zoom 03/09: 60 jahre sos-kinderdorf

sos.kinderdorf.ch

zoom 03/09: 60 jahre sos-kinderdorf

NR. 3 / 2009 · WWW.SOS-KINDERDORF.CH · WIR GEBEN KINDERN EIN ZUHAUSE

JUBILÄUMSGALA 60-JAHRE-JUBILÄUM

60 JAHRE SOS-KINDERDORF

SOS-Kinderdorf Schweiz

feiert im Oktober im

Naturhistorischen Museum

SEITE 3

Helmut Kutin, Präsident

von SOS-Kinderdorf International,

zur Zukunft

SEITE 8

1949 hat Hermann Gmeiner SOS-

Kinderdorf gegründet. Was bescheiden

begann, ist heute das weltweit grösste

private Kinderhilfswerk.


EDITORIAL

Liebe Freundinnen und

Freunde der SOS-Kinderdörfer

In einer Zeit ein Jubiläum zu begehen,

in der die Krise allgegenwärtig zu sein

scheint, ist eine Herausforderung. Ich

bin aber überzeugt, dass es gerade heute

wichtig ist, zu fragen, was SOS-Kinderdorf

in den vergangenen 60 Jahren

leisten konnte und worauf wir auch in

Zukunft nicht verzichten dürfen.

1949 waren die Verelendung, die Zerstörungen

und die Zahl der bedürftigen

Kinder in Europa enorm. Auf diese

hoff nungslos scheinenden Verhältnisse

gab Hermann Gmeiner mit dem SOS-

Kinderdorf eine Antwort. Es passierte

Erstaunliches: Menschen, die selbst nur

wenig zum Leben hatten, machten das

Schicksal von Kindern zu ihrem persönlichen

Anliegen – mit kleinen Spenden,

die eine grosse Wirkung hatten.

Auch heute geht es darum, miteinander

für eine friedlichere, gerechtere Welt

einzustehen, ohne die oft unerträglichen

Verhältnisse schönreden zu wollen, unter

denen Millionen Kinder leiden.

SOS-Kinderdorf wuchs in den vergangenen

sechzig Jahren von einem Kinderdorf

auf heute 500 SOS-Kinderdörfer

an. Wir helfen mit unseren Einrichtungen

und Programmen hunderttausenden

Kindern. Inzwischen betreuen wir nicht

nur Kinder, die ohne ihre leiblichen Eltern

aufwachsen. Ebenso wichtig ist die

Stärkung von Familien unter schwierigen

Bedingungen. So können wir am ehesten

sicherstellen, dass die Kinder nicht verlassen

werden.

Wir dürfen deshalb nicht aufhören, alles

Menschenmögliche zu tun, was zum

Wohl von Kindern getan werden kann.

Das ist unser Auftrag seit 60 Jahren.

Helmut Kutin

Präsident SOS-Kinderdorf International

ZOOM 03/09: 60 JAHRE SOS-KINDERDORF

SOS-Kinderdorf feiert dieses Jahr

seinen 60. Geburtstag 3

Erstes SOS-Kinderdorf weltweit

1949 hat Hermann Gmeiner in Imst das

erste SOS-Kinderdorf bauen lassen. Es ist

heute genau so nötig wie vor 60 Jahren. 4

Ein Zuhause für Aidswaisen

In Lesotho ist die Zahl der Aidswaisen so

gross, dass dieses Jahr ein zweites SOS-

Kinderdorf eröff net wird 6

Ein Reiskorn für Korea

Dank der Reiskorn-Aktion

kam 1963 das Geld für das

erste aussereuropäische SOS-

Kinderdorf zusammen 7

Einsatz für Kinder weltweit

Helmut Kutin, Präsident von SOS-Kinderdorf

International, fühlt sich in jedem

SOS-Kinderdorf zu Hause 8

TITELBILD

Zwei Buben spielen

im SOS-Kinderdorf

in Bukavu,

Kongo. Das

Dorf ist 1989

eröffnet worden

und leistet mit

seinem Kindergarten

und seiner

Schule einen

wichtigen Beitrag für den Bildungsbereich

der Region.

Foto: Mischa Haller

myclimate.org / natureOffice.ch / CH-152-656393

Die Grundidee ist gleich geblieben

Mutter, Geschwister, Haus und Dorf –

auch 60 Jahre nach der Gründung funktioniert

diese Idee weltweit 10

Recht auf Kindheit

Mit unterschiedlichsten

Mitteln will SOS-Kinderdorf

Kindern eine glückliche

Kindheit geben 12

Erinnerung einer pensionierten Mutter

Th eresia Neubauer war eine der ersten SOS-

Kinderdorfmütter. Sie zog 1952 mit sechs

Kindern ins SOS-Kinderdorf Imst ein 13

Anfänge in der Schweiz

Der Verein Schweizer Freunde der SOS-

Kinderdörfer wurde 1964 gegründet 14

Neuer Geschäftsführer

Christian Hosmann übernimmt die Leitung

von SOS-Kinderdorf in der Schweiz 15

IMPRESSUM

SOS-ZOOM, August 2009

Herausgeberin:

Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer

Hessstrasse 27A, Postfach, 3097 Liebefeld

Tel. 031 979 60 60, Fax 031 979 60 61

info@sos-kinderdorf.ch

Präsident: Gustav Bader

Geschäftsführer a.i.: Philipp Scheidiger

PC-Konto: 30-31935-2

Mitglied von SOS-Kinderdorf International

ZEWO-anerkannt

Redaktion und Gestaltung:

Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer

Texte: Karin Reber Ammann (kra), Marc Bächler

(mb), SOS-Kinderdorf

Druck: Fischer AG, Data und Print, Münsingen

Papier: weiss, matt, Biber Furioso, 90 g/m2 Aufl age: d 72 500, f 15 000, i 6500

Im Interesse der Schützlinge von SOS-Kinderdorf sind

alle Vornamen der Kinder geändert.

2


3

EIN SPEZIELLES FEST ZUM JUBILÄUM

SOS-Kinderdorf feiert sein 60-jähriges Bestehen mit einer einzigartigen Benefiz-Gala in Bern

Am 16. Oktober begeht SOS-Kinderdorf

in Bern seinen runden Geburtstag. Mit

dabei sind unter anderen Noëmi Nadelmann

und Michael von der Heide.

«Es hat einen besonderen Grund, wenn Kinder

auf der ganzen Welt einen 60. Geburtstag

feiern. Hermann Gmeiner hat sich bei der

Gründung des ersten SOS-Kinderdorfs 1949

in Imst im Tirol wohl kaum vorgestellt, dass

seine Idee zu einem weltweit erfolgreichen

Kinderhilfswerk wachsen würde», sagt Gustav

Bader, Präsident von SOS-Kinderdorf

Schweiz. Diesen Erfolg wollen wir nun mit

Spenderinnen und Spendern, Patinnen und

Paten sowie Freundinnen und Freunden mit

einer speziellen Benefi z-Gala feiern.

Musikalisch werden die Opernsängerin Noëmi

Nadelmann, der Chansonnier Michael

von der Heide, der Jazzmusiker Beat Kaestli

sowie die Volksmusikerinnen Evelyn und

Kristina Brunner für einen abwechslungsreichen

Abend sorgen. Die Räumlichkeiten

des Naturhistorischen Museums Bern bieten

dazu einen aussergewöhnlichen Rahmen.

Kulinarisch sorgt der Kursaal Bern mit einem

Apéro riche für Gaumenfreuden. Abgerundet

wird der Abend mit einer Tombola

mit attraktiven Preisen.

GALA FÜR LESOTHO

Die Benefi z-Gala soll nicht nur ein unvergesslicher

Abend für alle Freundinnen und

Freunde von SOS-Kinderdorf werden, sondern

auch etwas Gutes für Kinder weltweit

bewirken. Aus diesem Grund fl iessen vom

Ticketpreis von 170 Franken 120 Franken

in den Bau des neuen SOS-Kinderdorfs in

Quthing in Lesotho. Hier entsteht für obdachlose

und von HIV betroff ene Waisen

ein neues, liebevolles Zuhause.

Die Durchführung der Gala wäre ohne die

Mithilfe unserer Sponsoren nicht machbar.

Wir bedanken uns deshalb bei unserem

Hauptsponsor Swissôtel Hotels & Resorts,

Noëmi Nadelmann und Michael von der Heide unterstützen SOS-Kinderdorf.

unserem Co-Sponsor Kursaal Bern, unseren

Partnern DC Bank, Bernaqua Erlebnisbad

& Spa, Meister AG Juwelen-Uhren-Silber,

Modernlight Projects, Musikhaus Krompholz,

Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde

Bern, Swiss International Air

Lines sowie unseren Gratulanten Ackermann

Druck, Credit Suisse, Detlefson AG

Anlageberatung, S.E.R. Edelrecycling SA

und Ypsomed AG, dass sie diesen einzigar-

TICKET-BESTELLUNG

Gerne feiern wir mit SOS-Kinderdorf das Jubiläum und bestellen

________ Anzahl Tickets zu je CHF 170.– (CHF 120.– Spende fürs SOS-Kinderdorf Quthing)

� Herr � Frau

Name:

Vorname:

Strasse:

PLZ | Ort:

Telefon: E-Mail:

Einsenden oder faxen an:

Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer, Hessstrasse 27A, 3097 Liebefeld, Fax 031 979 60 61,

oder bestellen Sie Ihre Eintrittskarten per Mail unter: karten@sos-kinderdorf.ch

AKTUELLES

tigen Abend möglich machen. Auch bedanken

wir uns bei Noëmi Nadelmann, Michael

von der Heide, Beat Kaestli sowie Evelyn

und Kristina Brunner, welche für ihren Auftritt

zugunsten von SOS-Kinderdorf auf ihre

übliche Gage verzichtet haben. (mb)

Benefi z-Gala «60 Jahre SOS-Kinderdorf»

Freitag, 16. Oktober 2009, 18.30 Uhr

Naturhistorisches Museum Bern


BRENNPUNKT 4

«KINDER ZU BETREUEN, BEDEUTET IMMER, AUCH DEREN ELTERN MITZUBETREUEN»

Auch 60 Jahre nach seiner Gründung braucht es das SOS-Kinderdorf in Imst genauso dringend wie in seiner Anfangszeit

In Imst hat Hermann Gmeiners Idee

ihren Ausgangspunkt genommen und

ihren Weg um den ganzen Erdball angetreten:

1949 wurde in der Stadt nahe von

Innsbruck das erste SOS-Kinderdorf der

Welt errichtet. Von fünf Familienhäusern

ist das Dorf auf zwölf angewachsen,

die 42 Kindern und Jugendlichen

ein Zuhause bieten.

Das Geld war knapp, als sich Hermann

Gmeiner entschloss, das erste SOS-Kinderdorf

in Imst zu bauen. Die Gemeinde übertrug

ihm das Land etwas oberhalb der Stadt

für einem symbolischen Betrag, und die Bauunternehmer

stellten die Häuser auf, ohne

dafür bezahlt zu werden. Erst später, als regelmässige

Spenden einzutreff en begannen,

konnte Gmeiner die Häuser abzahlen.

1951 zogen vierzig Kinder in die ersten

fünf Familienhäuser des SOS-Kinderdorfes

Imst ein. Die Kinderdorfmütter mussten

zwar «an allen Ecken und Enden sparen»,

wie sich Th eresia Neubauer, eine der ersten

Mütter, erinnert. Doch es dauerte nicht

lange, bis sich die einfache Idee durchsetzen

konnte, elternlosen und verlassenen

Kindern Geborgenheit und Liebe in familienähnlichen

Gemeinschaften zu geben.

JOURNALISTEN IM DORF

1953 brachte Gmeiner eine Schar Journalisten

nach Imst, um sie mit der Philosophie

von SOS-Kinderdorf vertraut zu

machen. Die Journalisten blieben einige

Tage, schauten sich alles genau an, sprachen

mit den SOS-Kinderdorfmüttern

und den Kindern. Das Dorf habe sich in

ein Bienenhaus verwandelt, sagt Th eresia

Neubauer und erzählt, wie sie sich einmal

auf die Treppe zu den Schlafgemächern

gestellt und den Journalisten den Weg versperrt

habe: «Meine Kinder brauchen jetzt

Ruhe», herrschte sie die Männer an.

Der Erfolg dieser Journalistenreise war

durchschlagend: Sämtliche Zeitungen

Ziel von SOS-Kinderdorf ist, dass Sozialwaisen trotz ihrer schwierigen Herkunft eine glückliche

schrieben ausführlich und positiv über

SOS-Kinderdorf, und von da an begannen

die Spenden regelmässig zu fl iessen. SOS

Kinderdorf Imst wurde immer grösser, und

zehn Jahre nach der Gründung gab es in

Österreich, Frank reich, Deutschland und

Italien zwanzig SOS-Kinderdörfer.

INTEGRATION FÖRDERN

Heute umfasst das SOS-Kinderdorf Imst

12 Familienhäuser, in denen 42 Kinder

und Jugendliche aufwachsen, sowie einen

Kindergarten, der auch Kindern aus der

Umgebung off ensteht. Dieses Miteinander

von Kindern aus dem SOS-Kinderdorf und

aus der Nachbarschaft trägt laut dem regionalen

Geschäftsführer Sebastian Wildbichler

dazu bei, dass die im SOS-Kinder-

dorf lebenden Kinder Teil ihres regionalen

Umfeldes sind. Die Hälfte der Kinder, die

den Kindergarten besuchen, kommt aus

der Nachbarschaft des SOS-Kinderdorfes.

«Integration ist ein wichtiges Th ema», sagt

Wildbichler. Deshalb besuchen die Kinder

von SOS-Kinderdorf die öff entliche Schule

und werden ermuntert, sich in lokalen

Vereinen zu engagieren.

Zusätzlich zu den Familienhäusern bestehen

in Imst vier Kinderwohngruppen,

in denen derzeit 16 Kinder leben, die alle

eine funktionierende Beziehung zu ihren

Eltern haben. Wegen Problemen wie Drogensucht

können sie aber nicht permanent

zu ihren Kindern schauen. Ähnlich wie in

einer SOS-Kinderdorf-Familie erhalten die

Kinder hier eine langfristige und familien-


5 BRENNPUNKT

Kindheit erleben können.

nahe Betreuung, werden dabei jedoch von

einem Team begleitet, das aus Familienhelfern

und Sozialpädagogen besteht.

Seit April 2004 gibt es einen Krisenpfl egeplatz,

damit Kinder in akuten Krisensituationen

auf Anfrage des Jugendamtes

kurzfristig untergebracht werden können.

Bis zu acht Kinder leben im «Haus Espenau»

zusammen mit vier Betreuerinnen

und dem Teamleiter. Die Kinder im Alter

zwischen zwei und zwölf Jahren bleiben in

der Wohngruppe, bis eine Rückführung zu

ihren leiblichen Eltern möglich ist oder ein

passender Pfl egeplatz gefunden wurde.

ELTERN INS BOOT HOLEN

Sebastian Wildbichler betont, dass sich

die Arbeit von SOS-Kinderdorf in Mittel-

Foto © Robert Fleischanderl

europa in den vergangenen sechzig Jahren

stark verändert hat: «Heute haben wir vor

allem Sozialwaisen in unseren Dörfern.

Kinder zu betreuen, heisst deshalb immer,

auch deren Eltern mitzubetreuen.» Auch

SOS-Kinderdorfmutter Elisabeth Hochrauter

hebt die Arbeit mit den leiblichen

Eltern als enorm wichtigen Faktor hervor.

«Wir müssen die Eltern ins Boot holen,

sonst ist vieles nicht möglich» sagt sie.

Da die Kinder aus schwierigen sozialen

Verhältnissen kommen, haben die meisten

Kinder unverlässlichen Kontakt zu ihren

Eltern, was sich laut der Kinderdorfmutter

besonders in der Pubertät negativ auswirkt:

«In der Pubertät ist das Selbstwertgefühl

ohnehin angeschlagen. Da geht es vor

allem darum, die Situation auszuhalten»,

sagt die 55-Jährige.

Es erstaunt deshalb nicht, dass die Ausbildung

für SOS-Kinderdorfmütter heute viel

anspruchsvoller ist als früher und sie weniger

Kinder betreuen (vier bis fünf statt acht

bis zwölf). Während Th eresia Neubauer

1952 nach zwei Monaten Einführung sechs

Kinder übernahm, dauerte die Ausbildung

von Elisabeth Hochrauter zweieinhalb Jahre.

Fortbildungskurse erlauben es den Kinderdorfmüttern

heutzutage zudem, sich

regelmässig weiterzubilden. Die Grundbedürfnisse

der Kinder allerdings sind gleich

geblieben: «Sie brauchen von jeher zärtliche

Zuwendung, Grenzen, viel Zeit und Annahme»,

sagt der regionale Geschäftsführer

Wildbichler.

HILFE FÜR FLÜCHTLINGSKINDER

Längst geht die Arbeit von SOS-Kinderdorf

über das Kinderdorf hinaus. So ist

zusammen mit dem Jugendamt ein Projekt

für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

entstanden: Über zwanzig jugendliche

Flüchtlinge, die ohne Angehörige aus ihrem

Heimatland fl üchten mussten, erhalten

neben der Grundversorgung eine sozialpädagogische

Betreuung. Zudem lernen sie

Deutsch, gehen zur Schule oder beginnen

eine Ausbildung. «Egal, ob die Flüchtlinge

bleiben können oder zurück in ihre Heimatländer

gehen müssen – es geht darum,

dass sie die Zeit hier sinnvoll nutzen», sagt

Sebastian Wildbichler. (kra)

Die Küche ist von jeher ein wichtiger Treff punkt für die Mütter und Kinder.

Foto © SOS-Kinderdorf


BRENNPUNKT 6

IM JUBILÄUMSJAHR ENTSTEHT EIN «SCHWEIZERDORF» IN LESOTHO

In Quthing wird mit Schweizer Spenden ein neues SOS-Kinderdorf gebaut

Die Zahl der Aidswaisen in Lesotho ist

so hoch, dass heuer ein zweites SOS-Kinderdorf

eröff net wird. SOS-Kinderdorf

Quthing ist in die Nachbarschaft integriert

und dadurch kostengünstiger.

Nach der Eröff nung des ersten SOS-Kinderdorfes

im kleinen Königreich Lesotho

wurde schnell klar, dass ein zweites gebaut

werden muss. Das zwei Millionen Einwohner

zählende Land im Herzen Südafrikas

war von jeher arm. Doch in den letzten

Jahren rutschte Lesotho immer mehr in

die Krise: Wachsende Arbeitslosigkeit,

wegen Trockenheit und Erosion zurückgehende

Landwirtschaft und die rasante

Verbreitung von HIV und Aids haben die

Gesellschaftsstruktur kurz vor den Kollaps

gebracht.

Das südliche Afrika ist von Aids am stärksten

betroff en: 2007 starben hier laut der

Anti-Aids-Organisation der Uno (Unaids)

600 000 Personen an Aids – das ist ein Drittel

aller Aidstoten weltweit. Die wachsende

Zahl von Aidswaisen führte dazu, dass das

SOS-Kinderdorf in der Hauptstadt Maseru

schnell ausgelastet war. Dieses Jahr wird

nun das zweite SOS-Kinderdorf in Lesotho

fertiggestellt, das ausschliesslich mit Schweizer

Spenden fi nanziert wird. Das Dorf im

Süden des Landes bietet Platz für 120 Kinder

und wird gemäss den SMI-Richtlinien

gebaut. SMI steht für solid (solide), modest

(bescheiden) und integrated (integriert).

TIEFERE UNTERHALTSKOSTEN

SOS-Kinderdorf Quthing wird etwas kleiner

gebaut und der Ausbau sowie die Ausstattung

fallen bescheidener aus als in den bisherigen

Kinderdörfern. Das führt dazu, dass

sich das neue SOS-Kinderdorf nicht von den

Gebäuden der Nachbarschaft unterscheidet.

SMI-Dörfer erlauben es nicht nur, die

Bau- und Unterhaltskosten zu reduzieren,

sie fördern auch die Integration der Kinder

und der SOS-Kinderdorfmütter. Die Kinder

wachsen gemeinsam mit denjenigen aus der

Nachbarschaft auf und besuchen öff entliche

Das SOS-Kinderdorf in Quthing wird im Verlauf des Jahres fertiggestellt sein.

Schulen. Zusätzlich baut SOS-Kinderdorf

einen Kindergarten, der bisher in Quthing

fehlte. Dieser wird auch den Kindern aus der

Umgebung off enstehen.

ZWÖLF MILLIONEN AIDSWAISEN

SOS-Kinderdorf ist seit 1988 in Lesotho

tätig. Die Arbeit ist von der Aids-Epidemie

geprägt, welche die Länder in ihrer Entwicklung

zurückgeworfen hat. Die durchschnittliche

Lebenserwartung beispielsweise

ist auf 50 Jahre gesunken.

Laut Unaids haben zwölf Millionen

schwarzafrikanische Kinder und Jugendliche

einen oder beide Elternteile wegen Aids

verloren. In den SOS-Kinderdörfern leben

viele Aidswaisen, einige von ihnen tragen

das HI-Virus in sich und werden mit antiretroviralen

Medikamenten behandelt.

SOS-Kinderdorf Lesotho betreibt zudem

ein Hilfsprogramm für arme Grossfamilien

und Familien, die von älteren Kindern oder

Grosseltern geführt werden, weil die Eltern

gestorben sind. (kra)

Foto © SOS-Kinderdorf


7 BRENNPUNKT

«EIN REISKORN FÜR KOREA!»

In Daegu nahm 1965 das erste SOS-Kinderdorf ausserhalb Europas seinen Betrieb auf

Die Reiskorn-Aktion, mit welcher der

Gründer von SOS-Kinderdorf das Geld

zum Bau des ersten aussereuropäischen

Dorfes zusammengetrommelt hat, gilt

bis heute als Geniestreich. Über 40 Jahre

später lebt die dritte Generation Kinder

im SOS-Kinderdorf Daegu.

Südkorea hat sich längst vom Krieg erholt,

der von 1950 bis 1953 auf der Halbinsel

wütete, fast drei Millionen Menschenleben

forderte und die ganze Industrie zerstörte.

Das SOS-Kinderdorf Daegu befi ndet sich

am Rand der Stadt, unweit des Flughafens.

Ein kleiner Fluss zieht in der Nähe vorbei,

und die Kirschbäume im Garten und in der

Umgebung vermitteln ein Bild von Sicherheit

für die knapp hundert Kinder, die zurzeit

im Dorf aufwachsen. Die meisten von

ihnen sind «Sozialwaisen», die nicht mehr

in ihrer Herkunftsfamilie leben können.

Im SOS-Kinderdorf gibt es einen eigenen

Kindergarten, der auch Kindern aus der

Nachbarschaft off ensteht. Die grösseren

Kinder besuchen Grund- und Sekundarschulen

in der Stadt. 1999 wurde ein SOS-

Sozialzentrum errichtet, in dem tagsüber

bis zu 80 Kinder betreut werden.

IN LUMPEN GEKLEIDETE KINDER

Als Hermann Gmeiner 1963 ins vom Krieg

und seinen Folgeerscheinungen schwer zerrüttete

Südkorea kam, war die Situation

ganz anders. Auslöser seiner Reise war die

Begegnung mit Maria Heissenberger gewesen.

Die Entwicklungshelferin kümmerte

sich in Südkorea um elternlose, ihrem

Schicksal überlassene Kinder und hatte

Gmeiner angesichts der dramatischen Situation

tausender Kinder um Hilfe gebeten.

Daegu, die drittgrösste Stadt des Landes,

bot auch zehn Jahre nach Beendigung des

Krieges ein Bild des Hungers, der Kälte

und der Verarmung. Überall waren Kinder

– verlassene Kinder, in Lumpen gekleidet,

zu Skeletten abgemagert.

Im SOS-Kinderdorf Daegu fi nden Waisen seit vierzig Jahren ein liebevolles Zuhause.

Die Begegnung Gmeiners mit dem neunjährigen

Kim war schicksalshaft – für Südkorea

und SOS-Kinderdorf. Er lief auf der Strasse

neben Hermann Gmeiner her, gestikulierte,

lachte und ass mit ihm. Am Abend holte er

aus seiner Hosentasche ein Reiskorn hervor

und legte es Gmeiner in die Hand. Reis

symbolisiert in Korea Gesundheit, Friede,

ein langes Leben und Glück.

MILLIONEN REISKÖRNER

An diesem Abend wurde die Idee mit dem

Reiskorn geboren – eine auch nach heutigen

Massstäben äusserst erfolgreiche Mittelbeschaff

ungsaktion, die zugleich den Beginn

des aussereuropäischen Engagements von

SOS-Kinderdorf einläutete: Gmeiner kam

mit einem Sack voll Reis zurück nach Europa

und startete die Aktion «Ein Reiskorn

für Korea!».

In Österreich, Deutschland, der Schweiz,

Skandinavien und schliesslich sogar in den

USA wurden Millionen einzelne Körner an

Haushalte verschickt mit der Bitte, dafür

Foto © SOS-Kinderdorf

einen Dollar zu bezahlen. Noch im selben

Jahr konnte mit dem Bau des SOS-Kinderdorfes

in Daegu begonnen werden.

Hae Soo Joung war einer der ersten Buben,

die ins SOS-Kinderdorf Daegu einzogen.

Seine Mutter starb, der Vater war überfordert,

und als der Knabe eine schwere Lungenentzündung

entwickelte, wollten auch

die Verwandten nicht mehr zu ihm schauen.

Der heute 53-Jährige sagt: «Die Kindheit

im SOS-Kinderdorf ist die Basis, auf der ich

mein Leben aufgebaut habe. Ich erinnere

mich gerne und oft daran zurück.»

Seine SOS-Kinderdorfmutter ist Lucy Ann.

Sie war die erste Kinderdorf-Mutter in Korea

und damit auch in Asien. Während ihren

25 Jahren im SOS-Kinderdorf Daegu zog sie

22 Kinder gross. Seit 1989 lebt sie im «Mütterhaus»

für pensionierte SOS-Kinderdorf-

Mütter im Dorf. Langweilig wird es ihr auch

dort nicht: «Fast alle meine Kinder haben regelmässig

Kontakt mit mir. Täglich erhalte

ich Telefonanrufe, und die Festtage feiern

wir immer zusammen», erzählt sie. (kra)


STIMME AUS SOS-KINDERDORF 8

«ICH BIN IN JEDEM SOS-KINDERDORF ZUHAUSE»

Helmut Kutin, Präsident von SOS-Kinderdorf International, will die Familienstärkungsprogramme fördern

Trotz gesellschaftlicher Veränderungen

ist die Kernaufgabe von SOS-Kinderdorf

in den letzten 60 Jahren gleich geblieben:

Kinder sollen in stabilen Verhältnissen

aufwachsen können.

SOS-Kinderdorf: Was ist bei SOS-Kinderdorf

in den letzten 60 Jahren gleich

geblieben, was hat sich verändert?

Helmut Kutin: Gleich geblieben ist die

SOS-Kinderdorff amilie, die auf die vier

Grundsätze Mutter, Geschwister, Haus

und Dorf aufbaut. Geändert hat sich die

Gesellschaft, vor allem in Mitteleuropa.

Heute müssen die SOS-Kinderdorfmütter

die Eltern mitbetreuen. In den letzten Jahren

wichtiger geworden sind die Familienstärkungsprogramme

(FSP). Es ist immer

am besten, wenn Kinder in ihrer eigenen

Familie aufwachsen können.

Wie wichtig sind Familienstärkungsprogramme

für die Entwicklungsländer?

Es wird uns nie gelingen, genügend SOS-

Kinderdörfer in Afrika, Asien und Südamerika

zu bauen. Deshalb setzen wir

vermehrt auf die Familienstärkungsprogramme.

Sie haben drei Standbeine: Schule,

Nahrung, medizinische Betreuung. Damit

ermöglichen wir Kindern, in stabilen

Verhältnissen aufzuwachsen.

Wie wird sich das Verhältnis zwischen

den SOS-Kinderdörfern und den Familienstärkungsprogrammenentwickeln?

Wir planen, 60 Prozent der Mittel in die

Kinderdörfer zu stecken und 40 Prozent

in die Familienstärkungsprogramme.

Die Kinderdörfer sind und bleiben unsere

Stärke. Bei den Familienstärkungsprogrammen

müssen wir noch viel lernen.

Da auf diesem Gebiet auch viele andere

Organisationen arbeiten, müssen wir

vermehrt zusammenarbeiten. Es braucht

uns alle.

Helmut Kutin ist viel unterwegs: hier im SOS-Kinderdorf Lilongwe in Malawi.

Foto © Alexander Gabriel

Braucht es SOS-Kinderdörfer in Mitteleuropa?

Unbedingt. Wir haben mehr Anfragen

als wir Kinder aufnehmen können. Vor

allem für die leiblichen Geschwister von

Grossfamilien, die zusammenbleiben sollen,

findet sich schwer ein Platz. SOS-

Kinderdörfer sind hier die ideale Lösung.

Eine weitere Aufgabe ist die kurzfristige

Unterstützung in Krisensituationen. Wir

geben Müttern und ihren Kindern die

Möglichkeit, einige Wochen oder Monate

im Dorf zu leben, bis sich ihre Situation

normalisiert hat oder sie eine andere Lösung

gefunden haben.

Wie unterscheidet sich die Arbeit von

SOS-Kinderdorf in Mitteleuropa und in

den Entwicklungsländern?

Es gibt eigentlich keinen Unterschied. In

den Entwicklungsländern sind die Kinder

jedoch vor allem Waisen, während sie in

Mitteleuropa zu 90 Prozent Sozialwaisen

sind. Für Waisen ist ein Lebensabschnitt

fertig, und sie können sich auf die neue

Situation einstellen. In Europa werden die

Kinder zwischen den leiblichen Eltern und

ihrem neuen Heim im SOS-Kinderdorf

hin und her gerissen.

Was bedeutet das für die SOS-Kinderdorf-Mütter?

Sie sind viel mehr als nur Mutter, und entsprechend

wurde die Ausbildung für sie

verbessert. Diese dauert inzwischen knapp

drei Jahre. Aber: Muttersein kann man

nicht lernen, das muss von Herzen kommen.

Wir können Unterstützung dazu liefern

und Hilfsmittel geben.

Sie sind in Imst aufgewachsen, haben später

das SOS-Kinderdorf in Saigon aufgebaut

und sind 1985 Präsident geworden.

Wo ist ihr Zuhause?

Ich bin in jedem SOS-Kinderdorf zuhause.

(kra)


9

«ICH WEISS NICHTS BESSERES, ALS EINEM KIND ZU HELFEN»

Vor 60 Jahren gründete Hermann Gmeiner in Österreich den Verein SOS-Kinderdorf

Hermann Gmeiner hat als Kind seine

Mutter verloren und ist von seiner

Schwester grossgezogen worden. Das

Schicksal von Kindern in Not lag ihm

immer am Herzen, und er verwirklichte

seine Vision, Waisen in den SOS-Kinderdörfern

ein Zuhause zu geben.

Hermann Gmeiner gehörte zu jenen Menschen,

die eine Vision nicht nur im Geist

mit sich tragen, sondern sie konkret umsetzen:

Die Not und Verlassenheit der vielen

Kriegswaisen und die Missstände in den

überfüllten, kasernenartigen Heimen der

Nachkriegszeit machten ihm so zu schaffen,

dass er sein Medizinstudium abbrach

und sich stattdessen für Kinder einzusetzen

begann: «Ich habe eines Tages dieses

Schicksal der Kinder nicht mehr ertragen

und glaubte, es muss einen andern Weg

geben, diese Kinder wieder hereinzuholen

in die Gesellschaft.» Seine Überzeugung,

keine Hilfe könne wirksam sein, wenn

ein Kind ohne Zuhause aufwachsen müsse,

führte 1949 zur Gründung des Vereins

SOS-Kinderdorf. «Ich weiss nichts Besse-

Hermann Gmeiner auf Besuch in Imst ...

Foto © Alexander Gabriel

res, als einem Kind zu helfen», sagte er damals.

Im gleichen Jahr legte er in Imst im

Tirol den Grundstein für das erste SOS-

Kinderdorf. Von da an widmete Hermann

Gmeiner sein Leben ganz der Vision, ein

Zuhause für Kinder in Not zu schaffen, wo

sie wie in einer Familie aufwachsen: mit

einer SOS-Kinderdorf-Mutter, Geschwistern,

in einem Familienhaus, umgeben von

einem schützenden Dorf.

GEPRÄGT VOM ZWEITEN WELTKRIEG

Gmeiner war 1919 in Vorarlberg in eine

kinderreiche Bauernfamilie geboren worden.

Er war erst fünfjährig, als seine

Mutter starb und seine älteste Schwester

Elsa deren Platz einnehmen und für die

jüngeren Geschwister sorgen musste. Nur

dank eines Stipendiums konnte der begabte

Knabe später das Gymnasium besuchen.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit

prägten seine Jahre als junger

Mann. Neben dem Studium engagierte

sich Hermann Gmeiner als Jugendbetreuer

und war immer wieder schockiert über die

Zustände, in denen Kinder leben mussten.

In den Bombenruinen der grossen Städte

und in den Massenunterkünften der Millionen

von Vertriebenen herrschte Verzweiflung.

«Wohlfahrtsorganisationen unternahmen

alle nur erdenklichen Anstrengungen,

um die entwurzelten, herumstreunenden

Kinder und Jugendlichen wenigstens vor

den ärgsten Gefahren der Verwahrlosung

zu retten», beschrieb Hermann Gmeiner

die damalige Situation. Doch die vorhandenen

Institutionen waren dem Ansturm

hilfs- und schutzbedürftiger Jugendlicher

nicht gewachsen.

BESCHEIDENE ANFÄNGE

SOS-Kinderdorf begann klein und bescheiden.

Doch dank dem Namen Hermann

Gmeiner, seinem Charisma, seinem

Mitgefühl und seiner Tatkraft fanden die

SOS-Kinderdörfer in den folgenden Jahr-

... und im senegalesischen Dakar.

BRENNPUNKT

zehnten breite Akzeptanz. Im Jahr 1960

gab es bereits zehn SOS-Kinderdörfer mit

hundert Familien. Möglich machten das

die Spender, wie Gmeiner betonte: «Millionen

Freunde in aller Welt haben mir geholfen,

Kindern in den SOS-Kinderdörfern ein

Zuhause zu geben.»

Im folgenden Jahrzehnt wurde SOS-Kinderdorf

auch ausserhalb Europas aktiv –

zuerst in Daegu in Südkorea, wo sich die

Bevölkerung vom Krieg erholen musste.

1969 befanden sich 39 SOS-Kinderdörfer

in Europa, 15 in Lateinamerika und 14

in Asien. 1970 wurde die Elfenbeinküste

als erstes afrikanisches Land Mitglied der

weltweiten SOS-Familie.

Als Hermann Gmeiner am 26. April 1986

starb, existierten in 98 Ländern 1122 SOS-

Kinderdorf-Einrichtungen wie Kinderdörfer,

Schulen, Kindergärten, Jugendhäuser,

Sozial- und Ausbildungszentren. Gmeiner,

der während seines Lebens mit Orden und

Doktorhüten, Ehrenbürgerschaften und

ungezählten Anerkennungen geehrt worden

war, wurde im ersten SOS-Kinderdorf

in Imst begraben. (kra)

Foto © Alexander Gabriel


HINTERGRUND 10

TROTZ VIELER ENTWICKLUNGEN HAT SICH DIE GRUNDIDEE VON SOS-KINDERDORF NICHT VER

In der jüngeren Zeit beschäftigt sich SOS-Kinderdorf vermehrt mit der präventiven Familienhilfe, damit Kinder bei ihren

«Zugehörig sein ist das Wichtigste», sagt

Helmut Kutin, Präsident von SOS-Kinderdorf

International. Seit der Gründung

im Jahre 1949 haben 120 000 Kinder und

Jugendliche dieses Gefühl des Zugehörigseins

und des Nach-Hause-Kommens

erleben dürfen.

Vor 60 Jahren gründete der Österreicher

Hermann Gmeiner den SOS-Kinderdorf-

Verein und baute gemeinsam mit seinen

Freunden das erste SOS-Kinderdorf in

Imst. Angesichts der Not der Kriegswaisen

und der Missstände in den Heimen war es

seine Vision, verlassenen und elternlosen

Kindern ein echtes Zuhause zu geben. Er

verwirklichte eine einfache, aber bahnbrechende

Idee: Jedes Kind braucht eine

Mutter und wächst am natürlichsten mit

Geschwistern in einem eigenen Haus innerhalb

einer Dorfgemeinschaft auf. Dieser

familienpädagogische Ansatz machte

die SOS-Kinderdörfer zu Pionieren der

ausserfamiliären Kinderbetreuung. Zurzeit

wachsen in den 491 SOS-Kinderdörfern

und 396 SOS-Jugendeinrichtungen über

80 000 Kinder und Jugendliche auf.

Bis heute sind es vor allem Frauen, die den

Elternteil in der SOS-Kinderdorf-Familie

bilden. Inzwischen ist dieses geschlechtsspezifische

Paradigma allerdings durchlässiger

geworden: Es gibt sowohl Elternpaare

als auch einzelne SOS-Kinderdorf-Väter

– eine Entwicklung, die mit dem gesellschaftlichen

Wandel einhergeht.

Parallel zu diesen Entwicklungen durchläuft

SOS-Kinderdorf eine strukturelle Veränderung:

Es geht darum, sich mit andern Organisationen

im Bereich der ausserfamiliären

Betreuung von Kindern, der Kinderrechte

und in der Familienförderung zu vernetzen

und die Sozialleistungen nicht nur im

«Kernprodukt SOS-Kinderdorf» zu sehen.

Die Uno-Kinderrechtskonvention ist der

Leitfaden jeder Organisation, die sich mit

Kindern und ihren Lebenssituationen be-

Imst vor 60 Jahren und Francistown, Botswana, heute. Das Prinzip hat sich nicht verändert:

schäftigt. SOS-Kinderdorf versteht sich als

ein Akteur neben und mit anderen, ohne

dabei sein Profi l zu verlieren.

Ein Beispiel für diese Vernetzung ist das

von SOS-Kinderdorf initiierte Projekt

Quality4Children. Gemeinsam mit IFCO

(Internationale Organisation für Pfl egeunterbringung)

und FICE (Internationale Gesellschaft

für erzieherische Hilfen) erarbeitete

SOS-Kinderdorf europaweite Standards

für die Betreuung von Kindern, die nicht bei

ihren leiblichen Eltern aufwachsen können.

SOS-Kinderdorf fokussiert sich neben den

Kinderdörfern mit den Familienstärkungs-

Foto © SOS-Kinderdorf

programmen zusehends auf die präventive

Familienhilfe. Damit soll sichergestellt

werden, dass Kinder in ihrem Familienverband

bleiben können.

FAMILIEN STÄRKEN UND SCHÜTZEN

Unter schwierigen Lebensbedingungen

und in Krisensituationen sind Eltern

häufi g kaum in der Lage, für ihre Kinder

zu sorgen. Vielen fehlt es am Nötigsten:

dem Geld für den Arzt oder die Schule,

an Kraft, Gesundheit oder Zuversicht.

Mit den Familienstärkungsprogrammen

will SOS-Kinderdorf Familien helfen,


ÄNDERT

11 HINTERGRUND

Eltern aufwachsen können

Die Kinder wachsen in einer Familie mit Geschwistern in einer Dorfgemeinschaft auf.

langfris tig eigenständig ihr Leben zu bewältigen.

Nur so ist gesichert, dass Kinder

in ihrer Familie aufwachsen können.

SOS-Kinderdorf ist davon überzeugt, dass

die Familie für Kinder fast immer der beste

Platz zum Aufwachsen ist. Weltweit haben

jedoch Millionen Kinder den Schutz ihrer

Familie verloren. Wegen Armut, Krankheit,

Gewalt, Katastrophen und bewaff neten

Konfl ikten steigt die Zahl der Kinder, die

im Risiko leben, verlassen, vernachlässigt

und missbraucht zu werden.

In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gemeinden

und lokalen Partnern unterstützt

SOS-Kinderdorf weltweit benachteiligte Familien.

Die Familienstärkungsprogramme

richten sich je nach örtlichen Gegebenheiten

an spezielle Zielgruppen, wie allein

erziehende Mütter, von Aids betroff ene

Familien oder Familien in wirtschaftlichen

Notlagen, die häufi g mit Suchtproblematik,

Krankheit und Ausgrenzung einhergehen.

260 000 Menschen werden im Rahmen dieser

Programme unterstützt.

BILDUNG STEHT IM ZENTRUM

Ein grosses Anliegen für SOS-Kinderdorf

ist die Bildung. SOS-Kinderdorf unter-

Foto © Kathy Ferreira

stützt daher Kinder bei ihrer Ausbildung,

und zwar sowohl jene, die in SOS-Kinderdörfern

aufwachsen, als auch jene, die

an einem Familienstärkungsprogramm

teilnehmen. Das bedeutet zum Beispiel,

dass man Kindern den Zugang zu Bildung

ermöglicht, indem man ihnen und ihren

Familien beim Schulgeld, bei den Schulmaterialien

und der Schuluniform fi nanziell

unter die Arme greift. In anderen Fällen

betreibt SOS-Kinderdorf Kindergärten

und Schulen sowie Berufsbildungszentren.

Alle knapp 200 Hermann-Gmeiner-Schulen

sind staatlich anerkannt und unterrichten

nach dem Lehrplan des Landes.

NOTHILFE IN AKUTEN KRISEN

Neben der langfristigen Unterstützung wird

SOS-Kinderdorf in Notzeiten aktiv. Die Jahre

2004 und 2005 etwa waren geprägt von

umfangreichen Nothilfeprogrammen. Seit

Ende 2004 betreuen SOS-Mitarbeitende im

riesigen Flüchtlingslager Abu Shok in der

sudanesischen Bürgerkriegsprovinz Darfur

traumatisierte Kinder und allein stehende

Frauen psychologisch und medizinisch.

Ende 2004 forderte die Tsunami-Katastrophe

in Südasien hunderttausende Tote und

machte Millionen obdachlos. SOS-Kinderdorf

startete die grösste Hilfsaktion seiner

Geschichte: Vom ersten Tag waren Mitarbeitende

in Indien, Indonesien, Sri Lanka

und Th ailand im Einsatz, um Überlebenden

– vorrangig Kindern und ihren Familien –

mit dem Nötigsten zu helfen. Nach Wochen

der Soforthilfe für 23 000 Menschen begann

SOS-Kinderdorf mit Wiederaufbauprojekten,

darunter der Bau von 2394 Wohnhäusern

für 11 900 Personen, 18 Gemeindezentren

mit Kindergärten sowie sechs neue

Kinderdörfer mit Kindergärten, Jugendeinrichtungen

und Sozialzentren.

Trotz all diesen Entwicklungen und den

vielen Veränderungen: Das, wofür SOS-

Kinderdorf steht, ist seit 60 Jahren unverändert

gültig. (kra)


HINTERGRUND 12

VON DEN DUNKLEN SEITEN DER KINDHEIT

SOS-Kinderdorf will möglichst vielen Kindern eine glückliche Kindheit ermöglichen

Spielen und ausgelassen lachen können, wie diese Kinder im SOS-Kinderdorf Kathmandu, sind Grundrechte von Kindern.

Kind sein: Im Sandkasten spielen,

Schmetterlinge jagen, den höchsten

Baum der Welt ersteigen – das ist die eine

Seite. Die andere: Kinderarbeit, Kindersoldaten,

jugendliche Flüchtlinge.

KINDER OHNE ELTERLICHE BETREUUNG

Die Fakten: Weltweit haben 133 Millionen

Kinder einen oder beide Elternteile verloren.

Allein durch Aids wurden 15 Millionen

Kinder zu Waisen. Auch die Zahl der

Sozialwaisen, also verlassene oder vernachlässigte

Kinder, ist Besorgnis erregend.

Unsere Antwort: Kinder, die ihre Eltern

verloren haben oder nicht in ihrer Familie

aufwachsen können, finden im SOS-Kinderdorf

ein familiäres Umfeld mit stabilen

Beziehungen. Familienförderprogramme

stellen sicher, dass sich Familien langfristig

selbst erhalten können. So wird verhindert,

dass Kinder aus Not verlassen werden.

GEWALT GEGEN KINDER

Die Fakten: 300 Millionen Kinder sind

Opfer von Gewalt und Ausbeutung. Jedes

sechste Kind zwischen fünf und 14 Jahren

ist in Kinderarbeit involviert. 70 Millionen

Mädchen sind genital verstümmelt,

und über 60 Millionen Frauen wurden vor

ihrem 18. Lebensjahr verheiratet.

Unsere Antwort: Kinder, die in einem SOS-

Kinderdorf aufgenommen werden, haben oft

traumatische Erfahrungen hinter sich. Liebevolle

Beziehungen helfen, diese Wunden

zu heilen. Familienstärkungsprogramme

helfen, Krisen in den Familien abzufangen.

BILDUNG

Die Fakten: Weltweit besuchen 86 Prozent

aller Kinder im Grundschulalter die

Schule. Dennoch gingen 2006 101 Millionen

Kinder nicht in die Grundschule. Nur

60 Prozent der Kinder im Hauptschulalter

besuchen eine Haupt- oder Sekundarschule.

Die restlichen 40 Prozent gehen in die

Grundschule oder nicht mehr zur Schule.

Unsere Antwort: SOS-Kinderdorf unterstützt

Kinder bei ihrer Ausbildung. Dabei

spielt es keine Rolle, ob sie in SOS-Kinderdörfern

aufwachsen oder in einem Familienstärkungsprogramm

integriert sind.

GESUNDHEIT

Die Fakten: Jeden Tag sterben 26 000 Kinder

unter fünf Jahren; über ein Drittel bei der

oder direkt nach der Geburt. Kleinkinder

sind am meisten durch unzureichende hygienische

Bedingungen gefährdet.

Unsere Antwort: In strukturschwachen

Gebieten errichten wir im Einzugsbereich

von SOS-Kinderdörfern medizinische

Zentren, die auf die Versorgung von Kindern

und Frauen spezialisiert sind.

Ein anderer Aspekt ist die psychische Gesundheit

von Kindern und Jugendlichen.

Deshalb arbeiten in allen SOS-Kinderdorf-

Einrichtungen Psychologen.

HIV/AIDS

Die Fakten: 2007 lebten zwei Millionen

Kinder unter 15 Jahren mit dem HIV-

Virus, die meisten von ihnen südlich der

Sahara. Hier ist HIV/Aids zum bestimmenden

Faktor für familiäre Strukturen

geworden und ein Hauptgrund für die extreme

Zunahme an Halb- und Vollwaisen.

Unsere Antwort: In den Familienförderungsprogrammen

im südlichen Afrika

und in den medizinischen Zentren spielt

die Auseinandersetzung mit der Immunschwächekrankheit

eine zentrale Rolle. Betroff

ene Familien erhalten HIV/Aids-Beratung,

kostenlose Tests sowie antiretrovirale

Th erapie. (kra)

Foto © Alan Meier


13 STIMME AUS SOS-KINDERDORF

«KINDER BRAUCHEN GEBORGENHEIT, ANERKENNUNG UND LIEBE»

Theresia Neubauer war eine der weltweit ersten SOS-Kinderdorfmütter

Sie wollte einen sozialen Beruf ergreifen

und war begeistert von der Idee der

SOS-Kinderdörfer. Die pensionierte

SOS-Kinderdorfmutter Th eresia Neubauer

zog mit viel Engagement 32 Kinder

gross.

«Ich hatte ein erfülltes Leben», sagt die pensionierte

SOS-Kinderdorfmutter Theresia

Neubauer. Die 83-Jährige gehörte zu den

ersten SOS-Kinderdorfmüttern überhaupt

und bezeichnet ihre Arbeit als Lebensaufgabe.

Als 25-Jährige begann sie im ersten

SOS-Kinderdorf in Imst zu arbeiten. Ihre

Familie bestand aus sechs Kindern – fünf

leiblichen Geschwistern und einem weiteren

Buben – und sie zogen am Heiligen

Abend 1952 ins Haus «Frieden» ein.

Die resolute Frau, die heute im «Mütterhaus»

im SOS-Kinderdorf Hinterbrühl

nahe bei Wien lebt, hat beste Erinnerungen

an die Anfangszeit: «Es war ein steiler Einstieg

für uns, aber auch sehr schön. Das

Beste in dieser Zeit war der starke Zusammenhalt

unter den Erwachsenen. Wir haben

uns immer ausgeholfen», erzählt sie. So

brachten die andern SOS-Kinderdorfmütter

ihr bei der Ankunft Weihnachtsgebäck

und kleine Geschenke für die Kinder, und

eine der Mütter, die ursprünglich Schneiderin

gelernt hatte, passte bis in den Abend

Kleider an, damit die sechs Kinder genug

zum Anziehen hatten.

Tochter Margrit, die am Heiligen Abend

1952 im SOS-Kinderdorf angekommen

war, hat beste Erinnerungen an Gmeiner:

«Er war für uns eine Vaterfigur. Er spielte

mit uns, kam Ski fahren und wandern oder

half mit, den Weihnachtsbaum zu schmücken.»

In den regelmässigen Kinderstunden

brachte er ihnen zudem Manieren wie

Nase putzen oder Leute grüssen bei. Der

Verlust der leiblichen Eltern sei hart gewesen,

sagt die inzwischen 65-jährige Frau.

Aber die Zeit in Imst sei wunderschön gewesen:

«Wir hätten es nicht schöner haben

können.»

FORTWÄHRENDER LERNPROZESS

Theresia Neubauers Familie wuchs in Imst

auf zwölf Kinder an. Sie blieb fünf Jahre

dort, bevor sie ins neue SOS-Kinderdorf

in Hinterbrühl umzog, wo sie bis zu ihrer

Pensionierung arbeitete. Die ersten Jahre

seien ein fortwährender Lernprozess gewesen,

und das Geld habe kaum gereicht,

erzählt sie. Funktioniert habe es vor allem,

weil die Mütter sich ausgetauscht und zusammen

gelernt hätten, wie ein Kinderdorf

funktionieren müsse.

Inzwischen dauert die Ausbildung zur

SOS-Kinderdorfmutter knapp drei Jahre.

In jedem Dorf hat es zudem Kinderpsychologen,

und die Mütter werden beraten.

«Die heutigen Mütter könnten meine

Grosskinder sein», sagt Theresia Neubauer.

Sie gehörten einer andern Generation an

und hätten andere Bedürfnisse. Doch es

geht laut der Rentnerin immer noch ums

Gleiche – um das Wohl der Kinder: «Sie

sind aus dem natürlichen Nest herausgefallen

und brauchen Geborgenheit, Anerkennung

und Liebe.» (kra)

WÖCHENTLICHE MÜTTERTREFFEN

Hermann Gmeiner, der Begründer von

SOS-Kinderdorf, war jeweils am Wochenende

im Kinderdorf in Imst und führte

wöchentlich Müttertreffen durch, an denen

Probleme besprochen werden konnten

und Erziehungsfragen diskutiert wurden.

Theresia Neubauer, die in ihrer 32-jährigen

Tätigkeit 32 Kinder grossgezogen hat, sagt,

sie sei stark von Hermann Gmeiner geprägt

worden: «Er war ein Idealist, bei ihm stand

immer das Kind im Zentrum.» Auch ihre Th eresia Neubauer auf dem Balkon ihres ersten Hauses im SOS-Kinderdorf Imst.

Foto © Karin Reber Ammann


HNTERGRUND

HILFE AUS DER SCHWEIZ IN DER GANZEN WELT

Seit 1964 ist SOS-Kinderdorf auch in der Schweiz aktiv

Robert Lenz erinnert sich gerne an seine Zeit bei SOS-Kinderdorf in der Schweiz.

Seit 45 Jahren bestehen die Schweizer

Freunde der SOS-Kinderdörfer als eigenständige

Organisation innerhalb

von SOS-Kinderdorf International. Als

einer der elf europäischen Fördervereine

kümmert sich die Schweiz um die Mittelbeschaffung

für Projekte und informiert

über das grösste private Kinderhilfswerk

weltweit.

Von Anfang an spendeten Schweizerinnen

und Schweizer Geld für SOS-Kinderdorf. Als

Gründer Hermann Gmeiner aber begann,

gezielt in der Schweiz zu sammeln, indem er

an grossen Poststellen Einzahlungsscheine

auflegen liess und Spendenaufrufe versandte,

handelte er sich Probleme ein. Es gingen über

hundert Anzeigen bei der Polizei ein, weil der

Österreicher ohne Genehmigung Bettelbriefe

in der Schweiz verschickt hatte.

Der Berner Anwalt Robert Lenz half Gmeiner

aus der Patsche. Lenz hatte aus seiner

Studentenzeit gute Verbindungen zu Innsbruck

und war dort Hermann Gmeiner

begegnet. Die Idee von SOS-Kinderdorf

war ihm nicht nur vertraut, sondern nach

Foto © Karin Reber Ammann

einem Besuch im SOS-Kinderdorf Imst

ans Herz gewachsen.

EINSPRACHE GEGEN BUSSEN

«Ich studierte lange darüber nach, wie ich

SOS-Kinderdorf helfen könnte, und kam

schliesslich auf die Idee, einen Schweizer

Verein zu gründen», erzählt der inzwischen

88-Jährige. Jede Person, die Geld spendete,

sei automatisch Mitglied des Vereins geworden.

«Damit war es keine Bettelei mehr»,

erklärt er. Zudem konnte er dank Intervention

bei den Gerichten bewirken, dass die

meisten Bussen, die Gmeiner erhalten hatte,

zurückgezogen wurden.

Der Verein der Schweizer Freunde der

SOS-Kinderdörfer wurde im April 1964

gegründet. Der erste Präsident, Georg

Wildbolz, war Generaldirektor der Bally

Wiener Schuhfabrik AG gewesen, bevor

er nach seiner Pension in die Schweiz zurückkehrte.

Während seiner Arbeit hatte er

SOS-Kinderdorf kennen gelernt und dazu

beigetragen, dass die österreichische Schuhindustrie

im SOS-Kinderdorf in Hinterbrühl

bei Wien ein Haus finanzierte.

14

Anders als die meisten Länder, die damals

nationale SOS-Kinderdorf-Organisationen

aufbauten, war in der Schweiz von Anfang

an klar, dass der Verein ausschliesslich ein

Förderverein sein und keine eigenen SOS-

Kinderdörfer haben würde. Damit wollte

der Vorstand das Kinderdorf Pestalozzi in

Trogen nicht konkurrieren.

BEITRAG VON DREI FRANKEN

Die «Mitgliedschaft» beim Verein der

Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer

kostete drei Franken für ein Vierteljahr. Mit

diesen Einnahmen und dank einer Werbeaktion

Anfang 1965, bei der «annähernd 5000

Personen unserer Sache ihre Sympathie bekundeten»,

wie im Vorstandsprotokoll steht,

kam genug Geld zusammen, um das erste

«Schweizer Haus» in einem SOS-Kinderdorf

zu finanzieren. Für das Familienhaus im

SOS-Kinderdorf Daegu in Südkorea übernahm

die Schweiz auch den Unterhalt. «Wir

bezahlten 500 Franken pro Monat für das

Haus mit neun Kindern und der SOS-Kinderdorfmutter»,

erinnert sich Robert Lenz,

der lange Vorstandsmitglied gewesen ist.

Seit 1965 konnte SOS-Kinderdorf in der

Schweiz dank grosszügigen Spenden regelmässig

Häuser, Lehrlingszentren wie dasjenige

in Daegu 1970, Schulen, Kindergärten

und ganze Dörfer finanzieren. Zum 25-Jahre-Jubiläum

in der Schweiz wurden drei Dörfer

finanziert: Tehuacan im südlichen Mexiko,

Itahari im Osten Nepals und Bangui in

der grössten Stadt der Zentralafrikanischen

Republik. Diese Tradition wird auch dieses

Jahr, zum 60-Jahre-Jubiläum von SOS-

Kinderdorf International, fortgesetzt: In

Quthing, Lesotho, entsteht mit Schweizer

Spenden ein neues Kinderdorf.

Die Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer,

die 2006 in eine Stiftung umgewandelt

wurden, haben seit der Gründung 285

Millionen Franken in den Bau und den Betrieb

von SOS-Kinderdörfern und Zusatzeinrichtungen

investiert. (kra)


15

EISHOCKEY-GOALS FÜR SOS-KINDERDORF

An der Eishockey-Weltmeisterschaft in der

Schweiz zählte jedes Tor. Nicht nur für den

erfolgreichen Titelverteidiger Russland, sondern

auch für SOS-Kinderdorf.

Denn für jedes der während des Turniers in

Bern und Kloten gefallenen 323 Tore spendete

Henkel, offizieller Sponsor der Weltmeisterschaft,

50 Euro an SOS-Kinderdorf.

Im Rahmen des Corporate-Citizenship-Pro-

12. SWISS-AMERICAN-GOLFTURNIER IN HITTNAU

Am 5. September fi ndet im Golf & Country

Club Hittnau das traditionelle Golfturnier

zugunsten von SOS-Kinderdorf statt.

IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG

Wie gefällt Ihnen die neuste Ausgabe

des SOS-ZOOM? Ihre Meinung interessiert

uns. Teilen Sie uns mit, was

Ihnen gefällt und was nicht. Unsere

Adresse finden Sie im Impressum auf

Seite 2.

gramms «Henkel Smile» konnten auch die

Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort für

einen guten Zweck aktiv werden: Jede Unterschrift

auf dem übergrossen «Henkel Smile»-

Fan-T-Shirt war einen Euro wert.

Am Ende der Eishockey-Weltmeisterschaft

konnte Henkel SOS-Kinderdorf einen

Scheck in der Höhe von 18 500 Euro übergeben.

(kra)

Seit 1998 konnten bei der Swiss American

Golf Championship dank grosszügigen

Golfern und deren Gästen eine halbe Million

Schweizer Franken gesammelt werden.

Die diesjährigen Spenden werden dem nepalesischen

SOS-Kinderdorf in Itahari zugute

kommen. In Nepal lebt ein Drittel der

Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Ehrengäste am Golfturnier sind Evelyn

Binsack, Botschafterin für SOS-Kinderdorf,

die nepalesische Honorarkonsulin

in Deutschland, Ann-Katrin Bauknecht,

sowie Shawne Fielding, SOS-Kinderdorf-

Botschafterin für den SAGC. (kra)

INFOS ZU SOS-KINDERDORF IN DER SCHWEIZ

Foto © zvg

NEUER GESCHÄFTSFÜHRER

Ab 1. September übernimmt Christian

Hosmann die Geschäftsführung von SOS-

Kinderdorf in der Schweiz.

Über Jahre hinweg hat er sich intensiv mit

der Menschenrechtsthematik auseinandergesetzt.

Er freut sich auf seine neue Aufgabe,

bei der er sich auf eine nachhaltige und

effektive Art für Kinder in Not einsetzen

kann.

Nach seiner Tätigkeit als Realschullehrer

und Schulleiter arbeitete er als Mittelbeschaffer

bei Amnesty International. In den

vergangenen Jahren war Christian Hosmann

Geschäftsleiter des Aarauer Kulturzentrums

KiFF – Kultur in der Futterfabrik.

Er ist 38 Jahre alt, Vater von zwei

Mädchen und lebt in der Nähe von Bern.

Christian Hosmann ersetzt Christine

Leimgruber, die viereinhalb Jahre für die

Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer

tätig gewesen ist. (kra)

JUBILÄUMSAUSGABE

Diese Ausgabe widmet sich ganz dem

60-Jahre-Jubiläum von SOS-Kinderdorf.

Deshalb sind die Rubriken «Auf

Spurensuche» und «Spendenformen»

weggefallen. Sie werden in der nächsten

Ausgabe weitergeführt.

Foto © zvg


SO KÖNNEN SIE SOS-KINDERDORF UNTERSTÜTZEN

MIT EINER SPENDE

Helfen Sie mit einer einmaligen

oder regelmässigen Spende. Ein

entsprechender Einzahlungsschein liegt bei.

5

20

10

MIT EINER DORFPATENSCHAFT

Ihr Beitrag von 40 Franken

pro Monat geht an ein SOS-

Kinderdorf Ihrer Wahl. Sie fi nanzieren

damit den Unterhalt des Dorfes und

seiner Zusatzeinrichtungen. Von Ihrer

Hilfe profi tieren die SOS-Schützlinge sowie

die Kinder in der Nachbarschaft.

MIT EINER BAUPATENSCHAFT

Helfen Sie mit 30 Franken

pro Monat ein SOS-Kinderdorf

zu bauen! Die «Schweizer Freunde»

fi nanzieren zurzeit den Bau des SOS-

Kinderdorfs Quthing in Lesotho.

MIT EINEM LEGAT

Jede testamentarische Zuwendung

kommt ungeschmälert

den SOS-Kinderdörfern zugute. Wir informieren

Sie gerne in einem persönlichen

Gespräch.

Telefon 031 979 60 55, Claudia Lehnherr

DEN ANMELDETALON FÜR EINE

PATENSCHAFT FINDEN SIE IN DER

MITTE DES MAGAZINS.

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Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer

Postfach, 3097 Liebefeld, Tel. 031 979 60 60

info@sos-kinderdorf.ch PC 30-31935-2

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