Ein Trainingsprogramm zur Förderung aggressiver Kinder

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Ein Trainingsprogramm zur Förderung aggressiver Kinder

Ein Trainingsprogramm zur

Förderung

aggressiver Kinder


Training mit aggressiven Kindern nach

Petermann & Petermann

• Für Kinder mit oppositionellem Trotzverhalten oder einer

Störung des Sozialverhaltens

• Training ist bei allen vier Ausdrucksformen von Aggression

anwendbar sowie bei der angstmotivierten Aggression; nicht bei

Autoaggression

• Alter: 6 – 12 Jahre (bei Lernbehinderung oder bei deutlichem

sozial-emotionalen Entwicklungsrückstand + 2 Jahre)

• Geschlecht: für beide Geschlechter geeignet

• Kognitive Merkmale: kann bei kognitiv durchschnittlich

entwickelten sowie bei lernbehinderten Kinder angewendet

werden; anspruchsvolle Module können bei lernbehinderten

Kindern vereinfacht verwendet oder weggelassen werden


Ausdrucksformen von aggressivem

Verhalten

• Aktiv versus passiv

• Initiativ versus reaktiv versus parteiergreifend

• Offen-direkt versus hinterhältig-verdeckt

• Körperlich versus verbal

� Sowie: „Angstmotivierte Aggression“


Aufbau des Trainings

• Training soll multimodal und multimethodal Wege zum Abbau

aggressiven Verhaltens aufzeigen

• Arbeitsweise beinhaltet folgende Elemente:

� Beziehungsaufbau

� Verhaltensmodifikation mit einem Kind, insb. durch Einsatz von

Wahrnehmungs- und Rollenspielen

� Eltern- und Familienberatung

Kompakttraining:

Mit einem geringen Zeitaufwand sollen zielgerichtet deutliche

Veränderungen bei aggressiven Kindern und deren Familien

hervorgerufen werden.


Therapieziele

� Ziel der therapeutischen Bemühungen muss es sein,

einem Kind Verhaltensweisen aufzuzeigen

� Die Erweiterung sozial kompetenten Verhaltens

macht aggressives Verhalten zunehmend überflüssig

� Kind kann wichtige zwischenmenschliche

Bedürfnisse über angemessenes Verhaltens

befriedigen


Einzelziele

• Als Voraussetzung: Einübung von Ruhe und

Entspannung

• Differenzierte Wahrnehmung (Stufe 1)

• Angemessene Selbstbehauptung als Alternative zu

aggressivem Verhalten (Stufe 2)

• Kooperation und helfendes Verhalten als alternative

Verhaltensweisen , die Aggression hemmen (Stufe 3)

• Selbstkontrolle als Schritt zur Aggressionshemmung

(Stufe 3)

• Empathiefähigkeit im Sinne einer Neubewertung der

Folgen des eigenen Handels aus der Sicht des

Gegenübers (Stufe 4)


Aufbau des Trainings

• Dauer: 6 – 8 Monate (bei lernbehinderten Kinder bis

zu 10 Monate)

• Arbeitsprinzip: Baukastensystem mit Modulen

Interventionsebenen:

1. Arbeit mit dem Kind:

- Einzeltraining: 8 – 13 Sitzungen

- Kennenlernen in der Kindergruppe: 2 Sitzungen

- Gruppentraining: 6 – 12 Sitzungen


2. Elternberatung:

- mind. 6 Treffen

- Zwei Erstkontakttreffen

- Trainingsbegleitende Eltern- und Familienberatung: 4

Sitzungen

- 8 Wochen nach Trainingsende: Kontrolltreffen

3. Lehrerkontakt:

- Lehrer wird -sofern Kooperation von Seiten der

Schule vorhanden- über Training informiert und nach

seinen Beobachtungen befragt (2 Sitzungen)


Therapeutische Elemente der Module

• Tokenprogramm

• Detektivbogen

• Kindgerechtes Entspannungsverfahren

� In allen Sitzungen des Einzel- und

Gruppentrainings kommen diese Elemente

immer als gleichbleibende Rituale zum

Einsatz um die Ziele zu erreichen


Ablauf der Sitzungen

Kurze Sitzung: 50 Minuten

1. Auswertung des Detektivbogens: 5 Minuten

2. Kapitän-Nemo-Geschichte: 10 Minuten

3. Trainingsphase mit spezifischen Material: 25 Minuten

4. Spielzeit: 10 Minuten

Lange Sitzung: 100 Minuten

1. Auswertung des Detektivbogens: 10 Minuten

2. Kapitän-Nemo-Geschichte: 15 Minuten

3. Trainingsphase mit spezifischen Material: 50 Minuten

4. Spielzeit: 25 Minuten


Tokenprogramm

• Maßnahme, die aggressives Kind motivieren soll,

neues Verhalten einzuüben

• Token = Münzen, die ein Kind für sein positives

Verhalten erhält

• Kind muss Möglichkeiten und Bedingungen des

Einlösens von Token kennen

• Zwei Möglichkeiten der Punktevergabe

Einlösen der Token in Spielminuten


1. Promptes Feedback:

• Auf der Regelliste wird gezeigtes Verhalten je nach

Häufigkeit, Schwierigkeit und Sitzungslänge

festgehalten

2. Fremd- und Selbsteinschätzung: Punktevergabe

• Abgesprochenes Verhalten wurde nicht gezeigt = 0

Punkte

• Abgesprochenes Verhalten wurde nur ansatzweise

gezeigt; Kind zeigte jedoch guten Willen und

Anstrengung = 1 Punkt

• Abgesprochenes Verhalten wurde vollständig, gut

oder sehr gut realisiert = 2 Punkte


Detektivbogen

• Nachdem das Kind im Erstkontakt die möglichen zu

übenden Verhaltensweisen benannt hat, wird der

Detektivbogen erläutert

• Jede Woche erhält das Kind einen neuen

Detektivbogen

• Das Kind soll sein Verhalten jeden Tag beobachten

• Detektivbogen besteht aus zwei Beweisen:

1. Beweis: Selbstbeobachtungsaufgabe im Bezug auf

sozial kompetentes Verhalten

2. Beweis: Absprache über zu verändernden

Verhaltensweisen; als positives Verhaltensziel

formuliert

• Selbstbewertung durch Malen von Smileys


Kindgerechte Entspannungsverfahren

• Ziel: Anspannung und motorische Unruhe verringern

• Kind kann durch Entspannungsübungen auf

Arbeitsphase und Anforderungen vorbereitet werden

• Anspannung verhindert Lernen

• Entspannung begünstigt Lernprozesse sowie

Verhaltensmodifikationen

� Kapitän-Nemo-Geschichten


Kapitän-Nemo-Geschichten

• Vor 20 Jahren speziell für motorisch unruhige und

aufmerksamkeitsschwache Kinder konzipiert

• Unterwassergeschichten für Kinder

• Gezielte Entspannungsübungen sind als kognitive

Elemente integriert

• Wasser = geeignetes Bild zur Beruhigung

• Angst auslösende Bilder vermeiden

� „Nur ruhig Blut, dann geht alles gut!“

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