Vernetzte Gesundheit - Deutsche Telekom

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© Deutsche Telekom Ausgabe November | 2011 Vernetzte Gesundheit Best Practice Thema Kosten runter, Qualität rauf – so hilft vernetzte Technik im Gesundheitswesen


2 Inhalt Impressum Herausgeber Deutsche Telekom Harald Lindlar Friedrich-Ebert-Allee 140 53113 Bonn E-Mail: presse@telekom.de redaktion und Layout PR-Partner Köln Agentur für Kommunikation GmbH Breite Straße 161–167 50667 Köln www.prp-koeln.de Best Practice Thema | November 2011 3 Die Kostenfrage Interview. Dr. Axel Wehmeier, Leiter des Konzerngeschäftsfeldes Gesundheit, erklärt, wie Kosten gespart werden können, ohne auf Qualität zu verzichten. Krankenhaus – Behandlungskosten sparen, Behandlungszeit gewinnen. Ob Notfallaufnahme, stationäre Behandlung oder Langzeittherapie – im internen Klinikbetrieb und in der sektorübergreifenden integrierten Patientenversorgung spielt die zuverlässige Verfügbarkeit von Daten eine entscheidende Rolle für alle Prozesse rund um den Patienten. Alle Daten auf dem Schirm In der Notaufnahme sind die Ärzte dank elektronischer Gesundheitskarte sofort über die medizinische Vorgeschichte informiert. Wichtige Daten können sie sich zum Beispiel auf Tablet-PCs anzeigen lassen. Bei der Aufnahme erhält der Patient außerdem ein Funkarmband, das sicherstellt, dass zum Beispiel Blutkonserven nicht versehentlich verwechselt werden. 6 Vernetztes Gesundheitswesen Im Überblick. Ohne ein schlaues Gesundheitsnetz können die zunehmend komplexer werdenden Prozesse nicht mehr bewältigt werden. 8 Rund Zeitersparnis um durch Telekonferenz die Uhr Virtuelle Besprechung mit Kollegen: Eine sichere Unified- & Collaborative- sicher Communications-Plattform und komfortabel. (UCC) ermög- In ihr Essen Brandenburg auswählen. Kommt der Arzt, ist fungiert das Rahmen bundesweit einer intensivierten Nachbetreuung erste flächenlicht Fachkonferenzen der Ärzte in einem das Terminal als Bildschirm für die mobile telemedizinisch überwacht. Dadurch Virtual Private Network (VPN). So können Visite: Arzt und Patient betrachten gemeinsam verläuft der Übergang in die ambulante deckende Befunde und Telemedizinnetz Therapien unabhängig patientenspezifische gestartet. Laborwerte Patienten oder Rönt- werden Versorgung reibungsloser, jetzt ständig und eventuelle betreut. vom Aufenthaltsort der Ärzte gemeinsam am Bildschirm besprochen werden. 9 Datenschutz Ob es um Finanzdaten geht, um Verwaltungsprozesse oder um digitale Patientenakten – die medizinischen Daten aus Neue patientenrechte. eHealth-Prozessen Wolfgang werden stets bei Zöller, den Leistungserbringern Patientenbeauftragter oder in besonders gesicherten Rechenzentren der gespeiBundesregiechert. Die sichere Datenspeicherung bildet das Herz aller modernen ICT-Infrastrukturen im Gesundheitswesen. rung, über Sicherheit und Transparenz beim Datenschutz. 10 Vernetzte Klinikärzte ständig griffbereit. Immer mehr Kliniken setzen mobile Systeme ein. Der schnel- le Datenzugriff entlastet die Ärzte und erhöht die Qualität in der Versorgung. 11 Keine Langeweile mehr Kinder zu gesundem Leben anzuhalten ist eine besondere Herausforderung. Der multimedia. Mit einem Betten-Terminal können Patienten Leitstelle, fernsehen, ob Verwandte, Freunde im oder virtuelle Personal Trainer einer Online- Internet ein Arzt benachrichtigt werden. Plattform motiviert und coacht Kinder und Jugendliche, um Bewegungsmängeln, surfen oder Essen bestellen – ohne zusätzliche Kosten für die Klinik. Vernetztes Gesundheitswesen 12 Kosten reduzieren Hochsicherer Datenverkehr Egal ob Patienten mit handfesten Erkrankungen oder mit diffusen Beschwerden zum Arzt kommen, ob sie Ärzte nur gelegentlich aufsuchen oder immer wieder: Bei der medizinischen Versorgung geht es um einen schnellen Zugriff auf Daten. Intelligente Gesundheitsnetze stellen dies sicher. Sie unterstützen den Patienten. Aber sie sind auch unverzichtbar für das Überleben unserer Versorgungssysteme. Sei es bei der Patientenbetreuung, bei der Leistungserfassung oder bei der Ressourcensteuerung: Ohne ein schlaues Medizinnetz 13 können Schnell die zunehmend informiert komplexen Versorgungsprozesse heute nicht mehr bewältigt werden. Mobile Visite ohne Aktenberg Patienten verfügen am Bett über ein Terminal, mit dem sie fernsehen, im Internet surfen oder genbilder und besprechen die Befunde. Gesund leben von klein auf Haltungsschäden und Gewichtsproblemen effektiv vorzubeugen. Patienten dürfen schneller nach Hause Nach der Entlassung werden die Vitaldaten von Herz- und Diabetespatienten im Probleme werden frühzeitig erkannt. Sicher unterwegs Viele Senioren sind bis ins hohe Alter aktiv. Doch wenn sie allein unterwegs sind, be- steht die Gefahr, dass sie durch einen Unfall oder gesundheitliche Probleme in Not geraten. Moderne Handys können per Knopfdruck Kontakt zu einer Leitstelle eines Wohlfahrtsverbandes herstellen. Gemeinsam entscheiden Patient und erfolgreich outsourcen. Wie man Prozesse outsourct und Kosten reduziert, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen, zeigt das Inselspital Bern. Warten lohnt sich. Das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz unterstützt Nierenkranke, die auf ein Spenderorgan warten, mit einem Online-Portal. 14 Länger selbstbestimmt leben schöner wohnen. Assistenzsysteme unterstützen ältere und kranke Menschen dabei, möglichst lange eigenständig in den eigenen vier Wänden zu leben. 15 Hilfe per Tastendruck Ganz einfach. Intelligente Technik wie das ServicePortal oder das Handy emporiaELEGANCE helfen schnell und unkompliziert – zu Hause und unterwegs. 16 Mobiler Gesundheitsmanager eine App, vier Geräte. Mit der App und den Modulen von VitaDock werden iPhone, iPad oder iPod touch zum vernetzten Gesundheitsmanager. 17 EKG Erstellen leicht gemacht Lebensrettend. Mit dem mobilen Messgerät clue medical können Patienten auch zu Hause ein EKG erstellen und Ärzten so umfassendere Daten liefern. 18 Neue Chancen Nutzerfreundlich. Mit neuen Online-Portalen begeistern Krankenkassen ihre Kunden für das Thema Gesundheit und sparen dabei sogar Kosten ein. Zu Hause b Telemedizinisc Gleichzeitig w Internet einfach Viele Menschen Telefone ohne vi bedienen. Das m tert Internet-Neu stieg ins World W nutzen sie versch richten, Medikam oder Videotelefo Krankenka Neue Kommunik ten, Leistungserb und sicheren Net Kontrollierte Via Bluetooth sen Joggern und ande die Daten anschlie Beispiel von der K Portal übernimmt die individuellen T zu erreichen.


Intelligent vernetzen – nicht schreddern Interview Rubrik 3 Dr. Axel Wehmeier, Leiter des Konzerngeschäftsfelds Gesundheit, zu Ärzte-iPads, Telemedizin, Gesundheitskarte, Produkten für den zweiten Gesundheitsmarkt und Chancen im Ausland. Herr Wehmeier, das Telekom Geschäftsfeld Gesundheit gibt es jetzt ein Jahr. Wie sieht Ihre Bilanz der ersten zwölf monate aus? Wir haben viel auf den Weg gebracht, etwa das Telemedizin-Projekt in der Lausitz, ein iPad für Klinikärzte oder ein Mieterservice-Portal für das selbstbestimmte Leben in der T-City Friedrichshafen. Und wir sind über die Blutzucker- oder Temperaturmessgeräte von Medisana in der breiten Öffentlichkeit als Gesundheitsunternehmen sichtbar gewor- den. Gesundheitsprodukte ziehen in die Telekom Shops ein – wer hätte das gedacht? Dann schauen sie doch einmal in die Glaskugel: Wo will die Telekom mit dem Thema Gesundheit in fünf Jahren stehen? Das ist schnell beantwortet: Wir wollen der zentrale Partner für das gesamte Gesundheitswesen sein, der alle Teilnehmer zusammenbringt. Wir sind am Ziel, wenn sich Ärzte, Kassen, Kliniken, Patienten oder Pflegedienste untereinander hochsicher digital austauschen können. Die medisana-messgeräte haben sie gerade genannt. Wollen sie im sekundärmarkt noch produkte nachlegen? Der Markt für diese Produkte ist noch sehr jung und hat noch viel Luft nach oben. Und viel Phantasie: Nach Blutdruck, Gewicht, Zucker oder Temperatur gibt es noch viele Körperwerte, die nicht aus dem Ruder laufen sollten. Der Puls etwa oder auch der tägliche Stresspegel. Hier werden die Kunden in naher Zukunft noch eine ganze Reihe frischer Produktideen erleben. sind die menschen bereit, für solche produkte zu zahlen? Nach allen Umfragen ja. Sogar die reiselustigen und ins Auto vernarrten Deutschen sparen eher bei Urlaub oder Pkw als bei Gesundheit. Zudem wollen viele mehr für ihre Gesundheit tun. Auf der einen Seite Best Practice Thema | November 2011


© Deutsche Telekom 4 Interview werden wir erleben, dass durch Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung chronische Krankheiten wie Diabetes zunehmen. Wir sehen allerdings bereits heute auch den Gegentrend und Menschen, die ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen wollen. Und bereit sind, dafür Geld auszugeben. Welche sinnvollere Investition gibt es, als die in die eigene Gesundheit? Will die Telekom auch produkte für die pflege entwickeln? Wir bieten künftig eine Reihe von Lösungen an, die das Leben im Alter komfortabler und sicherer machen: Telefone mit Notrufservicefunktionen, Touchscreens, mit denen Nutzer leicht Medikamente oder Essen auf Rädern bestellen, aber auch E-Mails versenden oder Videotelefonate führen können – die Enkelkinder sehen kommt in der Wunschliste fürs Alter gleich nach dem Gesundbleiben. Darüber hinaus entwickeln wir heute zum Beispiel in Liebenau zusammen mit Partnern wie der Universität Göttingen Technologien für seniorengerechtes Wohnen wie Sturzmonitoring. Best Practice Thema | November 2011 Die Telekom ist auch beim bundesweit größten Telemedizin-Netz für Hochrisiko-Herzpatienten dabei. Ist das der erhoffte Durchbruch für die Telemedizin in Deutschland? Mit der Aussage sind bereits andere Projekte angetreten. Ich bin mit Superlativen sparsam. Aber natürlich hoffen wir das. Von den vielen Schritten hin zur Regelversorgung ist dies zweifellos ein größerer gewesen, weil wir das Telemonitoring hier in eine ganze Region bringen. Zudem ist mit der AOK Nordost eine große Kasse an Bord. Was wir jetzt brauchen, ist eine valide Evaluation, wie sie nur ein Projekt dieser Größe erbringen kann. Dass Doppeluntersuchungen wegfallen und unnötige Arztbesuche, dass die Patienten sich sicherer fühlen und sogar eine bessere Prognose bekommen können – diese Vorteile sind bekannt. Unabhängig davon bin ich überzeugt: Ohne Telemedizin ist unser Gesundheitswesen grundsätzlich nicht mehr finanzierbar. Dazu dürfte es aber nicht bei Herzpatienten bleiben … Nein, auch Diabetiker, Risiko- Wir bieten künftig eine Reihe von Lösungen an, die das Leben im Alter kom- fortabler und sicherer machen. schwangere, Schlaganfallpatienten oder Menschen, die an chronischen Wunden leiden, lassen sich telemedizinisch betreuen. Viele haben Angst vor elektronischen Gesundheitsdaten, sie fürchten den gläsernen patienten. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens führt nicht zu einem schlechteren, sondern zu einem besseren Datenschutz. Im Moment ist es doch so, dass manche Arztberichte ohne besonderen Datenschutz per Post oder Fax versendet werden. Künftig entscheidet der Patient zunehmend mit, wer auf welche Daten Zugriff hat. Hier wird die neue elektronische Gesundheitskarte den Patienten mehr Autonomie bringen. Im Übrigen hat der Beauftragte des Bundes, Peter Schaar, den Datenschutz bei der elektronischen Gesundheitskarte gelobt. Gut, dass Herr schaar der Karte traut. Aber glauben sie, die Kunden trauen der Telekom Datenschutz zu? Gerade wegen der Skandale ist kaum ein Unternehmen heute so sensibilisiert für Datenschutz. Die Telekom ist der erste Dax- Konzern, der den Datenschutz auf Vorstandsebene verankert hat. Wir haben unsere Lektion gelernt. Heute bauen wir den Schutz und die Sicherheit der Kundendaten zu einem Wettbewerbsvorteil aus – und dabei sind wir auf einem guten Weg. Deutschland hat einen strengen Datenschutz. Unsere Rechenzentren unterliegen dem sogar in besonderem Maße. Gesundheitsprojekte gehen wir überhaupt nur an, wenn der Datenschutz zustimmt. Diese enge Zusammenarbeit schafft ein Höchstmaß an Sicherheit. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht – siehe die weltweiten Hackerbeispiele.


Zurück zur heiß diskutierten elektronischen Gesundheitskarte: Wie steht die Deutsche Telekom denn hierzu? Wir wollen, dass die Karten schnell online gehen. Erst mit der intelligenten Vernetzung können Patienten, Ärzte und Krankenkassen die Vorteile der Karte wirklich ausschöpfen: Notfalldaten im Notfall schnell ans Krankenhaus übertragen, Arztbriefe elektronisch austauschen, Versichertenstammdaten online aktualisieren, ohne jährlich Millionen Karten in den Schredder zu geben. Wie schnell ließe sich denn die Online-Anbindung schaffen? Unsere Branche schätzt, dass sich das innerhalb von ein bis zwei Jahren bei straffem Zeitplan umsetzen ließe – Voraussetzung: Man setzt auf Industriestandards, die es heute bereits am Markt gibt. und wenn es doch fünf Jahre werden, steigen sie dann aus dem Thema Telematik aus? sie wären nicht die ersten. Gesundheit ist unser höchstes Gut. Wenn Entscheidungen im Gesundheitswesen daher länger brauchen, hat das ein Stück weit seine Berechtigung. Daher ist die Gesundheitsbranche nichts für Kurzstreckenläufer. Trotzdem habe ich vollstes Verständnis für Unternehmen, deren Investitionsbereitschaft inzwischen nachgelassen hat. und die Telekom? Möchte ebenfalls, dass es schneller mit dem Telematikaufbau vorangeht, steht aber grundsätzlich hinter dem Thema. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen will die Karte und die nützlichen Funktionen. Dazu kommt der Beitrag einer vernetzten Karte dafür, dass unser Gesundheitswesen bezahlbar bleibt. Wir können es uns doch gar nicht leisten, auf die elektronische Gesundheitskarte zu verzichten. sparen und effizienter werden wollen auch die Kliniken. Was empfiehlt die Telekom? Im Kern: Schauen, was man selber machen muss, an Dienstleister übertragen, was nicht zum Kerngeschäft gehört und dort kostengünstiger produziert werden kann. Welche Ihrer Kunden nutzen dieses Angebot? Das Schweizer Inselspital in Bern beispielsweise. Hier organisieren wir nahezu die gesamte IT. Was können Kliniken neben klassischem Outsourcing noch tun? Sie können Ärzten zu jeder Zeit an jedem Ort im Krankenhaus die Informationen bereitstellen, die sie für die Behandlung benötigen. Das Evangelische Waldkrankenhaus in Spandau hat dazu ein spezielles Ärzte-iPad erprobt, das die Mediziner des Hauses begeistert hat, weil sie zum ersten Mal im Alltag einen schnellen Zugriff auf digitale Patientendaten haben. Sie können Daten einsehen, Befunde abzeichnen, Röntgenbilder laden. Das iPad beschleunigt den Arbeitsprozess. Die Folge ist: Ärzte haben wieder mehr Zeit für ihre Patienten. Das heißt, mit einem einzigen intelligent vernetzten Gerät können Kliniken nicht nur ihre Kosten reduzieren, sondern auch ihren Service verbessern. iPad-Lösungen für Ärzte wird auch die Telekom anbieten. Haben sie bereits Kunden? Seit wir den Tablet-Computer für Mediziner auf Messen zeigen, haben wir Anfragen von verschiedenen Kliniken bekommen. Ich bin sicher, dass wir bald konkret sagen können, wo es Pilotprojekte geben wird. Viele Kassen sind ebenfalls Kunde der Telekom. experten glauben, dass es bald nur noch 50 sein werden. sehen sie das genauso? Wir beobachten natürlich, wie sich der Markt bewegt. Und bieten den Kassen Unterstützung an, sich für den Wettbewerb zu stärken – etwa über Outsourcing oder beim Zusammengehen mit anderen Kassen. Kassen nutzen zudem pfiffige Ideen für die Kundenbindung. Wir haben für die Barmer GEK ein Online-Portal entwickelt. Dort können sich Mit- Interview 5 glieder mit Experten und anderen Anwendern in Foren austauschen, sich Fitnessprogramme erstellen lassen, in einer Medikamentendatenbank stöbern oder Gesundheitsvideos ansehen. Um das Portal gezielt auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder zuzuschneiden, hat das Unternehmen Vorschläge von rund 5.000 Versicherten berücksichtigt – ein riesiger Aufwand, der sich aber lohnen wird, weil die Website den Mitgliedern guten Service bietet und neue Kunden anlockt. Wird die Telekom ihre produkte auch international anbieten? Es gibt viele Länder, in denen der Gesundheitsmarkt wächst und in denen sich deutsche Gesundheitstechnologie gut vermarkten lässt. Im Moment sehen wir einen großen Bedarf an Krankenhausinformationssystemen in Osteuropa – zum Beispiel in Polen. Die polnischen Krankenhäuser müssen bis 2015 EU-Standards erfüllen. Aber auch in anderen Ländern wie Ungarn, Kroatien oder Russland ist der Bedarf an moderner intelligenter und vernetzter Technik groß. Best Practice Thema | November 2011


© Deutsche Telekom © Deutsche Telekom 8 Telemedizin Jochem Gerdesmann hat doppeltes Glück. Obwohl der 65-Jährige vor acht Jahren einen schweren Herzinfarkt hatte, übt der Entwickler noch immer seinen Beruf aus. Er baut Geräte für die telemedizinische Überwachung von Herzinsuffizienzpatienten und hilft damit nicht nur sich selbst. In Deutschland leiden rund zwei bis drei Millionen Menschen wie Gerdesmann an der Herzschwäche. 2010 war die chronische Krankheit der zweithäufigste Anlass für eine stationäre Behandlung und die dritthäufigste Todesursache. Besonders häufig waren Kranke in ländlichen Regionen betroffen, da Rettungsdienste eine längere Anfahrt als im städtischen Raum haben. Die Versorgungslage wird sich zudem weiter verschlechtern: Bis zum Jahr 2015 werden rund 50 Prozent der niedergelassenen Ärzte in ländlichen Regionen in den Ruhestand gehen, die Zahl der über 60-jährigen Menschen wird sich gleichzeitig um 25 Prozent erhöhen. mit dem physiogate (oben) und dem eKG-messgerät (rechts) erfassen patienten zu Hause ihre Vitaldaten. Best Practice Thema | November 2011 Nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes werden in Zukunft rund 20.000 Mediziner fehlen. Schon jetzt muss ein Hausarzt in dünn besiedelten Gebieten mehr als doppelt so viele Einwohner versorgen wie ein Kollege in der Stadt. Bessere medizinische Versorgung In den ostdeutschen Bundesländern ist das Problem nicht neu. Dort sucht man bereits seit Jahren nach neuen Versorgungsmodellen. Ein Weg könnte über Telemedizin führen. Anita Tack, Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg, sieht in der Telemedizin große Chancen, die medizinische Versorgung zu verbessern. „Vor allem die hausärztliche Betreuung von Patienten in ländlichen Regionen kann durch den Einsatz telemedizinischer Verfahren profitieren.“ Seit Oktober 2011 ist die Gesundheitsministerin ihrem Ziel ein Stück näher gekommen: In Brandenburg ist das bundesweit erste flächendeckende Telemedizin-Netz online gegangen. Die Telemedizin- EKG im Wohnzimmer In Brandenburg ist das bundesweit erste flächen- deckende Telemedizin-Netz gestartet. Hochrisiko- patienten genießen jetzt dank einer medizinischen Rund-um-die-Uhr-Betreuung ein komfortableres Leben. Zentren am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus sowie am Städtischen Klinikum in Brandenburg/Havel betreuen künftig rund 500 Hochrisikopatienten mit chronischer Herzschwäche rund um die Uhr. Für Patienten wie Jochem Gerdesmann bedeutet das weniger Risiko und mehr Lebensqualität. Bisher musste er für Routineuntersuchungen oft ins Krankenhaus oder zum Arzt. Heute führt er die wichtigen medizinischen Messungen wie Gewicht, Blutdruck und Elektrokardiogramm (EKG) täglich selbst durch. „Damit bin ich unabhängig von einem stationären Arzt. Die Messungen kann ich überall machen – selbst auf einem Campingplatz“, erklärt Gerdesmann. sicheres Netz für Daten Per Bluetooth senden die telemedizinisch versorgten Patienten die Daten mit ihren Messgeräten automatisch an eine Basisstation. Von hier aus geht es über ein sicheres virtuelles privates Netz (VPN) direkt in die elektronische Patientenakte, die eines der beiden Telemedizin- Zentren führt. Ein Ärzteteam überwacht die Daten, wertet sie aus und informiert bei sich abzeichnenden kritischen Zuständen die Patienten, deren betreuende Hausärzte oder Kardiologen oder im schlimmsten Fall den Notarzt. Auch die niedergelassenen Ärzte haben Zugriff auf die Vitaldaten ihrer Patienten und können diese mit ihnen beim nächsten Termin besprechen. Vorangegangene Forschungen am Klinikum in Brandenburg zeigten, dass sich die Krankenhauseinweisungen um bis zu 11 Prozent und die stationären Behandlungstage um bis zu 23 Prozent reduzierten, wenn Patienten kontinuierlich telemedizinisch betreut werden. Als Hemmschuh für den Einsatz galt bisher, dass man die Leistungen im Rahmen der Regelversorgung nicht abrechnen konnte. In Brandenburg erfolgt dies über einen integrierten Versorgungsvertrag. Telemedizin spart Zeit und Kosten Technik und Datenschutz gelten mittlerweile als ausgereift. Nicht zuletzt belegen Studien die Wirtschaftlichkeit von Telemedizin. Sie vermeidet Doppeluntersuchungen, verringert Verwaltungsarbeit und auch die Patienten profitieren davon: Sie sparen Zeit und Kosten für den Arztbesuch, können auch im Urlaub ihre Werte messen und sind trotzdem sicher medizinisch betreut. Heidrun Grünewald, Geschäftsführerin des Carl-Thiem-Klinikums, denkt deshalb schon weiter: „Im Moment betreuen wir nur Herzinsuffizienzpatienten, aber morgen werden vielleicht Risikoschwangere, Diabetiker, Schlaganfallpatienten und Pflegebedürftige in virtuelle Betreuungsnetze eingebunden sein. Wir bereiten uns darauf vor.“


© Wolfgang Zöller Datenschutz 9 Für die Sicherheit von Versicherten: eGCard und Patientenrechtegesetz Eine meiner großen Aufgaben sehe ich darin, Transparenz im Gesundheitswesen herzustellen. Verbraucherinnen und Verbraucher können Eigenverantwortung nur übernehmen, wenn sie sich über Leistungen, Preise und Qualität der vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten, Medikamente und Hilfsmittel ausreichend, leicht verständlich und umfassend informieren können. Zuletzt haben wir die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) als Regelversorgung installiert. Mit dem Zugang zu unabhängigen Informationen können die Bürger besser als Partner auf Augenhöhe im Gesundheitswesen agieren. Darüber hinaus begrüße ich die neue Funktion der UPD als Seismograf. Zukünftig wird die UPD mir über die zugetragenen Beschwerden berichten. Damit ist die Voraussetzung geschaffen, notwendige Handlungsoptionen mit den Beteiligten direkt oder durch Gesetzesänderungen durchzusetzen. Derzeit bin ich gerade zusammen mit dem Gesundheitsminister und der Justizministerin dabei, das Patientenrechtegesetz zu erstellen – der Referentenentwurf wird in wenigen Wochen fertig sein. Gerade in Sachen Transparenz wird es einiges aufzuweisen haben: Das geplante Patientenrechtegesetz wird die Rechte der Patientinnen und Patienten transparenter gestalten und bestehende Vollzugsdefizite in der Praxis abbauen. Gleichzeitig wird die Gesundheitsversorgung für Patientinnen und Patienten sicherer, indem Risiko- und Fehlervermeidungssysteme sowie eine Verbesserung des Beschwerdemanagements in Krankenhäusern dazu beitragen, die Behandlungsabläufe in immer komplexer werdenden medizinischen Prozessen zu optimieren. Die Förderung einer Fehlervermei- Wolfgang Zöller, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, über Sicherheit und Transparenz beim Datenschutz. dungskultur wird Behandlungsfehler jedoch nie gänzlich ausschließen können. Für diesen Fall ist eine verlässliche Unterstützung der Patientinnen und Patienten durch ihre Krankenkasse vorgesehen. Zudem werden die Rechte der Patientinnen und Patienten, aber auch der Pflegebedürftigen gegenüber den Kranken- und Pflegekassen gestärkt. Ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Transparenz und Patientenrecht ist die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Wichtig ist, dass zwischen allen Beteiligten Einigkeit darüber bestand, dass das Datenschutzniveau mit der Einführung der eGK gegenüber der bisherigen Krankenversichertenkarte deutlich angehoben wird. Denn aus meiner Arbeit als Patientenbeauftragter weiß ich, dass neben der Qualität der medizinischen Behandlung auch Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung für Patientinnen und Patienten höchste Priorität haben. Das Ziel ist, eine Telematikinfrastruktur zu schaffen, die die Kommunikation im Gesundheitswesen verbessert. Patientenrechte werden durch die elektronische Gesundheitskarte gestärkt, denn das uneingeschränkteSelbstbestimmungsrecht der Versicherten steht bei der elektronischen Gesundheitskarte im Mittelpunkt. Zwar ist die Speicherung von medizinischen Daten noch in der Vorbereitungsphase, dennoch steht jetzt schon fest: Die Versicherten können selbst bestimmen, ob und welche medizinischen Daten auf ihrer Karte gespeichert werden. Es ist geplant, Patienten-Terminals aufzubauen, an denen die Versicherten die Daten auf ihrer Karte einsehen können. Lediglich die Verwaltungsdaten müssen verpflichtend auf der Karte gespeichert sein. Datenschutz hat dabei höchste Priorität. Best Practice Thema | November 2011 © Buttler-Design


10 Kliniken Endlich vernetzt © Deutsche Telekom Vernetzte Kommunikation hält Einzug ins Gesundheitswesen. Immer mehr Kliniken testen das Arbeiten mit mobilen Systemen. Der schnelle Zugriff auf Patientendaten entlastet die Ärzte und erhöht die Qualität in der Versorgung. Dr. sabine presser und prof. Dr. Jan Langrehr können patienten mit Hilfe des Checkpad meD Diagnose und Therapie besser erklären als vorher. Als Dr. Sabine Presser bei der Visite zum ersten Mal mit einem iPad auftauchte, staunten ihre Patienten nicht schlecht: „Sie dachten, ich hätte meinen privaten Computer dabei“, berichtet die Oberärztin, „aber als ich den Patienten ihre Röntgenbilder auf dem Monitor zeigte, waren sie begeistert. Anhand der Befunde und des Bildmaterials kann ich ihnen jetzt Diagnose und Therapie besser erklären.“ Dr. Presser gehört zum Ärzteteam des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau, das den Einsatz von iPads im Klinikalltag testet. Sie und neun weitere Kollegen tragen den 730 Gramm leichten Tablet-PC ständig bei sich und greifen auf dem gesamten Klinikgelände in wenigen Sekunden auf Arztbriefe, Krankengeschichten, Befunde, Labor- oder OP-Berichte, Pflege- oder Verwaltungsdokumente zu. Checkpad MED, wie die Anwendung für das iPad heißt, zeigt die Daten als Bild-, Film-, Ton- oder Best Practice Thema | November 2011 Textdateien an. Melden sich die Mediziner bei Dienstbeginn auf ihrem Gerät an, bekommen sie einen schnellen und aktuellen Überblick über Neuaufnahmen oder neue Untersuchungsergebnisse. Zeitgewinn durch Checkpad meD Prof. Dr. Jan Langrehr, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie in Spandau, kann sich seinen Dienst ohne Checkpad MED nicht mehr vorstellen. Das Gerät verschafft ihm wertvollen Zeitgewinn: „Kam ich früher aus dem OP, wartete ein Aktenstapel auf meinem Schreibtisch: Befunde durchsehen und abzeichnen. Mit welchen Patienten geschieht was? Bei einigen Fällen liegen mir nicht genügend Informationen vor, um zu entscheiden“, erklärt der Chefarzt. Dann muss er Kollegen konsultieren, nachfragen, Befunde neu anfordern oder im Zweifel den Patienten nochmals untersuchen lassen, was Zeit und Geld kostet. Mit seinem iPad und der Anwendung Checkpad MED hat er dagegen alle Informationen sofort auf dem Bildschirm und bekommt einen schnellen Überblick. Zeitgewinn ist für Ärzte nicht nur aus medizinischer Sicht entscheidend. Rund 55 Stunden pro Woche arbeiten Klinikärzte laut einer Umfrage des Marburger Bundes. Es besteht Personalnot in deutschen Krankenhäusern: Im Durchschnitt sind 1,5 Arztstellen pro Abteilung unbesetzt. Carsten Schaulinski, Geschäftsführer des Waldkrankenhauses, kennt das Problem: „Wir machen uns seit Längerem Gedanken, wie wir unsere Ärzte entlasten und Prozesse verändern können.“ schlanke unternehmensführung Viel Spielraum haben Kliniken in Zeiten von knapper werdenden Budgets, steigenden Anforderungen und härterem Wettbewerb nicht. Das Waldkrankenhaus setzt daher auf eine schlanke Unternehmensführung. „Wir wollen alle wertschöpfenden Aktivitäten optimal aufeinander abstimmen“, erklärt Schaulinski. Checkpad MED sei ein Baustein, um dieses Prinzip im Klinikalltag umzusetzen. „Die Information kommt zu den Ärzten. Das spart Zeit und Geld – außerdem steigt die Arbeitszufriedenheit.“ Das Checkpad MED holt sich seine Daten aus Krankenhausinformationssystemen (KIS) oder aus Subsystemen und Archiven der Radiologie, des Labors oder der OPs. Die Informationen werden mobil über ein drahtloses lokales Netzwerk (WLAN) oder breitbandig über UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) übertragen. Die Daten werden stets verschlüsselt und über einen geschützten Tunnel separat vom öffentlichen Internet übertragen. Dazu muss sich jeder Nutzer vor jedem Zugriff gegenüber dem System zertifizieren. Ansonsten bleiben die Tore verschlossen. © Deutsche Telekom


© Deutsche Telekom Multimedia am Krankenbett In den meisten Krankenhäusern ist der Komfort am Bett begrenzt. Es geht auch anders: Mit einem Betten- Terminal können die Patienten fernsehen, im Internet surfen oder Essen bestellen – ohne zusätzliche Kosten für die Klinik. 7,9 Tage verweilen Patienten laut Statistischem Bundesamt im Schnitt stationär im Krankenhaus. Therapiezeiten machen davon nur einen Bruchteil aus. Die restlichen Stunden heißt es sich beschäftigen mit Fernsehen, Telefon, Buch oder Zeitschrift. Videos, Internet oder Bundesliga live? Fehlanzeige. Dabei würden Krankenhäuser mit solchen Angeboten bei Patienten punkten. Nicht einmal jeder fünfte Krankenhauspatient beurteilt seine Unterkunft mit der Note „sehr gut“, zeigt die Studie „Krankenhauslandschaft im Umbruch“ des Beratungsunternehmens Ernst & Young. „Kliniken stecken ihre knappen Finanzmittel lieber in Medizintechnik, was aus medizinischer Sicht nachvollziehbar ist“, sagt Timo Baumann, Klinikexperte bei T-Systems. Dabei messen die für die Ernst-&-Young-Studie befragten Krankenhausmanager der „Anhebung des Komforts für die Patienten“ noch vor Investitionen in medizinisch relevante Bereiche die größte Bedeutung zu. „Sie scheuen aber letztendlich die Kosten, da sie schwer greifen können, welchen Nutzen ihre Klinik im Wettbewerb daraus ziehen kann“, folgert Baumann. Eine Alternative könnte es sein, Multimediadienste anzubieten, ohne das Investitionsrisiko tragen zu müssen. „Wir statten Zimmer und Betten mit der notwendigen Technik aus. Dafür zahlt der Klinikbetreiber erst einmal nichts. Stattdessen rechnen wir die Leistungen über Guthabenkarten direkt mit den Patienten ab.“ einstecken und lossurfen Telefon- oder Fernsehanschlüsse gibt es an fast allen deutschen Krankenhausbetten. T-Systems nutzt diese Standardanschlüsse und verbindet einen Touchscreen am Bett mit ihrem Entertainment-Netzwerk. Über das internetbasierte Netz telefonieren Patienten, sehen fern und nutzen das integrierte Videokonferenzsystem. „Patienten können auch im Internet surfen und im Online- Kiosk PagePlace in ihren Lieblingszeitschriften blättern“, sagt Timo Baumann. Auch die Bundesliga oder den neuesten Hollywood-Blockbuster gibt es direkt am Bett. Visuelle unterstützung bei der Visite Das System bekämpft nicht nur die Langeweile. Es dient Ärzten auf ihren Visiten dazu, anhand von Röntgenbildern, Laborwerten oder Befunden ihren Patienten den aktuellen Gesundheitszustand zu erklären. Auch Behandlungstermine im Krankenhaus haben Patienten im Blick. Und wer bei so viel Information und Unterhaltung Hunger bekommt, hält das Fernsehprogramm auf Wunsch kurz an und bestellt am Touchscreen sein Mittagessen. © Deutsche Telekom Kliniken 11 Vernetzt über alle Ebenen Damit niedergelassene Ärzte und Krankenhausmediziner miteinander vernetzt sind, realisiert die Telekom in der T-City Friedrichshafen einen elektronischen Informationsaustausch. Am Klinikum Friedrichshafen greifen klinisch tätige Mediziner, Ärzte des dortigen Medizinischen Versorgungszentrums sowie niedergelassene Ärzte der Umgebung auf Patienteninformationen zu, die sich in unterschiedlichen Systemen, Standorten und Organisationen befinden. Stimmen Patienten der Nutzung ihrer Daten zu, dann können alle beteiligten Ärzte die Dokumente lesen und untereinander zur Verfügung stellen. Die Mediziner haben so ein vollständigeres Bild von der Krankheits- und Behandlungshistorie der Patienten und vermeiden Doppeluntersuchungen. Die Lösung zum Datenaustausch nutzt MDES (Medical Data Exchange Solution) der Telekom Partner Cisco und Tiani Spirit sowie den offenen IHE-Standard (Integrating the Healthcare Enterprise). Best Practice Thema | November 2011 © argironeta – Fotolia.com


12 International Insel der vernetzten Gesundheit Das Inselspital Bern hat große Teile seiner Informations- und Telekommunikationstechnologie (IKT) an einen spezialisierten Dienstleister ausgelagert. Das hält den eigenen IT-Verantwortlichen den Rücken frei. Im Inselspital Bern können sich Ärzte, Krankenschwestern und pfleger voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Die IT-systeme organisiert T-systems. Rund ein Drittel der deutschen Krankenhäuser arbeitet nach Angaben des Marktanalyse- und Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) nicht profitabel. Die Kosten explodieren, es herrscht Personalmangel und der Wettbewerb um die Patienten nimmt zu. In der Schweiz sieht die Situation nicht anders aus. Kliniken optimieren daher ihre Prozesse unter anderem mit Outsourcing. Für Gebäudeverwaltung, Kantine oder Labore suchen sich die Klinikbetreiber spezialisierte Dienstleister. An einer Sparte ist das Outsourcing bisher weitgehend vorbeigegangen: In Deutschland betreuen laut der Gesellschaft für Informationstechnologie etwa 94 Prozent der Krankenhäuser ihre IT noch immer selbst. Auslagern oder selber machen? Dabei wird die IT immer komplexer: Betriebssysteme, Standards, Schnittstellen und Hardware ändern Best Practice Thema | November 2011 sich ständig. „Als Unternehmen, dessen Fachkompetenz in anderen Bereichen liegen sollte, sind diese notwendigen Anpassungen kaum zu schaffen“, sagt Martin Graf, CIO des Inselspitals in Bern. Um bei Betrieb und Service mit der Technik Schritt zu halten, hat das Spital daher einen großen Teil der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur ausgelagert. „Die Wartung und der Betrieb der verschiedenen Technologien und Lösungen wird zunehmend komplexer. Dies kann zu personellen Engpässen führen. IT-Experten, die ein Klinikum unserer Größe braucht, sind auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden“, sagt Graf. Das Schweizer Universitätsspital gilt mit jährlich rund 50.000 stationären und 260.000 ambulanten Patienten als medizinisches Wissenschaftszentrum und genießt in den Fachbereichen Kardiologie, Neurologie und Onkologie internationales Ansehen. „Unsere 1.200 Ärzte und Wissenschaftler müssen sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können. Unsere IT-Abteilung konzentriert sich daher darauf, ihnen die Applikationen optimal bereitzustellen, die sie für ihre medizinische Arbeit benötigen“, so Graf weiter. Der komplexe technische Betrieb der Infrastruktur liegt dagegen bei T-Systems – vom Service für die Desktop-Arbeitsplätze bis zum Betrieb der Server und Datenbanken im Rechenzentrum. Hier wachen Experten über die Verfügbarkeit der etwa 300 IT-Systeme des Inselspitals, vom Krankenhausinformationssystem bis zu Labor- und SAP-Systemen. Graf: „Hier kann eine einzelne Klinik weder technologisch noch aus finanzieller Sicht mit einem spezialisierten Dienstleister konkurrieren. Dieser kann Skaleneffekte heben, die wir alleine nicht nutzen könnten.“ Die extern betreute IT macht im Inselspital vieles einfacher: Eine komplexe SAP-Architektur automati- siert fast alle Prozesse der Krankenhausverwaltung. Alle wesentlichen Kliniksysteme sind per Kabel und per WLAN vernetzt. Während der Visite laden sich Ärzte radiologische Aufnahmen auf ihr mobiles Gerät. Die Medikamentenkühlschränke melden ihre Temperatur per Funk ans zentrale System, Rollstühle lassen sich auf dem gesamten Campus orten und was Patienten zu Mittag essen wollen, tippt das Pflegepersonal in mobile Geräte ein. Der Menüwunsch landet sofort in der Krankenhausküche. Besser versorgt und gespart Auf der Grundlage der IT-Infrastruktur von T-Systems nutzen Graf und sein Team das eigene Know-how, um medizinische und Verwaltungsanwendungen im Inselspital weiterzuentwickeln. „Gemeinsam mit Ärzten und Krankenhausverwaltung verbessern wir die Versorgung der Patienten und erreichen zugleich unsere Einsparziele“, sagt Graf.


Online-Portal für bessere Nierentherapie Chronisches Nierenversagen – die Laborwerte von Franz T. (67) waren eindeutig. Damit leidet der ehemalige Schlossermeister quasi an einer Volkskrankheit. Es gibt Schätzungen, wonach die Nierenfunktion jedes zehnten Erwachsenen vermindert ist. Rund 70.000 Menschen in Deutschland sind sogar auf regelmäßige Dialysen angewiesen, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie. In Österreich sind es laut Dialyse- und Transplantationsregister (ÖDTR) des Landes rund 4.200 Dialysepatienten, die in knapp 80 Dialysezentren betreut werden, und etwa gleich viele sind erfolgreich nierentransplantiert. Therapiehilfe aus dem Netz Seit seiner Diagnose wird Franz T. von einem spezialisierten Klinikum in Linz betreut. Mit Medikamenten und Hormonbehandlungen versuchen die Ärzte des Elisabethinen-Krankenhauses, das jährlich rund 1.500 nierenkranke Patienten behandelt, den Gesundheitszustand des Rentners zu verbessern. Dazu überwachen sie ständig Blutwerte, Blutdruck und Hormonspiegel. Ein Nephrologieportal im Internet, welches das Krankenhaus gemeinsam mit T-Systems entwickelt hat, unterstützt Patienten wie Franz T. und das medizinische Personal, etwa bei der Planung der Therapie. Aktuelle Befunde oder Termine übertragen sich automatisch aus dem Krankenhausinformationssystem (KIS) des Elisabethinen- Krankenhauses in das Portal. Sobald dort neue Daten zur Verfügung stehen, weist das System Franz T. per SMS oder E-Mail darauf hin. Um seine Termine zu prüfen oder um einen neuen Arztbrief zu lesen, meldet er sich von zu Hause am Portal an. Alle abgerufenen Daten werden verschlüsselt übertragen. Sollte eine Nierenersatztherapie notwendig werden, unterstützt ein Transplant-Portal die Arbeit der Ärzte: Krankenhäuser und niedergelassene Spezialisten dokumentieren auf dieser Internet-Plattform die Häufigkeit und Art der Blutreinigungen und Untersuchungsergebnisse. Ausschließlich die behandelnden Mediziner selbst können über verschlüsselte Verbindungen auf die Befunde zugreifen. Diese Daten helfen einem Transplant-Zentrum außerdem zu entscheiden, ob ein Patient bei einem etwaigen Nierenangebot auch ein Spenderorgan bekommen kann. „Bei Nierentransplan- International 13 Arztbesuche, Nierenersatztherapie durch Dialyse, Warten auf ein Spenderorgan: Alltag für Nierenkranke. Das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz unterstützt Patienten mit einem Online-Portal. Die Dialyse kann solange als ersatztherapie dienen, bis der patient ein spenderorgan erhält. © trismile – iStock.com tationen gibt es bis zu hundert entscheidungsrelevante Variablen mit unterschiedlicher Gültigkeitsdauer“, erläutert Prof. Dr. Rainer Oberbauer vom Elisabethinen-Krankenhaus. Da die mittlere Wartezeit etwa drei Jahre beträgt, müssen die Ärzte Untersuchungen regelmäßig erneuern. Ampelsystem hilft den Überblick zu bewahren Um schnell entscheiden zu können, fasst das Nierentransplant-Portal sämtliche Kriterien übersichtlich in einem Ampelsystem zusammen. Wenn alles für eine Transplantation spricht, leuchtet die Ampel grün. Und damit kein Untersuchungstermin überschritten wird, wechselt die Ampel auf rot. Die Monitoring-Funktion des Portals informiert die Administratoren und Mediziner per E-Mail vorsorglich bereits zwei Monate vorher; per Mausklick auf die Ampel öffnen Mediziner die dahinterliegende Checkliste, um Details zu überprüfen. Franz T. jedoch kann zunächst auf Dialysen oder eine Spenderniere verzichten. Seine Nierenfunktionen haben sich durch eine individuelle Therapie stabilisiert. Mit seiner chronischen Erkrankung und regelmäßigen Untersuchungen hat er sich arrangiert. Das Nephrologieportal hilft ihm dabei, seine Termine im Elisabethinen- Krankenhaus einzuhalten. Best Practice Thema | November 2011


14 Länger selbstbestimmt leben Selbstbestimmt leben bis ins hohe Alter Deutschlands Bevölkerung gehört zu den ältesten der Welt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist in der Bundesrepublik jeder fünfte Bürger 65 Jahre oder älter, das entspricht rund 17 Millionen Menschen. Der Grund: Seit Jahren gehen die Geburtenraten zurück und gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Mit der Alterung unserer Gesellschaft steigt auch der Pflegebedarf. In eine Pflegeeinrichtung wollen jedoch nur die wenigsten Menschen. Ältere möchten eigenständig leben Nach einer Studie des F.A.Z.-Instituts möchten acht von zehn Menschen über 45 so lange wie möglich Zuhause leben; bei den 70-Jährigen sind es sogar 90 Prozent. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Telekom gemeinsam mit Partnern an Lösungen, mit denen Ältere möglichst lange ein selbständiges Leben führen können. „Die Umsetzung eines solchen AAL-Geschäftsmodells (AAL = Ambient Assisted Living) ist allein durch technologische Lösungen nicht zu bewerkstelligen“, erklärt Irene Maucher, Gesundheitsexpertin bei T-Systems. „Ziel ist es vielmehr, die Technik in das bestehende soziale Umfeld wie die Familie, die Nachbarschaft oder auch in ein Quartier im Stadtteil zu integrieren.“ Best Practice Thema | November 2011 Im Januar 2010 startete das Pilotprojekt „Sicherheit im Zuhause und unterwegs“ in Meckenbeuren-Liebenau in der Nähe des Bodensees. Die Projektpartner, darunter die Universität Göttingen, Ziel ist es vielmehr, die Technik in das bestehende soziale Umfeld wie die Familie, die Nachbarschaft oder auch ein Senioren-Wohnquartier zu integrieren. Irene maucher, Konzerngeschäftsfeld Gesundheit bei T-Systems die Stiftung Liebenau und T-Systems, entwickeln und erproben verschiedene Technologien, die Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen ein selbständiges Leben ermöglichen sollen. So haben die Entwickler eine Testwohnung mit Sensoren ausgestattet, die erkennen, wenn ein Bewohner in Gefahr gerät. Steht dieser beispielsweise nachts auf, um ins Bad zu gehen, erfasst ein Sensor die Bewegung. Intelligente Assistenzsysteme unterstützen ältere und kranke Menschen dabei, so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Kehrt der Bewohner nach einer vorher festgelegten Zeit nicht ins Schlafzimmer zurück, löst das System eine Warnung und später Alarm aus. Dabei kann der Nutzer selbst festlegen, ob im Notfall der Nachbar, ein Angehöriger oder der Pflegedienst informiert werden soll. Die Praxis zeigte, dass es den Freiraum des Nutzers zu stark einschränkt, wenn dieser vorab immer genau festlegen muss, wann und für wie lange er sein Schlafzimmer verlässt. Deshalb arbeitet T-Systems an einer neuen Lösung, die die Gewohnheiten des Anwenders berücksichtigt. Dienstleistungen per Fingertipp Ein weiteres Projekt läuft in T-City, der gemeinsamen Zukunftswerkstatt der Deutschen Telekom und der Stadt Friedrichshafen. Seit Anfang 2011 erprobt T-City zusammen mit der Fränkel AG ein ServicePortal (siehe auch Seite 15). Über einen einfach bedienbaren Touchscreen können die Bewohner von 19 Wohnungen auf verschiedene Serviceangebote zugreifen. „Das Terminal ist wirklich leicht zu handhaben“, sagt Heinrich Dageförde, einer der ersten Benutzer. „Ein paar Berührungen genügen, und die Angebote sind speziell auf meine Wünsche zugeschnitten. Das ist für mich viel übersichtlicher als das Internet.“ © jo unruh – iStock.com


Sicher unterwegs Mit dem Mobilen Serviceruf können ältere Menschen von unterwegs aus schnell qualifizierte Hilfe anfordern. Brigitte H. ist topfit und viel unterwegs. Trotz ihrer Diabeteserkrankung verreist die alleinstehende Rentnerin gerne und treibt regelmäßig Sport. Doch gerade wenn sie allein unterwegs ist, macht sich die 67-Jährige immer öfter Gedanken: Was passiert, wenn sie sich bei der morgendlichen Nordic-Walking-Runde im Wald verletzt? Wer hilft ihr im Fall einer Unterzuckerung? Für solche Situationen hat die Telekom gemeinsam mit dem Handy-Hersteller emporia Telecom und Wohlfahrtsverbänden den Mobilen Serviceruf entwickelt. Basis des Dienstes ist ein Mobiltelefon, das mit einem übersichtlichen Display, großen Tasten und einer besonderen Hörqualität auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten ist. Im Gegensatz zu den klassischen Senioren- Handys, die auf Grund ihrer wenig ansprechenden Optik bisher kaum Abnehmer fanden, verfügt das emporia-Gerät über ein zeitgemäßes Design. Auf der Rückseite des Telefons befindet sich außerdem ein klar sichtbarer Hilferufknopf. Über diesen Button wird der Nutzer nicht mit der nächsten Rettungs- oder Polizeileitstelle verbunden, sondern mit einer rund um die Uhr besetzten Hilferufzentrale eines Wohlfahrtsverbandes. Dort kann der Anwender vorab ein persönliches Profil hinterlegen. Dazu gehören neben der eigenen Adresse und Telefonnummer auch medizinische Informationen, die Rufnummer des Hausarztes oder die Kontaktdaten von Angehörigen. Hilfe per Tastendruck Für Brigitte H. heißt das: Drückt sie im Notfall den Hilferufknopf, sieht der Mitarbeiter des Wohlfahrtsverbands über die Rufnummererkennung sofort, wer anruft. Dazu zeigt das System, dass die Rentnerin an Diabetes leidet und regelmäßig Insulin benötigt. Auf Basis dieser Informationen und der Angaben von Brigitte H. zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand entscheiden beide gemeinsam, ob und welche Hilfsmaßnahmen notwendig sind. Das kann die Alarmierung eines Notarztes sein, möglicherweise reicht es aber auch aus, die Tochter von Brigitte H. zu informieren. „Der Mobile Serviceruf unterstützt ältere Menschen in ihrem Bedürfnis nach Mobilität und Sicherheit und gibt gleichzeitig auch den Angehörigen das gute Gefühl, dass sie im Notfall sofort informiert werden“, fasst Nils Lipprandt aus dem Bereich Healthcare bei T-Systems die Vorteile des Dienstes zusammen. Die Deutsche Telekom plant den Marktstart dieses Angebotes für 2012. © emporia Telecom Länger selbstbestimmt leben 15 © emporia Telecom © Deutsche Telekom Hauptsache einfach Das Mobile ServicePortal der Telekom erleichtert sowohl Internet-Neulingen als auch Senioren den Einstieg ins World Wide Web. Die Zahl der älteren Internet-Nutzer steigt: Nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts Aris für den Bundesverband Informationstechnologie (BITKOM) nutzen inzwischen rund 25 Prozent der über 65-Jährigen das weltweite Netz. Dabei interessiert die Senioren in der Regel wenig, wie die Technik funktioniert. Sie wollen ihren Computer einfach nur bedienen, und das bequem und mit wenig Lernaufwand. Diese Möglichkeit bietet das Mobile ServicePortal der Telekom: Über eine einfach strukturierte Oberfläche lassen sich verschiedene Apps sowie aufbereitete lokale und überregionale Dienste intuitiv bedienen. Dabei entscheidet der Anwender selbst, welche Services er in sein persönliches Portal integrieren möchte. Damit das bequeme Surfen auch von unterwegs aus möglich ist, bietet die Telekom das System in Verbindung mit Android-Tablet-PCs an. Auf Grund der großen Tasten ist das serviceportal übersichtlich sowie bequem und einfach zu bedienen. Zu den Diensten gehören aktuelle Nachrichten, Wettervorhersagen, Fahrplanauskünfte, die Abfrage von Energieverbrauchsdaten, die Online-Bestellung von Medikamenten oder der Pizza-Bringdienst um die Ecke. Wer möchte, kann außerdem ein E-Learning-Programm in das System einbinden, das Schritt für Schritt das Internet und seine Nutzungsmöglichkeiten erklärt. Und auch das Lesen und Versenden von E-Mails sowie Videotelefonate mit Verwandten und Freunden lassen sich ganz einfach über die Oberfläche des Portals ansteuern. Best Practice Thema | November 2011


© Medisana AG 16 Mobile Gesundheit Gesundheitsmanager iPhone Mit den Geräten von VitaDock können Patienten Blutzucker, Temperatur, Gewicht, Blutdruck und Puls via iPhone, iPad und iPod touch erfassen, speichern und überwachen. Nach einer Studie des Instituts research- 2guidance werden Handys in den kommenden Jahren für die medizinische Versorgung immer wichtiger. 67 Prozent der Unternehmen im Gesundheitssektor sind laut Studie der Ansicht, dass 2015 bereits die Mehrheit der Ärzte Apps für die Übertragung und Speicherung von Patientendaten einsetzt. Vor allem Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck oder Asthma lassen sich damit leichter behandeln. „Mobile Gesundheitslösungen könnten den dramatischen Kostenanstieg im Gesundheitswesen abfedern, indem Chroniker ihre Vitalwerte zu Hause erfassen“, sagt Dr. Pablo Mentzinis vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Hier setzt auch der Hersteller Medisana mit seiner VitaDock-Gerätefamilie an. Daten werden automatisch gespeichert Mit dem Blutdruckmessmodul CardioDock können Menschen, die unter Hypertonie leiden, ihren Blutdruck zu Hause messen und müssen keinen Besuch beim Arzt auf sich nehmen. Einmal gestartet, führt CardioDock in kurzer Zeit bis zu fünf Zielgewicht im Anflug: Bei der Waage Targetscale zeigen Leuchtringe, wie weit man von seinem Wunschgewicht entfernt ist. Best Practice Thema | November 2011 Messungen hintereinander durch. Anschließend wird der Durchschnittswert ermittelt, mit dem natürliche Schwankungen während der Einzelmessung ausgeglichen werden. Neben dem CardioDock-Blutdruckmessmodul können auch Diabetiker mit dem Messmodul GlucoDock ihren Blutzucker schnell und komfortabel mit dem iPhone erfassen. Fünf Sekunden nach der Messung zeigt das iPhone die Daten an. Mit der App hat auch das lästige Notieren von Blutzuckerwerten auf Zetteln ein Ende, denn alle Daten werden in einem digitalen Tagebuch aufgezeichnet. Mit der TargetScale werden iPhone und Co. zum Gewichtsmanager: Wenn sich die Nutzer auf die Waage stellen, werden sie automatisch erkannt. Leuchtringe zeigen visuell die Entfernung vom Zielgewicht an. Je näher sich der leuchtende Ring an der Mitte befindet, desto näher ist man dem Ziel. Mit der Funktion Balancetest können Nutzer sogar ermitteln, ob ihr Gewicht gleichmäßig auf beiden Füßen verteilt ist. Neben dem Gewicht bestimmt TargetScale auch den Anteil an Körperfett, Muskel-, Wasser- und Knochenmasse sowie den Body-Mass-Index. Mit dem Athleten- Modus findet auch der Fitnesszustand aktiver Sportler Berücksichtigung. ThermoDock verwandelt das iPhone in ein Infrarotthermometer. Damit können Nutzer schnell und berührungslos die exakte Temperatur von Flüssigkeiten und Oberflächen ermitteln. Die Infrarottechnologie macht das Messen dabei besonders hygienisch und komfortabel. Zum einen lässt sich auf diese Weise innerhalb weniger Sekunden die Körpertemperatur ermitteln. Und zum anderen ermittelt das Modul mit der Einstellung „Livemodus“, wie heiß zum Beispiel der Babybrei ist. App verwandelt iphone in Gesundheitsmanager Um Vitalwerte zu messen, benötigen Nutzer lediglich die VitaDock-App. Sie kann kostenlos aus dem Apple-Store im Internet heruntergeladen werden. Mit ihr werden iPhone und Co. zum digitalen Gesundheitsmanager. Denn die App speichert alle Messungen in einer Datenbank. So braucht sich der Patient keine Notizen zu machen. Zudem können alle Werte über einen längeren Zeitraum mit Hilfe von Kurvendiagrammen oder Listen dargestellt und kontrolliert werden. Dritte können ohne Erlaubnis des Anwenders nicht auf die Daten zugreifen. Jede Messung kann zusätzlich kommentiert werden. Zum Messen werden die VitaDock-Module einfach an das Smartphone gesteckt. GlucoDock, Thermo- Dock und TargetScale sind kompatibel mit aktuellen iPhone-, iPad- und iPodtouch-Modellen, Cardio- Dock nur mit iPhone und iPod touch. mit dem CardioDock lässt sich der Blutdruck auch zu Hause messen. © PREVIEW Event & Communication © Medisana AG


© iStock.com – 1193495 © Lavandoo Mobile Solutions Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2010 rund 41 Prozent aller Todesfälle durch Herzinfarkte oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht. Patienten sollten Herzrhythmusstörungen daher nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern einen Arzt aufsuchen. Das Problem dabei: Oft sind Herzrasen, Herzstolpern oder andere Rhythmusstörungen längst wieder abgeklungen, wenn der Patient Stunden oder Tage nach dem Auftreten der Beschwerden in der Praxis seines Arztes sitzt. Folglich ist ein Elektrokardiogramm (EKG) zu diesem Zeitpunkt nur noch bedingt aussagekräftig. „Viele Menschen sind außerdem sehr aufgeregt, wenn sie zum Arzt kommen“, erklärt der Kardiologe Prof. Dr. Johannes Kastner vom Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Wien. „Der Stresslevel ist dadurch entsprechend hoch, was sich natürlich auch auf die Messwerte wie die kardiovaskulären Risikomarker auswirkt.“ Mit dem mobilen medizinischen Messgerät clue medical können Herzpatienten und Sportler jetzt auch zu Hause, am Arbeitsplatz, auf Reisen oder während des Trainings regelmäßig ihre Herzfunktionen überprüfen. Das Gerät ist ein gemeinsames Angebot der auf mobile Health (mHealth) und telemedizinische Lösungen spezialisierten Lavandoo Mobile Solutions GmbH und der Deutschen Telekom. Der Benutzer nimmt mit clue medical jeweils morgens und abends sowie bei Bedarf innerhalb von zwei Minuten ein Einkanal-EKG auf. Dazu hängt er den clue medical wie einen Brustbeutel um den Hals und misst seine Herzfunktionen über die im Gerät integrierten Metallelektroden – der umständliche Einsatz von Klebeelektroden ist damit überflüssig. Der 70 Gramm leichte und mit nur einem Knopf zu bedienende clue medical speichert bis zu 30 Messungen. Diese überträgt der Nutzer via Infrarot oder Bluetooth an sein Mobiltelefon oder seinen Computer, wo sich die Messwerte auch grafisch, etwa im Standardformat PDF, darstellen lassen. Gleichzeitig können die Messungen auch per Internet oder Mobilfunk an das clue medical Service Center weitergeleitet werden, wo sämtliche Messdaten anonym und passwortge- EKG für unterwegs © q-snap – Fotolia.com Mit dem mobilen Messgerät clue medical überprüfen Herzpatienten und Sportler Herzfunktionen und Stresslevel eigenständig. Mobile Gesundheit 17 Die messwerte werden im Handy oder Computer grafisch angezeigt. schützt gespeichert und verwaltet werden. Dort können neben dem Nutzer auch der behandelnde Arzt oder Angehörige jederzeit auf die Untersuchungsergebnisse zugreifen – vorausgesetzt der Patient hat sie mittels Benutzername und Passwort dazu autorisiert. Auf Wunsch sendet das Service Center eingehende Messungen automatisiert per SMS oder E-Mail an den Arzt oder Angehörige. Zudem ermöglicht eine integrierte Statistikfunktion das Auswerten mehrerer Messungen sowie die Darstellung von Trends. Aus dem aufgezeichneten EKG berechnet der clue medical Herzrate, Herzratenvariabilität (HRV) und weitere Parameter. Mit ihnen lassen sich Herzfunktionen und Stresszustand des Anwenders beurteilen und entsprechende Risikomarker diagnostizieren, die beispielsweise auf Stress, Burnout, Angst, Depressionen, bisher nicht dokumentierte Herzkrankheiten oder einen drohenden plötzlichen Herztod bei Sportlern hinweisen können. „Durch das mehrmalige oder sogar regelmäßige Erfassen der Herzdaten erhalten wir nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ein umfassendes und ganzheitliches Bild des Gesundheitszustandes des Patienten“, erklärt Kastner, der clue medical seit 1998 im AKH Wien einsetzt und bei Bedarf an Patienten verleiht. „Auf diese Weise haben wir die Chance, Krankheiten frühzeitig zu erkennen.“ sichere Datenverwaltung Alle persönlichen Messwerte eines Patienten werden anonym an den zentralen Server gesendet und dort auch anonym in Verbindung mit der Gerätenummer verwaltet. Grundsätzlich kann nur der Patient seine Messwerte einsehen, da nur er Benutzername und Passwort kennt. Erst wenn er seinen behandelnden Arzt oder Angehörige explizit und mittels Passwort dazu autorisiert, können diese ebenfalls auf die Informationen und Auswertungen zugreifen. Best Practice Thema | November 2011 © Lavandoo Mobile Solutions


© Cat London – iStock.com 18 Krankenkassen Gesund und fit du Betriebliche Gesundheitsvorsorge steigert das Wohlbefinden der Angestellten und spart gleichzeitig Kosten … Langes Sitzen, Stress und unregelmäßiges Essen – der Arbeitsalltag vieler Menschen ist heutzutage alles andere als gesund. Die Folgen sind häufig Müdigkeit, Energiemangel und Lustlosigkeit bis hin zu Ausfällen auf Grund von physischen und psychischen Erkrankungen. Die Unternehmen kommt diese Entwicklung teuer zu stehen: Eine aktuelle Studie der Strategieberatung Booz & Company im Auftrag der Felix Burda Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass deutsche Firmen im Jahr 2009 allein die Fehlzeiten 1.199 Euro pro Mitarbeiter gekostet haben. Noch stärker zu Buche schlagen die Kosten, die entstehen, wenn Mitarbeiter trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen. Denn das führt häufig zu schlechter Arbeitsqualität, Unfällen oder chronischen Krankheiten bis hin zum Burn-out. Die Kosten für diesen sogenannten Präsentismus betrugen 2009 laut Booz & Company weitere 2.399 Euro pro Kopf. Hochgerechnet auf alle deutschen Firmen fielen somit Kosten in Höhe von 129 Milliarden Euro an. Best Practice Thema | November 2011 Trotz dieser Entwicklung haben bisher nur wenige Unternehmen in Deutschland ein betriebliches Gesundheitsmanagement etabliert. Denn zum einen lässt sich der direkte Nutzen von Präventivmaßnahmen nur schwer ermitteln, und zum anderen sind den meisten Unternehmen die rechtlichen, politischen und finanziellen Rahmenbedingungen für ein betriebliches Gesundheitsmanagement nicht oder nur zum Teil bekannt. Die Deutsche Telekom ist hier bereits einen Schritt weiter. Sie hat das „Kümmern um Gesundheit“ zum festen Bestandteil der internen Servicekultur gemacht und wurde 2010 dafür von Handelsblatt, EUPD Research und TÜV SÜD Life Services mit dem „Corporate Health Award“ ausgezeichnet. „Eine umfassende Gesundheitsförderung ist nicht nur ein Grundprinzip nachhaltigen Personalmanagements, sondern auch eine tragende Säule für die Werthaltigkeit von Unternehmen“, so Personalvorstand Thomas Sattelberger. Und Dr. Anne-Katrin Krempien, die leitende Ärztin der Deutsche Telekom, ergänzt: „Die Führungskräfte sind aufgefordert, Vorbilder und Verantwortungsträger für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu sein. Ziel ist, die Beschäftigten nachhaltig zu motivieren, Eigenverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen, um ihre Beschäftigungsfähigkeit und damit auch die eigene Lebensqualität zu steigern.“ Fit@Telekom Neben regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen sowie Beratungen im psychosozialen Bereich ist bei der Telekom mit „Fit@Telekom“ jetzt ein internes Gesundheitsportal an den Start gegangen. Unter dem Motto „Gesundheit macht Spaß“ bietet das Portal umfangreiche Funktionen und Informationen rund um die Themen Sport, Bewegung, Ernährung und Wohlbefinden. So haben die Mitarbeiter dort die Möglichkeit, einen Fitness-Check durchzuführen und so Erkenntnisse über mögliche körperliche Gefährdungen zu


Krankenkassen 19 rchs Arbeitsleben … für die Unternehmen. Gesundheitsportale können helfen, die Mitarbeiter für das Thema zu begeistern. © Bundesinnungskrankenkasse Gesundheit gewinnen. Darüber hinaus bietet das Portal Motorik- und Gedächtnisübungen, Interviews mit Experten, Literaturtipps zu den Themen Gesundheit, Bewegung und Ernährung sowie Verlinkungen zu verschiedenen Wikis und Blogs. „Fit@Telekom soll nicht nur informieren, sondern die Mitarbeiter anregen, mit Kollegen über Gesundheitsthemen zu sprechen und sich unternehmensweit zu vernetzen“, erklärt Nicole Schmidt, Market Managerin im Konzerngeschäftsfeld Gesundheit bei T-Systems. „So steht bei unseren weiblichen Nutzern derzeit der Austausch von Kochrezepten für kalorienarme Gerichte ganz hoch im Kurs.“ Grundsätzlich lässt sich Fit@Telekom auch auf andere Unternehmen übertragen. „Das Know-how, das wir bei der Entwicklung unseres eigenen Portals gewonnen haben, geben wir natürlich gerne auch an unsere Kunden weiter“, so Schmidt. „Die Inhalte schneiden wir dann gemeinsam mit dem Kunden speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen der jeweiligen Nutzer zu.“ mit nutzerfreundlichen und informativen Online-portalen können Krankenkassen neue mitglieder gewinnen und service bieten. „Die Gesundexperten“ im Netz Beispiel für eine solche Kundenlösung ist das Mitgliederportal der Barmer GEK, das die Telekom gemeinsam mit der Krankenversicherung entwickelt hat und in ihren Rechenzentren betreibt. Die Seite teilt sich in zwei Bereiche: In der klassischen Rubrik „Leistung & Services“ finden die Nutzer Basisinformationen wie Anträge, Formulare und Ansprechpartner. Darüber hinaus stellt die Barmer GEK ihren Mitgliedern mit „Wissen & Dialog“ eine Kommunikationsplattform zur Verfügung. Dort können sich Mitglieder mit Experten und anderen Anwendern in Foren austauschen, sich Fitnessprogramme erstellen lassen oder in einer Medikamentendatenbank stöbern. Eine Mediathek bietet zudem die Möglichkeit, Diagnosen und Therapien zu recherchieren. Außerdem können die Nutzer dort Newsletter und RSS-Feeds abonnieren sowie Gesundheitsvideos ansehen. Um das Portal auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder zuzuschneiden zu können, ist die Barmer GEK Bundesregierung belohnt Gesundheitsförderung Mit dem Jahressteuergesetz 2009, das am 1. Januar 2009 in Kraft getreten ist, stärkt die Bundesregierung die betriebliche Gesundheitsförderung. Durch eine Ergänzung in Paragraf 3 Nr. 34 Einkommensteuergesetz (EStG) sind zusätzliche Aufwendungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der betrieblichen Gesundheitsförderung steuer- und sozialabgabenfrei, soweit sie den Betrag von 500 Euro pro Mitarbeiter und Kalenderjahr nicht übersteigen. bei der inhaltlichen Konzeption des Portals einen ungewöhnlichen Weg gegangen: Sie hat auf die Vorschläge ihrer Kunden gesetzt. Rund 5.000 Versicherte haben sich aktiv an der Gestaltung der Seite beteiligt und Ideen und Wünsche für das neue Portal zusammengetragen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Im April 2011 hat der Interactive Media Council in New York die Barmer GEK und die Telekom für ihr Portal mit dem „Interactive Media Award“ ausgezeichnet. Der Preis wurde von der nichtkommerziellen Organisation Interactive Media Council Inc. initiiert und zeichnet den höchsten Standard in Webdesign und Entwicklung aus. „Der Award ist eine tolle Auszeichnung für unsere Arbeit und motiviert uns, das Angebot für unsere Kunden weiter zu verbessern“, sagt Heiner Beckmann, Marketingleiter der Barmer GEK. „Unser Ziel ist es, unseren Mitgliedern einen umfassenden Service zu bieten und ihre Anliegen schnell und gut zu beantworten.“ Best Practice Thema | November 2011


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