congress highlights - European Academy of Sciences and Arts

euro.acad.eu

congress highlights - European Academy of Sciences and Arts

Die Europäische Akademie

der Wissenschaften und Künste

hat mit ihren beiden Symposien

„Altern I“ am 19.

November 2003 im Wiener

Palais Ferstel und „Altern II“

am 24. März 2004 im Renaissance

Hotel in Salzburg in

Kooperation mit der Initiative

„Ja, länger gesünder leben“

Experten aus unterschiedlichen

Fachgebieten zu diesem

großen und zukunftsträchtigen

Thema eingeladen.

An Medizin, Arbeits- und

Lebensbereiche werden große

Aufgaben gestellt, die ohne

Kompromisse angegangen

werden müssen, stellten Dr.

Andreas Penk (Geschäftsführer

Pfizer Österreich), Prof. Dr.

Siegfried Meryn (Initiative: „Ja,

länger gesünder leben“) und

Prof. Dr. Felix Unger (Präsident

der Europäischen Akademie der

Wissenschaften und Künste)

fest.

www.european-academy.at

EUROPÄISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UND KÜNSTE

EUROPEAN ACADEMY OF SCIENCES AND ARTS

ACADEMIA SCIENTIARUM ET ARTIUM EUROPAEA

CONGRESS HIGHLIGHTS

Altern – eine neue europäische Herausforderung

Aging – a new challenge for Europe

Experts from different fields of

expertise were invited by the

European Academy of Sciences

and Arts for the two symposiums

“Aging I” on 19

November 2003 in the Palais

Ferstel in Vienna and “Aging

II” on 24 March 2004 in the

Hotel Renaissance in Salzburg

to lecture on this big and futu-

Andreas Penk

Andreas Penk, Maria Rauch-Kallat, Felix Unger

re-related subject. The symposiums

had been organised

in cooperation with the initiative

“Yes to a longer and healthier

life”.

The fields of medicine, economics,

work and various aspects

of life are facing great challenges

which, according to Dr.

Ausgabe 8 / August 2004

Andreas Penk (CEO Pfizer

Austria), Prof. Dr. Siegfried

Meryn (Initiative: “Yes to a longer

and healthier life”) and Prof. Dr.

Felix Unger (President of the

European Academy of Sciences

and Arts), should be tackled

without any compromises.

31


Wie alt kann der Mensch werden ?

Georg Wick

Georg Wick analysierte die

wesentlichen genetischen Faktoren

und Umweltkriterien, die das

Altern beeinflussen und dem

Menschen eine Altersgrenze

auferlegen. Ein fundiertes medizinisches

Verständnis der

Mechanismen, die zu Altern führen,

sei sowohl notwendig, um

politische Entscheidungen zu

treffen, zum Beispiel in der Pensionspolitik,

als auch um erfolgreiches

Altern zu erlernen.

Man könne zwar die Genetik

eines Menschen nicht ändern,

durch einige einfache Mittel

jedoch den Alterungsprozeß

beeinflussen. Der wichtigste

Faktor sei eine richtig gewählte

Ernährung, aber auch weitere

www.european-academy.at

Maßnahmen wie die Minimierung

von chronischem Stress

könnten das Krankheitsrisiko

erheblich senken. Es genüge

allerdings nicht, auf die körperliche

Gesundheit zu achten; men-

What is the age limit for human beings?

Georg Wick

Georg Wick analysed the

essential genetic factors and

environment criteria which

influence the aging process and

impose an age limit on human

beings. A well-founded medical

understanding of the mechanisms

which lead to aging was

necessary in order to both take

Siegfried Meryn

Georg Wick

political decisions such as the

old age pension system and

also to learn how to age successfully.

While not being able to change

human genes, a few simple

measures could influence the

speed of aging. The most

important factor was a proper

diet, but also measures such as

Altern I, Wien, 19. November 2003

tales Training sei ebenso unverzichtbar.

Die „3L“ Lieben, Laufen,

Lernen gelten als erfolgreiche

Strategie, um den Prozeß

des Alterns positiv zu beeinflussen.

minimising chronic stress could

significantly reduce the risk of

illness. However, it was not

enough to just watch one’s physical

health. Mental training was

equally important. The “3L” Lieben,

Laufen, Lernen (to love, to

exercise, to learn) are considered

to be a successful strategy

to positively influence the process

of aging.

2


Jugendwahn

Max H. Friedrich

„Wie wir mit den Kindern umgehen,

so werden die Kinder mit

uns im Alter umgehen“ betonte

Max Friedrich. Die heutige Erziehung

zur Selbstverwirklichung

sei eine Aufforderung zur Egozentrik;

es werde nicht an die

Gemeinschaft gedacht und dieses

dann erst recht nicht im Alter.

Dies führe zur Isolation, dabei sei

der Mensch von Natur aus ein

Gemeinschaftswesen. Immer

weniger Menschen seien heute

bereit, die Pflege ihrer Angehörigen

zu übernehmen.

Immer jüngere Kinder setzten die

Regeln, dabei sei es nicht nur

die pädagogische Pflicht der

Illusion of never-ending youth

Max H. Friedrich

“How we treat our children today,

they will treat us tomorrow”

emphasized Max Friedrich.

Today’s education to self-realization

was an invitation to become

egoistic. These children would

not think in social terms at an

early age and subsequently not

when they are old. Although man

was a social creature, this would

lead to isolation. Fewer and fewer

Zukunft des Alterns

Maria Rauch-Kallat

Den Beitrag, den die Politik hierbei

leisten kann, beschrieb Maria

Rauch-Kallat. Ein Paradigmenwechsel

in der Gesundheitspolitik

soll zu mehr eigenverantwortlicher

Prävention führen. Das

wichtigste Element der angestrebten

ganzheitlichen Gesundheitsreform

sei die Installierung

von Gesundheitsagenturen, die

Transparenz und Effizienz in die

Schnittstelle zwischen stationärem

und niedergelassenem

Bereich bringen soll.

Eine besondere Rolle soll auch

Alten, ihre Wertevorstellungen

und ihre Weisheit an die jüngeren

Generationen weiterzuvermitteln,

sondern die Funktion der

alten Menschen als Lebenslehrer

halte sie ja auch jung. Gerade

Männer, die sich oft gern von der

Erziehung zurückziehen, würden

dringend gebraucht, um als Väter

und Großväter den Kindern vorzuleben

und sie zum Imitationslernen

anzuleiten, was wiederum

zum Vorteil der Alten sei.

„Die Reife des Menschen zeigt

sich in Selbstverantwortung,

Fremdverantwortung, Liebesfähigkeit,

Glücksfähigkeit,

Bescheidenheit und Toleranz,

wozu die Alten die Kinder erziehen

müssen.“

people were willing today to look

after relatives in need of care.

The children setting the rules were

getting younger and younger.

Therefore it was the educational

responsibility of the older generations

to pass on their own values

and wisdom to the young. Taking

up this responsibility as “life-teachers”,

they also prolonged their

own youth. Especially men who

often found it difficult to rear children

would be needed urgently to

den Hausärzten zukommen.

Diese sind unsere ersten

Ansprechpartner in Gesundheitsfragen.

Senioren sollen

auch von einer vernünftigen

Medikamentenpolitik profitieren,

die sowohl Rezeptgebühren

senkt als auch die Einsparungen

für das gesamte Gesundheitssystem

mit sich bringt.

„Generationensolidarität ist in

Österreich kein leeres Schlagwort.

Es gibt hier einen Konsens

quer durch die Gesellschaft und

über alle Parteigrenzen hinweg.

Ältere Menschen müssen sich

nicht vor der Zukunft fürchten.“

ALTERN – EINE NEUE EUROPÄISCHE HERAUSFORDERUNG

Max H. Friedrich

set examples as fathers and

grandfathers and to encourage

children to follow in their footsteps.

This would also be to the

benefit of the older generations.

“The maturity of the human being

shows in the responsibility for oneself

and for others, in the ability to

love and to be happy, in modesty

and tolerance, and it is the older

generation’s responsibility to

guide their children this way.“

Maria Rauch-Kallat

3


The Future of Aging

Maria Rauch-Kallat

The possible political contribution

was described by Maria

Rauch-Kallat. A major change

in health care policy should

lead to more self-responsible

prevention. The most important

element of the intended holistic

health care reform was the

creation of health agencies

Altern mit Zukunft

Anita Rieder

„Die Gesundheitserwartung ist

wichtiger als die Lebenserwartung“

meinte Anita Rieder. Es sei

nicht so bedeutsam, wie alt man

wird, sondern wie man mit möglichst

hoher Lebensqualität altert.

Entscheidend sei dabei, dass

jeder Mensch selbst viel dazu

beitragen könne.

Sie verwies darauf, dass nur 5 –

10% jener Faktoren, die das

Überleben sichern, genetisch

erklärbar seien. Das präventive

Potential, das jeder durch eine

entsprechende Lebensweise

ausschöpfen könne, betrage 30

– 90 %. Drastisches Beispiel:

Aging with a Future

Anita Rieder

“Health expectation is more

important than life expectation”

stressed Anita Rieder. It was not

so essential to become as old as

possible, but to age with a high

quality of life. It was crucial that

every individual could contribute

one’s share to achieve this goal.

She pointed out that only 5 – 10

www.european-academy.at

aimed at increasing transparency

and efficiency between inpatient

and out-patient treatment.

Family doctors should also play

an important role as our first

contact in health issues. Senior

citizens should profit from sensible

policies regarding medication

which will both lower pres-

90 % der Lungenkrebsfälle seien

jedenfalls auf das Rauchen

zurückzuführen.

Möglichst lange gesund zu bleiben

habe daher viel mit Eigenverantwortung

zu tun, aber auch

mit sozialer Verantwortung, dem

„sozialen Kapital“. Wie gut es

einem gelinge, Sozialbeziehungen

aufzubauen, sich auf Freunde

und Familie stützen zu können,

sei gerade im letzten

Lebensabschnitt besonders

wichtig. Einsamkeit und Depressionen

spielten etwa bei der Entstehung

von Herzinfarkten, aber

auch im Heilungsverlauf danach

eine nicht zu unterschätzende

Rolle.

% of those factors guaranteeing

survival could be explained

genetically. The preventive

potential everyone could use if

the life style was accordingly

could be 30 – 90 %. Drastic

example: Smoking was the reason

for 90 % of lung cancer

cases.

To stay healthy had therefore

to do with one’s own respon-

cription costs and create

savings for the entire health care

system.

“Solidarity between the generations

is no empty phrase in

Austria. There is a consensus

across the whole society and all

political parties. The older generations

do not have to fear the

future.”

Anita Rieder

sibility, but also with social

responsibility, the “social

capital”. The ability to create

social relationships, to be able

to rely on friends and family

was especially important in the

last stage of life. Loneliness

and depressions were not to be

underestimated in the development

of heart attacks and

during the following healing

process.

4


Hoffnung Altern

Franz Böhmer

Franz Böhmer knüpfte an diesen

Punkt an. Die soziale Isolation

habe große Auswirkungen auf

das Gesundheits- und Pflegesystem.

Er bezeichnete die zunehmende

soziale Vereinsamung

der Menschen als einen der

„Giganten der Geriatrie“. Weitere

Giganten seien die Immobilität,

Instabilität, Inkontinenz

(ein Tabuthema) und Gehirnleistungsstörungen

(Alzheimer,

Parkinson).

Am Beispiel Inkontinenz unterstrich

der Sozialmediziner, dass

man natürliche Abbauprozesse

des Körpers nicht als gottgegeben

hinnehmen müsse, sondern

mit der modernen Medizin sehr

wohl etwas dagegen unternehmen

könne. Ganz ähnlich sei die

Situation bei Demenz. Da der

Mensch immer älter wird, werde

die Zahl der Demenzerkrankungen

drastisch zunehmen. Vor

Krebs, Herztod und Schlaganfall

sei Demenz die teuerste Krankheit

Aging as Hope

Franz Böhmer

Franz Böhmer continued the

debate on this issue. Social isolation

had main impacts on the

health and care system. The

increasing social isolation was

one of the “Giants of Geriatrics”.

Further giants were

immobility, instability, incontinence

(a taboo subject) and

malfunctions of the brain (Alzheimer,

Parkinson).

He took the incontinence as

example to show that the natural

aging process of the body did

und medizinische Vorbeugung

daher dringend notwendig.

Gesunde Langlebigkeit durch

Eigenverantwortung sei durch

Optimismus, Ruhe, Kommunikation,

Toleranz, gute Stressbewältigung

und Altersgestaltung mit

Fähigkeitenentfaltung, Entdekkungsreisen,

Einigkeit mit sich

selbst, Ertragen von Verlusten und

Geselligkeit im Alter zu erreichen.

In diesem Zusammenhang

wurde die Gesundheitspolitik in

Franz Böhmer

not have to be taken as godgiven,

but could easily be controlled

with modern medicine.

This was the same with dementia.

As lifetime became longer,

the number of dementia cases

would increase dramatically.

Being the most expensive disease

before cancer, heart disease

or stroke, dementia urgently

required preventive medical treatment.

A healthy and long life

could be reached by selfresponsible

optimism, inner

peace, communication, tolerance

and the ability to cope with

stress, but also by the discovery

ALTERN – EINE NEUE EUROPÄISCHE HERAUSFORDERUNG

Österreich kritisiert. Moderne

Medikamente würden nur sehr

restriktiv bezahlt, obwohl damit

die Einweisung in ein Pflegeheim

ein bis zwei Jahre hinausgeschoben

werden könne. Die Pflege

sei wesentlich teurer als der Einsatz

effizienter Medikamente.

Das Alter müsse neu bewertet,

die spezifische Leistungsfähigkeit

abgerufen und die Kompetenz

der Älteren gestärkt

werden.

of one’s own abilities, travelling,

socialising and coping with loss.

In this connection the Austrian

health system was criticised.

Modern medication was paid

only very restrictively, even

though by its use the admission

to a nursing home could be

postponed for 1–2 years and

care was much more expensive

than the use of efficient medicine.

Age would have to be reevaluated,

specific abilities encouraged

and the competence of older

men and women strengthened.

35


Ist Altern gestaltbar?

Leopold Rosenmayr

Leopold Rosenmayr untersuchte

die soziologische Komponente

des Alterns. Noch nie sei

Gesundheit so sehr zu einem

Herzstück der Kultur, der Bildung

und der Sozialpolitik

geworden wie heute. Ärztliche

Tätigkeiten und die Ziele der

medizinischen Forschung werden

sich mit einer Kultur

menschlicher Kontinuität, der

körperlich relevanten Spiritualität

und der Lebenskunst verschmelzen

müssen, damit diese

im späten Leben stärker erleb-

Can Aging be controlled?

Leopold Rosenmayr

Leopold Rosenmayr examined

the sociological aspect of aging.

Never before had health been

such a central part of our culture,

education and social system.

The endeavours of physicians

and the goals of medical research

would have to combine

www.european-academy.at

bar werden. Ebenso müsse die

philosophische Basis einer „Ars

vivendi“ geschaffen werden.

Vor allem das eigenständige

Gestalten dieses Prozesses trotz

aller Einschränkungen, die durch

körperliche Gebrechen, Enttäuschungen

und Schwächen auftreten,

sei erstrebenswert. Der

Mensch soll auch im Alter sein

Leben selber führen und diese

Führung weder anderen noch

anonymen sozialen Kräften überlassen.

Somit können die eigene

Autonomie und die innere Freiheit

erhalten werden.

Der alte Mensch in unserem Gesundheitssystem

Ernst Wolner

Lösungen für Probleme im Altenpflegesystem

zu finden, erklärte

Ernst Wolner, sei vor allem im

städtischen Bereich eine große

Herausforderung. Vorbeugungsmaßnahmen

können einen

wesentlichen Beitrag zur Senkung

der Pflegebedürftigkeit leisten

und somit auch die Kosten

für das Gesundheitssystem maßgeblich

verringern.

Unser Ziel müsse sein, möglichst

lange gesund zu bleiben und

gesünder alt zu werden. Wir

with a culture of human continuity,

of spirituality as it affects the

body, and of the art of living, so

that these can be experienced

later in life. Similarly, a philosophical

basis for an “ars vivendi”

must be established.

In spite of all restrictions resulting

from infirmity, disappoint-

müssen aber auch Wege finden,

die Zahl der in der Altenpflege

Tätigen zu erhöhen und die

nachhaltige Finanzierung des

Gesundheitssystems zu gewährleisten.

„Politische Verantwortung heißt,

die wirklich brennenden Probleme

der Altenpflege intellektuell

und praktisch anzugehen. Vielleicht

sollte man tatsächlich die

großen Geriatriezentren stark

verkleinern und den Großteil der

Altenpflege auch im städtischen

Bereich dezentral auf Bezirksebene

verlagern.“

Leopold Rosenmayr

ments and frailty, the individual’s

ability to shape this process

must be the ultimate goal. Also

at an old age one should be

able to lead one’s own life and

not leave this to others or anonymous

social institutions. In doing

so, individual autonomy and

inner freedom could be maintained.

Ernst Wolner

6


Senior Citizens in our Health Care System

Ernst Wolner

Ernst Wolner pointed out that

predominantly in the urban areas

finding solutions to problems

concerning the health care

system for the older generation

was a major challenge. Preventive

measures could play a major

role in reducing the number of

those in need of care and thus

considerably reduce costs.

First and foremost, our goal

must be to stay healthy longer

and to age in good health. Yet,

we must also find ways to increase

the number of people working

in this field and ensure the

sustainable financial stability of

Geriatrische Versorgung als dringende

Zukunftsaufgabe

Gerhard Knorr

Gerhard Knorr verwies darauf,

dass Alter nicht zwangsläufig

bedeuten müsse, ständig krank

zu sein. Mit richtiger Ernährung

und möglichst viel Bewegung

könne man die Risikofaktoren

deutlich senken.

Als Gesundheitsexperte strich

Knorr die Bedeutung geriatrischer

Reha-Kliniken in Bayern

heraus. Seit 1990 habe man ein

dichtes Netz aufgebaut mit dem

Ziel, Menschen zu befähigen,

Providing geriatric support as urgent

issue of the future

Gerhard Knorr

As stressed by Gerhard Knorr,

aging did not necessarily mean

to be constantly in bad health.

A proper diet and a lot of exercise

could substantially minimise

risks.

He underlined the importance

of geriatric rehabilitation cen-

möglichst lange ihren Alltag

selbständig zu bewältigen. Das

verbessere nicht nur die

Lebensqualität, sondern senke

auch die Gesundheitskosten,

denn nichts sei teurer als die

Pflege. Gleichzeitig wehrte er

sich vehement dagegen, medizinische

Leistungen zu rationieren,

wie das in Deutschland für

Menschen über 75 bereits andiskutiert

wurde. Das sei ethisch

und medizinisch strikt abzulehnen.

„Die Solidargemeinschaft

darf die Älteren nicht ausgrenzen.“

tres in Bavaria. Since 1990 an

extensive network of these institutions

has been established in

order to enable the older generation

to organise themselves

and live an independent everyday

life as long as possible.

This would not only improve the

quality of life, but it would also

reduce nursing costs as

nothing was more expensive

ALTERN – EINE NEUE EUROPÄISCHE HERAUSFORDERUNG

the health care system.

“Political responsibility means to

tackle these serious problems

intellectually and practically.

Thought should be given to

actually minimising the big geriatric

centres and also in urban

areas decentralise senior citizen

care to individual districts.”

Gerhard Knorr

than the care for the elderly. He

severely criticised the reduction

of medical support as it already

has been discussed in Germany

for the generation over 75

years of age. This could ethically

and medically not be accepted.

“The caring society must

not exclude the older generations.”

37


Lebensqualität im Alter

Stefan Knafl

Auch Stefan Knafl nannte Möglichkeiten,

die Lebensqualität im

Alter zu steigern, diesmal

schwerpunktmäßig aus der Sicht

der soziopolitischen Erfahrung.

Um Lebensqualität im Altern zu

gewährleisten, dürfe man sich

keineswegs bloß auf Konsumverhalten,

Aktivitätenpotential oder

Freizeitgestaltung konzentrieren,

sondern auf die Rahmenbedingungen,

die tatsächlich über die

Qualität des Lebens im Alter entscheiden.

Essentiell sei nicht nur die langfristige

Sicherung der sozialen

Systeme – Pensionen, Gesundheitsvorsorge,Krankenversor-

Quality of Life at old age

Stefan Knafl

Drawing from his socio-political

experience, Stefan Knafl suggested

several possibilities for improving

the quality of life at an old

age. In order to guarantee a high

quality of living, concentrating on

consumer tendencies, leisure or

activities was by no means sufficient.

Instead, the frame conditions

by which quality of life was

determined must be examined.

Ökonomie des Alterns

Klaus-Dirk Henke

Auch Klaus-Dirk Henke befasste

sich mit der Ökonomie des

Alterns. Der demographische

Wandel der Gesellschaft durch

Geburtenrückgang und erhöhte

Lebenserwartung erzeuge einen

Handlungsbedarf in der Finanzierung

der Systeme der sozialen

Sicherung, der ebenso wie

intergenerative Konflikte nur

www.european-academy.at

gung, Pflege – sondern auch die

aktive Mitbestimmung der älteren

Generationen auf allen Ebenen.

Senioren dürfen nicht auf die

Rolle von Leistungsempfängern

reduziert werden, sondern müssen

bei politischen Entscheidungen

mitbestimmen und einen

Beitrag zur künftigen Entwikklung

der Gesellschaft leisten.

„Es ist höchste Zeit, Reformen

zur langfristigen Sicherung der

sozialen Systeme zu beschließen.

Nicht nur die Pensionssicherung

muß reformiert werden,

sondern auch das Gesundheitssystem.

Der unbeschränkte

Zugang zu medizinischer Versorgung

für Jung und Alt, die

Sicherstellung der Pflegeversor-

Not only the long-term securing

of the social systems such as

pensions, health prophylaxis or

health care was important, but

also the active participation of

the older generations at all

levels. Senior citizens should not

be reduced to recipients of social

benefits, but must actively

participate in political decisions,

thus contributing to the future

development of our society.

interdisziplinär gelöst werden

könne.

Die Ökonomie könne auf dem

Weg zu einer demographieresistenten

Versorgung, in welcher

Verschwendung vermieden

und Nutzen maximiert werden,

einen wichtigen Beitrag leisten.

Hierzu müsse eine eigene

„Altersökonomie“ entwickelt

werden.

gung und der Gesundheitsvorsorge

und eine Kosten sparende

Reform bei den Sozialversicherungsträgern

sind Aufgaben, die

nicht ignoriert werden dürfen.“

Stefan Knafl

“It is high time to take decisions

guaranteeing the long-term

security of the social systems.

Not only the old-age-pensionscheme

should be revised, but

also the health system. This

would include the unlimited

access to medical treatment for

all generations, securing health

care and health prophylaxis as

well as a cost-effective reform of

the social insurances.”

Klaus-Dirk Henke

8


Economy of Aging

Klaus-Dirk Henke

Klaus-Dirk Henke also discussed

the economy of aging. The demographic

changes in our society

caused by lower birth rates and

increased life expectation had

created the need to revise the

financing of the social security

systems which, like the resulting

intergenerational conflicts, could

only be solved through interdisciplinary

measures.

Economy could make an

important contribution towards

Wie werden die Pensionen finanziert?

Theodor Tomandl

Im Referat von Theodor Tomandl,

der auch den Vorsitz der von der

Bundesregierung eingesetzten

Reformkommission zur Pensionssicherung

führt, wurde deutlich,

dass mit der jetzigen Pensionsreform

die Auszahlung der Pensionen

bis zum Jahr 2020 gesichert

sei. Bis 2040 stehe man aber vor

der Situation, dass man um

eine Million mehr alte Menschen

haben werde und um 500.000

weniger Frauen und Männer, die

noch im Erwerbsleben stehen.

How will pensions be financed?

Theodor Tomandl

In his lecture Theodor Tomandl

emphasized that with the current

old-age-pension- scheme the

payment of pensions was guaranteed

until the year 2020. By

2040, however, the situation

would be such that there will be

about 1 more million old people,

Er skizzierte, wie Pensionskontenmodelle

der Zukunft ausschauen

könnten, die stärker als heute

leistungsorientiert seien und sich

an den tatsächlichen Beitragszahlungen

orientieren. Die

Schwierigkeiten dabei lägen vor

allem darin, die so genannte

Übergangsgeneration nicht zu

stark zu belasten. Die Jungen

dürften heute nicht mehr mit Pensionen

im derzeitigen Ausmaß

rechnen. Gleichzeitig könne man

sie aber auch nicht zu unverhältnismäßigen

Beitragsleistungen

verpflichten, ohne das Zusam-

but at the same time 500,000

men and women less in the working

population who can help

finance the pension scheme.

He demonstrated possibilities of

future pension accounts. These

should be more performanceorientated

than today and rely

on actual contribution pay-

ALTERN – EINE NEUE EUROPÄISCHE HERAUSFORDERUNG

making health services resistant

to demographic changes

and avoiding waste while

maximising benefits. In order

to achieve this, an own “Age

Economy” should be developed.

Theodor Tomandl

Altern II, Salzburg, 24. März 2004 Altern II, Salzburg, 24. März 2004

menleben von alt und jung zu

gefährden.

ments. The difficulties here were

to not too heavily put the burden

on the so-called interim generation.

The young generations

could not expect today’s higher

pensions anymore. Therefore

their contributions could not be

raised irresponsibly without jeopardising

the co-existence of

young and old.

39


Theologie der Krankheit

Eugen Biser

Eugen Biser sprach in seinem

Vortrag von der Krankheit als

Testfall des Menschseins. Karl

Jaspers, Franz Rosenzweig oder

Friedrich Nietzsche zitierend,

zeigte er auf, dass Krankheit

auch zu einer Neubewertung des

Lebens führen könne. Wenn man

sich immer in der Sonne des

Glücks befinde, sei Leerlauf die

Folge, durch das Leiden werde

man aufgeweckt. Wird man von

einer Krankheit befallen, wehre

man sich zunächst. Wenn aber

die Kunst des Arztes versagt,

dann bemerke man den „dunklen

Bescheid“ des Sterbenmüssens.

In diesen Grenzsituationen des

Lebens wache man aus dem

Schlummer des Selbstvergessens

auf und alles, was zum

The Theology of Illness

Eugen Biser

Eugen Biser introduced the idea

of illness as a test for human existence.

Quoting Karl Jaspers,

Franz Rosenzweig or Friedrich

Nietzsche, he pointed out that

illness could lead to a reevaluation

of life. Constant happiness

would create an emptiness; suffering

could make aware of

one’s being. At first the disease

would be fought, but when also

modern medicine failed one

would feel “the proximity of

Ende des Lebens

Paul Michael Zulehner

Paul Michael Zulehner befasste

sich kritisch mit der so genannten

Liberalisierung des Sterbens,

wie das in Belgien oder den

Niederlanden mit der Legalisierung

der Euthanasie der Fall ist.

Umfragen würden auch bei uns

zeigen, dass 52 % der Bevölkerung

u.U. bereit seien, das

Leben aktiv zu beenden. Welche

Umstände wären das? 57%

sagten, wenn die Medizin die

www.european-academy.at

Dasein gehört, werde in seiner

Wertigkeit erkannt. Die Krankheit

sei als Läuterung zu verstehen,

Undankbarkeit und Selbstverständlichkeit

würden als Fehler

erkannt. Sie sei ein Vorspiel des

Endgerichts, Gelegenheit, eine

Bilanz des Lebens zu ziehen.

Biser räumte in diesem

Zusammenhang auch mit der

Theologie eines strafenden Gottes

auf. Der Mensch habe nur ein

Dasein auf Abruf, Verfallserscheinungen

des Alters gehörten zum

Leben dazu. „Daher kann eine

Krankheit auch nie eine Strafe

Gottes sein; es gibt keinen Gott

der Drohung, sondern nur der

bedingungslosen Liebe.“ Wenn

jemand eine Krankheit als Strafe

Gottes bezeichnet, dann treibe er

einen Keil zwischen Gott und den

Menschen, der krank ist.

inevitable death”. Coming to this

frontier in life, one would suddenly

wake up to find a new

meaning in human existence,

the disease having come as a

reformation. Ungratefulness and

thoughtlessness would be realised

as mistakes. As an overture

to the end of the human existence,

illness gave the opportunity

to sum up life.

Biser also suggested a new

approach to the theology of a

punishing god. Human existence

was only limited, symptoms of

Schmerzen nicht mehr beseitigen

kann, 26% wenn man den

Angehörigen zur Last fallen

würde, 13% wenn das Sterben

zu teuer käme.

Dieses Umfrageergebnis zeige,

dass viele Menschen auch durch

die Umwelt stark unter Druck

kämen, ermögliche man die aktive

Sterbehilfe. Zulehner forderte,

den umgekehrten Weg einzuschlagen,

nämlich die Palliativmedizin

auszubauen. Noch

immer gebe es keinen Lehrstuhl

Denn Gott habe ja schließlich mit

der Kreuzigung Jesu auch eine

therapeutische Großtat begangen:

Der Arzt litt mit, um den

Kranken (die Menschheit) zu verstehen.

Eugen Biser

decline were part of the aging

process and had to be accepted.

“Illness can therefore never be a

punishment of god; there is no

threatening god, but only the

unquestioning god of love”. Calling

disease a punishment of god

would be to drive a wedge between

god and the suffering

human being.

After all, god himself had committed

a therapeutic act through

the crucifixion of Jesus: The

doctor also suffered to understand

the patient (mankind).

für Palliativmedizin, die aber

mehr sein müsse als nur

Schmerztherapie. Nicht „durch“

die Hand solle man sterben, sondern

„an“ der Hand. Eine humane

Gesellschaft müsse das finanzieren

können.

„Es gibt andere Wege zur

Freiheit des Sterbens als die Liberalisierung

der Euthanasie, die

leicht zur Ent-Sorgung belastender

Sterbender werden

kann.“ Und Rilke zitierend: „Herr,

gib jedem seinen eigenen Tod.“

10


The End of Life

Paul Michael Zulehner

Paul Michael Zulehner critically

discussed the so-called liberalisation

of death, actively practised

in Belgium or the Netherlands

through the legalisation of

euthanasia. Opinion polls clearly

showed that also in Austria 52%

of the population would, if necessary,

be prepared to actively put

an end to their lives. Under which

circumstances ? 57% said if

medicine could not reduce pain

anymore, 26% if becoming a burden

on relatives, 13% if dying

would become too expensive.

These results showed that many

people would come under immen-

Eugen Biser Seniorenstudium

Prof. Dr. Dr. h.c. Universität München

Altern II „Theologie der Krankheit“ . . . . 10

Franz Böhmer Sozialmedizinisches Zentrum

Prof. Dr. Sophienspital Wien

Altern II „Hoffnung Altern“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Max H. Friedrich Universitätsklinik für

Prof. Dr. Neuropsychiatrie

Altern II des Kindes- und

Jugendalters, Wien

„Jugendwahn“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Klaus-Dirk Henke Direktor Europäisches

Univ.-Prof. Dr. Zentrum für

Altern I Staatswissenschaften und

Staatspraxis,

Institut für Finanzwirtschaft

und Gesundheitsökonomie

am Fachbereich Wirtschaft

und Management

Technische Universität Berlin

„Ökonomie des Alterns“ . . . . . . . 8

Stefan Knafl Präsident des

LH-Stv. a.D. Österreichischen

Altern I Seniorenbundes

„Lebensqualität im Alter“ . . . . . 8

Gerhard Knorr Ministerialdirigent

Dr. Bayerisches Sozial-

Altern II ministerium, München

„Geriatrische Versorgung

als dringende

Zukunftsaufgabe“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Andreas Penk Geschäftsführer

Dr. Pfizer Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

Altern I / II

se pressure from their surrounding

if euthanasia was actively supported.

Zulehner claimed to take the

smoother way and expand palliative

medicine. There was still no

university chair for palliative medicine

which in any case should be

more than just pain therapy.

One should not die “from” the

hand, but “holding” the hand. A

human society should be able to

finance this.

“There are other ways to freedom

of death than the liberalisation of

euthanasia which could easily

result in disposing of dying people

who have become a burden.”

Quoting Rilke he added: “Lord,

give everyone his own death.”

ALTERN – EINE NEUE EUROPÄISCHE HERAUSFORDERUNG

Paul Michael Zulehner

Autorenliste Seite Seite

Mit Unterstützung von: Pfizer Österreich

Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste,

Mönchsberg 2, 5020 Salzburg/Austria

Die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste wird von der Republik Österreich

und der Europäischen Union gefördert.

Maria Rauch-Kallat Bundesministerin für

Altern I Gesundheit und Frauen

„Zukunft des Alterns“ . . . . . . . . . . . . 3

Anita Rieder Institut für Sozialmedizin

Prof. Dr. Medizinische Universität Wien

Altern II „Altern mit Zukunft“ . . . . . . . . . . . . . . . 4

Leopold Rosenmayr Institut für Soziologie

Univ. – Prof. Dr. Universität Wien

Altern I „Ist Altern gestaltbar? . . . . . . . . . . . 6

Theodor Tomandl Institut für Arbeitsrecht

Prof. Dr. Universität Wien

Altern II „Wie werden die

Pensionen finanziert ?“ . . . . . . . . . 9

Felix Unger Präsident

Prof. Dr. Dr. h.c. Europäische Akademie

Altern I / II der Wissenschaften

und Künste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

Georg Wick Vorstand des Instituts

Univ.-Prof. Dr. für Pathophysiologie

Altern I Universität Innsbruck

„Wie alt kann der

Mensch werden?“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

Ernst Wolner Leiter der Klinischen

Univ.-Prof. Dr. Abteilung für Herz-

Altern I und Thoraxchirurgie

Allgemeines Krankenhaus

der Stadt Wien

„Der alte Mensch

in unserem

Gesundheitssystem“ . . . . . . . . . . . . . . 6

Paul Michael Institut für Pastoral Theologie

Zulehner Universität Wien

Prof. Dr. „Ende des Lebens“ . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Altern II

Tel. +43-662-8413 45

Fax +43-662-841343

e-mail: office@european-academy.at

www.european-academy.at

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Pfizer setzt sich ein für Altern ohne Kompromisse

Leben bedeutet Altern. Lebensqualität bedeutet Altern ohne

Kompromisse.

Die gesellschaftliche Forderung nach der bestmöglichen medizinischen

Versorgung in jedem Altersabschnitt ist uns daher ein großes Anliegen.

Als Unternehmen und als Partner im Gesundheitsbereich wollen wir von

Pfizer dabei helfen, dieses Anliegen in die Tat umzusetzen.

Unser Ziel heißt Altern ohne Kompromisse.

Altern ohne Kompromisse

Pfizer Corporation Austria · Seidengasse 33-35 · 1071 Wien

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