VERITAS - Das Genussmagazin / Ausgabe - 24-2018

oberkircher

Das Kundenmagazin der Oberkircher Winzer

DAS GENUSSMAGAZIN

24 // 2018

Fleischsommelier

Fleisch ist Nummer eins!

Baumhaus

Detox für die Seele

Wein trifft ins Herz

Dessertweine

Die Kolumne von

Vincenzo De Biase

Europa-Park-Sommelier

Titelthema

GIPFELTREFFEN

WEINPROBE DE LUXE IM ZEICHEN DER BURG

DAS KUNDENMAGAZIN DER OBERKIRCHER WINZER

veritas-genuss.de


Liebe Weinfreundin,

lieber Weinfreund!

ielleicht ist Ihnen schon mal aufgefallen,

dass gefühlt über jeder zweiten Wanderund

Klettergeschichte der Titel „Der Berg

ruft“ steht. Diese Zeile geht auf Luis Trenker zurück, der ein

Drama am Matterhorn verfilmte. Wir hören auch einen Ruf,

und zwar von einer Burg, genau genommen der Schauenburg.

Das ist kein Drama. Diese vom Zahn der Zeit geformte

Festung steht immer noch wie eine Eins. Für uns ist sie

das Symbol schlechthin, sie thront über dem Tal und den

Weinbergen und sie ist aus dem Stein, der unserem Wein

quasi das Leben schwer macht. Da müssen die Wurzeln

durch! Aber genau dieser Granit sorgt auch dafür, dass der

Rebensaft zu einem exzellenten und delikaten Vergnügen

am Gaumen wird. Weine mit solch einer Basis und solch

einer (Steil-)Lage sind natürlich charakterstark. Sinnbildlich

für diesen steinigen Weg von der Traube auf die Flasche

klettert unser geschäftsführender Vorstand Markus Ell eine

Wand der Schauenburg hoch, wie Sie auf dem von Jigal

Fichtner fotografierten Titelbild sehen können. Jeder hat

etwas, das ihn antreibt. Bei uns sind das natürlich Qualität

und das Gipfelglück, das man am besten mit dem richtigen

Glas (siehe Wein-ABC, Seite 18) oder an einem ganz besonderen

Ort (siehe Baumhaushotel, Seite 16) genießt. Wir haben

die Schauenburg auserkoren, um Sommeliers aus der

Region Gelegenheit zu geben, sich bei einem guten Tropfen

auszutauschen. Das wäre ungefähr so, als würden Pep

Guardiola, Josef „Jupp“ Heynckes, Jürgen Klopp und

Arsène Wenger bei Bier und Brezel zusammenhocken, um

über Spieler und Spieltaktik zu philosophieren. So ungefähr

war es, als Bruno E. Craveiro, Vincenzo De Biase, Christian

Hofmann und Christophe Meyer sich trafen und wir „Mäuschen

spielen“ durften und das eine und das andere über

Weine und Weinbau für Sie notierten. Was haben wir dabei

gelernt? Ein guter Tropfen will geteilt werden, dann

schmeckt er doppelt so gut. Und: Neugierde lohnt sich immer,

es gibt so viel Gutes in der Weinwelt zu entdecken.

Manches liegt in der Ferne, manches ganz in der Nähe ...

Waren Sie schon mal auf der Schauenburg? Hören Sie

genau hin, es ist nicht der Berg, der ruft, manchmal ruft

auch die Burg. Und ganz wichtig, Picknickdecke, Vesperkorb

mit heimischen Spezialitäten, Holzofenbrot und natürlich

ein gutes Fläschchen Wein oder zwei nicht vergessen.

Hallo Sommer, jetzt aber raus an die frische Luft! Wir wünschen

Ihnen eine gute Zeit!

Herzlichst

Ihr VERITAS-Team

VORWORT

Geht aufs Ganze: der Geschäftsführer der Oberkircher Winzer,

Markus Ell, beim Titel-Shooting mit Rafael Yupanqui und Jigal Fichtner.

INHALT

In Wahrheit schön »SEITE 6

Titelgeschichte »SEITE 8

Fleischsommelier »SEITE 12

Leibspeise »SEITE 14

Baumhaushotel »SEITE 16

Wein-ABC »SEITE 18

Kolumne »SEITE 19

Weinbekenntnisse von Europa-Park-Sommelier Vincenzo De Biase »SEITE 20

Gewinnspiel »SEITE 21

Termine & Kalender »SEITE 22

Unterhaltung »SEITE 23

IMPRESSUM:

Herausgeber: Oberkircher Winzer eG I Postanschrift Redaktion: YUPANQUI, Hauptstraße 57, 77652 Offenburg I Chefredakteur (v. i. S. d. P.): Rafael Yupanqui

Redaktion: Pascal Cames I Artdirektion: Jule Stiefelhagen I Fotos: Jigal Fichtner I Produktion: YUPANQUI GmbH, Offenburg I Anzeigenleitung: Martin Benz

Druck: B&K Offsetdruck GmbH, Gutenbergstraße 4–10, 77833 Ottersweier I Auflage: 16.000

Bei dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Markus Ell, Martin Benz, Rafael Yupanqui, Jule Stiefelhagen, Isabell Müller, Pascal Cames, Jigal Fichtner I

VERITAS im Abo: Heftbestellung: 0 78 02 / 9 25 80

Titelbild: Jigal Fichtner – herrfichtner.de


Wie wird der Jahrgang 2018? Das steht natürlich noch in den Sternen, aber ein

bisschen Vorausschau ist schon möglich. Gemeinsam mit den Winzern Rosemarie

und Herbert Haas begutachtet Qualitätsmanager Frank Männle (Mitte) die Rebblüte

und die jungen Trauben. Ort des Geschehens ist der Holdersberg in Ödsbach.

Könnte das ein Kabinett oder ein Vinum Nobile werden?

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Genussvoll

BERATEN

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IN WAHRHEIT SCHÖN

»Wo alles

schwimmt«

wanderungen!

NATURERLEBNIS-

BAD OTTENHÖFEN

Das Naturerlebnisbad

Ottenhöfen wird mit

Schwarzwälder Trinkwasser

gespeist und

ermöglicht durch die

biologische Regeneration

einen erfrischenden,

chlorfreien Badegenuss.

Das landschaftlich harmonisch gelegene Naturbad mit separatem

Planschbecken für Kleinkinder, Nichtschwimmerbecken

mit Wassergrotte und 51 m langer Rafting-Rutsche, 33,33 m

langem Schwimmerbecken und angeschlossenem Sprungbecken

mit einer Tiefe von 3,80 m bietet nicht nur Entspannung,

sondern auch jede Menge Spaß für alle Altersgruppen.

Dazu trägt auch das kulinarische Angebot des Kiosks bei.

Naturerlebnisbad in Ottenhöfen, Hasenwaldstraße,

täglich geöffnet von 9 bis 20 Uhr (Sommerferien),

Eintritt: Erwachsene 3,50 Euro, Kinder 2 Euro

»Süß, süffig,

heimisch«

»Hübsch, handlich

und exotisch«

SONNENSCHIRM

Sonnenschutz ist das Gebot der Stunde.

Warum aber immer Creme und nie einen

Schirm? Vielleicht, weil es in Europa

keine Tradition hat. Dabei sind Sonnenschirme

hübsch und – logisch – handlich.

Aus Japan stammen die sogenannten

Wagasa und Higasa, mit

denen sich die Trägerin vor

der Sonne schützte, denn das

gängige Schönheitsideal war

eine vornehme Blässe. Zudem

diente der Schirm auch als

Schmuckstück. Beide Qualitäten

sind immer noch zeitgemäß.

Sehr empfehlenswert bei Wein-

Wagasa, japanischer Schirm, ab 10 Euro,

erhältlich unter: www.japanwelt.de

»Wie alles

begann ...«

Foto: www.japanwelt.de

COCKTAIL-BUCH

Warum in die Ferne schweifen und in

Sachen Cocktails auswärts spielen?

Gute Frage, denn die süffigen Longdrinks

und Cocktails lassen sich

auch zu Hause mischen, weiß der

Australier Ed Loveday. Mit dem

liebevoll illustrierten „Cocktail

Garten“ gibt es 99 Rezepturen für

alles, was Mutter Natur an süßen

Früchtchen und sogar Gemüse

bereithält. Granatapfel-Highball

oder ein Flamingo Pitcher mit Erdbeeren sind wirklich ein

Argument für ein Home Sweet Home mit Gartenparty.

Heimvorteil Garten, oder?

Ed Loveday: Cocktail Garten – 99 coole Drinks mit Obst

und Gemüse der Saison, Gerstenberg Verlag, 20 Euro

KLINGELBERGER 1782

1782. Das ist die magische Zahl für alle

Weinfreunde. Just in jenem Jahr wurde erstmals

ein Riesling in der Ortenau sortenrein

angebaut. Der Mundwein des Großherzogs

von Baden ist heute auch als „Klingelberger“

bekannt und gehört zur nördlichen Ortenau

wie die Schauenburg nach Oberkirch. Mit dem

Label 1782 zeigen Ortenaus Weinproduzenten

Flagge in Sachen Tradition: alte Rebe, Steillage,

Handlese, trocken ausgebaut und jede erdenkliche

Sorgfalt. Wen wundert’s, dass dieser

gute Tropfen gleich mehrfach ausgezeichnet

wurde? www.klingelberger1782.de

Collection Oberkirch, Riesling,

Klingelberger 1782, Spätlese trocken,

www.oberkircher-winzer.de

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»Wie im Kino«

EISKALT VERFÜHRT: SLUSHY MIT

SCHEUREBE, ROSÉ ODER FREISTERN

Was gehört zu einem tollen Kinoabend? Für viele

ist es Popcorn, Limo oder ein fruchtiges

Slush-Eis. Zum Kino gehören aber auch

Fantasie und Träume. Ins Träumen und

Fantasieren kamen die Oberkircher

Winzer, nachdem sie vergangenes Jahr

ihr Cocktailbuch vorgestellt hatten.

Das wurde ein richtig schöner Erfolg,

denn warum immer mit harten Sachen

Drinks und Cocktails mixen? Wein hat

auch was, vor allem feinere Noten und

nicht so viele Umdrehungen. Nach dem

„Frozen Weincocktail“ kam

die Idee für die „WeinSlushy“.

Als Projekt-Chef wurde Markus

Obrecht auserkoren, der einen Slush-

Verleiher als guten Partner fand, der

genauso von der Idee begeistert war.

Es muss ja nicht immer Zitrone sein!

Die Frage war nur, mit welchem Wein?

Da Kälte die Aromen im Wein dimmt,

musste ein Rebensaft gefunden werden,

der von Natur aus etwas mehr

von allem hat. Gesucht und gefunden

wurden die Scheurebe und ein Rosé.

Bekanntlich funktioniert ein Cocktail

wie eine gute Hollywood-Romanze, wo vieles zusammenkommt

und zum Schluss ein wunderbares Happy

End wartet. Aber mit wem können Scheurebe und Rosé

vermählt werden? Nach einer längeren Entwicklungsphase

stellte sich heraus, dass zur Scheurebe Maracuja

passt und der

Traumpartner

für den Rosé Grenadine ist. So

weit, so gut. Die nächste Idee

war ein Slushy ohne Alkohol.

Mit dem Oberkircher Traubensaft-Secco

Freistern hatte man

den richtigen Prickler dafür

gefunden.

Bei der Entwicklungsphase

ging es aber nicht nur ums Aroma,

sondern auch um die Konsistenz.

Pünktlich zum Sommer 2018 ist

es geschafft, das Gemisch aus Wein,

Säften und Eis ist cremig und geschmeidig.

Das passt zur Gartenparty,

als Dessert oder auch to

go“, weiß Markus Obrecht.

Den Livetest hat der Slushy übrigens

schon bestanden, 120 Gäste

probierten sich im Vinotorium durchs

Programm. „Ganz großes Kino“, lautete die Reaktion.

Mittlerweile werden schon zwölf Slushys in der

Outdoor-Gastronomie angeboten und sechs weitere

können bei den Oberkircher Winzern ausgeliehen

werden. (Die haben auch das Patent darauf!) Würde man

diese unglaubliche Story verfilmen, dann unter dem Titel

„Die eiskalte Weinverführung“. Über eines darf aber noch

gerätselt werden. Ist ein Slushy ein Getränk oder ein

Sorbet? Manche Rätsel lassen sich nur in der Praxis

lösen, zum Beispiel bei der nächsten Gartenparty.

Wer hat’s gesehen?

SO IST ES RICHTIG

In unserer letzten Ausgabe haben wir den „König von der Steillage“ vorgestellt, gemeint war natürlich König

Riesling und nicht ein PINOT BLANC, wie wir groß in der Überschrift schrieben. Wir bitten Sie, diesen redaktionellen

„Weinfehler“ zu entschuldigen, und danken allen aufmerksamen Lesern.

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TITELGESCHICHTE

Der Weingipfel im

Zeichen der Burg

WEINPROBE DE LUXE: VIER SPITZEN-SOMMELIERS

PROBIEREN IHRE LIEBLINGSWEINE IM ZEICHEN DER BURG

Treffen sich vier Sommeliers ... Da muss man nicht lange raten, worüber diese vier Herren

sprechen werden. Natürlich geht es um Wein, aber auch um Böden, Klima, Weingeschichte

und Lagerung. Bruno E. Craveiro, Vincenzo De Biase, Christian Hofmann und Christophe

Meyer sind auf Einladung der Oberkircher Winzer auf der Schauenburg. Normalerweise ist

es andersherum, erzählt der Geschäftsführer der Oberkircher Winzer, Markus Ell. Mehrmals

im Jahr besuchen seine Kollegen vom Außendienst die Sommeliers, um neue Tropfen

vorzustellen. Was haben die Sommeliers dabei?

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Die von den Zähringern gegründete Schauenburg

zählt zu den schönsten Burgen der Ortenau

und dominiert das Oberkircher Weinland.

Mit Blick aufs Straßburger Münster

unterhalten sich die vier Herren angeregt. Normalerweise

würden sie zu dieser Uhrzeit im Weinkeller sein,

vielleicht den Staub vom Etikett eines lang gelagerten

Roten pusten, würden die Bestände zählen, mit Sicherheit

sehr viel telefonieren und die Weinkarte schreiben.

Jeder von ihnen hat ein paar Hundert Posten zu betreuen.

Das ist der Beste“, sagt einer. Wer oder was ist der Beste?

Die Vögel zwitschern ihre Lieder, aber eine Flasche Champagner,

die gerade geöffnet wird, klingt auch wie Musik.

Christophe Meyer eröffnet den Reigen exzellenter Tropfen.

Einen Lieblingswein gibt es nicht, sagt er, aber man

hat ein Faible für das eine oder andere. Seine Liebe zum

Champagner der Kellerei Salon begann vor ungefähr

20 Jahren. Meyer holt ein bisschen aus und berichtet,

dass die Kellerei vor 100 Jahren dazu überging, ihre

Schaumweine nur aus einer Traube herzustellen. Bekanntlich

sind Champagner immer Cuvées (Mischungen),

die, wenn möglich immer gleich schmecken, oder zumindest

annähernd. „Ein toller Aperitif!“, sagt der Dollenberg-Sommelier

und nimmt einen genussvollen Schluck

vom Salon brut 2006. Vincenzo De Biase und Bruno E.

Craveiro schwärmen von der Frische, Christian

Hofmann schmeckt etwas Brioche und lobt das Cremige

am Gaumen, Christophe Meyer entdeckt noch eine

„nussige Note“. Wäre das innere Schnalzen jetzt laut zu

hören, am blauen Himmel über Oberkirch hätte man jetzt

das Geräusch einer Concorde, die gerade die Schallmauer

durchbricht.

Aber weiter geht’s, die Flasche wird nicht geleert, Bruno E.

Craveiro ist dran. „Aus der Star-Liga“, macht der Brasilianer

neugierig und schenkt einen Chardonnay von Fritz

Wassmer ein. Man nimmt in Augenschein, schwenkt die

Gläser, probiert, trinkt und kaut. Genussvolle Töne sind

zu hören, der schmeckt. Bruno E. Craveiro berichtet, dass

dieser Tropfen 10 bis 12 Monate im Barrique lagerte

und dass der Winzer Fritz Wassmer ein ganz ambitionierter

ist. „Der will der deutsche Romanée-Conti (berühmte

Weinlage im Burgund) werden.“

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IN TITELGESCHICHTE

WAHRHEIT SCHÖN

Vincenzo De Biase sagt nickend „Röstaromen“ und spürt

Energie im Wein. Christian Hofmann findet ihn kernig am

Gaumen. Bruno E. Craveiro erzählt, dass er den Chardonnay

einmal sechs Tage offen stehen ließ und der Wein danach

immer noch gut war. „Das Holz passt gut“, findet der

Brasilianer, „das muss ja nicht immer passen.“

Womit wir beim Thema wären, denn mit Barrique geht es weiter,

Vincenzo De Biase stellt einen „fantastisch guten Wein“

aus dem Piemont vor. Der Barolo besteht aus 100 Prozent

Nebiolo, lag 18 Monate im Barrique, trotzdem sind seine

Tannine nicht aggressiv. Der Euro-Park-Sommelier ist

sich sicher, dass er nach zwei Stunden an der Luft noch

weicher wäre. „Der ist jugendlich“, findet Bruno E. Craveiro.

Meyer reibt den Daumen auf Zeige- und Mittelfinger vor seiner

Nase und lässt die anderen an seinem Empfinden teilhaben.

Thymian, Lavendel und andere Kräuter riecht er

jetzt. „Wie eine Mittelmeerküste!“ Der Elsässer ist glücklich,

das sieht man jetzt. Der ist auch noch in zehn Jahren

gut, weiß De Biase. Jemand bringt das Thema Tiramisu

ins Spiel, ja, das würde gut passen. „Der ist eine gute

Fortführung“, sagt Christian Hofmann und schenkt einen

Rotwein von seinem Lieblingswinzer Salwey aus Oberrotweil

im Kaiserstuhl ein. „Der zählt zu den Divas“, sagt

er und man weiß nicht, meint er jetzt den Wein oder den

Winzer? Der macht es nämlich anders als die anderen,

belässt die Stiele an den Trauben, die also nicht entrappt

werden, wie es in der Fachsprache heißt. Jeder Jahrgang

wird anders, sagt Hofmann. Die Neugierde ist maximal geweckt.

Craveiro entdeckt in der Nase Gemeinsamkeiten

mit dem Barolo, aber am Gaumen ist er ganz anders. „Das

ist eine Rarität“, sagt Craveiro. Ein „ganz großes Gewächs“

(Craveiro) wie dieses würde jeder der vier gerne lagern,

aber oft ist die Menge zu klein, die in den Handel kommt,

und manchmal hat man Liebhaber, die diesen Wein austrinken.

Weg ist weg. Für Restaurantbesitzer ist das natürlich

ein Glücksfall, wenn Tropfen dieser Preisklasse getrunken

werden. Aber wie man an den Mienen ablesen kann, werden

Sommeliers traurig, wenn ihre Schätze den Keller verlassen.

„Ich kaufe solche Weine und lege zwei Kisten in eine Ecke

im Keller und erzähle niemandem davon“, bekennt Craveiro.

„Ich auch“, sagt Meyer. Wenn das der Chef wüsste ...

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Christophe Meyer

Christian Hofmann

Christophe Meyer (40) stammt ursprünglich aus

Straßburg und lebt und arbeitet in der Ortenau.

Der Sommelier des Relais & Châteaux Hotels

Dollenberg gehört zu Deutschlands Besten, aktuell

wurde seine Weinkarte in der Zeitschrift

Vinum mit einem dritten Platz ausgezeichnet.

CHAMPAGNER BRUT 2006, SALON

Der Sommelier des Elztalhotels, Christian Hofmann

(39), sieht sich als Genussmanager. In seiner Ausbildung

zum Sommelier lernte er in seinem Partnerbetrieb

Salwey den ganzen Zyklus des Weinbaus

kennen. Hofmann liebt badische Weine, sein Weinkeller

ist gut damit bestückt.

Bruno E. Craveiro

SPÄTBURGUNDER 2009, KIRCHBERG RAPPEN, SALWEY

Vincenzo De Biase

Der gebürtige Brasilianer Bruno E. Craveiro (37)

kam mit sieben Jahren in die Pfalz und machte

dort als Jugendlicher erste Erfahrungen im

Weinbau. Nach der Bühlerhöhe und anderen

Top-Restaurants ist er jetzt im Erbprinzen in

Ettlingen für Weinkarte und Weinkeller verantwortlich.

CHARDONNAY 2015, FRITZ WASSMER

Vincenzo De Biase (52) war der erste Sommelier

in einem Freizeitpark. Der Süditaliener wurde

2016 vom Restaurantführer „Schlemmer Atlas“

unter die 50 besten Sommeliers der Republik

gewählt. Der polyglotte De Biase ist zudem

Kolumnist für VERITAS. Sein Motto: Probieren Sie!

BAROLO 2012, PAOLO CONTERNO

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FLEISCHSOMMELIER

„ICH BIN FROH, DASS SICH DIE

LEUTE GEDANKEN DARÜBER

MACHEN, WIE MAN ISST UND

WAS MAN ISST. DA STELLE

ICH EINE GRÖSSERE WERT-

SCHÄTZUNG FEST.“

Jochen Bohnert, Fleischsommelier

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Altes Handwerk,

neue Schnitte

FLEISCHSOMMELIER: JOCHEN BOHNERT IST METZGERMEISTER UND GENUSSHANDWERKER

Ein Metzger mit schwarzer Schürze und Vollbart. So stellt man sich den trendigen „Lifestyle

Butcher“ in einem Berliner Kiez vor. Jochen Bohnert lebt aber nicht die coole Attitüde,

sondern erzählt in einem gemütlichen Badisch von alten und neuen Köstlichkeiten für Grill

und Pfanne. Das macht ganz schön Appetit.

Natürlich hat er das schon zigmal gemacht, vielleicht

sogar schon tausendfach, aber trotzdem

ist es ein Highlight der Metzgerskunst. Jochen

Bohnert (45) säubert mit der dünnen Klinge das

Fleisch von Haut und Fett, „muss sein“, sagt er dabei. Danach

schneidet er das Fleisch wie eine Tasche auf und pariert die

dünne Sehne, die mittendrin durchläuft. Auch die muss weg.

Beim Kochen würde die Sehne weich werden, sagt er, aber

dieses Stück Fleisch kommt in keinen Sud, sondern in die

Pfanne oder auf den Grill. Mit Handwerkskunst, dem

Gewusst-wie und Zeit macht er aus einem Sauerbraten ein

Steak. Wow!

Jochen Bohnert ist eine imposante Gestalt. Der Hüne mit

dem Vollbart ist in der dritten Generation Metzger, vor ungefähr

25 Jahren hat er seinen Meister gemacht. So weit,

so gut, dann packten ihn die Neugier und auch der Ehrgeiz.

Vor zwei Jahren nahm er in Augsburg an einem Kurs zum

Fleischsommelier teil. Nuancen, Kleinigkeiten hätte man

dort vermittelt, Wissen über Tierrassen, deren Aufzucht,

Nahrung, Schlachtung und darüber, wie man ein Tier zerlegt.

Das wird überall anders gemacht, die Deutschen und die

Österreicher haben ihre ganz eigene Tradition, genauso

wie die Franzosen, Engländer oder Amerikaner. Bei uns ist

Wursten das Thema Nummer eins, weiß Bohnert, in anderen

Ländern steht das Fleisch im Mittelpunkt.

Jochen Bohnerts Fleisch- und Wursttheke hat sich merklich

verändert. Zwischen Schnitzel, Rumpsteaks und Entrecôte

liegen Kacheln, Cuscino und das Flat Iron genannte Schaufelstück.

Bislang hätte man diese Stücke aus Unwissenheit

verwurstet, jetzt eben nicht mehr, zur Freude der Kundschaft.

Mit dem neuen Titel „Genusswerkstatt“ ist auch ein

neuer Geist eingezogen, das Angebot wurde konzentriert,

die Theke neu gestaltet und mit dem goldenen Stierkopf

vom Künstler Ottmar Hörl auch ein Zeichen gesetzt für den

Wechsel.

Dem Oberkircher Genusshandwerker geht’s dabei prächtig.

Spricht man ihn an, dann schwärmt er von den Delikatessen

in seiner Auslage und auch von seiner Kundschaft. Da hat

sich etwas im Zeitgeist verändert, beobachtet er. „Ich bin

froh, dass sich die Leute Gedanken darüber machen, wie

man isst und was man isst. Da stelle ich eine größere Wertschätzung

fest.“ Zur Wertschätzung trägt auch bei, dass er

seine Steaks nicht nur 21 Tage reifen lässt, sondern volle

fünf Wochen. Und dass er dafür nicht das Fleisch von Jungbullen

nimmt, sondern von Färsen und Ochsen. „Nuancen“

wie diese machen den geschmacklichen Unterschied!

Bohnert – Die Genusswerkstatt

Kirchplatz 4, Oberkirch, Tel. 0 78 0 2 /46 73

www.metzgerei-bohnert.de

www.facebook.com/BohnertDieGenusswerkstatt

3 TIPPS FÜR GRILLER

120 bis 130 Grad sind eine gute Grilltemperatur,

gilt auch für die Pfanne.

Steaks lassen sich Sous-vide vorgaren, das Branding

mit den typischen Röstaromen bekommen

sie auf dem Grill.

Merguez, Grillwürste und Bauchspeck nicht

zu lange auf dem Rost trocken grillen.

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LEIBSPEISE

Text: Pascal Cames Foto: Jigal Fichtner

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Wir sitzen

mitten im Wein

SO SÜSS: JOACHIM MEIER VOM LANDHOTEL SALMEN LIEBT HERBE WEINE UND DESSERTS

Was ist der Geist des Hauses? Vielleicht das Fernweh. Der

Vorbesitzer des Landhotels Salmen wanderte 1933 nach

Südamerika aus. Der Salmen-Wirt in der dritten Generation

hat auch Fernweh. Nach seiner Kochlehre im Durbacher

Ritter verließ Joachim Meier (50) das Land, kochte

im Savoy in London, auf hoher See als Schiffskoch beim

Bund, in Grindelwald, im Pariser Disneyland® als Küchenchef

... Auf einer dieser Stationen hat er seine Frau Barbara

kennengelernt. Sie ist Hotelfachfrau, er ist Küchenmeister.

Das ist der Klassiker“, lacht er, viele erfolgreiche Hotels

und Restaurants laufen genau so.

Als die Eheleute Meier in den 1990er-Jahren nach Ringelbach

kamen, konnten sie auf einer soliden Basis aufbauen

und haben in den folgenden Jahren alles renoviert

und modernisiert. Mit hellen Hölzern und Materialien wie

Stein, Stoff, Leder und einer fein abgestimmten Farbauswahl

wurde ein neuer Stil gezaubert. Mit dem Thema Heimat

(Schauenburg als Silhouette) und Schwarzwald (Tanne,

Hirsch, Reh) wird dezent gespielt. Ein starker Blickfang ist

die Kunst von Finn Ronsdorf aus Oberkirch, der jetzt in

Berlin Kunst studiert. Joachim Meier ist ein Wein-Fan, das

neu gestaltete Restaurant trägt nicht ohne Grund den Namen

Pinot. „Wir haben 20 bis 25 Weine auf der Karte, die

meisten aus der Region“, berichtet Meier, der auf Wein genauso

neugierig ist wie auf fremde Länder.

„Jedes Mal wenn wir von einer Reise heimkommen, freuen

wir uns über die Weine hier“, sagt er. Das heimische Essen

ist ihm genauso lieb, darum hat die Speisekarte badische

Klassiker wie die Bergbachforelle nach Müllerinart, die absolut

frisch auf den Tisch kommt. Das Landhotel Salmen

hat eigens dafür ein Bassin. Das Fernweh und die Lust auf

Neues werden genauso ausgelebt, zum Beispiel mit Linguine

„Sylt“ mit Hummer, Seeteufel und Jakobsmuscheln in pikanter

Hummersoße. Das macht die Karte attraktiv und wird

mit Begeisterung angenommen. Zudem gibt es jeden Monat

ein gut bepreistes Menü zur Jahreszeit. Wo es geht, beziehen

die Meiers ihre Produkte aus der näheren Umgebung.

Joachim Meier hat eine Schwäche und die schmeckt süß.

Wohl nicht ganz zufällig ist die Speisekarte mit Desserts

gut bestückt. „Ich trinke herb, ich esse süß“, sagt er. Außer

bei der Weincreme für VERITAS, da würde er eine Riesling

Spätlese empfehlen oder vielleicht doch einen Traminer?

Beides würde passen, zum Essen und zum Landhotel an

der Weinstraße, von der gegenüber der Weinbergweg abzweigt.

„Wir sitzen mitten im Wein“, lacht Joachim Meier.

LANDHOTEL SALMEN

Weinstraße 10 | 77704 Oberkirch

Tel. 0 78 02/44 29 | www.hotelsalmen.de

Oberkircher

Weincreme

ZUTATEN (6 PERSONEN):

375 ml Riesling (halbtrocken), 100 g Zucker, 10 g Mondamin,

3 Eigelb*, 3 Eiweiß (Eischnee), 3 Blatt Gelatine, 350 ml

geschlagene Sahne, Zitronensaft, lieblicher Wein zum Abschmecken

(Traminer Auslese o. Ä.), 30 g Kuvertüre, Minze

und Aprikosenmarmelade zum Dekorieren

ZUBEREITUNG: Mondamin mit 2 EL Wein und dem Eigelb

verrühren. Restlichen Wein und 30 g Zucker kurz aufkochen,

Mondamin einrühren und erneut kurz aufkochen. Sobald die

Stärke abgebunden hat, den Topf vom Herd nehmen. Die bereits

in eiskaltem Wasser eingeweichte Blattgelatine ausdrücken

und in der nicht mehr kochenden Masse auflösen. Die

Masse durch ein feines Sieb in eine Metallschüssel passieren

und kalt stellen. Wenn die Masse fast kühl ist und noch flüssig,

zuerst die geschlagene Sahne zugeben, dann Eiweiß mit

Restzucker zu Schnee aufschlagen und zum Schluss unter

die Masse ziehen. Mit Zitronensaft und Süßwein abschmecken

und in Schüssel oder Gläser abfüllen und kalt stellen.

Nach ca. 2 Stunden die Creme dekorieren und servieren.

* Sollten Sie frisches Ei verwenden, dann bitte die Creme innerhalb

von 6 Stunden verzehren und immer kühl stellen.

WEINEMPFEHLUNG: Oberkircher Winzer,

Riesling 2014 Beerenauslese edelsüß

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IN BAUMHAUSHOTEL

WAHRHEIT SCHÖN

In Bottenau wird die Badische Weinstraße schier zum Paradies.

Hier ist Harmonie pur. Die neu installierten Baumhäuser von

Stefanie und Josef Huber sind ein Grund mehr, hier nicht nur

durchzufahren, sondern auch zu bleiben.

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Die andere Seite vom Berg

RICHTIG AUSSPANNEN: BAUMHÄUSER IN BOTTENAU


Weißt du noch, was wir vor einem Jahr gemacht

haben?“ Stefanie Huber (32) kann es

immer noch nicht so richtig glauben, was

sie und ihr Mann Josef alles geschaffen

haben. Natürlich weiß Josef Huber (37), was er vor einem

Jahr gemacht hat. Er hat Holz gemacht, Stämme entrindet

und vier Holzhäuser auf Stelzen in den Hang gesetzt. Seitdem

sind Stefanie und Josef Huber stolze Besitzer von vier

schmucken Ferienwohnungen, die sie unter dem Namen

„Schwarzwälder Waldhütten Zauber“ vermarkten.

Vor langer Zeit planten die beiden schon Ferienwohnungen.

Zuerst dachten sie an Häuschen mitten in der Obstwiese.

Aber irgendwie wollten sie es außergewöhnlicher haben. Da

zum Hof nicht nur 1,5 Hektar Wein (natürlich Oberkircher

Winzer) und jede Menge Obst gehören, sondern auch Wald,

kam der gelernte Zimmermann Josef Huber auf die Idee mit

den Baumhäusern. Die vier Häuschen wurden aus Douglasien

und Kastanien des heimischen Waldes gebaut.

„Wir waren skeptisch, ob das überhaupt erlaubt wird“, berichtet

Stefanie Huber mit Blick auf die Obstbäume unterhalb

der Häuser. Die Sorgen waren unbegründet, weder

Ämter noch Nachbarn erhoben Einspruch. Ein Jahr Arbeit

wurde dafür investiert. „Jedes Stück zweimal in den Händen

gehabt“, erinnert sich Josef Huber. Die Mühe hat sich

gelohnt. Jedes Häuschen ist komplett aus Holz, hat ein modernes

Bad (ebenerdig, mit Dusche), Kaffeemaschine und

Kühlschrank (dreimal darf man raten, was da drin ist) und

einen wunderbaren Talblick. Damit man diesen noch besser

vom Bett aus genießen kann, wurde am Balkon eine Glasplatte

eingebaut. „Die ganze Zeit ist man eingeschränkt“,

weiß Stefanie Huber und hält die Hände wie Scheuklappen

neben die Augen. In Bottenau heißt es: freier Blick für einen

freien Kopf. Die Häuser liegen so hoch, dass man wirklich

seine Seele wie auf einer Schaukel baumeln lassen kann.

Viele Gäste wollen dann gar nicht mehr weg, gehen abends

nicht ins Restaurant, sondern bleiben auf der Terrasse. Sie

vespern badische Spezialitäten mit Brot aus dem Holzofen

der Hubers und trinken ein Glas Oberkircher dazu. Was will

man mehr?

Dass es so gut läuft, haben die Hubers nicht erwartet. Wie

so viele Startups plagten sie anfangs düstere Gedanken. Ob

sich das trägt? Bereits kurz nachdem die Baumhäuser fertig

waren, kamen die ersten Gäste, bald schon die nächsten

und wieder die nächsten, die den Tipp von anderen Gästen

bekamen. Die Mundpropaganda läuft, sogar aus Luxemburg

und der Schweiz kommt man wegen des Rebhäuschens

nach Bottenau, ja sogar aus Durbach kam man angereist.

„Wir wollten mal sehen, was hinter dem Berg ist“, war die

Begründung. Da kann man nur sagen: Der zwar kurze, aber

umso steilere Weg von Durbach nach Bottenau hat sich gelohnt!

Nicht nur wegen der Landschaft, sondern auch wegen

des Vesperkorbs und der Dingen im Kühlschrank.

SCHWARZWÄLDER WALDHÜTTEN ZAUBER

Weintalstraße 28 | 77704 Oberkirch-Bottenau

Tel. 0 78 02 / 70 65 29 | info@schwarzwald-baumhaushotel.de

www.schwarzwald-baumhaushotel.de

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WEIN-ABC

GLAS UND WEIN

WEIN-ABC von:

Frank Männle

Qualitätsmanager

Weinbau

Oberkircher Winzer

Glas und Wein ist eine Erfolgsgeschichte,

die schon lange währt. Bereits die Ägypter

tranken ihren Wein aus Gläsern, genauso

wie die Venezianer. Ab Ende des 17. Jahrhunderts

war Weingenuss im Glas Kultur. Beiden

haftet ein edles Image an. Mit Wein im Plastikbecher

mag sich kaum einer anfreunden, bei

Bier regt sich keiner auf.

Früher hatte man gerne bunte und klobige

Weingläser, wie zum Beispiel das

Römerglas. Das hat sich geändert.

Heute sind klare Gläser für ungetrübten

Genuss angesagt, zudem

sind sie noch filigraner und feiner.

Das liegt nicht an der Mode, sondern

an den Ansprüchen, die der

Rebensaft stellt. Ein Designer würde dies mit

dem griffigen „form follows function“ (die

Form folgt der Funktion) beschreiben. Zunächst

will man sehen, was im Glas ist. Das steigert die Vorfreude und

den Genuss. Ein ordentliches Weinglas hat immer einen Stiel!

Wer sein Glas am Stiel oder am Glasboden (noch stilvoller) hält,

macht keine Fingerabdrücke auf das Glas und bekommt keinen

handwarmen Wein. Die hohe Kunst des Weinglases zeigt sich

in den Details. Zum einen ist das Glas idealerweise hauchdünn,

sodass der Kontakt zum Wein unmittelbar erfolgen kann. Auch

die Weintemperatur wird von einem dünnen Glas weniger beeinflusst.

Zum anderen wird der Weintrinker durch das filigrane

Glas zum Mundspitzen verführt. Durch diesen „Trick“ stellen

sich die Geschmackssinne auf ein neues Erlebnis ein.

Namhafte Hersteller von Gläsern bieten ganze Kataloge mit

Weingläsern für verschiedene Weinarten und Rebsorten an.

Aus praktischen Gründen findet man in den meisten

Haushalten jedoch nur zwei bis drei Glasarten, nämlich

solche für Sekt und für Rot- sowie Weißwein. Für

Sekt haben sich lang gezogene Gläser mit schmaler

Öffnung durchgesetzt. In der sogenannten Sektflöte

steigt die Perlage (Kohlensäure) wie an einer Schnur

nach oben. Im Gegensatz zu Sektschalen erhalten schmale

Gläser Aromen und Kohlensäure länger. Das Sektglas

wird beim Einschenken zu zwei Dritteln

oder mehr befüllt. Weingläser für

Rot- und Weißwein unterscheiden

sich zwar in ihrem Volumen und

im Ausmaß des „Bauchs“, gemeinsam

ist ihnen aber die Verjüngung

des Kelchs nach oben. So gelangen

die Weinaromen gebündelt zur Nase.

Überdies schwappt beim Glasschwenken seltener

etwas hinaus. Es gibt gute Gläser, die sowohl

für Rot- als auch für Weißwein geeignet

sind. Wer jedoch Platz in seinem Schrank hat, legt

sich unterschiedliche Gläser zu. Warum? Rotweingläser sind

großvolumiger, damit mehr Sauerstoff an den Wein kommt. Für

Weißwein werden gerne kleinere und kürzere Gläser verwendet,

damit die dezenten Aromen nicht verloren gehen. Beim Weißen

mag man es bekanntlich kühler, darum sind die Gläser kleiner.

Sobald ausgetrunken wurde, wird aus der gut gekühlten Flasche

nachgeschenkt, und somit hat der Wein so gut wie immer die

richtige Temperatur.

Werden all diese Parameter berücksichtigt, wird verständlich,

warum ein Weinglas mehr ist als nur ein Trinkgefäß. Noch wichtiger

ist allerdings der Inhalt: Ein kleiner Wein wird auch im teuersten

Edelglas nicht zum Überflieger werden.

18


In Wahrheit schön

DIE WEINKOLUMNE

MIT VINCENZO DE BIASE

Wein

Lesen

W EIN TRIFFT INS HERZ

E ST 1973

Weine

zum Dessert

als Sommelier hat man die schöne Aufgabe, seine Gäste zu

beraten. Da sich die Geschmäcker genauso ändern wie die

Mode, ist vieles möglich, nicht nur ein Roter zum Fleisch

und ein Weißer zum Fisch. Beim Dessert ist es ein bisschen

einfacher. Dessertweine sind süßer als die Weine,

die einen Hauptgang begleiten. Viele Gäste sind auf diesem

Gebiet noch nicht so bewandert. Also mache ich Mut.

„Probieren Sie!“, sage ich und freue mich über die schöne

Überraschung, denn süß und süß macht wow! Süß macht

alle glücklich, erlebe ich immer wieder.

Bei den Dessertweinen haben wir eine große Auswahl, unsere

Karte listet 20 Positionen auf, die meisten davon aus

Deutschland. Die Tradition der Süßweine ist aber auch in

Österreich, Ungarn, Spanien und anderen Ländern lebendig.

Woher haben diese Weine ihre Süße? In meiner Heimat

Italien lässt man die Trauben auf Stroh trocknen, sodass

der Zucker unter der Beerenhaut konzentriert wird.

Passito werden diese Weine genannt. Später wird dem

Wein noch Alkohol zugesetzt. Die italienischen Süßweine

kommen auf 16 bis 18 Prozent Alkohol. Ihr Geruch ist

eigenartig, sie erinnern mich an Sherry.

In Deutschland kennen wir Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese

und Eiswein. Diese Weine machen

dem Winzer um einiges mehr Mühe und die Menge ist

kleiner, darum sind sie auch höher bepreist. Im Vergleich

zu einem italienischen Marsala oder einem Vin de Paille

aus dem Jura in Frankreich sind die deutschen Süßweine

leichter. Wie kommt’s? Der Grund ist einfach: Man stoppt

die alkoholische Gärung, sodass sich der Zucker nicht in

Alkohol umwandelt. Auch bekommt der Wein keine Zugabe

von Alkohol (Aufspritung) und man belässt die Säure

im Wein. Der Wein wird dadurch länger haltbar und am

Gaumen interessanter. Die Säure ist ein „Gegenspieler“

zur Süße und bringt das Aroma in Harmonie. Das hat viele

Fans, mich eingeschlossen. Die Weine riechen nach Mandeln,

Vanille, Aprikose, Karamell, Honig. Da ist alles dabei!

Die Deutschen und speziell die badischen Winzer machen

tolle Weine, wie man auch in dieser Sparte schmecken

kann. Da jedes Land seine Traditionen hat und jeder

Winzer seine Philosophie, unterscheiden sich die roten

und weißen Dessertweine auch sehr. Allen Dessertweinen

gemeinsam ist, dass man sie kühl genießt und in kleinen

Mengen. Darum sind auch die Gläser etwas kleiner. Dank

der großen Vielfalt gibt es für jedes Dessert den richtigen

Tropfen. Kuchen und Kekse, Crème brûlée, Obstsalat oder

eine Dessert-Variation warten nur auf den richtigen Wein.

Für alle, die mit der Gleichung „süß + süß = wow“ wenig

anfangen können, gibt es einen Trost. Auslese, Beerenauslese,

Trockenbeerenauslese und Eiswein schmecken auch

hervorragend zu Käse, wie zum Beispiel Gorgonzola. Probieren

Sie! Und danach einen guten Caffè nicht vergessen.

Auch das gehört dazu.

Herzlichst

Ihr

VERITAS-Kolumnist Vincenzo De Biase stammt

aus der Basilicata in Süditalien und lebt und liebt

Wein. „Würde ich noch mal auf die Welt kommen,

würde ich es wieder machen“, sagt er über

seinen Beruf als Sommelier im Europa-Park.


WEINBEKENNTNISSE

»... meine Lebensart unterstreicht ...«

Nichts als Wahrheiten. VERITAS-Leser erzählen, was ihnen zum Wein schmeckt, und andere Bekenntnisse.

Name: Sandra Huschle // Alter: 27 // Leibspeise:

italienische Küche // Wohnort: Oberkirch // Beruf:

Verwaltungsfachangestellte und Oberkircher

Weinprinzessin 2012/2013 // Wenn ich ein Glas

zu viel getrunken habe: War es ein toller Abend

mit Freunden.

Ich trinke Wein, weil ...

Wein Genuss ist.

Name: Simone Walter // Alter: 28 // Leibspeise:

Schnitzel mit Knödeln // Wohnort:

Oberkirch-Bottenau // Beruf: Technische

Zeichnerin und Oberkircher Weinprinzessin

2013/2014 // Wenn ich ein Glas zu viel

getrunken habe: Rede ich zu viel ... :-)

Ich trinke Wein, weil ...

mir Wein schmeckt und weil ich mit

Weinbergen und Wein aufgewachsen

bin. Dazu kommt noch, dass Wein viele

leckere Gerichte noch schmackhafter

macht.

Name: Eva Harter // Alter: 26 // Leibspeise:

Sinigang (ein asiatischer Eintopf von meiner

Mama gekocht) mit Reis // Wohnort: Appenweier-Nesselried

// Beruf: Kaufmännische

Angestellte der Oberkircher Winzer und

Oberkircher Weinprinzessin 2015/2016 //

Wenn ich ein Glas zu viel getrunken habe:

Ich denke, dass man von gutem Wein nie

ein Glas zu viel getrunken haben kann.

Ich trinke Wein, weil ...

das meine Lebensart unterstreicht:

Genuss in vollkommener Form,

Tradition – Altbewährtes und

Moderne – innovativ, fortschrittlich.

Name: Sophia Müller // Alter: 20 //

Leibspeise: Eingemachtes Kalbfleisch

mit breiten Nudeln // Wohnort: Stadelhofen

// Beruf: Gärtnerin Fachrichtung

Obstbau und Oberkircher Weinprinzessin

2017/2018 // Wenn ich ein Glas zu viel

getrunken habe: Kann es sehr lustig

werden.

Ich trinke Wein, weil ...

ich als Weinprinzessin

wissen sollte, wovon ich

rede, und Wein zu den

großen und kleinen Anlässen

einfach dazugehört.

20


Viel Glück!

TRINKEN & GEWINNEN

Schlemmermenü für zwei Personen

Gewinnen Sie ein Schlemmermenü für zwei Personen mit

begleitenden Weinen im Gasthaus Drei Könige in Renchen-Erlach.

FRAGE:

„Zahl?“

Wie heißt die Zahl zu dem

sortenreinen Riesling Klingelberger?

MITMACHEN BIS

31. 8. 2018

Zu gewinnen gibt es ein Schlemmermenü für zwei Personen mit begleitenden Weinen im Gasthaus Drei Könige in Renchen-Erlach.

Und so geht’s: Einfach die Antwort auf unserer Facebook-Pinnwand (www.facebook.com/oberkircherwinzereG)

posten oder eine E-Mail an info@oberkircher-winzer.de senden.

Alternativ können Sie uns die Lösung auch auf einer Postkarte an folgende Adresse senden: Oberkircher Winzer eG, Renchener Straße 42, 77704 Oberkirch. Nur ausreichend

frankierte Einsendungen mit vollständiger Absenderadresse nehmen an der Verlosung teil. Einsendeschluss ist der 31. 8. 2018. Teilnehmen kann jeder mit Ausnahme der Mitarbeiter

der beteiligten Unternehmen und deren Angehörigen. Eine Barauszahlung des Gewinnes und der Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.

Gewinner des letzten Gewinnspiels: Joachim Kocheise aus Horb

SCHÖN

„,Du bist, was du isst‘,

sagt die alte Binsenweisheit,

und ich möchte

ergänzen: ,Zu recht nur

wer zecht.‘“

Sebastian Bordthäuser

(Zitiert aus „Die Philosophie

des Kochens“, mairisch Verlag)

WELTWEIT WEIN

Der höchste Weinberg der Welt liegt

im argentinischen Bundesstaat Salta

in den Kordilleren auf einer Höhe von

3.100 Metern. Das Weingut Colomé

wurde von dem Schweizer Winzer

Donald Hess gegründet. (Quelle: NZZ)

GESAGT

21


TERMINE & KALENDER

TERMINE

THEMA DATUM ORT

Oberkirch leuchtet –

Sommernachtseinkauf

bis 24 Uhr mit

Winzermeile

13. Juli 2018

Innenstadt

Oberkirch

Oberkircher

Weinfest

31. August bis

3. September 2018

Oberkirch

Kulinarische

„Rebhäusle“-

Weinwanderung

22. September 2018

Oberkircher

Winzer eG

KULINARISCHE

WEINWANDERUNG

Dass frische Luft den Appetit anregt, ist bekannt,

was liegt also näher, als das Wandern mit kulinarischen

Genüssen zu verbinden. In Oberkirch

gelingt dies bei der kulinarischen Weinwanderung

aufs Beste, führt die Runde doch durch ein

Gewann namens Paradies und zu etlichen Genussstationen.

Und immer mit dabei: herrliche

Blicke ins Rheintal und auf den Schwarzwald, auf

die Burg und die Reben und guter Wein an jeder

Station. Von wem wohl?

Kulinarische

Weinwanderung

31. September 2018 Oberkirch

Nähere Infos zu den einzelnen Veranstaltungen erhalten Sie auf

unserer Website unter: www.oberkircher-winzer.de

KALENDER 2018

© ERICK BUSTAMANTE BELAIR

MUSIK & KUNST DATUM ORT

LaBrassBanda

Lenny Kravitz

Tom Jones

Sonntag,

29. Juli 2018

Montag,

30. Juli 2018

Mittwoch,

1. August 2018

Ehrenhof im Schloss

Rastatt, Rastatt

Weinmesse, Colmar

ZMF, Freiburg

FÜR IMMER TIGER

Seit den 1960er-Jahren ist der

„Tiger“ genannte Künstler Tom Jones

einer der ganz großen Stars. Der

gebürtige Waliser sang „Delilah“ und

später „Kiss“ und die Welt lag ihm zu

Füßen. Dass er immer noch ein heißer

Typ ist, auch mit 78 Lenzen, zeigt er

diesen Sommer in Freiburg. Hot!

Die Toten Hosen

Maik Mondial Balkan

World ’n Balkan Beat

Rea Garvey

„Neon Tour 2018

Samstag,

18. August 2018

Samstag,

1. September 2018

Samstag,

22. September 2018

Messe Freiburg

Rosengarten, Kehl

Sick-Arena, Freiburg

22


UNTERHALTUNG

Humor

1

Rätsel

1. Häufigster Rebenschädling

2

2. Holzgefäß für die Lagerung von Wein

3. Bezeichnung der Trauben, bevor sie

in der Blüte stehen

3

6

4

5

4. Verschnitt aus verschiedenen Rebsorten,

Jahrgängen oder Lagen

5. Vorname des Kellermeisters der

Oberkircher Winzer

6. Verschluss einer Weinflasche

3

7

1

5

Lösung

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

6

2

Die Lösung finden Sie ab dem 31. 8. 2018 auf unserer

Facebook-Seite oder unter: www.oberkircher-winzer.de

4

23


Besuchen Sie unser Vinotorium und erleben Sie Wein in einer

einzigartigen Atmosphäre. Unter der Erde gebaut, schafft die

harmonische Gewölbe-Architektur aus hölzerner Decke und

Lehmwänden einen außergewöhnlichen Schauplatz

für Weingenuss. Erleben Sie dieses besondere Weinerlebnis,

wir freuen uns auf Sie.

Weinproben und Betriebsbesichtigungen für Gruppen sind jederzeit nach

Vereinbarung möglich.

Probier- und Einkaufsmöglichkeiten

in unserer Vinothek:

Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.30 Uhr

Samstag von 9.00 bis 13.00 Uhr

Renchener Straße 42 | 77704 Oberkirch | Tel. 0 78 02-92 58 0

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