BVK_Kurier - Ausgabe 2018

bvk.beteiligungskapital

Anlässlich des 19. Deutschen Eigenkapitaltages erschien unsere zweite Ausgabe des BVK-Kurier mit spannenden Beiträgen rund um die Themen der Jahreskonferenz zu Venture Capital, Private Equity und Digitalisierung sowie Management im Private Equity.

14. Juni 2018, Berlin

Moment

Mal…

Von Janine Heidenfelder

Als sogenannter Digital Native bin

ich ja – zumindest laut US-Autor

Marc Prensky – der absolute Oberexperte

in Sachen Digitalisierung. Ganz

im Gegenteil zu den Digital Immigrants,

also allen, die vor 1980 geboren

wurden. Für mich sind damit angeblich

Stift, Block, ein Brief oder gar ein

Telefonat böhmische Dörfer. Meinereins

kommuniziert auf WhatsApp in

ellenlangen Sprachnachrichten, tippt

sich die Finger wund in der Facebook-

Messenger-App und Klamotten und

Essen kaufe ich sowieso nur mit dem

Zeigefinger – der wild übers iPad

fliegt. Die Industrie hat sich sogar

noch was ganz Raffiniertes überlegt:

Sollte ich auf die irre Idee kommen,

einen Brief zu schreiben, gibt es extra

für uns Digital Natives spezielle Läden

mit Hochglanzpapier und Edel-Füllfederhalter.

Das muss schließlich zelebriert

werden, wenn wir den Retrokult

aufleben lassen – der für uns aber gar

nicht retro ist weil wir das ja angeblich

völlig neu entdecken.

Ich muss aber ganz ehrlich sagen, so

ganz Native fühle ich mich nicht in der

digitalen Welt. Dass sie mir dann doch

näher ist als der älteren Generation

wurde mir aber neulich klar, als meine

Nachbarin versucht hat, auf meinem

Laptop mit ihrem Finger die Seite

nach unten zu scrollen. Man kann da

schon mal durcheinander kommen

bei den ganzen Neuheiten!

Inhalt

Hinter den Kulissen 2

Standpunkt 3

Agenda 4

Investoren 5

Digitalisierung 6

Management 7

Venture Capital 8-9

Venture Capital Regional 10

Private Equity 11-13

Mittelstand 14-15

Panorama 16

IMPRESSUM

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften

– German Private Equity

and Venture Capital Association e.V. (BVK)

Reinhardtstraße 29b, 10117 Berlin

www.bvkap.de

v.i.S.d.P.: Ulrike Hinrichs

Redaktion: Janine Heidenfelder

Autoren: Janine Heidenfelder (jh),

Richard Elsner (re), Attila Dahmann (ad)

Die Rechte der Bilder (ohne Copyright) von Gastbeiträgen

und Interviews liegen bei den jeweiligen

Unternehmen. Sonstige Bildquelle: Fotolia

Start-ups brauchen mehr Treibstoff

René Obermann stellt neue VC-Studie auf Eigenkapitaltag vor

Wege aus dem Teufelskreis aufzeigen

– das ist der Anspruch der

gemeinsamen Studie des Bundesverbandes

Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften

e.V.

(BVK), der Internet Economy

Foundation (IE.F) und Roland

Berger.

Dass es in Deutschland zu wenig

Wagniskapital insbesondere für

die sich in der Wachstumsphase

befindenden innovativen Jungunternehmen

gibt, ist mittlerweile

bekannt und auch in den Köpfen

der Politiker angekommen. Doch

es fehlen eingängige Rezepte dafür,

wie diese Abwärtsspirale aufgehalten

wird, die einen schrumpfenden

Mittelstand und die Abwanderung

der Start-ups in die USA zur Folge

hat. Mit dieser Ausgangslage befasst

sich die Studie, in der nicht nur

Marktdaten ausgewertet, sondern

auch zahlreiche Beteiligte aus dem

VC-Ökosystem und institutionelle

Investoren befragt worden sind.

Teuflisch virtuos werden

Neue Studie zeigt: Deutschland muss

schlummerndes Privatkapital mobilisieren

Von Janine Heidenfelder

© number1411 - Fotolia.com

Die Ergebnisse machen deutlich: Es

gibt zu wenig Entrepreneurship und

Equity-Kultur in der Ausbildung, zu

wenig staatliche Unterstützung für

die Wachstumsphase der Jungunternehmen

und zu wenig großvolumige

VC-Fonds, um den Kapitalbedarf

in der Later Stage-Phase adäquat zu

decken. Das bestätigt Professor Dr.

Friedbert Pflüger, Vorsitzender der

IE.F: „Jungen deutschen Unternehmen

auf dem Weg in den Weltmarkt

fehlt es noch immer an Finanzierungsinstrumenten,

vor allem in

der Wachstumsphase.“ Enorme Digitalisierungspotenziale

blieben laut

Pflüger so ungenutzt und: „Mit ausländischen

Kapitalquellen wandern

letztlich auch Unternehmer, Talente,

Technologien, und Erträge in die

USA oder nach Asien ab.“ Hinzu

kommen der mangelnde Zugang zu

leistungsfähiger Infrastruktur und

einer großen Bandbreite digitaler

Dienste. „Die Probleme liegen auf

der Hand. Wir müssen jetzt eingreifen

und an den Stellschrauben

ziehen, damit sich die Gesamtsituation

für Wagniskapitalgeber und

Start-ups in Deutschland endlich

fundamental verbessert“, fordert

Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes

Vorstandsmitglied des BVK.

Und sie weiß auch, mit welchen

Maßnahmen u.a. ein Erfolg erzielt

werden kann: „Wir müssen die Hebelmodelle

in Later Stage ausbauen

und die Idee des Zukunftsfonds

Deutschland als Dachfondsmodell

etablieren! Im Moment sind die Tickets

für institutionelle Investoren

viel zu klein. Daher gibt es zu wenig

große VC-Fonds. Dies wiederum

führt dazu, dass die Investoren nicht

entsprechend investieren. Diesen

Teufelskreis müssen wir durchbrechen.“

Es sei laut Hinrichs absurd,

dass zwar viel Kapital in die Frühphasen

fließt, aber dann zu wenig

Gelder für die Later Stage zur Verfügung

stehen. „Wir bemühen uns,

die Kinder groß zu ziehen und dann

lassen wir sie im Regen stehen – und

zwar genau in dem Moment, in dem

sie am meisten auf Hilfe angewiesen

sind“, so Hinrichs.

Dass mehr Kapital generiert werden

muss, sieht auch Klaus Fuest, Principal

bei Roland Berger, so: „Klar ist:

Da gibt es keine Allheilmittel. Wir

Interview auf S. 3

„Volkswirtschaftlich betrachtet ist

Venture Capital ein Treibstoff für

Innovation, Wachstum und Beschäftigung“,

sagt René Obermann,

Stiftungsrat der Internet Economy

Foundation (IE.F) über die Anlageklasse

Wagniskapital. Auf dem 19.

Deutschen Eigenkapitaltag, der am

14. Juni 2018 in Berlin stattfindet,

präsentiert er die Ergebnisse der neuen

Studie „Treibstoff Venture Capital:

Wie wir Innova tion und Wachstum

befeuern“ vom Bundesverband

Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften

e.V. (BVK), der IE.F und

Roland Berger. Die Studie wird im

Rahmen der BVK-Jahreskonferenz

erstmals den Medien sowie der Beteiligungskapitalbranche

vorgestellt.

Im Interview mit dem BVK-Kurier

spricht Obermann, der auch seit

2015 als Partner und Managing

Director in der amerikanischen

Private Equity-Gesellschaft Warburg

Pincus LLC tätig ist, über die

Hemmnisse des Venture Capital

Marktes und welche Lösungen die

Studie dafür parat hat. (jh)

Weiterlesen auf Seite 3.

müssen an vielen Punkten gleichzeitig

ansetzen, um mehr Geld für

die Finanzierung von Wachstum

ins System zu bringen. Das VC-

Ökosystem ist extrem komplex.

Das ist sicher ein Grund, warum ich

den Begriff „Henne-Ei-Problem“ in

den letzten Wochen so oft gehört

habe. In unserer Studie analysieren

wir die Zusammenhänge und Wirkungskreisläufe

und überlegen, wie

man sie positiv beeinflussen kann.“

Auf die kurzfristig wirkenden Ansätze

müssen laut Studie weitere langfristige

Maßnahmen folgen. Dazu

zählt auch eine Weiterentwicklung

des umlagefinanzierten Rentensystems

und mehr Unternehmergeist

an Schulen. Zudem werden Erfolgsbeispiele

in Deutschland kaum öffentlich

gemacht und weit weniger

zelebriert als zum Beispiel in den

USA. Eine stärkere Außenwirkung

der Bedeutung deutscher Start-ups

zum Beispiel für die Digitalisierung

würde laut Studie einen positiven

Effekt auf den Markt erzielen. Professor

Pflüger misst der Stärkung

von Venture Capital und damit

auch der digitaler Wachstumsunternehmen

zudem einen gesamtdeutschen

Mehrwert bei: „Deutschland

muss sein ,schlummerndes Privatkapital‘

endlich zukunftsweisend

mobilisieren und gesellschaftliche

Partizipation am digitalen Wachstum

ermöglichen“, sagt er.


BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 2

Hinter den Kulissen

BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 3

Standpunkt

Kommentar

GASTBEITRAG

„Am Puls der Zeit“

Neue Kommunikationskonzepte

Von Ulrike Hinrichs, BVK

Notizblöcke werden durch

ReMarkable ersetzt, Zeitungen

durch E-Paper und auch die

beliebten Broschüren weichen

immer mehr Erklärfilmen mit

animierten Grafiken. Die digitale

Kommunikation ist im Büroalltag

angekommen.

Digitalisierung bedeutet für uns

in erster Linie Visualisierung

und das seit über drei Jahren.

Unsere Printprodukte haben wir

fast abgeschafft, dafür gibt es im

BVK jetzt technisch ein kleines

TV-Studio. Alle müssen vor die

Kamera, vom Vorstand bis zu den

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die digitalen Formate sind

unsere treibende Kraft geworden

und bei jeder Öffentlichkeitsmaßnahme

allgegenwärtig.

Mit Hilfe von Messengerdiensten

intensiviert der Verband die

Kommunikation zu seinen Mitgliedern

und hat im gleichen

Atemzug seine Newsletter überarbeitet:

weg von langen Nachrichten,

hin zu kurzen und knackigen

Botschaften – jederzeit und von

überall abrufbar. In 60 Sekunden

langen Videobeiträgen berichten

wir über die relevanten Themen,

die die Branche beschäftigen. Die

Statements werden direkt in der

Geschäftsstelle produziert oder

von unterwegs mit dem iPhone,

live vom Geschehen, und am selben

Tag noch per WhatsApp und

Telegram verschickt. Damit arbeiten

wir am Puls der Zeit.

Um die Präsenz als Experte für die

Beteiligungskapitalbranche noch

weiter zu stärken, veröffentlichen

Neue Location, neues Konzept –

der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften

e.V.

(BVK) geht mit seinem 19. Deutschen

Eigenkapitaltag neue Wege.

Nach sieben Jahren im Jüdischen

Museum Berlin ist die Jahreskonferenz

in die Hauptstadtrepräsentanz

der Deutschen Telekom umgezogen

und hat mit einem abwechslungsreichen

Programm auf mehreren

Bühnen auch eine neu konzipierte

Agenda.

Das Gebäude, das als Mischung aus

Tradition und Moderne beschrieben

wird, ist dabei Spiegel des Tagesprogramms:

Die traditionelle finanzpolitische

Runde diskutiert wie in den

Vorjahren die aktuellen Branchenthemen

aus Sicht der Politik. Neu sind

hingegen sogenannte Themen-

Corner für den Mittelstand und die

Ulrike Hinrichs ist seit 2011 Verbandschefin

des Bundesverbandes

Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften,

seit 2014 geschäftsführendes

Vorstandsmitglied.

Der BVK ist die Stimme und das

Gesicht der Beteiligungskapitalbranche

in Deutschland.

wir animierte Grafiken als „Zahl

der Woche“. Damit werden pro

Woche mehr als 4.500 Follower

auf Twitter, rund 1.000 Nutzer auf

LinkedIn sowie knapp 1.800 Leser

per E-Mail und Messenger erreicht

und auf die Bedeutung der

Branche aufmerksam gemacht.

Die Zahlen verdeutlichen, wie

wichtig Beteiligungskapital für

die deutsche Wirtschaft ist und

wie es sich immer mehr von einer

alternativen Anlageklasse zu

einem klassischen Investitionsvehikel

entwickelt. Und das kommuniziert

der BVK intensiv nach

außen auf allen Kanälen, denn: So

wie die Branche, ist auch der Verband

eine Triebfeder für Ideen,

Innovationen und Wachstum.

Tradition und Moderne

verbinden

BVK setzt beim Eigenkapitaltag

auf Neuheiten

Venture Capital-Szene, die parallel

stattfinden und mit „silent presentation-Technik“

ausgestattet werden, damit

jeder Panelteilnehmer deutlich zu

hören ist. Ebenfalls erstmalig findet

ein LP-Workshop ausschließlich für

institutionelle Investoren statt. „Wir

möchten die Limited Partner stärker

in unseren Verband integrieren und

auf dem Eigenkapitaltag auch die

Themen behandeln, die diese spezielle

Gruppe interessieren“, erklärt

Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes

Vorstandsmitglied des BVK. Sie ist

begeistert vom neuen Ort und dem

individuellen Programm: „Als moderner

Verband haben wir es uns zum

Ziel gesetzt, auch moderne Veranstaltungen

anzubieten. Das Gebäude ist

optimal für die verschiedenen Diskussionsorte

und wir sind gespannt,

welche Themen beim Publikum am

besten ankommen!“ (jh)

Der Blick in den Markt, die Expertise

aus dem Beteiligungsgeschäft

und die Branchenstimme für Politik

und Presse – der BVK-Vorstand

spielt eine wichtige Rolle in der

Verbandsarbeit. Auf der Mitgliederversammlung

im Rahmen des

19. Deutschen Eigenkapitaltages

scheidet turnusgemäß wieder ein

Vorstandsmitglied aus: Joachim

von Ribbentrop, fünf Jahre im Vorstand,

davon zwei Jahre als Sprecher,

wird aus seiner Vorstandstätigkeit

verabschiedet.

„Ich bedanke mich bei den Vorständen,

mit denen ich in den letzten Jahren

zusammen arbeiten durfte und

die in ihren Fachgruppen wertvolle

Unterstützung für unsere Themen

geleistet haben“, blickt von Ribbentrop

auf seine Vorstandszeit zurück

und betont: „In der Geschäftsstelle

leisten Ulrike Hinrichs und ihr Team

sehr gute Arbeit und unterstützen

täglich die Belange unserer Mitglieder.“

Von Ribbentrop hat an der Seite

von Vorstandssprecher Wilken von

Hodenberg und im letzten Jahr mit

Vorstandssprecherin Regina Hodits

die Verbandsarbeit nach außen repräsentiert.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung

wird über den Wechsel im Vorstand

entschieden. Von Ribbentrop

Von Ribbentrop wird im Rahmen des

19. Deutschen Eigenkapitaltages als

Vorstandssprecher verabschiedet.

Per WhatsApp und Telegram bietet der BVK

Neues aus dem BVK,

Neues aus der Branche und

Neues aus der Politik an und versendet

pro Woche jeweils eine Nachricht für jede Kategorie.

BVK jetzt auf Whatsapp

und Telegram

BVK soll erste deutsche

Anlaufstelle bleiben“

Wechsel im BVK-Vorstand

Von Janine Heidenfelder

wird anschließend auf der Abendveranstaltung

verabschiedet. Dem BVK-

Kurier hat er schon vorab verraten:

„Auch wenn Beteiligungskapital für

die Umsetzung von Nachfolgelösungen

in Mittelstandsunternehmen

und die Umsetzung von Wachstumsstrategien

heute schon eine große

Bedeutung hat, wünsche ich mir für

die Zukunft, dass Private Equity und

Venture Capital in Deutschland eine

noch größere Akzeptanz erfahren.“

Die Nachfolge übernimmt Vorstandskollege

Dr. Christian Stoffel,

der 2015 in den Vorstand gewählt

wurde: „In den letzten Jahren konnte

ich die Arbeit des Verbandes besser

kennen lernen und mich einbringen.

Als Vorstandssprecher an der

Seite von Regina Hodits möchte

ich die Rolle von Beteiligungskapital

für die deutsche Wirtschaft an

Politik und Presse vermitteln und

zeigen, dass Beteiligungsgesellschaften

wichtige Sparringspartner für

die hiesigen Unternehmen sind.“

Dr. Christian Stoffel ist seit drei Jahren

im BVK-Vorstand.

Anmelden

lohnt sich!

In den Vorstand aufrücken soll zudem

Max W. Römer, Gründungspartner

von Quadriga Capital. Er

wird – vorbehaltlich der Wahl durch

die BVK-Mitgliederversammlung –

bereits zum zweiten Mal Mitglied im

Vorstand, hat die Gründungszeit des

BVK miterlebt und den Wandel der

Branche: „In den letzten Jahrzehnten

ist es in beeindruckender Weise

gelungen, das Eigenkapitalgeschäft

als wichtigen Wachstumsmotor auf

nationaler und europäischer Ebene

in das Bewusstsein von Wirtschaft

und Politik zu rücken“, sagt Römer

und freut sich darauf, „die führende

Rolle des BVK in diesem Zusammenhang

weiter auszubauen und zu

festigen. Der BVK soll auch in Zukunft

die erste deutsche Anlaufstelle

bleiben für Investoren, Eigenkapitalfondsmanager

und Berater, für

Stakeholder der Arbeitgeber- und

Arbeitnehmerverbände sowie für

Entscheidungsträger aus Finanzund

Wirtschaftspolitik.“

Max W. Römer war bereits im

Gründungsvorstand.

Die Erklärung zur Anmeldung gibt es auf:

www.messengerdienste.bvkap.de

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Disruptive Entwicklungen bergen

für alle Beteiligten enorme Herausforderungen.

Das gilt auch und

insbesondere für den Einsatz der

Blockchain-Technologie im Rahmen

der Unternehmensfinanzierungen.

Herausforderungen stellen sich den

kapitalsuchenden Unternehmen, den

Private Equity-Gesellschaften, die in

digitale Assets investieren wollen, den

Aufsichtsbehörden und den Steuerbehörden.

Tokens und ICOs sind die

kryptischen Zauberworte, zu deren

Klärung derzeit so viel geschrieben

wird. Keiner will den Anschluss verpassen,

viele haben die Sorge, über

Anlässlich der VC-Studie, die

der BVK gemeinsam mit der

Internet Economy Foundation

(IE.F) und Roland Berger

erstellt hat, sprach Janine Heidenfelder

vom BVK-Kurier mit

IE.F Stiftungsrat René Obermann.

Welche Rolle spielt Venture Capital

für die Zukunftsfähigkeit

der deutschen Wirtschaft?

Die Bedeutung von Innovation

und Unternehmertum für unseren

Standort ist allseits anerkannt.

Im Gegensatz dazu steht die noch

immer ungenügend entwickelte

VC-Landschaft, besonders in

der für den Erfolg so wichtigen

Wachstumsphase. Dabei spielt VC

gerade im harten globalen Wettbewerb

der Digitalökonomie eine

besondere Rolle. Produktentwicklung,

Aufbau von Kundenstamm

und Marke, besonders aber Netzwerkeffekte

machen die Wachstumsphase

der Champions von

morgen extrem kapitalintensiv.

Volkswirtschaftlich betrachtet ist

VC mehr als eine Anlageklasse,

sondern geradezu ein Treibstoff

für Innovation, Wachstum und

Beschäftigung. VC treibt die Erneuerung

der Wirtschaftsstruktur

und sichert uns uns einen Platz in

der globalen ersten Reihe.

Private Equity – eine kryptische Anlageklasse?

Blockchain-Technologie erfordert Anpassungen im Unternehmerrecht

Von Dr. Andreas Rodin, Pöllath + Partners

ICOs Geld zu verlieren wie vor ca. 20

Jahren beim Zerplatzen der dot.com-

Blase. Der ICO der Savedroid AG, bei

dem dieser Tage 40 Mio. Euro durch

das Unternehmen eingenommen

wurden, hat den Zeichnern einen gehörigen

Schrecken versetzt. Der CEO

verschwand, hinterlässt auf seinem

Twitter-Account einen Tweet mit der

Botschaft: „Thanks guys! Over and

out“ und postete zwei Fotos, eines

vom Frankfurter Flughafen, das zweite

eine Bierflasche einer ägyptischen

Biermarke vor Küstenpanorama. Die

Betroffenen geraten in Panik: War ein

Hackerangriff erfolgreich oder hat

sich gar das Team unter Mitnahme

des Geldes davon gemacht? Nein, es

Dr. Andreas Rodin ist Rechtsanwalt

und Gründungspartner der Anwaltskanzlei

Pöllath + Partners. Zudem

ist er BVK-Vorstandsmitglied und

sitzt dem Rechtsbeirat vor. Zu seinen

Schwerpunkten zählen u.a. Strukturierung

von Private Equity-Fonds,

Beratung bei weltweiten Fondsbeteiligungen

sowie AIFM/KAGB-Beratung.

Was braucht Deutschland, um

mehr institutionelle Investoren

für Wagniskapital zu mobilisieren?

In Deutschland gibt es eine Vielzahl

von Investitionshemmnissen,

die miteinander zusammenhängen

und eine Art Teufelskreis ergeben.

Wegen des Mangels an großen VC-

Fonds fehlt es an Anlegemöglichkeiten

für Großinvestoren. Wenig

Wachstumskapital wiederum führt

zu unterkapitalisierten Startups,

deren Geschäftsmodelle sich nur

schwer skalieren lassen – Erfolgs-

war nur ein PR-Gag. Alles ist noch

einmal gut gegangen, zeigt aber deutlich

auf, wieviel notwendig ist, um

die Geheimnisse zu lösen, die sich

um diese Anlageklasse ranken. Hier

die wesentlichen Stichpunkte: Zur

Umsetzung blockchain-basierter Geschäftsmodelle

bedarf es wesentlicher

Anpassungen im deutschen Unternehmensrecht.

Nur durch Gesetzesänderung

kann die Möglichkeit geschaffen

werden, Gesellschaftsanteile

in Form von Token zu digitalisieren

und der Rahmen für Emission und

Handel digital geschaffener Gesellschaftsanteile

bestimmt werden.

„VC sichert uns einen Platz in

der globalen ersten Reihe“

Wer ein ICO durchführt, nimmt am

Kapitalmarkt teil. Die dabei zu beachtenden

Regeln des Aufsichtsrechts

hängen davon ab, wie die begebenen

Token zu qualifizieren sind. Hier prüft

die BaFin jeden Einzelfall gesondert.

Je nach Ausgestaltung können Token

Finanzinstrumente, Wertpapiere, Investmentanteile

oder Vermögensanlagen

sein. Für ihre Emission gelten

Rolle von Wagniskapital in VC-Studie neu bewertet

Interview mit René Obermann

René Obermann wirbt für mehr

„digitale Superstars“ hierzulande.

Interview

geschichten der deutschen Szene

kommen so nur spärlich zustande

und hemmen letztlich wieder die

Mobilisierung des „schlummernden“

Privatkapitals. In unserer

Studie mit dem BVK und Roland

Berger geben wir konkrete Handlungsempfehlungen,

um diesen

Kreislauf zu durchbrechen. One-

Stop-Shops für Gründer sind

ebenso wichtig wie die Einrichtung

eines nationalen Dachfonds

oder die schrittweise Modernisierung

unseres Rentensystems und

vieles mehr.

Was können wir vom US-amerikanischen

Venture Capital-Ökosystem

lernen?

In den USA wurde früh sichtbar,

dass die Digitalwirtschaft kein

Hochrisiko-Pokerspiel für die

finanziellen Eliten ist. Durch kleinteilige

Beteiligungen zahlreicher

Pensionskassen, Versicherungen

und anderen Kapitalsammelstellen

ist enorm viel Kapital mobilisiert

worden, was wiederum die Digitalen

Superstars aus dem Silicon

Valley erst ermöglicht hat. Andererseits

ist so eine Teilhabe breiter

Anlegerschichten an den Renditen

der Digitalisierung erst möglich

geworden, abgesehen von vielen

anderen volkswirtschaftlichen Effekten.

(jh)

dann entweder Weltpapierhandelsgesetz,

das Wertpapierprospektgesetz,

das Kapitalanlagegesetzbuch oder

das Vermögensanlagengesetz. Der

Einsatz der Blockchain-Technologie

ist in diesen Gesetzen nicht vorgesehen,

aber die BaFin muss und wird

Regeln definieren.

Finanzaufsicht ist Anlegerschutz. Bemerkenswert

ist, dass die luxemburgische

CSSF vor ein paar Tagen verfügt

hat, dass Token nur für professionelle

Investoren im Sinne der MiFID zugelassen

werden. Steuerlich ist nicht

abschließend geklärt, wie das kapitalaufnehmende

Unternehmen den

Verantwortliches

Investieren

Environmental Social Governance

(ESG) bzw. ‘Non-Financial‘ Aspekten

kommen in Unternehmensbeteiligungen

immer mehr Bedeutung

zu. Für Private Equity kann

ein pragmatischer ESG-Managementansatz

nicht nur wettbewerbsrelevant

sein, sondern auch ein verbessertes

Risikomanagement sowie

konkrete Wertsteigerungspotentiale

begründen.

Die steigende Bedeutung von ESG-

Aspekten lässt sich u.a. anhand der

Unterzeichner der UN Principles of

Responsible Investment (UN PRI)

erkennen. Seit der Initiierung im Jahr

2006 sind diese weltweit von 63 auf

ca. 1950 gestiegen und repräsentieren

nun mehr als 70 Mrd. US-Dollar in

Assets under Management. Die Ansprüche

an GPs, insbesondere von

Investoren aus Nord- und Westeuropa,

ESG-Aspekte zu berücksichtigen,

werden jedoch auch für Nicht-Unterzeichner

der UN PRI immer bedeutender.

In Breite und Tiefe sind diese

Ansprüche erfahrungsgemäß noch

sehr heterogen. Dabei ist ein pragmatischer

Managementansatz bei LPs

und GPs durchaus realisierbar.

Neben der Implementierung von ESG-

Leitlinien, welche die Bekenntnis des

Investors zu verantwortlichem Investieren

aufzeigen, gilt es sowohl für LPs

als auch für GPs ein System zu implementieren,

welches sicherstellt, dass

wesentliche ESG-Aspekte identifiziert

und gut gemanagt werden. Dies beinhaltet

sowohl einen angemessenen Due

Diligence Prozess als auch die Kooperation

mit Funds oder Portfoliounternehmen

während der Haltedauer und

Exit-Phase. Der LP sollte somit gewissenhaft

nachvollziehen können, dass

der GP ein angemessenes System zum

Management von ESG-Themen implementiert

hat. Das ESG-Management

des GPs sollte entsprechend sicherstellen,

dass sich die individuelle ESG-

Performance eines Portfoliounternehmens

kontinuierlich verbessert.

Geldeingang erfasst. Oft landet man

bei dem Sprichwort: „Und weißt Du

nicht wohin, dann buche auf Gewinn!“

Ähnlich unklar ist die Besteuerung der

Einkünfte aus Token beim Investor –

entweder gewerbliche Einkünfte oder

private Veräußerungsgeschäfte.

Fazit: Heute ist noch vieles kryptisch.

Der BVK bildet Arbeitsgruppen, weil

von den Themen alle Mitglieder betroffen

sind. Helfen Sie mit, Licht in

das Dunkel zu bringen, dann verpassen

Sie nichts und bleiben von FOMO

(fear of missing out) verschont.

GASTBEITRAG

Der Mehrwert eines angemessenen

ESG-Managements

Von Marc Göbbels, Tauw GmbH, und Alexander Kretzer, capiton AG

Alexander Kretzer – Partner und Leiter

Controlling bei der capiton AG

Marc Göbbels – Project Manager ESG

Services bei der Tauw GmbH

Adäquat implementiert und aktiv

umgesetzt wird das Management von

ESG-Aspekten nicht nur aktuellen LP-

Ansprüchen gerecht und spielt damit

im Fundraising eine Rolle, sondern

kann darüber hinaus zu einem verbesserten

Risikomanagement führen und

in den Portfoliounternehmen Wertsteigerungspotentiale,

bspw. in den

Bereichen Ressourcenmanagement,

der Arbeitgeber-Attraktivität oder der

Organisationsentwicklung aufzeigen.

So ergibt sich ein Mehrwert für alle

beteiligten Stakeholder, welcher die

Prinzipien verantwortungsvollen Investierens

treffend reflektiert.


BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 4

Agenda

BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin

Investoren

5

Vielversprechende

Pläne für die

Gründerlandschaft

Einschätzung des Koalitionsvertrages

aus BVK-Sicht

Von Regina Hodits, BVK | Wellington Partners

Es hat eine Weile gedauert,

aber was die Große Koalition

am Ende der Verhandlungen

in ihrem Vertrag niedergeschrieben

hat, liest sich erfolgsversprechend:

Bessere Bedingungen

für Wagniskapital,

steuerliche Anreize, ein weiterentwickelter

Invest-Zuschuss

und ein großer, nationaler

Digitalfonds sind einige der

Ziele, die sich die Regierung gesteckt

hat. Die Beteiligungskapitalbranche

unterstützt diese

Bestrebungen sehr – entscheidend

ist nun aber, dass den

Worten Taten folgen.

Der Koalitionsvertrag für die

aktuelle Legislatur befasst sich

ausführlich mit dem Bereich

Wagniskapital. Vor allem sollen

Unternehmen in der Wachstumsphase

unterstützt werden

– ein wichtiges Ziel, wenn man

bedenkt, dass gerade in der Anschlussfinanzierung

ab fünf Mio.

Euro nur wenige europäische und

noch weniger deutsche Venture

Capital-Gesellschaften in Europa

und vor allem in Deutschland

den Jungunternehmern zur

Seite stehen können. Damit sich

diese Situation verbessert, werden

steuerliche Anreizmodelle

geprüft. Der BVK hat hierzu bereits

vor drei Jahren im Rahmen

seines Venture Capital-Gesetzes

entsprechende Vorschläge ausgearbeitet

und wird diese erneut

einbringen, wie zum Beispiel,

Regina Hodits ist seit 2010

General Partner bei Wellington

Partners und hat mehr als 20 Investments

im Life Science-Bereich

verantwortet, mehrere Firmen als

Gründungsinvestorin in Deutschland

mitgegründet und zahlreiche

erfolgreiche Exits begleitet. Seit

2016 ist sie im Vorstand des BVK,

seit 2017 fungiert sie als Vorstandssprecherin.

Kommentar

dass eine gesetzliche Steuertransparenz

eingeführt wird, und die

Umsatzsteuerbefreiung von Management

Fee.

Neben steuerlichen Verbesserungen

sollen die bestehenden

Förderinstrumente fortgeführt

und weiterentwickelt werden.

Hier steht der INVEST-Zuschuss

auf der Agenda, der sich aktuell

nur an Business Angels richtet.

Schon in der letzten Legislatur

gab es einen Kabinettsbeschluss

zur Ausweitung auch auf Fonds-

Investments, der allerdings noch

nicht umgesetzt wurde. Es ist nun

endlich an der Zeit, in diesem

Punkt voranzukommen!

Eingang in den Koalitionsvertrag

hat auch der „Tech Growth Fund“

gefunden, der als neues staatliches

Förderinstrument Kredite

als Venture Debt in der Wachstumsphase

von Unternehmen

vergeben soll. Der BVK begrüßt

das Finanzierungsinstrument,

das vor allem für Unternehmen,

die bereits signifikante Umsätze

machen und stark wachsen,

wichtig ist. Es muss aber berücksichtigt

werden, dass Venture

Debt nur in Unternehmen investiert

werden kann, die eine solide

Eigenkapitalbasis und damit in

den meisten Fällen eine Venture

Capital-Finanzierung erhalten

haben. In Relation zu Venture

Capital kann Venture Debt lediglich

zehn bis maximal 20 Prozent

des Gesamtmarktes ausmachen.

Denn: Wichtiger als staatliche

Kredite sind Anreize für institutionelle

Investoren, in Venture

Capital-Fonds zu investieren.

Denn nur so kann das Defizit an

Wagniskapital in der Wachstumsphase

behoben werden! Damit

das gelingt, sieht die Regierung

einen großen nationalen Digitalfonds

vor, der gemeinsam mit

der deutschen Industrie geschaffen

werden soll. Diese Initiative

greift den vom BVK initiierten

„Zukunftsfonds Deutschland“

auf. Das Dachfondsmodell des

BVK, das sich in Dänemark bereits

bewährt hat, bietet institutionellen

Investoren eine attraktive

Anlagemöglichkeit, von der auch

VC-Fonds profitieren. Nur mit

einem gut durchdachten und in

der Praxis auch effektiven Modell

wird es langfristig gelingen, die

deutschen Venture Capital-Fonds

und damit auch die Gründerszene

zu stärken. Und dann schaffen

wir auch hierzulande, wovon bislang

nur alle träumen: Deutsche

Unicorns, die mit dem europäischen

Ausland und den USA auf

Augenhöhe liegen.

Luxemburg Gewinner

der Brexit-Misere?

Aktuelle Fondsstrukturen und

Herausforderungen

Von Patricia Volhard, Debevoise & Plimpton LLP

Ohne Vertriebspass sind nicht in

der EU ansässige Fondsmanager

für den Vertrieb ihrer Produkte auf

die nationalen Privatplatzierungsregeln

in den einzelnen EU-Staaten

angewiesen. Dies kann je nach Zielland

und Anzahl der Zielländer ein

erhebliches Hindernis für den Vertriebsprozess

darstellen. Erschwerend

kommt der aktuelle Richt-

© Pixelbliss - Fotolia.com

Gute Nachrichten für die Private

Equity- und Venture Capital-Branche:

Eine neue Kapitalsammelstelle

bahnt sich in Deutschland an – der

„Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen

Entsorgung“.

Nachdem der Atomausstieg 2011

besiegelt worden war, muss nun die

Frage geklärt werden, wie die Entsorgung

und die Endlagerung des

Atommülls langfristig sichergestellt

werden können. Die Abwicklung

wird Jahre dauern und Milliarden

kosten – die Verantwortung wird

nun zweigeteilt: Die großen Energieunternehmen

bleiben weiter für

den Rückbau der Reaktoren zuständig.

Die Verantwortung für die

Zwischen- und Endlagerung wird

dagegen aus den Mitteln des öffentlich-rechtlichen

„Fonds zur Finanzierung

der kerntechnischen Entsorgung“

übernommen. Dazu wurden

von E.On, RWE, EnBW und Vattenfall

insgesamt rund 24 Mrd. Euro

übertragen. Die AKW-Betreiber sind

somit von der Verpflichtung der Entsorgung

freigestellt.

linienentwurf der EU-Kommission

hinzu, der das „Pre-Marketing“

praktisch unmöglich macht.

Im Lichte dieser Entwicklungen und

der sich abzeichnenden Präferenz einiger

institutioneller Investoren für

EU-Strukturen ziehen Fondssponsoren

die Auflegung von Fondsstrukturen

in der EU in Betracht. Luxemburg

Der Atomfonds wird von einer Stiftung

gemanaged, deren Aufgabe es

ist, die Fördermittel zu halten, zu

vermehren. Aufgrund des anhaltend

niedrigen Zinsumfelds in den Kapitalmärkten

wird die Stiftung im

Sinne eines professionellen Assetmanagements

daher auch einen Teil

des Vermögens in dem Bereich der

Alternatives investieren. Nur so kann

langfristig sichergestellt werden, dass

der Stiftungszweck erfüllt wird. Dieser

beinhaltet die sichere Entsorgung

der aktuellen und künftigen radioaktiven

Abfälle aus der gewerblichen

Nutzung der Kernenergie.

Doch wie soll angelegt werden? Das

Konzept: Die Stiftung richtet ihre

Anlagepolitik strikt nach sozialen

und ökologischen Kriterien ihrer

Kapitalanlage. „Der Vorstand integriert

in die Anlagestrategie ESG

(Environmental, Social, Governance)

-Kriterien“, heißt es in den offiziellen

Anlagerichtlinien des Bundesfinanzministeriums.

ESG beinhaltet u.a. Investitionen

in erneuerbare Energien,

Einhaltung zentraler Arbeitsrechte

GASTBEITRAG

scheint ein Gewinner der Brexit-

Misere zu sein. Die luxemburgische

unregulierte Personengesellschaft

(SCSp) ist mittlerweile bei einer globalen

Investorenbasis als Fondsvehikel

anerkannt.

Aber ein EU-Fonds kann nur von

den vereinfachten Vertriebsregeln

Gebrauch machen, wenn er durch

eine in der EU ansässige Managementgesellschaft

verwaltet wird. Aufsichtsbehörden

in der EU richten besonderes

Augenmerk auf das Verbot

von „Briefkasten“-Managern. Der

Manager muss ausreichend Expertise

vor Ort, also in der EU, vorhalten.

Eine viel genutzte Alternative zum

Aufbau eines eigenen EU-Fondsmanagers

ist die Nutzung eines externen

Fondsmanagers, der das Portfoliomanagement

an den Fondsinitiator

auslagert oder sich bei der Ausübung

des Portfolio managements durch den

Fondsinitiator beraten lässt.

Dennoch bleiben Unsicherheiten als

Folge der zähen Brexitverhandlungen.

So ist Voraussetzung für eine

zulässige Auslagerung des Portfoliomanagements

oder auch eine Beratung

durch ein Unternehmen in

einem Drittstaat das Bestehen einer

Kooperationsvereinbarung zwischen

den Aufsichtsbehörden. Ob eine solche

zwischen Großbritannien und

den Aufsichtsbehörden der EU-Mitgliedstaaten

rechtzeitig abgeschlossen

sein wird, ist derzeit noch unklar. In

den letzten Wochen wurde die grobe

Richtung des Brexit-Prozesses

klarer und es gab mehr Anlass zur

Hoffnung auf einen vernünftigen

Ausgang. Ohne eine Klärung dieses

wichtigen Details bleibt aber eine gewisse

Rechtsunsicherheit bestehen,

die Investoren und Fondsinitiatoren

gleichermaßen trifft.

Mehr zum neuen Richtlinienentwurf

der EU-Kommission auf Seite 13.

Atomfonds

Neuer Großinvestor in Deutschland?

Von Richard Elsner

oder transparente Maßnahmen zur

Verhinderung von Korruption und

Bestechung. Leiterin des Vorstands

der Stiftung und somit Chefin des

milliardenschweren Fonds ist die

59-jährige Anja Mikus, die 30 Jahre

lang für große Geldverwalter gearbeitet

hat und zurzeit im Aufsichtsrat

der Commerzbank sitzt. Sie hat nun

die Herkulesaufgabe, die Stiftung

aufzubauen. Die ehemalige Fondsmanagerin

von Union Investment

muss die geeigneten Mitarbeiter und

richtigen Consultants finden, damit

dauerhaft ein erfolgreiches Assetmanagement

möglich ist.

Es ist davon auszugehen, dass die

Anlageklassen Private Equity und

Venture Capital von der Anlagestrategie

der Stiftung profitieren werden.

Zum einen erwirtschaften die

Assetklassen überdurchschnittlich

hohe Renditen, zum anderen sind

Beteiligungsgesellschaften in zukunftsorientierten

Technologiefeldern

aktiv, in denen nachhaltige Geschäftsmodelle

eine tragende Rolle

spielen.

KfW bündelt Venture-Aktivitäten

Neue Beteiligungsfinanzierungstochter geplant

Von Markus Schladt, KfW

Insbesondere für junge Technologieunternehmen,

die nach

der Startphase oder in der frühen

Wachstumsphase Kapital für

weitere Finanzierungsrunden

suchen, besteht in Deutschland

gegenwärtig eine Lücke von 500

bis 600 Mio. Euro pro Jahr. Hier

setzt das Förderangebot der KfW-

Beteiligungsfinanzierung an, um

zusammen mit privaten Kapitalgebern

die Finanzierungslücke zu

schließen.

Mit den ERP-Venture Capital-

Fondsinvestments konnte die KfW

seit dem Start 2015 bereits rund 200

Mio. Euro für deutsche und europäische

Fonds, die in deutsche Startups

investieren, bereitstellen. Auch

an Venture-Debt-Fonds kann sich

die KfW mittlerweile beteiligen.

Und die KfW ist zudem in allen

Generationen des High-Tech Gründerfonds

(HTGF) und in Coparion

investiert. Für die frühe Phase von

Start-ups gibt es das Seed-Finanzierungsangebot

des HTGF, der

mit Unterstützung des Bundes, der

Chinas Wirtschaft ist im Umbruch.

Die „zweite Transformation“

führt von einem rein quantitativen

Wirtschaftswachstum hin zu

einer qualitativen Wirtschaftsentwicklung

mit höherer Wertschöpfung,

geringerer Umweltbelastung

und interessanten Märkten. Der

tiefgreifende wirtschaftliche und

kulturelle Wandel ist auch für Private

Equity-Investoren hochinteressant.

KfW und privater Investoren gerade

seinen dritten Fonds mit einem

Volumen von rund 300 Mio. Euro

aufgelegt hat. Als Finanzierungsinstrument

für die Wachstumsphase hat

die KfW zusammen mit dem Bund

2016 den Co-Investitionsfonds Coparion

mit einem Fondsvolumen

von 225 Mio. Euro gegründet. Damit

werden Investitionen privater

Leadinvestoren zu gleichen Konditionen

gespiegelt.

Die vor der Gründung stehende

KfW-Beteiligungstochter soll noch

in diesem Jahr die Venture-Aktivitäten

der KfW bündeln. Mit einer

schrittweisen Steigerung der Zusagen

bis 2020 auf durchschnittlich

200 Mio. Euro pro Jahr will die KfW

das Wachstum junger Unternehmen

noch stärker fördern. Indem die

KfW dem Markt mehr Wagnis- und

Wachstumskapital zur Verfügung

stellt, will sie auch private Geldgeber

dazu bewegen, sich ebenfalls stärker

zu engagieren. Denn Deutschland

braucht mehr innovative Gründer

– und die wiederum mehr Venture

Capital zum Wachsen.

So interessant wie nie zuvor

Private Equity in China

Von Ferdinand von Sydow, HQ Capital

Ferdinand von Sydow ist Managing Director bei HQ Capital und seit 2011 für

das Unternehmen tätig. HQ Capital ist ein führender unabhängiger Manager

von alternativen Vermögenswerten, der seit 1989 im Auftrag von Institutionen

und Familien in globale Private Equity und US-Immobilien investiert.

In den Wirtschaftssektoren, die nicht

von Staatsunternehmen dominiert

werden, spielt Private Equity eine

wichtige Rolle für das Wachstum privater

Unternehmen. So hat Private

Equity in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen

und allen konsumnahen

Branchen überdurchschnittlich

profitiert. Der private Konsum

allein ist in China seit 2005 um

durchschnittlich 16 Prozent pro Jahr

gewachsen.

GASTBEITRAG

Markus Schladt ist Abteilungsdirektor

KfW-Beteiligungsfinanzierung und

mit seinem Team verantwortlich für

die ERP- Venture Capital-Fondsinvestments

der KfW. Seit 1992 ist er

in verschiedenen Funktionen für die

KfW tätig, u.a. für Entwicklungsprojekte

in Ostasien, für die Refinanzierung

der KfW in den internationalen

Kapitalmärkten und für Globaldarlehen

der KfW an europäische Banken.

GASTBEITRAG

Auch der Private Equity-Ansatz in

China verändert sich: Bisher überwogen

Venture Capital und Growth

Equity-Strategien. Kleinere und mittelgroße

Unternehmen hatten kaum

Zugang zu den Geldern der staatlichen

Banken. Private Equity unterstützte

mit Kapital und Minderheitsbeteiligungen

in verschiedenen Phasen

des Unternehmenszyklus und stellte

Wachstumskapital zur Verfügung.

Inzwischen werden die Unternehmer

in China älter oder haben weitergehende

Pläne, was die Bereitschaft zum

Verkauf ihrer Unternehmen erhöht.

Das öffnet die Tür für Mehrheitsbeteiligungen

– sog. Kontrollinvestments,

was zu einer veränderten Rolle

des Private Equity-Investors führt.

Hinzu kommen in vielen Bereichen

Konsolidierungstendenzen. Die damit

einhergehenden M&A-Transaktionen

finden häufig mit der Unterstützung

von Private Equity statt. Es

ist außerdem damit zu rechnen, dass

die überfällige Restrukturierung von

wachstumsschwachen Staatsunternehmen

erhebliche Möglichkeiten

für Private Equity bietet.

Die Ergebnisse von Private Equity in

China werden in den kommenden

Jahren volatiler bleiben als in den USA

und Europa – aber die sich bietenden

Chancen sind enorm. So sagt ein

chinesisches Sprichwort: Drei Dinge

kann man nicht mehr ändern: Das gesagte

Wort, den abgeschossenen Pfeil

und die verpasste Gelegenheit!

BVK-Studie

Private Equity bei

LPs hoch im Kurs

Von Attila Dahmann

Institutionelle Investoren in

Deutschland sind in hohem

Maße zufrieden mit ihrem Private

Equity-Engagement, haben

ihre Anlagen in dem Bereich zuletzt

ausgebaut und planen in

Zukunft eine weitere Erhöhung

ihrer Allokation. Dies sind Ergebnisse

einer BVK-Befragung

unter deutschen institutionellen

Investoren und Family Offices.

Unzufrieden

0 %

Aufgrund der weltweiten Niedrigzinssituation

suchen institutionelle

Investoren nach attraktiven,

renditeträchtigen Anlagen.

Dabei ist Private Equity verstärkt

in den Fokus gerückt. Fast 70

Prozent der Befragten berichten

von zuletzt gestiegenen Private

Equity-Anteilen im Portfolio.

Nur 13 Prozent haben die Private

Equity-Quote seit 2013 gesenkt.

Die erwirtschafteten Renditen

scheinen diese Entwicklung zu

bestätigen, denn die Zufriedenheit

der Investoren mit ihren

Private Equity-Anlagen ist ausgesprochen

hoch. Alle Befragten

zeigten sich mit der Performance

ihres Private Equity-Portfolios

mindestens zufrieden. Keiner der

Investoren äußerte sich unzufrieden,

im Gegenteil zwei Drittel

gaben an, sehr zufrieden zu sein.

Die Mehrheit der 45 Befragten

sind Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen.

Daneben

beteiligten sich aber auch Family

Offices, Private Equity-Dachfonds,

Banken, Stiftungen und

Unternehmen an der Erhebung.

Es ist davon auszugehen, dass

Private Equity in den nächsten

Jahren weiter an Zuspruch gewinnen

wird. Mehr als die Hälfte

der Investoren (55 Prozent) will

ihre Private Equity-Allokation

in den kommenden ein bis zwei

Jahren weiter ausbauen, weitere

40 Prozent zumindest beibehalten.

Wie hat sich das Volumen Ihres Private Equity-Portfolios seit

2013 entwickelt?

Unverändert

18 %

Leicht gesunken

10 %

Stark gesunken

3 %

Leicht gestiegen

37 %

Stark gestiegen

32 %

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Private Equity-Portfolio im

Hinblick auf die erreichte Performance?

Sehr unzufrieden

0 %

Zufrieden

66 %

Sehr

zufrieden

34 %


BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 6

Digitalisierung

BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 7

Management

Interview

GASTBEITRAG

GASTBEITRAG

„Viele Branchen werden von KI profitieren“

Zukunftstechnologien und ihre Rolle im Alltag

Interview mit Dr. Stefan Rüping

Dr. Stefan Rüping, Geschäftsfeldleiter

am Fraunhofer-Institut

für Intelligente Analyse- und Informationssysteme

IAIS, sprach

mit Richard Elsner vom BVK-Kurier

über die Zukunft der künstlichen

Intelligenz (KI), die Möglichkeiten,

die die Technologie

uns Menschen bietet, aber auch

über Kompetenzprobleme in der

Wirtschaft.

Wie verändert künstliche Intelligenz

die Wirtschaft und die Gesellschaft?

Im Moment existieren bereits erste

Beispiele, wo der Computer besser

und effektiver ist als ein Mensch: So

in der Computerbranche, wo KI den

weltbesten GO-Spieler besiegt hat.

Aber auch in der Medizin: KI kann

in gewissen Bereichen Krankheiten

effektiver erkennen als ein Arzt oder

Routine-Aufgaben vom Menschen

© vege - Fotolia.com

übernehmen – Texte lesen und verstehen

zum Beispiel. Damit kann

etwa die Arbeit von Rechtsanwälten

effektiver gestaltet werden. Die Algorithmen

werden immer intelligenter

und werden in naher Zukunft auch

anspruchsvolle Arbeit übernehmen.

Vor jedem Einsatz von KI muss jedoch

stets die Frage gestellt werden:

Welche Risiken geht man damit ein?

In welchen Bereichen wird KI in

Zukunft eine Rolle spielen?

Wir bieten Schulungen für verschiedene

Branchen an und wenn ich die

Nachfrage beobachte, dann lässt sich

sagen, dass einzelne Bereiche unterschiedlich

schnell das Thema KI für

sich gewonnen haben: Die Automobilbranche

ganz früh, im Finanzsektor

etwas langsamer, die Medizin

deutlich später. Quer durch alle

Bereiche werden sich Back Office

Programme integrieren, z.B. in der

Kundenkommunikation oder im

Call Center. In der Zukunft werden

Sprachassistenten wie Alexa und

Siri immer mehr Aufgaben übernehmen,

auch wenn sie im Moment

nur einfache Fragen beantworten.

Die Interaktion mit dem Menschen

wird deutlich besser. Viele Branchen

werden davon profitieren.

Wie sieht ein Use Case aus dem

Alltag aus, dessen sich die meisten

Menschen nicht bewusst sind?

Vielen ist nicht bewusst, dass KI-

Anwendungen in kleinen Dingen

ausprobiert und praktiziert werden.

In vielen Produkten, Apps und Anwendungen

sind bereits KI-Funktionalitäten

integriert: Zum Beispiel

Spracherkennung und Bilderkennung

bei Facebook. Es werden immer

mehr Tools zur Verfügung

gestellt, durch ihre Kombination

werden Apps immer effektiver.

Sind die KI-Technologien bereits

lernfähig?

Lernfähigkeit ist die Grundlage aller

KI-Technologien. Der Computer

schafft es, durch riesige Datenmengen

sehr komplizierte Dinge zu erlernen

– dadurch wird er intelligent.

Trotzdem ist die Lernfähigkeit auf

eine Aufgabe beschränkt, z. B. Bilder

klassifizieren oder Texte analysieren.

Es existiert bisher keine allgemeine

Intelligenz, die beliebige Aufgaben

lösen kann. Dass KI selbstständig

lernen und denken kann wie ein

Mensch, ist nach bisherigem Forschungsstand

nicht abzusehen.

Jaan Tallinn ist der Entwickler von

Skype. Inzwischen hält er Computer

für eine potenzielle Bedrohung:

Eines Tages, sagt Tallinn,

könnte künstliche Intelligenz

die Menschheit auslöschen. Wie

schätzen Sie diese These ein?

Diese Idee aus den Hollywood-

Blockbustern und die Aussage von

Jaan Tallinn sind reine Spekulationen.

Die Forschung ist noch nicht

soweit, um hier eine Tendenz auszumachen.

Die größte Herausforderung

für mich ist, dass KI-Methoden

angewendet werden, die nicht

funktionieren. KI ist sehr komplex.

Wenn maschinelles Lernen programmiert

wird, ohne zuvor kritisch

hinterfragt zu werden und erst

im Nachhinein erkannt wird, dass

der Algorithmus falsch eingesetzt

wurde, dann hat das Konsequenzen.

Da müssen wir aufpassen und hier

sehe ich einen großen Kompetenz-

Bedarf. Unternehmen, die sich vornehmen,

KI zu integrieren, müssen

Schulungen und Ausbildungen

durchführen. Nur so kann KI verlässlich

angewandt und Probleme

vermieden werden.

Der Leiter des Geschäftsfeldes Big

Data Analytics ist über 20 Jahre von

der Technologie fasziniert. 17 Jahre

lang haben sich nur Wenige für

seine Forschungen und die seiner

Kolleginnen und Kollegen interessiert.

Was ist Ihr persönlicher Antrieb,

künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln?

Ich habe den persönlichen Bezug zu

der Thematik bereits 1997 entwickelt,

als ich meine erste Vorlesung

zum maschinellen Lernen erlebt

habe. Ich fand es sehr interessant,

zu sehen, wie Computer selbstständig

aus Daten lernen. Die ersten 17

Jahre haben nur wenige Leute Interesse

gezeigt, jetzt erleben wir einen

regelrechten Anfrage-Boom.

KI stillt meinen Forschergeist: Man

muss die Welt verstehen, um Algorithmen

richtig anzuwenden. Ich

habe eine große Neugier, Neues zu

entdecken, andererseits kann ich

durch die entwickelten Anwendungen

Menschen helfen und unterstützen.

Trotzdem bin ich mir der

Verantwortung bewusst. Mein Ziel

und meine Motivation ist die Frage:

Wie kann ich die Technologie einsetzen,

um der Gesellschaft Gutes zu

tun? (re)

Nützlich, aber überschätzt

Künstliche Intelligenz bei der Personalauswahl

Von Jörg de Wall, GET AHEAD Executive Search

Programme, die den Lebenslauf

scannen, Big-Data-Tools, die Profile

in den sozialen Netzwerken

analysieren und automatisierte

psychometrische Tests – Software,

die auf Künstlicher Intelligenz

basiert, hat sich bei der Personalauswahl

etabliert. Allein auf dem

Übersichts portal Peats sind bereits

mehr als 150 Diagnostik-Tools gelistet.

Im Gegensatz zum Menschen

gelten sie als objektiv, rational und

vorurteilsfrei und sollen so zu besseren

Entscheidungen führen.

Bei aller Begeisterung wird jedoch

oft vergessen: Künstliche Intelligenz

basiert auf Algorithmen, die von

Menschen definiert wurden. Eine

vermeintlich neutrale Software ist

daher immer auch vom Menschenbild

des jeweiligen Anbieters geprägt.

Ein Beispiel: Hat der Entwickler die

© peshkov - Fotolia.com

Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels

als Entscheidungsvariable berücksichtigt,

um unstete Job-Hopper auszusortieren,

wird auch der Bewerber

mit beeindruckendem Projektlebenslauf

und Einsätzen bei verschiedenen

Arbeitgebern durchs Raster fallen –

obwohl er für die vakante Stelle vielleicht

der passende Kandidat gewesen

wäre. Zur Besetzung von Positionen

mit komplexem Anforderungsprofil

und zur Auswahl von Führungskräften

sind automatische Lebenslaufanalysen

damit ungeeignet.

Die neue Software-Generation soll

ganze Interviews führen und dabei

die Emotionen eines Bewerbers über

Gestik, Mimik und Sprachanalyse

erkennen und dessen Persönlichkeit

beschreiben. Doch so beeindruckend

die technischen Leistungen auch

sind: Personalentscheider sollten die

Jörg de Wall ist Prinzipal bei GET

AHEAD Executive Search GmbH.

Kritischer Faktor Management

Verantwortung nicht zu bereitwillig

an Maschinen übergeben, denn diese

können Indikatoren für beruflichen

Erfolg, wenn überhaupt nur eingeschränkt

ermitteln.

So ist eine reine Beschreibung der Persönlichkeit

für die Einschätzung des

zukünftigen beruflichen Erfolgs bei

Führungskräften nicht ausreichend.

Ebenso wichtig sind die non-kognitiven

Faktoren Leistungsmotivation,

Gewissenhaftigkeit und Resilienz sowie

die Passung zur Unternehmenskultur.

Solch eine individuelle Analyse

ist jedoch zu komplex für eine Software.

Stattdessen braucht es eine evidenzbasierte

Personaldiagnostik auf

Basis wissenschaftlich fundierter Methoden

und Verfahren – und eine Portion

gesunden Menschenverstand.

GASTBEITRAG

Gezielt Management und Skills zur Wertsteigerung im

Portfolio und im Umgang mit Risikosituationen nutzen

Zahlen, Daten, Fakten

plus Faktor Mensch

Sensibilisierung für HR lohnt sich

über gesamten Beteiligungszyklus

hinweg

Von Tibor Reischitz, PMCI

In unserer globalisierten VUCA-

Welt hat Private Equity eine hohe

Bedeutung für Wirtschaft und

Gesellschaft: Es bringt Unternehmen

Wachstum, schafft Werte und

Arbeitsplätze und treibt Innovationen

voran. Dabei gibt es für Private

Equity-Gesellschaften einen

wichtigen Erfolgs- und Sicherheitsfaktor:

die Besetzung von

Spitzen- und Expertenpositionen

in ihren Portfoliounternehmen.

Hier dürfen sie so wenig Risiken

wie möglich eingehen – denn nur

mit den passenden Köpfen schaffen

sie es, ihre Investments dauerhaft

im Wert zu steigern.

Unserer Beobachtung nach klafft

hier oft eine Lücke: Private Equity-

Gesellschaften agieren meist sehr

zahlengetrieben und bevorzugen

auch dementsprechend zahlengetrieben

handelnde Experten oder

Führungskräfte für ihre Portfoliounternehmen.

Dieser Ansatz

wird jedoch in den meist mittelständischen

Portfolio-Unternehmen

kritisch gesehen. Denn dort kommt

es darauf an, einen guten Kontakt

zu den Mitarbeitern und einen zur

Kultur des Unternehmens passenden

operativen Angang zu finden.

Der Faktor Mensch zählt

Es ist wichtig, dass Private Equity-

Gesellschaften ein Bewusstsein dafür

entwickeln, dass der Manager

oder CEO, den sie einsetzen, zum

Portfoliounternehmen passen muss

und nicht zu ihrer eigenen Gesellschaft.

Dann werden sie das angestrebte

Ziel erreichen: In kurzer

Zeit viel Wertsteigerung bewirken.

Im Gegensatz zu anderen Unter-

Dipl.-Wirtschafts-Ing. Tibor Reischitz

ist Partner des BVK-Mitglieds

PMC International AG und besetzt

nationale wie internationale Fach-,

Führungs- und Interim-Management-Positionen.

nehmen haben Private Equity-Gesellschaften

nämlich keine Zeit und

auch nicht mehrere Anläufe, nach

der Übernahme eines Portfoliounternehmens

die dortigen Spitzenpositionen

zu besetzen. Hier

brauchen sie schnell eine passende

Person, die auch die Energie des

Neuanfangs positiv umsetzen kann.

Dies gelingt umso besser, je stärker

sich die Private Equity-Gesellschaften

im Vorfeld bewusst gemacht hat,

dass es nicht nur auf Zahlen, Daten

und Fakten des Portfoliounternehmens

ankommt, sondern auch auf

den Faktor Mensch.

Ein Epochenumbruch steht bevor:

Die digitale Revolution. Macht

die digitale Technologie die Welt

besser? Macht sie die Menschen

reicher, sicherer in ihrer Existenz?

Freier? Glücklicher? Diese drängenden

Fragen behandelt Richard

David Precht in seinem neuesten

Buch „Jäger, Hirten, Kritiker“ überzeugend.

Precht liefert treffende Analysen der

jetzigen Gesellschaft, verknüpft Erkenntnisse

mit den Auswirkungen

der industriellen Revolutionen in der

Vergangenheit und entwickelt eine

Utopie für die Zukunft. Die Digitalisierung

bringt die größte Veränderung

unserer Wirtschaft und unseres

Lebens seit 250 Jahren. Ungeahnte

Umwälzungen sind zu erwarten,

denn erstmals beziehen sich Optimierungen

nicht auf Produktionsprozesse

allein, sondern sie betreffen

den Menschen selbst. Er soll besser

funktionieren, maschinenähnlicher

werden. Mensch und Maschine nähern

sich. Die digitale Revolution ist

Wertewandel in

ungeahnter Dimension

Kritik zu Prechts neuem Werk

Von Brigitte Ullmann

die radikalste Form des Kapitalismus.

Sie produziert nichts Neues, sondern

macht Bestehendes effektiver.

Ein Wertewandel in ungeahnter Dimension

bahnt sich an – global! Jede

Tätigkeit, die sich durch Algorithmen

erfassen lässt, verschwindet. Damit

werden Erfahrungen, Kenntnisse,

Werte, Bildung, die jahrhundertelang

galten, nicht mehr gebraucht. Das gilt

auch für die vertraute, geachtete Arbeitsleistung.

Massenarbeitslosigkeit

ist die Folge. Hochentwickelte digitale

Maschinen arbeiten ohne Menschen,

Tag und Nacht – ohne Sozialabgaben.

Dieser Entwicklung gegenüber fehlt

eine differenzierte Haltung, meint

Precht. Optimisten sehen Chancen

für Mensch und Gesellschaft. Kritische

Betrachter der Digitalisierung

warnen vor dem reinen Effizienzgedanken

des Kapitals.

Es ist Aufgabe der Politik, menschenwürdiges

Leben zu bewahren, die Weichen

zu stellen, um die Demokratie zu

retten, die Kultur, die Humanitätsziele

lebendig zu halten. Die Weltkonzerne

des Silicon Valley und die digitalen

Supermächte sollten gebremst werden.

Die Politik darf den Technokraten

nicht das Regieren überlassen. Der

Staat muss uns vor Entwicklungen

schützen, die unsere Grundrechte bedrohen.

Sofort handeln!

Die klassische Industrie vergeht.

Millionen Menschen müssen sich

umstellen, sie waren seit Jahrhunderten

auf Leistungsfähigkeit gepolt.

Psychologisch betrachtet, droht ein

Absturz, das Selbstwertgefühl sinkt.

Wer fängt sie auf? Kultur, Kunst,

wenn sie nicht auch dem Nützlichkeitsgedanken

unterliegen, ein soziales

Netz. Damit der technische

Fortschritt segensreich wirkt, muss

er gleichzeitig ein sozialer Fortschritt

sein. Wer nur noch als Konsument

gebraucht wird, verliert seine

Freiheit und Selbstbestimmung.

Es gilt, das Erbe der Aufklärung und

das Trachten nach Humanität zu

verteidigen. Die Verteufelung der

digitalen Entwicklung bringt uns

nicht weiter. „Der realistische Weg

ist nicht die Abschaffung des Kapitalismus“,

so Precht. Aber: „Im Angesicht

der vierten industriellen Revolution

stehen wir wieder vor der

Aufgabe, unter veränderten Wirtschaftsbedingungen

eine neue Ordnung

und Balance herzustellen, also

einen neuen Gesellschaftsvertrag

abzuschließen.“ Ein bedingungsloses

Grundeinkommen einzuführen,

sei dazu ein erster Schritt. Gesellschaften

dürfen nicht ferngesteuert

werden durch Kapital oder Technik.

Aber trotz der Besorgnis: „Pessimismus

ist keine Lösung!“

Von Norbert Eisenberg, Georg Larch und Josef Schuhbauer, Boyden Interim Management

Norbert Eisenberg, Georg Larch, Josef Schuhbauer | Boyden Interim Management

Für Private Equity- und VC-Investoren

ist es “common wisdom”,

dass die Qualität des Managements

entscheidender Faktor für

den Erfolg eines Investments ist.

Ohne Vertrauen in die Unternehmensführung

– unter Einschluss

beabsichtigter Veränderungen und

Ergänzungen – wird man nicht

investieren wollen. Interim Management

hat eine komplementäre

Funktion: Für anspruchsvolle Situationen

stehen hier Manager zur

Verfügung, die bewiesen haben,

dass sie mit solchen Anforderungen

erfolgreich umgehen können und

dem Unternehmen so Handlungssicherheit

verschaffen.

Die Rollen können dabei im Beteiligungsprozess

sehr unterschiedlich

sein. Einige Beispiele:

Carve-out-Situationen erfordern

den schnellen Aufbau von Fähigkeiten,

die die bisher unselbstständige

Unternehmenseinheit nicht

besitzt.

Die schnelle Umsetzung von Maßnahmenprogrammen

zur Effizienz-

und Ergebnissteigerung erfordert

sowohl zusätzliche Kapazität

wie auch Kompetenz für das Projektmanagement

in Bereichen wie

Supply Chain, Operational Footprint,

Vertriebsstrukturen.

Die Umsetzung von Buy-und-

Build-Strategien verlangt nach Managern

verschiedener Funktionen

(z. B. HR, Operations, Finance) mit

Erfahrung in Post-Merger-Integration-Situationen.

Exit-Vorbereitung, Management in

Krisensituationen mit ihren besonderen

Anforderungen an Glaubwürdigkeit,

auch im Stakeholder-

Management, verlangen hier nach

erfahrener Führung.

Bei der Auswahl des oder der Interim

Manager sollte man nicht weniger

sorgfältig vorgehen als bei Dauerbesetzungen:

Liegt die Qualifikation für das jeweilige

Unternehmen wirklich vor?

Gute Erfahrungen in einem anderen

Projekt sind oft weniger übertragbar

als man denkt.

Passt der Manager zum vorhandenen

Team? Ohne Akzeptanz dort

wird man mehr Probleme schaffen

als lösen.

Passt der Manager zu den Zielvorstellungen

des Investors?


BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 8 BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin

Venture Capital

Venture Capital

9

GASTBEITRAG

GASTBEITRAG

GASTBEITRAG

Instinkt und Analyse

Bewertungsmethoden eines

Frühphaseninvestors

Von Dr. Fabian Heilemann, Earlybird

© vectorfusionart - Fotolia.com

Fast alle bislang bekannten ICOs

betrafen Utility Token, also eine Art

Gutschein auf Waren oder Dienstleistungen

und nicht Beteiligungsrechte

verkörpernde Security oder

Equity Token. Grund dafür sind

sicherlich die aufsichtsrechtlichen

Grenzen eines ICO, die entscheidend

davon abhängen, ob der Token

als Wertpapier qualifiziert. Auf

eine Verbriefung kommt es hierbei

nicht an, vielmehr darauf, ob der

Token übertragbar ist.

Token sind auf den hierfür geschaffenen

Kryptowährungs-Handelsplattformen

handelbar, die auch von der

BaFin als Finanz- oder Kapitalmarkt

im Sinne der Wertpapier-Definition

angesehen werden. Auch versprechen

Security Token ohne Zweifel eine finanzielle

Rendite und nicht lediglich

Konsumvorteile, weshalb sie als Wertpapiere

einzuordnen sind.

Dann bedarf es eines von der BaFin

zu billigenden Prospekts und benötigt

der Betreiber einer Kryptobörse einer

BaFin-Erlaubnis als Finanzdienstleistungsinstitut.

Wer sich hieran nicht

hält, macht sich schadensersatzpflichtig

und sogar strafbar. Technologisch

mag daher ein ICO einfach umzusetzen

sein; aufsichtsrechtlich ähnelt er

aber eher einem „kleinen IPO“ mit

prohibitiven Kosten.

Bedenkenswert wäre aber, ob man

nicht das Privileg der Schwarmfinanzierung

über eine Internet-

Dienstleistungsplattform gem. § 2 a

Vermögensanlagengesetz (VermAnlG)

auch auf Security Token überträgt,

die hierunter derzeit nicht

fallen, da Wertpapiere vom Anwendungsbereich

des VermAnlG ausgeschlossen

sind. Daher müsste der Gesetzgeber

entsprechend aktiv werden.

Dies hätte zur Folge, dass der Emittent

nur ein Vermögensanlagen-Informa-

Eine der am häufigsten gestellten

Fragen bei Start-up-Veranstaltungen

oder einem Panel von Investoren

lautet: „Wie bewerten Investoren ein

Start-up?“. Die Unternehmensbewertung,

so unerwartet dies auch für

jemanden sein mag, der nach einer

einfachen und definitiven Antwort

sucht, folgt keinen branchenweit

vereinheitlichten Regeln, sondern

hängt von der individuellen Methodik

des jeweiligen Investors ab.

Es gibt viele Werkzeuge für Investoren,

um Unternehmen in den verschiedenen

Entwicklungsphasen zu

bewerten. So sind ältere und öffentliche

Unternehmen einfacher zu bewerten

als junge Start-ups, weil es

historische Daten darüber gibt, wie

sie ihre Leistung in die Zukunft extrapolieren

können. Daneben gibt es

sowohl instinktive (qualitative), als

auch quantitative Methoden. Die instinktiven

werden mehr in den frühen

Phasen eines Unternehmens verwendet.

Mit der Reife des Unternehmens

wachsen die verfügbaren historischen

finanziellen Informationen

und damit das Anwendungsfeld von

quantitativen Methoden. Instinktive

Bewertungen sind nicht frei von

quantitativen Analysen, allerdings

wird diese Methode hauptsächlich

von der Branchenerfahrung des Venture

Investors getrieben.

Der aktuelle Wert eines Start-ups

wird zu großen Teilen von den heute

Alternative zur VC-Finanzierung?

Aufsichtsrechtliche Grenzen des ICOs

Von Wolfgang Weitnauer, Weitnauer Rechtsanwälte

GASTBEITRAG

Dr. Wolfgang Weitnauer ist Partner und Rechtsanwalt der Kanzlei Weitnauer.

Sein besonderer Tätigkeitsschwerpunkt liegt im Bereich außerbörslicher Unternehmensfinanzierung.

tionsblatt, jedoch keinen Verkaufsprospekt

erstellen müsste. Jedoch

verbliebe es bei den aus Gründen des

Verbraucherschutzes geltenden engen

Anlagegrenzen von § 2 a Abs. 3

VermAnlG, soweit es sich beim Anleger

nicht um eine Kapitalgesellschaft

handelt. Auch bliebe es dabei, dass

der ICO-Initiator nicht selbst die Token

im Internet platzieren darf (§ 2 a

Abs. 5 VermAnlG) und der Betrieb

einer Krypto-Handelsplattform eine

Erlaubnis nach § 32 KWG erfordert.

Dr. Fabian Heilemann ist Partner bei Earlybird. Bevor er 2012 auf die Investorenseite

wechselte, gründete er mehrere Unternehmen und baute u.a. als CEO/

Co-Founder die Couponing-Plattform DailyDeal auf, die Ende 2011 von Google

Inc. gekauft wurde.

vorherrschenden Marktkräften und

der heutigen Wahrnehmung dessen,

was die Zukunft bringen wird, bestimmt.

Dazu gehören das Gleichgewicht

(oder das Ungleichgewicht)

zwischen Nachfrage und Angebot, die

Aktualität und Bewertungsmethoden

der jüngsten Exits, die Bereitschaft eines

Investors, ein Premium zu zahlen,

um in einen Deal zu kommen, und

die Dringlichkeit des Unternehmers

auf der Suche nach Geld.

Chancen nutzen – Risiken minimieren!

Von Dr. Wolfgang Weitnauer, M.C.L., Rechtsanwalt

6. Auflage. 2018. Rund 770 Seiten. Kartoniert ca. 109,–

ISBN 978-3-406-71086-5 | Neu im November 2018

Von der Innovation bis zum Börsengang

Das bewährte Handbuch bietet eine systematische und praxisbezogene

Dar stellung der rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen der

Ent wicklung eines innovativen Start-up-Unternehmens.

Besonders hilfreich sind die Gestaltungshinweise und Handlungsempfehlungen

mit Checklisten sowie die Musterverträge.

Neu in 6. Auflage

■ Rechtslage up-to-date (gesellschafts-, steuer-, aufsichtsrechtlich)

■ neue deutsch/englische Beteiligungsvertrags dokumentation mit erläuternden

Querverweisen

■ ICO als alternative Beteiligungsform?

■ Wandeldarlehen, Equity Bridge, SAFE

■ Rahmenbedingungen eines US Flip

Mit Mustern

zum Download

Erhältlich im Buchhandel oder bei: beck-shop.de | Verlag C.H.BECK oHG · 80791 München

kundenservice@beck.de | Preise inkl. MwSt. | 168983

Durch die Vielzahl an Deals, die ein

Venture Investor in der Seed und Series

A Phase sieht, ist er in der Lage ein

Start-up mit anderen Firmen aus der

Branche zu vergleichen und Durchschnittswerte

zu ermitteln. Die Kunst

hierbei besteht darin, den intrinsischen

Wert der Opportunität trotz

geringer Datenpunkte zutreffend einzuschätzen.

Hierbei spielen Mustererkennung,

Erfahrung und Abstraktionsfähigkeit

eine große Rolle.

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Rekordvolumen im

ersten Quartal

Deutschland als

IPO-Wachstumsmarkt

Von Martin Steinbach, EY

Trotz gestiegener Volatilität und

wachsender politischer Risiken

zieht es weltweit immer mehr

Großunternehmen an die Börse:

Die Zahl der Börsengänge ging

zwar im ersten Quartal 2018 im

Vergleich zum Vorjahreszeitraum

um 27 Prozent auf 287 zurück, das

Emissionsvolumen stieg jedoch

um 28 Prozent. Die Zahl der Börsengänge

mit einem Emissionsvolumen

von mehr als einer Mrd.

US-Dollar erhöhte sich hierbei im

Vergleich zum ersten Quartal 2017

von zwei auf sechs.

Innerhalb Europas erwies sich vor

allem Deutschland im ersten Quartal

als Wachstumsmarkt: Mit den

IPOs von Siemens Healthineers und

DWS fanden hierzulande zwei der

drei weltweit größten Neuemissionen

statt. Insgesamt wagten in Deutschland

sechs Unternehmen den Schritt

aufs Parkett. Das gesamte Emissionsvolumen

in Deutschland belief sich

auf 6,5 Mrd. Euro – damit war das

abgelaufene Quartal gemessen am

Emissionsvolumen das stärkste erste

Quartal seit dem Jahr 2000.

Es ist wahrscheinlich, dass der Positivtrend

in Europa in diesem Jahr

anhält. Die Konjunktur entwickelt

sich gut, das Bewertungsniveau an

den Börsen ist weiter hoch, die Zinsen

bleiben niedrig, und die Unternehmensgewinne

steigen. Es spricht

daher einiges dafür, dass das IPO-

Fenster in diesem Jahr immer wieder

geöffnet sein wird. In Deutschland

sind bis zu 18 Börsengänge realistisch

– allerdings müssen sich die

Unternehmen jederzeit auf zeitweilige

Eintrübungen des Umfelds gefasst

Dr. Martin Steinbach ist Partner

bei EY und verantwortet seit April

2011 den Bereich IPO und Listing

Services in Deutschland, Schweiz

und Österreich. Darüber hinaus ist

er Global und EMEIA IPO Leader.

machen. Mit dem Rekordvolumen

im ersten Quartal hatte der Deutsche

Markt einen starken Start und eine

gute Vorlage für weitere Börsengänge

im Jahresverlauf.

Geopolitische Spannungen, Währungsschwankungen

und andere Unwägbarkeiten,

etwa bei der weiteren

Zinsentwicklung sorgen zwar immer

wieder vorübergehend für Unruhe an

den Märkten, das gesamtwirtschaftliche

Umfeld ist aber weiter positiv.

Es sind also die Unternehmen im

Vorteil, die gut vorbereitet und flexibel

genug sind, ihre Chance rasch

zu nutzen. Hier empfiehlt sich eine

frühzeitige Planung und Analyse der

Finanzierungs- oder Exit-Optionen

durch ein ganzheitliches, sogenanntes

IPO Readiness Assessment.

Venture Debt (VD) als Pendant

zum Venture Capital (VC) ist eine

sich auch in Deutschland auf dem

Vormarsch befindliche Finanzierungsform.

Besonders geeignet ist

sie für junge, wachstumsorientierte

Unternehmen, die kurz vor dem

Break Even stehen.

Im Gegensatz zur klassischen VC-

Eigenkapitalfinanzierung handelt es

sich bei VD um eine atypische Fremdkapitalfinanzierung;

atypisch deshalb,

weil – anders als bei traditionellen

Bankenfinanzierungen – grundsätzlich

(noch) kein oder ein zu geringer

positiver Cashflow vorhanden ist

und nur eingeschränkt (werthaltige)

Sicherheiten gestellt werden können.

VC-Investoren stehen der Aufnahme

von Fremdkapital gegenwärtig

– anders als z. B. in den USA – noch

kritisch gegenüber, da sich deren Risikoposition

aus insolvenzrechtlicher

Sicht wegen der Nachrangigkeit von

Eigenkapital gegenüber Fremdkapital

nachteilig verändert. Zudem befürchten

VC-Investoren häufig, dass der

laufende Schuldendienst zum Abzug

von für die Weiterentwicklung des

Unternehmens benötigter Liquidität

und damit zu einer Erhöhung des

Insolvenzrisikos führt. Nichtsdestotrotz

bestehen ab einer bestimmten

Entwicklungsphase des Start-ups bei

Finanzierungsrunden ohne Limit

Dr. Matthias Thom, LL.M. und Dr. Benny Wünschmann, LL.M. sind Rechtsanwälte

bei Flick Gocke Schaumburg Partnerschaft mbB in Berlin und beraten

schwerpunktmäßig bei Venture Capital- und Venture Debt-Transaktionen.

Companisto digitalisiert und ver einfacht Eigenkapital-Beteiligungen

Von David Rhotert und Tamo Zwinge, Companisto

Crowdinvesting-Pioniere: Die Companisto-Gründer und Geschäftsführer David

Rhotert (li.) und Tamo Zwinge bieten ab Sommer echte Eigenkapital-Beteiligungen

auf der Plattform an.

Eigenkapital ist das Mittel der

Wahl bei einem Investment in

ein Start-up-Unternehmen. Der

Crowd investing-Pionier Companisto

legt in dieser Anlageklasse eine

Innovation für den deutschen Kapitalanlagemarkt

auf. Ab Sommer

können Eigenkapital-Beteiligungen

in einem digitalisierten Investment-Prozess

über die Plattform

abgeschlossen werden. Investoren

werden echte GmbH-Gesellschafter.

Mit dem Eigenkapitalmodell sind Finanzierungsrunden

in unlimitierter

Größe möglich. Es ist ausgelegt auf

Anschluss- und Wachstumsfinanzierungen

ab drei Mio. Euro. Hierzu

wird ein Vermögensanlageprospekt

verwendet.

Mit den Companisto-Eigenkapital-

Beteiligungen entstehen Kombinationsmöglichkeiten

mit staatlichen

Venture Debt:

Unterschätzte Chancen

Venture Debt als komplementäre

Finanzierungsform für Start-ups

Von Dr. Matthias Thom, LL.M, und Dr. Benny Wünschmann, LL.M, FGS

Venture-Capital-Programmen. Investitionen

über Companisto können

das private Kapital für ein Matching

darstellen. Diese Spiegelung kann bei

ERP-Venture Capital-Fondsinvestments

des BMWi oder dem Investmentprogramm

des HTGF in Betracht

kommen – Companisto kann

dabei ggf. Lead-Investor sein.

Kooperationen mit privaten Venture

Capital-Gesellschaften werden weiter

vereinfacht. Bereits heute haben

in über 85 Prozent der Companisto-

Start-ups auch VCs und Business

Angels investiert. So auch bei der

Finanzierung der NDI AG mit 2,5

Mio. Euro, bei der die Schwarmfinanzierungsausnahme

voll ausgeschöpft

wurde.

Für Business Angels bedeutet die

Eigenkapital-Beteiligung von Companisto

erhebliche Vereinfachungen

einem vernünftigen Mix aus Eigenund

Fremdkapital auch erhebliche

Vorteile für VC-Investoren. So führt

die Aufnahme von VD zu keiner bzw.

nur in geringem Maße zu einer Verwässerung

der Beteiligungsquote,

nämlich wenn der regelmäßig vereinbarte

Equity Kicker nicht lediglich

virtuell im Sinne einer Erlösbeteiligung

ausgestaltet ist, sondern bei

Ausübung ein Recht auf Übertragung

von Anteilen besteht. Ferner partizipieren

VC-Investoren an dem einer

Aufnahme von Fremdkapital inhärenten

Leverage Effect. Schließlich

kann VD ein wesentlicher Baustein

als Brückenfinanzierung hin zum Erreichen

eines essentiellen Milestones

oder gar zur Profitabilität des Startups

sein. Das gilt auch deswegen, weil

VC-Finanzierungen in späten Phasen

teuer und daher schwieriger zu

realisieren sind. Daher ist nicht nur

wegen des bestehenden Renditesteigerungspotentials

zu erwarten, dass

VC-Investoren sich zukünftig dieser

Finanzierungsform weiter öffnen

und die mit der Aufnahme von VD

verbundenen Risikofaktoren bereits

i. R. d. Bewertung bei der Investitionsentscheidung

einpreisen werden.

GASTBEITRAG

© NicoElNino - Fotolia.com

beim Investieren in Start-ups. Mit

speziellen Business Angel-Beteiligungen

wird das Investment direkt

über die Plattform platziert und verwaltet.

Der Komplett-Service reicht vom

Zugang zum Investmentcase, über

die Abwicklung, bis hin zur Verwaltung

der Beteiligung – inkl. Vertragswerken,

Reportings und Fassung

von Gesellschafterbeschlüssen. Die

Inanspruchnahme des INVEST-

Zuschusses kommt fallabhängig in

Frage.


BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 10

Venture Capital regional

BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 11

Private Equity

Interview

GASTBEITRAG

GASTBEITRAG

15 Jahre

Beteiligungskapital in NRW

„Szene in NRW ist

reifer geworden“

Interview mit Dr. Peter Güllmann, NRW.Bank

Seit 15 Jahren investiert die NRW.Bank in Nordrhein-Westfalen

Beteiligungskapital in kleine und mittlere Unternehmen. Janine

Heidenfelder vom BVK-Kurier hat mit Dr. Peter Güllmann, Leiter

des Bereichs Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierung bei der

NRW.Bank, über die Meilensteine und den VC-Markt gesprochen.

Güllmann verlässt zum August 2018 die NRW.Bank und widmet

sich neuen Aufgaben. Uns hat er erzählt, was er der Branche für die

Zukunft wünscht.

Welche Bilanz ziehen Sie?

In den zurückliegenden 15 Jahren

ist in NRW viel Positives passiert.

Die Beteiligungskapitalszene in

Nordrhein-Westfalen ist insgesamt

reifer und die Manager sind

professioneller geworden. Es ist

uns gelungen, Nordrhein Westfalen

im Bereich Beteiligungskapital

verstärkt in den Fokus der

deutschen und der europäischen

Öffentlichkeit zu rücken, so dass

viele Investoren sagen, in diesem

Land gibt es zahlreiche gute Investment-Opportunitäten.

NRW

ist heute ein Land, in dem keine

gute Gründung mehr am Kapital

scheitert. Wir haben eine vitale

Gründungsszenerie und wir haben

für diese Gründer die Kunden

von morgen im Mittelstand

und in der Industrie.

Welches waren die wichtigsten

Meilensteine und Erfolge der

NRW.Bank in dieser Zeit?

Wir haben als NRW.Bank Nordrhein-Westfalen

zu einem Land

mit einem großen Beteiligungskapitalmarkt

und einem leistungsfähigen

Venture Capital-

Markt in Deutschland entwickelt

und nachhaltige Strukturen im

nordrheinwestfälischen Beteiligungskapitalmarkt

etabliert.

Unsere Beteiligungsfonds und

unser Engagement im Bereich

drittgemanagter Fonds haben

viel zur positiven Entwicklung

eines nachhaltigen Beteiligungsökosystems

beigetragen. Mit

über 180 finanzierten Technologieunternehmen

haben wir einen

beachtlichen Track Record vorzuweisen.

Ein großer Erfolg ist

zudem, die Bereitschaft meiner

Bank, das Engagement im Bereich

Venture Capital um mehr

als 214 Mio. Euro in den nächsten

Jahren zu erhöhen und damit

das bisherige Engagement zu verdoppeln.

Erfolge haben wir aber nicht nur

im Bereich der strukturellen Weiterentwicklung

des Beteiligungskapitalmarktes

erzielt, sondern

auch durch beachtliche Exits.

Beispielhaft sind hier die Unternehmen

Direvo Industrial Biotechnology,

das E-Commerce-

Unternehmen Fashionette oder

die Biotec-Firma Rigontec zu

nennen.

Peter Güllmann verlässt im

August die NRW.Bank.

Als ehemaliger BVK-Vorstandssprecher

geht Ihr Blick auch

über die Grenzen von NRW hinaus.

Wie steht es um Venture

Capital in Deutschland?

Wir haben in den letzten Jahren

auch Dank des Engagements des

BVK einige Fortschritte im deutschen

Venture Capital-Markt

zu verzeichnen. Internationale

Fonds eröffnen in Deutschland

Büros, Deutschland ist zunehmend

im Fokus ausländischer Investoren.

Und auch die deutsche

Venture Szene hat sich deutlich

belebt. Gleichwohl ist der Markt

noch immer unterentwickelt,

die Bereitschaft institutioneller

Investoren, in diese Assetklasse

zu investieren, kaum vorhanden,

das Fundraising noch immer

eine große Herausforderung.

Für die zukünftige Entwicklung

des deutschen VC-Marktes wird

entscheidend sein, ob es gelingt,

dass institutionelle Investoren

wie Banken und Versicherungen

in die Assetklasse Venture Capital

investieren. Dies stellt besondere

Ansprüche an die Frage der Eigenkapitalunterlegung

dieser Investitionen

und erfordert andere

bankaufsichtsrechtliche Regelungen.

Hier wird auch die GroKo

gefordert sein, Rahmenbedingungen

zu verändern.

Was wünschen Sie der Beteili

gungskapitalbranche in

Deutsch land?

Mutige Investoren, gute Exits, eine

Regierung, die Tempo macht bei

der Gestaltung von Rahmenbedingungen

zugunsten einer vitalen

Venture Capital-Szenerie und

natürlich viele Start-ups, die sich

in Deutschland ansiedeln. (jh)

Herausforderung

Anschlussfinanzierung

Wachstumsfonds Bayern erhöht

Anziehungskraft für internationale

Investoren

Von Roman Huber, Bayern Kapital GmbH

Die deutsche Venture Capital-

Branche verzeichnet anhaltendes

Wachstum. Aktuelle Daten belegen,

dass sich deutsche Start-ups

etwa ein Viertel des Kapitals sicherten,

das in den ersten Monaten des

Jahres nach Europa geflossen ist.

Unterstützt wird diese Entwicklung

von unterschiedlichen Playern der

Venture Capital-Szene, auch von

staatlichen Fonds. Der bayerische

Wirtschaftsminister Franz Josef

Pschierer betrachtet das Bundesland

dabei als gut aufgestellt: „Die Gründerszene

in Bayern ist besonders aktiv

und engagiert sich nachhaltig. Für

die Finanzierung von Unternehmen

in Wachstumsphasen hat die Bayerische

Staatsregierung bereits 2014 den

Wachstumsfonds Bayern aufgelegt.

Wir prüfen jetzt, wie wir diese erfolgreiche

Maßnahme weiter stärken

können, um auch die Attraktivität

des Standorts für Investoren aus dem

Ausland zu erhöhen.“

Dass nicht ausschließlich frühe Finanzierungsphasen

im Fokus staatlicher

Fonds stehen können, liegt

Harald Rehberg ist Geschäftsführer

der CFH Management GmbH und

leitet den Wachstumsfonds Mittelstand

Sachsen. Er ist Experte für den

Frühphasenbereich wie auch den

Mittelstand und verfügt insbesondere

über Expertise in der strategischen

Wachstumsbegleitung von Unternehmen

und ebenso in der erfolgreichen

Restrukturierung von Beteiligungen.

Die Veränderungen im Markt erfordern

neue Strukturen. Hier kann

ein Private Equity-Unternehmen

wie Gimv hilfreich sein und als Katalysator

dienen, indem wir neben

Kapital spezifisches Branchenwissen,

betriebswirtschaftliche Expertise

(auch aus anderen Industriesegmenten)

und ein nationales wie

internationales Netzwerk einbringen.

Freilich mit der nötigen Sensibilität.

Der Mehrwert von Private

Equity im Gesundheitswesen ergibt

sich nicht aus der reinen Finanzauf

der Hand. Denn gerade bei Anschlussfinanzierungen

stehen expandierende

Unternehmen oftmals vor

großen Herausforderungen und äußerst

kapitalintensiven Entscheidungen.

Bei Later-Stage-Finanzierungsrunden

übernehmen deshalb neben

privaten Investoren auch staatliche

Sachsen hat Potential. Sachsen ist

vielfältig. Das spiegelt sich auch in

der Wirtschaft wider: Die Region

Dresden ist als Hochtechnologiestandort

v.a. in den Bereichen Mikroelektronik/IKT,

Life Science und

Nanotechnologie führend.

Im Südwesten – zwischen Chemnitz

und Zwickau – findet man eine traditionell

geprägte Industrie, die sich

bis weit ins Erzgebirge ausbreitet. Im

Leipziger Raum sind der Logistiksektor

und zukunftsweisende Branchen,

wie Automobilindustrie, Gesundheitswirtschaft

oder Energie-/

Umwelttechnik, vertreten.

Zu dieser Branchenvielfalt kommt die

spannende Mischung aus etablierten

Mittelständlern und einer kreativen

Start-up-Szene im gesamten Freistaat

hinzu. Es ist vermutlich ein Mix aus

Einfallsreichtum und Pragmatismus,

der die sächsische Wirtschaft erfolgreich

macht. Dank dieser Eigenschaften

– verbunden mit einer gewissen

Beharrlichkeit – konnten sich so viele

der Unternehmen nach der Wende

wieder eine gute Marktposition erarbeiten

bzw. mit neuen Ideen den

Markt erobern.

Fonds eine wichtige Rolle: Sie bringen

ihre Erfahrung und ihre Netzwerke

mit ein und erhöhen mit ihrem

Investment das Vertrauen in die

jeweiligen Unternehmen. Das motiviert

oft weitere, auch internationale

Investoren dazu, einzusteigen – oder

das Unternehmen auf ihre „Watchlist“

zu nehmen.

Der von Bayern Kapital gemanagte

Wachstumsfonds Bayern ist ein

Beispiel für ein erfolgreiches Instrument

staatlich geförderter Anschlussfinanzierung.

Aufgelegt mit

einem Volumen von 100 Mio. Euro

im Jahr 2014, zeigt der Fonds mit

seinen aktuell 15 Beteiligungen die

ganze Vielfalt junger, wachsender

Technologieunternehmen in Bayern.

Rund 37 Mio. Euro wurden bislang

bereitgestellt: Insgesamt konnten

mit Partnern und privaten, auch internationalen

Investoren rund 215

Mio. Euro für die Weiterentwicklung

bayerischer Technologieunternehmen

mobilisiert werden. Ein gutes

Fundament, auf dem der Wachstumsfonds

Bayern auch in den kommenden

Jahren aufbauen kann.

Der bayerische Wirtschaftsminister

Franz Josef Pschierer möchte den von

Bayern Kapital gemanagten Wachstumsfonds

Bayern weiter stärker und

damit den Standort auch für internationale

Investoren noch attraktiver

machen. ©STMWi

GASTBEITRAG

Sachsen bietet spannende Mischung

aus Mittelstand und Start-ups

Eigenkapitalpartner im Freistaat

Von Harald Rehberg, CFH Management GmbH

Die in Leipzig ansässige CFH Management

GmbH ist seit über 20 Jahren

Teil dieser dynamischen Entwicklung

in Sachsen. Der sächsische Mittelstand

zeichnet sich durch Veränderungsbereitschaft

und Innovation aus. Die CFH

begleitet die Unternehmen hierbei mit

Beteiligungsfonds, in denen sie öffentliche

und private Investoren in einem

privatwirtschaftlichen Modell vereint.

Mit den Fonds WMS (Wachstumsfonds

Mittelstand Sachsen) und TGFS

(Technologiergründerfonds Sachsen)

bietet sie Produkte zugeschnitten auf

die Bedürfnisse der Unternehmen vor

Ort an: Eigenkapital für anstehende

Nachfolgen und Wachstumsvorhaben

im Mittelstand sowie Kapital für

die technologieorientierte sächsische

Gründerszene. Eine Besonderheit ist

dabei hervorzuheben: Die Mittel stammen

vom Freistaat selbst sowie den

sächsischen Sparkassen getreu dem

Motto „Aus Sachsen. Für Sachsen.“

Die Fonds sind dabei renditeorientiert

ausgerichtet und werden gemeinsam

mit den Beteiligungsgesellschaften der

Sparkassen investiert. So ist gewährleistet,

dass die Portfoliounternehmen eng

mit einem Ansprechpartner vor Ort bei

ihren Vorhaben begleitet werden.

Lars Miethke ist Projektmanager bei Avascent mit Fokus auf europäische M&A-

Transaktionen.

Das wirtschaftliche Potenzial des

Weltraums, wachsende Verteidigungsbudgets

in Europa und volle

Auftragsbücher bei Flugzeugherstellern

versprechen ein weiteres

Rekordjahr für Fusionen und Übernahmen

in der Luft-, Raumfahrtund

Rüstungsindustrie.

Welcome to the business of certainty

Combining company

and patent information

for intellectual property

management and

strategy

275m

companies

Corporate

structures

Company M&A

deals and rumours

Doch trotz dieser Wachstumsperspektive

liegen die Bewertungen europäischer

Unternehmen oft deutlich

unter den ‚Multiples‘ nordamerikanischer

Transaktionen und sind damit

vergleichsweise günstig. Hinzu

kommt, dass außereuropäische Private

Equity-Firmen oft zögern, in Europa

zu investieren, da die hiesigen Arbeitsmarktregularien

und nationalen

Interessenlagen schwer zu durchdringen

sind für Außenstehende. Dies ist

eine Chance für europäische Private

Equity-Investoren.

Im Jahr 2017 war das US-amerikanische

Transaktionsvolumen in der Branche

gut vier bis fünf mal so hoch wie in

Europa. In der Liste der zehn größten

Transaktionen für 2017 fanden sich

nur zwei europäische Übernahmen –

Gemalto und Zodiac Aerospace. Doch

europäische Rüstungskonzerne versuchen

weiterhin Unternehmenssparten

auszugliedern und Technologieführer

110m

patents

185,000

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Rekordjahr für Fusionen und

Übernahmen

Private Equity-Perspektiven in der europäischen

Luft- & Raumfahrtindustrie

Von Lars Miethke, Avascent

zu akquirieren. Zudem verfolgen viele

Investoren den britischen Markt mit

großem Interesse, um im Rahmen

der Ungewissheit rund um den Brexit

günstige Übernahmen zu tätigen (z.B.

die von Melrose geplante Übernahme

von GKN).

Im Jahr 2018 ist mit weiteren Transaktionen

in der Zuliefererbranche der

Luftfahrtindustrie und auch in der

Rüstungsindustrie zu rechnen. Dieser

Trend stellt eine interessante Geschäftsmöglichkeit

für deutsche und

europäische Private Equity-Investoren

dar. Insbesondere ihr Verständnis

der politischen Gegebenheiten in Europa

ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil

als Investor in der Luft- und

Raumfahrtindustrie.

Kundenanforderungen, Programmlaufzeiten,

Staatshaushalte und Wettbewerbsfähigkeit

sind allesamt wichtige

Kriterien bei der Betrachtung

von Übernahmekandidaten. Als führende

Unternehmensberatung der

Luft- und Raumfahrtbranche unterstützt

Avascent jährlich mehr als

40 M&A-Transaktionen und berät

Private Equity-Investoren und Unternehmen

weltweit.

Gerade im Bereich Healthcare

Services werden wir in den kommenden

Jahren tiefgreifende strukturelle

Änderungen erleben. Der

Trend zur ambulanten Versorgung

und Therapie wird beispielsweise

durch ambulante OP-Zentren

zunehmen. Viele Bereiche werden

sich zu größeren Einheiten wie

etwa überregionalen Praxisketten

konsolidieren. Dazu wird eine neue

Generation von Ärzten und Medizinern

an den Start gehen, die diesen

Wandel aktiv unterstützt.

logik, wir schauen auch auf Qualität,

Prozesse und Stabilität.

Jeder Investor im Gesundheitswesen

muss sich mit dem hohen Grad an

Regulierung wohl fühlen, die aber aus

Sicht von Gimv auch als Qualitätssiegel

und Garant für Stabilität betrachtet

werden sollte.

Politik und Verbände sehen das Engagement

von Private Equity im

Speziellen und Veränderungen im

Gesundheitswesen im Allgemeinen

kritisch. So droht zurzeit die Einführung

eines Verbots für den Versandhandel

mit verschreibungspflichtigen

Medikamenten und die nötigen Voraussetzungen

für Digitalisierung und

Telemedizin werden nur unzureichend

geschaffen. Umgekehrt muss

aber auch die Beteiligungsbranche

offener die Vorteile von Private Equity

im Gesundheitswesen kommunizieren,

und zwar nicht nur die höhere

Wirtschaftlichkeit, sondern als

Instrument zur Professionalisierung

und Verbesserung der Qualität des

Systems als solches.

GASTBEITRAG

Strukturelle Veränderungen

machen Health & Care wieder attraktiv

Gesundheitswesen bietet Mehrwert

für Private Equity

Von Philipp von Hammerstein, Gimv

© Andrii IURLOV - Fotolia.com

Philipp von Hammerstein ist Partner

bei Gimv am Standort München. Die

europäische Investmentgesellschaft

Gimv ist aktuell an 50 Unternehmen

beteiligt, von denen sich 16 in ihrem

Health & Care-Portfolio befinden.

Die Spanne reicht von Frühphasenprojekten

in forschenden Bereichen

wie Biotech oder Medtech bis hin zu

klassischen Dienstleistungsunternehmen

im Segment Healthcare Services.

Als börsennotiertes Unternehmen

besitzt Gimv eine Evergreen-Struktur

und investiert mit unbegrenzten

Laufzeiten.


BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 12 BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin

Private Equity

Private Equity

13

GASTBEITRAG

GASTBEITRAG

GASTBEITRAG

Private Equity

zum Preis einer Aktie

Zugang für Privatanleger zu

PE-Anlagen

Von Susanne Zeidler, Deutsche Beteiligungs AG

Susanne Zeidler ist seit März 2013

Finanzvorstand der Deutschen Beteiligungs

AG (DBAG). Die DBAG ist

die älteste deutsche Beteiligungsgesellschaft

und seit 1985 börsennotiert.

Private Equity-Beteiligungen

gelten bei großen Kapitalsammelstellen

als Pflichtinvestment. Mit

gutem Grund: Private Equity (PE)

erzielt gegenüber anderen Eigenkapitalinvestments,

insbesondere

Aktieninvestments, oftmals eine

Überrendite. Intensiver als die Investmentmanager

einer PE-Gesellschaft

analysiert kaum jemand ein

Zielunternehmen, bevor er anderer

Leute Geld ausgibt. Es ist naheliegend,

dass eine sorgfältige Analyse

zu Beteiligungsbeginn die Grundlage

für den Investitionserfolg ist.

Strategische und operative Verbesserungen

werden ergänzt von einer

Corporate Governance, die losgelöst

vom Quartalsrhythmus des

Kapitalmarkts wirken kann. Auch

das steigert den Erfolg.

© Gajus - Fotolia.com

Was gut für Lebensversicherungen,

Pensionsfonds und große Staatsvermögen

ist, ist grundsätzlich auch Privatanlegern

zugänglich, und zwar an

der Börse. Einige PE-Gesellschaften

investieren aus zwei Kapitaltöpfen,

meist parallel in dieselben Unternehmen:

In geschlossenen Fonds verwalten

sie Mittel institutioneller Investoren,

mit börsennotierten Vehikeln

wenden sie sich an Privatanleger und

andere Investoren, die nicht in geschlossene

Fonds investieren können

oder dürfen, wie etwa deutsche Stiftungen.

Längst hat auch die Finanzindustrie

die Nachfrage erkannt und bietet

Fonds an, die in Aktien börsennotierter

Beteiligungsunternehmen investieren.

Manche Fonds orientieren

sich an Indizes auf Basis börsennotierter

PE-Gesellschaften. So beinhaltet

zum Beispiel der LPX Major

Market Index jene weltweit 25 größten

börsennotierten PE-Aktien,

die bestimmte Liquiditätsanforderungen

erfüllen. Der Index hat den

MSCI World-Index über drei sowie

über fünf Jahre geschlagen.

Private Equity initiiert und begleitet

Veränderungen in Unternehmen.

Sie sind dabei nicht auf den

kurzfristigen Erfolg aus. Wer seine

Anlageentscheidungen ebenfalls

auf Sicht mehrerer Jahre trifft, kann

über börsennotierte Private Equity-

Gesellschaften von diesem langfristigen

Ansatz profitieren – mit „Private

Equity zum Preis einer Aktie.“

Und zwar bei täglicher Handelsmöglichkeit

und nach international

anerkannten Transparenzstandards.

Dr. Nicolaus Loos ist Vorstand des

deutschen, Multi-Strategy Private

Debt Asset Managers Deutsche Credit

Capital Partners in Frankfurt am

Main. Er war zuvor als Vertriebschef

der IKB jahrelang in der Strukturierten

Unternehmensfinanzierung im

Mittelstand tätig.

Der bankendominierte deutsche

Finanzierungsmarkt unterliegt seit

Jahren signifikanten strukturellen

Veränderungen. Das Niedrig zinsumfeld,

die Bankenregulierung

und FinTechs fordern die Banken

heraus. Seit 2011 haben die Banken

mit über 630 Mrd. Euro ihre Bilanzsummen

deutlich reduziert und

risikogewichtete Aktiva abgebaut.

Das führte zwar insgesamt zu einer

Verbesserung der CET-I-Quoten,

aber viele Banken reagierten auch

mit beträchtlichen Einschränkungen

in der Kreditversorgung in bestimmten

Produkten.

Aufgrund dieser förderlichen Rahmenbedingungen

ist die Aktivität

von Kreditfonds in den letzten zwei

Jahren hierzulande enorm gewachsen.

Die Anzahl der durch Altium erfassten

Direct Lending Transaktionen

für Akquisitionen durch Finanzinvestoren

wuchs 2017 mit hierzulande

32 Transaktionen sogar deutlich

schneller als im gesamteuropäischen

Vergleich. Dabei sind die generell privaten

Transaktionen im Mittelstand

ohne die Beteiligung eines Finanzinvestors

noch nicht einmal erfasst.

Bei Mittelständlern stoßen die im

Vergleich zu Banken deutlich flexibleren

Finanzierungslösungen der Private

Debt-Branche auf ebenso große

Nachfrage wie bei Finanzinvestoren.

Hierbei interessieren sich nicht nur

kleinere Unternehmen ohne Kapitalmarktzugang

für die neuen Produkte,

auch der gehobene Mittelstand zeigt

zunehmend Interesse: Die Private

Debt-Manager bieten aufgrund steigender

Fondsgrößen mittlerweile regelmäßig

zwischen 100 bis 300 Mio.

Euro pro Transaktion an. Damit sind

die Kreditfonds eine sehr ernstzunehmende

Finanzierungsalternative

geworden.

Erleichterte Kreditvergabe für

Unternehmen

Trotz Niedrigzinsphase können

kleine und mittlere Unternehmen

(„KMU“) bisher keinen leichteren

Zugang zu Krediten verzeichnen.

Im Gegenteil: Vier von zehn deutschen

Unternehmen klagen darüber,

dass sie nicht mehr wie früher

mit Krediten versorgt werden.

Dies sind Ergebnisse des „creditshelf

Finanzierungsmonitors 2018“,

für welchen mit der TU Darmstadt

mehr als 100 Finanzentscheider aus

mittelständischen Unternehmen befragt

wurden. Die strengeren Eigenkapitalanforderungen

der Basel-III-

Regeln werfen zudem ihre Schatten

voraus. Danach müssen Banken die

Kredite entsprechend ihrem Ausfallrisiko

künftig mit mehr Eigenkapital

unterlegen, was zu einer Zurückhaltung

in der Kreditvergabe führt. Hier

setzen Fintech-Unternehmen wie creditshelf

an, die durch gezielten Einsatz

von Technologie in den Bereichen

Prozessunterstützung und Datenanalyse

die Vergabe von Krediten an KMU

erleichtern. Diese „Online Direct Lending“

– Finanzdienstleister besetzen

heute Marktnischen, welche Banken

oder alternative Spieler wie Debt-

Fonds ihnen überlassen. Für letztere

sind Einzelkredite unterhalb von zehn

Mio. Euro i.d.R. nicht wirtschaftlich:

Auch die institutionellen Investoren

haben sich der Private Debt-Branche

nach anfänglicher Skepsis geöffnet.

Das Interesse erreichte aufgrund des

Niedrigzinsumfeldes und schwacher

Renditen der Fixed Income Anlagen

im Jahr 2017 neue Höchststände.

Die Private Debt-Anlageklasse erwirtschaftet

seit Jahren bei gleichem

Anlagerisiko und geringer Volatilität

deutlich höhere Renditen, auch wenn

diese zuletzt aufgrund zunehmenden

Wettbewerbs der ca. 40 in Deutschland

aktiven Kreditfonds leicht unter

Druck kamen. Das positive Sentiment

unter den deutschen Investoren dürfte

sich jedoch auf absehbare Zeit halten.

Alle Anzeichen deuten somit darauf

hin, dass sich nach dem zügigen

Durchmarsch in England und Frankreich

nun auch der deutsche Finanzierungsmarkt

schnell an die neuen Spieler

im Markt gewöhnen darf. Einige

kluge Banken suchen bereits nach Kooperationsmöglichkeiten

mit Kreditfonds,

um gemeinsam und mit einer

breiteren Produktpalette anzutreten.

Für den mittelständischen CFO und

seine Bilanzmöglichkeiten sollten die

Kreditfonds definitiv als eine attraktive

Bereicherung gesehen werden.

Private Debt – Betriebsmittelfinanzierung aus dem Internet

Von Sebastian Seibold, creditshelf

Sebastian Seibold ist Leiter Business

Development. Creditshelf wurde 2014

am Finanzplatz Frankfurt gegründet

und ist der Pionier der digitalen Mittelstandsfinanzierung

in Deutschland.

Creditshelf vergibt über die eigene

Plattform Darlehen an mittelständische

Unternehmen mit bis zu fünf

Mio. Euro Finanzierungsvolumen

und bis zu 60 Monaten Laufzeit.

Private Debt im Mittelstand

auf dem Vormarsch

Kreditfonds als attraktive

Bereicherung

Von Dr. Nicolaus Loos, Deutsche Credit Capital Partners

GASTBEITRAG

Die Kosten einer Due Diligence und

das Verhandeln der komplexen Kreditverträge

bedürfen einer kritischen

Größe, um den Aufwand zu decken.

Kreditplattformen setzen dagegen auf

das Standardgeschäft und sind dabei

auf möglichst hohe Automatisierung

und Prozesseffizienz getrimmt. Die

meisten der Onlinekreditanbieter haben

Prozesse, die es ihnen erlauben,

Kreditentscheidungen innerhalb sehr

kurzer Zeit zu treffen und sind derart

effizient, dass sich Banken dieser bereits

bedienen. Als Investoren für die

Online-Unternehmenskredite fungieren

i.d.R. institutionelle Investoren,

die diese Anlageklasse im aktuellen

Zinsumfeld längst als Baustein für

ihre „asset allocation“ entdeckt haben.

In Deutschland unterliegt das

Kreditgeschäft allerdings strengen

regulatorischen Regeln, so dass sich

üblicherweise einer „Frontingbank“

bedient wird. Das Marktvolumen für

„Online Direct Lending“ in Europa

ist aktuell noch überschaubar, wächst

aber bereits rasant. Das Analysehaus

Liberum geht davon aus, dass bis zum

Jahr 2025 knapp zehn Prozent des gesamten

Kreditaufkommens an KMU

über Online-Plattformen finanziert

werden wird. Dies entspricht einer

Steigerung auf dann 90 Mrd. Euro

jährliches Neugeschäft.

Fundraising bleibt nach wie vor

eine Herausforderung in der EU.

So verfügen kleine Private Equity-

Fondsmanager, die lediglich registriert

sind und nicht über eine

Voll-Erlaubnis oder eine Zulassung

als sogenannter „EUVECA

Manager“ (spezielle Zulassung

für VC Manager) verfügen, über

sehr begrenzte Möglichkeiten des

grenzüberschreitenden Vertriebs.

Patricia Volhard ist Partnerin im Frankfurter und Londoner Büro von Debevoise

& Plimpton LLP und Mitglied der Praxisgruppe Investment Management. Sie ist

spezialisiert auf Fondsstrukturierung und Aufsichtsrecht. Frau Volhard ist eine

der führenden Anwältinnen im Bereich Private Equity-Fonds in Europa.

www.fas.ag

Accounting & Controlling

Finance Optimization

Corporate Finance

Business Services

www.fas.ag

Unsere Leistungen entlang des Investment Cycles:

Pre-Deal Phase - Akquisition

Due Diligence

Valuation

Post deal Phase - Die Ersten 100 Tage

Portfolio Reporting Readiness

Carve Out-Support

Exit

IPO-Vorbereitung

Vendor Due Diligence

In einigen Mitgliedstaaten ist der

Vertrieb gar ausgeschlossen.

Nicht in der EU ansässige Fondsmanager

sind für den Vertrieb ihrer

Produkte auf die nationalen Privatplatzierungsregeln

in den einzelnen

EU-Staaten angewiesen. Dies kann

je nach Zielland und Anzahl der

Zielländer ein erhebliches Hindernis

für den Vertriebsprozess darstellen.

Stuttgart · München · Düsseldorf · Frankfurt am Main · Leipzig · Berlin · Hamburg · Zürich · Wien

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„Pre-Marketing wird praktisch

unmöglich“

Neue Herausforderungen im Fundraising

Von Patricia Volhard, Debevoise & Plimpton LLP

Damit erscheint der EU-Vertriebspass

für in der EU ansässige Private

Equity-Manager der bisweilen einzig

verlässliche Weg des Vertriebs in Europa.

Leider hat die EU-Kommission

jüngst einen Richtlinienentwurf veröffentlicht,

der den Vertrieb auch

für EU-Manager zukünftig weiter

erschwert. Der Entwurf sieht vor,

dass „Marketing“ bereits dann vorliegen

soll, wenn das Fondsvehikel

gegründet ist, der Fondsname in der

Investorenansprache erwähnt wird

oder Vertragsdokumente, selbst wenn

noch in Entwurfsform, vorgelegt

werden. Dies hat zur Folge, dass be-

reits in einem sehr frühen Stadium

eine Marketing-Zulassung beantragt

werden muss, bevor die Fondsdokumentation

auch nur ansatzweise final

ist und überhaupt feststeht, ob Investoren

ein Interesse für das Produkt

haben. Eine vorherige Abstimmung

mit Investoren – wie sie gerade im

Private Equity-Bereich häufig üblich

ist – wird praktisch unmöglich.

Der Entwurf erfasst grundsätzlich nur

in der EU ansässige Manager, aber es

ist unwahrscheinlich, dass nicht mindestens

die gleichen Maßstäbe auch

für Drittstaatenmanager angewandt

Rekordjahr für Europa

Private Equity-Markt in Zahlen

2017 war für den europäischen

Private Equity-Markt

ein Rekordjahr. Nur in den

Jahren 2006 und 2007 wurden

vergleichbare bzw. höhere

Branchenzahlen erreicht. Die

Private Equity-Investitionen in

europäische Unternehmen erreichten

ein Zehn-Jahres-Hoch

von 72 Mrd. Euro und übertrafen

das Vorjahr um mehr als ein

Viertel.

Fast 7.000 Unternehmen wurden

im Jahresverlauf mit Beteiligungskapital

finanziert. 87 Prozent davon

waren kleine und mittlere

Unternehmen (KMU). Dabei erreichten

sowohl die Venture Capital-Investitionen

als auch Buy-Out

und Growth-Investitionen das

höchste Volumen im laufenden

Jahrzehnt.

Die größten nationalen Märkte

liegen in Frankreich und Benelux,

mit 27 Prozent der Investitionen,

vor Großbritannien und Irland

(26 Prozent) und der DACH-

Region (20 Prozent). Besonders

im Fokus der Beteiligungsgesellschaften

standen Unternehmen

aus den Bereichen Konsumgüter

und Verbraucherdienstleistungen

Investitionen in Europa und Fundraising

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© megakunstfoto - Fotolia.com

sowie Unternehmensprodukte

und -dienstleistungen, in die jeweils

rund ein Viertel der gesamten

Investitionen floss.

Das Fundraising der in Europa ansässigen

Beteiligungsgesellschaften

erreichte mit 92 Mrd. Euro sein

höchstes Niveau seit 2006 und lag

12 Prozent über dem Vorjahreswert.

Wichtigste Kapitalgeber für

neue Fonds waren Pensionsfonds,

die 29 Prozent der neuen Mittel

bereitstellten, Dachfonds (20 Prozent),

Family Offices und Privatpersonen

(15 Prozent), Staatsfonds

(9 Prozent) und Versicherungen (8

Prozent).

Investitionen in Mrd. Euro

Fundraising in Mrd. Euro

werden. Drittstaatenmanager müssten

damit vor Ansprache von Investoren,

und damit ohne zu wissen, ob ein

Interesse besteht, gleich in allen relevanten

Mitgliedstaaten eine Vertriebsanzeige

einreichen (einschließlich Bestellung

der Depotbank in Ländern

wie Deutschland und Dänemark).

Es bleibt zu hoffen, dass der EU-Gesetzgeber

die Bedenken der Industrie

ernst nimmt. Ziel sollte es sein, im

Lichte des Brexits Vertrieb innerhalb

der EU attraktiv zu machen, anstatt

die Komplexität zu erhöhen und damit

für alle weiter zu erschweren.

Die europäische Marktstatistik wird

ebenso wie die deutsche Statistik

mit der gemeinsamen, pan-europäischen

Plattform European Data

Cooperative (EDC) erstellt. Die

EDC ist ein gemeinsames Projekt

nahezu aller europäischen Private

Equity-Verbände und enthält Daten

von 3.000 europäischen Beteiligungsgesellschaften,

8.000 Fonds,

64.000 Portfoliounternehmen und

250.000 Transaktionen seit 2007.

Alle Beteiligungsgesellschaften sind

herzlich eingeladen, sich zu beteiligen,

um repräsentative und vergleichbare

europäische Marktdaten

für unsere Branche, Politik und Öffentlichkeit

zu sammeln. (ad)

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BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 14

Mittelstand

BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 15

Mittelstand

GASTBEITRAG

GASTBEITRAG

„20 Jahre Aufbauarbeit“

Was Finanzinvestoren mit ihren

Beteiligungsunternehmen verbindet

Von Mark Miller und Michael Moritz, CatCap GmbH

Mark Miller ist Gründer und Geschäftsführer

der CatCap GmbH.

Er studierte Wirtschaftswissenschaft

an der Uni Witten/Herdecke und an

der University of Texas in Austin. Er

war bei der Deutschen Bank und bei

Bertelsmann tätig. In 18 Jahren war

Miller an mehr als 150 Transaktionen

beteiligt.

Michael Moritz ist Gründer und Geschäftsführer

der CatCap GmbH. Er

absolvierte sein VWL Studium u.a. in

Freiburg, Köln und Bonn. Stationen

bei der Treuhandanstalt Berlin, Doertenbach

und Co. Frankfurt. Michael

Moritz war in 25 Jahren an insgesamt

über 200 erfolgreichen Transaktionen

beteiligt.

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Excellence in Investment Banking

for Entrepreneurs – unter dieser

Prämisse arbeiten wir für die erfolgreichen

Innovationsführer im

Mittelstand. Der Erfolg und die

Entwicklung dieser Unternehmen

werden maßgeblich vom erfolgsgetriebenen

und ambitionierten

Entrepreneur gestaltet.

Hier sind wir oft über Jahre – lange

vor der eigentlichen Transaktion –

vertrauensvoller Ansprechpartner

des Unternehmers. Er stellt uns die

Fragen, die ihn bewegen: Das ist

weit mehr als „Was ist mein Unternehmen

wert?“, sondern vielmehr:

Wie kann das Unternehmen seinen

erfolgreichen Weg weitergehen? Wie

kann ich meine Nachfolge vorbereiten?

Welche Rolle spiele ich nach der

Hereinnahme eines Investors? Wie

kann das Unternehmen seine Kultur

erhalten und weiterentwickeln? Welcher

Investor passt zu mir? Was kann

ich mit dem Investor mehr als alleine

erreichen?

Eine Management Präsentation dient

heute nicht mehr nur dem Kennenlernen

des Unternehmens, sondern

genauso dem Kennenlernen des Investors.

Exzellente Investoren zeigen

über ihre Fragen und Standpunkte,

dass sie das Unternehmen und den

Markt wirklich verstehen. Sie zeigen

ihr Interesse, indem sie eben nicht

nur ihre Investment Manager vorschicken,

sondern den Partner und

Gründer in der Pampa dabeihaben,

wo die Hidden Champions eben

sitzen. Erfolgreiche Unternehmer

arbeiten gerne mit erfolgreichen Unternehmern

zusammen. Gleich und

gleich gesellt sich gern.

Die Finanzinvestoren in Deutschland

verbindet nach rund 20 Jahren

Aufbauarbeit mehr mit ihren Beteiligungsfirmen,

als sie denken: Sie sind

nunmehr auch erfolgreiche Mittelständler,

müssen innovativ und lernfähig

sein und genauso die Unternehmensnachfolge

sicherstellen.

Wenn wir also als M&A-Berater für

Finanzinvestoren arbeiten, dann arbeiten

wir auch für Unternehmer.

Und damit gilt auch für unsere Arbeit

mit Finanzinvestoren der Anspruch:

Excellence in Investment Banking for

Entrepreneurs.

GASTBEITRAG

Kapitalüberhang wirft kaufmännische

Grundsätze über Bord

Ein Erfahrungsbericht

Von Ingrid Weil, FIDURA Private Equity Fonds

© alphaspirit - Fotolia.com

„Tech-Innovationen sichern

die Zukunft unserer Wirtschaft“

KKR sieht große Relevanz von Wachstumskapitalinvestitionen

Interview mit Christian Ollig und Dr. Lucian Schönefelder

Christian Ollig ist Managing Director

und Deutschlandchef von KKR. In

dieser Position war bzw. ist er verantwortlich

für die Investitionen in u.a.

Wild Flavors, Cognita, Hensoldt und

WMF.

Christian Ollig und Dr. Lucian

Schönefelder von KKR im Gespräch

über die Chancen technologischer

Entwicklungen und die

Relevanz von Wachstumskapitalinvestitionen.

KKR kennen wir in Europa vor allem

als klassischen Private Equity-

Dr. Lucian Schönefelder ist Member

bei KKR und Mitglied des europäischen

Technologie, Medien und Telekommunikations-Teams.

In dieser

Funktion ist er Board-Mitglied der

KKR-Beteiligungen Ivalua, Trainline,

Arago, Clicktale und Optimal+.

Fonds mit dem Schwerpunkt Mittelstand.

Zunehmend investieren

Sie auch in wachsende Technologieunternehmen.

Was steckt dahinter?

Christian Ollig: Der etablierte Mittelstand

und junge Technologieunternehmen

sind sich ähnlicher, als

man häufig annimmt. Gründer und

Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften

Eigentümer verbindet ihr Unternehmergeist.

Sie sind oft gleichermaßen

visionär und setzen auf Innovationen.

Vor allen Dingen sehen wir in

beiden Bereichen großes Wachstumspotential.

Das ist für unsere Investitionsentscheidungen

elementar. Beide

wollen wir zu digitalen Vorreitern

machen. Dafür bringen wir in der

Zusammenarbeit unsere Erfahrung

im Tech-Bereich ein.

Dr. Lucian Schönefelder: Wir sehen

momentan einmalige Chancen in

Europa, schnell wachsende Technologieunternehmen

bei ihrer globalen

Expansion zu unterstützen. Über

unseren Growth Equity Fund bieten

wir europäischen Software- und

Internet unternehmern die Möglichkeit,

bei ihrer Skalierung von KKRs

globaler Plattform zu profitieren.

In welchen Bereichen sehen Sie den

größten Hebel durch technologische

Innovationen?

Christian Ollig: Tech-Innovationen

sichern die Zukunft unserer Wirtschaft

– in allen Bereichen. Dabei ist

auch ihr gesellschaftlicher Mehrwert

besonders hervorzuheben.

Dr. Lucian Schönefelder: So gut wie

alle B2B-Bereiche stehen vor enormen

Umbrüchen. Insbesondere die

Themen Künstliche Intelligenz und

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© sdecoret - Fotolia.com

Blockchain bieten große Chancen.

Wir sehen hier momentan erst die

Spitze des Eisberges. Anbieter wie unsere

Portfoliounternehmen Darktrace

oder arago zeigen, wie groß die Nachfrage

an dieser Stelle jetzt schon ist.

Wie bewerten Sie das europäische

Tech-Ökosystem im internationalen

Vergleich?

Dr. Lucian Schönefelder: Die kulturelle

und die damit einhergehende

kreative Vielfalt an Talenten sind ein

entscheidender, wenn auch schwer

zu quantifizierender Vorteil des europäischen

Tech-Sektors. Wir sehen

gerade ein enormes Wachstum in

Tech Hubs wie Berlin, Paris und Tel

Aviv. Die Herausforder ung in Europa

ist die Skalierbarkeit in den lokalen

Märkten. KKR kann hier vor allem

bei einem erfolgreichen US-Einstieg

helfen.

Christian Ollig: Europas erfolgreiche

Unternehmer benötigen Unterstützung

bei der internationalen Skalierung.

An Early Stage-Finanzierung

mangelt es selten, aber für globales

Wachstum fehlen ihnen meist die

Ressourcen. Genau hier setzen wir an,

indem wir neben finanziellen Mitteln

Zugang zu unserem internationalen

Netzwerk und der lokalen Expertise

unserer Teams vor Ort bereitstellen.

Die regionale

Wirtschaft stärken

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften

unterstützen

kleine und mittlere Unternehmen

Von Janine Heidenfelder und Attila Dahmann

Value.

Made in Germany.

Wir wissen wie Innovations- und Technologieführer

des deutschsprachigen Marktes die Welt

von morgen prägen – sie sind unser Investitionsschwerpunkt.

Als unabhängige Technologieholding stehen

wir für erfolgreiche Expansionsfinanzierungen,

Buy-outs und Nachfolgelösungen.

Sprechen Sie uns an!

Ihr Team der BCM AG

T +49 (0) 69 20 43 40 90

info@bcm-ag.com

www.bcm-ag.com

Es ist nicht nur der Umstand, dass

Private Equity-Fonds mit hohen

Kaufpreisen für Portfoliounternehmen

zu kämpfen haben. Zähe

Diskussionen um Meilensteine,

Nachbesserungsklauseln oder Veräußerungspflichten

begleiten die

Finanzierungsrunden bereits in der

„Term-Sheet-Phase“.

Generell müssen die Beteiligungsverträge

wieder ausgewogener werden,

um das Totalverlustrisiko eines jeden

Investors so gut es eben geht zu minimieren.

Hierzu gehört auch die Möglichkeit

der wirksamen und schnellen

Einflussnahme bei Fehlentwicklungen,

aber auch der Missbrauchsschutz.

Das Phänomen dürfte vor allem den

Investoren bekannt sein, die in junge

Unternehmen investieren.

Obwohl die Gründerteams nach

Investoren mit unternehmerischer

Erfahrung und fachlicher Kompetenz

mit Netzwerk suchen, scheuen

sie fast jede, wenn auch sinnvolle

Einflussnahme auf das tägliche

Geschäft. Nicht selten bestehen die

Teams aus mehreren gleichberechtigten

Geschäftsführern oder Gründern,

die sich manchmal noch aus

dem Kindergarten kennen. Stellt ein

Investor bereits in der Vor-Due-Diligence-Phase

Schwächen oder Fehlbesetzung

fest, fehlt oft der berühmte

Schiffskapitän, der korrigierend entscheidet

und im Zweifel hart durchgreift

– auch gegen private Interessen.

Ewiglange Diskussionen, die

mangels unternehmerischer Erfahrung

zu keiner sinnvollen Entscheidungsfindung

führen können, sind

die Folge und die alten Seilschaften

sind wichtiger als der unternehmerische

Erfolg. Der schwierigste Punkt

überhaupt: Die Bereitschaft zur

Ergänzung der Geschäftsführung,

wenn nötig, die leider oft genug bereits

am Anfang einer Beteiligung

förderlich wäre und das Wachstum

beschleunigen würde.

Ist das erfahrene mit dem unerfahrenen

Kapital im Wettbewerb, entscheiden

sich die Teams bewusst

oder unbewusst viel zu oft für das

unerfahrene Kapital, um so wenig

Einfluss wie möglich zuzulassen.

Meilensteine werden weich formuliert,

übergroße Budgets genehmigt.

Nur ein früher Technologieverkauf

kann dann zu interessanten Renditen

führen. In den vielen Fällen entwickeln

sich die jungen Unternehmen

bestenfalls zu den Geldfässern ohne

Böden. Kaufmännische Grundsätze

werden über Bord geworfen. Denn

das Geld, das nicht selbst hart erarbeitet

werden muss, wird viel zu oft

leichtsinnig ausgegeben. Die Novellierung

des Insolvenzrechts kann

dann auch zur Bedrohung werden,

denn anders als vor 2012 können

die Gesellschafter (Investoren) extrem

leicht enteignet und durch neue,

bequemere Investoren ersetzt werden…

Ingrid Weil ist Geschäftsführerin

der AIF-KVG der FIDURA Private

Equity-Fonds, zuständig u.a. für die

interne und externe Kommunikation

der Fonds und für die Portfolio-

Entwicklung und Akquisition der Beteiligungen

im Bereich Biotechnologie

sowie Agrar/Food/Nutrition.

Mehr Freiräume für Innovation

und Wachstum

Jahr für Jahr finanzieren bis zu 600 mittelständische Unternehmen

ihre Zukunftsprojekte mit dem Beteiligungskapital der Mittelständischen

Beteiligungsgesellschaften (MBG’en). In jedem Bundesland ist

eine MBG aktiv. Insgesamt sind die MBG’en Partner von rund 3.000

Unternehmen in Deutschland und tragen – in der Regel mit stillen

Beteiligungen – zur Verbesserung der Bilanzrelationen von Existenzgründern

sowie mittelständischen Unternehmen bei. Der Unternehmer

bleibt dabei Herr im Haus. Mehr Informationen zu den MBG’en:

www.mbg-beteiligungskapital.de

Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften

sind Mitglied im Bundesverband

Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften

(BVK).

Unternehmensfinanzierung

ist eine Herausforderung, insbesondere

wenn vergleichsweise

geringe Beträge für kleine

bzw. mittlere oder junge Unternehmen

bereitgestellt werden

müssen.

Seit mehr als 40 Jahren sind die

Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften

(MBG‘en) als Anbieter

von stillen Beteiligungen

ein geeigneter Partner für diese

Unternehmen. Heute sind die

MBG’en in jedem Bundesland

aktiv und deutschlandweit an

rund 3.000 Unternehmen mit

knapp einer Mrd. Euro beteiligt.

Die von MBG’en finanzierten

Mittelständler beschäftigen

150.000 Mitarbeiter und weisen

einen Umsatz von mehr als 28

Mrd. Euro aus.

Allein im letzten Jahr haben sie

insgesamt 181 Mio. Euro in mehr

als 800 kleine und mittlere Unternehmen

investiert. Davon stammen

31 Mio. Euro aus Programmen,

die sie als Geschäftsbesorger

verwalten, wie zum Beispiel regionale

Beteiligungsfonds und das

Mikromezzanin-Programm des

Bundeswirtschaftsministeriums.

Als Institutionen der regionalen

Wirtschaftsförderung orientieren

sie sich gleichwohl an

wirtschaftlichen Kriterien und

sind gewinnorientiert ausgerichtet.

Ursprünglich als Finanzierungspartner

des klassischen

Mittelstandes gegründet,

investieren sie heute vor allem

Wachstums projekte und Unternehmensnachfolgen,

aber auch

in Start-ups und Gründungen.

Dabei tätigen die MBG‘en typischerweise

Investments zwischen

50.000 und einer Mio. Euro pro

Unternehmen, teilweise sind

aber auch Beteiligungen im höheren

einstelligen Millionenbereich

möglich.

Als flexibles Finanzierungsinstrument

werden stille Beteiligungen

nach den Bedürfnissen und Notwendigkeiten

der Unternehmen

ausgestaltet, bleiben dabei aber

immer nachrangig und langfristig

ausgelegt und werden daher

von Banken und Sparkassen als

wirtschaftliches Eigenkapital

eingestuft. Auch wenn die stillen

Beteiligungen mit offenen Minderheitsbeteiligungen

kombiniert

werden, bleibt der Unternehmer

„Herr im Hause.“


BVK-KURIER | 14. Juni 2018, Berlin 16

Panorama

Fußball-WM 2018

Wenn die Küche zum Wettbüro wird

Von Richard Elsner

Die Hände zittern, der Schweiß

tropft, der Blick ist fokussiert auf

das Blatt voller Zahlen und Buchstaben

in seiner Hand. Thomas

geht zielstrebig in die Küche seines

Büros, er ist nervös. Wochenlanges

lesen, analysieren und taktieren haben

nun ein Ende.

An der Magnetwand hängt ein A2-

großes, buntes Plakat voller Flaggen

und freier Flächen. Der langjährige

Mitarbeiter des Wirtschaftsverbandes

nimmt sich einen Stift und schreibt

– hektisch und viel zu groß. Zu lange

hat er auf diesen Moment gewartet:

exakt 4 Jahre! Ja, die Fußball-

© Maksim Pasko - Fotolia.com

Kreuzworträtsel

Horizontal

2: Location der Dinnerparty des

Eigenkapitaltages (2 Wörter)

4: Ausstieg eines Investors aus einer

Beteiligung

5: Nachname BVK-Geschäftsführerin

8: Erwerb einzelner Wirtschaftsgüter

eines Unternehmens (2 Wörter)

10: Neues Newsletter-Medium

des BVK

12: Anreizvergütung für

Gründer/Management durch

Beteiligungsgeber (2 Wörter)

13: Einzigartig erfolgreiches Start-up

17: Private Equity

21: Totaler Fehlschlag einer Beteiligung

22: Sitz der BVK-Geschäftsstelle

23: Return on Investment (Abk.)

24: Ein Unternehmen von der Börse

nehmen

Vertikal

1: Fremdkapital (engl.)

3: Anderer Ausdruck

Expansionskapital

6: Abk. Deutscher Eigenkapitaltag

7: Private Investment in Public

Equity (Abk.)

5

9: Investmentmöglichkeiten einer

Beteiligungsgesellschaft

11: Auszahlung des Kapitals anlässlich

Beteiligung (Plural)

14: Leveraged Buy-Out (Abk.)

15: Kombination aus MBI und MBO

16: Investitionsziel (engl.)

18: Kurzfristiges Investment mit

schnellem Exit

19: Einzahlungsverpflichtung

in einen Fonds durch einen

Investor

20: Wagniskapital (engl.) 24

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Weltmeisterschaft 2018 in Russland

steht an! Und das bedeutet in den

deutschen Büros: Es geht wieder los

mit dem (meist) fairen Konkurrenzkampf!

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Matthias schlendert entspannt in die

Küche des Verbandes, um sich seinen

morgendlichen Kaffee vorzubereiten,

als er erstaunt aufsieht: „Thomas, wieso

siehst du so nervös aus? Fehlen uns

noch Stimmen für die Mitgliederversammlung?“

Thomas scheint völlig

aus dem Konzept, irritiert schaut er

von der Wetttafel: „Nein! Wir müssen

heute unsere Tipps für die erste WM-

Runde bis 11 Uhr abgeben!“ Matthias

nickt zustimmend, lächelt, nimmt

Thomas den Stift aus der Hand und

tippt in Ruhe seine Ergebnisse. Matthias

ist die Art von Tipp-Mensch,

der am Anfang noch gespannt ist,

später dann regelrecht überzeugt werden

muss. Sehr nervenaufreibend für

Thomas, der möchte, dass alles nach

Plan läuft. Die Küchentür öffnet sich

und David tritt herein, ehemaliger

Fußball-Profi, heute im Dienste einer

Regionalliga-Mannschaft, er ist der

Kenner des Sports. Doch trotz seines

professionellen Wissens hat er bisher

nie gewonnen. Er stellt sich an die Tafel

und denkt laut: „Ah ja, also Australien

gegen Peru. 442 vs 4231…“ Dong

– ein lauter Schrei hallt durch das Büro-Gebäude:

„Ahhh! Das kann nicht

sein!“ Katrin, die verrückte Sekretärin

springt in die Küche: „Wie habt ihr so

schnell meine neue Telefonnummer

herausbekommen?“ Das Gelächter ist

groß. Katrin ist die letzte Ansprechpartnerin,

wenn es um Fußball geht.

Als alle die Küche verlassen, schreit

der verbissene Thomas: „Ey Katrin

– du hast deinen Weltmeister noch

nicht eingetragen!“ Katrin überlegt

kurz, antwortet aber im sicheren Tonfall:

„Italien!“ Würde es jemanden

überraschen, dass Katrin letztes Jahr

gewonnen hat? Nein, denn alle kennen

das ungeschriebene Gesetz: Jeder

hat die Chance Weltmeister – oder

besser Büromeister – zu werden.

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Onglet mit „Cafe de

Paris“-Butter

Geheimtipp für die Grillsaison

Von Richard Elsner

Wie, Sie haben noch nie vom

Onglet gehört? Das muss sich

ändern. In Frankreich und in

Amerika zählt das „Hanging

Tender“ bereits zu den Mainstream-Gerichten

der Grill-Verrückten.

Doch in Deutschland

ist der x-förmige Nierenzapfen

noch ein Geheimtipp.

Das Hanging Tender wird aus

dem Bauchbereich des Rindes

geschnitten. Genau genommen

handelt es sich bei diesem Cut um

den Stützmuskel des Zwerchfells.

Das Hanging Tender gehört zu

den Premiumcuts, was unter anderem

daran liegt, dass es dieses

Stück nur einmal pro Tier gibt.

Das Onglet ist das Paradebeispiel

dafür, dass das Rind mehr zu

bieten hat, als die gängigen Filet-

Stückchen.

Zutaten für 4-6 Personen

500g weiche Sauerrahmbutter

1 Knoblauchzehe

4 Zweige Rosmarin

8 Zweige Thymian

8 Stiele Petersilie

4 Stiele Estragon

5 Spritzer Worcestershiresauce

1 EL Kalbsglace (aus dem Glas)

Salz

Schwarzer Pfeffer

1 TL Zitronensaft

Pflanzenöl

2 gereifte Nierenzapfen

(Onglet/ Anging Tender

á ca. 600g)

Lösungswort

Butter mit dem Schneebesen weiß

schaumig aufschlagen. Knoblauch

fein hacken. Kräuter fein

schneiden. Worcestershiresauce,

Kalbsglace, Knoblauch, und

Kräuter in die Butter mischen.

Salz, Pfeffer und Zitronensaft

dazu geben. Buttermischung auf

das Backpapier legen, zu einer

Rolle formen und kalt stellen.

Jetzt beginnt das Grillen: Eine

Zone hoch erhitzen. Grillrost

und Fleisch mit Öl einreiben. Das

Onglet je Seite ca. drei bis fünf

Minuten scharf angrillen. Daraufhin

an den Grillrand schieben

für ca. 15 Minuten, damit sich die

Fleischfasern entspannen

Und schon kann serviert werden:

Vorher das Fleisch 2-3 Minuten

für starkes Branding auf die

hei-ße Zone legen – so sieht das

Onglet scharf aus. Nach Belieben

mit Salz und Pfeffer würzen. Die

Butter aus dem Kühlschrank holen

und in ca. zwei Zentimer große

Scheiben schneiden. Das Anging

Tender in ca. ein Zentimeter

dicke Tranchen teilen und mit

„Café de Paris“-Butter servieren.

Zubereitungszeit:

ca. 40 Minuten.

Wir wünschen guten Appetit und

eine erfolgreiche Grill-Saison!

Zu gewinnen gibt es eine private

Führung durch den Berliner Reichstag mit Blick

hinter die Kulissen und ein anschließendes Essen

im exklusiven Restaurant Käfer’s im Reichstag!

Der Termin wird in einer Sitzungswoche stattfinden,

damit sind Blicke auf die Minister garantiert!

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Wer das Lösungswort bis 31. Juli 2018 an bvk@bvkap.de per E-Mail schickt,

nimmt an der Verlosung teil.

Wir benachrichtigen Sie nach der Ziehung per E-Mail. Viel Glück!

© karepa - Fotolia.com

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