<br />
Vorstufe zur<br />
Kontaktaufnahme<br />
eine persönliche<br />
Kontaktaufnahme<br />
ist für den<br />
Interessenten<br />
unmittelbar<br />
möglich<br />
Dazu zählen die gedruckte Werbung und das Internet. Hier kommt<br />
es darauf an die Dienstleistung transparent zu präsentieren und die<br />
Personen zu zeigen, zu denen Kontakt aufgenommen werden kann.<br />
Melden sich darauf Interessenten, kann (anonym) eine weitere Info<br />
gesandt werden, Einladungen ausgesprochen werden<br />
(halbanonym) oder die persönliche Kontaktaufnahme erfolgen.<br />
Dieses Feld darf nicht unterschätzt werden. Der potenzielle<br />
Interessent erhält Einladungen zu Veranstaltungen. Dies können<br />
Messen, Gewerbeschauen, Informationsabende oder eine<br />
Baustellenbesichtigung sein.<br />
Der Interessent entscheidet selbst, ob er bei der Veranstaltung<br />
Kontakt aufnimmt und wieviel Information er über sich und seine<br />
geplante Maßnahme preisgibt.<br />
persönlich direkt im 1:1<br />
Es handelt sich hier um das persönliche Beratungsgespräch. Es<br />
entscheidet sich, ob eine Vertrauensbasis entwickelt werden kann,<br />
ob das Dienstleistungsangebot passt.<br />
Für den Anbieter lohnt es sich das erste Beratungsgespräch mit<br />
einem „roten Faden“ zu versehen. Der Interessent merkt alsbald,<br />
dass die Zusammenarbeit eine professionelle Ebene hat.<br />
Tab. 12 Wie können Bauherren angesprochen werden? Es werden drei Maßnahmen unterschieden.<br />
Es hat sich gezeigt, dass Werbemaßnahmen in allen drei Arten von Vorteil sind (Tab. 12). Der Interessent hat eine<br />
mehrstufige Möglichkeit, um die Leistung zu beurteilen und Vertrauen zu den handelnden Personen zu gewinnen.<br />
Die Gebäudeerweiterung ist schließlich eine größere Investition, dazu findet sie im bewohnten Zustand statt. Das<br />
ist anders als der Bau auf der „grünen Wiese“.<br />
31
E. Vertrieb<br />
4. Wie läuft das beim 3GV?<br />
Welche Werbemaßnahmen sind zu empfehlen?<br />
In Tab. 12 sind die Maßnahmen genannt, die sich als hilfreich erwiesen haben. Es geht nicht ohne „bedrucktes<br />
Papier“, nicht ohne gut gemachte Internetseite. Das Beratungsgespräch im „1:1“ ist von größter Bedeutung. Letzteres<br />
kostet viel Zeit und sollte dosiert eingesetzt werden. Der „Chef“ fährt nur zu Beratungsgesprächen, wenn ein<br />
Bedarf deutlich zu erkennen ist. Ansonsten ist das Beratungsgespräch im Betrieb sehr wertvoll. Einerseits lernt der<br />
Interessent den Betrieb kennen, andererseits zeigt er mit dem Besuch, dass es ihm Ernst ist. Wenn das erste<br />
Gespräch am Objekt stattfindet, sollte spätestens das zweite Gespräch im Betrieb stattfinden. Vielleicht ist dann<br />
auch der Architekt dabei.<br />
4. Wie läuft das beim 3GV?<br />
Der „3GV“ ist die Kurzform vom 3-Gewerke-Vertrag. Auf Seite 22 wurden bereits Details erläutert. Nun geht es um<br />
die vertrieblichen Aspekte, schließlich ist die Art des Bauvertrages für den Investor elementar. Gegenüber der Einzelvergabe<br />
von Gewerken ist der 3GV im Vorteil. Bei 10 bis 12 Gewerken besteht bei jeder Schnittstelle die Gefahr<br />
von fehlenden Leistungen oder auch unpassenden Leistungen. Unpassend, wenn z. B. das Folgegewerk von einer<br />
anderen Vorleistung ausgegangen ist und sich daraus Änderungen und ggf. Zusatzkosten ergeben.<br />
Wie ist es bei einem Vergleich mit einem Anbieter „schlüsselfertig“? Vertraglich mag es sicherer erscheinen alles in<br />
einem Vertrag zu wissen. Aber es gibt Vorteile und die gilt es für den 3GV herauszustellen.<br />
Im 3GV haben sich drei spezalisierte Fachfirmen zu einer Arbeitsgemeinschaft organisiert. Sie repräsentieren<br />
jeweils ihr Spezialgebiet und haben hier besondere Kompetenz.<br />
1. Gebäudehülle, Tragwerk, außen fertig, incl. Entwurfsplanung und Bauantrag<br />
2. Gebäudetechnik, Bäder<br />
3. Innenausbau, Tischler, Oberflächen innen<br />
Die Verschiedenheit der Fachgebiete macht deutlich, wie wichtig es als Bauherr ist, auf das Fachwissen von Fachbetrieben<br />
zurückgreifen zu können. Für jeden Bereich ist eine Fachberatung erforderlich, um alle Details und Ausstattungselemente<br />
kompetent zu bemustern. Es ist jeweils eine Fachplanung erforderlich, um das beste Preis-<br />
Leistungs-Verhältnis für die jeweiligen individuellen Wünsche und Anforderungen darzustellen.<br />
Wie ist es bei dem Schlüsselfertig-Anbieter? Kann hier tatsächlich so umfänglich beraten werden? Können Bauträger<br />
für alle Gewerke ausgewiesene Fachfirmen nachweisen? Oder beauftragen Bauträger nicht viel häufiger<br />
Handwerksbetriebe mit sehr günstigen Kosten? Schließlich soll der Gewinn beim Bauträger bleiben. Sicherlich gibt<br />
es auch bei Bauträgern Unterschiede in der Qualität. Dies dürfte sich dann aber auch im Preis widerspiegeln, und<br />
hier ist der 3GV wettbewerbsfähig. Die doppelte Gewährleistung, die doppelte Bauleitung und der doppelte<br />
Gewinnaufschlag müssen schließlich irgendwo herkommen.<br />
Zusammengefasst sind die Vorteile des 3GV:<br />
• drei kompetente Fachbetriebe statt vieler Gewerke oder einem Bauträger<br />
• klare Leistungsabgrenzung mit gemeinsamen Zwischenabnahmen<br />
• gemeinsamer verbindlicher Terminplan (siehe Tab. 13)<br />
• Eindeutige Gewährleistung durch Fachbetriebe vor Ort, mit nachfolgendem Service und Wartung<br />
32
Bauablauf Planungsphase Bauphase<br />
Woche 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15<br />
Bemusterung a Entwurf Technik / Fenster, Fassade Fliesen /<br />
San.<br />
Tischler Maler <br />
Planung<br />
Bauantrag <br />
Ausführungsplanung<br />
Rohbau <br />
Gebäudetechnik <br />
Ausführung<br />
Abnahmen<br />
Entwurf <br />
Detailplanung <br />
Fundamente b ,<br />
Rohbau, Fenster <br />
Fassade <br />
Technik, Rohinstallation Fliesen, San., Hzg.<br />
Rohbau,<br />
Prüfung LD <br />
Anschlüsse Gebäudetechnik <br />
Innenausbau Maler, Tischler <br />
Fassade Maler, Tischler <br />
Fliesen, Objekte Schlussabnahme<br />
<br />
Tab. 13 Beispiel eines Bauprozesses mit 10 Wochen Planungszeit und 15 Wochen Bauzeit. Den Bauherren soll<br />
hiermit deutlich werden wie Schritt um Schritt der Wunsch in die gebaute Realität umgesetzt wird.<br />
a Gemeint sind hier die notwendigen Entscheidungen der Bauherrschaft über die Ausstattung auf der Basis von Bemusterungen.<br />
Dazu gehören u. a. Ausstattungselemente, Material und Farbe.<br />
b Incl. Erdbau und Fundamentplatte, beim Bau eines Kellers ist hier mehr Zeit einzuplanen.<br />
Vertragliche Verpflichtungen<br />
Ein Bauprozess muss mit vielen Entscheidungen der Bauherrschaft begleitet werden. Eine geordnete Abwicklung<br />
der baulichen Maßnahmen ist nur möglich, wenn frühzeitig das richtige Material geordert werden kann. Lieferzeiten<br />
sind gerade bei Sonderwünschen zu berücksichtigen. Dies liegt im Interesse aller Beteiligten. Bei einem<br />
beschleunigten Bauablauf ist der Kunde zufrieden und für die Ausführenden wird die Effizienz leichter erreicht.<br />
„Bemusterung“ und „Abnahmen“ (Tab. 13) liegen im Verantwortungsbereich des Bauherren. Auch diese<br />
Termine sollten vertraglich vereinbart sein, um einen terminlichen Verzug aufgrund von Lieferzeiten zu vermeiden.<br />
Die terminliche Steuerung und die Begleitung des vorausschauenden Entscheidungsprozesses des Bauherren ist<br />
eine wichtige Aufgabe. Die Bemusterungs(end)termine werden im Bauvertrag festgehalten. Somit kann der Bauherr<br />
frühzeitig seine Ausstellungsbesuche planen und kommt viel weniger in Zeitdruck und Entscheidungsnot. Und<br />
dies im Sinne eines ruhigen und geordneten Bauablauf.<br />
Die Zwischenabnahmen sind ebenfalls für alle Beteiligten von großer Bedeutung. Der Status Quo wird an den<br />
Schnittstellen der drei Gewerke festgehalten - schriftliches Abnahmeprotokoll. Teilnehmer sind alle Gewerke und<br />
der Architekt in der Funktion als Bauherrenberater.<br />
33
E. Vertrieb<br />
4. Wie läuft das beim 3GV?<br />
Im Abnahmeprotokoll wird festgehalten:<br />
• die Ausführung stimmt mit der Planung überein<br />
• es gibt Änderungswünsche<br />
• es sind alle Vorbereitungen für die Folgegewerke getroffen<br />
• die Bemusterungen sind getroffen, die Materialbestellungen können erfolgen<br />
Eine Abnahme unter Beteiligung aller Gewerke sollte bereits bei der Detailplanung erfolgen. Hier können<br />
bereits Sonderwünsche festgestellt werden und damit Abweichungen vom Vertrag. Außerdem können Lieferzeiten<br />
bestimmt werden und damit der notwendige Bemusterungstermin.<br />
Terminplan - ein vertriebliches Element?<br />
Die ausführliche Schilderung über einen Terminplan soll ein<br />
vertriebliches Thema sein? Aus Sicht des Autors ja, denn<br />
bereits in den ersten Beratungen des Interessenten kann<br />
mit einer professionellen Abwicklung gepunktet werden.<br />
Bauherren haben meist gehörigen Respekt vor der Bauphase<br />
und dem aus ihrer Sicht sehr unübersichtlichen Bauprozess.<br />
Erst recht dann, wenn es sich um eine<br />
Bestanderweiterung geht und sie für diese Zeit auf der Baustelle<br />
wohnen müssen.<br />
Sorgt der Anbieter frühzeitig für eine gute Transparenz, so<br />
ist er im Vorteil. Bauherren wollen und müssen geführt werden.<br />
Allein die Aussage „das wird schon“ überzeugt wenig.<br />
Bauherren wollen ihren Teil dazu beitragen, dass der „Ausnahmezustand-Baustelle“<br />
möglichst rasch überstanden ist.<br />
Der Bauherr soll sich in den Takt der Baustelle einfinden<br />
und dies geht nur mit frühzeitiger Transparenz. Schon im<br />
ersten Beratungsgespräch sollte dieses Thema angesprochen<br />
werden.<br />
Foto: Fotolia<br />
Abb. 10 Im ersten Kundengepräch gehört die<br />
Schilderung des Bauprozesses dazu. Vielleicht<br />
ein Plan wie Tab. 13.<br />
34
Impressum<br />
Herausgeber<br />
EUROBAUSTOFF Handelsgesellschaft mbH & Co. KG<br />
Auf dem Hohenstein 2 + 7<br />
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Fon: +49 6032 805-0<br />
Fax: +49 6032 805-265<br />
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www.eurobaustoff.de<br />
Verfasser<br />
Ingenieurbüro<br />
Dipl.-Ing. Holger Meyer<br />
27356 Rotenburg<br />
www.meyer-ingenieurbuero.de<br />
35
Bildnachweise Titel- und Rückseite: Holger Meyer Ingenieurbüro<br />
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