Die Malteser-Zeitung 2/2018

malteseraustria

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2018

80. Großmeister: Fra` Giacomo Dalla

Torre del Tempio die Sanguinetto

Libanon: Karawane der Nächstenliebe

„Gaudete et exsultate“


INHALT

IMFOKUS

04 Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto –

80. Großmeister des Malteser-Ritter-Ordens

06 Lourdes 2018 – Ein Blick hinter die Kulissen

09 160 Jahre Lourdes

RUNDSCHAU

12 Tiroler Ball

13 Drogenprävention im Mittelpunkt der

UNODC-Youth Initiative

14 Drogenkonsum von Jugendlichen: eine wachsende

globale Herausforderung

VORBILDER

17 Dr. Gerhart Feucht

04 06

RELIGIONAKTUELL

18 Apostolisches Schreiben „Gaudete et exsultate“

von Papst Franziskus

LEBENSWERT

21 Enabling around the world

(Eine barrierefreie Welt schaffen)

MALTESERORDEN

24 Der neue Ordensbotschafter in Österreich

MALTESERÖSTERREICH

26 Berichte aus den Bundesländern:

vielfältige Initiativen und Dienste

KLOSTERKÜCHE

42 Sommerrezepte

17

50

27

58

MEDIZINAKTUELL

45 Diabetes

47 Mit der Kraft des Duftes

MALTESERWELTWEIT

49 60 Jahre humanitäre Hilfe

50 Libanon: Karawane der Nächstenliebe

55 Weltweite Hilfe für Menschen in Not

TAGEBUCH

58 36. Internationales MALTESER Sommerlager in

Großbritannien 2018

60 Schöner die Glocken bald klingen

62 Ausgezeichnet

64 Eine (fast) unendliche Geschichte

65 Nekrolog

66 Über das Leben hinaus wirken

ÜBERBLICK

67 Termine und Kontakte

Spenden

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Zahlschein!

IHRE SPENDE IST

STEUERLICH

ABSETZBAR

2

DIE MALTESER 2/2018


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2018 steht ganz im Zeichen wichtiger Jubiläen und

Ereignisse innerhalb des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Zum einen wurde am 2. Mai 2018 mit großer Mehrheit unser

bisheriger Großmeister-Statthalter Fra‘ Giacomo Dalla Torre

del Tempio di Saguinetto zum 80. Großmeister des Ordens

gewählt. Zum anderen fand vom 4. bis zum 8. Mai zum 60.

Mal unsere Kranken-Pilgerreise nach Lourdes statt. Dieses

Jubiläum fällt mit einem weiteren zusammen: 2018 jähren sich

zum 160. Mal die Erscheinungen der Gottesmutter Maria im

berühmten französischen Wallfahrtsort Lourdes.

Diese Ereignisse sind von symbolischer Tragweite für unseren

Orden. Die Pilgerreise steht für Beständigkeit und Tradition

sowohl im Glauben als auch in der Nächstenliebe. Gleichzeitig

signalisiert der Amtsantritt des neuen Großmeisters eine

Veränderung. Eine der wichtigsten Aufgaben von Großmeister

Fra‘ Giacomo wird es sein, die vom Hl. Stuhl gewünschte und

notwendige Reform der Verfassung und des Codex des Ordens

durchzuführen. Der Reformprozess dazu wurde bereits 2017

gestartet. Im Vordergrund steht nun die Stärkung des spirituellen

Lebens des Ordens, um mehr und jüngere Profess-Mitglieder

zu gewinnen.

Möge der Herrgott unserem Großmeister seine Kraft und

Unterstützung für sein Hohes Amt und seine verantwortungs-

vollen Aufgaben geben. Unsere tatkräftige Unterstützung in

Österreich ist ihm jedenfalls gewiss!

Dass der erste offizielle Einsatz unseren neuen Großmeisters

gerade nach Lourdes führte, ist kein Zufall. Er weiß um die

Kraft des Gebetes an diesem Gnadenort und bat auch uns in

Lourdes um das Gebet für ihn. Mehr als 7.000 Ordensmitglieder

und Freiwillige aus aller Welt, die rund 1.500 kranken

und behinderten Pilgern zur Seite standen, beteten mit ihm.

Wir MALTESER aus Österreich waren rund 200 Pilger und

konnten unter dem Motto „Meine Hilfe kommt vom Herrn“

60 kranken, zum Teil schwerstbehinderten Menschen, die

aufgrund ihres speziellen Betreuungsbedarfs nicht allein

reisen können, einen Lebenstraum erfüllen. Ein aufrichtiges

Vergelt’s Gott allen Helfern und auch den Spendern, die dies

ermöglicht haben!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien und Freunden einen

erholsamen Sommer.

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden

(Malteserorden), Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2,

Telefon: 01/512 72 44, E-Mail: richard.steeb@malteser.at.

Chefredaktion: Katharina Stögner

Mitarbeiter bzw. Autoren dieser Ausgabe: Agathe Lauber-

Gansterer, Anna Jakobljevich, Anzeka Koch, Ares Vafiadis, Christoph

Wellner, Edith Holzer, Elisabeth Eder, Fra‘ Gottfried Kühnelt-

Leddihn, Georg Male, Günter Flemmich, Katharina Kiecol, Lukas

Krupitza, Lukas Ortner, Manuel Weinberger, Margarete Jurik, Miriel

Rebitzer, Martin Morandell, Mesi Richter, Msgr. Erzpr. Mag. Franz

Schlegl, Patricia Fiegl-Hacket, Patrick Schleich, Philipp Daron,

Richard Mischak, Richard Steeb, Romeo Bissuti, Sofia Cordero,

Sr. Dr. Margarteta An der Lan, Stefan Kronthaler, Susanne Pusarnig,

Susanne Seper, Susanne Wick, Vania Silva Steixner

Fotos: Alexander Scarimbolo, Anna Rauchenberger, Aromatime,

Calin Piescu, Carina Karlovits/HBF, Daniel Trippolt/HBF, eds,

Katharina Stögner, Malteser International, Marsilio, Martin

Morandell, Nicusor Floroaica, Order of Malta, ORF/Pichlkostner,

Peter Matic, ´ Pichler, Piermichele Borraccia, Pixabay, Robert Herbst,

Sa-RRT, Südwest, Susanne Pusarnig, Nikolaus Stockert, Thomas

Meyer

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für

beiderlei Geschlecht.

Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse, 1050 Wien

Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung über

nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und seiner

Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: 25. Juni 2018

DIE MALTESER 2/2018 3


IMFOKUS

KRAFT UND SEGEN

FÜR DAS NEUE AMT

Am 2. Mai 2018 wurde Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio

di Sanguinetto zum 80. Großmeister des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens gewählt. Eine außergewöhnliche

Persönlichkeit im Porträt.

Von Katharina Stögner

„Seine Hoheit und Eminenz, Fra’ Giacomo Dalla Torre

del Tempio di Sanguinetto, der Fürst und Großmeister

des Souveränen Ritter- und Hospitalordens des Heiligen

Johannes von Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt

von Malta“: So lautet die volle Bezeichnung des neuen

Großmeisters des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Die 54 Mitglieder des Großen Staatsrates, die am 2. Mai

auf dem Aventin in Rom zusammengekommen waren,

wählten mit überzeugender Mehrheit gleich im 1. Wahlgang

den 73-jährigen, bisherigen Großmeister-Statthalter

(Luogotenente) an diesem ersten Mittwoch im Mai

zum neuen Leiter des Ordens auf Lebenszeit.

Unmittelbar nach der Wahl wurde Papst Franziskus

informiert und danach die Ordensgliederungen, Hilfswerke

und diplomatischen Vertretungen des Ordens

weltweit. Am Folgetag legte der neue Großmeister vor

den Mitgliedern des Großen Staatsrates seinen Amtseid

in die Hände des päpstlichen Sonderdelegaten für

den Orden, Erzbischof Msgr. Angelo Becciu, ab. Danach

– getreu dem Zeremoniell – übergab Großkomtur Bailli

Fra’ Ludwig Hoffmann von Rumerstein die Collane des

Großmeisters. Großkanzler Bailli Albrecht Freiherr von

Boeselager erklärte den Großen Staatsrat für beendet,

Erzbischof Becciu zelebrierte die Hl. Messe in der Kirche

Santa Maria del Priorato und am Sitz des Ordens wurde

die Flagge des Großmeisters aufgezogen.

Belesen, kunstsinnig, konsequent

Doch wer ist der neue, so ruhig und besonnen wirkende

neue Amtsträger? Fra‘ Giacomo Dalla Torre wurde 1944

in Rom geboren. Er entstammt einer Adelsfamilie aus

Treviso und hat sich nach dem Studium der Literaturwissenschaften

auf christliche Archäologie und Kunstgeschichte

spezialisiert. Er war Professor für Altgriechisch

an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom

und veröffentlichte als Chefbibliothekar und Archivar

zahlreiche Abhandlungen über Kunst und Bibliographie.

Seine Aufnahme in den Malteser-Ritter-Orden erfolgte

1985. Acht Jahre später legte Fra‘ Giacomo die ewigen

Gelübde ab und wurde Professritter. Als Großprior

stand er von 1994 bis 1999 dem Großpriorat von Lombardei

und Venetien vor und wurde 1999 Mitglied in der

Ordensregierung (dem Souveränen Rat). Unter dem 78.

Großmeister Fra‘ Andrew Bertie wurde der kunstsinnige

Treviser im Jahr 2004 vom Generalkapitel zum Großkomtur

des Ordens gewählt. 2009 wurde ihm schließlich

das Großpriorat von Rom übertragen, im April 2017 folgte

die Berufung ins Amt des Großmeister-Statthalters.

4

DIE MALTESER 2/2018


IMFOKUS

Aufgabe auf Lebenszeit

Nach der Verfassung des Ordens ist der Großmeister

auf Lebenszeit gewählt. Er ist Souverän und religiöses

Oberhaupt des Ordens. Gemeinsam mit dem Souveränen

Rat erlässt er gesetzliche Regelungen, die nicht in

der Verfassung enthalten sind, verkündet Regierungsakte

und ratifiziert internationale Vereinbarungen.

Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Großmeisters

wird es sein, die Reform der Verfassung und des Codex

des Ordens durchzuführen. Der Reformprozess wurde

bereits 2017 gestartet. Im Vordergrund steht die Stärkung

des spirituellen Lebens des Ordens, um mehr und

jüngere Profess-Mitglieder zu gewinnen.

Der erste offizielle Einsatz des neuen Großmeisters war

der 60. internationale Wallfahrt des Malteser-Ritter-

Ordens nach Lourdes, die von 4. bis 8. Mai stattfand.

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DIE MALTESER 2/2018 5


XXXXX

LOURDES 2018

EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN

Alle Jahre wieder pilgern MALTESER aus aller Welt am ersten Maiwochenende nach Lourdes, dem Gnadenort in den

französischen Pyräneen, an dem die Gottesmutter 1858 dem kleinen Mädchen Bernadette Soubirous erschienen ist. Mit

dabei sind auch die österreichischen MALTESER! Und dies – wenn man den Geschichten der älteren MALTESER unter uns

lauscht, die schon in den „Lazarettwagons“ nach Lourdes gepilgert sind – seit Langem ...

Von Mesi Richter

Viele von uns kennen die beeindruckenden Bilder der

Sakramentsprozession, der Lichterprozession, der Internationalen

MALTESER-Messe oder der Grotte bei Nacht

und die ergreifenden Bilder all der MALTESER, die auf

der Lourdes-Wallfahrt Jahr für Jahr mit offenem Herzen

und großer Hingabe unsere Herren Kranken betreuen.

Unzählige Details müssen bedacht werden

Aber was steckt hinter dieser Wallfahrt? Wer ist an der

Planung und der Umsetzung beteiligt? Wie viel Aufwand

ist dieses Unterfangen? Wer kümmert sich um die

Decken? Wer denkt an die Blumen auf dem Tisch? Wie

entstehen die zahllosen Listen? Was muss alles besorgt

werden?

Hinter der jährlichen Lourdes-Wallfahrt der österreichischen

MALTESER steht eine große Gruppe an engagierten

MALTESERN, die sich um alles kümmern: „Vom

Flughafen bis zum Wetter – okay ich gebe zu, Letzteres

können wir leider nicht wirklich planen“.

Wir wollen in diesem Beitrag einen kleinen Blick hinter

die Kulissen der Lourdes-Wallfahrt geben, um unseren

Mitreisenden zu zeigen, was vor allem in den Wochen

und Monaten der Vorbereitung passiert und auch Teil der

Wallfahrt, Teil des Pilgerns nach Lourdes ist.

Die Vorbereitung der Lourdes-Wallfahrt beginnt ... meist

zu spät! Wie bei allen größeren Aufgaben fragen sich die

Verantwortlichen am Ende immer, warum sie nicht dies

oder das schon viel früher erledigt haben. Trotzdem geht

es sich jedes Jahr aus, und eine wunderbare Wallfahrt findet

statt.

Bereits im Herbst starten die Vorbereitungen

In der Tat werden die Eckpunkte der Wallfahrt im Herbst

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DIE MALTESER 2/2018


IMFOKUS

des Vorjahres fixiert. Das bedeutet, das Datum wird festgelegt,

die Unterkunft wird reserviert, die Transportmittel

werden reserviert und die Maximalanzahl der Teilnehmer

wird bestimmt. Beim Datum und der Unterkunft

gibt es keinen großen Spielraum, schließlich wollen wir

als Teil der internationalen MALTESER-Wallfahrt am ersten

Maiwochenende in Lourdes sein. Dadurch sind auch

die meisten gut erreichbaren Hotels ausgebucht, und so

steigen wir seit 35 Jahren im selben Hotel ab. Das Transportmittel,

also die Frage, wie wir eigentlich nach Lourdes

kommen, wirft dagegen schon viele Fragen auf, die

entschieden werden müssen: „Zug oder Flugzeug“. Ist die

Entscheidung für den Flug gefallen, dann gilt es, weitere

Themen abzuklären.

Ein ganz spezieller Flug

Kommen wir gleich zum Flug: Für unseren gemeinsamen

Flug nach Salzburg müssen zunächst alle Konditionen

ausgehandelt werden. In das Flugzeug kommen dann ca.

1,2 Tonnen Übergepäck in 30–40 Kisten (ein Albtraum

für jede Fluggesellschaft!), die unser gesamtes Pflegematerial,

Decken, Regenschutz, Reserverollstühle etc.

enthalten. Hinzu kommen rund 50 Rollstühle und Rollatoren,

das Reisegepäck von 189 Personen, die ihrerseits

mit Sack und Pack in der Kabine Platz finden müssen.

Das Boarding dauert aufgrund der Hilfestellung, die wir

unseren Pilgern leisten müssen, die nicht selbständig einsteigen

können, statt 30 Minuten eher 90 Minuten. Dazu

gibt es einen eigenen sogenannten „Hebetrupp“, der Jahr

für Jahr trotz steter Beteuerung des Flughafens, dass sie

diese Arbeit übernehmen werden, im Nu übernimmt und

mit viel Geschick, Erfahrung und vor allem Einfühlungsvermögen

unsere gehbehinderten Pilger auf ihre Plätze

bringt. Auch für das Flugpersonal ist der Flug etwas Besonderes

– normalerweise laufen nicht so viele Menschen

in altmodischer Schwesternuniform auf dem Gang herum,

unterstützen ihre Nachbarn beim Essen und Trinken,

wechseln im Notfall geschickt Windeln unter dem

Sichtschutz eines MALTESER-Capes oder stimmen zum

Abflug „Ubi caritas“ an ...

Unsere Wallfahrt nach Lourdes ist vor allem deshalb etwas

Besonderes, weil manche unserer Pilger besondere

Betreuung benötigen. Diese ist möglich, da uns ein Team

aus fünf Ärzten und Krankenschwestern begleitet und

alle rund 70 MALTESER eine Pflegeausbildung und -auffrischung

absolviert haben. Das für die Pflege benötigte

Material wird im Vorfeld von unserem Lagerteam abgeklärt

und entsprechend bestellt. Nur als Beispiel werden

während einer Lourdes-Wallfahrt etwa 2.000 - 3.000 Paar

Einmalhandschuhe, 300 Duschschürzen, 500 Strohhalme

etc. verwendet. Auch für die Verköstigung zwischendurch

sorgt das Lagerteam – die durchschnittliche Anzahl der

gesnackten Butterkekse und Gummischlangen möchten

wir hier nicht preisgeben.

Komplexe Organisation, zahllose Listen

Lourdes wirkt irgendwie nicht wie aus unserer Zeit – und

DIE MALTESER 2/2018 7


XXXXX

das gilt auch für die Lourdes-Wallfahrt: lauter freundliche

Gesichter, keine Handys (zumindest nicht im Heiligen

Bezirk), wenig Stress. Aber ein modernes Feature ist

in Lourdes unerlässlich: Excel! Ohne Werbung machen zu

wollen, muss angemerkt werden, dass die Vorbereitung

der Lourdes-Wallfahrt eine ungeahnte Zahl von Listen

bedingt, die nur computerunterstützt verarbeitet werden

können. Jeder Pilger wird hier erfasst, mit allen notwendigen

Informationen vom Geburtsdatum (auch der wird

in Lourdes gefeiert!) bis zum Zimmerwunsch. Mit Hilfe

dieser Listen und einer großen Menge Post-its erfolgt

auch die Einteilung jedes Pilgers in ein Team und in ein

Zimmer – da wir alle Menschen sind und Fehler machen,

aber dennoch möchten, dass sich alle wohl fühlen, gibt es

eine Vielzahl von korrigierten und „finalen“ oder „finalfinalen“

oder „final-final-finalen“ Listen. Nebenbei sei

noch angemerkt, dass die Einsatzleitung doch auch nicht

auf das moderne Feature des Handys verzichten kann –

meinen Aufzeichnungen nach waren es während der fünf

Tage Lourdes 189 Anrufe (SMS nicht mitgezählt) ...

Besonderes Augenmerk wird bei unserer Lourdes-Wallfahrt

immer auf die Musik gelegt, frei nach dem Motto

„Wer singt, betet doppelt“! Auch die Einsatzleitung singt

ebenso enthusiastisch, gemeinsam mit vielen kreativen

und musikalischen MALTESERN. Die Leiter des Musikteams

stecken im Vorfeld viele Nachmittage und Abende

in die Auswahl der Lieder, ins Scannen der Noten und

Texte, in die Korrektur des Pilgerbuchs und in Proben mit

den zahlreichen Sängern und Instrumentalisten. Auch

hier bereiten wir der Fluglinie immer viel „Freude“, wenn

wir für das Handgepäck ein Keyboard, eine Geige, eine

Trompete, eine Klarinette und mindestens fünf Gitarren

anmelden.

Der hohe Zeitaufwand rentiert sich

Wie viele Stunden stecken nun schlussendlich in der Vorbereitung

der Lourdes-Wallfahrt? Diese Zahlen sind nicht

erfasst. Ich möchte nicht sagen, dass eine Hand nicht

weiß, was die andere tut, aber in der Tat weiß die Einsatzleitung

nur annähernd, wie viel Arbeit das Lagerteam in

der Vorbereitung aufwendet, wie viel Zeit die Ärzte und

Krankenschwestern in die Durchsicht der Atteste und die

Abklärung etwaiger medizinischer Fragen investieren,

wie viele Versionen der diversen Listen erstellt wurden,

wie viele Briefe die Bereichsverantwortlichen verfasst,

wie viele Anrufe sie getätigt und wie viele Fragen sie beantwortet

haben, wie viele E-Mails mit der Fluglinie, dem

Getränkeliefernaten und der zentralen Einsatzleitung

des Ordens, dem Hotel und den einzelnen Pilgern ausgetauscht

wurden und – nicht minder wichtig – wie viel

Zeit das Priesterteam in die spirituelle Vorbereitung der

Wallfahrt gesteckt hat.

Und wieso funktioniert vor Ort alles so reibungslos? Tut

es nicht! Aber das macht nichts! Wir versuchen es durch

Flexibilität und Freude auszugleichen! Wir sind keine professionellen

Reiseveranstalter, aber wir versuchen, durch

diese Wallfahrt Freude zu schenken, Freude zu erfahren

und uns und unsere Mitpilger zu stärken. Wenn uns das

gelingt, sind die 1,2 Tonnen Übergepäck, etliche falsch gedruckte

Schilder, die heiser gesungenen Hälse und die wehen

Füße vergessen, und wir freuen uns auf die nächste

Lourdes-Wallfahrt! Denn „nach Lourdes ist vor Lourdes“!

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DIE MALTESER 2/2018


IMFOKUS

160 JAHRE LOURDES,

60 JAHRE MALTESER IN LOURDES.

EIN ORT DER GNADE UND SEINE BEDEUTUNG FÜR UNS MALTESER.

In diesem Jahr, in dem sich die Marienerscheinungen der Heiligen Bernadette Soubirous zum 160. Mal und die (inzwischen

internationale) Wallfahrt der MALTESER mit kranken und behinderten Menschen zum 60. Mal jährt, ist eine gute

Gelegenheit wieder einmal darüber nachzudenken, warum wir nach Lourdes fahren, was uns dazu bewegt und welch

große Bedeutung der Ort auch für uns MALTESER, für unsere Berufung und unser Zeugnis als Christen hat. In einer Welt,

die im Glauben schwach geworden ist, in der wir als religiöse Menschen immer wieder auf Unverständnis stoßen und

sich Skepsis über unsere Beweggründe breit macht, ist diese Auseinandersetzung wichtig. Denn sonst laufen wir selbst

Gefahr, eine Wallfahrt nach Lourdes einfach nur „abszupulen“.

Von Manuel Weinberger

Als Papst Johannes Paul II. 2004 nach Lourdes kam, sollte

diese 104. Reise im Rahmen seines Pontifikates auch seine

letzte sein. Gesundheitlich war er bereits stark angeschlagen

und wollte noch einmal als „einfacher Pilger wie

viele Kranke nach Lourdes“ kommen, wie die französische

Bischofskonferenz verkündet hatte. Bei seiner Ankunft in

der Grotte von Massabielle wurde er jubelnd empfangen,

unter anderem von zahlreichen kranken Pilgern, an die

sich Johannes Paul II. zuallererst wandte: „Ich bin mit

euch, liebe Brüder und Schwestern, als ein Pilger bei der

Jungfrau“, sagte der Papst in seinem Grußwort. „Ich mache

eure Gebete und eure Hoffnungen zu den meinigen.

Ich teile mit euch einen Lebensabschnitt, der von physischem

Leiden geprägt ist, der aber nicht weniger fruchtbar

ist“.

In seiner Predigt sprach er über das Leben und erteilte allen

Angriffen auf dieses eine eindeutige Absage: „An euch

alle, Brüder und Schwestern, richte ich den dringlichen

Appell, dass ihr alles in eurer Macht stehende tut, damit

das Leben, das ganze Leben, von der Empfängnis bis zu

seinem natürlichen Ende geachtet wird. Das Leben ist ein

heiliges Geschenk, niemand darf sich zum Herrn darüber

erheben.“

Dieser Satz, die Bedeutung und der Wert des Lebens in

all seinen Formen, all seinen Ausprägungen, ist nicht nur

eine zentrale Botschaft des christlichen Glaubens, es ist

vor allem auch einer der Gründe, nach Lourdes zu fahren.

Philipp Freiherr von Boeselgaer, einer, wenn nicht der

Initiator der MALTESER Krankenfahrten nach Lourdes,

DIE MALTESER 2/2018 9


IMFOKUS

hat sich mit diesem Thema in seinem Vortrag vor der

Deutschen Assoziation des Ordens im Jahr 1997 intensiv

auseinandergesetzt. Und auch heute noch haben seine

Worte, die wir als Grundlage für diese Betrachtung nehmen,

nichts an ihrer Aktualität verloren. Freiherr von

Boeselager wurde nach dem Krieg überredet, ein krankes

Mädchen nach Lourdes zu begleiten und wurde Zeuge ihrer

Heilung, von der das Mädchen dann bei der Rückfahrt

im Zug von Waggon zu Waggon berichtete.

Überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht

In diesem Moment lernte er verstehen, weshalb die Wunder

des Herrn so wenig bewirkt hatten und warum diese

seltener geschehen, als sie geschehen könnten. Der Hebräerbrief

umschreibt den Glauben als „Feststehen in

dem, was man erhofft. Überzeugt sein von Dingen, die

man nicht sieht“ (Hebr. 11.1) Wir Christen kennen alle

die Wunder Gottes im Alten und im Neuen Testament.

Die wenigsten von uns wurden aber selbst Zeugen eines

solchen Wunders – „Überzeugt sein von Dingen, die man

nicht sieht.“ Eine Herausforderung. Und obwohl wir nicht

sehen, müssen wir uns als MALTESER in den Dienst des

Herrn stellen. Christus hat gesagt: „Was ihr dem Geringsten

meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“,

deshalb nennen wir MALTESER die Kranken „unsere

Herren.“ Dies ist nicht immer einfach – selbst wann man

gerade in Lourdes, am Dienst an diesem Herren, tausendfach

dafür beschenkt werden kann. Basis dafür, um diesen

Dienst auch im richtigen Sinne verrichten zu können,

ist aber der Glaube. Ohne diesen wird man sich kaum mit

der geforderten Hingabe in den Dienst stellen. Und dieser

Glaube ist, wie Boeselager sagt, kein sicherer Besitz,

er ist immer wieder gefährdet. Er ist doppelt in Gefahr:

einmal von innen und einmal von außen. Der Glaube

kann lau werden, er kann langsam absterben, nichts

mehr im Menschen bewegen, und dieses Absterben kann

man beschleunigen durch mangelndes Gebet, durch ein

nur mehr passives Leben im Orden, indem man sich an

keinem Werk des Ordens mehr beteiligt, als passiver,

weil eben nicht (mild)tätiger Christ. Ja, es kann soweit

kommen, dass man zwar regelmäßig die Messe besucht,

das Glaubensbekenntnis aber nur noch herunter leiert,

dass es einem nichts abverlangt, da der Glaube ganz steril

geworden ist. Dabei findet man sich selbst fabelhaft

rechtgläubig, das heißt orthodox. Aber von einer Orthopraxis,

von einem Leben aus dem Glauben in der täglichen

Praxis, ist keine Rede mehr. Es ist dann nur noch

ein kleiner Schritt bis zur Verleugnung des Glaubens in

einem Gespräch, oder zu freiwilligen Glaubenszweifeln.

Der Glaube, der im Menschen selbst nichts bewegt, kann

weder verteidigt werden, noch andere überzeugen.

Glauben wir denn, dass Wunder geschehen?

Und gerade in Lourdes können wir durch unsere Tätigkeit

(wieder) zu unserem Glauben finden und gestärkt aus

einer Wallfahrt hervorgehen, wenn es darum geht, sich

der Allmacht Gottes gewiss zu sein. Boeselager zitiert einen

ehemaligen Chef der piscines, der Heilbäder für die

Kranken: „Es wird oft davon geredet, dass in Lourdes so

wenig Wunder geschehen. Glauben wir denn, dass sie geschehen

könnten? Tun wir Gesunden hier Buße für die

Genesung der Kranken?“ Wunder geschehen auch ohne

die Fürbitte der Menschen. Aber wir können sie fördern

und, was schlimmer ist, mit augenscheinlichem Unglauben

verhindern.

Lourdes ist ein Ort, der unseren Glauben wirklich fordert.

Einen Glauben, der sich nicht auf das Beten des Credos

beschränkt, sondern ein lebendiger Glaube ist, den

allein ein personales Verhältnis zu Gott ermöglicht. Also

ein Glaube, der erbittet und erhofft, dass der Kranke neben

einem aufsteht. Ein Glaube, der dies für möglich, ja

immer wieder und trotz allem für möglich hält.

Wer aber neben dem Kranken ohne Hoffnung steht und

ohne diesen Glauben neben ihm kniet, wenn der Herr

10

DIE MALTESER 2/2018


XXXX

bei der Prozession vorübergeht, der sollte sich prüfen, ob

er nach Lourdes fahren kann, ja darf. Oder, ob er durch

seinen Unglauben ein Wunder verhindert. Es ist einer

der Gründe, warum im MALTESER Hospitaldienst nur

Christen aufgenommen werden können – weil christlicher

Glauben und christliches Handeln die Basis all unseres

Tuns sind. Wir MALTESER tragen dabei die volle

Verantwortung für den Glauben und das Handeln unseres

Teams. Wir müssen das dem Team verdeutlichen und

gemeinsam mit dem Team um einen solchen Glauben beten.

Sonst passt die Schriftstelle vielleicht auch auf uns:

„Wegen ihres Unglaubens konnte er nicht heilen!“

Die „tuitio fidei“, die Verteidigung des Glaubens, die ein

Teil des Wahlspruchs des Malteser-Ritter-Ordens ist, hat

in unserer Zeit wenig mit dem Schwert zu tun, aber viel

mit unserem eigenen Unglauben, unserer Gleichgültigkeit,

unserer Arroganz und Ich-Bezogenheit, mit unserem

toten Glauben, der nichts bewegt und nichts für möglich

hält. Vielleicht haben wir manchmal sogar Angst, es könne

uns ein Glaube erfassen, der etwas bewegen würde.

Mut zu dienen

Die zweite Ordensverpflichtung ist das das „obsequium

pauperum“, der Dienst am Kranken, am Armen“. Und

auch hier gilt: Selten lässt sich dieser Grundsatz so kraftvoll

und freundvoll (er)leben, wie in der Gemeinschaft in

Lourdes. Hier ist er wieder – der Dienst am Herren, in doppelter

Bedeutung: Christus, unserem Herren, aber auch

unserem Herren Kranken. Von MALTESERN erwarten

wir nicht, dass sie die religiöse Zielsetzung einer Wallfahrt

respektieren, nein, wir erwarten von jedem von uns, dass

er aus religiöser Motivation handelt. Dass er Demut aufbringt

– den Mut zu dienen. Denn gerade dieses handeln,

der aktive Dienst am Herrn ist es, was den Orden und seine

Werke seit Jahrhunderten ausmacht. Pius XII sagte in

einer Ansprache an Mitglieder des Ordens im Jahr 1941:

„Begnügt euch darum nicht bloß mit Eurer Freigebigkeit,

die Kranken zu unterstützen. Nein, Ihr sollt sie lieben und

ihnen als der ersten Gefolgschaft unseres gemeinsamen

Königs in Ehrfurcht begegnen und dienen!“

Der Wille, dieser Bitte des Hl. Vaters zu entsprechen,

und die alte Ordenstradition und -regel der praktizierten

Krankenpflege durch die MALTESER – selbst der Großmeister

pflegte in Malta noch persönlich – führte die

MALTESER nach Lourdes und war ein Gründungsgedanke

für unsere jährlichen Krankenwallfahrten.

Das Leben – ein heiliges Geschenk

Und in Lourdes erfahren wir, um die Brücke zu den Worten

Johannes Paul II. zu schließen, auch viel über die

Bedeutung und den Wert des Lebens. Denn gerade dort

kann sich niemand angesichts der vielen Kranken und

Menschen mit Behinderung der Sinnfrage des Lebens

entziehen. Mit großem Schrecken denkt man dann an

diesem Ort, wo jeder trotz oder auch gerade wegen seiner

Leiden, Gebrechen und Behinderungen willkommen ist,

an die theoretisch und oft auch ohne Sachkenntnis geführten

Diskussionen über den Wert des Lebens, das vermeintliche

Recht, dieses zu beenden oder ein entstehendes

Leben mit Behinderung erst gar nicht leben zu lassen.

So kommt es Dank der vor Ort gemachten Erfahrungen

in vielen Fällen wieder zu einer Wertschätzung des Lebens

und einer Rückkehr zum Glauben, der in Lourdes so

schnell, ja so deutlich spürbar wird. In Lourdes, diesem

Ort der Stille, hat man Zeit. Auch Zeit zum Beten. Zeit,

um für Gott da zu sein. Zeit, für unseren Herrn da zu

sein. Für unsere beiden Herren: Gott und unseren Herren

Kranken, die letztlich doch wieder nur einer sind, da wir

in jedem Menschen, in ausnahmslos jedem menschlichen

Leben, ein Ebenbild Gottes sehen.

Die Bedeutung von Lourdes für uns MALTESER und unseren

Glauben kann man wahrscheinlich gar nicht überschätzen.

DIE MALTESER 2/2018 11


RUNDSCHAU

v.l.n.r.: Georg Eyrl (Komitee), Carol Eyrl und

Hans-Christoph Hohenbühel

(Delegation Südtirol)

v.l.n.r.: Agnes Wackerle, Lukas Krupitza (Bereichsleiter MHDA Tirol), Georg Eyrl,

Katharina Zepharovich, Oswald Wolkenstein, Fanny Hoffmann-Rumerstein,

Felicitas Sarnthein, Dominica Vetter v.d. Lillie, Patricia Fiegl-Hacket,

Fra‘ Ludwig Hoffmann-Rumerstein

TIROLER BALL ZUGUNSTEN DER MALTESER

Alle zwei Jahre findet der „Tiroler Gesellschaftsball“ statt. Ursprünglich hieß er „Kaiserjägerball“ und wurde vor rund

85 Jahren von den Familien Chizzali und Spielmann ins Leben gerufen.

Von Katharina Stögner

Wir freuen uns gemeinsam mit Ihnen auf den diesjährigen

„Tiroler Gesellschaftsball“. Dieser findet am 10. November

2018 im Kurhaus in Hall in Tirol statt. Die Idee

dieses familiären Freundschaftsballs war von Anfang

an so erfolgreich, dass er bald schon internationale Dimension

erreichte. Der „Kaiserjägerball“ wurde zu einem

„Gesellschaftsball“, der Tiroler Familien aus nah und fern

- insgesamt rund 600 Gäste - zusammenbrachte. Diese

Tradition gilt heute noch, nur dass der „Kaiserjägerball“

aus Rücksicht auf den „Tiroler Kaiserjägerclub“ nicht

mehr offiziell so heißt.

Es ist den Organisatoren ein großes Anliegen, mit der

gesellschaftlichen Idee auch eine caritative zu verbinden.

Seit vielen Jahren wird der Reinerlös des Balls den

MALTESERN für ihre vielfältigen sozialen Tätigkeiten

gespendet. Im November 2016 konnte das Ballkomitee

dem MALTESER Hospitaldienst Tirol und der Delegation

Südtirol jeweils 6.000 Euro übergeben. Für die Erdbebenopfer

in Italien wurden zusätzliche 5.000 Euro an MAL-

TESER International überwiesen. Gleichzeitig konnte der

MHDA-Tirol, der im Zuge des Balls die Tombola und den

Würstelstand oganisierte, ebenfalls hilfreiche Spendengelder

einnehmen.

Für dieses wunderbare Engagement und diese Großzügigkeit

möchten wir uns sehr herzlich bei den Ballveranstaltern

bedanken!

Nähere Infos: www.tiroler-gesellschaftsball.at

12

DIE MALTESER 2/2018


XXXX

DROGENPRÄVENTION IM MITTELPUNKT DER

UNODC-YOUTH INITIATIVE

Von Lukas Ortner

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden, mit bald 1000 Jahren

eine der ältesten humanitären Institutionen weltweit,

wird die Zusammenarbeit mit dem UN-Büro für Drogenund

Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien ausweiten.

Das erklärte der Ständige Beobachter des Ordens bei

den Vereinten Nationen, Botschafter Günther A. Granser,

auf der UNODC-Konferenz in der Wiener UNO-City, an der

über 1500 Delegierte aus allen Kontinenten teilnahmen.

Konkret will der Orden dazu beitragen, dass die seit sechs

Jahren bestehende Jugendinitiative eine stärkere Stimme

bei der UN-Commission on Narcotic Drugs (CND) erhält.

Laut dem UNODC World Drug Report konsumieren über

250 Mio. Menschen weltweit illegale Drogen, mit dramatischen

gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen für

Familien und Kinder. Vor allem die rasante Zunahme von

synthetischen Drogen bereitet den Experten dabei Sorgen.

Rund 250.000 sterben jährlich an den direkten und indirekten

Folgen des Drogenmissbrauchs. Die Kosten durch

Drogenkriminalität und Behandlung von Drogensüchtigen

belaufen sich auf über 700 Mrd. US-Dollar pro Jahr. Das

ist auch der Grund, warum immer mehr Länder weltweit

zur aktiven Bekämpfung von Drogenproduktion, Handel

und Missbrauch aufrufen. Es sei eine globale Aufgabe, effiziente

Präventionsmaßnahmen zu setzen, um Kinder und

Jugendliche von gesundheitsgefährdenden Rausch- und

Betäubungsmitteln fernzuhalten, erklärte Granser.

Das Jugendforum der Youth Initiative initiiert Informations-

und Aufklärungsmaßnahmen zur Drogen-

prävention in ihren Heimatländern über individuelle

Fördermaßnahmen, Informationskampagnen, Jugendveranstaltungen

und Aktivitäten in den sozialen Netzwerken,

um so jeden Tag Millionen Menschen zu erreichen.

„Der Orden ist überzeugt, dass die Jugend das wertvollste

Kapital für die Zukunft darstellt und somit Investitionen

in die sichere und gesunde Entwicklung junger Menschen

ein Beitrag zur nachhaltigen Zukunftssicherung für uns

alle sind“, sagte Granser. Daher werde der Malteser-Ritter-Orden

alles daran setzen, die UNODC Youth Initiative

in der CND zu fördern und ihre Weiterentwicklung zu unterstützen.

So kann sie Entscheidungsträger für praktische

Lösungen in der weltweiten Drogenproblematik erreichen.

Über den Souveränen Malteser-Ritter-Orden

Als internationales Völkerrechtssubjekt unterhält der Souveräne

Malteser-Ritter-Orden diplomatische Beziehungen

zu 107 Staaten auf allen Kontinenten, zudem hat er permanenten

Beobachterstatus bei allen UN-Organisationen

und anderen internationalen Organisationen. Der Orden

genießt hohe Reputation als neutrale und apolitische Institution

und engagiert sich vor allem im Gesundheits- und

Armutsbereich, insbesondere durch medizinische, soziale

und humanitäre Projekte für Menschen in Not.

Permant Mission of the Sovereign Order of Malta to

the United Nations Vienna

www.smomun.org und hwww.orderofmalta.int

UNODC Vienna: www.unodc.org

DIE MALTESER 2/2018 13


RUNDSCHAU

DROGENKONSUM VON JUGENDLICHEN:

EINE WACHSENDE GLOBALE HERAUS-

FORDERUNG

Drogenkonsum ist weiterhin ein sehr ernst zu nehmendes, stetig wachsendes, soziales Phänomen, von dem insbesondere

junge Bevölkerungsgruppen betroffen sind.

Von Sofia Cordero

Die Zahl der Jugendlichen-Drogenkonsumenten

steigt stetig

So schätzt die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen

und Drogensucht (EMCDDA ) im Europäischen

Drogenbericht 2017, dass in der Europäischen Union

insgesamt 18,7 Millionen junge Erwachsene im Alter

Abbildung 1: Schätzung der Menge des

Kokainkonsums in der Europäischen Union im

Jahr 2016 (in Millionen)

3.5

Kokain

2.3

Abbildung 2: Anteil des Kokainverbrauchs von

jungen Erwachsenen in der Europäischen

Union im Jahr 2016

Kokain

Verbraucherländern tätig sind, haben ihre Arbeitsweise

schrittweise professionalisiert und weiterentwickelt.

Neue Technologien, wie z.B. das Darknet, das auf Plattformen

ähnliche Eigenschaften wie z.B. Amazon bietet,

hat die Marktstruktur und Zugänglichkeit zu illegalen

Substanzen vollständig verändert. Produkte und Lieferanten

können gesucht, verglichen

und bewertet werden. Wie

von der EMCDDA festgestellt,

sind die meisten Verkäufe auf

den Darknet-Märkten drogenbezogen.

Auch durch die Möglichkeit,

Drogen in anonymer

Distanz und großen Mengen

kaufen zu können, spielt das

Darknet eine wichtige Rolle im

illegalen Drogenhandel und gewinnt

weiter an Bedeutung.

Quelle: EMCDDA 2017

zwischen 15 und 34 Jahren im Jahr 2016 illegale Drogen

konsumiert haben. Dabei stechen Cannabis, Kokain und

MDMA als die am häufigsten erprobten Drogen heraus.

Schätzungen für 2016 ergeben, dass etwa 3,5 Millionen

erwachsene Personen in Europa im Alter von 15-64 Jahren

Kokain konsumiert haben [s. Abb. 1]. Darunter waren

etwa 2,3 Millionen junge Erwachsene (sohin 71%) im

Alter von 15 bis 34 Jahren [s. Abb. 2].

Wachsende illegale Onlinemärkte für den Drogenhandel

Kriminelle Netzwerke, die in den Erzeuger-, Transit- und

Solche Entwicklungen verändern

die Landschaft des illega-

Quelle: EMCDDA 2017

len Drogenmarkts und das Risiko, dass Jugendliche dem

Drogenkonsum ausgesetzt werden, steigt weiterhin an.

Es hängt von den individuellen Entscheidungen der Jugendlichen

ab, ob sie die verfügbaren illegalen Drogen

ausprobieren oder nicht und ob sie illegale Drogen weiter

konsumieren, sobald sie diese ausprobiert haben. Aufklärung

ist hier also wichtiges Thema. Jugendliche müssen

sich bewusst sein, wie sich ihre Entscheidungen über den

Konsum illegaler Drogen auf ihre Gesundheit und Persönlichkeit

auswirken und welchen Einfluss sie auf globale

Themen wie Entwicklung, Frieden und Sicherheit haben.

14

DIE MALTESER 2/2018


RUNDSCHAU

Durch wachsende Drogenmärkte steigt die Zahl

der kriminellen Netzwerke

Die im UNODC World Drug Report 2017 veröffentlichten

Daten zeigen, dass der Anbau von Kokapflanzen im Zeitraum

2013 bis 2015 um 30 Prozent zugenommen hat.

Schätzungen zufolge haben internationale organisierte

kriminelle Organisationen im Jahr 2014 bis zu einem

Drittel ihrer Einnahmen aus Drogenverkäufen erzielt

und 2017 waren unter den etwa 5000 aktiven Gruppen

der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität in

der EU, ein Drittel am illegalen Drogenhandel beteiligt.

Die Einnahmen durch den Drogenhandel eröffnen Möglichkeiten

für transnationale organisierte Kriminalität,

ihre Tätigkeit weiterzuführen und global auszuweiten.

Der Drogenhandel gefährdet die Stabilität der betroffenen

Länder, was besonders in Lateinamerika, Mittelamerika,

der Karibik und Afrika zu beobachten ist. Das

Africa Centre for Strategic Studies (ACSS) berichtet,

dass Westafrika bis heute viele der Bedingungen aufrecht

hält, die drogenbedingte Gewalt und Konflikte in

Lateinamerika und der Karibik ermöglichten. Kokain,

das über Westafrika nach Europa eingeschleust wird,

gilt als sehr wesentlicher Einflussfaktor für die vorherrschende

Instabilität in den westafrikanischen Staaten

und der Sahelzone. Unabhängigen Berichten zufolge finanzieren

terroristische Gruppen, die in der Sahelzone

leben, wie AQMI, Ansar Dine, MUJAO und Boko Haram,

ihre kriminellen und terroristischen Aktivitäten zunehmend

durch den Handel mit illegalen Gütern, insbesondere

Drogen.

Der illegale Drogenhandel stellt nicht nur eine Gefahr

für die Rechtsstaatlichkeit, sondern auch eine Bedrohung

für die Einhaltung der Menschenrechte dar, die

sich auf gefährdete Gruppen wie Kinder und Jugendliche

auswirkt. Ein diesbezüglich besonders kritischer

Punkt ist die Rekrutierung von jungen Menschen durch

organisierte kriminelle Gruppen, Drogenkartelle und

Banden. Sie werden angeworben, um Straftaten wie Drogenschmuggel

zu begehen, und werden im Umfeld dieser

Gruppen erzogen. Somit bleiben sie häufig langfristig

dem Organisierten Verbrechen treu.

Aktionsplan zur Aufklärung der Jugendlichen um

den Drogenkonsum, die Geldwäsche und Korruption

einzudämmen

Die angeführten Zahlen und Berichte zeigen, dass wir

mit einem sich rasch verändernden globalisierten Drogenmarkt

konfrontiert sind, der sich weit über nationale

Grenzen hin auswirkt. Der Konsum illegaler Drogen fördert

Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, weit verbreitete

Korruption und die Aushöhlung staatlicher Institutionen.

Aus diesen Gründen sollten die Antworten im

Einklang mit den Sustainable Development Goals stehen

und sich auf einen Aktionsplan konzentrieren, der Jugendlichen

die geeigneten Instrumente und Informationen

für derartig wichtige Entscheidungen in Bezug auf

ihr Leben und ihre Zukunft bietet.

Quellen:

Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

(EMCDDA): Europäischer Drogenbericht 2017.

United Nations of Drugs and Crime (UNODC): World Drug

Report 2017.

The Africa Centre for Strategic Studies (ACSS) Cocaine and

Instability in Africa: Lessons from Latin America and the

Caribbean - Davin O’Regan.

Autor: Sofia Cordero, Consultant – United Nations Office on

Drugs and Crime (UNODC)- CRIMJUST Global Programme

DIE MALTESER 2/2018 15


RUNDSCHAU

Ausgezeichnete Weine von Lenz Moser

aus dem Schlossweingut des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

Die Marktgemeinde Mailberg liegt etwa

60 Kilometer nordwestlich von Wien, im

westlichen Weinviertel. Erstmals 1055 urkundlich erwähnt,

führt seine Geschichte jedoch weit länger zurück, bereits

die Quaden sollen hier zu Beginn des ersten Jahrtausends

Weinstöcke gepflanzt und Trauben geerntet haben.

Seit 1146 ist Schloss Mailberg im ständigen Besitz des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens und ist deren ältester

Besitz weltweit. Heute ist die Kommende Mailberg eine

freie selbstständige Wirtschaftseinheit. Rund 250 Hektar

Ackerbau werden hier biologisch betrieben, weiters gehören

noch 400 Hektar Wald und 50 Hektar Weingärten dazu.

Das Schlossweingut des Souveränen Malteser-Ritter-Orden

wird seit dem Jahre 1969 von der Weinkellerei Lenz Moser,

mit Sitz in Rohrendorf bei Krems, bewirtschaftet.

Ing. Norbert Gutmayer, seit Juli 1998 im Weingut beschäftigt,

ist als Gutsverwalter für das 50 Hektar große Weingut

verantwortlich. Neben den einzigartigen klimatischen Bedingungen

gründen sich die Erfolge vor allem auch auf die

sorgfältige Bewirtschaftung. Es gilt Güte vor Menge, daher

werden die Hektarerträge bewusst niedrig gehalten, um

eine hohe natürliche Extraktkonzentration zu erhalten.

In der Kessellage von „Mailberg Valley“ findet der junge

Önologe perfekte Bedingungen für fruchtig-frische Weißund

Rotweine sowie mächtige Rotweine vor. Seine Überzeugung:

Drei DIE Viertel MALTESER der Weinqualität 2/2018 entstehen im Weingarten,

zur Optimierung des Restes ist die menschliche

Komponente im Keller essentiell. Die Symbiose von Fachwissen,

Tradition und Liebe zum Wein lässt außergewöhnliche

Weine entstehen.

Angeboten werden: Malteser Brut Sekt, Weinviertel DAC

Grüner Veltliner, Grüner Veltliner Ried Hundschupfen,

Chardonnay, Blauer Zweigelt, Merlot sowie die Kommende

Mailberg (eine Cuvée von Cabernet Sauvignon und

Merlot). Alle Weine und der Sekt sind trocken ausgebaut

und nur in limitierter Menge erhältlich.

Die hohe Qualität wird durch ihre Vielzahl an Prämierungen

und Auszeichnungen durch Weinjuroren bei nationalen

und internationalen Weinverkostungen belegt.

Die Weine des Schlossweingutes stehen ganzjährig in der

Vinothek des Schlosshotels Mailberg zur Weinverkostung

bereit und können hier zu Ab-Hof-Preisen erworben werden.

Weitere Informationen: www.schlosshotel-mailberg.at.

Die Weine sind auch erhältlich in den

Onlineshops: www.weinshop-mailberg.at

und www.lenzmoser.at.

Bezahlte Anzeige

16

Kontakt: Weinkellerei Lenz Moser AG

Lenz Moser Straße 1, 3495 Rohrendorf bei Krems

Telefon +43 2732 85541

office@lenzmoser.at, www.lenzmoser.at


VORBILDER

DIE KUNST DES ERZÄHLENS

Kaum jemand kann Geschichten so erzählen wie er. Kaum jemand weiß so

viel über unseren Orden und seine Werke wie er: MR Dr. Gerhart Feucht,

Archivar der Bibliothek des Großpriorats.

Von Richard Mischak

„Es war im Jahr 1977, als mein Sohn Martin mich fragte:

‚Wir haben keinen Arzt für den Sonnenzug, kannst Du einspringen?‘“,

erinnert sich Gerhart Feucht an seinen ersten

Dienst für die MALTESER. Kurz danach entschloss er sich,

die Stelle des leitenden Arztes anzunehmen. So wurde der

Mediziner in den Hospitaldienst aufgenommen und für die

Papstbesuche 1983 und 1988 sogar zum Chefarzt bestellt.

Unter seiner Ägide entstand die erste Ärztegruppe, wurde

eine einheitliche Ausbildungsordnung erstellt und auch

eine Regelung für den Katastropheneinsatz.

Gut vernetzt mit den befreundeten Rettungsorganisationen

begründete er auch ein Sanitätsmuseum in Wien.

Die entsprechenden Ausstellungsgegenstände vom Roten

Kreuz, dem Arbeiter Samariter Bund und von den Johannitern

waren rasch zusammengetragen. Räumlichkeiten

wurden gefunden, und in kurzer Zeit waren Objekte zusammengestellt,

die einen guten Überblick über die Entwicklung

des Sanitätswesens in Österreich gaben. Leider

wurde das Museum, dass 1994 eröffnet wurde, nach 2

Jahren nicht mehr fortgeführt und die Schaustücke verschwanden

wieder in den Archiven.

Für die MALTESER Jahrzehnte als Arzt in Wien tätig, half

er immer mit, wo Not am Mann war, sei es bei Pilgerzügen,

in der Ärzte-Ordination oder bei Ausflügen mit unseren

Betreuten. Für viele junge Mitglieder ein Vorbild, versah er

doch z. B. regelmäßig am 24. Dezember Dienst.

Von 2005-2007 arbeitete Gerhart Feucht bei der Zeitung

des Bereiches Wien, Kleines Malteserkreuz genannt, mit,

organisierte den Versand und schrieb Artikel. Nach seinem

70. Geburtstag und über 40 Dienstjahren als MALTESER

schied Dr. Feucht aus dem aktiven Ärztedienst aus.

Wertvolle Erinnerungen

Schon immer historisch interessiert, übernahm er bald

die Betreuung der Bibliothek des Großpriorats und wurde

schließlich der Archivar des Ordens. Auf Grund seiner

langen Diensterfahrung, seines großen Fachwissens und

seiner Kompetenz sowie durch das Studium der wichtigsten

Bücher und Werke über den Orden, gibt es wohl keine

Frage aus der Historie, zu der er nicht etwas beisteuern

kann. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören. Jede Frage wird

mit zahlreichen interessanten Begebenheiten erklärt und

detailliert beantwortet.

Die Stunden mit Dr. Feucht sind höchst bereichernd.

Sein Wissen und seine Erinnerungen sind einzigartig.

Zu jedem Thema kann er Quellen – sei es ein Buch, eine

Urkunde, ein Artikel – benennen und im Archiv auffinden,

kennt die handelnden Personen, weiß über ihren

Einsatz, ihre Familie und die politischen und sozialen

Verhältnisse der Zeit bestens Bescheid und erinnert sich

oft auch an persönliche Treffen und Begegnungen, die

er als Helfer, Arzt und Ordensmitglied machen konnte.

Bis heute hilft er bei Anfragen an den Orden und sein

Archiv.

Mit seinem bis heute großen persönlichen Einsatz,

seiner ungeheuren Hilfsbereitschaft, seiner reichen Erfahrung

und seiner unverwechselbaren Art, Geschichten

zu erzählen und damit sein Wissen weiterzugeben, ist

Dr. Feucht ein Vorbild für viele junge und ältere Mitarbeiter

in unserem Orden.

DIE MALTESER 2/2018 17


RELIGIONAKTUELL

APOSTOLISCHES SCHREIBEN

„GAUDETE ET EXSULTATE“

VON PAPST FRANZISKUS

Wörtlich übersetzt heißt dieses Schreiben „Freut euch und springt empor (jubelt)“.

Im Fokus steht das Thema „Heiligkeit“ – ein Thema, das aus dem Alltag bei vielen

Christen verschwunden zu sein scheint.

Von Msgr. Erzpr. Mag. Franz Schlegl

Es geht dem Papst nicht um die Definition dieses Begriffes,

um Analysen oder um Methoden, heilig zu werden, sondern

darum, diesen Begriff im täglichen Leben des 21. Jahrhunderts

wieder einmal präsent zu machen. Die Heiligen,

die schon in der Vollendung bei Gott sind, sind auch uns

nicht nur durch ihr Beispiel, sondern auch durch ihre Fürbitte

im täglichen Leben nahe. Das ist ein Grundsatz der

Verehrung von Heiligen, besonders von Märtyrern in der

katholischen Kirche und den Ostkirchen.

Papst Franziskus erinnert uns an die Tatsache, dass

nicht nur jene zur großen Schar der Heiligen gehören,

die durch einen Kanonisationsprozess heiliggesprochen

worden sind, sondern auch die große Zahl, die über die

„144.000 Bezeichneten“ in der Offenbarung des Johannes

hinausgeht: Menschen, die mitten im Alltag, im Beruf

und in der Familie ein liebevolles Zeugnis für die Anwesenheit

Gottes und für die notwendige Ausrichtung

auf die Vollendung in der Ewigkeit geben.

Um heilig zu werden, muss man keinesfalls ein Amt in

der Kirche besitzen, weder die Weihevollmacht, noch

ein Ordensgelübde. In den Kleinigkeiten des Alltags beginnt

Heiligkeit zu reifen. Was soll ich dem anderen sagen?

Ist es richtig, dass ich dies oder jenes so kritisiere?

Wer braucht jetzt meine Zeit? Wer braucht mein geduldiges

Ohr? Welcher alte, einsame oder kranke Mensch

braucht meinen Besuch und meine freundliche Zuwendung?

Im tiefsten Sinn bedeutet Heiligkeit, sich mit

dem Leben, dem Leiden, dem Sterben und der Auferstehung

des Herrn beständig zu verbinden. Diese Transparenz

auf das Leben des Sohnes Gottes hat besonders

den Bekennern und Märtyrern der Kirchengeschichte

ungeheure Kraft gegeben! Aus Lebensbeschreibungen

von Personen im KZ oder in den sibirischen Arbeitslagern

sind uns solche Menschen bekannt.

„Sucht zuerst das Reich Gottes“, dieser Aufruf des

Herrn im Evangelium gilt auch für den Christen der sogenannten

„postchristlichen Gesellschaft“. Der Papst

warnt davor, Kontemplation und Aktion gegeneinander

auszuspielen. Es sei falsch, Stille und Ruhe zu suchen

und den Dienst an der Welt und den Mitmenschen geringzuschätzen.

Umgekehrt bedeutet christliche Aktivität

nicht, die Momente der Ruhe, der Einsamkeit und

der Stille vor Gott zu verachten. Ganz im Gegenteil. Die

ständig neuen technologischen Errungenschaften und

die unzähligen Konsumangebote lassen dem Erklingen

der Stimme Gottes manchmal keinen Raum. Alles füllt

sich in immer größerer Geschwindigkeit mit Worten,

oberflächlichem Genuss und Lärm. Dort herrscht keine

Freude, sondern die Unzufriedenheit derer, die nicht

wissen, wofür sie leben.

Die Feinde der Heiligkeit

Im nächsten Teil des apostolischen Schreibens warnt

Papst Franziskus vor den Feinden der Heiligkeit, nämlich

Gnostizismus und Pelagianismus. Der Gnostizismus

18

DIE MALTESER 2/2018


RELIGIONAKTUELL

macht den anderen zum Objekt, das beobachtet und

analysiert wird, weil er meint, nur jene hätten Zugang

zur Vollkommenheit, die tiefe und geheime Inhalte und

Lehren verstehen könnten. Dabei wird vollkommen

vergessen, dass der Weg zu Gott immer auch über den

Mitmenschen führt - denken wir an die berühmte Rede

Jesu vom Weltgericht (Mt 25). Ausdrücklich kritisiert

der Papst Personen, die in der Kirche Bildungseinrichtungen

leiten, Philosophie oder Theologie unterrichten,

und dabei ihre Theorien und Ansichten den anderen

mehr oder weniger aufzwingen wollen, aber den lebendigen

Zugang zum Evangelium und zur Praxis der Kirche

ausklammern. Der andere Feind der Heiligkeit ist nach

Papst Franziskus der Pelagianismus. Bei diesem waren

es nicht der Verstand und die Erkenntnis, die den Platz

der Gnade eingenommen haben, sondern der Wille. Einzig

und allein verlässt man sich auf die eigenen Kräfte

und klammert die Gnade Gottes, seine unbedingt notwendige

Hilfe zum Gelingen eines christlichen Lebens,

aus. Gerade weil nach einem alten katholischen Grundsatz

„die Gnade die Natur voraussetzt“, macht uns die

Gnade nicht auf einen Schlag zu Übermenschen.

Die gesamte Lehre der Kirche legt dar, dass wir nicht

durch unsere Werke und unsere Anstrengungen gerechtfertigt

und gerettet werden, sondern durch die Gnade

Gottes. Dennoch, sagt der Papst, gibt es Christen, die

einen anderen Weg gehen wollen: jenen der Rechtfertigung

durch die eigenen Kräfte, jenen der Anbetung

des menschlichen Willens und der eigenen Fähigkeit,

das übersetzt sich in eine egozentrische und elitäre

Selbstgefälligkeit, ohne wahre Liebe. Dies tritt in vielen

scheinbar unterschiedlichen Haltungen zutage: dem

Gesetzeswahn, der Faszination daran, gesellschaftliche

und politische Errungenschaften vorweisen zu können,

der Zurschaustellung der Sorge für die Liturgie, die Lehre

und das Ansehen der Kirche, der mit der Organisation

praktischer Angelegenheiten verbundenen Prahlerei

oder der Neigung zu Dynamiken von Selbsthilfe und

ich-bezogener Selbstverwirklichung.

Gegen den Strom schwimmen

Den nächsten Teil überschreibt der Papst mit dem Titel:

„Im Licht des Meisters“. Darin geht es, wie heute zu

Recht betont werden muss, um ein „Schwimmen gegen

den Strom“, es geht um die Verwirklichung der Seligpreisungen

der Bergpredigt (Mt 5-7). Die Befolgung dieser

Seligpreisungen mündet letztlich in das Urteil des

Herrn beim Weltgericht: „Was ihr dem geringsten meiner

Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan.“ Die

Verwirklichung dieses Anspruchs ist ein sicherer Weg

zur Heiligkeit, in jeder Epoche und unter allen Umständen.

Schon der Hl. Johannes Paul II. sagte: „Wenn wir

wirklich von der Betrachtung Christi ausgegangen sind,

werden wir in der Lage sein, ihn vor allem im Antlitz

derer zu erkennen, mit denen er sich selbst gern identifiziert

hat.“

Im nächsten Kapitel spricht der Papst über Merkmale

der Heiligkeit im Leben von heute. Durchhaltevermögen,

Geduld und Sanftmut haben in einer zunehmend

von emotionaler Kälte und Herzlosigkeit geprägten

Gesellschaft eine besondere Bedeutung. Die gnadenlose

Hinrichtung von Personen in sozialen Medien, in

der Presse, manchmal auch im Gespräch von Christen

über abwesende Personen, ist dem Weg zur Heiligkeit

diametral entgegengesetzt. Freude und Sinn für Humor

legt uns der Papst ans Herz, denken wir zum Beispiel in

DIE MALTESER 2/2018 19


RELIGIONAKTUELL

diesem Zusammenhang an das Leben und Beispiel des

seligen Papstes Johannes XXIII (1958-63). Wagemut

und Eifer sowie die Hinordnung auf die Gemeinschaft

charakterisieren das Leben der Nachfolge Christi, ebenso

das ständige Gebet.

Im letzten Kapitel geht es

um Kampf, Wachsamkeit

und Unterscheidung. Es

geht dabei um die Zurückweisung

der weltlichen

Mentalität und der Laster,

die jeder von uns in sich

trägt, im Letzten, wie der

Papst ausdrücklich betont,

um den Kampf gegen den

Teufel. Als besonders notwendig

erweist sich die

Gabe der „Unterscheidung

der Geister“, also die Erkenntnis,

was von Gott

kommt und was vom Urheber

alles Bösen stammt.

„Rede, Herr, dein Diener

hört“, dieses Wort als Aufforderung

des Zuhörens

gibt uns der Papst mit auf

den Weg, ebenso die Logik

des Kreuzes. Er vertraut

uns der Fürsprache der Gottesmutter

an, die wie keine

andere Heilige die Seligpreisungen

gelebt hat. Ihr

müssen wir nicht viele Worte

machen, ein geflüstertes:

„Gegrüßet seist du Maria“

nimmt jeden von uns unter

ihren mütterlichen Schutz.

Mit den Worten: „Bitten

wir darum, dass der Heilige

Geist uns eine große Sehnsucht

eingebe, heilig zu sein zur größeren Ehre Gottes.

Ermutigen wir uns gegenseitig in diesem Anliegen. So

werden wir ein Glück teilen, das uns die Welt nicht nehmen

kann“, beendet Papst Franziskus sein apostolisches

Schreiben.

Ermutigen wir uns

gegenseitig!

20

DIE MALTESER 2/2018


LEBENSWERT

Abbau von Barrieren, wo man es nicht erwartet – im

Straßenchaos von Hanoi wird ein Blindenleitsystem verlegt.

Treffen mit Assistive-Technology-Pionieren in Qatar

ENABLING AROUND THE WORLD

Wenn man nach Fähigkeiten jeder einzelnen Person sucht und diese unterstützt, wird die Behinderung zur Nebensache.

Eine Reise rund um die Welt zeigt, was alles möglich ist – oft dort, wo man es am wenigsten vermutet.

Von Martin Morandell

FactBox

Assistierende Technologien: Soft- und Hardware

sowie IKT-Services, welche Menschen mit

Behinderung und Menschen im Alter in verschiedensten

Lebensbereichen unterstützen.

Digitale Barrierefreiheit: Auch im Internet

gibt es Richtlinien, wie Barrieren vermieden

werden können. Etwa die WCAG:

https://www.w3.org/WAI/standards-guidelines/

Screenreader: Software, welche den Bildschirminhalt

für stark sehbehinderte oder blinde

Menschen analysiert und an eine Sprachausgabe

oder Braillezeile (Blindenschriftzeile)

weitergibt.

Talker: digitale Geräte, die es unterstützen,

mittels Symbolen und/oder Bildschirmtastatur

und Sprachausgabe zu kommunizieren.

Stars of Vietnam: http://starsofvietnam.net/

Zero Project: https://zeroproject.org/

Oktober 2017 – nach kurzer Vorbereitungszeit steige ich in

den Flieger nach Qatar. Es wird der erste Stopp meiner Weltreise

sein. Seit 20 Jahre bin ich in der Forschung, Lehre und

Anwendung im Bereich Computertechnologien für Menschen

mit Behinderung (Assistierende Technologien) und Menschen

im Alter aktiv – doch was wird in diesen Bereichen in anderen

Ländern gemacht und realisiert? Um meinen Horizont zu erweitern

habe ich mich auf diese Reise gemacht, um zu sehen

und erleben „was möglich ist und gemacht wird“, mein Netzwerk

zu erweitern und mein Wissen aktiv einzubringen. Meine

Reise soll mich in zwei Monaten einmal rund um die Welt

bringen. Einige der besuchten Projekte sind Teil des von der

österreichischen Essl-Stiftung organisierten „Zero Projects –

für eine Welt mit null Barrieren“.

Qatar – Vor 10 Jahren wurde MADA (zu Deutsch „Horizont“)

gegründet – eine Beratungsstelle rund um assistierende Technologien,

Barrierefreiheit und Inklusion. Mit Unterstützung

der Emir-Familie wurde die Inklusion von Menschen mit

Behinderung in alle Bereiche viel Aufmerksamkeit gegeben.

DIE MALTESER 2/2018 21


LEBENSWERT

Blindenschriftunterricht auch für Erwachsene in Hai Duong

Schülerinnen und Schüler in Ho-Chi-Minh Stadt

Gerade der Bereich der inklusiven Bildung ist einer der

Haupttätigkeitsbereiche, da dies die nachhaltigste Aktivität

darstellt. Nötige assistierende Technologien, wie

etwa Screenreader oder Talker, sowie alle Beratungs- und

Schulungsservices werden kostenlos zur Verfügung gestellt.

Durch die Fußball WM 2022 hat das Thema Barrierefreiheit

im baulichen, technischen und gesellschaftlichen

Bereich nochmals große Stellenwert bekommen.

Dies wurde mir auch vom Außenhandelsdelegierten bestätigt.

Qatar ist Vorreiter im ganzen arabischen Raum.

Dem barrierefreien Tourismus wird viel Aufmerksamkeit

geschenkt. So zeigt AccessibleQatar – eine Webplattform

& App auf, welche öffentlichen und touristischen Bereiche

barrierefrei sind, und welche Services für Besucher

mit verschiedensten Bedürfnissen (Rollstuhlfaher, Menschen

mit Mobilitäts-, Hör-, Seh-, Lernbehinderungen)

vorhanden sind. Dieses Tool soll in Zukunft auch aktiv

von der Gewerbebehörde bei der Abnahme von Betrieben

eingesetzt und somit laufend erweitert werden.

Eine Beratungsstelle für Technologien die

Barrierefreiheit und Inklusion unterstützen

Vietnam: Das im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaugungsmittel

„Agent Orange“ verursacht auch heute noch viele

Krankheiten und Behinderungen. So gibt es noch viele

Kinder, die mit schweren Sehbehinderungen oder blind

zur Welt kommen. In der Stadt „Hai Duong“ zwischen

Hanoi und Halong-Bucht – wird ein Blindenheim seit

vielen Jahren von Verein „Stars of Vietnam“ unterstützt.

Jürgen, ein ausgewanderter Deutscher, unterstützt

wo immer nötig mit seiner Familie und Freunden

in Europa viele Menschen in Armut vor Ort, darunter viele

Menschen mit Behinderung. Vor drei Jahren hatte ich

schon einmal die Möglichkeit, die Kinder in Hai Duong zu

besuchen – mein Wunsch, zurück zu kommen wurde nun

Realität. Mein Ziel war es, mein Wissen im Bereich Adaptierung

und Anpassung der Computerarbeitsplätze einzubringen.

In manchen Bereichen war das Equippment

besser als erwartet, aber gerade die elektrische Verkabelung

war sehr störanfällig. Erdung gab es keine, einige PCs

waren defekt. Die meisten PCs waren mit Screenreader

ausgestattet, doch viele hatten Softwareprobleme. Mit

viel putzen, schrauben und Software bereinigen konnten

einige PCs wieder fit gemacht werden – die Grundlage,

um Lehrer und Schüler zu schulen.

Computerlösungen für Sehbehinderte Kinder in

Vietnam

Derzeit sind fast alle der 78 Kinder am Vormittag im

Regelunterricht integriert, am Nachmittag kommen sie

zurück ins Blindenheim, wo sie gemeinsam mit Stützlehrern

ihre Hausaufgaben machen. Eine offene Herausforderung

war es, eine Lösung für Mathematik am PC

für blinde Menschen zu finden, damit die Kinder ihre

Hausaufgaben möglichst selbstständig machen können

– unter den gegebenen Bedingungen keine leichte Aufgabe

– aber auch dafür konnte eine Lösung gefunden

werden – mit Hilfe eines Programms und eines Word-

Plugins, welches Latex Code in Formeln übersetzt. Eine

gute Schulbildung ist die wichtigste Voraussetzung für

eine erfolgreiche Zukunft, und so haben schon einige

Kinder den erfolgreichen Schritt in weitere Ausbildungen

geschafft. Zusätzlich wird eine Massageausbildung

angeboten, welche eine Anstellung etwa im stark boomenden

Tourismusbereich ermöglicht.

Neue berufliche Perspektive durch „Stars of

Vietnam“

Ein besonderer Ausflug war der Besuch bei Thanh, einem

Maler. Bis zu seinem 12. Lebensjahr war er ein guter

22

DIE MALTESER 2/2018


LEBENSWERT

Ein blinder Schüler lernt die Blindenschrift

Computerarbeitsplatz im Blindenheim Hai Duong mit Braille-

Zeile, Sprachausgabe und Screenreader

Fußballer, dann begann sein Körper zu schmerzen und

zu versteifen – Spätfolgen von Agent Orange. Mit minimalen

Pinselstrichen malt Thanh wunderbare Bilder.

Mittlerweile erhält er auch Fotos übers Internet, welche

er dann perfekt nachzeichnet. „Stars of Vietnam“ hilft

ihm, seine Bilder zu verkaufen. Mittlerweile verdient er

so gut, dass es ihm möglich ist, der Hauptverdiener in

seiner Familie zu sein.

Eine gute Ausbildung ist nötig für eine erfolgreiche

Zukunft der Kinder

In Hanoi traf ich die Organisation Catholic Relief Services

(CRS), eine amerikanische Hilfsorganisation,

welche in vielen Staaten der Welt aktiv ist. In Vietnam

versucht CRS insbesondere Bildungsprogramme aufzubauen

– speziell im Bereich der Sonderpädagogik. So

wurde zum Beispiel ein E-Learning-Portal geschaffen,

welches unter anderem für die Volksschule die Mathematik-Unterlagen

für sehbehinderte, blinde und gehörlose

Kinder in barrierefreier Form enthält. CRS organisiert

zudem breite Computerschulungsaktionen für die

vielen stark sehbehinderten und blinden Menschen. In

speziellen Trainingseinheiten werden in den lokalen

Blindenschulen Jugendliche aber auch Erwachsene im

Gebrauch des gratis Screenreaders NVDA geschult. Dieser

kann etwa von einem USB-Stick aus gestartet werden

und ermöglicht es so blinden Menschen, fast jeden

Windows-PC, MS Office und das Internet zu nutzen.

Schulen für sehbehinderte und gehörlose Kinder

In Ho-Chi-Min Stadt konnte ich noch das Blindenheim

Nhat Hong Center besuchen, wo 90 Kinder zwischen

3 und 20 Jahren leben, etwa 50 Prozent besuchen die

Schule integrativ. Da in den vietnamesischen Schulen

30-50 Kinder in einer Klasse sind, ist es wichtig, dass in

den Blindenheimen am Nachmittag spezielle Unterstützung

angeboten wird. „Das Blindenheim, das erst vor

einigen Jahren errichtet wurde, wird von einer Direktorin

geleitet, die Sonderpädagogik in den USA studierte.

Dank Unterstützung von einigen international tätigen

Organisationen konnte das Heim modern ausgestattet

werden, sodass die meisten Kinder, die die Schule integrativ

besuchen, über einen eigenen Laptop verfügen,

um im Unterricht aktiv mitschreiben zu können. Die

Ausbildungswege hier sind vielfältiger als in Hai Duong,

aber auch hier ist eine der größten Herausforderungen,

einen Arbeitsplatz nach der Schullaufbahn zu bekommen.

Gute Englischkenntnisse, effiziente Computerbenützung,

ein guter Schulabschluss und ausgeprägte Social-

und Soft Skills eröffnen aber auch hier neue Wege.

Internationale Hilfe, engagierte Personen und

eine positive Grundeinstellung der Betroffenen

sind Garant für eine besser Zukunft

Die vielen Gespräche und Erlebnisse in Vietnam zeigten

mir, wie wichtig internationale Unterstützung und

Zusammenarbeit ist, gerade im Bereich der Ausbildung

von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Die oft

einfache Lebensweise, das stetige Lächeln der Menschen

und die vielen engagierten Personen und Organisationen

legen wertvolle Grundsteine für eine bessere Zukunft.

Dipl. Ing. Martin Morandell,

aktives Mitglied der MALTESER,

Bereich Tirol, ist akademischer

Experte für Assistierende Technologien.

www.enablingalps.at

DIE MALTESER 2/2018 23


MALTESERORDEN

DURCH UND DURCH

EIN FAMILIENMENSCH

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden (SMRO) heißt seinen neuen Botschafter bei der Republik Österreich, Sebastian

Prinz von Schoenaich-Carolath, herzlich willkommen!

Von Katharina Stögner

Der 16. April war ein arbeitsreicher Tag in der Präsidentschaftskanzlei

am Wiener Ballhausplatz. In den Räumen

des österreichischen Staatsoberhauptes herrschte reges

Kommen und Gehen. Pressefotografen und Medienvertreter

gaben sich die Klinke in die Hand. Der Grund:

Bundespräsident Alexander van der Bellen empfing sieben

neue Botschafter bei der Republik Österreich zu ihrem

Antrittsbesuch und ihrer Akkreditierung.

Unter diesen Spitzendiplomaten befand sich auch der

neue Botschafter des Souveränen Malteser-Ritter-

Ordens, Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath.

Begleitet wurde er vom Gesandten – Botschaftsrat

Constantin Hempel-Hoheneck. „Es war ein berührender

Moment, als die Militärmusik vor dem Abschreiten

der Ehrenformation die Ordenshymne „Ave Crux Alba“

(Sei gegrüßt, weißes Kreuz ) intonierte“ so Hempel-

Hoheneck im Anschluss an den Besuch.

Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath, vor 60

Jahren in Wien geboren, ist deutscher Staatsbürger.

Er lebt seit drei Jahren mit seiner Frau in Wien und

im Salzkammergut. Der Vater von sieben Kindern

stammt aus einer alten schlesischen Familie und hat

mütterlicherseits österreichische Wurzeln. Er ist seit

30 Jahren Ordensmitglied und arbeitete in den vielen

Jahren in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen

für den Orden und seine Werke in Deutschland.

15 Jahre war er Bundesfinanzkurator des MHD und

Aufsichtsratsmitglied bei der deutschen Krankenhausgesellschaft

der MALTESER und ist im Rat der

deutschen Assoziation.

Schoenaich-Carolath ist vor allem in Wirtschafts- und

Bankkreisen bekannt. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur

war über 35 Jahre im Bankensektor in Deutschland,

Polen und zuletzt auch in Österreich tätig. In den

letzten Jahren waren seine wesentlichen Aufgaben Restrukturierung

und Sanierung von Banken.

Trotz der wiederholten Ortswechsel im Laufe seines

Berufslebens ist der neue Botschafter des SMRO und

passionierte Jäger der Alpenrepublik sehr verbunden.

„Ich bin hier geboren, meine Mutter kommt von hier,

ich jage hier, ich lebe hier, Österreich ist mir sehr ans

Herz gewachsen“, gestand er einmal in einem Interview.

In der Wiener Innenstadt bewegt er sich – ganz typisch

für Wien – am liebsten mit dem Fahrrad.

24

DIE MALTESER 2/2018


MALTESER CARE

SINGEN UND TANZEN

FÜR MALTESER CARE

Am 21. April 2018 fand im Schloss Reichenau an der Rax unter

Mitwirkung der Singgemeinschaft und Volkstanzgruppe Payerbach-Reichenau ein Benefizkonzert statt.

Die Spenden kommen zur Gänze der Arbeit von Malteser

Care im extramuralen, familienorientierten Bereich

in Niederösterreich zu Gute. In ihren Begrüßungsreden

unterstrichen Landtagsabgeordneter Hermann Hauer,

Bürgermeister Johann Döller und Helmut Lutz, Geschäftsführer

von Malteser Care, den hohen Stellenwert

und die Notwendigkeit sozialer Initiativen und des persönlichen

Engagements in der heutigen Zeit. Die Künstler

der Singgemeinschaft unterhielten das Publikum mit

Von Susanne Wick

einem heiteren, bunt gemischten musikalischen Programm,

und die Volkstanzgruppe gab überlieferte österreichische

Volkstänze zum Besten. Zum Abschluss überraschten

sie mit einem extra für den Anlass gedichteten

„G‘stanzl“. Wir bedanken uns sehr herzlich bei Pascual

und Julia Hidrio, den Initiatoren des Konzerts, bei den

Spendern und Künstlern, bei der Gemeinde Reichenau

an der Rax und allen Beteiligten für ihre großzügige Unterstützung!

MALTESER CARE

INTEGRA 2018

Von Susanne Wick

Die alle zwei Jahre in Wels stattfindende Fachmesse für

Pflege, Rehabilitation und Therapie ist für viele Menschen

mit Beeinträchtigungen zu einem Fixpunkt geworden.

Hier finden Betroffene und Angehörige professionelle

Hilfe und Beratung und können sich über die neuesten

Innovationen zum Thema Fortbewegungs- und Unterstützungshilfen

für ein barrierefreies Leben informieren.

Zahlreiche hochwertige Vorträge und Workshops ergänzten

auch dieses Jahr das Programm. So wurde auch der

Geschäftsführer der Malteser Kinderhilfe eingeladen, das

von ihr betriebene Hilde Umdasch Haus als Best-Practice-

Modell zu präsentieren. Malteser Care war mit einem

eigenen Stand vertreten und

nutzte die Möglichkeit, Kontakte

mit bestehenden Kooperationspartnern

aufzufrischen

und neue Kooperationspartner

zu gewinnen.

DIE MALTESER 2/2018 25


MALTESERÖSTERREICH

INTERNATIONALES TREFFEN

DER ANDEREN ART

Wenn MALTESER aus Wien und Passau eine Reise tun, dann können sie Wunderbares erleben.

Von Miriel Rebitzer

Ein dreitägiger Ausflug bei herrlichem Frühlingswetter

nach Altötting, mit einem abwechslungsreichem Programm,

wie einem Kirchenkonzert in St. Magdalena und

einen Impulsvortrag einer Geistlichen zum Thema „Berufung“.

Auch am nächsten Tag folgten zahlreiche Aktivitäten,

ein besonderes Highlight war das gemeinsame

Picknick mit einer Gruppe MALTESER aus dem Raum

Passau. Eine Heilige Messe in der Basilika St. Anna mit

großem Orchester und Chor bildete den würdigen Abschluss

eines Wochenendes.

MALTESER-FREIWILLIGENTAG 2018

20.000 STUNDEN

EHRENAMTLICHE HILFE

Von Lukas Krupitza

Zu einem Freiwilligentag der besonderen Art luden die

Tiroler MALTESER im März: Sie öffneten ihre Tore für

interessierte Besucher. Diese konnten die ehrenamtliche

Tätigkeit der MALTESER hautnah miterleben. Nach einer

Führung durch die MALTESER-Zentrale wurden gemeinsam

Ostergeschenke gebastelt, und es kam zu einem regen

Austausch zwischen den Gästen, den Betreuten und

den ehrenamtlichen Helfern.

Im Jahr 2017 wurden von insgesamt 106 ehrenamtlichen

Tiroler MALTESERN 20.918 freiwillige Stunden geleistet.

Das sind 197,34 Stunden pro Kopf. „Mit dieser Gesamtleistung

und dem Durchschnitt können wir sehr zufrieden

sein, auch im Vergleich zu den befreundeten Organisationen“,

sagt Fra´ Gottfried, Hospitalier des Großpriorats

Österreich des Malteser-Ritter-Ordens. „Mit dem Einsatz

unserer Freiwilligen gelingt es uns, den Worten unseres

Ordensgründers gemäß, das Elend geringer und das Leid

erträglicher zu machen.“

26

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERÖSTERREICH

INKLUSION AUF VIER HUFEN

Auch dieses Jahr verschlug es die steirischen MALTESER in der Karwoche zum alljährlich zweimal stattfindenden

Reitcamp nach Kärnten.

Von Ares Vafiadis

Seit 2014 begleiten MALTESER junge Menschen aus der

Region Lavanttal zum Reithof Gratzi in der Nähe von

St. Paul. Das Ziel: Jugendliche werden in ihren alltäglichen,

individuellen Problemstellungen positiv unterstützt

und in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt. Die

Aufgabe: Die Teilnehmer sollen dort abgeholt werden,

wo sie sich emotional befinden. Aufgrund der unterschiedlichen

Lebensgeschichten stellte sich dies bei einer

Teilnehmerzahl von rund 30 Kindern und Jugendlichen

durchaus als Herausforderung dar. Manche der

Kinder benötigten einfach mehr Aufmerksamkeit als

andere. Um hier eine Ausgewogenheit in der Betreuung

sicherzustellen, hielten wir täglich ein reflektorisches

Gespräch ab. Insgesamt war es wieder eine großartige

Erfahrung, sowohl für die Kinder und Jugendlichen als

auch für die Betreuer. Dankbar für diese Eindrücke und

Erlebnisse freuen wir uns schon auf ein Wiedersehen

beim nächsten Inklusions-Camp.

RAFFAEL

UND DIE

KAPUZINER-

GRUFT

Von Henriette Blanckenstein

Es waren zwei wunderbare Ausflüge, die der Bereich

Burgenland wieder einmal für die Bewohner des Hauses

Malta organisiert hatte: Einmal ging es unter der Führung

von Marielore Calice zur Raffael-Ausstellung in die

Albertina, dann stand die Besichtigung der Kapuzinergruft

mit Therese Backhausen auf dem Programm. Nach

der eher kühlen Temperatur in der Gruft wärmten wir

uns im Sonnenschein der Wiener Innenstadt gebührend

auf und genossen köstliche Eiscreme.

DIE MALTESER 2/2018 27


„SCHON DIE KLEINSTEN DINGE

REICHEN, UM GLÜCKLICH ZU SEIN.“

Laura Eder macht seit Oktober 2017 ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Hilde Umdasch Haus und ist noch bis Juli 2018

im Einsatz. Das haben wir zum Anlass genommen, um mit ihr über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Von Susanne Seper

Laura, warum hast du dich für das FSJ angemeldet?

Nach der Matura hatte ich mich dazu entschlossen, für

ein Jahr nach Amerika zu gehen, um dort als Au-pair zu

arbeiten. Mein Jahr endete Anfang September 2017. Somit

kam ich für die Aufnahmeprüfung zu meinem damaligen

Wunschstudium zu spät zurück. Ich überlegte lange,

wie ich das Jahr bis zum nächsten Studienbeginn sinnvoll

überbrücken könnte und habe die Möglichkeit eines Freiwilligen

Sozialen Jahres entdeckt.

Wie bist du auf das Hilde Umdasch Haus aufmerksam

geworden?

Ich habe während eines Bewerbungsgesprächs aufgrund

meiner Interessen vom Verein des FSJ vier verschiedene

Einrichtungen vorgeschlagen bekommen. Zwei der Einrichtungen

konnte ich für mich sofort ausschließen. Allerdings

bin ich nicht besonders gut darin, Entscheidungen

zu treffen. Deswegen habe ich dann einfach auf mein

Bauchgefühl gehört. Ich wollte etwas Neues machen, an

mir wachsen und die Herausforderung, in so einen spannenden

Bereich hineinschnuppern zu können, annehmen.

Was waren deine ersten Eindrücke an den

„Schnuppertagen“ im Hilde Umdasch Haus?

Ich kann mich noch ganz genau an diese Tage erinnern!

Ich fühlte mich sofort wohl im Haus und wurde von allen

Mitarbeitern sehr herzlich begrüßt. All meine Sorgen, wie

ich mit den Kindern umgehen soll oder sie am besten angreife,

waren sofort weg. Ich wusste, dass ich die richtige

Entscheidung getroffen hatte.

Was macht dir bei der Arbeit mit den Kindern am

meisten Spaß?

Besonders schön finde ich, wenn mich eines der Kinder

anlächelt und mir das Gefühl gibt, dass ich etwas richtig

gemacht habe. Ich habe durch die Arbeit mit den Kindern

28

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

BARRIEREFREIES MITEINANDER

BEIM „BALL DER VIELFALT“

Am 16. März 2018 ging der dritte „Ball der Vielfalt“ in den Grazer Kammersälen

über die Bühne – erstmals mit Beteiligung der MALTESER und für viele der erste

Ballbesuch ihres Lebens überhaupt.

Von Elisabeth Eder

gelernt, dass auch die allerkleinsten Dinge reichen, um

glücklich zu sein. Außerdem wurde mir endlich klar, dass

dieser Job der richtige für mich ist und ich auf jeden Fall

in diesem Bereich arbeiten möchte.

Was wirst du am meisten vermissen, wenn dein FSJ

vorbei ist?

Die Kinder. Das Team. Einfach alles. Ich kann mir gar nicht

vorstellen, wie es sein wird, wenn ich nicht mehr mehrmals

wöchentlich im Hilde Umdasch Haus bin. Jedoch

weiß ich, dass ich die Menschen hier, soweit es mir neben

meiner Ausbildung möglich ist, regelmäßig besuchen werde.

Ich bin wirklich froh, dass ich die Entscheidung, ein

Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, getroffen habe und

bin dankbar für diese tolle Erfahrung.

Liebe Laura, danke für deinen engagierten Einsatz! Du hast

immer so viel Freude ausgestrahlt und hast das Team überall

unterstützt, wo du gebraucht wurdest! Du hast den Kindern

und Jugendlichen sehr viele schöne Momente ermöglicht, und

wir sind sicher, dass sie dich alle vermissen werden. Alles Gute

für deine Zukunft und wir freuen uns, wenn du unser weiterhin

besuchen kommst!

Der Abend stand im Zeichen von Integration und einem

respekt- und würdevollen Miteinander auf allen gesellschaftlichen

Ebenen. Schon vor der offiziellen Eröffnung

zog es uns auf die Tanzfläche. Begleitet von der Band

„Heartworker“ - einer Gruppe von Musikern mit geistiger

Behinderung und psychischer Erkrankung - wagten einige

von uns ihre ersten Tanzschritte. Viel Spaß und Abwechslung

gab es bei der traditionellen Polonaise. Sowohl die

Grazer Rollstuhltänzer als auch die Gewinnerpaare der

Special Olympics überzeugten mit ihrer barrierefreien

Tanzperformance.

Für Kurzweil zwischendurch sorgten diverse Stationen

wie ein Fotokoffer samt Verkleidungsmöglichkeit, das Kuchenbuffet

und eine Yogadarbietung. Erstaunlich schnell

verging die Zeit und nachdem alle Tombolalose gegen Gewinne

getauscht waren und in der Disco noch einmal alle

Kräfte mobilisiert worden waren, war der Ballabend leider

schon vorbei. Wir danken allen Beteiligten, den Veranstaltern

und Sponsoren sehr herzlich, dass sie so ein Fest

voller Lebensfreude für eine barrierefreie Gemeinschaft in

unserer Stadt ermöglichen. 2019 feiern wir definitiv wieder

mit!

DIE MALTESER 2/2018 29


MALTESERÖSTERREICH

„WARUM TUN SICH MENSCHEN DAS

GEGENSEITIG AN?“

Das MEN Männergesundheitszentrum in Wien arbeitet in Sachen Flüchtlingshilfe eng mit den MALTESERN zusammen.

Dazu Romeo Bissuti, Leiter des MEN, im Interview.

Von Katharina Stögner

Was ist das MEN Männergesundheitszentrum?

Das MEN wurde 2002 in Wien ins Leben gerufen und bildet

gemeinsam mit den Frauengesundheitszentren FEM und

FEM Süd das Institut für Frauen- und Männergesundheit.

Ziel unserer Aktivitäten ist die Gesundheitsförderung

für alle Wiener und Wienerinnen, wobei Angebote für

gesundheitlich besonders vulnerable Zielgruppen einen

Schwerpunkt darstellen. Das MEN steht allen Männern,

Burschen und Buben in allen Lebenslagen und Lebensweisen

zur Verfügung – unabhängig von Alter, Bildung, sexueller

Orientierung, kultureller, religiöser oder ethnischer

Zugehörigkeit.

Wie viele Personen sind in Ihrem Zentrum tätig?

Wir haben aktuell etwa 15 Mitarbeitende. Unser Team

ist multiprofessionell in den Bereichen Psychologie, Medizin

und Sozialarbeit aufgestellt. Erfreulicherweise haben

wir auch eine große Sprachenvielfalt. Unser Fachpersonal

spricht neben Deutsch und Englisch auch Dari/Farsi, Arabisch,

Türkisch, Kurdisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch.

Wie finden die Männer den Weg zu Ihnen?

In den vergangenen 16 Jahren hat sich das MEN in Wien

sehr gut etabliert. Durch diese Bekanntheit gibt es eine

rege Nachfrage. Viele haben im Internet vom MEN gelesen,

andere wieder haben es durch persönliche Empfehlung

kennengelernt, und viele Männer kommen auf Rat

oder über die Vermittlung durch Angehörige, Institutionen

oder Ärzte und Ärztinnen. Um ansonsten schwer

erreichbare Zielgruppen anzusprechen, wird zu rund 50

Prozent aufsuchend gearbeitet - zum Beispiel im Rahmen

der betrieblichen Gesundheitsförderung, in Kursen zum

Thema Gesundheitskompetenz oder in Workshopreihen

in Jugendzentren. Darüber hinaus werden persönliche

Beratungen aufsuchend angeboten, etwa in Einrichtungen

der Wiener Wohnungslosenhilfe oder in Flüchtlingseinrichtungen.

Was kostet die Betreuung durch MEN?

Die Angebote im MEN sind größtenteils kostenlos. Es erfolgt

keine Verrechnung mit den Krankenkassen, da wir ja

keine ärztlichen Leistungen erbringen.

Was waren bisher Ihre persönlich schlimmsten

Erlebnisse?

Ich denke zwar immer lieber an Erfolgserlebnisse – hier

gäbe es viel zu berichten – aber natürlich gehören auch

schlimme Geschichten zum Alltag. Gerade durch die

erhöhte Anzahl von Männern, die aus Kriegsgebieten

stammen oder gefoltert wurden, kommen diese Lebensgeschichten

wesentlich häufiger vor. Das ist in der psychologischen

Arbeit sehr herausfordernd. Da sind Geschichten

dabei, die einen oft monatelang verfolgen und man

sich fragt, wie sich Menschen solche Dinge gegenseitig

antun können.

Wie ist die Verbindung vom MEN zu den MALTESERN?

Seit dem Jahr 2017 gibt es dankenswerterweise eine

großartige Unterstützung unserer Arbeit durch die MAL-

TESER. Diese ist durch das persönliche Engagement einer

Mitarbeiterin bei den Johannitern vermittelt worden. So

konnten viele Männer und Frauen psychotherapeutisch

im Haus Ziedlergasse im 23. Bezirk in Wien versorgt werden.

Nach dem Schließen dieser Einrichtung ist der Bedarf

nach wie vor sehr hoch. Es gibt großen Andrang zu

unseren psychologischen Beratungen in Dari/Farsi/Arabisch.

Ohne die Unterstützung durch die MALTESER wäre

dies gar nicht zu schaffen!

30

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERÖSTERREICH

So hilft das MEN

Wie vielen Menschen konnte durch die Kooperation

mit den MALTESERN bis jetzt geholfen werden?

Bisher konnten 675 Stunden Psychotherapie für rund 70

Personen geleistet werden. Für diese Menschen bedeutet

die psychologische Unterstützung eine enorme Hilfe.

Wie wichtig ist eine professionelle Begleitung bei

Traumatisierung und Depression?

Traumatische Lebensereignisse können zu schwerwiegenden

psychischen Störungen führen. Die posttraumatische

Belastungsstörung ist wohl am häufigsten zu beobachten.

Diese äußert sich in quälenden Flashbacks, Unruhe, Reizbarkeit,

Schlaflosigkeit oder Rückzug auf Grund von massiven

Ängsten, die das Leben enorm einschränken. Auch

wenn man sozusagen äußerlich der „Hölle“ entronnen ist,

so bleibt man innerlich sprichwörtlich weiter darin gefangen.

Depressionen können nicht nur aus der Fluchtgeschichte,

der Angst um Angehörige oder aus einem akuten

„Vertrauensverlust in die Menschheit“ resultieren. Sie sind

auch durch die Phasen der rechtlichen und existentiellen

Unsicherheit im Asylverfahren bedingt. Wenn dann noch

beengte Wohnverhältnisse, Erziehungsprobleme, gesundheitliche

Sorgen oder Partnerschaftskonflikte hinzukommen,

so ist dies eine extrem hohe seelische Belastung.

Wenn es mehr finanzielle Unterstützung gäbe,

könnten Sie dann mehr Patienten behandeln?

Auf jeden Fall! Die Versorgungslage bezüglich der psychischen

Situation von Menschen auf der Flucht ist besorgniserregend,

wir haben lange Wartelisten. Es tut enorm weh,

wenn man schreckliche Geschichten aus den Medien hört,

wo Situationen eskalieren und man das Gefühl hat, man

hätte mit dem professionellen Angebot im Vorfeld oder begleitend

sehr gut helfen können - gerade auch, weil es die

entsprechenden Fachkräfte dazu hier vor Ort gibt. Doch

leider blieben die bisherigen zahlreichen Förderanträge an

diverse Stellen der öffentlichen Hand ohne Erfolg.

Fallbeispiel 1: Der Klient kam aufgrund massiver Einschlaf-

und Durchschlafstörungen zum Erstgespräch.

Er war als politischer Gefangener wochenlanger Folter

ausgeliefert gewesen. Im Gespräch zeigte er das ausgeprägte

Bild einer posttraumatischen Belastungsstörung

und war nicht mehr in der Lage, sich in den normalen

Alltag zu integrieren. Im Rahmen eines Projekts im

MEN absolvierte der Klient 35 Sitzungen. Durch die

Anbindung an das Gesundheitssystem wurde zusätzlich

eine intensive fachärztliche psychiatrische Betreuung

in Wege geleitet. Nach etwa zehn Sitzungen und

effektiven therapeutischen Interventionen wurden

die Reduktion der psychischen Symptomatik bzw. eine

gewisse Stabilisierung beobachtet, die Schlafprobleme

verringerten sich. Eine erfolgreiche Vermittlung bei

den städtischen Gärtnereien verhalf dem Klienten zu

einer geringfügigen Beschäftigung, und er schaffte es,

die medikamentöse bzw. psychopharmakologische Medikation

maßgeblich zu reduzieren.

Fallbeispiel 2: Der Klient kam wegen Isolationstendenzen

und Suizidgedanken zu einem Anamnesegespräch.

Er war in kriegerischen Auseinandersitzungen

in seinem Heimatland schwer verletzt, von der örtlichen

Schule weg entführt und danach in der Gefangenschaft

misshandelt und tagelang gefoltert worden. Seine Erlebnisse

von Krieg, Folter, Flucht, Verlust und Tod haben

sowohl seine psychische als auch seine physische Integrität

schwerstens beschädigt. Dies führte dazu, dass

er sich immer mehr von anderen isolierte und jeglichen

Kontakt vermied. Aufgrund der Interventionen zur

Selbstwertstärkung konnten eine gewisse Stabilisierung

erreicht und die psychischen Symptome reduziert werden.

Insgesamt wurden 36 Sitzungen im Rahmen eines

Projekts im MEN abgehalten. In der Folge konnte sich

der Klient für eine ehrenamtliche Tätigkeit bei „Häuser

zum Leben“ (Altersheim) der Stadt Wien bewerben und

sich sozial engagieren.

DIE MALTESER 2/2018 31


MALTESERÖSTERREICH

PFLEGEBETTEN UND MÖBEL FÜR UNGARN

Nicht alles, was wir nicht mehr verwenden können oder

wollen, ist Müll. Andernorts kann Ausgemustertes noch

gute Dienste leisten.

Von Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn

Vor vielen Jahren, schon vor dem Entstehen der Ungarischen

Hilfsorganisation und Assoziation des Malteser-

Ritter-Ordens, hat unser verstorbener Ordensbruder

Lacy Baittrok seine guten Verbindungen in der Heimat

genützt, um Ausgedientes einem „zweiten Leben“ in Ungarn

zuzuführen. 2016 konnte gar die komplette Einrichtung

des Pflegeheims Kundl – herzliches Vergelt’s

Gott an die Neue Heimat Tirol, Geschäftsführer Hannes

Gschwentner! – von unseren ungarischen Freunden demontiert,

verladen und nach Ungarn gebracht werden.

Heuer hat die Ungarische Assoziation des Malteser-Ritter-

Ordens acht Pflegeheime von der öffentlichen Hand übernommen.

Die Aufbesserung der vorhandenen Ausstattung

mit 51 Pflegebetten, Kleinmöbeln und Pflegematerial aus

dem Heim St. Joseph am Inn (Stiftung „Haus St. Josef am

Inn zu St. Nikolaus in Innsbruck“, Geschäftsführer Mag.

Dr. Christian Juranek) war damit mehr als willkommen.

Tatkräftige Unterstützung gab es außerdem vom Roten

Kreuz Tirol, das die Verladung der Betten in zwei LKW-

Züge mit Hilfe eines weiteren LKW mit Ladebordwand ermöglicht

hat. Wir sagen herzlich DANKE!

Salzburger Benefizball

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens zugunsten von Menschen mit Beeinträchtigungen

3. AUGUST 2018, ALTE RESIDENZ ZU SALZBURG

32

DIE MALTESER 2/2018

mit Dinner, Künstlerauftritten, Tanz, Roulette, ...

benefizball@salzburg.malteser.at


XXXX

EIN UNVERGESSLICHES

WOCHENENDE IN PRAG

Schönes Wetter, zwei Autos, gut gelaunte Betreute und „ihre“ MALTESER:

Das ist alles, was man braucht, um einen unvergesslichen Sonderdienst

in Prag erleben zu dürfen.

Von Anzeka Koch und Philipp Daron

Wir machten uns am 13. April – einem Freitag und

damit unserem Glückstag – auf den Weg. In Prag angekommen,

bezogen wir unser Hotel unweit des alten

Zentrums und ließen den ersten Tag bei einem

gemeinsamen Abendessen ausklingen. Am nächsten

Tag folgte eine ausgiebige Besichtigungstour inklusive

Picknick unter blühenden Kirschbäumen. Den

Höhepunkt unseres Ausflugs bildete eine gemeinsame

Sonntagsmesse mit der deutsch-österreichischen

Gemeinde in der Kirche zum Heiligen Nepomuk.

„Ihr seid Zeugen, dass der Glaube, die Liebe und

die Hoffnung keine Illusion sind“, gab uns Pfarrer

Martin Leitgöb als Botschaft auf unseren Heimweg

nach Wien mit.

DIE MALTESER 2/2018 33


MALTESERÖSTERREICH

AUFNAHME

WIEN

Am 23. Juni lud der Prokurator der Malteser, Bailli Norbert

Salburg-Falkenstein, in die Pfarrkirche Mailberg

zur Aufnahmefeier mit anschließender Agape. In einer

von Weihbischof Dipl.-Ing. Mag. Stephan Turnovszky

geleiteten Festmesse wurden 14 neue Ordensritter, darunter

er selbst, in den Orden aufgenommen. Und 45

neue Mitglieder der Malteser (ein Mitglied aus dem

Burgenland, sechs aus Salzburg, acht aus der Steier-

SALZBURG

TIROL

34

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERÖSTERREICH

BURGENLAND

STEIERMARK

mark, fünf aus Tirol und 25 aus Wien) legten ihr Versprechen

ab, im Sinne des Ordens gegen das achtfache

Elend zu kämpfen. Im Zuge der Aufnahme wurde

KR Martin Auer, Delegat des Ordens in der Steiermark,

zum Magistral-Großkreuz-Ritter in Obödienz rangerhöht.

IN DAS GROSSPRIORAT VON ÖSTERREICH WURDEN AUFGENOMMEN

Ehren- und Devotionsritter

Lukas Hartig

Andreas Khevenhüller-Metsch, MLitt, BA

Dr. Leopold Podstatzky-Lichtenstein

Obst. d. G. MMag. Philipp Ségur-Cabanac

Benedikt Thienen-Adlerflycht, MLitt, BA

Felix Thun-Hohenstein

Koventualkaplan ad honorem

Weihbischof und Bischofsvikar

Dipl.-Ing. Mag. Stephan Turnovszky

Gratial- und Devotionsritter

Martin Fräss-Ehrfeld

Mag. Matthias Guggenberg-Riedhofen

Magistralritter

Benedikt Kraetschmer, BA

Vinzenz Supp

Mag. Georg Wielinger

Dip.-Ing. Arno Wimpffen, MBA

Carl-Benedikt Zichy, BA

DIE MALTESER 2/2018 35


XXXXX

WIEN

ÜBUNG

Übung und Ablaufüberprüfung eines Informations- und Betreuungszentrums (IBZ) durch Einsatzorganisationen der

Stadt Wien.

WIRTSCHAFT HILFT –

DIESMAL IN RUMÄNIEN

Von Calin Piescu

Was tun mit intakter Ware, die schon länger im Geschäft lagert

und nicht mehr in den Verkauf genommen wird? Ein renommiertes

Schuhgeschäft nahe der Oper im ersten Wiener

Gemeindebezirk hat die Antwort: Spenden! So fährt ein österreichisch-rumänischer

MALTESER regelmäßig mit seinem privaten

Pkw nach Timișoara (Temeswar) und lässt dort die neuwertigen

Schuhe aus Wien an bedürftige Menschen verteilen.

Vielen Dank für diese wunderbare Aktion!

SA-RRT ERNSTFALLÜBUNG

Um auch bei Katastrophen schnell zur Stelle zu sein, trainieren

die Malteser regelmäßig für den Ernstfall. So gab es

zuletzt in Wien einen vom Samariterbund organisierten

Kurs. Als Übungsszenario wurde ein Hochwasser angenommen.

Die Malteser hatten die Bewohner eines eingestürzten

Hauses zu bergen und verletzte Menschen mit

einem Schlauchboot von einer Insel zu retten.

36

DIE MALTESER 2/2018


XXXX

AMBULANZDIENST MARIA PLAIN

ROSSERER WALLFAHRT

Die traditionell geschmückten Pferde(-Kutschen) werden im Anschluss an die Festmesse in der Wallfahrtsbasilika gesegnet.

STEIERMARK

TIERPARK HERBERSTEIN

Ein herrlicher Frühlingsausflug in den Tierpark Herberstein. Bei der „Afrikaführung“ bestaunten wir unter anderem verschiedene

Affenarten, Löwen und Geparden. Die freilaufenden Pfaue waren unsere ständigen Begleiter.

STEIERMARK

AUSSTELLUNGSBESUCH

Besuch anlässlich des Diözesanjubiläums der Ausstellung „Schönheit und Anspruch“ im Stift Admont.

DIE MALTESER 2/2018 37


SALZBURG

STRASSENSAMMLUNG

WIEN

VINZIRAST

Im Namen der Salzburger MALTESER ein herzliches

Vergelt´s Gott allen Spendern.

MALTESER kochen in der VinziRast: die Einrichtung ist

eine Notschlafstelle, ein „Zuhause“ für eine Nacht, geboten

wird ein Bett, Frühstück, warmes Essen, saubere Kleidung

und Waschmöglichkeiten.

WIEN

AUSFLUG

WIEN

LEITZENTRALE

Ausflug in den Steppentierpark Pamhagen.

Eröffnung der gemeinsamen Leitzentrale für Rettungsund

Krankentransporte.

38

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERÖSTERREICH

WIEN

SPARTAN RACE

Wildes Getöse, Schlamm, schmerzerfüllte Gesichter – JUBEL. Unruhe auf dem Schlachtfeld der Militärakademie. Ein

Ausflug, auch um teilnehmende MALTESER anzufeuern.

WIEN

MARATHON

Dabei sein ist alles – durchs Ziel zu laufen ist ein großartiges Gefühl.

WIEN

BESUCH IN SALZBURG

Zu Besuch in Mozarts Geburtsstadt. Kultur, Spaß und Kulinarik kamen nicht zu kurz, die Bereichszentrale wurde als

Unterkunft bereitgestellt. Die Wasserspiele im Schloss Hellbrunn waren nur eines der Highlights an diesem Wochenende.

DIE MALTESER 2/2018 39


MALTESERÖSTERREICH

SALZBURG

FEST DER JUGEND

Das Fest der Jugend in Salzburg wird seit dem Jahr 2000 von der Loretto-Gemeinschaft veranstaltet, heuer kamen knapp

10.000 Besucher. Die MALTESER begleiten dieses Fest jährlich mit einem starken Ambulanzteam.

TIROL

MAI-AUSFLUG

Gemeinsame Heilige Messe in der Wallfahrtskirche von Götzens, anschließender Spaziergang zur Lindenkapelle, wo gemeinsam,

dankbar für den schönen Tag, Lieder gesungen wurden.

STEIERMARK

PALMBUSCHBINDEN

Traditionelle steirische Palmbuschen binden, als Vorbereitung auf den Palmsonntag: Weidenzweige, Palmkätzchen und

Buchsbaumäste werden zu einem Strauß gebunden und mit bunten Bändern geschmückt.

40

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERÖSTERREICH

WIEN

AMBULANZDIENST

Ambulanzdienst im Zuge der Fronleichnamsprozession, bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein.

TIROL

ÜBUNG KIRCHBICHL

Groß angelegte Katastrophenhilfe-Übung mehrerer Blaulichtorganisationen.

WIEN

FEST DER HELFER

Fest für Wiens Helferinnen und Helfer. Die Stadt Wien vergab die „Helfer Wiens Preise“ im Rathaus und dankte den

Helferinnen und Helfern. Severin Traugott von den MALTESERN wurde ausgezeichnet für über 10.000 ehrenamtliche

Dienststunden. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für dieses große Engagement.

DIE MALTESER 2/2018 41


KLOSTERKÜCHE

SOMMERREZEPTE

AUS DER KLOSTERKÜCHE

von Sr. Dr. Margareta An der Lan

Heute gibt es ein leichtes Sommermenü aus der Klosterküche, mit frischen Kräutern und Zutaten aus unserem Klostergarten,

der fast verzaubert wirkt, jetzt wo alles blüht und gedeiht. Nicht nur die Blüten- und Farbenpracht fesselt bei

einem Spaziergang, sondern auch die unglaublichen Düfte. Viele Kräuterdüfte kommen, wenn man sie leicht anbrät,

noch stärker zur Geltung. Gleichzeitig eignen sich die Kräuter gut, um sie jetzt, wo sie sprießen und gedeihen, zu ernten,

sie für den Winter zu trocknen, um Gemüse einzulegen oder Auszüge anzusetzen.

Rote-Rüben-Carpaccio

mit gegrilltem Ziegenkäse

Zutaten für 4 Personen

12 mittelgroße ganze Rote Rüben

(im Glas oder abgepackt)

1 Bund Rucola

2 kleine Rollen französischen Ziegenkäse

Walnüsse, Rosmarin

Dressing

Weißer Balsamico Essig, Olivenöl,

Honig, süße Chilisauce, ein Schuss Sojasauce

Salz und frischer Pfeffer

Zubereitung

Das Backrohr auf Grillfunktion vorheizen.

Die Roten Rüben in dünne Scheiben schneiden und

auf einem Teller anrichten, Rucola zupfen und auf

die Rüben legen, die Walnüsse grob zerkleinern und

darüber streuen.

Den Ziegenkäse in ca. 3cm dicke Scheiben schneiden,

auf eine Alufolie legen, die Oberfläche mit

Honig bestreichen und mit Rosmarin bestreuen.

Für das Dressing alle Zutaten mischen und mit dem

Schneebesen fest verrühren, bis die Mischung bindet,

und über die Rote Bete und den Rucola träufeln.

Den Ziegenkäse im Rohr auf der obersten Schiene

grillen, bis die Oberfläche goldbraun ist, und auf dem

Roten Rüben Carpaccio anrichten.

42

DIE MALTESER 2/2018


KLOSTERKÜCHE

Schweinsfilet Caprese

Zutaten für 4 Personen

1kg Schweinsfilet

1kg Fisolen (tiefgekühlt oder frisch)

1kg Kirschtomaten

2 Packungen Mozarella di Bufala Bällchen

Frisches Basilikum, Olivenöl, Rosmarin,

Thymian, Pfeffer und Salz

Zubereitung

Schweinsfilet in ca. 5 cm dicke Scheiben schneiden.

In eine Schüssel Olivenöl, Rosmarin,

Thymian, Salz und Pfeffer geben und die Filets

darin 1 Stunde zugedeckt, bei Zimmertemperatur,

marinieren, immer wieder wenden.

Fisolen in Salzwasser bissfest kochen, abseihen

und warm stellen.

Kirschtomaten in eine feuerfeste Form geben,

mit Olivenöl beträufeln, salzen, pfeffern und

etwas Zucker dazu im Rohr bei 200 Grad braten

bis sie weich und bräunlich sind, die Fisolen

dazu geben und warm stellen.

Die Schweinsfilets auf beiden Seiten kurz und

fest anbraten (sie sollten innen rosa sein), die

Bratenrückstände mit etwas Wasser aufgießen

und einkochen, dann das Fleisch auf dem Tomaten-Fisolen

Gemüse anrichten, mit der Soße

übergießen, die Mozarella Bällchen halbieren,

verteilen und noch einmal kurz ins Rohr, damit

sie leicht zu schmelzen beginnen.

Mit frischen Basilikumblättern garnieren.

PAPST

FRANZISKUS -

EIN EXZELLENTER

KOCH

Er wollte als Kind Metzger werden, lernte zu Hause kochen

und machte eine Ausbildung zum Lebensmittelchemiker,

bevor er bei den Jesuiten eintrat: Jorge Mario

Bergoglio. Das Buch „Kochen mit dem Papst“ zeichnet die

kulinarischen Stationen unseres Papstes nach.

Von Stefan Kronthaler und Agathe Lauber·Gansterer

„Gesegnete Mahlzeit“: Mit diesem einfachen Segenswunsch

überraschte Jorge Mario Bergoglio, der Papst

„vom Ende der Welt“, wenige Tage nach seiner Wahl zum

Papst bei seiner ersten Ansprache auf dem Petersplatz

am 17. März 2013 die Gläubigen. In diesem „Buon pranzo“

klingt mit an, dass der Verdauungsprozess nicht im

Magen beginnt, sondern im Kopf, im Geist und in der

Seele. In diesem „Gesegnete Mahlzeit“ von Franziskus

liegt auch die Einladung, die Nahrung wieder als heilig

zu begreifen.

Auf seinen Reisen und Besuchen setzt sich unser Papst

immer wieder mit den Vergessenen, den Alten, den Einsamen

und Armen zusammen. Franziskus liebt Pizza.

Sie symbolisiert für ihn das Teilen. Den Kurienerzbischof

Konrad Krajewski, Almosenier des Vatikans, beauftragte

Franziskus am 4. September 2016, die Obdachlosen,

die rund um den Petersdom biwakieren, auf

Kosten des Heiligen Stuhls mit Pizza zu versorgen. An

seinen Geburtstagen frühstückt er traditionell mit Obdachlosen.

DIE MALTESER 2/2018 43


KLOSTERKÜCHE

Roberto Alborghetti gibt ausführlich, fundiert und unterhaltsam

Einblick in die Essensgewohnheiten unseres

Papstes und vermittelt, dass Essen für Franziskus auch

eine seelsorgliche Komponente hat. Passend zu jedem Kapitel

und zu jeder erzählten Episode liefert das Buch ein

entsprechendes Rezept.

Roberto Alborghetti, „Kochen mit dem Papst“, Südwest Verlag,

ISBN 978-3-517-09726-8.

Pizza mit Mozzarella di Bufala und Kirschtomaten

Zutaten für 4 Personen: 1/2 Würfel frische Hefe, 1 TL

Zucker, 4 EL Olivenöl + Öl für die Bleche und die Pizza,

500 g Mehl (Type 405 oder Tipo 0), Salz, 200 g Tomaten,

stückig aus der Dose, 300 g Mozzarella di Bufala, 250 g

gelbe Kirschtomaten, Pfeffer, 1 EL Oregano getrocknet.

Das Papst-Kochbuch

Zubereitung: Krümeln Sie die Hefe in 250 ml lauwarmes

Wasser. Zucker und 4 EL Olivenöl dazugeben und kräftig

verrühren. Die Mischung anschließend einige Minuten

ruhen lassen. Inzwischen das Mehl auf ein Backbrett

sieben. Eine Mulde hineindrücken und das Hefegemisch

und 2 TL Salz hineingeben. Von außen nach innen zu einem

elastischen Teig verkneten und anschließend in vier

gleich große Stücke teilen. Diese zu Kugeln formen und

zugedeckt an einem warmen Ort rasten lassen, bis sie

ihr Volumen verdoppelt haben (etwa 2 Stunden). Danach

daraus 4 Teigfladen formen und auf gefette Pizzableche

(Durchmesser 22 cm) legen. Passierte Tomaten und den

zerkleinerten Mozzarella darüber verteilen und dann die

halbierten Kirschtomaten, die zuvor in Öl, Salz und Pfeffer

gewendet wurden. Oregano drüberstreuen und die Pizza

auf der untersten Schiene bei mindestens 200 °C für 8

bis 15 Minuten backen

Anrichten: Pizzascheiben mit Basilikumblätter belegen,

mit Olivenöl beträufeln und heiß servieren.

Gesegnete Mahlzeit!

44

DIE MALTESER 2/2018


MEDIZINAKTUELL

„DIABETES?

KENN ICH! DAS HAT MEINE GROSSMUTTER AUCH ...

Von Susanne Pusarnig

... Die muss Tabletten nehmen.“

„Lena, sei nicht traurig, das ist nicht

so schlimm!“

Frau S. seufzt. Eigentlich sollte sie es jetzt erklären... aber

sie mag schon nicht mehr. Zu viele solche Reaktionen hat

sie in letzter Zeit bekommen, wenn sie erzählte, dass sie

mit ihrer kleinen Tochter Lena, 4 Jahre alt, eine Woche im

Spital war. Lena war in letzter Zeit müde gewesen, hatte

immer wieder zu trinken verlangt und wollte dann nur

mehr schlafen – Frau S. war mit ihr zum Kinderarzt gegangen,

der hatte die Kleine in den Finger gestochen, einen

Blutzucker um 500mg% festgestellt und sofort Mutter

und Tochter ins Krankenhaus geschickt. Dort erfuhr

Frau S., dass Lena Diabetes hat. Typ 1 Diabetes. Und dass

das bedeutet, dass Lenas Körper nicht mehr selbst Insulin

produzieren kann. Insulin, das lebenswichtige Hormon,

das wir Menschen brauchen, um den Blutzucker stabil zu

halten und alle unsere Zellen mit Zucker als „Brennstoff“

zu versorgen. Denn ohne Insulin steigt der Blutzucker immer

weiter an, aber alle Zellen des Körpers hungern, weil

sie selbst keinen Zucker bekommen – denn egal, wie viel

Zucker im Blut rumschwimmt: er geht nur dann in die Zellen

hinein, wenn Insulin da ist. Insulin, das „ein Türchen

aufmacht“ in der Zellwand, so dass schnell ein paar Zucker-Bausteinchen

ins Innere der Zelle schlüpfen können,

bevor sich die Türe wieder schließt. So hatte es die nette

Diabetes-Beraterin Lena erklärt. Lena hatte ganz ernst zugehört

und verstanden, dass sie nun das Insulin gespritzt

bekommen würde. Allerdings war sie einige Stunden später

ganz empört: „Nein, ich hab ja schon Insulin bekommen!

Nicht noch einmal!“, hatte sie gebettelt, und dann

hat es Tränen gegeben. Frau S. hätte damals am liebsten

mitgeweint. Wusste sie doch schon, dass Lena ihr Leben

lang Insulin brauchen würde, jeden Tag, zu jeder Mahlzeit.

Warum gibt es dann Diabetiker, die „nur“ Tabletten nehmen

brauchen? Einfache Antwort: weil die eine ganz andere

Krankheit haben. Man nennt diese Krankheit auch

„Typ 2 Diabetes“. Das Einzige, was die beiden Diabetes-

Typen gemeinsam haben, ist der zu hohe Blutzucker.

Aber es sind 2 ganz verschiedene Krankheiten:

Diabetes mellitus Typ 1

Wie bei Lena: der Blutzucker steigt, weil zuerst immer weniger,

dann gar kein Insulin mehr da ist. Weil der Körper

Abwehrstoffe gebildet hat gegen genau die Zellen, die das

Insulin herstellen. Die werden dann immer weniger. Die

einzige Lösung: Insulin spritzen. Ein Leben lang. Mit Insulin-Pens

oder mithilfe einer Insulin-Pumpe. Also: Körper

kann selbst nicht Insulin bilden – Insulin ist lebensnotwendig

– Insulin kann man nicht schlucken, weil es im

Magen sofort in seine Bausteine zerlegt wird – Menschen

mit Typ 1 Diabetes müssen Insulin spritzen.

DIE MALTESER 2/2018 45


MEDIZINAKTUELL

Diabetes mellitus Typ 2

Hier ist die Insulin-Produktion in den ersten Jahren der

Krankheit noch in Ordnung. Das Problem: die Körperzellen

reagieren nicht so aufs Insulin, wie sie sollten. Die

Insulin-Wirkung wird schwächer: weil der Körper normale

Blutzucker-Spiegel haben will, muss die Bauchspeicheldrüse

immer mehr und mehr Insulin produzieren, um

den Defekt auszugleichen.

Und irgendwann schafft sie es nicht mehr – der Blutzucker

steigt. Aber eigenes Insulin ist ja noch da. In dieser

Situation kann man gut mit bewusstem Essen, Bewegung

und Tabletten helfen, da gibt es verschiedene Ansatzpunkte

und deshalb auch verschiedene Arten von Tabletten.

Wenn die Krankheit weiter fortschreitet, reichen

irgendwann die Tabletten nicht mehr und dann müssen

auch Typ 2 Diabetiker Insulin spritzen.

Dieser Typ 2 Diabetes, das ist der Diabetes, den man früher

„Alterszucker“ genannt hat. Weil er vor allem bei älteren

Menschen auftritt – aber in letzter Zeit sind auch

immer mehr Kinder, sogar Kleinkinder, davon betroffen.

Und deren Eltern kann man schwer sagen, ihr Kind hätte

„Alterszucker“. Deshalb nennt man das heute „Typ 2 Diabetes“.

Auch der Typ 1 Diabetes, der, den die kleine Lena hat,

hatte früher einen anderen Namen: „Diabetes der Kinder

und Jugendlichen“. Aber auch hier gibt es Ausnahmen

– in Einzelfällen können auch 60- oder 70-jährige

Menschen Typ 1 Diabetes bekommen. Auch die wären

erstaunt über „Kinder- und Jugend-Diabetes“ – deshalb

heißt diese Diabetes-Form heute Typ 1 Diabetes.

Das alles sollte Frau S. der Nachbarin erzählen, die gemeint

hat, der Diabetes von Lena sei ja nichts Schlimmes

und sie brauche nur Tabletten nehmen. Frau S. seufzt.

Heute schafft sie das nicht mehr. Denn ein paar Minuten

früher hat sie gehört: „Ach, da braucht die Lena doch nur

nichts Süßes essen, dann geht das wieder weg!“ – Nein,

„das“ geht nicht weg. Typ 1 Diabetes bleibt, ein Leben

lang. Ihre Lena wird sich später selbst um ihren Diabetes

kümmern müssen. In 15 Jahren gibt es sicher schon viel

bessere Insulin-Pumpen als heutzutage – aber Diabetikerin

wird sie bleiben.

Frau S. sperrt die Türe auf. Jetzt wird sie das Nachtmahl

vorbereiten, Lenas Blutzucker messen, ausrechnen,

wieviel Insulin Lena fürs Abendessen braucht. Sie

wird Lena auffordern, sich das Insulin ganz alleine selbst

zu spritzen, dann darauf achten, dass Lena wirklich ihr

Nachtmahl isst. Dann noch ein bisschen spielen, eine

Geschichte vorlesen – und dann wird Lena hoffentlich

bald einschlafen. Frau S. wird in der Nacht noch ein- oder

zweimal ihren Blutzucker kontrollieren, um zu sehen, ob

alles in Ordnung ist.

Symptome von Diabetes

Durst, häufiges Urinieren,

Müdigkeit, trockener Mund,

dann Kraftlosigkeit, Gewichtsabnahme

Dr. Susanne Pusarnig,

Ärztin für Allgemeinmedizin –

die „Zuckertante“

www.zuckertante.at

E-Mail: ordination@pusarnig.at

Diagnose von Diabetes

Blutzucker: 2 zu hohe Werte = Diabetes!

• Als normal gelten Nüchtern-Blutzucker-Werte unter

110 mg/dl

• Nüchtern-Werte zwischen 110 – 126mg/dl sind „verdächtig

hoch“ – Ihr Arzt wird Sie wahrscheinlich zu

einer genaueren Untersuchung, dem „Zuckerbelastungstest“,

schicken.

• Nüchtern-Werte über 126mg/dl sind „zu hoch“

• Werte über 200mg/dl sind immer „zu hoch“ –

egal wann die gemessen werden, also auch

wenn Sie etwas gegessen haben.

46

DIE MALTESER 2/2018


Falls Sie, Ihre

Freunde oder Ihre

Familie über unsere Arbeit

informiert werden wollen,

senden wir Ihnen die Zeitung

gerne regelmäßig zu.

MEDIZINAKTUELL

MIT DER

KRAFT DES DUFTES

Aromatherapie unterstützt die Selbstregeneration und

Selbstheilung und kann im Palliativbereich viel Positives

bewirken. Aromatherpeutin Vania Silva Steixner im Gespräch.

Von Katharina Stögner

Was verbirgt sich hinter dem Namen „Aromatime“?

Aromatime ist wie ein Zuruf, eine Idee, die die Menschen

in die Welt der Düfte rufen soll – an einen Ort, an dem

sie sich aufgrund des Duftes wohlfühlen. Außerdem ist

Aromatime mein Firmenname. Ich biete Beratung und

Behandlungen mit ätherischen Ölen an und stelle Körper-Öle,

Öle für Duftlampen, Aromasprays und Naturkosmetik

ohne synthetische Mittel ganz nach persönlichem

Wunsch und je nach Bedarf her.

Senden Sie einfach eine

E-Mail an:

zeitung@malteser.at

Gratis,

aber leider

nicht kostenlos.

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und soll

es auch bleiben. Denn es ist uns ein Anliegen,

Sie über unsere Arbeit umfassend zu informieren.

Doch die Produktion und der Versand sind

leider nicht kostenlos. Bitte unterstützen Sie

uns.

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3-4/2016

Ausgabe 3-4/2017

Wie sind Sie zur Aromatherapie gekommen?

Meine Großmutter hat mich dazu inspiriert. Sie hat sich

viel mit Kräutern beschäftigt. So habe ich von Kindheit

an gelernt, die Kraft der Natur zu schätzen. 2012 habe ich

meine Aromatherapie-Ausbildung in Graz gemacht, und

nach erfolgreicher Prüfung bin ich jetzt ärztlich geprüfte

Aromapraktikerin.

Ist Aromatherapie wissenschaftlich fundiert?

Die Wirkung von ätherischen Ölen ist wissenschaftlich

nachgewiesen. Aromatherapie ist die kontrollierte Anwendung

von natürlichen ätherischen Ölen, um die körperliche

und psychische Gesundheit zu erhalten. Es werden

nicht die einzelnen Symptome, sondern der Mensch

ganzheitlich betrachtet und behandelt. Selbstregeneration

und Selbstheilung sind dabei die entscheidenden

Faktoren, die auf sanfte Weise unterstützt werden. Aber

auch im Palliativbereich kann Aromatherapie sehr positiv

wirken.

Die

Unvergessliche Momente – Sommercamp 2017

Warnsignale einer Demenzerkrankung

Erster Kinderhilfelauf: Laufend helfen

Die Malteser-Zeitung 3_2017_end ok.indd 1 20.11.17 13:08

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Italien-Erdbebenhilfe aus Österreich

Legate: In guter Erinnerung bleiben

Ein Jahr Hilde Umdasch Haus

Ausgabe 1/2018

Down-Syndrom: Wunderbar anders

Talentprogramm: „Sag nicht behindert zu mir“

Malteserkirche: 900 Jahre alter Schatz

Die Malteser-Zeitung 1_2018_end ok.indd 1 23.03.18 10:43

Konto lautend auf MALTESER

Hospitaldienst Austria,

Kennwort „Zeitung

AT65 2011 1800 8087 0800

Spenden an den MALTESER Hospitaldienst sind

von der Steuer absetzbar!

DIE MALTESER 2/2018 47


MEDIZINAKTUELL

SO FUNKTIONIERT AROMATHERAPIE

Ätherische Öle sind „die Seele der Pflanze“, sehr komplexe

biochemische Gebilde und schwer nachzubauen.

Sie sind ein hochwirksames Heilmittel, hoch konzentrierte

flüssige Bestandteile duftender Pflanzen und

sehr reich an Wirkstoffen. Sie werden aus den Blättern,

Blüten, Samen, Früchten, Zweigen, Holz, Wurzeln und

Harzen gewonnen.

Wie wirkt Aromatherapie bei älteren und sehr

kranken, eventuell auch dementen Menschen?

In solchen Fällen wird die Dosierung sehr reduziert – nach

dem Prinzip „weniger ist mehr“. Das gilt insbesondere für

ältere Menschen und Kinder.

Sie bieten Workshops und Kurse an. Wie lange

dauern diese?

Ich habe Kurse bzw. Einschulungen für Einzelpersonen,

die zwei bis drei Stunden dauern, oder Seminare, die

vier bzw. sieben Stunden dauern. Am Ende der Seminare

möchten dann die meisten Teilnehmer gleich das nächste

buchen. Miteinander zu lernen und gemeinsam Düfte zu

mischen und auszuprobieren, macht einfach großen Spaß.

Was ist für Sie persönlich das Schönste an Ihrem

Beruf?

Die Aromatherapie und das Nutzen von ätherischen Ölen

verbessern die Lebensqualität, auch wenn sie nicht zur

Heilung beitragen. Viele kranke Menschen entdecken

durch die Anwendung von ätherischen Ölen einen Grund

zum Lachen. Wenn ich das erlebe, bin ich zuversichtlich,

dass ich auf dem richtigen Weg bin. Das macht mich sehr

glücklich und ist das Schönste an meinem Beruf. Im Palliativdienst

werden diese sehr gerne eingesetzt, daher biete

ich für Menschen, die in der Palliativpflege tätig sind, Seminare

und Workshops an, um ihnen Wege und Möglichkeiten

in einem kleinen Basispaket zu vermitteln.

Weitere Infos und Kontakt:

www.aromatime.at

Die wohltuenden Duftstoffe der ätherischen Öle gelangen

durch Inhalation, Massagen, Bäder oder Einnahme

in den Körper und werden vom Organismus aufgenommen,

ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen. Je

nach Befindlichkeit der Person und zu behandelnder

Störung erfolgt die Aufnahme durch die Nase (Duftlampe,

Spray, Inhalation), die Haut (Massage, Einreibung,

Bäder, Kompresse), die Schleimhaut (Zäpfchen,

Tampons) oder den Mund (Nahrung – „Aromaküche“,

Tropfen, Kapseln, Inhalation).

Ätherische Öle werden über Mischungen in pflanzlichen

Ölen, Cremen, Massagecremen, Seifen, Bädern,

Fußbädern, Kompressen, Raumbeduftungen mit

Sprays, Duftlampen oder Diffusers angewendet. Am

Arbeitsplatz eingesetzt, fördern sie die Konzentration,

helfen gegen Erschöpfung, Benommenheit, Überarbeitung,

Gedächtnisschwäche und verstärken die Ausdauer

bei geistigen Arbeiten. Produkte aus der Aromatherapie

können begleitend zu anderen Behandlungen

geführt werden und ersetzen keinesfalls medizinische

Produkte.

AROMATHERAPIE ZUM NACHLESEN

• Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis. 1. Auflage.

Steflitsch, Wolfgang. Stadelmann Verlag 2013

• Aromatherapie – Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis.

2. Auflage. Wabner, Dietrich (Herausgeber), Beier, Christiane

(Herausgeber), Demleitner, Margret (Beiträge),

Struck, Dorothee (Beiträge). Elsevier 2011

• Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. 6. Auflage.

Zimmermann, Eliane. Haug 2018

48

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERWELTWEIT

MALTESER INTERNATIONAL

60 JAHRE

HUMANITÄRE

HILFE

UNSERE VISION:

EIN LEBEN IN GESUNDHEIT UND WÜRDE FÜR ALLE MENSCHEN.

00

Nahrung,

ygieneartikel

nterkunft.

Jahresrückblick 2017

Für ein Leben in Gesundheit und Würde

Unsere Hilfe in Zahlen:

1.650.000

Patienten wurden in von uns unter -

stützten medizinischen Einrichtungen

auf der ganzen Welt behandelt.

Das internationale Hilfswerk des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

steht seit 60 Jahren weltweit Menschen bei, die von Armut,

Krankheit, Konflikten und Katastrophen betroffen sind. Die christlichen

Werte und humanitären Prinzipien bilden die Grundlage dieser

Arbeit. In jährlich über 100 Projekten in mehr als 29 Ländern Afrikas,

Amerikas, Asiens und Europas helfen wir Menschen in Not – unabhängig

von ihrer Religion, Herkunft oder politischen Überzeugung.

17.000

unterernährte Kinder unter

fünf Jahren wurden wieder

gesund und erhielten

eine Chance auf eine

bessere Zukunft.

49.000

Kinder kamen in unseren

499 Gesundheitseinrichtungen

zur Welt.

192.000

Menschen haben dank

unserer Projekte Zugang

zu sauberem Trinkwasser.

202.000

Menschen erhielten Nahrung,

Wasser, Kleidung, Hygieneartikel

und/oder eine Notunterkunft.

DIE MALTESER 2/2018 49


MALTESERWELTWEIT

KARAWANE DER NÄCHSTENLIEBE

ZEHN MONATE

KARITATIVER DIENST

IM LIBANON

Rund zehn Monate verbringt Jahr für Jahr ein Dutzend junger Menschen zwischen 18 und 25 in Beirut, um geistig und

körperlich behinderten Menschen liebevolle Zuwendung und Abwechslung von ihrem meist sehr eintönigen Alltag zu

bringen. Die Initiative ist Teil des von der deutschen Gemeinschaft junger MALTESER ins Leben gerufenen Libanonprojekts.

Auch einige junge MALTESER aus Österreich haben schon an der seit 2009 bestehenden „Karawane“ teilgenommen,

zuletzt unser Sohn Felix. Bei einem Besuch in Beirut vor einigen Wochen konnten wir uns selbst ein Bild von Leben und

Arbeit der jungen Leute machen.

Von Georg Male

„Mich beeindruckt das

Lächeln, das wir mit

unserer Zuwendung auf

die Gesichter unserer

Gäste zaubern können.“

Elisabeth Eloy

Seit Mitte August 2017 leben die sogenannten „Karawanisten“

gemeinsam in Beirut, genauer gesagt in Naqqache,

einem christlichen Vorort im Nordosten der

libanesischen Metropole. Heuer sind es dank eines unterjährigen

Wechsels sogar dreizehn: Vier Burschen und

neun Mädchen gehören zum Team, etwa die Hälfte Deutsche,

der Rest aus Frankreich, Tschechien, den Niederlanden,

Mexiko, England und eben Österreich. Sie teilen

in diesen zehn Monaten nicht nur ihren Dienst und

ihre Wohnung, sondern praktisch ihr gesamtes Leben,

tagtägliche Haushaltspflichten inklusive. Das bedeutet

große Nähe, tiefe Freundschaften, eine verschworene

Gemeinschaft, aber natürlich auch Reibungsflächen.

Vorbereitung und Team Building

Doch sie sind nicht unvorbereitet in den Libanon gekommen.

Ausgangspunkt jeder Karawane ist ein knapp

zweiwöchiges Prepcamp, bei dem sich die Teilnehmer

nicht zuletzt näher kennenlernen sollen. Dazu umfasst

das Seminar nicht nur eine theoretische wie praktische

Einführung in die Behindertenarbeit, sondern auch ka-

50

DIE MALTESER 2/2018


techetische Vorträge, ein Rhetorik- und Kommunikationsseminar

sowie gemeinsames Gebet, Sport und Musik.

Vorkenntnisse sind dabei nicht vonnöten. Dennoch

muss sich jeder Karawanist darauf einstellen, dass der

Dienst in den Heimen emotional aufreibend und kräftezehrend

ist. Er erfordert viel Selbstzurücknahme

und absolutes Engagement – das aber

mehr als belohnt wird.

Sommercamp als Einstieg

Die Karawanisten beginnen ihren Dienst mit

drei unmittelbar aufeinander folgenden Feriencamps

in Chabrouh, in den Bergen nicht

weit von Beirut gelegen. Hier verbringen sie

ihre ersten Wochen im Libanon, um – gemeinsam

mit anderen Camp-Teilnehmern aus Europa und

dem Libanon – behinderten Menschen Ferien vom Heimalltag

zu ermöglichen und sich damit auch auf ihren

weiteren Dienst einzustimmen. Ort des Geschehens ist

„Ich verbringe hier gerade

das beste und, wie ich

denke, wertvollste Jahr

meines Lebens. Es öffnet

einem richtig die Augen

für die Welt.“

Sofia Zell

ein Haus der libanesischen Assoziation des Malteser-Ordens,

das in den letzten Jahren umfassend saniert und

ausgebaut wurde. Auch die erste eigene Kapelle der libanesischen

MALTESER befindet sich seither in Chabrouh.

Etwa 40 „Gäste“ samt den erforderlichen Betreuern und

sonstigen Helfern können auf dem perfekt behindertengerechten

Areal problemlos wohnen und verbringen

ihre Zeit mit verschiedensten Aktivitäten bis hin zu

„Mit viel Geduld erreicht man immer

wieder kleine, oft unerwartete

Fortschritte. Einer unserer Gäste hat

plötzlich seine Arme abgewinkelt,

was er früher nicht machen konnte

oder wollte.“

Aloys Lobkowicz

Tagen am Strand, liebevoll gepflegt, betreut und unterhalten

von den Karawanisten, den übrigen Camp-Teilnehmern

sowie Helfern aus der sehr aktiven libanesischen

MALTESER-Jugend.

Täglicher Dienst in Heimen für Schwerstbehinderte

Nach dieser Zeit beginnt der Alltagsdienst der Karawanisten

in drei Heimen in der Umgebung von Beirut:

einem in der Nähe ihrer eigenen Wohnung in Antelias,

einem in Jal el-Dib, einem anderen, näher am Zentrum

gelegenen Vorort von Beirut, sowie einem weiteren Haus

in Deir el-Qamar, der in den Bergen gelegenen zeitweiligen

Residenz osmanischer Emire rund 45 km südöstlich

von Beirut. Alle drei Heime werden von den franziskanischen

Schwestern vom Kreuz geführt und widmen sich

der Pflege geistig und körperlich schwerst behinderter

Menschen.

DIE MALTESER 2/2018 51


„Zehn Monate mögen viel klingen,

aber im Endeffekt wünschen sich alle

Karawanisten, dass dieses Erlebnis nie

endet. Die Karawane zu machen, war

die beste Entscheidung, die ich hätte

fällen können.“

Helena Brauchitsch

Grundgedanke des „Service“, wie die Karawanisten ihren

Dienst nennen, ist es, das zu leisten, was die Bewohner

der Heime – aufgrund von Zeit- und Personalmangel –

sonst viel zu wenig erfahren: liebevolle persönliche Zuwendung

sowie verschiedenste Programme wie Musik,

Tanz, Sport, Ball- oder Fangenspielen, Zeichnen und Malen,

Basteln, Backen, Spiele, Verkleiden, kleine Theaterprojekte,

Besuche in der Cafeteria oder Spaziergänge im

Garten – kurz: Abwechslung vom Alltag. Hinzu kommen

bisweilen Ausflüge, die meist gemeinsam mit der Youth

of the Order of Malta organisiert werden, etwa zum Reiten

oder zum Beirut Marathon. Pflege zählt – mit Ausnahme

der Camps – hingegen nicht zu den Aufgaben der

Karawanisten, nur in Deir el-Salib helfen sie auch bei der

Verabreichung der Mahlzeiten.

An fünf Tagen der Woche widmen die Karawanisten diesen

Aufgaben im Schnitt je drei Stunden. Das mag nicht

nach sehr viel klingen, zehrt aber angesichts der Intensität

des Dienstes – und der langen Dauer des Einsatzes

im Libanon – durchaus an den Kräften. Zudem kommen

zahlreiche, jeweils fünftägige Camps in Chabrouh hinzu.

Abgesehen von den bereits erwähnten Sommercamps

zu Beginn der Karawane waren das dieses Jahr etwa das

Christmas Camp, ein spezielles Down-Syndrom-Camp,

ein Caravan-Alumni-Camp mit ehemaligen Karawanisten,

das „Caravan Camp“ der aktuellen Karawane und ein

eigenes Camp für Kinder mit Zerebralparese. Zusätzlich

helfen die Karawanisten bisweilen in zwei Schulen

für syrische Flüchtlingskinder. Und auch um

Fundraising kümmern sie sich zum Teil selbst

und finanzieren damit zusätzliche Aktivitäten,

etwa die Durchführung von Camps, das bunte

Ausmalen „ihrer“ Stationen oder die Anschaffung

von Spielzeug und Geräten. In Summe kommt jeder

Karawanist auf mehr als 1.000 Stunden im

ehrenamtlichen Dienst, nicht wenig für zehn

Monate.

„Unsere Gäste sind inzwischen

wie meine eigenen

Kinder. Ich will mich nicht

verabschieden müssen, so

sehr sind sie mir alle ans

Herz gewachsen.“

Margareta Wangenheim

Middle Eastern Studies an der Université St. Joseph

Ihre Vormittage widmen die Karawanisten – abgesehen

von einem einmonatigen arabischen Sprachkurs zu Beginn

ihrer Zeit im Libanon – verschiedenen Kursen an der von

Jesuiten geführten Université St. Joseph (USJ) in Beirut.

Sie ist mit etwa 12.000 Studierenden heute eine der wichtigen

Universitäten im Nahen Osten. International bekannt

ist die USJ für ihre im Bezirk Achrafieh gelegene Universi-

52

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERWELTWEIT

tätsklinik Hôtel Dieu de France und die auf dem Gelände

des ehemaligen Campus im Bezirk Saifi gelegene Orientalische

Bibliothek. Die USJ verfügt über eine philologische,

eine ingenieurwissenschaftliche und eine theologische

Fakultät und mehrere Forschungszentren, etwa eines zum

arabischen Christentum.

Hintergrund des Bildungsangebots für die Karawanisten

ist das Anliegen, eine Basis zu schaffen, auf der interreligiöser

Dialog möglich wird. Die Teilnehmer sollen bestärkt

werden, sich für diesen Dialog einzusetzen und offen zu

werden für echte Toleranz. Eine Toleranz die überlegt und

fundiert ist – weil man weiß, wo man herkommt und weil

man den Glauben und die Kultur des Anderen kennen- und

respektieren gelernt hat.

Dazu nehmen die Karawanisten an verschiedenen Seminaren

der USJ teil. Neben der ausführlichen Behandlung des

Christentums steht dabei das Kennenlernen des Islams

im Vordergrund. Aber auch arabische Geschichte, Politik

und Kultur werden behandelt. Der Libanon ist eines der

Die Gemeinschaft der Karawanisten

ist enorm wichtig.

Ohne die Anderen wäre man

nicht in der Lage, hier zehn

Monate Service zu machen.“

Marguerita Geusau

wenigen Länder im Nahen Osten, in dem ein Miteinander

von Religionen und Kulturen noch erlebbar ist. An die 20

verschiedene Konfessionen sind hier zu finden. Diese Viel-

falt soll im Bildungsprogramm abgebildet werden. Abgerundet

wird es je nach aktueller Möglichkeit durch diverse

Vorträge, etwa von muslimischen Imamen und Vertretern

„Mein eindrucksvollstes Erlebnis?

Da gab es viele, zum Beispiel als

Hassan, ein Autist, der menschliche

Nähe nicht so gern mag,

plötzlich seinen Kopf in meinen

Schoß gelegt hat ...“

Camilla Westphalen

anderer Glaubensgemeinschaften oder politischer Gruppierungen.

Und auch thematisch passende Ausflüge zu

kulturellen Stätten im Libanon sind Teil des Programms.

Für all dies erhalten die Karawanisten sogar 16 international

anerkannte ECTS-Punkte.

Ihre eigene Spiritualität pflegen die Karawanisten durch

wöchentliche Gebetsabende und regelmäßige Einkehrwochenenden.

Begleitet werden sie dabei durch den melkitisch

griechisch-katholischen Priester Abouna Romanos

Bou Assi, der das MALTESER-Haus in Chabrouh betreut

und dem Orden auch sonst als Seelsorger zur Verfügung

steht. Doch auch vielfältige Ausflüge und Sport (bis hin

zu Bergtouren und Skitagen im Libanongebirge) kommen

bei den jungen Leuten natürlich nicht zu kurz, ebenso wie

Ausgehen und Partys.

Starkes, prägendes Erlebnis

Fragt man die Karawanisten nach ihrer ursprünglichen

Motivation, ein Jahr im ehrenamtlichen Einsatz

im Libanon zu verbringen, reichen die Antworten von

DIE MALTESER 2/2018 53


MALTESERWELTWEIT

„Abenteuer“ über „kulturelle Horizonterweiterung“ und

„wertvolle Erfahrungen sammeln“ bis hin zum Wunsch,

etwas für Andere zu tun, auch aus Dankbarkeit für das

eigene, zumeist privilegierte Leben. Im Rückblick nach

Man lernt so viel über

Menschlichkeit, über

Liebe, über sich selbst.“

Inés García Lascurain

Bernstorff

libanesischen MALTESER-Jugend – im Service ebenso

wie im privaten Umgang. Und alle sind tief berührt von

der Nähe zu ihren „Gästen“ und von deren Zuwendung

und Dankbarkeit. Ohne Einschränkung würde jede und

jeder der Karawanisten 2017 Anderen empfehlen, ebenfalls

für ein Gap Year in den Libanon zu gehen. Und das

stimmt zuversichtlich, dass die Karawane der Nächstenliebe

weiter und weiter ziehen wird ...

SMRO Libanon: orderofmaltalebanon.org

Franciscan Sisters of the Cross: congfcl.com/?lang=en

fast neun Monaten „Service“ finden sie ihre Erwartungen

durchwegs mehr als erfüllt. Alle stehen unter dem

Eindruck der Intensität ihres Dienstes, aber auch der

engen Gemeinschaft untereinander. Wichtig ist für die

meisten auch der Kontakt und die Freundschaft mit der

Weitere Informationen

unter www.orderofmalta-caravan.com. Wer sich

(für die Karawane 2019/20) direkt bewerben möchte,

sollte einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben

(beides in englischer Sprache) und ein Foto an

orderofmaltacaravan@gmail.com senden.

Die Idee des Libanonprojekts entstand im Jahr 1997,

als der junge deutsche MALTESER Franziskus Heereman

bei einer Reise in den Libanon mit den unerträglichen

Umständen konfrontiert wurde, in denen kranke und

behinderte Menschen dort leben müssen. Ein Besuch in

den beiden größten Behindertenheimen Beiruts erschütterte

ihn zutiefst. Die christlichen Institutionen arbeiten

fast ohne staatliche Hilfe und mit kaum privater Unterstützung.

Mehr als nur die nötigste Versorgung blieb den

Schützlingen daher bis dahin verwehrt.

Der damals 20-Jährige sah akuten Handlungsbedarf und

kehrte im darauffolgenden Jahr mit 27 Freunden aus

Deutschland zurück. Er organisierte einen Ferienaufenthalt

in einem Haus in den libanesischen Bergen, bei dem

die behinderten Gäste in persönlicher Betreuung liebevolle

Zuwendung erfahren konnten. Seither finden diese

Camps jedes Jahr statt. 2009 trat das Projekt der Karawane

hinzu, in dessen Rahmen junge Menschen für zunächst

ein halbes Jahr, seit 2011 fast ein ganzes Jahr in Beirut

verbringen und in drei Behindertenheimen regelmäßige

Dienste leisten.

Das Libanonprojekt wird unter der Fahne der „Gemeinschaft

junger MALTESER“ ausschließlich von Jugendlichen

und jungen Erwachsenen organisiert. Mehr als 350

Jugendliche haben in den letzten Jahren Zeit und Geld

investiert um die Situation behinderter Menschen, die im

Libanon vielerorts noch als Schande gelten, zu verbessern.

Viele von ihnen kommen jährlich wieder um ihre neuen

Freunde zu besuchen. Finanziert wird das Projekt über

Spenden sowie Beiträge der Teilnehmer bzw. deren Eltern.

www.libanonprojekt.de

54

DIE MALTESER 2/2018


Malte

5

3

Amerika

1 Haiti

2 Kolumbien

3 Mexiko

4 Peru

5 USA

4

1

2

Europa

6 Deutschland

7 Ukraine

Afrika

8 Burundi

9 DR Kongo

10 Guinea

11 Kamerun

12 Kenia

13 Nigeria

14 Südsudan

15 Tansania

16 Uganda

10 13

6

11

9

7

20

18 19

17

14

16 12

8

15

Nahost

17 Irak

18 Libanon

19 Syrien

20 Türkei

26

22

25

21

29

Asien

21 Bangladesch

22 Indien

23 Kambodscha

24 Myanmar

25 Nepal

26 Pakistan

27 Philippinen

28 Thailand

29 Vietnam

28

23

24

27

WELTWEITE HILFE FÜR MENSCHEN IN NOT

Von Katharina Kiecol

Es war ein typischer Nothilfeeinsatz für die internationale

humanitäre Hilfsorganisation des Malteser-Ritter-

Ordens: Nach dem schweren Erdbeben im Jahr

2015 in Nepal entsandte MALTESER International

ein Expertenteam in die Krisenregion, das zunächst mit

der Einrichtung einer Gesundheitsstation für die Verletzten

begann. In den folgenden Monaten und Jahren

unterstützte die Organisation den Aufbau eines Feldhospitals

in der Region und half beim Wiederaufbau der

zerstörten Infrastruktur. Bis heute arbeitet MALTESER

International mit den Betroffenen von damals am Wiederaufbau,

bildet Gesundheitspersonal aus und organisiert

Trainings zur Katastrophenvorsorge.

Hilfe für Menschen in Not – ob nach schweren Naturkatastrophen

oder in Konfliktgebieten – in akuten

Krisen ist es zunächst immer das Ziel, den betroffenen

Menschen das Überleben zu sichern und sie

mit dem Nötigsten zu versorgen. Je nach Situation

und Ausmaß der Krise organisiert MALTESER International

Verteilung von Wasser, Nahrungsmitteln,

Haushaltsgegenständen und Medikamenten an die

Betroffenen, kümmert sich um den Bau von Notunterkünften

und betreibt Gesundheitsstationen, in denen

die Menschen medizinisch versorgt werden. In vie-

len Einsatzländern, wie zum Beispiel in Nepal, bleibt

MALTESER International auch nach der akuten Nothilfephase

aktiv und unterstützt die Menschen beim Wiederaufbau

und in der Vorbereitung auf zukünftige Krisen.

Einsatzländer, Stand: Juli 2018

Aktuell hilft MALTESER International mehr als zwei

Millionen Menschen in über 100 Projekten in 29 Ländern

weltweit. Das Mandat greift immer dann, wenn die betroffenen

Länder internationale Hilfe anfordern und

wenn es dort keinen lokalen Hilfsdienst der MALTESER

gibt, der die Nothilfe übernimmt. Die Einsätze erfolgen

immer in enger Abstimmung mit den – falls vorhanden

– nationalen Assoziationen des Malteser-Ritter-Ordens,

mit den lokalen Behörden im Einsatzland und mit den

Koordinierungsstellen der Vereinten Nationen.

Die langfristigen Programme von MALTESER International

richten sich vorrangig an arme und benachteiligte

Menschen in besonders gefährdeten Regionen. Ihr Ziel

ist es, die Lebensbedingungen der Bevölkerung dauerhaft

zu verbessern. In der Demokratischen Republik Kongo

beispielsweise arbeitet MALTESER International an der

Verbesserung des Gesundheitssystems, in Uganda unterstützen

die Mitarbeiter den Aufbau der staatlichen Notfallversorgung

und in Pakistan werden die Bewohner in

DIE MALTESER 2/2018 55


MALTESERWELTWEIT

der Küstenregion in Katastrophenvorsorgetrainings auf

zukünftige Überflutungen vorbereitet.

Um das Wissen aus den Projekten auch nachhaltig bei

der Bevölkerung zu verankern, arbeitet MALTESER International

wie in der Nothilfe auch in den langfristigen

Programmen eng mit lokalen Partnerorganisationen und

den Behörden vor Ort zusammen. Oft ermöglicht diese

Zusammenarbeit aber auch überhaupt erst den Zugang

zu den Menschen in Not, beispielsweise in Syrien: Hier

wäre die Versorgung der Menschen in den umkämpften

Regionen ohne einen lokalen Partner gar nicht möglich,

da internationale Organisationen keinen Zutritt zum

Land haben.

Aktuell bilden die Hungerkrise in Afrika, die humanitäre

Hilfe im Nahen Osten und die Flüchtlingshilfe weltweit

die größten thematischen Schwerpunkte der Arbeit von

MALTESER International. Lesen Sie dazu mehr in den

folgenden Artikeln.

UGANDA

Sauberes Wasser für

Flüchtlinge aus dem

Südsudan

Eine Million Flüchtlinge aus dem

Südsudan finden derzeit Schutz im

ostafrikanischen Land Uganda, dessen

bemerkenswerte Flüchtlingspolitik

für die geflohenen Menschen

unter anderem ein Stück Land vorsieht.

In den Flüchtlingscamps stellt

die Wasserversorgung ein großes

Problem dar. Aufgrund der hohen

Flüchtlingszahlen gibt es in dem ohnehin

trockenen Gebiet nicht ausreichend

sauberes Trinkwasser. Durch

die Wasserversorgungsprojekte von

MALTESER International stehen derzeit

rund 55.000 Geflüchteten jeweils

15 Liter sauberes Wasser pro Tag zur

Verfügung. Der Bau von 900 Latrinen

konnte zudem die Sanitärversorgung

in den Camps verbessern.

THAILAND

Selbsthilfe stärken

Angehörige der ethnischen Minderheit

Karen aus Myanmar leben teilweise

bereits mehr als 20 Jahre in grenznahen

Flüchtlingscamps in Thailand.

Anders als in Uganda haben die rund

111.000 Geflüchteten dort nur wenige

Möglichkeiten, Einkommen zu

erwirtschaften. Seit 1993 ist MAL-

TESER International in den Camps

und aufnehmenden Gemeinden tätig,

unterstützt Gesundheitsstationen,

bildet Geflüchtete zu Gesundheitspersonal

wie Hebammen oder Krankenpfleger

aus und sorgt für die

Instandhaltung von Wasser- und

Sanitäreinrichtungen.

TÜRKEI

Perspektivenlosigkeit

Mehr als 2,4 Millionen syrische

Geflüchtete hat das Nachbarland

Türkei seit Beginn des Bürgerkriegs

aufgenommen. Um der Arbeitslosigkeit

und Perspektivlosigkeit,

die die meisten Syrer nach ihrer

Flucht in der Türkei erwartet, etwas

entgegenzusetzen, unterstützt

MALTESER International ein Bildungszentrum

für syrische Flüchtlinge

in Istanbul. Dort werden

Sprachkurse und Beratungen sowie

berufsqualifizierende Trainings

angeboten, wodurch den Menschen

eine wichtige Perspektive auf ein

besseres Leben ermöglicht wird.

56

DIE MALTESER 2/2018


MALTESERWELTWEIT

SYRIEN

Medizinische Hilfe

Sieben Jahre Gewalt, Tod, Leid und

Vertreibung – seit 2011 tobt der

Bürgerkrieg in Syrien, ein Ende der

Kampfhandlungen scheint in weiter

Ferne. Die Bilanz des Krieges ist

grausam: 450.000 Menschen verloren

ihr Leben, 5,6 Millionen Syrer

flohen in die Nachbarländer, 6,1 Millionen

Syrer leben als intern Vertriebene

im eigenen Land und 13,1 Millionen

Menschen sind auf humanitäre

Hilfe angewiesen. Seit 2013 leistet

MALTESER International gemeinsam

mit einer syrischen Partnerorganisation

dringend benötigte medizinische

Hilfe für intern Vertriebene.

In Bab al Salam, Idlib und Ghandoura

betreiben zwei syrische Partnerorganisationen

von MALTESER International

Krankenhäuser und eine

Mutter-Kind-Klinik. Außerdem unterstützt

MALTESER International

eine Kinderklinik. Dort und in weiteren

teils mobilen Gesundheitszentren

und Ambulanzen erhalten monatlich

mehrere tausende Menschen eine

lebenswichtige medizinische Versorgung.

BANGLADESCH

Mutter-Kind-

Gesundheit

Es war die bisher am schnellsten gewachsene

Flüchtlingskrise – nach

Gewaltausbrüchen in Northern

Rakhine in Myanmar flohen im

Herbst 2017 mehr als 680.000 Angehörige

der muslimischen Minderheit

der Rohingya ins Nachbarland

Bangladesch. Dort leben die oftmals

stark traumatisierten Menschen in

einem riesigen Flüchtlingscamp unter

unzureichenden Bedingungen.

Es mangelt an sanitären Anlagen,

sauberem Trinkwasser und medizinischer

Versorgung. MALTESER

International stellt gemeinsam mit

seinem lokalen Partner in zwei Gesundheitsstationen

im Camp grundlegende

medizinische Versorgung für

20.000 Menschen bereit und kümmert

sich insbesondere um schwangere

und stillende Mütter sowie ihre

Kinder, die oftmals unterernährt in

die Station kommen. Ebenso wichtig

sind psychosoziale Beratung und

die Aufklärungsarbeit zu Gesundheit

und Hygiene. Auf diese Weise kann einem

Ausbruch von Krankheiten in der

Enge des Camps vorgebeugt werden.

LIBANON

Stärkung des

Gesundheitssystems

Libanons Bevölkerung besteht zu

einem Drittel aus Geflüchteten und

Migranten aus Palästina und Syrien.

1,3 Millionen syrische Flüchtlinge

erreichten das Land seit Ausbruch

des Bürgerkriegs 2011. Der hohe

Anteil an Geflüchteten stellt für das

aufnahmebereite Land eine große

Herausforderung dar. Um das libanesische

Gesundheitssystem zugunsten

der Flüchtlinge und aufnehmenden

Gemeinden zu stärken,

ist MALTESER International derzeit

dabei, ein Gesundheitszentrum in

ein funktionales Krankenhaus mit

Notaufnahme und der Möglichkeit

zur stationären Betreuung der

Patienten auszubauen. In einer

mobilen Gesundheitsstation werden

schon jetzt monatlich 1.450 bedürftige

Menschen versorgt.

DIE MALTESER 2/2018 57


TAGEBUCH

36. INTERNATIONALES MALTESER SOMMERLAGER

GROSSBRITANNIEN 2018

Von Anna Jakobljevich & Patrick Schleich

Die Tinte auf den letzten Abrechnungen des internationalen

MALTESER-Sommerlagers in Salzburg ist gerade

erst getrocknet, die letzten Materialien sind gerade erst

wieder in den Untiefen der Bereichslager verschwunden.

Die schönen Momente und die freundschaftlichen Begegnungen,

die wir im letzten Sommer erfahren durften,

sind noch immer präsent. Von diesen wundervollen Erinnerungen

zehrend, machen wir uns nun an die Vorbereitungen

für das nächste internationale MALTESER-Highlight.

Dieses Jahr dürfen wir von 11.-18. August am 36.

Internationalen MALTESER-Sommerlager in Alton, nahe

London (Großbritannien) teilnehmen. Alton ist eine kleine

Marktstadt im District East Hampshire im Nordosten

der Grafschaft Hampshire. Über 450 junge MALTESER

zwischen 18 und 35 Jahren sowie Gäste mit unterschiedlichen

Hintergründen aus aller Welt finden zu diesem

Event zusammen.

Die Planung sowie die Vorbereitung halten herausfordernde

Aufgaben für uns bereit.

Zu allererst gilt es natürlich, ein Team zusammenzustellen,

das Österreich vertritt. Österreich wird durch 8 Gäste,

11 MALTESER sowie uns als Teamleitung vertreten.

Um auch die MALTESER innerhalb Österreichs besser

zu vernetzen, werden Kontingente aus allen Bereichen

gestellt. Dies ist natürlich auch bei der Flugplanung zu

beachten. So würden wir heuer gerne aus zwei, taktisch

gut gelegenen, Flughäfen abreisen. Um Platz zu sparen

und die Gepäckskosten so gering wie möglich zu halten,

werden die mitgenommenen Pflegeartikel auf das erforderliche

Mindestmaß beschränkt. Dies erfordert natürlich

enge Abstimmung mit der Campleitung sowie mit

unserem ärztlichen Leiter Dr. Thomas Hausner. Selbstverständlich

muss bei allen Überlegungen genau auf die

Diagnose und die Bedürfnisse unserer Gäste eingegangen

werden.

Die Unterbringung in England entspricht unseren

speziellen Anforderungen ganz besonders gut.

Die Treloar’s Boarding School ist speziell für den Lehrbetrieb

mit physisch oder psychisch Benachteiligten

ausgelegt. Während des Jahres kümmern sich dort 600

Mitarbeiter (!) um 150 Kinder. Komplettiert wird die

vorhandene Infrastruktur durch einen Swimming-Pool

mit extra Hebeliften und einer Rollstuhl-Rennbahn. Das

Camp liegt etwa eine Stunde außerhalb von London. Es

ist geplant, etwa ein Drittel der Aktivitäten im Camp zu

absolvieren, ein weiteres Drittel in London und der Rest

der Zeit wird auf anderweitige Ausflüge gefahren. Wie

sich die oben genannten Ausflüge genau gestalten werden,

bleibt noch eine Überraschung der Camp-Leitung.

Was wir allerdings wissen ist, dass es Mitte der Woche einen

Mittelalter-Tag geben wird – man munkelt, dass dies

wohl auch eine Besichtigung von Schloss Arundel in der

58

DIE MALTESER 2/2018


XXXX

Grafschaft West Sussex und einen Rundgang im Harry

Potter-Themenpark umfasst.

Jeder Abend im Camp gestaltet sich unterschiedlich

und einem bestimmten Motto folgend.

Erfahrungsgemäß wird das Disco-Zelt fast jeden Abend

mit schrillen Kostümen und auffallenden Farben frequentiert.

Ein besonderes Highlight des Camps ist der internationale

Abend. Jede Nation betreut hier einen eigenen

Stand und tischt ganz besondere, heimische Köstlichkeiten

auf. Zumeist präsentieren sich Gäste und MALTESER

an diesem Tag auch in einem für ihr Land ganz typischen

Outfit, was die wunderbare internationale Vielfalt dieses

Camps widerspiegelt.

Einen Abend – die sogenannte Silent Night - behält man

sich jedoch vor, um sich ein wenig zu besinnen. Im Anschluss

an das Abendessen findet eine Lichterprozession

statt, der eine Anbetung folgt. Die Disco fällt in der Silent

Night ausnahmsweise einmal aus.

„Barrierefreiheit beginnt mit persönlicher Offenheit

und persönlicher Begegnung, beides erlebe ich

beim MALTESER Camp in enormem Ausmaß.“

Dieses Zitat eines libanesischen Gastes am Sommercamp

in Salzburg 2017 spiegelt den Geist des Camps unserer

Meinung nach sehr gut wider. Es ist eine Möglichkeit, aus

dem für viele oft nicht so einfachen Alltag in eine Welt

abzutauchen, in der es einzig und allein darum geht, neue

Freundschaften zu knüpfen und gemeinsam eine wunderschöne

Zeit zu verbringen.

Spenden und Sponsoren machen dieses Erlebnis

jedes Jahr wieder möglich.

Da eine solch ereignisreiche Reise natürlich größere finanzielle

Mittel erfordert, müssen wir im Vorfeld mit unserem

Budget streng haushalten. Es ist uns ein Anliegen,

niemanden von der Teilnahme am Camp auszuschließen,

nur weil er für die Kosten nicht aufkommen kann. Daher

sind wir auch laufend auf der Suche nach Sponsoren

jeder Größenordnung. Folglich hier ein kurzer Kosten-

Leistungs-Vergleich.

• EUR 680,– ermöglichen einer Person die gesamte Reise

und ein unvergessliches Erlebnis

• EUR 290,– decken den Campbeitrag inkl. Verpflegung

und die Ausflüge für eine Person

• EUR 330,– finanzieren die Reisekosten für eine Person

• EUR 60,– stellen die medizinische Versorgung (v.a.

Pflegematerial) sicher

„The IHC is more than just a break from daily

routine – it‘s an opportunity to get out in the world

and be inspired by what it has to offer.“

Wir freuen uns schon sehr auf diese wunderbare Woche

im August und auf alle, die uns dorthin begleiten.

DIE MALTESER 2/2018 59


SCHÖNER DIE GLOCKEN BALD KLINGEN

Zwischen dem Souveränen Malteser-Ritter-Orden und der Steiermark bestehen schon Jahrhunderte währende Beziehungen

– zum Beispiel über die Kommende in Fürstenfeld. Dort erhält die Stadtpfarrkirche gerade fünf neue

Glocken. Unsere Redaktion war beim Guss der ersten beiden Glocken dabei.

Von Richard Steeb

sein – „auch deshalb, weil man einen Glockenguss für die

Heimatkirche wohl nur einmal im Leben sieht“, wie es viele

Augenzeugen auf den Punkt brachten.

In der Glockengießerei Perner in Passau gab es einen

herzlichen Empfang, und nach einer kurzen Einführung

ging es in eine Halle, wo die großen Formen der Glocken

„Maria“ und „Augustinus“ zu sehen waren. Zwei andere

Formen waren nicht zu sehen, spielten aber bei unserem

Besuch an diesem Februartag die Hauptrolle: „Franziskus“

und „Josef“. Sie waren längst in der sogenannten

Glockengrube vergraben - komplett mit Erde verfüllt und

ordentlich verdichtet, damit die Formen den beim Gießen

entstehenden Druck aushalten konnten.

96 Jahre lang begleiteten die Glocken der Stadtpfarrkirche

Fürstenfeld die Bevölkerung, ehe diese am 27. Mai 2018

zum letzten Mal zu hören waren. Danach mussten sie im

Zuge einer Kirchturmsanierung neuen Glocken Platz machen.

Die ersten beiden der fünf neuen Glocken wurden

im Februar 2018 in Passau gegossen. Mehr als 50 Fürstenfelder

und die Redaktion der „MALTESER“ wollten es sich

nicht nehmen lassen, bei diesem großen Ereignis dabei zu

In Gottes Namen

Stadtpfarrer Alois Schlemmer las aus dem Evangelium,

und nach einem Vaterunser konnte der Glockenguss – begleitet

vom Geläut der Passauer Domglocken – beginnen.

Bei den Worten „In Gottes Namen lasst’s rinnen, stoßt

den Zapfen aus. Gott bewahr’ das Haus“ wurde die über

1100 Grad heiße Glockenspeise durch einen Kanal zu den

neuen Glocken geleitet.

Wie sich die neuen Glocken anhören, werden wir wohl erst

am 28. Juli erfahren, wenn das neue Geläut zum ersten

Mal ertönen soll. Wir sind jedenfalls schon sehr gespannt!

60

DIE MALTESER 2/2018


Hätten Sie‘s gewusst?

Bis es zum Guss einer neuen Glocke kommt, sind

viele Arbeiten erforderlich. So benötigt der Glockengießer

zur Herstellung einer Glocke eine dreiteilige

Form, bestehend aus Kern, falscher Glocke und

Mantel. Der Kern, der dem Inneren der Glocke entspricht,

wird aus Lehmsteinen und verschiedenen

Lehmschichten gemauert. Die falsche Glocke, oder

Modellglocke, muss in Umfang und Aussehen genau

der späteren, noch zu gießenden Bronzeglocke entsprechen.

Sie besteht aus Lehm und Talg, die Zier

wird in Wachs aufgetragen. Vor der Herstellung des

Mantels streicht der Glockengießer zunächst einen

feinen, dann immer gröberen Lehm auf die falsche

Glocke, sodass sich die Zier im Mantel abdrücken

kann. Der Mantel muss einen großen Druck aushalten,

der während des Gießens auf ihn einwirkt.

Der Ton macht die Musik

Für den Klang einer Glocke entscheidend sind die drei

Parameter Durchmesser, Höhe und Wandstärke, die

sogenannte Rippe. Je nach Größe dieser drei Parameter

verändert sich der Ton. Eine Glocke hat etwa 50

Klangfarben, die in ihrer Gesamtheit den hörbaren

Ton der Glocke bestimmen. Die neuen Glocken der

Stadtpfarrkirche Fürstenfeld sind auf folgende Töne

festgelegt: Johannes der Täufer (c1), Augustinus

(es1), Maria, Königin des Friedens (f1), Franziskus

(g1), Josef (b1). Glockentöne zum „Probehören“ gibt

es auf www.glocken-perner.at.

Am Tag des Gusses wird der Schmelzofen angefeuert.

Hat die Bronze eine Temperatur von zirka 1100

Grad Celsius erreicht, kann der Guss beginnen.

Wenn die rot glühende Glockenspeise aus dem Ofen

fließt, Rauch aufsteigt und Gase abbrennen, hat der

Glockenguss seinen Höhepunkt erreicht. Die gegossene

Glocke muss danach in der ausgehobenen Glockengrube

noch einige Tage auskühlen, bis sie aus

ihrem Mantel befreit werden kann. Danach wird mit

der Stimmgabel geprüft, ob der Guss gelungen ist

und die Glocke wie gewünscht erklingt.

DIE MALTESER 2/2018 61


TAGEBUCH

AUSGEZEICHNET

Zwei Salzburger Malteserinnen wurden für ihre Vorwissenschaftlichen Arbeiten mit dem renommierten „Erzbischof

Dr. Alois Kothgasser-Preis 2018“ ausgezeichnet. Wir gratulieren sehr herzlich!

Von Katharina Stögner

Wir könnten an dieser Stelle nun eine Laudatio über die

beiden Preisträgerinnen veröffentlichen. Oder die wesentlichen

Punkte aus ihren Arbeiten wiedergeben. Oder – und

dafür haben wir uns letztlich entschieden – wir könnten

sie beide selbst zu Wort kommen lassen. Immerhin haben

die beiden jungen Damen Bemerkenswertes zu sagen.

Preisträgerin Helena Inama

Thema: „Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden

– Geschichte und Aufgaben unter besonderer Berücksichtigung

der Hilfswerke“

Im September 2015 habe ich mit der Ausbildung beim

MALTESER Hospitaldienst (MHDA) begonnen, seit

Juni 2016 bin ich nun Mitglied. Da sowohl meine Eltern

als auch mein Bruder und mein Großvater bei den

MALTESERN tätig sind bzw. waren, waren mir der Orden

und der Hospitaldienst immer schon ein Begriff.

Vor allem nach der Lourdesreise im Jahr 2009, zu der

mich mein Vater als Einsatzleiter mitgenommen hat,

war mir klar: Ich möchte später auch einmal bei den

MALTESERN mitarbeiten und all diese schönen unvergesslichen

Momente mit den Betreuten und den Kollegen

erleben. Der respektvolle und freudige Umgang der

MALTESER mit den „Herren Kranken“, wie es schon

der Gründer Bruder Gerhard so schön gesagt hat, hat

mich nachhaltig beeindruckt und geprägt. Auch die

Entstehung und Geschichte des Ordens und die des

Hospitaldienstes haben mich schon lange fasziniert.

Nachdem wir in der Ausbildung einen kleinen Einblick

in diese bekommen hatten, wusste ich, dass ich mich

in meiner Vorwissenschaftlichen Arbeit gerne noch genauer

mit diesem Thema auseinandersetzen will.

In meiner Arbeit geht es also um die fast 1000-jährige

Geschichte des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

(SMRO), die ihn zum ältesten Krankenpflegeorden

der Welt macht. Früher war der SMRO eine große

militärische Macht und hat die Entwicklung Europas

v.l.n.r.: Helene Inama (Platz 2) mit Alterzbischof Alois

Kothgasser und Katharina Knaust (Platz 1)

wesentlich geprägt. Bis heute ist er als souveränes

Völkerrechtssubjekt anerkannt und unterhält zahlreiche

diplomatische Beziehungen. Auch im Bereich der

Medizin und der Hygiene waren die Ordensmitglieder

führend. Da Menschen zu jeder Zeit auf die Hilfe anderer

angewiesen sind, konnte der Orden seit seiner

Gründung durchgehend bestehen.

Von Anfang an wurde die Arbeit mit den kranken Menschen

vom christlichen Glauben geprägt. Die Spiritualität

des SMRO spiegelt sich einerseits im Kampf gegen

das achtfache Elend und andererseits in der Begegnung

mit Jesus Christus im Bild des Nächsten als dem

„Herren Kranken“ wider. Die Vision des Gründers, das

Leid in der Welt zu lindern, ist aktueller denn je. Heute

werden die karitativen Aufgaben großteils von den verschiedenen

Hilfswerken des Ordens wahrgenommen.

Der MALTESER Hospitaldienst ist im Zuge der Hilfsaktivitäten

von Ordensmitgliedern und deren Freunden

für Flüchtlinge aus Ungarn im Jahr 1956 entstanden

und ist die größte ehrenamtliche Sanitätsorganisation.

Seine Aufgaben reichen von der Behindertenbetreuung

und der Katastrophenhilfe bis hin zum Rettungsdienst.

62

DIE MALTESER 2/2018


TAGEBUCH

Preisträgerin Katharina Knaust

Thema: „Die Organspende aus Sicht der

katholischen und der evangelischen Kirche“

Christliche Ethik ist eine Thematik, die mich schon

längere Zeit begleitet – nicht zuletzt auch durch meine

Mitarbeit im MHDA Bereich Salzburg, bei der ich mit

alten, kranken, schutz- und pflegebedürftigen Menschen

sowie mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen

in Kontakt gekommen bin.

Beim Konzipieren meiner Vorwissenschaftlichen Arbeit

musste ich mich erstmals wissenschaftlich mit

Fragen der Medizinethik, genauer mit dem ethischen

Hintergrund der Organspende, auseinandersetzen. Ich

habe das Thema Organtransplantation mit besonderem

Schwerpunkt auf deren Rezeption in der katholischen

und der evangelischen Kirche gewählt. Damit die

Analyse dieser komplexen Fragen auf einem gewissen

medizinischen Grundlagenwissen basiert, stand die

Beschreibung des Sterbeprozesses eines Organismus

am Anfang.

Die Kontroverse um den Hirntod sowie um die sogenannte

„non-heart-beating-donation“ (die Organspende

nach irreversiblem Herztod) war ein zweiter wichtiger

Teil der Arbeit. Bibeltheologische Aspekte, die

die christlich-theologische Komponente verdeutlichen

v.l.n.r.: Herbert Tiefenthaler (Fachinspektor), Josef

Rupprechter (Leiter des Katechetischen Amtes), Helene

Inama (Platz 2), Alterzbischof Alois Kothgasser, Katharina

Knaust (Platz 1) und Weihbischof Hansjörg Hofer

und Sterben und Tod im evangelischen sowie im katholischen

Kontext beleuchten, stellen einen weiteren

Schwerpunkt meiner Arbeit dar.

In einem eigenen Kapitel steht die gemeinsame Erklärung

der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates

der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema

Organspende im Fokus. Darüber hinaus habe ich mich

mit den Argumenten von katholischen und evangelischen

Theologen beschäftigt, die sich kontrovers zu

diesem komplexen Thema geäußert haben.

Die Arbeit an meiner Vorwissenschaftlichen Arbeit

hat mir die Möglichkeit gegeben, mir einen ersten Eindruck

von den komplexen ethischen Fragestellungen

zu verschaffen, mit welchen ich in meinem Medizinstudium

konfrontiert bin.

Der „Erzbischof Dr. Alois Kothgasser-Preis“ ...

... wurde erstmals im Jahr 2016 von der Erzdiözese

Salzburg vergeben. Mit dieser Ehrung werden sehr

gute Arbeiten aus dem Bereich des katholischen

Religionsunterrichts ausgezeichnet. Der Preis

wird für Vorwissenschaftliche Arbeiten (AHS) und

Diplomarbeiten (BHS) im katholischen Religionsunterricht

verliehen. Die Vergabe der diesjährigen

Preise wurde durch eine sechsköpfige Jury in Absprache

mit dem Namensgeber der Auszeichnung

entschieden.

DIE MALTESER 2/2018 63


TAGEBUCH

AUSZEICHNUNG

ANERKENNUNG FÜR

ROMA-INTEGRATION

Der Sonderbotschafter des Ordens für Roma-Fragen, Dr. Franz

Salm-Reifferscheidt-Raitz, erhielt im Beisein der höchsten

Vertreter der Ordensregierung im Rahmen einer Feier im ungarischen

Parlament das Kommandeurskreuz der Republik Ungarn

für seine erfolgreichen Verdienste im Bereich der Integration der

Roma im Karpatenbecken aus der Hand des ungarischen Vizekanzlers

Dr. Zsolt Semjén.

EINE (FAST) UNENDLICHE GESCHICHTE

Erinnern Sie sich noch an die SOS-Aufkleber – weißes Kreuz auf hellblauem Grund –, die vor mehr als 50 Jahren in

Umlauf gekommen sind? Hier eine aktuelle Anekdote dazu aus dem Jahr 2018.

Von Christoph Wellner

Anfang der 1960er Jahre hatte der

Jesuitenpater Johannes Leppich

die Idee, die Aufkleber mit der Inschrift

„SOS“ zu verbreiten. Das

Zeichen sollte signalisieren, dass

derjenige, der es mit sich führt, darum

bittet, dass in Todesgefahr ein katholischer Priester

als Beistand gerufen wird. Über einen Erlass des Bundesministeriums

für Inneres vom 22. April 1963, und wieder

verlautbart Anfang 1992, erhielt das SOS-Pickerl dann

sogar einen ganz „offiziellen“ Status. Irgendwann jedoch

gerieten die Aufkleber wieder in Vergessenheit – bis zum

April 2018. Da wurde ich eines Tages von einem Freund

gefragt: „Du arbeitest doch bei der Kirche? Kannst Du

mir bitte helfen – ich brauche ein SOS-Pickerl für mein

neues Auto.“

Kein Problem, denke ich. Habe ich doch diese Aufkleber

früher für meine Familie und mich immer am Stephansplatz

im Geschäft „Kunst & Kirche“ bekommen. Also

mache ich mich auf den Weg. „Ich hätte gerne ein SOS-

Pickerl für mein Auto.“ „Haben wir leider nicht mehr“,

ist die Antwort. Und sie fällt an zumindest fünf weiteren

Stellen, an denen ich nachfrage, genauso aus. Bis ich

mich plötzlich erinnere: Es gibt diese Aufkleber nicht

nur in hellbau-weiß, sondern auch in rot-weiß – mit dem

Malteserkreuz.

Die MALTESER helfen dort, wo Not ist ...

Als gelernter Wiener weiß ich, dass die MALTESER in der

Johannesgasse ihren Sitz haben. Dort werde ich freundlich

empfangen, stelle meine an diesem Tag schon oft gestellte

Frage und … bekomme zum ersten Mal ein „Ja!“

als Antwort. Ich jubiliere! Es dauert nur wenige Sekunden

und schon habe ich den rot-weißen Aufkleber in der Hand.

Zurück im Büro mache ich dann das, was jeder gemacht

hätte, der sich nicht so sicher gewesen ist, wie ich das war.

Ich habe „SOS Aufkleber“ in meine Suchmaschine eingetippt

und bin auf www.sos-action.at gestoßen. Dort kann

man die Aufkleber ganz bequem bestellen.

64

DIE MALTESER 2/2018


XXXX

WIR TRAUERN UM

=

+ 20. März 2018

Dr. Madeleine

Gräfin Trauttmansdorff

Haus Malta

+ 3. Mai 2018

Margarethe Salaba

Langjährige Betreute des MHDA

+ 3. April 2018

Marie-Thérèse Gräfin von

Waldburg zu Zeil und

Hohenems, geb. Gräfin

Nemes de Hidvég et

Oltszem

MHDA-Mitglied und

Sternkreuzordensdame

+ 27. Mai 2018

Gertrud Dagmar

Silberbauer, geb. Schütz

Magistraldame, langjährige

Mitarbeiterin im MHDA und

im MBD

+ 2. Juni 2018

Brigadegeneral

Dr. Pierpaolo Tempesta

Magistralritter

+ 8. Juni 2018

Sissy Mayerhoffer

Trägerin des Verdienstordens

„Pro merito melitensi“ für

ihre Leistungen im Rahmen

der Aktion „NACHBAR IN

NOT“

MALTESER

Friedhofsbegleitdienst

Die ehrenamtliche Friedhofsbegleitung richtet

sich (zunächst ausschließlich in Wien) an

ältere Menschen, die sich auf dem Weg

zum Friedhof unsicher fühlen und niemanden

haben, der sie begleitet.

Die MALTESER begleiten Sie ehrenamtlich

und kostenlos auf den Friedhof.

Wir holen Sie von zu Hause ab, begleiten Sie

auf den Friedhof, verweilen mit Ihnen am

Grab, sind beim Blumentausch und beim Kerzenanzünden

behilflich. Danach bringen wir

Sie wieder zurück nach Hause.

Tel. +43 664 11 88 180

info@friedhofsbegleitdienst.at

Weitere Informationen:

www.friedhofsbegleitdienst.at

Unsere Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich

und spenden ihre Zeit, um anderen Menschen

ein Stück Lebensalltag zu schenken. Mit

Ihrer Spende unterstützen Sie die ehrenamtlichen

Hilfsprojekte der MALTESER in Österreich.

MALTESER Hospitaldienst Austria

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

BIC: GIBAATWWXXX

Informationen über die MALTESER unter

www.malteser.at • www.malteserorden.at

DIE MALTESER 2/2018 65


TAGEBUCH

ÜBER DEN TOD HINAUS GUTES TUN

Im Vorjahr haben die Österreicher mit Testamentsspenden im Wert von rund 60 Millionen Euro verschiedenste gemeinnützige

Organisationen unterstützt. Dank dieser Vermächtnisse kann scheinbar Unmögliches möglich werden.

Um für diese Großzügigkeit symbolisch Danke zu sagen,

haben am 12. April 2018 insgesamt 78 Mitglieder-Organisationen

der „Initiative für das gute Testament“, darunter

die MALTESER, im Schlossgarten Schönbrunn in Erinnerung

an die Legatare Vergissmeinnicht gepflanzt. Als

Standort wurde das Familienmonument von Maria Karolina,

Tochter von Maria Theresia und Königin von Sizilien,

ausgewählt. Dieser Ort gilt insoferne als geschichtsträchtig,

als es Karolinas Wunsch war, dass rund um ihr Denkmal

vier Blumenbeete ausschließlich mit Rosen, Vergissmeinnicht

und der sogenannten Gedächtnisblume in

Erinnerung an vier ihrer Kinder gepflanzt werden sollten.

„Nach ihrem Tod geriet diese große Habsburgerin in Vergessenheit.

Umso mehr freut es mich, dass ihr und der

vielen Vermächtnisgeber, die mit ihrer Testamentsspende

Großes bewirken, mit der Pflanzaktion gedacht und ihnen

dadurch die Liebe, der Respekt, die Dankbarkeit und die

Anerkennung zu Teil werden, die sie verdienen“, so Kunsthistorikerin

Eva Maria Baumgartner.

Von Katharina Stögner

Vergissmeinnicht:

„Vergissmeinnicht – Die Initiative für das gute Testament“

vereint 78 österreichische gemeinnützige Organisationen.

Zusammen mit dem Träger der Initiative, dem

Fundraising Verband Austria, und Kooperationspartnern

wie der Österreichischen Notariatskammer, wollen sie die

österreichische Bevölkerung über die Möglichkeit informieren,

im Testament neben Angehörigen auch eine gemeinnützige

Organisation zu berücksichtigen. Dahinter

steht die gemeinsame Überzeugung, dass man mit einem

Vermächtnis für den gemeinnützigen Zweck über das

Leben hinaus Gutes tun kann.

Nähere Infos: www.vergissmeinnicht.at

Wussten Sie, dass ...

... Testamentsspenden immer beliebter werden? Rund

14 Prozent der Österreicher über 40 Jahre können es

sich laut Umfrage des market Instituts vorstellen, eine

gemeinnützige Organisation im Testament zu bedenken.

Im Jahr 2012 waren es vergleichsweise erst acht

Prozent.

... beim Thema Erben noch hoher Informationsbedarf

besteht? Nur 35 Prozent der Österreicher über 60 Jahre

haben ein Testament verfasst, und viel zu wenige

Menschen wissen, dass man neben Angehörigen auch

eine gemeinnützige Organisation in seinem Testament

bedenken kann.

66

DIE MALTESER 2/2018


TAGEBUCH

Termine 2018

JULI 2018

8–16 Burgundreise MHDA

21 Konzert Altenhof MHDA

OKTOBER 2018

8 Ausbildung-Informationsabend Tirol MHDA

20 Benefizlesung Georg Markus MBD/MHDA

AUGUST 2018

2-5 20. Wildwassercamp Wildalpen MHDA

3 Benefizball Salzburg SMRO

11–18 IMS London UK MHDA

25–26 Tiroler Sommerreise nach Bad Ischl MHDA

SEPTEMBER 2018

7-9 Sommerlager Podersdorf MHDA

14–16 Familienwallfahrt Admont SMRO

30 2. Kinderhilfelauf Amstetten MKH

NOVEMBER 2018

9 Benefizlesung Peter Matic ´

MHDA

17 Benefizgala Steiermark SMRO/MHDA

18–25 Pilgerfahrt ins Heilige Land SMRO/MHDA

DEZEMBER 2018

1–2 Punsch und Straßensammlung Halbturn MHDA

8 Benefizkonzert Ebergassing MHDA

8–9 Punsch und Straßensammlung Halbturn MHDA

15–16 Punsch und Straßensammlung Halbturn MHDA

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien

„Montag bei den Maltesern“ Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt, 12.00 Uhr

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Bogdan Norbert Bercal

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

Johannesgemeinschaft

Marie Czernin

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

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XXXXX

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

presse@malteser.at

www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78

zentrale@malteser.at

www.malteser.at

Österreichische Post AG

MZ 11Z038858M

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

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