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KonsumMarken 2018-01

Aktuelle Nachrichten aus der großen Konsum-Familie

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KonsumMarken

AKTUELLE NACHRICHTEN AUS DER GROSSEN KONSUMFAMILIE

AUSGABE 1/2018

Gemeinsam mit dem Zentralverband

deutscher Konsumgenossenschaften

in Hamburg

bereitet sich die Zentralkonsum

eG auf das Jubiläum zur

Gründung der weltweit ersten

modernen Genossenschaft

durch die Redlichen Pioniere

von Rochdale vor.

Das Ereignis jährt sich

im kommenden Jahr

zum 175. Mal. Als im

Jahre 1944 die genossenschaftliche

Welt das einhundertjährige

Jubiläum der Redlichen

Pioniere von Rochdale

feierte, konnten die deutschen

Genossenschafter nicht mitfeiern.

Zu diesem Zeitpunkt hatte

das Naziregime ihre einst so

stolze Organisation vollkommen

vereinnahmt. Umso wichtiger

ist es den Verantwortlichen von

ZdK und Zentralkonsum, diese

Blindstelle im historischen Gedächtnis

der deutschen Genossenschaften

zu tilgen.

Obwohl Rochdale in der einschlägigen

Literatur gemeinhin

als Wiege des Genossenschaftsgedankens

beschrieben wird,

gelten die Redlichen von Rochdale

nicht als Begründer der

genossenschaftlichen Idee. Vielmehr

kommt den armen Flanellwebern

aus der Industriestadt

Rochdale in der englischen Grafschaft

Lancashire das Verdienst

zu, die erste Konsumgenossenschaft

nach Grundsätzen aufgebaut

zu haben, die heute noch

die Grundprinzipien des Internationalen

Genossenschaftsbundes

darstellen. Die wichtigsten

Prinzipien sind: demokratische

Die Redlichen von Rochdale

175 JAHRE ROCHDALE

Grund zum Feiern

Herrschaft (democratic control),

offene Mitgliedschaft (open

membership), begrenzte Kapitalverzinsung

(fixed and limited

interest on capital) und Gewinnverteilung

abhängig vom Umsatz

(distribution of the surplus as dividend

on purchase).

1844 schlossen sich nach einem

erfolglosen Streik 28 Flanellweber

zusammen, um sich vom

Elend des Frühkapitalismus zu

befreien. Obschon sie der „Wolf“,

wie sie den Hunger nannten, peinigte,

darbten sie sich einen wöchentlichen

Betrag von je zwei

Batzen ab. Damit begründeten

Sie eine Konsumentenvereinigung

als Vorstufe einer neuen

Wirtschaftsordnung, einer

Gemeinwirtschaft und wurden

so zu Pionieren für den ganzen

Erdball.

KONSUM-GRUPPE IN ZAHLEN*

Mitglieder Einzelmitglieder EHU brutto sonst. beschäftigte Anzahl Läden VKF in qm

Umsatz Personen

in Mio. EUR davon Azubi Food Non-Food

konsumgenossenschaftliche

Mitglieder (KG‘en inkl. Töchter) 19 131.000 429 17 3.021 203 178 44 129.000

weitere Mitglieder 14 50.000 30 2.251 1. 443 101 133 46 16.000

Summe 33 181.000 469 2.268 4. 464 304 311 90 145.000

Positive Entwicklung setzt sich fort | Das Jahresergebnis 2017 beträgt nach Steuern 6,7 Millionen Euro und übertrifft damit wieder deutlich das

Ergebnis des Vorjahres. Die Eigenkapitalquote von 88,6 % zeugt von der soliden Substanz des Unternehmens. Die Mitgliedsunternehmen können auch in

diesem Jahr mit einer Verzinsung ihrer Einlagen in Höhe von 12 % rechnen. *Daten der Konsum-Gruppe per 31. 12. 2017

Für die Idee

begeistern

Die Idee ist nicht neu –

Schülerfirmen gab und gibt es

zahlreiche. Sie haben unterschiedliche

Geschäftsideen:

Vom Schülertheater oder

Schülercafé über Webdesign

bis hin zum Schülerreisebüro.

Nun ist die erste Schülergenossenschaft

des Genossenschaftsverband

– Verband

der Regionen e.V. in Sachsen

gegründet worden.

Die „Nachhaltige Schülergenossenschaft

LESSINGS

NOTENRETTER“ aus Plauen

organisiert Nachhilfeunterricht

von Schülern für

Schüler. Und dabei lernen sie

„nebenbei“, wie eine Genossenschaft

funktioniert, was die

Führung eines Unternehmens

beinhaltet und dass gemeinschaftliches

Handeln einen

Mehrwert für alle Beteiligten

generiert.

Wir haben die Patenschaft

für dieses Projekt übernommen

und begleiten die ersten

Schritte der jungen Leute

sowohl finanziell als auch im

unternehmerischen Handeln.

Wir sind überzeugt, durch

eigene Erfahrung können wir

die Jugendlichen für die Idee

der Genossenschaft begeistern.

Denn, um die aus dem letzten

Jahrhundert stammende Idee

der Genossenschaften endlich

modern zu interpretieren,

müssen wir in die Zukunft

schauen und dürfen nicht nur

unsere Vergangenheit feiern.

Ihr

Martin Bergner

Vorstandssprecher

Zentralkonsum eG


INTERVIEW

Ulrich Heiler

Vorstandschef der

Konsumgenossenschaft Erfurt eG

und Aufsichtsrat

der Zentralkonsum eG

Herr Heiler, Sie haben Anfang

Februar Ihren Fünfundsechzigsten

gefeiert. Ein Anlass, Bilanz zu ziehen.

Sind Sie zufrieden?

Ich verantworte die Geschicke der

Genossenschaft seit 1985 und bin vor

allem darauf stolz, dass es mir mit meinen

Kollegen gelungen ist, die Genossenschaft

und einiges Kapital in die Marktwirtschaft

hinüber zu retten.

Was haben Sie im Rückblick zur

Wende richtig gemacht?

Ich habe nach dem Mauerfall rasch nach

erfahrenen Geschäftspartnern im Westen

gesucht und bin dabei in Fulda auf den

Lebensmitteleinzelhändler tegut gestoßen,

mit dem wir noch vor der Währungsunion

eine 50:50-Partnerschaft eingegangen

sind. Ein Glücksgriff!

Was stand 1990 am Ufer der

Genossenschaft?

Die Genossenschaft besaß 400 Objekte im

Food-, Nonfood- und Gastronomiebereich,

machte 550 Millionen DDR-Mark Umsatz

und beschäftigte 3000 Mitarbeiter. Damit

waren wir nicht überlebensfähig.

Was mussten Sie tun?

Zügig privatisisieren und uns nach ständiger

Analyse der Wettbewerbslage von

Objekten und Geschäftsbereichen konsequent

trennen: zuerst von der Gastronomie,

dann vom Lebensmittelhandel und 2005

schließlich vom Nonfoodgeschäft.

Was ist heute das Geschäftsmodell

der Genossenschaft?

Ausschließlich der Kauf und Verkauf sowie

die Vermietung und Verpachtung von

Immobilien.

Herr Heiler, was müssen Sie noch erledigen,

bevor Sie in den wohlverdienten

Ruhestand gehen können?

Geeignete Nachfolger finden, die genossenschaftlich

denken und kreativ die Zukunft

der Genossenschaft sichern.

In Erlau, im hügeligen

Erzgebirgsvorland zwischen

Mittweida und Rochlitz gelegen,

thront unübersehbar

eine der flächenmäßig größten

Agrargenossenschaften in

Sachsen – die Agraset-Agrargenossenschaft

eG Naundorf –

1991 entstanden durch den

Zusammenschluss von fünf

ehemaligen LPG.

S

eit 17 Jahren steuert Vorstandschef

Jan Gumpert

mit seiner Mannschaft

die Geschicke der Genossenschaft.

Sie funktioniert von Anfang

an wie ein klassischer Bauernhof,

mit 5200 Hektar Acker- und

Weideland, nur eben etwas größer.

Das Portfolio umfasst Pflanzenund

Tierproduktion sowie Lagerung

und Vertrieb.

Damit ist die Agraset in der Lage,

ihren Kunden, gemeinsam mit

diversen Tochtergesellschaften

und Partnerunternehmen, eine

breite Palette von Produkten und

Dienstleistungen anzubieten. Den

Löwenanteil am Jahresumsatz

von 12 bis 15 Millionen Euro, je

nach aktuellen Preisen, bestreiten

Getreide und Milch.

Die Milch ist nach wie vor einer

der beiden größten Umsatzbringer

der Genossenschaft, trotz

Einbruch des Marktpreises am

Beginn dieses Jahrzehnts. Damals,

im Jahr 2012, trafen Gumpert

und seine Vorstandskollegen

eine riskante unternehmerische

Entscheidung: an der Milch gegen

den Trend festzuhalten und für

eine profitablere Erzeugung in

der Zukunft vorzusorgen.

Das Ergebnis kann sich sehen

lassen und versetzt den Besucher

in Erlau im Angesicht eines

XXL-großen Stallneubaus für 816

Milchkühe mit angeschlossenem

vollautomatischen Melkkarusell

in Erstaunen. Ein millionenschweres

Investment, mit dem

RENNSTEIGWANDERUNG n Die erste

Etappe des Rennsteiges von Hörschel nach Ruhla

haben die Teilnehmer unserer diesjährigen Konsum

Wanderung mit Bravour gemeistert. Bestes sommerliches

Wetter, weite Rundblicke und viele angeregte

Gespräche waren die Wegbegleiter. Im nächsten

Jahr kommt die nächste Etappe dran. Gut Runst!

Agraset-Chef Jan Gumpert

Digitalisierung im Auge

Verwaltungssitz der

Agrargenossenschaft

Agraset in Erlau

KINDERFREIZEIT n Zum wiederholten

Mal erlebte eine Schulklasse der Landesschule

für Blinde und Sehbehinderte in Chemnitz auf

Einladung von Zentralkonsum und Berghotel im

bekannten Wintersport kurort Oberhof besondere

Tage. Unter professioneller Anleitung standen die

Kinder zum ersten Mal auf Langlaufbrettern.

Der Anbau von Getreide und die

Produktion von Milch sind die Umsatzbringer

der Genossenschaft.

es der Agrargenossenschaft gelingen

soll, den Preisverfall der

Milch zu kompensieren.

Jan Gumpert, in diversen regionalen

und überregionalen Gremien

als erfahrener Praktiker

engagiert und geschätzt, hat die

Digitalisierung nicht nur im Stall,

sondern perspektivisch auch auf

dem Feld im Auge. Stichwort

Spotfarming. Nicht als Selbstzweck,

sondern um auch in der

Pflanzenproduktion die Wirtschaftlichkeit

weiter verbessern

zu können – mit vergleichbarem

Produktivitätsgewinn, wie das

zum Beispiel durch die Umgestaltung

der Fruchtfolgen gelungen

ist. Damit konnte innerhalb der

letzten 15 Jahre durch die Verdoppelung

der Erträge die Anbaufläche

für Kartoffeln halbiert

werden und die Ackerfläche wurde

frei für andere Kulturen.

Dass es in der Agraset ständig

vorwärts geht, spüren die circa

140 Mitarbeiter ebenso wie die

verbliebenen 330 Mitglieder sowie

die Pächter von Grund und

Boden – die genossenschaftliche

Dreieinigkeit. Die Entlohnung für

die Mitarbeiter wird seit 16 Jahren

regelmäßig durch eine Lohnerhöhung

angepasst. Gleichermaßen

profitieren die Genossenschaftsmitglieder,

vielfach die Kinder

und Enkel verstorbener Genossenschaftsmitglieder,

von der

Verzinsung ihrer ererbten Genossenschaftsanteile

und die Pächter

von der Pacht.

Und nicht zuletzt das Vereinsleben

umliegender Gemeinden, mit

denen sich Agraset traditionell

eng verbunden fühlt und deren

Bewohner am „Tag des offenen

Hofes“ willkommen geheißen

werden.

PERSONALIEN n Die Vertreterversammlungen der Konsumgenossenschaften

in Weimar und Dresden beriefen Christian Bachera

(59) mit sofortiger Wirkung und Sören Goldmann (39) ab 1. Juli 2019 in

die Vorstandsetagen der Unternehmen in Weimar und Dresden.

PRESSESPIEGEL

200 Jahre Raiffeisen

Im Feuilleton der »taz – die tageszeitung« vom 12. April 2018

setzt sich Autor Jan Jekal mit dem Sozialreformer

Friedrich Wilhelm Raiffeisen auseinander. Ein Auszug

Der Geburtstag des

Sozialreformers

Friedrich Wilhelm

Raiffeisen, eines Pioniers

des genossenschaftlichen

Organisationsmodells, jährte

sich diesen März zum 200. Mal.

Die Würdigungen, die aus diesem

Anlass geschrieben wurden,

malten das Bild eines selbstlosen

Wohltäters, der in Sachen

barmherziger Philanthropie

selbst Jesus Christus in die Tasche

stecken würde. Vor allem

Publikationen aus dem Südwesten

Deutschlands übten sich

in scheinbar lokalpatriotisch

motivierten Lobhudeleien. Das

Buch „Raiffeisen: Anfang und

Ende“ von Wilhelm Kaltenborn,

seit 2002 Aufsichtsratvorsitzender

der Zentralkonsum eG, setzt

diesen unkritischen Auseinandersetzungen

nun allerhand Abgründe

entgegen.

Buch als Korrektiv

Anlass seiner Arbeit, so beginnt

Kaltenborn gleich, sei die „mit

Sicherheit zu erwartende Verklärung“,

der der Genossenschaftler

Raiffeisen nun, zum

Gedenken an seinen 200. Geburtstag,

ausgesetzt sein werde.

Er sei sich sicher, so Kaltenborn

weiter, dass Raiffeisens

fanatischer Antisemitismus in

den Würdigungen keine Erwähnung

finden werde. Sein

Buch ist also als Korrektiv gedacht,

als notwendiges Geraderücken

einer schiefen Perspektive.

Raiffeisens Judenhass,

im christlichen Fundamentalismus

begründet, war nämlich

durchaus sinnstiftend für das

genossenschaftliche Modell, das

er als Bürgermeister von rheinland-pfälzischen

Kleinstädten

Mitte des 19. Jahrhunderts

implementierte. Er fantasierte

vom jüdischen Wucherkapitalisten,

der die arme christliche

Bauernschaft in prekäre

Verhältnisse zwinge und setzte

dieser Fiktion sein Ideal vom

gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb

in genossenschaftlicher

Solidarität entgegen. Die Genossenschaft

verstand er darüber

hinaus als Maßnahme

zur christlichen Erziehung. Der

Glaube war wiederum wirksames

Gegengift zu der von ihm

so gehassten Sozialdemokratie.

Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen

*30. 3. 1818 † 11. 3. 1888

Den unteren Volksklassen, sagte

er, dürfe man „die Hoffnung auf

ein besseres Jenseits nicht nehmen

[…], weil sie sonst ihr hartes

Schicksal nicht mehr ruhig

ertragen und der Umsturzpartei

in die Arme getrieben würden“.

Einen Umsturz nämlich

wollte er unbedingt vermeiden;

von der Gunst der preußischen

Machtelite, das zeigt Kaltenborn

auch, war Raiffeisens Sache

direkt abhängig. Die deutsche

Geschichtsschreibung hat diese

wenig rühmlichen Beweggründe

bisher entweder ignoriert

oder verharmlost und sich lieber

auf die Aspekte berufen, die

zur Heldenerzählung taugen.

Ein „Kind seiner Zeit“

Im Tonfall seriöser, im Grunde

aber nicht minder unkritisch

schrieb der Historiker Michael

Klein Mitte der neunziger Jahre

in seiner Dissertation (so

ähnlich steht es noch immer

auf Wikipedia), Raiffeisen sei,

was Judenhass angehe, „leider

ein Kind seiner Zeit“ gewesen.

Er fügt hinzu, dass Raiffeisen

stets bemüht gewesen sei seine

Ressentiments wissenschaftlich

zu fundieren. Die aktuellen

„Weltverbesserer vom Westerwald“-Schwärmereien

legen

nahe, dass die öffentliche Meinung

zu Raiffeisen nicht differenzierter

geworden ist. Es

soll ja nicht darum gehen, das

genossenschaftliche Modell

als solches zu diskreditieren

oder Raiffeisens unbestreitbare

Verdienste als Sozialreformer

kleinzureden. Dennoch ist

mit geschichtsrevisionistischen

Lobhudeleien niemandem gedient.

Einen Antisemiten muss

man einen solchen nennen.

FOTO: AKG-IMAGES


Konstruktiver Briefwechsel

Mit der Zwangsmitgliedschaft von Genossenschaften in genossenschaftlichen Prüfverbänden hält der Staat

an der Regelung nationalsozialistischer Gesetzgebung von 1934 mit geringfügigen Korrekturen bis heute fest. Darüber

mit Vertretern der GroKo ins Gespräch zu kommen, erwies sich für Martin Bergner, Vorstandssprecher der

Zentralkonsum eG, bisher als vergebliche Liebesmüh. Mehr Erfolg hatte er mit Dietmar Bartsch, dem Vorsitzenden

der Fraktion DIE LINKE. Der Briefwechsel mit Bartsch wird die Diskussion beleben.

Sehr geehrter Herr Bergner,

Ihre Briefe haben mich erreicht.

Ich habe mich inzwischen in die Lektüre

der Broschüre von Wilhelm Kaltenborn

und in die Korrespondenz mit

meiner Fraktion und Partei bzgl. der

Wahlprüfsteine vertieft. Offenbar finden

zumindest Teile der Genossenschaftslandschaft

die Zwangsmitgliedschaft

in den Prüfverbänden falsch.

Dabei gibt es Dinge, die ich verstehe,

aber es bleiben auch einige Fragen

für mich offen. Klar ist mir, dass

es eine erhebliche Differenz gibt zwischen

den Gründungsideen der Genossenschaftsbewegung

um Schulze-Delitzsch

und anderen unser heutigen

Praxis, die durch Zwangsmitgliedschaften

in Prüfverbänden gekennzeichnet

ist. Um nocheinmal den Kern zu benennen:

Die Idee der Staatsferne der Genossenschaftsbewegung

ist mit dem

Sozialliberalismus von Schulze-Delitzsch

eng verbunden, der den autoritären

Staat von den Genossenschaften

fernhalten wollte und daher das solidarische

Prinzip von Hilfe zur Selbsthilfe

betonte. Auch wenn die Novellierungen

des Genossenschaftsrechts schon vor

der Nazizeit die Autonomie der Genossenschaften

einschränkten, war

die eigentliche historische Zäsur der

Nationalsozialismus und seine Gleichstellungspolitik.

Was mir bisher nicht

so bekannt war: Auch nach dem Faschismus

wurde der Anschlusszwang

gerechtfertigt, mit zum Teil fragwürdigen

oder falschen angeblich historischen

Tatsachen (Bewältigung der

Weltwirtschaftskrise, Wille der Genossenschaften

zur Pflichtmitgliedschaft

in Prüfverbänden). Eine Frage hätte

ich: Schulze-Delitzsch wollte den wilhelminischen

Staat fernhalten. Heute

haben wir aber keinen wilhelminischem

Staat, sondern eine Demokratie. Und

bezogen auf die NS-Herkunft des Prüfungszwangs:

Wir leben nicht in einem

faschistischen Staat ,,die Zwecke der

Nazis, Einbindung in eine “nationalsozialistische

Wirtschaftsordnung“ können

daher trivialerweise nicht realisiert

werden. Wo also besteht aus heutiger,

nicht aus historischer Sicht das Problem?

Das würde mich wirklich interessieren,

weshalb ich einen Dialog für

richtig halte.

Wir geben hier den

Briefwechsel zwischen

Dietmar Bartsch (Spalten

links) und Martin Bergner

(Spalten rechts)

im Wortlaut wieder.

SCHÜLERGENOSSENSCHAFT n

Der Zentralkonsum eG hat im März einen fünfjährigen

Partnerschaftsvertrag mit der nachhaltigen Schülergenossenschaft

„Lessings Notenretter“ abgeschlossen.

Schüler des Plauener Lessing-Gymnasiums erteilen jüngeren

Schülern Nachhilfeunterricht und üben sich dabei

in der Umsetzung genossenschaftlicher Prinzipien.

RATGEBER RECHT

Andere Tätigkeit oder Arbeitsbedingungen –

Muss ein Änderungsvertrag abgeschlossen werden?

Es entspricht dem Interesse

des Arbeitgebers (AG), die Arbeitsbedingungen

einfach ändern

zu können. Daher sollte der

Arbeitsvertrag nur die Punkte

verbindlich regeln, bei denen

dies nach dem Gesetz, Tarifverträgen

und Betriebsvereinbarungen

oder im Interesse des

Arbeitgebers erforderlich ist.

Geänderte Arbeitsbedingungen

sollten im Rahmen des Zulässigen

einseitig schriftlich dem

Arbeitnehmer (AN) mitgeteilt

werden. Damit wird vermieden,

dass bei Änderungen gegen den

Willen des AN eine Änderungskündigung

auszusprechen ist.

Denn dies würde dem AN ermöglichen,

über eine Kündigungsschutzklage

eine Abfindung

erreichen zu können. Ist

z. B. im Arbeitsvertrag die Position

eines „Marktleiters“ vereinbart,

so muss der AG, wenn

aufgrund einer Schließung des

Geschäftes diese Funktion entfällt,

eine Änderungskündigung

aussprechen, um den AN

als Verkäufer weiterbeschäftigen

zu können. Enthält aber

der Arbeitsvertrag nur die Festlegung

„(Fach-)Verkäuferin“, so

kann die Position „Filialleiterin“

mit dem Weisungsrecht des AG

(§ 106 GewerbeO) zugewiesen,

aber auch wieder entzogen werden.

Nur durch die andere Tätigkeit

ergibt sich von selbst die

andere tarifvertragliche Eingruppierung

in eine höhere Entgeltgruppe

als Marktleiter statt

Verkäufer. Bei Zuweisung einer

einfacheren Tätigkeit ergibt

sich aber ebenfalls ab sofort eine

niedrigere Eingruppierung

mit geringerem Entgelt.

RA Ulrich

Northoff,

Hauptgeschäftsführer

der KONSUM-

Tarifgemeinschaft

e.V. , Arbeitgeberverband

für die

Konsumgenossenschaften

und andere

Unternehmen

Sehr geehrter Herr Dr. Bartsch,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort

zum Thema Zwangsmitgliedschaft.

Ihre abschließende Fragestellung zum

Verhältnis Staat – Genossenschaften

finde ich in dieser Hinsicht interessant.

Grundsätzlich ist das aber in der Gegenwart

nicht das Problem. Dies war

es aber ganz gewiss in der historischen

Einordnung 1934. Heute stellt sich die

Frage zum Verhältnis Genossenschaft

– Staat nicht, der Staat muss und soll

sich nicht ,,kümmern“ und will sich sicher

auch nicht kümmern. Genossenschaften

unterliegen marktwirtschaftlichen

Grundsätzen und Bedingungen.

Dazu gehören Verantwortung sowie

Selbstbestimmung. Und letztere

wird nun einmal durch die Zwangsmitgliedschaft

in genossenschaftlichen

Prüfverbänden eingeschränkt. Auch

schützt die Zwangsmitgliedschaft

nicht vor unternehmerischen Fehlentscheidungen.

Genossenschaftliche Unternehmen

sind qualitativ weder besser

noch schlechter aufgestellt als Unternehmen

in einer anderen Rechtsform.

Und dass sie Krisen in der Vergangenheit

– wie auch Sie festgestellt haben

– besser bewältigt haben als andere

Rechtsformen und dies auch heute

außerhalb Deutschlands ohne Zwangsmitgliedschaft,

unterstreicht das. Entscheidend

ist es aber, dass der Staat

mit seinem Festhalten an nationalsozialistischer

Gesetzgebung – als einziges

Land weltweit – dazu beiträgt, die Freiheit

und die Wettbewerbsfähigkeit der

Genossenschaften einzuschränken.

Wenn die Zwangsmitgliedschaft so segensreich

ist, warum wird sie dann nicht

auch für andere Rechtsformen eingeführt

bzw. auf diese ausgeweitet? Dabei

geht es mir nicht um die Abschaffung

der Pflichtprüfung sondern um

die freie Wahl des Pflichtprüfers. Ohne

Zwangsbeiträge und überzogene Prüfungsgebühren.

Den Verbänden geht

es nicht um das „Wohl“ der Genossenschaften

sondern um die Bewahrung

von braunen Erbhöfen, einen wettbewerbsfreien

Raum und die eigene Finanzierung.

Der bis 2017 größte Genossenschaftsverband

mit Sitz in Neu

Isenburg wies nahezu 50% der Bilanzsumme

von ca. 230 Mio. Euro als Pensionsrückstellungen

aus. Mittlerweile

hat der Verband fusioniert und firmiert

als Genossenschaftsverband-Verband

der Regionen e.V. Wie Sie beiliegenden

Übersichten entnehmen können, bildet

sich eine Monopolstruktur heraus, die

selbst das – durch die mit zwei Jahren

Kündigungsfrist dem Vereinsrecht widersprechende

– Wahlrecht der Genossenschften

auf ein Minimum reduziert.

Es wird höchste Zeit, dieses nationalsozialistische,

wettbewerbseinschränkende

Relikt aus der deutschen Gesetzgebung

zu streichen.

RATGEBER LOHN

Maik Richter (Schulleiter),

Sarah Feistel (Vorstandsvorsitzende

der Schülergenossenschaft)

und

Carola Pauly (Zentralkonsum

eG) bei der Vertragsunterzeichnung

(v.r.n.l.).

Am 25. Mai 2018 tritt die Datenschutzgrundverordnung

(DS-GVO) europaweit in Kraft – Was man wissen muss

Diese Verordnung ergänzt das

Bundesdatenschutzgesetz-Neu

und gilt für alle Unternehmen. In

Artikel 5 sind die Grundsätze für

die Verarbeitung personenbezogener

Daten festgelegt: Rechtmäßigkeit,

Verarbeitung nach

Treu und Glauben, Transparenz,

Zweckbindung, Datenminimierung,

Richtigkeit, Speicherbegrenzung,

Integrität und Vertraulichkeit

und Rechenschaftspflicht.

Die Grundsätze sind für uns Leitlinie

und Anspruch, wir verarbeiten

Ihre Daten sorgfältig und für

Dritte unzugänglich, die Daten

werden in einem externen Rechenzentrum

gespeichert und gesichert.

Es haben nur Mitarbeiter

der KPSA Zugang zu den Daten.

Wir überprüfen unsere Arbeitsabläufe

regelmäßig, um uns für Sie

zu verbessern. Ein konkretes Beispiel:

Datenminimierung und Datensparsamkeit

beinhalten, dass

nur die Daten erhoben, verarbeitet

und archiviert werden, die für

Ihre Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung

notwendig sind. Dies bedeutet,

dass nur für die Abrechnung

zwingend notwendige Daten, wie

z. B. Name des Arbeitnehmers,

Steueridentifikationsnummer, Sozialversicherungsnummer,

Geburtsdatum,

Lohnsumme, Urlaubstage

sowie Beginn und Ende

einer Krankheit, erhoben werden.

Alle entsprechenden, dazugehörigen

Nachweise und Schriftstücke

(z. B. Arbeitsverträge,

Sondervereinbarungen, Kitarechnungen,

Leasing-Verträge für Firmen-PKW)

benötigen wir als

Lohnabrechner nicht, diese Dokumente

sind beim Arbeitgeber

bzw. in dessen Personalabteilung

datenschutzkonform aufzubewahren.

Birgit Gertz,

Geschäftsführerin

der KPSA-KONSUM-

Personalserviceund

-abrechnungsgesellschaft

mbH

In dieser kritischen Schrift

setzt sich Autor Wilhelm

Kaltenborn anlässlich

des 200. Geburtstages

von Friedrich Wilhelm

Raiffeisen mit den verschwiegenen

Seiten seines

Weltbildes auseinander.

Herr Kaltenborn, was hat Sie

bewogen, in der allgemein

bekannten Biographie Raiffeisens

tiefer zu bohren und neue

Fakten auf den Tisch zu legen?

Die Tatsache, dass die Bannerträger

Raiffeisens seit siebzig

Jahren die vermeintliche Ikone

des deutschen Genossenschaftswesens

verklären und

zum Beispiel seine antisemitische

Neigung verschweigen.

Besteht Grund zu Optimismus,

dass Sie mit Ihrer Schrift ein

Umdenken bei den Genossenschaftsverbänden

bewirken

können?

Langfristig vielleicht, gegenwärtig

erkenne ich in den Verbänden

keinen erkennbaren

Ehrgeiz, Leben und Werk

Raiffeisens neu zu bewerten.

Mir scheint, dass Raiffeisen

inzwischen zur Marke ohne

Inhalt mutiert ist.

Wilhelm Kaltenborn

Raiffeisen – Anfang und Ende

Zentralkonsum eG/Books on Demand

31. Mai

Sommerliche

Bootsfahrt

Berlin

TERMINE 2018

22. August

Seminar Lohnabrechnung

(Ort n.n.)

28./29. August

Seminar: Rund um

die Immobilie

Dorotheenhof Weimar

26./27. November

Seminar Jahresabschluss

Berghotel Oberhof

Herausgeber: Zentralkonsum eG

Neue Grünstr. 18, 10179 Berlin

Tel. (030) 275 84 -111

www. zentralkonsum. de

Redaktion: George media (0152–341 724 88)

Gestaltung: Siegmar Förster

Druck: Laser-Line Berlin

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