20 JAHRE TORFABRIK MESCHEDE

torfabrikmeschede

Matthias ist ein Mittelstürmer der alten Schule. Er lungert vor dem gegnerischen Tor rum, bewegt sich wenig und wartet auf seine Chance. Matthias hat das Down-Syndrom und außerdem einen großartigen Torriecher. Er kann zwar nicht
sprechen, aber ein schönes Tor versteht jeder! Niemand feiert seine Tore so ausgiebig und schön wie Matthias. Seit zwanzig Jahren steht er im
Sturmzentrum der Torfabrik Meschede. In dieser Zeit hat der Publikumsliebling mehr als tausend Tore geschossen und nur ein einziges Foulspiel begangen. Von besonderen Spielertypen in einer eigentlich ganz normalen Mannschaft handelt dieses Heft. Viel Freude damit!

FAIRY ULTRAS

Schwer in Ordnung. Die Supporters-Vereinigung der Torfabrik unterstützt

und feiert unsere Mannschaft, wann immer sich die Gelegenheit bietet.

Sponsorentermine können eine ziemlich

traurige Angelegenheit sein. Niedergeschlagen

und übernächtigt sitzt

Zahntechnikermeister Jan Stappert in

seinem Labor und betrachtet ein Gebiss.

Stappert hat in dieser Nacht via

Livestream der Beerdigung von Motörhead-Frontmann

Lemmy Kilmister

beigewohnt. Ein schwerer Tag für den

schwer tätowierten Mann, der auch

selbst relativ schwer ist. Vor allem

schwer in Ordnung. Niemand braucht

lange, um das zu merken. Mit Fußball

hat Jan Stappert ansonsten weitaus

weniger zu tun gehabt als mit seinem

Zahntechniklabor und dem

Rock‘n‘Roll. Dass er nun seine Leidenschaft

für den Fußball entdeckt hat,

verdankt er den Begegnungen mit den

Torfabrikanten. „Ich sehe die Begeisterung

bei den Jungs. Die legen da ihr

ganzes Herz rein“, schwärmt er. Stappert

legt das Gebiss zur Seite und

schiebt einen Umschlag mit Geld über

den Tisch. Anfang Dezember hat er im

Labor ein Grillfest veranstaltet und bei

Kunden und Geschäftspartnern die

Hand für die Torfabrik aufgehalten.

„Habe noch ein bisschen aufgestockt“,

sagt er. Stappert gibt gerne. Keine Unsummen,

aber immer wieder kleine

Hilfen. Mal sponsert er einen Erste-

Hilfe-Koffer, dann zahlt er die Würstchen

fürs Mannschaftsgrillen. Mit dem

Geld aus dem Umschlag finanziert er

diesmal die Antrittsgelder für die anstehenden

Saison. Dreihundert Euro

sind drin. „Schönen Gruß an die Jungs.

Die Kronen gehen auf‘s Haus“, sagt er.

Im Gefolge hat er stets andere Freunde,

und Rocker, die mittlerweile auch dem

Torfabrik-Virus verfallen sind. Gemeinsam

begleiten sie die Mannschaft

bei ihren Spielen. Freilich sind sie allesamt

freundliche und friedfertige Zeitgenossen,

bekennende Gutmenschen,

befreundete Familienväter. Harte Schale,

netter Kern. Sogar eine Lehrerin ist

dabei, einige Torfabrikanten sind ihre

Schüler. Sie haben Lust auf ehrlichen

und fairen Fußball und kein Verständnis

für solche, die Fußball mit Krieg

verwechseln. Sie sind die Fairy Ultras.

Stappert und seine Freunde haben den

Spaß am Behindertenfußball entdeckt.

Offenbar eine echte Sparte im Fan-

Dasein. Längst gibt es Fan-Shirts, Fan-

Schals, Banner, Fahnen und Auswärtsfahrten

mit dem Reisebus. Für eine

Fußballmannschaft aus dem Behindertensportverband

erscheint all das relativ

ungewöhnlich, was für einen

„richtigen“ Fußballclub ganz normal

ist. Und das ist auch gut so.

Bei Jan Stappert ist seine neue Fußballleidenschaft

längst zum Selbstläufer

geworden. Neulich erst hat er für den

Firmensitz drei Flaggenmasten erworben.

Die passenden Torfabrik-Fahnen

dazu lässt er sich gerade schneidern.

Auch das neue Firmenfahrzeug ist rotschwarz

und mit Torfabrik-Wappen

versehen. Eigentlich hatte Jan Stappert

mit Fußball ja gar nichts tun.

Ob das Angebot des kostenlosen Zahnersatzes

motivierend wirkt, sei dahingestellt.

Die Torfabrik dankt es ihrem

Premium-Sponsor auch so mit vollem

Einsatz. Jan Stappert überzeugt sich als

Mäzen immer auch selbst vom Zustand

der Mannschaft. So gibt es keinen gesellschaftlichen

Anlass der Torfabrik

Meschede, an dem Stappert nicht teilnehmen

würde. Mannschaftspartys,

Fußballabende, Grillfeste.

43