Taxi Times Berlin - April 2018
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APRIL / MAI <strong>2018</strong> 3,50 €<br />
www.taxi-times.taxi<br />
BERLIN<br />
FUTURE MOBILITY WEEK IN BERLIN<br />
THEORIEN ZUR<br />
VERKEHRSWENDE<br />
MOBILITÄTSGESETZ<br />
Statement der<br />
<strong>Taxi</strong>-Verbände<br />
NEUE TXL-ORDNUNG<br />
Maßnahmen gegen<br />
„Klauer“ und Uber<br />
MICHAEL MÜLLER<br />
„<strong>Berlin</strong>s eigener Weg<br />
bei der <strong>Taxi</strong>förderung”
Titlefotos: stock.adobe.com / <strong>Berlin</strong>er Verkersbetriebe, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften,<br />
Bundesregierung / Kugler, SenWEB, Deutsche Bahn AG, Daimler AG, Jens Jeske<br />
WIR KÖNNEN ALLES<br />
Vor zwei Jahren hat die <strong>Taxi</strong>branche eine Marketing- und Politikkampagne<br />
gestartet, deren Slogan seitdem regelmäßig auftaucht:<br />
<strong>Taxi</strong> – Verlässlich ist modern. Der Slogan war die passende Antwort<br />
auf die Unterstellungen der Wettbewerber Uber, mytaxi &<br />
Co., das <strong>Taxi</strong>gewerbe sei altbacken und rückständig.<br />
Wenn man jetzt die aktuellen Diskussionen um den Verkehr<br />
der Zukunft verfolgt (Seite 6), dann entsteht schon wieder das<br />
Gefühl, dass die als notwendig betrachtete Verkehrswende nur<br />
von außen durchgeführt werden kann. Wieder scheint man dem<br />
Irrglauben zu verfallen, die bisherigen Akteure müssten ausgetauscht<br />
werden.<br />
Wahrscheinlich benötigt das <strong>Taxi</strong>gewerbe einen weiteren Slogan.<br />
Wie wäre es mit „<strong>Taxi</strong> – wir können alles, außer Rosinenpicken“.<br />
Oder „<strong>Taxi</strong> – Wandel mit Erfahrung“. Hochbezahlten PR-<br />
Agenturen würden bestimmt noch viele weitere Slogans einfallen.<br />
Sie alle müssen eine klare Botschaft transportieren: Egal, wie die<br />
Mobilität der Zukunft aussehen mag, ohne das <strong>Taxi</strong> kann sie nicht<br />
funktionieren. Es gibt deshalb nicht einen einzigen Grund, unsere<br />
Branche zu vernachlässigen.<br />
Stattdessen gibt es viele gute Gründe, den Wandel gemeinsam<br />
mit dem <strong>Taxi</strong> einzuleiten und in neue Gesetze die Erfahrung und<br />
die Expertise des <strong>Taxi</strong>gewerbes einfließen zu lassen. Es ist schön,<br />
dass genau das hier in <strong>Berlin</strong> mit dem vom Senat geplanten Mobilitätsgesetz<br />
passiert. Das Statement des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>-Gremiums<br />
an den Senat haben wir ab Seite 10 zusammengefasst.<br />
Es ist auch schön, dass <strong>Berlin</strong>s Regierender Bürgermeister<br />
Michael Müller bei seinen Vorstößen zur Luftreinhaltung das<br />
<strong>Taxi</strong> nicht sich selbst überlässt, sondern aktiv durch eine Hybrid-<br />
Benziner-Förderung mit Elektro-Optionen einbezieht. Warum<br />
ihm das so wichtig ist, beschreibt er auf Seite 20. Wenn das Programm<br />
aber wirklich erfolgreich sein will, muss nochmal über die<br />
Bedingung der Abwrackung des alten Diesel-Modells nachgedacht<br />
werden. Diese Kritik ist konstruktiv und berechtigt (Seite 22) und<br />
zeigt abermals, wie wichtig der permanente Gedankenaustausch<br />
zwischen Politik, Verwaltung und <strong>Taxi</strong>gewerbe ist.<br />
Nur dadurch kommen am Ende praxistaugliche Maßnahmen<br />
heraus, sei es nun im Alltag des Flughafengeschäfts (Seite 14),<br />
bei der Umstellung auf Hybrid- und Elektrotechnik (ab Seite 23)<br />
oder beim großen Wurf, der Mobilitätswende für den Verkehr der<br />
Zukunft. <strong>Taxi</strong> kann das alles mitmachen.<br />
- die Redaktion -<br />
INHALT<br />
4 News<br />
MOBILITÄT<br />
6 Future Mobility Summit – Die<br />
Verkehrswende hat viele Theorien<br />
8 Die Zukunft des Personenverkehrs<br />
TAXI-GREMIUM BERLIN<br />
10 Das <strong>Berlin</strong>er Mobilitätsgesetz<br />
12 Dezente Tariferhöhung<br />
13 Ride-Hailing ist nicht Ride-Sharing<br />
FLUGHAFEN<br />
14 Schranken gegen TXL-Klauer<br />
15 Auto waschen während des Wartens<br />
POLITIK<br />
16 Pläne der Bundesregierung<br />
17 Hamburg, Wien, Istanbul: <strong>Taxi</strong>-Demos<br />
TAXI BERLIN<br />
18 Ride-Sharing kann das <strong>Taxi</strong> auch<br />
19 Zum Gerichtsurteil über Fahrverbote<br />
ANTRIEB<br />
20 Michael Müller zur Hybrid-Förderung<br />
22 Hybrid-Förderung: Zwischenbilanz<br />
23 Testbericht Hyundai Ioniq Hybrid<br />
24 Bio-Methan als Rettung?<br />
25 Mercedes mit gespaltener Zunge<br />
26 Die Elektro-Zukunft hat begonnen<br />
BUCHTIPP<br />
27 Bunker für zu Hause<br />
RECHT<br />
28 Vergessene Verkehrsregeln, Teil 4<br />
30 Rechtskolumne: Uber und die wilden<br />
Kerle<br />
TIPPS, KOLUMNE, KULTUR<br />
31 Ramadan im <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
32 Saschs Kolumne: Storchenfahrt<br />
33 Gastronomie-Tipp<br />
34 Querblick<br />
EIGNUNGSUNTERSUCHUNGEN NACH FAHRERLAUBNISVERORDNUNG (FeV)<br />
SCHNELLE TERMINE,<br />
GÜNSTIGE PREISE,<br />
ZENTRALE LAGE<br />
+++<br />
TAXI<br />
Jetzt Termin<br />
APRIL / <strong>2018</strong><br />
vereinbaren: Online unter www.taxiarzt.de 3 buchen oder einfach 030 27976744 anrufen +++
MELDUNGEN<br />
NEWSTICKER<br />
Vor der P-Schein-Verlängerung geht es zum Arbeitsmediziner. Die<br />
Kosten sind absetzbar.<br />
TOYOTA WEISS, WO UNSERE<br />
FAHRGÄSTE STEHEN<br />
Ein japanisches <strong>Taxi</strong>unternehmen testet<br />
seit Februar eine auf Künstlicher Intelligenz<br />
beruhende Vorhersage der Nachfrage<br />
nach Taxen. Sie wird den Fahrern auf<br />
Tablets in 30-minütigen Intervallen angezeigt.<br />
Das System schlägt – basierend auf<br />
Informationen von Fahrern – auch Straßen<br />
vor, an deren Rand mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />
Fahrgäste warten könnten. In der<br />
Testphase stieg laut Toyota der Umsatz der<br />
teilnehmenden Fahrer um 20 %. prh<br />
NEUER BETRIEBSARZT<br />
IN KU’DAMM-NÄHE<br />
Der Name verrät bereits das Programm: Unter www.taxiarzt.de<br />
können sich <strong>Taxi</strong>-Neulinge ebenso wie erfahrene Kolleginnen und<br />
Kollegen zu jener ärztlichen Untersuchung anmelden, die beim<br />
Antrag auf einen <strong>Taxi</strong>schein nötig ist.<br />
Die Praxis befindet sich in der Prager Straße 5. Parken ist im<br />
öffentlichen Parkhaus gegenüber möglich. Neben der Buchung<br />
über das Onlineportal kann auch telefonisch unter (030) 27 97 67<br />
44 ein Termin vereinbart werden. „Unser Motto ist reinkommen,<br />
drankommen, weiterfahren“, verspricht Dr. Philipp Schäfer eine<br />
Untersuchung ohne große Wartezeit, die im Regelfall etwa 30<br />
Minuten dauert, und während der es auch einen Kaffee oder Tee<br />
gibt. Der Preis für die Untersuchung beträgt 99 Euro inklusive<br />
Mehrwertsteuer – unabhängig davon, ob es sich dabei um eine<br />
Erst- oder eine Verlängerungsuntersuchung handelt. Die Praxis<br />
wurde am 19.4. eröffnet. Dr. Schäfer und sein Team freuen sich<br />
nun auf zahlreiche <strong>Taxi</strong>fahrerinnen und <strong>Taxi</strong>fahrer. tt<br />
Was an der Seite geht, geht auch hinten.<br />
„INNUNG“ MÖCHTE<br />
HECKSCHEIBENWERBUNG<br />
Mit einem Antrag auf Ausnahmegenehmigung<br />
bittet die Innung des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />
e. V. das LABO um die Erlaubnis<br />
für Taxen, künftig auf der Heckscheibe<br />
Reklame zu platzieren. Die Heckscheibe als<br />
Werbefläche zu vermieten, sei eine ideale<br />
Lösung für <strong>Taxi</strong>unternehmer, unter anderem,<br />
weil dabei der Lack geschont würde.<br />
Man würde auch gerne die bundesweite<br />
<strong>Taxi</strong>-Kampagne „Verlässlich ist modern“<br />
auf der Heckscheibe platzieren, um damit<br />
auch gegenüber den Wettbewerbern klare<br />
Botschaften abzusetzen. „Wir haben zur<br />
Zeit in <strong>Berlin</strong> viele Alternativ- und Mobilitätskonzepte,<br />
die ähnliche Dienstleistungen<br />
anbieten wie das <strong>Taxi</strong>gewerbe“, schreibt der<br />
Innungsvorstand. „Diese Anbieter benutzen<br />
Ganzflächenwerbung für ihre Fahrzeuge,<br />
um auf ihre Dienste aufmerksam zu<br />
machen.“ Der Antrag wurde Anfang März<br />
gestellt. Eine Antwort ist das LABO noch<br />
schuldig. <br />
jh<br />
Am 3. Mai lohnt sich ein Besuch bei der Toyota Motor Company.<br />
TOYOTA FRÜHSTÜCKT<br />
MIT DEM TAXIGEWERBE<br />
Die Toyota MCF Motor Company lädt am Donnerstag, dem 3.<br />
Mai, in die Stralauer Allee 44 (Ecke Warschauer Platz) zum 4.<br />
<strong>Taxi</strong>frühstück. Es steht von 10 bis 14 Uhr unter dem Motto „Hybrid<br />
für <strong>Berlin</strong>“. Hybrid für <strong>Berlin</strong> gibt es bei Toyota seit 20 Jahren. Das<br />
<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe ist von Anfang an dabei. Toyota-Hybrid-<br />
Taxen sind im Stadtbild nicht mehr zu übersehen. Hybrid ist die<br />
einfachste Form, umweltfreundlich Auto zu fahren. Keine Gedanke<br />
an besondere Tankstellen oder freie Steckdosen ist nötig.<br />
Natürlich wird das Toyota-<strong>Taxi</strong>-Team genau zu diesen Themen<br />
Rede und Antwort stehen. Dabei werden auch die bewährten<br />
Toyota-<strong>Taxi</strong>-Modelle zu sehen sein. Besonderer Clou: Zum Ende<br />
der Veranstaltung werden zwei wertvolle Smartphones Apple<br />
iPhoneX verlost. Wir wünschen allen Kolleginnen und Kollegen<br />
guten Appetit und viel Losglück. <br />
wh<br />
FOTOS: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, GRAFIK: Toyota<br />
4 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
5
MOBILITÄT<br />
Future Mobility Summit - Gipfeltreffen zur Zukunft der Mobilität.<br />
DIE VERKEHRSWENDE<br />
HAT VIELE THEORIEN<br />
Im Gasometer auf dem Schöneberger EUREF-Campus wurde über<br />
den Verkehr der Zukunft diskutiert. Der nötige Wandel ist dabei in<br />
einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu rücken.<br />
Der „Tagesspiegel“ hatte zwei<br />
Tage lang den „Future Mobility<br />
Summit“ (Zukunfts-Mobilitäts-<br />
Gipfel) veranstaltet, der dann von der<br />
bereits sechsten „Hauptstadtkonferenz<br />
Elektromobilität“ vortrefflich ergänzt<br />
wurde. Aber was genau müssen wir uns<br />
unter einer „Future Mobility Week“ vorstellen?<br />
Klar, es geht um den Verkehr der<br />
Zukunft, um technische Lösungen wie<br />
emissionsfreie Antriebe, autonomes Fahren<br />
oder Digitalisierung. Um politische<br />
Steuerung, z. B., welche Technik gefördert<br />
wird, welche Fahrzeuge noch in die<br />
Innenstädte dürfen, und um die Gestaltung<br />
des öffentlichen Personennahverkehrs<br />
(ÖPNV). Und um die Kompetenzen<br />
und Zukunftschancen der heimischen<br />
Wirtschaft.<br />
Doch im Schöneberger Gasometer wurde<br />
die Verkehrswende in einem größeren<br />
gesellschaftlichen Zusammenhang diskutiert:<br />
Müssen Errungenschaften des 20.<br />
Jahrhunderts, wie die Freiheit individueller<br />
Mobilität, aufgegeben werden? Wie ist die<br />
autogerechte Stadt zu wandeln in menschengerechte<br />
und lebenswerte Lebensräume?<br />
Wie sind die radikalen Veränderungen<br />
von Wirtschaft und Gesellschaft<br />
durch Digitalisierung, Automatisierung<br />
und Vernetzung politisch zu steuern?<br />
Welche Auswirkungen hat all dies auf den<br />
ÖPNV und welche Zukunftschancen hat<br />
dabei das <strong>Taxi</strong>?<br />
Um diese Fragen zu beantworten (siehe<br />
Seite 8), war es sehr aufschlussreich, die<br />
Standpunkte der einzelnen Redner zu<br />
hören. Wie stellt man sich beispielsweise<br />
den Antrieb der Zukunft vor?<br />
Für die Chefs der Auto-Lobby gehören<br />
effiziente Verbrennungsmotoren mit<br />
modernen Katalysatoren weiter dazu.<br />
Daimler-Chef Dieter Zetsche ist überzeugt,<br />
dass „mit den Dieselfahrzeugen,<br />
die wir heute verkaufen, auch in Zukunft<br />
in die Innenstädte gefahren werden kann“.<br />
Zum Erreichen der Klimaziele seien Euro-<br />
6d-Diesel „unverzichtbar“, so der Präsident<br />
des Verbands der Automobilindustrie<br />
(VDA), Bernhard Mattes.<br />
Die batteriebetriebene Elektromobilität<br />
erscheint nicht mehr ganz so sexy wie in<br />
der ersten Euphorie. Nicht nur, weil die<br />
deutsche und europäische Automobilindustrie<br />
von den asiatischen Akteuren<br />
weit abgehängt wurde, sondern auch, weil<br />
ihre Öko-Bilanz lange nicht so gut ist wie<br />
angenommen. Vom umweltzerstörenden<br />
und menschenverachtenden Abbau der<br />
Batterie-Rohstoffe über Batterie-Produktion<br />
bis zum Recycling muss alles in der<br />
Gesamt-Ökobilanz von E-Mobilität erfasst<br />
werden. Dass dann der Ladestrom aus<br />
einem Mix besteht, der überwiegend aus<br />
Braunkohle, Kernenergie und Steinkohle<br />
erzeugt wurde, macht es nicht besser.<br />
Batterie-E-Mobilität ist nur „lokal-emissionsfrei“<br />
und kann für die akute Belastung<br />
der Metropolen bestenfalls eine zeitlich<br />
begrenzt vertretbare Lösung sein. Sie wird<br />
aber nicht dazu beitragen können, globale<br />
Klimaziele zu erfüllen, da Belastungen<br />
FOTO: stock.adobe.com<br />
6 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
MOBILITÄT<br />
lediglich geografisch verschoben werden.<br />
„Alternative Nr. 1“ ist aktuell das Brennstoffzellenauto,<br />
im Prinzip ein Elektroauto,<br />
das seinen Strom nicht aus einer Batterie<br />
zieht, sondern direkt an Bord erzeugt.<br />
Dazu wird Wasserstoff (H 2<br />
) getankt, was<br />
fünf Minuten dauert und eine Reichweite<br />
auf dem Niveau von Verbrennungsmotoren<br />
ermöglicht. Bundesweit gibt es dafür erst<br />
43 Tankstellen, doch das Netz entsteht.<br />
Berechnungen zufolge würden in Deutschland<br />
ca. 1.000 H 2<br />
-Tankstellen benötigt.<br />
Vielleicht wäre es klüger, die<br />
deutsche Autoindustrie würde<br />
diesen Netzausbau vorantreiben,<br />
als über eine eigene, sehr<br />
kostenintensive Batterieproduktion<br />
nachzudenken. Hunderttausende<br />
Stromladestationen<br />
müssten gar nicht erst installiert werden.<br />
Das Land fördere massiv Elektromobilität,<br />
was allerdings nicht immer ganz<br />
Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht Diesel<br />
nicht als Auslaufmodell<br />
problemlos sei. So könne beispielsweise<br />
die BVG in ganz Europa keine Elektro-<br />
Busse kriegen und müsse diese entweder<br />
in China kaufen oder, nach Vorbild der<br />
Post, selbst bauen lassen. Eine zunächst<br />
für den Kauf von Elektrotaxen geplante<br />
Förderung musste in eine Förderung von<br />
Hybrid-Taxen geändert werden, da geeignete<br />
eichfähige E-Fahrzeuge nur bei wenigen<br />
Modellen verfügbar seien und auch die<br />
vorhandene Lade-Infrastruktur noch nicht<br />
annährend ausreicht.<br />
«Es kann nicht sein, dass wir die<br />
Infrastruktur aufbauen, und die<br />
Industrie liefert dann nicht.»<br />
Ramona Pop<br />
Tatsächlich geht es auf absehbare Zeit<br />
nur mit einem Mix von Antrieben: Hybride,<br />
Gasantriebe und – noch länger<br />
unverzichtbar – der moderne Dieselmotor.<br />
Bei synthetischen Kraftstoffen muss weiter<br />
intensiv geforscht werden. Lösungen<br />
wie Oberleitungs-LKW müssen zu Ende<br />
gedacht werden. Was sich davon am Ende<br />
durchsetzt, ist offen.<br />
„Die Mobilitätswende beginnt in unseren<br />
Köpfen“, sagt Ramona Pop, <strong>Berlin</strong>s<br />
Senatorin für Wirtschaft, Energie und<br />
Betriebe, und nennt als Voraussetzung<br />
nachhaltiger Mobilität im urbanen Raum<br />
einen grundlegenden Einstellungswandel<br />
der BürgerInnen. Ohne den würden künftig<br />
autonom fahrende Autos die Straßen der<br />
Innenstädte verstopfen. Ein Trend weg von<br />
Individualverkehr hin zur Vernetzung sei<br />
erkennbar. Für Berthold Huber, Vorstand<br />
Personenverkehr bei der Deutschen Bahn<br />
AG, ist es klug, Verkehre zu vermeiden.<br />
„Einzelne Menschen in Car-Sharing-Autos,<br />
die Stau verursachen, sind keine kluge<br />
Lösung.“ Busse und Bahnen müssten<br />
lediglich durch Shuttles sinnvoll ergänzt<br />
werden, tief integriert und vernetzt durch<br />
eine Mobilitätsplattform, eine überall<br />
einsetzbare Mobilitätskarte, gemeinsame<br />
Buchung und Tarifierung. Die Integration<br />
der verschiedenen Mobilitätsformen verlange<br />
Netzstrukturen, in die<br />
auch der ÖPNV mit einzubeziehen<br />
sei. Das will auch BVG-<br />
Chefin Dr. Sigrid Nikutta: „Die<br />
Lösung liegt im ÖPNV. Busse<br />
und Bahnen sind das Rückgrat<br />
der Lösung, mit enger Taktung<br />
und einfachem Tarifsystem.“ Die autogerechte<br />
Innenstadt sei Geschichte, Ziel sei<br />
eine lebenswerte Innenstadt. sb<br />
Mal anders betrachtet: So viel Raum nehmen<br />
Autos in der Stadt ein.<br />
MOBILITÄT IN EINER GROSSEN PLATTFORM<br />
FOTOS: Stephan Berndt / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, ZEICHNUNG: Karl Jilg<br />
Alle wollen ein deutschlandweites Mobilitätsportal, und<br />
einige glauben, „moovel“ könnte das sein. Die App, ein<br />
hundertprozentiges Tochterunternehmen der Daimler<br />
AG, sei ein „Mobilitätskonzept, gemeinsam mit den Städten“ und<br />
biete „alles aus einem Guss“. Über moovel könnten unterschiedliche<br />
Verkehrsmittel für eine Route unkompliziert reserviert,<br />
gebucht und bezahlt werden. Fahrdauer und Kosten von öffentlichem<br />
Nahverkehr, Carsharing-Anbietern, mytaxi, Leihfahrrad und<br />
der Deutschen Bahn seien vergleichbar. moovel arbeite an einem<br />
Betriebssystem für urbane Mobilität, das Zugang zu passenden<br />
Mobilitätsoptionen biete und den Weg für eine Zukunft mit autonomen<br />
Fahrzeugen bereite.<br />
Ein einziges Bestellportal, in dem alle Mobilitätsangebote verknüpft<br />
sind, wäre natürlich wünschenswert. Das öffentliche Verkehrsinteresse<br />
wird aber kaum von einem privaten Großkonzern<br />
gegen Individualinteressen zu schützen sein, noch weniger, wenn<br />
derselbe Konzern die „Liberalisierung“ des Ordnungsrahmens<br />
fordert. Eine Mobilitäts-App aus den Händen eines Autobauers<br />
wird immer auch Konzerninteressen verfolgen und Konkurrenten<br />
ausschließen. Bei moovel soll der gesamte <strong>Taxi</strong>markt exklusiv<br />
durch mytaxi repräsentiert werden. Die große Mehrzahl der<br />
<strong>Taxi</strong>s, die von lokalen <strong>Taxi</strong>vermittlungen gesteuert werden und<br />
europaweit unter taxi.eu digital bestellt werden können, bliebe<br />
ausgeschlossen. Das zweite Beispiel: auch beim BVG-Projekt „Berl-<br />
König“ ist Mercedes zum Zug gekommen. Wieso kooperiert die<br />
BVG mit dem Start-up Via-Van, einem Joint-Venture aus Via und<br />
Mercedes-Benz Vans, und nicht mit dem <strong>Taxi</strong>gewerbe? Die Zusammenarbeit<br />
von BVG und <strong>Taxi</strong>gewerbe hat eine lange Tradition,<br />
und es wären ideale Partner, um On-Demand-Ride-Sharing zu<br />
testen. Es sei denn, irgendwer hätte ein Interesse daran, monopolistische<br />
Strukturen zu schaffen und staatliche Kontrolle und<br />
Verbraucherschutz aufzugeben. Obwohl passende <strong>Taxi</strong>s sofort<br />
verfügbar sind, wird die Experimentierklausel im PBefG bemüht.<br />
Die Genehmigungsbehörde sollte das ablehnen. <br />
sb<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
7
MOBILITÄT<br />
Das Rad muss nicht neu erfunden werden.<br />
Das <strong>Taxi</strong>gewerbe hat bereits viele Räder.<br />
DIE ZUKUNFT DES<br />
PERSONENVERKEHRS<br />
Wer meint, das Personenbeförderungsgesetz stehe dem Fortschritt im<br />
Weg, muss schleunigst vom Gegenteil überzeugt werden. Der Gipfel<br />
und die Hauptstadtkonferenz waren dazu ein guter Anlass.<br />
Etliche Vertreter des <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />
haben nicht nur die Vorträge<br />
besucht, sondern sich auch rege<br />
an den Diskussionen beteiligt. Vor allen<br />
Dingen mit jenen Nerds, die immer wieder<br />
den Irrglauben verbreiten, das Personenbeförderungsgesetz<br />
(PBefG) würde<br />
kluger Mobilität im Weg stehen. In deren<br />
Augen ist das <strong>Taxi</strong>gewerbe ein Relikt aus<br />
einer vergangenen Zeit: schlecht für die<br />
Umwelt, schlecht für die Kunden und<br />
schlecht integrierbar in neue Mobilitätsnetzwerke.<br />
Es existiere nur noch durch<br />
den Schutz des PBefG, und dies stehe<br />
damit dem Fortschritt im Weg.<br />
Gut, dass die <strong>Taxi</strong>-Lobby mit großangelegten<br />
Kampagnen viele Politiker bereits<br />
vom Gegenteil überzeugen konnte. Massen<br />
von Mietwagen zuzulassen, die unkontrolliert<br />
in gesetzwidrigem, taximäßigem<br />
Einsatz sind, schadet nicht nur dem <strong>Taxi</strong>gewerbe,<br />
sondern verknappt den ohnehin<br />
raren Raum in der Innenstadt zusätzlich.<br />
Zudem drohen diese Fahrzeuge mit ihren<br />
Dumpingpreisen, die ein Teil der Übernahmestrategie<br />
der kapitalstarken Megakonzerne<br />
sind, sogar den ÖPNV zu kannibalisieren,<br />
das Rückgrat einer ökologischen<br />
Verkehrswende. Genau jene Wende kann<br />
auch vom <strong>Taxi</strong>gewerbe getragen werden,<br />
das dafür technisch auf dem neuesten<br />
Stand ist.<br />
Seit vielen Jahren sind Bestellung und<br />
Auftragsvergabe voll digitalisiert, über<br />
GPS-Ortung wird stets das nächste freie<br />
<strong>Taxi</strong> zum Bestellort geschickt, der in <strong>Berlin</strong><br />
«<strong>Taxi</strong>branche<br />
kapert<br />
Diskussion um<br />
Verkehrswende.»<br />
Tweet zum Ende der<br />
Hauptstadtkonferenz<br />
i. d. R. innerhalb von drei Minuten erreicht<br />
wird. Das gewährleisten aktuell etwas<br />
mehr als 8.100 Taxen, die mit ca. 12.000<br />
Beschäftigten 365 Tage im Jahr rund um<br />
die Uhr unterwegs sind und monatlich ca.<br />
3.000.000 Fahrgäste zu verlässlichen Preisen<br />
befördern. Über die Bestell-App taxi.<br />
eu, mit der in nahezu allen europäischen<br />
Städten schnell ein <strong>Taxi</strong> gerufen werden<br />
kann, sind berlinweit ca. 6.500 <strong>Taxi</strong>s verfügbar.<br />
taxi.eu ist die App des traditionellen<br />
<strong>Taxi</strong>gewerbes, hinter der die Erfahrung<br />
und das Qualitätsmanagement der großen<br />
europäischen <strong>Taxi</strong>zentralen stecken.<br />
Digitale Vermittlungstechnik und<br />
digitale Bezahlformen bieten längst die<br />
Möglichkeit, das gesamte Potential der<br />
<strong>Taxi</strong>branche über diese App in einem auf<br />
dem Kongress von allen Seiten gewünschten<br />
Mobilitätsportal zu integrieren. Dazu<br />
bedarf es nicht neuer Anbieter, <strong>Taxi</strong> kann<br />
das alles. Edle Limousinen, umweltverträgliche<br />
Antriebe, Ridesharing-geeignete<br />
<strong>Taxi</strong>-Vans für bis zu acht Fahrgäste und<br />
Fahrzeuge für mobilitätseingeschränkte<br />
Personen – alles bereits vorhanden. Dazu<br />
wird im vom Land <strong>Berlin</strong> finanziell geförderten<br />
Projekt „Inklusionstaxi“ gerade<br />
eine Flotte von ca. 250 berollbaren Taxen<br />
aufgebaut.<br />
Taxen stehen technischem Fortschritt<br />
und der notwendigen Vernetzung verschiedener<br />
Verkehrsmittel definitiv nicht<br />
im Weg, sondern eignen sich ganz hervorragend,<br />
Teil dieses Netzwerks zu werden.<br />
Wäre es nicht nachhaltiger, vorhandenes<br />
Potential zu nutzen, bevor neue Anbieter<br />
zusätzliche Fahrzeuge auf die Straße<br />
bringen? Wäre es nicht klüger, durch bessere<br />
Auslastung der verfügbaren Taxen<br />
das nicht gerade üppige Einkommen von<br />
12.000 ordentlich Beschäftigten aufzubessern,<br />
deren Arbeitgeber vor Ort Steuern<br />
und Sozialabgaben abführen, anstatt deren<br />
Existenz durch aggressive Geschäftsmodelle<br />
und Dumpingpreisen zu bedrohen<br />
und prekäre Beschäftigungsverhältnisse<br />
zu etablieren?<br />
Der Vorstandsvorsitzende der EUREF<br />
AG, Reinhard Müller, forderte im Gasometer<br />
von der Politik „mehr Mut“, damit<br />
zukunftsweisende Technologien „raus in<br />
den öffentlichen Raum“ kommen. Auch<br />
die <strong>Taxi</strong>branche erwartet mehr Mut<br />
von Politik und Verwaltungen – Mut,<br />
das öffentliche Verkehrsinteresse vor<br />
Monopolisierungs- und Profitinteressen<br />
zu schützen und entsprechend<br />
restriktiv mit Sondergenehmigungen<br />
umzugehen.<br />
sb<br />
GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong><br />
8 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
9
<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
BUS<br />
TAXI<br />
TRAM<br />
VORFAHRT FÜR BUSSE,<br />
TRAMS – UND TAXEN!<br />
Das bundesweit erste Mobilitätsgesetz für <strong>Berlin</strong> kommt.<br />
Stellungnahme des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>-Gremiums zur Sicherung des ÖPNV:<br />
Das <strong>Taxi</strong> ist wichtiger als je zuvor.<br />
Mit dem geplanten Mobilitätsgesetz, das derzeit in den Ausschüssen<br />
beraten wird, will Verkehrssenatorin Regine<br />
Günther „die Grundlagen für die Mobilität der Zukunft<br />
in einer wachsenden Metropole“ legen. Es soll „die Leistungsfähigkeit<br />
des Verkehrssystems in seiner Gesamtheit steigern“<br />
und den Verkehr sicherer machen. Da zum Erreichen aller Ziele<br />
auch Neuregelungen auf Bundesebene erforderlich seien, sei eine<br />
Bundesratsinitiative vereinbart worden.<br />
Rasant wandeln sich Personenbeförderungsangebote durch Digitalisierung<br />
und Automatisierung, vor allem aber durch disruptiv<br />
auf den Markt drängende Mega-Konzerne. Darauf muss das Gesetz<br />
Antworten geben – und wird daher um einen Abschnitt „Intelligente<br />
Mobilität“ ergänzt. Das <strong>Taxi</strong>-Gremium will dem Gesetzgeber<br />
einmal mehr die herausragende Bedeutung des <strong>Taxi</strong>s in<br />
idealer Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)<br />
vor Augen führen und für die Gefahren einer Kannibalisierung<br />
durch Monopole privater Verkehrsdienstleister sensibilisieren.<br />
Das Gesetz muss „eine Antwort auf die gesellschaftlichen Fragen<br />
zur Klärung der offensichtlichen Konkurrenzsituation im Bereich<br />
Verkehr“ geben.<br />
VERLÄSSLICH IST MODERN<br />
Dass dem <strong>Taxi</strong> durch das Personenbeförderungsgesetz (PBefG)<br />
eine Sonderstellung im ÖPNV zukommt, ist kein Zufall. Durch<br />
die gesetzliche Betriebs-, Beförderungs- und Tarifpflicht sind den<br />
privaten <strong>Taxi</strong>betreibern enge Grenzen bei ihren unternehmerischen<br />
Entscheidungen gesetzt, damit den Kunden ein immer<br />
verfügbares, in Preis, Qualität und Sicherheit verlässliches Verkehrsmittel<br />
garantiert werden kann, in dem sie Fahrstrecke und<br />
-ziel frei bestimmen können, und das den ÖPNV ideal ergänzt.<br />
So sind für Taxen jährliche Hauptuntersuchungen, eine spezielle<br />
Kfz-Versicherung und der Nachweis der Sach- und Fachkunde<br />
des Unternehmers obligatorisch. Staat und Kommunen verfügen<br />
gegenüber dem <strong>Taxi</strong>gewerbe über Steuerungsinstrumente, die<br />
es, leichter als gegenüber jedem anderen Anbieter, ermöglichen,<br />
bestimmte Standards vorzugeben. So könnte das Erteilen von<br />
Genehmigungen künftig z. B. daran geknüpft werden, ob das <strong>Taxi</strong><br />
ökologisch angetrieben wird oder barrierefrei ist.<br />
POOLING-ANGEBOTE ATTRAKTIV UND NACHHALTIG<br />
Das PBefG lässt schon heute Ride-Sharing zu. Fahrgemeinschaften<br />
können sich über die Bestell-App verabreden. Dass der zuerst<br />
Eingestiegene bestimmt, muss aber geändert werden. Die Bereitschaft,<br />
Fahrten zu teilen, ist vorhanden, wenn es für den Einzelnen<br />
deutlich billiger wird. Der <strong>Taxi</strong>tarif muss aber unbedingt eingehalten<br />
werden und wird auf die Fahrgäste aufgeteilt. Die Anteile<br />
berechnet die App nach den Streckenanteilen der Fahrgäste.<br />
Festpreise zur Kundenbindung<br />
Für definierte Verbindungen sollten im <strong>Taxi</strong>tarif Festpreise<br />
eingeführt werden, etwa Flughafen – City oder City – Messe.<br />
Das wäre sinnvoll im Hinblick auf Kooperationen und auf die<br />
Vernetzung mit anderen ÖPNV-Partnern. Außerdem könnten <strong>Taxi</strong>-<br />
Vouchers (Gutscheine) dann schon bei der Flug- oder Hotelbuchung<br />
mitgekauft werden.<br />
DATENSICHERHEIT<br />
Daten, notwendig in Vermittlung und Vernetzung, sind in der<br />
Wirtschaft längst zu einer eigenständigen Ressource geworden.<br />
Darum müssen die Betreiber vertrauenswürdig sein. In der<br />
Bestell-App sieht heute schon jeder, wie viele <strong>Taxi</strong>s in welcher<br />
Entfernung sind, und wann das erste <strong>Taxi</strong> da sein kann. Es können<br />
Fahrzeugkriterien angezeigt werden wie Kombi, Kleinbus,<br />
10 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
TAXI-GREMIUM<br />
barrierefrei oder für das Pooling verfügbar, Qualitätskriterien<br />
des Fahrers wie Fremdsprachen oder Stadtführerqualifikation –<br />
und seine Bewertung. Daten, die für die Dienstleistung irrelevant<br />
sind, werden nicht geliefert. Anders als die Mega-Konzerne hat<br />
das <strong>Taxi</strong>gewerbe kein kommerzielles Interesse an den Daten, die<br />
von den Kunden erfasst werden.<br />
BAHN + BUS + TAXI = INTELLIGENTE MOBILITÄT<br />
Wie kann diese „intelligente Mobilität“ durch ein Mobilitätsgesetz<br />
gesichert und verbessert werden? Zunächst einmal, indem<br />
es die eben beschriebenen Regelungen festschreibt und nicht<br />
aufweicht. Wie es in der Zielsetzung des Gesetzentwurfs formuliert<br />
wurde: In einem „stadt-, umwelt- sowie klimaverträglich<br />
ausgestalteten, sicheren, barrierefreien Verkehrssystem sollen<br />
die verschiedenen Verkehrsmittel mit ihren spezifischen Stärken<br />
zum Einsatz kommen“, um das Gesamtsystem im Hinblick<br />
auf die Anforderungen der Zukunft zu optimieren. Im Entwurf<br />
soll gemäß § 4 Satz 3 Menschen- und stadtgerechter Verkehr ...<br />
durch „möglichst geringe Rauminanspruchnahme des fließenden<br />
und ruhenden Verkehrs“ erreicht werden. Dann gilt es, Massen<br />
sich unkontrolliert bereithaltender, die Innenstädte überschwemmender<br />
Mietwagen zu verhindern. Das Aufplustern des Individualverkehrs,<br />
ermöglicht durch Dumpingpreise monopolistischer<br />
Megakonzerne, führt zu mehr Auto-Kilometern und ist nicht klug<br />
und nicht nachhaltig. Kundenfreundlich ist es letztlich auch nicht,<br />
denn sobald das Monopol sich durchgesetzt hat, bestimmt es die<br />
Preise. Innovative Verkehrsangebote dürfen den ÖPNV nicht kannibalisieren.<br />
Das gelingt, wenn das Mietwagengewerbe sich an<br />
die geltenden Gesetze hält und die zuständige Behörde nur in<br />
Ausnahmen und mit Augenmaß Gebrauch von der Experimentierklausel<br />
gemäß § 2 Abs. 7 PBefG macht. Wir empfehlen deshalb, §<br />
25 Satz 11, „Innovative Mobilitätskonzepte und Verkehrsangebote<br />
des ÖPNV sind mit Blick auf die verbesserte Erfüllung der Ziele<br />
dieses Gesetzes zu erproben“, ersatzlos zu streichen.<br />
DAS RAD NICHT NEU ERFINDEN<br />
Bevor etwas erprobt wird, muss einerseits geprüft werden,<br />
ob das nicht bereits von Taxen geleistet wird oder geleistet werden<br />
kann, um vorhandene Ressourcen zu nutzen. Andererseits<br />
dürfen die beantragten Verkehre nicht öffentlichen Interessen<br />
entgegenstehen. Es muss auch eine Rolle spielen, wer es ist, der<br />
diese Verkehre ausüben will, und wie das langfristig den Markt<br />
verändern könnte. Beispiele gibt es genug. Weder BerlKönig oder<br />
Clever Shuttle, noch die Kooperation des ADAC mit door2door oder<br />
vergleichbare Dienste müssen direkt Gewinne erzielen. Bei den<br />
Preisen, die gefordert werden, kann das nicht eigenwirtschaftlich<br />
sein. Funktionieren kann das nur durch das endlose Kapital von<br />
Megakonzernen – und bedroht die Existenz des <strong>Taxi</strong>gewerbes.<br />
Denn der Fokus neuer Anbieter liegt auf attraktiven Fahrgastströmen<br />
in verkehrsreichen Zeiten und hoch frequentierten Gebieten.<br />
Doch damit werden dem gesamten klassischen ÖPNV wichtige Einnahmequellen<br />
genommen, die in der Mischkalkulation, nach der<br />
auch in schwachen Zeiten und Gebieten die Beförderung jederzeit<br />
für alle durch ÖPNV und <strong>Taxi</strong> garantiert wird, unverzichtbar sind.<br />
„Intelligente Mobilität“ braucht Regeln und Kontrolle, damit<br />
diese Aufgaben – und damit die Funktion des ÖPNV – nicht an<br />
ausschließlich an profitorientierte Mega-Konzerne fallen und dann<br />
die Regeln des Stärkeren entscheiden. Wenn Kontrolle schwierig<br />
ist, darf ein Ordnungsrahmen nicht liberalisiert werden. Dann<br />
müssen strengere Regeln her, damit Missbrauch besser zu beweisen<br />
ist und gezielter bekämpft werden kann. Mietwagen müssen<br />
verpflichtet werden, ihre Umsätze mit fiskaltaxameterähnlichen<br />
Geräten zu erfassen, bei denen die Preise eingegeben werden<br />
müssen und die Komponenten der Preisbildung offenliegen, die<br />
Beginn und Ende der Fahrt aufzeichnen, und die eine elektronische<br />
Quittung erstellen. Die Einhaltung der Rückkehrpflicht muss<br />
mittels GPS-Ortung kontrolliert werden.<br />
Da im Mietwagen derzeit nicht einmal Fahrtenschreiber vorgeschrieben<br />
sind, wandern Fahrer, die schwarz arbeiten wollen,<br />
bereits in Scharen vom mittlerweile 100-prozentig kontrollierten<br />
<strong>Taxi</strong>gewerbe zum Mietwagen ab. Vorschriften nicht zu überprüfen,<br />
ist fahrlässig. Es ist besser, die Spielregeln zu verschärfen,<br />
statt sie wegfallen zu lassen. Heilsversprechen mit Zauberworten<br />
wie „Digitalisierung“ und „Modernität“ enden sonst im Chaos, was<br />
am Beispiel New York City deutlich zu sehen ist.<br />
SAME BUSINESS – SAME RULES<br />
Das <strong>Taxi</strong>gewerbe akzeptiert Konkurrenz, aber bitte zu gleichen<br />
Bedingungen. Wer die Privilegien des ÖPNV genießen will,<br />
darf die „lästigen“ Pflichten nicht ablehnen, die im Sinne der<br />
Daseinsvorsorge zum Schutz und im Sinne der Verbraucher zu<br />
erfüllen sind. Hinter (scheinbarer) Innovation und (im <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
längst umgesetzter) Digitalisierung steckt rücksichtsloser<br />
Plattform-Kapitalismus.<br />
Beispiele, wo es überall nicht funktioniert, gibt es reichlich. Es<br />
reicht ein Blick auf die Zweckentfremdung von Wohnraum durch<br />
den im Silicon Valley gegründeten Community-Marktplatz zur<br />
Vermietung von Unterkünften, AirBnB. Facebook und Google<br />
sind Beispiele für die Kategorie „Global Player“, denen auch Uber<br />
und Mercedes-Benz angehören, und deren Wirken und die damit<br />
verbundenen gesellschaftlichen Folgen wir alle erleben. Ein<br />
Mobilitätsgesetz sollte vergleichbare Entwicklungen im ÖPNV<br />
verhindern. Deshalb müssen lange bewährte Regelungen für die<br />
Personenbeförderung Bestand haben.<br />
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TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
11
TAXI-GREMIUM<br />
DEZENTE<br />
TARIFERHÖHUNG<br />
Die Kurzstrecke kostet künftig sechs Euro.<br />
Über den <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>tarif wurde in letzter Zeit viel diskutiert. Das<br />
<strong>Taxi</strong>-Gremium hat jetzt einen moderaten Antrag eingereicht.<br />
Um einen Konsens zu erreichen,<br />
wurden viele Argumente für und<br />
gegen eine Tariferhöhung abgewägt.<br />
Der Zuschlag für Kartenzahlung war<br />
dabei kein Thema, denn er wird selbstverständlich<br />
abgeschafft. Das ist eine Folge<br />
des geändertes EU-Rechts und wurde vom<br />
TVB übrigens schon 2013 beantragt.<br />
Die Notwendigkeit, die Fahrpreise<br />
anzuheben, ergibt sich nach Ansicht des<br />
INNUNG DES BERLINER<br />
TAXIGEWERBES E. V.<br />
Persisustraße 7<br />
10245 <strong>Berlin</strong><br />
Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 23 62 72 01<br />
Tel. Kasse: +49 (0)30 / 23 62 72 02<br />
Telefax: +49 (0)30 / 23 62 72 03<br />
E-Mail: info@taxiinnung.org<br />
www.taxiinnung.org<br />
www.facebook.com/taxiinnung<br />
TAXIVERBAND BERLIN<br />
BRANDENBURG E. V.<br />
Franklinstraße 18<br />
10587 <strong>Berlin</strong><br />
Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 24 33 54 08<br />
Tel. Kasse: +49 (0)30 / 86 09 07 70<br />
E-Mail: taxiverband@t-online.de<br />
www.taxiverband-berlin.de<br />
TAXI DEUTSCHLAND BERLIN E. V.<br />
Persiusstraße 7<br />
10245 <strong>Berlin</strong><br />
Tel. Sekr.: +49 (0)30 / 202 02 13 10<br />
Fax: +49 (0)30 / 202 02 13 11<br />
E-Mail: berlin@taxideutschland.eu<br />
www.taxideutschland.eu<br />
www.facebook.com/taxi.deutschland.eu<br />
Presserechtlich verantwortlich für<br />
Beiträge auf Seiten des <strong>Taxi</strong>-Gremiums:<br />
Detlev Freutel (TVB), Leszek Nadolski<br />
(Innung), Ertan Ucar (TD)<br />
Gremiums aus einer Reihe von Umständen.<br />
Die Mindestlohnerhöhung zum 1.1.2017<br />
muss (nachträglich) ausgeglichen werden.<br />
Schon die letzte Fahrpreisanpassung lag<br />
deutlich unter dem, was die Gutachter<br />
von Linne & Krause als notwendig empfahlen.<br />
Die aktuelle Verkehrspolitik führt<br />
zum Wertverfall und zum Aussortieren<br />
älterer Dieselfahrzeuge und drohenden<br />
Fahrverboten.<br />
Abgesehen davon, dass die Einführung<br />
von Fiskaltaxametern bisher nicht<br />
die erwartete Wirkung entfaltet hat und<br />
die wirtschaftliche Lage der steuer- und<br />
abgabenehrlich arbeitenden Betriebe weiterhin<br />
bedenklich ist, machen dem <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
in rasant wachsendem Maße zum Teil<br />
illegal arbeitende Mietwagen zu schaffen,<br />
die wie <strong>Taxi</strong>s eingesetzt werden und den<br />
Markt überschwemmen. Die Situation hat<br />
sich seit dem Wegfall der Ortskundeprüfung<br />
für Mietwagenfahrer drastisch verschärft<br />
und bewirkt einen mittlerweile spürbaren<br />
Auftragsrückgang im <strong>Taxi</strong>gewerbe. Ebenfalls<br />
trägt die zunehmende Anzahl taxiähnlicher<br />
Verkehre wie „Clever Shuttle“<br />
oder der beantragte „Berlkönig“ zu dieser<br />
Schieflage bei.<br />
Auch das ständig sinkende „Umlauftempo“<br />
der <strong>Berlin</strong>er Taxen muss berücksichtigt<br />
werden. Die Ursache sind ausufernde<br />
Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen<br />
und der Wegfall von<br />
Fahrstreifen.<br />
Ein weiterer Grund sind die teils enorm<br />
steigenden Betriebskosten, darunter die<br />
für Fiskaltaxameter, Reparaturkosten<br />
sowie – damit zusammenhängend – Versicherungsbeiträge.<br />
Aufgrund der bevorstehenden Einführung<br />
von Inklusionstaxis sind auch im<br />
Rollstuhl sitzend zu befördernde Menschen<br />
zu berücksichtigen. Die Preise müssen den<br />
höheren Kosten für die behindertengerecht<br />
ausgestatteten Fahrzeuge und den höheren<br />
Aufwand beim Ein- und Ausladen gerecht<br />
werden, ohne diskriminierend zu sein.<br />
Daher sollen „ab der fünften Person“ und<br />
„für Gegenstände und Hilfsmittel, für deren<br />
Unterbringung ein Großraumtaxi erforderlich<br />
ist“ fünf Euro Zuschlag erhoben und der<br />
Preis für Wartezeit von 50 auf 60 Cent pro<br />
Minute erhöht werden.<br />
Der <strong>Taxi</strong>tarif soll sowohl Preissicherheit<br />
für Fahrgäste als auch wirtschaftliche<br />
Sicherheit des <strong>Taxi</strong>gewerbes bringen.<br />
Nach § 39 Abs. 2 PBefG ist der <strong>Taxi</strong>tarif<br />
regelmäßig an die wirtschaftliche Lage des<br />
<strong>Taxi</strong>gewerbes anzupassen. Zudem soll er<br />
ein funktionierendes Beförderungsmittel im<br />
Nahbereich sicherstellen. Das <strong>Taxi</strong> muss den<br />
Bürgern als Teil staatlicher Daseinsfürsorge<br />
erhalten bleiben.<br />
<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>tarif aktuell Antrag <strong>2018</strong><br />
Kurzstrecke bis 2 km 5,00€ 6,00€<br />
Grundpreis für Winker<br />
und Einsteiger<br />
3,90€ 3,90€<br />
Kilometerpreis 0-7 km 2,00€ 2,20€<br />
Kilometerpreis ab 7 km 1,50€ 1,65€<br />
5 erwachsene Personen<br />
oder mehr<br />
Gegenstände und<br />
Hilfsmittel, für deren<br />
Unterbringung<br />
ein Großraumtaxi<br />
erforderlich ist<br />
bei Abfahrt am<br />
Flughafen Tegel<br />
5,00€ 5,00€<br />
- 5,00€<br />
0,50€ 0,50€<br />
sperriges Gepäckstück 1,00€ 1,00€<br />
Kartenzahlung 1,50€ entfällt<br />
Coupon- und<br />
Rechnungsfahrt<br />
1,50€ 1,50€<br />
Wartezeitunterdrückung 1 min 1 min<br />
Wartezeit je Minute<br />
(nach der 1. Minute)<br />
0,50€ 0,60€<br />
Zu guter Letzt ein praktischer Punkt,<br />
der auf Empfehlungen der Taxameterwerkstätten<br />
und des Eichamts zurückgeht und<br />
Probleme bezüglich des Austauschs und der<br />
Umprogrammierung der Taxameter behebt:<br />
Die Verordnung soll nicht mehr einen Tag<br />
nach Veröffentlichung in Kraft treten,<br />
sondern künftig zu einem festen Termin,<br />
frühestens drei Wochen nach Veröffentlichung.<br />
Die <strong>Taxi</strong>uhren sollen nicht mehr 28<br />
Tage, sondern sieben Tage nach Inkraftsetzung<br />
der Verordnung auf den neuen Tarif<br />
umgestellt sein müssen. <br />
ar<br />
FOTO: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
12 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
TAXI-GREMIUM<br />
RIDE-HAILING IST NICHT RIDE-SHARING<br />
Hailing heißt hageln. Uber, Didi und moovel wollen, dass es Profit hagelt.<br />
Die Aktienbewertung von Uber<br />
liegt bei über 40 Milliarden Dollar.<br />
Da kann niemand mehr von<br />
einem öffentlichen Dienst oder gar einer<br />
sozialen Mission sprechen. Denn nur das<br />
verdient den Namen „Ride-sharing“, wie<br />
z. B. die klassische Mitfahrzentrale. Die<br />
„Mitfahrunternehmen“, wie sie sich selbst<br />
nennen, betreiben auf Profit orientiertes<br />
„Ride-hailing“, auch als „Ride-Booking“<br />
bezeichnet.<br />
Der US-amerikanische Ride-Haling-<br />
Riese Uber teilt sich gerade die Welt mit<br />
dem chinesischen Rivalen Didi auf. In<br />
China hat Didi sich im letzten Jahr durchgesetzt<br />
und die chinesische Niederlassung<br />
von Uber übernommen. Doch der Kampf<br />
um Marktanteile im Rest Asiens und in der<br />
ganzen Welt geht weiter.<br />
Didi wurde drei Jahre später als Uber<br />
gegründet, hat aber bereits 60 Millionen<br />
Nutzer mehr als Uber und seit Juli 2017<br />
über 4 Milliarden Dollar mehr Kapital.<br />
Auch die Investorenliste von Didi ist ein<br />
wenig illustrer als die des US-amerikanischen<br />
Rivalen. Hier ein Auszug: Apple,<br />
Alibaba, Tencent, SoftBank, Foxconn. Zum<br />
Vergleich ein Auszug aus Ubers Investorenliste:<br />
Citigroup, Fidelity, Goldman Sachs,<br />
Microsoft, Morgan Stanley, Jeff Bezos.<br />
WIRD DIDI MOOVEL SCHLUCKEN?<br />
Die Expansion von Didi ist erfolgreicher,<br />
weil die Chinesen, anders als Uber, Konkurrenten<br />
nicht verdrängen, sondern Beteiligung<br />
an lokal führenden Ride-Haling-<br />
Anbietern anstreben.<br />
Und bei uns? Irgendwie fliegt Daimler<br />
immer knapp unter dem Radar. Die Mobilitäts-App<br />
„moovel“ sowie zahlreiche<br />
Beteiligungen und Kooperationen (z.B.<br />
mit Via) zeigen aber, dass der Konzern in<br />
Deutschland und Europa gerne die Rolle<br />
von Uber oder Didi spielen würde. Wer eine<br />
Mobilitäts-App will, die Verkehrsangebote<br />
im öffentlichen Verkehrsinteresse vernetzt<br />
, sollte Kooperationen von BVG und Mercedes<br />
kritisch sehen. Kommt der schwäbische<br />
Autobauer bei uns zum Zug, dann besteht<br />
die große Gefahr, dass wir es am Ende doch<br />
mit Uber oder Didi zu tun bekommen. Denn<br />
moovel dürfte für diese Giganten bestenfalls<br />
ein Übernahmekandidat sein.<br />
Fazit: Keine Mobilitäts-App ohne taxi.eu!<br />
Bei moovel ist nur die Eigenmarke mytaxi<br />
integriert. Und als BVG-Partner taugt nur<br />
das <strong>Taxi</strong>gewerbe, nicht „BerlKönig“. sb<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
13
FLUGHAFEN<br />
SCHRANKEN<br />
SOLLEN DIE<br />
TXL-„KLAUER“<br />
AUSSPERREN<br />
Die Flughafengesellschaft und die <strong>Berlin</strong>er<br />
<strong>Taxi</strong>verbände unternehmen einen weiteren<br />
Versuch, um den Fahrgastklau am Flughafen<br />
Tegel zu unterbinden. Die Taxen-Organisation<br />
wird technischer – und teurer.<br />
Bei einem Gespräch zwischen der<br />
Flughafengesellschaft, dem <strong>Taxi</strong>-<br />
Gremium <strong>Berlin</strong> und dem LABO im<br />
<strong>April</strong> wurden umfangreiche Veränderungen<br />
angedacht, um die „Klauerei“ künftig<br />
wirksamer zu unterbinden. Zahlreiche<br />
Schranken könnten an den Zufahrten zu<br />
den Wartebereichen aufgebaut werden.<br />
Die „Palette“ wird so umgestaltet, dass<br />
sich die Kollegen nicht mehr hintereinander,<br />
sondern in Parkbuchten aufstellen.<br />
Ein modernes Registrierungssystem wird<br />
die Wartezeit anzeigen. Technisch ist dazu<br />
ein Transponder nötig. Über zukünftige<br />
Durchfahrtskosten gibt es noch keinen<br />
konkreten Beschluss, die Tendenz geht<br />
aber in Richtung ein bis zwei Euro pro<br />
Durchfahrt. Die neuen Regelungen sollen<br />
ab August gelten, wenn die notwendigen<br />
baulichen Maßnahmen abgeschlossen sind.<br />
„Innungs“-Vorstand Rolf Feja erhofft sich<br />
von den Plänen eine spürbare Verbesserung:<br />
„Es ist dann nicht mehr möglich,<br />
sich außerhalb der Nachrücken bereitzustellen.<br />
Alle Zufahrten sind nur noch über<br />
die Schranke mit Transponder zu befahren.<br />
Kein ‚Klauer’ kann sich mehr vor den Gates<br />
bereitstellen.“<br />
TVB-Chef Detlev Freutel lobt die konstruktive<br />
Zusammenarbeit mit der Flughafengesellschaft<br />
bei den Gesprächen. Früher<br />
sei das nicht immer so einfach gewesen.<br />
Die aktuellen Transponder seien für das<br />
künftige System ungeeignet, er sei aber<br />
froh über das Erreichte: „Kein Fahrer<br />
soll mich mehr anmotzen, wir Verbände<br />
würden nichts tun.“<br />
Auch <strong>Taxi</strong>-Deutschland-Vorstand Ertan<br />
Ucar kann mit dieser Lösung gut leben.<br />
„Pro Tag haben uns die ‚Kollegen’ 1.000<br />
Fahrten geklaut, das wird dann nicht mehr<br />
möglich sein. Und auch die vielen Fahrzeuge<br />
mit Uber-App können sich nicht<br />
mehr unerlaubt direkt an den Terminals<br />
bereitstellen.“<br />
Über zukünftige<br />
Durchfahrtskosten<br />
gibt es noch keinen<br />
konkreten Beschluss.<br />
Noch sind die besprochenen Maßnahmen<br />
nicht endgültig beschlossen, eine Zustimmung<br />
der Flughafen-Geschäftsführung<br />
gilt aber als sicher. Zuletzt hatte man im<br />
Februar 2017 eine Neuregelung der Flughafenverordnung<br />
getroffen, doch das große<br />
Ziel, damit die unehrlichen Kollegen vom<br />
„Fahrgastklau“ abzuhalten, konnte nicht<br />
erreicht werden. Die ehrlichen Kollegen<br />
hatten allen Grund, wütend zu sein, denn<br />
in einer Schicht machen die ‚Klauer’ das<br />
Doppelte an Kasse.<br />
Vor der Verordnung war die Erlaubnis für<br />
vorbestellte <strong>Taxi</strong>s, vor jedem Flugsteig zu<br />
laden, das Einfallstor für die „Klauer“, die<br />
sich das Warten und die Gebühren sparen<br />
wollen. Ihre routinemäßige Behauptung,<br />
die soeben von ihnen am Gate angesprochenen<br />
Fahrgäste hätten sie vorbestellt, war<br />
angeblich nicht widerlegbar, Beobachtungen<br />
durch <strong>Taxi</strong>fahrer laut Behörden „nicht<br />
gerichtsfest“.<br />
Also hoffte man im Februar 2017, mit neu<br />
festgelegten Ladezonen, einem Parkplatz<br />
für vorbestellte Abholer in der Mitte des<br />
Innenrings, Schranken und QPark-Chipkarten<br />
für Ordnung zu sorgen. Für die<br />
ehrlichen Kollegen, die tatsächlich vorbestellte<br />
Kunden abholten, wurde es dadurch<br />
umständlicher.<br />
Die „Klauer“ jedoch beeindruckt die<br />
aktuelle Regelung wenig. Die als Aufsicht<br />
zuständigen Apcoa-Mitarbeiter kontrollieren<br />
zwar regelmäßig, wirksam einschreiten<br />
darf aber nur die Polizei, doch die hat meist<br />
Wichtigeres zu tun. Auch Kontrollen des<br />
LABO sind mangels Personal mehr geworden,<br />
aber immer noch nicht ausreichend.<br />
Wo also Regeln keine Wirkung zeigen,<br />
muss nun Technik helfen. Bemerkenswert<br />
ist, dass ein Flughafen, der offiziell nur<br />
noch zwei Jahre offen bleibt, noch einmal so<br />
massiv investiert. Weil die Kosten umgelegt<br />
werden, steigt der Preis pro Ladevorgang<br />
auf das Vierfache. Das ist heftig, rechtfertigt<br />
aber nicht die Anfeindungen gegenüber<br />
den Verbandsvorständen, die unmittelbar<br />
nach Bekanntwerden der neuen Planungen<br />
vor allem in den <strong>Taxi</strong>-Facebook-Gruppen zu<br />
lesen waren. Man sollte diesem Konzept<br />
zunächst einmal eine Chance geben, bevor<br />
man es gleich wieder ablehnt. wh/hs<br />
ZEICHNUNG: Antje Würdemann<br />
14 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
FLUGHAFEN<br />
Mehr Freiheit: Künftig kann man die Palette zwischendurch verlassen.<br />
AUTO WASCHEN<br />
WÄHREND DER WARTEZEIT<br />
Warten, Laden, entladen, abholen. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> zeigt, was sich ab<br />
August ändern könnte und wo Schranken aufgestellt werden sollen.<br />
FOTO: Simi / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
Damit nur noch Kollegen nach Durchfahren der Palette<br />
Fahrgäste aufnehmen können, wird die <strong>Berlin</strong>er Flughafengesellschaft<br />
in den nächsten Monaten Baumaßnahmen<br />
mit Schranken und digitaler Technik sowohl auf der Palette als<br />
auch an den Terminals umsetzen.<br />
Warten auf der Palette: Die größte optische und organisatorische<br />
Veränderung wird es am Nachrückbereich N1 geben,<br />
auch Palette, Platte oder Hauptspeicher genannt. Bei Einfahrt an<br />
der Schranke erhält jedes <strong>Taxi</strong> eine Warteposition, vergleichbar<br />
der Anmeldung in einem Sektor. Über den Transponder wird die<br />
<strong>Taxi</strong>nummer registreiert. Der Fahrer bekommt auf einem großen<br />
Monitor die ungefähre Wartezeit mitgeteilt. Er muss dann nicht<br />
mehr Schlangestehen, denn die Parkbuchten werden so eingerichtet,<br />
dass die Taxen die Platte zwischendurch verlassen können,<br />
beispielsweise zum Tanken oder Waschen. Sie behalten ihre<br />
Position in der Wartefolge, wenn sie rechtzeitig zurückkehren.<br />
Schließlich gibt der Monitor das Signal zum Verlassen der Palette<br />
durch die Ausfahrtschranke.<br />
Nachrücken: Der Kollege fährt von der Palette in den Innenring<br />
zum dreispurigen Nachrückspeicher vor den Flugsteigen 4<br />
bis 5 (N3). Auch dieser Bereich wird mit Schranken abgesperrt,<br />
die nur öffnen, wenn der Transponder vorher das Verlassen der<br />
Palette registriert hat.<br />
Einladen: Die doppelkantige Ladeleiste auf Höhe 6 bis 9 bleibt<br />
KEINE HALTE MEHR VOR TERMINAL E<br />
Der Ladebereich vor Terminal E, am Außenring links<br />
neben der Ausfahrt vom Innenring gelegen, wird komplett<br />
aufgehoben. Er ist unübersichtlich und zu anfällig<br />
für Schummeleien und Verkehrschaos.<br />
bestehen. Sie wird vom Nachrückbereich 4-5 angefahren und ist<br />
künftig der einzige Ladebereich für Taxen am Flughafen zum<br />
Bereithalten. Vor dem Terminal C, der wenig beliebten „Baracke“<br />
nördlich des Außenrings, wird ebenfalls eine Schranke montiert.<br />
Dadurch werden ab August nur noch freie Taxen Zufahrt haben.<br />
Aktuell ist die Zufahrt noch ohne Schranke, während daneben<br />
am Eingang zum Privatparkplatz eine Schranke steht. Das führt<br />
nahezu minütlich dazu, dass Privatautofahrer, Mietwagenfahrer,<br />
Diplomaten und andere Unberechtigte hier beim Anblick<br />
der Schranke geradezu reflexartig nach links auf die <strong>Taxi</strong>spur<br />
ausweichen.<br />
Ausladen: Im Innenring wird die zweispurige Zone auf Höhe<br />
der Flugsteige 1 bis 2 (bisher <strong>Taxi</strong>-Nachrückplatz N2) zum Ausladebereich.<br />
Hier darf jeder, auch Privat- oder Mietwagenfahrer, seine<br />
(Fahr-)Gäste aussteigen lassen. An der Zu- und Abfahrt wird je<br />
eine Schranke montiert. Wer nach höchstens fünf Minuten wieder<br />
abfährt, muss nichts bezahlen. Danach kostet es Parkgebühren.<br />
Das gleiche geschieht mit dem Bereich auf Höhe der Flugsteige 10<br />
bis 14 sowie rechts neben der Haupthalle am Terminal B.<br />
Wer also ab August mit dem <strong>Taxi</strong> Fahrgäste zum Flughafen Tegel<br />
bringt, wird problemlos die Entladezonen nutzen können, wenn er<br />
nach spätestens fünf Minuten wieder wegfährt. Für abfliegende<br />
<strong>Taxi</strong>fahrgäste am Terminal C wird es unbequemer, denn durch den<br />
Wegfall der Ausladezone am Terminal C müssen sie künftig vor<br />
Terminal B abgesetzt werden. Die Fluggäste müssen von dort den<br />
Fußgängerweg mit Treppe oder Aufzug zum Terminal C nehmen.<br />
Abholung von Vorbestellungen: Der jetzige Wartebereich auf<br />
dem etwas tiefergelegten inneren Parkplatz des Innenrings wird<br />
weiterhin für „Reservierungen“ zehn Minuten gratis zur Verfügung<br />
stehen. Danach werden die normalen Parkgebühren fällig.<br />
Wie schon jetzt wird die Fläche also Fahrern dienen, die ihre<br />
Gäste im Gebäude abholen. Ihr Weg wird – das bleibt der große<br />
Wermutstropfen – mitunter lang sein, besonders, wenn die Fluggäste<br />
am Terminal C landen. <br />
ar<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
15
POLITIK<br />
14.3.<strong>2018</strong>: Bundespräsident Walter Steinmeier (rechts) ernennt Kanzlerin Angela Merkel und ihre 15 Ministerinnen und Minister.<br />
Werden sie die Personenbeförderung deregulieren?<br />
VORSICHT VOR DEN PLÄNEN<br />
DIESER BUNDESREGIERUNG<br />
Seit dem 14. März hat Deutschland wieder eine Bundesregierung. Man<br />
hat sich viel vorgenommen, unter anderem eine Änderung des PBefG.<br />
Das <strong>Taxi</strong>gewerbe muss mit dem Schlimmsten rechnen.<br />
Sätze wie „Wir werden das Personenbeförderungsgesetz<br />
mit Blick<br />
auf neue digitale Mobilitätsangebote<br />
modernisieren“ oder „Neue plattformbasierte<br />
digitale Mobilitätsangebote<br />
brauchen eine rechtssichere Grundlage für<br />
ihre Zulassung“ geben eine Ahnung, was<br />
am Ende mit den angekündigten Änderungen<br />
gemeint sein könnte. Von „geänderten<br />
Mobilitätsbedürfnissen“ ist die Rede. Aus<br />
dem Papier geht nämlich hervor, dass die<br />
einschlägigen Gesetze, die Anbietern wie<br />
Uber und Co., aber auch Daimler und Moia<br />
bislang Probleme machten, so weit geändert<br />
werden sollen, bis diese Geschäftsmodelle<br />
legalisiert sein könnten.<br />
Diese Modelle werden mit verschiedenen<br />
Begriffen umschrieben: „neue, digitale<br />
Mobilitätsangebote; neue, plattformbasierte<br />
Verkehrsdienstleister; Fahrgemeinschaften<br />
(Ride Pooling), geteilte Nutzung“ –<br />
der Begriff „shared economy“ wird damit<br />
anscheinend umgangen – und sogar: „digital<br />
organisierte private Mitfahrgelegenheiten“.<br />
Für die Rechtsänderung sind „Öffnung<br />
des Rechtsrahmens“, „Modernisierung des<br />
Personenbeförderungsgesetzes“ u. ä. die<br />
Sprachregelungen.<br />
Beabsichtigt ist recht deutlich eine<br />
Deregulierung des Marktes. Dabei sollen<br />
die Kommunen eine Steuermöglichkeit<br />
bekommen, also ihre Genehmigungshürden<br />
uneinheitlich abbauen können. Die<br />
neue Regierung möchte ausgerechnet dabei<br />
angeblich ein „level playing field“ (wortwörtlich)<br />
schaffen – ein Begriff, den Uber in<br />
den USA selber prägte, und den man auch<br />
mit „gleichen Wettbewerbsbedingungen“<br />
hätte übersetzen können – welche Interessengruppen<br />
da soufflierten, muss wohl<br />
nicht weiter kommentiert werden.<br />
BELASTENDE REGELN?<br />
Damit ist im Wesentlichen eine Deregulierung<br />
des <strong>Taxi</strong>- und Mietwagenmarktes<br />
gemeint, denn das geht aus der Formulierung<br />
„regulatorische Entlastung“ hervor,<br />
von der „sowohl der <strong>Taxi</strong>- wie auch der<br />
Mietwagenbetrieb profitieren“ soll. Bis<br />
hierhin könnte man es so lesen: Es wird<br />
sich etwas ändern. Aber was? Eine Ahnung<br />
von der Motivation und dem zu erwartenden<br />
Ergebnis könnte folgendes Zitat geben:<br />
„Neue plattformbasierte digitale Mobilitätsangebote<br />
brauchen eine rechtssichere<br />
Grundlage für ihre Zulassung.“<br />
Anscheinend ist man sich hier aber<br />
bewusst, dass es auch unerwünschte<br />
Nebenwirkungen der Deregulierung von<br />
Märkten geben kann. Zwar wird erwähnt,<br />
dass „gute soziale Rahmenbedingungen“<br />
für die Koalition „zentrale Voraussetzung“<br />
sein sollen, aber auch diese Verantwortung<br />
reicht man nach unten an die Gemeinden<br />
durch. Die Verantwortung für die Lösung<br />
der drohenden Probleme wird auf die „Nahverkehrspläne“<br />
(§ 8 PBefG), und damit auf<br />
die schon jetzt oft unterbesetzten Genehmigungsbehörden<br />
abgewälzt: „Im Personenbeförderungsgesetz<br />
werden wir klarstellen,<br />
dass über die Nahverkehrspläne<br />
soziale Standards zum Schutz der Beschäftigten<br />
sowie qualitative und ökologische<br />
Standards auch für eigenwirtschaftliche<br />
Verkehre gelten.“<br />
Den „neuen Anbietern“ wird noch in<br />
anderer Weise großzügig geholfen. An<br />
mehreren Stellen ist sinngemäß von „Big<br />
Data“ die Rede. Öffentlich gewonnene<br />
„Mobilitätsdaten, Geo- und Wetterdaten“<br />
sollen – mit der Kraft des Steuerzahlers<br />
geschürft – in einer „mCloud“ in Zukunft<br />
„Startups und Mobilitätsanbietern eine<br />
zentrale Plattform bieten“.<br />
Die neue Regierung beabsichtigt außerdem<br />
die Schaffung einer „digitalen Mobilitätsplattform“,<br />
die die Einführung eines<br />
bundesweiten e-Tickets ermöglicht. Die<br />
Daten von Autos, ÖPNV, E-Bikes, Car- und<br />
Ride Sharing sowie Ruftaxen sollen in<br />
Echtzeit gesammelt und von allen Verkehrsträgern<br />
in einem Informationssystem<br />
ausgetauscht werden können.<br />
rh<br />
FOTOS: Bundesregierung<br />
16 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
Zu Beginn demonstrierten die Wiener Kollegen noch im Konvoi,<br />
später mischten sich immer mehr Privatwagen unter die Taxen.<br />
In Hamburg hatten die <strong>Taxi</strong>fahrer klare Botschaften auf ihre <strong>Taxi</strong>s<br />
geklebt.<br />
DEMONSTRATIVE EINIGKEIT<br />
Von Hamburg bis Istanbul haben in den letzten Wochen <strong>Taxi</strong>kollegen<br />
protestiert. Die Wut richtet sich gegen Uber und konzerngesteuerte<br />
Ride-Sharing-Anbieter.<br />
FOTOS: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
An zwei aufeinanderfolgenden Tagen fanden Wien und<br />
Hamburg unabhängig voneinander große <strong>Taxi</strong>demos<br />
statt. Den Anfang machten 1.200 Wiener Kollegen. Veranstalter<br />
war der Global <strong>Taxi</strong>verein, aufgerufen und eingeladen<br />
wurde über Facebook, in Whats-App-Gruppen und über Handzettel.<br />
Teilgenommen haben neben <strong>Taxi</strong>unternehmern auch zahlreiche<br />
Fahrer, mehrheitlich türkischer Herkunft. Mit konkreten<br />
Forderungen hielt sich die Gruppe allerdings zurück. Nur vereinzelt<br />
und auf Eigeninitiative waren ein paar Plakate zu sehen, auf<br />
denen gegen Uber protestiert wurde.<br />
Leider verpuffte die Wirkung der Demofahrt, weil die Polizei<br />
einen geschlossenen Zug ohne Unterbrechung untersagte und die<br />
Kollegen so an jeder roten Ampel warten mussten. Der Zug wurde<br />
dadurch unnötig in die Länge gezogen und vermischte sich mit<br />
etlichen Privatautos. Am Zielpunkt musste dann sogar die geplante<br />
Schlusskundgebung abgesagt werden.<br />
Besser machten es einen Tag später rund 300 Hamburger Kollegen.<br />
Hier waren – anders als in Wien – auch die Verbände und<br />
<strong>Taxi</strong>zentralen mit im Boot. Dieser Protest hatte eine klare politische<br />
Botschaft, die sich an die Hamburger Behörde für Wirtschaft,<br />
Verkehr und Innovation und gegen die Volkswagen-Tochter Moia<br />
richtete. Moia hat in Hamburg rund 1.000 Mietwagenkonzessionen<br />
beantragt, mit denen per Sondergenehmigung sogenannte Ride-<br />
Sharing-Dienste angeboten werden sollen.<br />
Christian Brüggmann, 1. Vorsitzender der Hamburger Taxenunion,<br />
forderte die Behörde während der Schlusskundgebung auf,<br />
den Antrag nur für 100 Fahrzeuge zu genehmigen. „Wir haben<br />
überhaupt nichts gegen einen fairen Wettbewerb. Wenn allerdings<br />
zu den rund 3.000 <strong>Taxi</strong>s in der Stadt bis zu 1.000 Fahrzeuge eines<br />
neuen Anbieters zugelassen werden, der keine Pflichten hat, dann<br />
ist die Existenz der Hamburger <strong>Taxi</strong>-Unternehmer bedroht. Das<br />
dürfen wir nicht zulassen.“<br />
Proteste gab es auch in anderen europäischen Großstädten.<br />
In Athen demonstrierten Anfang März hunderte von <strong>Taxi</strong>fahrern<br />
gegen die „Invasion“ von Uber und Beat, einer <strong>Taxi</strong>-App, die<br />
mittlerweile zum Daimler-Konzern gehört. In Istanbul hat eine<br />
Gewerkschaft Klage gegen Uber eingereicht. Dutzende <strong>Taxi</strong>fahrer<br />
versammelten sich an jenem Tag hupend vor dem Gerichtsgebäude.<br />
In <strong>Berlin</strong> hatte eine Facebook-Gruppe eine <strong>Taxi</strong>demo für den 21.<br />
März angemeldet, diese aber wieder abgesagt. <br />
jh, prh<br />
ZOLL KONTROLLIERT IN GANZ DEUTSCHLAND<br />
Am 2. März rückten bundesweit insgesamt 2.500 Zollbeamte<br />
aus und kontrollierten <strong>Taxi</strong>fahrer und Betriebe.<br />
Unmittelbar wurden in 21 Fällen Ermittlungsverfahren<br />
gegen Arbeitgeber und -nehmer eingeleitet. Hier fanden<br />
die Kontrolleure Hinweise auf Unterschreitungen des<br />
Mindestlohns sowie gegen sozialversicherungsrechtliche<br />
Meldepflichten und das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen.<br />
Auch in <strong>Berlin</strong> wurde kontrolliert. „Insgesamt 124<br />
Beschäftige der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS)<br />
des Hauptzollamtes <strong>Berlin</strong> (dazu kamen 100 Bedienstete<br />
anderer Behörden) führten an 31 Standorten in <strong>Berlin</strong><br />
Kontrollen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz<br />
durch“, bestätigte der Zoll gegenüber <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>. „Dabei<br />
wurden 284 Personenbefragungen durchgeführt und 231<br />
Firmen erfasst. Die Anzahl der Sachverhalte, die weitere<br />
Prüfungen durch die FKS erfordern, beläuft sich auf 101;<br />
davon 84 Anhaltspunkte für mögliche Mindestlohnverstöße.“<br />
jh<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
17
TAXI BERLIN TZB GMBH<br />
RIDE-SHARING KANN DAS<br />
BERLINER TAXI AUCH<br />
Luftverschmutzung und Digitalisierung erfordern neue<br />
Mobilitätskonzepte. <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> kämpft dafür, dass die <strong>Taxi</strong>fahrer dabei<br />
nicht auf der Strecke bleiben.<br />
Städtische Mobilität ist neben dem eigenen Auto, Fahrrad<br />
oder Roller von den öffentlichen Verkehrsmitteln geprägt.<br />
BVG und S-Bahn befördern die große Masse, das <strong>Taxi</strong> fährt<br />
individuell und exklusiv – als wichtige Ergänzung der öffentlichen<br />
Verkehrsmittel. Wenn der Bus nachts im Betriebshof steht, wenn<br />
die S-Bahn ausfällt, wenn die U-Bahn-Fahrt abends als zu gefährlich<br />
betrachtet wird, wenn es schnell gehen muss, das Gepäck zu<br />
schwer ist oder die Füße zu müde sind, war und ist das <strong>Taxi</strong> eine<br />
gute Alternative. Diese Symbiose zwischen dem Linienverkehr<br />
und dem <strong>Taxi</strong> hat sich jahrzehntelang bewährt.<br />
Im Zeichen der Smartphones und der damit einhergehenden<br />
Digitalisierung haben sich in den letzten Jahren viele Alternativen<br />
eröffnet. Den Anfang machten die niedlichen Smarts oder die<br />
kleinen Minis, in die man überall spontan einsteigen kann und<br />
sich zum Minutenpreis (im Innenstadtbereich) selbst zum Ziel<br />
fahren kann. Dann probierte es eine Zeitlang ein amerikanischer<br />
App-Vermittler, der den Beförderungswunsch an Privatfahrer<br />
vermittelte. Jenes UberPOP war die erste große Gefahr für die<br />
<strong>Taxi</strong>branche, denn diese Privatchauffeure machten nichts anderes<br />
als <strong>Taxi</strong>. Nur viel billiger, was ärgerlich war, aber eben auch illegal,<br />
was deshalb auch gerichtlich verboten wurde.<br />
Geklagt hatte 2014 die Genossenschaft <strong>Taxi</strong> Deutschland mit<br />
Unterstützung durch taxi.eu, jener App, die auch bei <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong><br />
im Einsatz ist.<br />
Doch egal, welches Gericht UberPOP verurteilte, der kapitalstarke<br />
US-Vermittler ging sofort in die nächste Instanz. Zwar<br />
wurde UberPOP schon 2015 verboten, doch rechtskräftig wurde<br />
das Urteil erst am 26. Februar <strong>2018</strong>, als Uber die Revision vor<br />
dem höchsten deutschem Gericht BGH endlich zurückzog. 1.278<br />
Tage hatte sich das Verfahren hingezogen, Hunderttausende<br />
Euro gekostet. <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> hatte sich an der Finanzierung dieses<br />
Mammut-Prozesses beteiligt.<br />
NEUE VERKEHRSART?<br />
UberPOP ist Geschichte, doch als UberX gehen die systematischen<br />
Gesetzesübertretungen in <strong>Berlin</strong> weiter. Die Kollegen am<br />
Flughafen Tegel müssen das täglich beobachten. <strong>Taxi</strong> gegen Uber<br />
wird zur Dauerfehde und in dessen Windschatten haben sich<br />
klammheimlich längst andere Wettbewerber platziert, die mehr<br />
und mehr zur echten Konkurrenz für die <strong>Taxi</strong>branche werden.<br />
Ihre Namen: CleverShuttle, Berlkönig, Allygator oder auch Addison<br />
Lee. Ihr Konzept: geteilte Fahrten (Ridesharing). Ihr Prinzip: Rosinenpickerei,<br />
fernab von jeder Wirtschaftlichkeit. Ihr Schlupfloch:<br />
§ 7, Absatz 2 des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG). Jener<br />
Paragraph ermöglicht die Sondergenehmigung einer Personenbeförderung<br />
für vier Jahre zu Versuchszwecken, wenn es sich bei<br />
dieser Art der Beförderung um eine „neue Verkehrsart“ handelt.<br />
Genau das ist es aber nicht. Hermann Waldner, Geschäftsführer<br />
von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> und Vizepräsident des Bundesverbands BZP, bringt<br />
es auf den Punkt: „Zwei Kollegen teilen sich auf der Heimfahrt<br />
ein <strong>Taxi</strong> und Oma nimmt den Enkel mit. Das ist nicht neu, das<br />
gab es immer schon. Neu dagegen ist etwas anderes. Man bestellt<br />
per App und kann sich dadurch auch mit fremden Menschen ein<br />
Fahrzeug teilen.“<br />
Eventuell kann die Fahrt länger dauern, weil zum einen die Vermittlungszeit<br />
ein größeres Zeitfenster bekommt und zum anderen<br />
kleine Umwege in Kauf genommen werden müssen. Dafür wird die<br />
Fahrt billiger. Einem solchen Konzept darf sich das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
FOTO: stock.adobe.com, GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
18 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
City Funk<br />
<strong>Berlin</strong><br />
TAXI BERLIN TZB GMBH<br />
nicht verschließen, der sich hier anbahnende zusätzliche Markt<br />
darf nicht den Fremdanbietern wie Berlkönig, CleverShuttle etc.<br />
überlassen werden.<br />
<strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> wird deshalb ebenfalls <strong>Taxi</strong>-Sharing anbieten – integriert<br />
in die Bestell-App taxi.eu. Gespräche mit den Zuständigen<br />
laufen bereits. Die Entwicklung einer solchen Software war sehr<br />
aufwändig. Anders als beim Mietwagen, wo man Festpreise definieren<br />
kann, muss <strong>Taxi</strong>-Sharing den offiziellen Tarif berücksichtigen.<br />
Die Grundgebühr muss auf alle Mitfahrer aufgeteilt werden,<br />
Zuschläge dagegen ebenso wie Fehlfahrten nur dem Verursacher<br />
hinzugerechnet werden, weshalb eine Teilnahme am <strong>Taxi</strong>-Sharing<br />
auch die Hinterlegung eines bargeldlosen Zahlungskontos<br />
voraussetzt.<br />
TAXI-SHARING ÖFFNET DAS TAXI<br />
FÜR NEUE KUNDENGRUPPEN<br />
Aus Sicht Waldners gibt es fünf Gründe, den Sharing-Trend<br />
anzunehmen: „Erstens senkt <strong>Taxi</strong>-Sharing die Einstiegshürde.<br />
Wer nach einer Partynacht nur noch Kleingeld fürs <strong>Taxi</strong> übrig<br />
hat, wird mit dem neuen Angebot nicht auf den Bus warten. Wir<br />
werden damit konkurrenzfähiger.<br />
Zweitens: Besonders junge Menschen und Technik-Affine nutzen<br />
Apps, sie sind auch besonders aufgeschlossen gegenüber neuen<br />
Diensten. Aber auch jüngere Kunden werden mal älter – und so<br />
wächst die Gruppe unserer Fahrgäste. Drittens erproben viele<br />
derzeit die Carsharing-Dienste. Deren Reichweite konzentriert<br />
sich aber meist auf die Ballungsräume. <strong>Taxi</strong> dagegen fährt auch<br />
außerhalb der City – und kann so seine Dienstleistung bei konkurrenzfähigen<br />
Preisen besser darstellen. Viertens schont <strong>Taxi</strong>-<br />
Sharing natürlich die Umwelt. Und ein fünftes Argument lautet<br />
schlichtweg: Wir gehen mit der Zeit!“<br />
Luftverschmutzung und Digitalisierung sind also keine Gefahr<br />
des <strong>Taxi</strong>gewerbes. Vielmehr sind es genau die <strong>Berlin</strong>er Taxen, die<br />
dafür die passenden Lösungen anbieten können – ohne dass dafür<br />
eine Sondergenehmigung ausgesprochen oder der Rechtsrahmen<br />
verändert werden muss.<br />
tt<br />
STATEMENT ZUM URTEIL<br />
ÜBER FAHRVERBOTE<br />
FOTOS: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
Am 27. Februar <strong>2018</strong> wies das<br />
Bundesverwaltungsgericht die<br />
Klage der Städte Stuttgart und<br />
Düsseldorf zurück und stelle klar, dass<br />
Kommunen, wenn nötig, zur Einhaltung<br />
der Schadstoffwerte auch Fahrverbote aussprechen<br />
müssen. Ein solches Fahrverbot<br />
würde in erster Linie Dieselfahrzeuge auch<br />
jüngerer Jahrgänge treffen – und damit<br />
auch eine nicht geringe Anzahl aktueller<br />
<strong>Taxi</strong>modelle.<br />
Hermann Waldner, Chef von <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong>,<br />
machte am Tag des Urteils in Form einer<br />
Pressemitteilung deutlich, dass Mobilität<br />
in <strong>Berlin</strong> ohne <strong>Taxi</strong> undenkbar sei, und<br />
dass sie in Innenstädten besser organisiert<br />
werden könne.<br />
Im Hinblick auf Uber und diverse andere<br />
Sharing-Dienste kritisiert<br />
Waldner, dass in<br />
der Hautstadt „ohne<br />
Not immer mehr Unternehmen<br />
innerhalb des<br />
S-Bahn-Rings zugelassen<br />
werden.“ Das<br />
bringe noch mehr Fahrzeuge auf ohnehin<br />
verstopfte Straßen und trage damit<br />
zu schlechterer Luftqualität bei. „Weitere<br />
Anbieter führen mit zusätzlichen Autos<br />
auch automatisch zu mehr Leerfahrten,<br />
zu mehr Staus und zu mehr Abgasen“,<br />
moniert der Zentralenchef. Eine effektivere<br />
Kontrolle der Angebote wäre ein deutlicher<br />
Beitrag für eine sprichwörtlich bessere<br />
...zu mehr<br />
Leerfahrten, zu<br />
mehr Staus und<br />
zu mehr Abgasen.<br />
„<strong>Berlin</strong>er Luft“. „Anstelle neuer subventionierter<br />
Angebote sollten bestehende Angebote<br />
wie <strong>Taxi</strong> verbessert werden.“<br />
Auch der <strong>Taxi</strong>-Bundesverband BZP nahm<br />
Stellung: Präsident Michael Müller bedauerte<br />
die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts<br />
und wiederholte die Forderung,<br />
die man schon im November letzten<br />
Jahres als Resolution veröffentlichte. Die<br />
<strong>Taxi</strong>branche wolle ihre Dienstleistungen<br />
mit einer möglichst umweltfreundlichen<br />
Fahrzeugflotte erbringen.<br />
„Unser Ziel ist das emissionsfreie<br />
<strong>Taxi</strong>“, formuliert es der BZP in einer<br />
Pressemitteilung. „Für den Durchbruch<br />
der E-Mobilität fordern wir die Kommunen<br />
auf, in Kooperation mit lokalen oder<br />
überörtlichen Energieanbietern eine flächendeckende<br />
und<br />
ausreichende Lade-<br />
Infrastruktur bereitzustellen.<br />
Wichtig ist<br />
dabei: Die Ladestruktur<br />
muss dem gewerblichen<br />
Verkehr vorbehalten<br />
bleiben. Ohne privat und gewerblich<br />
getrennte Netze sind Hürden im täglichen<br />
Betrieb vorprogrammiert.“<br />
Von der Auto-Industrie erwartet Müller<br />
„angemessene finanzielle Anreize für den<br />
Fahrzeugtausch auf emissionsarme <strong>Taxi</strong>s<br />
mit den neuesten Abgas- bzw. umweltfreundlichsten<br />
Antriebstechnologien zu<br />
bezahlbaren Preisen“.<br />
tt<br />
<strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-Chef Hermann Waldner<br />
BZP-Präsident Michael Müller<br />
TAXI BERLIN TZB GMBH<br />
Persiusstraße 7, 10245 <strong>Berlin</strong><br />
Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20<br />
Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19<br />
E-Mail: info@taxi-berlin.de<br />
www.taxi-berlin.de<br />
Öffnungszeiten Kundencenter<br />
und Technikcenter<br />
Mo, Di, Do, Fr 10.00 bis 17.30 Uhr<br />
Mi 10.00 bis 14.30 Uhr<br />
Geschäftsführer<br />
Hermann Waldner<br />
Presserechtlich verantwortlich für<br />
diese Seite: Hermann Waldner<br />
Redaktion: Axel Rühle (ar)<br />
Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
19
ANTRIEB<br />
BERLINS REGIERENDER BÜRGERMEISTER<br />
MICHAEL MÜLLER (SPD):<br />
»MIT DER HYBRID-BENZINER-<br />
FÖRDERUNG GEHT BERLIN<br />
EINEN EIGENEN WEG«<br />
Umweltfreundliche Mobilität ist in<br />
<strong>Berlin</strong> Chefsache. Michael Müller,<br />
<strong>Berlin</strong>s Regierender Bürgermeister,<br />
hat ein Zehn-Punkte-Programm<br />
aufgelegt, das auch Fördermaßnahmen<br />
für <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>s<br />
vorsieht.<br />
<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>: Herr Müller, aktuell unterstützt<br />
das Land <strong>Berlin</strong> die Anschaffung<br />
eines Hybrid-<strong>Taxi</strong>s mit 2.500 Euro. Allerdings<br />
muss im Gegenzug das bisherige<br />
Dieseltaxi der Euro-Klassen eins bis fünf<br />
verschrottet werden. Wie viele Förderanträge<br />
sind aktuell bei Ihnen eingegangen?<br />
Michael Müller: Noch sind es wenige,<br />
aber wir stehen ja auch am Anfang. Das<br />
Programm wird erst seit März von der<br />
Investitionsbank <strong>Berlin</strong> (IBB) im Auftrag<br />
des Landes angeboten. So etwas muss sich<br />
erfahrungsgemäß erst herumsprechen.<br />
Umso wichtiger sind Informationsveranstaltungen<br />
wie die Mitte <strong>April</strong> eines <strong>Berlin</strong>er<br />
<strong>Taxi</strong>verbandes. Ich bin zuversichtlich,<br />
dass die Vorteile mehr und mehr erkannt<br />
werden.<br />
Könnte die Zahl nicht deutlich höher<br />
sein, wenn man auf die Verschrottung<br />
verzichten würde? Kaum ein <strong>Taxi</strong> in <strong>Berlin</strong><br />
ist so heruntergekommen, dass es<br />
weniger als 2.500 Euro wert ist und nur<br />
noch verschrottet werden kann.<br />
Michael Müller: Nun ja, es wäre<br />
wohl kaum verständlich, wenn wir neue<br />
sauberere <strong>Taxi</strong>s mit Steuergeldern fördern,<br />
aber die als <strong>Taxi</strong> ausgemusterten Autos<br />
gleichzeitig weiter unsere Innenstädte<br />
mit NOX-Abgasen verpesten. Die rot-rotgrüne<br />
Landesregierung denkt gerade in<br />
Umweltfragen nachhaltig. Und zu unserer<br />
Förderung kommen ja auch noch die teilweise<br />
hohen Rabatte der Fahrzeuganbieter.<br />
Soweit ich weiß, können sie so in <strong>Berlin</strong> ein<br />
nagelneues Hybrid-<strong>Taxi</strong> für um die 20.000<br />
Euro erwerben. Wichtig war uns, mit der<br />
Hybrid-Benziner-Förderung als Land einen<br />
eigenen Weg zu gehen und ein schnelles<br />
Angebot zu machen. Denn der Bund sieht<br />
Förderungen nur für Plug-In-Hybride und<br />
E-Mobile vor, die für das <strong>Taxi</strong>gewerbe noch<br />
zu unattraktiv sind.<br />
Die Reichweiten diverser E-Modelle<br />
erreichen allmählich Werte, die zumindest<br />
für einen Ein-Schicht-Betrieb ausreichend<br />
sind. Was fehlt, ist aber immer<br />
noch eine ausreichende Lade-Infrastruktur.<br />
Wie unterstützt hier das Land <strong>Berlin</strong><br />
das <strong>Taxi</strong>gewerbe?<br />
Erst einmal ist wichtig, dass wir in der<br />
zweiten Stufe unseres Förderprogramms<br />
als Land <strong>Berlin</strong> auch E-Mobile in gleicher<br />
Höhe fördern wie der Bund. Und ich habe<br />
schon letztes Jahr auf Bundesebene darauf<br />
gedrungen, dass das sogenannte Kumulationsverbot<br />
– also die bisher verbotene<br />
Inanspruchnahme von Bundes- und Landesförderung<br />
– für E-Mobile fällt. Das<br />
wurde uns jetzt zugesagt. Für ein E-<strong>Taxi</strong><br />
kann ein <strong>Taxi</strong>besitzer also zukünftig durch<br />
unser <strong>Berlin</strong>er Engagement beides beantragen,<br />
den Umweltbonus und unsere ergänzende<br />
Landesförderung. Die Eckpunkte<br />
für das Programm wird die Senatswirtschaftsverwaltung<br />
zum nächsten Mobilitätsgespräch<br />
Ende Juni vorstellen. Was die<br />
Lade-Infrastruktur betrifft, haben wir in<br />
unserem Zehn-Punkte-Plan schon 1.000<br />
weitere Ladesäulen zugesagt. Und wer ein<br />
E-Mobil erwirbt, erhält schon seit Langem<br />
passgenaue Förderungen für die Ladesäule.<br />
Interessant für die Branche sind vor<br />
allen Dingen die Schnellladesäulen. Was<br />
tut sich in diesem Bereich?<br />
Wir wissen um den Bedarf und bauen das<br />
Angebot an Schnellladesäulen kontinuierlich<br />
aus, aber es gibt da noch viel zu tun<br />
für die auf uns zukommenden Anforderungen<br />
zum Beispiel des <strong>Taxi</strong>gewerbes. Bisher<br />
gibt es meines Wissens aber auch nur<br />
einige wenige<br />
E-Taxen. Gut,<br />
wenn es durch<br />
unser Förderprogramm<br />
und die<br />
immer besseren Angebote<br />
der Autohersteller<br />
mehr werden. Das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />
sollte jetzt in Gesprächen<br />
mit dem Senat einen realistischen<br />
Bedarf nach zusätzlicher<br />
Ladeinfrastruktur anmelden. Vielleicht<br />
kann es dazu schon im Rahmen meines 3.<br />
Mobilitätsgespräches Ende Juni eine Verabredung<br />
geben. Sie können sicher sein:<br />
Dieser Senat tut alles, um saubere Elektromobilität<br />
in unserer Stadt zu ermöglichen.<br />
Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts<br />
vom 27. Februar dürfte den Städten<br />
und Kommunen nicht gefallen haben.<br />
Muss man auch in <strong>Berlin</strong> mit Fahrverboten<br />
rechnen?<br />
Fahrverbote sind trotz der hochrichterlichen<br />
Rechtsprechung kein Automatismus.<br />
Aber man kann sie nicht ausschließen.<br />
Ziel unseres Zehn-Punkte-Plans bleibt es,<br />
mit Hilfe der vielen Teilnehmer an meinen<br />
Mobilitätsgesprächen – also auch der<br />
<strong>Taxi</strong>unternehmen – die NOX-Belastung zu<br />
reduzieren und Fahrverbote möglichst zu<br />
verhindern. Aber: Es ist natürlich durch<br />
das Urteil nicht leichter geworden. Wir<br />
müssen weiterhin gemeinsam alles unternehmen,<br />
um die Werte zu senken.<br />
Falls es zu Fahrteinschränkungen<br />
welcher Art auch immer kommt: Darf<br />
das <strong>Taxi</strong>gewerbe dann mit Ausnahmen<br />
rechnen oder sagt das Land dann erbarmungslos:<br />
„Wir haben euch doch schließlich<br />
bei E-<strong>Taxi</strong>s gefördert“?<br />
Wir wissen ganz genau um die Nöte der<br />
Wirtschaftsverkehre. Sollten sich Fahrverbote<br />
durch Klagen an der einen oder anderen<br />
Stelle nicht verhindern lassen, so müssen<br />
20 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
ANTRIEB<br />
»Ich bin zuversichtlich,<br />
dass die Vorteile<br />
mehr und mehr<br />
erkannt werden.«<br />
w i r<br />
sie so<br />
gestalten, dass<br />
der Wirtschaftsverkehr und natürlich<br />
auch die Personenbeförderung weiter überall<br />
in der Stadt möglich sind. Wir wollen<br />
schließlich Versorgung und Mobilität der<br />
<strong>Berlin</strong>erinnen und <strong>Berlin</strong>er weiter gewährleisten.<br />
Aber jeder kann jetzt durch unsere<br />
Förderung und Investitionen in saubere<br />
Fahrzeugtechnik mit dafür sorgen, dass<br />
er nicht dauerhaft auf Ausnahmeregelungen<br />
angewiesen ist. Denn auch da kann es<br />
wieder Klagen geben.<br />
Es gäbe auch noch andere Maßnahmen,<br />
die erheblich zur Luftreinhaltung<br />
beitragen könnten. Studien belegen<br />
beispielsweise<br />
eindrucksvoll,<br />
dass Car- und<br />
Ride-Sharing nicht<br />
– wie immer versprochen<br />
– zu weniger,<br />
sondern zu mehr Verkehr<br />
führen. Trotzdem<br />
wird die Hauptstadt aktuell<br />
mit neuen Mietwagenkonzessionen<br />
und Ride-Sharing-Diensten<br />
überschwemmt. Müsste das Land aus<br />
umweltpolitischer Sicht solche Anträge<br />
nicht ablehnen?<br />
Insgesamt geht es uns erst einmal um<br />
sauberere Mobilität. Mit am Tisch der<br />
<strong>Berlin</strong>er Mobilitätsgespräche saßen zwei<br />
große Carsharer, die auch ihre Fuhrparks<br />
hin zur E-Mobilität orientieren müssen.<br />
Was neue Angebote betrifft, können sie<br />
sicher sein, dass die grün geführten Wirtschafts-<br />
und Verkehrsverwaltungen ganz<br />
genau prüfen, was mit der Genehmigung<br />
zusätzlicher Angebote umweltpolitisch<br />
Sinn macht oder eben nicht. Was aber<br />
generell die Zukunft des Diesels in unseren<br />
Innenstädten betrifft, ist es für mich<br />
auch weiterhin unverständlich, dass die<br />
großen deutschen Automobilbauer sich<br />
standhaft weigern, mit Hardwarelösungen<br />
zu sauberen Dieseln beizutragen. Damit<br />
wäre schon viel geholfen. Da muss der<br />
Druck der Bundesregierung erhöht werden.<br />
Ich mache darauf in jeder Runde als<br />
<strong>Berlin</strong>er Ministerpräsident aufmerksam<br />
– was nicht jedem gefällt. Aber auch ihre<br />
<strong>Taxi</strong>unternehmer wurden von der Automobilindustrie<br />
mit Schummelsoftware<br />
hinters Licht geführt. Deswegen sollten<br />
sich die deutschen <strong>Taxi</strong>verbände klar für<br />
Hardware-Lösungen aussprechen und den<br />
Druck so mit erhöhen.<br />
Zum Schluss noch eine private Frage:<br />
Was wünschen Sie sich als <strong>Berlin</strong>er Fahrgast<br />
von den <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>fahrerinnen<br />
und <strong>Taxi</strong>fahrern?<br />
Das, was ich meistens als Fahrgast<br />
erlebe, wenn ich privat <strong>Taxi</strong> fahre: saubere<br />
<strong>Taxi</strong>s mit freundlichen und sich in <strong>Berlin</strong><br />
auskennenden Fahrerinnen und Fahrern.<br />
Und in Zukunft mehr Mut zu einer umweltfreundlichen<br />
Fahrzeugtechnik. Es ist auch<br />
für den Fahrgast wichtig und gut zu wissen,<br />
dass seine Mobilität so umweltfreundlich<br />
wie möglich ist.<br />
Danke für das Interview.<br />
Hico_04-2016.qxp_Layout 1 06.04.16 10:04 Seite 1<br />
– nur 1x in <strong>Berlin</strong> –<br />
FOTO: Jens Jeske<br />
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TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
21
Gespräch über die Hybrid-Förderung Ende <strong>April</strong> im <strong>Taxi</strong>-Museum in der Persiusstraße.<br />
„ALTE DIESEL-TAXEN<br />
GEHEN MEIST INS AUSLAND“<br />
Eine Info-Veranstaltung zur <strong>Berlin</strong>er Hybrid-<strong>Taxi</strong>-Förderung zeigt, dass<br />
der Senat über die geforderte Abwrackung des alten Diesels noch<br />
einmal nachdenken sollte.<br />
Zur Halbzeit der <strong>Berlin</strong>er E- und Hybridtaxi-Förderung<br />
(betrifft neben Hybrid-Modellen auch E-<strong>Taxi</strong>s) fällt die<br />
Bilanz eher nüchtern aus. Noch keine zehn <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />
haben bisher einen Antrag auf Genehmigung gestellt. In einer<br />
vom <strong>Taxi</strong>-Gremium veranstalteten Info-Veranstaltung Ende <strong>April</strong><br />
wurde auch schnell klar, woran es hapert: Nur wer sein bisheriges<br />
Dieseltaxi verschrottet, bekommt 2.500 Euro Unterstützung für<br />
ein Hybrid-Modell.<br />
Das ist für <strong>Berlin</strong>s <strong>Taxi</strong>gewerbe kein Kaufanreiz, weil die aktuellen<br />
<strong>Taxi</strong>s meist viel mehr wert sind.<br />
Die anwesenden <strong>Taxi</strong>unternehmer regten an, auf den Abwracknachweis<br />
zu verzichten, da viele <strong>Taxi</strong>s sowieso ins Ausland verkauft<br />
würden. Und selbst wenn Sie in Privatbesitz übergehen<br />
würden, würde die „alten Diesel“ viel weniger Kilometer fahren<br />
als im <strong>Taxi</strong>-Einsatz – und somit weniger Stickoxide ausstoßen.<br />
DIE WICHTIGSTEN<br />
TAXITHEMEN<br />
Damit Sie nichts verpassen, schicken wir Ihnen<br />
jede Woche die aktuellen Neuigkeiten aus der<br />
<strong>Taxi</strong>branche als Newsletter.<br />
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LADEINFRASTRUKTUR MUSS DRINGEND<br />
AUSGEBAUT WERDEN<br />
Christine Heuer und Holger Döbling vom IBB Business Team,<br />
die im Auftrag des Senats die Anträge prüfen und bearbeiten,<br />
versprachen, den Einwand bei den zuständigen Politikern nochmal<br />
anzusprechen.<br />
Den Blick auf die elektromobile Zukunft richtete Moderator<br />
Detlev Freutel, als er das Thema Lade-Infrastruktur ansprach. Dr.<br />
Beata Tatarczyk von der Allego GmbH ist für die Aufstellung diverser<br />
Ladesäulen im <strong>Berlin</strong>er Stadtgebiet verantwortlich. E-<strong>Taxi</strong>-<br />
Pioniere wie der <strong>Berlin</strong>er Tesla-Fahrer Martin Doll machten ihr<br />
deutlich, dass E-<strong>Taxi</strong>s nur in Kombination mit einem vernünftigen<br />
Netz an Schnellladesäulen wirtschaftlich betrieben werden<br />
können.<br />
Dr. Tatarczyk bat das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe, eine Liste möglicher<br />
Standorte solcher Schnellladesäulen zusammenzustellen. jh<br />
FOTO: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
22 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
ANTRIEB<br />
Hyundai Ioniq Hybrid im Einsatz<br />
Cockpit mit <strong>Taxi</strong>ausrüstung<br />
Kofferraum mit 443 L. Rauminhalt<br />
PREMIUM ZUM SCHNÄPPCHENPREIS<br />
Mit dem Ioniq Hybrid bringt jetzt auch die koreanische Marke Hyundai<br />
ein taxitaugliches Hybridmodell auf den Markt. Hier ein Fahrbericht.<br />
FOTO: Wilfried Hochfeld / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
Nach fast 20 Jahren Erfolgsgeschichte der Toyota-Hybridautos<br />
kommen zunehmend auch andere Hersteller auf die<br />
Idee, Autos wie den Prius zu bauen. Der Hyundai Ioniq<br />
Hybrid ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Bei näherer<br />
Betrachtung ist die Ähnlichkeit aber mehr optischer Natur.<br />
Der Ioniq Hybrid hat als echter Vollhybrid einen Benzinmotor<br />
mit 105 PS und einen Elektromotor mit 44 PS (Systemleistung:<br />
141 PS). Beide Motoren geben ihre Kraft direkt an ein (automatisches)<br />
Doppelkupplungsgetriebe (DSG) und nicht an ein Planetengetriebe<br />
mit CVT wie beim Prius. Die seltsame Drehzahl- und<br />
Geräuschentwicklung entfällt damit. Der Ioniq klingt und fährt<br />
wie jedes andere Auto.<br />
Etwas irritierend ist der Eindruck, dass der Benzinmotor ständig<br />
mitläuft, obwohl am Display reiner Elektrobetrieb angezeigt<br />
wird. Das hört sich aber nur so an, weil der Ioniq zum Schutz der<br />
Fußgänger ständig ein künstlich erzeugtes Fahrgeräusch von sich<br />
gibt. Hinzu kommen Klick- und Schaltgeräusche in verschiedenen<br />
Betriebssituationen, die man nicht weiter beachten muss.<br />
Leistung gibt es reichlich. Das Fahrwerk ist etwas zu hart.<br />
Der Platz für die Fahrgäste geht so. Der Kofferraum ist klein. Die<br />
Vollausstattung des Vorführautos beinhaltet einen elektrisch verstellbaren<br />
Fahrersitz mit Memory-Funktion. Der Beifahrersitz geht<br />
mechanisch. Für ein <strong>Taxi</strong> ist das genial, weil Fahrgäste, die vorne<br />
sitzen, meist mit den elektrischen Stellknöpfen nicht klarkommen.<br />
Trotz der vielen Funktionen sind die Schaltelemente und die<br />
Displays recht übersichtlich. Eine Live-Animation, wie die Energie<br />
gerade fließt, gibt es natürlich auch – und damit den entsprechenden<br />
Gesprächsstoff mit den Fahrgästen.<br />
DAS TAXIGEWERBE WAR HYBRID-VORREITER<br />
Kenntnisse über Hybrid sind noch längst nicht bei der breiten<br />
Masse angekommen. Allerdings hat die Zulassungszahl von Hybridautos<br />
im letzten Jahr um 100 Prozent zugenommen, wie <strong>Berlin</strong>s<br />
Wirtschaftssenatorin Pop auf der diesjährigen Hauptstadtkonferenz<br />
Elektromobilität verlautbarte. Ehrlicherweise nannte sie auch<br />
die absolute Zahl. Es sind 54.000. Das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe hat die<br />
wirtschaftlichen und umweltmäßigen Vorteile des Hybridantriebs<br />
früh erkannt und war Vorreiter in der breiten Nutzung.<br />
Vollausstattung heißt in der Spitzenversion „Premium“ tatsächlich<br />
volles Programm: Ledersitze mit Heizung, Kühlung,<br />
verstellbarer Lordosenstütze, Lenkradheizung, Spurhalteassistent,<br />
Totwinkelwarner, Tempomat, Abstandautomatik, Abstandwarner<br />
rundum, Rückfahrkamera (die Sicht nach hinten ist bescheiden),<br />
Notbremsassistent, selbstverständlich ABS und ASR, zusätzlich<br />
Berganfahrhilfe, mehrere Zwölf-Volt-Steckdosen, AUX- und USB-<br />
Anschlüsse, induktive Handyaufladung etc.<br />
Ablagefächer gibt es einige, aber in keins passt wirklich etwas<br />
rein. Die <strong>Taxi</strong>ausrüstung von Intax ist wie üblich sauber integriert<br />
(Spiegeltaxameter, Funkgerät in einer Hutze auf dem Armaturenbrett,<br />
1A-Folierung). Das Interieur ist unten schwarz (Leder, Kunststoff),<br />
oben hellgrau (Velours). Hier und da gibt es ein paar blaue<br />
Applikationen. Praktisch, dezent, kein teurer Schnickschnack.<br />
Der Hyundai Ioniq Hybrid ist ein chic aussehendes, funktionales<br />
<strong>Taxi</strong> mit gerade ausreichendem Platzangebot. In der Premium-<br />
Version lässt er keine Wünsche offen.<br />
Der Preis für dieses Auto komplett als <strong>Taxi</strong>, überführt und zugelassen,<br />
liegt inkl. der öffentlichen Förderungen netto bei rund<br />
22.000 Euro. Es gibt auch weniger üppige Varianten. Die sind<br />
dann noch günstiger.<br />
Ansprechpartner in <strong>Berlin</strong> für <strong>Taxi</strong>unternehmer ist Herr<br />
Kawatzki von CSB Schimmel Automobile in <strong>Berlin</strong>-Alt-Hohenschönhausen.<br />
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TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
23
KANN BIO-METHAN DEN<br />
VERBRENNER RETTEN?<br />
Ist Bio-Methan der Strohhalm, an dem sich der untergehende<br />
Verbrennungsmotor über Wasser halten kann? Biogaspartner – die<br />
Konferenz sucht eine Strategie.<br />
Methan aus dem Bohrloch ist<br />
schon ein sehr umweltfreundlicher<br />
Stoff, um damit einen<br />
Verbrennungsmotor zu betreiben, denn<br />
es verbrennt zu weit weniger Schadstoffen<br />
als alle anderen fossilen Brennstoffe.<br />
Bio-Methan, also solches, das aktuell aus<br />
organischem Material (Abfällen, eigens<br />
angebautes Grünzeug) hergestellt wurde,<br />
gilt als vollkommen umweltneutral, denn<br />
bei seiner Verbrennung entstehen gerade<br />
so viele Schadstoffe, wie die zu seiner Produktion<br />
verwendeten Biomaterialien zuvor<br />
aus der Atmosphäre entnommen haben.<br />
Das gleiche gilt auch für Holz, Biodiesel<br />
und Bioalkohol. Die üblichen Beimischungen<br />
der Bioprodukte zu den fossilen<br />
WAS IST METHAN?<br />
Methan hat die chemische Formel<br />
CH 4<br />
. Das Molekül besteht also aus<br />
einem Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatomen.<br />
Damit ist es eine der<br />
einfachsten organischen Verbindungen.<br />
Methan ist (unter Normalbedingungen)<br />
ein farbloses Gas, das für<br />
Menschen nicht zu riechen ist. Beim<br />
Verbrennen wird das Methan-Molekül<br />
aufgespalten und reagiert mit dem<br />
Sauerstoff (O 2<br />
) aus der Luft. Dabei<br />
entstehen Kohlen(stoff)dioxid (CO 2<br />
)<br />
und Wasserdampf (H 2<br />
O). Ein Gemisch<br />
Spritsorten wie Super E5 und E10 (E steht<br />
für Ethylalkohol, die Zahl für den prozentigen<br />
Anteil) verringern offiziell rechnerisch<br />
die Schadstoffquote.<br />
Dem fossilen Erdgas wird vielerorts<br />
ebenfalls Bio-Methan beigemischt, was in<br />
diesem Fall chemisch das gleiche ist – aber<br />
offiziell nicht auf die Schadstoffquote angerechnet,<br />
sehr zum Ärger der Autoindustrie.<br />
Die Autohersteller, allen voran Volkswagen,<br />
ringen um jedes Gramm CO 2<br />
, das ihre<br />
Flottenschadstoffquote mindert. Mit dem<br />
Diesel, der gegenüber dem Benziner viel<br />
weniger CO 2<br />
ausstößt, können sie nach dem<br />
Schummelskandal nicht recht argumentieren.<br />
Deshalb versucht man jetzt, mit dem<br />
Nachhaltigkeitsargument zum Bio-Methan<br />
aus Luft und Methan ist explosiv, weil<br />
das bei der Reaktion entstehende<br />
Gasgemisch viel mehr Rauminhalt hat<br />
als das Ausgangs-Gasgemisch. Da bei<br />
der Verbrennung von Methan zudem<br />
viel Energie frei wird, eignet es sich als<br />
Kraftstoff. Obwohl das entstehende<br />
CO 2<br />
ein Treibhausgas ist und den Klimawandel<br />
befördert, gilt das Verbrennen<br />
von Methan als umweltfreundlich<br />
im Vergleich zu Diesel oder Benzin,<br />
da ansonsten keinerlei Schadstoffe<br />
entstehen. ar<br />
die fast schon aufgegebene Produktion von<br />
Erdgas-Autos wieder anzukurbeln – und<br />
die Anrechnung des beigemischten Bio-<br />
Methans auf die Schadstoffquote herbeizureden.<br />
Die Bio-Methan-Produzenten und<br />
alle, die damit Geld verdienen, unterstützen<br />
das natürlich.<br />
Fakt ist, dass Methan, egal, ob „Bio“ oder<br />
aus der Erde, der sauberste breit verfügbare<br />
Kraftstoff für Verbrennungsmotoren ist.<br />
Fakt ist aber auch, dass der Erdgasantrieb<br />
in zwanzig Jahren – trotz intensiver Förderung<br />
mit Geld und Argumenten – nicht aus<br />
seiner Nische herausgekommen ist.<br />
Womit wurde das immer begründet?<br />
Zu teuer, zu wenig Tankstellen, zu wenig<br />
Reichweite. Kommt einem irgendwie<br />
bekannt vor im Zusammenhang mit der<br />
genauso schlecht anlaufenden Elektromobilität<br />
im Auto. Wie steht der Erdgasbetrieb<br />
jetzt da? Die Autos sind kaum noch<br />
teurer als andere Verbrenner. Im Vergleich<br />
zu Elektroautos sind sie geradezu<br />
ein Schnäppchen. Das Tankstellennetz ist<br />
erträglich, und das Tanken geht gewohnt<br />
schnell. Die Reichweite ist weit größer als<br />
bei den aktuellen E-Autos. Aus Sicht des<br />
Verbrauchers spricht mehr für ein Methan-<br />
Auto als für ein E-Auto.<br />
Ob da eine Öffentlichkeitskampagne für<br />
nachhaltiges Bio-Methan hilft? Die Bio-<br />
Methan-Hersteller und die Autoindustrie<br />
stehen bereit. Zumindest VW will wieder<br />
mehr Erdgasautos anbieten. Bio-Methan<br />
steht in großen Mengen zur Verfügung,<br />
sagen die Hersteller. Wobei „Bio“ und<br />
FOTO: Volkswagen AG<br />
24 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
ANTRIEB<br />
Methan als Autokraftstoff nur die halbe<br />
Wahrheit ist.<br />
Alles Methan, das nicht aus dem Bohrloch<br />
kommt, wird großzügig dem Begriff<br />
„Bio“ zugeordnet. Methan wird – unter Mithilfe<br />
von Bakterien und Enzymen – aus der<br />
Zersetzung von allen möglichen biologischen<br />
Materialien, idealerweise Abfällen,<br />
gewonnen. Insofern stimmt „Bio“. Aber<br />
Methan fällt auch bei großtechnischen Prozessen<br />
der chemischen Industrie an, bei<br />
denen Bazillen und Fermente keine Rolle<br />
spielen, sondern Druck und Temperatur.<br />
Dieses Methan ist bestenfalls „nicht fossil“<br />
– aber auch nicht wirklich „Bio“.<br />
Bio-Methan wird vordergründig auch<br />
nicht dafür produziert, um es als Kfz-Kraftstoff<br />
zu verwenden, oder um es in das Erdgasnetz<br />
einzuspeisen. Das hätte wirtschaftlich<br />
wenig Sinn, denn seine Produktion ist<br />
teurer als der Bezug von fossilem Erdgas.<br />
Bei der Bio-Methanproduktion geht es um<br />
die nutzbringende Beseitigung bestimmter<br />
biologischer Abfälle, die man sonst für<br />
viel Geld anderweitig entsorgen müsste.<br />
Die Erprobung solcher Verfahren in mehr<br />
oder weniger großen Anlagen wird öffentlich<br />
gefördert.<br />
Wer es schafft, auf diese Weise Bio-<br />
Methan in größerer Menge herzustellen,<br />
stellt sich dann auch gern noch einen<br />
Generator neben seine Biogasanlage und<br />
veredelt sein Bio-Methan zu elektrischem<br />
Strom. Mit dessen Einspeisung in das<br />
Stromnetz lässt sich nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz<br />
(EEG) gutes Geld<br />
verdienen. Zukünftig wird Methan als<br />
Speichermedium für überschüssigen „grünen“<br />
Strom sicher auch ohne Förderung<br />
wirtschaftlich eine Rolle spielen. So wird<br />
jedenfalls in Fachkreisen diskutiert.<br />
Solche Details werden den Otto-Normal-<br />
Verbraucher nur verwirren. „Bio“ klingt<br />
gut. Lassen wir die Produzenten nicht-fossilen<br />
Methans ruhig ihr Image verbessern.<br />
Wenn dadurch auch die Lage des Erdgas-<br />
Antriebs von Autos verbessert wird, soll<br />
es dem <strong>Taxi</strong>gewerbe recht sein. Uns muss<br />
man die Vorzüge von Methan-Autos nicht<br />
erst schönreden. Wir benutzen sie seit vielen<br />
Jahren erfolgreich.<br />
Wenn es gelingt, über die Hervorhebung<br />
des Bio-Methans den Erdgasantrieb wieder<br />
salonfähig zu machen, könnte das den<br />
Verbrennungsmotor tatsächlich länger am<br />
Leben halten und Zeit gewinnen für die<br />
Entwicklung von brauchbaren Fahrzeugen,<br />
die in gewohnter Weise vorwärts kommen,<br />
ohne etwas zu verbrennen. <br />
wh<br />
MERCEDES TRÄGT<br />
VERSCHIEDENE PAAR SCHUHE<br />
Mit Frühstücksaktionen und Verkaufsförderungen bemühen sich die<br />
Verkaufsniederlassungen gewohnt emsig um die <strong>Taxi</strong>kunden. Doch die<br />
Konzernpolitik sieht anders aus.<br />
FOTO: Wilfried Hochfeld / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
Events wie beispielsweise Anfang Februar, bei dem Mercedes<br />
<strong>Taxi</strong>unternehmer aus <strong>Berlin</strong> und Brandenburg zum<br />
Unternehmerfrühstück in sein Airport Center eingeladen<br />
hat, gehören zum festen Programm der <strong>Berlin</strong>er Niederlassungen.<br />
Das Führungsteam des Airport Centers begrüßte zwei Dutzend<br />
<strong>Taxi</strong>unternehmer aus <strong>Berlin</strong> und Brandenburg. Ein buntes Luxus-<br />
Büfett und ein eigens angeheuerter Barista sorgten für Gaumenschmaus.<br />
Als Blickfang dienten das neueste Produkt aus dem<br />
Hause Mercedes-Benz, ein gewaltiger Pick-up, und ein E-Klasse-<br />
<strong>Taxi</strong>. Der Pick-up stieß auf größeres Interesse, das Mercedes-<strong>Taxi</strong><br />
kennt sowieso jeder.<br />
Die Leiter der <strong>Berlin</strong>er Mercedesstandorte werden nicht müde,<br />
dem <strong>Taxi</strong>gewerbe mit solchen Veranstaltungen ihre besondere<br />
Wertschätzung zu versichern. Die <strong>Taxi</strong>unternehmer, die weiter<br />
treue Kunden beim Daimler sind, kommen gerne und genießen es.<br />
KONZERNFÜHRUNG VS. GESCHÄFTSSTELLEN?<br />
Das gedeihliche Miteinander der <strong>Berlin</strong>er Mercedes-Niederlassung<br />
mit ihren <strong>Taxi</strong>-Kunden vor Ort und die großen Linien<br />
der Politik der Konzernzentrale in Stuttgart sind allerdings zwei<br />
verschiedene Paar Schuhe. Während die <strong>Berlin</strong>er Mercedes-<strong>Taxi</strong>-<br />
Stützpunkte ihre <strong>Taxi</strong>unternehmer mit kleinen Aufmerksamkeiten<br />
verwöhnen, pumpt die Stuttgarter Zentrale immer neue<br />
Millionen in Unternehmungen, die unter dem Vorwand „Neue<br />
Mobilität“ nach Meinung größerer Teile des <strong>Taxi</strong>gewerbes eben<br />
auch deren Unternehmern das Geschäft untergraben.<br />
Natürlich setzt Mercedes immer noch Maßstäbe dafür, wie ein<br />
<strong>Taxi</strong> beschaffen sein soll, und verkauft uns seine Luxuslimousinen<br />
Das Schönefelder Mercedes-Benz-Team: ganz rechts Herr Sanatci,<br />
Leiter Kundendienst Kreuzberg; daneben Frau Vogt, Leiterin Verkauf<br />
AirportCenter; Herr Schmiele, Leiter Gebrauchtwagen AirportCenter<br />
und Herr Aras, Leiter Kundendienst AirportCenter<br />
mit dem Sonderprogramm „Das <strong>Taxi</strong>“ zum Freundschaftspreis.<br />
Auch der anschließende <strong>Taxi</strong>-Service bleibt unerreicht von der<br />
Konkurrenz. Aber wie lange noch?<br />
Die Zeiten, in denen der Leiter eines randständigen <strong>Berlin</strong>er<br />
Mercedes-Standorts die Mercedes-Werbeaktion für den damals<br />
neuen Smart, bei der am Bahnhof Zoo ankommende Reisende<br />
mit einem Smart für lau nachhause fahren konnten, über Nacht<br />
von der Straße brachte, weil <strong>Taxi</strong>unternehmer dort ihr Geschäft<br />
bedroht sahen, sind offenbar vorbei. Heute dominieren andere<br />
Abteilungen die Konzernpolitik. <br />
wh<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
25
ANTRIEB<br />
Der e-NV 200 ist der erste<br />
elektrische Kleintransporter<br />
von Nissan.<br />
Das erste offiziell umgerüstete<br />
Intax Tesla <strong>Taxi</strong> Model S.<br />
Der Toyota Mirai, ein<br />
Wasserstoff-Wagen<br />
mit Brennstoffzelle und<br />
Vollausstattung.<br />
Der BYD e6 hat sich<br />
in China als <strong>Taxi</strong> und<br />
Behördenfahrzeug<br />
bewährt.<br />
Der üppig ausgestattete Kia<br />
Soul EV feierte in München<br />
<strong>Taxi</strong>premiere.<br />
Prototyp ABT e-DSG auf<br />
Basis eines VW T6 mit<br />
<strong>Taxi</strong>paket.<br />
DIE ELEKTRO-ZUKUNFT<br />
HAT BEGONNEN<br />
Der von der Politik so gerne gesehene Umstieg auf E-<strong>Taxi</strong>s ist keine<br />
Zukunftsmusik mehr. Die Auswahl an möglichen Modellen steigt,<br />
ebenso die Reichweiten der Batterien.<br />
Während eines von <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
veranstalteten „Münchner<br />
E-<strong>Taxi</strong>tags“ konnten sich die<br />
Besucher glücklich schätzen, denn so eine<br />
Vielfalt elektrisch angetriebener Fahrzeuge,<br />
die mit <strong>Taxi</strong>paket verfügbar sind,<br />
hat es in der Form noch nicht gegeben.<br />
Jedes Fahrzeug überzeugte mit speziellen<br />
Lösungen. Eine besondere Stellung nahm<br />
der Toyota Mirai ein, der als einziger mit<br />
einer Brennstoffzelle ausgestattet war und<br />
auf eigener Achse angereist war. Fast schon<br />
ein Klassiker unter den E-<strong>Taxi</strong>s ist der Nissan<br />
e-NV200, der nach einer Modellüberarbeitung<br />
mit einer Reichweite nach dem<br />
WLTP-Testzyklus von 200 Kilometern und<br />
sieben vollwertigen Sitzplätzen aufwartet.<br />
Vom weltweiten Marktführer bei der Herstellung<br />
von Elektrofahrzeugen kommt der<br />
BYD e6, der in Deutschland von der Firma<br />
Fenecon vertrieben wird. Neben den ‚alten‘<br />
Bekannten konnten in München aber auch<br />
Premieren präsentiert werden. Der Kia<br />
Soul EV mit einem flammneuen <strong>Taxi</strong>paket<br />
Intax übernimmt<br />
die Betreuung<br />
des <strong>Taxi</strong>bereichs<br />
für Tesla.<br />
kam frisch aus den Hallen des Umrüsters<br />
Intax in Oldenburg. Damit stellt Kia<br />
ein kompaktes E-<strong>Taxi</strong> vor, welches dank<br />
Schnelllademöglichkeit vielfältige Einsatzmöglichkeiten<br />
finden wird.<br />
Ein weiteres Highlight stellte sicherlich<br />
das geräumigste Fahrzeug dar. Der vom<br />
Allgäuer Spezialisten ABT eMobility auf<br />
Basis eines VW T6 entwickelte ‚e-DSG‘-Prototyp<br />
zeigte, wie ein elektrisch angetriebener<br />
VW T6 in der <strong>Taxi</strong>version aussehen<br />
könnte. ABT hatte bereits in der Vergangenheit<br />
rund 40 VW Caddys und VW T5<br />
elektrifiziert, die bereits mehr als eine Million<br />
Kilometer unter anderem im Auftrag<br />
der Deutschen Post zurückgelegt haben.<br />
Nahezu ein perfektes Timing legte der<br />
erste offizielle Tesla-<strong>Taxi</strong>umbau an den<br />
Tag. Nachdem mehr als zwei Jahre keine<br />
Zulassung eines Tesla Model S als <strong>Taxi</strong><br />
möglich war, wurde fast zeitgleich mit dem<br />
Münchner E-<strong>Taxi</strong>tag bekanntgegeben, dass<br />
sich der Spezialbetrieb INTAX exklusiv der<br />
<strong>Taxi</strong>umrüstung des Model S annimmt.<br />
Neben der Umrüstung übernimmt Intax<br />
zusätzlich die komplette Betreuung des<br />
gesamten <strong>Taxi</strong>bereichs für Tesla. Das<br />
erste verfügbare Fahrzeug konnte beim<br />
E-<strong>Taxi</strong>tag bereits in Augenschein genommen<br />
werden. Um die Zeit bis zum eigenen<br />
Tesla-<strong>Taxi</strong> möglichst kurz zu halten, bietet<br />
Intax auch die Umrüstung von gebrauchten<br />
Fahrzeugen an.<br />
Davon profitierte erst kürzlich ein <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />
aus Brandenburg. Er konnte<br />
seinen Tesla, den er sich bereits 2016 zugelegt<br />
hatte, beim Eichamt <strong>Berlin</strong> / Brandenburg<br />
nun endlich eichen lassen. Aufgrund<br />
der bis zur Intax-Umrüstung fehlenden<br />
Herstellerfreigabe hatte er seit 2016 keine<br />
Konformitätsfreigabe erhalten. sg<br />
FOTOS: stock.adobe.com, Gudrun Hartmann; <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
26 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
BUCHTIPP<br />
BUNKER<br />
FÜR<br />
ZUHAUSE<br />
Ingo Juchler<br />
1968 in <strong>Berlin</strong> –<br />
Schauplätze der Revolte<br />
be.bra verlag<br />
14,00 €<br />
GRAFIK: Stanislav Statsenko / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
Vom <strong>Berlin</strong> Story Bunker war hier<br />
schon wiederholt die Rede. Was<br />
da los ist, kann man jetzt bequem<br />
zu Hause nachlesen. Man muss nicht mehr<br />
unbedingt selbst hin. Der schmale Band<br />
„<strong>Berlin</strong> Story Bunker“ von Wieland Giebel<br />
fasst in wenig Text und vielen Bildern<br />
„Hitler – Wie konnte es geschehen?“ und<br />
„<strong>Berlin</strong> Story Museum“, die beiden Ausstellungen,<br />
die es dort zu sehen gibt, und die<br />
Geschichte des Bunkers selbst zusammen.<br />
Die Hitler-Dokumentation zeichnet das<br />
Leben des Diktators nach von seiner Geburt<br />
in Braunau bis zu seinem jämmerlichen<br />
Ende im <strong>Berlin</strong>er Führerbunker und dem<br />
Verbleib seiner sterblichen Überreste.<br />
Dabei wird mit einigen Legenden aufgeräumt,<br />
die sich bis heute hartnäckig halten.<br />
Das <strong>Berlin</strong> Story Museum befasst sich<br />
mit der Geschichte <strong>Berlin</strong>s in einzelnen<br />
Episoden aus verschiedenen Epochen.<br />
Beide Ausstellungen enthalten teils lebensgroße<br />
Bilder, Schautafeln und Gegenstände<br />
aus der jeweiligen Zeit, zusammengestellt<br />
zu lebensnahen Szenen, darunter ein<br />
Nachbau von Hitlers „Wohnzimmer“ im<br />
Führerbunker.<br />
Beide Ausstellungen sind sehr umfangreich.<br />
Durch jede der beiden kann man sich<br />
in rund zwei Stunden von einem Audio-<br />
Gide führen lassen (in vielen Sprachen).<br />
Das ganze Material plus der Geschichte<br />
des Bunkers passt natürlich nicht zwischen<br />
die zwei Buchdeckel eines schmalen<br />
Bändchens. Wer wirklich alles wissen<br />
will, muss also hingehen und das Buch als<br />
Ausstellungskatalog nutzen – entweder vor<br />
dem Besuch als Einstimmung, oder hinterher<br />
als Gedächtnisstütze <br />
wh<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
27
RECHT<br />
VERGESSENE<br />
VERKEHRSREGELN – FOLGE 4<br />
Zum Riskieren von Knöllchen, Gefährdung oder Unfällen haben<br />
<strong>Taxi</strong>fahrer viel mehr Zeit als andere – und beim Befahren von<br />
Kreisverkehren und Kraftfahrstraßen auch viel Gelegenheit.<br />
Kreisverkehr– was kann es darüber schon Interessantes zu<br />
sagen geben? Für Großstadt-Autofahrer gehören sie zur<br />
Routine. Als Problem empfinden die meisten von uns sie<br />
nicht. Dennoch sind sie unfallträchtig. Und mit der Routine kann<br />
es schnell vorbei sein, wenn Sie abenteuerlustig sind und einmal<br />
in Großbritannien, Irland, Malta, Zypern, Japan, Hongkong,<br />
Jamaika oder einem der anderen ca. 50 Länder mit Linksverkehr<br />
selbst Auto fahren möchten. Hier empfehlen wir, vorher ein paarmal<br />
im <strong>Taxi</strong> oder im Linienbus durch Kreisverkehre zu fahren.<br />
KREISVERKEHR: EINE WISSENSCHAFT FÜR SICH<br />
Als erfahrener <strong>Berlin</strong>-Kenner können Sie sicherlich auf Anhieb<br />
sagen, welche der folgenden Plätze Kreisverkehre (Zeichen<br />
215) sind: Augustaplatz, Barbarossaplatz, Bersarinplatz,<br />
Branitzer Platz, Ekhofplatz, Ernst-Reuter-Platz, Falkenseer<br />
Platz, Gierkeplatz, Großer Stern in Tiergarten,<br />
Gustav-Müller-Platz, Hardenbergplatz, Heinrich-<br />
Mann-Platz, Herrfurthplatz, Kottbusser Tor, Ludolfingerplatz,<br />
Matthäikirchplatz, Mirbachplatz, Oberhofer<br />
Platz, Pastor-Niemöller-Platz, Platz am Wilden Eber,<br />
Rathenauplatz, Steubenplatz, Strausberger Platz, Theodor-Heuss-Platz,<br />
Viktoriaplatz, Winterfeldtplatz, Zeltinger<br />
Platz, Zionskirchplatz.<br />
Kreisverkehre sind nicht bei allen beliebt, besonders, seit<br />
Verkehrsplaner in Deutschland sie nach der Wiedervereinigung<br />
wieder für sich „entdeckten“. In Brandenburg gibt es sehr wenige<br />
(allerdings nur im Vergleich zu Frankreich). Dem Kraftverkehr<br />
bringen Kreisverkehre gegenüber Ampelkreuzungen mehr Vorals<br />
Nachteile, denn sie haben viel weniger sogenannte Konfliktpunkte.<br />
Es gibt weniger Unfälle und der Verkehr fließt durchschnittlich<br />
schneller, denn man muss nicht sinnlos warten, wenn<br />
aus den anderen Richtungen keiner kommt.<br />
Da Kreisverkehre billiger sind als Ampeln, geht der Trend in<br />
Deutschland nicht nur zum Zebrastreifen, sondern auch zum<br />
Kreisverkehr – zumindest da, wo genügend Platz ist und wo<br />
sich hauptsächlich Straßen mit einem Fahrstreifen je Richtung<br />
kreuzen. In <strong>Berlin</strong> gibt es vergleichsweise viele mehrspurige<br />
Straßen, aber in Köln sind beispielsweise in den letzten Jahren<br />
über 200 Ampeln abgebaut worden, und auch in München wissen<br />
die Verkehrsplaner es zu schätzen, dass Ampeln zum Ende der<br />
Grünphase eher zum riskanten Gasgeben verleiten, während an<br />
Kreisverkehren immer gebremst werden muss, wodurch weniger<br />
Unfälle geschehen.<br />
Die Verkehrsregeln zum Kreisverkehr sind schnell aufgezählt:<br />
Beim Einfahren in einen Kreisverkehr darf man nicht blinken,<br />
beim Verlassen muss man blinken (ansonsten 10 Euro).<br />
Die Mittelinsel darf man nicht überfahren (10 Euro).<br />
Im Kreisverkehr ist Halten verboten (10 bis 15 Euro),<br />
ebenso Parken (15 bis 35 Euro). Große Überraschung:<br />
Da in Deutschland Rechtsverkehr herrscht, muss<br />
im Kreisverkehr entgegen dem Uhrzeigersinn<br />
gefahren werden (ansonsten 25 bis 35 Euro). Folglich<br />
ähneln Kreisverkehre ringförmigen Einbahnstraßen<br />
mit beidseitigem Halteverbot. Für Fußgänger sind Kreisverkehre<br />
eher nachteilig, Radfahrer haben hier geringfügig mehr<br />
Sicherheit. ADAC und ADFC befürworten den Trend zum Kreisverkehr.<br />
Das Ganze ist eine Wissenschaft für sich. Der Wikipedia-<br />
Artikel „Kreisverkehr“ ist hochinteressant. Wenn Sie es unterhaltsam<br />
mögen, geben Sie auf der Online-Plattform Youtube die Worte<br />
„Kreisverkehr Beverly“ ein und sehen Sie sich eine siebenminütige<br />
Galileo-Dokumentation an, die zeigt, dass eine Kombination aus<br />
Kreisverkehr und Ampeln auch zu Verkehrschaos führen kann.<br />
In <strong>Berlin</strong> sind Kreisverkehre nicht nur selten, sondern auch<br />
selten kreisförmig. Alle Plätze in der Aufzählung oben sind keine<br />
FOTO: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
28 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
RECHT<br />
FOTO: stock.adobe.com, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
„echten“ Kreisverkehre. Der Hamburger Platz, der Heinrich-<br />
Grüber-Platz, der Jacques-Offenbach-Platz, der Moritzplatz, Eisenhutweg<br />
Ecke Straße am Flugplatz und neuerdings der kleine Platz<br />
westlich vor dem Gleimtunnel sind welche. In <strong>Berlin</strong> sieht man das<br />
Zeichen 215 (Kreisverkehr) selten, sehr häufig dagegen Zeichen<br />
209-20 (Vorgeschriebene Fahrtrichtung: rechts) und hier und da<br />
Zeichen 211-20 (Vorgeschriebene Fahrtrichtung: hier rechts) und<br />
Zeichen 220-20 (Einbahnstraße).<br />
VORFAHRTSCHILDER ALS AMPELERSATZ<br />
Fallen an einer größeren Kreuzung, an der man Lichtzeichen<br />
gewöhnt ist, die Ampeln einmal aus, so bricht oft ein mittleres<br />
Chaos aus. Zwar sind an den Ampelmasten auch vorfahrtregelnde<br />
Schilder befestigt, doch ist man als Autofahrer erst einmal so perplex,<br />
dass man oft erst im zweiten Moment daran denkt, nachzusehen,<br />
ob man es mit einem roten Dreieck oder mit einem viereckigen<br />
Spiegelei zu tun hat. Dann ist man im ungünstigen Fall bereits<br />
daran vorbeigefahren und verfällt augenblicklich in Hilflosigkeit.<br />
Wenn man Glück hat, kommt gerade wenig Querverkehr, und man<br />
überlebt. Noch komplizierter kann es an einem Kreisverkehr sein<br />
– wenn es kein echter ist. Wenn Sie das nächste Mal in Tiergarten<br />
am Großen Stern vorbeikommen, dann sehen Sie sich einmal an,<br />
wie dort für den Fall eines Ampelausfalls die Vorfahrt geregelt ist.<br />
Vor Jahren wurden dort, da es durchschnittlich drei Unfälle am<br />
Tag gab, die Fahrbahnmarkierungen so idiotensicher verändert,<br />
dass die Fahrstreifen jetzt spiralförmig nach außen verlaufen.<br />
Noch ein paar Jahre Später dachte man dann außer an die Idioten<br />
auch noch an die Vollpfosten und verringerte die Zahl der Fahrstreifen,<br />
auf denen man aus dem Großen Stern in die Hofjägerallee<br />
abbiegen kann, von drei auf zwei. Vielleicht dachte sich<br />
irgendein Schelm, dass es auch etwas schade ist, wenn die Idioten<br />
und Vollpfosten da gar keine Beachtung mehr finden, und hob<br />
sich als Trumpf für den Fall eines Ampelausfalls die spezielle<br />
Vorfahrtregelung auf.<br />
Falls Sie mutig sind und mit „Uber“-Reklame am <strong>Taxi</strong> herumfahren,<br />
sind Sie ja jemand, der sich nicht von verkopften Moralaposteln<br />
irritieren lässt, sondern gut zwischen „darf man nicht“<br />
und „macht man nicht“ unterscheiden kann. Was nicht verboten<br />
ist, ist zwar nicht unbedingt cool, aber bekanntlich erlaubt,<br />
deshalb hier ein Tipp für eine öffentlichkeitswirksame Aktion, die<br />
Sie im Nu – zumindest kurzfristig, und Sie denken ja sicherlich<br />
nur kurzfristig – zu einem beachteten Checker machen kann:<br />
Angenommen, Ihr Fahrgast möchte auf die Siegessäule, ohne<br />
vorher umständlich den Fußgängertunnel zu benutzen. Wie Sie<br />
sicherlich am Großen Stern schon einmal gesehen haben, stehen<br />
dort an den Zufahrten keine Kreisverkehr-Schilder, sondern<br />
nur blaue, runde Schilder mit weißem Pfeil nach rechts. Sobald<br />
Sie dieses Gebot befolgt haben und um die Siegessäule kreisen:<br />
Suchen Sie nach Einbahstraßenschildern! Keine zu sehen? Gut.<br />
Suchen Sie nach Wendeverbotsschildern! Auch keine zu sehen?<br />
Na dann ... Jetzt das Coolste: Sehen Sie<br />
nach, ob an der Mittelinsel Halteverbot<br />
besteht! Wir sind gespannt, ob Sie<br />
ein cooler Checker sind. Falls jemand<br />
fragt: Sagen Sie, Sie wollten ihrem<br />
Fahrgast nur schnell beim Aufzugsuchen<br />
helfen – da kann Ihr Gegenüber<br />
nur kleinlaut das Feld räumen und Sie<br />
um Ihre schlagfertige<br />
Rhetorik<br />
beneiden.<br />
KRAFTFAHR-<br />
STRASSE<br />
Szenenwechsel.<br />
Sie sind unterwegs<br />
vom Scholzplatz<br />
zum Theodor-<br />
Die grünen Pfeile und das blaue Schild beinhalten<br />
mehr Regeln, als man denkt.<br />
Heuss-Platz. Auf<br />
der gegenüberliegenden Seite, also in einiger Entfernung, winken<br />
Fahrgäste in Richtung Spandau. Was nun?<br />
Die von Staaken über Wilhelmstadt nach Westend führende<br />
Heerstraße ist etwas Besonderes. Ein Schild „Kraftfahrstraße“,<br />
über der Fahrbahn leuchten grüne Pfeile, rote X-förmige Kreuze,<br />
ab und zu ein blinkender, gelber Pfeil oder Abbiegeschild über<br />
der Mittelspur. Eine Fahrbahn mit je zwei Spuren je Richtung und<br />
dazu eine fünfte, variable Spur in der Mitte, das ist in <strong>Berlin</strong> wohl<br />
einmalig. Was ist in dieser Straße erlaubt und was ist verboten?<br />
Auf jeder Kraftfahrstraße dürfen nur Kraftfahrzeuge fahren,<br />
die mindestens 61 km/h schaffen (auch innerorts), Wenden und<br />
Rückwärtsfahren sind verboten, und Fußgänger dürfen nur an<br />
Kreuzungen und Übergängen die Fahrbahn queren. Dass Halten<br />
verboten ist, geht sowohl aus den Schildern „Kraftfahrstraße“<br />
als auch aus den Dauerleuchtzeichen über der Fahrbahn hervor.<br />
Selbst Seitenstreifen und Bushaltestellen sind zum Halten tabu<br />
(35 €) – dafür gibt es die abgetrennten Seitenfahrbahnen.<br />
Die mittlere Spur ist mal stadteinwärts, mal stadtauswärts<br />
freigegeben, meist aber nur auf kurzen Abschnitten wechselseitig<br />
vor Kreuzungen zum Abbiegen. Vorsicht: Auch an Ecken, an denen<br />
Linksabbiegen erlaubt ist, gilt das Wendeverbot! Wenn Sie zurück<br />
in Richtung Spandau fahren und kein Bußgeld von mindestens<br />
200 Euro riskieren wollen, sollten Sie in eine Querstraße abbiegen<br />
(womit Sie die Kraftfahrstraße verlassen) und dort wenden. Wenn<br />
Sie bereits am S-Bahnhof Heerstraße sind, können Sie noch schnell<br />
links in die Preußenallee abbiegen, falls das Linksabbiegeverbot<br />
gerade abgeschaltet ist. Danach haben Sie keine Chance mehr:<br />
Entweder, Sie biegen von der Seitenfahrbahn nach rechts in die<br />
Jafféstraße ab, wo Sie erst hinter dem Silingenweg theoretisch bzw.<br />
Ecke Harbigstraße praktisch wenden können, oder Sie drehen eine<br />
Ehrenrunde um den Theodor-Heuss-Platz.<br />
ar<br />
(Wir danken Rechtsanwalt Daniel Herbst für die freundliche Beratung.<br />
Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr und stellen keine verbindliche<br />
Rechtsauskunft dar. Fortsetzung in einer der nächsten Ausgaben.)<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
29
RECHT<br />
UBER UND DIE WILDEN KERLE<br />
Ein Uber-Fahrer klaut einem <strong>Taxi</strong> die Winker vor der Nase weg. Welche<br />
Maßnahmen sind zulässig, welche Vorgehensweise ist angemessen?<br />
Ein Pärchen aus London kommt aus<br />
einem Club und ist froh, ein <strong>Taxi</strong><br />
zu sehen. Sie winken, doch bevor<br />
die Taxe die Wartenden erreicht, hält eine<br />
schwarze Limousine. Der Fahrer lässt die<br />
Seitenscheibe runter und fragt: „German“?<br />
Die Antwort lautet „no“, und sogleich stellt<br />
sich der Fahrer mit „Hi, I am Peter from<br />
Uber“ vor. Uber ist dem Pärchen nicht<br />
fremd, und so steigen die beiden ohne zu<br />
zögern ein. Der <strong>Taxi</strong>fahrer ist stinksauer.<br />
Er informiert seinen Freund und Kollegen<br />
und nimmt die Verfolgung auf. Der Freund<br />
kommt dazu, und beide fahren der schwarzen<br />
Limousine nach. Nachdem die Fahrgäste<br />
ausgestiegen sind, wird versucht,<br />
den Uber-Fahrer durch Winkzeichen zum<br />
Anhalten zu bewegen. Der denkt aber gar<br />
nicht dran und fährt weiter. Er weiß, dass er<br />
ordnungswidrig gehandelt hat. Fahrgäste<br />
ohne Auftrag aufzunehmen und gegen die<br />
Rückkehrpflicht zu verstoßen, ist rechtswidrig<br />
und bringt Ärger mit <strong>Taxi</strong>fahrern.<br />
Schließlich stellen die beiden sich an<br />
einer roten Ampel quer vor das Uber-<br />
Fahrzeug. Durften die das?<br />
Grundsätzlich darf jedermann Personen,<br />
die einer Straftat verdächtig sind, die auf<br />
frischer Tat angetroffenen werden, deren<br />
Identität ungeklärt ist oder die der Flucht<br />
verdächtig sind, vorläufig festnehmen (§<br />
127 Strafprozessordnung). Der „Uber-Fahrer“<br />
wurde auf frischer Tat angetroffen, er<br />
war unbekannter Identität und der Flucht<br />
nicht nur verdächtig, denn er flüchtete<br />
bereits. Dennoch durften die beiden <strong>Taxi</strong>fahrer<br />
ihn nicht an der Weiterfahrt hindern.<br />
Er hatte keine Straftat, sondern „lediglich“<br />
eine Ordnungswidrigkeit begangen. Auch<br />
wenn man Verständnis für die Aktion der<br />
beiden <strong>Taxi</strong>fahrer hat, könnte dieses Verhalten<br />
eine Nötigungshandlung im Sinne<br />
des Strafgesetzbuchs darstellen.<br />
Indem die beiden Fahrer ihre Taxen vor<br />
das Fahrzeug des Uber-Fahrers stellen,<br />
übten sie Gewalt aus. So jedenfalls die<br />
überwiegende Meinung der Gerichte. Nur,<br />
wenn es am Vorsatz fehlte, also dem Wissen<br />
und Wollen, eine strafbare Handlung<br />
zu begehen, liegt keine Nötigung vor. Im<br />
vorliegenden Fall kam es den beiden aber<br />
gerade darauf an, den anderen am Weiterfahren<br />
zu hindern, um endlich mal einen<br />
Fahrer zu identifizieren und zu überführen.<br />
Doch so ein Verhalten ist grundsätzlich<br />
strafbar. Denn:<br />
Wird ein Fahrzeug als Hindernis eingesetzt,<br />
durch das andere Fahrzeuge an der<br />
Weiterfahrt gehindert werden, stellt dies<br />
Gewaltanwendung durch Bereiten eines<br />
physischen Hindernisses und damit eine<br />
Nötigung im Straßenverkehr dar. Allerdings<br />
muss die physische Barriere von<br />
gewisser Dauer sein, sodass es beispielsweise<br />
nicht strafbar ist, lediglich wenige<br />
Minuten eine Durchfahrt zu versperren.<br />
Hier kam es den <strong>Taxi</strong>fahrern darauf<br />
an, den Uber-Fahrer so lange an der<br />
Weiterfahrt zu hindern, bis er seine Personalien<br />
preisgibt. Aber, so werden Sie<br />
sich jetzt fragen, ist das denn verwerflich?<br />
Schließlich hat der Uber-Fahrer etwas<br />
Unrechtes getan. In der Regel erfährt man<br />
nichts über die Identität der Fahrer, und ob<br />
die jeweiligen Mietwagenunternehmer im<br />
fernen Landkreis LDS etc. etwas preisgeben,<br />
ist auch nicht so sicher. Bleibt da nicht<br />
letztlich nur die Möglichkeit, den einzelnen<br />
Fahrer – der ja den Verstoß begeht – dingfest<br />
zu machen?<br />
Leider nein. Das richtige Mittel ist, die<br />
Polizei zu verständigen, dem Uber-Fahrzeug<br />
ohne Verstoß gegen die StVO und<br />
sonstige Gesetze hinterherzufahren und<br />
den Ordnungshütern den jeweiligen Standort<br />
durchzugeben.<br />
Alles andere bringt Ärger mit dem Gesetz<br />
und schlechte Presse für die Branche.<br />
Allzeit gute Fahrt und gute Kasse<br />
wünscht Ihnen<br />
Rechtsanwalt Herbst<br />
§ 240 STGB – NÖTIGUNG<br />
(1) Wer einen Menschen rechtswidrig<br />
mit Gewalt oder durch Drohung mit<br />
einem empfindlichen Übel zu einer<br />
Handlung, Duldung oder Unterlassung<br />
nötigt, wird mit Freiheitsstrafe<br />
bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe<br />
bestraft.<br />
FOTO: stock.adobe.com<br />
30 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
KULTUR<br />
Nach dem Ramadan kommt das Zuckerfest.<br />
WENN DAS FASTEN VORBEI IST...<br />
Der diesjährige Ramadan vom 16. Mai bis zum 14. Juni gilt auch wieder<br />
für zahlreiche <strong>Berlin</strong>er Kollegen. Wie wirkt es sich auf den <strong>Taxi</strong>-Alltag<br />
aus, wenn man bis zum Sonnenuntergang nicht isst und trinkt?<br />
FOTO: stock.adobe.com<br />
Warum ist der Ramadan für viele Muslime eine so<br />
besondere Zeit? Das Fasten von Sonnenaufgang bis<br />
Sonnenuntergang im Monat Ramadan gehört zu den<br />
„fünf Säulen“ des Islam, also zu den Hauptpflichten der Muslime.<br />
Zum Fasten ist allerdings nur verpflichtet, wer es ohne gesundheitlichen<br />
Schaden vollziehen kann. Kinder, Schwangere und<br />
Kranke sollen nicht fasten. Auch wer „nicht anwesend“, sondern<br />
„unterwegs“ ist, soll die Tage der Enthaltsamkeit später nachholen.<br />
Damit dürfte aber weniger <strong>Taxi</strong>fahren gemeint sein als Reisen.<br />
Und Fasten bedeutet den Verzicht auf Essen, Trinken, Rauchen<br />
und Sex. Wie ist das Fasten also für die Kollegen?<br />
Unserem Kollegen Gökay (28) fällt der Verzicht im Winter<br />
leichter, weil die Stunden bis zum Sonnenuntergang sich nicht<br />
so endlos hinziehen wie im Sommer. Außerdem ist der Durst<br />
bei kaltem Wetter leichter zu ertragen, und er sagt verschmitzt:<br />
„Dann wechsel ich zur Nachtschicht, um die Fastenzeit schlafend<br />
zu meistern. Meine Frau gibt mir dann für das Fastenbrechen<br />
viele Leckereien mit.“<br />
Die Zeit des Fastenbrechens, also die Stunde vor und nach dem<br />
Sonnenuntergang, ist für Gökay „wie Silvester“. Während viele<br />
seiner Kollegen zu dieser Zeit ihre Schicht unterbrechen, fährt<br />
er weiter und freut sich über schwach besetzte Halteplätze am<br />
Flughafen Tegel und an den Bahnhöfen. Zum Essen kommt er dann<br />
erst später, aber das stört ihn nicht. Hauptsache, er verpasst im<br />
türkischen Radiosender Metropol das Bittgebet nicht, das immer<br />
das Fastenbrechen einläutet.<br />
Imdat (44) macht die Jahreszeit überhaupt nichts aus. Er fastet<br />
jedes Jahr, und das schon seit seinem elften Lebensjahr. Er stellt<br />
seine Arbeitszeiten nicht um, aber an heißen Tagen stellt er sich,<br />
wenn es geht, lieber an schattige und kühlere Halteplätze. Davon<br />
gebe es aber nicht viele, und die seien dann oft überbelegt. Auch<br />
Standplätze an lecker duftenden Imbissen meidet er in der Fastenzeit<br />
lieber.<br />
Wie manche sich mit dem Fasten geradezu „herumquälen“, kann<br />
Tarek (29) nicht verstehen. „Ich habe großen Respekt und esse und<br />
trinke nicht neben einem fastenden Kollegen. Aber ich weiß nicht,<br />
ob ein <strong>Taxi</strong>fahrer ohne Essen und mit zu wenig Flüssigkeit im<br />
Körper genau so konzentriert Auto fahren kann“, sagt er. In einer<br />
in der Türkei erstellten Statistik sei die Häufigkeit von Unfällen<br />
während des Ramadans höher als in „normalen“ Monaten.<br />
Tamer (39) ist sehr schlank und fastet gerne. Er sagt, dass er<br />
in der Zeit aber zunimmt und das Fasten für ihn kein Mittel sei,<br />
um abzuspecken. Am liebsten mag Tamer die Vorfreude, wenn<br />
der Ramadan zu Ende geht. „Danach kann ich das ganze Essen<br />
doppelt und dreifach genießen.“<br />
Das Ende des Ramadan ist dieses Jahr am 14. Juni, abgeschlossen<br />
mit dem letzten Fastenbrechen um 21:36 Uhr. Am Tag danach<br />
wird dann „Şeker Bayramı“, das „Zuckerfest“ gefeiert. Um es mit<br />
der Familie zu feiern, bleiben die meisten nach dem morgendlichen<br />
Besuch der Moschee zu Hause, und für Imdat findet das „allerbeste<br />
Frühstück des Jahres“ statt. Darauf freuen sich auch besonders<br />
die Kinder, denn dann gibt es außerdem viele Geschenke und<br />
Süßigkeiten, und mache Schulen geben den Schülern für den<br />
ersten Festtag frei.<br />
<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> wünscht allen Kolleginnen und Kollegen mit islamischem<br />
Glauben „Iyi Bayramlar!“ <br />
hs<br />
DER HEISSE MONAT<br />
Der Ramadan (arabisch für „heißer Monat“) hat nicht<br />
jedes Jahr das gleiche Datum, sondern wandert. Im Unterschied<br />
zum allgemein gebräuchlichen gregorianischen<br />
Kalender, der auf der Bewegung der Erde um die Sonne<br />
basiert, richtet der Ramadan sich nach dem islamischen<br />
Kalender, und der beruht auf Mondphasen. Im Koran ist<br />
an vielen Stellen von der Mondsichel die Rede. Das Jahr<br />
<strong>2018</strong> nach Christus (n. Chr.) entspricht dem Jahr 1439<br />
der Hedschra (d. H.). Ein Jahr im islamischen Kalender<br />
ist nicht 365,24 Tage lang, sondern nur 354,33 Tage, die<br />
Monate dauern nicht 30 oder 31 Tage, sondern 29 oder<br />
30. Dadurch beginnt der Ramadan nach unserer Zeitrechnung<br />
Immer zehn bis zwölf Tage früher als im Vorjahr. Erst<br />
nach 33 Jahren wiederholt sich ein Datum des Ramadanbeginns<br />
also annähernd. ar<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
31
KOLUMNE<br />
„LASSEN SIE MICH DURCH,<br />
ICH MUSS ZUM ARZT!“<br />
Nach all den Jahren im <strong>Taxi</strong> sieht man ja vieles immer unter<br />
Berücksichtigung seiner Erfahrungen. Und man merkt schnell, an<br />
welchen Punkten das öffentliche Bild nicht so ganz dem Erlebten<br />
entspricht.<br />
Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass<br />
bei einer Auswertung der letzten<br />
tausend Blockbuster 49 Prozent der<br />
<strong>Taxi</strong>fahrten mit flirtenden Pärchen stattfinden<br />
und nochmal 50 Prozent mit schwangeren<br />
Frauen, deren Niederkunft eine Frage<br />
von Sekunden ist. Das eine übrige Prozent<br />
sind Fahrten mit Bruce Willis. Und ich<br />
hatte noch nie Bruce Willis im <strong>Taxi</strong>.<br />
Nein, o.k., im Ernst: Natürlich ging es<br />
mir nicht wirklich um Bruce Willis, sondern<br />
um all die schwangeren Frauen, deren<br />
Geburtshelfer ich theoretisch schon mindestens<br />
dreimal hätte sein müssen. Denn<br />
die gibt es gar nicht.<br />
Also natürlich gibt es schwangere<br />
Frauen, und viele von ihnen fahren im<br />
<strong>Taxi</strong> zur Klinik, das ist richtig – nur als<br />
einzelner Fahrer kriegt man von diesen<br />
Storchentouren nur sehr selten mal wirklich<br />
eine ab.<br />
Die zweite und bisher letzte in zehn<br />
Jahren war sogar eine von einer Leserin<br />
vorbestellte, die entsprechend gut vorbereitet<br />
war. Die einzige davor war zwar wirklich<br />
die klassisch<br />
spontane Winkertour,<br />
noch dazu<br />
hatten sie mich als<br />
Neuling in einer<br />
mir unbekannten<br />
Gegend zu zweit<br />
erwischt, konnten<br />
mir aber den Weg gut beschreiben und<br />
waren außerdem auch noch alles andere als<br />
kurz vor der Verzweiflung. Damals hab ich<br />
das zwar schon als ein wenig dramatisch<br />
empfunden, aber tatsächlich war ich jetzt<br />
in bald zehn Jahren kaum näher an einer<br />
Geburtshelfer-Rolle als ein zufällig über<br />
<strong>Berlin</strong> hinwegfliegender Storch.<br />
Sicher, die anderen Krankenhausfahrten<br />
hatten es teils in sich, aber abgesehen von<br />
einem Rentner, der mich mit ausgestreckten<br />
Armen in der Revaler Straße anhielt,<br />
weil er glaubte, vergiftet worden zu sein,<br />
waren die meisten anderen dann auch nicht<br />
schlimmer als manch andere Fahrgäste,<br />
die keine medizinische Behandlung in<br />
Betracht zogen. Ich denke nicht, dass ich<br />
das Stichwort Alkohol wirklich erwähnen<br />
müsste.<br />
Also ja, einmal „halt a bissl schneller“ zur<br />
Geburtsklinik und einmal eine Packung<br />
Taschentücher opfernd mit jemandem, der<br />
inzwischen auch gemerkt hatte, dass es<br />
eine dumme Idee war, nachts um drei Uhr<br />
betrunken über einen Stacheldrahtzaun zu<br />
klettern, um 500 Meter Weg abzukürzen.<br />
Nach wie vor war der große Filmritt nicht<br />
dabei.<br />
Im Wesentlichen bin ich ja froh drum,<br />
denn im Grunde reicht mir ja, was meine<br />
Fahrgäste sonst so alles im <strong>Taxi</strong> hinterlassen,<br />
da müssen nicht noch weitere Sorten<br />
von Körperflüssigkeiten, ganze Organe<br />
oder gar Neugeborene dabei sein, und ich<br />
bin mir sicher, dass meine Fähigkeiten als<br />
Geburtshelfer maßlos überschätzt werden.<br />
Was mich zum wesentlichen Punkt dieses<br />
Textes bringt: So selten wie sie sind,<br />
habe ich bis zur nächsten Storchenfahrt<br />
noch etwas Zeit. Weswegen ich mir dann<br />
»...als einzelner<br />
Fahrer kriegt man von<br />
Storchentouren nur<br />
selten eine ab.«<br />
ziemlich sicher<br />
bin, wann die<br />
nächste ansteht:<br />
Mit erscheinen<br />
dieser <strong>Taxi</strong><br />
<strong>Times</strong>. Ich werde<br />
allerdings dieses<br />
Mal nicht<br />
auf dem Fahrersitz sitzen, denn der Fahrer<br />
wird sich meines ersten Sohnes wegen<br />
panisch durch den Verkehr schlängeln.<br />
Dann kann ich auch das mit der<br />
Geburtshilfe mal außerhalb des <strong>Taxi</strong>s<br />
üben, denn ob man‘s nicht doch mal<br />
braucht, weiß man dann halt auch nicht.<br />
Selbst manche Filme beruhen ja auf wahren<br />
Begebenheiten. <br />
sash<br />
Der Autor Sascha Bors betreibt als Sash<br />
einen eigenen <strong>Taxi</strong>blog, hat sich aber vor<br />
kurzem in die Elternzeit verabschiedet. Wir<br />
wünschen eine tolle Zeit mit dem neuen<br />
Erdenbürger!<br />
FOTO: stock.adobe.com<br />
32 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
GASTROTIPP<br />
ZEIT<br />
FÜR<br />
EINE<br />
PAUSE<br />
PREISGÜNSTIG UND GUT ESSEN IN WILMERSDORF:<br />
RESTAURANT WANDEL 2<br />
Das Wort Kantinenessen lässt einem normalerweise<br />
nicht das Wasser im Munde<br />
zusammenlaufen, schon gar nicht, wenn<br />
die Kantine sich in einem funktional<br />
anmutenden Behördenbau aus den Dreißigerjahren<br />
mit düsterem Eingangsportal<br />
befindet. Kantinen werden üblicherweise<br />
an Gastronomen verpachtet. Diese haben<br />
längst entdeckt, dass Behördenmitarbeiter<br />
auch Menschen sind, und machen aus der<br />
Kantine manchmal ein geschmackvoll eingerichtetes<br />
Restaurant mit ambitioniertem<br />
Speisenangebot zu immer noch günstigen<br />
Preisen. So geschehen im Dienstgebäude<br />
am Übergang von der Württembergischen<br />
Straße zum Fehrbelliner Platz, wo die<br />
Stadtentwickler des <strong>Berlin</strong>er Senats tätig<br />
sind. Das Restaurant Wandel 2, zu dem man<br />
in der 4. Etage durch originelle Wegweiser<br />
geleitet wird, bewirtet jeden Mittag viele<br />
Mitarbeiter – sowie auswärtige Gäste, da<br />
die Qualität sich herumgesprochen hat.<br />
Besonderes i-Tüpfelchen ist die schön<br />
gestaltete, ruhige, helle Cafeteria im Vorraum<br />
des eigentlichen Restaurants. Hier<br />
gibt es von frühmorgens bis nach dem<br />
Mittag kleine und mittelgroße Gerichte<br />
auch für den kleinen Geldbeutel. Die sehr<br />
bequemen Sitze eignen sich sowohl für ein<br />
zwangloses Arbeitstreffen ohne Zeitdruck<br />
als auch für die schnelle Mittagspause<br />
während der <strong>Taxi</strong>schicht.<br />
ar<br />
RESTAURANT WANDEL 2<br />
Wilmersdorf, Fehrbelliner Platz 1<br />
(gegenüber der Halteplatz-Einfahrt)<br />
Öffnungszeiten<br />
Mo-Fr 11 bis 14 Uhr (Restaurant)<br />
Mo-Fr 7 bis 15 Uhr (Kaffeebar)<br />
Barrierefrei<br />
PREISGÜNSTIG ESSEN MIT AUSSICHT:<br />
KANTINE IM RATHAUS KREUZBERG<br />
FOTOs: Axel Rühle / <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />
In der zehnten Etage des Hochhauses, das<br />
so gar nicht wie ein Rathaus aussieht, findet<br />
man eine Kantine, die von so manchem<br />
KANTINE IM RATHAUS<br />
KREUZBERG<br />
Kreuzberg, Yorckstr. 4-11 (zwischen<br />
Mehringdamm und Großbeerenstr.)<br />
Öffnungszeiten<br />
Mo-Fr 7 bis 15 Uhr<br />
Barrierefrei<br />
Gastronomen um ihre sagenhafte Aussicht<br />
beneidet wird. Das Ambiente und das Speisenangebot<br />
sind guter Kantinenstandard.<br />
Der Cappuccino trägt dazu bei, dass man<br />
die Aussicht gerne noch ein Viertelstündchen<br />
länger auf sich wirken lässt. Mit etwas<br />
Glück findet man eine Parklücke auf dem<br />
Mittelstreifen, ansonsten ist auf dem Hof<br />
ein Stellplatz für bescheidene 90 Cent zu<br />
haben.<br />
Obwohl die Kantine ihre Stammkunden<br />
hat, ist sie nicht überlaufen. Es wäre allerdings<br />
auch falsch, von einem Geheimtipp<br />
zu sprechen, denn dazu ist die Aussichtskantine<br />
viel zu beliebt.<br />
ar<br />
TAXI APRIL / <strong>2018</strong><br />
33
QUERBLICK<br />
STREIKS<br />
UND EINE<br />
ELEKTRIFIZIERTE<br />
STADT<br />
Der Blick auf die <strong>Taxi</strong>-<strong>Times</strong>-Themen außerhalb<br />
der Hauptstadt zeigt: Das <strong>Taxi</strong>gewerbe ist in<br />
ganz Deutschland in Bewegung.<br />
IMPRESSUM<br />
München könnte zum Vorreiter bei<br />
Elektro-<strong>Taxi</strong>s werden. Die Stadt<br />
fördert die Anschaffung jedes<br />
E-<strong>Taxi</strong>s mit bis zu 40 Prozent. Ausbezahlt<br />
wird nach gefahrenen Besetztkilometern.<br />
Was kompliziert klingt (und den Einsatz<br />
eines INSIKA-Verfahrens voraussetzt), ist<br />
durchaus praktikabel. Und das Interesse<br />
bei den Münchener Unternehmern ist<br />
durchaus vorhanden. Bei einem von <strong>Taxi</strong><br />
<strong>Times</strong> organisierten „Münchner E-<strong>Taxi</strong>tag“<br />
waren über 100 Unternehmer gekommen.<br />
Sie konnten sich in Workshops über Theoretisches<br />
informieren und sechs E-<strong>Taxi</strong>-<br />
Modelle ansehen. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> berichtet<br />
darüber in der aktuellen Münchener<br />
Regionalausgabe.<br />
TREND VOM AUTOBESITZ HIN<br />
ZUR PERSONENBEFÖRDERUNG<br />
Die deutschen Autohersteller mögen den<br />
Wandel zur Elektromobilität verschlafen<br />
haben – bei ihrer künftigen Ausrichtung<br />
als Mobilitätsdienstleister stellen sie schon<br />
früh die Weichen. Wenn irgendwann einmal<br />
die Menschen keine eigenen Fahrzeuge<br />
mehr kaufen und selbst fahren, dann wollen<br />
Daimler und Volkswagen ihre Brötchen<br />
mit der Personenbeförderung verdienen.<br />
Das Projekt, mit dem VW erste Erfahrungen<br />
und vor allen Dingen wichtige Daten<br />
sammelt, nennt sich Moia. Kleines, freches,<br />
schlaues Start-Up Moia.<br />
Die <strong>April</strong>-Ausgabe von <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH<br />
beschreibt Moias Pläne. Wenn die Genehmigungsbehörde<br />
denen zustimmt, werden<br />
die ausgewählten Pilotstädte Hamburg und<br />
Hannover mit Mietwagen überschwemmt.<br />
Und was Volkswagen im Norden, macht<br />
Daimler in <strong>Berlin</strong> und im Süden. In Stuttgart<br />
soll die letzte Meile zwischen Straßenbahn-Endhaltestelle<br />
und Wohnung von<br />
Sammeltaxis geschlossen werden, die von<br />
Daimler unter dem Namen Flexpilot betrieben<br />
werden.<br />
MEHR VERKEHR = MEHR ABGASE<br />
Die Vertreter der <strong>Taxi</strong>zentralen und<br />
Verbände werden nicht müde, den Widerspruch<br />
solcher neuen Dienste klarzumachen.<br />
Eine Stadt, die zur Luftreinhaltung<br />
vielleicht sogar Fahrverbote aussprechen<br />
muss, darf nicht gleichzeitig hunderte<br />
neue Sharing-Mietwagen genehmigen,<br />
die als Kleinbusse den Verkehr noch mehr<br />
verdichten und die Luft damit noch mehr<br />
verschmutzen.<br />
Kein Wunder, dass die <strong>Taxi</strong>-Kollegen<br />
richtig sauer sind. Die DACH-Ausgabe<br />
berichtet über zwei sehr bemerkenswerte<br />
Streik-Aktionen der Hamburger und Stuttgarter<br />
<strong>Taxi</strong>fahrer. Bemerkenswert auch<br />
deswegen, weil sie nicht von Verbandsseite,<br />
sondern aufgrund von privaten Initiativen<br />
ins Leben gerufen wurden.<br />
Trotzdem können solche Initiativen eine<br />
gute Verbandsarbeit nicht ersetzen. Die<br />
Aufgaben des Bundesverbands BZP sind<br />
sehr vielfältig. Das geht auch aus dem<br />
Interview hervor, das Präsident Michael<br />
Müller unserem Verlag gegeben hat, und<br />
das bereits in der März-Ausgabe der <strong>Taxi</strong><br />
<strong>Times</strong> DACH erschienen ist. Müller macht<br />
dabei eines ganz deutlich: Die Branche<br />
kämpft an vielen Fronten und hat noch<br />
dazu ein Nachwuchsproblem.<br />
Müller betont auch, dass die <strong>Taxi</strong>branche<br />
bereitsteht, alle „neuen“ Dienste von der<br />
App-Bestellung bis zum <strong>Taxi</strong>-Sharing abzudecken<br />
– mit umweltfreundlichen Fahrzeugen.<br />
Da passt es gut, dass in der kommenden<br />
DACH-Ausgabe die Testberichte zweier Elektrotaxis<br />
nachzulesen sind: Wir sind den Kia<br />
Soul EV und den Tesla gefahren. jh<br />
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34 APRIL/ <strong>2018</strong> TAXI
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