...der steirer land ... Ausgabe 02/2018

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45. Ausgabe Nr. 02/ 2018 I EUR 5,00

5 JEDER MENSCH HAT SEINE ZEIT 5

Wer bist –

wos wüllst? Seite 4

Ein Feuer wird

entzündet

lSeite 15

Die Winkler-

Dirndln

lSeite 37

Ein wenig

zu wenig

lSeite 57

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INHALT 5

Wer bist – wos wüllst? 4

Sehr geehrte

Leserinnen und Leser

von ...der steirer land...,

während diese Ausgabe unseres Magazins entstand,

begleitete mich beinahe täglich der Ruf eines Kuckucks.

Ein interessanter Vogel, der es sich zur Aufgabe

gemacht hat, seine Verantwortung – das Ausbrüten

seiner Nachkommenschaft – anderen zu überlassen.

Und dann steht man mitten im Tagewerk, macht seinen

Job, spricht mit vielen Menschen und hört sich

deren Sorgen und Probleme an. Man erfährt, wer

was, wann und wo tut, bekommt die neuesten Skandale

und Gerüchte serviert und hört sich an, weil

man ja höflich ist, wie schlecht die Welt doch zu jedem

Einzelnen ist – der unverstanden und geschunden

sein Leben meistern muss. Und wieder höre ich

den Kuckuck und denke darüber nach, wie viel wir

eigentlich mit ihm gemeinsam haben. Wie gerne wir

doch unsere Verantwortung auf andere abschieben

und mit wieviel Begeisterung so manch einer darauf

wartet, dass ein anderer das von ihm gelegte Ei ausbrütet

oder die von ihm geschaffenen Probleme bereinigt.

Ich habe durch alle meine Geschichten gelernt, dass

diejenigen, die die schwersten Schicksale zu tragen

hatten, am wenigsten jammern. Sie schoben diese

auch nicht ab, sondern stellten sich ihrer Verantwortung

und standen auf, wenn sie fielen. Es ist

verlorene Zeit, wenn mangelndes Selbstbewusstsein

Verantwortung abschiebt; umso wertvoller ist es jedoch,

wenn ich mir meiner Werte bewusst bin.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei Ihrer Reise

durch unsere Geschichten, viel Freude mit den Erzählungen

und im Namen meines Teams einen wunderschönen

Sommer.

Was dem Leben dient 6

Sommersonnenwende 8

Urlaub am/vom Bauernhof 10

Mundart 12

Ein Feuer wird entzündet 15

Woaßt as noch? 18

Bauen in der Steiermark 20

Naturpark Südsteiermark 23

Die kleinen Sünden… 27

Immer wieder kommt das „Ich“ 30

Wenn’s Wetter kummt 32

Kräuter Rath 34

Die Winkler-Dirndln 37

Nix so hoagli 40

Ringelspiel 43

Steiermärkische Berg- und Naturwacht 44

Verliebt in eine Hexe 47

Wann’s Heumahn so lustig war 52

Gigerl Kapelle 54

Do bin i her! 56

Ein wenig zu wenig 57

Regionale Geschichte 60

Buschenschänker 64

Veranstaltungen 67

Die nächste Ausgabe von

Ihr Karl Oswald

erscheint am 1. September 2018.

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Der Grund, warum es das „Steirerland“ mit allen seinen

Geschichten gibt, ist der, dass ich den vorangegangenen Generationen

jene Wertschätzung entgegenbringen möchte, die sie sich

durch ihre Leistungen verdient haben. Dass ich es dabei nicht

immer leicht habe, erzähle ich in der folgenden Geschichte.

Wenn ich eine Geschichte

schreibe, ist der Ablauf immer

derselbe: Ich besuche zum

Reden einen alten Menschen,

zeichne das Gesprochene auf

und besuche meinen Interviewpartner

mit der niedergeschriebenen

Geschichte noch einmal,

um sie absegnen zu lassen. So auch

unlängst im oberen Sulmtal. Gut zwei

Wochen zuvor war ich zum Gespräch

bei einer Dame, die ihren 90er schon

lange hinter sich hatte. Sie wusste

sehr viel von früher zu erzählen, nur

bei dem, was „gestern“ war, setzte sie

aus. Zum Glück war ihre Tochter, selbst

schon weit über 60, dabei, um sie beim

Erzählen zu unterstützen. Daheim suchte

ich mir alles zusammen, um eine schöne,

runde Geschichte daraus zu machen. Als

ich sie zu Papier gebracht hatte, rief ich an und

kündigte für den folgenden Tag meinen Besuch an.

Bereits beim Einfahren in den Hof dachte ich mir,

dass es so aussieht, als wäre die Tochter nicht daheim,

aber da ich ja gestern mit meiner Gesprächspartnerin

telefonierte, wird sich wohl kein Problem

ergeben – dachte ich zumindest.

Ich stieg aus meinem Auto, die Geschichte in der

Hand, und hämmerte gegen die schwere Doppelflügeltür

des alten Bauernhauses. Lange passierte

nichts, dann hörte ich seitlich von mir ein Fenster

aufgehen und meine Erzählerin rief heraus: „Wer

is?“ Ich antwortete: „Do is da Oswald Karli vom

Steirerlandder mit den alten Geschichten!“ Die

nächste Frage lautete: „Wos wüllst?“ Antwort:

„Dir dei G’schicht vorlesen, die du mir dazöhlt

host“. Worauf sie mich fragte, ob ich denn schon

einmal da war. Als ich ihr erklärte, dass dies vor

zwei Wochen der Fall gewesen war und wir gestern

erst telefoniert hatten, meinte sie: „I woa heit schon

beim Teich draußen – da Nochbar hot mi gfiat“.

Ich freute mich darüber und lobte sie dafür, fragte

dann aber noch einmal, ob sie mich denn nicht

hineinlassen will. Darauf meinte sie wieder: „Wos

wüllst?“

Nachdem ich wiederholt hatte, warum ich hier bin,

kam erneut die Frage: „Wer bist?“ Auch das erklärte

ich nochmals, sie verstand und fragte mich ganz

freundlich, ob wir uns denn kennen. Ja, denn vor

zwei Wochen… „Von wo kummst?“ war ihre nächste

Frage. Aus Heimschuh, meine Antwort, worauf

sie meinte: „Dann bist eh net va weit weg!“ Nein,

bin ich nicht und bevor ich noch etwas erwidern

konnte, sagte sie: „Du kummst nia drauf, wo i heit

schon woa“. Ich meinte: „Du woast heit schon ban

Teich und da Nochbar hot di gfiart“. Darauf sie ganz

erstaunt: „Woher woaßt du des?“ und dann skeptisch

weiter: „Tuast du mir lacht nochspioniern?“

Nein, tue ich nicht; wieder erklärte ich ihr, dass ich

mit ihr über ihre Geschichte sprechen möchte. Um

sicher zu gehen, dass sie mich verstehen würde, erwähnte

ich ein paar Dinge daraus. Ich sprach von

ihrem Vater, der Wirtschaft und von der Großmutter,

nur um mich dann mit der Frage konfrontiert

4


zu sehen, woher ich das denn alles weiß! „Du host

mir des olles dazöhlt“, gab ich zur Antwort, nur um

gefragt zu werden: „Wann eppa?“ Vor zwei Wochen…

Nachdem sie dann festgestellt hatte, dass

ich wohl doch schon einmal da gewesen bin, fragte

sich mich noch, ob ich den Seppl kenne. Wahrheitsgemäß

antwortete ich, dass mir dieser gute Mann

nicht bekannt ist, worauf sie meinte: „Des is mei

Nochboa“. Dummerweise fragte ich, ob es jener

Nachbar sei, mit dem sie heute beim Teich war,

worauf sie sagte: „Wia kaust du des wissen, wennst

eam net kennst!“ Wieder von vorne! Dann kamen

wir, mittlerweile waren gut zehn Minuten vergangen,

sie am Fenster über mir und ich am Trottoir

darunter, zu dem Punkt, an dem sie bemerkte, dass

ich eigentlich ein ganz netter Kerl bin.

Erleichterung kam auf und verflog gleich wieder,

weil sie sich doch fragte, was ich eigentlich hier

will. Drei Erklärungen und zwei Teichbesuche später

beschloss sie, mich hereinzulassen. Das Fenster

ging zu und ich über die Stiege hinauf zur Haustür.

Das Fenster ging auf und die Frage kam heraus:

„Bist owa eh koa Gauna, oder?“ Ich verneinte, das

Fenster schloss sich wieder und eine gefühlte halbe

Stunde später, in der ich mehr als einmal überlegte,

ob ich nicht lieber fahren soll, öffnete sich die Tür.

Ich trat ein, sie bot mir in ihrer Stube einen Platz

an und fragte noch einmal: „Wos wüllst du hiaz?“

Antwort: „Dir a G’schicht vorlesen“. Frage: „Warum?“

Antwort: „Damit ma schaun kinnan, ob olls

passt“. Darauf sie wieder: „Tuast du des öffta?“

Und nachdem ich ihr erklärt hatte, dass ich das bei

allen Leuten mache, die mir etwas erzählt haben,

stellte sie erfreut die Frage: „A woast lacht scho

oamol do?“ Vor zwei Wochen… „I woa heit schoa

ban Fischteich!“ Meine Antwort: „Wirkli, wia bist

denn duat hinkemman?“ Und nachdem sie mir erzählt

hatte, dass der Nachbar ihr Chauffeur gewesen

war, war es endlich so weit: Ich las ihr ihre Geschichte

vor. Mit großen Augen lauschte sie meinen

Worten. Fertig! „Genauso is gwesn“, meinte sie,

um mir gleich darauf die Frage zu stellen: „Woher

woaßt’n du des olls so genau?“ Antwort: „Weil du

mir des so schön erzählt hast.“ Frage: „Wann…?“

Ja, ja – leicht hat man es nicht als Schreiber von alten

Geschichten, aber lustig ist es immer!

10 JAHRE ERLEBNIS

ERDGESCHICHTE mit

Als Dankeschön für Ihr Interesse schenken

wir den TeilnehmerInnen mit dem Buch

„Rotzbua & Hobagoaß“ ein kleines Stück

unserer Geschichte.

Suche nach den versteinerten

Zeugen unserer Vergangenheit

Samstag, 16. Juni 2018

Interessierte Erwachsene und Kinder sind herzlich

eingeladen zu einer spannenden Suche nach

versteinerten Zeugen längst vergangener Zeiten.

Kinder sollten in Begleitung eines Erwachsenen

sein, die Hin- und Rückfahrt ist selbst zu

organisieren.

Dauer der Veranstaltung:

vormittags 9-12 Uhr, nachmittags 13-16 Uhr

Schriftliche Anmeldung erbeten:

UMJ, Geologie & Paläontologie

E-Mail: ingomar.fritz@museum-joanneum.at

Tel.: 0664 8017 9731

Kosten: Der Unkostenbeitrag für die wissenschaftliche

Begleitung und das Werkzeug beträgt

für Erwachsene € 5,00 und für Kinder € 3,50.

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Mag. Helmut Kirchengast

Ombudsmann der steirischen Katholischen Kirche

Jedes Jahr fasziniert mich im Frühling von Neuem, mit welcher Kraft die Welt zu

neuem Leben erwacht. Wir haben zu Hause einen Garten mit vielfältigen Blumen,

Sträuchern und Gemüsebeeten. Dort kann ich das hautnah miterleben. Heuer,

nach dem langen Winter, war es besonders eindringlich. Man spürte

förmlich, wie die Natur explodierte.

War es Ende März noch schwer vorstellbar, dass es

schon bald wieder grün werden könnte, schwelgte

man drei Wochen später bereits in erster Blütenpracht

und frühsommerlichen Temperaturen.

Wenn ich nun in meinem Garten sitze, umgeben

von dieser unglaublichen Lebenslust und -kraft,

frage ich mich oft, was dazu führt, dass sich das

Lebendige immer wieder durchsetzt, und was es

braucht, damit etwas lebendig und fruchtbar wird.

In der Natur braucht es jedenfalls Energiezufuhr

von außen – Licht und Wärme, Wasser und etwas,

das auf seine Entfaltung wartet. Wenn auch nur

eines dieser drei Dinge fehlt, kann nichts werden.

Und wie ist es mit meinem Leben? Was braucht

es da, damit es lebendig und fruchtbar wird? Was

weckt in mir Lebenslust? Auch hier braucht es

wärmende Zuwendung von außen – Liebe, etwas,

das meine Neugierde und den Wissensdurst stillt,

Erfahrungen von anderen und etwas, das ich zur

Entfaltung bringen kann – meine Talente und Fähigkeiten.

Wenn ich darüber nachdenke, was dem

Leben dient, fallen mir natürlich auch Dinge ein,

die dem Leben undienlich sind und vermieden

werden sollten. Bei diesem Nachdenken bin ich

unlängst auf die „Sieben Todsünden“ gestoßen.

Sie werden deshalb so genannt, weil sie derart

6

schwere Verfehlungen darstellen, dass, wenn ich

zu Lebzeiten nicht um Vergebung bitte, ich den

zweiten Tod sterbe – sprich nach dem irdischen

Leben in die Hölle komme und nicht an der Auferstehung

teilhaben kann. Wobei Hölle hier als

das „Getrennt sein von Gott“ zu verstehen ist und

Auferstehung als das „Leben mit Gott“. Nach aktuellem

christlichen Verständnis ist die Hölle allerdings

keine Strafe, die Gott mir auferlegt, weil ich

schlimm war, sondern sie ist die Folge meiner bewussten

Entscheidung, über den Tod hinaus nichts

mit Gott zu tun haben zu wollen. Gott respektiert

diese meine freie Entscheidung und zwingt mich

nicht in seine Gegenwart. Man könnte sagen: Er

zwingt mich nicht dazu, in den Himmel zu kommen.

Worin bestehen nun die schweren Verfehlungen

der Sieben Todsünden? Und was hat das mit Gott

zu tun? Warum bitten wir ihn um Vergebung?

Nach christlichem Verständnis ist Gott der Schöpfer

und Herr des Lebens. Ihm verdanken wir alles

Lebendige. Er hat uns das Leben geschenkt. Er

will, dass wir und alles um uns lebendig ist und

sich entfalten kann. Wenn ich mich nun willentlich

von diesem Leben abwende, wenn ich Leben absichtlich

zerstöre, Lebensräume kaputtmache und


auch noch überzeugt davon bin, dass das gut und

richtig ist – deshalb sehe ich auch keinen Grund,

um Vergebung zu bitten –, dann zeige ich, dass

ich mit dem, der Leben ist und Leben schenkt –

nämlich Gott – nichts zu tun haben möchte. Dass

ich von ihm getrennt sein möchte. Die Sieben

Todsünden stellen sich in besonderer Weise dem

Leben, seiner Entfaltung und damit auch dem,

der das Leben schenkt, entgegen, Man kann sie

nicht nur als Todsünden bezeichnen, weil sie den

obengenannten zweiten Tod bewirken, sondern

vor allem, weil sie im Hier und Jetzt Leben verhindern

und vernichten. Wobei ergänzt werden muss:

Wenn hier von „Leben“ die Rede ist, geht es nicht

nur um mein eigenes Leben, sondern es geht immer

auch um das Leben der anderen, der Natur,

der ganzen Welt.

Folgende Haltungen bezeichnet man als die Sieben

Todsünden: Hochmut, Geiz, Wollust, Jähzorn,

Völlerei, Neid, Faulheit. Alle diese Haltungen

zeichnet aus, dass sie von außerordentlicher

Selbstbezogenheit geprägt sind und damit in vielfacher

Weise dem Leben insgesamt und einem gedeihlichen

Miteinander entgegenstehen. Sie sind

geradezu das Gegenprogramm zu Nächstenliebe,

Solidarität, Füreinander-Dasein und Liebe.

HOCHMUT HEIßT, ich halte mich selbst für

das Maß aller Dinge. Das Gegenteil ist Demut.

GEIZ HEIßT, ich will alles für mich allein

haben. Das Gegenteil ist Großzügigkeit.

WOLLUST HEIßT, ich lebe meine Bedürfnisse

aus, ohne auf andere Rücksicht zu nehmen.

Das Gegenteil ist Zurückhaltung.

JÄHZORN HEIßT, es steht mir zu, dem

anderen meinen Willen aufzuzwingen.

Das Gegenteil ist Gelassenheit.

VÖLLEREI HEIßT, ich beanspruche alles für

mich ohne jegliche Grenzen. Das Gegenteil

ist Maßhalten.

NEID HEIßT, ich gönne dem anderen nichts.

Das Gegenteil ist Wohlwollen.

FAULHEIT HEIßT, ich bin nicht bereit mich für

andere einzusetzen. Das Gegenteil ist

Einsatzbereitschaft.

Dass Ihnen die Lebenskraft des Frühlings und die

Sattheit des Sommers helfen mögen, ihre persönlichen

Todsünden immer mehr in Lebensdiener zu

wandeln, das wünsche ich Ihnen von Herzen.

8424 GABERSDORF 60 • WWW.DEUTSCHMANN.CC

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G rillsaison

MIT BÄUERLICHEN

PRODUKTEN

Es ist Grillsaison! Wenn man sich schon eine

Wohltat gönnt, dann sollte man auch bei der

Auswahl seiner Grillspezialitäten nur das Beste

aus heimischer Produktion bevorzugen. Denn:

„Qualität entsteht nicht erst beim Aufarbeiten,

sondern dort, wo Tiere leben und aufwachsen“,

erzählt der innovative Jungbauer Alfred Taucher.

Am besten schmecken Obst und Gemüse immer

zu den von der Natur vorgegebenen Reifezeiten

und genau aus diesem Grund bestimmen

nicht irgendwelche Trends, sondern die

Jahreszeiten das Produktsortiment in Taucher ‚ s

Hofladen. Hier entsteht statt Masse – Klasse.

Schauen Sie vorbei und überzeugen Sie sich

selbst davon, wie aus einem kleinen Hofladen

ein interessanter Nahversorger

mit regionalen Spezialitäten

im Sinne der bäuerlichen

Tradition wird.

ALTES BRAUCHTUM

Sommer-

Sonnen-Wende

Bereits seit tausenden von Jahren versammeln

sich die Menschen, um jene Nacht

zu ehren, die die Wende im Sonnenzyklus

darstellt, in der die Welt des Mystischen

mit der unsrigen verschmilzt und in der die

Elfen Hochzeit feiern. Feuer wurden und

werden entzündet, um Glück und Segen für

Haus, Hof, Mensch und Tier zu erbitten.

Die Sommersonnenwende zu feiern ist ein Brauch,

dessen Wurzeln im „Unerklärlichen“ wie Feuer,

Blitz, Tag und Nacht oder Sonne und Sturm liegen.

Wenn sich die Menschen etwas nicht erklären

konnten, so mussten wohl Götter, Geister oder Dämonen

die Hand im Spiel haben. Um sie milde zustimmen,

wurden sie geehrt und es wurden ihnen

Opfergaben dargebracht, deren Übergang zwischen

den Welten durch Feuer ermöglicht wurde.

In vielen Kulturen wird die elementare Kraft des

Feuers mit Gott assoziiert, dessen höchste Kraft

und Stärke die Sonne ist.

Schon früh bemerkten die Menschen den Zyklus

der Sonne und setzten ihn mit dem Leben gleich.

Die „Geburt“ findet am 21. Dezember

statt, dem kürzesten Tag des Jahres.

Das Leben kommt

aus der Dunkelheit.

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(Mutterleib), wird zum Licht, erstrahlt und kehrt

im Tod wieder dorthin zurück. Der Höhepunkt dieses

Lebenszykluses ist der 21. Juni, der längste Tag

des Jahres. Unsere keltischen Vorfahren feierten

Mitsommer, wie es heute in den nordischen Ländern

noch der Fall ist. Geweiht war dieser Tag den

Muttergottheiten. Die Göttin der Erde war schwanger

mit den reifenden Früchten, die nach der Ernte

dafür sorgten, dass den Menschen ein Überleben

während der kargen Wintermonate möglich war.

Einiges ist uns aus jener Zeit geblieben. Das Wissen

um die Heilkraft der Kräuter gehört ebenso

dazu wie manch alter Brauch: das Feuerspringen,

um Böses abzuwehren, das Verbrennen von Kräutern,

um Gesundheit und Segen zu erbitten, oder

die Hoffnung, dass die Begegnung mit einem Glühwürmchenschwarm

die Liebe bringt.

Mit der Christianisierung versuchte man heidnische

Bräuche abzuschaffen. Da dies aber bei Weitem

nicht überall gelang, vereinnahmte die Kirche

die alteingesessenen Traditionen. So auch bei der

Sommersonnenwende. Einer der mächtigsten Heiligen,

Johannes der Täufer, wurde diesem Fest beigestellt

und aus der Sonnwend- wurde die Johannisfeier

(24. Juni). So wurde aus einer heidnischen

Mythologie eine christliche Tradition mit all ihren

positiven Eigenschaften. Die damit verbundenen

Bräuche sind heute, je nach Region oder Bundesland,

verschieden. Das Ziel ist immer dasselbe: Es

geht darum, Glück und Segen für das Land, die

Tiere und die Menschen zu erbitten. Heute steht

die Gemeinschaft, das gesellige Beisammensein im

Vordergrund und doch spürt der eine oder andere

die Magie dieser Nacht, bittet heimlich um Segen,

um Liebesglück oder Gesundheit. Denn

immer schon gab es zwischen Himmel und

Erde weit mehr. als wir wissen. Vielleicht

sind uns der Vater im Himmel, die Mutter

Erde und alle ihre Kinder dazwischen

gerade in dieser Nacht wirklich

besonders nahe.

St. Nikolaier Musikanten

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Daniela Posch

am/vom Bauernhof

Die Urlaubsplanung hat begonnen. Das Internet wird stundenlang danach

durchforstet, wo es denn heuer hingehen soll. Wieder ans Meer, ein Städtetrip,

mit dem Rad das Land auskundschaften oder doch eine Almwanderung?

Urlaub am Bauernhof, das wärs! Ruhe und Erholung

auf dem Land, mitten in der wunderschönen

Natur. Unzählige Aktivitätsmöglichkeiten für

Eltern und Kindern. Die Menschen zieht es Gott

sei Dank wieder hinaus aufs Land. Dort bekommt

man zum Frühstück selbstgemachte Butter und

Brot, man darf beim Kühe melken und füttern

mithelfen, eine Wanderung auf die nächstgelegene

Alm starten und den Abend bei selbst hergestelltem

Apfelsaft oder Most in der Stille der Natur

ausklingen lassen. Doch was für viele eine erholsame

Auszeit vom stressigen Alltag ist, ist für die

Bäuerinnen und Bauern Berufsalltag. Keine Frage,

manch einer beneidet uns um diese Naturverbundenheit.

Den ganzen Tag in der frischen Luft zu

sein, anstelle des stickigen Büros. Kaum jemand ist

heute noch bewusst, dass früher gerade die schönsten

Monate des Jahres auch die arbeitsintensivsten

und anstrengendsten waren. Da musste der

Acker geeggt und eingesät werden, Rüben, Kartoffeln,

Hafer, Gerste, Weizen angepflanzt, Gemüse

angebaut und das Vieh auf die Alm gebracht werden.

Die Grundlagen all dessen, wovon man das

ganze Jahr über lebte, mussten in dieser Zeit geschaffen

werden. Zur Hilfe kamen den Bauern nur

ihre treuen Ochsen oder Pferde. Maschinen gab

es nicht und zur täglichen Stallarbeit kamen dann

noch die Heumahd und die Erntearbeiten dazu. Es

wurde wochen- und monatelang in reiner Handarbeit

geschuftet.

Urlaub war ein Fremdwort! Ob das Bedürfnis oder

die Sehnsucht da waren, wurde eigentlich nie thematisiert.

Es war wichtiger, seinen Lebensunterhalt

zu bestreiten und zu arbeiten. Im Laufe der Zeit

wurde es etwas leichter, dank der Modernisierung

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und des Fortschreitens der Technisierung konnte

man sich hin und wieder einige Tage Auszeit

gönnen. Manche Dinge sind geblieben, ganz einfach

ist es für einen Bauern noch immer nicht und

sorgenfrei ist man nie. Funktioniert alles zu Hause

am Hof, geht es den Tieren gut, ist genug Futter

lagernd, die Wasserleitungen in Ordnung, laufen

alle Maschinen, ja kein Stromausfall und sind Lüftung

und Heizung intakt? Ist das Aufsichtspersonal

richtig eingeschult und sind sämtliche Sicherheitsmaßnahmen

getroffen? Ganz frei ist man nie,

der Kopf ist daheim am Hof, denn Verantwortung

für die Tiere heißt Verantwortung für das Leben

zu tragen und doch darf sich auch der Bauer, der

Beherberger, der Lebensmittelhersteller und der

Landschaftspfleger eine kleine Auszeit gönnen.

Vielleicht macht sich der eine oder andere beim

nächsten Urlaub am Bauernhof seine Gedanken

dazu, hinterfragt beim Bauern oder der Bäuerin

die verantwortungsvolle Arbeit und schätzt die

wichtigen, gesunden, selbstverständlichen Lebensmittel

ein wenig mehr, die man als Frühstück oder

Abendessen am Bauernhof auf den Tisch serviert

bekommt!

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Unsere Sprache - unsere Seele

kluag wenig, rar Es Fleisch wird schon kluag, höchste Zeit,

dass da Schlochttog kummt.

Lousa Ohren Wenn du net folgst, dann hob i di ba deini Lousa.

Loafn Maske Alle Kinder tragen im Fasching a Loafn.

damisch schwindlig Ist es der Wein oder die Hitze, dass i goar so damisch bin?

bülln heulen Immer wenn da Hahn kraht, fangt da Hund an zu bülln.

Kranawittstaudn Wacholder

Hinter dem Haus steht a Kranawittstaudn,

durt holst die Beeren.

aunblaht aufgebläht I kann mi kaum rühren vor lauter aunblaht.

Bohaniegl Frostbeulen Hättst deine Handschuh aufgsetzt, brauchast jetzt

wegn deine Bohaniegl net jamman.

durchleichtn röntgen Da Dokta hot gsogt, i muaß durchleichtn geha.

fliachn ausweichen Kaunst du net fliachn, wenn i do mit mein Korb

daher kumm?

hutschn schaukeln So lang wirst du mit deim Sessl hutschn,

bist am Bodn liegst.

Bohanrochn Bohnenstange A Bohanrochn is kamot, um die Zwetschken vom

Bam zu beuteln.

loabn erlauben, gutheißen Wenns da Vota loabt, dann kaunst heit Kirchtog gehen.

Zwiesl Astgabel Du brauchst a Zwiesl, damit du a Schleuder mochn kaunst.

Schwoatn Schweinehaut Stott einer Schibindung haben wir nur a Schwoatn

zum Brettl gnoglt.

Foschnpopperl

verkleidete Leute im Fasching Heut bist anzogn wia a Foschnpopperl.

kop fandloch kopfüber I bin ausgrutscht und kopfandloch über die Stiege

hinuntergfallen.

Gwah Hebel Damit ma des aufheben können, müss ma a Gwah baun.

bloaßfiaßig barfuß I woa bloaßfiaßig unterwegs und bin auf an Hunas tretn.

NOSTALGIE AUF RÄDERN

Oldtimer Museum & Stüberl

Nestelberg 94, 8452 Großklein

Tel.: 0660/7575278

info.nostalgie@gmx.at

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www.nostalgie-auf-rädern.at

Geöffnet Donnerstag

bis Sonntag 7 bis 22 Uhr

ganztägig warme Küche

Frühstücksbuffet

von 8 bis 10 Uhr


GESCHICHTSTRACHTIG

A steirisches Dirndl

Die Tracht ist keine modische Erscheinung, sie verkörpert vielmehr unsere Tradition,

unsere Vergangenheit und unseren Stolz darauf. So trägt „a steirisches Madl“

nicht nur ein sauberes Gewand, sondern auch ein Stück Geschichte und

Heimatverbundenheit, wenn sie ihr Dirndl anzieht.

Vor vielen Jahrzehnten – Franz Antel eroberte

mit seinen Heimatfilmen die Herzen der Menschen

und die Familie Trapp aus Salzburg war auf

Amerikatournee – ging auch die Tracht als alpenländische

Novität um die Welt. Das Dirndl war

ursprünglich das Arbeitsgewand des weiblichen

Gesindes, der „Dirnen“. Es entstand um 1870 aus

der bäuerlichen Kleidung in Österreich und Bayern.

Einfluss auf die Entstehung nahmen auch die

Rohmaterialien, die in den einzelnen Regionen zur

Verfügung standen. Das Dirndl setzt sich zusammen

aus Leibl, Rock, Bluse und Schürze. Der Leibkittel

ist, wie sein Name schon sagt, eigentlich

ein Obergewand; er besteht aus dem Leibl ohne

Ärmel und dem dazugehörigen Kittel. Beide Teile

sind zu einem Kleid vernäht. Alltagsdirndln sind

im Material meist einfacher gehalten; vorwiegend

werden Leinen- und Baumwollstoffe verwendet,

während für die Festtagstracht Seiden- und

Wollbrokat aufwendig verarbeitet, reich verziert

und geschmückt werden.

Die Schürze soll fest gebunden werden und bei

der echten steirischen Tracht geschieht dies immer

hinten. Anders ist es bei den Modedirndln. Ledige

Frauen, die die Aufmerksamkeit der Männer auf

sich lenken wollen, tragen hier die Masche links.

Eine links gebundene Masche bedeutet, dass diese

Dame noch zu haben ist. Rechts gebundene

Maschen zeigen hingegen an,

dass diese Frauen bereits in festen Händen

sind, auch wenn sie im Dirndlkleid

noch so fesch ausschauen.

Und da unser „Steirer-Gwand“ für

Bua und Dirndl die sehr persönliche

Angelegenheit jedes und jeder

Einzelnen ist, braucht man

Spezialisten, die die Wünsche,

Anliegen, regionalen Besonderheiten

und traditionellen

Ansprüche mit handwerklichem

Geschick umsetzen.

Dabei geht es nicht nur

ums Können, sondern vor

allem ums Verstehen der

steirischen Seele und um

den Wunsch, sie in Stoff

zu kleiden.

„Wir freuen uns, wenn sich die Menschen

für echte Trachten und Trachtenmode interessieren.

Getreu unserem Motto: Unser Trumpf ist die

Vielfalt, führen wir alles, was Tracht und Land zu

bieten haben.“

Ihre Familie Trummer

Trachten Trummer GmbH

Dietersdorf 76 am Gnasbach

8093 St. Peter a.O.

Tel. 03477/3150, trachten-trummer@aon.at

Trachten Trummer am Kurpark

Kaiser-Franz-Josef-Straße 1 • TOP 3

8344 Bad Gleichenberg, Tel. 03159/44604

www.trachten-trummer.at

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SAMSTAG, 7. JULI 2018

Alten- und

Krankenwallfahrt

Seit 60 Jahren gibt es die Ortsstelle des Roten Kreuzes in Arnfels.

Und seit 16 Jahren ist die Ortsstelle um das „Seelenheil“

der Alten und Kranken bemüht.

Bereits 60 Jahre lang wird von Arnfels aus der

Dienst an den Menschen im Sinne der Gesundheits-

und Krankenhilfe geleistet. Die stillen Engel

mit dem roten Kreuz an ihren Uniformen sorgen

für Sicherheit und Lebensqualität. Was vor wenigen

Jahrzehnten noch undenkbar schien, wird durch

das Engagement zahlreicher hauptberuflicher und

freiwilliger Helfer umgesetzt: die Gewissheit, dass

im Unfall- oder Krankheitsfall rasch Hilfe zur Verfügung

steht. Viele Leben wurden in diesen 60 Jahren

gerettet, unzähligen Menschen wurde geholfen

und so manch einer verdankt seine Gesundheit dem

sofortigen Einsatz unserer Rettungsmitarbeiter. Es

hat zudem bereits Tradition, dass man sich um das

seelische Wohlbefinden der Alten und Kranken

kümmert.

So findet auch heuer wieder eine Alten- und Krankenwallfahrt

statt, in deren Rahmen die Ortsstelle

Arnfels ihr 60jähriges Jubiläum begeht. Wie jedes

Jahr sorgen die Rot-Kreuz-MitarbeiterInnen sowie

lokale Bus- und Taxiunternehmen dafür, dass ältere

und gehbehinderte Menschen kostenlos von zu

Hause oder ihren Pflegeeinrichtungen abgeholt und

wieder nach Hause gebracht werden. Als besonderer

Ehrengast darf Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl

begrüßt werden, der um 15.00 Uhr in der

Pfarrkirche Maria am grünen Waasen eine Messe

zelebrieren wird. Danach wird mit den Musikkapellen

Arnfels und St. Johann i.S. zum Hauptplatz marschiert,

wo verschiedene Einsatzorganisationen

ihre Leistungen präsentieren. Und was wäre eine

Veranstaltung des Roten Kreuzes ohne dabei die

Hilfe im Auge zu behalten? So gibt es im Gemeindeamt

ab 16 Uhr die Möglichkeit zur Blutspende.

Der Festakt zur 60-Jahr-Feier erlebt um 17 Uhr mit

der Fahrzeugsegnung durch unseren Bischof seinen

Höhepunkt.

Ein Dämmerschoppen mit den beiden Musikkapellen

lässt den Tag gemütlich ausklingen. Die

Alten- und Krankenwallfahrt sowie die Feier von

60 Jahren Ortsstelle Arnfels bieten den Menschen

der Region eine gute Möglichkeit, sich bei den helfenden

Engeln zu bedanken und ihnen durch den

Besuch der Feier Wertschätzung und Respekt für

ihre geleistete Arbeit auszudrücken.

Informationen dazu erhalten Sie bei:

Ortsstellenleiter Bernd Buchleitner,

bernd.buchleitner@st.roteskreuz.at,

0664/5112665

Ältere und gehbehinderte Personen, die gerne an

der Wallfahrt teilnehmen möchten, setzen sich wegen

der Transportfrage bitte mit Herrn Franz Haring

unter der Telefonnummer 0676/86661952 in

Verbindung.

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Dem Heiligen Florian…

Ein Feuer wird

entzündet.

Der Remschnigg trennt einen Teil der Südsteiermark von Slowenien. Auf ihm

befindet sich die südlichste Alm Österreichs. Dass dieser Höhenzug nicht nur

trennt, sondern auch verbindet, erzählen uns Ludmilla, geboren 1941, und

Rupert Rebernik, geboren 1942. Welche Rolle der Heilige Florian in

der Grenzregion spielt, kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz.

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Ludmilla kam im slowenischen Kapla zur Welt. Genauso

steil, wie es auf der steirischen Seite hinaufgeht,

geht es drüben wieder hinunter.

Auf diesen Hängen lag die Wirtschaft ihrer Eltern.

15 Kinder waren sie daheim und obwohl helfende

Hände gut zu gebrauchen waren, war es doch nicht

immer einfach, alle Mäuler satt zu bekommen. Rupert

wuchs ebenfalls auf einer „Riegelwirtschaft“

auf. Hier gab es zwar nicht so viele Kinder, aber

trotzdem lebten 13 Leute auf dem Hof. Die kleine

Keusche bot wenig Platz; bis in den Jänner hinein

schlief Rupert im Heustall. Erst wenn die kälteste

Zeit des Jahres anbrach, richtete ihm die Mutter mit

Hilfe der Küchenbank und zweier Bretter ein Notbett

in der Stube ein, damit er es warm hatte. Morgens

wurden Strohsack und Bretter weggeräumt

und abends baute man die Liegestatt wieder auf.

Sobald die schlimmste Kälte gebrochen war, ging

es zurück in den Heustall. Ruperts Mutter stammte

ebenfalls aus dem ehemaligen Jugoslawien, so lernte

er von klein auf ein wenig ihre Sprache. Ludmilla

hingegen wuchs rein slowenischsprachig auf. Nach

der Schulzeit war es für beide Zeit, die elterlichen

Höfe zu verlassen. Rupert verdiente sich als Holzknecht

sein Geld und Ludmilla wurde Sennerin auf

der Remschniggalm.

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Seit jeher ist der erste Sonntag im Juli in der Grenzregion

ein Wallfahrtstag. Von beiden Seiten pilgerte

man nach Hollenegg, feierte dort die Messe und

anschließend genoss man die Kirchtagsfreuden.

Dabei passierte es, dass Rupert von einem jungen,

hübschen Mädchen beinahe umgerannt wurde. Sie

entschuldigte sich und weil er die Sprache verstand,

kamen beide kurz ins Gespräch. Rupert erfuhr, dass

Ludmilla mit ihrer Familie nach dem Kirchtag weiter

auf die Remschniggalm gehen würde, um dort

in einem Gasthaus noch ein wenig den Tag zu genießen.

Als er sie aus den Augen verlor, machte er sich

sogleich auf den Weg dorthin. Es wurde gelacht,

getanzt und geredet und ein kleiner Funke flammte

auf, der kurze Zeit später zu einem herzlichen Feuer

wurde. Es war ein weiter Weg, wenn man zum Fensterln

ging und auch der Grenzübertritt war nicht ungefährlich,

aber wenn das Herz etwas will – dann

muss der Mensch dem einfach folgen. Im Jahr 1964

läuteten die Hochzeitsglocken und ein gemeinsames

Leben begann. Anfangs lebten beide in einer

kleinen Hube, die Ruperts Vater gekauft hatte, weil

daheim einfach kein Platz war. Gut erinnern sich die

beiden noch daran, wie zerklüftet die Wände und

der Fußboden waren. Legte man sich hin, so konnte

man durch die Holzdielen den Boden unter dem

Haus sehen. Im Winter waren die Schuhe am Boden

angefroren und die Bettdecke mit Reif bedeckt. Der

Christbaum zu Weihnachten diente dazu, dass man

sich die Hände ein wenig wärmen konnte und sein

warmes Licht sorgte für ein wohliges Gefühl, auch

wenn es bitterkalt war. Später ging es zurück zum

Weidestall am Remschnigg. Neun Jahre verbrachten

sie dort und auch ihre drei Kinder kamen hier zur


Welt. Eine Leidenschaft verband die beiden von Anfang

an: die Liebe zum Gesang. Wann immer und

wo immer es ging, sangen Rupert und Ludmilla. Ob

bei der Heuarbeit, beim Hausbau oder am Sonntagnachmittag

bei einem Buschenschankausflug –

gesungen wurde immer. Diese Leidenschaft war es

auch, die beide vor wenigen Jahren zum „Floriani-

Singen“ brachte – ein Brauch, der auf das 17. Jahrhundert

zurückgeht und bei dem man mit Gesang,

dem Florianilied, für die Menschen und ihre Höfe

den Schutz vor Feuer erbittet. Angela Hassmann

aus Schlossberg bei Leutschach ist die Hüterin dieses

alten Brauches und sie brachte Ludmilla und

Rupert das Florianilied bei. 31 Strophen umfasst es

und das alles auf Slowenisch.

Ludmilla kannte diesen Brauch bereits von daheim,

Rupert musste das Lied erst lernen, was nicht ganz

einfach war. Fünf Sänger und ein Harmonikaspieler

machten sich dann am 3. Mai, dem Tag vor Floriani,

auf den Weg. Am Nachmittag ging es los; der alte

Brauch folgt einem genauen Ritual. Rupert stellte

den Heiligen Florian dar und war in ein Bischofsgewand

gekleidet. Mit im Gepäck hatte er ein Holzschaffel,

in dem sich Weihwasser befand. Nach dem

Anklopfen wurde die Gruppe ins Haus gebeten, die

ganze Familie war bereits in der Küche versammelt.

Dann wurde gesungen, die 31 Strophen baten Maria

und den Heiligen Florian um Schutz und wünschten

den Hausleuten – vom Vater bis zu den Kindern –

Glück und Segen. Danach entzündete die Bäuerin

mit Palmholz ein kleines Feuer im Herd, das dann

mit dem Weihwasser wieder gelöscht wurde. Danach

gab es nochmals das Florianilied und zu guter

Letzt folgte der gemütliche Teil mit Essen und Trinken.

Natürlich wurden dabei noch ein paar Lieder,

als kleines Dankeschön, gesungen, bevor es weiter

zum nächsten Haus ging. Für die Sänger war es eine

lange Nacht! Was am späten Nachmittag begann,

endete meist erst am frühen Vormittag des nächsten

Tages. Bis zu 17 Häuser besuchten sie in jener

Nacht. Je nachdem, zu welcher Zeit man kam, wurden

die Hausleute geweckt und alle öffneten mit

Begeisterung die Tür und warteten den Sängern

ordentlich auf.

Dass diese Nachtschicht auch von so manchem

Missgeschick begleitet war, versteht sich von selbst.

Nicht nur, dass der Wein im Lauf der Nacht seine

Wirkung tat, es wurde jedes Mal aufgetischt wie

bei einer kleinen Hochzeit. Unhöflich konnte man

nicht sein, aber irgendwann ging einfach nichts

mehr hinein. Auch Ruperts Weihwasserschaffel

war bald geleert. Aber, so erzählte er uns, wenn

man ein paar Tropfen übriglässt, braucht man nur

Wasser nachfüllen und alles ist geweiht, so macht

es ja auch der Pfarrer in der Kirche. Dass der eine

Bauer mitten in der Nacht seinen Hosenriemen

nicht zubekam, pas-sierte ebenso wie dass jemand

abends eine Jause richtete und die Sänger erst am

nächsten Tag in der Früh daherkamen. Jahr für Jahr

wurde die Gruppe gebeten, zum nächsten Florianitag

wiederzukommen und bis es immer weniger

Sänger gab, tat sie es auch. Als nur mehr die Hälfte

übrig war und auch der Harmonikaspieler verstarb,

hörte sich dieser schöne alte Brauch auf. Aber nur

so lange, versicherten mir die beiden, bis wir Ersatzleute

gefunden haben, die uns im Auftrag des

Heiligen Florian durch die Nacht begleiten.

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang sind Ludmilla

und Rupert bereits verheiratet. Was die Grenze einst

trennte, hat der Remschnigg wieder zusammengebracht

und hat der Gesang zusammengehalten. Abschließend

erzählt Ludmilla noch, dass sie oft von

den Nachbarn gefragt wurde, welche Sprache die

beiden denn zu Hause sprechen. Lachend antwortete

sie dann immer: „Wir reden daheim Deutsch,

nur gestritten wird auf Slowenisch, damit die neugierigen

Nachbarn nicht verstehen, was wir sagen.“

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Woaßt as noch?

Über hunderte, ja sogar tausende von Jahren erfuhren die Werkzeuge des täglichen

Gebrauchs zwar eine ständige Weiterentwicklung, aber kaum eine entscheidende

Veränderung. Erst im letzten Jahrhundert wurden viele unserer Hilfsmittel durch

technische Errungenschaften abgelöst und beginnen seitdem langsam in Vergessenheit

zu geraten. Erinnern Sie sich noch an den Verwendungszweck

nachstehender Werkzeuge?

1 2

Heuarbeiten

4

3

1) Fuatarechen

Der Rechen ist ein Handwerkzeug mit

einem Stiel, einem quer dazu angesetzten

Stab, dem „Rechenbalken“, und

mehreren kurzen Fortsätzen, den „Zähnen“.

Die Stammform ist der Heu- oder

„Fuatarechen“, der schon in der Römerzeit

für die Heuernte und den späteren

Weitertransport entwickelt wurde.

5

6

18


2) Heumesser

Das Heumesser ist ein Schneidegerät, mit dem die

Oberfläche des Heuhaufens oder der Futterhiefel

gleichgeschnitten wurden. Dafür setzte man das

Werkzeug am Haufen an und drückte es mittels des

Steges mit dem Fuß nach unten.

AKAZIENHOF

St. Andrä / Höch

3) Kumpf

Ein Kumpf ist das (teilweise mit Wasser gefüllte)

Behältnis zum Mitführen des Wetzsteins. Meist war

er aus Rinderhorn und wurde mit einer Schlaufe am

Hosenriemen befestigt.

4) Sense

Die Sense ist ein Werkzeug zum Mähen von Gras,

Getreide und kleinen Büschen. Sie besteht aus dem

Sensenblatt, dem Wurf und dem Sensenring. Die

ersten beidhändig zu führenden Sensen tauchten

zu Beginn der Eisenzeit in Mitteleuropa auf. Das

Arbeiten war nur in gebückter oder hockender Stellung

möglich. Später entwickelte sich aus diesem

Vorläufer die moderne Sense mit längerem Stiel

und abgewinkeltem Blatt, sodass ein bodennahes

Abschneiden der Pflanzen in aufrechter Haltung

möglich war.

5) Heuraffer

Der Heuraffer diente dazu, aus der Heu- oder Futterhiefel

Heubüschel herauszuziehen. So konnte der

Haufen der Hiefelstange entlang immer weiter nach

unten rutschen, ohne dass dabei die schützende

Wetterschicht zerstört wurde.

6 ) Heugabel

Eine Heugabel ist ein gabelförmiges Werkzeug,

das benutzt wird, um Heu zu transportieren oder

es auf- bzw. abzuladen. Früher, als die Gabeln noch

individuell aus Holz gefertigt wurden und über viele

Wochen täglich ununterbrochen benutzt werden

mussten, war eine gute Gabel aus elastischem Holz

und mit einem ergonomisch gut geformten Stiel

viel wert, weil der Arbeiter damit Energie sparen

konnte.

Die Exponate wurden uns von www.erinnerungshof-hermann.at

zur Verfügung gestellt.

Daheim in Neudorf im Sausal

Der Akazienhof steht für Plege und

Betreuung mit Herz und Qualität und

bietet seinen Bewohnerinnen und

Bewohnern ein familiäres Umfeld

sowie individuelle Betreuung.

Unser Angebot:

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Beeinträchtigung

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