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weinheimer

Magazin für Kunst und Kultur

DER KUNSTBLITZ

kostenlos

Juli - September|2018

www.kunstblitz.de

32 Monet

Albertina Wien

20 Folkwang Museum

Unheimlich real

Kunsthalle München

DU BIST FAUST

39 Gustav Klimt

Leopold Museum


VON DER HEYDT-MUSEUM

WUPPERTAL

jankel-adler-ausstellung.de

17.4. - 12.8.2018

Jankel Adler

UND DIE AVANTGARDE

CHAGALL | DIX | KLEE | PICASSO

Jankel Adler, Der Künstler (Artist), 1927 (Ausschnitt), French & Company, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2018


UNTER UNS

Liebe Leser/innen,

vor hundert Jahren starben zwei große Namen

der österreichischen Kunstszene: Gustav

Klimt und Egon Schiele. Kein Wunder,

dass die zwei Persönlichkeiten in mehreren

Museen der Welt mit Ausstellungen und

Vorträgen geehrt werden. Das „Met Breuer“

in New York zeigt mit der Ausstellung „Obsession“

erotische Arbeiten beider Künstler

und die von Pablo Picasso. Die Werke stammen

aus der Sammlung Scofield Thayer, der

die ersten Ausstellungen von Schiele und

Klimt 1924 in Amerika organisierte.

Für diejenigen, die nicht gerade eine Reise

in die USA planen und gerne in Europa

bleiben möchten, empfehlen wir einen

Sprung nach Wien: Das Leopold Museum

präsentiert noch bis zum 4. November

„Jahrhundertkünstler – Gustav Klimt“, eine

umfassende Schau seiner künstlerischen

Produktion.

Bleiben wir in Wien und werfen wir einen

Blick auf das Programm der Albertina: bis

zum 26. August, anlässlich ihres 85. Geburtstags,

zeigt das Museum eine Retrospektive

mit über 100 Werken der Künstlerin

Florentina Pakosta und ab 21. September

eine bedeutende Ausstellung von Claude

Monet mit Leihgaben aus über 40 verschiedenen

Sammlungen und mit fast 100 Gemälden.

Der „Meister des Lichts“ wird bis

zum 6. Januar 2019 das Publikum in der

Albertina begeistern. Wir sind gespannt,

welche Besucherrekorde die Ausstellung

verzeichnen wird.

Und wieder in Deutschland angekommen,

haben wir die „Qual der Wahl“. Eine Fülle

an anspruchsvollen Ausstellungen wartet

auf uns. Wir haben für unsere Beiträge eine

eigene Auswahl getroffen: Auf Seite 4 die

Ausstellung „Erklär mir, Liebe!“, Clemens

Sels Museum Neuss (welch schönes Thema!).

„Das Erbe der Väter“, Seite 8, im Mittelrhein

Museum Koblenz, zeigt eine umfassende

Schau zur künstlerischen Produktion der

Malerfamilie Zick (die sich über fünf Generationen

erstreckt). „Du bist Faust“, Seite

14, in der Kunsthalle München geht bis

zum 29. Juli. Für die Ausstellung „Unheimlich

real“ im Folkwang Museum, die am 27.

September beginnt, kommen über 80 Gemälde

überwiegend aus Privatsammlungen

ins Museum. Der Magische Realismus aus

Italien findet eine würdige Präsentation in

Essen. Noch ein Tipp: Zum 75. Geburtstag

von Horst Sakulowski präsentiert das Panorama

Museum Bad Frankenhausen auf zwei

Etagen rund 130 Werke des Künstlers

Zum Schluss, möchten wir uns an dieser

Stelle herzlich bei Herrn Gunther Wölfges,

dem Vorstandsvorsitzenden der Wuppertaler

Sparkasse, für das Interview bedanken

(Seite 26).

3


DER KUNSTBLITZ | INHALT

4 CLEMENS SELS MUSEUM

8 MITTELRHEIN MUSEUM KOBLENZ

14 KUNSTHALLE MÜNCHEN

20 FOLKWANG MUSEUM

26 INTERVIEW MIT GÜNTHER WÖLFGES

28 ALBERTINA WIEN

FLORENTINA PAKOSTA

Ary Scheffer

32 ALBERTINA WIEN

CLAUDE MONET

Faust und Margarete im Garten, 1846

216,5 x 135 cm, Öl/Leinwand

National Gallery of Victoria, Melbourne

© National Gallery of Victoria, Melbourne, erworben

38 LEOPOLD MUSEUM ................... in Gedenken an Dorothy Hicks mit Unterstützung

von Ian Hicks AM und Familie, 2007

IMPRESSUM Herausgeber und Eigentümer: Patrizio Medagli Verantwortlich

für den redaktionellen Inhalt: Patrizio Medagli Redaktion:

Harald Klee, Patrizio Medagli, Helga Wicher, Giuliana Medagli,

Claudia Rohde. Redaktion Postadresse: Vohwinkeler Str. 154, 42329

Wuppertal (Germany) Telefon 0202 738217, info@derkunstblitz.com,

www.derkunstblitz.de Redaktion Frankfurt, Postadresse: Am Sandhügel

30, 63150 Heusenstamm. Verlag: Weinheimer Verlags-GmbH

Konzeption/Layout: Eduardo Rahmani, Simonsstraße 80, 42117

Wuppertal, Tel: 0202 451654, Fax: 0202 450086, info@ bvg-menzel.

de, www.bvg-menzel.de

Bildmaterial: Albertina Wien, Clemens Sels Museum Neuss, Folkwang

Museum Essen, Kunsthalle München, Leopold Museum Wien,The Metropolitan

Museum of Art New York, Mittelrhein-Museum Koblenz,

Panorama Museum Bad Frankenhausen, Stadtsparkasse Wuppertal,

Von der Heydt-Museum Wuppertal, Kunstmuseum Solingen

Titelseite: Albertina Wien, Folkwang Museum Essen, Leopold Museum

Wien, Kunsthalle München,

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine

Gewähr übernommen. Der Nachdruck ist – auch auszugsweise – nur

mit Quellenangabe gestattet. Mit Namen oder Initialen gezeichnete

Beiträge geben die Meinung des Verfassers, aber nicht unbedingt die

der Edition ARTistica wieder

42 PANORAMA MUSEUM

BAD FRANKENHAUSEN

46 GÜNTER AUST

48 THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART

56 ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE

62 NOTIZEN

4

SOMMER | 2018


9. Juni bis

30. September

2018

Mit der

Malerfamilie Zick

durch

zwei Jahrhunderte

DAS ERBE

DER VÄTER

FORUM

CONFLUENTES

Kunst.Kultur.Bildung.

MITTELRHEIN-MUSEUM

ROMANTICUM

TOURIST-INFORMATION

STADTBIBLIOTHEK

FORUM

MITTELRHEIN-MUSEUM

www.mittelrhein-museum.de

CONFLUENTES

ROMANTICUM

TOURIST-INFORMATION

Kunst.Kultur.Bildung.

STADTBIBLIOTHEK

5


DER KUNSTBLITZ | CLEMENS SELS MUSEUM

Giovanni Antonio Pellegrini (1675–1741)

„Angelica und Medor“

um 1715, Öl auf Leinwand

Clemens Sels Museum Neuss

Robert Schneider, Anschlag 1, 2013,

Acryl auf Leinwand, 150 x 105 cm

VG-Bildkunst, Bonn, Foto Nicolai Stephan

6

SOMMER | 2018


ERKLÄR MIR, LIEBE!

8. JULI – 14. OKTOBER 2018

Liebe ist wohl das stärkste und innigste

Gefühl, das wir empfinden können

und das unser Handeln maßgeblich

lenkt und steuert. Wir alle empfinden Liebe

und werden geliebt! In der Kunst fanden

und finden Gefühle innerer Verbundenheit

und Zuneigung schon immer Ausdruck.

Von melancholischer Zweisamkeit über heiteres

Miteinander bis hin zu frivoler Annäherung

zeugen die vielen unterschiedlichen

Darstellungen sich Liebender, die in der

aktuellen Sonderausstellung des Clemens

Sels Museums Neuss vom 8. Juli bis zum

14. Oktober 2018 präsentiert werden. Die

7


DER KUNSTBLITZ | CLEMENS SELS MUSEUM

Georges Braque (1882 – 1963)

Blatt aus: René Char: „Lettera Amorosa“,

Buch mit 29 Lithografien, gedruckt von Mourlot, Paris,

1963, Farblithografie auf Rives-Bütten, 31,8 x 25 cm

(Buchseite, Halbbogen)

Vermächtnis Dr. Irmgard Feldhaus, 2010

körperliche Liebe, das Begehren, wird insbesondere

in den mythologischen Erzählungen

der Antike thematisiert. Bis heute

illustrieren Künstler die anspielungsreichen

Texte mit ihren Bildern und greifen gerne

auf die jahrhundertalten Stoffe zurück.

Liebesbeziehungen spielen freilich auch in

religiösen Erzählungen eine zentrale Rolle.

Die Liebe zu Gott und die Liebe Gottes

werden immer wieder auf den Prüfstand

gestellt. Madonnendarstellungen zeigen

Maria und Jesus oft in einem statischen

Nebeneinander. Doch gibt es auch gefühlsintensive

künstlerische Schöpfungen,

die den Schmerz des unabwendbaren Ver-

Maurice Denis (1870 – 1943)

Couverture de la suite „Amour“ – Titelblatt der Folge „Liebe“

(Titel und 12 Blätter)

Ambroise Vollard, Paris 1911, 1892–1899

Farblithografie, 59,3 x 45,8 cm (Blattmaß), erworben 1954

8

SOMMER | 2018


Rudolf Bosselt (1871 – 1938)

„Frühling“ (Liebespaar, der Kuss), um 1912,

Bronze, 29 cm (Höhe),

erworben 1994 (gestiftet von Franz Sels, Neuss)

kennt jeder den unglücklichen Ausgang der

Geschichte um Romeo und Julia. Der Tod

nimmt unwiederbringlich, was wichtiger

als alles andere im Leben ist. Die Ausstellung

zeigt entlang zahlreicher Exponate

aus der großen hauseigenen Sammlung des

Clemens Sels Museums Neuss, wie variantenreich

Liebe zum Ausdruck kommt. Hier

erkennt sich jeder wieder!

lusts spürbar machen.

Profane Darstellungen zeugen von der grenzenlosen

und bedingungslosen Liebe zwischen

Eltern und Kindern. Darüber hinaus

dokumentieren Künstler auch die Rituale

um Liebesbeziehungen: auf einem Gemälde

einer Hochzeitsgesellschaft oder mit einer

amüsanten Skulptur eines Brautpaars.

Die bildende Kunst entdeckte noch zahlreiche

andere, bewegende Momente in

Liebesbeziehungen für sich: Emotional berührend

sind Bilder, die von gescheiterten,

tragischen Liebesbeziehungen berichten. So

Eröffnung der Ausstellung

Sonntag, 8. Juli, 11.30 Uhr

CLEMENS SELS MUSEUM NEUSS,

Am Obertor, 41460 Neuss

Öffnungszeiten: Di–Sa 11–17 Uhr

und So + Feiertag 11–18 Uhr.

TIPP: Jeden ersten Sonntag im

Monat ist der Eintritt frei !

Weitere Informationen:

www.clemens-sels-museum-neuss.de

9


DER KUNSTBLITZ | MITTELRHEIN-MUSEUM KOBLENZ

Gustav Zick: Bucht von Neapel, Öl auf Leinwand, 60 x 117 cm, 1854, Privatbesitz

10

SOMMER | 2018


Das Erbe der Väter.

Mit der Malerfamilie Zick durch

zwei Jahrhunderte

bis 30.09.2018

11


DER KUNSTBLITZ | MITTELRHEIN-MUSEUM KOBLENZ

Conrad Zick: Selbstbildnis mit Palette in der Hand ,

Öl auf Holz, 26,5 x 17,9 cm, 1805,

©Mittelrhein-Museum Koblenz

Das Mittelrhein-Museum zeigt ab

dem 9. Juni 2018 eine umfassende

Ausstellung zur Malerfamilie

Zick. Damit knüpft es an zwei Sammlungsschwerpunkte

des Museums an, nämlich die

kurtrierer Hofkunst und die Malerei des 19.

Jahrhunderts in den Rheinlanden. Sicherlich

ist Januarius Zick der bekannteste Künstler

aus einer Familie, deren Angehörige sich

über fünf Generationen der Malerei gewidmet

hatten. Beginnend mit Johann Zick

(1702-1762), der etwa in Würzburg und

Bruchsal bedeutende Fresken schuf und

seinen Sohn ausbildete: Den universalen

Januarius Zick (1730-1797), der über alle

Gattungen und Techniken hinweg zu den

bedeutendsten deutschen Künstlern des 18.

Jahrhunderts gehört. Sein Talent und seine

handwerklichen Kenntnisse gab er an seinen

Sohn Conrad (1773-1836) weiter, dessen

Schaffen den Übergang zum 19. Jahrhundert

markiert. Sein Sohn Gustav Zick

(1809-1886) studierte an der Düsseldorfer

Akademie bei Wilhelm von Schadow und

stand schon ganz in deren Maltradition. Er

wurde für seine Tierbilder bekannt, schuf

jedoch auch Landschaften. Darüber hinaus

knüpfte er auch an die Familientradition an,

indem er Fresken seines Großvaters restaurierte

und Bilder kopierte.

Wiederum in ein ganz neues Feld begab

sich Gustavs Sohn Alexander (1845-1907),

der zwar an der Düsseldorfer Akademie als

Historienmaler ausgebildet war, aber später

in Berlin hauptsächlich als Buchillustrator

hervortrat. Die Ausstellung beleuchtet

unter sozial- und kunstgeschichtlichen

Aspekten die zugrundeliegenden historischen

Strukturen ebenso wie die Brüche

und Kontinuitäten, die sich innerhalb einer

fast zweihundert Jahre aktiven Künstlerfamilie

auftun. Von allen fünf Malern der

Familie Zick befinden sich Werke im Besitz

des Mittelrhein-Museums. Zudem konnte

vor einiger Zeit ein Teil des Zickschen Fa-

12

SOMMER | 2018


Johann Zick: Triumph der Judith, Öl auf Leinwand, 64 x 88 cm, 1754, ©Rheinisches Landesmuseum Mainz.

miliennachlasses erworben werden, welcher

aber ausschließlich zu Conrad, Gustav und

Alexander Dokumente enthält.

Ein Anliegen der Ausstellung ist es, das enorm

breite Spektrum des künstlerischen Schaffens

der Familie Zick durch alle Gattungen

und Techniken auszubreiten. Während die

Gemälde und Grafiken der Familie Zick problemlos

ausgestellt werden können, ist dieses

bei der Freskomalerei schwierig. Johann und

Januarius schufen im 18. Jahrhundert großformatige

Deckenfresken in den Schlössern

von Würzburg und Bruchsal sowie einigen

süddeutschen Kirchen. Diese Raum- und

Bilderlebnisse können dem Ausstellungsbesucher

abseits der erhaltenen Denkmäler nur

virtuell nahegebracht werden.

Auch im Koblenzer Schloss gab es große

Fresken von Januarius Zick. Leider sind sie

im Zweiten Weltkrieg durch die Folgen der

Bombenangriffe 1944 vollständig zerstört

worden. Glücklicherweise sind sie nicht

nur in Schwarzweißfotos, sondern auch in

Farbe überliefert. Dies verdankt sich einen

„Sonderauftrag“ der damaligen NS-Führung,

die aufgrund der Bombengefahr die gefähr-

13


DER KUNSTBLITZ | MITTELRHEIN-MUSEUM KOBLENZ

BEGLEITPROGRAMM:

Malworkshop mit Andreas Bruchhäuser

Figurenzeichnung mit Pastell

Samstag und Sonntag, 11.08. und

12.08.2018,

jeweils von 11-17 Uhr

Der Koblenzer Künstler Andreas Bruchhäuser

bietet den Teilnehmern eine praxisnahe

und lebendige Einführung in die figurative

Malerei.

Kosten: € 140,00

Anmeldung unter:

mrm-kasse@stadt.koblenz.de

Telefonische Anmeldung:

0261 129 25 20

Kunstgespräch mit dem Kunst- und

Kulturbüro DUCTUS

Dienstag, 21. 08. 2018 von 18-19.30 Uhr

Astrid Fries M.A. und Anna Maria Knerr M.A.

vom Kulturbüro Ductus beschäftigen sich

bei den Kunstgesprächen mit der Entwicklung

der Malerfamilie Zick vom Hofmaler

zum autonomen Künstler. Nach einer kleinen

Einführung und einem Glas Sekt geht

es in die Sonderausstellung. Dort werden

die Exponate der gesamten Zickfamilie genauer

unter die Lupe genommen.

Preis: 12 € (ermäßigt 10 €)

Anmeldung unter: kunst@ductus.info

oder mrm-kasse@stadt.koblenz.de

Telefonische Anmeldung:

0261 129 25 20

Kuratorenführung mit Dr. Irene Haberland zur Museumsnacht

Samstag, 08. 09. 2018 um 22 Uhr

Eintritt Museumsnacht: €10

BEGLEITPROGRAMM:

14

SOMMER | 2018


Mittelrhein Museum

Zentralplatz 1

56068 Koblenz

info@mittelrhein-museum.de

www.mittelrhein-museum.de

Januarius Zick, Alexander der Große und die Familie

Die Enthaltsamkeit des Scipio, um 1780, ©MRM

dete barocke Deckenmalerei im Deutschen

Reich mit der gerade erst erfundenen Technik

des Farbfilms erfasste. Das Zentralinstitut

für Kunstgeschichte in München hat diese

Farbbilder digitalisiert und online gestellt.

Um den Ausstellungsbesuchern, insbesondere

auch Angehörigen jüngerer Generationen,

die räumliche Erfahrung der Zick-Fresken

zu ermöglichen, wurden diese in Form einer

„virtuellen Realität“ digital rekonstruieren.

Das Mittelrhein-Museum kooperierte dazu

mit mit dem Institut für Computervisualistik

der Universität Koblenz-Landau. Die Besucher

können die Deckenfresken in der Ausstellung

mit Hilfe von Virtual Reality Brillen

nun trotz der Zerstörung hautnah erleben.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter

Katalog.

Alexander Zick: Illustration zu Sakuntula von Friedrich

Bodenstedt, Tuschezeichnung, 30 x 20 cm,

©Mittelrhein-Museum

15


DER KUNSTBLITZ | KUNSTHALLE MÜNCHEN

Luis Ricardo Falero

Der Aufbruch der Hexen, 1878

145,5 x 118,2 cm, Öl/Leinwand

© Privatsammlung, Monza – Italien

16

SOMMER | 2018


Goethes Drama in der Kunst

Bis 29. Juli 2018

DU BIST FAUST

Goethes ›Faust‹ ist das weltweit

bekannteste Werk der deutschen

Literatur. Seit seiner Veröffentlichung

im frühen 19. Jahrhundert hat es

unzählige Künstler fasziniert und zu eigenen

Schöpfungen herausgefordert. Die

Ausstellung »Du bist Faust. Goethes Drama

in der Kunst« in der Kunsthalle München

präsentiert zahlreiche Gemälde, Grafiken,

Skulpturen, Fotografien, Vertonungen und

Filme von rund 70 Künstlern aus Europa

und den USA wie Eugène Delacroix (1798–

1863), Charles Gounod (1818–1893), Max

Beckmann (1884–1950), Karl Lagerfeld

(*1933), Sigmar Polke (1941–2010), Martin

Scorsese (*1942), Anselm Kiefer (*1945)

und Robert Mapplethorpe (1946–1989).

Die innovativ inszenierte Ausstellung

nimmt die Besucher mit auf eine Reise

durch das Drama und macht sie zu Weggefährten

Fausts auf seiner rastlosen Suche

nach Sinn und Ziel des modernen Lebens.

Goethes ›Faust‹ ist ein Menschheitsdrama

von größter Aktualität: Der Pakt mit dem

Teufel, die Liebesbegegnung mit Margarete,

der Treuebruch, die Selbstbetäubung im

orgiastischen Treiben der Walpurgisnacht,

Margaretes soziale Ächtung, ihr verzweifelter

Kindsmord, das tragische Ende im

Wahnsinn – all diese Szenen haben die

europäische Kulturgeschichte bis in die

Gegenwart geprägt und in verschiedenen

Ländern zu sehr unterschiedlichen Formen

der Auseinandersetzung angeregt.

Für eine Kunstausstellung mit literarischem

Thema ist »Du bist Faust« nicht nur in Bezug

auf die Werkauswahl, sondern auch hinsicht-

Eduard von Grützner

Mephisto, 1872, 67 x 54 cm Öl/Leinwand

Münchner Stadtmuseum

© Münchner Stadtmuseum

17


DER KUNSTBLITZ | KUNSTHALLE MÜNCHEN

Mark Antokolski

Mephisto, 1883, 173 cm x72 cm x 102 cm, Marmor

Staatliches Russisches Museum, Sankt Petersburg

© The State Russian Museum

lich der Präsentation ein Novum: Die Besucher

betreten selbst die Bretter, die die Welt bedeuten,

und werden zu Wegbegleitern Fausts,

Margaretes und Mephistos. Durch die theatrale

Ausstellungsgestaltung wird das Publikum

Teil der Inszenierung und sieht sich unmittelbar

mit den zentralen Fragen des Goethe-Dramas

konfrontiert. Im Titel der Ausstellung »Du bist

Faust« klingt an, dass uns Goethe s Faust, Margarete

und Mephisto den Spiegel vorhalten:

Themen wie Verführbarkeit, Jugendwahn, Egoismus

und ein unstillbarer Hunger nach mehr

bestimmen auch unser Leben.

ZUM AUSSTELLUNGSPARCOURS

Die Ausstellung bietet zunächst eine Einführung

zur Entstehung des ›Faust‹, an dem

Johann Wolfgang Goethe (1749–1832) fast

60 Jahre lang arbeitete. Anschließend betreten

die Besucher die Welt des Dramas

und werden Zeugen des ›Prologs im Himmel‹:

Gott und der Teufel wetten um Fausts

Seele. Zu sehen sind eigenhändige Zeichnungen

von Goethe, prominente Bühnenbildentwürfe

des frühen 20. Jahrhunderts

sowie Filmausschnitte der berühmten Theaterinszenierungen

von Gustaf Gründgens

(1899–1963) und Peter Stein (*1937). Der

Parcours stellt anschließend die Protagonisten

vor und führt entlang der Handlung

durch das Drama. Als erste der drei Hauptfiguren

hat der diabolische Verführer und

geistreiche Schalk Mephisto seinen Auftritt.

Gemälde und Skulpturen aus dem 19.

Jahrhundert, aber auch Werke von Sigmar

Polke und Robert Mapplethorpe beleuchten

Mephistos schillernden Charakter aus

unterschiedlichsten Perspektiven. Ausgewählte

Sequenzen der Verfilmung von

Klaus Manns (1906–1949) ›Mephisto‹

(1981) mit Klaus Maria Brandauer (*1943)

zeigen zudem, wie sich der prominenteste

Mephisto-Darsteller des 20. Jahrhunderts,

Gustaf Gründgens, während der 1930er-

Jahre als politischer Opportunist den neuen

nationalsozialistischen Machthabern

andiente. Der folgende Ausstellungsraum

lässt die Besucher in Fausts Studierzimmer

eintreten: Der Gelehrte ist verzweifelt, da

18

SOMMER | 2018


Frank Cadogan Cowper

Eitelkeit, 1907, 57,1 x 38,1 cm, Öl/Leinwand

Royal Academy of Arts, London © Royal Academy of

Arts, London | Foto: John Hammond

ihm die letzte Einsicht in den Gesamtzusammenhang

des Lebens verwehrt bleibt. Werke

von Künstlern wie Carl Gustav Carus (1789–

1869), Georg Friedrich Kersting (1785–

1847) oder Nam June Paik (1932–2006)

vergegenwärtigen Fausts vergebliche Suche

nach höchster Erkenntnis und seine daraus

resultierende Melancholie. Zugleich reflektieren

sie die heillosen Folgen eines wissenschaftlichen

Strebens, das keine Grenzen

akzeptiert. Um das Scheitern vergessen zu

können, geht Faust den Pakt mit Mephisto

ein, lässt sich verjüngen und in eine Welt

des Rausches entführen. Als junger Edelmann

umwirbt er die Bürgerstochter Margarete,

die in den unzähligen Figurenporträts

des 19. Jahrhunderts immer wieder als unschuldige

und fromme Jungfrau dargestellt

worden ist. Bereits um 1850 formierte sich

eine regelrechte Gretchen-Ikonographie,

die nach und nach auch in die Populärkultur

einging, wie die Ausstellung unter anderem

anhand von 150 Postkarten aus dem frühen

20. Jahrhundert veranschaulicht. Von

der Liebesbeziehung zwischen Faust und

Gretchen haben sich Maler und Bildhauer

aus ganz Europa inspirieren lassen. Auf ein

besonderes Interesse stießen dabei immer

wieder die Verführung Gretchens mit Hilfe

kostbarer Juwelen sowie der erste Kuss

zwischen ihr und Faust. Der Augenblick, in

dem Gretchen den Schmuck entdeckt, ist im

19. Jahrhundert vielfach als Schlüsselszene

aufgegriffen worden: nicht nur von prominenten

Malern, sondern auch von Komponisten

wie Charles Gounod, in dessen

›Faust‹-Oper (Uraufführung 1859 in Paris)

die sogenannte Juwelen-Arie zu den musikdramatischen

Höhepunkten zählt. Binnen

weniger Jahre eroberte die Oper die Bühnen

der Welt und popularisierte die Liebesgeschichte

zwischen Faust und Gretchen. Die

von Franz Schubert (1797–1828) bis Hugo

Wolf (1860–1903) reichende Musikliteratur

zum ›Faust‹ wird in einem weiteren Kapitel

beleuchtet. Im Anschluss illustrieren Werke

unter anderem von Eugène Delacroix, Gabriel

von Max (1840–1915) und Julia Margaret

Cameron (1815–1879) die dramatischen

Begebenheiten um Margarete in der Folge

19


DER KUNSTBLITZ | KUNSTHALLE MÜNCHEN

Ary Scheffer

Faust und Margarete im Garten, 1846

216,5 x 135 cm, Öl/Leinwand

National Gallery of Victoria, Melbourne

© National Gallery of Victoria, Melbourne, erworben

in Gedenken an Dorothy Hicks mit Unterstützung

von Ian Hicks AM und Familie, 2007

ihrer unehelichen Schwangerschaft: Eindringlich

werden der Tod ihres Bruders Valentin,

ihre Verzweiflung, die sie zur Kindsmörderin

werden lässt, und ihr Ende im

Kerker dargestellt. Die Walpurgisnacht, in

die sich Faust von Mephisto zeitgleich entführen

lässt, wird ebenfalls in effektvollen

Gemälden vergegenwärtigt. Insbesondere

das orgiastische Treiben der Hexen regte

bildende Künstler immer wieder zu freien

Umsetzungen an. Das Spektrum reicht hier

von der expliziten Darstellung weiblicher

Nacktheit bei Luis Ricardo Falero (1851–

1896) bis zur abstrakten Formensprache

Willi Baumeisters (1889–1955). Ein weiterer

Raum ist schließlich dem zweiten Teil

des ›Faust‹ gewidmet. Er präsentiert die

berühmten Illustrationszyklen von Max

Slevogt (1868–1932), Franz Stassen (1869–

1949) und Max Beckmann. In diesen eindringlichen

Bildfolgen begegnet Faust den

Betrachtern als ein von inneren Widersprüchen

gekennzeichneter Zeitgenosse.

Bevor die Besucher die Ausstellung und

mit ihr die Welt des Dramas verlassen, geht

es noch einmal zurück zum geschriebenen

Wort: Der letzte Ausstellungsraum präsentiert

aufwendig ausgestattete Buchausgaben,

wissenschaftliche Editionen und

Comics. Abschließend formuliert eine eigens

für die Ausstellung produzierte Video-

Installation noch einmal die großen Fragen

des ›Faust‹-Dramas; die Texte schrieb der

Münchner Schriftsteller Albert Ostermaier

(*1967) für die Schauspieler/innen Werner

Wölbern, Bibiana Beglau und Andrea Wenzl

vom Münchner Residenztheater.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Theatinerstraße 8 | 80333 München

T +49 (0)89 / 22 44 12 |

kontakt@kunsthalle-muc.de

www.kunsthalle-muc.de

20

SOMMER | 2018


FLORENTINA

PAKOSTA

Florentina Pakosta, Vorfreude, 1981; Museum der Moderne, Salzburg

TÄGLICH 10 BIS 18 UHR, MI & FR BIS 21 UHR

WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM &

FONDATION CORBOUD

Obenmarspforten

(Am Kölner Rathaus)

D - 50667

Telefon: +49 (0)221 / 221 211 19

www.wallraf.museum30. 5. BIS 26. 8. 2018

21


DER KUNSTBLITZ | FOLKWANG MUSEUM

Unheimlich real

Große Sonderausstellung

zur italienischen Malerei

Giorgio de Chirico

Piazza d’Italia (Souvenir d’Italie), 1924-25 Italienischer

Platz (Souvenir aus Italien)

Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm Rovereto, MART-Museo di

arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto ©

MART -Archivio Fotografico e Mediateca

der 1920er Jahre

22

SOMMER | 2018


MUSEUM FOLKWANG ESSEN

28. SEPTEMBER 2018 – 13. JANUAR 2019

ERÖFFNUNG: 27. SEPTEMBER 2018, 19 UHR

23


DER KUNSTBLITZ | FOLKWANG MUSEUM

Felice Casorati

Gli scolari, 1927-28 Die Schüler

Öl auf Leinwand, 169 x 151 cm Galleria d’Arte Moderna

Empedocle Restivo, Palermo © Civita

Carlo Sbisà

Magia, 1928 Magie

Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm Privatsammlung ©

Paolo Bonassi, Trieste

Die groß angelegte Ausstellung Unheimlich

real. Italienische Malerei

der 1920er Jahre präsentiert mehr

als 80 Gemälde des Magischen Realismus,

eine Kunstbewegung, die in Italien nach

dem Ersten Weltkrieg entsteht. Herausragende

Werke wichtiger Protagonisten wie

Felice Casorati, Antonio Donghi und Ubaldo

Oppi sind ebenso in der Schau vertreten wie

die einflussreichen Gemälde von Giorgio de

Chirico und Carlo Carrà. Überwiegend stammen

die Werke aus Privatsammlungen, viele

sind erstmals überhaupt in Deutschland

ausgestellt.

Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges,

kehren europaweit sowie in den

USA viele Künstler ab 1918 zu einer realistischen

Darstellung zurück und wenden

sich zunehmend vom Expressionismus ab.

Die Darstellung der Realität ist in Italien

von besonderer Intensität: Anknüpfend an

die metaphysische Malerei von Giorgio de

Chirico und den im Pariser Neoklassizismus

ausgerufenen „rappel à l‘ordre“, also die

Rückkehr zur Ordnung, lassen die Malerinnen

auf ihren Gemälden die Zeit stillstehen.

Sie fügen ihren realistischen Darstellungen

eine traumhafte, unheimliche, mitunter

verstörende Anmutung hinzu. Hinter dem

Vertrauten lauert das Unheimliche, unter

der glatten Oberfläche der Abgrund.

Entstanden sind stimmungsvolle Bilder

24

SOMMER | 2018


Carlo Carrà

Vasi sul davanzale, 1923 Blumentöpfe auf dem Fensterbrett

Öl auf Leinwand, 52 x 67 cm Privatsammlung Courtesy

Galleria dello Scudo, Verona

von enormer malerischer Qualität in einnehmenden

Farben. Aus einer Beschäftigung

mit Künstlerinnen des Quattrocento

wie Piero della Francesca und deren detailgetreuer

Abbildung und perspektivischer

Zeichnung, entwickeln die Protagonistinnen

des Magischen Realismus‘ Stillleben,

Porträts, Szenen des häuslichen Lebens,

Architekturdarstellungen und Akte. Hinzu

kommt das Spiel mit Masken und Maskeraden,

welche die Verwischung der Realität

motivisch ins Bild bringen. Anhand der vielfältigen

Themengruppen und Motive wird

offenbar, dass der Magische Realismus keineswegs

eine in sich geschlossene Gruppe

von Künstler/innen bezeichnet.

25


DER KUNSTBLITZ | FOLKWANG MUSEUM

Ubaldo Oppi

Ritratto della moglie sullo sfondo di Venezia, 1921

Die Frau des Künstlers vor venezianischer Kulisse

Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm Collezione Privata

Roma © Carlo Baroni, Rovereto

Der vom Kunsthistoriker Franz Roh 1925

geprägte Begriff „Magischer Realismus“,

beschreibt eine rätselhafte Atmosphäre, in

welcher die Dinge in der Schwebe bleiben:

„Mit ‚magisch‘ im Gegensatz zu ‚mystisch‘

sollte angedeutet sein, daß das Geheimnis

nicht in die dargestellte Welt eingeht, sondern

sich hinter ihr zurückhält.“

Die Ausstellung Unheimlich real. Italienische

Malerei der 1920er Jahre bringt erstmalig

in Deutschland die wichtigen Werke

des Magischen Realismus zusammen und

macht sie der Öffentlichkeit zugänglich.

Damit eröffnet sie die Diskussion über ein

bisher hierzulande nur wenig bekanntes Kapitel

der europäischen Kunstgeschichte.

Unterstützt durch die National-Bank

Gefördert von der Kunststiftung Essen

Antonio Donghi

Donna al caffè, 1931 Frau im Café

Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm Fondazione Musei Civici

di Venezia, Galleria Internazionale d‘Arte Moderna

di Ca‘ Pesaro © Archivio Fotografico – Fondazione

Musei Civici di Venezia Foto: Franzini C.

Folkwang Museum

Museumsplatz 1

45128 Essen

T.: 49 201 8845 160

F.: 49 201 889145 000

www.museum-folkwang.de

Eintritt: 8 Euro / 5 Euro

Katalog bei Hirmer: € 39,90

Öffnungszeiten:

Di – So 10 – 18 Uhr

Do und Fr 10 – 20 Uhr

Mo geschlossen

26

SOMMER | 2018


SAKULOWSKI

WELTBILD

7.7. - 21.10.2018

Panorama Museum

Bad Frankenhausen

Tel.: 034671 / 6190

www.panorama-museum.de

Di bis So 10 - 18 Uhr

Christophorus, 1987, Öl auf Holzfaserplatte, 142 x 124 cm, Kunstsammlung 27Gera


DER KUNSTBLITZ | INTERVIEW

EIN INTERVIEW MIT GUNTHER WÖLFGES,

VORSTANDSVORSITZENDER DER STADTSPARKASSE WUPPERTAL

Der Kunstblitz: Guten Tag, Herr Wölfges! Seit

August 2014 sind Sie Vorstandsvorsitzender der

Stadtsparkasse Wuppertal. Wie unsere Leserinnen

und Leser sicherlich noch in Erinnerung behalten

haben, veröffentlichten wir vor zwei Jahren

ein erstes Interview mit Ihnen. Angesichts

der seit einiger Zeit veränderten Bedingungen

für das Bankwesen möchten wir Ihnen heute

eine Frage stellen, die sicherlich von großem Interesse

für die Allgemeinheit ist.

Was hat sich im Wesentlichen für Ihre Sparkasse,

im Servicebereich beispielsweise, und für Ihre

Kunden verändert?

Gunther Wölfges: Guten Tag, Herr Medagli.

Eine wesentliche Aufgabe unserer Sparkasse ist

es nach wie vor, die Menschen und Unternehmen

in unserer Stadt bestmöglich in finanziellen

Angelegenheiten zu versorgen und so den Wohlstand

zu fördern. Um das zu erreichen, schauen

wir uns das Verhalten und die Wünsche unserer

Kunden genau an. Hier hat sich gerade in den

vergangenen zwei Jahren viel getan, sodass wir

uns als Sparkasse etwas neu aufgestellt haben.

So sind alltägliche Besuche in unseren 35 Filialen

zur Erledigung spontaner Wünsche in den

vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Immer mehr Menschen nutzen heute Selbstbedienungsangebote

sowie digitale Services, zum

Beispiel das Online-Banking oder die App, um

alltägliche Finanzgeschäfte wie Überweisungen

abzuwickeln. Selbstverständlich also, dass wir

hier als Sparkasse im Sinne unserer Kunden

weiter investieren. Vor kurzem ist zum Beispiel

WhatsApp als weiterer, neuer Service-Kanal

hinzugekommen.

Zeitgleich erleben wir zunehmend den Wunsch

vieler Kunden nach größerer zeitlicher Flexibilität,

um finanzielle Angelegenheiten in Ruhe persönlich

mit uns zu besprechen. Um auch diesem

Wunsch gerecht zu werden und vor dem Hintergrund

der digitalen Abwicklung alltäglicher

Finanzgeschäfte, haben wir die Öffnungszeiten

unserer 35 Filialen standortbezogen angepasst.

Unsere Beraterinnen und Berater haben somit

mehr Zeit für persönliche Termine, die unsere

Kunden sich wünschen. Termine können seit

dem 11. Juni 2018 nun montags bis freitags von

8:00 bis 20:00 Uhr für alle 35 Filial-Standorte

vereinbart werden.

Der Kunstblitz: Gab es im Rahmen solcher Veränderungen

auch hinsichtlich der Förderung für

kulturelle Initiativen, Sport und Soziales einen

„Wandel“?

Gunther Wölfges: Nein, unsere Sparkasse ist

unverändert gemeinwohlorientiert. Die mit

28

SOMMER | 2018


verschiedenen Bereichen des Sozialen, der Bildung,

der Kultur, des Sports und der Umwelt.

Der Kunstblitz: Auf Ihr Engagement und Ihre

Unterstützung kann die Kulturszene unserer

Stadt auf keinen Fall verzichten. Wie sieht die

nächste Zukunft aus, werden die Fördermittel für

2019 unverändert bleiben?

Gunther Wölfges: Die Kunstszene kann mit

Sicherheit auch in den kommenden Jahren auf

uns zählen. Wie hoch die Fördermittel ausfallen,

kann dabei von Jahr zu Jahr in Abhängigkeit unserer

Geschäftsergebnisse variieren.

Gunther Wölfges,

Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wuppertal

der finanziellen Versorgung der Menschen und

Unternehmen erwirtschafteten Überschüsse

gehen – nach den Zuführungen des für den

dauerhaften Geschäftsbetrieb notwendigen

Eigenkapitals – wieder zur Förderung der vielfältigen

Gemeinschaftsaufgaben an die bürgerliche

Gemeinschaft zurück. So unterstützen wir

auch weiterhin mit viel Freude und Engagement

gemeinnützige Projekte und Initiativen aus den

Der Kunstblitz: Die Stadtsparkasse Wuppertal

zeigt in regelmäßigem Abstand überwiegend

Ausstellungen mit Arbeiten Wuppertaler Künstler/innen.

Können Sie uns verraten, welche

Kunstschaffenden in Ihren Räumen in der nächsten

Zeit präsentiert werden?

Gunther Wölfges: Unter dem Titel „Kreise

schließen“ wird Anfang September die Gemeinschaft

der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V.

(GEDOK) Wuppertal bei uns im Kundenraum Islandufer

die nächste große Kunstausstellung gestalten.

Darüber hinaus bieten wir mit der Foyer-

Galerie Elberfeld und der Foyer-Galerie Barmen

wechselnde Ausstellungen.

Vielen Dank für das Gespräch und für Ihr

vorbildliches Engagement in unserer Stadt.

29


DER KUNSTBLITZ | ALBERTINA WIEN

Florentina Pakosta 1994/1,

1994 Acryl auf Leinwand

Besitz der Künstlerin

© Bildrecht, Wien, 2018

30

SOMMER | 2018


AUSSTELLUNGSORT PROPTER HOMINES HALLE, ALBERTINA

Florentina Pakosta

Bis zum 26. August 2018

Florentina Pakosta, 2018

Foto © Lisa Rastl

Die ALBERTINA widmet

Florentina Pakosta

(*1933 in Wien) anlässlich

ihres 85. Geburtstags

eine groß angelegte Retrospektive

mit über 100 Werken.

Über Jahrzehnte hinweg hat

sie kontinuierlich wie konsequent

feministische Positionen

und Anliegen vertreten.

Parallel zur Ausstellung

entsteht in der ALBERTINA in

enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin

ein umfassendes Werkverzeichnis, das die

Grundlagen für die zukünftige Forschung

und die Auseinandersetzung mit ihren Arbeiten

schafft. Florentina Pakosta befasst

sich im Gegensatz zu anderen Vertreterinnen

der Feministischen Avantgarde nicht

mit dem eigenen Körper als Projektionsfläche,

sondern mit denen mächtiger Männer.

In ihren Satirischen Arbeiten prangert sie

patriarchale Machtstrukturen an, indem sie

sie überzeichnet. Von Anfang an stehen dabei

die Rolle(n) der Frau und ihre Ungleichheit

im Verhältnis zu jener der Männer im

Fokus. Diese Thematik zieht sich als roter

Faden durch ihr gesamtes Œuvre: In surrealen

Körperstudien verschmelzen

die Personen mit Accessoires

ihrer Eigenschaften und

werden so zu Hybridwesen

aus Toilettenschüsseln, Scheren,

Skalpellen oder Waffen.

PHYSIOGNOMIE DER MACHT

Die Ausstellung spannt einen

großen Bogen von den 1970er-

Jahren bis in die unmittelbare

Gegenwart, von Anfang an ist Florentina

Pakosta politisch und gesellschaftlich engagiert.

Die Künstlerin konzentriert sich

weitgehend auf das Medium Zeichnung. Inhaltlich

reicht das Spektrum ihrer Themen

von akribisch ausgearbeiteten physiognomischen

Studien und surrealistisch verfremdeten

Körperbildern bis hin zu monumentalen

Porträtzeichnungen. In surrealistischer Manier

kombiniert sie die Physiognomien mit

Schraubstöcken, Sägen oder Messern, verformt

Lippen zu Vogelschnäbeln oder setzt

ihren Figuren Gegenstände als eigenartige

Trophäen auf dem Kopf, die diese männlichen

Karikaturen der Macht entzaubert und

demaskiert. In großformatigen Zeichnungen

31


DER KUNSTBLITZ | ALBERTINA WIEN

Florentina Pakosta, Rosa Flutlicht, 2016, Acryl auf LeinwandBesitz

der Künstlerin© Bildrecht, Wien, 2018

studiert sie in Anlehnung an den Bildhauer

Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783)

Grimassen und Masken als Ausdruck von

geschlechtercodiertem Machtverhalten.

Erst Ende der 1970er-Jahre beginnt sie, auf

Leinwand zu arbeiten, und es dauert etliche

weitere Jahre, bis schließlich Farbe Eingang

in ihr Werk findet. In ihren Menschenmassen

und Warenlandschaften thematisiert sie

in den 1980er-Jahren in ihren Bildern die

Auflösung des Individuums in der Masse und

das Verschwinden des Subjekts.

Immer wieder begegnen wir den Selbstbildnissen,

die Florentina Pakosta mal ernsthaft,

mal selbstbewusst, mal kämpferisch zeigen.

1976 erscheint ihr Porträt hinter einem Maschendrahtzaun,

ausgegrenzt, als Beobachterin

von außen, der der Zugang zur Kunstwelt

verwehrt bleibt. In dem Selbstbildnis „Zungenschlag“

hingegen stellt sich mit geöffnetem

Mund dar, aus dem ein Arm mit geballter

Faust herausschnellt. Florentina Pakosta verkehrt

die tradierte Rollenverteilung zwischen

Mann und Frau. Über Jahrhunderte hinweg

war es der männliche Künstler, der die (oftmals

nackte) Frau porträtierte. Es war der

männliche Blick auf Brüste, Genitalien und

weibliche Rundungen, der das Bild der Frau

in der Kunstgeschichte prägte und für die

Nachwelt festhielt. Florentina Pakosta dreht

die Blickrichtung um: Sie richtet als Künstlerin

den Blick auf den Mann und erkennt in

ihm den Willen zur Macht, zur Dominanz. In

einer Reihe von Zeichnungen konzentrierte

sie sich ausschließlich auf das männliche Geschlecht,

schaut gerade dort und nur dort hin:

Eine Perspektive, die das Gemächt entzaubert.

Florentina Pakosta Masochistisch, 1983, Schablonentechnik

auf Papier Albertina, Wien © Bildrecht, Wien, 2018

SCHONUNGSLOSER BLICK

32


ABSTRAKTION UND FARBIGKEIT

Ab etwa Mitte der 1980er-Jahre wendet Florentina

Pakosta sich von den schwarz-weiß

gehaltenen und gegenständlichen Arbeiten

nach und nach einer geometrisch-abstrakten

Formensprache zu. In ihren stets dreifarbigen,

so genannten Trikoloren Bildern, die sie bis

heute fortführt, prallen Farben in derart energetischen

Konfrontationen aufeinander, dass

ihr Anblick regelrecht schmerzhaft ist. Die

Entwicklung von figurativen Darstellungen

hin zu einer reinen, gegenstandsfreien Malerei,

die nur mehr aus farbigen, geometrischen,

linearen Gitterstrukturen besteht, überrascht.

Doch eint diese beiden unterschiedlichen

Bilderwelten eine starke Klammer: der stets

gegenwärtige Bezug auf gesellschaftliche

Verhältnisse. Auch in den abstrakten Werken

offenbaren sich Strukturen männlich und aggressiv

dominierter undurchdringlicher Netzwerke.

Ein mutiger und radikaler Schritt, der

für Florentina Pakosta keinen Bruch mit dem

bisherigen Schaffen bedeutet: „Im geglückten

Zusammenspiel fordern die drei Farben vom

Betrachter emotionale Flexibilität, Assoziationsvermögen,

Imaginationskraft und Abbau

verkrusteter Denkmodelle und Vorurteile.“

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Künstler sowie Künstlergemeinschaften.

Zugelassen werden Arbeiten aus den Bereichen

Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie sowie

Bildhauerei, Skulpturenbau und Design.

Die Veranstaltung ART WUPP findet in

der Unihalle Wuppertal statt.

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33


DER KUNSTBLITZ | ALBERTINA WIEN

34

SOMMER | 2018


Claude Monet

21. September 2018 – 6. Jänner 2019

Claude Monet

Am Strand von Trouville, 1870

Öl auf Leinwand

Musée Marmottan Monet, Paris / The Bridgeman Art Library

35


DER KUNSTBLITZ | ALBERTINA WIEN

Im Herbst 2018 zeigt die Albertina die

erste umfassende Präsentation von

Claude Monet (1840–1926) seit über

20 Jahren in Österreich. Die Ausstellung

spannt den Bogen von seinen ersten vorimpressionistischen

Werken bis hin zu seinen

allerletzten Gemälden, die in seinem Garten

in Giverny entstanden sind. Die Retrospektive

ist mit fast 100 Gemälden von über 40

Leihgebern aus der ganzen Welt bestückt.

Monet steht wie kein anderer für die

Malerei des Impressionismus. Der französische

„Meister des Lichts“ war ein zentraler

Wegbereiter der Malerei im 20. Jahrhundert.

Er malte am Meer, an der Steilküste

der Normandie und an den Ufern der Seine.

Die Wasseroberflächen seiner Bilder reflektieren

die leuchtenden Farben üppiger Vegetation

im Sommer und den geheimnisvoll

grau und blau gefrierenden Dunst seiner

Landschaften im Winter. Monets Licht und

Farben wechseln auf der Leinwand mit der

sich stets verändernden Natur und mit der

Vielfalt an atmosphärischen Eindrücken, die

der Maler vor den Motiven empfindet. Um

sie in ihrer Erscheinungsvielfalt zu erfassen,

malt er viele seiner Motive in Serien.

Claude Monets leidenschaftlicher Auseinandersetzung

mit der Pflanzen- und

Claude Monet

Charing Cross Bridge, Dampfschwaden im Nebel, Impression,

1902, Öl auf Leinwand, Musée Marmottan Monet, Paris / The

Bridgeman Art Library

Claude Monet

Der Seerosenteich, um 1917—1919

Öl auf Leinwand, Albertina, Wien. Sammlung Batliner

36

SOMMER | 2018


Claude Monet

Das Parlament, Sonnenuntergang,

1900/01

Öl auf Leinwand

Kunstmuseen Krefeld,

Kaiser Wilhelm Museum

Claude Monet

Seerosen, 1907

Öl auf Leinwand

Musée Marmottan Monet,

Paris / The Bridgeman

Art Library

Claude Monet

Junge Mädchen in einem Boot,

1887, Öl auf Leinwand

Tokyo, National Museum of

Western Art

37


DER KUNSTBLITZ | ALBERTINA WIEN

Wasserwelt im Garten seines Landhauses

in Giverny und seinem bislang wenig untersuchten

Farbkonzept widmet sich die

Albertina in einer großen, monografischen

Ausstellung. Drei Gemälde aus der eigenen

Sammlung sowie bedeutende Leihgaben

aus internationalen Museen und Privatsammlungen

beleuchten Monets Werdegang

vom Realismus über den Impressionismus

bis hin zu einer Malweise, bei der

sich die Farben und das Licht allmählich

vom Gegenstand lösen und das Motiv von

der Naturbeobachtung unabhängig wird.

Mit seinem Spätwerk bereitet Monet erst

nach seinem Tod der Malerei des abstrakten

Expressionismus den Boden.

Albertina Wien

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T +43 (01) 534 83 0

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Claude Monet

Die Kathedrale

von Rouen, das

Portal und der

Albanturm in

der Dämmerung,

1893

Öl auf Leinwand

Juliana Cheney

Edwards Collection,

Photograph

© Museum of

Fine Arts, Boston

Claude Monet

Die Kathedrale von Rouen in der Sonne, 1893

Öl auf Leinwand

Tompkins Collection – Arthur Gordon Tompkins Fund

© Museum of Fine Arts, Boston

38

SOMMER | 2018


39


DER KUNSTBLITZ | LEOPOLD MUSEUM

GUSTAV KLIMT

Jahrhundertkünstler

40

SOMMER | 2018


GUSTAV KLIMT 1862–1918DIE BRAUT, 1917/18 (UNVOLLENDET) THE BRIDE, 1917/18 (UNFINISHED) Öl, Kreide auf Leinwand | Oil, chalk on canvas 165 × 191 cmKlimt-Foundation,

Wien | ViennaFoto | Photo: Klimt-Foundation, Wien | Vienna

bis 04.11.2018

41


DER KUNSTBLITZ | LEOPOLD MUSEUM

war er selbst Teil dieser sich auf akademische

Traditionen berufenden Kulturepoche.

Ein künstlerischer Paradigmenwechsel und

die Ausbildung eines individuellen Stils

setzten bei Klimt Mitte der 1890er-Jahre

ein, als er erste Entwürfe zu den skandalt-

MORIZ NÄHR 1859–1945GUSTAV KLIMT MIT KATZE,

1911 GUSTAV KLIMT WITH CAT Fotografie | Photography

27,9 × 21,8 cm Klimt-Foundation, Wien | Vienna-

Foto | Photo: Klimt-Foundation, Wien | Vienna

Das Leopold Museum widmet dem „Jahrhundertkünstler“

Gustav Klimt (1862-1918),

im Rahmen des Wiener Moderne-Themenjahres

2018, eine umfassende Ausstellung.

Die Schau macht, anlässlich des 100. Todestages

Klimts, dessen künstlerische

Wandlung vom späten Historismus hin zum

bedeutendsten Vertreter der Wiener Secession,

eindrucksvoll nachvollziehbar.

Zwei Jahrzehnte bevor Gustav Klimt als

streitbarer Kämpfer gegen die Kunst der

Gründerzeit und des Historismus im Zuge

der Gründung der Secession 1897 auftrat,

GUSTAV KLIMT 1862–1918 SITZENDE DAME MIT OR-

NAMENTIERTEM UMHANG IM PROFIL NACH LINKS,

UM 1910 SEATED LADY WITH ORNAMENTED SHAWL IN

PROFILE FROM THE LEFT, C. 1910 Bleistift, weiße Kreide,

roter Farbstift auf Japanpapier Pencil, red crayon,

heightened with white chalk on Japanese paper 55,8 ×

37,1 cm Leopold Museum, Wien | Vienna Foto | Photo:

Leopold Museum, Wien | Vienna/Manfred Thumberger

rächtigen Fakultätsbildern für den Festsaal

im Wiener Universitätsgebäude anfertigte.

Die Künstler der Secession, die einen Bruch

von konservativen Tendenzen vollzogen

und den Weg für den Jugendstil ebneten,

42

SOMMER | 2018


des Leopold Museum und der Privatsammlung

Leopold, Sammlungsexponate der

Klimt-Foundation, Werke einer neuen, dem

Museum überantworteten Dauerleihgabe

eines Klimt-Nachfahren sowie ausgewählte

nationale und internationale Leihgaben.

GUSTAV KLIMT 1862–1918 WEIBLICHER HALBAKT NACH RECHTS IN KNIEND-KAUERNDER STELLUNG. STUDIE ZU

„LEDA“, 1913/14 FEMALE SEMI-NUDE FROM THE RIGHT IN KNEELING-COWERING POSITION. STUDY FOR “LEDA”,

1913/14 Bleistift auf Japanpapier | Pencil on Japanese paper 37 × 56 cm Leopold Museum, Wien | ViennaFoto | Photo:

Leopold Museum, Wien | Vienna/Manfred Thumberger

machten Klimt zu ihrem ersten Präsidenten.

Mit seinem ornamental-dekorativen

Stil wurde Klimt zu ihrem bedeutendsten

Vertreter und einem begehrten Porträtisten

der Frauen des Wiener Großbürgertums.

Gleichwohl schuf er hocherotische, der Ekstase

und Sinnlichkeit geschuldete, symbolistisch

aufgeladene Frauendarstellungen.

Die von Hans-Peter Wipplinger in Zusammenarbeit

mit Sandra Tretter kuratierte

Präsentation zeigt neben den Beständen

LEOPOLD MUSEUM

MuseumsQuartier,

Museumsplatz 1, 1070 Wien

Tel. +43.1.525 70-0 (werktags)

E-Mail: office@leopoldmuseum.org

43


DER KUNSTBLITZ | PANORAMA MUSEUM BAD FRANKENHAUSEN

SAKULOWSKI

WELTBILD

07.07.2018 bis 21.10.2018

Selbstporträt, 2008

Graphit, 39,9 x 47,5 cm

Privatsammlung (Courtesy of Bilderhaus Krämerbrücke,

Erfurt)

Zum 75. Geburtstag von Horst Sakulowski

präsentiert das Panorama

Museum Bad Frankenhausen rund

130 Werke des Künstlers auf zwei Etagen,

darunter Gemälde und Druckgrafiken,

vor allem aber Zeichnungen, die seit

den 1990er Jahren entstanden sind und

Sakulowski als absoluten Meister seines

Faches ausweisen. Aus der jüngsten Zeit

stammen außerdem Gemälde „frisch von

der Staffelei“.

44

SOMMER | 2018


Der Alptraum des Diktators, 1979

Öl auf Holzfaserplatte, 67cm x 103 cm

Kunstsammlung Gera

Der Thüringer Künstler hat in den 1960er

Jahren unter Bernhard Heisig an der Hochschule

für Grafik und Buchkunst in Leipzig

studiert und gilt als Vertreter der Leipziger

Schule, der sich schon früh mit kontrovers

diskutierten Gemälden einen Namen gemacht

hat.

Seit den 1970er Jahren orientiert Sakulowski

auf den Surrealismus und integriert

entsprechende Bildelemente in seine

dem Realismus verpflichtete Welterzählung.

Vor dem Hintergrund eines persönlichen

Verlusts widmet er sich in den 1980er

Jahren zunehmend dem Tod und der Endlichkeit

des Seins. Verfall, Verwesung und

Neubeginn sickern in seine Darstellungen

ein, in die Zeichnungen und Gemälde

ebenso wie in Installationen und Filme.

Daneben tanzen Marionetten und „falsche

Musen“ durch die Bilder und wirken genauso

bedrohlich wie „Das Gerücht“, das

Sakulowski immer wieder bedrängt. Dem-

45


DER KUNSTBLITZ | PANORAMA MUSEUM BAD FRANKENHAUSEN

entsprechend schreien Figuren in unzähligen

Werken gegen alle Widrigkeiten des

Lebens an.

In den letzten Jahren spielen zunehmend

Motive aus der Passion Christi eine Rolle.

Steht die Pietà für das Mitleid, das dem

Künstler als christlichem Humanist von jeher

zu eigen ist, wühlen die Darstellungen

des Gekreuzigten den Betrachter in ihrer

emotionalen Intensität auf. Sie scheinen

Pietà, 1997

Reihe »Spuren«, Graphit auf getöntem Papier, 63,5 x

51,5 cm, Privatsammlung (Courtesy of Bilderhaus Krämerbrücke,

Erfurt)

Egon Schiele (Tulln 1890-1918 Wien). Stehender Akt mit orangenen Drapierungen 1914

Aquarell, Gouache und Graphit auf Papier, (46,4 x 30,5 cm).

Das Metropolitan Museum of Art, New York, Vermächtnis von Scofield Thayer, 1982

JULY 3–OCTOBER 7, 2018

At The Met Breuer

46

SOMMER | 2018


sich mehr im Diesseits denn im Jenseits zu

bewegen und verkörpern Sakulowskis stetes

Ringen mit dem eigenen Glauben. Zugleich

verweisen sie auf Erlösung und Vergebung

– dem ersten Schwerpunkt der Ausstellung,

dem Versuchung und Verführung als zweiter

Themenkomplex gegenübersteht. Die

Bereiche, zunächst als Antipoden gedacht,

ergänzen sich, überlappen und verschmelzen

schließlich zu dem, was sich als „Weltbild“

des Künstlers bezeichnen lässt.

Eine begehbare Biografie ergänzt die Präsentation

und macht Sakulowskis Werke im

Kontext seines Lebens erfahrbar.

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit

160 Farbabbildungen und Texten

von Gerd Lindner, Bonnell Robinson,

Susanne Hebecker, Dieter

Gleisberg, Johanna Huthmacher

und Matthias Liebel erhältlich.

Außerdem erscheint unter dem

Titel „Scherz und Gewissen – Der

Künstler Horst Sakulowski“ eine

Biografie, geschrieben von Rolf

Sakulowski.

08 | 09 | 2018 – 06 | 01 | 2019

AMBITUS.

Kunst und Musik heute

Künstlerinnen und Künstler:

Cory Arcangel, Candice Breitz, Robbie

Cornelissen, William Engelen, Jonas

Englert, Brian Eno, Douglas Henderson,

Annika Kahrs, Rainer Kohlberger,

Christina Kubisch, Kaffe Matthews,

Bjørn Melhus, Michaela Melián, Haroon

Mirza, People Like Us (Vicki Bennett),

Anri Sala, Marc Sabat und Mareike Lee,

Yehudit Sasportas, Richard T. Walker u.a.

47


DER KUNSTBLITZ | GÜNTER AUST

Günter Aust, ehemaliger Direktor

des Von der Heydt-Museum, gestorben

Günter Aust 1985

Foto: Ingrid von Kruse

Dr. Günter Aust (12.2.1921-2.5.2018), ehemaliger Direktor des Von

der Heydt-Museums, galt als großer Kenner der Kunstgeschichte und

aktueller Strömungen, was er in zahlreichen Publikationen zum Ausdruck

brachte. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Museum zu

einem der wichtigsten Häuser, vor allem auf dem Gebiet der klassischen

Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts. Während seiner Ägide

(1962 bis 1985) konnte der Museumsbestand um rund 350 Gemälde,

100 Skulpturen und Objekte sowie 1000 Grafiken ausgebaut werden.

Mit Neuerwerbungen von Courbet, den französischen Impressionisten,

Hodler, Léger, Giacometti, Dubuffet, Beckmann und vielen anderen

steigerte er die Qualität der Sammlung. Nun ist Günter Aust im Alter

von 97 in Bad Münstereifel, wo er zuletzt lebte, gestorben. Er wurde in

Tondorf beigesetzt.

„Wir trauern um einen Mann, der die Geschichte des Von der Heydt-

Museum entscheidend mitgeprägt hat. Mit seinem reichen Wissen, mit

Bedacht und Gespür für aktuelle Tendenzen der Kunst hat er mitgeholfen,

das Von der Heydt-Museum zu einem der großen Museen zu

entwickeln“, sagt Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh über seinen

Vorgänger.

Aust wurde am 12. Februar 1921 in Köln geboren, wo er später auch

studierte. Er war Schüler von Hans Kauffmann und promovierte 1958

in Köln mit einer ausgezeichneten Arbeit über „Entwurf und Ausführung

bei Rubens“. Er arbeitete als Kustos am Kölner Wallraf-Richartz-Museum,

bevor er 1962 nach Wuppertal wechselte. Unter seiner Verantwortung

entstanden 437 Ausstellungen am Von der Heydt-Museum. Viele

davon hatte er selbst kuratiert. Seine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde

Amtszeit war allerdings überschattet von Diskussionen über die bauliche

Zukunft des Hauses, das im ehemaligen Rathaus der Stadt Elberfeld

untergebracht ist und seit jeher unter Platzmangel leidet.

Am 1. April 1985 ging Aust in den Ruhestand und überließ die Leitung

des Museums Dr. Sabine Fehlemann, damit sie den zuvor beschlossenen

Um- und Erweiterungsbau des alten klassizistischen Hauses nach

eigenen Vorstellungen gestalten konnte. Nach seinem Ruhestand wurde

er immer noch zu Rate gezogen zu Ausstellungen des Von der Heydt-

Museums. Noch heute gilt Austs 1977 erschienener Kommentar zur

ständigen Sammlung des Von der Heydt-Museum als Standardwerk.

48

SOMMER | 2018


BRIGITTA PULEY

Ölbilder und Mischtechniken

Kontakt:

ARTistica

info@arte-artistica.com

www.arte-artistica.com

www.city-art.info

Telefon 0202 736554

Mobil 0157 88159041

49


DER KUNSTBLITZ | THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART

Gustav Klimt (Baumgarten 1862–1918 Wien) Liegender Akt mit Drapierung, Rückansicht, ca. 1917–1918

Graphit auf Papier. Das Metropolitan Museum of Art, New York,Vermächtnis von Scofield Thayer, 1982

50

SOMMER | 2018


OBSESSION

AKTBILDER VON KLIMT, SCHIELE UND PICASSO

AUS DER SAMMLUNG SCOFIELD THAYER

51


DER KUNSTBLITZ | THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART

Bis 7. Oktober 2018 - Das Met Breuer, Etage 2

Die Ausstellung „Obsession: Aktbilder

von Klimt, Schiele und Picasso

aus der Sammlung Scofield Thayer“

zeigt im Sommer auf dem Met Breuer eine

Auswahl aus der Sammlung Scofield Thayer

des Metropolitan Museum of Art mit rund

50 erotischen und suggestiven Aquarellen,

Zeichnungen und Drucken von Gustav Klimt,

Egon Schiele und Pablo Picasso. Die Ausstellung

bietet einen fokussierten Blick auf

diese wichtige Sammlung und zeigt brillante

Arbeiten dieser bedeutenden Künstler;

gleichzeitig betont sie auch den hundertsten

Todestag von Klimt und Schiele.

Scofield Thayer (1889-1982), Ästhet und

Sohn einer wohlhabenden Familie, war von

1916 bis 1926 Mitherausgeber und später

alleiniger Herausgeber der Literaturzeitung

Dialvon. In dieser avantgardistischen Zeitschrift

führte er die Amerikaner u.a. in die

Schriften von TS Eliot, Ezra Pound, DH Lawrence,

Arthur Schnitzler, Thomas Mann und

Marcel Proust ein. Er begleitete die Beiträge

dieser Autoren häufig mit Reproduktionen

moderner Kunst. Thayer sammelte zwischen

1921 und 1923 in London, Paris, Berlin und

Egon Schiele (Tulln 1890–1918 Wien) Stehender

Akt mit schwarzen Strümpfen, 1917Aquarell und

Kohle auf PapierDas Metropolitan Museum of Art,

New York, Vermächtnis vonScofield Thayer, 1982

52

SOMMER | 2018


Pablo Picasso (Malaga 1881–1973 Mougins, France) Erotische Szene (La Douceur), 1903 Öl auf Leinwand

Das Metropolitan Museum of Art, New York, Vermächtnis von Scofield Thayer, 1982

53


DER KUNSTBLITZ | THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART

Gustav Klimt (Baumgarten 1862–1918 Wien)

Liegender Akt, ca. 1912–13, Graphit auf Papier,

Das Metropolitan Museum of Art, New

York, Vermächtnis von Scofield Thayer, 1982

Egon Schiele (Tulln 1890-1918 Wien) Stehender

Akt mit orangenen Drapierungen, 1914, Aquarell,

Gouache und Graphit auf Papier, (46,4 x 30,5 cm).

Das Metropolitan Museum of Art, New York, Vermächtnis

von Scofield Thayer, 1982

Wien -in atemberaubender Geschwindigkeit-

etwa 600 Werke aus Papier. Während

er Patient von Sigmund Freud in Wien war,

erwarb er eine große Gruppe von Aquarellen

und Zeichnungen von Schiele und Klimt,

die zu dieser Zeit in Amerika unbekannt

waren. Als 1924 eine Auswahl aus seiner

Sammlung in der New Yorker Montross

Gallery gezeigt wurde - fünf Jahre vor der

Eröffnung des Museum of Modern Art -gewannen

diese Künstler an Anerkennung. Im

selben Jahr, fand jedoch eine Ausstellung in

Thayers Geburtsstadt Worcester, Massachusetts

(im Worcester Art Museum) wiederum

keine Bewunderung, als sie gezeigt wurde.

54

SOMMER | 2018


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DER KUNSTBLITZ | THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART

Egon Schiele (Tulln 1890–1918 Wien) Selbstporträt,

1911, Aquarell, Gouache und Graphit auf Papier.

Das Metropolitan Museum of Art, New York,

Vermächtnis vonScofield Thayer, 1982

Egon Schiele (Tulln 1890–1918 Wien) Liegender

Halbakt mit erhobenen Armen, 1914, Graphit auf

Papier. Das Metropolitan Museum of Art, New

York, Vermächtnis von Scofield Thayer, 1982

1929 verfasste Thayer sein Testament und

überließ seine Sammlung dem Metropolitan

Museum of Art . Er zog sich in den späten

1920er Jahren aus dem öffentlichen Leben

zurück und lebte bis zu seinem Tod 1982 als

Einsiedler auf Martha‘s Vineyard und in Florida.

Obsession: Aktbilder von Klimt, Schiele und

Picasso aus der Scofield Thayer Collection

wird von Sabine Rewald, der Kuratorin für

Moderne Kunst von Jacques und Natasha

Gelman, in der Abteilung für moderne und

zeitgenössische Kunst des Metropolitan Museum

of Art, organisiert.

Die Ausstellung wird von einem von The Met

herausgegebenen Katalog begleitet, und

wird teilweise von der Peter Jay Sharp Foundation

ermöglicht.

Die Barrie A. Deedee Wigmore Foundation

unterstützt die Ausstellung.

The Met Breuer

945 Madison Avenue,

New York, NY 10021

Phone: 001-212-731-1675

56

SOMMER | 2018


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57


DER KUNSTBLITZ | ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE

KARIKATUREN ZU FLUCHT, VERTREIBUNG

UND MENSCHRECHTEN

NEUNTE KUNST – CARTOONING FOR PEACE

68,5Millionen Menschen sind weltweit

auf der Flucht vor Krieg, Gewalt

und Armut. Es liegt daher nahe, dass

sich das Zentrum für verfolgte Künste dem

Thema Frieden, Flucht, Vertreibung und

Menschenrechte nicht nur in der Vergangenheit

widmet, sondern den Blick auch

auf die Gegenwart richtet. Mit der Wahl der

Kunstform Karikatur betritt das Museum

jedoch Neuland, denn eine solche Zusammenstellung

aus Karikaturen, Illustrationen

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

und Zeichnungen von über 60 internationalen

Künstlern zum Thema Flucht, Vertreibung

und Menschenrechte hat es noch

nicht gegeben. Darunter befinden sich u.a.

Arbeiten von Michel Kichka, Agim Sulaj,

Anthony Garner, Aristides Hernandez, Constantin

Sunnerberg, Luc Descheemaeker,

Paco Baco und Talal Nayer. Letzterer ist der

Co-Kurator dieser Ausstellung und sagt:

„Meine Bildersprache ist eine Weltsprache,

sie braucht keine Worte, ist so global wie

ihre Themen.“ Damit greift er ein zentrales

Moment der Karikatur auf, die sie zu einem

universellen Medium macht. Teil dieser

einmaligen Präsentation mit mehr als 200

Kichka, Bibi and Trump, 01.18 © Michel Kichka

Werken ist der Themenblock „Alle sind Migranten“,

eine Kooperation mit dem Pariser

Netzwerk Cartooning for Peace.

Die künstlerischen Darstellungsformen Cartoon,

Comic und Karikatur werden unter

dem Begriff „Neunte Kunst“ zusammen-

58

SOMMER | 2018


59


DER KUNSTBLITZ | ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE

Ant © Anthony Garner

gefasst – in Deutschland im Gegensatz zu

vielen Nachbarländern eine noch relativ unbekannte

Ergänzung des klassischen Kunstkanons.

Die Ausstellung zeigt, wie reichhaltig

diese „Neunte Kunst“ ist: Von einfachen

Pressezeichnungen, die mit wenigen Strichen

das Drama der Welt umreißen, über

Bildgeschichten und Illustrationen bis zu

komplexen eigenständigen Kunstwerken,

die phantasievoll die Abgründe unserer

Gegenwart darstellen. Ausgangspunkt der

Ausstellung ist die Sammlung des Zentrums

(Bürgerstiftung für verfolgte Künste), die

eine Vielzahl von Werken aus den 1920er

und 1930er Jahren des letzten Jahrhunderts

der „Neunten Kunst“ zuordnen kann.

So etwa Werke von George Grosz, der ganze

Bücher aus betitelten Zeichnungen schuf.

Bereichert wird die Ausstellung durch einen

vom Zentrum für verfolgte Künste zusammen

mit dem MOCAK Museum für Gegenwartskunst

Krakau produzierten Dokumentarfilm:

„Kichka. Life is a Cartoon“. Der Film,

der 2018 europaweit Premiere feiert und

auf einer von den Folgen des Holocaust

geprägten Familiengeschichte basiert, wird

zum Botschafter des in Nordrhein-Westfalen

beheimateten Zentrums. Am 1. Juli und

16. September zeigt das COBRA Kulturzentrum

in Solingen den Film. Am 6. September

60

SOMMER | 2018


61


DER KUNSTBLITZ | ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE

findet in Paris in Kooperation mit dem Mémorial

de la Shoah und der Heinrich-Böll-

Stiftung die französische Premiere statt. Die

UNO stellte den Film im Mai 2018 in New

York vor, derzeit läuft er auf internationalen

Filmfestivals. Die aktuelle Ausstellung und

der Film sollen 2018/2019 in Krakau, Mexico

City, Brasilien, Buenos Aires und Santiago

de Chile gezeigt werden.

KARIKATURISTEN

Agim Sulaj, Anthony Garner, Darko Drljevic,

Ivailo Tsvetkov, Luc Descheemaeker, Luc

Vernimmen, Oleksy Kustovsky, Pavel Constantin,

Constantin Sunnerberg, Tjeerd Royaards,

Victor Bogorad, Vladimir Kazanevsky,

Paco Baca, Peter Nieuwendijk, Aristides

Hernandez, Firuz Kutal, Talal Nayer, Michel

Kichka, Ernst Volland.

© Agim Sulaj

O_SEKOER, Trumpbijl © Luc Descheemaeker

KURATOREN

Jürgen Kaumkötter,

Kurator des Zentrums für verfolgte Künste

Talal Nayer,

Karikaturist, Autor, Mitbegründer und Präsident

des Verbands sudanesischer Cartoonisten.

Zentrum für verfolgte Künste

Wuppertaler Str. 160

42653 Solingen

0212 / 2 58 14 0

62

SOMMER | 2018


DIETER SCHWALM

Ölbilder, Zeichnungen

und Skulpturen

Dieter Schwalm Tel. 0202 7866160 - Web: www.dieterschwalm.de

63


DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

MUSEUM FÜR FOTOGRAFIE BERLIN

KÜNSTLER KOMPLEX

FOTOGRAFISCHE PORTRÄTS VON BASELITZ BIS WARHOL. SAMMLUNG PLATEN

BIS 7. OKTOBER 2018

EINE SONDERAUSSTELLUNG DER KUNSTBIBLIOTHEK – STAATLICHE MUSEEN ZU BERLIN

Anhand von rund 180 Arbeiten der Jahre

1917 bis 2000 zeigt die Ausstellung nicht

nur die Vielfalt fotografischer Künstlerporträts,

sie lässt auch die Kunst- und Künstlergeschichte

des letzten Jahrhunderts Revue

passieren. Berühmte aber auch wenig

bekannte Fotografinnen und Fotografen,

darunter Berenice Abbott, Brassaï, Henri

Cartier-Bresson, Helga Fietz oder Jérôme

Schlomoff sind mit ikonischen Porträts von

Pablo Picasso und Salvador Dalí über Frida

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

Kahlo und Andy Warhol bis hin zu Jeff Koons

und Marina Abramović vertreten. Die

Werke stammen aus der Sammlung Angelika

Platen.

Der Begriff des Künstlers wird häufig

mit Genialität, Einfallsreichtum und Gestaltungsfreiheit

verbunden, während Carl

Gustav Jung den Begriff „Komplex“ als

ein Gefüge von Gefühlen, Gedanken und

Erinnerungen definiert, das sich um einen

bedeutenden Zusammenhang in der Psyche

gruppiert und das Denken und Handeln

bestimmt. Die Ausstellung verbindet

beide Begriffe und untersucht den Künstler

als eine aus bestimmten Vorstellungen

und Motiven zusammengefügte bildliche

Erscheinung – exemplarisch manifestiert

im fotografischen Porträt. Die Fotografin

Angelika Platen – selbst eine bedeutende

Künstlerporträtistin – hat die vielfältigen

Formen des fotografischen Künstlerbildnisses

in einer umfangreichen Sammlung vereinigt.

Rund 160 Exponate daraus werden

Robert DoisenauLes Pains de Picasso,

1952© Robert DOISNEAU/RAPHO

Bernard SilbersteinFrida Kahlo, 1940©

Bernard G. Silberstein, FAPS, FRPS

Lieselotte StrelowJoseph Beuys, 1967©

Gesellschaft Photo-Archiv e.V. Bonn / VG

Bild-Kunst,Bonn 2018

64

SOMMER | 2018


Zentrum für verfolgte Künste

Center for Persecuted Arts

Ausstellung 24. Juni – 16. September 2018

O_SEKOER, Trumpbijl © Luc Descheemaeker

Wilfried Grootens

Wilfried Grootens, Ohne Titel

Bemaltes ,verklebtes, poliertes Floatglass

65


DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

im Sommer 2018 im Museum für Fotografie

zu sehen sein. Die Schau fächert tradierte

ebenso wie experimentelle Facetten des

Künstlerporträts auf. Arbeiten von Berenice

Abbott, Brassaï, Henri Cartier-Bresson,

Gisèle Freund, Heinz Hajek-Halke und Arnold

Newman sind neu zu entdecken neben

weniger bekannten Fotografinnen und Fotografen

wie Helga Fietz, Hildegard Heise

oder Jérôme Schlomoff, die mit ihren ikonischen

Bildnissen von Georg Baselitz, Jean-

Michel Basquiat, Max Beckmann und Ernst

Wilhelm Nay in die Fotografiegeschichte

eingegangen sind. Gleichzeitig werden außergewöhnliche

Künstlerbildnisse vorgeführt,

die das repräsentative Porträtformat

konterkarieren, etwa Christopher Makos‘

transvestitische Aufnahmen von Andy Warhol.

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

„Künstler Komplex – Fotografische Porträts

von Baselitz bis Warhol. Sammlung

Platen” wird großzügig gefördert durch die

Sparkassen-Finanzgruppe, Hauptförderer

der Staatlichen Museen zu Berlin.

Thomas AdelMarina Abramovi?, 1994© Thomas Ade

Pablo VoltaJean Arp, 1958© Pablo Volta

Museum für Fotografie

Jebensstr. 2, 10623 Berlin

Di, Mi, Fr, Sa + So 11 – 19 Uhr, Do 11 – 20 Uhr

Bildung, Vermittlung, Besucherdienste

Genthiner Str. 38

D – 10785 Berlin

Tel 030 266 424242 (Mo - Fr, 9 - 16 Uhr)

Ken HeymanRoy Lichtenstein, 1964© Ken Heyman

66

SOMMER | 2018


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