Aktion Wandlungswelten - NOTausgang Jena eV

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Die Straßenzeitung aus Jena www.notausgang-jena.de

„Ich sehe was, was du nicht siehst!“

Hilf dir selbst


Titelbild: Dietmar Grocholl

2

NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

I N H A L T

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Kicken gegen

Armut S. 03

Ich schaffe es

aber nicht allein S. 04

Für und wider S. 05

Neue Wege gehen S. 05

Auf Ehre und Gewissen,

OB Schröter S. 06

Jeder kann sich

infizieren S. 07

Gruppe mit Herz S. 07

Dem Asthma

davongelaufen S. 08

Das Gewitter

im Gehirn S. 09

Die Ombudsfrau S. 10

SPEZIAL

AKTION

WANDLUNGS-

WELTEN

Drei Premieren

und ein Festival S. 15

Zwischen Brennholz

und Salamibrötchen S. 16

Unserer Verkäufer:

beste Seite S. 17

Orchideen-Jäger

aus Leidenschaft S. 18

Rechtseite:

Befristete

Beschäftigung S. 19

Games Convention

Machem PC-Spiele

süchtig? S. 20

Ben im Spiel-Fieber S. 20

Einfach cool S. 21

Kinderseite:

Basteltipp S. 22

Wie Martin hilft S. 22

ai aktuell S. 23

Ein Leben nach

dem Alkohol S. 23

Nächste Ausgabe:

Februar 2007

W O H I N - W E N N ?

Kontakt- und

Beratungsstelle

für Obdachlose:

Ein Dach für Alle

e.V. (EDA)

Merseburger Str. 27

07743 Jena

Tel.: (03641) 880030

Übergangswohnheim

der Stadt Jena

Am Steiger 4

07743 Jena

Tel.:(03641) 449335

Treff´s:

Jenaer Tafel e.V.

Tafelstube

Seidelstraße 21

07749 Jena

Tel.: (03641) 336920

Lucie e.V.

Begegnungsstätte

Wagnergasse 25

07743 Jena

Tel.: (03641) 44 32 89

Wohnberechtigungsscheine:

Sozialamt

der Stadt Jena

Wohnungswesen

Carl-Pulfrich-Str. 1

07745 Jena

Tel.: (03641) 494276

Wohngeld:

Wohngeldstelle

der Stadt Jena

Carl-Pulfrich-Str. 1

07745 Jena

Tel.: (03641) 494300

Schuldnerberatung:

Sozialamt der

Stadt Jena

Carl-Pulfrich-Str. 1

07745 Jena

Tel.: (03641) 494651

Schuldnerberatung

Jena e.V.

Fischergasse 2

07743 Jena

Tel.: (03641) 425507

Sucht:

DRK - amb. Drogenhilfe

„Chamäleon“

Paradiesstraße 3

07743 Jena

Tel.: (03641) 239540

Psychosoz. Beratungs-

und Behandlungsstelle

f. Suchtkranke

u. -gefährdete

Kritzegraben 4

07743 Jena

Tel.: (03641) 449322

Hilfe zur Selbsthilfe

Begegnung Jena e.V.

Max-Steenbeck-Str. 43

07745 Jena

Tel.:(03641) 618988

Psych. Probleme:

Psychosoz. Kontaktund

Beratungsstelle

der Diakonie

Forstweg 41

07745 Jena

Tel.: (03641) 619887

IKOS Jena

Löbdergraben 7

07743 Jena

Tel.: (03641) 615360

Behinderte:

Beratungsstelle des

Jenaer Zentrums für

selbstbest. Leben

Hermann-Pistor-Str.1

07745 Jena

Tel.: (03641) 331375

Kinder:

Kinder-City e.V.

Anna-Siemsen-Str. 19

07745 Jena

Tel.: (03641) 213415

Familie:

Zentrum für Familien

und Alleinerziehende

e.V.

Dornburgerstr. 26

07743 Jena

Tel.: (03641) 421398

Frauen:

Jenaer Interventionsstelle

gegen

häusliche Gewalt

Wagnergasse 25

Tel.: (03641) 664516

Frauenhaus e.V.

und Projekt MIGRA

Wagnergasse 25

07743 Jena

Tel.: (03641) 449872

JenaerFrauenhaus@jetzweb.de

Männer:

Konfliktberatung

Männersache e. V.

Ballhausgasse 1

07743 Jena

Tel.: (03641) 354690

Nottelefone:

Nottelefon für

Frauen in Gewaltsituationen

Tel.: 0177- 4787052

Kinder- und

Jugendnottelefon

Tel.: 0800 00 8008

Telefonseelsorge

Tel.: 0800 1110111

Allgemeine

Sozialberatung:

Caritas-Beratungsstelle

Jena

Wagnergasse 29

Tel.: (03641) 449257

Angaben:

Stand 07.06.2006

NOTausgang - Vertrieb - Verkäuferbetreuung

Mo - Fr 8.00 - 12.00 Uhr Di u. Fr 13 - 17 Uhr

I M P R E S S U M

NOTAUSGANG

Die Straßenzeitung aus Jena

Herstellung und Vertrieb erfolgen im Ehrenamt

zu gemeinnützigen Zwecken.

Mitglied

im Bundesverband

Soziale Straßenzeitungen

e. V.

Redaktion und Vertrieb:

Adresse:

Markt 19

07743 Jena

Telefon: (03641) 36 43 98 und 33 23 53

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E-Mail: Strassenzeitung@gmx.net

Redaktionsleiter:

Joachim Hennig (V.i.S.d.P.)

Layout:

Dietmar Grocholl, Joachim Hennig,

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Dietmar Grocholl, Benny Höffling,

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Nordmann, Berit Oberländer, Daniel

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und nach Vereinbarung

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Alle Mitbürger sind zu ehrenamtlicher Mitarbeit an

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Herausgeber:

Straßenzeitung NOTausgang e.V.,

Am Markt 19, 07743 Jena

Ilona Eberhardt (amt. Vorsitzende)

Alfred Hertel (stellv. Vorsitzender)

Bankverbindung:

Konto 11142 bei Sparkasse Jena

(BLZ: 830 530 30)

(Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 18.10.2006)

GEGRÜNDET IM JULI 1997


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○


Auf ein Wort

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Liebe

Leserin,

lieber

Leser,

wir haben

es uns zu

einer gutenGewohnheit

gemacht, die jeweils letzte Ausgabe

im Jahr dem Jenaer

Selbsthilfetag und der Arbeit

von Selbsthilfegruppen zu widmen.

Da liegt es nahe, dass

unsere Jahresendausgabe „Hilf

Dir selbst“ titelt. Mit dem Titel

wollen wir uns nicht zu Protagonisten

von Politik machen,

die sich zunehmend mehr mit

der Lüge von „leeren Kassen“

anschickt, sich aus ihrer sozialen

Verantwortung zu entlassen.

Ganz im Gegenteil.

Selbsthilfe ist immer auf persönliche

Bedürfnisse einzelner

gerichtet aber keine Privatsache.

Darin stimmen wir mit

der Mehrzahl jener Besucher

des Selbsthilfetages überein, mit

der wir ins Gespräch kamen

(S. 4). OB Schröter stellen wir

fünf Fragen zur Selbsthilfearbeit

in unserer Stadt (S.6). Er

sagt: „Gäbe es keine intakten

Selbsthilfegruppen in unserer

Stadt, so müssten wir sie erfinden.“

Vor allem aber kommen Mitglieder

von Selbsthilfegruppen

zu Wort. Sie stellten die Hilfsangebote

ihrer SHG in der

Goethe-Galerie vor. Sie berichteten

darüber, wie Selbsthilfe

funktioniert. Bei aller Hilfe von

außen (gewährt oder erhofft)

erfuhren wir, gilt: „Hilf Dir

selbst.“ Und an der Stelle ist

das Lebenserfahrung und nicht

Bibelzitat nach Lukas.

Joachim Hennig

Sie kickten in Kapstadt gegen Armut

Fast schon erschreckend hoch, so der Trainer der Deutschen

Obdachlosennationalmannschaft Dieter Hollnagel, präsentierte

sich das fußballerische Niveau beim diesjährigen Homeless

Worldcup in Kapstadt - Südafrika.

Seine Mannschaft zeigte im Turnierverlauf hervorragende

kämpferische wie spielerische Leistungen. Australien und die

USA wurden in der ersten Gruppenphase überzeugend mit

5:2 und 4:0 geschlagen.

Im entscheidenden Spiel unterlag das Deutsche Team unglücklich

im Penaltyschießen gegen Brasilien. Das Ausgleichstor

der Brasilianer zum 3:3 Endstand war erst in den letzten Sekunden

der Nachspielzeit gefallen. Eine weitere Niederlage

im Penaltyschießen gegen Chile lässt der Nationalmannschaft

nun nur noch Chancen auf Platz 17 bis 24 im Feld der 48

teilnehmenden Länder. Schließlich belegte die deutsche Mannschaft

den 22. Tabellenplatz.

Trotz aller Enttäuschung darüber, nicht unter die ersten 10

gekommen zu sein, bestand für den Organisator der deutschen

Beteiligung am Homeless Worldcup, Jo Tein, kein

Grund, den Kopf hängen zu lassen: „Erstmals seit Bestehen

des Homeless Worldcup findet sich das Deutsche Team am

Ende des Turniers in der oberen Tabellenhälfte wieder. Auch

wenn wir mehr erhofft hatten, zeigten wir uns hier für den

Rest des Turniers als faire Sportsleute und werden die Erfahrungen

aus der Meisterschaft für die Vorbereitung auf die

nächste Fußballweltmeisterschaft der Wohnungslosen 2007

in Kopenhagen nutzen“.

Unabhängig vom sportlichen Erfolg der einzelnen Mannschaft

bietet der Homeless Worldcup ein einzigartiges Erlebnis für

die Teilnehmer und ein ebenso einzigartiges Forum internationaler

Begegnung von wohnungslosen Menschen und deren

Betreuern. Die Auswirkungen auf das weitere Leben der

Spieler aber auch auf die Entwicklung von Fußballprojekten

in der Arbeit mit Wohnungslosen in aller Welt sind ein Beleg

für die beispiellose Integrationskraft des Homeless Worldcup.

Weitere Informationen und Liveberichte vom Spielfeld in

Kapstadt unter www.streetsoccer.org

Nach einem Skript von: Jo Tein

Vorstand BV soziale Straßenzeitungen

Koordination der deutschen Beteiligung

Wer zuerst kommt...

Mit Grüßen an die Leser unserer Straßenzeitung übersandte

uns Lutz Rathenow drei Exemplare seines im Jaron Verlag

erschienenen Buches „Ost-Berlin - Leben vor dem Mauerfall“

(ISBN 3-89773-522-9). Getreu dem Motto: Wer zuerst

kommt.... freuen wir uns, die Exemplare an interessierte Leser

verschenken zu können. Wir freuen uns über Ihren Besuch

in der Redaktion in Jena, Markt 19.

DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

Heute und 2007

Zu einem brillanten Feuerwerk

hat unser Hobbygrafiker

Dietmar Grocholl

Namen von Selbsthilfegruppen

an den Himmel

über die Silhouette unserer

Stadt gesetzt.

Ein Feuerwerk der Bewunderung

und des Dankes für persönlichen

Einsatz. Einsatz aus

idealistischem Beweggrund

und auch zum eigenen Nutzen.

Das ist, was zu würdigen

und zu fördern auch

Absicht unserer Zeitung ist.

So wünschen wir all jenen

Erfolg, deren Tätigsein nicht

nur sich selber sondern auch

dem Nächsten nützt. Heute

und morgen und 2007.

Das Redaktionsteam

Unser Job geht so

Wir vom NOTausgang sagen:

Kein Job ist so hart,

als der, nicht gebraucht zu

sein.

Unser Job geht so:

Die Redaktion (Markt 19, unter

Reformhaus Tonndorf) besuchen.

Als Verkäufer eintragen

und einen Verkäuferausweis

ausstellen lassen.

Zeitung empfangen und

mit jedem verkauften Exemplar

52 Cent verdienen - keine

Vorkasse.

Wir freuen uns auf neue Mitstreiter

für unsere Sache.

3

IHRE MEINUNG IST GEFRAGT: www.notausgang-jena.de


Filz, Hans-Peter; Huep, Wolf-Werner; Halter, Frank; Grün, Elisabeth Ärzte/Selbsthilfegruppen/GKV 2000: Erfolgreiche Kooperation am Beispiel der Diabetologie Deutsches

Ärzteblatt 97, Ausgabe 9 vom 03.03.2000, Seite A-519 / B-420 / C-417 THEMEN DER ZEIT: Aufsätze

4

NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Aktiv in Sachen

Selbsthilfe

Wir trafen

sie bei ihrer

Lobbyarbeit

für die

Selbsthilfe

- Gabriele

Wiesner,

Leiterin der IKOS in Jena.

„Zu allererst bin ich Ansprechpartnerin

für Menschen,

die sich in Selbsthilfegruppen

(SHG) treffen, um

ihre Probleme zu lösen, für

deren Angehörige und für

jene, die sich einer SHG anschließen

wollen“, sagte sie

uns zu den Gesundheitstagen

in der Goethe-Galerie.

Für Menschen in Problemsituationen

sei es wichtig zu

wissen, wo ihnen Hilfe zur

Selbsthilfe angeboten wird.

Das bewiesen die Selbsthilfetage

nachhaltig. „Ich habe

große Hochachtung vor den

Mitgliedern von Selbsthilfegruppen,

die sich an diesem

Tag zu ihren Problemen öffentlich

bekennen. Aber nur

so funktioniert Selbsthilfe. Sie

helfen damit auch negative

Bewertungen und Vorurteile

gegen Menschen abzubauen.“

Zum anderen unterstützt sie

die Neugründung von SHG.

„Wenn zwei oder drei durch

Austausch ihrer Erfahrungen

und gegenseitige Hilfe ihre

persönlichen Lebensumstände

verbessern wollen, es aber

im erreichbaren Umfeld keine

SHG gibt, ermutige ich

gerne, eine zu gründen.“ So

wächst deren Zahl und mit

ihnen die Chance, Hilfe zur

Selbsthilfe zu erfahren.

JKH

www.selbsthilfe-thueringen.de

„Ich schaffe es aber nicht allein!“

Spätestens wenn das Leben

lehrt: „Wenn jeder an sich

denkt, ist an alle gedacht“ erschließt

sich auch dem Atheisten

das Wort: „Hilf dir

selbst, so hilft dir Gott.“ Diese

mittelalterliche Weisheit

taucht schriftlich fixiert im 16.

Jahrhundert beim Schriftsteller

Justus Georg Schottel in

der Form: "Mensch, hilf dir

selbst, so hilfet Gott mit." auf.

Ähnliches schrieben auch

schon antike Römer wie Cicero:

„Den Mutigen hilft das

Glück“.

Also Selbsthilfe. Selbsthilfe,

wie wir sie heute kennen, hat

ihre Vorläufer in der Emanzipationsbewegung

des 19.

Jahrhunderts. Durch sie entstanden

Gruppen, Vereine

und Organisationen, die einen

weitgehend freien Austausch

von Gleichgesinnten unter

dem Deckmantel auch gesundheitsorientierterSelbsthilfe

ermöglichten. Insbesondere

waren das Gruppen der

Frauen- und Jugendbewegung,

die nur unter diesem

Deckmantel aktiv werden

konnten.

Als sich 1935 in Akron, Ohio,

der anerkannte Chirurg Dr.

Robert Holbrook Smith

(Bob, 55) und der New Yorker

Börsenmakler William

Griffith Wilson (Bill, 39) zufällig

begegneten, dachte keiner

von beiden, dass sie eine

der ersten Selbsthilfegruppen

(SHG) in der Medizingeschichte

gründen würden. Sie

litten schwer unter der Krankheit

Alkoholismus.

Sie stellten fest, dass ihr Zwang

zu trinken schwand, als sie sich

offen über ihre Krankheit un-

Selbsthilfe - Geschichte und Hintergründe

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

terhielten. Sie brauchten sich

nicht voreinander zu verstecken.

Endlich konnten sie ehrlich

über ihre Not und Ängste

sprechen. Und Bill W. und

Bob S. erkannten dieses Genesungsprinzip

und suchten

weitere Alkoholiker, um es

anzuwenden und neue Erkenntnisse

zu sammeln.

Das Zusammentreffen der

beiden, von Fachleuten als

hoffnungslos abgeschriebenen

Alkoholiker, führte zu ihrer

Lebenswende und zur

Gründung der Gemeinschaft

der Anonymen Alkoholiker.

Selbsthilfe braucht

offene Gesellschaft

Erst die sozialen Umwälzungen

der 60er Jahre machen

offene Selbsthilfe im heutigen

Verständnis möglich. Sie setzt

voraus, dass Betroffene sich

öffentlich zu ihren Problemen

bekennen können, ohne gesellschaftliche

oder strafrechtliche

Sanktionen zu befürchten.

In besonderer Weise hat sich

der Psychoanalytiker Michael

Lukas Moeller um die SHG-

Bewegung verdient gemacht.

In den siebziger Jahren beschäftigte

er sich mit dem Phänomen,

dass der Austausch

und die wechselseitige Beratung

von Menschen, die das

gleiche Problem haben, helfen

kann, das Problem zu lösen.

Er kann somit als der wichtigste

Gründer der neuen

SHG-Bewegung in Deutschland

gelten.

Die ersten SHG konnten auf

Hilfe und Unterstützung nicht

bauen. Einige verzichten ihrer

Unabhängigkeit willen auch

heute noch darauf und unter-

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

halten sich durch eigene Spenden.

Seit sich aber die Leistungen

der schätzungsweise

100.000 SHG in Deutschland,

denen rund 3 Mio. Menschen

angehören, in den letzten Jahren

als preiswerte Ergänzung

zum professionellen Gesundheitssystem

erweisen, besteht

für gesundheitliche SHG nach

SGB V § 20 Abs. 4 seit 2000

eine gesetzliche Finanzierungspflicht

durch die Kassen.

Fachmediziner erkannten:

„Ein weiteres Problem im

Praxisalltag ist häufig ein

Motivationsverlust chronisch

Betroffener, der in verschiedenen

Lebens- und Erkrankungsphasen

ganz in den

Vordergrund rücken und zu

ernsthafter Gefährdung des

Patienten führen kann. Selten

hat ein niedergelassener Arzt

die Möglichkeit, einen demotivierten

Patienten durch

lang dauernde Gespräche zu

motivieren. Durch Erfahrungsaustausch

unter Leidensgenossen

mit kleinen

Tipps, gegenseitiger Motivation

und Verständnis für die

Problemsituation kann eine

solche Krisensituation in der

Selbsthilfegruppe oft gemeistert

oder zumindest verbessert

werden. Dadurch

wird einerseits der Arzt entlastet,

andererseits der Therapieerfolg

verbessert.“

(Quelle: links außen)

„Ich schaffe es aber nicht allein!“

- ist das Motto der

Selbsthilfearbeit in Jena. Am

16. Selbsthilfetag waren wir

dem auf der Spur und widmen

ihm die folgenden Seiten

unseres Heftes.

Joachim Hennig


Für und wider

Selbsthilfe

Also doch. Wir dürfen uns

auf die Schultern klopfen.

Was die Organisatoren der

Initiativen gegen die Ausgrenzung

von immer mehr

Mitbürgern aus der Teilhabe

am Arbeitsprozess beklagen,

dessen können sich offenbar

die Mitstreiter in

Selbsthilfegruppen sicher

sein, der Solidarität.

Schließlich sagen 87,1 Prozent

der durch uns befragten Besucher

des 16. Selbsthilfetages:

Selbsthilfe ist keine Privatsache.

Sie sagen auch, Selbsthilfe darf

an Geldmangel nicht scheitern.

Wenn die Zahl der Befragten

auch zu keinem repräsentativen

Meinungsbild führen kann, geben

die Ergebnisse doch Einblicke

in die Denkweise unserer

Mitbürger. Der Stadt schreiben

66,7 Prozent ins Stammbuch:

Die Stadt tut nicht genug

zur Unterstützung sozialer Vereine

und der Selbsthilfe.

Lediglich sieben Befragte sagen

das Gegenteil. Nachgetragen

sei: Von denen hat bisher

keiner eines der SH-Angebote

genutzt oder nutzen müssen.

Den Ansatz mancher Selbsthilfegruppe,

die sich ausschließlich

von eigenen Spenden unterhält,

wollen nur 14,8 Prozent

als absolut richtig anerkennen.

Darüber nachzudenken aber

halten weitere 63 Prozent angesichts

wachsenden Finanzbedarfs

der Stadt für geboten.

Von den Selbsthilfegruppen erwarten

mehr als 90 Prozent

mehr Eigeninitiative, um Stellenwert

und Leistung von

Selbsthilfearbeit stärker in die

Öffentlichkeit zu tragen.

Joachim Hennig

Hg. Anfang Oktober ist

für Selbsthilfegruppen in

Jena ein großer Tag. Das

ist nun schon seit 16 Jahren

so. Da haben sie ihren

Tag - den Selbsthilfetag.

Was bescheiden im Hotel

„Am Stadion“ begann und

dem Anspruch, der Jenaer

Selbsthilfearbeit Öffentlichkeit

zu geben, abseits des Publikumsstromes

selten gerecht

wurde, hat sich im neuen

Quartier, in der Goethe-Galerie,

zu einem stadtoffenen

Ereignis gemausert. Das wird

nicht nur daran deutlich, dass

von Jahr zu Jahr mehr Gruppen

den Tag mit Präsentation

ihrer Arbeit mitgestalten. Das

würdigte Dezernent für Familie

und Soziales Frank Schenker

(Bild oben - Mitte) in seinen

Grußworten an die Teilnehmer

und Gäste. „Die

hohe Zahl der Teilnehmer

zeigt, dass Mut und Bereitschaft

zu ehrenamtlichem Engagement

und zur Selbsthilfe

zunehmen. Selbsthilfegruppen

DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

Im Füreinander neue Wege gehen

16. Selbsthilfetag setzte Zeichen für Miteinander der Selbsthilfe

Dezernent F. Schenker:

„Beispielhaft stehen hier

betroffene Bürger füreinander

ein.“

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

informieren Betroffene und

Angehörige und bieten vor allem

auch praktische Lebenshilfe.

Ein wichtiges Element ist

dabei der Erfahrungsaustausch

zur gegenseitigen sachlichen,

aber auch emotionalen

Unterstützung.“ Darin läge

auch ein Grund dafür, dass die

Nachfragen aus der Bevölkerung

nach solchen kostenlosen,

aber wirksamen Hilfen

ständig steige.

„Wenn man sich hier mit seinen

Problemen an Menschen

mit ähnlichen Lebenssituationen

wenden und in Erfahrungsaustausch

treten kann,

dann ist dieses Miteinander

sehr echt und ergänzt in unterstützender

Form die Arbeit

von Ärzten, Therapeuten und

anderen Mitarbeitern des Gesundheits-

und Sozialwesens.“

Schenker nutzte die Gelegenheit,

sich in seinem neuen Aufgabengebiet

als Dezernent für

Familie und Soziales mit den

Vertretern der anwesenden

Selbsthilfegruppen und sozialen

Einrichtungen bekannt zu

machen. In den persönlichen

Gesprächen fand er seine

Dankesworte an die Organisatoren

bestätigt: „Es ist nicht

hoch genug einzuschätzen,

dass die Mitarbeiter von IKOS

und ihre Verbündeten diesen

Selbsthilfetag wieder organisieren

konnten. Zum einen

wird hier im öffentlichen

Raum das ehrenamtliche Engagement

vieler Bürgerinnen

und Bürger gewürdigt, zum

anderen wird dadurch Öffentlichkeits-

und Aufklärungsarbeit

geleistet und die

Schwelle für Betroffene, sich

der einen oder anderen Initia-

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

tive anzuschließen, wird gesenkt...

In der Jenaer Selbsthilfezeitung

diesen Jahres steht u.a.:

,Das Land muss sparen, aber

zum Nulltarif gibt es auch

Selbsthilfe und Ehrenamt

nicht - für die Betroffenen

schon, aber nicht für die Gesellschaft.’

Dem kann ich nur

zustimmen und ich sichere

Ihnen zu, dass ich mich für die

kommunale Unterstützung

Ihrer Arbeit mit ganzer Kraft

einsetzen werde. Liebe Berater,

Unterstützer, liebe Jena-

Altrektor Prof. Dr. med.

G. Machnik: „Hohen Respekt

zolle ich der ehrenamtlichen

Selbsthilfe.“

erinnen und Jenaer, beispielhaft

stehen hier betroffene

Bürger füreinander ein.“

Diesen Gedanken würdigte

Altrektor Prof. Dr. med. Georg

Machnik, der aus dem Eröffnungsforum

heraus um

persönliche Worte gebeten

wurde. Er habe aus gutem

Grund den Selbsthilfetag besucht.

Der persönliche und

ehrenamtliche Einsatz in

Selbsthilfegruppen sei nicht

hoch genug zu würdigen.

Fotos: Autor/Mützlaff

5

Ihre Meinung ist uns wichtig. Schreiben Sie uns: redaktionsteam@freenet.de


6

NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Mit Alfred Nobel

im gleichen Boot

Sie sitzen mit Alfred Nobel

im gleichen Boot: Hermine

Baumert (links) und

Sabine Wiesel. „Auf die

SHG Epilepsie wurde ich

während eines Selbsthilfetages

vor etwa fünf Jahren aufmerksam“,

sagte S. Wiesel.

Seither arbeitet sie in der

Selbsthilfegruppe regelmäßig

mit. Sie leidet schon seit frühen

Kinderjahren an der viel

zu wenig bekannten Krankheit.

Wenn auch rund ein Prozent

der Bevölkerung damit

leben muss, dass spontane

elektrische Entladung ihrer

Gehirnzellen ebenso unerwartet

einen Blackout verursacht,

wissen viele nicht, wie

sie auf Betroffene reagieren

sollen. In der Regel ist kein

Eingreifen nötig, denn der

Anfall endet nach wenigen

Minuten von selbst. Die nötigen

Hilfsmaßnahmen bestehen

in der Verhinderung von

Verletzungen (Abpolstern,

Entfernen von Gefahrenquellen,

kein Festhalten, kein

Mundkeil). Sie ist dankbar,

durch die Öffentlichkeitsarbeit

anderer zur SHG gefunden

zu haben. Diesen Dank

statte sie nun durch ihre Teilnahme

ab. Hg

Notausgang wollte es wissen:

Wie steht OB Dr. Albrecht

Schröter zur Arbeit der

Selbsthilfegruppen in unserer

Stadt? Fünf Fragen stellte

unser Redaktionsteam dazu.

Auf Ehre und Gewissen, Herr

Oberbürgermeister:

1. Worauf begründet sich

Ihre persönliche Wertschätzung

für die Arbeit von

Selbsthilfegruppen in unserer

Stadt?

Vor der Arbeit der Selbsthilfegruppen

habe ich sehr große

Achtung. In meiner Arbeit

als Sozialdezernent in den letzten

sechs Jahren hatte ich zahlreiche

Kontakte zu Menschen,

die in irgend einer Weise betroffen

sind und sich in einer

Selbsthilfegruppe engagieren.

Die Resonanz ist immer positiv,

weil die Arbeit bzw. das

Zusammensein dort so wichtig

sind. Oft ist es der bloße

Austausch über das eigene

Anliegen oder die gemeinsame

Gestaltung der freien Zeit,

die Menschen Lebenszuversicht

schöpfen lässt. Diese ehrenamtliche

Arbeit ist enorm

vielfältig und sehr anerkennenswert

und wird im Thüringen-Vergleich

wohl einzigartig

sein.

2. Ist Selbsthilfe vorrangig

an ganz persönliche Bedürfnisse

von Betroffenen

orientiert und damit nicht

Privatsache?

Menschen gehen natürlich aus

persönlichen Gründen zu einer

Selbsthilfegruppe, um

dort Hilfe und Unterstützung

zu finden. Die damit verbundenen

sozialen Kontakte sind

enorm wichtig. Die Selbsthilfe

als solche aber gewinnt eine

gesellschaftliche Dimension,

weil so viele Menschen die

Angebote nutzen. Allein in

Jena gibt es mehr als 100

Selbsthilfegruppen. Ein ver-

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

Auf Ehre und Gewissen

Fragen an OB Dr. Schröter zur Selbsthilfearbeit

OB Dr. A. Schröter: „Gäbe

es keine intakten Selbsthilfegruppen

in unserer

Stadt, so müssten wir sie

erfinden.“

Foto: privat

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

gleichbares Angebot könnte

die Stadt gar nicht auf die

Beine stellen.

3. Unterstützung von

Selbsthilfe gehört nicht zu

den Pflichtaufgaben der

Stadt. Welche Voraussetzungen

müssen gegeben

sein, damit die Stadt die

Selbsthilfearbeit unterstützt

und in welchem

Umfang vermag sie es heute?

Selbsthilfe ist keine Pflichtaufgabe,

aber die Stadt ist als

Sozialhilfeträger zur Hilfe für

den Einzelnen verpflichtet.

Das käme der Stadt teuerer zu

stehen, wenn es die Selbsthilfegruppen

nicht gäbe. Deshalb

unterstützt die Stadt die

Selbsthilfegruppen unter dem

Dach der Informations- und

Kontaktstelle der AWO

(IKOS) seit Jahren mit ca.

100.000 •. Bestehende und

neue Selbsthilfegruppen können

auf das Netzwerk, die

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Geschäftsstelle und die Unterstützung

von IKOS zurückgreifen,

ihre ehrenamtliche

Arbeit wird dadurch spürbar

erleichtert.

4. In mehreren Städten haben

sich Gesundheitshäuser

für die Gesundheitsförderung

und als Heimstätten

für gesundheitsfördernde

Gruppen bewährt. Sind

Gesundheitshäuser für

Jena ein Modellfall, über

den nachzudenken lohnt?

Es ist immer gut, sich mit erfolgreichen

Projekten anderer

Kommunen auseinander zu

setzen, um die eigene Arbeit

zu verbessern. In Jena hat sich

allerdings über die vergangenen

15 Jahre ein sehr breites

Netzwerk der Gesundheitsprävention

und Fürsorge entwickelt.

Die Selbsthilfegruppen

sind da ein wichtiger Bestandteil.

Das Netzwerk beruht

auf dezentralen Strukturen

und hat sich meines Erachtens

gut bewährt.

5. Was würde unserer Stadt

fehlen, gäbe es keine intakten

Selbsthilfegruppen?

Ich denke, gäbe es keine intakten

Selbsthilfegruppen in

unserer Stadt, so müssten wir

sie erfinden bzw. gründen.

Nicht nur aus Haushaltssicht

der Stadt Jena, sondern aus

Sicht der Betroffenen. Das

Spektrum der Gruppen ist

erstaunlich breit. Die Kontakte

der Menschen zu anderen in

einer ähnlichen Lebenslage, sei

es die beeinträchtigte Gesundheit

oder ein schlimmer

Schicksalsschlag, sind enorm

wichtig. Ich bin froh, dass

Jena hier ein so enges soziales

Netz hat und werde dafür

sorgen, dass es erhalten bleibt.


Ich staune wie schnell und geschickt

Paul Kaufmann seinen

elektrischen Rollstuhl durch

die Menschenmenge lenkt.

Auf dem 16. Jenaer Selbsthilfetag

lerne ich ihn und Ursula

Schäfer, beide Mitglieder des

Jenaer Polio Vereins, kennen.

Die Gruppensprecherin Frau

Schäfer klärt mich über die

Ursache ihrer Behinderung,

die Poliomyelitis oder Kinderlähmung,

auf: „Durch eine

Tröpfchen- oder Schmierinfektion

gelangt das Polio-Virus

vom Rachenbereich in den

Darm, von wo aus die Viren

sich im Rückenmark und Hirn

verteilen. Dort befallen sie die

muskelsteuernden Nervenzellen,

es kommt zu Lähmungserscheinungen.

Oft erholen

sich die Patienten wieder

einigermaßen davon, doch

nach 25 bis 30 Jahren machen

sich die ersten Spätfolgen bemerkbar,

das Post-Polio-Syndrom

hat eingesetzt. Es

kommt an den ehemals betroffenen

Stellen zu starken

Muskel- und Gelenkschmerzen,

Probleme beim Atmen,

Sprechen und Schlucken können

auftreten.“ Um sich über

dieses Syndrom auszutauschen

und das Leben damit

besser gestalten zu können,

wurde 1992 die Polio-Gruppe

gegründet. Inzwischen hat

sie 48 Mitglieder, die sich re-

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Jeder kann sich infizieren

SHG Polio: Regelmäßige Treffen und einander helfen

Ursula Schäfer und Paul Kaufmann suchen das Gespräch

mit Besuchern des 16. Selbsthilfetages Foto: J.Hennig

gelmäßig zum Gespräch treffen,

einander helfen, Vortragsveranstaltungen

sowie gemeinsame

Ausflüge planen

und durchführen. So traf man

sich beispielsweise schon mit

tschechischen Betroffenen

oder zu einer Orchideenwanderung

durchs Leutratal. Die

Anfahrt wurde dadurch vereinfacht,

dass es dem Jenaer

Verein von Amts wegen gestattet

ist, die Forstwege zu

nutzen. Überhaupt bemüht

sich die Gruppe sehr um die

Anerkennung des Post-Polio-

Syndroms als Behinderung.

Die Einschränkungen im Alltag

der betroffenen Personen

sind zahlreich. „Viele von uns

sind auf einen Rollstuhl ange-

DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

Friedrich

von SchlegelsWorte:

„Ein

Leben

o h n e

Hoffnung

ist wie ein

Vogel ohne Schwingen“, stellt

die „SHG mit Herz“ als Motto

ihrer Arbeit voran.

Wie wichtig es ist, nach einer

Herzklappenoperation Hoffnung

auf Genesung, Besserung

und ein neues Leben zu

haben, hatte Frau Helga Gröber

vor nunmehr 6 Jahren

selbst erfahren. Eine SHG, in

der sie mit Gleichbetroffenen

Erfahrung, Kraft und Hoffnung

teilen kann, gab es

damals noch nicht.

Im November 2000 gründete

sie mit Unterstützung der

IKOS die „SHG mit Herz“. In

ihr treffen sich Herzerkrankte

zu helfenden Gesprächen

aber auch in der Herzsportgruppe

und zu anderen Aktivitäten,

wie Fachvorträgen,

Wanderungen und Besuchen

von Facheinrichtungen.

Für Interessierte ist Frau H.

Gröbe unter der Rufnummer:

03641 36 19 01 zu erreichen.

Hg

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wiesen. In den Supermärkten

kommt man, weil sie oft so

weit oben stehen, an die benötigten

Artikel nicht ohne

fremde Hilfe ran. Und auch

das Vorwärtskommen klappt

mit dem Rollstuhl nicht

immer, eine einfache Bordsteinkante

kann ein unüberwindbares

Hindernis sein“,

berichtet Herr Kaufmann mir.

Eine Polioerkrankung mit ihren

verheerenden Spätfolgen wünschen

meine beiden Gesprächspartner

keinem: „Obwohl sie

so heißt, befällt die Krankheit

nicht ausschließlich Kinder. Jeder

kann sich damit infizieren

und jedem sollte die eigene

Gesundheit eine Impfung wert

sein.“ Berit Oberländer

Gruppe mit Herz

7


NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Sie ist mit ihrem Leiden bei

weitem nicht allein. Das erfuhr

Frau Lilo Cz. in der

Kontinenz-SHG Jena. „Von

der Inkontinenz sind weltweit

nach heutiger Schätzung 50 -

200 Millionen Menschen betroffen,“

erklärte sie. „Alleine

in Deutschland sind etwa 5

bis 8 Millionen Menschen betroffen.

Geht man von den

Verkaufszahlen der Hersteller

für Inkontinenzhilfsmittel aus,

so dürften über 10 Millionen

Menschen in Deutschland an

Inkontinenz leiden.“

Alleingelassen kam sie sich

schon vor, als sie bemerkte,

dass sie zunehmend unter

unfreiwilligem Harnabgang

litt. Wenn Inkontinenz auch

kein lebensbedrohliches

Krankheitsbild ist, belasteten

sie die damit verbundenen

sozialen und hygienischen

Probleme zunehmend. Im

Austausch mit Gleichbetroffenen

findet sie seit drei

Jahren Rat und Hilfe. Diese

Gemeinschaft möchte sie

nicht missen Deshalb engagiert

sie sich auch um das

Wirken der SHG öffentlich

zu machen.

Treff: 3. Montag i. M. bei

IKOS). Hg

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8

Kein Thema für die

Einkaufstüte

Birgit Fischer ist Deutschlands

erfolgreichste Sportlerin. Die

Kanutin ist 27-fache Weltmeisterin

und gewann acht

Goldmedaillen bei Olympischen

Spielen. Was kaum jemand

weiß: ihr letztes olympisches

Gold vor zwei Jahren

in Athen errang sie trotz Asthma-Erkrankung.

Asthma und

Sport passen besser zusammen,

als die meisten denken.

Das bewiesen auch 14 Asthma-Patienten

aus Hamburg.

Unter ärztlicher Betreuung

und mit gezielter medikamentöser

Behandlung trainierten

sie für den letztjährigen New-

York-Marathon. Alle 14

Hobbysportler kamen ins Ziel.

Asthma ist eine Erkrankung

mit dauerhafter Entzündung

der Schleimhäute der tieferen

Atemwege, die mehr oder

weniger stark verengt sind,

was zu Husten, Kurzatmigkeit

und anfallsartiger Atemnot

führt. In Deutschland sind

etwa vier Millionen Menschen

von der Krankheit betroffen,

deren Symptome durch

Allergieauslöser, Rauch und

Schadstoffe verstärkt werden

können.

Die beste Therapie für Asthma-Patienten

ist eine Kombination

aus Medikamenten und

Sport, sagt Frau Dr. Inge

Häußler von der Asthma-

Selbsthilfegruppe Jena. „Auch

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Dem Asthma davongelaufen

SHG hilft mit Krankheit bewusst umzugehen

Frau Dr. Inge Häußler

Foto: J.K.H.

wenn die Patienten denken, es

läuft gut, so sollten sie über die

medikamentöse Therapie hinaus

mehr tun“, gibt Frau Dr.

Häusler zu bedenken.

Für einen Marathon-Lauf trainieren

die Mitglieder der Asthma-Selbsthilfegruppe

Jena

zwar nicht, dem Sport haben

sie sich trotzdem verschrieben.

Ob Gymnastik, Steppübungen,

Sport an Fitnessgeräten

oder spezielle Dehnübungen,

„weniger passive

Therapie, mehr Sport“ ist das

Motto der Gruppe, die sich

einmal in der Woche trifft und

dabei physiotherapeutisch betreut

wird.

Die Aktivitäten der Selbsthilfe-

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

gruppe beschränken sich aber

nicht nur auf den Sport. Regelmäßig

werden Vorträge

und Gesprächsrunden organisiert,

Wanderungen durchgeführt,

Asthmaschulungen in

Kurkliniken abgehalten,

Entspannungstechniken erprobt

und Atemübungen gemacht.

Bestimmte Hust-Techniken

können den Alltag der

Asthma-Patienten ebenfalls

erleichtern.

Unterstützung erfährt die Gruppe,

die seit ungefähr 15 Jahren

besteht und auch Mitglied im

Landesverband Allergie-, Neurodermitis-

und Asthmahilfe

Thüringen (ANAT) e. V. ist, u.a.

von der IKOS und der AOK.

„Jede chronische Krankheit

braucht mündige Patienten, die

Informationen über ihre Krankheit

haben und den Arzt als Partner

brauchen“. Hier sieht Frau

Dr. Häußler ein wichtiges Aufgabengebiet

der Selbsthilfegruppe.

Wer Interesse hat, kann

sich entweder mittwochs im

Therapiezentrum Andreas

Krause (Ernst-Abbe-Platz) einfinden,

wobei ein Rezept erforderlich

wäre, oder unter 03641/

620801 mit Frau Dr. Häußler

in Kontakt treten.

Daniel Pfletscher


Vorgestellt

Bereits in achter Auflage liegt

der Wegweiser zu Jenaer

Selbsthilfegruppen vor. In ihm

sind deren Angebote kompakt

und einprägsam beschrieben.

Außerdem werden

Beratungs- und Hilfsangebote

vorwiegend aus dem Sozial-

und Gesundheitsbereich

vorgestellt.

Die Gruppen, Verbände,

Vereine und Beratungsstellen

präsentieren sich jeweils

auf einer Seite als kompetente

Partner und nennen ihre

Kontaktanschriften. Übersichtlich

gestaltete Verzeichnisse

erleichtern die Suche

nach den gewünschten Informationen.

Herausgeber ist die IKOS

Jena.

Die Attacken kommen

immer wieder. Pulsierend

und pochend. Mal wird die

eine Seite, mal die andere

Seite des Kopfes völlig außer

Gefecht gesetzt. Licht

und anhaltender Lärm nerven

besonders. Gerüche

stören extrem. Der Appetit

lässt nach. Übelkeit bis

zum Erbrechen. Wie ein

Faustschlag trifft der

Schmerz. Als ob Kanonenkugeln

aus dem Inneren

heraus gegen die Schädeldecke

donnerten. Meistens

dauern diese Attacken einen

ganzen Tag lang an,

selten länger als drei.

Migräne ist die lästigste unter

den 160 bekannten Kopfschmerzformen

und unheilbar.

Im Unterschied zu allen

anderen verstärkt sie sich bei

der kleinsten Anspannung. Da

hilft nur, sich im Bett zu verstecken.

Monika Hilliger, von Beruf

Lehrerin und jetzt mit 63 im

Vorruhestand, weiß um das

„Gewitter im Gehirn“ aus eigenem

Erleben. Sie trägt stets

ein Medikament bei sich. Sie

weiß, nur das kann letztlich

helfen, auch vorbeugend, und

sie weiß, dass viele das nicht

wissen. Sie verkriechen sich lieber

und hadern mit ihrem

Schicksal, sagt sie. Dem tritt

sie mit Information und Auf-

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DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

Das Gewitter im Gehirn

Monika Hilliger klärt über Migräne auf

Monika Hilliger vermittelt

Wissen und Erfahrung

klärung entgegen. Aus ihrer

Mitarbeit in medizinischen

Fachgremien bezieht sie ihr

Wissen, das sie Gleichbetroffenen

vermittelt. Auslöser für

ihr Engagement war auch ihre

Beobachtung als Pädagogin,

dass zunehmend Kinder und

Jugendliche unter den Anfällen

leiden. Bei ihnen fängt es

zumeist mit Bauchschmerzen

an. Schnell werde unterstellt,

sie wollten sich nur drücken.

Im Frühjahr 2005 gründete sie

mit zwei weiteren Interessierten

die in Ostdeutschland dritte

Migräne-Selbsthilfegruppe

(Tel. 44 57 28). An jedem dritten

Mittwoch im Monat treffen

sich etwa zehn Frauen.

Männer fehlen. Obwohl Mi-

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gräne keine ausgesprochene

Frauenkrankheit ist. Immerhin

acht Prozent des vermeintlich

stärkeren Geschlechts wäre

deutschlandweit betroffen, zitiert

die Lehrerin im Unruhestand

die Statistik.

In der Gruppe klärt sie auf,

gibt Empfehlungen, regt zum

Gedankenaustausch an. Gemeinsame

Wanderungen oder

Besuche im Botanischen Garten,

wo man sich über Migräne

lindernde Pflanzen wie den

Pestwurz informiert, stärken

zudem die sozialen Kontakte.

Frau Hilliger wünscht sich

mehr öffentliches Interesse.

Wichtig sind ihr hierzu die

IKOS-Selbsthilfetage und sie

verweist auf von ihr organisierte

Vorträge von Ärzten

und Apothekern. In diesem

Zusammenhang bedauert sie,

dass sie auf ihre 2005 vorgetragene

Anregung, Migräne in

der populären MDR-Fernsehsendung

„Hauptsache gesund“

zu thematisieren, bis

heute vertröstet wird.

Um die Gruppenarbeit zu

popularisieren, sollen ein

Logo und Flyer entwickelt

werden. Dabei denkt Frau

Hilliger auch an die Nutzung

des NOTausgang-Layoutstudios.

K. Wendt

9


10

NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Ombudsstelle zu Hartz IV hilft und vermittelt

Ombudsfrau H. Haupt: „Froh bin ich, wenn sofort gehandelt wird.“

Wer weiß, vielleicht hätte Luther

heute amtliche Verordnungen

und Vorschriften ins

Deutsche übertragen, um Probleme

und Beschwerden mit

deren Umsetzung im Vorfeld

zu minimieren. Vielleicht aber

hätte ein Luther auch nicht

ausgereicht, denn dem „Volke

aufs Maul geschaut“, geschweige

denn in seine Seele,

ist selten, was aus deutschen

Amtsstuben auf die Bürger

zukommt. Da machen die

Hartz-Gesetze keine Ausnahme.

Die vor Jahresfrist eingerichtete

Ombudsstelle Hartz

IV will Betroffene unabhängig

beraten und mit der Werkleitung

von jenarbeit auftretende

Problemlagen beraten

sowie in kommunalen Gremien

Verbesserungsvorschläge

erörtern. Ehrenamtlich arbeitet

Helga Haupt als Ombudsfrau

im Begegnungszentrum

Jena e.V. Ihm wurde diese

Aufgabe durch die Stadt übertragen.

„In der ersten Zeit

konzentrierten sich die Anfragen

auf die Antragstellung, die

Pflichten zur Offenlegung und

damit zusammenhängende

Probleme. Zeitgleich waren

Kritikpunkte der Erreichbarkeit

und der Kompetenz der

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Unsere Gesprächspartnerin

Helga Haupt Foto: Autor

Fallmanager bei jenarbeit zu

überwinden.“ Selbst seit langem

arbeitslos, versteht sie die

Probleme der Ratsuchenden.

„Verstehen und Helfen gehören

zusammen. Auch in meiner

Tätigkeit. Ich kann nur

dem helfen, dessen Anliegen

ich verstehe. Und Verstehen

meint zuerst, den Gesetzestext

und dessen Durchführungsbestimmung

zu kennen und die

Pflichten und Rechte der Betroffenen.

So vermag ich auf

individuelle Besonderheiten

einzugehen. Es geht ja nicht

darum, das Wünschenswerte

möglich werden zu lassen. Es

geht darum, die nach dem

Gesetz berechtigten Interessen

und Ansprüche durchzusetzen,

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Fragen zu klären, aufzuklären

und im Bedarfsfall zu vermitteln.

Für meine Tätigkeit ist

wichtig, dass mein konsequentes

Eintreten für die Belange

der Ratsuchenden durch die

Mitarbeiter von jenarbeit stets

aufgeschlossen aufgenommen

wird.“ Fehler vom Amt können,

wenn sie nicht schnell und

unbürokratisch korrigiert werden,

arge Folgen haben, weiß

Frau Haupt. Wenn ein Mitmieter

als Partner aufgefasst

wird und dadurch Leistungen

gekürzt werden oder einer alleinerziehenden

Mutter mit

zwei Kindern die Kosten für

das behinderte Kind über

Monate nicht gezahlt werden,

kann es schnell eng werden.

„Ich bin immer froh, wenn da

sofort gehandelt wird. Gerne

gebe ich Hilfestellung bei der

Formulierung von Widersprüchen.

Manches Problem

kann aber nicht auf die Entscheidung

zu einem schriftlichen

Widerspruch warten.

Deshalb ist die Zusammenarbeit

mit jenarbeit wichtig.“

Die Ombudsfrau wurde

bisher in weit über 300 Beratungen

als Sachwalterin von

Betroffenen gefordert.

Joachim Hennig

Beratungsangebote

vor Ort

Der Begegnungszentrum Jena

e.V. hilft. Zum telefonisch

(443662) vereinbarten Termin

können die nachfolgend aufgeführten

Hilfestellungen im

Begegnungszentrum in der

Closewitzer Straße 2 in Anspruch

genommen werden.


Formularhilfe

Hilfen beim Ausfüllen

von Anträgen auf

Wohngeld, GEZ-Befreiung

oder Arbeitslosengeld


Bewerbungshilfe

beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen

und der Jobsuche

im Internet


Die Ombudsstelle

informiert zum ALG II, hilft

bei Beantragung von ALG II

und dem Formulieren von

Widersprüchen. Sie vermittelt

in Konfliktsituationen

zwischen Betroffenen und

jenarbeit.

Dienstag von 8.30 bis 15 Uhr

Donnerstag 8.30 bis 12 Uhr

und nach Vereinbarung

Jeden 1. Dienstag im Monat

wird auch im Stadtteilzentrum

LISA in Lobeda-West

von 8.30 - 15 Uhr beraten.

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Wandlungen

Engagierte Ärzte und Mitarbeiter

der Klinik für Psychiatrie

Jena gründeten 1990

den Verein „Aktion Wandlungswelten

(AWW)“.

Er ermöglicht psychisch Erkrankten

durch seine individuell

ausgerichteten Angebote

in den Bereichen

„Wohnen“ und „Tagesstruktur“

ein Leben in

größtmöglicher Normalität.

Im Miteinander sollen sich

Lebensqualität und Leistungsfähigkeit

der Betroffenen

wandeln. Deren Welten

und die der vermeintlichen

gesellschaftlichen Normalität

sollen einander näher

rücken.

Auf dieser und den folgenden

Seiten vermitteln wir in

Wort und Bild Einblicke in

unsere Welt der Aktionen,

die Menschen in psychischer

Krise Ausblicke sein können.

Dabei kommen Betreuer und

vor allem Betreute zu Wort.

Aktion Wandlungswelten

Jena e.V.,

Carl-Zeiss-Platz 3,

Tel.: 03641 - 440 425

www.aww-jena.de

Aktion Wandlungswelten

AKTION WANDLUNGSWELTEN: Betreutes Wohnen im Verbund

Auf dem Weg zur eigenen Wohnung

Auch psychisch Erkrankte sollen möglichst wieder ein normales

Leben führen können. Der Betreuungsumfang sinkt

mit zunehmender Selbständigkeit durch „abgestuftes betreutes

Wohnen“ - vom Wohnheim über eine Wohngemeinschaft

in einem normalen Mietshaus („Außenwohnung“)

bis hin zur eigenen Wohnung. Ein Betroffener berichtet:

Meine Kindheit war nicht so

gut. Meine Eltern kenne ich

nicht. Meine Adoptiveltern

haben mich richtig schlimm

geschlagen, wenn ich was ausgefressen

habe. Ich wurde viel

krank und konnte den Stoff

in der Normalschule nicht

schaffen. Ich wurde in die

Hilfsschule gesteckt. Später

hab ich Transportteilfacharbeiter

gelernt. Dann hab ich

im Werkzeugmaschinenbau

gearbeitet. Weil der Betrieb

aufgelöst wurde, durften die

Lehrlinge auch nicht bleiben.

Ich bin in einer Kfz- Werkstatt

untergekommen. Dann haben

sie die auch aufgelöst und ich

bin in die Arbeitslosenhilfe gekommen.

Mit 21 Jahren bin ich von zuhause

ausgezogen. Ich hatte

nicht die richtige Freiheit.

Dann hatte ich eine Dachwohnung

mit schiefen Wänden

und der Putz fiel immer

ab. Da konnte ich nur ein Jahr

drin wohnen. Als ich die Woh-

○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○

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nung nicht mehr halten konnte,

bin ich zu meinem Kumpel

gezogen. Aber der hat sehr

viel getrunken und hat mich

rausgeschmissen. Dann lebte

ich bei einem anderen Kumpel.

Aber der hatte ein Vierteljahr

seine Miete nicht gezahlt

und deshalb wurde die Wohnung

aufgelöst.

Da mussten wir beide ins Obdachlosenwohnheim.

Und da

war’s nicht gut. Auf die Dauer

ging das nicht.

Da hat mich eine Sozialarbeiterin

in ein Wohnheim gebracht.

Ich hab mich gut eingelebt.

Wegen den schlimmen

Erinnerungen, die ich immer

hatte, bin ich dann auch zu einem

Arzt gegangen. Am Anfang

hatte ich Angst, zu einem

Psychiater zu gehen. Aber

dann ist mein Betreuer mitgekommen

und das ging dann.

Weil es mir jetzt besser geht,

wohne ich auch in der Außenwohnung.

Hier kann man frei

leben und muss versuchen,

selbst zurecht zu kommen.

Und man hat noch die Betreuer

dazu, die mit unterstützen.

Mit der Waschmaschine

komm ich noch nicht zurecht.

Aber sonst mit den Tabletten

mach ich eigentlich alles selbst.

Die Wohnung in Ordnung zu

halten, ist ganz schön Arbeit.

Weil dazu gehört ja nicht nur

der Abwasch, auch Fußboden

sauber machen, abtrocknen,

alles wegstellen, gucken, was

an Müll da ist und weg muss,

Essen ran holen und dann vorbereiten.

Gut ist auch, dass ich noch

im Tageszentrum bin. Wir

machen regelmäßig Gespräche,

wie der Tag verlaufen

ist. Das ist gut, dass wir sagen

können, wenn es einem

psychisch nicht gut geht oder

man andere Probleme hat,

zum Beispiel mit dem Geld

und dass man dann die Hilfe

kriegt, um das wieder zu

regeln.

In der Außenwohnung fahren

wir manchmal zusammen

Fahrrad und spielen Fußball.

Ich will auch später eine richtige

eigene Wohnung haben

und dass ich selbst alles schaffe.

Doch eigentlich bin ich sehr

stolz darauf, dass ich es

überhaupt soweit geschafft

habe.

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12

Tagebuch-Notizen

Montag, 11. 9. 2006

8 Uhr Wir besprechen neue

Anfragen und diskutieren, ob

es geeignete Familien dafür

geben würde.

14 Uhr Bei einem jungen

Klienten, der im Heim lebt,

läuft in Kürze die Kostenzusage

aus. Er schätzt ein, dass

er, auf sich gestellt, eine eigene

Wohnung nicht bewältigen

würde und somit ein Rückfall

vorprogrammiert wäre.

Wir erläutern unser Projekt

und wie ein Zusammenleben

erfolgen könnte, besprechen

die Zugangsvoraussetzungen

und die Antragstellung.

15 Uhr In der Eisenberger

Ecke besuchen wir zwei Familien,

die hier mit ihren

„Schützlingen“ leben. Es sind

junge Männer aus Jena und

Mühlhausen, die erst kürzlich

in die Familien gezogen sind.

Sie berichten von ihren ersten

Tagen hier. Noch scheint

alles im Lot. Wir raten, offen

miteinander umzugehen,

denn nur dann können auftretende

Probleme erörtert

und gelöst werden.

17.30 Uhr Telefongespräche

mit Familien.

Aktion Wandlungswelten

AKTION WANDLUNGSWELTEN: Betreuung und Begleitung

Mit Familie zurück ins eigene Leben

Wir sind von Beruf Ergotherapeutin,

Sozialpädagogin und

Motopädin. Unsere Jüngste ist

26. Marlies Hartung ist mit 51

die Älteste und hat vor drei

Jahren gemeinsam mit anderen

Vereinsmitgliedern das

Projekt „Betreutes Wohnen in

Familien“ ins Leben gerufen:

Psychisch Erkrankte im Erwachsenenalter

leben außerhalb

der Klinik oder eines

Heimes in Familien. Im familiären

Alltag findet das „Familienmitglied

auf Zeit“ Halt,

Antrieb, Raum für ganz persönliche

Bedürfnisse und Freiheiten,

Individualität und Le-

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bensqualität. Aktives Mittun im

täglichen Familienleben erhöht

die Chance, sich zu stabilisieren

und wieder am normalen

Leben teilzuhaben.

Zur Zeit betreuen wir 35

Menschen und deren Gastgeberfamilien

in ganz Thüringen.

Wir kommen regelmäßig ins

Haus oder halten telefonisch

Kontakt. Wir helfen in Krisensituationen

und sind auch für

ganz praktische Fragen des

Alltags da.

Kein Tag gleicht dem anderen,

nicht alles ist vorhersehbar.

Das macht für uns den

Reiz der Familienarbeit aus.

Fachfrauen für Familienpflege: Malve Seifarth, Heike Jordan,

Wiebke Schorisch, Heike Albrecht, Marlies Hartung (v.l.n.r.)

Tagebuch-Notizen

Dienstag, 12. 9. 2006

7.30 Uhr Einer im Krankenhaus

Stadtroda behandelten

Frau, der die Familienpflege

als beste Alternative zur

Heimunterbringung angeraten

wurde, geht es nicht gut.

Sie bittet inständig, nicht in

eine fremde Familie zu kommen.

Sie könne sich nicht vorstellen,

fremde Sachen zu nehmen,

wolle lieber ihr eigenes

machen. Sie machte den Eindruck,

dass sie das alles sehr

beschäftigt habe, lief rastlos

umher, war total erschöpft.

Wir versichern ihr, nichts gegen

ihren Willen zu tun.

10 Uhr Wir besuchen eine

Familie in Schmölln, in der

jetzt ein Klient aus Gera lebt.

Gemeinsam schätzen wir ein,

dass er in letzter Zeit stabiler

geworden und selbstverletzendes

Verhalten die Ausnahme

ist. Er sei gewillt, sich zunehmend

mehr ins Familienleben

einzubringen.

15 Uhr Terminabsprachen

mit Sozialämtern, Schreiben

von Entwicklungsberichten

und diversen Stellungnahmen.

17.30 Uhr Telefongespräche

mit Familien.


Bei meiner Mutti konnte ich

nicht wohnen bleiben, deshalb

war ich bis zu meinem 18.

Geburtstag im Kinderheim in

Jena. Dann musste ich in eine

eigene Wohnung ziehen.

Am Anfang bekam ich noch

Hilfe und Ausstattung, dann

sollte ich mit einer Betreuerin

das Leben selbst packen: allein

aufstehen, pünktlich zur

Ausbildung gehen, einkaufen,

kochen, Wohnung sauber halten

und das alles.

Irgendwie hat das aber alles

nicht geklappt, eigentlich hat

gar nichts geklappt. In meiner

Wohnung war ich meistens

nicht, weil da sah es auch nicht

so gut aus.

Aus dem Heim hatte ich noch

einige Freunde, aber wir haben

ziemlich viel Mist gebaut

und am Ende blieben ein Haufen

Schulden, Verurteilungen,

Soziale Stunden leisten und so.

Meine Betreuerin erfuhr dann

von einem neuen Projekt der

Aktion Wandlungswelten

AKTION WANDLUNGSWELTEN: Psychiatrische Familienpflege

Aktion Wandlungswelten, wo

man in eine Familie ziehen und

so mit Hilfe ganz neu anfangen

konnte.

Die Idee hat mir gefallen. Ich

war der Erste in diesem Projekt

und bekam meine zweite

Familie, die bei Gotha lebt.

Mit meiner zweiten Familie

habe ich mich gleich gut verstanden.

Die Mutter ist zwar

manchmal ganz schön streng

(zum Beispiel wenn ich früh

aufstehen muss), aber ich kann

sie gut leiden. In der Freizeit

macht sie viele Sachen mit mir

und ich habe im Dorf auch

schon neue Freunde gefunden.

Meine zweite Familie und die

Betreuer von AWW haben

mir auch geholfen, dass ich

noch mal eine berufliche

Chance bekam. Das war nicht

Gemütliches Beisammensitzen zum Sommerfest 2006

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In neuer Familie leben, wachsen und träumen

Wie René J. Vertrauen zu sich selber fandund begleitet neue Wege geht

so einfach, weil ich vorher

schon mehrere Ausbildungen

und Lehrgänge geschmissen

hatte. Dann bekam ich eine

Berufstrainingsmaßnahme

und später einen Ausbildungsplatz

in Saalfeld.

Das war ganz schön hart.

Halb fünf musste ich morgens

früh aufstehen, mit dem

Fahrrad 3 km fahren und

dann noch 1,5 Stunden mit

dem Zug. In der Schule war

es auch nicht immer leicht.

Wegen meiner Erkrankung

haben mich die anderen Schüler

manchmal ganz schön gehänselt.

Aber meine zweite

Familie hat zu mir gehalten.

In den letzten drei Jahren

wollte ich die Ausbildung

manchmal schon hinschmeißen.

Aber jetzt bin ich doch

froh, dass mich meine Familie

und die Betreuer immer

gedrängelt haben, die Ausbildung

fertig zu machen. 3 Jahre

habe ich durchgehalten und

nun habe ich das erste Mal einen

Berufsabschluss in der

Tasche.

Vielleicht klappt es jetzt ja auch

noch mit einem Job, erst mal

Stets konzentriert am Ball:

Betreuer Henry Heckel

mach ich noch eine Trainingsmaßnahme

in Gotha und

dann sieht es doch gut aus. Ist

das nicht wirklich ganz prima?

Ich habe auch noch viele Pläne,

vor allem ein eigenes Auto

und Fahrerlaubnis, klar, und

vielleicht schaff ich ja mit Hilfe

noch mal eine eigene Wohnung

und eine eigene Familie

mit meiner Freundin. In den

letzten Jahren hab ich

jedenfalls gemerkt, dass ich

was schaffen kann, auch wenn

es manchmal schwer ist. Deshalb

will ich jetzt alles versuchen.

Meine zweite Familie

hilft mir dabei.

Euer René J.

Fotos: privat

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Im Tageszentrum gemeinsam zu erfülltem Alltag finden

Justus und Sandra besuchen

unser Tageszentrum im Forstweg.

Hier lernen sie, wieder im

Alltagsleben Fuß zu fassen. Sie

üben, mit Belastungen und

Stress umzugehen, sich zu

konzentrieren und erwerben

ganz praktische Fertigkeiten

durch gemeinsames Handeln

in der Gruppe.

Sie arbeiten in der Küche, gestalten

Gebrauchs- und

Kunstgegenstände aus verschiedenen

Materialien, gärtnern

und beschäftigen sich mit

anderen nützlichen Dingen.

Fachleute unterstützen bei der

Vorbereitung auf eine berufliche

Tätigkeit, eine andere

sinnerfüllende Beschäftigung

oder eine Ausbildung.

Frau Oberländer hilft ihnen

dabei, sich im Dschungel der

Bürokratie zurechtzufinden.

Sie gibt auch Tipps für einen

strukturierten Tagesablauf, für

die weitere Lebensplanung.

Individuell zeigt sie auf, wie

jeder einzelne das alles in seinem

konkreten Handeln umsetzen

kann. So gibt sie wertvolle

Ratschläge, wie der Betroffene

mit seiner Erkrankung

umgehen und Frühwarnzeichen

seines Körpers

erkennen und Krisen überste-

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Aktion Wandlungswelten

AKTION WANDLUNGSWELTEN: Begegungsstätte am Stadtrand

hen kann, und ermutigt stets

zu Selbsthilfe. Justus und

Sandra bestätigen das auf ihre

Weise.

Justus: Jetzt im Tageszentrum

komm ich gut zurecht. Freunde

sind überall um mich rum

und wir verstehen uns mit unserer

Krankheit. Der geregelte

Tagesablauf hilft mir. Ich

kann von früh bis nachmittags

hier bleiben und lerne selbständig

zu arbeiten. Manchmal

helfe ich anderen, wenn sie

Probleme haben. Das tut mir

wirklich gut.

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Sandra: Ich habe einen Ort,

wo ich immer hingehen kann.

Was ich hier lerne, hilft mir

sehr, zum Beispiel Kochen und

Kuchen backen. Aber auch

Körbe flechten und Seidentücher

malen. Wir haben auch

eine Gartengruppe, die mir

viel Spaß macht. Wir können

Pflaumen, Beeren und Äpfel

ernten. In der Holzwerkstatt

fertige ich ein Regal an. So

kann ich meine Tage sinnvoll

ausfüllen.

Konrad Wendt

Das Freigelände des Tageszentrums ist nicht immer ein

ruhiger Ort im Grünen. Wenn die Besucher sich hier mit

Freunden und Angehörigen unterm Pavillon zu den selbst

gestalteten Teefesten treffen, geht es schon mal hoch her.

Laut aber friedlich. „Ein lauter Frieden“, wie der Dichter

sagt. Das gibt’s und nicht nur in der Poesie. Foto: privat

Mut zu sich selbst

finden

Schwer psychisch Erkrankte

sehen sich oft nicht in der

Lage Leistungen, auf die sie

einen Rechtsanspruch haben,

selbständig in Anspruch zu

nehmen. Soziotherapie will

dem abhelfen. Motivierungsarbeit

und spezielle Trainingsmaßnahmen

bauen psychosoziale

Defizite ab.

Soziotherapeuten der AWW

beraten die Betroffenen, wie

sie ihr Leben neu ordnen können

und welche Angebote der

medizinischen und sozialen

Versorgung für sie sinnvoll

sind. Es geht darum, geeignete

Leistungen der Rehabilitation,

Ergotherapie, Pflege,

Psychotherapie oder Wiedereingliederungshilfenherauszufiltern

und bei den Krankenkassen

zu beantragen.

Ein spezieller Betreuungsplan

zielt auf die Regulation von

Störungen, die Denken,

Überzeugung, Wahrnehmung

und Gefühle beeinflussen.

Der Patient soll ermutigt und

in die Lage versetzt werden,

frühere oder neue Interessen

und Aktivitäten aufzunehmen.

K.W.


Drei Premieren und ein Festival

Drei Premieren und ein Festival

– der Spielplan im Theaterhaus

Jena ist bis Ende

des Jahres dicht gedrängt.

Vom 15. – 25. November 06

gibt es die zweite Auflage des

Theaterfestivals „Völker hört

die Signale“, das der innovativen

freien Theaterszene

Deutschlands gewidmet ist.

Sieben besonders innovative

und hochwertige Produktionen

der professionellen freien

Szene und ein umfangreiches

Beiprogramm werden von

einer Jury ausgewählt, die folgende

Kriterien für ihre Auswahl

gefunden hat ....

Am 16.11. im Rahmen des

Festivals, hat die inzwischen

zweite Inszenierung für Kinder

am Theaterhaus Jena Premiere:

„Wie Ida einen Schatz

versteckt und Jakob keinen

findet“.

Das Stück von Andri Beyeler

erzählt von zwei Außenseitern,

die keine Lust haben, sich an den

Spielen der anderen Kinder zu

beteiligen und sich auf eine ganz

eigene Abenteuerreise begeben:

Ida, um einen Schatz zu verstecken,

und Jakob, um einen zu

finden. Und keiner weiß vom

anderen ... Die Inszenierung ist

für Kinder ab fünf, Regie führt

Jörg Wesemüller.

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Am 29. November 2006 hat

das Stück „Weltuntergänge“

von Marc Becker in der Regie

von Linda Best Premiere.

Marc Becker ist in Jena längst

kein Unbekannter mehr, wurden

doch seine beiden Stücke

„Margot & Hannelore“ und

„Wir im Finale“ am Theaterhaus

uraufgeführt.

Nadja und Andy, Johanna und

Johann - vier ganz normale

durchaus paarungswillige

Menschen versuchen, ihr Leben

in den Griff zu bekommen,

miteinander, nebeneinander

oder gegeneinander.

Die Geschichten verflechten

sich, trennen sich wieder und

enden in einer unglaublichen

Überraschung.

Am 6. Dezember erlebt das

Abenteuer, eine Inszenierung im

Jugend- und Kulturzentrum

Kassablanca herauszubringen,

seine zweite Auflage. Musikerin

Vicki Schmatolla und Regisseur

Markus Heinzelmann planen

einen musikalischen Abend

mit Liedern zum Thema „Revolution“.

Mitglieder des Theaterhaus-Ensembles

werden

schrägen, bekannten und unbekannten,

unkonventionellen

Protestsongs singend zu Leibe

rücken.

www.theaterhaus-jena.de

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DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

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IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG: Strassenzeitung@gmx.net


NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Firmen bieten, Vereine fragen

nach. Am 27. September handelten

jeweils 30 in der Jenaer

Fachhochschule wie auf

einem Markt, nur ohne Geld.

Die Bürgerstiftung „Zwischenraum“

organisierte einen

„Marktplatz für Wirtschaft

und Gemeinnützige“.

Diese aus den Niederlanden

stammende „Marktplatzmethode“

zielt auf attraktive

Partnerschaften zwischen gemeinnützigen

Organisationen

und der Wirtschaft. Beide

Seiten mobilisieren ihre Möglichkeiten

zum gegenseitigen

Vorteil.

Ein Beispiel: Die Postzustellfirma

„City-Kurier“ stellt

dem in Winzerla Kinderfreizeiten

anbietenden Verein

„Hilfe vor Ort“ Transportkapazitäten

für Zeltausrüstungen

zu einem auswärtigen

Camp zur Verfügung. Im

Gegenzug startet der Verein

einen Pflegeeinsatz für die

Außenanlagen im Firmengelände

Saalbahnhofstraße.

Derlei Austausche dürften

besonders zu Zeiten knapper

Kassen Schule machen und

sind geeignet, die Vereine aus

ihrer oftmaligen Bittstellerpositon

herauszubringen. wt.

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Marktplatz

Zwischen Brennholz und Salamibrötchen

Am Jenaer Freiwilligentag in Winzerla unterwegs

Mit voller Konzentration balanciert

Tom Voigt die schwer

beladene Schubkarre in Richtung

Lagerfeuerplatz. Das

Holz holen sein Vati und neun

weitere erwachsene freiwillige

Helfer aus dem Forst.

Alle schwitzen in der Sonne

dieses 23. Septembers. Es ist

Jenaer Freiwilligentag. Die

Bürgerstiftung „Zwischenraum“

hatte zum dritten Male

aufgerufen, in sozialen Einrichtungen

mitzutun, sich im

ehrenamtlichen Engagement

einmal auszuprobieren.

Im Winzerlaer „Freizeitladen“,

einem Angebot des Vereins

„Hilfe vor Ort“ in der

Schrödingerstraße, werden die

Holzvorräte aufgestockt. Der

zehnjährige Schubkarren-

Mann ist hier Dauergast. Stolz

zeigt er mir den Bauplatz.

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Ausschließlich mit Holzbrettern

und natürlich Nägeln gestalten

die Kinder ihre Hütten

selbst. Darin kann man spielen

oder sich einfach vor zu

heißer Sonne schützen. Tom

ist ein fleißiger Bauarbeiter.

Für den Abend ist ein großes

Lagerfeuer im Gespräch.

Ich muss weiter. In der Nähe

eröffnet der „Bildungslücke e.

V.“ eine Stadtteil-Bibliothek.

Ich treffe André Wolf vor

noch zu einem Drittel leeren

Regalen. Der künftige Bibliothekschef

präsentiert stolz sein

Lieblingsbuch. Er gehört dem

Verein, der Schülern und Azubis

Lernhilfe bietet, seit dessen

Gründung 2002 an.

Exakt 3.170 Bücher umfasst

der Bestand. Der stammt aus

vom Winzerlaer Stadtteilbüro

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organisierten Bücherbasaren.

Für November sind Spenden

von insgesamt 1.500 Druckwerken

zugesagt. Dann werden

die Regale fast voll sein.

Andre ist 24 und er trägt sich

mit dem Gedanken, Bibliothekar

zu werden. Dafür sieht

er hier ein sehr praktisches

Übungsfeld. Er freut sich auf

viele Leser. In einem Jahr

rechnet er mit bis zu 1.500.

Eine Handvoll sich stärkende

freiwillige Helfer empfängt

mich vor dem benachbarten

„Kinderbüro“. Anstrengend

war das Malern und Tapezieren

des größten der Innenräume.

Hier entsteht die Schülerzeitung

des weit über Winzerla

hinaus bekannten Vereins.

Die Nachmittagssonne wirft deutliche

Schatten. Freude über das

gemeinsame Werk beherrscht die

Stimmung. Ich bekomme ein großes

Salamibrötchen mit auf meinen

Weg zum NOTausgang-Keller,

wo die Schreibtastatur wartet.

Text / Fotos: K. Wendt


Die Straßenzeitung „DON-

AUSTRUDL“ hatte im August

zum Verkäufertreffen

eingeladen. Nach Regensburg.

Holger W. und Klaus-

Dieter K. (3. u. 2. v. l.) aus

dem Team unserer Verkäufer

nahmen teil.

„Vor vier Jahren war ich das

erste Mal Gast der Regensburger.

Das Anliegen des Bundesverbandes

sozialer Straßenzeitungen,

Gespräche von Verkäufern

zu Verkäufern zu ermöglichen

und unsere Gedanken

und Hinweise für die Zusammenarbeit

der Mitgliedsvereine

zu sammeln, halte ich

für sehr nützlich“, sagt Holger

W. Für unsere Teilnehmer war

interessant zu erfahren, wie

anders-wo die Straßenzeitung

entsteht und der Verkauf organisiert

wird. Dafür waren

Redakteure des „DONAUS-

TRUDL“ gute Partner. Hg

DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

Unserer Zeitungsverkäufer beste Seite

Verkäuferin Hildegard

Verkäufertreffen Sich selber treu

empfiehlt:

Warmer Kartoffelsalat

Zwar ist der Gänsebraten der Deutschen liebstes

Weihnachtsessen – doch nicht am Heiligabend.

Da liebt man es bescheidener. Erdäpfelsalat,

Grombirasalat, Erpelschlut, Charivari,

Salat Olivier oder verständlich: „der Kartoffelsalat“

steht bei vielen Menschen aller Couleur

auf den Tischen.

Und so verschieden, wie die Namen stellen, sich auch die Zutaten

dar: Kartoffeln (natürlich festkochend) Zwiebeln, Speckwürfel,

Gurkenstücke, Fleischbrühe, Zitrone, Essig, Öl (natürlich verschiedene

Sorten), Mayonnaise, Joghurt, Sahne, Eier, Äpfel, Matjes,

Wurststücke, Kräuter verschiedenster Art, sind eine Auswahl an

beliebten Zutaten.

Diese delikate Beilage zu Kotelett, gebratenem Fisch (für die Kleinen

auch Fischstäbchen genannt), Wiener Schnitzel, Bratwust

oder Bockwurst bereiten Sie wie folgt in der Mikrowelle zu:

Zutaten: 50 g durchwachsener Speck, 500 g festkochende Kartoffeln

geschält, gewogen

Sauce: 1 Tasse Brühe oder Wasser, Salz, Pfeffer, 2 – 3 Esslöffel Essig,

1 kleine Zwiebel, fein gehackt, ½ Bund Schnittlauch

Zubereitung: Den Speck in Würfel schneiden und 3 min bei 600 Watt

oder 2 1/2 min bei 700 Watt zugedeckt ausbraten. Die Kartoffeln schälen

und halbiert oder geviertelt in Scheiben schneiden.

Speck aus der Form nehmen und die Kartoffeln einschichten.

Salatsauce zufügen und 12 min/600 Watt oder 10½ min/700 Watt

geschlossen garen. Nach der halben Garzeit die Kartoffeln einmal umrühren.

Die Kartoffeln im ausgeschalteten Gerät 3 min ruhen lassen.

Den Salat abschmecken und mit Schnittlauch garnieren. Dazu Eier gebraten

oder gekocht, Bock- oder Wienerwurst, gebratenen Fisch oder

Leberkäse reichen.

Guten Appetit wünscht: Zeitungsverkäuferin Hildegard

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Unsere Verkäuferin Susanne

L. hat mehrere Hobbys. Das

Fotografieren ist eines davon.

Auf ausgedehnten Wanderungen

durch ihre nahe und ferne

Heimat findet sie ihre

Motive. Mit den Bildern gestaltet

sie für Freunde und

Bekannte gerne Kalender.

Im September hatte sie ihren

großen Tag. Das Martin-Niemöller-Haus

hatte sie eingeladen,

die schönsten ihrer

neuesten Fotografien im Foyer

einen Monat lang auszustellen.

Pfarrer Friedrich Schneider erinnerte

in seinen Grußworten

dran, wie schwer es für Laien

ist, Möglichkeiten zur

Austellung ihrer Arbeiten zu finden.

Susanne fotografiert ihre Welt.

Die ist nicht nach den Gesetzen

akademischer Kunst geschaffen.

Sie ist wahr, weil sie

ganz ihrem Denken und Fühlen

treu ist. Hg.

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IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG: Strassenzeitung@gmx.net


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NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Sie tun es

Hobbyisten kennen das Wort:

„Damit warte ich, bis ich

Rentner bin“, nicht. Was sie

angehen, tun sie gleich und sie

tun es intensiv. Für sie hat die

Freizeitbeschäftigung oft entspannende

oder sonstige

nützliche - in einigen Fällen

sogar therapeutische - Nebenwirkungen.

Welche Aktivität wir auch

nehmen: Sammeln, Handarbeiten,

Basteln, Sport oder

Weiterbildung, jede kann

zum Hobby werden. Im allgemeinen

Sprachgebrauch

werden diejenigen, die sich in

ihrer Freizeit mit einem Fachgebiet

befassen, Amateure

genannt - als Gegenstück zum

beruflichen Fachmann. Ein

wichtiges Kriterium für die

Unterscheidung, was als Hobby

oder als Beruf gilt, ist

wahrscheinlich, ob es als

Quelle für den Lebensunterhalt

dient oder nicht.

Allerdings können die Grenzen

zwischen Beruf, Hobby

und Sucht (etwa beim Sammeln)

zu verschwimmen beginnen.

Die Gefahr, sich

durch Mangel an Neigung

um neue Lebensimpulse zu

bringen, ist alle Male größer

als durch Hobbys eine Sucht

zu entwickeln. HG.

Immer schon wollten wir in

unserer Zeitung einen Menschen

vorstellen, dem sein

Hobby zur Leidenschaft wurde.

Der Zufall kam uns zu Hilfe.

Das ARD-Buffet berichtete

über Herrn Rudolf Beyer, einen

Orchideensammler aus

Jena. Den musste ich kennenlernen.

Also rief ich ihn an und

saß ein paar Tage später einem

interessanten Menschen gegenüber.

Voll Begeisterung berichtete

mir der ehemalige Postangestellte,

Jahrgang 1936, von seinem

Hobby, dem Aufspüren,

Schützen und Fotografieren

der heimischen und europäischen

Orchideen. Seit 1964 ist

er seinem Hobby treu.

Wenn im Frühling die Muschelkalkhänge

in Jena und im

Leutratal ihr Blütenkleid anlegen,

dann hält es ihn nicht

mehr zuhause. Mit Fotoapparat

und Notizblock beginnt er

seine „Jagd“. Er kennt alle 32

Orchideenarten, die im Rautal,

im Leutratal oder am Heiligenberg

vorkommen. Über

die einzelnen Arten führt er ge-

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Orchideen-Jäger aus Leidensschaft

Rudolf Beyer weitgereist in Sachen Orchideen

Ein Hobby-Jäger mit Fotoapparat

und Notizblock

Foto: privat

nau Tagebuch und fotografiert

sie in verschiedenen Entwicklungsphasen.

Der lebhafte, sympathische

Mann kennt aber nicht nur die

Blütenplätze in Jena. Sein

Hobby machte ihn zu einem

weit gereisten Mann! Vom

Nordkap bis Israel und von

Portugal bis in die Türkei hat

er alle europäischen Länder

bereist. Ein großes Abenteuer

war noch zu DDR-Zeiten

eine Reise mit dem Trabi zur

Krim. Immer ausgerüstet mit

Fotoapparat und Notizblock.

Auf den fünf Reisen, die Herr

Beyer pro Jahr unternimmt

(heute nicht mehr im Trabi),

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ist er ständig auf der Suche

nach unbekannten und seltenen

Orchideen. Pro Reise

braucht er ca. 30 Filme. Die

Aufnahmen bearbeitet er am

heimischen Computer, rahmt

Dias und katalogisiert.

Die nächsten Reisen sind nach

Grönland und in den Ural geplant.

Diese Fahrten finanziert

Herr Beyer selbst. Er lebt bescheiden,

um diese Reisen unternehmen

zu können. Übernachtet

wird oft in Klöstern, Jugendherbergen

aber auch im

Zelt. Teure Hotels sind nicht sein

Stil. Aber unser „Orchideen-Jäger“

ist nicht nur auf Reisen. Er

ist Mitglied im NABU und dort

sehr aktiv. Durch Vorträge in

ganz Deutschland will er auf

diese Kostbarkeiten der Natur

aufmerksam machen.

Orchideen sind nicht nur schön,

sie sind auch sehr gefährdet. Am

schlimmsten seien die „Ausgräber“.

Sie sollten doch wissen,

dass wilde Orchideen in Schreber-

oder Hausgärten nicht gedeihen

können. Sie lassen sich

nicht kultivieren.

Mit seinem Hobby will er auch

dazu beitragen, dass diese

Schätze der Natur für alle Zeit

erhalten bleiben.

Leonore Brockmann


Was bei befristeter Beschäftigung zu beachten ist

Grundsätzlich bedürfen alle Abredungen über Befristungen der Schriftform

Viele Arbeitsverträge werden

heutzutage nur noch

befristet abgeschlossen.

Nach Ablauf des Befristungszeitpunkts

ist das Arbeitsverhältnisautomatisch

beendet. Einer Kündigung

bedarf es nicht.

Dies gilt allerdings nur,

wenn die Befristung rechtswirksam

vereinbart wurde.

Wurde hier ein Fehler gemacht,

gilt das Arbeitsverhältnis

als unbefristet. Der

Arbeitnehmer hat Anspruch

auf Beschäftigung

und Lohn.

Welche Fehler führen zur

Unwirksamkeit der Befristung?

Zunächst muss für jede Befristung

ein sachlicher Grund vorliegen.

Als solcher zählt das

Gesetz beispielhaft die Vertretung

eines anderen Arbeitnehmers

oder die Befristung im

Anschluss an eine Ausbildung

auf. Der Grund muss im Arbeitsvertrag

nicht ausdrücklich

benannt werden, es reicht,

wenn er bei Vertragsschluss

tatsächlich vorgelegen hat.

Wird der Arbeitnehmer zur

Vertretung eingestellt, hat er

keinen Anspruch darauf, mit

den Aufgaben der vorüberge-

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Unsere Autorin Susanne

Gliech (Foto: privat)

hend ausgefallenen Stammkraft

betraut zu werden. Vielmehr

kann der Arbeitgeber im

Rahmen seiner Versetzungsbefugnisse

eine „Versetzungskette“

für die ausgefallene

Stammkraft bilden und den

Vertreter auch an einer anderen

Stelle im Betrieb einsetzen.

Keinen sachlichen Grund

braucht man, wenn zwischen

Arbeitgeber und Arbeitnehmer

zum ersten Mal ein Arbeitsvertrag

geschlossen werden

soll. Dann kann dieser

erste Arbeitsvertrag bis zur

Dauer von zwei Jahren ohne

Sachgrund befristet werden.

Ist der Arbeitgeber Existenzgründer

darf er ohne sachlichen

Grund Arbeitsverträge

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sogar bis zur Dauer von vier

Jahren befristen.

Unabdingbar ist die Einhaltung

der Schriftform. Schriftform

bedeutet, dass beide –

also Arbeitnehmer und Arbeitgeber

– auf demselben

Stück Papier die Befristung

durch ihre Unterschrift bestätigt

haben müssen. Es reicht

also nicht aus, wenn der Arbeitgeber

dem Arbeitnehmer

schreibt, „Ich stelle Sie befristet

bis zum 31.10.2006 ein.“

und der Arbeitnehmer

daraufhin die Arbeit aufnimmt.

Vielmehr ist es für die

wirksame Vereinbarung des

Vertragsendes „31.10.2006“

notwendig, dass der Arbeitnehmer

auf dem Schreiben

des Arbeitgebers durch seine

Unterschrift sein Einverständnis

mit der Befristung vor

Aufnahme der Arbeit dokumentiert.

Andernfalls wäre die

vom Arbeitgeber angestrebte

Befristung zum 31.10.2006

per Gesetz unwirksam. Diese

Unwirksamkeit muss der Arbeitnehmer

jedoch vor dem

Arbeitsgericht geltend machen.

Hierfür ist spätestens bis

zum Ablauf von drei Wochen

nach dem vereinbarten Ende

des Arbeitsvertrages Klage zu

DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

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erheben. Aber Vorsicht: Das

Gericht prüft nur die Wirksamkeit

der letzten Befristungsabrede.

War die alte Befristungsabrede

unwirksam

und Arbeitnehmer und Arbeitgeber

schließen einen neuen

– diesmal wirksam befristeten

– Arbeitsvertrag, ist allein

dieser neue, wirksam befristete

Arbeitsvertrag maßgeblich.

Das neue Arbeitsverhältnis

würde zum vereinbarten

Zeitpunkt enden.

Auf die unwirksame alte Befristungsabrede

könnte sich

der Arbeitnehmer nur berufen,

wenn er sich das Recht

vorbehalten hat, die Wirksamkeit

der vorangegangenen Befristung

prüfen zu lassen. In

diesem Fall ist die arbeitsgerichtlicheBefristungskontrolle

auch für den davor liegenden

Vertrag eröffnet.

Mit Blick auf die weitreichenden

Folgen für das Arbeitsverhältnis

haben, empfiehlt sich

daher bei befristeten Verträgen

die Einholung von anwaltlichem

Rat – vor Abschluss

des Vertrages.

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IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG: Strassenzeitung@gmx.net


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NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Als Mekka

der Gamer

erwies sich

die Game

Convention

2006. Mit

183.000 Besuchern

(2005:

134.000) übertraf

sie selbst

kühnste Erwartungen

der Macher.

„Ein solcher

Erfolg ist

bisher einmalig

in der Geschichte

des

neuen LeipzigerMessegeländes.

Die

GC hat sowohl

im Publikums-

als

auch im Medien-

und im

Business-Bereichbewiesen,

dass sie

die klare

Nummer 1 in

Europa ist

und damit

weltweit zu

den führendenVeranstaltungen

der Branche

zählt“, sagte

Josef Rahmen,Geschäftsführer

der Leipziger

Messe GmbH.

Ben im Game-Fieber

Was wird mir die Game Convention

bringen? Und: Werde

ich dort Antworten auf

die Frage finden: Wie gehen

Kinder und Jugendliche mit

interaktiver Unterhaltung, Infotainment,

Hardware und

Entertainment sowie Computer-

und Videospielen um?

Manchmal erweist sich der

Zufall als der beste Regisseur.

Er schließlich hatte mir Ben

(9 Jahre)und seine Mutter im

ICE auf der Fahrt nach Leipzig

gegenüber gesetzt. Bens

Mutti sah interessiert auf die

Landschaft, die Berge, Täler

und Burgen, Ben - gebannt

auf das Display seines Gameboys.

Höhepunkt aller Unterhaltung

zwischen beiden war

sein gelegentlicher Vorwurf:

„O danke, hast mich rausgebracht.

Durch dich habe ich

ein Level verloren. Da kann

ich gleich wieder von vorn

beginnen.“ Mutti fühlte sich

gar nicht wohl dabei.

Na prima, dachte auch ich.

Eine bessere Einstimmung

auf die GC konnte ich aus

meiner Sicht nun wirklich

nicht erwarten. Jedenfalls waren

ausreichend Achtungszeichen

gesetzt.

J.H.K

Machen PC-Spiele süchtig?

Mit Spielern zwischen 16 und 21 im Gespräch

Findet ihr, dass diese PC- oder

Online-Games süchtig machen?

Das fragte ich Besucher

der GC zwischen 16 und 21

Jahren.

Alex: Hm. Das kann ich mir

bei Rollenspielen oder Echtzeit-Browsergames

vorstellen.

Bei den Rollenspielen ist es der

Drang nach dem Aufleveln

und die Angst, hinter andere

Spieler zurückzufallen. Ich

hab’s bei WoW beobachtet.

Die Sammelwut bei Items ist

ein Suchtgrund. Bei den Browsergames

ist es die Angst, irgendetwas

zu verpassen, ins

Hintertreffen zu geraten und

zu „verlieren“. Ich bin aber

zum Glück nicht betroffen.

WoW spiel ich gar nicht mehr.

Luca: Nach einem Spiel süch-

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tig sein? Oh mein Gott, wer

für sowas anfällig ist, gehört

in meinen Augen direkt in die

Klapsmühle, das hat doch keine

Zukunft.

Sven: Aber ich kenn schon

Leute, die machen keinen

Sport mehr und gehen nicht

mehr raus, sondern hängen

nur noch vor WoW, aber das

wär mir zu krass.

Paul: Es macht schon Spaß

einfach einen Charakter zu erstellen

und den immer weiter

zu bringen. Ich hab noch keinen

auf Level 60.

Jens: Manchmal geht schon

viel Zeit drauf, die ich eigentlich

zum Lernen nutzen sollte.

Mich macht Spielen heiß –

logo. Aber es gibt andere Dinge,

die wichtiger sind. �

In der Kategorie Best PC Game

konnte die innovative Evolutions-

Sim SPORE auf der GC punkten.

„Einer der wohl originellsten

Titel“, urteilt die Fachpresse. Lead

Designer Alex Hutchinson stellte

eine aktuelle Variante des Spieles

vor. Im Podiumsgespräch mit Christoph Holowaty, Chefreporter

bei Computec Media AG (links) und Petra Fröhlich Chefredakteurin

von „PC Games“ outet er sich als leidenschaftlicher

Gamer. „Mein Beruf ist meine Leidenschaft.“ Neueste Spiele

kaufe er auf jeden Fall. Etwa 60 warten darauf, gespielt zu werden.

Leider habe er kaum Zeit zum Spielen. hg.


� Perry: Als ich arbeitslos

war, hatte ich bis zu 10

Stunden am PC verbracht.

Probleme, vom Spiel weg zu

Partys oder so zu gehen oder

dann auch wieder zu arbeiten

und mich allgemein um meine

Pflichten zu erfüllen, hatte

ich nicht. Mancher macht den

ganzen Tag Sport. Das ist eingentlich

das gleiche. Oder?

Harry: Naja... vielleicht nicht

unbedingt süchtig, eher crazy

for games. Doch macht das

Das ist sie nun, Lara Croft aus

Fleisch und Blut. Die 20-jährige

Karima Adebibe. Ihr digitales

Vorbild sollen 60 Prozent der

deutschen Männer (zwischen 16

- 35 Jahren) attraktiver finden als

Heidi Klumb. In den kommenden

zwei Jahren wird die bisherige

Vertriebsassistentin in TVund

Messeauftritten wie hier auf

der GC für Tomb Rider Legend

als Action-Amazone eine gute Figur

machen. Hg.

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nicht jedes andere Hobby mit

uns auch?

Paul: Einer meiner Freunde

zockt schnell mal 14 Stunden.

CS o. WoW oder beides.

Schule oder andere Termine

konnte er da schon vergessen.

Er wollte eigentlich weniger

zocken, aber der PC gewann.

Lust und Last - ein Vokal

macht den Unterschied. Im

Leben können Welten

dazwischen liegen, was Hänschen

auch lernen sollte. Jo.Hg.

Nicht repräsentative Zufallsbefragung von 108 Besuchern

der GC im Alter zwischen 16 und 21 Jahren.

Einfach cool

Zu Hause hat Jessica (9 Jahre)

„Meine Tierklinik“ auf

dem Rechner. Das Spiel hatte

ihr die Mutter im Mai zum

Geburtstag geschenkt. „Ich

spiele das Spiel sehr gerne.“

Mit ihrer Mutti wollte sie neue

Spiele kennenlernen. „Einfach

cool ist, dass hier bei GC family

so viele Rechner stehen.

Da kann ich die unterschiedlichen

Spiele ausprobieren.

Vor allem das neue Spiel

„Meine Tierarztpraxis“ wollte

ich immer schon mal testen.

Da gibt es auch Features

über Pferdeflüsterei. Das finde

ich spannend.“

„Jessica würde gerne viel

mehr am PC spielen. Da

muss ich schon ein Auge drauf

haben. Jetzt in den Ferien lassen

sich Pflichten erfüllen und

Spielen schon viel besser vereinbaren“,

sagt die Mutti. Ihr

sei wichtig, dass Jessica über

die virtuelle Wirklichkeit nicht

gänzlich die Realität vergisst.

J.K.H.

DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

Professor

Hartmut

Warkus vom

Lehrstuhl

Medienpädagogik

der Universität

Leipzig

zum Ausstellungsbereich

GC

family:

„Ich bin völlig

überwältigt,

wie der GC

family-Bereich

von den Besuchernangenommen

wurde. Es ist

das erste Mal

überhaupt, dass

alle Computer

von den Eltern

und Kindern

genutzt wurden.

Und das

beeindruckt

auch die

Branche. Vor

allem die

Stände haben

sich entwickelt

- sie ähneln

beinahe denen

der großen

Aussteller der

GC. ....

Die GC family

gehört zur GC

und diese nach

Leipzig, denn

jeder hier geht

mit Herzblut

an die Arbeit.“

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NOTAUSGANG Jg. 10 /AUSGABE 4 - 2006

Wie Martin hilft

„Hilfe zur Selbsthilfe!“ liest

Martin laut vor, „Mutti, wie

ist das denn gemeint?“

Die Mutter überlegt: „Nun,

wenn jemand in einer Notlage

ist, und er kann sich ganz

alleine aus dieser nicht helfen,

dann ist es notwendig, dass

ihm jemand Hilfestellung, z.B.

in Form von Ratschlägen,

gibt.

Mit der Hilfe Anderer kann

er sich dann selbst aus seiner

Lage helfen.

Mal angenommen, du bist in

ein Loch gefallen. Du bist unverletzt,

aber alleine kommst

du da nicht mehr heraus.

Nun lässt aber jemand eine

Leiter in das Loch hinein, bietet

dir also Unterstützung.

Mit eigener Kraft kletterst du

aus dem Loch heraus und

hast dir mit etwas Hilfe von

einer anderen Person am

Ende selbst geholfen.“

„Aha“, sagt Martin, „dann

habe ich heute schon Hilfe zur

Selbsthilfe gegeben.“

Die Mutter schaut ganz verdutzt

und Martin lacht: „Ich

habe Olga heute erklärt, wie

sie die Matheaufgaben lösen

muss, aber ausgerechnet hat

sie sie dann ganz alleine!“

Berit

HALLO

Bernis Lachsack

Erste Mutter: „Wickelt

ihr euer Kind auch mit

diesen modernen

saugfähigen Papierwindeln?“

Zweite Mutter darauf:

„Nein, wir geben ihm

Trockenmilch und

stauben es dann nur

ab!“

Schild in der

U-Bahnstation: „Auf

der Rolltreppe müssen

Hunde getragen werden!“

Murmelt der Passant:

„Und wo bekomme

ich jetzt auf die Schnelle

einen Hund her?“

ihr kleinen und

großen Bastler!

Ein Eisbär aus

Apolda

Ein Eisbär aus Apolda will

noch Obervolta. Auf dem

Weg zum Bahnhof vergisst

er den genauen Namen des

Landes, in das er will. „Nach

Oberscholda“, sagt der Eisbär.

„Wie bitte?“ fragt die

Bahnbeamtin. „Opa-sollda“,

entgegnet der Eisbär.

„Aper-kohl-da?“ „Nicht

kohl-da, voll-da“, korrigiert

der Eisbär, „Appvollda.“

„Ach Apolda!“ „Ja“, bestätigt

zögernd der Eisbär.

„Aber , da sind Sie doch

schon!“ Das Fräulein lacht.

„Aha“, brummt der Eisbär

und verlässt befriedigt den

Bahnhof.

Abdruck mit Genehmigung

der Autoren:

Lutz Rathenow (Text:).

Egbert Herfurth (Illustration).

Ein Eisbär aus

Apolda. Leipziger Kinderbuchverlag

GmbH , Leipzig

2006, ISBN 3-89603-257-7

Angerufener: „Wer ist

denn am Telefon?“

Huber: „Huber“

Angerufener: „Bitte, wer?“

Huber: „Huber, Heinrich, Ulrich, Berta, Emil, Richard.“

Angerufener: „Und wieso

ruft ihr zu sechst an?“

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Ihre Stimme hat Gewicht

Sie können sich nicht selbst

helfen: Die Frauen in Sierra

Leone. Über 90% von

ihnen sind Opfer der weiblichenGenitalverstümmelung.

Bei diesem oft

verharmlosend

Frauenbeschneidunggenannten

bestialischen Brauch

werden Mädchen und jungen

Frauen die inneren Schamlippen

und die Klitoris entfernt,

normalerweise ohne Betäubung

und mit einem Messer.

Traditionell fand die Genitalverstümmelung

bei Eintritt

der ersten Menstruation statt,

inzwischen werden Frauen

und Mädchen aller Altersgruppen

beschnitten. Schon

Fünfjährige müssen sich dem

brutalen Brauch fügen. Einige

ethnische Gruppen praktizieren

Beschneidung sogar vor

dem zweiten Lebensjahr. Viele

Mädchen sterben an den Folgen

dieser Verstümmelung.

Die Überlebenden leiden ihr

Leben lang an den Folgen des

Eingriffs. Nicht nur, dass ihnen

ein normales Sexualleben

verwehrt ist, auch Infektionen

der Harnwege und der Gebärmutter

sind weit verbrei-

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Kontakt: amnesty-jena@web.de ö Homepage: www.amnesty-jena.de○ ○

tet. Sierra Leone ist einer der

wenigen afrikanischen Staaten,

in denen die Frauenbeschneidung

noch immer durch die

Gesetze

geschützt

ist. Sogar

die Ministerin

für

Frauen,

Familien

und Genderangelegenheiten

gehört zu den Befürwortern

der Verstümmelung. Trotzdem

gibt es mutige Frauen und

Männer in Sierra Leone, die

sich für die Beendigung des

brutalen und gesundheitsgefährdenden

Brauches einsetzen.

In den letzten Jahren haben

sich kleine lokale Initiativen

gebildet, die versuchen

dagegen vorzugehen. Sie werden

meist von Frauen geleitet,

die selbst beschnitten wurden

und schreckliche Erinnerungen

an dieses Erlebnis haben.

Setzen Sie sich für ein Ende

der weiblichen Genitalverstümmelung

in Sierra Leone

ein. Sie finden eine Petition

auf unserer Homepage. Veranlassen

Sie Freunde und Verwandte

zum Unterschreiben.

Ihre Stimme zählt.

Benny Höffling

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DIE STRASSENZEITUNG AUS JENA

Wenn Glühweindüfte locken...

Um im ersten Sommer seines alkoholfreien

Lebens Sonne zu tanken,

hätte Alfons weit reisen müssen.

Das war gut so. Die Versuchung,

seinen Durst durch eine

„kühle Blonde“ zu stillen, hielt

sich dadurch in Grenzen.

Überhaupt - die Gespräche in seiner

Selbsthilfegruppe bestärkten

ihn immer wieder in seinem Vorsatz

alkoholfrei zu leben. Doch

immer in der Vorweihnachtszeit

hat er seine Probleme. Jetzt, wenn

die Tage kürzer werden und die

Abende länger, wenn der Glühweinduft

den Weihnachtsmarkt

dominiert, fühlt Alfons zwei Seelen

in seiner Brust. Die eine gaukelt

ihm Glücksgefühle - Harmonie

mit Freunden am Stehtisch

vor, von denen er längst weiß, dass

alles ganz anders war oder

zumindest nie so harmonisch

endete. Die andere mahnte ihn:

Du weißt, wo und wie das endet

und da willst Du doch nicht hin.

Da nicht. Alfons ist dann immer

hin- und hergerissen.

„Ich kann mir doch nicht selbst

Marktverbot erteilen“, sagte er in

seiner Selbsthilfegruppe. Er wollte

es auch nicht. Oder doch?

Jedenfalls hatte er das Gefühl, er

könnte sich seiner nicht sicher sein.

Ihn hatte in der Jugend geprägt,

dass er stets Menschen an seiner

Seite hatte, die zu wissen glaubten,

was ihm gut täte. Wenn er

ihrem Rat folgte, waren sie ihm

gut, ob ihm das gut tat oder nicht.

Spätestens als er die Übersetzung

dieser wohlwollenden Ratschläge

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für sich als Befehle erfasste, ging

es ihm damit gar nicht mehr gut.

Er fand seinen Weg, sie locker

wegzustecken indem er trank. Er

machte sich auch keinen Kopf

über seinen Trugschluss, dadurch

der Bevormundung entfliehen zu

können. Er hatte anderes zu tun:

Gründe musste er ersinnen, warum

er wieder getrunken hatte, obwohl

er pünktlich nach Hause zu

kommen versprochen hatte. Vorrat

schaffen und gute Verstecke

finden.

„In der ersten Zeit mied ich Kneipen

oder Gelegenheiten, die mich

zum Trinken animierten. Ich

mied sie, wie der Teufel das Weihwasser.

Ich war mir meiner selbst

nicht sicher“, meldete sich Jerome

zu Wort. „Nach der Therapie

hatte ich den Vorsatz: Keinen Alkohol

zu trinken. Wenn ich ehrlich

bin, die Versuchung war groß.

Irgendwann begann ich bewusst

zu leben. Morgens sagte ich mir:

Heute will ich alkoholfrei leben.

Abends freute ich mich, dass ich

es geschafft hatte. Ich machte mir

bewusst, dass ich es kann. Und

irgendwann ging ich wieder auf

Volksfeste und Jahrmärkte, ging

in Gaststätten, um Mittag zu essen.

Mir machte es nichts mehr

aus, wenn wer an meinem Tisch

oder am Nachbartisch Bier trank.

Das aber hat gedauert.“

Früher trank er Glühwein gerne.

Der Duft betört noch heute.

Aber er animiert ihn nicht mehr.

„Mein Fass ist leer“, sagt er.

Joachim Hennig

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