Faszination Seele 03/07 - Psychiatrie aktuell

psychiatrie.aktuell.de

Faszination Seele 03/07 - Psychiatrie aktuell

Vorgestellt:

Die sozialpsychiatrische

Initiative Paderborn

Meine Geschichte:

Aus heiterem Himmel

Schwerpunkt:

Leben mit Angst

III/2007


2

Schwerpunkt Seite 4-7

Was ist eigentlich... Seite 10

Gesundheitspolitik Seite 12

Fragen aus der Praxis Seite 13

Medizin Seite 14

Reise Seite 18

Feuilleton Seite 24

Herausgeber: Dr. Hans Biermann

Biermann Verlag GmbH,

Otto-Hahn-Str. 7, D-50997 Köln

Redaktionsleiter: Franz-Günter Runkel

Redaktion: Sylvia Schulz (sys)

tel.: (02236) 376-452

Nadine Eckert (nec)

Grafik und Layout: Heike Dargel

Faszination Seele - III/2007

INHALT

? Schwerpunktthema

Leben mit der

Angst Seite 4-7

? Gesundheitspolitik/Recht

Welche Auswirkungen haben

Rabattverträge? Seite 8-9

? Was ist eigentlich...

...Soziotherapie Seite 10

? Gesundheitspolitik

Die Eckpunkte der

Pflegereform Seite 12

? Fragen aus der Praxis

Frau Dr. Rita Wietfeld steht ihren

Lesern Rede und Antwort Seite 13

? Medizin

Neue Studie: Viele Kinder haben

psychische Probleme Seite 14-15

? Medizin

Darreichungsformen: Pflaster,

Tablette und Co. Seite 16-17

? Reise

Bamberg – Gemütlichkeit

und Kultur Seite 18

? Patientenliteratur

Leser schreiben

Gedichte Seite 20-21

? Medien

Broschüren zur

Psychose Seite 22-23

? Feuilleton

Prinzhorn – Die Sammlung wächst Seite 24

Mitarbeiter dieser Ausgabe:

Andrea Böttcher (Publicis Vital PR),

Dr. Wolfgang Thamm, Dr. Rita Wietfeld,

Beate Lisofsky (bapk)

Druck:

LN Schaffrath, Geldern

Mit freundlicher Unterstützung von

A Schutz

Angst ist eigentlich eine sehr gesunde

Reaktion. Sie hindert uns daran, uns

in Gefahr zu begeben und ermöglicht

uns, prekäre Situationen zu verlassen.

Auch wenn Angst immer als unangenehm

erlebt wird, ist sie somit ein

wachsames Regulativ und letztendlich

ein guter Schutz.

Empfindet man jedoch plötzlich aus

dem Nichts, in ungefährlichen alltäglichen

Situationen oder vor völlig harmlosen

Gegenständen unangemessen starke

Ängste, wird der natürliche Reflex zu

einer Krankheit.

In unserem Schwerpunktthema beschäftigen

wir uns mit der fehlgeleiteten

Angst, der so genannten Angststörung,

die das Leben stark beeinträchtigen kann.

Viele der Betroffenen entwickeln ausgeklügelte

Vermeidungsstrategien, trauen

sich nicht mehr aus dem Haus, ziehen

sich vor Freunden und Verwandten zurück

– und entwickeln eine Angst vor der

Angst. Spätestens dann ist es Zeit, sich

professionelle Hilfe zu suchen.

Eine anregende und informative Lektüre

wünscht Ihnen

Sylvia Schulz

Redaktion Faszination Seele

Unter folgender Kontaktadresse können

Sie „Faszination Seele“ kostenlos beziehen:

Janssen-Cilag GmbH

Raiffeisenstraße 8

41470 Neuss

tel.: (02137) 955 955

fax: (02137) 955 443

e-mail: info@Faszination-seele.de

INHALT IHRE MEINUNG

Haben Sie Fragen, Anregungen, Tipps

oder Kritik? Dann mailen Sie uns:

sys@biermann.net

oder schreiben Sie an:

Biermann Verlag GmbH

Faszination Seele

Otto-Hahn-Str. 7, 50997 Köln

Fax: (02236) 376-453


D

Alles so normal wie möglich

„Eine steigende Anzahl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit psychischen

Auffälligkeiten findet kaum noch einen Einstieg in Berufausbildung und

soziales Umfeld“, sagt Johannes Tack, Geschäftsführer der Sozialpsychiatrischen

Initiative (SPI). Diese Entwicklung habe die SPI bewogen, in Zusammenarbeit

mit dem Jugendamt Paderborn ein besonderes Angebot zu entwickeln.

Die Jugendwohngruppe B.I.G. BEN (Begegnung – Integration – Gesundung)

in Paderborn-Benhausen ist speziell auf die Bedürfnisse

junger seelisch erkrankter Menschen zugeschnitten.

B.I.G. BEN bietet jungen psychisch kranken Menschen

von 14 bis 21 Jahren eine qualifizierte wohnortnahe

pädagogisch-therapeutische Betreuung

und Unterstützung bei der sozialen, schulischen

und beruflichen Integration. „Alles so normal wie

möglich“ handhaben und „eine familiäre Atmosphäre“

seien wichtig, damit die Jugendlichen eine

persönliche Lebensperspektive entwickeln können,

betont Karl-Josef Schlottmann, Leiter der Jugendwohngruppe.

Alle Teilnehmer erhalten ein individuell

abgestimmtes Betreuungsprogramm

und sind parallel in

einer Schul- oder Berufsausbildung.

Die Anforderungen

an die selbstständige und

eigenverantwortliche Lebensführung

werden von

der betreuungsintensiven

Wohngruppe bis zur Trainings-

und Verselbstständigungswohngruppe

mit eigenem

Haushaltsgeld stufenweise

gesteigert.

Für die Zunahme psychischer Erkrankungen

bei Kindern und Jugendlichen

gibt es zahlreiche Gründe: Gesellschaftliche Umbrüche, Leistungsdruck,

Medieneinflüsse, Erziehungsfehler, milieubedingte Fehlanpassungen

und individuelle Konstellationen wirken zusammen.

Arbeitslosigkeit, Armut und psychische Erkrankungen der Eltern

vervielfachen das Risiko der Kinder.

Neben genetischen Faktoren gibt

es geschlechtspezifische Unterschiede:

Jungen leiden eher

unter Symptomen, die nach

außen gerichtet sind, wie

Aggressivität, Hyperakti-

Johannes Tack, Geschäfstführer

der SPI Paderborn e. V.

und Karl-Josef Schlottmann,

SPI-Vorstandsmitglied

Weitere

Informationen:

Informationen über die Angebote der

Sozialpsychiatrischen Initiative im Internet

unter www.spi-paderborn.de oder

telefonisch unter 05251/3909690.

SpI pAderborn (4)

VoRGESTELLT

Gemeinsam lernen, Musik

machen oder Tischfußball

spielen gehören zu den

ganz normalen Aktivitäten

in der Jugendwohngruppe.

vität, Delinquenz und Störungen des

Sozialverhaltens. Psychische Auffälligkeiten

von Mädchen sind eher nach innen

gerichtet und zeigen sich in autoaggressiven Verhaltensweisen

wie Selbstverletzungen, Essstörungen, Ängsten

und Depressionen.

Die Jugendwohngruppe B.I.G. Ben ist eine von sieben

Abteilungen der SPI, die das komplette Spektrum der medizinischen

und beruflichen Rehabilitation sowie der psychiatrischen

Nachsorge abdeckt und rund 250 psychisch kranke

Menschen betreut. Darüber hinaus ist die SPI Gesellschafter des

Integrationsunternehmens NovoStart, das psychisch kranken Menschen

Arbeitsplätze bietet.

Die Vereinsgründer Karl-Josef Schlottmann, Vorstandsmitglied

der SPI und Johannes Tack verwirklichten ihren therapeutischen

Ansatz zunächst im Übergangsheim für psychisch kranke Menschen,

heute Rehabilitationshaus, indem sie auf verbliebene Ressourcen

setzten und kreative Therapieverfahren zum Einsatz brachten. Heute

blickt die Sozialpsychiatrische Initiative auf ein erfolgreiches 25-jähriges

Bestehen zurück. Das Jubiläum wurde im April 2007 mit einer

Festveranstaltung und der sehr gut besuchten Fachtagung „Ohne

Netz und doppelten Boden? Flankierende Therapieverfahren in der

Sozialpsychiatrie“ im Apollo-Zirkuszelt in Paderborn gewürdigt. Das

einmalige Ambiente dort will die SPI für ein neues Projekt nutzen,

das Stereoprophylaxie-Festival am 11. Oktober 2007. Die Kombination

einer Fachinformationsveranstaltung und eines Musikfestivals

soll gezielt Jugendliche ansprechen und über psychische

Erkrankungen, Suchtgefährdung und Hilfsangebote

informieren. (sys) ●

Faszination Seele - III/2007


Schwerpunktthema

D

Angst

Das Krankheitsbild ist durch übermäßige Angstreaktionen bei

gleichzeitigem Fehlen akuter Gefahren und Bedrohungen gekennzeichnet.

Dabei ist Angst eigentlich ein grundlegendes und normales

Gefühl, das jeder Mensch kennt. In den meisten Situationen hat dieses

Gefühl eine wichtige Warnfunktion: Angst weist uns auf Gefahren

hin. Die mit der Angst verbundenen körperlichen Reaktionen (zum

Beispiel erhöhter Herzschlag) machen eine schnelle Reaktion auf die

Bedrohung (zum Beispiel Flucht) möglich.

Je nach Art der vorherrschenden Angst werden verschiedene Formen

der Angststörung unterschieden:

➤ Panikstörung

➤ Generalisierte Angststörung

➤ Phobische Störungen wie die Agoraphobie mit und ohne Panikstörung,

soziale Phobie und die spezifische Phobie

Leben mit

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen

Erkrankungen in Deutschland. Bei Frauen sind

Angststörungen sogar die häufigste psychische Erkrankung,

bei Männern die zweithäufigste nach Suchterkrankungen

wie Alkoholismus. Etwa neun bis 25 von 100

Personen in der Allgemeinbevölkerung sind im Verlauf ihres

Lebens von einer Angsterkrankung betroffen. Begleiterkrankungen,

so genannte Komorbiditäten, sind häufig; dazu gehören

etwa Medikamentenmissbrauch oder Depressionen.

Bei der Panikstörung treten schwere Angstattacken plötzlich

und unerwartet auf und zwar unabhängig von bestimmten Situationen.

Innerhalb von Minuten steigert sich die Angst so weit,

dass man sich von der Angst überwältigt fühlt. Der Betroffene

leidet unter körperlichen Symptomen wie Beklemmungs- und

Erstickungsgefühlen, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Taubheit

und Kribbelgefühlen bis hin zur Furcht verrückt zu werden oder

zu sterben. Die Dauer eine Attacke kann zwischen wenigen Minuten

und im Extremfall einigen Stunden anhalten, die meisten

Panikattacken dauern jedoch nicht länger als zehn Minuten.

Die generalisierte Angststörung entwickelt sich – im

Gegensatz zur Panikstörung – meist langsam. Die

Betroffenen leiden unter wiederkehrenden

wochen- oder monatelang andauernden

allgemeinen Angstbeschwerden, Sorgen

oder negativen Erwartungen. Diese beziehen

sich auf eigentlich nicht realistische

Befürchtungen in allen Dingen des täglichen

Lebens. Daher kommt der Ausdruck „generalisiert“.

Die Betroffenen sind meist innerlich unruhig,

angespannt und haben häufig Schlafstörungen.

Phobien sind ausgeprägte Ängste, die durch bestimmte Situationen,

Objekte oder Aktivitäten ausgelöst werden. Danach

entwickelt sich eine zunehmende Vermeidung der auslösenden

Situation. Dies kann bis zu einer ausgeprägten Beeinträchtigung

des Alltagslebens führen. Je nach auslösender Situation unterscheidet

man verschiedene Formen von Phobien:


Angst

Bei der Agoraphobie (Platzangst) handelt es

sich um die Angst vor Situationen, in denen

man fürchtet, die Kontrolle zu verlieren oder

in denen keine Fluchtmöglichkeit vorhanden

ist. Typisch sind zum Beispiel die Furcht vor

weiten Plätzen, vor Situationen im Theater, in

öffentlichen Verkehrsmitteln, im Aufzug, in

Menschenmassen und ähnlichem. Agoraphobien

treten häufig zusammen mit Panikstörungen

auf. Patienten mit einer sozialen Phobie leiden

immer dann unter einer starken Angst, wenn es

um Begegnungen mit anderen Menschen geht.

Sie ängstigen sich zum Beispiel in Gegenwart

von anderen etwas sagen zu müssen oder in

irgendeiner Weise im Mittelpunkt zu stehen.

Häufig sind es auch Befürchtungen, etwas Peinliches

oder Lächerliches zu tun oder zu sagen.

Sie meiden daher meist das Zusammensein mit

anderen und ziehen sich immer weiter zurück.

Patienten mit spezifischen Phobien umgehen

möglichst bestimmte Situationen und Objekte,

vor denen sie große Angst verspüren. Am

häufigsten sind Tierphobien, (Hunde, Spinnen,

Schlangen oder Mäuse), aber auch Blut-, Infektions-

oder andere Situationsphobien (Flugangst)

sind bekannt.

Wie Angststörungen entstehen,

ist noch nicht endgültig

erforscht. Wissenschaftler

vermuten, dass verschiedene Umstände

in die Entstehung

von Angststörungen

eingreifen. Dazu

gehören angeborene(genetische),neurobiologische

und psychische

Faktoren.

Menschen, die unter

einer Angststörung leiden,

suchen oft erst relativ spät professionelle Hilfe,

nicht selten erst, wenn der Lebensalltag sehr eingeschränkt

ist. Häufig ist der Hausarzt der erste

Ansprechpartner und körperliche Beschwerden

stehen im Vordergrund. Zunächst sollte abgeklärt

werden, ob körperliche Krankheiten vorliegen.

Oft ergeben sich erste Hinweise auf eine

Angststörung im Gespräch zwischen Arzt und

Patient. Die Behandlung von Angststörungen

beruht auf psychotherapeutischen und medikamentösen

Ansätzen. Oft werden auch beide

Möglichkeiten gemeinsam genutzt. (sys) ●

ScHwERPUNkT

bIermAnn VerlAg


ScHwERPUNkT

Aus heiterem

Himmel

bIermAnn VerlAg

Ich bin 47 Jahre alt und arbeite in einer Reinigung.

Vor vier Jahren bekam ich plötzlich akuten

Schwindel und habe gedacht, ich falle jeden

Moment um. In diesem Augenblick bekam

ich schreckliche Angst, mein Herz

schlug furchtbar schnell, ich bekam

Beklemmungsgefühle, konnte nicht

mehr richtig atmen, hatte ein Engegefühl

an der Brust und dachte,

jeden Moment falle ich um.

IIn meiner Panik rannte ich zum

Hausarzt, der mich gründlich untersuchte,

aber nichts fand. Einerseits

fand ich das zwar beruhigend, auf der

anderen Seite konnte ich das gar nicht

glauben, denn mir war es so furchtbar

schlecht gegangen, dass ich gedacht hatte,

ich müsste sterben. Es ging dann einige Zeit

gut, bis sich plötzlich wieder so ein Zustand

ereignete und ich notfallmäßig die Ambulanz im

Krankenhaus aufsuchen musste. Aber auch dort fand

man nichts. Man schickte mich zum Hausarzt zurück.

Der verordnete mir Betablocker, weil ich so einen schnellen

Herzschlag und einen erhöhten Blutdruck hatte. Die Medikamente

nahm ich ein, weil ich große Angst davor hatte, ein solcher Zustand

könne wiederkommen. Der Hausarzt schickte mich dann zu verschiedenen

Fachärzten.

Faszination Seele – III/2007

Angst vor der Angst

Ich wurde kardiologisch untersucht. Ich ging zum Hals- Nasen- Ohrenarzt wegen

meines Schwindels, aber kein Arzt fand einen krankhaften Befund, der meine Beschwerden

erklären konnte. Sogar ein CT vom Schädel wurde gemacht, um sicherzugehen, dass

ich keinen Tumor habe. Mein Denken kreiste nur noch darum, ob wieder so eine Panik

auftreten würde und was ich dann machen sollte. Ich fühlte mich nicht mehr in der

Lage, zu meiner Arbeit zu gehen, ich traute mich nicht mehr alleine in Kaufhäuser und

schließlich wollte ich gar nicht mehr alleine das Haus verlassen. Autofahren ging auch

nicht mehr, erst recht nicht auf der Autobahn. In der Stadt war es mir nur noch möglich

zu fahren, wenn jemand neben mir saß, aber zuletzt ging auch das nicht mehr, weil ich

Angst hatte, wenn mir so ein Zustand am Steuer passierte, könnte ich einen schweren

Unfall verursachen.


Ich fühlte mich furchtbar eingeschränkt

und war wütend, traurig

und frustriert. Ich zweifelte an den

Untersuchungsergebnissen der Ärzte

und ließ immer wieder zu meiner

Beruhigung ein EKG durchführen,

wenn wieder eine solche Attacke

kam. Ich fühlte mich ganz elendig

und wagte auch nicht, mit irgend-

jemandem über meine Probleme zu

reden. Irgendwie war es schon komisch,

auf der einen Seite fühlte ich

mich in Panik und Todesangst versetzt,

auf der anderen Seite fand kein Arzt

etwas. Manchmal dachte ich, die Leute

könnten meinen, ich wäre ein Simulant.

Deswegen sprach ich auch mit niemandem

über meine Probleme.

Hilfe suchen

Irgendwann kam aber doch im Gespräch mit

meiner Freundin die Rede darauf. Zu meiner

Überraschung erfuhr ich, dass meine Freundin

ähnliche Probleme gehabt hatte. Sie war

zu einem Nervenarzt gegangen und hatte sich

behandeln lassen. Das Ganze hatte, wie sie mir

erzählte, etwa zwei Jahre gedauert, dann war es

vorbei. Ich hatte gar nicht geglaubt, dass man

eine solche Krankheit überwinden kann und

alles wieder normal wird.

Dies machte mir Mut und ich ging dann

auch zum Nervenarzt und schilderte ihm meine

Beschwerden. Der Nervenarzt nahm an, dass ich

an einer Panikstörung leiden könnte und beruhigte

mich erst einmal, dass durch die Krankheit

für meinen Körper keine wirkliche Gefahr bestehe.

Von ihm erfuhr ich auch, dass viele Menschen

unter Panik- und Angststörungen leiden.

Bis dahin hatte ich das gar nicht gewusst. Ich

wollte ihm gerne glauben, andererseits waren

die Beschwerden, die ich inzwischen schon über

Test im

Internet:

Starkes Herzklopfen, Schweißausbrüche,

Schwindelanfälle und andere Symptome können

ein Zeichen für eine panikstörung sein. machen Sie

auf psychiatrie-aktuell unseren Test, ob Sie sich

weitergehende Hilfen suchen sollten.

www.psychiatrie-aktuell.de

etliche Monate hatte, so schlimm, dass ich mir

kaum vorstellen konnte, dass das tatsächlich alles

„nur psychisch“ sein sollte. Ich habe mehrere

aufklärende Gespräche bei dem Arzt gehabt, der

mir auch am Anfang ein Medikament, ein Antidepressivum

zur Stabilisierung und Entlastung

gegeben hatte. Es war mir aber dennoch nicht

möglich, zur Arbeit zu gehen. Mein Nervenarzt

hat mich dann zu einem Psychotherapeuten

überwiesen, wo ich ein knappes Jahr eine Verhaltenstherapie

durchführte. Ich lernte dort, mit

meinen Symptomen anders umzugehen und sie

im Laufe der Zeit sogar auszuhalten ohne „in

Panik“ zu verfallen. Nach einiger Zeit merkte

ich, dass ich gar keine Angst mehr davor hatte,

wenn sich ein solcher Panikzustand ereignen

würde. Ich wurde mutiger und traute mir wieder

einiges zu. Ich konnte auch wieder zur Arbeit

gehen und fühlte mich nach einiger Zeit fast

wieder wie früher und gesund.

Es geht wieder vorbei

Dann bekam ich wieder vollkommen unverhofft

einen Panikanfall und ich war total

frustriert und dachte: „Jetzt fängt das alles

wieder an.“ Mit Hilfe meines Arztes und dem

Psychotherapeuten konnte ich diese Krise aber

auch einordnen und ich wusste, dass mir so

etwas grundsätzlich immer wieder passieren

kann, dass das aber wieder vorbei geht und

ich mich davor nicht mehr fürchten muss. Diese

Erkenntnis hat mich so entlastet, dass ich

vor solchen Panikzuständen heute keine Angst

mehr habe. Überraschenderweise sind sie seitdem

auch nicht mehr aufgetreten. Manchmal

habe ich Eindruck, es könnte wieder anfangen,

aber ich schaffe es, mich dann abzulenken. Ich

sorge mich auch nicht mehr, denn ich weiß,

selbst wenn so ein Panikzustand käme, ebbt er

nach kurzer Zeit wieder von alleine wieder ab.

Ich brauche keine Medikamente mehr und ich

bin auch nicht mehr in Behandlung. ●

MEINE GEScHIcHTE

Faszination Seele – III/2007 7


GESUNDHEITSPoLITIk

W

D

Demenz-Patienten im

krankenhaus

„Die meisten Krankenhäuser

in Deutschland sind nicht ausreichend

auf die steigende Zahl

der Menschen mit Demenz

und somit auf die Bedürfnisse

dieser besonders verletzlichen

Patientengruppe eingestellt“,

sagte Klaus Großjohann, Geschäftsführer

des Kuratoriums

Deutsche Altershilfe (KDA).

Wenn Demenzkranke in eine

Klinik eingeliefert werden, liegt

in der Regel eine akute somatische

Erkrankung vor. Die Demenz

als zweite Erkrankung, sofern sie

überhaupt schon diagnostiziert

wurde, tritt dabei häufig in den

Hintergrund. „Die Nebendiagnose

Demenz geht oft unter, weil sich

die Krankenhausbehandlungen auf

die Hauptdiagnosen konzentrieren“,

erklärte Großjohann weiter.

Das hat für die altersverwirrten

Patienten nicht selten fatale Fol-

gen. „Krankenhausaufenthalte stellen alle Menschen vor große psychische Belastungen.

Für Menschen mit Demenz können sie aber zum ‚Horrortrip‘ werden“,

erläutert die KDA-Pflegeexpertin und Psychologin Christine Sowinski. „Ihre Orientierungsschwierigkeiten

können sich so sehr verstärken, dass sich die Symptome

einer bisher vielleicht unerkannten Demenz womöglich erstmals zeigen oder gar

verschlimmern.“ Sie fordert eine größere Bereitschaft für eine „demenzsensible

Pflege“ im Krankenhaus: „Die Klinikmitarbeiter brauchen neuere Erkenntnisse, wie

sie mit Demenzkranken umgehen können.“ (sys) ●

Faszination Seele - III/2007

Die reizarme Klinik-Umgebung kann

Demenz-Symptome verstärken.

keine Berufsunfähigkeit bei Panikattacken

Angstzustände oder Panikattacken im Job führen nicht ohne

weiteres dazu, dass es Geld von der Berufsunfähigkeitsversicherung

gibt.

Das berichtet die Zeitschrift „OLG-Report“ unter Berufung auf

einen Beschluss des Saarländischen Oberlandesgerichts (OLG) Saarbrücken.

Der Versicherte müsse vielmehr alles ihm Zumutbare unternehmen,

um die Situation in den Griff zu bekommen. Dazu zählten

beispielsweise die Aufnahme einer ärztlichen Behandlung oder die

Einnahme von Medikamenten (Az.: 5 W 220/06-64). Das Gericht

lehnte mit seinem Beschluss die Bewilligung von Prozesskostenhilfe

V

AbouTpIxel.de

was sind

Rabattverträge?

Mit der zum ersten April dieses Jahres in

Kraft getretenen Gesundheitsreform hat

die Bundesregierung auch bei der Arzneimittelversorgung

einige gravierende Änderungen

vorgenommen. So können alle gesetzlichen

Krankenkassen mit ausgewählten

Pharmafirmen spezielle Rabattverträge

abschließen.

Versicherte der jeweiligen Kasse bekommen

dann die Medikamente von Herstellern mit dem

entsprechenden Rabattvertrag. Die beteiligten

Pharmaunternehmen gewähren den Kassen im

Gegenzug Rabatte auf die Verkaufspreise, die Kasse

zahlt also für gleichartige Medikamente weniger

als zuvor. Ziel des neuen Konzeptes ist es,

die steigenden Arzneimittelkosten in Deutschland

wieder zu senken.

Bevor der Patient für sein Rezept das benötigte

Arzneimittel bekommt, muss der Apotheker zunächst

prüfen, mit welchem Hersteller und über

welches Arzneimittel seine Krankenkasse einen

Rabattvertrag abgeschlossen hat. Ist eben dieses

Medikament nicht vorrätig, muss es beschafft

werden – auch wenn die Apotheke mehrere andere

gleichwertige Produkte in ihren Regalen und

Schubfächern hat.

Ist das Rabatt-Arzneimittel nicht lieferfähig,

muss der Apotheker eines der drei preisgünstigsten

wirkstoffgleichen Medikamente mit derselben Dosierung

und Packungsgröße sowie derselben oder

einer austauschbaren Darreichungsform abgeben

– und zwar selbst dann, wenn das Medikament,

mit dem der Patient vertraut ist, nur wenige Cent

mehr kostet. (sys) ●

ab, weil es für die Klage einer angehenden Lehrerin keine Erfolgsaussichten

sah. Die Klägerin hatte Leistungen ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung

in Anspruch nehmen wollen, weil sie ihre Ausbildung

zur Lehrerin nicht fortsetzen konnte. Sie berichtete, dass sie in den

Nächten vor dem Unterricht unter Magenkrämpfen, Essstörungen,

Panikattacken und Schlafstörungen gelitten habe. Medikamente hatte

sie nach eigenen Angaben aber nicht eingenommen. Das OLG

befand, es stehe nicht hinreichend fest, dass die Klägerin tatsächlich

berufsunfähig sei. Wer psychische Beeinträchtigungen geltend mache,

müsse darlegen, was er getan habe, um die Störungen in den

Griff zu bekommen. (dpa/sys) ●


I

D

Ärzte lehnen Gesundheitskarte ab

In der gemeinsamen Erklärung der Ärzteverbände

und Körperschaften heißt es: „Bisher ist für

die Ärzteschaft nicht klar erkennbar, ob die inzwischen

entwickelten technischen Lösungen einen

ausreichenden Schutz der Patient-Arzt-Beziehung

sicherstellen. Die Vertraulichkeit der Patient-Arzt-

Beziehung bleibt wesentliche Grundlage ärztlichen

Handelns. Sie darf nicht in Frage gestellt werden.“

Die Delegierten stellten klar, dass es den Ärztinnen

und Ärzten bei ihrem Widerstand gegen die

Einführung der Gesundheitskarte nicht um materielle

Interessen gehe, sondern um die Sicherung

ihres ärztlichen Entscheidens und Handelns in einem

von Vertrauen geprägten Verhältnis zu ihren

Patienten.

Zur weiteren Begründung wird angeführt,

➤ dass der Zugriff auf die Daten und deren Missbrauch

durch Dritte nicht sicher zu verhindern

sei,

Patienten dürfen Behandlungsakten einsehen

Das berichtet die „Monatsschrift für

Deutsches Recht“ unter Berufung auf ein

Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main

(Az.: 2-24 S 127/06).

Von dieser Pflicht zur Gewährung der

Einsichtnahme und Herausgabe der Unterlagen

seien lediglich die Notizen ausgenommen,

die rein subjektive Eindrücke

des Therapeuten wiedergeben würden,

entschieden die Richter. Das Gericht gab

mit seinem Urteil der Klage eines Patienten

gegen einen Diplom-Psychologen

statt. Der Kläger wollte die Unterlagen, die

der Therapeut anlässlich der Behandlung

GESUNDHEITSPoLITIk

Die deutschen Ärzte und ihre Standesorganisationen lehnen die elektronische Gesundheitskarte

in der bisher geplanten Ausführung ab. „Der Zugriff auf die Daten

und deren Missbrauch durch Dritte sind nicht sicher zu verhindern“, hieß es auf dem

Ärztetag im Mai. Zudem werde die Handhabung der Praxisabläufe durch die elektronische

Gesundheitskarte erheblich behindert. Schließlich würden die Kosten dieser

milliardenschweren Entwicklung auf Patienten und Ärzte abgewälzt.

➤ dass es keinen belegbaren Nutzen

der Karte gebe,

➤ dass „die Kosten dieser milliardenschweren

Entwicklung auf Patienten

und Ärzte abgewälzt werden“ und

➤ dass Praxisabläufe erheblich behindert

werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte

und Patienten (DGVP) hat sich

unterdessen für die rasche Einführung

der elektronischen Gesundheitskarte

ausgesprochen. Die E-Card müsse aber

auch weltweit einsetzbar sein, fordert

DGVP-Präsident Wolfram-Arnim

Candidus. Nach den Worten von Candidus

ist die E-Card nicht nur aus

ökonomischen Gründen sinnvoll, sie

schütze Patienten auch vor Fehlbehandlungen.

(sys/dpa) ●

FRANKFURT – Auch bei einer psychotherapeutischen Behandlung gilt: Ein Patient hat grundsätzlich

Anspruch auf Einsichtnahme und Herausgabe der entsprechenden Protokolle.

Psychotherapeuten müssen Patienten Einsicht

in ihre Behandlungsakten gewähren.

angelegt hatte, einsehen. Der Psychologe

verweigerte das mit der Begründung, die

Einsichtnahme oder Herausgabe wäre für

Aok medIendIenST

Viele Ärzte lehnen die elektronische Gesundheitskarte

ab

die persönliche Entwicklung des Klägers

nachteilig.

Das Landgericht ließ den Einwand

nicht gelten. Die Richter verwiesen darauf,

dass es mit dem Selbstbestimmungsrecht

des Patienten und seiner Würde

nicht vereinbar sei, wenn ihm Dokumente

vorenthalten würden, die ihn persönlich

betreffen. Insoweit gelte im Wesentlichen

der gleiche rechtliche Maßstab wie bei anderen

Krankenunterlagen. Wieso der Kläger

beim Lesen der Protokolle Schaden

nehmen solle, habe der Therapeut nicht

näher begründet. (sys) ●

Faszination Seele - III/2007

bmg


10

VERSoRGUNG

wAS IST EIGENTLIcH...

...eine Soziotherapie?

Soziotherapie soll psychisch Kranke dazu befähigen,

in möglichst kurzer Zeit von fremder Hilfe unabhängig

zu werden. Sie ist immer dann angebracht,

wenn Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt

werden kann oder wenn diese geboten, aber

nicht ausführbar ist.

Soziotherapie stellt jedoch keine eigene Therapieform

dar, sondern kann unter dem Aspekt eines methodenübergreifenden

Grundprinzips helfenden Handelns

aufgefasst werden. Die Hilfen können sowohl im

häuslichen Umfeld erfolgen als auch in der Praxis.

Zur Definition: Soziotherapie ist eine nervenärztlich/psychiatrisch

verordnete Unterstützung und

Handlungsanleitung für chronisch psychisch Kranke

zur Überwindung krankheitsspezifischer Defizite und

daraus entstehender Beeinträchtigung im sozialen Umfeld.

Soziotherapie bietet Hilfen im häuslichen Umfeld.

Einfacher ausgedrückt, Soziotherapie stellt eine

lebenspraktische Anleitung zur Eingliederung in die

Gesellschaft und zur selbständigen Nutzung sozialer

Angebote dar. Die Zielgruppe, die von Soziotherapie

profitiert, sind chronisch psychisch Kranke mit schweren

Psychosen und psychoseähnlichen Zuständen, die

umfassende therapeutische und rehabilitative Angebote

benötigen. Soziotherapie ist angebracht und sinnvoll,

wenn folgende Defizite bestehen:

➤ Fehlende lebenspraktische Kompetenz

➤ Störung des Antriebs, der Ausdauer und der Belastbarkeit

➤ Einschränkung des planerischen Denkens und Handelns

sowie des Realitätsbezugs

➤ Störung der Kommunikationsfähigkeit und der

Compliance

➤ Störung der kognitiven Fähigkeiten und mangelnde

Krankheitseinsicht

Faszination Seele - III/2007

bIermAnn VerlAg

Ambulante Soziotherapie

Im März 2003 wurde in Hessen der Diplom-Sozialarbeiter Wolfgang

Pilz als erster Soziotherapeut von den Krankenkassenverbänden

anerkannt und es entstand im Zuge dessen die freiberufliche

Praxis „Gießener Soziotherapie“. Diese Hilfe ist für schwer

psychisch kranke Menschen gedacht und wird als gesetzlich definierte

Leistung von den Krankenkassen finanziert.

I

Inzwischen kann die Gießener Soziotherapie auf über vier Jahre professionelle

Patientenversorgung zurückblicken. Im Zeitraum April 2003

bis April 2007 konnten innerhalb der Giessener Praxis 30 Patienten

gemäß fachärztlicher Verordnung versorgt werden.

Die soziotherapeutische Begleitung wurde von den betreuten Menschen

sehr gut angenommen. Bei 87 Prozent der Patienten konnte

mit Hilfe der eingeleiteten Soziotherapie stationäre psychiatrische Behandlung

erfolgreich abgewendet werden. Weitere Arbeitsschwerpunkte

waren die Motivation wie Hinführung zur regelmäßigen ambulanten

ärztlichen Behandlung, die Besserung im Bereich der Krankheitseinsicht

und die Reflexion der Medikamenteneinnahme. Gerade in psychischen

Krisen fehlte es bei 37 Prozent der betreuten Patienten an der nötigen

Kraft und Ausdauer, ambulante ärztliche Behandlung auch wirklich bedarfsgerecht

in Anspruch nehmen zu können. In der praktischen Arbeit

mit der Klientel zeigt sich immer wieder, dass gerade psychisch kranke

Menschen mit massiven sozialen Schwierigkeiten erhebliche Probleme

damit haben, gut gemeinte ärztliche Empfehlungen auch wirklich in die

Tat umzusetzen. Die aktive Hilfe und Begleitung im sozialen Umfeld der

Klientel ist dringend geboten. Die ambulante Soziotherapie hat deutlich

ihren Platz in der gemeindepsychiatrischen Versorgung gefunden.

Versicherte, die wegen schwerer psychischer Erkrankung nicht dazu

in der Lage sind, ärztliche Empfehlungen selbständig wahrzunehmen,

haben Anspruch auf Soziotherapie, wenn dadurch Krankenhausbehandlung

vermieden oder verkürzt wird. Dies wird mit dem bundeseinheitlichen

Gesetzestext § 37 a SGB V beschrieben. Das Leistungsangebot der

ambulanten Soziotherapie definiert sich gemäß den zugrunde liegenden

Durchführungsrichtlinien in Form von aktiver Hilfe und Begleitung für

psychisch kranke Menschen im häuslichen und sozialen Umfeld.

Im Februar 2004 entstand erstmals die Idee zur Gründung der Interessengemeinschaft

(IG) Soziotherapie Hessen. Mittlerweile wird diese

Gemeinschaft von insgesamt 35 Vereinen, Institutionen und Einzelpersonen

aus dem medizinischen/pädagogischen Bereich, in Hessen vertretenen

Angehörigengruppen, vom Deutschen Berufsverband für Soziale

Arbeit e.V. und einem Mitglied im „Unterausschuss Soziotherapie“ des

Bundesministeriums unterstützt. Die IG versteht sich als Fachorgan zur

Förderung der in Hessen angelaufenen Soziotherapie. Sie vertritt die

Ansicht, dass mit Einsatz der ambulanten Soziotherapie eine Verbesserung

in der Versorgung schwer psychisch kranker Menschen erreicht

werden kann. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen uns in dem Ziel

nach einer breitflächigen Umsetzung der ambulanten Soziotherapie.

Vor allem setzt der Maßstab bei der zu betreuenden Klientel an,

welche in diesem Artikel nicht zu kurz kommen soll. So urteilt ein

Patient nach sechs Monaten ambulanter Soziotherapie wie folgt: „Ihre

Begleitung hat großen Schaden von meiner Familie abgewendet und

mich vor einem Krankenhausaufenthalt bewahrt.“ Ein knapper und

guter Schlusssatz also, der einerseits einen positiven Therapieverlauf


in Gießen – ein Bericht aus der Praxis

bescheinigt und zudem alle nötigen Argumente zum Thema Soziotherapie

in sich birgt.

Fallbeispiel aus dem Alltag der Gießener

Soziotherapie

Zuletzt möchten wir noch ein Fallbeispiel aus der Praxis der Giessener

Soziotherapie schildern: Herr X meldet sich nach Rücksprache

mit seinem Psychiater telefonisch in der Giessener Soziotherapie.

Die soziotherapeutische Begleitung wird von den meisten Patienten

gut angenommen.

Dieser Schritt hat den Patienten große Überwindung gekostet. Herr X

steht erheblich unter Druck und möchte unbedingt in die ambulante

Soziotherapie übernommen werden. Er hat mit seinem Psychiater

bereits über die Möglichkeiten einer soziotherapeutischen Begleitung

gesprochen. Der Patient erhofft sich von der Maßnahme eine deutliche

psychische Entlastung. Das Indikationsmuster zur Durchführung

einer Soziotherapie ist nach Rücksprache mit dem Psychiater

erfüllt. Sowohl Diagnose als auch Fähigkeitsstörungen entsprechen

den Durchführungsrichtlinien. Mit Hilfe der Soziotherapie soll eine

drohende Krankenhausbehandlung abgewendet werden. Ambulante

ärztliche Empfehlungen vernachlässigt der Patient wegen massiver

sozialer Problematik.

Herr X berichtet im Erstkontakt ganz offen über seine Situation.

Er ist 1959 geboren und seit 22 Jahren verheiratet. Die Scheidung

steht bevor. Aus der Ehe sind drei Kinder hervorgegangen.

Die Kinder sind jetzt 20, 18 und 15 Jahre

alt. Herr X hat eine kaufmännische Lehre und

ein Fachhochschulstudium mit Erfolg abgeschlossen.

Der Patient kann auf zehn

Jahre Berufstätigkeit zurückblicken. Im

Jahre 1995 wurde er Hausmann, da seine

Ehefrau im gleichen Jahr ein äußerst

attraktives Stellenangebot erhielt. Herr

X hat in diesem Zusammenhang ganz

rHeInIScHe FAcHHocHScHule köln

Weitere

Informationen:

Interessengemeinschaft Soziotherapie Hessen

Wolfgang pilz, Telefon: 0641-76681

e-mail: Soziotherapie.giessen@web.de

selbstverständlich in vollem Umfang die häuslichen Pflichten übernommen.

Im Arbeitsleben fühlte sich Herr X lange Zeit gemobbt,

blockiert und war zeitweise völlig ausgebrannt. Der Patient war über

viele Jahre in leitender Funktion tätig.

Die soziale Situation stellt sich bei Übernahme in die ambulante

Soziotherapie wie folgt dar: Seit einem Jahr lebt Herr X von seiner

Ehefrau und seinen Kindern getrennt. Er hat zeitweise bei Bekannten

oder im eigenen Pkw übernachtet. Das gemeinsame Haus der Familie

wurde vor zwölf Monaten verkauft. Der ihm aus dem Verkauf der Immobilie

zugesprochene Erlös bildete fortan seine einzige finanzielle

Grundlage. Herr X hat sich aktuell in einer kleinen Mietswohnung

etabliert. Der ihm zustehende Ertrag aus dem Immobilienverkauf

war aufgrund fehlendem Finanzgeschick unerwartet schnell aufgebraucht

und mit dem Versuch einer selbständigen Tätigkeit in

Form einer „Ich AG“ ist der Patient wegen ausbleibender Einnahmen

letztlich gescheitert.

Seit nunmehr sechs Jahren befindet sich Herr X in ständiger

psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung. Ambulante

als auch stationäre Behandlungsphasen wechseln sich ab. Der Patient

fühlt sich im Alltag ohnmächtig, hilflos und von Einsamkeit geplagt.

Er hat suizidale Gedanken und empfindet den Freitod als einen erlösenden

Zustand aus einer ihm hoffnungslos erscheinenden Realität.

Sein Bekanntenkreis ist ihm im Zuge der Gesamtproblematik völlig

verloren gegangen.

Die Entwicklung im Verlauf der ambulanten Soziotherapie verläuft

wie folgt: Herr X beginnt schließlich eine berufliche Rehabilitationsmaßnahme

und verstärkt den Kontakt zu seinen

Töchtern. Die Gefühle der Einsamkeit verlieren

sich mit der neu gewonnenen Tagesstruktur und der

wiedererwachten emotionalen Bindung zu seinen

Kindern. Der Patient hat seine finanzielle Situation

im Verlauf der soziotherapeutischen Begleitung

durch besseres Vertrauen in eigene Fähigkeiten sehr

gut in den Griff bekommen. Herr X hat deutliche

Fortschritte im Bereich der Strukturfindung und in

der allgemeinen Kontaktfähigkeit erzielt. Auch in

der Ausdauer, Belastbarkeit und vor allem in der

Fähigkeit zum Erkennen von psychischen Krisen

hat Herr X für sich selbst sehr stark profitiert. Dro-

VERSoRGUNG

Pionier der Soziotherapie

in Gießen:

Wolfgang Pilz

hende stationäre Behandlungsmaßnahmen konnten im Verlauf der

ambulanten Soziotherapie erfolgreich abgewendet werden. ●

Autor: Wolfgang pilz ist seit 1984 als diplom-

Sozialarbeiter in stationären sowie sozial-

psychiatrischen einrichtungen tätig. Im

Jahre 2003 erlangte er von den hessischen

krankenkassenverbänden die Zulassung

als leistungserbringer für Soziotherapie

und gründete zusammen mit der diplom-

Sozialarbeiterin Waltraud Velte die

giessener Soziotherapie.

Faszination Seele - III/2007 11

pIlZ


12

VERSoRGUNG

Die Eckpunkte der geplanten

Pflegereform

■ Beiträge:

Der Pflegebeitrag soll zum 1. Juli 2008 um 0,25 Prozentpunkte

erhöht werden – derzeit liegt er bei 1,7 Prozent des Bruttoeinkommens

(1,95 Prozent für Kinderlose). Im Gegenzug werden die Beiträge

zur Arbeitslosenversicherung (derzeit 4,2 Prozent) zum 1. Januar

2008 um 0,3 Punkte gesenkt. Für Rentner, die davon nicht profitieren,

stellte die Koalition entsprechende Rentenerhöhungen für 2008

in Aussicht. Die höheren Pflegebeiträge

entsprechen zusätzlichen Einnahmen

von rund 2,5 Milliarden Euro jährlich

und sollen bis 2014 oder 2015 ausreichen,

um die zusätzlichen Leistungen zu

finanzieren.

■ Pflegesätze:

Erstmals seit 1995 sollen die Pflegesätze

angepasst werden. Im ambulanten

Bereich sollen die Leistungen in Pflegestufe

eins von 2008 bis 2012 schrittweise

von 384 auf 450 Euro steigen, in Pflegestufe

zwei von 921 auf 1100 Euro und in

Pflegestufe drei von 1432 auf 1550 Euro

im Monat. Die stationären Pflegesätze

in den Stufen eins und zwei bleiben unverändert,

in Stufe drei steigen sie von

1432 auf 1550 Euro und von 1688 auf 1918 Euro bei Härtefällen.

Nach 2012 werden die Leistungen alle drei Jahre angepasst (Dynamisierung).

■ Demenz:

Die Leistungen für Menschen mit „erheblich eingeschränkter

Alltagskompetenz“ (darunter Demenz-, Alzheimer- und psychisch

Kranke sowie geistig Behinderte) sollen von 460 auf bis zu 2400 Euro

im Jahr anwachsen. Dabei handelt es sich um einen Beitrag, der zusätzlich

zu den eigentlichen Pflegeleistungen gezahlt wird, aber auch

dann, wenn die Betroffenen noch nicht körperlich pflegebedürftig

sind und damit noch nicht in die erste Pflegestufe fallen.

Faszination Seele - III/2007

Nach monatelangen Verhandlungen auf Ministerebene haben sich die Spitzen von

Union und SPD auf Eckpunkte für die Pflegereform verständigt. Während auf der

politischen Bühne die Ergebnisse unterschiedlich bewertet werden, betrachten die

meisten Sozialverbände die Pflegereform als ein Schritt in die richtige Richtung.

Hier die Ergebnisse im Überblick.

■ Ambulante Versorgung:

Die Reform soll den Grundsatz „ambulant vor stationär“ stärken.

Geplant sind wohnortnahe Pflegestützpunkte, eine Art Pflege-Berater

und eine Förderung betreuter Wohnformen: Derartige Wohngemeinschaften

Pflegebedürftiger sollen gemeinsam pflegerische Unterstützung

einkaufen können. Kassen sollen leichter Verträge mit

Einzelpflegekräften schließen können, nicht nur mit Pflegediensten.

bIermAnn VerlAg

■ Pflegezeit:

Angehörige von Pflegebedürftigen

erhalten einen Anspruch auf eine

bis zu sechsmonatige unbezahlte

Freistellung von der Arbeit mit Recht

auf Rückkehr (Pflegezeit). Für Betriebe

mit bis zu zehn Beschäftigten ist

eine solche Regelung freiwillig. Geprüft

wird noch, ob es in plötzlichen

Notsituationen die Möglichkeit geben

soll, dass Angehörige kurzfristig bis

zu zehn Tage lang freigestellt werden

(wie dies auch Eltern bei Krankheit

ihrer Kinder können).

■ Sonstiges:

Für Pflegeeinrichtungen zahlen

sich gute Pflege und Rehabilitation künftig finanziell aus: Können

Pflegebedürftige nach entsprechend guter Behandlung in eine

niedrigere Pflegestufe eingruppiert werden, erhalten die Heime

dafür einmalig 1536 Euro. Die Qualitätssicherung soll ausgebaut

werden. Zudem soll der Übergang von Krankenhausbehandlungen

in Reha und Pflege nahtloser funktionieren. Gesetzliche Pflegekassen

können Pflege-Zusatzversicherungen anbieten.

■ Finanzreform:

Eine umfassende Finanzreform bleibt vorerst aus, weil sich

beide Koalitionspartner mit ihren jeweiligen Forderungen bis zuletzt

gegenseitig blockierten. Die SPD hatte einen Finanzausgleich

zwischen privaten und gesetzlichen Pflegekassen gefordert, die

Union die Einführung einer individuellen kapitalgedeckten Altersreserve.

(dpa/sys) ●


WIeTFeld

Fragen aus der Praxis...

Dr. Rita Wietfeld, niedergelassene Fachärztin für Psychiatrie und

Neurologie sowie Psychotherapeutin, steht Ihnen auf dieser Seite Rede

und Antwort.

Zur Person

Dr. Rita Wietfeld studierte Medizin

in Bochum und Essen und ließ

sich 1990 in ihrer Heimatstadt

Witten als Ärztin für Psychiatrie,

Neurologie und Psychotherapie

mit sozialpsychiatri-

schem Schwerpunkt

nieder. „Patientenarbeit

ist schließlich meine

Aufgabe“, betont sie.

?

? Carola H., 22 Jahre, fragt: Vor einem Jahr hatte ich

plötzlich im Auto so ein komisches Gefühl, mir wurde ganz

schwindelig, ich bekam furchtbares Herzrasen und dachte,

ich müsste jeden Moment ohnmächtig werden. Mein Freund brachte

mich nach Hause. Mein Hausarzt hat mich gründlich untersucht,

aber nichts gefunden. Seitdem traue ich mich nicht mehr Auto zu

fahren, ich gehe auch nicht mehr gerne raus, nur noch wenn jemand

bei mir ist. Ich fühle mich sehr eingeschränkt und möchte gerne wieder

ein normales Leben führen. An wen kann ich mich wenden?

Dr. Wietfeld: Beschwerden, die scheinbar wie aus heiterem Himmel

über Patienten herein brechen und mit Herzrasen, Beklemmungsgefühlen,

Atemnot, Schwindel oder der Angst, in Ohnmacht

zu fallen, verknüpft sind, können Ausdruck einer Panikstörung

sein. Grundsätzlich ist es bei dem Auftreten solcher Symptome

wichtig, sich einmal organisch durchuntersuchen zu lassen, um

körperliche Ursachen auszuschließen. Wenn kein krankhafter körperlicher

Befunde gefunden wurde, ist an eine Panikstörung zu

denken. Diese Erkrankung ist einer Behandlung sehr gut zugänglich.

Oftmals genügen bereits entlastende, aufklärende Gespräche,

die Teilnahme an einer Psychoedukationsgruppe oder auch eine

Verhaltenstherapie. In einigen Fällen macht es auch Sinn, die Patienten

anfangs medikamentös zu unterstützen, denn viele neigen

leider dazu, sich in die Ängste hinein zu steigern und schließlich

Angst vor der Angst zu entwickeln. Das Vermeiden von möglichen

Angst auslösenden Situationen kann dann immer weiter um sich

greifen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Möglichst

unverzügliche Aufnahme einer geeigneten psychiatrischen, psychotherapeutischen

Behandlung ist daher dringend zu empfehlen!

Annegret W., 38 Jahre, fragt: Ich leide seit mehreren

Jahren unter einer schizophrenen Psychose. Ich bin berufstätig

und schaffe dank der Medikation meine Arbeit recht gut. Dennoch

frage ich mich, ob ich die Medikamente lebenslänglich einnehmen muss?

NAcHGEFRAGT

Haben auch Sie Fragen an

Dr. Rita Wietfeld?

Dann mailen Sie uns:

sys@biermann.net

oder schreiben Sie an:

Biermann Verlag GmbH

Faszination Seele

Otto-Hahn-Str. 7, 50997 Köln

fax: (02236) 376-452

Dr. Wietfeld: Wenn jemand an einer schizophrenen Psychose erkrankt, kann der

Krankheitsverlauf durchaus unterschiedlich sein. Es gibt Verläufe mit einigen wenigen

psychotischen Episoden, wo es aufgrund des Krankheitsverlaufs vertretbar ist, die

Medikation nach Stabilisierung langsam zu reduzieren und auch

Wenn Sie Ihre Fragen

lieber direkt an

Dr. Rita Wietfeld

richten möchten,

dann erreichen Sie

sie in ihrer Praxis.

tel.: (02302) 60323

abzusetzen. Das Rückfallrisiko ist allerdings recht hoch, so dass empfohlen

wird, bei einer entsprechenden Krankheitsveranlagung doch

langfristig eine Medikation einzunehmen, die vor Rückfällen schützt,

auch wenn die eigentlichen Krankheitssymptome schon längst abgeklungen

sind.

? Herr Sch., 59 Jahre, fragt: Meine Mutter ist

jetzt 82 Jahre alt, sie lebt alleine und versorgt sich

im Großen und Ganzen noch selbst. Ich, als einziger

Sohn, versuche sie zu unterstützen, wo es notwendig

ist. In der letzten Zeit sehe ich mich aber mit völlig ungerechtfertigten

Vorwürfen konfrontiert. So unterstellt mir

meine Mutter, ich habe sie bestohlen, habe Gegenstände

absichtlich verlegt. Wenn ich versuche zu erklären, dass

dem nicht so ist, wird sie sehr böse, glaubt mir nicht.

Diese Situation belastet mich sehr, und ich weiß im Augenblick

nicht mehr, wie ich damit umgehen soll.

Dr. Wietfeld: Im Rahmen demenzieller Erkrankungen

kommt es nicht selten vor, dass die Betroffenen unbegründet

misstrauisch werden und Befürchtungen äußern,

man habe sie bestohlen, sie hintergangen oder sie unterstellen

anderen böse Absichten. Manchmal kann das

damit zu tun haben, dass die Betroffenen vergesslicher

geworden sind, Gegenstände selber verlegen und nicht

wieder finden. Geht man auf derartige Vorwürfe ein

und versucht sich zu rechtfertigen, kann das häufig den

Konflikt weiter verschärfen, zu weiteren Spannungen

und Frustrationen auf beiden Seiten führen. Entspringen

diese Vorhaltungen einer demenziellen Erkrankung,

ist es sinnvoller, nicht darauf einzugehen, sondern die

Problematik geschickt zu überspielen, auf andere Themen

auszuweichen, auf jeden Fall, den Betroffenen zu

beruhigen und nicht gegen zu halten. Das ist nicht immer

leicht, besonders nicht, wenn man sich persönlich

betroffen fühlt. ●

Faszination Seele - III/2007 1


D

1

MEDIzIN

Viele kinder haben Übergewicht und Psycho-Probleme

Zu dick, zu viel

Alkohol und Tabak,

Psycho-Probleme: Viele

Kinder und Jugendliche in

Deutschland haben

gesundheitliche

Störungen.

Putzfimmel schwangerer Frauen erforscht

Alles ist bereits sauber und rein, doch sie können nicht anders: Viele Frauen entwickeln

in den letzten Wochen der Schwangerschaft ein übersteigertes Putzbedürfnis.

Wissenschaftler führen den Zwang auf einen rudimentären Instinkt zurück.

Der bei hochschwangeren Frauen oft beobachtete

Putzfimmel lässt sich nach Darstellung des Psychologie-Professors

Bernd Bossong wissenschaftlich erklären.

„Zum einen steckt dahinter ein rudimentärer

Instinkt, den wir auch aus der Tierwelt kennen“,

so der Landauer Wissenschaftler. Viele Tierarten

bauten vor der Geburt ihres Nachwuchses ein Nest,

das exzessive Putzen der Wohnung sei damit vergleichbar.

Landauer Wissenschaftler hatten 80 Frauen nach

ihrem Verhalten und ihren Gefühlen vor der Geburt

ihres Kindes befragt. Dabei hätten 50 Frauen ein

übersteigertes Putzbedürfnis in den letzten Wochen

vor der Geburt eingeräumt. „Oft wussten die Frauen

sogar, dass das Putzen eigentlich gar nicht notwendig

ist – und konnten doch nicht anders“, sagte

Bossong. Das Phänomen sei bei den meisten der betroffenen

Frauen innerhalb der letzten vier Wochen

vor der Geburt zu beobachten.

Zur Erklärung dieses Verhaltens gibt es nach den

Worten Bossongs aber auch einen psychologischen

Ansatz. „Angst oder Aufregung können einge-

Faszination Seele - III/2007

Das geht aus der bisher größten deutschen

Kinder- und Jugend-Gesundheitsstudie

(KiGGS) im Auftrag der Bundesregierung

hervor.

Besonders Kinder aus Ausländerfamilien

und sozial

schwachen Elternhäusern

sind

demnach vielen

Gesundheitsrisiken

ausgesetzt.

Forscher des Berliner Robert

Koch-Instituts (RKI) haben für

die KiGGS-Studie drei Jahre lang

17.600 Kinder und Jugendliche bis

17 Jahre befragt, zum Teil ärztlich

untersucht und auch Eltern interviewt.

In der Gesamtsicht biete sich ein

Bild, das optimistisch stimme, erläuterte

RKI-Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth.

bIermAnn VerlAg

„Wir haben hier nicht die kranke, dicke, faule und depressive

Generation“, sagte sie.

Dennoch klingen manche Einzelergebnisse sehr ernüchternd.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind zu

dick oder bereits fettsüchtig. Mehr als jeder fünfte elf- bis

17-Jährige (22 Prozent) hat Essstörungen, die zum

häufigsten chronischen Gesundheitsproblem

avanciert sind. Mädchen sind sehr viel häufiger

betroffen (28,9 Prozent) als Jungen

(15,2 Prozent). Nach KiGGS-Angaben

gibt es inzwischen bei rund elf Prozent

der Mädchen und fast 18 Prozent der

Jungen Hinweise auf Verhaltensauffälligkeiten

oder emotionale Probleme.

Dazu zählen die Forscher zum

Beispiel mangelnde Aufmerksamkeit,

Hyperaktivität, Aggressivität, Ängste,

Depressionen, oder auch betont unsoziales

Verhalten. (dpa/sys) ●

schliffene Verhaltensmuster verstärken.“

Bei der Untersuchung habe sich gezeigt,

dass vor allem Frauen, die Angst vor

der Geburt hatten und schon vor der

Schwangerschaft gerne putzten, exzessiv

zu Lappen und Staubsauger

griffen.

Psychiater hätten ihm berichtet,

dass ihnen schon Schwangere

wegen ihres extremen und

unkontrollierbaren Verhaltens

als Patientin mit Putzzwang

vorgestellt worden seien,

sagte Bossong. Der Professor

rät zu einer gelassenen

Betrachtung des Phänomens.

„Die Ratgeberliteratur

empfiehlt zu

Recht: Man sollte es

einfach geschehen

lassen.“ (sys) ●


B

wut fördert

rationales Urteil

Wut verhindert ein rationales Urteilen –

so die bisherige Annahme. Nun hat jedoch

ein Versuch der University of California

das Gegenteil bewiesen: Ärger kann ein

analytisches Urteil sehr wohl unterstützen,

vorausgesetzt, die Emotion

ist nicht allzu stark.

Bei dem Versuch wurden 150

Studenten erst einmal geärgert und

dann geprüft, ob sie eine Sachlage

noch vernünftig beurteilen können.

Entgegen bisherigen Ansichten konnten

laut dem Bericht des Fachmagazins

„Personality and Social Psychology Bulletin“

die verärgerten Männer und Frauen

besser urteilen als ihre gleichmütigen Kommilitonen.

Um die Studenten in Rage zu bringen,

wendeten die Forscher zwei Methoden an: Bei

einer Gruppe baten sie einige Teilnehmer, ihre

Hoffnungen und Träume für die eigene Zukunft

aufzuschreiben, dann erhielten die Autoren eine

harsche Kritik für ihre Schriften. Sie wurden als

langweilig und uninteressant bewertet. Andere

Studenten sollten sich lediglich vergangene Ereignisse,

über die sie sich geärgert hatten, ins Gedächtnis

zurückrufen. Eine dritte Studententruppe

blieb unbehelligt. Anschließend bekamen alle

drei Gruppen zwei Texte, in denen die Frage,

ob Studenten besonders schnell in finanzielle

Schwierigkeiten geraten, behandelt wurde. Eine

Schrift war argumentativ stark, die andere dagegen

denkbar schwach. Die Studenten mussten

die Qualität der Texte einordnen. Dabei schnitten

die ärgerlichen Zeitgenossen besser ab als ihre

unaufgeregten Kommilitonen. (sys) ●

nIkolA mAIer-reImer

bIermAnn VerlAg


MEDIzIN

Glückliche Paare werden

seltener herzkrank als Singles

Menschen in glücklichen Beziehungen haben nach Angaben

des Psychologen Prof. Jochen Jordan ein niedrigeres Herzinfarktrisiko

als Singles oder ♥unglückliche Paare.

„Herzschmerz aus dauerhaft

belastenden Partnerschaften

kann wahre Herzschmerzen

hervorrufen“, sagte der Leiter

der Klinik für Psychokardiologie

im hessischen Bad Nauheim.

Wenn eine Beziehung

über längere Zeit nicht gut laufe,

dann bedeute das für die Partner

Stress, Ärger und mache traurig.

Der Großteil verlässlicher ♥Ergebnis

se bezieht sich laut Jordan auf Untersuchungen

mit Männern, da Erkrankungen

der Herzkranzgefäße lange Zeit als Männersache

galten. Danach zeigten Single-Männer ein

2,9fach höheres Risiko, innerhalb von zehn Jahren

am Herzen zu erkranken als Männer, die in einer guten

Beziehung leben. „Für Männer ist eine feste emotionale

Bindung zum Partner ein klarer Schutzfaktor für ihre

Herzgesundheit“, sagte der 55-Jährige.

Allerdings hätten nicht nur Männer mit chronischen Problemen

in ihrer Beziehung ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, sondern

auch solche, die mit einer beruflich höher qualifizierten

♥♥ ♥

Frau zusammen seien. „Der hoch qualifizierte Beruf einer Frau lässt

das Herzinfarktrisiko bei ihrem Partner um das Dreifache gegenüber

Männern steigen, deren Partnerin Hausfrau, Arbeiterin oder Büroangestellte

ist“, sagte Jordan. „In diesem Punkt ändert sich die Welt nur sehr

♥langsam, einen großen Qualifikationsunterschied zu Frauen vertragen

Männer noch nicht gut.“

Internationalen Studien zufolge spielt laut Jordan eine Beziehung

für die Entstehung von Herzerkrankungen ebenso eine Rolle wie für

die Heilung nach einem Herzinfarkt. „Ein Jahr nach einem Herzinfarkt

liegt die Sterblichkeit von fest und glücklich gebundenen Männern

bei 6,6 Prozent, bei Single-Männern ♥ist sie mit 12,4 Prozent fast

doppelt so hoch“, sagte Jordan. Die Geschlechterrollen wirkten auch

nach einer Herzerkrankung weiter. Bei Frauen sei der Schutzschild

einer Beziehung weniger stark als bei Männern. „Zwar lassen sich bei

gebundenen Frauen ebenfalls bessere Überlebensraten nach einem

Infarkt nachweisen als bei Single-Frauen, und die Bindung ist für ihre

Regeneration ebenso wichtig wie für Männer, allerdings bedeutet eine

Beziehung für Frauen nicht zwangsläufig, dass sie die Unterstützung


auch bekommen“, sagte der Psychologe. Oft bleibe die Verantwortung

etwa für den Haushalt auch nach einem Herzinfarkt Sache der Frau,

wohingegen Männer ihre Verantwortungen nach einer Erkrankung an

ihre Partnerinnen ♥abgäben. (dpa/sys) ●

Faszination Seele - III/2007 1


H

1

MEDIzIN

Demenz im Alter

Antidementiva auf dem Prüfstand

Häufiges frühes Symptom

der Alzheimer Erkrankung ist

das Nachlassen des Gedächtnisses.

Meistens ist zunächst das

Kurzzeitgedächtnis betroffen.

Dinge werden „verlegt“ und Verabredungen

„verschwitzt“. Der

Betroffene kann sich schlechter

konzentrieren und häufig fällt

ihm auch gerade das richtige

Wort nicht mehr ein. Im Laufe

der Erkrankung kann die zeitliche,

später auch die räumliche

Orientierung verloren gehen.

Die Patienten finden Zimmer im

Haus oder den Weg nach Hause

nicht mehr und irren orientierungslos

umher. Das Denkvermögen

verlangsamt sich zunehmend,

Gegenstände können

nicht mehr gut gehandhabt

werden und die Fähigkeit zur

Planung lässt nach. Die Betroffenen

sind beispielsweise nicht

mehr in der Lage, ihren Haushalt

eigenständig zu führen und

ihren Alltag zu regeln.

Ursache für diese Gedächtnisstörungen

ist das Absterben

Faszination Seele - III/2007

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat

verschiedene Wirkstoffe zur Behandlung der Demenz auf den Prüfstand gestellt und

das Ergebnis in einem Abschlussbericht veröffentlicht.

von Nervenzellen im Gehirn, die den für viele kognitive Prozesse wie

Denken und Erinnerung wichtigen Botenstoff Acetylcholin produzieren.

Diesen Mangel versucht man medikamentös auszugleichen,

indem man mit Acetylcholinesterasehemmern ein Acetylcholin abbauendes

Enzym hemmt, um dadurch die Acetylcholin-Konzentration

an den Synapsen zu erhöhen.

Neben dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit treten sehr

häufig auch Verhaltens- und Wesensveränderungen auf. Die Patienten

sind unruhig, aggressiv, unsicher und ängstlich, weil sie ihre

Veränderung selbst noch mitbekommen, manchmal haben Betroffene

Schnelltest Verhaltensänderung bei

Demenz

T Fühlen Sie sich mutlos und traurig?

T Meiden sie zunehmend Ihren Freundes- und Bekanntenkreis?

T Sind Sie häufig lustlos und niedergeschlagen oder zunehmend

unruhig und rastlos?

T Fühlen Sie sich von anderen Menschen beobachtet, verfolgt

oder gar bedroht?

T Tun oder sagen Sie öfter Dinge in der Öffentlichkeit, die Sie

früher nicht gesagt oder getan hätten?

T Geraten Sie Leicht in Zorn oder reagieren Sie auf Ereignisse/

Situationen/Personen häufig unbeherrscht und verärgert?

Wenn mehr als zwei dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, ist dies bereits ein

begründeter Anlass, weitere Maßnahmen und eventuell eine Therapie einzuleiten. Da viele der

Betroffenenen oft nicht in der Lage sind, solche Fragen klar zu beantworten, sollten auch die

Angehörigen in die Befragung mit einbezogen werden.

PET oder Schnelltest

publIcIS VITAl pr (2)

Wahnvorstellungen. Diese Symptome

treten häufig schon vor

den ersten Gedächtnisstörungen

auf und sind oft auch Anlass,

einen Arzt aufzusuchen. Auch

für diese Verhaltensänderungen

ist eine Stoffwechselstörung im

Gehirn verantwortlich. Angehörige,

die mit Alzheimer-Kranken

zusammen leben und sie häufig

auch pflegen, stehen durch

diese Veränderungen oft selbst

am Rande der Erschöpfung. Sie

werden ebenfalls zu „Opfern“

der Krankheit.

Das IQWiG kommt nun in

seinem Abschlussbericht zu dem

Ergebnis, dass die drei AcetylcholinesterasehemmerDonepezil,

Rivastigmin und Galantamin

bei Patienten mit leichter

bis mittelschwerer Alzheimer-

Demenz sowohl die kognitive

Leistungsfähigkeit, also Denken

und Erinnerungsvermögen, verbessern

als auch dazu beitragen,

dass die Patienten viele Aktivitäten

des täglichen Leben selber

besser meistern können.

Doch nur für einen Vertreter dieser Wirkstoff-Klasse gibt es laut

IQWIG zusätzlich Hinweise auf eine Wirksamkeit für begleitende

demenzbedingte Verhaltensstörungen, verminderten Betreuungsaufwand

und eine verbesserte Lebensqualität für pflegende Angehörige.

Durch die Behandlung wird der Betroffene umgänglicher und

das familiäre Miteinander entspannter. Heimeinweisungen aufgrund

des schwierigen Verhaltens können dadurch oft vermieden werden,

die Lebensqualität der pflegenden Angehörigen sowie der Patienten

steigt. (Andrea Böttcher) ●


Darreichungsformen: Pflaster, Tabletten

und osmotisch kontrollierte Freisetzung

DDarüber hinaus sollten Medikamente bei vielen

Erkrankungen auch einen möglichst lang andauernden

und gleichmäßigen Wirkstoffspiegel

aufweisen. Beispiel chronische Schmerzen: Die

meisten Tabletten oder Tropfen wirken ein paar

Stunden, dann lässt die Wirkung nach und

der Schmerz flammt wieder auf. Damit das

nicht passiert, müssen die Patienten „nach

der Uhr leben“ und ihre Tabletten regelmäßig

alle paar Stunden einnehmen. So genannte

„retardierte“ Arzneimittel (retardiert = verzögert)

geben ihren Wirkstoff über einen

Zeitraum von bis zu acht, manchmal zwölf

Stunden ab, dann ist Schluss. Immerhin,

aber noch nicht lang genug, fanden Pharmakologen,

und entwickelten innovative

Darreichungsformen mit deutlich längeren

Wirkdauern von bis zu drei Tagen. Gepaart

mit einer möglichst einfachen Einnahme war

dies eine echte Herausforderung.

Zwei „Verpackungen“ haben sich für eine

retardierte Wirkstoff-Freisetzung bislang besonders

gut bewährt: Das Wirkstoff-Pflaster,

das Patienten auf die Haut kleben können,

und das „osmotisch kontrollierte Freisetzungs-System“,

die so genannte OROS-

Technologie. Dieses System sieht wie eine

herkömmliche Tablette aus und wird auch so geschluckt,

unterscheidet sich von herkömmlichen

Tabletten aber in der Art der Wirkstoff-Freisetzung,

indem sie nämlich den Wirkstoff über eine

lange Zeit, dafür aber gleichmäßig abgeben.

Pflaster geben den Wirkstoff durch eine speziell

beschaffene Schicht (Matrix) über die Haut

kontinuierlich ins Blut ab. So gibt es heute Hormonpflaster

zur Verhütung, Nikotinpflaster zur

Raucherentwöhnung oder Pflaster gegen Reiseübelkeit.

Besonders gut bewährt hat sich diese

Technologie bei chronischen Erkrankungen wie

etwa ständigen sehr starken Schmerzen. Moderne

Matrixpflaster wirken drei Tage lang, erst dann

müssen sie erneuert werden.

Bei der OROS®-Technologie handelt es sich um

ein System, bei dem der Wirkstoff im Unterschied

zu einer „normalen“ Tablette nicht einfach in run-

Pharmakologen versuchen nicht nur, immer bessere und

verträglichere Wirkstoffe herzustellen. Sondern auch, diese

in Darreichungsformen zu „verpacken“, die dem Patienten

eine möglichst einfache und reibungslose Einnahme

ermöglichen. Besonders wichtig ist das für Menschen, die

aufgrund länger andauernder oder gar chronischer Erkrankungen

regelmäßig Medikamente einnehmen müssen.

OROS-Technologie im Querschnitt

der oder ovaler Form zusammengepresst, sondern in einer kleinen,

wasserdurchlässigen Kapsel eingeschlossen ist. Diese Kapsel

besteht im Inneren aus drei Schichten: Einer unteren Schicht

mit einem Quellkörper und zwei Schichten mit dem Wirkstoff in

unterschiedlichen Konzentrationen. Dringt nach dem Schlucken

Wasser aus dem Magen in die Kapsel, dehnt sich der Quellkörper

aus und drückt den Wirkstoff langsam und kontinuierlich durch

zwei kleine lasergebohrte Öffnungen in der Kapselhülle nach

außen – und zwar über 24 Stunden hinweg! Danach wird das

System inaktiv, passiert weiter den Darm und wird später mit dem

Stuhl ausgeschieden. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang und

unbedenklich. Das System wird heutzutage bereits zur Therapie

verschiedener Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel chronischer

Schmerzen sowie auch psychischen Erkrankungen wie dem

Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS oder Schizophrenie.

Der Vorteil: Patienten müssen nur noch einmal am Tag ihr

Medikament nehmen, sind rund um die Uhr geschützt und brauchen

bis zum nächsten Morgen nicht mehr darüber nachzudenken.

(Andrea Böttcher) ●

MEDIzIN

publIcIS VITAl pr

Faszination Seele - III/2007 17


D

REISEN

Dieses Mal ging die Reise nach Bamberg.

Bamberg ist nicht nur durch seine Herren-Basketballmannschaft,

die in der Bundesliga spielt,

als Universitätsstadt, und durch die Bamberger

Symphoniker mit ihrem Chefdirigenten Jonathan

Nott weit über Bayern hinaus bekannt.

Weltweit bekannt wurde Bamberg im Dezember

1993 durch die Aufnahme der einzigartigen

Altstadt in das UNESCO-Weltkulturerbe.

Auf dem heutigen Domberg der Altstadt

hatte Kaiser Heinrich II. im frühen Mittelalter

eine seiner Residenzen – die alte Hofhaltung

(alte Residenz). Reste dieser Residenz – unter

anderen eine alte Burg der Babenberger aus

dem 7. Jh. sowie romanische Überreste einer

Kirche – sind noch vorhanden. Bamberg sollte

nach dem Willen Heinrichs II. als erster deutscher

Bischofssitz sogar Rom Konkurrenz machen.

Die Bedeutung Bambergs als Sitz und

Aufenthaltsort von Bischöfen und Fürsten

blieb jahrhundertelang erhalten. Aus der Periode

des frühen Mittelalters stammt der 1237

vollendete Dom Bambergs, der Kaiserdom, der

sich an die alte Hofhaltung anschließt. In ihm

steht die sowohl berühmteste als auch rätsel-

Gemütlichkeit und kultur

hafteste Steinskulptur der gotischen Bildhauerkunst: der Bamberger

Reiter. Bis heute ist unklar, wen diese Figur darstellen sollte. Auch die

Ausführung der Statue ist einzigartig. Ross und Reiter sind als starre

Figuren dargestellt, die regungslos auf ihrem Podest verharren. Im

Westchor der Kirche findet man das einzige Papstgrab Deutschlands:

das von Clemens II. (gest. 1047, vormals Bischof von Bamberg). Seine

Sterbegewänder sind - ebenso wie die Kaisermäntel von Heinrich und

Kunigunde – im Domschatz in gut erhaltenem Zustand zu besichtigen.

Gegenüber von alter Hofhaltung und Dom erblickt man die neue Residenz.

Sie wurde 1704 durch den Baumeister Johann L. Dietzenhofer

fertiggestellt. Hier unterschrieb Napoleon am 6. Oktober 1806 seine

Kriegserklärung an Preußen. Die Räume der neuen Residenz können

1

Für ein paar erholsame Urlaubstage ist das schöne Frankenland im Norden Bayerns ein lohnendes

Reiseziel, besonders wenn der Altweibersommer beginnt. Berühmte Städte wie Nürnberg, Bayreuth

(mit den Richard-Wagner-Festspielen) und Bamberg laden zu viel Gemütlichkeit und Kultur ein.

Bamberger Reiter –

rätselhafte gotische

Reiterfigur

besichtigt werden, Führungen finden in einem

kleinen und persönlichen Rahmen statt. Dieses

Erlebnis sollte man auf keinen Fall versäumen.

Verlässt man den Domberg in Richtung

Norden, so gelangt man nach Klein Venedig.

Es ist eine Flucht aus historischen Fachwerkhäusern

entlang der Regnitz. Diese ehemalige

Fischersiedlung besteht aus einer restaurierten

Zeile alter Wohnhäuser, die auf Holzpfählen

stehen und überwiegend von mittelalterlicher

Bausubstanz geprägt sind und an denen sich

Anlegestellen für die Kähne befinden. Vom

gegenüberliegenden Ufer aus hat man einen

hervorragenden Blick auf Klein Venedig. Eine

weitere Sehenswürdigkeit ist die Philharmonie

Altes Rathaus

der Bamberger Symphoniker. Das neue Gebäude ist

mit seinem Vorplatz und den darauf befindlichen

modernen Kunstwerken ein Genuss für die Augen des

Liebhabers klassischer Musik und moderner Architektur.

Der Spielplan des Theaters ist immer aktuell

im Internet unter www.theater.bamberg.de abrufbar.

(Dr. Wolfgang Thamm) ●

Papstgrab Clemens II. im Kaiserdom – einziges

Papstgrab Deutschlands

THAmm (3)


Geht

ein Gute-

Laune-Ruck durch

Deutschland?

Noch 2005 waren die gefühlten Zukunftsaussichten

in Deutschland so düster, dass Optimisten-

Clubs gegründet wurden. Das Phantom

mit Namen „German Angst“ waberte

durch das Land.

Die ostdeutsche Band

Silbermond sang: „Das ist

ne schlechte Zeit für Optimisten“.

Deutschland war depressiv. Zwei Jahre

später sorgen 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum, unter

vier Millionen Arbeitslose und hohe Tarifabschlüsse für

bessere Stimmung. Durch Deutschland scheint ein Ruck

zu gehen, nach getaner Arbeit entspannt man sich an

Stadtstränden und summt den Gute-Laune-Blues. Ist die

deutsche Zukunftsangst verflogen oder handelt es sich

nur um ein Frühjahrshoch?

Die Kölnerin Sabine Bode hat 2006 ein Buch über die

deutsche Krankheit „German Angst“ veröffentlicht, die

im angelsächsischen Raum als typisch Deutsch gilt – wie

Sauerkraut, Panzer und Kuckucksuhren. Sie vertritt die

These, dass sich dieser Zustand vor allem aus dem Unerledigten

der NS-Zeit speist, aus „Verunsicherungen, die an

die Nachkommen weitergegeben wurden“, sagt sie. Bode

sieht nun einen Wandel: „Wenn die Stimmung überall

so gut wäre, wie bei den 17- und 18-Jährigen, gäbe es

keine German Angst mehr“. Mit dem englisch-deutschen

Begriff wird seit etwa 30 Jahren der angebliche deutsche

Hang bezeichnet, Probleme zu übertreiben und ein großes

Sicherheitsbedürfnis zu haben.

PANoRAMA

Das Phänomen der notorischen Schwarzmalerei

drücke sich in einem „extremen Sicherheitsbedürfnis“

vor allem der Jahrgänge 1930 bis 1960 aus,

erklärt die 60-jährige Publizistin Bode. „Die jungen

Leute sehen alles pragmatischer und sind eher zu Einschnitten

bereit, als viele ältere Besitzstandswahrer.“ Wenn

die jungen Leute den „frischen Wind“ in die Öffentlichkeit tragen,

könne die gute Stimmung mehr als ein Frühjahrshoch sein.

Psychiater Fritz B. Simon, der das deutsche Depressionsbarometer

betreut, das bis Anfang des Jahres die Stimmung in Deutschland im Internet

darstellte (www.depressionsbarometer.de), sieht ein Verschwinden der „German

Angst“: „Die Stimmung pendelt sich seit Beginn der großen Koalition in der

Mitte ein. Sie schwankt nicht mehr so stark zwischen himmelhoch jauchzend

und zu Tode betrübt, wie es in Zeiten starker politischer Polarisierung der Fall

ist“, meinte der 58-jährige Professor.

Einen Schritt weiter geht Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski und prophezeit

sogar ein Ende der „German Angst“. Er will aber nicht ausschließen, dass

die aktuell „nahezu euphorische Stimmung“ in der Bevölkerung teilweise auch

dem schönen Frühling geschuldet ist. Insgesamt zeichne sich aber ein Mentalitätswandel

ab: „Die Leute schöpfen wieder Mut und sind offen für die Zukunft.“

Probleme wie Klimawandel und soziale Schieflagen würden nicht ausgeblendet,

sondern angenommen.

„Die gute Stimmung bei den Menschen ist eher ein kurzfristiges Phänomen“,

sagt hingegen Klaus Utermöhle, Gründer des Hamburger „Clubs der Optimisten“.

Honorige Bürger, die als Botschafter für Deutschlands Chancen auftreten, sind

hier Mitglied. „Es ist noch sehr dünnes Eis, auf dem sich die gute Stimmung

gerade bewegt“, meint er. Ein nachhaltiger Mentalitätswandel sei noch nicht zu

sehen, schließlich dominiere die „German Angst“ seit Jahrzehnten das Befinden

der Menschen. (dpa/sys) ●

Faszination Seele - III/2007 1

bIermAnn VerlAg


MEINE GEDIcHTE

20

Faszination Seele - III/2007

Zu Hause

Ich kam aus der Geborgenheit,

mit meiner Geburt war ich bereit,

die Vielfalt der neuen Welt zu entdecken,

und alle Kräfte in mir zu wecken.

Ich sah meine Eltern mit lächelndem Gesicht,

doch wirkliche Nähe, die gaben Sie mir nicht.

Die Schule sollte mich stützen und lehren,

doch oft musste ich mich nur gegen Schläge wehren.

Im Beruf suchte ich dann meine Welt,

aber dort ging es meistens nur um‘s Geld.

Viel Arbeit, Mühe und auch Plage,

bis eines Tages ich völlig versage.

Zweifel und Hoffnung – wird man zu mir stehen?

Doch bist du krank, dann mußt du gehen.

Bei vielen Menschen wollte ich noch verweilen,

doch Zeitnot drängte Sie zum Weitereilen.

Andere Leute, neue Orte,

stehe immer wieder vor der selben Pforte.

Nun habe ich schon so viel gesehen,

bin fast zu müde zum Weitergehen.

Depression

Schatten an der Wand,

mein Leben spiegelt sich wider

es war so schön, nichts ist mir geblieben

es ist aus, wird nie wieder werden, vorbei

Die Angst erstickt die Zukunft – schwarz.

Der Alltag grau in grau.

Wer bist du,

der mit

meinen Gefühlen spielt,

meine Gedanken steuert

meinen Körper und Geist an den Nullpunkt treibt?

Meine eigene Kraft

ohnmächtig gegen diese Herrschaft,

ohnmächtig – ausgeliefert.

kerstin Spachtholz

Doch ein neuer Weg in weiter Ferne,

zeigt mir die Richtung, wie leuchtende Sterne.

Der Weg scheint beschwerlich und oft auch steil,

doch nur wenn ich ihn gehe, finde ich mein Heil.

Ganz tief in mir ist ein Schatz verborgen,

ihn will ich suchen,

vielleicht entdeck ich ihn schon morgen.

Mich selbst erfahren und einfach nur sein,

dann kann ich es spüren – ich bin daheim.

Alfred Haase


Sprachliche Ausdruckskraft

Von Zeit zu Zeit erreichen uns Texte unserer Leser, die uns immer wieder durch ihre

sprachliche Kraft beeindrucken. In den Gedichten werden häufig auch schwierige Momente

im Umgang mit der Krankheit verarbeitet. Auf diese Weise erhalten selbst Krisen eine

kreative Komponente, können positiv genutzt werden und anderen Mut machen, selbst

schwierige Zeiten durchzustehen.

Manie

Manie

Ich fühle das Extreme,

die Magie in der Luft

mein Atem durchdringt

meinen Körper bis in die Zehenspitzen.

die Magie in der Luft

Extreme,

das fühle Ich

meinen Körper bis in die Zehenspitzen.

durchdringt

Atem mein

Oh, welch Wohlgerüche sind in meiner Umgebung

Fassbar nah

Fassbar nah

sind in meiner Umgebung

Wohlgerüche welch Oh,

Ich lebe

Ich strahle

Ich schwebe

Ich strahle

lebe Ich

Ich schwebe

Das ist die Leichtigkeit des Seins

ja ganz eindeutig

Woher

Das ist die Leichtigkeit des Seins

Woher

ja ganz eindeutig

Aus meiner Seele.

Aus meiner Seele.

kerstin Spachtholz

MEINE GEDIcHTE

Faszination Seele - III/2007 21

FoTo: AbouTpIxel.de/grAFIk: lIndenSTruTH


MEDIEN

Grenzen überschreiten

D

Der Autor Jens Clausen geht der Frage nach, ob die

Erfahrung der Fremde als besondere

Auslösesituation einer psychischen Krise

angesehen werden kann. Auf Reisen zu

gehen, ferne Welten aufzusuchen, festgelegte

Rollen hinter sich zu lassen und

vorzustoßen in Räume voller Erwartung

und Verheißung – dies ist der Dreh- und

Angelpunkt eines zerbrechlichen Glücks

und zugleich gefahrvoller Moment seelischen

Scheiterns.

Clausen findet literarische Reisebeschreibungen,

die eindrucksvoll zeigen, wie Menschen

auf Reisen ihr Selbst verlieren können: Angst- und Panikattacken

verunsichern, Dissoziationen verändern die

Wahrnehmung, Depressionen machen handlungsunfähig,

Psychosen konfrontieren mit der Schwierigkeit innerer

und äußerer Abgrenzung. Schriftsteller wie Goethe,

Hölderlin, Rilke, Schwarzenbach, Brinkmann, Sebald,

Kertész und viele andere kommen hier zu Wort. (sys) ●

Jens clausen: das Selbst und die Fremde

Über psychische grenzerfahrungen auf reisen

edition das narrenschiff, bonn 2007

ISbn 978-3-88414-422-0

340 Seiten, 24.90 euro

22 Faszination Seele - III/2007

Das Ärztehasserbuch

ZZuerst hasste eine Mutter alle Lehrer. Heraus kam das „Lehrerhasserbuch“.

Dann wollte eine Sekretärin den Chefs dieser Welt an den

Kragen („Und morgen bringe ich ihn um.“), jetzt hat es auch die medizinische

Zunft erwischt. Im „Ärztehasserbuch“ rechnet Werner Bartens,

früher praktizierender Mediziner an den Universitätskliniken Freiburg

und Würzburg, heute Medizinredakteur bei der Süddeutschen Zeitung,

mit seinen Standesgenossen ab. Die eigene „Leidensgeschichte“ aufzuschreiben

und als anklagenden Rundumschlag zu veröffentlichen,

scheint in zu sein.

Gefährlich ist nur, dass diese Neuerscheinung das Vertrauen kranker

Menschen in Ärzte und ihre Heilkunst wohl vollständig zerstören könnte.

Anhand zahlreicher, teils beängstigender, Beispiele veranschaulicht

Bartens, wie Ärzte mit ihren Patienten umgehen, was sie tatsächlich

von ihren Patienten denken und wie Arroganz und Frust schon mal

einem Menschen das Leben kosten können. Nach eigenen Angaben

schildert er auf den 240 Seiten sowohl eigene Erfahrungen als auch

Ereignisse, die ihm zugetragen wurden..

Und die Reihe medizinischer Vergehen ist lang: Kaiserschnitt-Konkurrenzkämpfe,

bei denen angeblich Schwangere verbluten, Ärzte, die

so genannte „AOK-Schweine“ durch Strafliegen auf dem Krankenhausflur

erziehen und Patienten, nach Darstellung des Autors, zum

Sterben in der Besenkammer abstellen sollen. Der medizinische Laie

kann angesichts solcher Beschreibungen nur noch hoffen, niemals

selbst in die Fänge der „Teufel in Weiß“ zu geraten. Oder gibt es

etwa auch gute Ärzte?

Tatsächlich, im allerletzten Kapitel des Buches finden

sich einige versöhnliche Sätze, in denen der Autor,

der auch schon das „Lexikon der Medizinirrtümer“

verfasst hat, darauf hinweist, dass es ja auch vorbildhafte

Mediziner gäbe. Den einen oder anderen

vielleicht! (nec) ●

Werner bartens: das Ärztehasserbuch

ISbn 978-3-426-77976-7

Taschenbuch, 240 Seiten

knaur Taschenbuch Verlag 2007

7,95 euro


B

Broschüren zum Thema

Psychose

„Bekifft? Verrückt – Wenn der Rausch nicht vergeht...“

lautet der Titel einer neuen Broschüre, die sich mit dem Thema

Cannabis und Psychose beschäftigt. Mit Comic-Strips zur Illustration

und frischer Jugendsprache wendet sich die Broschüre

gezielt an eine junge Leserschaft. Dabei bietet das Heft ohne

erhobenen Zeigefinger und mit viel Einfühlungsvermögen in

jugendliche Denkzusammenhänge wichtige Informationen

rund ums Thema Cannabiskonsum und Psychose. Welche Folgen

kann „kiffen“ haben? Wann kann eine veränderte Wahrnehmung

als psychotisch bezeichnet werden und was ist das

eigentlich? Wer kann helfen? Das sind Fragen, welche die

Broschüre in kleinteiliger und übersichtlicher Form nach und

nach beantwortet. Die Broschüre ist in der Reihe „Informationen,

die helfen...“ des Pharmaunternehmens Janssen Cilag

erschienen. Mehr Informationen zum Thema Psychose bietet

die Broschüre „Früh erkennen, früh behandeln – Neue Chancen

für Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko“, die ebenfalls

in dieser Reihe veröffentlicht wurde. Was ist eine Psychose?

Welche Faktoren spielen eine Rolle? Was kann man tun? Gut

verständliche Antworten auf diese Fragen finden Betroffene

und Angehörige in diesem Heft. „Psychose: Wege aus der Isolation“

heißt der Titel einer weiteren Broschüre, die sich stärker

mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie befasst und sich

sowohl an Patienten als auch an Angehörige wendet. (sys) ●

die broschüren stehen auf der Internetseite

www.psychiatrie-aktuell als pdf-datei zum

download zur Verfügung.

I

Im frischen

outfit

MEDIEN

Im neuen Erscheinungsbild präsentiert sich seit kurzem

das Internet-Angebot von Psychiatrie aktuell. Frisch in grünen

Farbtönen erscheint die Startseite, die direkt einen guten

Überblick über die gesamten Möglichkeiten bietet. „Wählen

Sie Ihr Interessensgebiet“ erscheint dort sogleich. Hier werden

die wichtigsten Formen psychischer Erkrankungen aufgelistet.

Wer eine auswählt und anklickt, kann sich schnell und infor-

mativ über die jeweilige Erkrankung informieren. Darüber

hinaus gibt es einen Überblick über verschiedene Therapiearten.

Doch auch aktuelle Meldungen und Tipps sind vertreten.

Selbstverständlich kann auch die aktuelle Ausgabe der

Faszination Seele als pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Unsere Expertin Dr. Rita Wietfeld, niedergelassene Fachärztin

für Psychiatrie und Neurologie, beantwortet auch online Ihre

Anfragen unter der Rubrik Rat & Hilfe.

Eine besondere Auszeichnung erhielt Psychiatrie aktuell

vom web-adressbuch.de: Das Internetverzeichnis zählt Psychiatrie

aktuell zu den 6000 wichtigsten Internetadressen in

Deutschland. (sys) ●

Faszination Seele - III/2007 2


FEUILLEToN

Die

Sammlung

wächst

Gewöhnlich verbindet man mit der

Sammlung Prinzhorn den weltweit

einzigartigen Bestand an Werken, die

Patienten und Patientinnen psychiatrischer

Anstalten um die Wende

zum 20. Jahrhundert schufen.

DDie Werke wurden von Hans Prinzhorn,

Arzt und Kunsthistoriker, von 1919

bis 1921 zusammengetragen. Die Sammlung

umfasst rund 5000 Werke, mehrheitlich

Bleistift- oder Farbstiftzeichnungen

sowie Malereien mit Wasserfarben oder

Öl, Textilien und Holzskulpturen. 435 Patienten/Künstler,

darunter 80 Frauen, sind

in der Sammlung vertreten. Sie waren

überwiegend in Anstalten Deutschlands,

der Schweiz und Österreichs hospitalisiert,

meist mit der Diagnose „Schizophrenie“.

Viele fragen, ob die Sammlung Prinzhorn

auch weiterhin sammelt. Die derzeitige

Präsentation mit dem programmatischen

Titel „Die Sammlung wächst“ gibt

Praxisstempel:

Vanda Vieira-Schmidt, Weltfriedensprojekt, 1995-2005

(Abb. oben), Elfriede Lohse-Wächtler, Vor dem Hauptgericht,

um 1930 (Abb. links)

die Antwort. Die neu hinzugekommenen

Arbeiten werden

noch bis zum 9. September in

der Psychiatrischen Universitätsklinik

Heidelberg gezeigt.

Schon in den 1980er Jahren,

als man die Sammlung mit

großem Aufwand vor Verfall

und Vergessen rettete, wurde

sie erweitert. Dabei handelt es

sich um viele, oft kostbare Werke, die das

Œuvre von Künstlern der Sammlung ergänzen,

aufgestöbert in Krankenakten bei

biografischen Recherchen in deutschen

Klinikarchiven. Sensationell war 1986 der

Fund von 18 Holzskulpturen Karl Genzels

auf Bibliotheksregalen der Anstalt Eickelborn.

Auch in neuerer Zeit ist neben wenigen

Ausnahmen – zwölf Blätter von Margarete

Held oder einer Grafikmappe von

HAP Grieshaber – kein Geld für Ankäufe

vorhanden. Die wichtigsten Neuzugänge

sind großzügige Schenkungen und Dauerleihgaben.

Dazu zählen Kostbarkeiten wie

zwei großformatige Schwarzweiß-Zeichnungen

Adolf Wölflis und Blätter

von Elfriede Lohse-Wächtler.

Viel Raum nehmen neuerdings

„Stapelkünstler“ ein,

vor denen private Sammler

schnell kapitulieren. Seit

den fünfziger Jahren ver-

schrieb sich Friedrich Boss,

schwäbischer Garten-

bauinspektor, einer Gedächtnisarbeit,

wickelte

seine Notizen in Päckchen,

verschnürte und

versiegelte sie – ohne

einen Empfänger zu benennen.

Harald Bender

sammelte seit den neunziger

Jahren Alltagsdin- HAP Grieshaber, Engel der

ge, füllte Aktenordner Psychiatrie, Mappe 1976

mit Blättern, auf die er

mathematische, naturwissenschaftliche

und physikalische Graphismen notierte.

Fleiß und Systematik der scientific community

stellen sie uns vor Augen. So hält

sich Bender eine als übermächtig Welt in

Ordnern vom Leibe. Vanda Viera-Schmidt

türmt als heimliche Friedensaktivistin seit

zehn Jahren ihre Blätter auf, jedes versehen

mit magischen Zeichen und Mustern

gegen das Böse in der Welt. Entziffern

kann sie ein PC im Verteidigungsministerium,

zur Lösung akuter militärischer

Konflikte... (sys) ●

Weitere

Informationen:

Sammlung prinzhorn

psychiatrische universitätsklinik Heidelberg

Voßstr. 2, 69115 Heidelberg

öffnungszeiten:

di-So: 11 – 17 uhr, mi: 11 – 20 uhr

öffentliche Führungen: mi 18 uhr und So 14 uhr

MUSEUM SAMMLUNG PRINZHORN (3)

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