Gemeindebrief Fruehjahr Sommer2018

kibezmuehlacker

Andacht

Claus Kleber und der Heilige Franziskus

Vor einiger Zeit hat Claus Kleber im heute-journal einen Satz

gesagt, der mir nachgegangen ist: „36 Prozent aller Säugetiere

auf unserer Erde sind Menschen, weitere 60 Prozent sind

Nutztiere, also Schweine, Rinder, Schafe usw. und lediglich 4

Prozent aller Säugetiere sind wild lebende Tiere. Ein schlagender

Beweis dafür, dass sich der Mensch die Schöpfung

untertan gemacht hat.“

Es gibt zahlreiche Erzählungen

in Franziskus‘

Biografien, die von

seiner besonderen

Auffassung von der

Natur berichten. Er

befreit gefangene Tiere,

liest Würmer vom

Etwa zur selben Zeit wurde ich durch einen Freund an Franziskus

– den Originalen – erinnert. Mein Freund war mehrere

Wochen zu Fuß auf den Spuren des Heiligen durch Italien

unterwegs.

Weg auf, sorgt im Winter

für Bienen und verbietet, Bäume an den Wurzeln abzuhacken,

damit sie wieder ausschlagen können. Wie weit sein

Verständnis der Partnerschaft von Mensch und Kosmos geht,

erkennt man besonders in seinem berühmten Sonnengesang,

in dem er Gott auch für die Schwester Erde, den Bruder

Franziskus ließ für die nächtliche Messe am Weihnachtstag

1223 in der Nähe der Stadt Greccio in Mittelitalien im Freien

einen Altar aufbauen. Er platzierte dort eine Krippe und daneben

ließ er einen lebenden Ochsen und einen lebenden

Esel stellen. Im Schein von Fackeln wurde dann die Messe

gefeiert, bei der Franziskus über das Kind von Bethlehem

predigte. Mit der Teilnahme von lebenden Tieren an einer

Messe – was nicht erlaubt war – unterstrich der Performancekünstler

Franziskus, dass es bei der Inkarnation Christi

auch um die Erlösung und das Heil der nichtmenschlichen

Kreaturen geht.

Wind, die Schwester Wasser, den Bruder Feuer und sogar für

den Bruder Tod dankt. Franziskus hat Tiere, Pflanzen, Sonne,

Mond, Erde, Feuer, Wasser, Luft für beseelte Wesen gehalten,

deswegen konnte er sie zum Lob Gottes aufrufen, deswegen

konnte er den Vögeln predigen, deswegen konnte er

alle Geschöpfe als Geschwister ansehen und sie als solche

anreden. Man sieht, die Ehrfurcht vor der Natur hat bei ihm

nichts mit Schwärmerei und Überschwänglichkeit in romantischem

oder modernem Verständnis zu tun, sondern sie entspringt

viel mehr seiner Überzeugung, dass das Zeitliche, die

sichtbare Materie unmittelbar mit dem Ewigen zu tun hat.

Mit anderen Worten: dass das Leben aller Kreatur im Leben

Für Franziskus ist das von Gott verheißene Heil keineswegs

Gottes seinen Ursprung hat.

nur für die Menschen reserviert. Der zentrale Kern seiner

Botschaft ist, dass Gott, der alle Wesen geschaffen hat, sie

auch alle zur Erlösung und zum endgültigen Heil bestimmt

hat.

2

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine