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Wilhelmshöhe Open - Turnier-Magazin 2018

44 Tim Pütz Tim Pütz:

44 Tim Pütz Tim Pütz: Ein starker Typ Als Tim Pütz zum ersten Mal in der Tenniswelt für Aufsehen sorgte, hatte er eher zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Das war im August des Jahres 2013, beim Qualifikationsturnier zu den US Open. Text: Jörg Allmeroth Fotos: Jürgen Hasenkopf Pütz hat sich zuletzt aber gehörig Respekt aus guten Gründen verschafft, als Doppel-Spezialist im deutschen Davis Cup-Team. Der Frankfurter Professional lebt und liebt den Nationenwettbewerb, der ihm die rare Chance zur Profilierung bietet – immer an der Seite seines Partners Jan-Lennard Struff. Pütz machte nicht das Spiel seines Lebens damals, er kassierte stattdessen die Niederlage seines Lebens. Im dritten, entscheidenden Satz der Partie gegen Landsmann Julian Reister gewann er keinen einzigen Punkt, es war sozusagen die XXL-Variante eines ohnehin schmerzlichen 0:6-Durchgangs. Normalerweise darf sich der Gewinner dann rühmen, einen „Golden Set“ gespielt zu haben, einen goldenen Satz. Aber Pütz bewies Selbstironie, der Mann auf der falschen Seite dieses Matchs nannte sich in sozialen Medien fortan „Golden Set Tim“. Drei Mal holten Pütz und Struff, schnell zum Tim-und- Struffi-Duo ernannt, schon außerordentlich wichtige Punkte für die DTB-Auswahl, einmal im Relegationsmatch in Portugal im vergangenen November. Und dann auch in der Auftaktpartie dieser Saison in Australien, beim überraschenden Erfolg in Brisbane und zuletzt im Viertelfinale gegen Spanien. Noch sind der Hesse und der Westfale beim gemeinsamen Auftritt ungeschlagen, und daran soll sich nach dem Willen der beiden Alliierten und von Teamchef Kohlmann nichts ändern: „Es ist schön, nach vielen Jahren ein Doppel zu haben, das sich blind versteht und so toll harmoniert“, sagt Kohlmann. Feste Größe im Davis-Cup-Team: Tim Pütz.

Tim Pütz & Jan-Lennard Struff 45 Z verev, Kohlschreiber, selbst Struff, sie sind alle bekannte Namen im Tourgeschäft der ATP. Pütz aber tritt eigentlich nur bei den Davis Cup-Partien in Erscheinung, sonst spielt sich sein Tennisleben eher auf den kleineren Bühnen der Challenger-Wettbewerbe ab. Der 30-jährige, aktuell die Nummer 303* in der Einzelund die Nummer 88* in der Doppel-Weltrangliste, steht so auch für das harte Leben im Nomadenbetrieb, für den Kampf ums tägliche Auskommen als Berufsspieler, für das Irgendwie-Durchschlagen, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Der Erfolg im Davis Cup, auch das Vertrauen, das er als Doppelspieler dort bei Kapitän Michael Kohlmann und Abteilungsleiter Boris Becker genießt – das ist auch eine versöhnliche Entwicklung nach dem Verletzungspech, das Pütz immer mal wieder frustrierend begleitet hatte. Oft war er an die Seitenlinie gezwungen, musste sich dann bei Comebacks energisch um den Anschluss ans Feld bemühen. Er schaffte es aber mit einer Unverdrossenheit und Flexibilität, die er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere bewies. Einer wie Teamchef Kohlmann denkt da auch an den Sommer 2014, in dem Pütz zum ersten Mal bei den Gerry Weber Open auf einem Rasenplatz gestanden hatte und schon bald darauf sensationell in Wimbledon drei Qualifikationsrunden und ein hartes Erstrundenmatch überstand. „Tim ist schon ein starker Typ“, sagt Kohlmann. Viel hätte allerdings nicht gefehlt, dann hätte Pütz schon 2012 seine Karriere beendet. Denn als er in jenem Jahr von „Ich war der Beste, der gerade nix zu tun hatte.“ seinem Volkswirtschaftsstudium im texanischen Auburn zurückkehrte, wollte Pütz in Frankfurt seinen Masters-Abschluss machen und mit dem fruchtlosen Herumgondeln in den Tennis-Niederungen aufhören. Doch weil die Universität ihn nicht annahm, machte Pütz einfach weiter, zunächst ohne große Ziele, ohne große Perspektive, ohne allzuviel Lohn für seinen Einsatz: Ab Platz 200 in der Weltrangliste ist und war das Tennisleben nicht sehr glamourös. Über Wasser halten konnte sich der aus der Not geborene Profispieler Pütz da nur mit Geld, das ihm die Eltern zusteckten. Als er seinerzeit in Halle, bei den Gerry Weber Open 2014, seine ersten Rasenstunden abspulte, kam es auch zu einer bemerkenswerten Begegnung mit einem gewissen Roger Federer. Dessen Trainer Severin Lüthi suchte einen Sparringspartner für den siebenmaligen Wimbledonsieger, und warum er an Pütz geriet, beschreibt der heute im Rückblick selbst mit trockenem Humor so: „Ich war der Beste, der gerade nix zu tun hatte.“ Zwei Stunden trainierten sie zusammen, der Superstar und der verhinderte Aussteiger, sprachen auch über Gott und die Welt, über Pütz´ Studium in den USA und seine merkwürdige Laufbahn. Irgendwie großartig und inspirierend sei es gewesen, so Pütz, und natürlich komplett irreal. Ähnlich emotionale, denkwürdige, erinnerungsträchtige Momente wünscht sich Pütz auch jetzt wieder, mit inzwischen 30 Jahren. Und mit seiner ungebrochenen Liebe zum Tennis. Der Frankfurter glaubt, dass das Ende seiner Geschichte noch längst nicht erzählt ist. Welche Kapitel gerade im Davis Cup da noch folgen werden? Das bleibt die spannende Frage. (*Stand: 15.5.2018) Text: Jörg Allmeroth Fotos: Jürgen Hasenkopf Tim & Struffiar Die Fans bei den Wilhelmshöhe Open kennen Tim Pütz übrigens gut von seinen Auftritten in Kassel, unter anderem im Viertelfinale 2010, das er nach harten Kampf gegen den späteren Turniersieger Farrukh Dustov verlor. Auch Jan-Lennard Struff (27) hat mehrmals bei den Wilhelmshöhe Open gespielt. Seit 2017 spielen „Tim & Struffi" als Doppel im Davis Cup für Deutschland. Zuletzt gewannen sie das dramatische Fünf-Satz-Spiel gegen Spanien.dWettbewerbsübergreifend (Davis Cup, Bundesliga, französische Liga, Challenger) sind sie seit 21 Partien ungeschlagen. (Stand: 15.5.2018)

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