RDT 2/2006 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

bmt.tierschutz.de

RDT 2/2006 - Bund gegen Missbrauch der Tiere ev

Nr. Nr.

2 Juli 2006

DAS RECHT DER TIERE

PRESSEKONFERENZ MIT PROMINENTEN

bmt stellt

neues Infomaterial für

Grundschulen vor

UNGARN

WDR-MEHRTEILER

ÜBER TIERSCHUTZ-

ARBEIT DES bmt

SKANDAL

"LEGALE" JAGD

AUF HUNDE

UND KATZEN

VERSUCHSHUNDE

RECHT AUF LEBEN

BUND GEGEN MISSBRAUCH DER TIERE E.V.


Das Recht der Tiere 2/2006

2

I NHALT

INHALT

Inhaltsverzeichnis / Impressum 2

EDITORIAL 3

TITELTHEMA 4

Pressekonferenz in Köln - bmt präsentiert Infomaterial für

Grundschulen und stellt neuen Tierschutzlehrer vor

TIERSCHUTZPOLITIK 8

Muss Deutschland verbotenen Tierversuch wieder einführen?

VERFEHLTE AGRARPOLITIK 10

Käfigverbot wieder aufgehoben

Jungtiere in Gefahr: Mähverbot verkürzt

AUSLANDSTIERSCHUTZ 12

Für "Tiere suchen ein Zuhause" dreht WDR in Ungarn

und im Tierheim Köln-Dellbrück

Rumänien: Zirkusbärin befreit 16

PHYSIOTHERAPIE FÜR TIERE 17

"Schmerzen lindern kann man immer" - Interview mit

Hundephysiotherapeutin Christina Metzger

RECHT AUF LEBEN 20

Drei glückliche Jahre für Versuchshund Henry

GESCHÄFTSSTELLEN

TZ Pfullingen Rita braucht einen Rollwagen 22

TH Arche Noah Hundequarantäne eingeweiht 23

TH Köln/Dellbrück Es gibt keine “schwierigen” Hunde 24

KH Luttertal Dringende OP für Timo 26

TH Elisabethenhof Neuigkeiten aus Hessen 28

Franziskus Tierheim So entstand der Flohmarkt 29

LV Berlin Glückliche Lösung für Paul 30

LV Bayern Dentist behandelt bmt-Pferde 31

TH Wau-Mau-Insel Wo Hundesenioren auf Sie warten 32

ANSCHRIFTEN / Internetadressen der Geschäftsstellen 34

DAS LETZTE 35

Skandal: Jäger erschießt Katze

Beitrittserklärung 36

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 2/2006

Mitgliederzeitschrift des „Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.“

Redaktion:

Claudia Lotz, Dr. Jörg Styrie, Mike Ruckelshaus, Hans Schroer

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm

Anzeigen: Willy Passmann, 44879 Bochum, Tel.: 0234-49 42 84

Artgerchte Offenstallhaltung

Stephan Everling aus Köln

Der neue bmt-Tierschutzlehrer

Dreharbeiten

Claudia Ludwig mit bmt in Ungarn

Verfehlte Agrarpolitik

Käfigverbot gekippt!

Training im Wasserbad

Physiotherapie für Hunde

Druck: Brendow PrintMedien, Moers;

Titelbild: “Hund im Tierheim von Pecs”; Foto: Petra Zipp

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 38.500 Exemplare


mt UNTER NEUER LEITUNG

Erstmals begrüße ich Sie an dieser Stelle als Vorsitzender unseres Bundes. Am 18. Juni wurde ich von

der Vollversammlung in dieses neue Amt gewählt. Die Wahl war notwendig geworden, da unsere

bisherige Vorsitzende, Jutta Breitwieser, ihr Amt mit Wirkung zum 15. März aufgegeben hatte. Ich

bedanke mich an dieser Stelle nochmals für das Vertrauen, das mir von den Mitgliedern so

überwältigend entgegengebracht wurde.

Die Vorstandsarbeit ist für mich nicht neu. Seit 2001 durfte ich die Geschicke des Vereins als 2.

Vorsitzender mitgestalten. Ich habe in den letzten zehn Jahren in der politischen und praktischen

Tierschutzarbeit des bmt Erfahrungen gesammelt, die mir als neuer Vorsitzender nun zugute kommen.

Ich freue mich auf diese Aufgabe und versichere Ihnen, dass ich mein Wissen, meine Kraft und meine

Überzeugung für den Verband und sein oberstes Ziel, Tieren bessere Lebensbedingungen zu

ermöglichen, einsetzen werde. Natürlich schaffe ich das nicht ohne Sie: Nur gemeinsam können wir die

Aufgaben bewältigen, die wir uns vorgenommen haben. Ohne Ihre Hilfe, Ihren Rückhalt, Ihre

Unterstützung geht es nicht.

Die Mitgliederversammlung votierte am 18. Juni fast einstimmig für Petra Zipp als meine Stellvertreterin.

Darüber bin ich sehr glücklich, denn Petra Zipp ist eine der erfahrensten Tierschützerinnen des bmt. Seit

29 Jahren im Verband war sie maßgeblich am Aufbau des Tierheims Elisabethenhof beteiligt und hat

im Februar 2006 im Interesse des bmt eine neue Verantwortung in Pfullingen übernommen. Dort leitet

Petra Zipp das Tierheim des Tierschutzzentrums und koordiniert weiter den Auslandstierschutz. Mit

ihrem umfassenden Wissen im praktischen Tierschutz ist sie mir eine große Hilfe bei der Leitung des

Vereins. In besonderer Weise ergänzen sich unsere Kenntnisse und Fähigkeiten. Ich bin froh, sie an

meiner Seite zu wissen.

Karin Stumpf (Schriftführerin) und Hans Hoffsümmer (Schatzmeister) wurden bereits im letzten Jahr mit

großer Mehrheit im Amt bestätigt. Beide haben mich in den vergangenen Monaten, als ich die

kommissarische Leitung des bmt übernommen hatte, mit sehr viel persönlichem Engagement

unterstützt. Dafür möchte ich ihnen an dieser Stelle noch einmal danken und betonen, wie sehr ich mich

auf unsere wichtige Arbeit freue.

Wir werden den Verband gemeinsam und mit Ihrer Hilfe in die Zukunft führen und gleichzeitig unsere

bewährten Projekte kontinuierlich fortsetzen. Im Namen aller Vorstandsmitglieder bitte ich Sie dabei um

Ihr Vertrauen. Für das Wohl der Tiere, die uns allen am Herzen liegen.

In tierschützerischer Verbundenheit

Ihr

Dr. Jörg Styrie

E DITORIAL

Dr. Jörg Styrie Petra Zipp Hans Hoffsümmer Karin Stumpf

VERANTWORTUNGSVOLL IN DIE ZUKUNFT

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

4

T ITELTHEMA

18. Mai, Köln-Dellbrück: Vor den Toren

des Tierheims ist ein großes Zelt

mit Bühne, Klavier, Stehtischen und

Infostand aufgebaut. Blickpunkt sind

die gerahmten Bilder an den Zeltwänden;

die Szenen stammen aus

dem Infomaterial für Grundschüler,

das der bmt heute erstmalig Schulen,

Lehrkräften, Presse und Öffentlichkeit

präsentiert. Der Verband stellt

auch Buchautor Stephan Everling vor,

der als neuer Tierschutzlehrer des

bmt Schulen in Köln und Umgebung

besuchen wird (siehe Seite 6).

Um ihre Unterstützung für das ambitionierte

Projekt "Tierschutz im

Unterricht" zum Ausdruck zu bringen,

haben die beliebte Schauspielerin

Susanne Uhlen und die Moderatorin

Diana Eichhorn (Haustiermagazin

Hundkatzemaus, Vox) und Astrologin

Antonia Langsdorf (Astroshow, RTL)

ihr Kommen angekündigt. Mit ihren

geschulten Stimmen wollen die drei

Frauen aus dem Tierschutzmaterial

für Kinder lesen.

Als Susanne Uhlen die Geschichte von

Mogul vorträgt, wird es ganz still im

Zelt. Ein kleiner Elefant wird in Indien

gefangen und an einen deutschen Zirkus

verkauft. Das jämmerliche Trompeten

seiner zurück bleibenden Mutter

noch im Ohr, lernt der junge Mogul ein

Leben kennen, das unwürdiger kaum

sein könnte: Unglücklich fristet er sein

Leben zwischen Kettenhaltung, Kälte,

Einsamkeit und erzwungenen Kunststücken,

immer umgeben von anderen

Wildtieren, die wie der Elefant für ein

Leben in Freiheit geschaffen wurden…

"Ich wollte unbedingt aus dem Zirkusblatt

lesen", sagt die ausdrucksstarke

Schauspielerin.

Susanne Uhlen unterstützt das Tierschutzprojekt

Tierschutzunter

bmt stellt Infomaterial für

Pressekonferenz mit

Künstlerin Maf Räderscheidt

"Das Schicksal der Zirkustiere geht mir

zu Herzen, und ich glaube, dass die

wenigsten Menschen sich überhaupt

nur ansatzweise vorstellen können, wie

sehr Wildtiere unter der artfremden

Haltung im Zirkus leiden."


icht

Grundschulen und neuen Tierschutzlehrer vor

Prominenten in Köln

TS-Lehrerin Renate Domaschke

"Sie haben die Tränen mitgelesen, mit

denen ich Mogul gezeichnet habe",

sagt Maf Räderscheidt bewegt zu Susanne

Uhlen. Die bekannte Künstlerin

aus Köln hat die Kindermappe illustriert

und in jede Szene ihre Liebe zum Tier

und ihr Unverständnis über die Behandlung

durch den Menschen gelegt.

Jede Zeichnung spricht für sich und

unterstützt damit auf eine ganz besonders

sensible Weise den Text.

Aus der Feder der bmt-Tierschutzlehrerin

Renate Domaschke stammen die altersgerecht

dargestellten Tierschutzthemen.

Sie erweckt Schwein Martha,

Legehenne Greta, Kalb Anton, Elefant

Mogul, Papagei Jako, Pferd Cascado,

Katze Samantha, Hund Midas und Vanilla,

das Kaninchen, zum Leben. Indem

die Tiere betont sachlich von ihren

Haltungsbedingungen erzählen und

andeuten, wie ihr Leben anders aussehen

könnte, entsteht eine Welt mit einer

(erstrebenswerteren) Gegenwelt: Hier

T IERSCHUTZUNTERRICHT

Große Pressekonferenz :

bmt stellt neuen Tierschutzlehrer

und Infomaterial vor

Rosa und Julia lesen mit verteilten Rollen

die Käfige mit eingepferchten Legehennen,

dort der Biohof mit freilaufenden

Hühnern.

Dass diese Gegenwelt keine Utopie

sein muss, wird am Ende eines jeden

Blattes deutlich: Denn der Verbraucher

hat es in der Hand, artgerechte Haltungsformen

für Tiere zu fordern und

mit seiner Kaufentscheidung ein Zeichen

für mehr Tiergerechtigkeit in deutschen

Ställen zu setzen. Bei den Kindern

kommt die Botschaft an: Wir alle

entscheiden über das Wohlergehen

von Tieren; das gilt für Tiere in der

Landschaft genauso wie für Heim- oder

Zirkustiere.

1994 rief der bmt das Projekt "Tierschutz-Unterricht"

ins Leben. Seit nun

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

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T ITELTHEMA

Diana Eichhorn und Kinderchor

mehr über 12 Jahren schickt der Verband

Lehrkräfte an Schulen, um über

artgerechte Haltung und richtigen Umgang

mit Tieren zu sprechen.

"Wir wissen doch inzwischen alle, welche

Bedeutung Tiere für Kinder haben

und wie wichtig die frühe Wissensvermittlung

über ihre elementaren Bedürfnisse

ist", erklärt Susanne Uhlen. Die

Schauspielerin, die im Kleinkindalter

an ihrem Bernhardiner laufen lernte,

hat ihren eigenen Kindern den Kontakt

zu Tieren immer ermöglicht. "Kinder",

sagt sie, "lernen Verantwortung zu tragen,

wenn sie mit Tieren aufwachsen."

Die Kölner Künstlerin Maf Räderscheidt

führt durch den Tag und unterhält die

Das neue Infomaterial für Grundschüler

eignet sich zum Vorlesen, Lesen

mit verteilten Rollen und zum Vervielfältigen.

Die Themen - Heimtiere, Massentierhaltung,

Exotenhaltung, Pferde und

Zirkus - geben wichtige Denkanstöße

und ergänzen den üblichen Fächerkanon

der Grundschulen. Anhand der

Gäste gekonntzwischen

den

Programmpunkten.AntoniaLangsdorf

liest mit

Tochter Marilen

(7Jahre)

"Du wünscht Dir ein Tier?" und freut

sich, als sie sieht, wie dem Publikum

der Wechsel zwischen geschulter Moderatorinnen-

und junger Mädchenstimme

gefällt. Nach jeder Lesung singt

der Kinderchor unter Leitung von Maria

Kurzawa aus dem Musical "Bully

Backes himmlische Tierheimgeschichten".

Es ist die wahre Geschichte eines

Bullterriers, der lange Jahre in der legendären

Küche des Tierheims Köln-

Dellbrück lebte und mit seiner außergewöhnlichen

Art die Menschen verzauberte.

Als er starb, hinterließ er eine

große Lücke.

"Manchmal", sagt die Künstlerin Maf

derscheidt, "ist man ein größerer

Tierfreund, wenn man gar kein eigenes

Tier hält." Sie erklärt, dass Tiere viel Zeit

brauchen, Liebe, Zuneigung und das

Interesse der ganzen Familie. Auch Wissen

über die jeweilige Tierart gehöre

hinzu, denn nichts sei trauriger für ein

einzelnen Tierschicksale kann die Tierschutzproblematik

herausgearbeitet

und lösungsorientiert diskutiert werden.

Die Infomappe können Sie in der

Hauptgeschäftsstelle

Diesen Becher können Sie kaufen!

BEZUGSQUELLEN

Bund gegen Missbrauch der

Tiere e.V.

Viktor-Scheffel-Straße 15

80803 München

bestellen oder im Internet unter

www.bmt-kindertierschutz.de herunterladen.

Das Material wird zwar kostenlos

abgegeben, aber der bmt würde

sich sehr freuen, wenn Sie sich mit

einer Spende an den Herstellungskosten

(5 Euro pro Mappe) beteiligen

würden.

Tier, als falsch behandelt zu werden.

Der neue Tierschutzlehrer, Stefan Everling,

nickt. Seit Jahren nimmt die Familie

derscheidt-Everling Wasserschildkröten

auf, die von ihren Besitzern nicht

artgerecht gehalten wurden. Für steten

Nachschub in Not geratener Vierbeiner

sorgt Tochter Rosa. Die neunjährige

Schülerin aus Köln ist für ihr Tierschutzengagement

schon zwei Mal vom bmt

mit dem Tierschutzpreis ausgezeichnet

worden.

Erfahrung mit Rosas Altersgruppe hat

Stefan Everling genug gesammelt: Er

leitet u.a. auf einem Bauernhof Ferienkinder

im Umgang mit Tieren an. "Wie

mache ich mein Pony glücklich?" heißt

einer seiner Kurse, die Kindern Achtung

und Respekt vor dem Pferd vermitteln

soll. Gerade für Stadtkinder häufig ein

Problem: Sie kommen mit Stiefeln,

Gerte und großer Erwartungshaltung.

Mit Ruhe und Geduld erklärt er den

Kindern, warum ein Pferd Anspruch auf

liebevolle Behandlung und die Erfüllung

seiner natürlichen Bedürfnisse hat.

"Weil so große Wissenslücken gerade

im Umgang mit Pferden bestehen", erklärt

der 43jährige, "war es mir so

wichtig, das Thema "Pferdehaltung" in

die Kindermappe mit aufzunehmen."

Text und Fotos: Claudia Lotz

Stephan Everling,

Für den bmt arbeiten derzeit drei Tierschutzlehrer.

Stephan Everling (Köln und

Umgebung), Renate Domaschke (Niedersachsen

)und Gabriele Rudolph (Tierschutzzentrum

Pfullingen/Baden-Württemberg).

Bitte wenden Sie sich an unsere Tierschutzlehrer,

wenn Sie möchten, dass in der Schule

Ihres Kindes Tierschutzunterricht abgehalten

werden soll.

Um Tierschutzunterricht eines Tages

bundesweit an Schulen lehren zu können,

bildet Renate Domaschke in Seminaren

Lehrkräfte zu Tierschutzlehrern fort.

Wenn Sie Freude daran hätten, ehrenamtlich

für den bmt als Tierschutzlehrer tätig zu

werden, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit

uns auf. Der Verband möchte ein Netzwerk

aus Tierschutzlehrern aufbauen, die in al-


Das Musical "Bully Backes himmlische

Tierheimgeschichten" hat die Kölner Ehrenamtliche

Ingrid Hoffsümmer komponiert.

Es wurde mit großem Erfolg unter

der Regie von Maria Kurzawa uraufgeführt

und hat gezeigt, dass Tierschutz

von so vielen Seiten, nämlich auch über

die künstlerische Beschäftigung, angegangen

werden kann.

Mehr über das Musical erfahren Sie von

Ingrid Hoffsümmer,

Telefon: 02202 - 59517

Die Becher mit dem Motiv "glückliche

Schweine mit Kindern" und "Freilandhenne

Edda" erhalten Sie in unseren

Tierheimen. Außerdem auch verschiedene

Postkarten und Aufkleber mit den

Hauptfiguren aus dem Tierschutzmaterial

für Kinder.

Maf Räderscheidt, Diana Eichhorn, Antonia Langsdorf,

Renate Domaschke, Bernd Schinzel, Susanne Uhlen

len Bundesländern Schulen besuchen.

Mehr Infos unter:

www.tierschutzlehrerin.de und

www.bmt-kindertierschutz.de

Tierschutzlehrerin Renate Domaschke

Hassel 2, 21261 Welle,

Tel.: 04188/899 4 -34, Fax: -35

fam.domaschke@t-online.de

Tierschutzlehrer Stephan Everling

Benfleetstr. 27, 50858 Köln,

Tel. und Fax 02234/73 73 7

Tierschutzlehrerin Gabriele Rudolph

Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel: 07121/ 820 -17 11, Fax: -17 18

T ITELTHEMA

TAREK UND SEIN NEUES LEBEN

Von Tierschutzlehrer Stephan Everling

Mit allem hätte ich gerechnet nach meinen

ersten Erfahrungen als Tierschutzlehrer,

der mit Hund durch die Grundschulen

zieht, aber nicht damit, dass

Stephan Everling & Tochter Rosa unser Tarek, der alte Kettenhund aus

Ungarn, nach 4 schrecklichen Jahren in

Pecs und dem Tod seines alten Freundes Aramis, nun endlich seine wahre Bestimmung

und Aufgabe gefunden hat: Sollte Tierschutzhund jemals offizieller

Ausbildungsgang werden, dann wäre hier die Meisterprüfung angesagt.

Verzückt liegt Tarek auf dem Rücken und lässt sich von zwanzig kleinen, verschwitzten

Kinderhändchen den Bauch kraulen. Dabei bringt ihn auch nichts

aus der Ruhe - aufgeregte Rufe, hektisches Aufzeigen, Gehopse, in denen sich

die mühsamst gezähmte Begeisterung der Kinder immer wieder Bahn bricht,

Geschubse, Gezischel und Lachen. Und auch nicht, als das afrikanische Kind

auf den Tisch klettert und hysterisch schluchzt: "Ich habe Angst!"

Ups! Was tun? Kann ich sie mitnehmen in meinen Tierschutzunterricht, oder

soll sie besser nach Hause gehen? Als bekennender Feigling finde ich Angst

toll, und das sage ich ihr auch, weil Angst einen vorsichtig macht und vor Gefahren

warnt. Und während ich davon erzähle, fallen mir lang vergessene Dinge

ein: Hatte nicht schon Trumler von Pariahunden und deren Gefährlichkeit

geschrieben? Woher kommt sie denn? Aha, aus Kamerun, genau wie mein

Freund Gaston, der mir doch so oft erzählt hat, wie die Afrikaner alle Angst

vor Hunden haben, weil die so hochaggressiv sind.

Als ich sie frage, erzählt sie die gleichen Geschichten wie er, von den Menschen,

die in Panik flüchten, wenn die Hunde kommen, wie eine falsche Bewegung

einen Angriff auslösen kann. Die Klasse und auch die Lehrerin sind

beeindruckt. Und während wir über Hunde reden, ihre Sprache, wieso Hunde

sich so bewegen, wie sie es tun, und wie man als Mensch damit umgehen

sollte, rückt das Mädchen immer näher. Schließlich streckt sie die Hand aus

und streichelt den Hund. Spontan klatscht die Klasse Beifall.

Bald knuddelt sie ihn mit der selben Hingabe wie die anderen. Und als ich

nach der Stunde noch ein paar Worte mit der Lehrerin wechsele, bemerke ich,

wie sie im leeren Klassenraum steht, in die Luft starrt und versonnen vor sich

hin sieht: "Eigentlich habe ich gar keine Angst mehr vor Hunden!"

Und Tarek? Er versucht, mich in das nächste Klassenzimmer zu ziehen, noch

'ne Runde Bauchkraulen, bitte!

Alte Freunde: Tarek & Aramis

Alle Motive aus der Tierschutzmappe

können im Original

erworben werden.

Maf Räderscheidt wird einen Teil des

Erlöses dem bmt für seine Tierschutzarbeit

spenden. Die Bilder kosten

zwischen 80 und 180 Euro.

Bitte wenden Sie sich bei Interesse an

Maf Räderscheidt,

Benfleetstraße 27, 50858 Köln,

Tel. und Fax

02234/73 73 7

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

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T IERSCHUTZPOLITIK

GRAUSAMER TIERVERSUCH PER GESETZ?

BRÜSSELER BÜROKRATIEWAHN

Um Muschelfleisch auf Giftstoffe

zu untersuchen, werden drei

Mäusen zerkleinerte Muscheln

in die Bauchhöhle injiziert. Sterben

zwei oder drei Tiere innerhalb

von 24 Stunden, dürfen die

Muscheln nicht verkauft werden.

Sollten zwei oder alle Mäuse

diese Tortur überleben, darf

das Muschelfleisch in den Handel

gelangen. Dieser Versuch ist

besonders grausam, denn der

Todeskampf - ein langsames Ersticken

- kann sich bis zu 24

Stunden hinziehen.

Seit über 20 Jahren verwendet

Deutschland eine tierversuchsfreie Prüfmethode,

um Muschelfleisch auf Toxine

zu untersuchen. Damit könnte bald

Schluss sein: Seit am 1. Januar 2006

das novellierte EU-Lebensmittelhygienegesetz

in Kraft getreten ist, kann

Deutschland von der EU gezwungen

werden, den Mäusetest wieder einzuführen,

obwohl das hierzulande eingesetzte

chemisch-physikalische Analyse-

Die Europäische Union hat sechs alternative

Testmethoden zu Tierversuchen

genehmigt. Anstelle von Tieren werden

bei den neuen Verfahren Zellkulturen

verwendet, beispielsweise um die Giftigkeit

von Krebsmedikamenten zu

überprüfen. Nach Angaben der Europäischen

Union sinkt durch die neuen

Testmethoden die Zahl der in Tierversuchen

verwendeten Tiere, die Genauigkeit

der Ergebnisse wird verbessert

und folglich die Produktsicherheit erhöht.

Außerdem werden die Forschungskosten

der Labors reduziert.

Fünf der neuen Tests befassen sich mit

verfahren erheblich

zuverlässiger und

genauer ist als der

Tierversuch.

Aufgrund zahlreicher

Proteste deutscher

und europäischer

Tierschutzverbände

zeigt die EU-Kommission

nun doch

Gesprächsbereitschaft.

In der Diskussion

ist jetzt die Einführung

eines tierversuchsfreien

Verfahrens. Damit wäre

der Mäusetest endgültig überflüssig,

weil sich derartig geringe Mengen giftiger

Substanzen nicht nachweisen lassen.

Allerdings können noch Jahre vergehen

und noch unzählige Mäuse zu

Tode gequält werden, bis dies in allen

EU-Ländern in der Praxis umgesetzt

wird.

Schreiben Sie deshalb an EU-Kommissar

Kyprianou und fordern Sie ihn auf,

den "Mäuse-Bioessay" umgehend eu-

Bakterien. Bei den Verfahren werden

im Labor gezüchtete menschliche Immunzellen

verwendet, die genau wie

unser Immunsystem Bakterien erkennen

können. Ferner sind diese Testmethoden

beim Feststellen kontaminierter

Medikamente viel wirksamer als Tierversuche.

Denn selbst sterile Medikamente

sind nicht zwangsläufig frei von

Bakterienspuren, und so kann es zu

Nebenwirkungen wie Fieber, Schmerzen

oder Schockzuständen kommen.

Die Genehmigung der neuen Testverfahren

geht auf eine Initiative des Wissenschaftlichen

Beratenden Ausschus-

ropaweit abzuschaffen und unbürokratisch

durch tierversuchsfreie Prüfverfahren

zu ersetzen.

Protestadresse:

EU-Kommissar

Markos Kyprianou

Europäische Kommission

Generaldirektion Gesundheit u.

Verbraucherschutz

Rue de la Loi 200

B - 1049 Brüssel

NEUE ALTERNATIVEN ZU TIERVERSUCHEN

EU GENEHMIGT TESTMETHODEN MIT ZELLKULTUREN

ses des Europäischen Zentrums zur Validierung

alternativer Methoden (EC-

VAM) zurück. Das Zentrum hat die Aufgabe,

die für Kosmetika, Medikamente

und Chemikalien durchgeführten Tierversuche

zu ersetzen bzw. zu verringern

und ist der Gemeinsamen Forschungsstelle

der Europäischen Kommission

angegliedert. Finanziert wird die Arbeit

des ECVAM aus dem Forschungsrahmenprogramm

der EU sowie aus Mitteln

der Mitgliedsstaaten, der Industrie

und von Tierschutzorganisationen.

Text: Mike Ruckelshaus


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Das Recht der Tiere 2/2006

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T IERSCHUTZPOLITIK

Für fast 40 Millionen Legehennen heißt

das: Der Käfig, kaum größer als die

immer wieder zitierte DIN A 4-Seite,

Die neue Verordnung:

Aus der DIN A 4-Seite

wird ein Aktendeckel

Der ausgestaltete Käfig, weiterhin

mit Drahtgitterböden, muss eine

Gesamtmindestfläche von 2,5 m 2

aufweisen. Jeder Henne stehen damit

800 cm 2 zur Verfügung, eine minimale

Erleichterung im Vergleich

zum herkömmlichen Käfig. Dort

hatte jedes Tier 550 cm 2 Platz.

Auch in der Höhe geht der ausgestaltete

Käfig kaum über die bisherigen

Maße hinaus. Waren die alten

Käfige 45 cm hoch, schreibt die Verordnung

für die neue Haltungsform

50 cm bzw. für eine Seite 60 cm vor.

Bis zu zehn Hennen teilen sich einen

Einstreubereich und ein Gruppennest

von einer Fläche mit jeweils

900 cm 2 .

Werden mehr als 30 Hennen im Käfig

gehalten, müssen Einstreubereich

und Gruppennest pro Tier um

jeweils 90 cm 2 vergrößert werden.

Zwei Sitzstangen in unterschiedlicher

Höhe geben dem Käfig neben

Einstreubereich und Nest

"Struktur".

wird weitere 3 Jahre ihr lebensfeindliches

Umfeld sein. Bis Ende 2008 bleiben

die herkömmlichen Käfige in Betrieb,

danach soll der ausgestaltete

Käfig - beschönigend als Kleingruppenhaltung

bezeichnet - eingeführt

werden.

Trotz der den Verbraucher täuschenden

Begriffsbezeichnung ist auch diese Behausung

für bis zu 60 Tiere ein Käfig,

der die Minimalanforderungen der EU-

Richtlinie nur um wenige Zentimeter

pro Tier in der Vertikale und Horizontale

überschreitet. Die "Kleinvoliere" soll

mit Sitzstangen und Legenestern eine

artgerechte Haltungsform vortäuschen

- in Wahrheit ist es die Fortsetzung tierquälerischer

Haltungsbedingungen unter

dem Vorzeichen eines um nur wenige

Zentimeter erweiterten Platzangebotes.

Für das Verbot der Käfighaltung haben

Tier- und Umweltschutzverbände Jahre

und mit zunehmender Unterstützung

aus der Bevölkerung gekämpft; in Um-

Im Rahmen einer Großdemonstration

beendete der Hühner-Freiland-Hof von

Horst Fallenbeck in Oberurbach bei

Bad Waldsee (Baden-Württemberg) am

14. Mai die Aufstallung seiner Legehennen.

Nach 100 Tagen staatlich verordneter

Stallpflicht durften 3.500

Hennen endlich wieder ins Freiland.

500 Demonstrationsteilnehmer sowie

Vertreter von Fernsehen und Presse ver-

SEEHOFERS VER

WARUM DIE HÜHNER NUN DOCH

Nie schien das Verbot der Käfighaltung so nah -

am 1. Januar 2007 wäre Schluss gewesen mit einer

Haltungsform, die das Bundesverfassungsgericht

schon 1999 als tierschutzwidrig bezeichnet

hatte. Doch der Bundesrat entscheidet am 7. April

nicht im Sinne der Tiere, sondern beugt sich der

Mehrheit der Agrarlobby in den Bundesländern

und hebt das Käfigverbot wieder auf! Am 10. Mai

stimmt das Bundeskabinett dieser Änderung zu.

fragen unterstützten fast alle Befragten

das Ziel, Käfige abzuschaffen und

durch artgerechte Haltungssysteme wie

die Freilandhaltung zu ersetzen. Als die

damalige Verbraucherschutzministerin

Renate Künast (Grüne) 2002 den Ausstieg

aus der Käfighaltung ankündigte,

schien der Tierschutz auch in der Politik

angekommen zu sein.

Doch unter ihrem christdemokratischen

Nachfolger Horst Seehofer bleibt von

der so hoffnungsvoll eingeleiteten

Agrarwende nichts übrig: Einführung

der grünen Gentechnik, Reduzierung

der Förderung des Ökolandbaus auf

Länderebene, Verabschiedung ungenügender

Vorgaben bei der Schweinehaltung,

unzureichende Verbraucherinformation

und schließlich die schmähliche

Rückkehr zur Käfighaltung - der

Bauernverband kann sich keinen besseren

Interessensvertreter wünschen!

Alle Texte: Mike Ruckelshaus

Der bmt fordert: Schluss mit populistischen Maßnahmen

GEFLÜGELIMPFUNG ENDLICH ZULASSEN!

folgten die Öffnung der Ställe.

Zusammen mit anderen Tierschutzorganisationen

und Bio-Verbänden beteiligte

sich auch das bmt-Tierschutzzentrum

Pfullingen unter Federführung

von Tierheimleiterin Petra Zipp an diesem

"Tag des Freilandhuhnes" mit einem

Info-Stand.

Mike Ruckelshaus (Wissenschaftlicher

Mitarbeiter vom bmt) kritisierte das von

Stallpflicht gefährdet Freilandbetriebe


FEHLTE AGRARPOLITIK

IN IHREN KÄFIGEN BLEIBEN MÜSSEN

Mike Ruckelshaus

kritisiert Seehofer-Vorgaben

Landwirtschaftsminister Seehofer

mehrfach verlängerte Aufstallungsgebot,

weil es

� aus Tierschutzsicht völlig

inakzeptabel ist und

� vielen Freilandbetrieben die

Existenzgrundlage nimmt!

In seiner Rede wies er darauf hin, dass

tierschutzwidrige Anordnungen wie die

unbefristete Verlängerung der Stallpflicht

für Geflügel, Leinenzwang für

Hunde oder Hausarrest für Katzen lediglich

populistische Maßnahmen sind,

die dem Verbraucher eine Scheinsicherheit

vorgaukeln sollen, aber kaum

zur Bekämpfung der Vogelgrippe geeignet

sind!

Im Namen des bmt forderte Mike Ruk-

ÖFFENTLICHE PETITIONEN

Im Grundgesetz verankertes

Recht - nehmen Sie es wahr!

Bis zum 28. Juni 2006 konnte sich jeder Bürger

an einer Online-Petition an den Bundestag gegen

die Weiterführung der Käfighaltung beteiligen.

Danach wird im parlamentarischen Prüfverfahren

entschieden, ob es eine öffentliche

Beratung oder eine Anhörung des Petenten

(Einreicher der Petition) zu diesem Thema geben soll. Die Öffentlichkeit wird

im Internet über das Petitions-Ergebnis informiert. Zur Drucklegung dieser

Zeitschrift lag noch kein Ergebnis vor.

Öffentliche Petitionen, vorerst auf eine zweijährige Erprobungsphase beschränkt,

sind seit September 2005 möglich. Damit erhalten Bürger das im

Grundgesetz Artikel 17 verankerte Recht, sich mit Bitten zur Gesetzgebung

oder Beschwerden an den Deutschen Bundestag und andere öffentliche Stellen

zu wenden. Welche Petitionen zur Verbesserung von Haltungsbedingungen

für Tiere an den Bundestag gerichtet werden, finden Sie unter:

www.bundestag.de

kelshaus den Bundesminister auf, seine

dogmatische Anti-Impfhaltung zu überdenken

und die Impfung von Nutzgeflügel

endlich zuzulassen. Die Stallpflicht

regional zu begrenzen, wie

Seehofer in seiner "Verordnung zur Aufstallung

des Geflügels zum Schutz vor

der klassischen Geflügelpest" vom 10.

Mai festgehalten hatte, sei längst nicht

ausreichend, um Freilandhaltungen zu

sichern. Nach der Regelung können

Betriebe Ausnahmegenehmigungen

für Freilandhaltungen beantragen,

wenn sie bestimmte Voraussetzungen

und Auflagen erfüllen.

BUNDESRAT BESCHLIESST

VERKÜRZUNG DES

MÄHVERBOTS!

Wenn es nach dem Land Hessen gegangen

wäre, hätte das Mäh- und

Mulchverbot gleich ganz aufgehoben

werden können. Doch zumindest erreicht

die Bundesratsinitiative des hessischen

Landwirtschaftsministers Dietzel

(CDU), dass der Bundesrat am 19.

Mai die Verkürzung des Mähverbots

auf Stilllegungsflächen absegnet. Ursprünglich

galt das Mähverbot vom

1.April bis zum 15. Juli, nun endet es

bereits am 30. Juni. Was bedeutet das

für die Tierwelt? "Mit diesem Beschluss",

sagt bmt-Vorsitzender Dr. Jörg Styrie,

"wird der Tod unzähliger Rehkitze und

Junghasen billigend in Kauf genommen.

Ebenso gefährdet sind Gelege und Küken von Bodenbrütern wie Rebhuhn oder

Feldlerche." Die tierschutzfeindliche Bundesratsinitiative kam in Absprache mit Landwirtschaftsminister

Dietzel, dem Bauernverband und dem hessischen Landesjagdverband

zustande. Erstaunlich, wie wenig gerade den "Hegern" bei diesem Vorstoß am

Schutz des Jungwildes gelegen war. Beanspruchen sie doch das "Recht", Hunde und Katzen

abzuschießen, weil sie eine vermeintliche Bedrohung für das Wild darstellen. Übrigens

waren es auch die hessischen Jäger, die 1999 bei der Novellierung des Landesjagdgesetzes

eine Lockerung der Vorschriften zum Haustierabschuss durchsetzten.

Welche rechtlichen Möglichkeiten Tierbesitzer haben, wenn Hund oder Katze von einem

Jäger erschossenen werden, lesen Sie auf Seite 35.

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

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U NGARN

Als Karin Stumpf einen Blick auf den

Hund wirft, weiß sie Bescheid. "Holt ihn

bitte sofort aus seiner Box", sagt sie zu

den Pflegern im Tierheim Pecs. Der Mastiffmix

liegt still in der Quarantäne,

sein Vorderbein ist stark geschwollen

und in bereits entzündetes Hautgewebe

haben Fliegen ihre Eier gesetzt.

"Warum", fragt Claudia Ludwig, "muss

gerade dieser Hund mit nach Deutschland?"

Die Moderatorin von "Tiere suchen

ein Zuhause" möchte, dass Karin

Stumpf den Zuschauern deutlich

macht, wie wichtig die Hilfe der deutschen

Tierschützer in Ungarn ist. Doch

Vorstandsmitglied Karin Stumpf winkt

ab; sie weint. Das Schicksal des Hundes,

der fast 9 Monate isoliert in der

Quarantäne lag, geht ihr zu nahe.

Sie drängt darauf, dass der von den

Pflegern als unverträglich mit Artgenossen

geschilderte Asztal als Notfall

mitgenommen wird. Karin Stumpf, die

jahrelange Erfahrung im Auslandstier-

Bernd Schinzel:

Für "Tiere suchen ein Zuhause" dreht

der WDR Anfang Mai in Ungarn. Stationen

sind u.a. die Tierheime Pecs,

Kiskunhalas und Cegled. Moderatorin

Claudia Ludwig und ihr Kameramann

werden von der Auslandstierschutzkoordinatorin

Petra Zipp, den Tierheimleitern

Bernd Schinzel (Köln-Dellbrück),

Karsten Plücker (Kassel) und

Karin Stumpf (Vorstand) begleitet.

Die mehrtägige Reise durch Ungarn ist

ein Wechselbad der Gefühle: Entsetzen

über elende Haltungsbedingungen,

Kettenhunde und Hundefängeranlagen

und daneben die Erleichterung,

wenigstens einzelnen Tieren helfen zu

können.

"DIE HUNDE RUFEN

DER WDR IN UNGARN UNTERWEGS - FÜR DIE

In Pecs: Claudia Ludwig (WDR) mit Bernd Schinzel und den TH-

schutz hat,

schätzt den

Hund anders

ein - und sie wird

Recht behalten: Zurück

in Deutschland erholt

sich das Tier in der Pflegestelle

des bmt unter fachmännischer

Pflege und macht bald die ersten Spaziergänge

im großen Rudel.

"Karin Stumpf", sagt Claudia Ludwig,

"hat ein ganz besonderes Gespür für

Hunde in Not. Sie sieht hier fast 300

Hunde sitzen, aber sie weiß sofort, wer

am schlimmsten dran ist." Die Moderatorin

kennt das Tierheim Pecs seit vielen

Jahren. Sie hat die Entwicklungen und

Fortschritte begleitet und schon zwei

Mal im Fernsehen über die Tierschutzarbeit

in Ungarn berichtet.

Schwache, kranke und verletzte Tiere in

einem Zwinger, die kaum Chancen

hatten, die nächste Nacht zu überstehen.

Beissereien, bei denen nahezu jede

Nacht der Unterlegenste der Gruppe

sterben musste. Durch die Baumaßnahmen

der vergangenen Jahre konnten

die Haltungsbedingungen für die

durchschnittlich 300 Hunde im Tierheim

stetig verbessert werden: Separierung

unverträglicher Hunde, Freiläufe

vor den Zwingern, verbesserter

Kälteschutz, medizinische Versorgung


DICH!"

SENDUNG "TIERE SUCHEN EIN ZUHAUSE"

Leitern Adrien & Tamas Farkas

Happy End für Askan (links):

Vom Notfall aus Pecs zum glücklich

vermittelten Hund, hier mit seinem

neuen Freund Smokey

und sofortige Kastration der

aufgenommenen Hunde haben

die Todesrate unter den

Vierbeinern beträchtlich sinken

lassen.

Je länger die Sechser-Gruppe in Ungarn

unterwegs ist, desto verzweifelter

registrieren sie die tierschutzwidrigen

Lebensumstände für Hunde im Land.

"In jedem Haus", berichtet Bernd Schinzel,

"sind meist mehrere Hunde an kurzen

Ketten angepflockt. Als Witterungsschutz

stehen Blechtonnen zur

Verfügung, die im Sommer so heiß

werden, dass die Tiere sich schon bei

der Berührung verbrennen."

Und manchmal sind die Hunde so an

ihre Kette gefesselt, dass sie sich kaum

drehen können. "Ein Alptraum", sagt

der Tierheimleiter aus Köln-

Dellbrück. "Man möchte die

Leute schütteln und sie fragen,

warum sie Tiere zu

solch einem Leben verdammen.

Es gehört so wenig dazu,

den Hunden etwas bessere

Haltungsbedingungen

zu schaffen."

Der 49jährige beschreibt eine

Szene nahe Pecs. Vier Kuwasz,

erwachsene und junge

Hunde, bewachen ein Grundstück.

Jeder Hund hat eine

ca. ein Meter lange Kette als

Bewegungsspielraum, die

ein stereotypes Verhalten erzwingt.

"Sie sprangen einen

Meter vor, bissen in die Kette,

sprangen einen Meter zurück

und bissen wieder in die

Kette", sagt Bernd Schinzel.

Der Kölner kann sich von

den Bildern nicht befreien,

die Augen der Hunde nicht

vergessen. "Warum wollen

die Ungarn nicht wissen, wie

die Hunde fühlen?" fragt er.

Auch das Tierheim Pecs

kann bei seiner notorischen Überfüllung

den Hunden nicht die optimalen

Haltungsvoraussetzungen bieten.

Durch die ständigen Neuzugänge -

täglich fährt der Hundefänger mit seiner

traurigen Ladung vor - kommt keine

Ruhe in die Hundegruppen. Immer

wieder unterernährte, verletzte und alte

Hunde, die keine Chancen auf eine

Vermittlung in Ungarn haben.

Würde der bmt diese oft so bedauernswerten

Tiere nicht als Notfälle in

den eigenen Tierheimen aufpäppeln -

sie würden sterben, eines stillen Tages,

so leise und unbemerkt, wie sie gekommen

sind.

Wenn solche Hunde dann aber zum

ersten Mal in ihrem Leben Zuneigung

erfahren, "ist es, als wenn ein Damm

bricht", erzählt der Tierheimleiter.

A USLANDSTIERSCHUTZ

Am Pfingstsonntag lief im WDR, 18.15 Uhr

"Tiere suchen ein Zuhause".

Der Schwerpunkt der einstündigen Sendung: Das

Tierheim Köln-Dellbrück und der Auslandstierschutz

des bmt in Ungarn, Pecs. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft

geht's weiter, achten Sie

bitte unbedingt auf die weiteren Sendetermine.

Inhalt der kommenden Beiträge: Wie sich das ungarische

Tierheim Kiskunhalas u.a. durch Karsten

Plückers großartigen Einsatz entwickeln konnte.

Hoher persönlicher Einsatz: Karsten Plücker

Nach der Pfingstsendung klingelten im Tierheim

Köln-Dellbrück die Telefone heiß. Die Mitarbeiter,

extra in Sonderschichten eingeteilt, nahmen Hunderte

von Anrufen und Mails entgegen. Sie gaben

Auskunft über die Hunde, das bmt-Projekt in Ungarn

und hörten immer wieder die Aufforderung:

"Macht weiter so. Toll, was Ihr für die Hunde tut!"

Die Hunde können gar nicht genug

kriegen von der Nähe zum Menschen,

die sie in dieser Form nie gekannt haben.

Schon nach wenigen Tagen begegnen

die ungarischen Vierbeiner, die

vom Tierheim Köln-Dellbrück aufge-

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere2/2006

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Verängstigter Eumel in Pecs ...

nommen wurden, Bernd Schinzel mit

einer vertrauensvollen Anhänglichkeit.

Sie stupsen ihn mit ihren Nasen, genießen

die streichelnde Hand und

scheinen sich mit ihrem neuen Leben

völlig arrangiert zu haben.

"Wir müssen bei der Aufnahme von

Hunden aus Pecs eine Gratwanderung

machen", sagt die Auslandskoordinatorin

Petra Zipp. Auch im Tierschutzzentrum

werden ungarische Hunde

versorgt. Derzeit warten 25 kleine und

mittelgroße Vierbeiner auf Menschen,

die sich ein Leben mit ihnen vorstellen

könnten. "Wir dürfen keine Tiere aufnehmen",

erklärt die Tierheimleiterin,

"die aufgrund ihres Verhaltens nur sehr

schwer vermittelbar wären. Mit einer

Blockierung der Plätze für Monate oder

Jahre wäre keinem geholfen."

Darum muss das Ziel des bmt-Auslandstierschutzes

in erster Linie dem

bewährten Motto "Hilfe zur Selbsthilfe"

U NGARN

Im März wurde durch Zufall eine fürchterliche Zuchtanlage

im ungarischen Sopron aufgedeckt. Die Tierfreunde

schalteten sofort die Presse ein und erreichten über die mobilisierte

Öffentlichkeit eine Beschlagnahmung der Hunde.

Fast 200 Hunde wurden gefunden: Alle an kurzen Ketten, fast

verhungert und ohne Wasser vegetierten die Hunde in kniehohem

Lehm. Apathisch lagen einige auf der Seite, andere

hatten sich fast aufgegeben. Dazwischen tote Tiere, verhun-

folgen. "Unser Ziel ist es", sagt Petra

Zipp, die seit über zehn Jahren das Projekt

in Ungarn betreut, "die Lebensbedingungen

für Hunde in Ungarn grundlegend

zu verbessern." Um ein Umdenken

in der Bevölkerung zu erreichen,

müssen Aufklärung, Information

und Wissensvermittlung über die Bedürfnisse

von Tieren vorangetrieben

werden. Das Tierheim in Pecs hat sich

in der Region eine respektable Position

erarbeitet: Hier wird Tierschutzunterricht

abgehalten, und die ungarische

Jugend mit Tier, Natur und Umwelt vertraut

gemacht.

Leider enthält das ungarische Tierschutzgesetz

kein Verbot der Kettenhaltung.

Bis die Ungarn bereit sind, in ihrem

Wachhund auch den potentiellen

Freund und Gefährten des Menschen

zu sehen, wird sicherlich noch viel

Überzeugungsarbeit nötig sein.

Szenenwechsel: Seit der Reise Anfang

... ist heute glücklich in Deutschland

Mai sind inzwischen Wochen vergangen.

Asztal, der jetzt Askan heißt, hat

seinen Rettern noch einmal einen

Schrecken eingejagt: Nachdem sich alle

über die Bilder freuten, auf denen

der Mastiff mit seinem neuen Freund

Smoky durch blühende Frühlingswiesen

läuft, war die Nachricht seiner

plötzlichen und lebensbedrohlichen

Magendrehung kaum zu fassen.

"Du kannst doch nicht einfach so sterben",

beschwört Karin Stumpf ihren

Schützling. Kurz vor Redaktionsschluss

können wir Ihnen zum Glück sagen,

dass es Askan wieder richtig gut geht!

Aber die OP hat mit 1500 Euro ein großes

Loch in unsere Auslandskasse gerissen.

Bitte beteiligen Sie sich mit einer

Spende an den Kosten. Sie helfen uns

damit sehr!

Sie sind unsere größte Hilfe bei unserer

Tierschutzarbeit im Ausland. Denn nur

Sie können den ungarischen Hunden

geben, was sie so lange entbehrt haben:

Das Gefühl, erwünscht zu sein

und einem Menschen etwas zu bedeuten.

Petra Zipp bekommt fast täglich

Briefe von Tierfreunden, die einen Ku-

GRAUENVOLLE HALTUNG BEI EINEM "ZÜCHTER" AUFGEDECKT

gert und verdurstet. Der bmt sicherte seine Hilfe bei der Rettungsaktion

zu und unterstützte den Abtransport der lebensgefährlich

geschwächten Tiere. Bis zur Gerichtsverhandlung

bleiben die Hunde in ungarischen Tierheimen und dürfen

nicht vermittelt werden.

Erwartet wird ein Haltungsverbot für den Tierquäler.

Mehr dazu unter:

www.bmt-tierschutz.de/tierschutz-im-ausland.de


tya (ungarisch für Hund) bei sich aufgenommen

haben. Sieht man auf den

ersten Fotos noch Hunde, die verunsichert,

dünn und ungepflegt wirken, ist

die Wandlung auf späteren Bildern

kaum zu fassen: Strahlende Hunde mit

glänzendem Fell, ausgeprägter Muskulatur

und dem vertrauensvollen, in sich

ruhenden Ausdruck von Hunden, die

endlich angekommen sind.

Text: Claudia Lotz, Fotos: Petra Zipp,

Michael Schlesinger, Claudia Lotz

"Dass Csele ein echtes Goldstück ist…

darüber war ich mir im Klaren. Dass

ein Hund in diesem - nicht mehr ganz

jungem - Alter aber so lernfähig und

vertrauensvoll sein kann, wie Csele es

ist, hat mich echt vom Hocker gehauen…"

schreibt sein neuer Besitzer, ein

Familienvater aus Krefeld über den aus

Ungarn geretteten Csele.

Mehr über Cseles neue Familie

lesen Sie im nächsten RdT.

21./22. Okt. Tierheimfest im

Tierschutzzentrum Pfullingen

mit Schwerpunkt Ungarn

Die Auslandskoordinatorin Petra Zipp wird im

Tierschutzzentrum Pfullingen zwei Tage der Offenen

Tür mit Schwerpunkt Ungarn ausrichten. Am

21./22. Oktober wird Tamas Farkas, der Tierheimleiter

und Pädagoge aus Pecs, mit seiner deutschsprachigen

Frau Adrien zu Gast sein und den Besuchern alles Wissenswerte

über sein Land, das Tierheim und die Adoption

von Hunden erzählen.

Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201

72793 Pfullingen

Tel: 07121/ 820 17 12

Mobil: 0171/ 200 84 77

eMail: petrazipp@web.de

Vorher ... ... nacher

A USLANDSTIERSCHUTZ

Kord im neuen Zuhause: Traumhafte Wandlung zum stattlichen Hund.

Csele hätte als älterer Hund im TH Pecs nicht vermittelt werden können.

Ihre Mithilfe!

Wenn Sie Lust haben, sich die ungarischen

Hunde anzuschauen, dann nehmen

Sie bitte Kontakt mit unser Auslandskoordinatorin

Petra Zipp auf.

Außerdem helfen Sie uns sehr, wenn Sie

eine Patenschaft ab 15 Euro monatlich für

einen ungarischen Hund übernehmen oder durch eine

Spende die laufenden Unterhaltskosten des Tierheims mitfinanzieren.

Der bmt unterstützt seine Partner in Pecs mit

4000 Euro monatlich. Damit werden ein Teil des Futters

und der medizinischen Behandlungen bezahlt.

Spendenkonto Ausland:

Frankfurter Sparkasse

Stichwort Ungarn/Pecs

(oder Stichwort OP Askan)

Kto. 847 275

BLZ 500 502 01

Das Recht der Tiere 2/2006

15


"Sie hat alles getan", sagt der Zirkusdirektor

zu Cristina Lapis am Telefon, "um

nicht mehr in der Show auftreten zu

müssen." Die Vorsitzende der rumänischen

Tierschutzorganisation "Asociatia

de protectie a animalelor" in Brasov

weiß aus ihrer langjährigen Erfahrung,

was mit solchen Bären geschieht, die

den "Gehorsam" verweigern. Kein Zirkus

will Bären durchfüttern, die keine

"Arbeitsleistung" mehr bringen. Findet

sich kein Käufer für das Tier, wird es erschossen.

Cristina Lapis erklärt

sich sofort bereit, die

an Rücken- und

Knieproblemen leidende

Mura aufzunehmen,

obwohl das

geplante Bärenfrei-

Rettender Transport

gehege erst im November

fertig gestellt

sein wird. Dennoch macht die engagierte

Tierschützerin alles möglich, um

der Bärin den Tod zu ersparen. "Mura

ist erst 5 Jahre alt", sagt sie, "sie kann

noch viele Jahre wie ein Bär leben. "

Das Recht der Tiere 2/2006

16

R UMÄNIEN

Ende Mai durfte Mura mit den ersten

drei Bären, die von der "Asociatia de

protectie a animalelor" aus elendesten

Haltungsbedingungen befreit wurden,

auf das Gelände des künftigen Bärenparks

umziehen. Die fünf Notfälle bewohnen

ein drei Hektar großes, strukturiertes

Areal.

Schauspieler und Unicef-Botschafter

Pierre Brice reist im November nach

Rumänien,

um den größten

Bärenpark Europas zu eröffnen.

50 Hektar umfasst der Park, der

geschundenen Bären eine neue, artgerechte

Heimat bieten wird. Das Gebiet,

nahe der Kleinstadt Vulcan (bei Brasov),

entspricht dem natürlichen Lebensraum

von Bären: Inmitten von Bergen,

Höhlen, steilen Hängen, Mischwald,

dichtem Gebüsch und Gewässern

können die geretteten Bären erstmalig

so leben, wie es ihre Artgenossen

in Freiheit tun.

Doch die frei lebenden Bären in Rumänien

sind bedroht. Der Staat fördert

den Jagdtourismus als Devisenbringer.

Leider ist die EU nicht willens, dem

künftigen Mitglied Rumänien restriktiver

entgegenzutreten. Während die EU

den Braunbären zu den streng geschützten

Arten zählt, ignoriert sie

gleichzeitig, dass die Bären in den Karpaten

nicht nur bejagt werden, sondern

auch die Bejagung in vielen Punkten

gegen die Berner Konvention verstößt.

Die Berner Konvention regelt die Jagd

in Europa. Beispiele der Verstöße:

� Es wird in den Winterrevieren (vor

den Höhlen der Bären) gejagt,

� die Bären werden durch Auslegung

von Haustierkadavern (oft infiziert) an

Luderplätze gewöhnt, um die Jagd zu

vereinfachen,

� es wird aus geschlossenen Anstän-

Im November 2006:

Pierre Brice eröffnet Bärenpark

ZIRKUSBÄRIN MURA - ERSTE NOTFÄLLE SCHON UMGESIEDELT

Noch heute tanzt Mura, wenn sie Futter bekommt.

Eine Folge ihrer "Ausbildung" in einem

Zirkus. Mit drei Monaten wurde

die kleine Bärin Mura von einem

Zirkus gekauft. Fast 5 Jahre lang

musste sie in Showveranstaltungen

auftreten -

bis sie sich eines Tages plötzlich

verweigerte…

Mura muss nie

wieder im Zirkus

auftreten

den oder Jagdhäusern gejagt,

� die Jagdtouristen werden in der Regel

von ungenügend ausgebildeten

Jagdhütern betreut.

Dass Pierre Brice sich bereit erklärt hat,

den Bärenpark mit Cristina Lapis zu eröffnen,

ist ein Symbol der Hoffnung für

die Tierschutzarbeit des bmt in Osteuropa.

Der Schauspieler wird in Rumänien

sehr verehrt - und so könnte seine

Anwesenheit den Anstoß für mehr Achtung

und Respekt im Umgang mit Lebewesen

sein.

Bitte unterstützen auch Sie unsere Bemühungen

für ein Verbot der Bären-

Jagd. Wenn Sie Cristina Lapis bei ihrem

großartigen Einsatz für in Not geratene

Tiere helfen möchten, spenden Sie bitte

unter dem

Stichwort Rumänien

Konto 847 275 bei der Frankfurter

Sparkasse, BLZ 500 502 01.

Die "Asociatia de protectie de animalelor"

unterhält bei Brasov ein Tierheim

mit durchschnittlich 900 Hunden. Der

bmt kann mit monatlichen Zahlungen

von 4000 Euro nur einen Teil der laufenden

Unterhaltskosten (Futter, Medikamente

etc.) tragen. Mit einer Patenschaft

(ab 15 Euro/Monat) sichern Sie

das Überleben eines Tierheimhundes.


PHYSIOTHERAPIE -

T IERGESUNDHEIT

SINNVOLLE ERGÄNZUNG ZUR TIERÄRZTLICHEN BEHANDLUNG

bmt-Mitglied Christina Metzger ist als

Hundephysiotherapeutin und Tierheilpraktikerin

tätig und hat im April ihre

eigene Praxis für Hundephysiotherapie

in Butzbach/Pohl-Göns (Hessen) eröffnet.

Welche Möglichkeiten die Tierphysiotherapie

in Ergänzung zur tiermedizinischen

Behandlung bietet, lesen Sie

im Interview.

RdT: Wo kommt die Hundephysiotherapie

zum Einsatz?

Christina Metzger: Eines vorweg:

Physiotherapeutische Maßnahmen stellen

immer eine unterstützende Therapie

zur tierärztlichen Behandlung dar,

sollen und dürfen kein Ersatz sein. Eine

exakte Diagnose ist die Grundlage für

die Arbeit des Tierphysiotherapeuten,

denn nur so kann die Therapie genau

auf das Krankheitsbild abgestimmt

werden.

Nun zu Ihrer Frage. In meiner Praxis

habe ich mich auf Erkrankungen des

Bewegungsapparates spezialisiert. Die

Einsatzgebiete der Hundephysiotherapie

sind in erster Linie Skeletterkrankungen,

wie z. B. Hüftgelenks- oder Ellenbogendysplasie,

Arthrosen, Wirbelsäulenerkrankungen,

wie Spondylose

oder Bandscheibenvorfall, neurologi-

Interview mit Hundephysiotherapeutin Christina Metzger

"Schmerzen lindern

kann man immer!"

Neugierig läuft die Dackelhündin Stella durch den Vorgarten. Das war nicht immer so. Stella hatte

vor drei Monaten einen Bandscheibenvorfall, die Hintergliedmaßen waren gelähmt. Auf Anraten der

Hundephysiotherapeutin Christina Metzger ließen Stellas Besitzer eine Art Rollstuhl für die vierjährige

Hündin anfertigen. Mit ihrem Wägelchen bewegt sich Stella schnell und unkompliziert, ihre Behinderung

nimmt sie kaum noch wahr.

sche Erkrankungen, bei

Ödemen, vor und nach

Operationen und nach

langer Immobilität.

An dieser Stelle ist es

außerdem ganz wichtig zu

erwähnen, dass ausschließlichnicht-entzündliche

Erkrankungen physiotherapeutisch

behandelt

werden können. Hat das

Tier eine Entzündung im

Körper, dann kann eine

physiotherapeutische Behandlung

sogar zu einer

Verschlechterung des Gesundheitszustandesbeitragen.

RdT: Welche Therapiemethoden

bieten Sie an?

Christina Metzger: Massage zur

Schmerzlinderung und Entspannung,

manuelle Therapie zur Schmerzlinderung

und Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit,

Lymphdrainage bei Ödemen,

isometrische (stabilisierende)

Spannungsübungen zum Muskelaufbau

ohne Gelenkbelastung, Gerätetraining

zum Trainieren der gleichmäßigen

Belastung aller vier Gliedmaßen,

Wärme- und Kälteanwendungen,

Christina Metzger beim Aquatraining

Magnetfeldtherapie, Reizstromtherapie,

Soft-Laser-Akupunktur und Blutegeltherapie.

Das erste und wichtigste Ziel einer

physiotherapeutischen Behandlung ist

immer die Schmerzlinderung. Manchmal

lassen sich Schmerzen mit einfachen

Mitteln lindern, manchmal ist es

etwas schwieriger, aber lindern kann

man immer! Ebenfalls ist es ganz wichtig,

dass sich der Hund während der

Behandlung wohl fühlt und zu nichts

gezwungen oder geschimpft wird. Hat

der Hund gerade keine Ruhe, ist mög-

Das Recht der Tiere 2/2006

17


Das Recht der Tiere 2/2006

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Bürstenmassage gegen den Strich

licherweise der Behandlungszeitpunkt

falsch gewählt. Wehrt er sich gegen eine

bestimmte Behandlungsform, ist es

vielleicht die falsche oder sie verursacht

Schmerzen.

Little One,

Italienisches Windspiel, 1 Jahr

I NTERVIEW

Der Rüde hatte eine Fraktur von Elle

und Speiche am linken Vorderlauf, die

eine Fehlstellung der Pfote verursachte.

Weil Little One das linke Vorderbein

dauerhaft schonte, beanspruchte er die

übrigen Beine entsprechend mehr.

Zur Vorbeugung eventueller Schäden

durch diese Schonhaltung bekam der

kleine Rüde Akupunktur im Schulterbereich

und Massagen an der

Trittsicherheitstraining mit Hundeschuh

RdT: Seit einigen Jahren gewinnt

die Aquatherapie bei Hunden mit

Gelenkproblemen zunehmend an

Bedeutung. In welchen Fällen ist der

Einsatz des Aquatrainers sinnvoll?

Christina Metzger: Das Aqua-Therapielaufband

wird zur Behandlung

von Erkrankungen und Schwächen des

Bewegungsapparates eingesetzt, um

eine Mobilisierung und Stärkung zu erreichen.

Der Auftrieb im Wasser reduziert

das zu tragende Eigengewicht, der

Körper wiegt beispielsweise nur noch

10% seines ursprünglichen Gewichtes,

wenn nur noch der Kopf aus dem Wasser

schaut. Gleichzeitig wird durch den

Druck des Wassers der Trainingseffekt

gesteigert.

Gerade nach operativen Eingriffen ist

die Behandlung im Wasser besonders

effektiv und schonend. Sehen Sie, es ist

überlasteten Muskulatur. Nachdem die

linke Vordergliedmaße belastungsstabil

war, folgte ein Trittsicherheitstraining.

Dabei wird ein Hundeschuh

am gesunden rechten Vorderlauf befestigt,

der mit Reis, Erbsen oder feinem

Kies gefüllt wird. Der so präparierte

Schuh stört ihn beim Auffußen und

zwingt ihn, das kranke Bein wieder mit

zu benutzen. Um Muskeln und Bänder

wieder zu stärken, sollte Little One

grundsätzlich nur auf festem Untergrund

spazieren gehen. Weitere Hilfsmittel,

ergänzend zur Behandlung,

können z. B. bei arthrosekranken Hunden

ein Wasserbett zum gelenkschonenden

Liegen oder eine (selbstgebaute)

Einstiegsrampe für das Auto sein.

Schröder,

Mischlingsrüde, 10 Jahre

WIE DIE PHYSIOTHERAPIE

Der Rüde wurde vom bmt-Tierheim Reichelsheim

an Familie Schießer vermittelt,

wo er ein liebevolles zu Hause

fand. Schröder hatte Anfang des Jahres

einen Bandscheibenvorfall, der opera-

ja so, dass ein Hund, der an einem

Bein verletzt, operiert oder sonst wie

behindert ist, versucht, dieses Bein zu

schonen. Dadurch werden die gesunden

Gliedmaßen mehr belastet. Durch

die Überbelastung werden diese stark

beansprucht und schnell geschädigt.

Solche Fehl- und Schonhaltungen können

durch das Training mit dem Aqua-

Therapielaufband ausgeglichen werden.

Auch bei Hunden, die an Arthrosen leiden,

empfiehlt sich die Wassertherapie.

Man kennt das ja bei älteren Hunden:

Probleme beim Aufstehen, staksiger,

steifer Gang, und die Hunde haben

keinen Spaß mehr am täglichen

Spaziergang. Die Folge davon ist, dass

die Lebensqualität sinkt. Und wenn wir

ehrlich sind, nicht nur für den Hund, als

Besitzer leiden wir mit.

Anhand von zwei Fallbeispielen schildern wir Ihnen, welche Therapien Christina Metzger

bei den Hunden angewendet hat, und wie die Tiere darauf angesprochen haben.

tiv behandelt werden musste. Anschließend

waren seine kompletten Hintergliedmaße

gelähmt. Nach erfolgreicher

Behandlung einer physiotherapeutisch

arbeitenden Kollegin von

Frau Metzger konnte der Rüde wieder

laufen. Lediglich die linke Hinterhand

kann er nur eingeschränkt nutzen.

Zur Stabilisierung dieses Hinterlaufs

trainiert Schröder 1-2 mal pro Woche

für jeweils ca. 7 Minuten mit dem

Aqua-Therapielaufband. Die

Aquatherapie umfasst etwa 5 bis 15

Bandscheibenvorfall bei Schröder


TIEREN HILFT

Minuten pro Behandlung. In der Regel

beginnt man mit 5 Minuten und steigert

das Training dann jeweils um 1 Minute.

Schon nach wenigen Behandlungseinheiten

zeigte der Rüde ein auffallend

besseres Auffußen, also Anheben

und Aufsetzen des Fußes, im Wasser.

Neben der Wassertherapie kommt bei

ihm der Biko-Hundeexpander zum

Einsatz. Dieser Expander wird an einem

Brustgeschirr und beiden Hinterläufen

befestigt und dient der Verbesserung

des Auf- und Abfußens. Zudem

werden die überlasteten Gelenke und

Muskeln zur Lockerung massiert.

Rita und Hugo aus dem Tierschutzzentrum

Tierphysiotherapeutische Behandlungen schlagen an

Als eine Gassigängerin Petra Zipp erzählte,

dass sich das Dackelmädchen

Hugo während des Spaziergangs hinlegte,

war die erfahrene Tierheimleiterin

gewarnt. Die Symptome sprachen

für eine beginnende Dackellähme -

und richtig: Wenig später zeigte die

Hündin die ersten Lähmungserscheinungen

an den Hinterläufen. Die 2-3

Jahre alte Hündin Hugo musste noch

über Pfingsten eine schwere Operation

über sich ergehen lassen.

OP bewahrte vor Lähmung

Inzwischen wird die kleine Patientin mit

gutem Erfolg physiotherapeutisch behandelt.

Hundephysiotherapeutin Monika

Kielmann, die sich seit ca. einem

Jahr auch um Tiere im Tierschutzzentrum

kümmert, hat folgende Therapie

für Hugo zusammengestellt:

� Pfotenmassage mit dem Igelball

(entspricht der Reflexzonenmassage)

� tonisierende Massage an den

Hinterläufen (zur Anregung der

Muskulatur)

Text: Mike Ruckelshaus

� detonisierende Massage an der

belasteten Hals-/Schultermuskulatur

� Krankengymnastik (passives Durchbewegen

der Vorder- und Hinterbeine)

� Magnetfeldtherapie

� Unterwasserlaufband

Während das Dackelmädchen gute

Fortschritte macht und täglich immer

quirliger und aktiver wird, müssen bei

Rita noch andere Maßnahmen greifen.

Die ebenfalls 2-3 Jahre alte Dakkelhündin

wurde bereits gelähmt auf

einer Straße liegend gefunden. Sie

konnte die Hinterbeine nicht mehr bewegen,

begann aber nach Tagen leises

Gefühl auf Druck zu zeigen. Ebenfalls

konnte sie bald ihren Schwanz bewegen.

"Glücklicherweise", sagt Monika

Kielmann, "sind Ritas Reflexe noch

da. Damit stehen die Chancen nicht

schlecht, dass auch diese Hündin eines

Tages wieder laufen kann."

Um die Hintergliedmaßen anzuregen,

erhält die Hündin Kälte-Behandlungsmaßnahmen

und die Igelball-Massage

an den Pfotenballen. Magnetfeldtherapie

und passives Durchbewegen gehören

auch bei ihr zur Standardtherapie.

Anders als Hugo, die ja aufgrund der

schnell durchgeführten OP laufen kann,

erhält Rita einen Hunde-Rollstuhl. "Dieser

Laufwagen", erklärt die Hundepysiotherapeutin,

"ist genial: Wenn Hunde

ihre Hinterbeine noch ein wenig

bewegen können, sind sie mit dem

Rollstuhl super mobil. Und selbst wenn

die Läufe vollständig gelähmt sind, ermöglicht

der Wagen die Fortbewegung."

T IERGESUNDHEIT

Christina Metzger

Hundephysiotherapeutin nach Blümchen/Woßlick

und Tierheilpraktikerin.

Mitglied im VFTP e. V. und FVDH/ADT

Tel: 06081/577481

Mobil: 0172/2044866

E-Mail: Hundekrankengymnastik-

Butzbach@gmx.de

www.Hundekrankengymnastik-

Butzbach.gmxhome.de

Rita soll einen Rollwagen bekommen

Ritas Rollwagen wird ca. 400 Euro kosten,

die OP von Hugo schlug mit ca.

1700 Euro zu Buche. Hinzu kommen

die Kosten für Medikamente und die

notwendigen physiotherapeutische Behandlungen.

Die Hündinnen werden

vermittelt, sobald sie sich erholt haben

bzw. noch weitere Fortschritte zeigen.

Für die äußerst anhängliche Hugo suchen

wir einen schönen Platz bei einem

ruhigen, gerne auch älteren Ehepaar,

denn das Dackelmädchen darf sportlich

nicht übergefordert werden.

Bitte beteiligen Sie sich mit einer Spende

an den Kosten, und helfen Sie damit

dem Tierschutzzentrum, seine wichtige

Arbeit fortzusetzen. Was Sie sonst noch

für die Tiere im Tierschutzzentrum tun

können, lesen Sie auf Seite 22-23. Die

Adressen der Physiotherapeuten erfragen

Sie bitte im Tierschutzzentrum Pfullingen

und im Tierheim Köln-Dellbrück.

Auch dort kommen Tiere in den Genuss

dieser Behandlung.

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

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Henry im Kreis seiner Familie

"Ich darf ihnen nichts weiter sagen", erklärt die Tierärztin, als

sie den neun Jahre alten Henry in der Pflegestelle von Inge

Maisch in Westhausen, Baden-Württemberg, (www.tiere-suchen-menschen.org)

abgibt. Sie kann nichts Näheres über

die Versuche sagen, die der weiße Rüde so viele Jahre erdulden

musste, noch, wie es ihrem Bruder, einem Angestellten

des Unternehmens, gelang, das Tier freizubekommen.

Die Tierversuche sollen seine "Lebensqualität nicht beeinträchtigt"

haben, sagt sie noch.

Die Zahlen der im Tierversuch leidenden Tiere steigen

jährlich. 2004 wurden laut Statistik der Bundesregierung

2.265.489 Millionen Tiere eingesetzt, davon

4.306 Hunde.

Henry kann nach acht Jahren Aufenthalt im Versuchskäfig

seine Hinterläufe kaum benutzen; durch den chronischen Bewegungsmangel

sind die Muskeln verkümmert und müssen

erst wieder aufgebaut werden. Henry leidet unter Arthrose

und kann kein Futter bei sich behalten. Schwierige Voraussetzungen

für eine Vermittlung, doch die engagierte Tierfreundin

findet ein passendes Umfeld für Henry in Berlin. Ein

Unternehmer im Ruhestand mit Haus, großem Garten und

zwei weiteren Hunden will den Rüden zu sich nehmen.

"Den kriegen Sie nicht durch", sagt der Tierarzt bedauernd.

Aber Henrys neuer Besitzer ist fest entschlossen, diesem Hund

noch lebenswerte

Jahre zu verschaffen.

Er baut die

Darmflora mit Bakterienpräparaten

wieder auf und füttertleichtverdauliche

Kost. Der American

Bulldog wird

Henrys letzte Tage im März 2006 an regelmäßige Be-

DAS TUN SIE FÜR TIERE

Einmal erleben, was Freiheit

HENRY, DER VERS

Er kannte keinen Baum und hatte nicht gelernt,

dass Rüden ihr Bein heben. Henry versteckte

sich, wenn er das Klappern von Besteck und

Aluminiumschüsseln hörte - und Henry liebte

es, sich mit seinem ganzen Gewicht an sein

neues Herrchen zu lehnen. Als würde einer den

anderen stützen. Der American Bulldogrüde

wegung gewöhnt und langsam profitiert die unterentwickelte

Muskulatur der Hinterhand von den Spaziergängen.

Ob die Hunde nach den Testreihen getötet werden,

hängt von der Schwere der Eingriffe und Art der Versuche

ab. Eine Vermittlung von Versuchshunden, am

häufigsten bei Beagles, ist eine Herausforderung für

die neuen Besitzer. Die Hunde brauchen sehr viel Liebe,

Zuwendung und Verständnis.

Schritt für Schritt entdeckt der stattliche Rüde eine Welt, die

ihm unbekannt war. Zu dieser Welt gehören zwei Hundekumpels,

mit denen gespielt, im Garten gebuddelt und gekuschelt

werden kann - und gehört vor allem sein Mensch,

den er kaum aus den Augen lässt.

Henry, der niemals intensive Nähe erfahren hat, wartet auf

sein Herrchen, wenn er aus dem Haus geht und liegt noch

immer am selben Platz hinter der Haustür, wenn er heimkehrt.

Der Rüde steht mit seinem neuen Freund auf und begleitet

ihn abends bis an die Schlafzimmertür. Er lehnt sich

mit seinem ganzen Gewicht an den Körper des Mannes, als

wolle er sagen: Ich gehe hier nie wieder weg.

An Hunden werden u.a. folgende Versuche

vorgenommen:

� Pharmakologische Charakterisierung von

Ultraschallkontrastmitteln

� Pharmakokinetik

� Sicherheitspharmakologie

� Verträglichkeitsprüfungen

� Toxizitätsuntersuchungen

� Wirksamkeitsstudien

� Hämodynamische Regulationsvorgänge und hormonelle

Veränderungen während Blutvolumenmangel

April 2003: Henry im neuen Zuhause


edeutet

UCHSHUND

verbrachte acht Jahre seines Lebens

im Tierversuch. Als man die

“Untersuchungen” an ihm beendete,

öffnete sich die Tür in eine

andere Welt. Drei Jahre durfte

Henry leben, wie es für andere

Hunde selbstverständlich ist.

Drei Jahre verbringt der große Rüde in

seinem schönen Umfeld am waldreichen

Rand Berlins. Längst kann er sein

Bein wie andere Rüden heben und läuft

nicht mehr gegen Hindernisse, von denen

er anfänglich glaubte, sie müssten

ihm wie Läufer und Radfahrer ausweichen.

An einem kalten Morgen im März kann

der Hund plötzlich nicht mehr aufstehen.

Wenige Stunden später stirbt er.

"Für diesen Hund hätte ich alles getan",

sagt sein Besitzer leise. "Weil ich die

Vorstellung nicht ertragen konnte, dass

Henry im Tierversuch missbraucht wurde.

Warum laden Menschen diese ethische

Schuld auf sich? Wie können

Menschen Versuche am lebendigen

Tier durchführen und am Ende des Tages

in ihr Leben zurückkehren, als wäre

nichts geschehen?"

Mehr Infos zum Thema unter:

www.datenbank-tierversuche.de

T IERVERSUCHE

BISLANG OHNE VERBINDLICHE REGELUNGEN:

ZUCHT, HALTUNG UND BEHANDLUNG VON

VERSUCHSTIEREN

Hunde, die zu Versuchszwecken

genutzt werden, stammen in der

Regel aus deutschen, italienischen

oder amerikanischen Versuchstierzuchten.

In Deutschland

gelten grundsätzlich die Vorschriften

der Tierschutz-Hundeverordnung

vom 2. Mai 2001, die

Versuchstierzüchter bzw. Versuchsleiter

hinsichtlich Haltung, Zwingergröße, Auslauf und

Betreuung ihrer Hunde beachten müssen. Diese Bestimmungen

können jedoch für Versuchshunde außer Kraft gesetzt

werden, wenn für den verfolgten wissenschaftlichen Zweck

andere Anforderungen an die Haltung unerlässlich sind.

Einer der am häufigsten durchgeführten Versuche an Hunden ist die Toxizitätsuntersuchung.

Dabei werden den Hunden Teststoffe injiziert, mit

einer Sonde in den Magen gegeben oder dem Futter beigemischt. Am Ende

des Versuchs, die einige Tage bis mehrere Wochen dauern können, werden

die Hunde getötet und die Organe untersucht. In manchen Versuchen

werden Hunde mehrfach eingesetzt (z.B. in der Kontrastmittelforschung

oder der Pharmakokinetik) und nach Abschluss meistens nicht getötet.

Für die fast 23 Millionen Heimtiere in deutschen Haushalten werden unzählige

Tierversuche für Tiernahrung durchgeführt. Diese Experimente

sind nicht, wie Futtermittelhersteller behaupten, harmlose Geschmackstests.

Welpen werden u.a. mit Nährstoffen über- und unterversorgt,

bis sich Symptome wie Gelenkprobleme, Wachstumsverzögerungen

und Fellveränderungen etc. zeigen. Im Anschluss an die Futtertests kann

Hunden der Bauch geöffnet, Proben aus dem Darm entnommen und der

Eingriff nach neuen Testreihen wiederholt werden. Um die Vorteile bestimmter

Diäten (z.B. Nierenschonkost) zu testen, werden Junghunden entsprechende

Organschäden zugefügt.

Nicht selten arbeiten Futterhersteller mit Tierlabors oder Universitäten im

Ausland zusammen, die solche Versuche für den Tierernährungsbereich

durchführen. Vor kurzem dokumentierte eine Tierrechtsorganisation, wie

Futtermittelhersteller Iams in den USA Versuchstiere für seine "Geschmackstests"

hält. Hunde und Katzen isoliert in dunklen, winzigen Käfigen ohne

Unterlagen, die meisten mit schweren Verhaltensstörungen. Regelmäßig

werden chirurgische Eingriffe an den Hunden vorgenommen.

UNTERSTÜTZEN SIE DEN bmt BEI SEINER FORDERUNG:

“Schluss mit Tierversuchen!”

Der bmt kämpft seit seiner Gründung

als "Bund gegen die Vivisektion"

für die Abschaffung von Tierversuchen.

Der Verband fordert,

� die Forschungsförderung zu

Gunsten tierversuchsfreier Methoden

umzuverteilen

� bürokratische Hürden zu behördlicher

Anerkennung tierversuchs-

freier Prüfverfahren abzubauen.

Kurz nach seinem Amtsantritt appellierte

der bmt an den neuen Verbraucherschutzminister,

sich für die

Förderung, Anwendung und Anerkennung

tierverbrauchsfreier Verfahren

auf europäischer und globaler

Ebene einzusetzen. Horst

Seehofer hat nicht geantwortet.

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

22

T IERSCHUTZZENTRUM

Seit am 1. Mai der Hundebereich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, überschlagen sich im Tierschutzzentrum

die Ereignisse. Jeden Tag wird das Team vor neue Herausforderungen gestellt.

Doch lesen Sie selbst:

Im April hatte das Tierschutzzentrum einen

weiblichen Schwan aufgenommen,

der plötzlich bewegungsunfähig

auf dem Pfullinger Klostersee gesehen

wurde. Nach dreiwöchiger Pflege hatte

sich Gerda soweit erholt, dass sie

wieder an ihren angestammten Platz

gebracht werden konnte. Traurigerweise

wurde die Schwanenhenne eines

Nachts vom Fuchs gerissen. Seitdem

hatte sich Petra Zipp, Tierheimleiterin

WIR SIND FÜR JEDEN

FRITZ UND GERDA - GLÜCKLICH VEREI

und 2. bmt-Vorsitzende, um eine neue

Gefährtin für den verwaisten Schwanenhahn

bemüht.

Nach unzähligen Anfragen in Tiergärten,

bei Tierschutzorganisationen und

Geflügelzüchtern hat Petra Zipp endlich

Glück: In der Wildtier- und Artenschutzstation

in Sachsenhagen (bei

Hannover) lebt eine junge Schwanenhenne.

Sie wurde als Küken in die Station

gebracht und ist nach einer Behinderung

an den Flügeln

flugunfähig.

Am 26. Juni wird Gerda II auf

den Klostersee gesetzt. Banges

Warten, wird Fritz seine

neue Partnerin annehmen?

Und wirklich, die Beiden

scheinen sich zu mögen.

Gerda II macht trotz ihrer Be-

Der Klostersee in Pfullingen

Erste Begegnung von Fritz (links) und Gerda

hinderung einen fitten, agilen Eindruck

und erkundet erst einmal den fremden

Lebensraum.

Zurück ins Tierschutzzentrum: Hier haben

nicht nur Rita und Hugo (s. Seite

19) für Aufregung gesorgt, sondern

auch das Schicksal der sieben aus einer

sehr schlechten Haltung befreiten Hun-


NOTFALL DA

NT AUF DEM KLOSTERSEE

de. Die Tiere wurden völlig isoliert gehalten

und reagierten entsprechend zurückhaltend

und ängstlich auf menschlichen

Kontakt. Das Tierheimteam

verteilte die Hunde auf mehrere Zwinger

und setzte jeweils einen gut sozialisierten,

sehr menschenbezogenen

Hund in die kleine Gruppe.

Kolmar

Während die meisten Tiere sich das

Verhalten schnell abschauten und ihre

Scheu überwanden, blieb Kolmar

weiterhin schüchtern. Die 7 Jahre alte

Schumi

Terriermixhündin ist auf einem Auge

blind und vermutlich deshalb so überaus

schreckhaft. Im Tierheim teilt sie

sich jetzt ihren Zwinger mit einem kleinen

Rüden, von dessen unkomplizierter

Art sie profitieren soll.

Der zierliche Langhaarschäferhund

Schumi (geb. 1998) trauert sehr im

Tierheim. Nachdem sein Besitzer verstarb,

wurde der sensible zu uns gebracht

und leidet noch immer unter

dem Verlust der geliebten Bezugsperson.

Deszö ist ein Mischling aus Schäferhund

und Airedaileterrier. Der 1999

geborene Rüde (kastriert) ist superlieb,

sozialverträglich und kann gut als

Zweithund gehalten werden.

Palomina ist eine Gordonsettermixhündin,

die anfänglich sehr ängstlich

war. Die im November geborene Hündin

würde gut zu einem freundlichen

Ersthund passen, von dem sie alles lernen

könnte. Ein Garten wäre schön.

Bitte schauen Sie sich unsere Notfälle

im Tierschutzzentrum an. Außerdem

brauchen wir Ihre großzügige Unterstützung

bei unseren weiteren Baumaßnahmen.

Wie Sie sicherlich wissen,

ist der Hundebereich nur fast fertig. Es

fehlen noch die Dächer der Hundefreiläufe,

das kleine Hundehaus muss

T IERSCHUTZZENTRUM

Deszö

Palomina

noch ausgebaut und die Außenvolieren

für gerettete Vögel errichtet werden.

Mit einer projektbezogenen Spende ermöglichen

Sie uns, dass wir die Bauarbeiten

noch vor dem Winter abschließen

können. Wir danken Ihnen schon

hier herzlich für Ihre Hilfe.

Spendenkonto

Kreissparkasse Pfullingen

Stichwort

“Baumaßnahmen/Rollwagen/

OP-Kosten Hugo”

Kto. 75 7889

BLZ 640 500 00

NOTFALL

Maine-Coon Charly - "Treu wie Gold"

Maine-Coons sind ganz besondere Katzen: Sie schätzen es, eine Bezugsperson

ganz für sich alleine zu haben. "Dann sind sie treu wie

Gold", sagt Heidi Riekert aus dem Tierschutzzentrum. Sie hat selbst

einen Maine Coon-Kater und ist von Charly ganz bezaubert. Er hört

auf seinen Namen wie ein Hund, hat sie beobachtet.

Charly (9) hat eine Pigmentstörung auf dem linken Auge, aber die

Sehfähigkeit ist erhalten. Der Kater sollte zu einer Einzelperson ohne

andere Tiere vermittelt werden und die Möglichkeit zum Freilauf

erhalten.

Kontakt: Tierschutzzentrum Pfullingen, Tel: 07121 820 17 - 0

Das Recht der Tiere 2/2006 4/2005

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Das Recht der Tiere 2/2006

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TH KÖLN

PROBLEME ERKENNEN …

VOM RICHTIGEN

UMGANG MIT HUNDEN

Tipps vom Kölner Tierheim-Team

Das Ehepaar hatte sich große Mühe

gegeben: Tagelang waren sie mit ihrer

Schäfermixhündin ins Tierheim Köln-

Dellbrück gekommen, um mit dem Rüden

Veith spazieren zu gehen. Auf

den ausgedehnten Waldgängen sollten

sich die beiden kennen lernen und

die sehr selbstbewusste Hündin den

Schäferhund als neuen Partner im Rudel

akzeptieren.

Doch was so hoffnungsvoll begann,

endete schon nach der ersten Nacht.

Die Hündin sah in Veith einen Eindringling

und begann, ihr heimisches

Territorium scharf gegen ihn zu verteidigen.

Das Ehepaar, verunsichert ob

der unerwarteten Reaktion, versuchte

die aufgebrachte Hündin mit Lekkerlies

zu beruhigen. Das Gegenteil trat ein:

Die derart von ihren Besitzern bestätigte

Hündin drohte Veith immer heftiger.

"Wir möchten Veith solche Auseinandersetzungen

ersparen", sagt das

entsetzte Ehepaar am nächsten Morgen

zu Bernd Schinzel. Dem Tierheimleiter

tut es sehr leid; besonders aber

für den Schäferhundrüden, für den diese

Vermittlung eine reelle Chance gewesen

war. Veith kam als Fundtier ins

Tierheim, absolvierte die Begleithundeprüfung

und fand danach ein schönes

Zuhause. Als seine männliche Bezugsperson

schwer an Krebs erkrankte, gab

die Ehefrau den heute ca. 5 Jahre alten

Hund ins Tierheim zurück.

"Die Situation", sagt Bernd Schinzel,

"hätte mit einigen wenigen, aber sehr

effektiven Tricks gemeistert werden

können." So hätten der selbstbewussten

Hündin sofort Grenzen gesetzt

werden müssen, als sie begann, ihr

Territorium gegen Veith zu behaupten.

Während sie mit den klaren Worten

"Schluss!, Hinlegen!" bei den ersten

Anzeichen von dominantem Verhalten

in ihre Schranken gewiesen worden

wäre, hätte der Rüde über längere Zeit

räumlich getrennt und vor der Hündin

gesichert werden können. Möglich

wäre auch gewesen, den Schäferhund

erst einmal nur für Stunden nach Hause

zu holen und die Zeitspannen täglich

zu vergrößern.

"Konfrontationen können oft schon im

Vorfeld verhindert werden", erklärt die

stellvertretende Tierheimleiterin Silvia

Sauerland, "wenn der Hund mit den älteren

Rechten keine Besitztümer gegen

das neue Tier zu verteidigen hat. Spielzeug,

Leine, Korb und Futternäpfe müssen

unerreichbar sein und ebenso die

Ressource Mensch. Ein Beispiel: Sobald

der Ersthund sich in die Nähe seiner

Bezugspersonen drängt und den anderen

mit Drohgebärden einzuschüchtern

sucht, aufstehen und weggehen, den

Hund im Dunstkreis seines nicht hinnehmbaren

Verhaltens alleine lassen,

wie Bernd Schinzel es nennt.

Geduld, Ruhe und die Bereitschaft,

dem Hund die Zeit zu lassen, die er

braucht, um sich mit den neuen Gegebenheiten

vertraut zu machen, sind

Grundvoraussetzungen für einen Vertrauensaufbau

zwischen Zwei- und

Vierbeiner. Doch manchmal sind die

Interessenten so ungeduldig, den Hund

ihrer Wahl mit nach Hause zu nehmen,

dass Probleme vorprogrammiert sind.

Silvia Sauerland schildert den Fall eines

kleinen Yorkshireterriers, der an einem

Freitag abgegeben wurde. Eine

Besucherin, die selbst gerade ihren Yorki

verloren hatte, war so begeistert von

dem Hund, dass sie ihn gegen den ausdrücklichen

Rat des Tierheimteams

schon nach dem ersten Spaziergang

am Sonnabend mit nach Hause nahm.

Am Sonntag brachte sie ihn voller Zorn

zurück; der Hund sei "verhaltensgestört"

und die Vermittlung damit hinfällig.

Offensichtlich hatte der kleine Kerl

Tierheimleiter Bernd Schinzel mit Herdenschutzhündin Jeanny, 6 Jahre


… UND HANDELN!

die attraktivsten Positionen im Haus besetzt

und aus erhabener Höhe geknurrt.

Die verunsicherte Halterin

konnte ihn nicht bewegen, seine eroberten

Plätze zu verlassen.

Für seinen neuen hundeerfahrenen Besitzer,

den "Kölschen Nikolaus", ist das

"terroristische" Verhalten des Yorkis kein

Problem, weil er die "Diskussion" mit

dem Hund nicht scheut. Im Haus trägt

der Yorkshireterrier nun eine kurze

Hausleine, an der er sofort mit scharfem

Nein! von seinen bevorzugten Aussichtspunkten

heruntergezogen werden

kann. Sobald er wieder auf dem Boden

steht, wird er gelobt und bekommt ein

Lekkerli.

Dass Hunde keine Demokraten sind,

wie Tierheimleiter Bernd Schinzel lächelnd

sagt, haben auch die wechselnden

Besitzer von Jule erfahren müssen.

Die kleine Jack-Russel-Hündin war

fast verhungert, als sie als Notfall aus

Ungarn aufgenommen wurde. Doch

Jule kann mit dem Übermaß an Mit-

Veith - inzwischen gut vermittelt Jule

leid, Zuwendung und Fürsorge, das ihr

von ihren neuen Bezugspersonen entgegengebracht

wird, schwer umgehen.

Sie beginnt, ihre Ressourcen zu verteidigen

und u.a. die halb volle Futterschüssel

mit Drohgebärden zu bewachen.

An ihrem übersteigerten Besitzanspruch,

der sich später bis zur Verteidigung

der Bezugsperson ausweitet,

scheitert die erste Vermittlung.

"Bitte achten Sie darauf, der Hündin

niemals mehr in die Futterschüssel zu

geben, als sie frisst", raten die Mitarbeiter

des Tierheims Köln-Dellbrück,

und damit ist Jule die Notwendigkeit

genommen, ihren uninteressant gewordenen

Napf zu bewachen. Leider

halten sich die Eltern der Tochter, der

Jule eigentlich gehört, nicht sehr lange

"Was glauben Sie, wie es jetzt mit diesem

Rocky

Hund weitergeht?" fragt Bernd Schinzel enttäuscht.

Es ist sein Appell an Verantwortung

und Fürsorgepflicht - eine der wichtigsten Voraussetzungen

bei der Tierhaltung überhaupt.

Doch das Paar hat sich längst entschieden: Sie

vertrauen Rocky nicht mehr, seitdem er den

Lebensgefährten gebissen hat. Ein Vorfall, der

allerdings nicht aus heiterem Himmel kam:

Der Schäferhund-Huskymix, ein ehemaliger

Fundhund mit ausgeprägtem Beuteverhalten,

hatte schon häufig geknurrt, wenn jemand

seinem Besitz zu nahe kam. Als der Lebensgefährte

in dem Glauben, eine Zecke entdeckt

zu haben, an der Brustwarze zog, biss Rocky zu.

"Wir haben einfach Angst", sagt das Paar und lehnt die angebotene Hilfestellung des

Tierheims ab. Der Hund, einerseits darin bestätigt, dass er sich mit seinem Drohverhalten

durchsetzen kann, erlebt auf der anderen Seite den erneuten Verlust seiner Bezugspersonen.

Keine einfache Voraussetzung für die nächste Vermittlung.

TH KÖLN/DELLBRÜCK

daran. Die Folge: Der Hund fällt in sein

vorheriges Verhalten zurück und wird

erneut ins Tierheim gebracht.

Der Mensch muss immer der agierende

Part in der Beziehung bleiben. Lässt

er sich vom Hund in die Rolle des Reagierenden

drängen, hat er keine Chance,

auf sein Tier einzuwirken.

Es gibt zum Glück immer wieder Menschen,

die nicht so schnell bereit sind,

aufzugeben. Die sich die Hundehaltung

erarbeiten, weil sie wissen, dass

Hunde - genau wie Menschen - nicht

perfekt funktionieren können und auch

nicht müssen.

Christa und Rolf Ballmann hatten ihren

Hund mit 17 Jahren verloren und trauerten

ihm noch nach. Das Tierheimteam

legt den Kölnern den "nicht ganz

einfachen" Luca ans Herz. Luca ist ein

typischer "Problemhund". Der Labrador-Huskymix,

ein Abgabehund, hatte

mehrere Besitzer, kann nicht alleine

bleiben und neigt zu übertriebenem

Beuteverhalten.

"Die erste Zeit war echt schwierig", sagt

Christa Ballmann rückblickend. Der

Rüde knurrt, sobald das Paar in die Nähe

von Spielzeug, Korb oder Kauknochen

kommt. Auf der Straße gehen sie

Bekannten aus dem Weg, weil Luca sofort

sehr ungehalten wird, knurrt und

schnappt. Sobald der Hund etwas

Spannendes findet, lässt er es sich nicht

mehr fortnehmen und droht. Eines Tages

schnappt er nach der streichelnden

Hand des Ehemanns. Bernd Schinzel

gibt ihm den Rat, Luca nur noch aus der

Hand zu füttern, um dem Hund die Abhängigkeit

von beiden Partnern deutlich

zu machen.

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

TH KÖLN

Die Ballmanns holen sich zusätzliche

Hilfe bei Angelika Lanzerath, die Günther

Blochs Hundeschule weiterführt. Sie

schaut sich Luca an und gibt Tipps, die

das Paar konsequent und mit gutem

Erfolg umsetzt:

� Der Hund bekommt den strategisch

unwichtigsten Platz in der Wohnung

und wird nicht zuviel beachtet,

� Kauknochen und Spielzeug sind

ihm nicht frei zugänglich,

� das Spielen wird beendet, wenn es

für den Hund am schönsten ist,

der Hund wird zwischendurch immer

wieder in seinen Korb geschickt

und deutlich ignoriert,

� seinem extremen Beuteverhalten

wird mit Tauschen einer noch attraktiveren

Sache begegnet.

Heute hat der 6 Jahre alte Huskymix alle

Freiheiten eines sozial verträglichen

Hundes. Die meisten Anlaufschwierigkeiten

mit Luca gehören der Vergangenheit

an, weil das Paar sich der Persönlichkeit

des Hundes gestellt hat und

nach entsprechenden Lösungen gesucht

hat. "Aufgeben kam niemals in

Frage", sagt Rolf Ballmann.

Die Freunde wissen, dass Luca besser

in Ruhe gelassen wird, und auch der

Hund ist mittlerweile ganz unbeteiligt,

wenn sich Fremde seinen Menschen

nähern. Bei Besuch kommt Luca mit

seinem Kauknochen in den Korb. Die

anfänglich starke Trennungsangst hat

sich gelegt, je mehr Selbstsicherheit der

Rüde auf seinem zugewiesenen Platz

im "Rudel" entwickeln konnte. In diesem

Sommer fahren die drei Freunde das

erste Mal zusammen in den Urlaub.

Wenn Sie zu den Menschen gehören,

für die Hundehaltung

nicht heißt, einen "fertigen

Hund" im Tierheim abzuholen,

sondern sich mit der Persönlichkeit

ihres neuen Freundes wirklich

auseinandersetzen möchten,

dann schauen Sie doch unsere

Vermittlungskandidaten

an. Jule, Rocky und Jeanny -

drei von vielen Hunden aus dem

Tierheim Köln-Dellbrück, die

noch auf ihre Chance warten.

Text und Fotos: Claudia Lotz,

Tierheim Köln-Dellbrück

K ATZENHAUS

Operation von Asbach

Timo muß so schnell wie möglich operiert werden

IHRE HILFSBEREITSCHAFT

WAR GROSSARTIG!

Im RdT 1/06 haben wir um Ihre Unterstützung gebeten, weil eine dringende

Operation bei Asbach durch geführt werden sollte. Bei dem sanften

Rottweiler, dem als Junghund die Stimmbänder durchtrennt wurden,

war ein Tumor am Gaumen gefunden worden.

Nach dem Spendenaufruf in unserer

Zeitschrift entschlossen sich sehr viele

von Ihnen, Asbach zu helfen. Doch als

der Rüde schon für den Eingriff vorbereitet

auf dem OP-Tisch lag, stellten die

Asbach

Tierärzte fest, dass sich bereits Metastasen

im Schlund gebildet hatten. Sie empfahlen,

das Tier einzuschläfern, wenn seine

Schmerzen zunehmen sollten.

Die Pflegefamilie nahm den Hund, mit

dem sie so viele Jahre glücklich gelebt

hatte, wieder mit nach Hause. Sie gaben

ihm schmerzstillende Mittel und Weichfutter,

das er besser schlucken konnte.

Ganz offensichtlich fühlte sich Asbach

noch wohl und genoss die innige Zuwendung

seiner vertrauten Menschen.

In der zweiten Aprilwoche starb er in den

Armen seines Besitzers, friedlich und ohne

Qual in der Nacht. Sein Herz hatte

plötzlich aufgehört zu schlagen…

Weil die meisten Ihrer Spenden ohne

Anschrift getätigt wurden, konnten wir

die Überweisungen leider nicht rückverfolgen.

So informieren wir Sie hier an

dieser Stelle von Asbachs Tod, und bitten

Sie sehr herzlich, Ihre großzügige

Unterstützung für einen anderen Notfall

einsetzen zu dürfen.

Timo ist der "Katzenpapa" des Katzenhauses

Luttertal. Der Schäferhund-Hovawartmix

wurde vor acht Jahren auf

der Türschwelle des Katzenhauses gefunden.

Draußen lag dichter Schnee,

und der wenige Wochen alte Rüde zitterte

in der Sporttasche, in der er abgestellt

worden war. Monica Bossmann,

die Leiterin des Katzenhauses, brachte

es nicht über das Herz, den Kleinen nicht

zu behalten - und auch ihre drei Hunde

nahmen den Neuzugang begeistert auf.

Inzwischen ist Timo Wachhund und Pflegepapa

in einem: Er leckt verwaiste Katzenjunge,

wärmt sie an seinem Körper

und ist trotz seiner Größe unendlich vorsichtig

und behutsam im Umgang mit

ihnen. Eines Tages fiel Monica Bossmann

auf, dass der stattliche Rüde sich

häufig hinlegte, bevorzugt auf sehr kal-


Timo - als Welpe ausgesetzt

Jago mit Nachwuchs

te Flächen, und ohne Hilfe kaum wieder

hochkam. Eine Untersuchung ergab,

dass Timo HD hat und schon bald

operiert werden muss, um schmerzfrei

laufen zu können.

Wenn Sie Ihre Unterstützung Timo zukommen

lassen möchten, freuen wir

uns und danken Ihnen sehr.

Wenn Sie schon auf dem Weg ins Katzenhaus

sind, dann sollten Sie sich

auch Jago nicht entgehen lassen. Jago

ist ein "allein erziehender Vater". Er

wurde mit vier Babys abgegeben, weil

die Katzenmutter ihre Jungen vehement

ablehnte. Nicht so der Kater: Jago

nimmt seine neue Vaterrolle sehr

ernst und begleitet seinen Nachwuchs

auf den ersten tapsigen Schritten mit

größter Aufmerksamkeit. Die Kleinen

kuscheln sich an ihn, werden geleckt

und gewärmt - nur die Milch kommt -

trotz aller Gleichberechtigung - noch

aus der Flasche.

Monica Bossmann und ihr Team ziehen

derzeit wieder zahlreiche Katzenjunge

mit der Flasche groß, eine sehr zeitaufwändige

Pflege. Denn verwaiste Welpen

brauchen alle Stunden Spezialmilch,

später werden die Abstände

zwischen den Mahlzeiten größer. Und

dann steht eigentlich einer glücklichen

Vermittlung nichts mehr im Weg…

K ATZENHAUS L UTTERTAL

Versteigerung von

"Katzen in der Kapelle"

Atelier Seeber stiftet Katzenhaus Gemälde aus

früher Schaffensperiode

Im Herbst 2005 wurde unter regem

Interesse ein Bild versteigert

und der Erlös dem Katzenhaus

zur Verfügung gestellt. Annemarie

Seeber, Atelier Seeber in

Frankfurt, war von der Idee begeistert

und bot ein Katzenbild aus

ihrer früheren Schaffensperiode zur

Auktion an. "Katzen in der Kapelle"

(Naive Malerei) ist gerahmt und ca.

50 x 60 cm groß. Die Versteigerung

wird am Tag der Offenen Tür im Katzenhaus

stattfinden. Das Grundgebot für das Bild ist mit 500 Euro festgesetzt.

Der Tag der Offenen Tür findet am 28. August 2006 statt. Gebote werden bis

zum 20. August, 24.00 Uhr, entgegengenommen. Sie können gerne auch

über www.katzenhaus-luttertal.de mitbieten oder diesbezüglich Kontakt zur

Geschäftsstelle Vollenborn aufnehmen.

Wann kommen Sie vorbei und besuchen

unsere vielen Schützlinge?

Katzenhaus, Luttertal 79,

37075 Göttingen.

Tel: 0551/2 28 32 oder Geschäftsstelle

Vollenborn, Leiterin Hannelore

Thied, Tel: 036076 - 40 555.

Spendenkonto

Postbank Hannover Kto. 732 223 06

BLZ 250 100 30

“Garfield” im Kino: Statt Eintrittsgeld Katzenfutter für bmt

Wie im vergangenen Jahr rufen der Kinobetreiber Cinemaxx und

die Zeitung Extratipp zu einer Spendenaktion der ganz besonderen

Art auf: Statt Eintrittsgeld für den Kinofilm Garfield (2. Teil

- “Faulheit verpflichtet”) zu bezahlen, werden die Besucher gebeten,

Katzenfutter für das Katzenhaus in Göttingen zu spenden.

2005 waren dieser Bitte sehr viele Menschen nachgekommen

und hatten so viel Futter mitgebracht, dass die Katzen Monate

versorgt werden konnten. Für das Katzenhaus, das im Schnitt

100 Tiere und zahlreiche Katzenwelpen versorgt, eine ungeheure

Erleichterung. Bitte schauen Sie in Ihre Zeitung, wann Garfield

in Göttingen anläuft, und beteiligen Sie sich an dieser tollen

Aktion. Voraussichtlich wird der Film Ende August in die Kinos

kommen.

Monika Bossmann freut sich über die große Resonanz

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

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TH ELISABETHENHOF

TIERSCHUTZ MIT HAPPY END

Auch für Amerie und Linus?

Sie erinnern sich an die dramatische Rettung der Stallkaninchen, über

die wir in der letzten Ausgabe unserer Vereinszeitschrift berichtet haben?

65 Kaninchen, die in einem dunklen, verwahrlosten Schuppen gehalten

und vom Veterinäramt beschlagnahmt wurden? Das Tierheim Elisabethenhof,

bei der Rettung dabei, hatte einen Großteil der Tiere

aufgenommen und medizinisch versorgt.

Flavio

Die gute Nachricht: Fast alle Kaninchen sind inzwischen

in gute Hände vermittelt worden. Einer

der Glücklichen ist Flavio. Der schwarze Kaninchenbock fühlt sich, wie man auf

dem Bild mit seinem neuen Freund sieht, sehr wohl. Er genießt Zuwendung, Aufmerksamkeit

und darf vor allem endlich in einem artgemäßen Umfeld leben.

Amerie und Linus (Bild) warten noch auf Sie: Die beiden ca. 2 Jahre alten Kaninchen

sind etwas ängstlich. Eine Vermittlung zu jüngeren Kindern wäre daher nicht

ideal. Wir wünschen uns Tierfreunde, die Amerie und Linus ein schönes Gehege

zur Verfügung stellen. Aus dem Missstand wartet übrigens noch ein (kastriertes)

Pärchen auf ein Zuhause: Die graue Maja und ihr schwarzer Freund Don.

ENDLICH HAT "TWISTERS" LEID EIN ENDE!

Wer jemals Ohrenschmerzen hatte, kann in etwa nachempfinden,

was der kleine Pinscherrüde "Twister" (10 Jahre) durchmachen

musste. Er litt jahrelang unter einem vereiterten Ohr,

so dass sich der Gehörgang auflöste. Die Vorbesitzerin hat die

Tierarztkosten gescheut und keine Behandlung vornehmen

lassen. Schließlich wurde Twister mit Zweithündin Jenny verschenkt.

Dort wurden die Tiere monatelang in einen Keller gesperrt,

bis sie gerettet wurden. Nach einer Eingewöhnungszeit

in einer privaten Pflegestelle erfolgte dann in einer Tierklinik

die so notwendige Operation. Inzwischen musste ihm noch ei-

PRÜFUNGSKANDIDAT AARON

Lehrzeit im Elisabethenhof

Wie ein Damoklesschwert empfanden die Besitzer von Aaron

den Wesenstest, den das Ordnungsamt angeordnet

hatte. Das Nicht-Bestehen der Prüfung hätte das Todesurteil

für den temperamentvollen Rüden bedeutet. In ihrer Verzweiflung

baten sie die Tierschützer vom Elisabethenhof um

Hilfe. Diese nahmen den Prüfling für 4 Monate bei sich auf

und arbeiten mit ihm, bis er optimal vorbereitet schien.

Nach den Wochen des Übens unter Anleitung einfühlsamer

und erfahrener Ausbilder konnte Aaron nicht anders, als die

Prüfung seines Lebens zu bestehen. Auch die Besitzer absolvierten

den notwendigen Sachkundetest mit Erfolg.

Beschlagnahmung der verwahrlosten Tiere

ne vereiterte Kralle gezogen werden. Die Operationskosten beliefen

sich auf 995 EURO. Wer sich an den Tierklinikkosten beteiligen

möchte, spendet bitte an den Bund gegen Missbrauch

der Tiere e.V. in Reichelsheim zweckgebunden unter dem Stichwort

"Twister" auf das Konto 5975, BLZ 500 502 01 bei der

Frankfurter Sparkasse.

Happy End! Kurz vor Redaktionsschluss konnten Twister und seine

Hundefreundin an eine

tierliebe Familie gemeinsam

vermittelt werden.

Der Vertreter des Ordnungsamtes war erstaunt über die positive

Entwicklung des Hundes und äußerte sich sehr lobend:

"Es ist einmalig, dass sich ein Tierheim so viel Mühe mit einem

problematischen Hund gibt!" Tierheimleiterin Jutta

Breitwieser sagt dazu: "Wir wollten Aaron eine zweite Chance

geben und haben den

Besitzern wirklich gerne

dabei geholfen, eine

funktionierende Mensch-

Hund-Beziehung aufzubauen."


F RANZISKUS-TIERHEIM

AUS HAMBURG NICHT

MEHR WEGZUDENKEN:

Der Flohmarkt

im Franziskus Tierheim

Jeden Samstag finden sich im Franziskus Tierheim nicht nur Menschen

ein, die ein Tier bei sich aufnehmen möchten. Auch der angeschlossene

Flohmarkt auf dem Gelände ist ein Anziehungspunkt für

zahlreiche Besucher. Wir stellen Ihnen hier einmal die Gründerinnen

des Flohmarkts vor:

Seit nunmehr 16 Jahren setzen sich

Christa Fahrtmann, Ruthild Meyer,

Ursula Musius, Elfriede Denin und Anne

Marie Petschelt mit Mitstreiterin Ursula

Lemke mit ihrer vorbildlichen Arbeit aktiv

für Tiere und Menschen ein.

Seinen Anfang nahm dieses außergewöhnliche

Engagement 1990. "Schon

vor dieser Zeit versuchten wir, durch

den Verkauf von gespendeten Dingen

auf regionalen Flohmärkten die finanzielle

Situation des Tierheims zu verbessern",

berichtet Anne Marie Petchelt,

von den "Insidern" liebevoll Schwester

Anne Marie genannt.

"Das war allerdings sehr mühsam und

durch die Kosten, die dabei entstanden,

blieb meistens nicht viel übrig." Da

kam den Tierschützerinnen die zündende

Idee. "Wir beschlossen, mit Genehmigung

des Tierheimes direkt auf

dem Gelände einen Flohmarkt zu eröffnen.

Damit schlugen wir "mehrere

Fliegen mit einer Klappe". Standgebühren,

die langen Anfahrtswege und

der Transport der Flohmarktartikel und

einiges mehr entfielen.

Gesagt getan, die tatkräftigen Damen

stellten zwei Zelte auf und besorgten Tische

und Stühle. "Um dem Ganzen eine

Regelmäßigkeit zu geben, ent-

Die Gründerinnen des Franziskus-Flohmarktes

schlossen wir uns, 7 Monate im Jahr

von Anfang April bis Ende Oktober jeden

Sonnabend unseren Flohmarkt

abzuhalten. Unser Vorteil war, dass wir

jetzt einen Dauerstandort und eine regelmäßig

Präsenz hatten", erinnert sie

sich schmunzelnd.

Die Ware, die es zu verkaufen galt, erhielten

die resoluten Damen durch

Spendenaufrufe, die auf eine große

Resonanz stießen. "Es sprach sich herum,

dass wir ehrenamtlich tätig sind

und der Gesamterlös dem Tierheim zugute

kommt." Weitere Marktlücken

wurden entdeckt und erschlossen. "Wir

richteten zusätzlich eine kleine Essecke

ein und erweiterten unser Sortiment um

selbstgebackenen Kuchen, Kaffee und

Getränke. Die Idee wurde bestens angenommen

- die Besucher kamen immer

zahlreicher."

Aus Besuchern wurden oft Dauergäste.

Der Flohmarkt entwickelte sich zu einem

Treffpunkt für tierliebende Menschen

aus vielen Stadtteilen. Er ist bekannt

dafür, dass man hier günstig

einkaufen kann. "Manch einer kommt

auch, um sich mal auszusprechen oder

um Informationen zu erfragen. Viele

Besucher nutzen die Gelegenheit, um

den Tieren einen Besuch abzustatten,

des Öfteren wird auch mehr daraus."

Darüber freuen sich Schwester Anne

Marie und das Flohmarkt Team immer

besonders.

"Ja, und so ist es bis heute geblieben,

nur inzwischen ist alles ein wenig größer.

Wir haben sogar einen kleinen

Garten angelegt. An zwei Tagen in der

Woche nehmen wir Spenden an und

bekommen so zu den Abgebern einen

persönlichen Draht. Und nicht zuletzt

klingelt an jedem Sonnabend nach Beendigung

des Flohmarktes ganz schön

die Kasse. Wir sind stolz auf unseren Erfolg

und hoffen, dass wir diesen Dienst

für die Tiere noch lange durchführen

können."

An dieser Stelle möchten wir

uns bei den "Flohmarkt-Damen"

ganz herzlich für ihren großartigen

Einsatz bedanken.

Das Recht der Tiere 2/2006

29


Es ist Samstag, kurz nach 8 Uhr, als

das Telefon klingelt und ein Mitglied

des Landesverbandes Berlins sich mit

aufgeregter Stimme meldet: "Herr Dr.

Styrie, kommen Sie bitte schnell vorbei,

bei uns im Garten sitzt seit einigen Tagen

ein Kater, dem es sehr schlecht

geht. Wir brauchen Ihre Hilfe!"

Freigehege des TH Cottbus Als wir wenig später vor Ort sind, bietet

sich uns ein trauriger Anblick. Stark

abgemagert sitzt der Kater unter einer Bank, die Augen

geschlossen. Aus dem Maul zieht sich zäher Schleim,

sein Fell ist stark verschmutzt. Schon seit längerem

muss das Tier unter diesem Zustand leiden. Doch anfassen

und einfangen lässt er sich nicht. Menschen

scheinen für ihn eine Bedrohung. Es dauert einige

Stunden, bis er seine Scheu überwindet und langsam

in die aufgestellte Falle schleicht. Zu groß ist sein Hunger.

Wir atmen auf, als sich die Klappe schließt. Schnell

benachrichtigen wir den Tierarzt, dass noch ein Patient

kommt, denn mittlerweile ist es früher Nachmittag.

Nachdem das Tier narkotisiert ist, stellt der Tierarzt

starke Verletzungen im Mundbereich fest. Die Zunge ist

dick angeschwollen, der Gaumen vereitert. Verletzungen,

die vermutlich von einem Kampf mit einem anderen

Kater stammen. Kein Wunder, dass das Tier so abgemagert

ist, fressen ist ihm in diesem Zustand nicht

möglich gewesen. Fachgerecht wird das Tier versorgt

und natürlich gleich kastriert. Noch in Narkose geht es

danach ins kleine Katzenhaus des Landesverbandes.

Hier erhält er alle notwendige Fürsorge. Betreuung und

die tierärztliche Versorgung wirken Wunder. Zusehends

bessert sich sein Zustand. Nach zwei Wochen ist er wieder

soweit bei Kräften, dass er zu erkennen gibt, dass

Das Recht der Tiere 2/2006

30

LV BERLIN

Vorbildliche

Zusammenarbeit mit

Tierschutzverein Cottbus

GLÜCKLICHE LÖSUNG

FÜR KATER PAUL

Ein kranker, herrenloser Kater braucht nach einer starken

Entzündung im Maulbereich dringend tierärztliche

Hilfe. Der LV Berlin nimmt sich des Katers an, bringt ihn

zum Tierarzt und pflegt ihn gesund. Da das Tier nicht an

den angestammten Platz zurück gebracht werden kann,

wird dringend eine betreute Futterstelle gesucht. Hilfe

kommt über das Tierheim Cottbus. Eine Begebenheit mit

Happy End, die zeigt, dass Hilfe für die Tiere im Tierschutz

auch überregional funktioniert.

Aufnahmestation für freilebende Katzen

Im LV Berlin wird Paul gesund gepflegt

ihm das Katzenhaus zu klein ist und er wieder in die

Freiheit möchte.

Doch zurück kann er nicht. Anwohner der Reihenhaussiedlung

haben sich beschwert und gedroht, dem

Tier etwas anzutun, wenn er zurückgesetzt wird. In unserem

Osterrundschreiben machen wir auf die Situation

von Kater Paul, wie wir ihn zwischenzeitlich genannt

haben, aufmerksam. Eine Reaktion lässt nicht

lange auf sich warten. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins

Cottbus, die gleichzeitig Mitglied im bmt- Landesverband

Berlin ist, bietet sofort ihre Hilfe an. Das

Tierheim verfügt über eine Aufnahmestation für freilebende

Katzen. Hier ist auch noch ein Platz für Paul frei.

Wir fahren nach Cottbus und werden im Tierheim

freundlich empfangen. Mit ein wenig Stolz präsentiert

uns die Vorsitzende das großzügige Freilaufgehege für

die Katzen. Nach einer kurzen Zeit in der Quarantänestation

soll dies das neue Umfeld für Paul sein. Wir

freuen uns für ihn, dass er nun doch noch eine schöne

Bleibe in liebevoller Umgebung gefunden hat. Dennoch

fällt der Abschied schwer, denn Paul ist uns in den

Wochen der Betreuung ans Herz gewachsen. Mach´s

gut alter Kumpel.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei der

Vorsitzenden des Tierschutzvereins Cottbus, Frau Irene

Nickmann, für die spontane selbstlose Hilfestellung bedanken.


LV BAYERN

Auch Pferde brauchen

einen Zahnarzt

Wer nichts mit Pferden zu tun hat, kann sich kaum vorstellen, dass auch

Pferde eine zahnärztliche Behandlung nötig haben können. Doch Pferdedentist

Louis Pequin, der inzwischen über 15 000 Pferden korrigierend

ins Gebiss geschaut hat, weiß aus langjähriger Erfahrung, wie oft

Pferde unter Zahnproblemen leiden. Der häufigste Grund: Die Schneidezähne

werden durch mangelnden Abrieb zu lang, so dass sich die

Backenzähne nicht mehr richtig aufeinander legen können. Das Pferd

kann nicht mehr optimal Nahrung aufnehmen - und im schlimmsten

Fall sogar verhungern.

Der Kanadier gilt als Experte in der

Zahnheilkunde für Pferde. Zweimal

jährlich bietet er in Deutschland und

Kanada Fortbildungen zum Pferdezahnarzt-Assistenten

an. Das Seminar

richtet sich an Tierärzte und Nicht-Mediziner.

Besonders geht es Louis Pequin

darum, auch Pferdehaltern zu vermitteln,

wie sich Probleme im Zahn - oder

Zahnbehandlung bei Aladin durch Louis Pequin

Anna Hebestreit und Louis Pequin behandeln bmt-Gnadenbrottiere

Kiefernbereich bei ihren Tieren bemerkbar

machen können.

Hinweise auf eine schmerzhafte Fehlstellung

oder unterschiedliche Abnutzung

der Zähne können sein, wenn die

Pferde vermehrt mit dem Kopf schlagen,

ihn zur Seite neigen oder Verletzungen

im Lippenbereich aufweisen.

Weil die gesamte Muskulatur durch angestrengtes

Kauen verspannt, bewegt

sich das Pferd im Rücken verkrampft

und angespannt.

Sechs Pferde und vier Ponys sollen auf

dem Pferdegnadenbrothof am 31.

März in Assenhausen behandelt werden.

Louis Pequin hat Helfer und Assistenten

mitgebracht, außerdem ist die

Münchner Tierärztin Anna Hebestreit

dabei, die den Kontakt hergestellt hat.

Die zahnärztlichen Untersuchungen

der Gnadenbrotpferde sind kostenlos;

dem bmt wird nur das verbrauchte Material

in Rechnung gestellt.

Die 30 Jahre alte Maharani gehört zu

den Patientinnen. Nachdem der Stute

Pferde haben mit 6 Jahren ihr vollständiges

Gebiss. Pro Jahr werden alle Zähne

ca. 2-3 mm aus dem Kiefer geschoben.

Die Schneidezähne bekommen durch das

Futter (weiches Gras) zu wenig Abrieb

und halten die Backenzähne auseinander.

Das Pferd muss zum Vermahlen mehr

Kraft und Druck aufwenden, so dass die

Vorderzähne aus ihrer Position in die

Schrägstellung gedrückt werden, splittern

und ausfallen können. Im Backenzahnbereich

bilden sich scharfe Kanten, dann

folgt die Verspannung im Kiefergelenk,

die u.U. im Alter zu Arthrose führen kann.

Mehr Infos über den Pferdezahnarzt

Louis Pequin und seine Ausbildung

unter:

www.pequinox.ca

das Herz abgehört und die Temperatur

gemessen wurde, bekommt sie eine

Betäubungsspritze. Tierärztin Anna Hebestreit

stutzt mit einer Kreissäge die

Vorderzähne. Mit einer 30 cm langen

Raspel werden die Kanten und Ecken

der Backenzähne entfernt und geprüft,

ob Ober- und Unterkiefer glatt aufeinander

liegen. Dann wird ihr zusätzlich

noch ein kranker Zahn gezogen.

Eine Zahnbehandlung bei einem Pferd

dauert bis zu 45 Minuten. Einmal im

Jahr, empfiehlt der Kanadier, sollte das

Gebiss der Pferde professionell untersucht

und mit der Zahnpflege schon im

Alter von 2,5 Jahren begonnen werden.

Wichtig dabei, die Schneidezähne

zu kürzen, um schmerzfreies Fressen zu

ermöglichen.

Das Recht der Tiere 2/2006

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Das Recht der Tiere 2/2006

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Als ich mich vor meiner Abreise in die

USA am 11. März von unserem langjährigen

Patenhund Shahan verabschiedete,

tat ich es schweren Herzens.

Eine Woche zuvor hatte er zu husten

angefangen, war kurzatmig geworden,

sein Körper und sein Gang hatten deutlich

an Kraft und Eleganz verloren. Und

dabei hatte er trotz seines fortgeschrittenen

Alters von 9 Jahren und seines

langjährigen Tierheimaufenthalts immer

wie ein junger Spund gewirkt und

war nie krank gewesen.

Kennen gelernt hatte ich Shahan im

April 2001. Ich erinnere mich noch genau,

wie dieser bildschöne, elegante,

schwarz-weiße Pitbullrüde in seinem

Zwinger saß und mich mit hellwachen,

neugierigen Augen anschaute. Und als

ich auf meine Frage, ob schon jemand

mit ihm spazieren gehe, eine verneinende

Antwort erhielt, nahm ich ihn

kurzerhand in die Reihe meiner Patenhunde

auf.

Seit diesem Tag kümmerten mein Mann

und ich uns um Shahan. Sein Name

kommt übrigens aus dem Persischen

und bedeutet "der Kaiserliche".

Doch wie ein Kaiserlicher führte er sich

zunächst nicht auf: Zu gern provozierte

er vor allem Schäferhund- und Huskyrüden

und das klang dann einfach

nur unflätig.

Mit der Zeit legte er zunehmend kaiserliche

Gelassenheit an den Tag:

Hinterm Zaun geifernden Hunden

schaute er interessiert ins Maul, nahm

T-Stellung ein und pinkelte dem sich Ereifernden

einfach auf den Kopf. Hoch

erhobenen Hauptes und mit federndem

Schritt ging er seiner Wege. Wenn

wir uns auf Spaziergängen zu lang

unterhielten - Hundpaten können ungeheuer

geschwätzig sein - langweilte

sich Shahan nie:

Entweder durchtrennte er verstohlen

sein Halti samt Haltileine oder aber er

buddelte mit Leidenschaft nach Mäusen

und hatte dampfend und schnaufend

in Windeseile ein 30 cm tiefes

Loch geschaufelt. Selbst in seinem Lieblingsbach

wühlte er Kopf unter Wasser,

wenn man ihm das Stichwort "Maus"

gab.

Selten ließ er die Gelegenheit ungenutzt,

Küsschen zu geben, wenn ihm

ein Zweibeiner zu nahe kam. Shahan

liebte alle Menschen, ob groß oder

klein, abweisend oder freundlich,

nüchtern oder betrunken.

Wegen seiner netten, aufgeschlossenen

Art hatte er auch immer wieder

Interessenten, leider oftmals nicht die

Richtigen oder solche, die genau die

Richtigen für ihn gewesen wären, aber

z.B. keine Vermietererlaubnis bekamen,

ihn zu halten.

So kam es, dass Shahan für viele Jahre

unser Patenhund blieb, und wir ihn

wegen seines freundlichen Wesens, seiner

Intelligenz, seines Charmes und

seines jugendlichen Elans zunehmend

lieb gewannen.

TH WAU-MAU-INSEL

NACHRUF AUF SHAHAN

Von Shahans Paten Brigitte Bischoff und Gustavo Eckhoff

Shahan hat fünf Jahre im TH Wau-Mau-Insel verbracht

Wenn Hunde

falsche Rasse

0

Umso bitterer war das Ende. Wir konnten

von Shahan nicht einmal Abschied

nehmen.

Während unserer zweiwöchigen Urlaubszeit

starb er an Lungenkrebs,

noch ehe eine eindeutige Diagnose

vorlag, trotz aller Bemühungen des

Tierheimleiters und der Tierärzte, ihm

das Leben zu bewahren.

Wir danken allen, die sich in seinen

letzten Tagen liebevoll um ihn gekümmert

haben, ihn auf Spaziergängen

noch einmal Äste raspeln ließen und

ihm eine Spazierfahrt im Auto ermöglichten

- das Größte für Shahan.

Sehr traurig ist für uns der Gedanke,

dass ein solch lieber Kerl die Hälfte seines

Lebens - 5 Jahre - im Tierheim verbringen

und dort sterben musste, ohne

noch einmal ein Zuhause gefunden zu

haben, und dass es vielen anderen

ebenso ergeht - auf der Wau-Mau-Insel

und in anderen Tierheimen - nur

weil sie der falschen Rasse angehören!

Uns, deinen Paten, wirst du als ein richtiger

Schatz in Erinnerung bleiben. Die

vielen erstaunlichen und witzigen Episoden

mit dir werden wir nie vergessen.

Brigitte Bischoff und Gustavo Eckhoff


die

haben ...

Elliot, 9 Jahre

…aus Schrebergarten befreit

Am 1. Juni befreite der Amtstierarzt aus

Kassel Elliot aus seinem Martyrium. Die

Beschlagnahmung beendete die fürchterlichen

Haltungsbedingungen in einem

Schrebergarten. Der Rüde hat dort

keine Muskulatur aufbauen können

und läuft sehr unsicher. Eingehende

medizinische Untersuchungen stehen

noch aus, doch schon heute zeigt sich,

dass der Staffordshire-Rüde ein freundlicher

und aufgeschlossener Hund ist,

der trotz aller widrigen Umstände das

Vertrauen zum Menschen nicht verloren

hat.

Der Neunjährige lässt Menschen, die

sich mit ihm beschäftigen, kaum wieder

gehen, so sehr genießt er die Streiche-

Backes

Elliot

leinheiten und Zuwendungen.

Wenn Sie ihm mehr davon geben

möchten, dann schauen Sie sich den

anhänglichen Hund einfach mal an.

Nina, 11 Jahre

…sucht tolle Familie zum Liebhaben

Nina, seit August 2004 im Tierheim,

ist eine liebe und sanftmütige Hündin

im besten Alter. Sie ist zu allen Menschen

freundlich und geht sehr gerne

auf ihre ruhige und gelassene Art und

Weise spazieren. Die Staffordshiremix-

Hündin kommt gut mit größeren Kindern

zurecht und fährt im Auto mit. Nina

ist eine hübsche Pelznase, so richtig

zum Knuddeln und Liebhaben.

TH WAU-MAU-INSEL

Wir suchen für sie hundeerfahrene

Tierfreunde mit Herz und Verstand, die

die Auflagen zur Haltung eines Listenhundes

erfüllen können.

BACKES, 13 JAHRE

... braucht ein warmes Plätzchen

Nina

Am 30. November 2005, die Nächte waren schon frostkalt, wurde

Backes abends am Tierheimeingang ausgesetzt. Der Miniatur-Bullterrier

saß zitternd auf der Fußmatte und schaute erleichtert auf, als

sich die Tür öffnete.

Backes, ein kastrierter Miniatur-Bullterrier, ist ein netter, aufgeweckter

Kerl. Inzwischen 13 Jahre alt zeigt er einige Alterserscheinungen, ist

sonst aber fit, aufgeweckt und hat ansteckend gute Laune. Er spielt

gerne mit Stöckchen - und wäre auch bereit, seinen Anteil beim Holzsammeln

für einen prasselnden Kamin beizutragen. Rassebedingt

friert der weiße Mini-Bulli nämlich schnell.

Backes kann alleine bleiben, Auto fahren, mag Kinder und Hündinnen

- wer Lust hat, den liebenswerten Rüden kennen zu lernen, sollte

einfach in der Wau-Mau-Insel vorbeischauen.

Kontakt für die Hunde: TH Wau-Mau-Insel, Tel. (0561) 86 15 680

Das Recht der Tiere 2/2006

33


Das Recht der Tiere 2/2006

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HAUPTGESCHÄFTSSTELLE

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 1819 30-807 (BLZ 700 100 80)

VORSTAND

B UND GEGEN M ISSBRAUCH DER T IERE

MIT 11 GESCHÄFTSSTELLEN , 7 TIERHEIMEN UND EINEM TIERSCHUTZZENTRUM

1. Bundesvorsitzender:

Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

2. Bundesvorsitzende:

Petra Zipp, Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -12, Fax (07121) 820 17 -18

Bundesschatzmeister:

Hans Hoffsümmer, Gierather Str. 51

51469 Bergisch Gladbach

Tel. (02202) 59517, Fax (01805) 62 45 62-11415

Bundesschriftführerin:

Karin Stumpf, Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax (0221) 950 51 57

LV Baden-Württemberg (www.tierschutz-bmt-bw.de)

Tierschutzzentrum Pfullingen

Leiter: Dr. Uwe Wagner

Leiterin (TH): Petra Zipp

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -0, Fax (07121) 820 17 -18

Kreissparkasse Reutlingen Kto. 75 7889 (BLZ 640 500 00)

Hundeauffangstation Ikervar/Ungarn

Petöfi u. 23, H-9756 Ikervar

LV Bayern (www.bmt-bayern.de)

Leiterin: Ewa Gara

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 142 20-802 (BLZ 700 100 80)

LV Berlin (www.tierschutz-bmt-berlin.de)

Leiter: Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

Postbank Berlin Kto. 9603-107 (BLZ 100 100 10)

LV Hamburg / Schl.-Holstein (www.franziskustierheim.de)

Leiterin: Angelica Blank, Tel. (040) 55 49 28-34, Fax -32

„Franziskus-Tierheim“, Tel. (040) 55 49 28 37

Leiter (TH): Frank Weber

Lokstedter Grenzstraße 7, 22527 Hamburg

Haspa Kto. 1049220799 (BLZ 200 505 50)

LV Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Elisabethenhof“

(www.tierheim-elisabethenhof.de)

Leiterin (Gst und TH): Jutta Breitwieser

“Elisabethenhof”, Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 59 16, Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse Kto. 5975 (BLZ 500 502 01)

2. Tierheim „Wau-Mau-Insel“ (www.wau-mau-insel.de)

Leiterin (Gst.): Petra Hollstein

Leiter (TH): Karsten Plücker

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax (0561) 86 15 681

Postbank Frankfurt Kto. 1717 55-608 (BLZ 500 100 60)

AUSLANDSTIERSCHUTZ

Koordination im Tierschutzzentrum Pfullingen

Sonderkonto Ausland:

Rumänien und Ungarn

Frankfurter Sparkasse Kto. 847 275 (BLZ 500 502 01)

LV Niedersachsen

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Arche Noah“

(www.tierheim-arche-noah.de)

Leiterin (Gst): Gaby Redeker; Tel. (0421) 834 223

Leiterin (TH): Verena Krüpe,

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Tel. (0421) 890171, Fax 80 90 553

Kreissparkasse Syke Kto. 113 000 29 57 (BLZ 291 517 00)

2. Geschäftsstelle Vollenborn (Thüringen)

Leiterin: Hannelore Thied, Hauptstraße 7a, 37355 Vollenborn

Tel. (036076) 40 555, Fax (036076) 40 556

„Katzenhaus Luttertal“, (www.katzenhaus-luttertal.de)

Luttertal 79, 37075 Göttingen

Leiterin: Monika Bossmann, Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover Kto. 732 223 06 (BLZ 250 100 30)

3. Geschäftsstelle Norden

Leiter: Dieter Kuhn und Ursula Sottmeier

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax (04933) 99 28 26

Tierheim Hage (www.tierheim-hage.de)

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax (04938) 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank Fresena e.G. Norden

Kto. 6302020300 (BLZ 283 615 92)

LV NRW

1. Geschäftsstelle u. Tierheim Dellbrück

(www.tierheim-koeln-dellbrueck.de)

Leiterin (Gst): Sylvia Bringmann , Leiter (TH): Bernd Schinzel

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax (0221) 68 18 48

Postbank Köln Kto. 924 02-505 (BLZ 370 100 50)

2. Geschäftsstelle Issum (www.bmt-nrw.de)

Leiterin: Dagmar Weist

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02845) 3 75 57, Fax (02835) 44 46 99

Sparkasse am Niederrhein

Kto. 111 500 2063 (BLZ 354 500 00)

WEITERE ANSCHRIFTEN VON MITARBEITERN:

Renate Domaschke (Tierschutzlehrerin)

(Fam.domaschke@t-online.de)

www.tierschutzlehrerin.de

Hassel 2, 21261 Welle

Tel. (04188) 899 434, Fax (04188) 899 435

Claudia Lotz (Redakteurin)

(lotzcl@nexgo.de)

Hugo-Vogel-Str. 5b, 14109 Berlin,

Tel. (030) 80 58 33 38, Fax (030) 80 58 33 39

Stephan Everling (Tierschutzlehrer)

Benfleetstr. 27, 50858 Köln

Tel. und Fax (02234) 73 73 7

INTERNET

http://www.bmt-tierschutz.de


Ein neues Buch gibt umfassenden

Einblick in die

Problematik des sexuellen

Tiermissbrauchs

Birgit Schröder (HG):

“Verschwiegenes Tierleid”

Schröder Verlag,

Windhagen 2006,

328 Seiten,

24,80 Euro

Der brutale Abschuss von Kater Taran

durch einen Jäger ist kein Einzelfall.

Schätzungen zufolge werden jedes Jahr

500.000 Katzen von Jägern erschossen

oder in Fallen gefangen und totgeschlagen.

Während die Abschüsse

jagdbarer Tiere akribisch genau und

bundesweit in den Streckenlisten der

Jagdverbände aufgeführt werden, existieren,

mit Ausnahme von einigen wenigen

Bundesländern, keine offiziellen

Statistiken zum Haustierabschuss. Und

das aus gutem Grund: Rund 10 % der

von Jägern jährlich getöteten Tiere sind

Haustiere. Hätte die Öffentlichkeit

Kenntnis von dieser Tatsache, die ohnehin

geringe Akzeptanz der Jagd in

der Bevölkerung würde noch rasanter

sinken. Gerade aus diesem Grund

empfiehlt die einschlägige Jagdliteratur

dem Jägersmann, getötete Katzen

kurzerhand verschwinden zu lassen.

Astrid Krämer und Nicole Hallek sind

Sprecherinnen der seit 1986 bestehenden

"Initiative jagdgefährdeter Haustiere"

(IJH) und werden fast täglich mit

Fällen konfrontiert, bei denen Haustiere

durch Jäger verletzt oder getötet

wurden.

RdT: Welches waren die drastischsten

Fälle in ihrer langjährigen Praxis?

Astrid Krämer: Ein besonders dramatischer

Fall ereignete sich 2004 in

Bayern. Hier erschoss ein Jäger eine

Rottweilerhündin, die etwa 35 Meter

vor ihrer Besitzerin lief. Die Frau erlitt

Nach § 29 des Niedersächsischen Jagdgesetzes (NJagdG) vom 16. März

2001 sind die Jagdschutzberechtigten in ihrem Jagdbezirk befugt, wildernde

Hauskatzen, die sich mehr als 300 m vom nächsten Wohnhaus entfernt befinden,

zu töten. In den Ausführungsbestimmungen zum Niedersächsischen

Jagdgesetz (AB-NJagdG) vom 1. Februar 2005 werden die Vorschriften des §

29 NjagdG nicht näher erläutert. Bei wortgetreuer Auslegung des Gesetzes

gelten demnach das "Wildern" und das Überschreiten der 300-Meter-Zone als

Abschussvoraussetzung.

einen Schock, nachdem der Hund in ihren

Armen starb. In Bayern passierte

letztes Jahr etwas Ähnliches: Eine zehnjährige

Setterhündin, die altersbedingt

nicht mehr so schnell laufen konnte,

wurde wenige Meter hinter ihrem joggenden

Besitzer erschossen. Kater

Möhrli kam 50 Meter entfernt vom

Garten seines Frauchens durch einen

Jäger ums Leben.

Zuvor war die Besitzerin Frau Hallek

von der Initiative jagdgefährdeter

Haustiere mit ihren Hunden und Katzen

spazieren gegangen. Der Jäger beobachtete

dies und wartete ab, bis sie im

Haus war, bevor er abdrückte.

Leider werden die Jäger nur selten zur

Rechenschaft gezogen, weil es in vielen

Fällen erst gar nicht zur Anzeigeerstattung

kommt. Vielfach gelingt es den

Jägern, sich "freizukaufen" oder sie setzen

die Tierhalter unter Druck.

D AS L ETZTE

TARAN VON SCHROTKUGELN GETÖTET

STRAFANZEIGE GEGEN JÄGER

Am Abend des 8. Mai 2006 wurde der Kater Taran von

einem Jäger erschossen. Das Tier befand sich in einer

Entfernung von 205 Meter vom Haus seiner Besitzerin,

also innerhalb der in Niedersachsen geltenden 300 Meter-Schutzzone.

Als die schockierte Halterin den Katzenmörder

zur Rede stellte, lag der von Schrotkugeln

zerfetzte Taran wenige Meter von der Straße entfernt.

Die Katzenhalterin erstattete Strafanzeige gegen den

Jäger. Im August wäre Taran 10 Jahre alt geworden.

RdT: Was raten Sie betroffenen Haustierbesitzern?

Astrid Krämer: Die IJH hat hierzu

ein Merkblatt erarbeitet. Betroffene

Haustierbesitzer sollten folgendes beachten:

� Die Stelle, an der das verletzte oder

getötete Tier gefunden wurde, sollte gekennzeichnet

(Fotos, Video, Tatort-Skizze)

und Zeugen hinzugezogen werden.

� Verletzte Tiere umgehend zum Tierarzt

bringen. Zur Beweissicherung sollte

der Tierarzt ein Gutachten erstellen

(auch Röntgenaufnahmen). Bei toten

Tieren erfolgt dies am besten über ein

Institut für Veterinärpathologie,

� Schriftliche Strafanzeige bei der Polizei

oder Staatsanwaltschaft erstatten

und einen Rechtsanwalt einschalten,

� Nach erfolgter und bestätigter

Strafanzeige können die Medien informiert

werden.

� Geben Sie niemals Beweismittel

(Originale) aus der Hand.

� Das verletzte oder getötete Tier ist

Eigentum des Haustierhalters und muss

diesem auf Verlangen ausgehändigt

werden.

Mehr Infos unter www.ijh.de

Text: Mike Ruckelshaus, Foto: IJH

Das Recht der Tiere 2/2006

35


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