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Taxi Times Berlin - April 2018

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APRIL / MAI <strong>2018</strong> 3,50 €<br />

www.taxi-times.taxi<br />

BERLIN<br />

FUTURE MOBILITY WEEK IN BERLIN<br />

THEORIEN ZUR<br />

VERKEHRSWENDE<br />

MOBILITÄTSGESETZ<br />

Statement der<br />

<strong>Taxi</strong>-Verbände<br />

NEUE TXL-ORDNUNG<br />

Maßnahmen gegen<br />

„Klauer“ und Uber<br />

MICHAEL MÜLLER<br />

„<strong>Berlin</strong>s eigener Weg<br />

bei der <strong>Taxi</strong>förderung”


Titlefotos: stock.adobe.com / <strong>Berlin</strong>er Verkersbetriebe, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften,<br />

Bundesregierung / Kugler, SenWEB, Deutsche Bahn AG, Daimler AG, Jens Jeske<br />

WIR KÖNNEN ALLES<br />

Vor zwei Jahren hat die <strong>Taxi</strong>branche eine Marketing- und Politikkampagne<br />

gestartet, deren Slogan seitdem regelmäßig auftaucht:<br />

<strong>Taxi</strong> – Verlässlich ist modern. Der Slogan war die passende Antwort<br />

auf die Unterstellungen der Wettbewerber Uber, mytaxi &<br />

Co., das <strong>Taxi</strong>gewerbe sei altbacken und rückständig.<br />

Wenn man jetzt die aktuellen Diskussionen um den Verkehr<br />

der Zukunft verfolgt (Seite 6), dann entsteht schon wieder das<br />

Gefühl, dass die als notwendig betrachtete Verkehrswende nur<br />

von außen durchgeführt werden kann. Wieder scheint man dem<br />

Irrglauben zu verfallen, die bisherigen Akteure müssten ausgetauscht<br />

werden.<br />

Wahrscheinlich benötigt das <strong>Taxi</strong>gewerbe einen weiteren Slogan.<br />

Wie wäre es mit „<strong>Taxi</strong> – wir können alles, außer Rosinenpicken“.<br />

Oder „<strong>Taxi</strong> – Wandel mit Erfahrung“. Hochbezahlten PR-<br />

Agenturen würden bestimmt noch viele weitere Slogans einfallen.<br />

Sie alle müssen eine klare Botschaft transportieren: Egal, wie die<br />

Mobilität der Zukunft aussehen mag, ohne das <strong>Taxi</strong> kann sie nicht<br />

funktionieren. Es gibt deshalb nicht einen einzigen Grund, unsere<br />

Branche zu vernachlässigen.<br />

Stattdessen gibt es viele gute Gründe, den Wandel gemeinsam<br />

mit dem <strong>Taxi</strong> einzuleiten und in neue Gesetze die Erfahrung und<br />

die Expertise des <strong>Taxi</strong>gewerbes einfließen zu lassen. Es ist schön,<br />

dass genau das hier in <strong>Berlin</strong> mit dem vom Senat geplanten Mobilitätsgesetz<br />

passiert. Das Statement des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>-Gremiums<br />

an den Senat haben wir ab Seite 10 zusammengefasst.<br />

Es ist auch schön, dass <strong>Berlin</strong>s Regierender Bürgermeister<br />

Michael Müller bei seinen Vorstößen zur Luftreinhaltung das<br />

<strong>Taxi</strong> nicht sich selbst überlässt, sondern aktiv durch eine Hybrid-<br />

Benziner-Förderung mit Elektro-Optionen einbezieht. Warum<br />

ihm das so wichtig ist, beschreibt er auf Seite 20. Wenn das Programm<br />

aber wirklich erfolgreich sein will, muss nochmal über die<br />

Bedingung der Abwrackung des alten Diesel-Modells nachgedacht<br />

werden. Diese Kritik ist konstruktiv und berechtigt (Seite 22) und<br />

zeigt abermals, wie wichtig der permanente Gedankenaustausch<br />

zwischen Politik, Verwaltung und <strong>Taxi</strong>gewerbe ist.<br />

Nur dadurch kommen am Ende praxistaugliche Maßnahmen<br />

heraus, sei es nun im Alltag des Flughafengeschäfts (Seite 14),<br />

bei der Umstellung auf Hybrid- und Elektrotechnik (ab Seite 23)<br />

oder beim großen Wurf, der Mobilitätswende für den Verkehr der<br />

Zukunft. <strong>Taxi</strong> kann das alles mitmachen.<br />

- die Redaktion -<br />

INHALT<br />

4 News<br />

MOBILITÄT<br />

6 Future Mobility Summit – Die<br />

Verkehrswende hat viele Theorien<br />

8 Die Zukunft des Personenverkehrs<br />

TAXI-GREMIUM BERLIN<br />

10 Das <strong>Berlin</strong>er Mobilitätsgesetz<br />

12 Dezente Tariferhöhung<br />

13 Ride-Hailing ist nicht Ride-Sharing<br />

FLUGHAFEN<br />

14 Schranken gegen TXL-Klauer<br />

15 Auto waschen während des Wartens<br />

POLITIK<br />

16 Pläne der Bundesregierung<br />

17 Hamburg, Wien, Istanbul: <strong>Taxi</strong>-Demos<br />

TAXI BERLIN<br />

18 Ride-Sharing kann das <strong>Taxi</strong> auch<br />

19 Zum Gerichtsurteil über Fahrverbote<br />

ANTRIEB<br />

20 Michael Müller zur Hybrid-Förderung<br />

22 Hybrid-Förderung: Zwischenbilanz<br />

23 Testbericht Hyundai Ioniq Hybrid<br />

24 Bio-Methan als Rettung?<br />

25 Mercedes mit gespaltener Zunge<br />

26 Die Elektro-Zukunft hat begonnen<br />

BUCHTIPP<br />

27 Bunker für zu Hause<br />

RECHT<br />

28 Vergessene Verkehrsregeln, Teil 4<br />

30 Rechtskolumne: Uber und die wilden<br />

Kerle<br />

TIPPS, KOLUMNE, KULTUR<br />

31 Ramadan im <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

32 Saschs Kolumne: Storchenfahrt<br />

33 Gastronomie-Tipp<br />

34 Querblick<br />

EIGNUNGSUNTERSUCHUNGEN NACH FAHRERLAUBNISVERORDNUNG (FeV)<br />

SCHNELLE TERMINE,<br />

GÜNSTIGE PREISE,<br />

ZENTRALE LAGE<br />

+++<br />

TAXI<br />

Jetzt Termin<br />

APRIL / <strong>2018</strong><br />

vereinbaren: Online unter www.taxiarzt.de 3 buchen oder einfach 030 27976744 anrufen +++


MELDUNGEN<br />

NEWSTICKER<br />

Vor der P-Schein-Verlängerung geht es zum Arbeitsmediziner. Die<br />

Kosten sind absetzbar.<br />

TOYOTA WEISS, WO UNSERE<br />

FAHRGÄSTE STEHEN<br />

Ein japanisches <strong>Taxi</strong>unternehmen testet<br />

seit Februar eine auf Künstlicher Intelligenz<br />

beruhende Vorhersage der Nachfrage<br />

nach Taxen. Sie wird den Fahrern auf<br />

Tablets in 30-minütigen Intervallen angezeigt.<br />

Das System schlägt – basierend auf<br />

Informationen von Fahrern – auch Straßen<br />

vor, an deren Rand mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />

Fahrgäste warten könnten. In der<br />

Testphase stieg laut Toyota der Umsatz der<br />

teilnehmenden Fahrer um 20 %. prh<br />

NEUER BETRIEBSARZT<br />

IN KU’DAMM-NÄHE<br />

Der Name verrät bereits das Programm: Unter www.taxiarzt.de<br />

können sich <strong>Taxi</strong>-Neulinge ebenso wie erfahrene Kolleginnen und<br />

Kollegen zu jener ärztlichen Untersuchung anmelden, die beim<br />

Antrag auf einen <strong>Taxi</strong>schein nötig ist.<br />

Die Praxis befindet sich in der Prager Straße 5. Parken ist im<br />

öffentlichen Parkhaus gegenüber möglich. Neben der Buchung<br />

über das Onlineportal kann auch telefonisch unter (030) 27 97 67<br />

44 ein Termin vereinbart werden. „Unser Motto ist reinkommen,<br />

drankommen, weiterfahren“, verspricht Dr. Philipp Schäfer eine<br />

Untersuchung ohne große Wartezeit, die im Regelfall etwa 30<br />

Minuten dauert, und während der es auch einen Kaffee oder Tee<br />

gibt. Der Preis für die Untersuchung beträgt 99 Euro inklusive<br />

Mehrwertsteuer – unabhängig davon, ob es sich dabei um eine<br />

Erst- oder eine Verlängerungsuntersuchung handelt. Die Praxis<br />

wurde am 19.4. eröffnet. Dr. Schäfer und sein Team freuen sich<br />

nun auf zahlreiche <strong>Taxi</strong>fahrerinnen und <strong>Taxi</strong>fahrer. tt<br />

Was an der Seite geht, geht auch hinten.<br />

„INNUNG“ MÖCHTE<br />

HECKSCHEIBENWERBUNG<br />

Mit einem Antrag auf Ausnahmegenehmigung<br />

bittet die Innung des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

e. V. das LABO um die Erlaubnis<br />

für Taxen, künftig auf der Heckscheibe<br />

Reklame zu platzieren. Die Heckscheibe als<br />

Werbefläche zu vermieten, sei eine ideale<br />

Lösung für <strong>Taxi</strong>unternehmer, unter anderem,<br />

weil dabei der Lack geschont würde.<br />

Man würde auch gerne die bundesweite<br />

<strong>Taxi</strong>-Kampagne „Verlässlich ist modern“<br />

auf der Heckscheibe platzieren, um damit<br />

auch gegenüber den Wettbewerbern klare<br />

Botschaften abzusetzen. „Wir haben zur<br />

Zeit in <strong>Berlin</strong> viele Alternativ- und Mobilitätskonzepte,<br />

die ähnliche Dienstleistungen<br />

anbieten wie das <strong>Taxi</strong>gewerbe“, schreibt der<br />

Innungsvorstand. „Diese Anbieter benutzen<br />

Ganzflächenwerbung für ihre Fahrzeuge,<br />

um auf ihre Dienste aufmerksam zu<br />

machen.“ Der Antrag wurde Anfang März<br />

gestellt. Eine Antwort ist das LABO noch<br />

schuldig. <br />

jh<br />

Am 3. Mai lohnt sich ein Besuch bei der Toyota Motor Company.<br />

TOYOTA FRÜHSTÜCKT<br />

MIT DEM TAXIGEWERBE<br />

Die Toyota MCF Motor Company lädt am Donnerstag, dem 3.<br />

Mai, in die Stralauer Allee 44 (Ecke Warschauer Platz) zum 4.<br />

<strong>Taxi</strong>frühstück. Es steht von 10 bis 14 Uhr unter dem Motto „Hybrid<br />

für <strong>Berlin</strong>“. Hybrid für <strong>Berlin</strong> gibt es bei Toyota seit 20 Jahren. Das<br />

<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe ist von Anfang an dabei. Toyota-Hybrid-<br />

Taxen sind im Stadtbild nicht mehr zu übersehen. Hybrid ist die<br />

einfachste Form, umweltfreundlich Auto zu fahren. Keine Gedanke<br />

an besondere Tankstellen oder freie Steckdosen ist nötig.<br />

Natürlich wird das Toyota-<strong>Taxi</strong>-Team genau zu diesen Themen<br />

Rede und Antwort stehen. Dabei werden auch die bewährten<br />

Toyota-<strong>Taxi</strong>-Modelle zu sehen sein. Besonderer Clou: Zum Ende<br />

der Veranstaltung werden zwei wertvolle Smartphones Apple<br />

iPhoneX verlost. Wir wünschen allen Kolleginnen und Kollegen<br />

guten Appetit und viel Losglück. <br />

wh<br />

FOTOS: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, GRAFIK: Toyota<br />

4 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

5


MOBILITÄT<br />

Future Mobility Summit - Gipfeltreffen zur Zukunft der Mobilität.<br />

DIE VERKEHRSWENDE<br />

HAT VIELE THEORIEN<br />

Im Gasometer auf dem Schöneberger EUREF-Campus wurde über<br />

den Verkehr der Zukunft diskutiert. Der nötige Wandel ist dabei in<br />

einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu rücken.<br />

Der „Tagesspiegel“ hatte zwei<br />

Tage lang den „Future Mobility<br />

Summit“ (Zukunfts-Mobilitäts-<br />

Gipfel) veranstaltet, der dann von der<br />

bereits sechsten „Hauptstadtkonferenz<br />

Elektromobilität“ vortrefflich ergänzt<br />

wurde. Aber was genau müssen wir uns<br />

unter einer „Future Mobility Week“ vorstellen?<br />

Klar, es geht um den Verkehr der<br />

Zukunft, um technische Lösungen wie<br />

emissionsfreie Antriebe, autonomes Fahren<br />

oder Digitalisierung. Um politische<br />

Steuerung, z. B., welche Technik gefördert<br />

wird, welche Fahrzeuge noch in die<br />

Innenstädte dürfen, und um die Gestaltung<br />

des öffentlichen Personennahverkehrs<br />

(ÖPNV). Und um die Kompetenzen<br />

und Zukunftschancen der heimischen<br />

Wirtschaft.<br />

Doch im Schöneberger Gasometer wurde<br />

die Verkehrswende in einem größeren<br />

gesellschaftlichen Zusammenhang diskutiert:<br />

Müssen Errungenschaften des 20.<br />

Jahrhunderts, wie die Freiheit individueller<br />

Mobilität, aufgegeben werden? Wie ist die<br />

autogerechte Stadt zu wandeln in menschengerechte<br />

und lebenswerte Lebensräume?<br />

Wie sind die radikalen Veränderungen<br />

von Wirtschaft und Gesellschaft<br />

durch Digitalisierung, Automatisierung<br />

und Vernetzung politisch zu steuern?<br />

Welche Auswirkungen hat all dies auf den<br />

ÖPNV und welche Zukunftschancen hat<br />

dabei das <strong>Taxi</strong>?<br />

Um diese Fragen zu beantworten (siehe<br />

Seite 8), war es sehr aufschlussreich, die<br />

Standpunkte der einzelnen Redner zu<br />

hören. Wie stellt man sich beispielsweise<br />

den Antrieb der Zukunft vor?<br />

Für die Chefs der Auto-Lobby gehören<br />

effiziente Verbrennungsmotoren mit<br />

modernen Katalysatoren weiter dazu.<br />

Daimler-Chef Dieter Zetsche ist überzeugt,<br />

dass „mit den Dieselfahrzeugen,<br />

die wir heute verkaufen, auch in Zukunft<br />

in die Innenstädte gefahren werden kann“.<br />

Zum Erreichen der Klimaziele seien Euro-<br />

6d-Diesel „unverzichtbar“, so der Präsident<br />

des Verbands der Automobilindustrie<br />

(VDA), Bernhard Mattes.<br />

Die batteriebetriebene Elektromobilität<br />

erscheint nicht mehr ganz so sexy wie in<br />

der ersten Euphorie. Nicht nur, weil die<br />

deutsche und europäische Automobilindustrie<br />

von den asiatischen Akteuren<br />

weit abgehängt wurde, sondern auch, weil<br />

ihre Öko-Bilanz lange nicht so gut ist wie<br />

angenommen. Vom umweltzerstörenden<br />

und menschenverachtenden Abbau der<br />

Batterie-Rohstoffe über Batterie-Produktion<br />

bis zum Recycling muss alles in der<br />

Gesamt-Ökobilanz von E-Mobilität erfasst<br />

werden. Dass dann der Ladestrom aus<br />

einem Mix besteht, der überwiegend aus<br />

Braunkohle, Kernenergie und Steinkohle<br />

erzeugt wurde, macht es nicht besser.<br />

Batterie-E-Mobilität ist nur „lokal-emissionsfrei“<br />

und kann für die akute Belastung<br />

der Metropolen bestenfalls eine zeitlich<br />

begrenzt vertretbare Lösung sein. Sie wird<br />

aber nicht dazu beitragen können, globale<br />

Klimaziele zu erfüllen, da Belastungen<br />

FOTO: stock.adobe.com<br />

6 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


MOBILITÄT<br />

lediglich geografisch verschoben werden.<br />

„Alternative Nr. 1“ ist aktuell das Brennstoffzellenauto,<br />

im Prinzip ein Elektroauto,<br />

das seinen Strom nicht aus einer Batterie<br />

zieht, sondern direkt an Bord erzeugt.<br />

Dazu wird Wasserstoff (H 2<br />

) getankt, was<br />

fünf Minuten dauert und eine Reichweite<br />

auf dem Niveau von Verbrennungsmotoren<br />

ermöglicht. Bundesweit gibt es dafür erst<br />

43 Tankstellen, doch das Netz entsteht.<br />

Berechnungen zufolge würden in Deutschland<br />

ca. 1.000 H 2<br />

-Tankstellen benötigt.<br />

Vielleicht wäre es klüger, die<br />

deutsche Autoindustrie würde<br />

diesen Netzausbau vorantreiben,<br />

als über eine eigene, sehr<br />

kostenintensive Batterieproduktion<br />

nachzudenken. Hunderttausende<br />

Stromladestationen<br />

müssten gar nicht erst installiert werden.<br />

Das Land fördere massiv Elektromobilität,<br />

was allerdings nicht immer ganz<br />

Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht Diesel<br />

nicht als Auslaufmodell<br />

problemlos sei. So könne beispielsweise<br />

die BVG in ganz Europa keine Elektro-<br />

Busse kriegen und müsse diese entweder<br />

in China kaufen oder, nach Vorbild der<br />

Post, selbst bauen lassen. Eine zunächst<br />

für den Kauf von Elektrotaxen geplante<br />

Förderung musste in eine Förderung von<br />

Hybrid-Taxen geändert werden, da geeignete<br />

eichfähige E-Fahrzeuge nur bei wenigen<br />

Modellen verfügbar seien und auch die<br />

vorhandene Lade-Infrastruktur noch nicht<br />

annährend ausreicht.<br />

«Es kann nicht sein, dass wir die<br />

Infrastruktur aufbauen, und die<br />

Industrie liefert dann nicht.»<br />

Ramona Pop<br />

Tatsächlich geht es auf absehbare Zeit<br />

nur mit einem Mix von Antrieben: Hybride,<br />

Gasantriebe und – noch länger<br />

unverzichtbar – der moderne Dieselmotor.<br />

Bei synthetischen Kraftstoffen muss weiter<br />

intensiv geforscht werden. Lösungen<br />

wie Oberleitungs-LKW müssen zu Ende<br />

gedacht werden. Was sich davon am Ende<br />

durchsetzt, ist offen.<br />

„Die Mobilitätswende beginnt in unseren<br />

Köpfen“, sagt Ramona Pop, <strong>Berlin</strong>s<br />

Senatorin für Wirtschaft, Energie und<br />

Betriebe, und nennt als Voraussetzung<br />

nachhaltiger Mobilität im urbanen Raum<br />

einen grundlegenden Einstellungswandel<br />

der BürgerInnen. Ohne den würden künftig<br />

autonom fahrende Autos die Straßen der<br />

Innenstädte verstopfen. Ein Trend weg von<br />

Individualverkehr hin zur Vernetzung sei<br />

erkennbar. Für Berthold Huber, Vorstand<br />

Personenverkehr bei der Deutschen Bahn<br />

AG, ist es klug, Verkehre zu vermeiden.<br />

„Einzelne Menschen in Car-Sharing-Autos,<br />

die Stau verursachen, sind keine kluge<br />

Lösung.“ Busse und Bahnen müssten<br />

lediglich durch Shuttles sinnvoll ergänzt<br />

werden, tief integriert und vernetzt durch<br />

eine Mobilitätsplattform, eine überall<br />

einsetzbare Mobilitätskarte, gemeinsame<br />

Buchung und Tarifierung. Die Integration<br />

der verschiedenen Mobilitätsformen verlange<br />

Netzstrukturen, in die<br />

auch der ÖPNV mit einzubeziehen<br />

sei. Das will auch BVG-<br />

Chefin Dr. Sigrid Nikutta: „Die<br />

Lösung liegt im ÖPNV. Busse<br />

und Bahnen sind das Rückgrat<br />

der Lösung, mit enger Taktung<br />

und einfachem Tarifsystem.“ Die autogerechte<br />

Innenstadt sei Geschichte, Ziel sei<br />

eine lebenswerte Innenstadt. sb<br />

Mal anders betrachtet: So viel Raum nehmen<br />

Autos in der Stadt ein.<br />

MOBILITÄT IN EINER GROSSEN PLATTFORM<br />

FOTOS: Stephan Berndt / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, ZEICHNUNG: Karl Jilg<br />

Alle wollen ein deutschlandweites Mobilitätsportal, und<br />

einige glauben, „moovel“ könnte das sein. Die App, ein<br />

hundertprozentiges Tochterunternehmen der Daimler<br />

AG, sei ein „Mobilitätskonzept, gemeinsam mit den Städten“ und<br />

biete „alles aus einem Guss“. Über moovel könnten unterschiedliche<br />

Verkehrsmittel für eine Route unkompliziert reserviert,<br />

gebucht und bezahlt werden. Fahrdauer und Kosten von öffentlichem<br />

Nahverkehr, Carsharing-Anbietern, mytaxi, Leihfahrrad und<br />

der Deutschen Bahn seien vergleichbar. moovel arbeite an einem<br />

Betriebssystem für urbane Mobilität, das Zugang zu passenden<br />

Mobilitätsoptionen biete und den Weg für eine Zukunft mit autonomen<br />

Fahrzeugen bereite.<br />

Ein einziges Bestellportal, in dem alle Mobilitätsangebote verknüpft<br />

sind, wäre natürlich wünschenswert. Das öffentliche Verkehrsinteresse<br />

wird aber kaum von einem privaten Großkonzern<br />

gegen Individualinteressen zu schützen sein, noch weniger, wenn<br />

derselbe Konzern die „Liberalisierung“ des Ordnungsrahmens<br />

fordert. Eine Mobilitäts-App aus den Händen eines Autobauers<br />

wird immer auch Konzerninteressen verfolgen und Konkurrenten<br />

ausschließen. Bei moovel soll der gesamte <strong>Taxi</strong>markt exklusiv<br />

durch mytaxi repräsentiert werden. Die große Mehrzahl der<br />

<strong>Taxi</strong>s, die von lokalen <strong>Taxi</strong>vermittlungen gesteuert werden und<br />

europaweit unter taxi.eu digital bestellt werden können, bliebe<br />

ausgeschlossen. Das zweite Beispiel: auch beim BVG-Projekt „Berl-<br />

König“ ist Mercedes zum Zug gekommen. Wieso kooperiert die<br />

BVG mit dem Start-up Via-Van, einem Joint-Venture aus Via und<br />

Mercedes-Benz Vans, und nicht mit dem <strong>Taxi</strong>gewerbe? Die Zusammenarbeit<br />

von BVG und <strong>Taxi</strong>gewerbe hat eine lange Tradition,<br />

und es wären ideale Partner, um On-Demand-Ride-Sharing zu<br />

testen. Es sei denn, irgendwer hätte ein Interesse daran, monopolistische<br />

Strukturen zu schaffen und staatliche Kontrolle und<br />

Verbraucherschutz aufzugeben. Obwohl passende <strong>Taxi</strong>s sofort<br />

verfügbar sind, wird die Experimentierklausel im PBefG bemüht.<br />

Die Genehmigungsbehörde sollte das ablehnen. <br />

sb<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

7


MOBILITÄT<br />

Das Rad muss nicht neu erfunden werden.<br />

Das <strong>Taxi</strong>gewerbe hat bereits viele Räder.<br />

DIE ZUKUNFT DES<br />

PERSONENVERKEHRS<br />

Wer meint, das Personenbeförderungsgesetz stehe dem Fortschritt im<br />

Weg, muss schleunigst vom Gegenteil überzeugt werden. Der Gipfel<br />

und die Hauptstadtkonferenz waren dazu ein guter Anlass.<br />

Etliche Vertreter des <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

haben nicht nur die Vorträge<br />

besucht, sondern sich auch rege<br />

an den Diskussionen beteiligt. Vor allen<br />

Dingen mit jenen Nerds, die immer wieder<br />

den Irrglauben verbreiten, das Personenbeförderungsgesetz<br />

(PBefG) würde<br />

kluger Mobilität im Weg stehen. In deren<br />

Augen ist das <strong>Taxi</strong>gewerbe ein Relikt aus<br />

einer vergangenen Zeit: schlecht für die<br />

Umwelt, schlecht für die Kunden und<br />

schlecht integrierbar in neue Mobilitätsnetzwerke.<br />

Es existiere nur noch durch<br />

den Schutz des PBefG, und dies stehe<br />

damit dem Fortschritt im Weg.<br />

Gut, dass die <strong>Taxi</strong>-Lobby mit großangelegten<br />

Kampagnen viele Politiker bereits<br />

vom Gegenteil überzeugen konnte. Massen<br />

von Mietwagen zuzulassen, die unkontrolliert<br />

in gesetzwidrigem, taximäßigem<br />

Einsatz sind, schadet nicht nur dem <strong>Taxi</strong>gewerbe,<br />

sondern verknappt den ohnehin<br />

raren Raum in der Innenstadt zusätzlich.<br />

Zudem drohen diese Fahrzeuge mit ihren<br />

Dumpingpreisen, die ein Teil der Übernahmestrategie<br />

der kapitalstarken Megakonzerne<br />

sind, sogar den ÖPNV zu kannibalisieren,<br />

das Rückgrat einer ökologischen<br />

Verkehrswende. Genau jene Wende kann<br />

auch vom <strong>Taxi</strong>gewerbe getragen werden,<br />

das dafür technisch auf dem neuesten<br />

Stand ist.<br />

Seit vielen Jahren sind Bestellung und<br />

Auftragsvergabe voll digitalisiert, über<br />

GPS-Ortung wird stets das nächste freie<br />

<strong>Taxi</strong> zum Bestellort geschickt, der in <strong>Berlin</strong><br />

«<strong>Taxi</strong>branche<br />

kapert<br />

Diskussion um<br />

Verkehrswende.»<br />

Tweet zum Ende der<br />

Hauptstadtkonferenz<br />

i. d. R. innerhalb von drei Minuten erreicht<br />

wird. Das gewährleisten aktuell etwas<br />

mehr als 8.100 Taxen, die mit ca. 12.000<br />

Beschäftigten 365 Tage im Jahr rund um<br />

die Uhr unterwegs sind und monatlich ca.<br />

3.000.000 Fahrgäste zu verlässlichen Preisen<br />

befördern. Über die Bestell-App taxi.<br />

eu, mit der in nahezu allen europäischen<br />

Städten schnell ein <strong>Taxi</strong> gerufen werden<br />

kann, sind berlinweit ca. 6.500 <strong>Taxi</strong>s verfügbar.<br />

taxi.eu ist die App des traditionellen<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbes, hinter der die Erfahrung<br />

und das Qualitätsmanagement der großen<br />

europäischen <strong>Taxi</strong>zentralen stecken.<br />

Digitale Vermittlungstechnik und<br />

digitale Bezahlformen bieten längst die<br />

Möglichkeit, das gesamte Potential der<br />

<strong>Taxi</strong>branche über diese App in einem auf<br />

dem Kongress von allen Seiten gewünschten<br />

Mobilitätsportal zu integrieren. Dazu<br />

bedarf es nicht neuer Anbieter, <strong>Taxi</strong> kann<br />

das alles. Edle Limousinen, umweltverträgliche<br />

Antriebe, Ridesharing-geeignete<br />

<strong>Taxi</strong>-Vans für bis zu acht Fahrgäste und<br />

Fahrzeuge für mobilitätseingeschränkte<br />

Personen – alles bereits vorhanden. Dazu<br />

wird im vom Land <strong>Berlin</strong> finanziell geförderten<br />

Projekt „Inklusionstaxi“ gerade<br />

eine Flotte von ca. 250 berollbaren Taxen<br />

aufgebaut.<br />

Taxen stehen technischem Fortschritt<br />

und der notwendigen Vernetzung verschiedener<br />

Verkehrsmittel definitiv nicht<br />

im Weg, sondern eignen sich ganz hervorragend,<br />

Teil dieses Netzwerks zu werden.<br />

Wäre es nicht nachhaltiger, vorhandenes<br />

Potential zu nutzen, bevor neue Anbieter<br />

zusätzliche Fahrzeuge auf die Straße<br />

bringen? Wäre es nicht klüger, durch bessere<br />

Auslastung der verfügbaren Taxen<br />

das nicht gerade üppige Einkommen von<br />

12.000 ordentlich Beschäftigten aufzubessern,<br />

deren Arbeitgeber vor Ort Steuern<br />

und Sozialabgaben abführen, anstatt deren<br />

Existenz durch aggressive Geschäftsmodelle<br />

und Dumpingpreisen zu bedrohen<br />

und prekäre Beschäftigungsverhältnisse<br />

zu etablieren?<br />

Der Vorstandsvorsitzende der EUREF<br />

AG, Reinhard Müller, forderte im Gasometer<br />

von der Politik „mehr Mut“, damit<br />

zukunftsweisende Technologien „raus in<br />

den öffentlichen Raum“ kommen. Auch<br />

die <strong>Taxi</strong>branche erwartet mehr Mut<br />

von Politik und Verwaltungen – Mut,<br />

das öffentliche Verkehrsinteresse vor<br />

Monopolisierungs- und Profitinteressen<br />

zu schützen und entsprechend<br />

restriktiv mit Sondergenehmigungen<br />

umzugehen.<br />

sb<br />

GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong><br />

8 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

9


<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

BUS<br />

TAXI<br />

TRAM<br />

VORFAHRT FÜR BUSSE,<br />

TRAMS – UND TAXEN!<br />

Das bundesweit erste Mobilitätsgesetz für <strong>Berlin</strong> kommt.<br />

Stellungnahme des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>-Gremiums zur Sicherung des ÖPNV:<br />

Das <strong>Taxi</strong> ist wichtiger als je zuvor.<br />

Mit dem geplanten Mobilitätsgesetz, das derzeit in den Ausschüssen<br />

beraten wird, will Verkehrssenatorin Regine<br />

Günther „die Grundlagen für die Mobilität der Zukunft<br />

in einer wachsenden Metropole“ legen. Es soll „die Leistungsfähigkeit<br />

des Verkehrssystems in seiner Gesamtheit steigern“<br />

und den Verkehr sicherer machen. Da zum Erreichen aller Ziele<br />

auch Neuregelungen auf Bundesebene erforderlich seien, sei eine<br />

Bundesratsinitiative vereinbart worden.<br />

Rasant wandeln sich Personenbeförderungsangebote durch Digitalisierung<br />

und Automatisierung, vor allem aber durch disruptiv<br />

auf den Markt drängende Mega-Konzerne. Darauf muss das Gesetz<br />

Antworten geben – und wird daher um einen Abschnitt „Intelligente<br />

Mobilität“ ergänzt. Das <strong>Taxi</strong>-Gremium will dem Gesetzgeber<br />

einmal mehr die herausragende Bedeutung des <strong>Taxi</strong>s in<br />

idealer Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)<br />

vor Augen führen und für die Gefahren einer Kannibalisierung<br />

durch Monopole privater Verkehrsdienstleister sensibilisieren.<br />

Das Gesetz muss „eine Antwort auf die gesellschaftlichen Fragen<br />

zur Klärung der offensichtlichen Konkurrenzsituation im Bereich<br />

Verkehr“ geben.<br />

VERLÄSSLICH IST MODERN<br />

Dass dem <strong>Taxi</strong> durch das Personenbeförderungsgesetz (PBefG)<br />

eine Sonderstellung im ÖPNV zukommt, ist kein Zufall. Durch<br />

die gesetzliche Betriebs-, Beförderungs- und Tarifpflicht sind den<br />

privaten <strong>Taxi</strong>betreibern enge Grenzen bei ihren unternehmerischen<br />

Entscheidungen gesetzt, damit den Kunden ein immer<br />

verfügbares, in Preis, Qualität und Sicherheit verlässliches Verkehrsmittel<br />

garantiert werden kann, in dem sie Fahrstrecke und<br />

-ziel frei bestimmen können, und das den ÖPNV ideal ergänzt.<br />

So sind für Taxen jährliche Hauptuntersuchungen, eine spezielle<br />

Kfz-Versicherung und der Nachweis der Sach- und Fachkunde<br />

des Unternehmers obligatorisch. Staat und Kommunen verfügen<br />

gegenüber dem <strong>Taxi</strong>gewerbe über Steuerungsinstrumente, die<br />

es, leichter als gegenüber jedem anderen Anbieter, ermöglichen,<br />

bestimmte Standards vorzugeben. So könnte das Erteilen von<br />

Genehmigungen künftig z. B. daran geknüpft werden, ob das <strong>Taxi</strong><br />

ökologisch angetrieben wird oder barrierefrei ist.<br />

POOLING-ANGEBOTE ATTRAKTIV UND NACHHALTIG<br />

Das PBefG lässt schon heute Ride-Sharing zu. Fahrgemeinschaften<br />

können sich über die Bestell-App verabreden. Dass der zuerst<br />

Eingestiegene bestimmt, muss aber geändert werden. Die Bereitschaft,<br />

Fahrten zu teilen, ist vorhanden, wenn es für den Einzelnen<br />

deutlich billiger wird. Der <strong>Taxi</strong>tarif muss aber unbedingt eingehalten<br />

werden und wird auf die Fahrgäste aufgeteilt. Die Anteile<br />

berechnet die App nach den Streckenanteilen der Fahrgäste.<br />

Festpreise zur Kundenbindung<br />

Für definierte Verbindungen sollten im <strong>Taxi</strong>tarif Festpreise<br />

eingeführt werden, etwa Flughafen – City oder City – Messe.<br />

Das wäre sinnvoll im Hinblick auf Kooperationen und auf die<br />

Vernetzung mit anderen ÖPNV-Partnern. Außerdem könnten <strong>Taxi</strong>-<br />

Vouchers (Gutscheine) dann schon bei der Flug- oder Hotelbuchung<br />

mitgekauft werden.<br />

DATENSICHERHEIT<br />

Daten, notwendig in Vermittlung und Vernetzung, sind in der<br />

Wirtschaft längst zu einer eigenständigen Ressource geworden.<br />

Darum müssen die Betreiber vertrauenswürdig sein. In der<br />

Bestell-App sieht heute schon jeder, wie viele <strong>Taxi</strong>s in welcher<br />

Entfernung sind, und wann das erste <strong>Taxi</strong> da sein kann. Es können<br />

Fahrzeugkriterien angezeigt werden wie Kombi, Kleinbus,<br />

10 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


TAXI-GREMIUM<br />

barrierefrei oder für das Pooling verfügbar, Qualitätskriterien<br />

des Fahrers wie Fremdsprachen oder Stadtführerqualifikation –<br />

und seine Bewertung. Daten, die für die Dienstleistung irrelevant<br />

sind, werden nicht geliefert. Anders als die Mega-Konzerne hat<br />

das <strong>Taxi</strong>gewerbe kein kommerzielles Interesse an den Daten, die<br />

von den Kunden erfasst werden.<br />

BAHN + BUS + TAXI = INTELLIGENTE MOBILITÄT<br />

Wie kann diese „intelligente Mobilität“ durch ein Mobilitätsgesetz<br />

gesichert und verbessert werden? Zunächst einmal, indem<br />

es die eben beschriebenen Regelungen festschreibt und nicht<br />

aufweicht. Wie es in der Zielsetzung des Gesetzentwurfs formuliert<br />

wurde: In einem „stadt-, umwelt- sowie klimaverträglich<br />

ausgestalteten, sicheren, barrierefreien Verkehrssystem sollen<br />

die verschiedenen Verkehrsmittel mit ihren spezifischen Stärken<br />

zum Einsatz kommen“, um das Gesamtsystem im Hinblick<br />

auf die Anforderungen der Zukunft zu optimieren. Im Entwurf<br />

soll gemäß § 4 Satz 3 Menschen- und stadtgerechter Verkehr ...<br />

durch „möglichst geringe Rauminanspruchnahme des fließenden<br />

und ruhenden Verkehrs“ erreicht werden. Dann gilt es, Massen<br />

sich unkontrolliert bereithaltender, die Innenstädte überschwemmender<br />

Mietwagen zu verhindern. Das Aufplustern des Individualverkehrs,<br />

ermöglicht durch Dumpingpreise monopolistischer<br />

Megakonzerne, führt zu mehr Auto-Kilometern und ist nicht klug<br />

und nicht nachhaltig. Kundenfreundlich ist es letztlich auch nicht,<br />

denn sobald das Monopol sich durchgesetzt hat, bestimmt es die<br />

Preise. Innovative Verkehrsangebote dürfen den ÖPNV nicht kannibalisieren.<br />

Das gelingt, wenn das Mietwagengewerbe sich an<br />

die geltenden Gesetze hält und die zuständige Behörde nur in<br />

Ausnahmen und mit Augenmaß Gebrauch von der Experimentierklausel<br />

gemäß § 2 Abs. 7 PBefG macht. Wir empfehlen deshalb, §<br />

25 Satz 11, „Innovative Mobilitätskonzepte und Verkehrsangebote<br />

des ÖPNV sind mit Blick auf die verbesserte Erfüllung der Ziele<br />

dieses Gesetzes zu erproben“, ersatzlos zu streichen.<br />

DAS RAD NICHT NEU ERFINDEN<br />

Bevor etwas erprobt wird, muss einerseits geprüft werden,<br />

ob das nicht bereits von Taxen geleistet wird oder geleistet werden<br />

kann, um vorhandene Ressourcen zu nutzen. Andererseits<br />

dürfen die beantragten Verkehre nicht öffentlichen Interessen<br />

entgegenstehen. Es muss auch eine Rolle spielen, wer es ist, der<br />

diese Verkehre ausüben will, und wie das langfristig den Markt<br />

verändern könnte. Beispiele gibt es genug. Weder BerlKönig oder<br />

Clever Shuttle, noch die Kooperation des ADAC mit door2door oder<br />

vergleichbare Dienste müssen direkt Gewinne erzielen. Bei den<br />

Preisen, die gefordert werden, kann das nicht eigenwirtschaftlich<br />

sein. Funktionieren kann das nur durch das endlose Kapital von<br />

Megakonzernen – und bedroht die Existenz des <strong>Taxi</strong>gewerbes.<br />

Denn der Fokus neuer Anbieter liegt auf attraktiven Fahrgastströmen<br />

in verkehrsreichen Zeiten und hoch frequentierten Gebieten.<br />

Doch damit werden dem gesamten klassischen ÖPNV wichtige Einnahmequellen<br />

genommen, die in der Mischkalkulation, nach der<br />

auch in schwachen Zeiten und Gebieten die Beförderung jederzeit<br />

für alle durch ÖPNV und <strong>Taxi</strong> garantiert wird, unverzichtbar sind.<br />

„Intelligente Mobilität“ braucht Regeln und Kontrolle, damit<br />

diese Aufgaben – und damit die Funktion des ÖPNV – nicht an<br />

ausschließlich an profitorientierte Mega-Konzerne fallen und dann<br />

die Regeln des Stärkeren entscheiden. Wenn Kontrolle schwierig<br />

ist, darf ein Ordnungsrahmen nicht liberalisiert werden. Dann<br />

müssen strengere Regeln her, damit Missbrauch besser zu beweisen<br />

ist und gezielter bekämpft werden kann. Mietwagen müssen<br />

verpflichtet werden, ihre Umsätze mit fiskaltaxameterähnlichen<br />

Geräten zu erfassen, bei denen die Preise eingegeben werden<br />

müssen und die Komponenten der Preisbildung offenliegen, die<br />

Beginn und Ende der Fahrt aufzeichnen, und die eine elektronische<br />

Quittung erstellen. Die Einhaltung der Rückkehrpflicht muss<br />

mittels GPS-Ortung kontrolliert werden.<br />

Da im Mietwagen derzeit nicht einmal Fahrtenschreiber vorgeschrieben<br />

sind, wandern Fahrer, die schwarz arbeiten wollen,<br />

bereits in Scharen vom mittlerweile 100-prozentig kontrollierten<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe zum Mietwagen ab. Vorschriften nicht zu überprüfen,<br />

ist fahrlässig. Es ist besser, die Spielregeln zu verschärfen,<br />

statt sie wegfallen zu lassen. Heilsversprechen mit Zauberworten<br />

wie „Digitalisierung“ und „Modernität“ enden sonst im Chaos, was<br />

am Beispiel New York City deutlich zu sehen ist.<br />

SAME BUSINESS – SAME RULES<br />

Das <strong>Taxi</strong>gewerbe akzeptiert Konkurrenz, aber bitte zu gleichen<br />

Bedingungen. Wer die Privilegien des ÖPNV genießen will,<br />

darf die „lästigen“ Pflichten nicht ablehnen, die im Sinne der<br />

Daseinsvorsorge zum Schutz und im Sinne der Verbraucher zu<br />

erfüllen sind. Hinter (scheinbarer) Innovation und (im <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

längst umgesetzter) Digitalisierung steckt rücksichtsloser<br />

Plattform-Kapitalismus.<br />

Beispiele, wo es überall nicht funktioniert, gibt es reichlich. Es<br />

reicht ein Blick auf die Zweckentfremdung von Wohnraum durch<br />

den im Silicon Valley gegründeten Community-Marktplatz zur<br />

Vermietung von Unterkünften, AirBnB. Facebook und Google<br />

sind Beispiele für die Kategorie „Global Player“, denen auch Uber<br />

und Mercedes-Benz angehören, und deren Wirken und die damit<br />

verbundenen gesellschaftlichen Folgen wir alle erleben. Ein<br />

Mobilitätsgesetz sollte vergleichbare Entwicklungen im ÖPNV<br />

verhindern. Deshalb müssen lange bewährte Regelungen für die<br />

Personenbeförderung Bestand haben.<br />

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TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

11


TAXI-GREMIUM<br />

DEZENTE<br />

TARIFERHÖHUNG<br />

Die Kurzstrecke kostet künftig sechs Euro.<br />

Über den <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>tarif wurde in letzter Zeit viel diskutiert. Das<br />

<strong>Taxi</strong>-Gremium hat jetzt einen moderaten Antrag eingereicht.<br />

Um einen Konsens zu erreichen,<br />

wurden viele Argumente für und<br />

gegen eine Tariferhöhung abgewägt.<br />

Der Zuschlag für Kartenzahlung war<br />

dabei kein Thema, denn er wird selbstverständlich<br />

abgeschafft. Das ist eine Folge<br />

des geändertes EU-Rechts und wurde vom<br />

TVB übrigens schon 2013 beantragt.<br />

Die Notwendigkeit, die Fahrpreise<br />

anzuheben, ergibt sich nach Ansicht des<br />

INNUNG DES BERLINER<br />

TAXIGEWERBES E. V.<br />

Persisustraße 7<br />

10245 <strong>Berlin</strong><br />

Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 23 62 72 01<br />

Tel. Kasse: +49 (0)30 / 23 62 72 02<br />

Telefax: +49 (0)30 / 23 62 72 03<br />

E-Mail: info@taxiinnung.org<br />

www.taxiinnung.org<br />

www.facebook.com/taxiinnung<br />

TAXIVERBAND BERLIN<br />

BRANDENBURG E. V.<br />

Franklinstraße 18<br />

10587 <strong>Berlin</strong><br />

Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 24 33 54 08<br />

Tel. Kasse: +49 (0)30 / 86 09 07 70<br />

E-Mail: taxiverband@t-online.de<br />

www.taxiverband-berlin.de<br />

TAXI DEUTSCHLAND BERLIN E. V.<br />

Persiusstraße 7<br />

10245 <strong>Berlin</strong><br />

Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 202 02 13 10<br />

Fax: +49 (0)30 / 202 02 13 11<br />

E-Mail: berlin@taxideutschland.eu<br />

www.taxideutschland.eu<br />

www.facebook.com/taxi.deutschland.eu<br />

Presserechtlich verantwortlich für<br />

Beiträge auf Seiten des <strong>Taxi</strong>-Gremiums:<br />

Detlev Freutel (TVB), Leszek Nadolski<br />

(Innung), Ertan Ucar (TD)<br />

Gremiums aus einer Reihe von Umständen.<br />

Die Mindestlohnerhöhung zum 1.1.2017<br />

muss (nachträglich) ausgeglichen werden.<br />

Schon die letzte Fahrpreisanpassung lag<br />

deutlich unter dem, was die Gutachter<br />

von Linne & Krause als notwendig empfahlen.<br />

Die aktuelle Verkehrspolitik führt<br />

zum Wertverfall und zum Aussortieren<br />

älterer Dieselfahrzeuge und drohenden<br />

Fahrverboten.<br />

Abgesehen davon, dass die Einführung<br />

von Fiskaltaxametern bisher nicht<br />

die erwartete Wirkung entfaltet hat und<br />

die wirtschaftliche Lage der steuer- und<br />

abgabenehrlich arbeitenden Betriebe weiterhin<br />

bedenklich ist, machen dem <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

in rasant wachsendem Maße zum Teil<br />

illegal arbeitende Mietwagen zu schaffen,<br />

die wie <strong>Taxi</strong>s eingesetzt werden und den<br />

Markt überschwemmen. Die Situation hat<br />

sich seit dem Wegfall der Ortskundeprüfung<br />

für Mietwagenfahrer drastisch verschärft<br />

und bewirkt einen mittlerweile spürbaren<br />

Auftragsrückgang im <strong>Taxi</strong>gewerbe. Ebenfalls<br />

trägt die zunehmende Anzahl taxiähnlicher<br />

Verkehre wie „Clever Shuttle“<br />

oder der beantragte „Berlkönig“ zu dieser<br />

Schieflage bei.<br />

Auch das ständig sinkende „Umlauftempo“<br />

der <strong>Berlin</strong>er Taxen muss berücksichtigt<br />

werden. Die Ursache sind ausufernde<br />

Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen<br />

und der Wegfall von<br />

Fahrstreifen.<br />

Ein weiterer Grund sind die teils enorm<br />

steigenden Betriebskosten, darunter die<br />

für Fiskaltaxameter, Reparaturkosten<br />

sowie – damit zusammenhängend – Versicherungsbeiträge.<br />

Aufgrund der bevorstehenden Einführung<br />

von Inklusionstaxis sind auch im<br />

Rollstuhl sitzend zu befördernde Menschen<br />

zu berücksichtigen. Die Preise müssen den<br />

höheren Kosten für die behindertengerecht<br />

ausgestatteten Fahrzeuge und den höheren<br />

Aufwand beim Ein- und Ausladen gerecht<br />

werden, ohne diskriminierend zu sein.<br />

Daher sollen „ab der fünften Person“ und<br />

„für Gegenstände und Hilfsmittel, für deren<br />

Unterbringung ein Großraumtaxi erforderlich<br />

ist“ fünf Euro Zuschlag erhoben und der<br />

Preis für Wartezeit von 50 auf 60 Cent pro<br />

Minute erhöht werden.<br />

Der <strong>Taxi</strong>tarif soll sowohl Preissicherheit<br />

für Fahrgäste als auch wirtschaftliche<br />

Sicherheit des <strong>Taxi</strong>gewerbes bringen.<br />

Nach § 39 Abs. 2 PBefG ist der <strong>Taxi</strong>tarif<br />

regelmäßig an die wirtschaftliche Lage des<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbes anzupassen. Zudem soll er<br />

ein funktionierendes Beförderungsmittel im<br />

Nahbereich sicherstellen. Das <strong>Taxi</strong> muss den<br />

Bürgern als Teil staatlicher Daseinsfürsorge<br />

erhalten bleiben.<br />

<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>tarif aktuell Antrag <strong>2018</strong><br />

Kurzstrecke bis 2 km 5,00€ 6,00€<br />

Grundpreis für Winker<br />

und Einsteiger<br />

3,90€ 3,90€<br />

Kilometerpreis 0-7 km 2,00€ 2,20€<br />

Kilometerpreis ab 7 km 1,50€ 1,65€<br />

5 erwachsene Personen<br />

oder mehr<br />

Gegenstände und<br />

Hilfsmittel, für deren<br />

Unterbringung<br />

ein Großraumtaxi<br />

erforderlich ist<br />

bei Abfahrt am<br />

Flughafen Tegel<br />

5,00€ 5,00€<br />

- 5,00€<br />

0,50€ 0,50€<br />

sperriges Gepäckstück 1,00€ 1,00€<br />

Kartenzahlung 1,50€ entfällt<br />

Coupon- und<br />

Rechnungsfahrt<br />

1,50€ 1,50€<br />

Wartezeitunterdrückung 1 min 1 min<br />

Wartezeit je Minute<br />

(nach der 1. Minute)<br />

0,50€ 0,60€<br />

Zu guter Letzt ein praktischer Punkt,<br />

der auf Empfehlungen der Taxameterwerkstätten<br />

und des Eichamts zurückgeht und<br />

Probleme bezüglich des Austauschs und der<br />

Umprogrammierung der Taxameter behebt:<br />

Die Verordnung soll nicht mehr einen Tag<br />

nach Veröffentlichung in Kraft treten,<br />

sondern künftig zu einem festen Termin,<br />

frühestens drei Wochen nach Veröffentlichung.<br />

Die <strong>Taxi</strong>uhren sollen nicht mehr 28<br />

Tage, sondern sieben Tage nach Inkraftsetzung<br />

der Verordnung auf den neuen Tarif<br />

umgestellt sein müssen. <br />

ar<br />

FOTO: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

12 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


TAXI-GREMIUM<br />

RIDE-HAILING IST NICHT RIDE-SHARING<br />

Hailing heißt hageln. Uber, Didi und moovel wollen, dass es Profit hagelt.<br />

Die Aktienbewertung von Uber<br />

liegt bei über 40 Milliarden Dollar.<br />

Da kann niemand mehr von<br />

einem öffentlichen Dienst oder gar einer<br />

sozialen Mission sprechen. Denn nur das<br />

verdient den Namen „Ride-sharing“, wie<br />

z. B. die klassische Mitfahrzentrale. Die<br />

„Mitfahrunternehmen“, wie sie sich selbst<br />

nennen, betreiben auf Profit orientiertes<br />

„Ride-hailing“, auch als „Ride-Booking“<br />

bezeichnet.<br />

Der US-amerikanische Ride-Haling-<br />

Riese Uber teilt sich gerade die Welt mit<br />

dem chinesischen Rivalen Didi auf. In<br />

China hat Didi sich im letzten Jahr durchgesetzt<br />

und die chinesische Niederlassung<br />

von Uber übernommen. Doch der Kampf<br />

um Marktanteile im Rest Asiens und in der<br />

ganzen Welt geht weiter.<br />

Didi wurde drei Jahre später als Uber<br />

gegründet, hat aber bereits 60 Millionen<br />

Nutzer mehr als Uber und seit Juli 2017<br />

über 4 Milliarden Dollar mehr Kapital.<br />

Auch die Investorenliste von Didi ist ein<br />

wenig illustrer als die des US-amerikanischen<br />

Rivalen. Hier ein Auszug: Apple,<br />

Alibaba, Tencent, SoftBank, Foxconn. Zum<br />

Vergleich ein Auszug aus Ubers Investorenliste:<br />

Citigroup, Fidelity, Goldman Sachs,<br />

Microsoft, Morgan Stanley, Jeff Bezos.<br />

WIRD DIDI MOOVEL SCHLUCKEN?<br />

Die Expansion von Didi ist erfolgreicher,<br />

weil die Chinesen, anders als Uber, Konkurrenten<br />

nicht verdrängen, sondern Beteiligung<br />

an lokal führenden Ride-Haling-<br />

Anbietern anstreben.<br />

Und bei uns? Irgendwie fliegt Daimler<br />

immer knapp unter dem Radar. Die Mobilitäts-App<br />

„moovel“ sowie zahlreiche<br />

Beteiligungen und Kooperationen (z.B.<br />

mit Via) zeigen aber, dass der Konzern in<br />

Deutschland und Europa gerne die Rolle<br />

von Uber oder Didi spielen würde. Wer eine<br />

Mobilitäts-App will, die Verkehrsangebote<br />

im öffentlichen Verkehrsinteresse vernetzt<br />

, sollte Kooperationen von BVG und Mercedes<br />

kritisch sehen. Kommt der schwäbische<br />

Autobauer bei uns zum Zug, dann besteht<br />

die große Gefahr, dass wir es am Ende doch<br />

mit Uber oder Didi zu tun bekommen. Denn<br />

moovel dürfte für diese Giganten bestenfalls<br />

ein Übernahmekandidat sein.<br />

Fazit: Keine Mobilitäts-App ohne taxi.eu!<br />

Bei moovel ist nur die Eigenmarke mytaxi<br />

integriert. Und als BVG-Partner taugt nur<br />

das <strong>Taxi</strong>gewerbe, nicht „BerlKönig“. sb<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

13


FLUGHAFEN<br />

SCHRANKEN<br />

SOLLEN DIE<br />

TXL-„KLAUER“<br />

AUSSPERREN<br />

Die Flughafengesellschaft und die <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>verbände unternehmen einen weiteren<br />

Versuch, um den Fahrgastklau am Flughafen<br />

Tegel zu unterbinden. Die Taxen-Organisation<br />

wird technischer – und teurer.<br />

Bei einem Gespräch zwischen der<br />

Flughafengesellschaft, dem <strong>Taxi</strong>-<br />

Gremium <strong>Berlin</strong> und dem LABO im<br />

<strong>April</strong> wurden umfangreiche Veränderungen<br />

angedacht, um die „Klauerei“ künftig<br />

wirksamer zu unterbinden. Zahlreiche<br />

Schranken könnten an den Zufahrten zu<br />

den Wartebereichen aufgebaut werden.<br />

Die „Palette“ wird so umgestaltet, dass<br />

sich die Kollegen nicht mehr hintereinander,<br />

sondern in Parkbuchten aufstellen.<br />

Ein modernes Registrierungssystem wird<br />

die Wartezeit anzeigen. Technisch ist dazu<br />

ein Transponder nötig. Über zukünftige<br />

Durchfahrtskosten gibt es noch keinen<br />

konkreten Beschluss, die Tendenz geht<br />

aber in Richtung ein bis zwei Euro pro<br />

Durchfahrt. Die neuen Regelungen sollen<br />

ab August gelten, wenn die notwendigen<br />

baulichen Maßnahmen abgeschlossen sind.<br />

„Innungs“-Vorstand Rolf Feja erhofft sich<br />

von den Plänen eine spürbare Verbesserung:<br />

„Es ist dann nicht mehr möglich,<br />

sich außerhalb der Nachrücken bereitzustellen.<br />

Alle Zufahrten sind nur noch über<br />

die Schranke mit Transponder zu befahren.<br />

Kein ‚Klauer’ kann sich mehr vor den Gates<br />

bereitstellen.“<br />

TVB-Chef Detlev Freutel lobt die konstruktive<br />

Zusammenarbeit mit der Flughafengesellschaft<br />

bei den Gesprächen. Früher<br />

sei das nicht immer so einfach gewesen.<br />

Die aktuellen Transponder seien für das<br />

künftige System ungeeignet, er sei aber<br />

froh über das Erreichte: „Kein Fahrer<br />

soll mich mehr anmotzen, wir Verbände<br />

würden nichts tun.“<br />

Auch <strong>Taxi</strong>-Deutschland-Vorstand Ertan<br />

Ucar kann mit dieser Lösung gut leben.<br />

„Pro Tag haben uns die ‚Kollegen’ 1.000<br />

Fahrten geklaut, das wird dann nicht mehr<br />

möglich sein. Und auch die vielen Fahrzeuge<br />

mit Uber-App können sich nicht<br />

mehr unerlaubt direkt an den Terminals<br />

bereitstellen.“<br />

Über zukünftige<br />

Durchfahrtskosten<br />

gibt es noch keinen<br />

konkreten Beschluss.<br />

Noch sind die besprochenen Maßnahmen<br />

nicht endgültig beschlossen, eine Zustimmung<br />

der Flughafen-Geschäftsführung<br />

gilt aber als sicher. Zuletzt hatte man im<br />

Februar 2017 eine Neuregelung der Flughafenverordnung<br />

getroffen, doch das große<br />

Ziel, damit die unehrlichen Kollegen vom<br />

„Fahrgastklau“ abzuhalten, konnte nicht<br />

erreicht werden. Die ehrlichen Kollegen<br />

hatten allen Grund, wütend zu sein, denn<br />

in einer Schicht machen die ‚Klauer’ das<br />

Doppelte an Kasse.<br />

Vor der Verordnung war die Erlaubnis für<br />

vorbestellte <strong>Taxi</strong>s, vor jedem Flugsteig zu<br />

laden, das Einfallstor für die „Klauer“, die<br />

sich das Warten und die Gebühren sparen<br />

wollen. Ihre routinemäßige Behauptung,<br />

die soeben von ihnen am Gate angesprochenen<br />

Fahrgäste hätten sie vorbestellt, war<br />

angeblich nicht widerlegbar, Beobachtungen<br />

durch <strong>Taxi</strong>fahrer laut Behörden „nicht<br />

gerichtsfest“.<br />

Also hoffte man im Februar 2017, mit neu<br />

festgelegten Ladezonen, einem Parkplatz<br />

für vorbestellte Abholer in der Mitte des<br />

Innenrings, Schranken und QPark-Chipkarten<br />

für Ordnung zu sorgen. Für die<br />

ehrlichen Kollegen, die tatsächlich vorbestellte<br />

Kunden abholten, wurde es dadurch<br />

umständlicher.<br />

Die „Klauer“ jedoch beeindruckt die<br />

aktuelle Regelung wenig. Die als Aufsicht<br />

zuständigen Apcoa-Mitarbeiter kontrollieren<br />

zwar regelmäßig, wirksam einschreiten<br />

darf aber nur die Polizei, doch die hat meist<br />

Wichtigeres zu tun. Auch Kontrollen des<br />

LABO sind mangels Personal mehr geworden,<br />

aber immer noch nicht ausreichend.<br />

Wo also Regeln keine Wirkung zeigen,<br />

muss nun Technik helfen. Bemerkenswert<br />

ist, dass ein Flughafen, der offiziell nur<br />

noch zwei Jahre offen bleibt, noch einmal so<br />

massiv investiert. Weil die Kosten umgelegt<br />

werden, steigt der Preis pro Ladevorgang<br />

auf das Vierfache. Das ist heftig, rechtfertigt<br />

aber nicht die Anfeindungen gegenüber<br />

den Verbandsvorständen, die unmittelbar<br />

nach Bekanntwerden der neuen Planungen<br />

vor allem in den <strong>Taxi</strong>-Facebook-Gruppen zu<br />

lesen waren. Man sollte diesem Konzept<br />

zunächst einmal eine Chance geben, bevor<br />

man es gleich wieder ablehnt. wh/hs<br />

ZEICHNUNG: Antje Würdemann<br />

14 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


FLUGHAFEN<br />

Mehr Freiheit: Künftig kann man die Palette zwischendurch verlassen.<br />

AUTO WASCHEN<br />

WÄHREND DER WARTEZEIT<br />

Warten, Laden, entladen, abholen. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> zeigt, was sich ab<br />

August ändern könnte und wo Schranken aufgestellt werden sollen.<br />

FOTO: Simi / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Damit nur noch Kollegen nach Durchfahren der Palette<br />

Fahrgäste aufnehmen können, wird die <strong>Berlin</strong>er Flughafengesellschaft<br />

in den nächsten Monaten Baumaßnahmen<br />

mit Schranken und digitaler Technik sowohl auf der Palette als<br />

auch an den Terminals umsetzen.<br />

Warten auf der Palette: Die größte optische und organisatorische<br />

Veränderung wird es am Nachrückbereich N1 geben,<br />

auch Palette, Platte oder Hauptspeicher genannt. Bei Einfahrt an<br />

der Schranke erhält jedes <strong>Taxi</strong> eine Warteposition, vergleichbar<br />

der Anmeldung in einem Sektor. Über den Transponder wird die<br />

<strong>Taxi</strong>nummer registreiert. Der Fahrer bekommt auf einem großen<br />

Monitor die ungefähre Wartezeit mitgeteilt. Er muss dann nicht<br />

mehr Schlangestehen, denn die Parkbuchten werden so eingerichtet,<br />

dass die Taxen die Platte zwischendurch verlassen können,<br />

beispielsweise zum Tanken oder Waschen. Sie behalten ihre<br />

Position in der Wartefolge, wenn sie rechtzeitig zurückkehren.<br />

Schließlich gibt der Monitor das Signal zum Verlassen der Palette<br />

durch die Ausfahrtschranke.<br />

Nachrücken: Der Kollege fährt von der Palette in den Innenring<br />

zum dreispurigen Nachrückspeicher vor den Flugsteigen 4<br />

bis 5 (N3). Auch dieser Bereich wird mit Schranken abgesperrt,<br />

die nur öffnen, wenn der Transponder vorher das Verlassen der<br />

Palette registriert hat.<br />

Einladen: Die doppelkantige Ladeleiste auf Höhe 6 bis 9 bleibt<br />

KEINE HALTE MEHR VOR TERMINAL E<br />

Der Ladebereich vor Terminal E, am Außenring links<br />

neben der Ausfahrt vom Innenring gelegen, wird komplett<br />

aufgehoben. Er ist unübersichtlich und zu anfällig<br />

für Schummeleien und Verkehrschaos.<br />

bestehen. Sie wird vom Nachrückbereich 4-5 angefahren und ist<br />

künftig der einzige Ladebereich für Taxen am Flughafen zum<br />

Bereithalten. Vor dem Terminal C, der wenig beliebten „Baracke“<br />

nördlich des Außenrings, wird ebenfalls eine Schranke montiert.<br />

Dadurch werden ab August nur noch freie Taxen Zufahrt haben.<br />

Aktuell ist die Zufahrt noch ohne Schranke, während daneben<br />

am Eingang zum Privatparkplatz eine Schranke steht. Das führt<br />

nahezu minütlich dazu, dass Privatautofahrer, Mietwagenfahrer,<br />

Diplomaten und andere Unberechtigte hier beim Anblick<br />

der Schranke geradezu reflexartig nach links auf die <strong>Taxi</strong>spur<br />

ausweichen.<br />

Ausladen: Im Innenring wird die zweispurige Zone auf Höhe<br />

der Flugsteige 1 bis 2 (bisher <strong>Taxi</strong>-Nachrückplatz N2) zum Ausladebereich.<br />

Hier darf jeder, auch Privat- oder Mietwagenfahrer, seine<br />

(Fahr-)Gäste aussteigen lassen. An der Zu- und Abfahrt wird je<br />

eine Schranke montiert. Wer nach höchstens fünf Minuten wieder<br />

abfährt, muss nichts bezahlen. Danach kostet es Parkgebühren.<br />

Das gleiche geschieht mit dem Bereich auf Höhe der Flugsteige 10<br />

bis 14 sowie rechts neben der Haupthalle am Terminal B.<br />

Wer also ab August mit dem <strong>Taxi</strong> Fahrgäste zum Flughafen Tegel<br />

bringt, wird problemlos die Entladezonen nutzen können, wenn er<br />

nach spätestens fünf Minuten wieder wegfährt. Für abfliegende<br />

<strong>Taxi</strong>fahrgäste am Terminal C wird es unbequemer, denn durch den<br />

Wegfall der Ausladezone am Terminal C müssen sie künftig vor<br />

Terminal B abgesetzt werden. Die Fluggäste müssen von dort den<br />

Fußgängerweg mit Treppe oder Aufzug zum Terminal C nehmen.<br />

Abholung von Vorbestellungen: Der jetzige Wartebereich auf<br />

dem etwas tiefergelegten inneren Parkplatz des Innenrings wird<br />

weiterhin für „Reservierungen“ zehn Minuten gratis zur Verfügung<br />

stehen. Danach werden die normalen Parkgebühren fällig.<br />

Wie schon jetzt wird die Fläche also Fahrern dienen, die ihre<br />

Gäste im Gebäude abholen. Ihr Weg wird – das bleibt der große<br />

Wermutstropfen – mitunter lang sein, besonders, wenn die Fluggäste<br />

am Terminal C landen. <br />

ar<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

15


POLITIK<br />

14.3.<strong>2018</strong>: Bundespräsident Walter Steinmeier (rechts) ernennt Kanzlerin Angela Merkel und ihre 15 Ministerinnen und Minister.<br />

Werden sie die Personenbeförderung deregulieren?<br />

VORSICHT VOR DEN PLÄNEN<br />

DIESER BUNDESREGIERUNG<br />

Seit dem 14. März hat Deutschland wieder eine Bundesregierung. Man<br />

hat sich viel vorgenommen, unter anderem eine Änderung des PBefG.<br />

Das <strong>Taxi</strong>gewerbe muss mit dem Schlimmsten rechnen.<br />

Sätze wie „Wir werden das Personenbeförderungsgesetz<br />

mit Blick<br />

auf neue digitale Mobilitätsangebote<br />

modernisieren“ oder „Neue plattformbasierte<br />

digitale Mobilitätsangebote<br />

brauchen eine rechtssichere Grundlage für<br />

ihre Zulassung“ geben eine Ahnung, was<br />

am Ende mit den angekündigten Änderungen<br />

gemeint sein könnte. Von „geänderten<br />

Mobilitätsbedürfnissen“ ist die Rede. Aus<br />

dem Papier geht nämlich hervor, dass die<br />

einschlägigen Gesetze, die Anbietern wie<br />

Uber und Co., aber auch Daimler und Moia<br />

bislang Probleme machten, so weit geändert<br />

werden sollen, bis diese Geschäftsmodelle<br />

legalisiert sein könnten.<br />

Diese Modelle werden mit verschiedenen<br />

Begriffen umschrieben: „neue, digitale<br />

Mobilitätsangebote; neue, plattformbasierte<br />

Verkehrsdienstleister; Fahrgemeinschaften<br />

(Ride Pooling), geteilte Nutzung“ –<br />

der Begriff „shared economy“ wird damit<br />

anscheinend umgangen – und sogar: „digital<br />

organisierte private Mitfahrgelegenheiten“.<br />

Für die Rechtsänderung sind „Öffnung<br />

des Rechtsrahmens“, „Modernisierung des<br />

Personenbeförderungsgesetzes“ u. ä. die<br />

Sprachregelungen.<br />

Beabsichtigt ist recht deutlich eine<br />

Deregulierung des Marktes. Dabei sollen<br />

die Kommunen eine Steuermöglichkeit<br />

bekommen, also ihre Genehmigungshürden<br />

uneinheitlich abbauen können. Die<br />

neue Regierung möchte ausgerechnet dabei<br />

angeblich ein „level playing field“ (wortwörtlich)<br />

schaffen – ein Begriff, den Uber in<br />

den USA selber prägte, und den man auch<br />

mit „gleichen Wettbewerbsbedingungen“<br />

hätte übersetzen können – welche Interessengruppen<br />

da soufflierten, muss wohl<br />

nicht weiter kommentiert werden.<br />

BELASTENDE REGELN?<br />

Damit ist im Wesentlichen eine Deregulierung<br />

des <strong>Taxi</strong>- und Mietwagenmarktes<br />

gemeint, denn das geht aus der Formulierung<br />

„regulatorische Entlastung“ hervor,<br />

von der „sowohl der <strong>Taxi</strong>- wie auch der<br />

Mietwagenbetrieb profitieren“ soll. Bis<br />

hierhin könnte man es so lesen: Es wird<br />

sich etwas ändern. Aber was? Eine Ahnung<br />

von der Motivation und dem zu erwartenden<br />

Ergebnis könnte folgendes Zitat geben:<br />

„Neue plattformbasierte digitale Mobilitätsangebote<br />

brauchen eine rechtssichere<br />

Grundlage für ihre Zulassung.“<br />

Anscheinend ist man sich hier aber<br />

bewusst, dass es auch unerwünschte<br />

Nebenwirkungen der Deregulierung von<br />

Märkten geben kann. Zwar wird erwähnt,<br />

dass „gute soziale Rahmenbedingungen“<br />

für die Koalition „zentrale Voraussetzung“<br />

sein sollen, aber auch diese Verantwortung<br />

reicht man nach unten an die Gemeinden<br />

durch. Die Verantwortung für die Lösung<br />

der drohenden Probleme wird auf die „Nahverkehrspläne“<br />

(§ 8 PBefG), und damit auf<br />

die schon jetzt oft unterbesetzten Genehmigungsbehörden<br />

abgewälzt: „Im Personenbeförderungsgesetz<br />

werden wir klarstellen,<br />

dass über die Nahverkehrspläne<br />

soziale Standards zum Schutz der Beschäftigten<br />

sowie qualitative und ökologische<br />

Standards auch für eigenwirtschaftliche<br />

Verkehre gelten.“<br />

Den „neuen Anbietern“ wird noch in<br />

anderer Weise großzügig geholfen. An<br />

mehreren Stellen ist sinngemäß von „Big<br />

Data“ die Rede. Öffentlich gewonnene<br />

„Mobilitätsdaten, Geo- und Wetterdaten“<br />

sollen – mit der Kraft des Steuerzahlers<br />

geschürft – in einer „mCloud“ in Zukunft<br />

„Startups und Mobilitätsanbietern eine<br />

zentrale Plattform bieten“.<br />

Die neue Regierung beabsichtigt außerdem<br />

die Schaffung einer „digitalen Mobilitätsplattform“,<br />

die die Einführung eines<br />

bundesweiten e-Tickets ermöglicht. Die<br />

Daten von Autos, ÖPNV, E-Bikes, Car- und<br />

Ride Sharing sowie Ruftaxen sollen in<br />

Echtzeit gesammelt und von allen Verkehrsträgern<br />

in einem Informationssystem<br />

ausgetauscht werden können.<br />

rh<br />

FOTOS: Bundesregierung<br />

16 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


Zu Beginn demonstrierten die Wiener Kollegen noch im Konvoi,<br />

später mischten sich immer mehr Privatwagen unter die Taxen.<br />

In Hamburg hatten die <strong>Taxi</strong>fahrer klare Botschaften auf ihre <strong>Taxi</strong>s<br />

geklebt.<br />

DEMONSTRATIVE EINIGKEIT<br />

Von Hamburg bis Istanbul haben in den letzten Wochen <strong>Taxi</strong>kollegen<br />

protestiert. Die Wut richtet sich gegen Uber und konzerngesteuerte<br />

Ride-Sharing-Anbieter.<br />

FOTOS: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen fanden Wien und<br />

Hamburg unabhängig voneinander große <strong>Taxi</strong>demos<br />

statt. Den Anfang machten 1.200 Wiener Kollegen. Veranstalter<br />

war der Global <strong>Taxi</strong>verein, aufgerufen und eingeladen<br />

wurde über Facebook, in Whats-App-Gruppen und über Handzettel.<br />

Teilgenommen haben neben <strong>Taxi</strong>unternehmern auch zahlreiche<br />

Fahrer, mehrheitlich türkischer Herkunft. Mit konkreten<br />

Forderungen hielt sich die Gruppe allerdings zurück. Nur vereinzelt<br />

und auf Eigeninitiative waren ein paar Plakate zu sehen, auf<br />

denen gegen Uber protestiert wurde.<br />

Leider verpuffte die Wirkung der Demofahrt, weil die Polizei<br />

einen geschlossenen Zug ohne Unterbrechung untersagte und die<br />

Kollegen so an jeder roten Ampel warten mussten. Der Zug wurde<br />

dadurch unnötig in die Länge gezogen und vermischte sich mit<br />

etlichen Privatautos. Am Zielpunkt musste dann sogar die geplante<br />

Schlusskundgebung abgesagt werden.<br />

Besser machten es einen Tag später rund 300 Hamburger Kollegen.<br />

Hier waren – anders als in Wien – auch die Verbände und<br />

<strong>Taxi</strong>zentralen mit im Boot. Dieser Protest hatte eine klare politische<br />

Botschaft, die sich an die Hamburger Behörde für Wirtschaft,<br />

Verkehr und Innovation und gegen die Volkswagen-Tochter Moia<br />

richtete. Moia hat in Hamburg rund 1.000 Mietwagenkonzessionen<br />

beantragt, mit denen per Sondergenehmigung sogenannte Ride-<br />

Sharing-Dienste angeboten werden sollen.<br />

Christian Brüggmann, 1. Vorsitzender der Hamburger Taxenunion,<br />

forderte die Behörde während der Schlusskundgebung auf,<br />

den Antrag nur für 100 Fahrzeuge zu genehmigen. „Wir haben<br />

überhaupt nichts gegen einen fairen Wettbewerb. Wenn allerdings<br />

zu den rund 3.000 <strong>Taxi</strong>s in der Stadt bis zu 1.000 Fahrzeuge eines<br />

neuen Anbieters zugelassen werden, der keine Pflichten hat, dann<br />

ist die Existenz der Hamburger <strong>Taxi</strong>-Unternehmer bedroht. Das<br />

dürfen wir nicht zulassen.“<br />

Proteste gab es auch in anderen europäischen Großstädten.<br />

In Athen demonstrierten Anfang März hunderte von <strong>Taxi</strong>fahrern<br />

gegen die „Invasion“ von Uber und Beat, einer <strong>Taxi</strong>-App, die<br />

mittlerweile zum Daimler-Konzern gehört. In Istanbul hat eine<br />

Gewerkschaft Klage gegen Uber eingereicht. Dutzende <strong>Taxi</strong>fahrer<br />

versammelten sich an jenem Tag hupend vor dem Gerichtsgebäude.<br />

In <strong>Berlin</strong> hatte eine Facebook-Gruppe eine <strong>Taxi</strong>demo für den 21.<br />

März angemeldet, diese aber wieder abgesagt. <br />

jh, prh<br />

ZOLL KONTROLLIERT IN GANZ DEUTSCHLAND<br />

Am 2. März rückten bundesweit insgesamt 2.500 Zollbeamte<br />

aus und kontrollierten <strong>Taxi</strong>fahrer und Betriebe.<br />

Unmittelbar wurden in 21 Fällen Ermittlungsverfahren<br />

gegen Arbeitgeber und -nehmer eingeleitet. Hier fanden<br />

die Kontrolleure Hinweise auf Unterschreitungen des<br />

Mindestlohns sowie gegen sozialversicherungsrechtliche<br />

Meldepflichten und das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen.<br />

Auch in <strong>Berlin</strong> wurde kontrolliert. „Insgesamt 124<br />

Beschäftige der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS)<br />

des Hauptzollamtes <strong>Berlin</strong> (dazu kamen 100 Bedienstete<br />

anderer Behörden) führten an 31 Standorten in <strong>Berlin</strong><br />

Kontrollen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz<br />

durch“, bestätigte der Zoll gegenüber <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>. „Dabei<br />

wurden 284 Personenbefragungen durchgeführt und 231<br />

Firmen erfasst. Die Anzahl der Sachverhalte, die weitere<br />

Prüfungen durch die FKS erfordern, beläuft sich auf 101;<br />

davon 84 Anhaltspunkte für mögliche Mindestlohnverstöße.“<br />

jh<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

17


TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

RIDE-SHARING KANN DAS<br />

BERLINER TAXI AUCH<br />

Luftverschmutzung und Digitalisierung erfordern neue<br />

Mobilitätskonzepte. <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> kämpft dafür, dass die <strong>Taxi</strong>fahrer dabei<br />

nicht auf der Strecke bleiben.<br />

Städtische Mobilität ist neben dem eigenen Auto, Fahrrad<br />

oder Roller von den öffentlichen Verkehrsmitteln geprägt.<br />

BVG und S-Bahn befördern die große Masse, das <strong>Taxi</strong> fährt<br />

individuell und exklusiv – als wichtige Ergänzung der öffentlichen<br />

Verkehrsmittel. Wenn der Bus nachts im Betriebshof steht, wenn<br />

die S-Bahn ausfällt, wenn die U-Bahn-Fahrt abends als zu gefährlich<br />

betrachtet wird, wenn es schnell gehen muss, das Gepäck zu<br />

schwer ist oder die Füße zu müde sind, war und ist das <strong>Taxi</strong> eine<br />

gute Alternative. Diese Symbiose zwischen dem Linienverkehr<br />

und dem <strong>Taxi</strong> hat sich jahrzehntelang bewährt.<br />

Im Zeichen der Smartphones und der damit einhergehenden<br />

Digitalisierung haben sich in den letzten Jahren viele Alternativen<br />

eröffnet. Den Anfang machten die niedlichen Smarts oder die<br />

kleinen Minis, in die man überall spontan einsteigen kann und<br />

sich zum Minutenpreis (im Innenstadtbereich) selbst zum Ziel<br />

fahren kann. Dann probierte es eine Zeitlang ein amerikanischer<br />

App-Vermittler, der den Beförderungswunsch an Privatfahrer<br />

vermittelte. Jenes UberPOP war die erste große Gefahr für die<br />

<strong>Taxi</strong>branche, denn diese Privatchauffeure machten nichts anderes<br />

als <strong>Taxi</strong>. Nur viel billiger, was ärgerlich war, aber eben auch illegal,<br />

was deshalb auch gerichtlich verboten wurde.<br />

Geklagt hatte 2014 die Genossenschaft <strong>Taxi</strong> Deutschland mit<br />

Unterstützung durch taxi.eu, jener App, die auch bei <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong><br />

im Einsatz ist.<br />

Doch egal, welches Gericht UberPOP verurteilte, der kapitalstarke<br />

US-Vermittler ging sofort in die nächste Instanz. Zwar<br />

wurde UberPOP schon 2015 verboten, doch rechtskräftig wurde<br />

das Urteil erst am 26. Februar <strong>2018</strong>, als Uber die Revision vor<br />

dem höchsten deutschem Gericht BGH endlich zurückzog. 1.278<br />

Tage hatte sich das Verfahren hingezogen, Hunderttausende<br />

Euro gekostet. <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> hatte sich an der Finanzierung dieses<br />

Mammut-Prozesses beteiligt.<br />

NEUE VERKEHRSART?<br />

UberPOP ist Geschichte, doch als UberX gehen die systematischen<br />

Gesetzesübertretungen in <strong>Berlin</strong> weiter. Die Kollegen am<br />

Flughafen Tegel müssen das täglich beobachten. <strong>Taxi</strong> gegen Uber<br />

wird zur Dauerfehde und in dessen Windschatten haben sich<br />

klammheimlich längst andere Wettbewerber platziert, die mehr<br />

und mehr zur echten Konkurrenz für die <strong>Taxi</strong>branche werden.<br />

Ihre Namen: CleverShuttle, Berlkönig, Allygator oder auch Addison<br />

Lee. Ihr Konzept: geteilte Fahrten (Ridesharing). Ihr Prinzip: Rosinenpickerei,<br />

fernab von jeder Wirtschaftlichkeit. Ihr Schlupfloch:<br />

§ 7, Absatz 2 des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG). Jener<br />

Paragraph ermöglicht die Sondergenehmigung einer Personenbeförderung<br />

für vier Jahre zu Versuchszwecken, wenn es sich bei<br />

dieser Art der Beförderung um eine „neue Verkehrsart“ handelt.<br />

Genau das ist es aber nicht. Hermann Waldner, Geschäftsführer<br />

von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> und Vizepräsident des Bundesverbands BZP, bringt<br />

es auf den Punkt: „Zwei Kollegen teilen sich auf der Heimfahrt<br />

ein <strong>Taxi</strong> und Oma nimmt den Enkel mit. Das ist nicht neu, das<br />

gab es immer schon. Neu dagegen ist etwas anderes. Man bestellt<br />

per App und kann sich dadurch auch mit fremden Menschen ein<br />

Fahrzeug teilen.“<br />

Eventuell kann die Fahrt länger dauern, weil zum einen die Vermittlungszeit<br />

ein größeres Zeitfenster bekommt und zum anderen<br />

kleine Umwege in Kauf genommen werden müssen. Dafür wird die<br />

Fahrt billiger. Einem solchen Konzept darf sich das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

FOTO: stock.adobe.com, GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

18 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


City Funk<br />

<strong>Berlin</strong><br />

TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

nicht verschließen, der sich hier anbahnende zusätzliche Markt<br />

darf nicht den Fremdanbietern wie Berlkönig, CleverShuttle etc.<br />

überlassen werden.<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> wird deshalb ebenfalls <strong>Taxi</strong>-Sharing anbieten – integriert<br />

in die Bestell-App taxi.eu. Gespräche mit den Zuständigen<br />

laufen bereits. Die Entwicklung einer solchen Software war sehr<br />

aufwändig. Anders als beim Mietwagen, wo man Festpreise definieren<br />

kann, muss <strong>Taxi</strong>-Sharing den offiziellen Tarif berücksichtigen.<br />

Die Grundgebühr muss auf alle Mitfahrer aufgeteilt werden,<br />

Zuschläge dagegen ebenso wie Fehlfahrten nur dem Verursacher<br />

hinzugerechnet werden, weshalb eine Teilnahme am <strong>Taxi</strong>-Sharing<br />

auch die Hinterlegung eines bargeldlosen Zahlungskontos<br />

voraussetzt.<br />

TAXI-SHARING ÖFFNET DAS TAXI<br />

FÜR NEUE KUNDENGRUPPEN<br />

Aus Sicht Waldners gibt es fünf Gründe, den Sharing-Trend<br />

anzunehmen: „Erstens senkt <strong>Taxi</strong>-Sharing die Einstiegshürde.<br />

Wer nach einer Partynacht nur noch Kleingeld fürs <strong>Taxi</strong> übrig<br />

hat, wird mit dem neuen Angebot nicht auf den Bus warten. Wir<br />

werden damit konkurrenzfähiger.<br />

Zweitens: Besonders junge Menschen und Technik-Affine nutzen<br />

Apps, sie sind auch besonders aufgeschlossen gegenüber neuen<br />

Diensten. Aber auch jüngere Kunden werden mal älter – und so<br />

wächst die Gruppe unserer Fahrgäste. Drittens erproben viele<br />

derzeit die Carsharing-Dienste. Deren Reichweite konzentriert<br />

sich aber meist auf die Ballungsräume. <strong>Taxi</strong> dagegen fährt auch<br />

außerhalb der City – und kann so seine Dienstleistung bei konkurrenzfähigen<br />

Preisen besser darstellen. Viertens schont <strong>Taxi</strong>-<br />

Sharing natürlich die Umwelt. Und ein fünftes Argument lautet<br />

schlichtweg: Wir gehen mit der Zeit!“<br />

Luftverschmutzung und Digitalisierung sind also keine Gefahr<br />

des <strong>Taxi</strong>gewerbes. Vielmehr sind es genau die <strong>Berlin</strong>er Taxen, die<br />

dafür die passenden Lösungen anbieten können – ohne dass dafür<br />

eine Sondergenehmigung ausgesprochen oder der Rechtsrahmen<br />

verändert werden muss.<br />

tt<br />

STATEMENT ZUM URTEIL<br />

ÜBER FAHRVERBOTE<br />

FOTOS: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Am 27. Februar <strong>2018</strong> wies das<br />

Bundesverwaltungsgericht die<br />

Klage der Städte Stuttgart und<br />

Düsseldorf zurück und stelle klar, dass<br />

Kommunen, wenn nötig, zur Einhaltung<br />

der Schadstoffwerte auch Fahrverbote aussprechen<br />

müssen. Ein solches Fahrverbot<br />

würde in erster Linie Dieselfahrzeuge auch<br />

jüngerer Jahrgänge treffen – und damit<br />

auch eine nicht geringe Anzahl aktueller<br />

<strong>Taxi</strong>modelle.<br />

Hermann Waldner, Chef von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>,<br />

machte am Tag des Urteils in Form einer<br />

Pressemitteilung deutlich, dass Mobilität<br />

in <strong>Berlin</strong> ohne <strong>Taxi</strong> undenkbar sei, und<br />

dass sie in Innenstädten besser organisiert<br />

werden könne.<br />

Im Hinblick auf Uber und diverse andere<br />

Sharing-Dienste kritisiert<br />

Waldner, dass in<br />

der Hautstadt „ohne<br />

Not immer mehr Unternehmen<br />

innerhalb des<br />

S-Bahn-Rings zugelassen<br />

werden.“ Das<br />

bringe noch mehr Fahrzeuge auf ohnehin<br />

verstopfte Straßen und trage damit<br />

zu schlechterer Luftqualität bei. „Weitere<br />

Anbieter führen mit zusätzlichen Autos<br />

auch automatisch zu mehr Leerfahrten,<br />

zu mehr Staus und zu mehr Abgasen“,<br />

moniert der Zentralenchef. Eine effektivere<br />

Kontrolle der Angebote wäre ein deutlicher<br />

Beitrag für eine sprichwörtlich bessere<br />

...zu mehr<br />

Leerfahrten, zu<br />

mehr Staus und<br />

zu mehr Abgasen.<br />

„<strong>Berlin</strong>er Luft“. „Anstelle neuer subventionierter<br />

Angebote sollten bestehende Angebote<br />

wie <strong>Taxi</strong> verbessert werden.“<br />

Auch der <strong>Taxi</strong>-Bundesverband BZP nahm<br />

Stellung: Präsident Michael Müller bedauerte<br />

die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts<br />

und wiederholte die Forderung,<br />

die man schon im November letzten<br />

Jahres als Resolution veröffentlichte. Die<br />

<strong>Taxi</strong>branche wolle ihre Dienstleistungen<br />

mit einer möglichst umweltfreundlichen<br />

Fahrzeugflotte erbringen.<br />

„Unser Ziel ist das emissionsfreie<br />

<strong>Taxi</strong>“, formuliert es der BZP in einer<br />

Pressemitteilung. „Für den Durchbruch<br />

der E-Mobilität fordern wir die Kommunen<br />

auf, in Kooperation mit lokalen oder<br />

überörtlichen Energieanbietern eine flächendeckende<br />

und<br />

ausreichende Lade-<br />

Infrastruktur bereitzustellen.<br />

Wichtig ist<br />

dabei: Die Ladestruktur<br />

muss dem gewerblichen<br />

Verkehr vorbehalten<br />

bleiben. Ohne privat und gewerblich<br />

getrennte Netze sind Hürden im täglichen<br />

Betrieb vorprogrammiert.“<br />

Von der Auto-Industrie erwartet Müller<br />

„angemessene finanzielle Anreize für den<br />

Fahrzeugtausch auf emissionsarme <strong>Taxi</strong>s<br />

mit den neuesten Abgas- bzw. umweltfreundlichsten<br />

Antriebstechnologien zu<br />

bezahlbaren Preisen“.<br />

tt<br />

<strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-Chef Hermann Waldner<br />

BZP-Präsident Michael Müller<br />

TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

Persiusstraße 7, 10245 <strong>Berlin</strong><br />

Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20<br />

Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19<br />

E-Mail: info@taxi-berlin.de<br />

www.taxi-berlin.de<br />

Öffnungszeiten Kundencenter<br />

und Technikcenter<br />

Mo, Di, Do, Fr 10.00 bis 17.30 Uhr<br />

Mi 10.00 bis 14.30 Uhr<br />

Geschäftsführer<br />

Hermann Waldner<br />

Presserechtlich verantwortlich für<br />

diese Seite: Hermann Waldner<br />

Redaktion: Axel Rühle (ar)<br />

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

19


ANTRIEB<br />

BERLINS REGIERENDER BÜRGERMEISTER<br />

MICHAEL MÜLLER (SPD):<br />

»MIT DER HYBRID-BENZINER-<br />

FÖRDERUNG GEHT BERLIN<br />

EINEN EIGENEN WEG«<br />

Umweltfreundliche Mobilität ist in<br />

<strong>Berlin</strong> Chefsache. Michael Müller,<br />

<strong>Berlin</strong>s Regierender Bürgermeister,<br />

hat ein Zehn-Punkte-Programm<br />

aufgelegt, das auch Fördermaßnahmen<br />

für <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>s<br />

vorsieht.<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>: Herr Müller, aktuell unterstützt<br />

das Land <strong>Berlin</strong> die Anschaffung<br />

eines Hybrid-<strong>Taxi</strong>s mit 2.500 Euro. Allerdings<br />

muss im Gegenzug das bisherige<br />

Dieseltaxi der Euro-Klassen eins bis fünf<br />

verschrottet werden. Wie viele Förderanträge<br />

sind aktuell bei Ihnen eingegangen?<br />

Michael Müller: Noch sind es wenige,<br />

aber wir stehen ja auch am Anfang. Das<br />

Programm wird erst seit März von der<br />

Investitionsbank <strong>Berlin</strong> (IBB) im Auftrag<br />

des Landes angeboten. So etwas muss sich<br />

erfahrungsgemäß erst herumsprechen.<br />

Umso wichtiger sind Informationsveranstaltungen<br />

wie die Mitte <strong>April</strong> eines <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>verbandes. Ich bin zuversichtlich,<br />

dass die Vorteile mehr und mehr erkannt<br />

werden.<br />

Könnte die Zahl nicht deutlich höher<br />

sein, wenn man auf die Verschrottung<br />

verzichten würde? Kaum ein <strong>Taxi</strong> in <strong>Berlin</strong><br />

ist so heruntergekommen, dass es<br />

weniger als 2.500 Euro wert ist und nur<br />

noch verschrottet werden kann.<br />

Michael Müller: Nun ja, es wäre<br />

wohl kaum verständlich, wenn wir neue<br />

sauberere <strong>Taxi</strong>s mit Steuergeldern fördern,<br />

aber die als <strong>Taxi</strong> ausgemusterten Autos<br />

gleichzeitig weiter unsere Innenstädte<br />

mit NOX-Abgasen verpesten. Die rot-rotgrüne<br />

Landesregierung denkt gerade in<br />

Umweltfragen nachhaltig. Und zu unserer<br />

Förderung kommen ja auch noch die teilweise<br />

hohen Rabatte der Fahrzeuganbieter.<br />

Soweit ich weiß, können sie so in <strong>Berlin</strong> ein<br />

nagelneues Hybrid-<strong>Taxi</strong> für um die 20.000<br />

Euro erwerben. Wichtig war uns, mit der<br />

Hybrid-Benziner-Förderung als Land einen<br />

eigenen Weg zu gehen und ein schnelles<br />

Angebot zu machen. Denn der Bund sieht<br />

Förderungen nur für Plug-In-Hybride und<br />

E-Mobile vor, die für das <strong>Taxi</strong>gewerbe noch<br />

zu unattraktiv sind.<br />

Die Reichweiten diverser E-Modelle<br />

erreichen allmählich Werte, die zumindest<br />

für einen Ein-Schicht-Betrieb ausreichend<br />

sind. Was fehlt, ist aber immer<br />

noch eine ausreichende Lade-Infrastruktur.<br />

Wie unterstützt hier das Land <strong>Berlin</strong><br />

das <strong>Taxi</strong>gewerbe?<br />

Erst einmal ist wichtig, dass wir in der<br />

zweiten Stufe unseres Förderprogramms<br />

als Land <strong>Berlin</strong> auch E-Mobile in gleicher<br />

Höhe fördern wie der Bund. Und ich habe<br />

schon letztes Jahr auf Bundesebene darauf<br />

gedrungen, dass das sogenannte Kumulationsverbot<br />

– also die bisher verbotene<br />

Inanspruchnahme von Bundes- und Landesförderung<br />

– für E-Mobile fällt. Das<br />

wurde uns jetzt zugesagt. Für ein E-<strong>Taxi</strong><br />

kann ein <strong>Taxi</strong>besitzer also zukünftig durch<br />

unser <strong>Berlin</strong>er Engagement beides beantragen,<br />

den Umweltbonus und unsere ergänzende<br />

Landesförderung. Die Eckpunkte<br />

für das Programm wird die Senatswirtschaftsverwaltung<br />

zum nächsten Mobilitätsgespräch<br />

Ende Juni vorstellen. Was die<br />

Lade-Infrastruktur betrifft, haben wir in<br />

unserem Zehn-Punkte-Plan schon 1.000<br />

weitere Ladesäulen zugesagt. Und wer ein<br />

E-Mobil erwirbt, erhält schon seit Langem<br />

passgenaue Förderungen für die Ladesäule.<br />

Interessant für die Branche sind vor<br />

allen Dingen die Schnellladesäulen. Was<br />

tut sich in diesem Bereich?<br />

Wir wissen um den Bedarf und bauen das<br />

Angebot an Schnellladesäulen kontinuierlich<br />

aus, aber es gibt da noch viel zu tun<br />

für die auf uns zukommenden Anforderungen<br />

zum Beispiel des <strong>Taxi</strong>gewerbes. Bisher<br />

gibt es meines Wissens aber auch nur<br />

einige wenige<br />

E-Taxen. Gut,<br />

wenn es durch<br />

unser Förderprogramm<br />

und die<br />

immer besseren Angebote<br />

der Autohersteller<br />

mehr werden. Das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

sollte jetzt in Gesprächen<br />

mit dem Senat einen realistischen<br />

Bedarf nach zusätzlicher<br />

Ladeinfrastruktur anmelden. Vielleicht<br />

kann es dazu schon im Rahmen meines 3.<br />

Mobilitätsgespräches Ende Juni eine Verabredung<br />

geben. Sie können sicher sein:<br />

Dieser Senat tut alles, um saubere Elektromobilität<br />

in unserer Stadt zu ermöglichen.<br />

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts<br />

vom 27. Februar dürfte den Städten<br />

und Kommunen nicht gefallen haben.<br />

Muss man auch in <strong>Berlin</strong> mit Fahrverboten<br />

rechnen?<br />

Fahrverbote sind trotz der hochrichterlichen<br />

Rechtsprechung kein Automatismus.<br />

Aber man kann sie nicht ausschließen.<br />

Ziel unseres Zehn-Punkte-Plans bleibt es,<br />

mit Hilfe der vielen Teilnehmer an meinen<br />

Mobilitätsgesprächen – also auch der<br />

<strong>Taxi</strong>unternehmen – die NOX-Belastung zu<br />

reduzieren und Fahrverbote möglichst zu<br />

verhindern. Aber: Es ist natürlich durch<br />

das Urteil nicht leichter geworden. Wir<br />

müssen weiterhin gemeinsam alles unternehmen,<br />

um die Werte zu senken.<br />

Falls es zu Fahrteinschränkungen<br />

welcher Art auch immer kommt: Darf<br />

das <strong>Taxi</strong>gewerbe dann mit Ausnahmen<br />

rechnen oder sagt das Land dann erbarmungslos:<br />

„Wir haben euch doch schließlich<br />

bei E-<strong>Taxi</strong>s gefördert“?<br />

Wir wissen ganz genau um die Nöte der<br />

Wirtschaftsverkehre. Sollten sich Fahrverbote<br />

durch Klagen an der einen oder anderen<br />

Stelle nicht verhindern lassen, so müssen<br />

20 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


ANTRIEB<br />

»Ich bin zuversichtlich,<br />

dass die Vorteile<br />

mehr und mehr<br />

erkannt werden.«<br />

w i r<br />

sie so<br />

gestalten, dass<br />

der Wirtschaftsverkehr und natürlich<br />

auch die Personenbeförderung weiter überall<br />

in der Stadt möglich sind. Wir wollen<br />

schließlich Versorgung und Mobilität der<br />

<strong>Berlin</strong>erinnen und <strong>Berlin</strong>er weiter gewährleisten.<br />

Aber jeder kann jetzt durch unsere<br />

Förderung und Investitionen in saubere<br />

Fahrzeugtechnik mit dafür sorgen, dass<br />

er nicht dauerhaft auf Ausnahmeregelungen<br />

angewiesen ist. Denn auch da kann es<br />

wieder Klagen geben.<br />

Es gäbe auch noch andere Maßnahmen,<br />

die erheblich zur Luftreinhaltung<br />

beitragen könnten. Studien belegen<br />

beispielsweise<br />

eindrucksvoll,<br />

dass Car- und<br />

Ride-Sharing nicht<br />

– wie immer versprochen<br />

– zu weniger,<br />

sondern zu mehr Verkehr<br />

führen. Trotzdem<br />

wird die Hauptstadt aktuell<br />

mit neuen Mietwagenkonzessionen<br />

und Ride-Sharing-Diensten<br />

überschwemmt. Müsste das Land aus<br />

umweltpolitischer Sicht solche Anträge<br />

nicht ablehnen?<br />

Insgesamt geht es uns erst einmal um<br />

sauberere Mobilität. Mit am Tisch der<br />

<strong>Berlin</strong>er Mobilitätsgespräche saßen zwei<br />

große Carsharer, die auch ihre Fuhrparks<br />

hin zur E-Mobilität orientieren müssen.<br />

Was neue Angebote betrifft, können sie<br />

sicher sein, dass die grün geführten Wirtschafts-<br />

und Verkehrsverwaltungen ganz<br />

genau prüfen, was mit der Genehmigung<br />

zusätzlicher Angebote umweltpolitisch<br />

Sinn macht oder eben nicht. Was aber<br />

generell die Zukunft des Diesels in unseren<br />

Innenstädten betrifft, ist es für mich<br />

auch weiterhin unverständlich, dass die<br />

großen deutschen Automobilbauer sich<br />

standhaft weigern, mit Hardwarelösungen<br />

zu sauberen Dieseln beizutragen. Damit<br />

wäre schon viel geholfen. Da muss der<br />

Druck der Bundesregierung erhöht werden.<br />

Ich mache darauf in jeder Runde als<br />

<strong>Berlin</strong>er Ministerpräsident aufmerksam<br />

– was nicht jedem gefällt. Aber auch ihre<br />

<strong>Taxi</strong>unternehmer wurden von der Automobilindustrie<br />

mit Schummelsoftware<br />

hinters Licht geführt. Deswegen sollten<br />

sich die deutschen <strong>Taxi</strong>verbände klar für<br />

Hardware-Lösungen aussprechen und den<br />

Druck so mit erhöhen.<br />

Zum Schluss noch eine private Frage:<br />

Was wünschen Sie sich als <strong>Berlin</strong>er Fahrgast<br />

von den <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>fahrerinnen<br />

und <strong>Taxi</strong>fahrern?<br />

Das, was ich meistens als Fahrgast<br />

erlebe, wenn ich privat <strong>Taxi</strong> fahre: saubere<br />

<strong>Taxi</strong>s mit freundlichen und sich in <strong>Berlin</strong><br />

auskennenden Fahrerinnen und Fahrern.<br />

Und in Zukunft mehr Mut zu einer umweltfreundlichen<br />

Fahrzeugtechnik. Es ist auch<br />

für den Fahrgast wichtig und gut zu wissen,<br />

dass seine Mobilität so umweltfreundlich<br />

wie möglich ist.<br />

Danke für das Interview.<br />

Hico_04-2016.qxp_Layout 1 06.04.16 10:04 Seite 1<br />

– nur 1x in <strong>Berlin</strong> –<br />

FOTO: Jens Jeske<br />

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TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

21


Gespräch über die Hybrid-Förderung Ende <strong>April</strong> im <strong>Taxi</strong>-Museum in der Persiusstraße.<br />

„ALTE DIESEL-TAXEN<br />

GEHEN MEIST INS AUSLAND“<br />

Eine Info-Veranstaltung zur <strong>Berlin</strong>er Hybrid-<strong>Taxi</strong>-Förderung zeigt, dass<br />

der Senat über die geforderte Abwrackung des alten Diesels noch<br />

einmal nachdenken sollte.<br />

Zur Halbzeit der <strong>Berlin</strong>er E- und Hybridtaxi-Förderung<br />

(betrifft neben Hybrid-Modellen auch E-<strong>Taxi</strong>s) fällt die<br />

Bilanz eher nüchtern aus. Noch keine zehn <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />

haben bisher einen Antrag auf Genehmigung gestellt. In einer<br />

vom <strong>Taxi</strong>-Gremium veranstalteten Info-Veranstaltung Ende <strong>April</strong><br />

wurde auch schnell klar, woran es hapert: Nur wer sein bisheriges<br />

Dieseltaxi verschrottet, bekommt 2.500 Euro Unterstützung für<br />

ein Hybrid-Modell.<br />

Das ist für <strong>Berlin</strong>s <strong>Taxi</strong>gewerbe kein Kaufanreiz, weil die aktuellen<br />

<strong>Taxi</strong>s meist viel mehr wert sind.<br />

Die anwesenden <strong>Taxi</strong>unternehmer regten an, auf den Abwracknachweis<br />

zu verzichten, da viele <strong>Taxi</strong>s sowieso ins Ausland verkauft<br />

würden. Und selbst wenn Sie in Privatbesitz übergehen<br />

würden, würde die „alten Diesel“ viel weniger Kilometer fahren<br />

als im <strong>Taxi</strong>-Einsatz – und somit weniger Stickoxide ausstoßen.<br />

DIE WICHTIGSTEN<br />

TAXITHEMEN<br />

Damit Sie nichts verpassen, schicken wir Ihnen<br />

jede Woche die aktuellen Neuigkeiten aus der<br />

<strong>Taxi</strong>branche als Newsletter.<br />

Jetzt anmelden!<br />

www.taxi-times.taxi/newsletter<br />

LADEINFRASTRUKTUR MUSS DRINGEND<br />

AUSGEBAUT WERDEN<br />

Christine Heuer und Holger Döbling vom IBB Business Team,<br />

die im Auftrag des Senats die Anträge prüfen und bearbeiten,<br />

versprachen, den Einwand bei den zuständigen Politikern nochmal<br />

anzusprechen.<br />

Den Blick auf die elektromobile Zukunft richtete Moderator<br />

Detlev Freutel, als er das Thema Lade-Infrastruktur ansprach. Dr.<br />

Beata Tatarczyk von der Allego GmbH ist für die Aufstellung diverser<br />

Ladesäulen im <strong>Berlin</strong>er Stadtgebiet verantwortlich. E-<strong>Taxi</strong>-<br />

Pioniere wie der <strong>Berlin</strong>er Tesla-Fahrer Martin Doll machten ihr<br />

deutlich, dass E-<strong>Taxi</strong>s nur in Kombination mit einem vernünftigen<br />

Netz an Schnellladesäulen wirtschaftlich betrieben werden<br />

können.<br />

Dr. Tatarczyk bat das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe, eine Liste möglicher<br />

Standorte solcher Schnellladesäulen zusammenzustellen. jh<br />

FOTO: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

22 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


ANTRIEB<br />

Hyundai Ioniq Hybrid im Einsatz<br />

Cockpit mit <strong>Taxi</strong>ausrüstung<br />

Kofferraum mit 443 L. Rauminhalt<br />

PREMIUM ZUM SCHNÄPPCHENPREIS<br />

Mit dem Ioniq Hybrid bringt jetzt auch die koreanische Marke Hyundai<br />

ein taxitaugliches Hybridmodell auf den Markt. Hier ein Fahrbericht.<br />

FOTO: Wilfried Hochfeld / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Nach fast 20 Jahren Erfolgsgeschichte der Toyota-Hybridautos<br />

kommen zunehmend auch andere Hersteller auf die<br />

Idee, Autos wie den Prius zu bauen. Der Hyundai Ioniq<br />

Hybrid ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Bei näherer<br />

Betrachtung ist die Ähnlichkeit aber mehr optischer Natur.<br />

Der Ioniq Hybrid hat als echter Vollhybrid einen Benzinmotor<br />

mit 105 PS und einen Elektromotor mit 44 PS (Systemleistung:<br />

141 PS). Beide Motoren geben ihre Kraft direkt an ein (automatisches)<br />

Doppelkupplungsgetriebe (DSG) und nicht an ein Planetengetriebe<br />

mit CVT wie beim Prius. Die seltsame Drehzahl- und<br />

Geräuschentwicklung entfällt damit. Der Ioniq klingt und fährt<br />

wie jedes andere Auto.<br />

Etwas irritierend ist der Eindruck, dass der Benzinmotor ständig<br />

mitläuft, obwohl am Display reiner Elektrobetrieb angezeigt<br />

wird. Das hört sich aber nur so an, weil der Ioniq zum Schutz der<br />

Fußgänger ständig ein künstlich erzeugtes Fahrgeräusch von sich<br />

gibt. Hinzu kommen Klick- und Schaltgeräusche in verschiedenen<br />

Betriebssituationen, die man nicht weiter beachten muss.<br />

Leistung gibt es reichlich. Das Fahrwerk ist etwas zu hart.<br />

Der Platz für die Fahrgäste geht so. Der Kofferraum ist klein. Die<br />

Vollausstattung des Vorführautos beinhaltet einen elektrisch verstellbaren<br />

Fahrersitz mit Memory-Funktion. Der Beifahrersitz geht<br />

mechanisch. Für ein <strong>Taxi</strong> ist das genial, weil Fahrgäste, die vorne<br />

sitzen, meist mit den elektrischen Stellknöpfen nicht klarkommen.<br />

Trotz der vielen Funktionen sind die Schaltelemente und die<br />

Displays recht übersichtlich. Eine Live-Animation, wie die Energie<br />

gerade fließt, gibt es natürlich auch – und damit den entsprechenden<br />

Gesprächsstoff mit den Fahrgästen.<br />

DAS TAXIGEWERBE WAR HYBRID-VORREITER<br />

Kenntnisse über Hybrid sind noch längst nicht bei der breiten<br />

Masse angekommen. Allerdings hat die Zulassungszahl von Hybridautos<br />

im letzten Jahr um 100 Prozent zugenommen, wie <strong>Berlin</strong>s<br />

Wirtschaftssenatorin Pop auf der diesjährigen Hauptstadtkonferenz<br />

Elektromobilität verlautbarte. Ehrlicherweise nannte sie auch<br />

die absolute Zahl. Es sind 54.000. Das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe hat die<br />

wirtschaftlichen und umweltmäßigen Vorteile des Hybridantriebs<br />

früh erkannt und war Vorreiter in der breiten Nutzung.<br />

Vollausstattung heißt in der Spitzenversion „Premium“ tatsächlich<br />

volles Programm: Ledersitze mit Heizung, Kühlung,<br />

verstellbarer Lordosenstütze, Lenkradheizung, Spurhalteassistent,<br />

Totwinkelwarner, Tempomat, Abstandautomatik, Abstandwarner<br />

rundum, Rückfahrkamera (die Sicht nach hinten ist bescheiden),<br />

Notbremsassistent, selbstverständlich ABS und ASR, zusätzlich<br />

Berganfahrhilfe, mehrere Zwölf-Volt-Steckdosen, AUX- und USB-<br />

Anschlüsse, induktive Handyaufladung etc.<br />

Ablagefächer gibt es einige, aber in keins passt wirklich etwas<br />

rein. Die <strong>Taxi</strong>ausrüstung von Intax ist wie üblich sauber integriert<br />

(Spiegeltaxameter, Funkgerät in einer Hutze auf dem Armaturenbrett,<br />

1A-Folierung). Das Interieur ist unten schwarz (Leder, Kunststoff),<br />

oben hellgrau (Velours). Hier und da gibt es ein paar blaue<br />

Applikationen. Praktisch, dezent, kein teurer Schnickschnack.<br />

Der Hyundai Ioniq Hybrid ist ein chic aussehendes, funktionales<br />

<strong>Taxi</strong> mit gerade ausreichendem Platzangebot. In der Premium-<br />

Version lässt er keine Wünsche offen.<br />

Der Preis für dieses Auto komplett als <strong>Taxi</strong>, überführt und zugelassen,<br />

liegt inkl. der öffentlichen Förderungen netto bei rund<br />

22.000 Euro. Es gibt auch weniger üppige Varianten. Die sind<br />

dann noch günstiger.<br />

Ansprechpartner in <strong>Berlin</strong> für <strong>Taxi</strong>unternehmer ist Herr<br />

Kawatzki von CSB Schimmel Automobile in <strong>Berlin</strong>-Alt-Hohenschönhausen.<br />

<br />

wh<br />

VERKEHRSRECHT BERLIN<br />

Rechtsanwalt Carsten Hendrych<br />

Fachanwalt für Verkehrsrecht<br />

Rechtsanwaltskanzlei<br />

Ruttge • Brettschneider •Tosberg • Hendrych<br />

Nürnberger Straße 49, 10789 <strong>Berlin</strong><br />

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TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

23


KANN BIO-METHAN DEN<br />

VERBRENNER RETTEN?<br />

Ist Bio-Methan der Strohhalm, an dem sich der untergehende<br />

Verbrennungsmotor über Wasser halten kann? Biogaspartner – die<br />

Konferenz sucht eine Strategie.<br />

Methan aus dem Bohrloch ist<br />

schon ein sehr umweltfreundlicher<br />

Stoff, um damit einen<br />

Verbrennungsmotor zu betreiben, denn<br />

es verbrennt zu weit weniger Schadstoffen<br />

als alle anderen fossilen Brennstoffe.<br />

Bio-Methan, also solches, das aktuell aus<br />

organischem Material (Abfällen, eigens<br />

angebautes Grünzeug) hergestellt wurde,<br />

gilt als vollkommen umweltneutral, denn<br />

bei seiner Verbrennung entstehen gerade<br />

so viele Schadstoffe, wie die zu seiner Produktion<br />

verwendeten Biomaterialien zuvor<br />

aus der Atmosphäre entnommen haben.<br />

Das gleiche gilt auch für Holz, Biodiesel<br />

und Bioalkohol. Die üblichen Beimischungen<br />

der Bioprodukte zu den fossilen<br />

WAS IST METHAN?<br />

Methan hat die chemische Formel<br />

CH 4<br />

. Das Molekül besteht also aus<br />

einem Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatomen.<br />

Damit ist es eine der<br />

einfachsten organischen Verbindungen.<br />

Methan ist (unter Normalbedingungen)<br />

ein farbloses Gas, das für<br />

Menschen nicht zu riechen ist. Beim<br />

Verbrennen wird das Methan-Molekül<br />

aufgespalten und reagiert mit dem<br />

Sauerstoff (O 2<br />

) aus der Luft. Dabei<br />

entstehen Kohlen(stoff)dioxid (CO 2<br />

)<br />

und Wasserdampf (H 2<br />

O). Ein Gemisch<br />

Spritsorten wie Super E5 und E10 (E steht<br />

für Ethylalkohol, die Zahl für den prozentigen<br />

Anteil) verringern offiziell rechnerisch<br />

die Schadstoffquote.<br />

Dem fossilen Erdgas wird vielerorts<br />

ebenfalls Bio-Methan beigemischt, was in<br />

diesem Fall chemisch das gleiche ist – aber<br />

offiziell nicht auf die Schadstoffquote angerechnet,<br />

sehr zum Ärger der Autoindustrie.<br />

Die Autohersteller, allen voran Volkswagen,<br />

ringen um jedes Gramm CO 2<br />

, das ihre<br />

Flottenschadstoffquote mindert. Mit dem<br />

Diesel, der gegenüber dem Benziner viel<br />

weniger CO 2<br />

ausstößt, können sie nach dem<br />

Schummelskandal nicht recht argumentieren.<br />

Deshalb versucht man jetzt, mit dem<br />

Nachhaltigkeitsargument zum Bio-Methan<br />

aus Luft und Methan ist explosiv, weil<br />

das bei der Reaktion entstehende<br />

Gasgemisch viel mehr Rauminhalt hat<br />

als das Ausgangs-Gasgemisch. Da bei<br />

der Verbrennung von Methan zudem<br />

viel Energie frei wird, eignet es sich als<br />

Kraftstoff. Obwohl das entstehende<br />

CO 2<br />

ein Treibhausgas ist und den Klimawandel<br />

befördert, gilt das Verbrennen<br />

von Methan als umweltfreundlich<br />

im Vergleich zu Diesel oder Benzin,<br />

da ansonsten keinerlei Schadstoffe<br />

entstehen. ar<br />

die fast schon aufgegebene Produktion von<br />

Erdgas-Autos wieder anzukurbeln – und<br />

die Anrechnung des beigemischten Bio-<br />

Methans auf die Schadstoffquote herbeizureden.<br />

Die Bio-Methan-Produzenten und<br />

alle, die damit Geld verdienen, unterstützen<br />

das natürlich.<br />

Fakt ist, dass Methan, egal, ob „Bio“ oder<br />

aus der Erde, der sauberste breit verfügbare<br />

Kraftstoff für Verbrennungsmotoren ist.<br />

Fakt ist aber auch, dass der Erdgasantrieb<br />

in zwanzig Jahren – trotz intensiver Förderung<br />

mit Geld und Argumenten – nicht aus<br />

seiner Nische herausgekommen ist.<br />

Womit wurde das immer begründet?<br />

Zu teuer, zu wenig Tankstellen, zu wenig<br />

Reichweite. Kommt einem irgendwie<br />

bekannt vor im Zusammenhang mit der<br />

genauso schlecht anlaufenden Elektromobilität<br />

im Auto. Wie steht der Erdgasbetrieb<br />

jetzt da? Die Autos sind kaum noch<br />

teurer als andere Verbrenner. Im Vergleich<br />

zu Elektroautos sind sie geradezu<br />

ein Schnäppchen. Das Tankstellennetz ist<br />

erträglich, und das Tanken geht gewohnt<br />

schnell. Die Reichweite ist weit größer als<br />

bei den aktuellen E-Autos. Aus Sicht des<br />

Verbrauchers spricht mehr für ein Methan-<br />

Auto als für ein E-Auto.<br />

Ob da eine Öffentlichkeitskampagne für<br />

nachhaltiges Bio-Methan hilft? Die Bio-<br />

Methan-Hersteller und die Autoindustrie<br />

stehen bereit. Zumindest VW will wieder<br />

mehr Erdgasautos anbieten. Bio-Methan<br />

steht in großen Mengen zur Verfügung,<br />

sagen die Hersteller. Wobei „Bio“ und<br />

FOTO: Volkswagen AG<br />

24 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


ANTRIEB<br />

Methan als Autokraftstoff nur die halbe<br />

Wahrheit ist.<br />

Alles Methan, das nicht aus dem Bohrloch<br />

kommt, wird großzügig dem Begriff<br />

„Bio“ zugeordnet. Methan wird – unter Mithilfe<br />

von Bakterien und Enzymen – aus der<br />

Zersetzung von allen möglichen biologischen<br />

Materialien, idealerweise Abfällen,<br />

gewonnen. Insofern stimmt „Bio“. Aber<br />

Methan fällt auch bei großtechnischen Prozessen<br />

der chemischen Industrie an, bei<br />

denen Bazillen und Fermente keine Rolle<br />

spielen, sondern Druck und Temperatur.<br />

Dieses Methan ist bestenfalls „nicht fossil“<br />

– aber auch nicht wirklich „Bio“.<br />

Bio-Methan wird vordergründig auch<br />

nicht dafür produziert, um es als Kfz-Kraftstoff<br />

zu verwenden, oder um es in das Erdgasnetz<br />

einzuspeisen. Das hätte wirtschaftlich<br />

wenig Sinn, denn seine Produktion ist<br />

teurer als der Bezug von fossilem Erdgas.<br />

Bei der Bio-Methanproduktion geht es um<br />

die nutzbringende Beseitigung bestimmter<br />

biologischer Abfälle, die man sonst für<br />

viel Geld anderweitig entsorgen müsste.<br />

Die Erprobung solcher Verfahren in mehr<br />

oder weniger großen Anlagen wird öffentlich<br />

gefördert.<br />

Wer es schafft, auf diese Weise Bio-<br />

Methan in größerer Menge herzustellen,<br />

stellt sich dann auch gern noch einen<br />

Generator neben seine Biogasanlage und<br />

veredelt sein Bio-Methan zu elektrischem<br />

Strom. Mit dessen Einspeisung in das<br />

Stromnetz lässt sich nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz<br />

(EEG) gutes Geld<br />

verdienen. Zukünftig wird Methan als<br />

Speichermedium für überschüssigen „grünen“<br />

Strom sicher auch ohne Förderung<br />

wirtschaftlich eine Rolle spielen. So wird<br />

jedenfalls in Fachkreisen diskutiert.<br />

Solche Details werden den Otto-Normal-<br />

Verbraucher nur verwirren. „Bio“ klingt<br />

gut. Lassen wir die Produzenten nicht-fossilen<br />

Methans ruhig ihr Image verbessern.<br />

Wenn dadurch auch die Lage des Erdgas-<br />

Antriebs von Autos verbessert wird, soll<br />

es dem <strong>Taxi</strong>gewerbe recht sein. Uns muss<br />

man die Vorzüge von Methan-Autos nicht<br />

erst schönreden. Wir benutzen sie seit vielen<br />

Jahren erfolgreich.<br />

Wenn es gelingt, über die Hervorhebung<br />

des Bio-Methans den Erdgasantrieb wieder<br />

salonfähig zu machen, könnte das den<br />

Verbrennungsmotor tatsächlich länger am<br />

Leben halten und Zeit gewinnen für die<br />

Entwicklung von brauchbaren Fahrzeugen,<br />

die in gewohnter Weise vorwärts kommen,<br />

ohne etwas zu verbrennen. <br />

wh<br />

MERCEDES TRÄGT<br />

VERSCHIEDENE PAAR SCHUHE<br />

Mit Frühstücksaktionen und Verkaufsförderungen bemühen sich die<br />

Verkaufsniederlassungen gewohnt emsig um die <strong>Taxi</strong>kunden. Doch die<br />

Konzernpolitik sieht anders aus.<br />

FOTO: Wilfried Hochfeld / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Events wie beispielsweise Anfang Februar, bei dem Mercedes<br />

<strong>Taxi</strong>unternehmer aus <strong>Berlin</strong> und Brandenburg zum<br />

Unternehmerfrühstück in sein Airport Center eingeladen<br />

hat, gehören zum festen Programm der <strong>Berlin</strong>er Niederlassungen.<br />

Das Führungsteam des Airport Centers begrüßte zwei Dutzend<br />

<strong>Taxi</strong>unternehmer aus <strong>Berlin</strong> und Brandenburg. Ein buntes Luxus-<br />

Büfett und ein eigens angeheuerter Barista sorgten für Gaumenschmaus.<br />

Als Blickfang dienten das neueste Produkt aus dem<br />

Hause Mercedes-Benz, ein gewaltiger Pick-up, und ein E-Klasse-<br />

<strong>Taxi</strong>. Der Pick-up stieß auf größeres Interesse, das Mercedes-<strong>Taxi</strong><br />

kennt sowieso jeder.<br />

Die Leiter der <strong>Berlin</strong>er Mercedesstandorte werden nicht müde,<br />

dem <strong>Taxi</strong>gewerbe mit solchen Veranstaltungen ihre besondere<br />

Wertschätzung zu versichern. Die <strong>Taxi</strong>unternehmer, die weiter<br />

treue Kunden beim Daimler sind, kommen gerne und genießen es.<br />

KONZERNFÜHRUNG VS. GESCHÄFTSSTELLEN?<br />

Das gedeihliche Miteinander der <strong>Berlin</strong>er Mercedes-Niederlassung<br />

mit ihren <strong>Taxi</strong>-Kunden vor Ort und die großen Linien<br />

der Politik der Konzernzentrale in Stuttgart sind allerdings zwei<br />

verschiedene Paar Schuhe. Während die <strong>Berlin</strong>er Mercedes-<strong>Taxi</strong>-<br />

Stützpunkte ihre <strong>Taxi</strong>unternehmer mit kleinen Aufmerksamkeiten<br />

verwöhnen, pumpt die Stuttgarter Zentrale immer neue<br />

Millionen in Unternehmungen, die unter dem Vorwand „Neue<br />

Mobilität“ nach Meinung größerer Teile des <strong>Taxi</strong>gewerbes eben<br />

auch deren Unternehmern das Geschäft untergraben.<br />

Natürlich setzt Mercedes immer noch Maßstäbe dafür, wie ein<br />

<strong>Taxi</strong> beschaffen sein soll, und verkauft uns seine Luxuslimousinen<br />

Das Schönefelder Mercedes-Benz-Team: ganz rechts Herr Sanatci,<br />

Leiter Kundendienst Kreuzberg; daneben Frau Vogt, Leiterin Verkauf<br />

AirportCenter; Herr Schmiele, Leiter Gebrauchtwagen AirportCenter<br />

und Herr Aras, Leiter Kundendienst AirportCenter<br />

mit dem Sonderprogramm „Das <strong>Taxi</strong>“ zum Freundschaftspreis.<br />

Auch der anschließende <strong>Taxi</strong>-Service bleibt unerreicht von der<br />

Konkurrenz. Aber wie lange noch?<br />

Die Zeiten, in denen der Leiter eines randständigen <strong>Berlin</strong>er<br />

Mercedes-Standorts die Mercedes-Werbeaktion für den damals<br />

neuen Smart, bei der am Bahnhof Zoo ankommende Reisende<br />

mit einem Smart für lau nachhause fahren konnten, über Nacht<br />

von der Straße brachte, weil <strong>Taxi</strong>unternehmer dort ihr Geschäft<br />

bedroht sahen, sind offenbar vorbei. Heute dominieren andere<br />

Abteilungen die Konzernpolitik. <br />

wh<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

25


ANTRIEB<br />

Der e-NV 200 ist der erste<br />

elektrische Kleintransporter<br />

von Nissan.<br />

Das erste offiziell umgerüstete<br />

Intax Tesla <strong>Taxi</strong> Model S.<br />

Der Toyota Mirai, ein<br />

Wasserstoff-Wagen<br />

mit Brennstoffzelle und<br />

Vollausstattung.<br />

Der BYD e6 hat sich<br />

in China als <strong>Taxi</strong> und<br />

Behördenfahrzeug<br />

bewährt.<br />

Der üppig ausgestattete Kia<br />

Soul EV feierte in München<br />

<strong>Taxi</strong>premiere.<br />

Prototyp ABT e-DSG auf<br />

Basis eines VW T6 mit<br />

<strong>Taxi</strong>paket.<br />

DIE ELEKTRO-ZUKUNFT<br />

HAT BEGONNEN<br />

Der von der Politik so gerne gesehene Umstieg auf E-<strong>Taxi</strong>s ist keine<br />

Zukunftsmusik mehr. Die Auswahl an möglichen Modellen steigt,<br />

ebenso die Reichweiten der Batterien.<br />

Während eines von <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

veranstalteten „Münchner<br />

E-<strong>Taxi</strong>tags“ konnten sich die<br />

Besucher glücklich schätzen, denn so eine<br />

Vielfalt elektrisch angetriebener Fahrzeuge,<br />

die mit <strong>Taxi</strong>paket verfügbar sind,<br />

hat es in der Form noch nicht gegeben.<br />

Jedes Fahrzeug überzeugte mit speziellen<br />

Lösungen. Eine besondere Stellung nahm<br />

der Toyota Mirai ein, der als einziger mit<br />

einer Brennstoffzelle ausgestattet war und<br />

auf eigener Achse angereist war. Fast schon<br />

ein Klassiker unter den E-<strong>Taxi</strong>s ist der Nissan<br />

e-NV200, der nach einer Modellüberarbeitung<br />

mit einer Reichweite nach dem<br />

WLTP-Testzyklus von 200 Kilometern und<br />

sieben vollwertigen Sitzplätzen aufwartet.<br />

Vom weltweiten Marktführer bei der Herstellung<br />

von Elektrofahrzeugen kommt der<br />

BYD e6, der in Deutschland von der Firma<br />

Fenecon vertrieben wird. Neben den ‚alten‘<br />

Bekannten konnten in München aber auch<br />

Premieren präsentiert werden. Der Kia<br />

Soul EV mit einem flammneuen <strong>Taxi</strong>paket<br />

Intax übernimmt<br />

die Betreuung<br />

des <strong>Taxi</strong>bereichs<br />

für Tesla.<br />

kam frisch aus den Hallen des Umrüsters<br />

Intax in Oldenburg. Damit stellt Kia<br />

ein kompaktes E-<strong>Taxi</strong> vor, welches dank<br />

Schnelllademöglichkeit vielfältige Einsatzmöglichkeiten<br />

finden wird.<br />

Ein weiteres Highlight stellte sicherlich<br />

das geräumigste Fahrzeug dar. Der vom<br />

Allgäuer Spezialisten ABT eMobility auf<br />

Basis eines VW T6 entwickelte ‚e-DSG‘-Prototyp<br />

zeigte, wie ein elektrisch angetriebener<br />

VW T6 in der <strong>Taxi</strong>version aussehen<br />

könnte. ABT hatte bereits in der Vergangenheit<br />

rund 40 VW Caddys und VW T5<br />

elektrifiziert, die bereits mehr als eine Million<br />

Kilometer unter anderem im Auftrag<br />

der Deutschen Post zurückgelegt haben.<br />

Nahezu ein perfektes Timing legte der<br />

erste offizielle Tesla-<strong>Taxi</strong>umbau an den<br />

Tag. Nachdem mehr als zwei Jahre keine<br />

Zulassung eines Tesla Model S als <strong>Taxi</strong><br />

möglich war, wurde fast zeitgleich mit dem<br />

Münchner E-<strong>Taxi</strong>tag bekanntgegeben, dass<br />

sich der Spezialbetrieb INTAX exklusiv der<br />

<strong>Taxi</strong>umrüstung des Model S annimmt.<br />

Neben der Umrüstung übernimmt Intax<br />

zusätzlich die komplette Betreuung des<br />

gesamten <strong>Taxi</strong>bereichs für Tesla. Das<br />

erste verfügbare Fahrzeug konnte beim<br />

E-<strong>Taxi</strong>tag bereits in Augenschein genommen<br />

werden. Um die Zeit bis zum eigenen<br />

Tesla-<strong>Taxi</strong> möglichst kurz zu halten, bietet<br />

Intax auch die Umrüstung von gebrauchten<br />

Fahrzeugen an.<br />

Davon profitierte erst kürzlich ein <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />

aus Brandenburg. Er konnte<br />

seinen Tesla, den er sich bereits 2016 zugelegt<br />

hatte, beim Eichamt <strong>Berlin</strong> / Brandenburg<br />

nun endlich eichen lassen. Aufgrund<br />

der bis zur Intax-Umrüstung fehlenden<br />

Herstellerfreigabe hatte er seit 2016 keine<br />

Konformitätsfreigabe erhalten. sg<br />

FOTOS: stock.adobe.com, Gudrun Hartmann; <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

26 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


BUCHTIPP<br />

BUNKER<br />

FÜR<br />

ZUHAUSE<br />

Ingo Juchler<br />

1968 in <strong>Berlin</strong> –<br />

Schauplätze der Revolte<br />

be.bra verlag<br />

14,00 €<br />

GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Vom <strong>Berlin</strong> Story Bunker war hier<br />

schon wiederholt die Rede. Was<br />

da los ist, kann man jetzt bequem<br />

zu Hause nachlesen. Man muss nicht mehr<br />

unbedingt selbst hin. Der schmale Band<br />

„<strong>Berlin</strong> Story Bunker“ von Wieland Giebel<br />

fasst in wenig Text und vielen Bildern<br />

„Hitler – Wie konnte es geschehen?“ und<br />

„<strong>Berlin</strong> Story Museum“, die beiden Ausstellungen,<br />

die es dort zu sehen gibt, und die<br />

Geschichte des Bunkers selbst zusammen.<br />

Die Hitler-Dokumentation zeichnet das<br />

Leben des Diktators nach von seiner Geburt<br />

in Braunau bis zu seinem jämmerlichen<br />

Ende im <strong>Berlin</strong>er Führerbunker und dem<br />

Verbleib seiner sterblichen Überreste.<br />

Dabei wird mit einigen Legenden aufgeräumt,<br />

die sich bis heute hartnäckig halten.<br />

Das <strong>Berlin</strong> Story Museum befasst sich<br />

mit der Geschichte <strong>Berlin</strong>s in einzelnen<br />

Episoden aus verschiedenen Epochen.<br />

Beide Ausstellungen enthalten teils lebensgroße<br />

Bilder, Schautafeln und Gegenstände<br />

aus der jeweiligen Zeit, zusammengestellt<br />

zu lebensnahen Szenen, darunter ein<br />

Nachbau von Hitlers „Wohnzimmer“ im<br />

Führerbunker.<br />

Beide Ausstellungen sind sehr umfangreich.<br />

Durch jede der beiden kann man sich<br />

in rund zwei Stunden von einem Audio-<br />

Gide führen lassen (in vielen Sprachen).<br />

Das ganze Material plus der Geschichte<br />

des Bunkers passt natürlich nicht zwischen<br />

die zwei Buchdeckel eines schmalen<br />

Bändchens. Wer wirklich alles wissen<br />

will, muss also hingehen und das Buch als<br />

Ausstellungskatalog nutzen – entweder vor<br />

dem Besuch als Einstimmung, oder hinterher<br />

als Gedächtnisstütze <br />

wh<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

27


RECHT<br />

VERGESSENE<br />

VERKEHRSREGELN – FOLGE 4<br />

Zum Riskieren von Knöllchen, Gefährdung oder Unfällen haben<br />

<strong>Taxi</strong>fahrer viel mehr Zeit als andere – und beim Befahren von<br />

Kreisverkehren und Kraftfahrstraßen auch viel Gelegenheit.<br />

Kreisverkehr– was kann es darüber schon Interessantes zu<br />

sagen geben? Für Großstadt-Autofahrer gehören sie zur<br />

Routine. Als Problem empfinden die meisten von uns sie<br />

nicht. Dennoch sind sie unfallträchtig. Und mit der Routine kann<br />

es schnell vorbei sein, wenn Sie abenteuerlustig sind und einmal<br />

in Großbritannien, Irland, Malta, Zypern, Japan, Hongkong,<br />

Jamaika oder einem der anderen ca. 50 Länder mit Linksverkehr<br />

selbst Auto fahren möchten. Hier empfehlen wir, vorher ein paarmal<br />

im <strong>Taxi</strong> oder im Linienbus durch Kreisverkehre zu fahren.<br />

KREISVERKEHR: EINE WISSENSCHAFT FÜR SICH<br />

Als erfahrener <strong>Berlin</strong>-Kenner können Sie sicherlich auf Anhieb<br />

sagen, welche der folgenden Plätze Kreisverkehre (Zeichen<br />

215) sind: Augustaplatz, Barbarossaplatz, Bersarinplatz,<br />

Branitzer Platz, Ekhofplatz, Ernst-Reuter-Platz, Falkenseer<br />

Platz, Gierkeplatz, Großer Stern in Tiergarten,<br />

Gustav-Müller-Platz, Hardenbergplatz, Heinrich-<br />

Mann-Platz, Herrfurthplatz, Kottbusser Tor, Ludolfingerplatz,<br />

Matthäikirchplatz, Mirbachplatz, Oberhofer<br />

Platz, Pastor-Niemöller-Platz, Platz am Wilden Eber,<br />

Rathenauplatz, Steubenplatz, Strausberger Platz, Theodor-Heuss-Platz,<br />

Viktoriaplatz, Winterfeldtplatz, Zeltinger<br />

Platz, Zionskirchplatz.<br />

Kreisverkehre sind nicht bei allen beliebt, besonders, seit<br />

Verkehrsplaner in Deutschland sie nach der Wiedervereinigung<br />

wieder für sich „entdeckten“. In Brandenburg gibt es sehr wenige<br />

(allerdings nur im Vergleich zu Frankreich). Dem Kraftverkehr<br />

bringen Kreisverkehre gegenüber Ampelkreuzungen mehr Vorals<br />

Nachteile, denn sie haben viel weniger sogenannte Konfliktpunkte.<br />

Es gibt weniger Unfälle und der Verkehr fließt durchschnittlich<br />

schneller, denn man muss nicht sinnlos warten, wenn<br />

aus den anderen Richtungen keiner kommt.<br />

Da Kreisverkehre billiger sind als Ampeln, geht der Trend in<br />

Deutschland nicht nur zum Zebrastreifen, sondern auch zum<br />

Kreisverkehr – zumindest da, wo genügend Platz ist und wo<br />

sich hauptsächlich Straßen mit einem Fahrstreifen je Richtung<br />

kreuzen. In <strong>Berlin</strong> gibt es vergleichsweise viele mehrspurige<br />

Straßen, aber in Köln sind beispielsweise in den letzten Jahren<br />

über 200 Ampeln abgebaut worden, und auch in München wissen<br />

die Verkehrsplaner es zu schätzen, dass Ampeln zum Ende der<br />

Grünphase eher zum riskanten Gasgeben verleiten, während an<br />

Kreisverkehren immer gebremst werden muss, wodurch weniger<br />

Unfälle geschehen.<br />

Die Verkehrsregeln zum Kreisverkehr sind schnell aufgezählt:<br />

Beim Einfahren in einen Kreisverkehr darf man nicht blinken,<br />

beim Verlassen muss man blinken (ansonsten 10 Euro).<br />

Die Mittelinsel darf man nicht überfahren (10 Euro).<br />

Im Kreisverkehr ist Halten verboten (10 bis 15 Euro),<br />

ebenso Parken (15 bis 35 Euro). Große Überraschung:<br />

Da in Deutschland Rechtsverkehr herrscht, muss<br />

im Kreisverkehr entgegen dem Uhrzeigersinn<br />

gefahren werden (ansonsten 25 bis 35 Euro). Folglich<br />

ähneln Kreisverkehre ringförmigen Einbahnstraßen<br />

mit beidseitigem Halteverbot. Für Fußgänger sind Kreisverkehre<br />

eher nachteilig, Radfahrer haben hier geringfügig mehr<br />

Sicherheit. ADAC und ADFC befürworten den Trend zum Kreisverkehr.<br />

Das Ganze ist eine Wissenschaft für sich. Der Wikipedia-<br />

Artikel „Kreisverkehr“ ist hochinteressant. Wenn Sie es unterhaltsam<br />

mögen, geben Sie auf der Online-Plattform Youtube die Worte<br />

„Kreisverkehr Beverly“ ein und sehen Sie sich eine siebenminütige<br />

Galileo-Dokumentation an, die zeigt, dass eine Kombination aus<br />

Kreisverkehr und Ampeln auch zu Verkehrschaos führen kann.<br />

In <strong>Berlin</strong> sind Kreisverkehre nicht nur selten, sondern auch<br />

selten kreisförmig. Alle Plätze in der Aufzählung oben sind keine<br />

FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

28 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


RECHT<br />

FOTO: stock.adobe.com, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

„echten“ Kreisverkehre. Der Hamburger Platz, der Heinrich-<br />

Grüber-Platz, der Jacques-Offenbach-Platz, der Moritzplatz, Eisenhutweg<br />

Ecke Straße am Flugplatz und neuerdings der kleine Platz<br />

westlich vor dem Gleimtunnel sind welche. In <strong>Berlin</strong> sieht man das<br />

Zeichen 215 (Kreisverkehr) selten, sehr häufig dagegen Zeichen<br />

209-20 (Vorgeschriebene Fahrtrichtung: rechts) und hier und da<br />

Zeichen 211-20 (Vorgeschriebene Fahrtrichtung: hier rechts) und<br />

Zeichen 220-20 (Einbahnstraße).<br />

VORFAHRTSCHILDER ALS AMPELERSATZ<br />

Fallen an einer größeren Kreuzung, an der man Lichtzeichen<br />

gewöhnt ist, die Ampeln einmal aus, so bricht oft ein mittleres<br />

Chaos aus. Zwar sind an den Ampelmasten auch vorfahrtregelnde<br />

Schilder befestigt, doch ist man als Autofahrer erst einmal so perplex,<br />

dass man oft erst im zweiten Moment daran denkt, nachzusehen,<br />

ob man es mit einem roten Dreieck oder mit einem viereckigen<br />

Spiegelei zu tun hat. Dann ist man im ungünstigen Fall bereits<br />

daran vorbeigefahren und verfällt augenblicklich in Hilflosigkeit.<br />

Wenn man Glück hat, kommt gerade wenig Querverkehr, und man<br />

überlebt. Noch komplizierter kann es an einem Kreisverkehr sein<br />

– wenn es kein echter ist. Wenn Sie das nächste Mal in Tiergarten<br />

am Großen Stern vorbeikommen, dann sehen Sie sich einmal an,<br />

wie dort für den Fall eines Ampelausfalls die Vorfahrt geregelt ist.<br />

Vor Jahren wurden dort, da es durchschnittlich drei Unfälle am<br />

Tag gab, die Fahrbahnmarkierungen so idiotensicher verändert,<br />

dass die Fahrstreifen jetzt spiralförmig nach außen verlaufen.<br />

Noch ein paar Jahre Später dachte man dann außer an die Idioten<br />

auch noch an die Vollpfosten und verringerte die Zahl der Fahrstreifen,<br />

auf denen man aus dem Großen Stern in die Hofjägerallee<br />

abbiegen kann, von drei auf zwei. Vielleicht dachte sich<br />

irgendein Schelm, dass es auch etwas schade ist, wenn die Idioten<br />

und Vollpfosten da gar keine Beachtung mehr finden, und hob<br />

sich als Trumpf für den Fall eines Ampelausfalls die spezielle<br />

Vorfahrtregelung auf.<br />

Falls Sie mutig sind und mit „Uber“-Reklame am <strong>Taxi</strong> herumfahren,<br />

sind Sie ja jemand, der sich nicht von verkopften Moralaposteln<br />

irritieren lässt, sondern gut zwischen „darf man nicht“<br />

und „macht man nicht“ unterscheiden kann. Was nicht verboten<br />

ist, ist zwar nicht unbedingt cool, aber bekanntlich erlaubt,<br />

deshalb hier ein Tipp für eine öffentlichkeitswirksame Aktion, die<br />

Sie im Nu – zumindest kurzfristig, und Sie denken ja sicherlich<br />

nur kurzfristig – zu einem beachteten Checker machen kann:<br />

Angenommen, Ihr Fahrgast möchte auf die Siegessäule, ohne<br />

vorher umständlich den Fußgängertunnel zu benutzen. Wie Sie<br />

sicherlich am Großen Stern schon einmal gesehen haben, stehen<br />

dort an den Zufahrten keine Kreisverkehr-Schilder, sondern<br />

nur blaue, runde Schilder mit weißem Pfeil nach rechts. Sobald<br />

Sie dieses Gebot befolgt haben und um die Siegessäule kreisen:<br />

Suchen Sie nach Einbahstraßenschildern! Keine zu sehen? Gut.<br />

Suchen Sie nach Wendeverbotsschildern! Auch keine zu sehen?<br />

Na dann ... Jetzt das Coolste: Sehen Sie<br />

nach, ob an der Mittelinsel Halteverbot<br />

besteht! Wir sind gespannt, ob Sie<br />

ein cooler Checker sind. Falls jemand<br />

fragt: Sagen Sie, Sie wollten ihrem<br />

Fahrgast nur schnell beim Aufzugsuchen<br />

helfen – da kann Ihr Gegenüber<br />

nur kleinlaut das Feld räumen und Sie<br />

um Ihre schlagfertige<br />

Rhetorik<br />

beneiden.<br />

KRAFTFAHR-<br />

STRASSE<br />

Szenenwechsel.<br />

Sie sind unterwegs<br />

vom Scholzplatz<br />

zum Theodor-<br />

Die grünen Pfeile und das blaue Schild beinhalten<br />

mehr Regeln, als man denkt.<br />

Heuss-Platz. Auf<br />

der gegenüberliegenden Seite, also in einiger Entfernung, winken<br />

Fahrgäste in Richtung Spandau. Was nun?<br />

Die von Staaken über Wilhelmstadt nach Westend führende<br />

Heerstraße ist etwas Besonderes. Ein Schild „Kraftfahrstraße“,<br />

über der Fahrbahn leuchten grüne Pfeile, rote X-förmige Kreuze,<br />

ab und zu ein blinkender, gelber Pfeil oder Abbiegeschild über<br />

der Mittelspur. Eine Fahrbahn mit je zwei Spuren je Richtung und<br />

dazu eine fünfte, variable Spur in der Mitte, das ist in <strong>Berlin</strong> wohl<br />

einmalig. Was ist in dieser Straße erlaubt und was ist verboten?<br />

Auf jeder Kraftfahrstraße dürfen nur Kraftfahrzeuge fahren,<br />

die mindestens 61 km/h schaffen (auch innerorts), Wenden und<br />

Rückwärtsfahren sind verboten, und Fußgänger dürfen nur an<br />

Kreuzungen und Übergängen die Fahrbahn queren. Dass Halten<br />

verboten ist, geht sowohl aus den Schildern „Kraftfahrstraße“<br />

als auch aus den Dauerleuchtzeichen über der Fahrbahn hervor.<br />

Selbst Seitenstreifen und Bushaltestellen sind zum Halten tabu<br />

(35 €) – dafür gibt es die abgetrennten Seitenfahrbahnen.<br />

Die mittlere Spur ist mal stadteinwärts, mal stadtauswärts<br />

freigegeben, meist aber nur auf kurzen Abschnitten wechselseitig<br />

vor Kreuzungen zum Abbiegen. Vorsicht: Auch an Ecken, an denen<br />

Linksabbiegen erlaubt ist, gilt das Wendeverbot! Wenn Sie zurück<br />

in Richtung Spandau fahren und kein Bußgeld von mindestens<br />

200 Euro riskieren wollen, sollten Sie in eine Querstraße abbiegen<br />

(womit Sie die Kraftfahrstraße verlassen) und dort wenden. Wenn<br />

Sie bereits am S-Bahnhof Heerstraße sind, können Sie noch schnell<br />

links in die Preußenallee abbiegen, falls das Linksabbiegeverbot<br />

gerade abgeschaltet ist. Danach haben Sie keine Chance mehr:<br />

Entweder, Sie biegen von der Seitenfahrbahn nach rechts in die<br />

Jafféstraße ab, wo Sie erst hinter dem Silingenweg theoretisch bzw.<br />

Ecke Harbigstraße praktisch wenden können, oder Sie drehen eine<br />

Ehrenrunde um den Theodor-Heuss-Platz.<br />

ar<br />

(Wir danken Rechtsanwalt Daniel Herbst für die freundliche Beratung.<br />

Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr und stellen keine verbindliche<br />

Rechtsauskunft dar. Fortsetzung in einer der nächsten Ausgaben.)<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

29


RECHT<br />

UBER UND DIE WILDEN KERLE<br />

Ein Uber-Fahrer klaut einem <strong>Taxi</strong> die Winker vor der Nase weg. Welche<br />

Maßnahmen sind zulässig, welche Vorgehensweise ist angemessen?<br />

Ein Pärchen aus London kommt aus<br />

einem Club und ist froh, ein <strong>Taxi</strong><br />

zu sehen. Sie winken, doch bevor<br />

die Taxe die Wartenden erreicht, hält eine<br />

schwarze Limousine. Der Fahrer lässt die<br />

Seitenscheibe runter und fragt: „German“?<br />

Die Antwort lautet „no“, und sogleich stellt<br />

sich der Fahrer mit „Hi, I am Peter from<br />

Uber“ vor. Uber ist dem Pärchen nicht<br />

fremd, und so steigen die beiden ohne zu<br />

zögern ein. Der <strong>Taxi</strong>fahrer ist stinksauer.<br />

Er informiert seinen Freund und Kollegen<br />

und nimmt die Verfolgung auf. Der Freund<br />

kommt dazu, und beide fahren der schwarzen<br />

Limousine nach. Nachdem die Fahrgäste<br />

ausgestiegen sind, wird versucht,<br />

den Uber-Fahrer durch Winkzeichen zum<br />

Anhalten zu bewegen. Der denkt aber gar<br />

nicht dran und fährt weiter. Er weiß, dass er<br />

ordnungswidrig gehandelt hat. Fahrgäste<br />

ohne Auftrag aufzunehmen und gegen die<br />

Rückkehrpflicht zu verstoßen, ist rechtswidrig<br />

und bringt Ärger mit <strong>Taxi</strong>fahrern.<br />

Schließlich stellen die beiden sich an<br />

einer roten Ampel quer vor das Uber-<br />

Fahrzeug. Durften die das?<br />

Grundsätzlich darf jedermann Personen,<br />

die einer Straftat verdächtig sind, die auf<br />

frischer Tat angetroffenen werden, deren<br />

Identität ungeklärt ist oder die der Flucht<br />

verdächtig sind, vorläufig festnehmen (§<br />

127 Strafprozessordnung). Der „Uber-Fahrer“<br />

wurde auf frischer Tat angetroffen, er<br />

war unbekannter Identität und der Flucht<br />

nicht nur verdächtig, denn er flüchtete<br />

bereits. Dennoch durften die beiden <strong>Taxi</strong>fahrer<br />

ihn nicht an der Weiterfahrt hindern.<br />

Er hatte keine Straftat, sondern „lediglich“<br />

eine Ordnungswidrigkeit begangen. Auch<br />

wenn man Verständnis für die Aktion der<br />

beiden <strong>Taxi</strong>fahrer hat, könnte dieses Verhalten<br />

eine Nötigungshandlung im Sinne<br />

des Strafgesetzbuchs darstellen.<br />

Indem die beiden Fahrer ihre Taxen vor<br />

das Fahrzeug des Uber-Fahrers stellen,<br />

übten sie Gewalt aus. So jedenfalls die<br />

überwiegende Meinung der Gerichte. Nur,<br />

wenn es am Vorsatz fehlte, also dem Wissen<br />

und Wollen, eine strafbare Handlung<br />

zu begehen, liegt keine Nötigung vor. Im<br />

vorliegenden Fall kam es den beiden aber<br />

gerade darauf an, den anderen am Weiterfahren<br />

zu hindern, um endlich mal einen<br />

Fahrer zu identifizieren und zu überführen.<br />

Doch so ein Verhalten ist grundsätzlich<br />

strafbar. Denn:<br />

Wird ein Fahrzeug als Hindernis eingesetzt,<br />

durch das andere Fahrzeuge an der<br />

Weiterfahrt gehindert werden, stellt dies<br />

Gewaltanwendung durch Bereiten eines<br />

physischen Hindernisses und damit eine<br />

Nötigung im Straßenverkehr dar. Allerdings<br />

muss die physische Barriere von<br />

gewisser Dauer sein, sodass es beispielsweise<br />

nicht strafbar ist, lediglich wenige<br />

Minuten eine Durchfahrt zu versperren.<br />

Hier kam es den <strong>Taxi</strong>fahrern darauf<br />

an, den Uber-Fahrer so lange an der<br />

Weiterfahrt zu hindern, bis er seine Personalien<br />

preisgibt. Aber, so werden Sie<br />

sich jetzt fragen, ist das denn verwerflich?<br />

Schließlich hat der Uber-Fahrer etwas<br />

Unrechtes getan. In der Regel erfährt man<br />

nichts über die Identität der Fahrer, und ob<br />

die jeweiligen Mietwagenunternehmer im<br />

fernen Landkreis LDS etc. etwas preisgeben,<br />

ist auch nicht so sicher. Bleibt da nicht<br />

letztlich nur die Möglichkeit, den einzelnen<br />

Fahrer – der ja den Verstoß begeht – dingfest<br />

zu machen?<br />

Leider nein. Das richtige Mittel ist, die<br />

Polizei zu verständigen, dem Uber-Fahrzeug<br />

ohne Verstoß gegen die StVO und<br />

sonstige Gesetze hinterherzufahren und<br />

den Ordnungshütern den jeweiligen Standort<br />

durchzugeben.<br />

Alles andere bringt Ärger mit dem Gesetz<br />

und schlechte Presse für die Branche.<br />

Allzeit gute Fahrt und gute Kasse<br />

wünscht Ihnen<br />

Rechtsanwalt Herbst<br />

§ 240 STGB – NÖTIGUNG<br />

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig<br />

mit Gewalt oder durch Drohung mit<br />

einem empfindlichen Übel zu einer<br />

Handlung, Duldung oder Unterlassung<br />

nötigt, wird mit Freiheitsstrafe<br />

bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe<br />

bestraft.<br />

FOTO: stock.adobe.com<br />

30 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


KULTUR<br />

Nach dem Ramadan kommt das Zuckerfest.<br />

WENN DAS FASTEN VORBEI IST...<br />

Der diesjährige Ramadan vom 16. Mai bis zum 14. Juni gilt auch wieder<br />

für zahlreiche <strong>Berlin</strong>er Kollegen. Wie wirkt es sich auf den <strong>Taxi</strong>-Alltag<br />

aus, wenn man bis zum Sonnenuntergang nicht isst und trinkt?<br />

FOTO: stock.adobe.com<br />

Warum ist der Ramadan für viele Muslime eine so<br />

besondere Zeit? Das Fasten von Sonnenaufgang bis<br />

Sonnenuntergang im Monat Ramadan gehört zu den<br />

„fünf Säulen“ des Islam, also zu den Hauptpflichten der Muslime.<br />

Zum Fasten ist allerdings nur verpflichtet, wer es ohne gesundheitlichen<br />

Schaden vollziehen kann. Kinder, Schwangere und<br />

Kranke sollen nicht fasten. Auch wer „nicht anwesend“, sondern<br />

„unterwegs“ ist, soll die Tage der Enthaltsamkeit später nachholen.<br />

Damit dürfte aber weniger <strong>Taxi</strong>fahren gemeint sein als Reisen.<br />

Und Fasten bedeutet den Verzicht auf Essen, Trinken, Rauchen<br />

und Sex. Wie ist das Fasten also für die Kollegen?<br />

Unserem Kollegen Gökay (28) fällt der Verzicht im Winter<br />

leichter, weil die Stunden bis zum Sonnenuntergang sich nicht<br />

so endlos hinziehen wie im Sommer. Außerdem ist der Durst<br />

bei kaltem Wetter leichter zu ertragen, und er sagt verschmitzt:<br />

„Dann wechsel ich zur Nachtschicht, um die Fastenzeit schlafend<br />

zu meistern. Meine Frau gibt mir dann für das Fastenbrechen<br />

viele Leckereien mit.“<br />

Die Zeit des Fastenbrechens, also die Stunde vor und nach dem<br />

Sonnenuntergang, ist für Gökay „wie Silvester“. Während viele<br />

seiner Kollegen zu dieser Zeit ihre Schicht unterbrechen, fährt<br />

er weiter und freut sich über schwach besetzte Halteplätze am<br />

Flughafen Tegel und an den Bahnhöfen. Zum Essen kommt er dann<br />

erst später, aber das stört ihn nicht. Hauptsache, er verpasst im<br />

türkischen Radiosender Metropol das Bittgebet nicht, das immer<br />

das Fastenbrechen einläutet.<br />

Imdat (44) macht die Jahreszeit überhaupt nichts aus. Er fastet<br />

jedes Jahr, und das schon seit seinem elften Lebensjahr. Er stellt<br />

seine Arbeitszeiten nicht um, aber an heißen Tagen stellt er sich,<br />

wenn es geht, lieber an schattige und kühlere Halteplätze. Davon<br />

gebe es aber nicht viele, und die seien dann oft überbelegt. Auch<br />

Standplätze an lecker duftenden Imbissen meidet er in der Fastenzeit<br />

lieber.<br />

Wie manche sich mit dem Fasten geradezu „herumquälen“, kann<br />

Tarek (29) nicht verstehen. „Ich habe großen Respekt und esse und<br />

trinke nicht neben einem fastenden Kollegen. Aber ich weiß nicht,<br />

ob ein <strong>Taxi</strong>fahrer ohne Essen und mit zu wenig Flüssigkeit im<br />

Körper genau so konzentriert Auto fahren kann“, sagt er. In einer<br />

in der Türkei erstellten Statistik sei die Häufigkeit von Unfällen<br />

während des Ramadans höher als in „normalen“ Monaten.<br />

Tamer (39) ist sehr schlank und fastet gerne. Er sagt, dass er<br />

in der Zeit aber zunimmt und das Fasten für ihn kein Mittel sei,<br />

um abzuspecken. Am liebsten mag Tamer die Vorfreude, wenn<br />

der Ramadan zu Ende geht. „Danach kann ich das ganze Essen<br />

doppelt und dreifach genießen.“<br />

Das Ende des Ramadan ist dieses Jahr am 14. Juni, abgeschlossen<br />

mit dem letzten Fastenbrechen um 21:36 Uhr. Am Tag danach<br />

wird dann „Şeker Bayramı“, das „Zuckerfest“ gefeiert. Um es mit<br />

der Familie zu feiern, bleiben die meisten nach dem morgendlichen<br />

Besuch der Moschee zu Hause, und für Imdat findet das „allerbeste<br />

Frühstück des Jahres“ statt. Darauf freuen sich auch besonders<br />

die Kinder, denn dann gibt es außerdem viele Geschenke und<br />

Süßigkeiten, und mache Schulen geben den Schülern für den<br />

ersten Festtag frei.<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> wünscht allen Kolleginnen und Kollegen mit islamischem<br />

Glauben „Iyi Bayramlar!“ <br />

hs<br />

DER HEISSE MONAT<br />

Der Ramadan (arabisch für „heißer Monat“) hat nicht<br />

jedes Jahr das gleiche Datum, sondern wandert. Im Unterschied<br />

zum allgemein gebräuchlichen gregorianischen<br />

Kalender, der auf der Bewegung der Erde um die Sonne<br />

basiert, richtet der Ramadan sich nach dem islamischen<br />

Kalender, und der beruht auf Mondphasen. Im Koran ist<br />

an vielen Stellen von der Mondsichel die Rede. Das Jahr<br />

<strong>2018</strong> nach Christus (n. Chr.) entspricht dem Jahr 1439<br />

der Hedschra (d. H.). Ein Jahr im islamischen Kalender<br />

ist nicht 365,24 Tage lang, sondern nur 354,33 Tage, die<br />

Monate dauern nicht 30 oder 31 Tage, sondern 29 oder<br />

30. Dadurch beginnt der Ramadan nach unserer Zeitrechnung<br />

Immer zehn bis zwölf Tage früher als im Vorjahr. Erst<br />

nach 33 Jahren wiederholt sich ein Datum des Ramadanbeginns<br />

also annähernd. ar<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

31


KOLUMNE<br />

„LASSEN SIE MICH DURCH,<br />

ICH MUSS ZUM ARZT!“<br />

Nach all den Jahren im <strong>Taxi</strong> sieht man ja vieles immer unter<br />

Berücksichtigung seiner Erfahrungen. Und man merkt schnell, an<br />

welchen Punkten das öffentliche Bild nicht so ganz dem Erlebten<br />

entspricht.<br />

Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass<br />

bei einer Auswertung der letzten<br />

tausend Blockbuster 49 Prozent der<br />

<strong>Taxi</strong>fahrten mit flirtenden Pärchen stattfinden<br />

und nochmal 50 Prozent mit schwangeren<br />

Frauen, deren Niederkunft eine Frage<br />

von Sekunden ist. Das eine übrige Prozent<br />

sind Fahrten mit Bruce Willis. Und ich<br />

hatte noch nie Bruce Willis im <strong>Taxi</strong>.<br />

Nein, o.k., im Ernst: Natürlich ging es<br />

mir nicht wirklich um Bruce Willis, sondern<br />

um all die schwangeren Frauen, deren<br />

Geburtshelfer ich theoretisch schon mindestens<br />

dreimal hätte sein müssen. Denn<br />

die gibt es gar nicht.<br />

Also natürlich gibt es schwangere<br />

Frauen, und viele von ihnen fahren im<br />

<strong>Taxi</strong> zur Klinik, das ist richtig – nur als<br />

einzelner Fahrer kriegt man von diesen<br />

Storchentouren nur sehr selten mal wirklich<br />

eine ab.<br />

Die zweite und bisher letzte in zehn<br />

Jahren war sogar eine von einer Leserin<br />

vorbestellte, die entsprechend gut vorbereitet<br />

war. Die einzige davor war zwar wirklich<br />

die klassisch<br />

spontane Winkertour,<br />

noch dazu<br />

hatten sie mich als<br />

Neuling in einer<br />

mir unbekannten<br />

Gegend zu zweit<br />

erwischt, konnten<br />

mir aber den Weg gut beschreiben und<br />

waren außerdem auch noch alles andere als<br />

kurz vor der Verzweiflung. Damals hab ich<br />

das zwar schon als ein wenig dramatisch<br />

empfunden, aber tatsächlich war ich jetzt<br />

in bald zehn Jahren kaum näher an einer<br />

Geburtshelfer-Rolle als ein zufällig über<br />

<strong>Berlin</strong> hinwegfliegender Storch.<br />

Sicher, die anderen Krankenhausfahrten<br />

hatten es teils in sich, aber abgesehen von<br />

einem Rentner, der mich mit ausgestreckten<br />

Armen in der Revaler Straße anhielt,<br />

weil er glaubte, vergiftet worden zu sein,<br />

waren die meisten anderen dann auch nicht<br />

schlimmer als manch andere Fahrgäste,<br />

die keine medizinische Behandlung in<br />

Betracht zogen. Ich denke nicht, dass ich<br />

das Stichwort Alkohol wirklich erwähnen<br />

müsste.<br />

Also ja, einmal „halt a bissl schneller“ zur<br />

Geburtsklinik und einmal eine Packung<br />

Taschentücher opfernd mit jemandem, der<br />

inzwischen auch gemerkt hatte, dass es<br />

eine dumme Idee war, nachts um drei Uhr<br />

betrunken über einen Stacheldrahtzaun zu<br />

klettern, um 500 Meter Weg abzukürzen.<br />

Nach wie vor war der große Filmritt nicht<br />

dabei.<br />

Im Wesentlichen bin ich ja froh drum,<br />

denn im Grunde reicht mir ja, was meine<br />

Fahrgäste sonst so alles im <strong>Taxi</strong> hinterlassen,<br />

da müssen nicht noch weitere Sorten<br />

von Körperflüssigkeiten, ganze Organe<br />

oder gar Neugeborene dabei sein, und ich<br />

bin mir sicher, dass meine Fähigkeiten als<br />

Geburtshelfer maßlos überschätzt werden.<br />

Was mich zum wesentlichen Punkt dieses<br />

Textes bringt: So selten wie sie sind,<br />

habe ich bis zur nächsten Storchenfahrt<br />

noch etwas Zeit. Weswegen ich mir dann<br />

»...als einzelner<br />

Fahrer kriegt man von<br />

Storchentouren nur<br />

selten eine ab.«<br />

ziemlich sicher<br />

bin, wann die<br />

nächste ansteht:<br />

Mit erscheinen<br />

dieser <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Times</strong>. Ich werde<br />

allerdings dieses<br />

Mal nicht<br />

auf dem Fahrersitz sitzen, denn der Fahrer<br />

wird sich meines ersten Sohnes wegen<br />

panisch durch den Verkehr schlängeln.<br />

Dann kann ich auch das mit der<br />

Geburtshilfe mal außerhalb des <strong>Taxi</strong>s<br />

üben, denn ob man‘s nicht doch mal<br />

braucht, weiß man dann halt auch nicht.<br />

Selbst manche Filme beruhen ja auf wahren<br />

Begebenheiten. <br />

sash<br />

Der Autor Sascha Bors betreibt als Sash<br />

einen eigenen <strong>Taxi</strong>blog, hat sich aber vor<br />

kurzem in die Elternzeit verabschiedet. Wir<br />

wünschen eine tolle Zeit mit dem neuen<br />

Erdenbürger!<br />

FOTO: stock.adobe.com<br />

32 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


GASTROTIPP<br />

ZEIT<br />

FÜR<br />

EINE<br />

PAUSE<br />

PREISGÜNSTIG UND GUT ESSEN IN WILMERSDORF:<br />

RESTAURANT WANDEL 2<br />

Das Wort Kantinenessen lässt einem normalerweise<br />

nicht das Wasser im Munde<br />

zusammenlaufen, schon gar nicht, wenn<br />

die Kantine sich in einem funktional<br />

anmutenden Behördenbau aus den Dreißigerjahren<br />

mit düsterem Eingangsportal<br />

befindet. Kantinen werden üblicherweise<br />

an Gastronomen verpachtet. Diese haben<br />

längst entdeckt, dass Behördenmitarbeiter<br />

auch Menschen sind, und machen aus der<br />

Kantine manchmal ein geschmackvoll eingerichtetes<br />

Restaurant mit ambitioniertem<br />

Speisenangebot zu immer noch günstigen<br />

Preisen. So geschehen im Dienstgebäude<br />

am Übergang von der Württembergischen<br />

Straße zum Fehrbelliner Platz, wo die<br />

Stadtentwickler des <strong>Berlin</strong>er Senats tätig<br />

sind. Das Restaurant Wandel 2, zu dem man<br />

in der 4. Etage durch originelle Wegweiser<br />

geleitet wird, bewirtet jeden Mittag viele<br />

Mitarbeiter – sowie auswärtige Gäste, da<br />

die Qualität sich herumgesprochen hat.<br />

Besonderes i-Tüpfelchen ist die schön<br />

gestaltete, ruhige, helle Cafeteria im Vorraum<br />

des eigentlichen Restaurants. Hier<br />

gibt es von frühmorgens bis nach dem<br />

Mittag kleine und mittelgroße Gerichte<br />

auch für den kleinen Geldbeutel. Die sehr<br />

bequemen Sitze eignen sich sowohl für ein<br />

zwangloses Arbeitstreffen ohne Zeitdruck<br />

als auch für die schnelle Mittagspause<br />

während der <strong>Taxi</strong>schicht.<br />

ar<br />

RESTAURANT WANDEL 2<br />

Wilmersdorf, Fehrbelliner Platz 1<br />

(gegenüber der Halteplatz-Einfahrt)<br />

Öffnungszeiten<br />

Mo-Fr 11 bis 14 Uhr (Restaurant)<br />

Mo-Fr 7 bis 15 Uhr (Kaffeebar)<br />

Barrierefrei<br />

PREISGÜNSTIG ESSEN MIT AUSSICHT:<br />

KANTINE IM RATHAUS KREUZBERG<br />

FOTOs: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

In der zehnten Etage des Hochhauses, das<br />

so gar nicht wie ein Rathaus aussieht, findet<br />

man eine Kantine, die von so manchem<br />

KANTINE IM RATHAUS<br />

KREUZBERG<br />

Kreuzberg, Yorckstr. 4-11 (zwischen<br />

Mehringdamm und Großbeerenstr.)<br />

Öffnungszeiten<br />

Mo-Fr 7 bis 15 Uhr<br />

Barrierefrei<br />

Gastronomen um ihre sagenhafte Aussicht<br />

beneidet wird. Das Ambiente und das Speisenangebot<br />

sind guter Kantinenstandard.<br />

Der Cappuccino trägt dazu bei, dass man<br />

die Aussicht gerne noch ein Viertelstündchen<br />

länger auf sich wirken lässt. Mit etwas<br />

Glück findet man eine Parklücke auf dem<br />

Mittelstreifen, ansonsten ist auf dem Hof<br />

ein Stellplatz für bescheidene 90 Cent zu<br />

haben.<br />

Obwohl die Kantine ihre Stammkunden<br />

hat, ist sie nicht überlaufen. Es wäre allerdings<br />

auch falsch, von einem Geheimtipp<br />

zu sprechen, denn dazu ist die Aussichtskantine<br />

viel zu beliebt.<br />

ar<br />

TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />

33


QUERBLICK<br />

STREIKS<br />

UND EINE<br />

ELEKTRIFIZIERTE<br />

STADT<br />

Der Blick auf die <strong>Taxi</strong>-<strong>Times</strong>-Themen außerhalb<br />

der Hauptstadt zeigt: Das <strong>Taxi</strong>gewerbe ist in<br />

ganz Deutschland in Bewegung.<br />

IMPRESSUM<br />

München könnte zum Vorreiter bei<br />

Elektro-<strong>Taxi</strong>s werden. Die Stadt<br />

fördert die Anschaffung jedes<br />

E-<strong>Taxi</strong>s mit bis zu 40 Prozent. Ausbezahlt<br />

wird nach gefahrenen Besetztkilometern.<br />

Was kompliziert klingt (und den Einsatz<br />

eines INSIKA-Verfahrens voraussetzt), ist<br />

durchaus praktikabel. Und das Interesse<br />

bei den Münchener Unternehmern ist<br />

durchaus vorhanden. Bei einem von <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Times</strong> organisierten „Münchner E-<strong>Taxi</strong>tag“<br />

waren über 100 Unternehmer gekommen.<br />

Sie konnten sich in Workshops über Theoretisches<br />

informieren und sechs E-<strong>Taxi</strong>-<br />

Modelle ansehen. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> berichtet<br />

darüber in der aktuellen Münchener<br />

Regionalausgabe.<br />

TREND VOM AUTOBESITZ HIN<br />

ZUR PERSONENBEFÖRDERUNG<br />

Die deutschen Autohersteller mögen den<br />

Wandel zur Elektromobilität verschlafen<br />

haben – bei ihrer künftigen Ausrichtung<br />

als Mobilitätsdienstleister stellen sie schon<br />

früh die Weichen. Wenn irgendwann einmal<br />

die Menschen keine eigenen Fahrzeuge<br />

mehr kaufen und selbst fahren, dann wollen<br />

Daimler und Volkswagen ihre Brötchen<br />

mit der Personenbeförderung verdienen.<br />

Das Projekt, mit dem VW erste Erfahrungen<br />

und vor allen Dingen wichtige Daten<br />

sammelt, nennt sich Moia. Kleines, freches,<br />

schlaues Start-Up Moia.<br />

Die <strong>April</strong>-Ausgabe von <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH<br />

beschreibt Moias Pläne. Wenn die Genehmigungsbehörde<br />

denen zustimmt, werden<br />

die ausgewählten Pilotstädte Hamburg und<br />

Hannover mit Mietwagen überschwemmt.<br />

Und was Volkswagen im Norden, macht<br />

Daimler in <strong>Berlin</strong> und im Süden. In Stuttgart<br />

soll die letzte Meile zwischen Straßenbahn-Endhaltestelle<br />

und Wohnung von<br />

Sammeltaxis geschlossen werden, die von<br />

Daimler unter dem Namen Flexpilot betrieben<br />

werden.<br />

MEHR VERKEHR = MEHR ABGASE<br />

Die Vertreter der <strong>Taxi</strong>zentralen und<br />

Verbände werden nicht müde, den Widerspruch<br />

solcher neuen Dienste klarzumachen.<br />

Eine Stadt, die zur Luftreinhaltung<br />

vielleicht sogar Fahrverbote aussprechen<br />

muss, darf nicht gleichzeitig hunderte<br />

neue Sharing-Mietwagen genehmigen,<br />

die als Kleinbusse den Verkehr noch mehr<br />

verdichten und die Luft damit noch mehr<br />

verschmutzen.<br />

Kein Wunder, dass die <strong>Taxi</strong>-Kollegen<br />

richtig sauer sind. Die DACH-Ausgabe<br />

berichtet über zwei sehr bemerkenswerte<br />

Streik-Aktionen der Hamburger und Stuttgarter<br />

<strong>Taxi</strong>fahrer. Bemerkenswert auch<br />

deswegen, weil sie nicht von Verbandsseite,<br />

sondern aufgrund von privaten Initiativen<br />

ins Leben gerufen wurden.<br />

Trotzdem können solche Initiativen eine<br />

gute Verbandsarbeit nicht ersetzen. Die<br />

Aufgaben des Bundesverbands BZP sind<br />

sehr vielfältig. Das geht auch aus dem<br />

Interview hervor, das Präsident Michael<br />

Müller unserem Verlag gegeben hat, und<br />

das bereits in der März-Ausgabe der <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Times</strong> DACH erschienen ist. Müller macht<br />

dabei eines ganz deutlich: Die Branche<br />

kämpft an vielen Fronten und hat noch<br />

dazu ein Nachwuchsproblem.<br />

Müller betont auch, dass die <strong>Taxi</strong>branche<br />

bereitsteht, alle „neuen“ Dienste von der<br />

App-Bestellung bis zum <strong>Taxi</strong>-Sharing abzudecken<br />

– mit umweltfreundlichen Fahrzeugen.<br />

Da passt es gut, dass in der kommenden<br />

DACH-Ausgabe die Testberichte zweier Elektrotaxis<br />

nachzulesen sind: Wir sind den Kia<br />

Soul EV und den Tesla gefahren. jh<br />

Verlag<br />

taxi-times Verlags GmbH,<br />

Frankfurter Ring 193 a<br />

80807 München, Deutschland<br />

Telefon: +49 (0)89 / 14 83 87 91<br />

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Redaktion (tt)<br />

Stephan Berndt (sb), Jürgen Hartmann (jh), Wilfried<br />

Hochfeld (wh), Axel Rühle (ar), Hayrettin Şimşek (hs)<br />

E-Mail: tt-berlin@taxi-times.taxi<br />

Mitarbeiter dieser Ausgabe<br />

Sascha Bors (sash), Daniel Herbst (dh),<br />

Philipp Rohde (prh)<br />

Grafik<br />

Stanislav Statsenko, info@inversi-design.de<br />

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Elke Gersdorf, e.gersdorf@taxi-times.taxi<br />

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Maik Roller & Andreas Jordan GbR<br />

Gustav-Holzmann-Str. 6<br />

10317 <strong>Berlin</strong><br />

Erscheinungsweise: 6 x pro Jahr<br />

Heftpreis: 3,50 € (inkl. MwSt.)<br />

ISSN-Nr.: 2367-3842<br />

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34 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI


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