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onexmagazin

AUSGABE 6 JUNI 2018

Herz‐

Mensch

Kevin Schläpfer

Ein Kult-Coach am

Wendepunkt.

WIRRWARR

Warum Unordnung

durchaus wirksam

sein kann.

WOHNSTÄTTE

Das Stöckli: ein Teil

der ländlichen Kultur

im Oberaargau.

WESENSZUG

Der Geissbock wird

oft missverstanden –

und daher gemieden.


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EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

Es ist selten der Fall, dass man eine Persönlichkeit

in völlig unterschiedlichen

Lebenssituationen im Gespräch hat. 2016

war Kevin Schläpfer noch der Shootingstar

unter den Trainern im Schweizer Eishockey.

Er coachte den Underdog EHC

Biel drei Mal völlig überraschend in die

Playoffs, war deswegen völlig zurecht die

erste Wahl, als ein neuer Nationalcoach

gesucht wurde. Doch es kam anders. Zwei

Jahre später ist Kevin Schläpfer ohne Job.

Es wird für ihn wohl nicht einfach, wieder

eine neue Aufgabe im Eishockey zu finden.

Es scheint, als ob diejenigen, die

auch in Zeiten seines Erfolges an ihm

zweifelten, recht behalten würden.

Schläpfer ist nach seiner Freistellung

beim EHC Biel in Kloten gescheitert. Doch

in Biel kann von Scheitern keine Rede

sein. Dafür war er im Seeland zu lange im

Amt. Die lange Zeit in Biel spricht für ihn.

Zumal die Erfolge ja wirklich bemerkenswert

waren. Sein Scheitern in Kloten war

jedoch vorhersehbar. Schläpfers Fehler

war, dass er diese Aufgabe überhaupt angenommen

hat. Offenbar brannte er so

sehr auf eine neue Aufgabe, dass er die

Gefahr völlig verdrängte. Hinterher ist

man oftmals schlauer. Kevin Schläpfer

stand uns in Zeiten des grossen Erfolgs

Rede und Antwort. Er tut es auch in dieser

Ausgabe. Wir finden, dies verdient

grossen Respekt.

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: s’Positive AG,

St. Urbanstrasse 31, 4914 Roggwil

Tel. 062 929 24 25

info@spositive.ch

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Geschäftsleitung:

Sebastian Wüthrich

Layout: tnt-graphics AG,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 75 000 Exemplare

Erscheinung: monatlich

Druck: Swissprinters AG,

4800 Zofingen

Versand: Die Post

22

4 SCHICKSALSWENDE

Einst gefeierter Trainer

des EHC Biel, wurde Kevin

Schläpfer beim EHC Kloten

entlassen. Im Interview

spricht er über die Gründe

seines Scheiterns.

12 PRODUKTIVES CHAOS

Ein aufgeräumter Arbeitsplatz

mag nützlich sein.

Chaoten kommen aber oftmals

schneller zum Ziel als

Ordnungsfanatiker.

22 ALTERSSITZ

Weshalb das Stöckli nicht

bloss ein Bauernidyll,

sondern die Antwort auf

wirtschaftliche und soziale

Herausforderungen war.

32

00 12

34

32 WUSSTEN SIE SCHON

Über schnelle Regentropfen,

das erste Umweltgesetz

und stromfressende

E-Mails.

34 TRAURIGES DASEIN

Übelriechend, verfressen,

Symbol des Teufels: Der

Geissbock geniesst keinen

guten Ruf – zu Unrecht.

38 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe und Veranstaltungen.

4

s’Positive 6 / 2018 3


KEVIN SCHLÄPFER

VOM

HOCKEYGOTT

ZUM MENSCHEN

Auf sein Herz gehört, zu ungeduldig, zu naiv,

gescheitert – so lässt sich der Niedergang von

«Hockeygott» Kevin Schläpfer, der in der Entlassung

beim EHC Kloten gipfelte, umschreiben. Im Gespräch

erfahren wir, warum es so gekommen ist.

TEXT: KLAUS ZAUGG; BILDER: MARCEL BIERI

Kloten ist nicht Biel: Die zwei Einsätze als

Nottrainer beim EHC Biel, die jeweils mit

dem Liga erhalt in der NLA endeten, begründete

Kevin Schläpfers Ruf als «Hockeygott».

Beim EHC Kloten wurde er jedoch als Coach ersetzt,

noch bevor die alles entscheidende Serie um den

Liga erhalt überhaupt begann. Für Schläpfer bedeutet

dies ein empfindlicher Dämpfer im Palmares, für

den EHC Kloten endete die Saison trotzdem mit dem

Abstieg in die NLB. Kevin Schläpfer empfängt uns

bereits zum dritten Mal zum grossen Interview. Beim

ersten Mal befand er sich auf dem Höhepunkt seiner

Trainerkarriere, beim zweiten Mal am Wendepunkt

und jetzt auf einem Tiefpunkt. Es spricht für den

Menschen Kevin Schläpfer, dass er sich auch jetzt

unseren Fragen stellt.

s’Positive: Vor zwei Jahren war das Thema unseres

Interviews Ihr grosser Erfolg. Sie waren der

wohl charismatischste Hockeytrainer im Land.

Jetzt unterhalten wir uns über Scheitern und Arbeitslosigkeit.

Ist diese Wende des Schicksals unerwartet

gekommen?

Kevin Schläpfer: Erwartet nicht. Es wäre ja schlecht,

im Sport den Misserfolg zu erwarten. Aber ich musste

immer damit rechnen. Scheitern gehört zu einer Karriere

im Sport. Jeder weiss, dass es im Sport nicht

immer läuft. Eine Formschwäche gehört dazu.

Bei Ihnen ist es extremer. Die Formschwäche hat

zur Entlassung und zu Arbeitslosigkeit geführt.

Das bringt die Besonderheit des Trainerberufes mit

sich.

Wie gehen Sie mit der Situation um?

Wichtig ist die Analyse, die selbstkritische Aufarbeitung.

Ich muss wissen, warum es so gekommen ist

und die Fehler auch bei mir suchen. In meinem Fall

gilt es auch, die besonderen Umstände zu berücksichtigen.

Hat man dann eine Antwort, ist die Verarbeitung

einfacher.

Haben Sie diese Antwort gefunden?

Ja, ich denke schon. Biel und Kloten sind zwei verschiedene

Fälle. Gut, am Ende habe ich in Biel meine

Arbeit vor Ablauf meines Vertrags beendet. Eine Entlassung

wie in Kloten war es nicht. Ich hatte einfach

keine Energie mehr und liess es meinen Sportchef

Kevin Schläpfer

48, führte den EHC Biel dreimal in die Playoffs und

galt deshalb als Kult-Coach. Beim EHC Kloten erhielt

seine Trainerkarriere aber einen Dämpfer.

4 s’Positive 6 / 2018


s’Positive 6 / 2018 5


KEVIN SCHLÄPFER

Schläpfer führte

den EHC Biel zurück

in die NLA.

2006 beendete

Schläpfer seine

Spielerlaufbahn.

SPIELER IN DER

NLA UND NLB

Zwischen 1986 und

2008 212 Spiele (21 Tore,

38 Assists) in der

NLA für Lugano, Zug,

Olten und Lausanne.

598 Spiele (173 Tore,

365 Assists) in der NLB

für Basel, Olten, Langnau,

Chur, Biel und Langenthal.

Kevin Schläpfers

grösster Erfolg als

Spieler war zweifellos

der Titel des NLA-

Schweizermeisters in

der Saison 1989/90 mit

dem HC Lugano. Bemerkenswert

sind aber auch

die drei Aufstiege in die

NLA mit Olten (1993),

Langnau (1998) und

Chur (2000).

SPORTCHEF UND TRAI-

NER BEIM EHC BIEL

Von 2006 bis 2010

Sportchef in Biel, als

solcher führte er den

Klub zurück in die NLA

(2008, sein vierter Aufstieg).

Zweimal rettete

er als Nottrainer den

EHCB in der Liga-Qualifikation

vor dem Wiederabstieg,

bevor er im

Sommer 2010 in Biel

sein erstes reguläres

Traineramt in der NLA

antrat. Drei Mal führte

er den Klub in der Folge

in die Playoffs, bevor er

am 14. November 2016

in seinem siebten Jahr

aus dem noch bis 2019

laufenden Vertrag entlassen

wurde.

wissen und daraufhin bin ich dann freigestellt

worden. Es war einfach das Ende

einer erfolgreichen Zeit. Inzwischen ist

mir klar, dass es ein grosser Fehler war,

die Arbeit wieder auf zunehmen, bevor

ich wieder gesund war und mit Krücken

an die Bande zu stehen (Kevin Schläpfer

erlitt im Sommer 2015 eine schwere Infektion

des Knies – die Red.)

War es Selbstüberschätzung, so früh

zurückzukehren?

Nein, es war natürlicher Ehrgeiz. Wir waren

bis dahin ja erfolgreich. Wenn es

läuft, sagt niemand etwas. Am Anfang hat

man noch gelacht, als ich während des

Spiels auf einem Spezialstuhl an der Bande

stand und ich machte selber Sprüche.

Es war ein Fehler, aber hinterher ist man

ja immer klüger.

Eben doch Selbstüberschätzung: Sie

glauben, dass es alles leiden mag.

Nein, es war nicht Selbstüberschätzung.

Es war der Gedanke: Ich muss das jetzt

machen. Ich muss wieder zurück an meine

Arbeit. Alle erwarteten das von mir

und ich sah keinen Grund, warum es

nicht möglich sein sollte. Niemand sagte:

«Kevin, das wird nicht funktionieren, ich

habe noch nie einen Trainer an Krücken

gesehen.» Ich wollte einfach einen guten

Job machen. Ich merkte erst nach und

nach, dass ich nicht mehr die gleiche

ZUSATZINFOS

Die Karriere des Kevin Schläpfer

TRAINER BEIM

EHC KLOTEN

Ab 24. Oktober 2017

stieg Schläpfer als

Headcoach beim stark

kriselnden EHC Kloten

ein, den er in der Folge

aber nicht zu stabilisieren

vermochte. Am 6.

April 2018 wurde

Schläpfer nach den verlorenen

Playouts gegen

Ambri aus dem noch bis

2020 laufenden Vertrag

in Kloten freigestellt

und durch André Rötheli

ersetzt. Durch den Abstieg

von Kloten ist der

bis 2020 laufende Vertrag

nichtig geworden.

Deshalb ist Kevin

Schläpfer zur Zeit arbeitslos.

Energie und Ausstrahlung hatte wie vorher,

als ich noch gesund war. Meine Spieler

kannten mich und es war ein riesiger

Unterschied, ob ich forsch in die Kabine

kam und explodierte oder ob mir jemand

die Türe aufhalten muss, damit ich in die

Kabine humpeln konnte.

Aber letzte Saison – in Kloten – da waren

Sie fit?

Ja, ich war fit und es war für mich ein

Abenteuer. Erstmals war ich an einem anderen

Ort als in Biel Trainer.

Und wie sieht die Analyse nach diesem

Abenteuer aus?

Es war ein Fehler, dass ich alleine nach

Kloten gegangen bin und nicht einen Assistenten

mitgenommen habe.

Verzeihen Sie den Ausdruck – aber es

ist Anfängerfehler, alleine einen Krisenklub

zu übernehmen. Hans Kossmann

hat beispielsweise diese Saison

seinen Freund Leo Schumacher zu den

ZSC Lions mitgenommen.

Wenn Sie es so sagen, ja, dann war es ein

Anfängerfehler. Es war das erste Mal, dass

ich ausserhalb von Biel einen Trainerjob

übernommen habe. Ein Fehler beim ersten

Mal – ja, das ist ein Anfängerfehler.

Haben Sie Ihre Wirkung überschätzt,

als Sie während der Saison in Kloten

eingestiegen sind?

Nein, das glaube ich nicht. Ich wusste,

dass es sehr schwierig würde und allen

war von Anfang an klar, dass wir zu 95

Prozent nicht um die Playouts herumkommen.

Aber die Niederlage in den Playouts

und den Sturz in die Liga-Qualifikation

hatte niemand erwartet.

Wir haben auch dieses Szenario besprochen

und ich habe gesagt, dass es in

einem solchen Falle darum geht, Ruhe zu

bewahren.

6 s’Positive 6 / 2018


Was nicht der Fall war. Sie sind entlassen

worden.

Diese Entlassung kam für mich überraschend.

Ich ging davon aus, dass ich die

Liga-Qualifikation mindestens beginnen

würde.

Hätten Sie Kloten in der Liga-Qualifikation

gerettet?

Ja sicher, ich hätte es geschafft.

Hoppla, was macht Sie da so sicher?

Das muss ich doch so sagen. Sie kennen

mich doch.

Und jetzt ganz ernsthaft?

Ja, ich hätte es geschafft.

Warum?

Die Liga-Qualifikation bringt ganz anderes

Hockey und ich kenne das aus eigener

Erfahrung. Deshalb hätte ich einen Vorteil

gehabt und wahrscheinlich bereits

eine der ersten beiden Partien gewonnen.

Heisst Ihr Scheitern in Kloten, dass Kevin

Schläpfer ausserhalb von Biel nicht

funktioniert?

Ja natürlich, diese Frage musste kommen.

Sie wird jedem Trainer gestellt, der

länger als zehn Jahre beim gleichen Klub

tätig war. Dabei müssten Sie mir doch ein

Kompliment machen, dass ich so viele

Jahre lang in Biel als Sportchef und dann

als Trainer erfolgreich war.

Das Scheitern hat Sie also überrascht?

Nein. Ich wusste sehr wohl, wie schwierig

es werden würde. Beim ersten Meeting

habe ich die Verantwortlichen darauf aufmerksam

gemacht, dass der Trainerwechsel

zu früh sei. Und so war es auch. Kaum

war ich Trainer, kamen die schlechten

Nachrichten über Spieler, die bereits vorzeitig

bei anderen Klubs unterschrieben

hatten. Dabei hatte man mir bei meinem

«Alle erwarteten von

mir, dass ich zurückkehre

– ich sah keinen

Grund, warum es nicht

möglich sein sollte.»

Amtsantritt versichert, dass Denis Hollenstein

ganz sicher nicht zu den ZSC Lions

wechseln werde.

Sie sind also in Kloten zu früh eingestiegen?

Ja, so ist es. Ich wollte helfen und bin gegen

mein besseres Wissen zu früh Trainer

geworden. Das war ein Fehler.

Das tönt nach Naivität. Sie wussten,

dass es ein Fehler ist und taten es doch.

Ja, vielleicht war es Naivität.

Sind Sie zu naiv für Trainerberuf?

Nein. Eher zu wenig erfahren. Ich bin in

Biel zum ersten Mal überhaupt entlassen

worden. Diese Situation war neu für mich.

Und dann kommt jemand und bietet Dir

einen neuen Job an. In dieser Situation

wäre es arrogant gewesen, hätte ich das

Angebot abgelehnt. Kloten ist ein grosser

Name im Eishockey. Da konnte mein Hockeyherz

einfach nicht nein sagen.

Sie könnten der Held der Hockey-Nation

sein. Als sie noch Trainer in Biel waren,

hat Ihnen der Verband den Posten

eines Nationaltrainers angeboten.

Als Stürmer des

HC Lugano

wurde Schläpfer

1990 Schweizer

Meister.

s’Positive 6 / 2018 7


KEVIN SCHLÄPFER

Daran denke ich nicht mehr. In dieser Sache

bin ich mit mir im Reinen. Ich folgte

der Stimme meines Gewissens. Ich konnte

damals in Biel nicht davonlaufen. Mehr

gibt es dazu nicht mehr zu sagen. Wichtig

ist für mich, dass ich mit allen damals Beteiligten

ein gutes Verhältnis habe. Alle

können den Entscheid nachvollziehen.

Jetzt mal Hand aufs Herz. Ich höre Ihre

Worte wohl. Aber mir fehlt der Glaube.

Was denken Sie denn?

Dass diese ganze Sache Sie nach wie

vor beschäftigt. Gerade wenn Sie nun

sehen, dass Sie mit der Nationalmannschaft

das Finale auch erreicht hätten.

Nein, so ist es nicht. Die Nationalmannschaft

ist nur noch ein Thema, weil ich

nach wie vor ständig darauf angesprochen

werde. Wie jetzt gerade von Ihnen.

Waren Sie bei der WM in Kopenhagen

vor Ort?

Ja, ich war mit meiner Familie dort und

wir haben alle mitgefiebert. Ich kenne ja

Fischi (Nationaltrainer Patrick Fischer –

die Red.) seit Jahren gut und ich wünsche

wirklich niemandem im Sport den Misserfolg.

Sie haben vorhin mehrmals das

Wort «überschätzen» gebraucht. Hier ist

es angebracht: Sie überschätzen die Bedeutung

der ganzen Geschichte mit der

Nationalmannschaft für mich.

Aber es war der Fehlentscheid ihres

Lebens?

Wenn mich das jemand so direkt fragt wie

Sie jetzt, dann werde ich nachdenklich.

Ich bin ein Mensch, der mit dem Herz entscheidet

und nicht mit dem Verstand. Der

Kopf sagte, warte noch mit dem Wechsel

nach Kloten. Aber das Herz sagte, mach es

sofort, du musst helfen. Der Kopf sagte,

«Ich möchte wenn

immer möglich im Eishockey

bleiben: Ich

möchte wieder Trainer

in der NLA sein.»

das Angebot Nationaltrainer musst du annehmen.

Das Herz sagte: Nein, du darfst

jetzt Biel nicht im Stich lassen. Inzwischen

ist mir klar: Wenn du dem Herzen folgst,

zieht das manchmal Misserfolg nach sich.

Aber meine Seele, mein Herz bleibt rein.

Wenn du mit dem Kopf entscheidest, dann

hast du eher Erfolg, aber das Herz und die

Seele leiden. Für meine Lebensqualität ist

es besser, dem Herzen zu folgen.

Befassen wir uns mit der unromantischen

Wirklichkeit: Sie sind Ihrem Herzen

gefolgt und arbeitslos geworden.

Ja, aber ich bin zuversichtlich, dass ich

wieder Arbeit im Eishockey finde und

wieder, wie in Biel, eine Chance bekomme,

etwas voranzubringen. Ich bin sehr

motiviert und mich plagen keine Existenzängste.

Wirklich nicht?

Jedenfalls jetzt noch nicht. (schmunzelt)

Haben Sie nach dem Scheitern in Biel

und Kloten weniger Freunde?

Nein. Ich bin positiv überrascht, wie viel

Unterstützung ich von vielen Seiten bekomme,

beispielsweise auch von den Fans

während der WM in Kopenhagen. Das

gibt mir Kraft und motiviert mich.

Können Sie sich vorstellen, ausserhalb

des Eishockeys zu arbeiten?

Ich hatte schon Anfragen aus dem Kommunikationsbereich.

Aber ich möchte

wenn immer möglich im Eishockey bleiben.

Mein Ziel ist es, wieder Trainer in der

NLA zu sein.

Alle Trainerposten sind besetzt. Am

ehesten wird sich für Sie im Falle einer

Trainerentlassung während der Saison

eine Chance zum Wiedereinstieg ergeben.

Würden Sie nochmals einen «Feuerwehrjob»

wie in Kloten annehmen?

2015 hätte

Schläpfer Nationaltrainer

werden

können – er sagte

aber ab.

8 s’Positive 6 / 2018


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KEVIN SCHLÄPFER

Lieber nicht. Ich würde lieber von allem

Anfang an etwas aufbauen. Das ist meine

Stärke, das habe ich in Biel ja bewiesen.

Wie verbringt eigentlich ein arbeitsloser

Trainer den Tag?

Ich beschäftige mich intensiv mit Eishockey

und pflege weiterhin meine Kontakte.

Ich kenne ja viele Leute und nütze

die Zeit zur Weiterbildung. Ich war bei

der WM und ich schaue mich bei anderen

Klubs um. Beispielsweise war ich in Chicago

und bei der NHL und bin daran, einige

Stages in Skandinavien aufzugleisen.

Ich werde bei Chris McSorley und

Arno Del Curto vorbeischauen. So kann

ich sehr viel lernen.

Lernen ist gut. Aber wird es nicht langweilig,

wenn die Herausforderung, die

Spannung fehlen? Nichts kann doch

die Spannung eines Spiels, den Pulverdampf

an der Bande, ersetzen.

Ja, das ist so und das ist auch ein Grund,

warum ich zu früh in Kloten zugesagt habe.

Es kommt eine schlimme Zeit auf mich

zu: Die Hockeysaison beginnt und ich

muss in einer passiven Rolle draussen bleiben.

Zum Glück habe ich eine verständnisvolle

Lebenspartnerin. Aber es ist schon

so: Nichtstun, wenn die Hockeysaison

läuft, ist ganz und gar nicht meine Sache.

Wie lange halten Sie das aus?

Im Sommer herrscht erst mal Ruhe. Wenn

die Vorbereitungen und dann die Saison

beginnen, hoffe ich, dass mich Trainingsund

Spielbesuche etwas beruhigen.

Gibt es nicht Unruhe, wenn Sie im Training

ober beim Spiel auftauchen?

Heisst es dann nicht: Aha, der Schläpfer

sucht Arbeit…

Das ist tatsächlich ein Problem. Darum

gehe ich nur dort zum Training oder zum

Spiel, wo man mich einlädt, wo der Trainer

ein guter Freund von mir ist und

weiss, dass ich keine Hintergedanken habe.

Ich spiele mit offenen Karten und melde

mich an, wenn ich zum Training oder

«Es kommt jetzt eine

schlimme Zeit auf mich

zu: Die Hockeysaison

beginnt und ich muss

draussen bleiben.»

zum Spiel gehen will. Ich kann aber nicht

den Stadien fernbleiben, wenn Hockey

gespielt wird.

Werden Sie auch als vorerst gescheiterter

Trainer immer noch zu Seminaren

und zu Motivationsvorträgen eingeladen?

Ja, ich habe immer wieder mal Anfragen.

Was erzählen Sie nun den Teilnehmern?

Ich beginne mein Referat mit der Erfolgsgeschichte

Biel und kommen dann auf die

fünf Monate in Kloten zu sprechen. Ich

erkläre die Erfolgsfaktoren in Biel und

warum es in Kloten nicht funktioniert hat.

Und warum hat es in Kloten nicht funktioniert?

Es braucht gewisse Voraussetzungen für

den Erfolg und die waren in Kloten nicht

gegeben.

Welche Voraussetzungen sind das?

Das möchte ich intern halten.

Na, kommen Sie, machen Sie aus Ihrem

Herzen keine Mördergrube…

Nun, es gab zu viel Unruhe. Aber die

Gründe für diese Unruhe behalten wir

intern.

Steigt Kloten im nächsten Frühjahr

wieder auf?

Das ist schwierig zu sagen. Wahrscheinlich

nicht gleich im nächsten Frühjahr.

Aber die Mannschaft ist gut genug, um

vorne mitzuspielen. Kloten hat ein ähnliches

Potenzial wie Langnau und die Lakers

haben nach dem Abstieg den Wiederaufstieg

auch geschafft. Ich sehe

keinen Grund, warum Kloten nicht auch

in die NLA zurückkehren kann.

Und was sagt das Herz?

Ja, Kloten steigt wieder auf.

Und wo sehen Sie Biel nächste Saison?

Zwischen Platz zwei und fünf.

Wow, so gut?

Ja, wenn Jonas Hiller die Erwartungen

erfüllt, ist wieder ein Spitzenplatz möglich.

Und so sehen Sie Langnau und Bern?

Den SCB auf Platz 3, Langnau auf Rang 9.

Wenn Sie wieder einen Trainerjob haben

– werden wir dann einen anderen

Kevin Schläpfer sehen?

Ich bin wie ich bin, ich bleibe emotional

und werde auch mal explodieren. Ein

paar Sachen werde ich wohl anders machen.

In Kloten wollte ich Ruhe und Harmonie

in die Mannschaft und ihr Umfeld

bringen. Die Spieler hatten ja auch sonst

schon viel zu erdulden. Hinterher ist mir

bewusst geworden, dass ich viel emotionaler

hätte sein müssen. Ich hätte viel

mehr die Peitsche schwingen müssen.

Also ist die Lehre aus der Geschichte:

Kevin Schläpfer muss Kevin Schläpfer

bleiben?

Ja, so ist es wohl.

Bis April war

Schläpfer Trainer

des EHC Kloten.

Schläpfer glaubt

nach wie vor an

den ECH Kloten.

10 s’Positive 6 / 2018


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Ist Ordnung

wirklich immer

besser?

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Schreibtisch nicht aufgeräumt ist? Müssen Sie

nicht, sagen Wissenschaftler. Das Chaos ist

oft produktiver.


WISSEN

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/FLEGERE/GEORGIOS KOLLIDAS

Benjamin Franklin

schaffte es nie, seinen

Schreibtisch oder sein

Tugendbuch ganz in

Ordnung zu halten.

Gib allen Dingen ihren Platz, räume

allen Geschäftsdingen ihre

Zeit ein», schrieb Benjamin

Franklin in sein Notizbuch, das er

sein Leben lang führte, weil er ein besserer

Mensch werden wollte. Gleich 13 Tugenden

wollte er anstreben – darunter

Fleiss, Gerechtigkeit und Diplomatie,

aber auch Gelassenheit und Mässigung.

Jedes Mal, wenn er scheiterte, malte er

einen schwarzen Punkt in sein Büchlein.

Seine Bemühungen funktionierten. Die

Punkte wurden im Verlaufe der Zeit immer

weniger. Wäre da nur nicht diese eine

Tugend gewesen, die nicht so recht klappen

wollte. Die Ordnung.

Die meisten Amerikaner haben Benjamin

Franklin als einen Mann in Erinnerung,

der im Sturm Drachen steigen liess.

Als einen irgendwie seltsamen, exzentrischen

Erfinder. Und als einen Autor volkstümlicher

und geistreicher Bemerkungen.

Zu seiner Zeit war er aber der wohl bekannteste

der amerikanischen Gründerväter.

Ein Wissenschaftler, Literat, Politiker

und Diplomat. Der Sohn eines Seifensieders

war fleissig, intelligent und talentiert.

Er war Erfinder, Dichter, Verfasser von

Druckschriften, Philosoph und ein angesehenes

Mitglied von drei nationalen, wissenschaftlichen

Akademien. Er war Postmeister

von Philadelphia und Amerikas

erster Postminister. Er gründete Philadelphias

erste Polizei, die Feuerwehr und die

erste Feuerversicherung, die Leihbücherei

sowie die Akademie, die später die Universität

von Pennsylvania werden sollte.

Franklin gehörte als Delegierter der Verfassungsversammlung

an, half beim Entwurf

der Unabhängigkeitserklärung und

gilt heute als einer der verdienstvollsten

Staatsmänner Amerikas. Quasi nebenbei

erfand er die Bifokalbrille und den Kaminofen,

er bewies, dass Blitze eine Form der

Elektrizität sind, er zähmte sie mit einem

Blitzableiter und kartierte den Golfstrom.

Und doch schaffte dieser grosse Mann

diese eine seiner angestrebten Tugenden

nicht wunschgemäss: die Ordnung. In allen

anderen Tugenden wurde er ein Meister,

seinen Schreibtisch oder sein Tugendbuch

konnte er jedoch nie ganz in Ordnung

halten, obwohl er 60 Jahre lang

versuchte, sich zu bessern. Ein Besucher

stellte im Hause Franklin erstaunt fest,

«dass Papiere von grösster Wichtigkeit

völlig achtlos über Tische und Fussböden

verteilt waren».

Aber war Franklins Streben nach Ordnung

nicht eine Selbsttäuschung? Ordnung

kann nützlich sein. Aber sie ist nicht

immer eine Tugend. Der Irrtum ist weitverbreitet:

Wir alle bewundern uns selbst,

wenn wir mal einen aufgeräumten

Schreibtisch hinterlassen, und wir fühlen

uns unwohl, wenn dem nicht so ist. Der

Unordnung kann ein Zauber inne wohnen.

Franklins Vorsatz: «Gib allen Dingen

ihren Platz» klingt logisch, vor allem weil

Benjamin Franklin:

Gründervater,

Erfinder, Autor – und

ein bisschen Chaot.

Menschen ein exzellentes räumliches Gedächtnis

haben. Und wir versuchen, uns

Ordnerbezeichnungen auszudenken, in

die wir eintreffende E-Mails einsortieren

könnten. Und gleichzeitig wollen wir,

dass diese Ordnungsstruktur Jahre gültig

sein möge.

AUS UNGENUTZT WIRD ÜBERFLÜSSIG

Leider passen viele E-Mails in mehrere

Kategorien. Einige markieren den Start

eines Riesenprojekts, andere bedeuten

einfach gar nichts – und oft erkennt man

diesen Unterschied nicht in jenem Moment,

in dem die E-Mail eintrifft. Wir

denken uns in aller Eile irgendein Ordnungsprinzip

aus und wenden es auf einen

chaotischen Informationsfluss an.

Einen Ansatz für den Umgang mit echtem

Papier lieferte in den frühen 1990er-

Jahren der japanische Autor Yukio Noguchi.

Er verstaue jedes Dokument in einen

Umschlag, auf dem er jeweils vermer-

s’Positive 6 / 2018 13


WISSEN

ke, was er enthalte. Die Umschläge stellt

er in ein Regal, so dass man wie bei einem

Buch auf den Inhalt schliessen kann. Benutzt

er einen Umschlag, so stellt er ihn

hinterher auf die linke Seite des Regals.

Dies führt dazu, dass sich kürzlich benutzte

Umschläge auf der linken Seite des

Regals sammeln, während sich diejenigen,

die nie benutzt wurden auf der rechten

Seite ballen. Von Zeit zu Zeit wirft

Noguchi die Dokumente rechts einfach in

den Papierkorb.

Auf dieselbe Weise organisieren die

Computer ihre Speicherplätze: Sie benutzen

«Memory Caches», die klein, aber

schnell zugänglich sind. Das Management

dieser Caches stellt den Rechner vor

dieselbe Herausforderung wie den Menschen:

Er muss entscheiden, welche Information

weiter benötigt werden, und

welche im Papierkorb landen. Denn

«nicht benutzt» ist ein guter Indikator dafür,

dass man das Dokument vielleicht gar

nicht mehr braucht.

«EINORDNER» UND «AUFHÄUFER»

Stellen sich Ihnen bei einem derartigen

Vorgehen die Haare zu Berge, könnte es

sein, dass Sie eher ein «Einordner» als ein

«Aufhäufer» sind. Diese Unterscheidung

machte in den 1980er-Jahren Thomas

Malone, ein Professor am Massachusetts

Institute of Technology. Einordner-Typen

wollen immer eine formelle Organisationsstruktur

für ihre Papierdokumente

einführen, während die Aufhäufer lieber

mit kleinen oder grossen Bergen Papier

auf oder neben ihrem Schreibtisch arbeiten.

Und von Zeit zu Zeit auf brachiale

Weise aufräumen.

Die Wissenschaftler Steve Whittaker

und Julia Hirschberg studierten 2001

Menschen in einem echten Büroumfeld.

Selbst Dokumente ohne

langfristigen Wert legen

die «Einordner» in ihre

Aktensysteme ab wie in

kompliziert gegliederte

Papierkörbe.

Sie fanden dabei heraus, dass die Einordner

unter überladenen Archiven ächzten.

Wenn immer neue Dokumente eintrafen,

mussten sie eine Entscheidung treffen, wo

diese einzuordnen sind: Die Papiere durften

nicht auf dem Schreibtisch liegen

Die Chaos-Theorie

FOLGENSCHWERE ÄNDERUNGEN

Der Flügelschlag eines Schmetterlings

in Brasilien kann einen Tornado

in Texas auslösen. Doch nicht

wegen des Schneeballeffekts, der

bedeutet, dass sich kleine Aktionen

aufschaukeln können und somit ein

Schneeball eine Lawine auslösen

kann. Der Grund ist das sogenannte

Chaos. Eine Regenwolke ist deterministisch.

Das bedeutet, für ihre Existenz

und ihr Verhalten gibt es Ursachen.

Sie befindet sich an ihrem

Platz, weil sie vom Wind dorthin getrieben

wurde. Und das konnte sie,

weil sie zuvor durch die Verdampfung

von Meereswasser entstanden

ist. Und für alle Schritte davor gibt

es ebenfalls Ursachen.

Im Umkehrschluss müsste das bedeuten,

dass wir das Wetter perfekt

vorhersagen können müssten,

wenn wir irgendwann den aktuellen

Stand genau beobachten können

und somit die Ursachen für das

kommende Wetter kennen. Aber so

ist es nicht. Am besten verstehen

wir dies, wenn wir uns einen Billardtisch

ohne Löcher vorstellen.

Spielt man die Kugel, stösst sie von

Seite zu Seite, bis sie still steht.

Schlägt man die Kugel in einem

leicht anderen Winkel an, ist das

Ergebnis lediglich ein bisschen

anders. Doch geben wir dem Tisch

statt Ecken Rundungen, machen wir

das ganze zu einem chaotischen

System. Wenn wir nun die Kugel in

einem leicht anderen Winkel anstossen,

legt sie einen vollkommen anderen

Weg zurück. Noch ein leicht

anderer Winkel – wieder ein völlig

anderer Weg. Der kleinste Unterschied

in den Anfangskonditionen

sorgt für ein grundlegend anderes

Ergebnis. Und bei Wettersimulationen

merkt man auch, dass dessen

Anfangskonditionen äusserst sensibel

sind. Wenn sich nur ein Parameter

minimal ändert, hat dies ein völlig

anderes Wetter zur Folge. Für ein

paar Tage lässt sich zwar eine wahrscheinliche

Vorhersage treffen. Darüber

hinaus ist die Ungenauigkeit

immens. Und das schon, wenn wir

die Simulation von einigen wenigen

Parametern abhängig machen. In

der Realität gibt es jedoch unglaublich

viele. Überlegt sich ein Pilot,

seine Triebwerke eine halbe Sekunde

später zu starten, kann dies langfristig

den Unterschied zwischen

Gewitter und Sonnenschein machen.

CHAOS KOMMT HÄUFIG VOR

Wie das Wetter

wird, hängt teils

von kleinsten

Faktoren ab.

Aber in der Chaostheorie geht es

bei weitem nicht nur ums Wetter.

Auch sehr simple Dinge sind chaotisch.

Hängt man an einen Pendel –

eines der berechenbarsten Dinge

überhaupt – ein weiteres Pendel,

gibt es keine Chance mehr, die Bewegung

zu berechnen. Ist der Startpunkt

minimal verschoben, oder

gibt es einen minimalen Luftzug,

legt das Pendel eine Strecke zurück,

die nichts mehr mit der vorherigen

zu tun hat. Die Chaostheorie findet

auch Anwendung im Verkehr, beim

Aktienmarkt, bei psychischen

Störungen oder den Krisen unserer

Geschichte. Gewiss kann also ein

Schmetterling für einen Tornado

sorgen. Böse Tiere sind sie deswegen

nicht. Denn wie Edward Lorenz

sagte: Wenn der Flügelschlag eines

Schmetterlings einen Tornado auslösen

kann, so kann er auch den

Effekt haben, ihn zu verhindern.

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14 s’Positive 6 / 2018


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WISSEN

bleiben, denn dies hätte Unordnung bedeutet.

Viele Dokumente haben jedoch

keinerlei langfristigen Wert. Trotzdem

verfrachteten die Einordner sie in ihre

Aktensysteme wie in kompliziert strukturierte

Papierkörbe. Man könne die eigene

Informations zukunft nicht vorhersehen,

sagt Whittaker, der heute Professor für

Psychologie an der Universität von Santa

Cruz ist. «Oft stehen Einordner Monate

später fassungslos vor ihren sinnlos gewordenen

Archiven».

Sich von Dokumenten zu trennen, die

man selbst erstellt oder bearbeitet hat,

falle schwer, erklärt Whittaker. Es gehe da

wirklich ans Eingemachte. «Menschen

sind psychologisch sehr stark an ihre Arbeit

gebunden. Wenn es in ihren Jobs um

Information geht, dann fühlen sie sich mit

dieser Information verbunden.

Mit der Suchfunktion

lassen sich E-Mails

schneller finden als mit

einer komplizierten

Ordnerstruktur.

ORGANISATION FÖRDERT MOTIVATION

Viele Erkenntnisse Whittakers und anderer

Forscher sind noch zu Zeiten des Papiers

entstanden. Sind sie zu Zeiten der

E-Mails sinnlos geworden? Bereits 1996,

als Whittaker seine Untersuchungen

durchführte, litten in den USA Menschen

unter E-Mail-Überlastung. «Wir sahen unnütze

Ordner, in denen nur zwei E-Mails

lagen.» Wie zu Zeiten des Papiers entschieden

sich die ordnungsliebenden Büromenschen

für Kategorien, die sie voreilig

festlegten und die längerfristig nicht

funktionierten. Die

Frage lautet demnach:

Verschwende

ich meine Zeit, wenn

ich versuche, meine

E-Mails zu organisieren?

Ja, lautete

die Antwort der Wissenschaftler.

«Studienteilnehmer,

die

ihre E-Mails ungeordnet

liessen und sich einfach auf die

Suchfunktion verliessen, fanden E-Mails

deutlich schneller als jene, die sich auf

komplizierte Ordnerstrukturen stützten.»

Aber wie sieht es mit unseren Terminkalendern

aus? Tragen wir jede Aufgabe

mit einem festen Termin in den Kalender

ein und nutzen ihn als Todo-Liste, oder

ignorieren wir den Kalender weitestgehend

und tragen lediglich verabredete

Treffen ein? Ersteres wäre analog der Einordner

oder auch von Benjamin Franklin,

der allen Geschäftsdingen ihre Zeit einräumen

wollte. Was funktioniert besser?

Drei US-Psychologen machten vor 34

Jahren den Versuch: Sie teilten junge Studenten

in drei Gruppen. Eine von ihnen

war die Kontrollgruppe, die einfache

Zeiteinteilungsaufgaben

lösen und

zehnminütige Pausen

innerhalb von

Lernphasen zwischen

30 und 90 Minuten

einlegen sollte.

Die beiden anderen

Gruppen, und

um diese beiden

geht es hier, bekamen

kompliziertere Aufgaben: Die eine

sollte sich Studienziele setzen und die

Lernphasen dementsprechend organisieren,

und zwar gleich über den Zeitraum

eines Monats. Die andere Gruppe sollte

von Tag zu Tag denken, sich also tägliche

Ziele setzen. Sie mussten also ihre Tage

deutlich mehr durchstrukturieren.

Die Erwartung war, dass die kurzfristige

Gruppe wesentlich besser abschneiden

würde, weil ihre Organisationsziele leichter

überschaubar schienen. Doch dies erwies

sich als Irrtum: Zwar starteten die

Laut Wissenschaftlern

ist das Organisieren

von E-Mails

Zeitverschwendung.

FOTO: SHUTTERSTOCK.COM/OATAWA

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Papierberge

auf dem Arbeitsplatz

führen schnell zu

Unordnung.

Täglich-Planer sehr gut, waren dann aber

schnell demotiviert. Am Ende lernten die

Studenten dieser Gruppe nur noch acht

Stunden in der Woche. Die langfristig

denkende Gruppe arbeitete indes konstant

25 Stunden in der Woche, ihre Studienleistungen

waren entsprechend besser.

ERFOLG MIT LOCKERER PLANUNG

Doch wo lagen die Gründe? Es zeigte

sich, dass das Durchplanen jedes einzelnen

Tages schnell mühsam wurde, weil

die Planungen immer wieder durcheinander

gerieten: Jedes verpasste Weckerläuten,

jeder ungeplante Zahnarzttermin

oder ein unverhoffter Besuch brachte die

Struktur des Tages durcheinander. Diese

Studenten benutzten ihren Kalender als

Todo-Liste und scheiterten. Der Arbeitsplan

der langfristigen Gruppe war sehr

viel lockerer gestaltet, weniger perfekt

und viel veränderbarer. Und er funktionierte

in einer nicht perfekten, sich ständig

verändernden Welt recht gut. Der

perfektionistische Plan der kurzfristig

planenden Gruppe scheiterte an einer

unordentlichen Welt. Es gibt Beispiele

erfolgreicher Menschen, die sich gemäss

diesem Experiment organisieren: Seit einem

Jahrzehnt benützt Marc Andreessen,

Netscape-Gründer und Milliardär,

seinen Kalender nicht mehr. Muss etwas

wirklich getan werden, so soll dies sofort

geschehen. «Es geht mir damit so viel

besser, es ist kaum zu glauben!», schrieb

er damals.

Arnold Schwarzenegger hält seinen

Terminkalender weitestgehend frei.

DEN ZUFÄLLEN PLATZ EINRÄUMEN

Bereits als Hollywoodstar und später auch

als Gouverneur von Kalifornien bestand

Arnold Schwarzenegger darauf, seinen

Terminkalender frei zu halten. Verabredungen

seien ein echtes No-Go. Das Gleiche

gelte für Vorausplanung, sagte er damals

der New York Times. Bei Schwarzenegger

ging es zu wie bei einem simplen

Stehimbiss. Politiker, Lobbyisten und Aktivisten

hatten anzustehen, bis sie an der

Reihe waren. Natürlich steckte in diesem

Verhalten auch Machtgehabe. Doch

Schwarzenegger wusste: Ein voller Terminkalender

erlaubt keinerlei Anpassung

an plötzlich veränderte Umstände.

Können das, was sich Andreessen und

Schwarzen egger leisten dürfen, auch

normale Menschen tun und die Welt warten

zu lassen? Nein, so weit dürfen wir

nicht gehen. Aber wir könnten ein Stück

in diese Richtung gehen, indem wir weniger

feste Verabredungen eingehen und

uns mehr Flexibilität einräumen. Dies

hilft uns, mit den Herausforderungen des

Lebens umzugehen.

Quellen: PM-Magazin, Tim Harford

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/JAT306/ANDRE LUIZ MOREIRA

18 s’Positive 6 / 2018


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Hornuss und dient als Führungsschiene für

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Teilen, den sog. Läufen aus Chromstahl, für

Rechts- oder Linksschläger. Eine einheitliche

Form und technische Richtlinien für das Aufstellen

gewährleisten für alle Mannschaften

gleiche Schlagbedingungen. Die vor dem Bock

aufgestellte Schussblende fängt schlecht getroffene

Hornusse auf und schützt somit die

vordersten Abtuer vor tieffliegenden, schlecht

sichtbaren Hornussen. Die Absperrwand, das

grosse grüne Tuch hinter dem Bock, dient der

Abgrenzung zwischen Schläger und Zuschauer

und macht den Schläger auch für die hintersten

Abtuer besser sichtbar.

20 s’Positive 6 / 2018


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Gegend äusserst beliebten Sportart.

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s’Positive 6/ 2018 21


DIE GESCHICHTE DES STÖCKLI

Das Stöckli

Die ganz besondere Bedeutung des Stöckli in der

Kultur des Oberaargaus ist beinahe vergessen

gegangen. Die Geschichte einer architektonischen,

wirtschaftlichen und sozialen Besonderheit.

22 s’Positive 6 / 2018


Das stöckli

steht abseits eines

grossen Bauernhauses.

Bäuerliche

der

TEXT: KLAUS ZAUGG;

FOTOS: MARCEL BIERI

einmal: Woher kommt die

Bezeichnung? Stock oder Stück

sind abgetrennte Teile eines Ganzen.

Eine alleinstehende, hochragende

Erhebung wird im Bernbiet als

WohnkulturZuerst

Stock bezeichnet. Und ein alleinstehendes

Gebäude als Stock oder Stöckli. Das

Stöckli ist also, wie es der Name sagt, ein

alleine abseits des grossen Bauernhauses

Generationen

stehendes Haus.

Viele Stöckli sind nicht gemauert. Als

Holzbau ist es meistens nur in den Fundamenten

gemauert. Ist es ganz aus

Stein, dann ist es ein «Herrenstöckli».

Diese Bezeichnung steht für ein besonders

schönes, gemauertes Stöckli und

zeigt den Reichtum des Bauern. Bei Simon

Gfeller lesen wir in der Geschichte

«Em Hag no» vom alten Zimp, einem Maurer,

der dem reichen Öschmattenbauer ein

solches Stöckli bauen darf: «Hüser u Stöckli

het me schüscht im Öschegrabe hinge

nume hölzigi gseh. Aber der Öschmatter het

am Gäld nüt bruchtz’borge u gärn öppis Appartigs

gha u drum isch dr alt Zimp doch no

einisch derzue, chönne z’zeige, was de alls

hingerem steckt. E so-n-es Stöckli vom Sockel

bis ungere Dachstuehl uchen in luter Steinen

ufzfüehre, botz Heiterefahne!»

URSPRÜNGLICH OFEN- ODER BACKHÄUSER

Die ältesten Stöckli aus den 1500er und frühen

1600er Jahren waren ursprünglich Ofen- und

Backhäuser, auf deren Backraum eine Wohnung

aufgebaut wurde. «Ob sie ein Stöckli hätten?

Nein, sagte Anna Bäbi, öppä äs rächts Stöckli nid,

aber es Ofehus, me chann im aber ou Stöckli säge,

wenn me will» lesen wir bei Gotthelf.

s’Positive 6 / 2018 23


DIE GESCHICHTE DES STÖCKLI

Die ältesten

Stöckli wären einst

Ofen- oder Backhäuser.

Das Stöckli steht neben dem hablichen

Bauernhaus. Es ist jünger als der auch

zum Hof gehörende Speicher. Es ist auch

weniger zahlreich vorhanden als der

Speicher. Schon deshalb, weil bereits ab

den früheren 1900er Jahren selten mehr

neuer Speicher gebaut, hingegen immer

wieder neue Stöckli errichtet worden

sind.

IM OBERAARGAU AUS HOLZ

Mit Jeremias Gotthelf hat das Stöckli Eingang

in die Weltliteratur gefunden. Er

schildert in seinen Geschichten so manchen

Besuch im Stöckli. Er ist dort von der

freundlichen Grossmutter mit Bauernhamme

und Apfelküchlein bewirtet

worden. Aber er hat im Stöckli auch den

misstrauischen und abweisenden stöcklikranken

Joggeli auf der Glungge kennengelernt

(Uli der Knecht).

Nach der Form ist das Stöckli mit dem

Stammhaus architektonisch verwandt. Es

gibt meistens den lokalüblichen Baustil in

einfacher Weise wieder. Im Oberaargau

überwiegt beim Bauernhaus bei weitem

der Holzbau, entsprechend ist das Stöckli

aus Holz erstellt. Die Zimmermannskunst

hat im Oberaargau eine lange,

ruhmreiche Geschichte und zahlreiche

Bauten zeugen heute noch von der Geschicklichkeit

der alten Meister. Das Innere

des Stöckli enthält im Erdgeschoss die

Küche, deren Türe meistens gleichzeitig

die Haustüre ist. An die Küche schliessen

sich zwei Zimmer oder Stübli an («Chuchistübli»),

wenn möglich nach Süden

orientiert. In die Wohnung im oberen

Stockwerk, die den gleichen Grundriss

hat, führt eine Innen- oder Aussentreppe

in die Laube.

Die schöne Bauart, die geschickte

Wahl des Standortes und die treffliche

Anpassung an die Landschaft machen die

Für die Oberaargauer

gilt, was Emanuel Friedli

über die Emmentaler

geschrieben hat: «Was

der Emmentaler baut,

mues e Gatti mache.»

Stöckli im Vergleich zu den «Altershäuschen»

in anderen Landesgegenden oder

in anderen Ländern einzigartig. Gerade

für die Oberaargauer gilt, was der legendäre

Emanuel Friedli über die Emmentaler

geschrieben hat: «Was der Emmentaler

baut, mues e Gatti mache. Das macht

ihn zum Bau-Ästhetiker.»

Die früheste schriftliche Erwähnung des

Stöckli gibt es aus dem Jahre des Herrn

1667 im Chorgerichtsmanual von Oberburg

bei Burgdorf. Caspar Dietschi und

Samuel Kun sind wegen «vollsaufen im

Stöckli» abgemahnt worden. Dass es vor

1600 im Oberaargau erst vereinzelt Stöckli

gab, hat einen Grund: Der Bau eines

Alterswohnhauses setzte einen gewissen

Wohlstand der Bauern voraus. Ein solcher

trat erst im Laufe der ersten Hälfte der

1600er und vor allem in den 1700er Jahren

ein, als sich die bernische Obrigkeit

nach der Krise des Bauernkrieges (1653)

beim Landvolk um Versöhnung bemühte.

Ackerland wurde in Wiesland verwandelt,

der Getreideanbau ging auf Kosten der

Milchwirtschaft zurück. Der Handel mit

Milchprodukten nahm einen raschen Aufschwung.

Die Obrigkeit gab den Käse- und

Viehhandel frei und neu kam der Kartoffelanbau

hinzu. Auch die Pferdezucht

blühte. Es gab im 18. Jahrhundert Jahre,

in denen aus dem Bernbiet 10 000 Pferde,

meistens Artilleriepferde, ins Ausland –

besonders nach Italien – verkauft wurden.

Die Bauern kamen zu Geld.

GESCHLOSSENE VERERBUNG

Den Wohlstand förderte eine juristische

Besonderheit: Anders als in vielen Gegenden

der Schweiz und im Oberland oder

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DIE GESCHICHTE DES STÖCKLI

Sind sie ganz

aus Stein, spricht

man von «Herrenstöckli».

im Seeland wurden im Emmental und im

Oberaargau beim Erbgang die Höfe nicht

«zerstückelt». Hier herrschte die geschlossene

Vererbung vor. So konnte sich

das Erbrecht durchsetzen, dass dem

jüngsten Sohn der gesamte Hof zusteht.

Seine Geschwister mussten gehen, anderorts

Arbeit suchen oder blieben als ledige

Knechte auf dem Hof.

Dank diesem ganz besonderen Erbrecht

hat es bereits in den 1600er Jahren

im Oberaargau geschlossene Bauerngüter

von 60 bis 80 Jucharten gegeben. Nur

bei einem Hof mit einer gewissen Ausdehnung

machte ein Stöckli Sinn. Das Stöckli

konnte sich also nur in Gegenden mit

einer geschlossenen Vererbung und stattlichen

Bauerngütern einbürgern. Mit

Ausnahme des Sensebezirkes ist deshalb

das Stöckli ausserhalb des Bernbietes nirgends

anzutreffen.

AUSGEPRÄGTER FAMILIENSINN

Es spielt wohl auch eine Rolle, dass den

Bauern im Bernbiet, im Oberaargau, das

Bewusstsein vom Wert der Familie und

des bäuerlichen Standes traditionell stark

war und im Grunde noch immer ist. Das

Besondere dieses Bauerntums liegt in der

Tiefe des bernischen Charakters und Gemütes.

Bei Gotthelf lesen wir: «Ein alter

herumziehender Schnapsbruder aus dem

Luzernischen sagte, allemal wenn er in

den Kanton Bern herüberkomme, so sei es

ihm, als komme er in eine warme Stube».

So hatte sich im Bernbiet und gerade

im Oberaargau der «Hofgeist» entwickelt.

Der Hof bleibt, die Menschen

ZUSATZINFOS

Bis 1960 keine Gerichtsfälle

Wir können davon ausgehen,

dass eine Hofübergabe

mit dem

Rückzug ins Stöckli in

den alten Zeiten, noch

bevor es die AHV gab

– die kam ja erst nach

mehreren Volksabstimmungen

1948 – so vorbildlich

über die Bühne

gegangen ist, wie wir es

in der Erzählung «Mys

Dörfli» von Carl Albert

Loosli (1877 bis 1959)

nachlesen können. In

den alten Zeiten hatte

der Gemeindeschreiber

noch die Autorität und

Vollmacht, um eine Hofübergabe

vorzunehmen.

FAMILIENSACHE

«Was, Du wotsch

ds’Heimet abhäyche?

Was Du nid seisch, Sepp!

Isch dr de d’s Pure verleidet?»

meinte der

Gmeinschryber ganz

verdutzt. «Säb nid, aber

der Fritz chunt jietz so

süferli us de Chauberjahre-n-use-un

isch

mannber, u do tüechts

mi es syg Zyt das er

Meister wird.» –

«Z’letztscht am Änd

hesch rächt», entgegente

der Gmeinschryber ,

«we’s anger Lüt ou eso

mieche su gäbs auwäg

a mängem Ort minger

Verdruss…» meint der

Gmeinschryber» …

«Auso i übergibe-n-uf

nächschti Liechtmäss

em Fritz Huus mit Schiff

u Gschir u Waar u Heimet

z’eige. Es ghöre

feufenachzg Jucherte

Acher- u Mattland,

dreiesächzg-un ä haubi

Jucherte Waud, drei

Jucherte-un-es Vierteli

Ried, d’s Wohnhuus,

beed Schüre un aui

Ofehüsli u Schöpf derzue.

D’s Stöckli hingägä

u d’Husmatt wott i mer

bis zu mym Abläbe vorebha.

Derzue mues mer

der Fritz d’s Wasserrächt

am Husbrunne lah

u de bhäbeni no d’s Bargäut

für mi, bis i mues

d’Bei strecke. D’s Muetterguet

hingägä, es sy

feufevierzg tuusig Franke,

zahle-n-im uf Lichtmäss

us».

Ist diese Hofübergabe,

die uns da der grosse

Dichter erzählt, bloss

Romantik? Nein, es war

ein Teil der bäuerlichen

Kultur, die Dinge so zu

regeln. Ja, es brachte

gar Schande, wenn man

einen der nichtsnutzigen

Advokaten zur Regelung

eines Geschäftes beiziehen

musste, das anständige

Leute «öppä wys dr

Bruuch isch» unter sich

regelten. Es ist bemerkenswert,

dass es kaum

je zu gerichtlichen Auseinandersetzungen

über

den Umzug ins Stöckli

und die Hofübergabe

gekommen ist.

DIE GUTE, ALTE ZEIT

Professor Hermann Rennefahrt,

der wohl beste

Kenner der bernischen

und oberaargauischen

Rechtsgeschichte sagte

1960, er habe gar nie

einen Rechtsfall um ein

Stöckli gefunden. Das

war halt noch die gute

alte Zeit. Heute werden

Rechtshändel um ein

Stöckli wohl höchstens

mit den Bauvögten der

Gemeinde und des Kantons

ausgefochten, wenn

es ums Umbauen geht.

26 s’Positive 6 / 2018


Montag

& Dienstag

Ruhetag

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PREISE

bis 19.00 Uhr: CHF. 7.–

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bis 16 Jahre: CHF. 6.–

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einmalig: CHF 2.–

ÖFFNUNGSZEITEN

Februar bis Oktober:

Mi & Do: 14.00–23.00 Uhr

Freitag: 14.00–24.00 Uhr

Samstag: 14:00–24.00 Uhr

Sonntag: 10.00–20.00 Uhr

November bis Januar:

Mi & Do: 14.00–23.00 Uhr

Freitag: 14.00–02.00 Uhr

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DIE GESCHICHTE DES STÖCKLI

kommen und gehen. Bauer und Bäuerin

stehen im Mittelpunkt der Hofgesellschaft.

Zu dieser gehören ferner die Kinder,

die Knechte, die Mägde und die Verwandten.

Die Hofgemeinschaft stellt eine

erweiterte Arbeitsgemeinschaft dar;

denn das gemeinsame Band, das alle miteinander

verknüpft, ist die Arbeit. Wenn

nun die Familie wächst, so kann sich das

Haus nicht dehnen. Nun duldet der Hof

nur einen Bauern und eine Bäuerin. So

wie das Königreich nur einen König und

eine Königin duldet. Beim Verbleib der

alten Eltern im gleichen Haus würden

Spannungen, die dem Hofbetrieb und

damit dem wirtschaftlichen Erfolg abträglich

wären, nicht ausbleiben.

So kam man auf die Idee, die Eltern in

einem gesonderten Haus unterzubringen

und sie doch, wie es der Familiensinn verlangt,

in der Nähe zu behalten. Auf diese

Weise ist das Stöckli im Oberaargau ein

fester, nicht mehr wegzudenkender Teil

der ländlichen Kultur geworden.

EIN STÜCK HEIMAT

Das Stöckli war früher viel mehr als heute

der Inbegriff des Geborgenseins. Das

schöne Häuschen unter der Linde oder

dem Nussbaum, das keine Sorgen mehr

kennt, wo Frieden und Ruhe regieren.

Wenn städtische Beobachter in der Stöckli-Kultur

ein besonders romantisches

oberaargauisches Bauernidyll sehen, so

wird gerne vergessen, dass dahinter eine

praktische Lösung von wirtschaftlichen

und sozialen Herausforderungen steht.

Der Einzug des alten Bauern ins Stöckli

erfolgte mit der Übergabe des Hofes an

den Jungen. Der Hof wurde entweder an

die Jungen verkauft oder verpachtet. Je

nach dem Stand seiner Kräfte und noch

mehr je nach dem Vertrauen zu den Jungen

und nach dem Mass an Weitsicht und

Weisheit entschloss sich der Vater frü-

ZUSATZINFOS

Die Stöcklikrankheit und die Stöcklikatze

Wie weit steht eigentlich

das Stöckli vom Bauernhaus

entfernt? Es gab eine Grundregel:

Es sollte möglich sein,

die Distanz von der Haustüre

des Bauernhauses bis zur

Haustüre des Stöcklis mit

einer Laterne auszuleuchten.

Taschenlampen gab es,

als die meisten Stöckli gebaut

worden sind, ja noch

nicht. Wenn die Grossmutter

vom Abendsitz im Bauernhaus

ins Stöckli hinüber ging

oder wenn die junge Frau

vom Stöckli ins Haus zurückkehrte,

so sollte ein Lichtstrahl

alles Böse von ihnen

abhalten.

NEUE AUFGABEN

Bevor es im Ober aargau

elektrischen Strom gab,

fürchtete man sich in der

Nacht vor bösen Geistern;

und selbst die mutigsten

Kilter (junge Männer, die

nächstens Mädchen in ihrem

bäuerlichen Schlafgemach

aufsuchten) trieben

sich nachts grundsätzlich

nie allein herum. Man sieht

auch daraus den tiefen Familiensinn:

Die Stöcklilüt, in

erster Linie der Grossvater

und die Grossmutter, aber

oft auch die ledigen Geschwister

des Besitzers, der

Stöckligötti oder die Stöckligotte,

wollten mit dem Hof

in naher Verbindung bleiben.

Die räumliche Distanz

war so gering, dass es für

den Bauer und die Bäuerin,

Die «Stöcklilüt» halfen immer noch auf dem Hof mit.

wenn sie sich ins Stöckli zurückzogen,

nicht den völligen

Rückzug von der Arbeit

bedeutete. Ein rechter Bauersmann

besuchte wohl täglich

den Hof, den jetzt der

Sohn oder der Tochtermann

führte, schaute in den Stall,

überwachte Saat und Ernte,

half auch mit in strengen

Tagen. Gerade der Wald

stand meist noch unter Aufsicht

des alten Bauern, der

Holzhandel war seine Sache.

Und oft hatte nun der alte

Bauer Zeit zu einem späten

Einzug in die Welt «draussen»:

Er widmete sich der

lokalen Politik, diente als

Gemeinderat oder in verschiedenen

Kommissionen.

Selbst Mitglieder eines

Bankverwaltungsrates,

Amtsrichter, Grossräte und

schliesslich auch der legendäre

Bundesrat Rudolf Minger

wohnten im Stöckli.

Die alte Bäuerin waltete in

der Küche und half der jungen

Frau vor allem an Backund

Waschtagen. Daneben

hatte sie nun endlich Zeit,

ihr Gärtlein zu pflegen: Die

Rosen, die Lilien, die Nelken,

den Rosmarin auf dem Fenstersims

und die spätsommerlichen

Stockrosen am

Gartenzaun. Im Winter blieb

sie gerne im wärmen Stübli

und strickte: Denn die kleinen

Enkelkinder brauchten

warme Strümpfe und Unterkleider.

TIERISCHE GESELLSCHAFT

Wenn die alte Bäuerin zwischen

dem Bauernhaus und

dem Stöckli hin- und her

wanderte, so wurde sie oft

von der Stöcklikatze begleitet.

Meistens lebte im Stöckli

eine Katze, die sich bei der

alten Bäuerin eingeschmeichelt

hatte und von ihr ausgiebig

gestreichelt wurde.

Die Stöcklikatze schaute

der alten Bäuerin beim

«Lismen» zu, schlich ihr in

Küche und Vorratskammer

nach und hoffte darauf, dass

ab und zu etwas Fressbares

vom Tisch fiel. Sie war im

Wesen freundlich und sanft

und unterschied sich deutlich

von den aggressiveren

Hofkatzen, die oft keinen

Zugang zum Wohnraum der

Menschen hatten.

PROVOZIERTE KONFLIKTE

Es gab aber nicht nur die

Stöckliidylle und Stöckliromantik.

Manchmal zog sich

der Bauer zu früh von der

Arbeit zurück und wusste

mit seiner freien Zeit nichts

anzufangen. Dann befiel ihn

die sogenannte Stöcklikrankheit.

Sie zeigte sich etwa in

Nörgelsucht und Misstrauen

gegenüber jedermann und

provozierte Konflikte mit

dem jungen Bauern und

dessen Frau im Bauernhaus.

Die Stöcklikrankheit galt als

unheilbar, liess sich aber

manchmal mit gutem Zureden

und Geduld etwas lindern.

Wo sie Einzug gehalten

hatte, gab es auch keine

wohlerzogene Stöcklikatzen.

Die sensiblen Tiere flohen

dem Hader und der Streitsucht.

Weshalb kluge Leute

früher sagten: Sage mir, ob

es eine Stöcklikatze gibt und

ich sage Dir, wie es auf dem

Hof zu- und hergeht.

28 s’Positive 6 / 2018


Bänz Friedli

Bernhard Giger

Pedro Lenz

Klaus Zaugg


Wo das Tram

nicht hinfährt,

sind wir daheim

Das YB-Meisterbuch 2018


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DIE GESCHICHTE DES STÖCKLI

Die ältesten

Stöckli stammen

aus den 1500er und

frühen 1600er

Jahren.

her oder später zur Übergabe des Hofes.

Aber eins war sicher, er tat es erst, wenn

er sich vergewissert hatte: Es geht. Es

geht finanziell und es geht auf dem Hof

recht weiter.

Der alte Bauer zog erst dann ins Stöckli,

wenn die Hofübergabe aufgrund von

wohlerwogenen Abmachungen geregelt

war. Alleine die Tatsache, dass ein Stöckli

da ist, bedeutete im Bewusstsein eine

Sicherung. Es gab keine Ungewissheiten,

keine Sorgen und Ängste, wie der Alltag

nach der Hofübergabe aussehen wird:

Das Stöckli ist als Wohnraum vorhanden.

Ein Wohnraum, mit dem man zeitlebens

vertraut war. Wo schon die Vorväter ihren

Lebensabend verbracht hatten. Das

Stöckli war ein Stück Heimat, der Zusammenhang

der Familie blieb gewahrt. Und

es war im weitesten Sinne ein Zufluchtsort.

Als im Jahre 1917 die entthronte

griechische Königsfamilie in der Schweiz

um Asyl nachsuchte, schrieb das «Emmenthaler

Blatt»: «We si i d’Schwyz chöme,

so wird ne der Bundesrat scho öppe

für nes Stöckli luege…»

Mit dem Stöckli gab es

keine Ungewissheiten,

Sorgen oder Ängste,

wie der Alltag im Alter

nach der Hofübergabe

aussehen wird.

ENTSCHÄRFTE KONFLIKTE

Alte Menschen haben das starke Bedürfnis,

wenn immer möglich unabhängig

und selbstständig zu bleiben. Nicht nur

finanziell, sondern auch in ihrer ganzen

Lebensführung. Sie wollen ihren Tagesablauf

und ihren Tagesinhalt frei gestalten

und nach ihrem eigenen Lebensgefühl

ihren Lebensabend geniessen. Aus diesem

Grund sträuben sich viele Betagte, in

ein Altersheim einzutreten, wo sie sich

einer ungewohnten Hausordnung unterziehen

und sich in eine fremde Umwelt

einfinden müssen. Und aus jahrhundertelanger

Erfahrung weiss man, dass es zwischen

jung und alt leicht Spannungen

gibt. Die Alten sind geneigt, in ihrer Lebenserfahrung

die allein gültige Norm zu

sehen, ferner zu glauben, es in ihrer Jugend

besser gemacht und sich besser benommen

zu haben, als die Jugend von

«heutzutage». Alte Menschen, die sich

immer wieder auf die früheren, besseren

Zeiten berufen, wirken verdriesslich auf

die Jungen, die sich mit der Bewältigung

der Gegenwart abmühen. Solche Gegensätze

können, wenn alle unter einem

Dach leben, zu einem Generationenkonflikt

führen, der den gesamten Betrieb

und damit den wirtschaftlichen Erfolg in

Frage stellt. Durch den Umzug ins Stöckli

wurde dieser Konflikt entschärft.

Wir sehen also, wie klug das Stöckli in

sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht

war. Das Stöckli ist eine Einrichtung, die

im bernischen, im oberaargauischen

Brauchtum selbst gewachsen ist und es

steht als Beispiel einer Lösung des Generationenproblems

durch einen originellen

Wohngedanken.

HEUTE GANZ NORMALER WOHNRAUM

Die Stöckli-Kultur hat im 21. Jahrhundert

ihre Bedeutung durch den gesellschaftlichen

und wirtschaftlichen Wandel verloren.

Der Anteil der in der Landwirtschaft

Erwerbstätigen ist von mehr 40 Prozent

ums Jahr 1900 auf rund 20 Prozent Anfang

der 1950er Jahre auf weniger als zwei

Prozent im 21. Jahrhundert zurückgegangen.

Die vom Stöckli geprägte Form des

Zusammenlebens der Generationen hat

heute stark an Bedeutung und Verbreitung

verloren. Das Stöckli ist heute weitgehend

ganz normaler Wohnraum geworden.

Literatur:

Das bernische Stöckli von

Dr. A.L. Vischer.

Geschichte Berns von Richard. Feller.

D’Stöcklikrankheit von Karl Grunder

Das bernische Stöckli, Band 47 Berner

Heimatbücher von Walter Laederach

30 s’Positive 6 / 2018


Humus

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WUSSTEN SIE SCHON

ABHÄNGIG VON GRÖSSE UND WIND

Wie schnell sind Regentropfen? 1

Wie schnell das Wasser vom Himmel

fällt, hängt vor allem von der Grösse der

Regentropfen ab. Denn die Tempounterschiede

bei Nieselregen, Platzregen oder

Starkregen sind gewaltig. Regentropfen

messen zwischen 0,1 und fünf Milimetern,

und die Fallgeschwindigkeit eines

Tropfens in Metern pro Sekunde ist

gleich dem doppelten Tropfendurchmesser

in Millimetern. Ein vier Millimeter

grosser Tropfen fällt also mit acht Metern

pro Sekunde. Dies entspricht 29 Stundenkilometern.

Feiner Regen mit seinen

feinen Tröpfchen wird etwa acht bis neun

Kilometer schnell, während die allergrössten,

fünf Millimeter grossen Tropfen

eines mediteranen oder tropischen

Regengusses 35 km/h erreichen. Auch

der Wind spielt eine Rolle. Er kann aufund

abwärts wehen und die Tropfen

dementsprechend beschleunigen. Mehr

als 40 km/h sind aber auch bei schlimmsten

Wetterbedingungen nicht drin. Anders

sieht es aber beim Hagel aus. Dessen

Körner schaffen es auf eine Geschwindigkeit

von bis zu 70 km/h. Sie beschädigen

damit Glasscheiben und Autos. Aussergewöhnlich

grosse Hagelkörner mit einem

Durchmesser von zehn Zentimetern

fallen sogar mit bis zu 150 km/h. Ein

Treffer wäre für einen Menschen lebensgefährlich.

WUSSTEN

SIE SCHON?

32 s’Positive 6 / 2018


1 MILLION NEUE BÄUME

Wo entstand das erste Umweltgesetz?

2

Von seinem Vater zum Studium nach Paris

gesandt, freundete sich Simon Bolivar

mit Alexander von Humbold (1769-

1859) an. Der Sohn eines reichen Plantagenbesitzers

aus Caracas war fasziniert

von den Südamerika-Abenteuern des Gelehrten.

In langen Gesprächen mit dem

Preussen begann Bolivar, sein Leben und

seine Ziele zu überdenken. Schliesslich

schwor er, seine Heimat von der spanischen

Herrschaft zu befreien. Als Revolutionär

kehrte er nach Südamerika zurück

und tatsächlich konnte er nach einem

langen Bürgerkrieg die Macht ergreifen.

Er gründete Grosskolumbien, welches die

heutigen Staaten Kolumbien, Panama,

Ecuador und Venezuela sowie Teile von

Peru und Guyana umfasste. Er installierte

sich selbst als erster Präsident. Die Freiheitsliebe

war indes nicht das Einzige,

womit Humbold ihn angesteckt hatte.

Auch des Gelehrten Naturbegriff und die

Überzeugung, dass der Mensch der Natur

schade, hatten es Bolivar angetan. Auf

den spanischen Plantagen Südamerikas

liessen sich bereits damals Umweltsünden

nachweisen.

Am 19. Dezember 1825 unterzeichnete

Simon Bolivar das Dekret von Chuquisaca:

Das Land verpflichtete sich, eine Million

neue Bäume zu pflanzen, und zwar

dort, wo sie am nötigsten gebraucht wurden.

Zwar ist heute unklar, inwieweit das

Dekret auch tatsächlich umgesetzt wurde.

Doch zum ersten Mal wurde eine Regierung

im Umweltschutz aktiv.

2

269 MILLIARDEN MAILS PRO TAG

Verschmutzen E-Mails die Umwelt?

3

Das verblüfft: Forscher der französischen

Umweltbehörden fanden heraus, dass eine

banale E-Mail durchaus Auswirkungen

auf unsere Umwelt hat. Eine Mail mit einem

Megabyte-Anhang, also einem Foto

oder einer aufwendigen Firmensignatur,

emittiert etwa 19 Gramm Kohlenstoffdioxid.

Acht Mails verschmutzen die Umwelt

demnach etwa so, wie wenn wir einen

Kilometer mit dem Auto fahren. Eine

E-Mail wird durchschnittlich über zehn

Server geschickt, bevor sie den Empfänger

erreicht. Diese Server sind echte

Stromfresser. Eine einzige Mail mag nicht

viel ausmachen, aber die Summe sorgt

für eine erhebliche Umweltbelastung. Jeden

Tag werden 269 Millarden Mails versandt.

Hochgerechnet ergibt sich daraus

ein Energiebedarf, wie ihn die Schweiz

jährlich ausweist.

s’Positive 6 / 2018 33


DER GEISSBOCK

Vom Elend,

ein Geissbock

zu sein

Nur wenigen Tieren geschieht so viel Unrecht

wie dem Geissbock. Wenn der Geissbock

glückselig ist, wenden sich die Menschen von

ihm ab und er muss auch noch als Symbol für

den bocksfüssigen Teufel herhalten.

Alle Ziegen gehören in die Verwandschaft der

Steinböcke – das Klettern liegt in ihrer Natur.

34 s’Positive 6 / 2018


TEXT: KLAUS ZAUGG

FOTO: SHUTTERSTOCK.COM/IANREDDING/PHOTOWIND/CONSTANTIN-CIPRIAN

Zuerst ein kleiner Überblick über

die Ziegen im Allgemeinen. Ziegen

meckern ständig. Es liegt in

ihrer Natur wie bei den Hunden

das Bellen. Ziegen finden Meckern in

Ordnung, was wir davon halten, interessiert

sie wahrscheinlich nicht. Überhaupt

sind ihnen die Menschen offenbar gleichgültig.

Anders als die mit ihnen ziemlich

nahe verwandten Schafe scharen sie sich

nicht gern um die Hirten. «Schafe zählen»

ist ein beliebtes Ritual zum Einschlafen.

«Ziegen zählen» funktioniert hingegen

nicht als Mittel gegen Schlaflosigkeit. Wo

Ziegen wirklich gezählt werden sollten,

ist das meist ein schier unmögliches Unterfangen.

Denn sie klettern nicht nur

über Stock und Stein, sondern auch auf

Bäume, in deren Kronen sie sich ziemlich

gut verstecken können.

UNZUGÄNGLICHE KLETTERMEISTER

Schätzungen zufolge (exakte Zählungen

sind ja nicht möglich) gibt es auf der Erde

über siebenhundert Millionen Ziegen. Die

Ziege ist nach Rind, Schaf, Schwein und

Hund das fünfthäufigste Nutztier. Ein beträchtlicher

Anteil davon lebt verwildert

irgendwo auf Inseln, in schwer zugänglichen

Gebirgen oder im dornigen Buschwerk.

Auf Corvo, der kleinsten und westlichsten

Insel der Azoren, werden Ziegen

ausgesetzt und später gejagt. Diese Ziegenjagd

ist eines der wenigen Vergnügen

der Inselbewohner.

Die Zahl der mehr oder weniger voneinander

unterscheidbaren Ziegenrassen

geht in die Hunderte. Gezüchtet werden

Ziegen sind

bekannt für ihre

Milch, Böcke für

ihren stinkenden

Sexuallockstoff.

sie in drei Richtungen, nämlich als

Fleischziegen, Milchziegen oder wegen

ihrer Haare, die bei einigen Rassen mit

zum Feinsten gehören, was sich an Wolle

finden lässt. Zu den besonderen Spezies

gehören die Vierhornziegen und die

handzahmen Zwergziegen, die in zoologischen

Gärten oft zur Unterhaltung der

Kinder im Einsatz sind. Alle Ziegen gehören

in die Verwandtschaft der Steinböcke

und deshalb entspricht ihre Lust am Klettern

ihrer wahren Natur. Mangels Kletterfelsen

besteigen sie oft das Dach ihres

Nur Durst und Hunger

machen Ziegen gefügig,

nicht aber eine Bindung

zum Menschen. Das unterscheidet

sie von den

Schafen und Hunden.

Stalles, um ihre Blicke in die Ferne

schweifen zu lassen. Es ist dann nicht so

einfach, sie wieder hinunter zu locken.

Sie lassen sich nicht einfach mit einer

Handvoll würziger Kräuter ködern. Ohnehin

haben sie eine natürliche Abneigung

gegen Gesellschaft. Um sich ihren

Feinden zu entziehen, vertrauen sie lieber

ihren Fähigkeiten zum Klettern, als

dem Schutz einer Herde oder eines Stalles.

Schafe zu bewachen ist deshalb ein

Kinderspiel im Vergleich zum Ziegenhü-

ten. Nur Durst und Hunger machen Ziegen

gefügig, nicht aber eine Bindung zum

Menschen. Das unterscheidet sie stark

von den Schafen oder den Hunden.

DER GEISSBOCK STINKT

Und nun kommen wir zum Elend, ein

Geissbock zu sein. Selbst wer sich nicht

mit Ziegen auskennt und sich nicht für

Nutztiere interessiert, weiss es: Der Geissbock

stinkt. Und zwar fürchterlich. Wer

sich nur ganz kurze Zeit in seiner Nähe

aufhält, muss die Kleider wechseln, und

wer längere Zeit, etwa auf einer Alp, mit

einem Geissblock unter dem gleichen

Dach lebt, bringt den penetranten Geruch

nicht einmal mit Duschen sofort aus dem

eigenen Körper.

Dabei ist das Stinken ein Zeichen von

Lebenslust und Potenz. In dem Augenblick,

in dem der Geissbock so richtig gut

drauf ist, wendet sich der Mensch also von

ihm ab. Der Gestank ist in Tat und Wahrheit

ein Sexuallockstoff, für unsere Nasen

halt überdosiert. Erst recht, wenn der

Geissbock in den Stall gesperrt wird. Das

Dasein im Stall entspricht nicht seiner Natur.

Der Geissbock sollte in der felsigen

Natur erhöhte, prominente Positionen

einnehmen können, von wo aus die Luftströmungen

seine lustvolle Botschaft verbreiten.

Die irgendwo im Dickicht fressenden

Geissen-Damen wissen dann anhand

des köstlichen, erregenden Duftes, wohin

sie sich wenden können, wenn sie eine

Begattung wünschen. Den konkurrierenden

Böcken teilt die Schärfe des Duftes

zugleich mit, in welcher körperlichen

s’Positive 6 / 2018 35


DER GEISSBOCK

Ziegen sind

Allesfresser: Lässt

man sie unbeaufsichtigt,

kann das

der Vegetation

schaden.

Verfassung sich der Platzhalter befindet

und ob es sich lohnt, ihn zum Kampf herauszufordern.

Je schlimmer der Gestank,

desto kräftiger, potenter der Bock. Kein

Wunder also, dass ein eingesperrter Ziegenbock

so entsetzlich stinkt, wenn ihm

beides verwehrt wird: die freie Luft und

der an- und aufregende Kampf mit seinen

Rivalen. Und wenn er nicht draussen auf

einem Felsen stehen und seinen Duft verbreiten

kann, dann muss er alles daransetzen,

noch ärger zu stinken, damit sein

Lockstoff vielleicht den Weg aus dem Stall

zur Geissendamenwelt findet. Es kann

dann sein, dass der eingesperrte Geissbock

mangels Rivalen den Kampf mit dem

Menschen sucht – gerade ein stinkender,

angriffslustiger Geissbock kann für den

Menschen sehr gefährlich werden.

VERKÖRPERUNG DES BÖSEN

Es ist sowieso kein Vergnügen, als Bock

zur Welt zu kommen: Die starke Durchdringung

des Körpers mit den Sexuallockstoffen

macht sein Fleisch zur aparten

Spezialität, an der jedoch nur wenige

Geschmack finden, so sehr stinkt das

Fleisch nach Bock (es «böckelet»). Anders

als etwa Stierkälber sind Böcke also nicht

für die lohnende Fleischproduktion nutzbar.

Da Böckchen und Geisslein von Natur

aus etwa gleich häufig geboren werden,

ergeht es den jungen Ziegenböcken wie

Der Ziegenbock musste

schon immer für das

Drastische herhalten.

Früher sah man in ihm

das Bild des Teufels.

den männlichen Jungen vieler anderer

Nutztiere: Sie fallen vorzeitig der sexuellen

Selektion zum Opfer, weil die Züchter

nicht viele Böcke haben wollen. Die blosse

Tatsache, männlich zu sein, ist bei einer

Reihe von Nutztieren bereits ein tödlicher

Nachteil, beim Geissbock erst recht.

Es ist also wirklich ein Elend, ein Ziegenbock

zu sein. Der Ziegenbock musste

schon immer für das Drastische herhalten.

Im Mittelalter und bis in die frühe

Neuzeit hinein sah man im Ziegenbock

das Bild des Teufels. Obwohl man ihm

nicht nachweisen konnte, dass er, wie der

Teufel, das Weihwasser fürchtet. Aber tatsächlich

mag es der Geissbock nicht,

wenn seine Augen mit Wasser besprengt

werden. Das Böse verkörpert er so oder so

seit Anbeginn der Zeiten. Aus dem Dunkel

des Waldes kam in der vorchristlichen

Antike Pan, der ziegenfüssige Gott mit der

Flöte, der panische Angst auslöste und

Mädchen verführte. Mit Pan als Vorbild

war im Christentum die Mutation zum

Teufel, zum Bockfüssigen, nur noch ein

kleiner Schritt.

POTENT UND VERFRESSEN

Ziegen, nicht nur Böcke, sind leider auch

Schädlinge. Zusammen mit Ratten und

Katzen gehören sie zu den grössten Bedrohungen

des Lebens auf vielen ozeanischen

Inseln. Weil sie die Vegetation gnadenlos

kurz und klein fressen. Vor Jahrhunderten

waren die Ziegen von Seefahrern, meistens

von Seeräubern, auf einsame Inseln

gebracht worden, damit sie sich vermehrten

und im Bedarfsfall als Frischfleisch

genutzt werden konnten. Dank der Potenz

der Ziegenböcke und der Genügsamkeit

der Geissen war praktisch jede dieser Aussiedlungen

ein Erfolg. Allerdings mit der

Konsequenz, dass die Vegetation der Insel

alsbald stark geschädigt oder zerstört

wurde. Gut, haben wir im Oberaargau die

Ziegenpopulation unter Kontrolle. Könnten

sich die Ziegen ungehindert vermehren,

würden sie unsere schöne Heimat

über die Zeit so kahlfressen, dass der

Oberaargau nach hundert Jahren wahrscheinlich

ähnlich aussehen würde wie

eine Hügellandschaft im Nahen Osten.

Literatur:

Haustiere von Josef H. Reichholf

FOTO: SHUTTERSTOCK.COM/DUDAREV MIKHAIL

36 s’Positive 6 / 2018


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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

Erinnerungen

Den Bericht «Rohrbacher Pioniere»

von Klaus Zaugg habe ich in einem

Zug lesen müssen. Ich fühlte mich in

meine Kinder- und Jugendzeit

zurückversetzt.

Der Sagivati (Gottfried Lanz) gehört zu

einer von meinen vielen schönen

Kindheitserinnerungen.Wenn er zu einem

«Zwöierli Rote» bei uns im

Lokal einkehrte, durfte ich als ganz

kleines Meiteli auf seinen Knien sitzen

und ein Sirüpli trinken. Für alle Gäste

hatte er ein offenes Ohr und schaute

gerne beim Jassen zu.

Weitere Erinnerungen: Mittags um

halb zwölf und abends um sechs Uhr

bildeten sich auf dem Trottoir kleine

Schlangen von Männern, die von der

Sagiarbeit nach Hause zum Essen gingen.

In der Bäckerei kauften einige Familien

mit dem «Ufschriibi-Büechli»

ein, d.h. sie liessen ihre Einkäufe während

zweier Wochen aufschreiben, und

wenn in der Säge Zahltag war, kamen

sie bar bezahlen. Es gab damals in

Rohrbach sechs Bäckereien.

Beim Bahnhof hielten die mit Trämel

beladenen Güterzüge, um das Holz für

die Sägerei abzuladen. Dieses wurde

dann mit Pferdefuhrwerken in die Sägerei

transportiert. Schwerstarbeit für

die dort arbeitenden Männer, aber äusserst

interessant für die vielen kleinen

Zuschauer. Fast chli wie Fernsehen

heute!

Gegenüber der Säge standen ein paar

sehr alte Häuser mit Rauchküche. In

eines davon konnte man von der

Hausmetzgete das Fleisch zum Räuchern

bringen. Schinken und Speck

wurden an der Küchendiele aufgehängt.

In einem anderen Haus wurden

Skier fabriziert. Anschauungsunterricht

für uns Kinder.

Wie lebten wir damals doch in einem

kurzweiligen Dorf. Fast in jedem Haus

stand eine Milch spendende Kuh und

es grunzten ein paar Schweine. Wir

Kinder streunten von Haus zu Haus,

um überall den verschiedenen Handwerkern

zuzuschauen. Und Lädeli, wo

das Petrolfass neben einem Sack Hörnli

stand, gab es in zweistelliger Zahl.

Von Kohler-Coiffeur bis zur Schmittenbrücke

konnten wir Schlagball spielen

oder im Winter «schliifschuene». Auto

war praktisch ein Fremdwort für uns.

Ich freue mich für die heutigen Kinder,

dass Herr Bösiger an sie gedacht

hat!

Hedi Zulauf, 4938 Rohrbach

Auch in der Schweiz

Mit Interesse las ich Ihren Bericht

über das Projekt in Kambodscha. Ich

gebe Ihnen nicht ganz recht in Ihrer

Stellungnahme, dass es hilft, wenn

von 100 % Geld 80 % in irgendwelchen

Kanälen verschwinden. Es gibt durchaus

Möglichkeiten, auch 100 % seines

Einsatzes zu sehen und zu erkennen.

Ich gehöre einer Gemeinschaft von

Spitex-Mitarbeitern an, die täglich bedürftige

Menschen sehen, und das sogar

hier in der Schweiz, genauer gesagt

in Langenthal. Auch wenn ich erst

seit 1.5 Jahren zum Langenthal-Team

gehöre, so kristallisierte sich schnell

heraus, dass viele von uns sich auch

privat noch engagieren. Seien es nun

Hilfsdienste, Besuche, Unterstützungen

oder auch Gartenarbeiten, alles

wird unentgeltlich verrichtet – eben

für hilfsbedürftige Menschen hier vor

Ort.

Auch in der sogenannten reichen

Schweiz gibt es Menschen die Hilfe

benötigen, d.h. nicht unbedingt finanzieller

Art, sondern gerade im täglichen

Leben. Wir sind eine eingeschworene

Gemeinschaft und unterstützen

uns auch gegenseitig, sowohl privat

als auch dienstlich. Der Dank der Menschen,

denen wir helfen, ist sehr herzlich

und, das spüren wir jeden Tag,

auch das ist ein Lohn. Die Menschen

schätzen unseren sinnvollen Einsatz,

den wir ehrenamtlich verrichten, und

wir haben Freude an unserer Arbeit.

Ob nun Kambodscha, Afrika oder hier

in der Schweiz, wenn sich noch mehr

Menschen für Menschen engagieren

würden, dann wäre die Welt friedlicher

und viele Menschen zufriedener,

auch die, die sich engagieren.

Hidde Paulmann

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wenn wir die Möglichkeit zu

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M/S M/S Roald Roald Amundsen

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