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SIEBEN: Juli/August 2018

Relaxen bei Konzert und Party In unserer Sommer-Doppelausgabe können Sie Ihre Lieblingsevents schon jetzt für Juli und August vormerken. Viel Spaß und einen sonnigen und erholsamen Sommer wünscht Ihre SIEBEN:

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30 Frühstücksgespräche Als mir die Redaktion den Vorschlag machte, „Schreib doch mal was über's Schützenfest“, hielt sich meine Begeisterung zugegebenermaßen sehr in Grenzen. Genau so sehr hätte mich die Idee einer Reportage über die Herstellung von Bierzeltgarnituren oder die umfangreiche Analyse von Nanoteilchen gefreut. Warum sollte eine, sich schon im Festival-Vorfreuden- Rausch befindende Anti-Schützin, kompetente Aussagen über so etwas „Angestaubtes“ wie ein Schützenfest machen. Das ging ja gar nicht oder definitiv voll daneben... Trotzdem dachte ich nach und begab mich mal wieder auf eine meiner zahlreichen Spaziergänge, denn Bewegung fördert ja bekanntlich das Denken. Und so ganz langsam kamen die Erinnerungen: Aufgewachsen in einem Dorf nahe Hildesheim, war ein Schützenfest das unangefochtene Highlight der übersichtlichen Dorfaktivitäten. Schon Wochen vor dem großen Ereignis hingen die Plakate des Veranstalters, der sich wie ein Heimorgelfabrikant anhörte, an den Laternenmasten. Gefeiert wurde an einem Wochenende im Frühsommer auf einem alten Gutshof mit einer sehr übersichtlichen Anzahl an Fahrgeschäften und Attraktionen: Einem Kinderkarussell, einem Auto- Scooter und einer Schiffschaukel. Dazu noch ein Süßigkeitenwagen und ein Bierstand. Das war's. Aus den Zeiten des Kinderkarussells heraus gewachsen, war es besonders cool, sich lässig an einer der Säulen des Autoscooters zu stellen, älteren Jungs zu zuzwinkern und sich gar auf eine Runde einladen zu lassen. Wobei ich eher zu der Randerscheinung der selbstfahrenden Mädels gehörte. Die Schiffschaukel war mein persönliches Highlight. Ich liebte das Gefühl kurzzeitig den Boden unter den Füßen zu verlieren, war mächtig stolz, wenn ich es schaffte, mich fast in die Waagerechte zu schaukeln. Ich beneidete heimlich die jungen, athletischen Männer, die sich in einer der äußeren Schaukeln festschnallen ließen und einen Überschlag nach dem anderen vollführten. Jeder gelungene Überschlag wurde mit dem kräftigen Läuten einer Glocke honoriert. Keine Ahnung, ob derjenige dann den Abend (oder den Rest der Festivität) freien Zugang zu dem Gerät bekam. Auch kann ich mich nicht erinnern, ob die Herren nach ihrer Rotationskur zuerst den Bierwagen oder das Toilettenhäuschen aufsuchten. Andrea Hausmann-Kunkel Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Unsere Kolumnistin Andrea Hausmann-Kunkel liebt den Wechsel zwischen der Großstadt-Hektik und dem beschaulichen Landleben, könnte Tage und Nächte in Buchläden verbringen und wäre ohne Party, Musik und Festivals kein glücklicher Mensch. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Hundebesitzerin hat ein Faible für kuriose Alltagssituationen und Irrungen und Wirrungen der zwischenmenschlichen Kommunikation, die sich thematisch in ihren Texten wieder finden, ironisch, bisweilen bissig, aber immer in charmanter Art und Weise. Den Höhepunkt bot jedes Jahr der sonntägliche Umzug durchs Dorf, an dem gefühlt 90 Prozent aller Dorfbewohner teilnahmen. So lud man die gesamte Verwandtschaft aus Nah und Fern ein, um sich vom Straßenrand aus bejubeln und mit Blumen aus dem eigenen Garten beschenken zu lassen. Zudem bekam man von Onkel und Tante, Oma und Opa noch reichlich Geld zugesteckt und konnte eine Orgie mit Zuckerwatte, rot lackierten Äpfeln, gebrannten Mandeln und anderen Süßkram feiern. Ein ganz besonderer Vorteil: Man durfte bis in die Puppen wach bleiben, bis es selbst Oma und Opa zu viel wurde (Papa und Mama waren schon out of order) und sie einen dann mitnahmen und ins Bett steckten. Parallel zum Dorfschützenfest gab es das Ganze noch in „Groß“. Das Hildesheimer Schützenfest war für mich riesig und unüberschaubar und ich hatte immer Angst ich würde mich dort einmal verlaufen. Das kann einem ja glücklicherweise heute nicht mehr passieren... Schützenfest In einem Jahr hatte es mir die Handpuppe „Frida“ an einem der Losbuden angetan. Ich nervte meine Eltern damit, dass ich unbedingt diese Puppe haben wollte. Runde um Runde wurden Lose gekauft, aber unglücklicherweise fehlte immer eine bestimmte Kennzeichnung auf dem Los, um die heiß begehrte Puppe zu gewinnen. Langsam hatten auch meine Eltern keine Lust mehr in das aus China importierte Billigmodell Geld zu investieren. Eine Bekannte, die uns den Abend begleitet hatte, fand dann aber auf der Erde vor der Losbude genau das Los, was mir zu meinem Glück noch fehlte. Frida hatte meine Eltern bestimmt 50 Mark und einige Nerven gekostet – egal: Schützenfest ist bekanntlich nur einmal im Jahr. Zu Jugendzeiten war dann der Rio-Express meine Lieblingsattraktion. Suchte mich jemand, so fand er mich definitiv dort: Rückwärts oder vorwärts durch die Zentrifugalkraft in die äußerste Ecke des Sitzes gedrückt zu werden, war einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Es war das einzige Gerät, dass ich zwar leicht taumelnd, aber völlig berauscht verließ. Mit dem Eintritt ins späte Schul- und darauf folgende Berufsleben, verschwand dann der Reiz der wilden Fahrgeschäfte, Losbuden und Umzüge. Bis genau zum vergangenen Jahr, als ich die Bekanntschaft eines leidenschaftlichen Sportschützen machte, der mir von der Faszination seiner Sportart erzählte. Seine Wohnung zierten mehrere Schützenscheiben, die in dem Dorf, in dem ich aufwuchs dekorativ an den Hauswänden außen hingen. In einem hässlichen Wohnblock mitten in Hannover macht sich das vielleicht nicht so gut oder sähe zumindest ziemlich verloren aus. Ich fragte ihn, ob es tatsächlich so sei, dass man sich wohl überlegen sollte, Schützenkönig zu werden, schon mal den Bausparvertrag kündigen solle oder ernsthaft darüber nachdenken, sich sein Erbteil auszahlen lassen. Der Schützenmeister bestätigte, dass so ein Titel schon eine kostspielige Angelegenheit sei und bei einigen Feiern der Gegenwert eines Kleinwagens über die Wupper ging. Tut mir leid, da bin ich raus: Ich trinke gerne mal Alkohol, auch mal mehr – aber eine fünfstellige Summe für ein großes Besäufnis zu investieren – no way! Und das alles für so eine hässlich im Bauern-Naturalismus-Stil bemalte Holzscheibe. Gab es eigentlich Menschen, die diese Bemalungen als hauptberufliche Tätigkeit ausübten? War das unter Umständen sogar ein anerkannter Ausbildungsberuf? Ich überlegte, was wohl den Reiz dieser Sportart ausmachte und fand die Erklärung in der typisch männlichen Form des Wettbewerbs. War in der Steinzeit der beste Mammut-Erleger der Held der Sippe, so war es unter der dörflichen Schützen-Bevölkerung derjenige, der in wahrsten Sinne des Wortes „den Vogel abschoss“. Na ja, das Wetteifern war ja auch eher Männersache und so kam ich bis heute nicht hinter das Geheimnis der weiblichen Schützen, was die Motivation für diese doch recht eintönige Freizeitbeschäftigung ist. Früher fand ich es cool auf Blechdosen im Garten meiner Großeltern zu schießen und auch die eine oder andere selbst geschossene Rose auf dem Schützenfest zierte meine Pinnwand. Aber wöchentlich x Stunden auf eine Zielscheibe zu ballern, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Dafür aber meinen nächsten Besuch auf dem Schützenfest! 2018 wird mein Jahr – zuerst gucke ich den Schützen Aus-Ein-oder Um-den-Block-Marsch und dann teste ich meine Fahrgeschäftstauglichkeit im Rio-Express – vorausgesetzt es gibt diese Gerätschaft noch.

Konzert 31 25. August 2018, 20.00 h, Am Tie 1, Hoyershausen Rott ‚n‘ Roll Open Air Vol. II Im Sommer 2016 setzen ein paar Rock ‚n’ Roll-Idealisten eine fixe Idee in die Tat um und veranstalten ein kleines, feines Open Air Konzert auf einem Hof in einem sehr, sehr kleinen Dorf. Das „Rott ‚n‘ Roll Open Air“ wurde geboren. Nun ist das mit der Geburt von Veranstaltungen ein bisschen wie mit „echten“ Geburten: Es ist eine schmerzhafte Erfahrung, es ist anstrengend und man bekommt wenig Schlaf. Aber man blickt auch in treue, fröhliche und sehr zufriedene Augen. Und so vergisst man nach einer Zeit den ganzen Schmerz und macht es einfach nochmal. Also findet am 25.08. das Rott ‚n‘ Roll Open Air Vol. II statt; in – wie der Name schon sagt – Rott*. Nahezu unausgesprochen einig war man sich darüber, dass auch bei Vol. II das Betty Ford Orchestra dabei sein soll. Zugegeben, die Jungs von BFO haben keine langen Haare, sind zu feige, sich tätowieren zu lassen, gehen im wahren Leben (einigermaßen) seriösen Beschäftigungen nach, die Hosen sind nicht zerrissen, die Körper eher von gutem Essen als von „Sex and Drugs“ gezeichnet – aber: Auf der Bühne verwandeln sie sich in kaum zu bändigende Biester und huldigen (mittlerweile zumeist toten oder zumindest dahinsiechenden) Größen des Rock ‚n‘ Roll – u.A. Bruce Springsteen, John Fogerty, Status Quo, die Rolling Stones, aber auch „junge“ Rockbands wie Kings of Leon und Green Day – mit einer Rockshow, die sich gewaschen hat. Jan und Tim Siegfried und Gerrit Besser machen gefühlt seit kurz nach ihrer Geburt zusammen Musik. Zunächst 10 Jahre in der Gronauer Coverband „Voice B.“, dann in verschiedenen anderen Formationen, unter anderem „ME and the Jokers“. Mit dem Betty Ford Orchestra gehen sie zurück zu ihren Wurzeln: Schnörkelloser, kompromissloser Rock ‚n’ Roll – frei nach dem Motto eines deutschen Rockpoeten: „nicht schön, sondern geil und laut“. Und weil man beim 2. Mal dann doch immer noch was anders machen sollte, haben sich die Organisatoren eine zweite Band – einen Special Guest – aus der Musikmetropole Hamburg eingeladen: „Blues Is The Truth“ nennt sich die achtköpfige Truppe aus dem hohen Norden, die sich – natürlich – der Tradition des Blues verschrieben haben. Angetrieben von einer gechillten Rhythmusgruppe und befeuert von einer dreiköpfigen Bläsersection extrahieren die Jungs die feinsten Auszüge aus Southern und Texas Blues, Traditionals und moderneren, rockigen Spielarten des Blues. Stilsicher und virtuos treten dabei auch immer wieder die beiden hervorragenden Gitarristen in musikalischen Dialog. Das Open Air findet ab 20 Uhr auf dem Hof der Familie Frels. Adresse (Für Navis): Am Tie 1, 31093 Hoyershausen – oder einfach den Schildern folgen. (red/mb) Der Eintritt ist frei, die Veranstalter freuen sich aber über Spenden. *Für „Unwissende“: Rott ist ein Ortsteil von Hoyershausen, was wiederum zur Samtgemeinde Duingen gehört. Es liegt zwischen Marienhagen, Lübbrechtsen und Hoyershausen, mit dem Auto keine Viertelstunde von Alfeld entfernt. www.bettyfordorchestra.de Fotos: Veranstalter

SIEBEN: Mai 2018
SIEBEN: April 2018