Nordis-Magazin 2/2018

nordis

Tatort: Krimi-Wanderreise | Radwandern auf Åland | Eyjafjallajökull | Königsweg übers Filefjell | Outdoor College | Morakniv | Finnisches Radio-Sinfonie-Orchester

Das Nordeuropa-Magazin

März/April 2/18 · 24. Jhrg.

deutschland € 5,- · österreich € 5,50

schweiz cHF 9,80 · luxemburg € 5,80

K 13714 · ISSN 0946-1116

nordis.de · skandinavien.de

titelgeSCHiCHte

SCHWeDen

Auf alten Pilgerpfaden durch Dalsland

DänemArK

Wandererlebnisse im Nationalpark

Mols Bjerge

finnlAnD

Vappu: So feiern die Finnen den 1. Mai

FAHRRADSpezial

haupTSache

ouTdoor

Zu fuß und per rad

unterwegs in skandinavien


LAURA SANTANEN

2016

SPANIEN

SCHÖN WAR‘S

UND NOCH SCHÖNER WIRD‘S!

AUF DEM HOBBY FRÜHJAHRSFEST 2018

GEWINNEN SIE

EINEN 14-TÄGIGEN

TRAUMURLAUB

MIT EINEM HOBBY

REISEMOBIL

FREUEN SIE SICH AUF TOLLE ÜBERRASCHUNGEN, AKTIONEN UND DIE

NEUESTEN HOBBY MODELLE. AUSSERDEM WARTET EIN GANZ BESONDERER GEWINN AUF SIE.

KOMMEN SIE VORBEI – WIR FREUEN UNS AUF IHREN BESUCH!

MEHR INFOS UND TEILNEHMENDE HÄNDLER UNTER:

WWW.HOBBY-CARAVANING.DE

2 Nordis


EDITORIAL

stefanie becker

chefredaktion nordis

liebe leserin,

lieber leser,

Are you looking for a once

in a lifetime experience?

2018 wird ein spannendes Jahr für die skandinavischen Fußballnationen.

Gleich drei der nordischen Länder haben sich für die diesjährige

Weltmeisterschaft in Russland qualifi ziert. Neben Schweden

und Dänemark ist Island erstmalig mit von der Partie. Die

Inselmannschaft beeindruckte die Zuschauer bereits während der

letzten EM mit ihrem spielerischem Ehrgeiz und ungewöhnlichem

Fanaufgebot. Unser Nordsport-Kolumnist Michael Ruhnke nimmt

das Fußball-Phänomen »Island« für Sie noch einmal genauer unter

die Lupe.

Abseits des grünen Rasens sind wir in dieser Ausgabe vor allem in

der freien Natur unterwegs. Ob entlang alter Pilger- und Wanderwege,

unterwegs im dänischen Djursland, auf krimiliterarischer

Spurensuche zwischen Großstadt und Schären, auf isländischen

Vulkanen und Gletschern oder auf den Åland-Inseln: Wir erkunden

den Norden diesmal zu Fuß oder per Rad.

Wen dabei der sportliche Ehrgeiz packt, der ist vielleicht auf einem

der nordischen Radrennen genau richtig? Zwei Klassiker, die Vätternrundan

und den Nordsjørittet, stellen wir Ihnen in unserem

Fahrrad-Spezial näher vor.

Außerdem haben wir für Sie noch zwei kulturelle Höhepunkte im

fi nnischen Frühling mit im Heft. In Helsinki wird am 1. Mai traditionell

»Vappu« gefeiert und die Stadt verwandelt sich in ein fröhliches

Straßenfest mit Partys, Picknicks und Paraden, ein lohnenswertes

Erlebnis, wie Sie in der Reportage von Rasso Knoller

erfahren werden. Weniger weit reisen müssen Sie dagegen, wenn

Sie das fi nnische Radio-Sinfonieorchester einmal live erleben

möchten. Zum 90. Jubiläum geht das Orchester auf große Europa-

Tour und macht im März auch in Deutschland Station. Nordis-

Autor Michael Kube hat den Chefdirigenten Hannu Lintu zum Interview

getroffen.

Special 3nights

Autumn Aurora package

24.08.-24.09.2018

in Finnish Lapland

Book your adventure:

www.harriniva.fi

sales@harriniva.fi

+358 400 155 100

Muonio – Lapland - Finland

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre

facebook.com/dasnordismagazin


6

Unterwegs auf alten Pfaden

Was in Nordspanien Santiago de Compostela ist, das war der

Nidarosdom in Trondheim für die Nordländer: ein beliebtes Pilgerziel.

Eine mögliche Route zum dort aufgebahrten Schrein Olav des

Heiligen führte vom Westufer des Vänern mitten durch Dalsland –

und kann heute wieder begangen werden.

24

Aktivurlaub in Djursland

Der Nationalpark Mols Bjerge gehört zu

Dänemarks schönsten Wanderregionen –

und die Halbinsel Djursland in Ostjütland

zu den schönsten Ferienregionen für Aktive

und Familien.

28

Tatort Skandinavien

Acht Tage, drei Großstädte und einige Abstecher in die

schwedische Natur. Per Bus, Zug, Fähre und größtenteils auf

Schusters Rappen folgen wir skandinavischen Krimi-Bestsellerautoren

zu den Schauplätzen ihrer fiktiven Verbrechen.

34

FahrradSpezial: Zwischen Genussurlaub

und sportlicher Höchstleistung

Das Fahrrad ist das ideale Verkehrsmittel, um in der abwechslungsreichen

Natur der Ålandinseln auf Erkundungstour zu gehen. Andernorts,

bei Radrennen am Vättern oder entlang der norwegischen

Küste, tritt man mit sportlichem Ehrgeiz in die Pedale.

48

Gletscher

trifft Vulkan

Seit seinem Ausbruch ist der

Name Eyjafjallajökull überall

bekannt. Doch was machen

Gletscher und Vulkan heute?

Und wie sieht es rund um

den Krater aus? Eine Gruppe

Wanderer machte sich

auf die Suche.

60

Neues Bauen in Schweden

Hammarby Sjöstad, eine neue Wohnsiedlung am Rande

der Stockholmer Innenstadt, lockt Besucher aus der ganzen

Welt an. Allerdings keine Touristen auf Sightseeingtour,

sondern Architekten und Stadtplaner, die sich von neuen

Baukonzepten inspirieren lassen wollen.

52

Königsweg durchs Fjell

Hohe Gipfel und tiefe Täler trennen das Fjordland vom Gudbrandsdal

ab. Der Weg zwischen Oslo und Bergen wurde vor gut

zwei Jahrhunderten für Reisende geebnet. Die historische Verbindung

hat man nun für Wanderer und Radfahrer wiederbelebt.

70

Konzertreise

nach Europa

Das Finnische Radio-Sinfonie-

Orchester feiert in dieser

Saison nicht nur seinen 90.

Geburtstag, sondern geht

auch auf große Europa-Tournee.

Nur wenige Stunden

vor dem Konzert zum 100.

Finnischen Nationalfeiertag

stand Chefdirigent Hannu

Lintu Rede und Antwort.

4 Nordis


Inhalt

3 Editorial

6 Titelgeschichte

Zur Quelle des Heiligen Nils

Auf dem Pilgerweg durch Dalsland

14 Reiseservice

Leserreise Fjord Line

reise

20 Die Mütze auf dem Kopf und das Sektglas in der Hand

»Hauskaa vappua« – einen schönen 1. Mai

24 Ein Nationalpark als Garten

Aktivurlaub an der dänischen Ostsee

28 Hochspannung im Hochsommer

Eine literarische Wanderreise zu den »Tatorten« beliebter Skandinavien-Krimis

fahrradspezial

34 Zwischen den Welten

Die Ålandinseln zwischen Schweden und Finnland

38 Die Vätternrundan

Herausforderung und Mythos

40 Zwischen Wadenkrämpfen und Glücksgefühlen

Nordis tritt beim Nordsjørittet in die Pedale

42 »Glædelig påske«

Dänische Ostertraditionen mit Gækkebrev, Schnaps und Senfeiern

oUtdoor

44 Neue Outdoorprodukte

46 Noch ganz dicht?

Outdoorpraxis: Wasserdichte Ausrüstung

48 Eis & Heiß

Wandern zwischen Gletschern und Vulkanen

52 Auf dem Königsweg über das Filefjell

Norwegens erste Ost-West-Verbindung

58 Mehr als Mathe und Englisch

Besuch im Outdoor College im norwegischen Sirdal

reportage

60 Neues Bauen braucht das Land

Hammarby Sjöstad

highländer

aktiv. reisen.

Norwegen

Schweden

Finnland

Baltikum

Irland

England

Schottland

nordeuropa Aktuell

62 Kolumne/Suzannes Wortreich

64 Fünf Fragen an …

Peter Naderman, Medienexperte und Spielfilmproduzent

wirtschaft

66 Schwedens scharfe Klingen

Made in Sweden: Morakniv

68 Wirtschaftsnews

nordsport

69 »Hu! – Hu! – Hu!!!«

Island erobert die Fußballwelt

kUltur & Leben

70 »Diese Konzertreise ist völlig verrückt«

Das Finnische Radio-Sinfonie-Orchester auf Europa-Tournee

72 Bildung auf die Barrikade!

Interview mit Thomas Steinfeld und Per Svensson

74 Kulturszene: Romane, CDs, Sachbücher, DVDs

76 TV-Vorschau

77 Veranstaltungen

78 Kulturszene

79 Leserforum/Rætsel

80 Zeitzeichen: 200. Geburtstag von Aasmund Olavsson Vinje

82 Vorschau/Impressum

Titelfoto:

© Adobe Stock | scharfsinn86

JETZT VORFREUDE BUCHEN

SEIT 25 JAHREN IHR

SPEZIALIST FÜR

GEFÜHRTE NATUR- &

KULTURWANDERREISEN

IN NORDEUROPA

INFOS, KATALOG & BUCHUNG

Web www.highlaender.de

E-Mail info@highlaender.de

Telefon +49 (0) 221 - 760 99 70


Reise

Auf dem Pilgerweg durch Dalsland

Zur Quelle

des Heiligen Nils

Der Pilgrimsleden verläuft vor

allem auf einsamen Waldwegen

und wenig befahrenen

Schotterstraßen.

6 Nordis


Pilgern – das war früher wichtig fürs Seelenheil. Was für die Menschen in der Mitte und

im Süden Europas Santiago de Compostela mit dem Grab des Apostels Jakobus war,

war der Nidarosdom im heutigen Trondheim für die Nordländer. 500 Jahre lang – von

der Mitte des 11. Jahrhunderts bis etwa 1550 – war das imposante Gotteshaus mit dem

Schrein Olafs des Heiligen – der als König Olav Haraldson 1030 in der Schlacht bei

Stiklestad gefallen war – das Ziel der beschwerlichen Reise. Eine der Pilgerrouten führte

vom Westufer des Vänern mitten durch Dalsland – und kann heute wieder begangen werden.

TEXT & FOTOS: THOMAS KRÄMER

Nordis 7


REISE

der Pilgrimsleden ist

bestens ausgeschildert.

Man folgt blauen wegweisern

...

egal ob man pilgert oder »nur« wandert.

Die Seele dankt's einem auch

heute noch. Schließlich kommt der

Geist zur Ruhe und der Körper zum Einsatz.

Noch dazu in einer solch hügeligen

und dünn besiedelten Ecke wie dem schwedischen

Dalsland, durch das der »Pilgrimsleden«

führt. Das Santiago de Compostela

Nordeuropas heißt Nidaros – »und dorthin

führen eine ganze Reihe von Pilgerwegen«,

sagt die Gastronomin Kerstin Söderlund,

»und einer eben auch vor meiner Haustüre

vorbei«. Olavsleden heißen diese Pfade im

Gegensatz zum südlichen Pendant, das

nicht nach dem norwegischen König Olav

Haraldson benannt ist, sondern nach dem

Apostel Jakobus.

Kerstin Söderlund sitzt am Tisch mit einem

Kaffee und einer Kanelbulle in der Hand.

Sie betreibt nicht nur das Hotel und Café

Upperud 9:9 – einst ein Getreidesilo –, sondern

kennt sich auch mit dem Pilgrimsleden

aus. Schließlich war sie als Projektleiterin

mit dafür verantwortlich, dass die an

ihrem Hotel vorbeiführende historische

Verbindung wiederbelebt wurde. Die Pilgerwege

wurden, wie sie erzählt, nur selten

freiwillig begangen. »Die Pilgerwanderung

war meist eine Strafe und hatte das Ziel, im

Dom im heutigen Trondheim eine Pilgermarke

zu bekommen«, erzählt sie. Buße

Schritt für Schritt sozusagen. Doch ab Mitte

des 16. Jahrhunderts wuchs Gras über die

Wege, auf denen über Jahrhunderte hinweg

die Gläubigen unterwegs gewesen waren.

»Schweden wurde unter König Gustav I.

Wasa reformiert, die alten Klöster wurden

zerstört und das Pilgern verboten«, sagt

Kerstin. In der Landschaft stoße man jedoch

immer noch auf jahrhundertealte Erinnerungen.

»Namen wie kors oder munk

zeugen von diesem Teil der Geschichte«,

ergänzt die Schwedin.

das wasser der

seen ist trinkbar.

WO SIND DIE PUNKTE?

Rund 15 Kilogramm habe ich auf dem Rücken,

als ich mich am Morgen von Kerstin

und Upperud 9:9 verabschiede. Mit von der

Partie ist an diesem Tag Gaby, die in Dalsland

wohnt und schon Teile des Wegs begangen

hat. »Die Strecke ist gut ausgeschildert«, hatte

Kerstin uns noch mit auf den Weg gegeben.

Nur an einer Stelle sollten wir genauer

schauen ... Ist aber erst einmal nicht notwendig.

Der Abzweig ein paar Hundert Meter

nördlich der Unterkunft von der kleinen Asphaltstraße

hinein in den Wald ist bestens

ausgeschildert. Und dann sind da noch die

regelmäßig angebrachten orangefarbenen

Punkte an Bäumen und Felsen, die für die

kommenden zwei Tage mein Begleiter sein

werden.

Schnell verschwindet das Sträßlein zischen

den Bäumen, auch von den wenigen rotweißen

Häuschen der kleinen Siedlung ganz

in der Nähe des berühmten Aquädukts von

Håverud ist bald nichts mehr zu sehen. Dafür

laufen wir jetzt durch ein Wäldchen mit

knorrigen Kiefern. In feuchten Senken rascheln

die Blätter der Birken im Wind, auf

... oder den

orangefarbenen

Markierungen

an den bäumen.

dalsland ist alles andere als flach. an

einigen stellen genießt man einen

tollen blick über wälder und seen.

8 Nordis


Willkommene Abkühlung in

einem der vielen Seen, die man

auf der Wanderung streift.

Morgendlicher

Blick aus dem

Zelt.

den Felsen krallen sich die Wurzeln von Kiefern

in die Gesteinsritzen. Und dort, wo

selbst das nicht mehr geht, bietet sich ein

toller Blick auf die waldbestandenen Hügel,

auf einige Seen – und sogar einen Steinbruch.

»Hier wird reiner und heller Quarzit

gewonnen«, erzählt mir meine ortskundige

Begleiterin.

»Genauer schauen.« An diese Worte erinnere

ich mich, als wir nach dem Abstieg von

einem Hügel nach einer orangefarbenen

Markierung suchen. Erst einmal vergeblich.

Der Fußweg hinein in den Wald verliert sich

zwischen Bäumen und Moos. Karte und

Kompass geben ganz klar die Richtung vor.

Doch die Peilung führt hinein ins Unterholz.

Also wieder zurück zur Weggabelung. Genauer

schauen. Tatsächlich haben wir einen

Abzweig übersehen – und den nächsten

orangefarbenen Punkt. Wie etliche Wanderer

vor uns, die den Irrweg noch deutlicher

in den weichen Untergrund gestapft haben.

Freiheit am See

Doch das sollte der einzige Verhauer der

Tour werden. Die verläuft herrlich unspektakulär

durch eine abwechslungsreiche Landschaft

– meist auf kleinen Pfaden, selten auf

geschotterten Waldwegen. Bald erreichen

wir einen herrlich an einem See gelegenen

Rastplatz, wo man auch prima in einer Hütte

übernachten konnte. Dafür ist es jedoch

deutlich zu früh. Doch die Mittagspause –

die kann man gut hier einlegen, zumal das

Kaffeewasser direkt aus dem See geholt wird.

Längst sind wir dem Rhythmus unserer

Schritte erlegen, die Gedanken schweifen

über die Wipfel hinweg in den Himmel und

wieder zurück auf die Erde, die von einer

immer niedriger stehenden Sonne beleuchtet

wird. Am Nordende des Djup-Sees ist ein

Übernachtungsplatz mit Unterstand in der

Karte eingezeichnet. Das würde prima passen,

habe ich doch die Hälfte der insgesamt

40 Kilometer langen Strecke nach Edsle skog

hinter mir. Hier in Högelund ist auch die Stelle,

wo Gaby sich in Richtung eines richtigen

Betts verabschieden wird, während ich mich

auf eine Nacht in der Natur freue. Doch es

bleibt ein Rätsel, warum der Rastplatz am

Hang aufgebaut wurde – ein ganzes Stück

entfernt von Frischwasser.

»Du wirst sicher ein schönes Plätzchen finden«,

sagt Gaby zum Abschied, bevor ich

von dem Sträßlein zu einem abgelegenen

Gehöft bei Högelund abbiege und wieder in

den Wald eintauche. Gerade einmal zwei Kilometer

entfernt ist in der Karte verheißungsvoll

ein Gewässer eingezeichnet. Bald steige

ich an Felsen vorbei einen steilen Abhang

hinunter und stehe in einer Art Canyon, dessen

Grund von Wasser bedeckt ist: der Rumpesjön.

Ein wildromantischer Anblick, der

allerdings mit dem Nachteil verbunden ist,

dass kein vernünftiger Platz für ein Zelt zu

entdecken ist. Und hier unten gibt es weder

Abend- noch Morgensonne. Also weiter –

zuerst steil hinauf und dann leicht abfallend

zum nächsten See. Am Holevattnet endet

meine Tagesetappe direkt am Ufer. Für mein

kleines und leichtes Zelt finde ich mit etwas

Mühe einen Platz im Wald direkt am Ufer.

Nicht ideal, aber ebene und trockene Flächen

sind rar: Wo es flach ist, ist es feucht,

und wo es trocken ist, ist der Boden uneben

und mit Bäumen gespickt.

Doch es passt. Das Zelt ist schnell aufgestellt.

Und nach einem erfrischenden Bad rauscht

der Kocher. Tütennahrung hat den unschätzbaren

Vorteil, rasch fertig zu sein. Und dreckiges

Geschirr, das man hinterher spülen

müsste (Stichwort: Tomatensoße und kaltes

Wasser), gibt es auch nicht. Schmecken tut

es außerdem – noch dazu mit Blick auf den

See, in dem sich die untergehende Sonne

spiegelt. Es sind Momente wie dieser, die

den Reiz von Mehrtagestouren ausmachen,

in denen das Gefühl von Freiheit sich breitmacht.

Finaler Anstieg

Kaffee und kaltes Wasser bringen den Körper

am nächsten Morgen in Gang. Rund 20

Kilometer liegen vor mir. Sie verlaufen auf

schmalen Pfaden und Fahrwegen, führen

durch dichten Wald oder an Weiden vorbei,

die an ein einsames Gehöft grenzen. »Pilgrimsleden?«,

fragt ein Mann, der seinen

Hund Gassi führt. Er selbst sei die Strecke

auch schon gewandert, ergänzt er und gibt

einen Kaffee aus. »Vor dir liegt ein schöner

Abschnitt am Tansjön entlang«, sagt er und

empfiehlt, die Mittagspause am dortigen,

ein paar Meter abseits des Weges liegenden

Rastplatz zu verbringen. »Da kann man

auch prima baden«. Die Chance nutze ich

gerne, schließlich ist es mittlerweile warm,

für schwedische Verhältnisse fast schon

heiß geworden.

Rund sieben Kilometer habe ich noch vor

mir. Das sollte bis zum späten Nachmittag

gut zu schaffen sein. Kurz vor Edsleskog

geht es noch einmal bergauf. Endspurt auf

einen Hügel, der sich als Endpunkt einer

Skianlage mit toller Aussicht auf den Ort

und den See Edslan entpuppt. Warum man

ausgerechnet hier oben eine Schutzhütte

für die Wanderer aufgestellt hat? Ohne

Wasser, dafür gerade einmal eine halbe

Stunde vom Ort entfernt ... Aber Skifahrer,

die sich aufwärmen wollen, dürften sich

über das schöne Plätzchen freuen.

Pfarrer wird Heiliger

Eine halbe Stunde später werfe ich den

Rucksack in mein Zimmer im Edsleskog

Wärdshus. Das kühle Bier gibt es in einer

Hollywood-Schaukel im Garten der Unterkunft

– mit Blick auf den See. Mehr

braucht es in einem solchen Moment

Fika! Ein guter Kocher

gehört nicht zuletzt deshalb

in den Rucksack.

Nordis 9


Reise

Aussichtsreicher Platz

am Ende der Tour im

Edsleskogs Wärdshus.

nicht. Dass ich auf einem Pilgerweg unterwegs

war, ist bis zu diesem Abend in

Edsleskog nicht zu bemerken gewesen.

Doch das ändert sich jetzt. Mithilfe eines

ausgewanderten Holländers. Johan Postma

lebt mit seiner Familie seit zehn

Jahren in Dalsland und betreibt das

Wirtshaus, an dem der Pilgrimsleden vorbeiführt

und das das Endziel meiner Wanderung

ist.

Johan nimmt mich mit zu einem nahe gelegenen

Friedhof und zu einer unscheinbaren

Quelle. Und erzählt. »Hier lebte

einst der Priester Nils«, sagt der Holländer.

Nach einem Gottesdienst seien zwei

betrunkene Männer zu ihm gekommen.

Ihre Forderung: Der Geistliche solle alle

Gottesdienstbesucher noch einmal zusammenrufen,

um die Heilige Messe erneut

zu feiern. Nicht möglich, habe Nils

gesagt, aber sie könnten ja am kommenden

Sonntag noch einmal kommen. Das

erzürnte die beiden Trunkenbolde so

sehr, dass sie den Gottesmann niederschlugen

– er starb. Am nächsten Tag

wurde er von den Dorfbewohnern gefunden.

»Dort, wo sein Leichnam lag, sprudelte

eine Quelle, die als Zeichen Gottes

gesehen wurde«, gibt Johan die Geschichte

wieder. Menschen, die deren Wasser

tranken, sollen von ihrem Leiden, von

Blindheit und Lahmheit erlöst worden

sein. »So zumindest der Mythos.« Nils

wurde posthum heiliggesprochen und in

Edsleskog eine Holzkirche gebaut – »die

größte in der Gegend«, wie Johan sagt.

Von der sind allerdings nur ein paar

Grundsteine auf dem Friedhof erhalten

geblieben.


Allgemeine Informationen

Dalsland: www.vastsverige.com. Auf der

Webseite findet man auch einen Link

zum Pilgerweg. Informieren kann man

sich auch auf https://visitsweden.de/

auf-dem-pilgerweg-durch-dalsland.

ANREISE

Wer mit dem eigenen Auto anreist,

kommt mit der Stena Line (www.stenaline.de)

bequem von Kiel nach Göteborg.

Von dort sind es noch gut zwei Stunden

(150 Kilometer) bis zum Ausgangspunkt

nach Upperud. Eine Alternative dazu ist

der Flug nach Göteborg und weiter mit

öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus bzw.

Zug).

WANDERUNG

Der Pilgerweg durch Dalsland ist 100

Kilometer lang. Die spannendste

Strecke führt jedoch von Upperud

nach Edsleskog. Dieses Teilstück ist

40 Kilometer lang und in zwei Tagen zu

schaffen. Entspannter ist es, wenn man

sich drei Tage Zeit nimmt und ein paar

Badepausen einlegt. Es gibt unterwegs

mehrere Rastplätze, die zum Teil herrlich

am See liegen (zum Beispiel Tansjön circa

zehn Kilometer südlich von Edsleskog).

Andere Übernachtungsplätze wie der auf

halber Strecke bei Högelund bzw. kurz

vor Edsleskog sind zwar neu eingerichtet,

allerdings nicht gerade idyllisch und

schon gar nicht in Wassernähe gelegen.

Mit einem Zelt ist man unabhängig, kann

auf das Jedermannsrecht bauen und

ausweichen, falls eine der Hütten belegt

ist. Der Weg ist für jeden geeignet, der

eine einigermaßen gute Kondition hat.

Allerdings sollte man das Vorhaben auch

nicht unterschätzen. Dalsland hat keine

hohen Gipfel, aber es geht ständig auf

und ab.

AUSRÜSTUNG

Auf der Strecke zwischen Upperud und

Edsleskog gibt es, wie oben beschrieben,

keine Unterkünfte. Deshalb gehören

zumindest ein Schlafsack, Isomatte und

Kochgeschirr in den Rucksack, eventuell

auch ein Zelt (in meinem Fall das extreme

Leichtgewicht Lofoten 2 von Nordisk).

Wasser kann man überall in den sauberen

Gewässern nachfüllen. Lebensmittel

muss man mitnehmen, da es unterwegs

keine Einkaufsmöglichkeiten gibt. Leichte

Wanderschuhe sind unbedingt empfehlenswert.

Ins Gepäck gehört neben

Regenschutz auch Badekleidung, da man

unterwegs einige Badeplätze passiert.

ÜBERNACHTUNG

Upperud 9:9

Upperud 9,

S-464 40 Åsensbruk

Tel. +46-707 49 87 79

info@upperud.se.

www.upperud.se

Edsleskogs Wärdshus

Timmerviken 134

S-66291 Edsleskog

Tel. +46-532 510 55

edsleskogswardshus@telia.com

www.edsleskogswardshus.se

PILGER-PAKET

Kerstin Söderlund von Upperud

9:9 bietet ein Wanderpaket an.

Im Preis ab 2.990 SEK pro Person

sind enthalten:

• 2 Übernachtungen (Upperud und

Edsleskog) im Doppelzimmer

(2 Personen)

• 2-mal Frühstück

• 2-mal warmes Abendessen

• Tourenbeschreibung

und Karte

• Rücktransport nach Upperud

Nordis-Tipp

Wer in der Gegend ist, sollte unbedingt

»Not Quite« in Fengersfors besuchen.

In der ehemaligen Eisenverarbeitungsanlage

und Papierfabrik ist heute ein

Kulturzentrum untergebracht, das von

Künstlern und Kunsthandwerkern in

Form einer Kooperative betrieben wird.

www.notquite.se

10 Nordis


NORDIS-TIPPS

Wanderliteratur nordeuropa

auch in Zeiten von onlinekartendiensten und gPs-navigation ist ein guter

reiseführer bei der Planung, vorbereitung und durchführung einer wanderung

eigentlich nicht wegzudenken. nordis hat eine auswahl an büchern

zum thema »wandern in nordeuropa« unter die lupe genommen.

ZUsaMMengestellt von stefanie becker

tiPP 1 – Der Wälzer

Nach dem Auftakt zur Region »Nordskandinavien« legt der Thomas-Kettler-Verlag nun mit einem ebenso

opulenten Nachschlagewerk zu Mittelnorwegen und Mittelschweden nach. Der Wanderführer »Mittelskandinavien«

versammelt mehr als 200 Wanderrouten in den Regionen Sylarna, Femundmarka & Rogen, Rondane,

Dovrefjell, Trollheimen, Nordmøre und Tafjordfjell. Genau wie sein Vorgänger sind die detailliert beschriebenen

Wege unterteilt in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade von »leicht« über »mäßig« bis hin zu »herausfordernd

« und »sehr anspruchsvoll«. Großformatige Übersichtskarten zu den Einzeletappen erleichtern die individuelle

Planung eigener Wandertouren. Farbig unterlegte Infokästen liefern außerdem Vorschläge für beliebte

Etappenkombinationen als Weitwanderweg. Zusätzlich bieten die sorgfältig zusammengestellten Informationen

zur Anreise, Übernachtung und dem richtigen Verhalten in der freien Natur eine gute Unterstützung bei der

Reisevorbereitung und Durchführung. Nordis-Fazit: Sowohl Wanderneulingen, als auch erfahrenen Outdoorurlaubern,

die neue Anregungen suchen, ist dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen.

Harri Ahonen: mittelskandinavien – Wanderwege.

thomas-Kettler-verlag, 21,5x21,5 cm, Hardcover, 361 S., 29,90 €.

tiPP 2 – Die HAnDliCHen

Was das »kleine Schwarze« für den Cocktailempfang ist, sind die »kleinen Gelben« aus dem Conrad Stein Verlag

für Wanderer. »Outdoor – der Weg ist das Ziel« heißen die handlichen und praktischen Wanderführer, die

es auch für zahlreiche Ziele in Skandinavien gibt. Immer gleich ist der Aufbau mit den wichtigsten Infos zu Land

und Leuten sowie praktischen Reisehinweisen. äußerst hilfreich sind die sachlichen und informativen Beschreibungen

der Wanderungen. Hier kann man schon im Vorfeld abschätzen, ob man der Tour gewachsen ist oder

sich lieber ein anderes Ziel sucht. Adressen erleichtern die Reiseplanung und Vorbereitung – so zum Beispiel

die Frage, ob man in einer Hütte übernachten kann oder besser das Zelt in den Rucksack steckt. Aufgrund

des geringen Gewichts und der genauen Tourenbeschreibung sollte man die Büchlein immer dabeihaben. Sie

leisten unterwegs sehr gute Dienste, sollten jedoch zumindest durch eine Karte und je nach Gebiet auch durch

ein GPS-Gerät ergänzt werden (Positionsdaten und GPS-Tracks als Download-Links werden in den Büchern

angegeben). Weitere aktuelle Titel findet man unter www.conrad-stein-verlag.de.

michael Hennemann: Schweden: Padjelantaleden. 1. Aufl. 2018, Conrad Stein verlag, 96 S., 9,90 €.

Sara Ann Danielsson: e1 Kautokeino – nordkap, 1. Aufl. 2017, Conrad Stein verlag, 128 S., 10,90 €.

tonia Körner: norwegen: Hardangervidda, 7. überarb. Auflage 2017, Conrad Stein verlag, 224 S. 14,90 €.

tiPP 3 – lofoten oDer lAPPlAnD?

Oder doch lieber durch Norwegens Süden? Ganz egal. Wer in Skandinavien wandern möchte, der ist mit den

kleinen roten Bändchen vom Bergverlag Rother bestens beraten. Sie passen in jede Jackentasche, kommen mit

nützlichen Angaben zu Land, Leuten und Sprache daher und liefern, was vor allem für Besitzer eines GPS-Gerätes

sehr praktisch ist, die zu den Routen passenden GPS-Tracks gleich als Downloadlink mit. Empfehlenswert

ist z.B. Andrea und Tobias Kostials Wanderführer zu den Lofoten und Vesterålen. 50 ausführliche Tourenbeschreibungen

und detailliertes Kartenmaterial mit genauen Höhenangaben erleichtern die Suche nach der geeigneten

Tour. Farbreiche Naturfotografien und Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten vor Ort komplettieren

das kompakte Wanderpaketchen. 2017 erschien außerdem in Neuauflage der Rother Wanderführer »Norwegen

Süd« mit 53 ausgewählten Fjord- und Bergwanderungen im südlichen Teil Norwegens zwischen Oslo,

Lillehammer und Bergen. Der Bergverlag hat noch eine ganze Reihe weiterer Titel (auch für Wanderregionen in

Dänemark, Island und Schweden) im Programm. Einfach mal stöbern unter www.rother.de.

Bernhard Pollmann: Wanderführer norwegen Süd. Bergverlag rother, 176 S., 12,99 €.

Andrea und tobias Kostial: Wanderführer lofoten und vesterålen. Bergverlag rother, 184 S., 14,90 €.

tiPP 4 – Der fJälleXPerte

Gemeinsam mit seiner Frau Miriam hat Christoph Schenk im vergangenen Jahr einen ganz persönlichen Wander-

und Radtourenführer zum Oviksfjäll veröffentlicht. Hier in der schwedischen Region Jämtland betreiben die

beiden den Ferienhof Galå Fjällgård mit Hütten, Campingplatz und Sommercafé. Als Urlaubsanbieter mit vielen

Gästen aus dem deutschsprachigen Raum haben sie seit vielen Jahren einen ansprechenden und kompakten

Wanderführer in deutscher Sprache vermisst und ihn schließlich selbst herausgebracht. Das 108 Seiten starke

Buch versammelt insgesamt 25 ausgewählte Wanderungen und 13 Mountainbike- und Radtouren im Oviksfäll.

Viele der Touren starten direkt am Ferienhof, andere wiederum sind mit Anfahrtsbeschreibungen versehen,

sodass man problemlos den Einstieg zur Strecke findet. Insgesamt ist vom halbstündigen Rundweg über leichte

Wanderungen bis zur mehrstündigen Tagestour für jeden Wandergeschmack etwas dabei. Detaillierte topografische

Karten, eine kleine Erläuterung schwedischer Begriffe, informative Tipps zur Region und vor allem

die gründlich vor Ort recherchierten Wegbeschreibungen machen den Wanderführer zu einem praktischen

Begleiter im jämtländischen Fjäll.

Christoph Schenk: oviksfjällen. Aktiv in Schweden. 108 S., 18 € inklusive versand nach Deutschland,

15 € im verkauf vor ort (www.fjallgard.com).


ZURÜCK ZUR NATUR!

DALSLAND

Nah, wunderschön und vielseitig!

DALSLAND ist nicht nur das seenreichste Gebiet

Schwedens, hier warten auch unberührte

Wälder, Berge, der 250 km lange Dalslandkanal

und die schöne Vänernseeküste auf dich.

Erholen, erleben, geniessen! Aktivurlaub für die

ganze Familie in Dalsland.

www.dalsland.com

Kanalfahrten mit

der M/S Storholmen

Erleben Sie den schönen Dalslandkanal

mit der M/S Storholmen. Halb- und Ganztagstouren,

Rundfahrten in Kombination

mit dem Schienenbus. Touren nach Fahrplan

von Mitte Juni bis Mitte August.

Restaurant an Bord.

M/S Storholmen

storholmen.com

+46 (0)705 410 633

DVVJ - Dalslands

Vergnügliches VerkehrsJuvel

Mit dem Zug oder der Draisine fahren Sie

gemütlich und stressfrei durch die schönsten

Ecken der Regionen Dalsland und

Värmland. Tipp: Rundfahrten mit Zug und

Passagierschiff auf dem Dalslandkanal!

DVVJ

dvvj.se

Bengtsfors +46 (0)531 52 68 01

Årjäng +46 (0)573 71 17 90

Foto Roger Borgelid


Willkommen auf dem Elchberg

Entdecken Sie Hunneberg und unser spannendes

Zentrum für Naturerlebnisse.

Begleiten Sie unsere deutschsprachigen

Naturführer auf Elch- und Bibersafari.

Erleben Sie Schwedens fantastische Natur

mit Kanu und Mountainbike.

Das Königliche Jagdmuseum,

Älgens berg

algensberg.com

+46 (0)521 27 00 40

B&B - Ferienhof am See Stora Lee

- Schöne Zimmer m. Frühstück u. Seeblick

- Fahrrad-, Kanu- und Kajakverleih

- Angelboote & Angelkarten. Wanderwege

- Kinderfreundlich. Familjäre Atmoshpäre

- Hofleben mit Tieren. Naturprodukte

- Ferienwohnung, Ferienhaus, kl. Zeltplatz

Genieß die Natur!

Villa Smile in Nössemark

villa-smile.com

+46 (0)702 980 455

Audiens z beim König

Besuch unsere 8 Elche in ihrem Waldgehege.

Erlebe den König der nordischen Wälder

aus allernächster Nähe und lerne mehr

über diese imposanten Tiere. Kom zu den

Fütterungen um 11, 13 und 15 Uhr.

Großer Shop mit Elchsouvenirs. Elch-Café.

18/6 - 26/8 täglich 11-17 Uhr. Willkommen!

Dalslands Moose Ranch

dalslandsmooseranch.se

+46 (0) 721 662 915

Wohnen in einem Getreidesilo

Upperud 9:9 bietet dir ein Wohnerlebnis

der besonderen Art. Willkommen in den

modernen, coolen Apartments dieses

ehemaligen Getreidesilos. Idyllische Lage

am Dalslandkanal und am 100 km langen

Wanderweg ”Pilgrimsleden“. Wanderpakete.

Info-Service für Wanderer.

Upperud 9:9

upperud.se

+46 (0)707 498 779

Natur pur mit dem Kanu

Wir arrangieren dein Traumabenteuer im

schönsten Seensystem Europas. Genieß

die Stille der Natur, unsere klaren Seen

und unberührten Wälder mit Silverlake in

Bengtsfors. Vermietung von Kanus, Kajaks

& Mountainbikes. Logis, Zeltplatz, Tourenplanung

& Pakete.

Silverlake Camp & Kanot

silverlake.se

+46 (0)531 121 73

Abschalten wie die Schweden

Nur du und die Natur um dich herum. Du

schläfst mit Blick in den Sternenhimmel ein

und wachst von den wärmenden Strahlen

der aufgehenden Sonne auf. Gönn dir das

einmalige Wohnerlebnis in einer der dalsländischen

72 Hour Cabins. Fast wie unter

freiem Himmel - nur bequemer!

The 72 Hour Cabin

72hcabin.com

#72hcabin


LESERREISE

Mit fjord line und

nordis in die region

stavanger

Fjorde uNd Meer

AB

norwegens öl-hauptstadt stavanger hat weit mehr zu bieten als das ölmuseum

und die pittoreske altstadt mit ihren weißen und bunten holzhäuschen. hier trifft

alte auf moderne achitektur, traditionskunst auf street art und alteingesessene cafés

auf eine junge und lebendige gastroszene. die stadt ist außerdem der perfekte gangspunkt, um die faszinierende natur, geschichte und kultur der fjordregion

auskennenzulernen.

599 € p. P.

DZ/DK (innen)

Zusammen mit Fjord Line bietet Nordis

allen Leserinnen und Lesern vom 27.

bis 30. September 2018 die Möglichkeit,

mit auf einen spannenden Kurztrip in

die Region Stavanger zu kommen.

uNSer reiSeprograMM

TAG 1, 27.9.: ANREISE

HAMBURG ZOB – HIRTSHALS

Individuelle Anreise bis Hamburg ZOB. Ab ca.

11:00 Uhr fahren wir von hier gemeinsam mit

dem Bus über die deutsch-dänische Grenze bis

nach Hirtshals. Hier legt der moderne Cruiseliner

der Fjord Line um 20:00 Uhr in Richtung Norwegen

ab. Freuen Sie sich auf Ihre Seereise mit einem

der neuen und komfortablen Schiffe der Fjord Line

und genießen Sie das Ambiente an Bord. Übernachtung

in der gewählten Kabinenkategorie.

TAG 2, 28.9.:

STAVANGER – HAUGESUND

Um 6:30 Uhr legt das Schiff in Stavanger an.

Nach der Ausschiffung fahren wir in nördlicher

Richtung zunächst nach Mortavika.

Von hier machen wir eine schöne Fährüberfahrt

nach Årsvågen. Auf der Europastraße

39 geht es weiter in die kleine hübsche Küstenstadt

Haugesund und weiter nach Avaldsnes

auf der Insel Karmøy, wo wir den Wikingerhof

besuchen. Er wurde anhand

archäologischer Funde aus Rogaland rekonstruiert

und besteht aus einem Langhaus,

einem Grubenhaus, einem Rundhaus sowie

einem Bootshaus. Hier wird man geradewegs

in die Zeit der Wikinger zurückversetzt!

Anschließend besteht die Möglichkeit

zu einem Abstecher in die kleine idyllische

Stadt von Skudeneshavn, eine richtige Perle.

Rückfahrt durch den neuen Tunnel nach Stavanger

zum Hotel, wo uns ein gemeinsames

Abendessen erwartet.

TAG 3, 29.9.: STAVANGER

Nach dem Frühstück im Hotel wartet eine

weitere Fjordtour auf uns – in nordöstlicher

Richtung. Wir fahren zunächst mit der Fähre

nach Tau. Danach besuchen wir die Glaskünstlerin

Astrid in ihrem Hof »Glasskjellaren«.

Anschließend geht es durch eine einmalig-schöne

Landschaft nach Årdal, wo wir

die alte Kirche von Årdal besichtigen werden.

Sie gehört zu den charakteristischsten

und schönsten Renaissancekirchen aus Holz

aus dem 17. Jahrhundert. Ehe wir zurück

nach Stavanger fahren, steht ein Besuch im

Lilland Brewery Hotel auf dem Programm.

Zurück in Stavanger ist es Zeit, wieder auf

der Fjord Line Fähre einzuschiffen. Um

20:00 Uhr ist Abfahrt mit der Fjord Line

nach Hirtshals. Übernachtung in der gewählten

Kabinenkategorie.

TAG 4, 30.9. HEIMREISE

HIRTSHALS – HAMBURG ZOB

Ein letztes Mal schlemmen wir am Frühstücksbüfett,

bevor das Schiff um 8:00 Uhr in

Hirtshals anlegt und wir die Heimreise nach

Hamburg antreten. Individuelle Weiterreise

ab Hamburg ZOB.


14 Nordis

Foto: © Espen Gees, Fjord Line

inKlUSiv-leiStUngen

• Fahrt im Komfortreisebus

ab/bis Hamburg

• 1 x Übernachtung in 2-Bettkabinen

(innen) mit DU/WC auf der Fjord Line

von Hirtshals nach Stavanger

• 1 x Abendessen (Commander

Büffet-Restaurant) Hinfahrt

• 1 x Übernachtung mit Frühstücksbüfett

in 2-Bettkabinen (innen) mit

DU/WC auf der Fjord Line von

Stavanger nach Hirtshals

• 1 x Übernachtung mit Halbpension

im guten Mittelklassehotel, alle

Zimmer mit DU/WC

• alle innernorwegischen Fährpassagen

lt. Programm

• Mittagessen/Imbiss während den

Ausflüge am 2. und 3. Tag (Raum

Haugesund & Raum Tau)

• Eintritt Wikingerhof Avaldsnes

• Eintritt »Glasskjellaren«

Nordis-Reisebegleitung durch

Jörn Backhaus

fAKUltAtive leiStUngen

• Frühstücksbüfett Fjord Line Hinfahrt 19 €

• Abendbüffet Fjord Line (Rückfahrt) 43€

KABinen-zUSCHläge P. P.

• Doppelkabine außen 13 €

• Einzelzimmer/ Einzelkabine innen 158 €

• Einzelzimmer/ Einzelkabine außen 184 €

Veranstalter dieser Reise ist die Firma

TravelTraders in Norwegen. Buchung und

Information bei Travel Traders

(www.traveltraders.eu/nordisleserreise)

per E-Mail booking@traveltraders.eu

oder telefonisch unter +49-531 1238 113.

Stichwort: »Fjord Line-Leserreise«.

(Judith Rischbieter, Thor Gjerde –

Travel Traders).

Mindestteilnehmerzahl: 25 Personen


Ökologische Bauweise & individuelle Raumkonzepte

KfW förderfähig, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Ihr Ansprechpartner:

Frank Schöbel | fon: 030 649 27 25

boreal-haus

AKOST GmbH | Kalübber Str. 1 | 17039 Zirzow | www.akost-hausbau.de

set geo-aktiv | Anzeige: NORDIS Reisemagazin | 87 x 61 mm, 4c

Island, Grönland,

Färöer und Spitzbergen

Individuelle Reiseplanung und Gruppenreisen

Zeit für Individualität. +49 (0) 8502 9 17 17 80 oder www.set-geo-aktiv.de

Grövelsjöfjällen – schwedischnorwegisches

Grenzland

Im nördlichsten Dalarna in Schweden und in

der östlichen Femundsmark in Norwegen

finden Sie mehr als 2.000 Quadratkilometer

geschützte Natur. Ein leicht zugängliches

und weitläufiges Gebirge, uralte Wälder,

glitzernde Seen und Wandermöglichkeiten

liegen direkt vor der Haustür.

Eine Vielzahl markierter Wanderwege, auf denen

man immer wieder Rentiere trifft, ungeahnte Paddelund

Angelmöglichkeiten, organisierte Aktivitäten sowie

eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten und Tourentipps

machen Ihren Urlaub zu etwas Besonderem.

Lassen Sie sich kulinarisch verwöhnen und genießen

Sie Ihren Aufenthalt in den gemütlichen Unterkünften.

Besuchen Sie unsere Webseite auf

www.grovelsjon.com für weitere Informationen

oder schreiben Sie ein E-Mail an info@grovelsjon.com.

Nordis 15


REISESERVICE

Norwegen · Schweden · Dänemark · Finnland · Island · Färöer · Åland · Grönland

Foto: © Gåla Fjällgård

Fjällwandern im

schwedischen Jämtland

Schweden In wilder und einsamer Landschaft mitten in

Jämtland bietet der familiengeführte Ferienhof Galå Fjällgård mit seinen

Blockhäusern Urlaub abseits des Massentourismus. Die Hauptaktivitäten

im Sommer sind unterschiedliche Wanderungen in den Wäldern und Berggebieten

des Oviksfjälls, das mit dem Hundshögen auf 1.372 m Höhe ein

wunderbares Gipfelziel mit Weitblick zu bieten hat. Weitere Aktivitäten

sind im Sommer Angeln und die Vermietung von Kanu und Mountainbikes.

Für gemütliche Abende sorgt das Lagerfeuer in der Grillhütte. Für

Kinder steht ein eigener Spielplatz zur Verfügung. Unbeschwerte und erholsame

Urlaubstage im modernen Blockhaus stehen auf dem Hof im Fokus.

Campinggäste mit Wohnmobil oder Wohnwagen finden auf ihrer

Rundreise durch Schweden auf dem Galå Fjällgård einen idyllischen Campingplatz

mit neugebautem Servicehaus. Die Anlage umgibt ein unberührter,

uriger Wald, den man auf hauseigenen Pfaden erkunden kann. Ihre

langjährigen Erfahrungen hat die aus Deutschland ausgewanderte Familie

in Buchform im Wander- und Aktivführer »Oviksfjällen – Aktiv in Schweden«

gebündelt. Er stellt 25 ausgewählte Wanderungen und 12 MTB-Touren

mit vielen Bildern und ansprechendem Kartenmaterial vor (siehe Nordis-Wanderbuchtipps

auf Seite 11). Weitere Informationen finden sich auf

www.gala-fjallgard.com oder auf Facebook: »galafjallgard«. (red)

Auf Schusters Rappen ins Fjäll: Rund um den Ferienhof Gåla

Fjällgård wird dieser Urlaubstraum schnell Wirklichkeit.

Wandern in den Westfjorden Islands

Island Die Westfjorde sind die abgelegenste Region Islands.

Auf Rundreisen wegen der enormen Straßenentfernungen meist »links liegen

gelassen«, hat sich hier eine Welt erhalten, die ursprünglicher und geologisch

älter ist als in den meisten anderen Teilen der Insel. Mächtige Basaltplateaus

und tief eingeschnittene Fjorde prägen das Bild. Auf der

15-tägigen Rundreise mit contrastravel kann man die Landschaft und die

jahrhundertealte Tradition der Region in kleiner Runde (max. 8 Teilnehmer)

intensiv und mit der nötigen Ruhe kennenlernen. Im Fokus stehen

leichte und mittelschwere Wanderungen mit Tagesgepäck, u.a. zu imposanten

Steilküsten mit den größten Vogelkolonien im Nordatlantik. Mancherorts

bieten sich optionale Ausflugsmöglichkeiten (Paddeltouren/Bootsausflüge)

an. Darüber hinaus stehen auch Badeerlebnisse in kleinen Bädern

und Hot Pots auf dem Programm. (Badehose/-anzug nicht vergessen!). Zur

Übernachtung werden ausgesuchte, familiäre Gäste- und Ferienhäuser angesteuert.

In der Regel wird in Mehrbettzimmern im eigenen Schlafsack

übernachtet und gemeinsam gekocht. Die Tagesverpflegung (Mittag/Picknick)

kauft jeder Teilnehmer für sich selbst während der Einkaufsgelegenheiten.

Eine Ausnahme ist die Übernachtung im Gästehaus Djúpavík in der

Strandir-Region (Tag 11–13). Hier warten Doppelzimmer mit gemachten

Betten und die gute Küche der Gastgeber auf die Reisenden. Die An- und

Mit dem Seekajak geht es am Hardangerfjord auf naturnahe

Entdeckungstour.

Mit dem Seekajak auf dem

Hardangerfjord

NORWEGEN Blaues Fjordwasser, steile Felswände und atemberaubende

Panoramen machen den Hardangerfjord und seine kleineren

»Brüder zu einem faszinierenden Erlebnis. Ein ideales Fortbewegungsmittel,

um die Fjorde zu erkunden und im Urlaub zu entschleunigen, sind

Kajaks. Auf der 15-tägigen Seekajaktour mit Club Aktiv erkunden die Teilnehmer

die Fjordnatur in moderaten Tagesetappen. Zwischendurch locken

einladende Rast- und Übernachtungsplätze. »Wir wollten Fjorde pur! …

und die haben wir bekommen«, begeistert sich Guide Andreas nach der

ersten Erkundungstour. Club Aktiv bietet die Gruppenreise von Juni bis

August 2018 zu vier verschiedenen Terminen an (3.6.–7.7.| 5.7.–19.7.|

17.7.–31.7.| 29.7.–12.8.). Dank eines sorgfältigen Einweisungskurses ins

Seekajakfahren am ersten Reisetag, ist die Tour auch für Personen geeignet,

die noch keine Paddelerfahrung besitzen. Anschließend wird das Gepäck

wasserdicht verstaut und losgepaddelt. Ringsherum steile Felswände, geradeaus

der Fjord: So nah wie hier kommen Reisende der Natur nur selten.

Wer hoch hinaus will, kann optional eine Gletscherwanderung zum Folgefonna

unternehmen. Norwegens drittgrößter Festlandsgletscher, liegt auf

einer Höhe von 1.662 m direkt am Hardangerfjord. Im Reisepreis (1.598 €)

inbegriffen sind neben der kompletten Boots- und Tourenausrüstung und

der Begleitung durch einen kajakerfahrenen, deutschsprachigen Guide

auch die Bahnanreise ab Hamburg zur Fähre und die Fährfahrt Hirtshals –

Bergen – Hirtshals mit Fjord Line. Weitere Informationen und Buchung

unter www.club-aktiv.de/seekajak-hardangerfjord. (red/sb)

Spektakuläre Steilküsten und atemberaubende Fjordlandschaften

machen die Westfjorde zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Abreise und die Transfers zwischen den Unterkünften erfolgt mit einem

Allrad-Minibus, der von der islanderfahrenen Reiseleitung gefahren wird,

die die gesamte Tour begleitet. Die Reise inkl. Hin-/Rückflug nach Keflavík

ab Frankfurt a.M. (andere Flughäfen auf Anfrage) kann ab 3.390 € unter

www.contrastravel.com gebucht werden. (red/sb)

Foto: © Club Aktiv, Lutz Müller

Foto: © contrastravel

16 Nordis


Nehmen Sie den Zug und

entdecken Sie Schweden.

Und so vieles mehr.

Reisen Sie mit SJ von den ausgedehnten

Ebenen im Süden, durch die tiefen Wälder,

zu den Städten und Dörfern und weiter

hinauf in die unberührten Berge und Weiten

des Nordens. Mit dem Zug erleben Sie all

das Schöne des Landes.

Weitere Informationen unter www.sj.se/english

Oslo

Kunst und

Architektur

Jämtland

Aktivitäten und

Entspannung

Stockholm

Geschichte

und pulsierende

Großstadt

Lappland

Mitternachtssonne

und

Polarlicht

Göteborg

Meer und Kultur

Swedish Railways

Kopenhagen

Gastronomie

und Design

5063_SJ_Visit_Sweden_utlandsann_178x128_TY_NordisMagasin.indd 1 2015-11-09 09:46

Reif für die Inseln?

Auszeit auf Åland

Von Kapellskär oder Naantali

nach Langnäs

ab 39 €

2 Pers., PKW & Büfett an Bord*

Jetzt buchen: finnlines.de/nordis oder Tel. 0451/1507-443

* Preisbsp. einfache Fahrt/Morgenabfahrt für 2 Pers., PKW bis max. 6 m Länge und eine Mahlzeit im Büfettrestaurant

im Zeitraum bis 19.6. & 13.8.-30.9.2018. Begrenzte Verfügbarkeit. Alle Konditionen unter finnlines.

de/nordis Finnlines Deutschland GmbH, Einsiedelstr. 43-45, 23554 Lübeck, Geschäftsführer: Uwe Bakosch

Nordis 17


REISESERVICE

Norwegen · Schweden · Dänemark · Finnland · Island · Färöer · Åland · Grönland

Reiseplanung mit Schweden-Camper

Schweden Was als kleine Facebook-Fangruppe begann

(»Schwedencamper«) hat sich zu einer individuellen, aber wachsenden

Gemeinschaft campingbegeisterter Schwedenurlauber entwickelt.

Die Webseite, die aus dem anfänglichen Ideen- und Reisetipps-Austausch

entstand, versammelt einige persönliche Erfahrungsberichte

und Empfehlungen für schwedische Campingplätze. Außerdem hat

das 2-Personen-Startup seit Kurzem auch eine eigene Rabattkarte im

Angebot: die Schwedencampercard (SCC). Auf mittlerweile 37 schwedischen

Campingplätzen bekommen Kartenbesitzer auch in der

Hauptsaison zwischen 5–20 Prozent Rabatt. Weitere Rabattkooperationen

sind in der Planung. Erhältlich ist die Karte im Onlineshop der

Webseite unter www.schweden-camper.de, über info@schwedencamper.de

oder über die Facebook-Seite der Betreiber. Einführungspreis:

5 € inkl. Porto (ab dem 1.5.18: 7,99 €). (sb)

In den modernen und freundlichen Zimmern des neurenovierten

Hotels fühlt man sich als Gast gleich wie zuhause.

Foto: © Park Alandia Hotel

Nordis-Produkttipp

Schwedischer Wellness-Urlaub

im heimischen Garten

Wer schon einmal in den Genuss der skandinavischen Hot Tub-Tradition

gekommen ist, der weiß, es gibt nahezu nichts Wohltuenderes als

das heiße Bad im hölzernen Zuber. Besonders bei frischen, nicht zu

warmen Außentemperaturen verspricht so eine Badesession pure Entspannung,

egal ob dabei die Wintersonne im Schnee glitzert oder die

Sterne am Frühlingshimmel funkeln. Während das Feuer leise knistert,

kann man im wohligwarmen Wasser den Alltagsstress entspannt

hinter sich lassen. Um sich den Traum von der eigenen heimischen

Wellness-Oase zu erfüllen, muss man nicht bis nach Norden reisen.

Qualitativ hochwertige Hot Tubs in unterschiedlicher Größe und Ausstattung

hat das schwedische Unternehmen Skargards im Angebot.

Der »Skargards Rojal«, ein hölzernes Badefass mit integriertem Zirkulationsofen

aus Edelstahl und selbstreinigender Wanne aus glasfaserverstärktem

Kunststoff ist nicht nur optisch ein wahrer Blickfang. Es

überzeugt durch seine ergonomische Form und bietet je nach Modell

5–7 oder 8–10 Personen bequem Platz. Darüber hinaus gibt es einen

erhöhten Sitz, der von Kindern oder alternativ einfach als Armlehne

benutzt werden kann. Bei der Herstellung legt Skargards auf die Verwendung

hochwertiger und umweltzertifizierter Materialien ebenso

viel wert, wie auf die Witterungsbeständigkeit und Langlebigkeit des

fertigen Produkts. Mit verschiedenen Zubehören, wie z.B. einer Unterwasserbeleuchtung,

einer isolierenden Abdeckung oder einem

Sprudelsystem, kann man das Modell außerdem nach eigenen Wünschen

erweitern. Und dank kostenfreier Lieferung und Montage innerhalb

Deutschlands stehen der Wellness-Oase im heimischen Garten

auch organisatorisch keine Hürden im Weg. Mehr Infos telefonisch

unter 0800 555 1500 oder online auf www.skargards.de.

Foto: © skargards.de

Frischer Wind im Park Alandia Hotel

Åland Das komfortable und familienfreundliche Park

Alandia Hotel auf Åland blickt inzwischen auf eine rund 50-jährige

Tradition zurück. Im Zentrum von Mariehamn an der prächtigen Norra

Esplanadgatan gelegen und knapp 15 Gehminuten von den Fährterminals

im Westhafen entfernt, sind es vom Hotel nur wenige

Schritte zu den Geschäften, Cafés und Restaurants der Inselhauptstadt.

Auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, das Einkaufszentrum

und der beliebte Wasserpark Mariebad liegen in Fußreichweite.

Nachdem Zaida und Jesper Blomsterlund das Hotel im März 2016

übernahmen, wurden bereits die Bar und ein Großteil der Zimmer

frisch renoviert. Weitere 45 Zimmer, drei Suiten, die Lobby, drei

große Konferenzräume und das Restaurant werden im Mai 2018 fertiggestellt

sein. Dabei wird auf lokale Bezüge Wert gelegt. So sind die

mit Dusche/WC, Radio, TV, und kostenlosem Wi-Fi ausgestatteten

Zimmer modern und ansprechend in den Inselfarben Blau, Grau,

Grün und Beige gestaltet und mit großformatigen Fotografien aus der

Inselwelt dekoriert. Restaurant und Bar bieten neben regionalem Bier,

Getränken und Speisen mittwochs bis samstags ein buntes Unterhaltungsprogramm

mit lokalen Musikern und Bands. Zimmerpreise inkl.

reichhaltigem Frühstücksbüfett ab ca. 106–156 € p.P. im DZ. Infos

und Buchung unter www.parkalandiahotel.com/en, telefonisch

unter +358-18 14130 oder per E-Mail an info@parkalandia.com. (red/sb)

Von München und Hamburg nach Bergen

NORWEGEN Die norwegische Fluggesellschaft Widerøe

startet ab Mitte August 2018 zwei ganzjährige Direktflugverbindungen

von Hamburg und München nach Bergen. Die westnorwegische

Stadt gilt als »Tor zu den Fjorden« und ist u.a. Ausgangshafen

der Hurtigruten-Fähren Richtung Kirkenes. Dreimal wöchentlich

wird der Widerøe-Jet von beiden deutschen Flughäfen mit Kurs

Nord Bergen abheben: montags, mittwochs und freitags jeweils

21:10 Uhr ab München (Flugzeit 2,20 h) und dienstags, donnerstags

und sonntags um 21:55 Uhr ab Hamburg (Flugzeit 1,35 h). Die

Rückflüge ab Bergen starten an den gleichen Reisetagen, nach

München jeweils um 17:50 Uhr, nach Hamburg um 19:40 Uhr.

Infos und Buchung unter

www.wideroe.no. (red/sb)

Auf beiden Strecken von

Deutschland nach Bergen

wird ein neuer Embraer E190-

E2 Jet zum Einsatz kommen.

Foto: © Widerøe AS

18 Nordis


Foto: Stein Lindseth Olsen/Anunatak AS

Foto: Svein Ulvund

Foto: Ole Walter Jacobsen

Europas spektakulärste Zugreisen

Norwegen mit der Bahn zu erkunden, ist ein unvergessliches

Urlaubserlebnis.

Das Land hat zahlreiche wunderschöne Zugstrecken

zu bieten. Zu den vier beeindruckend s­

ten Strecken gehören zweifellos die Rauma­, die

Bergen­, die Nordland­ und die Dovre­Bahn. Vor

dem Zugfenster ziehen mächtige Bergmassive,

Flusstäler, Wasserfälle, Seen, Gletscher und Fjorde

vorbei. Sie reisen durch charmante und ursprüngliche

ländliche Regionen. Aufgrund der großen

Höhenunterschiede können Sie auf einer einzigen

Zugfahrt sowohl Schnee und Gletscher als auch

saftig grüne Felder und Wiesen erleben.

Norwegische Züge sind bequem und umweltfreundlich.

Nehmen Sie einfach Platz, entspannen

Sie sich und genießen Sie die Landschaft.

Auf der Website der Norwegischen Staatsbahn

unter www.nsb.no/travel_inspiration finden

Sie Infomercials, in denen die Routen und

einzigartigen Reiseerlebnisse näher

vorgestellt werden.

Willkommen an Bord!

Weitere Informationen und Buchungen

nsb.no tel. + 47 815 00 888

Interessante Angebote und Minipreis-Tickets ab 249 NOK

Railpass-Angebote und beliebte Tourenpakete

Interrail.eu

railpasses

Fjordtours.com tel. + 47 815 68 222

Top-Nord.de tel. + 49 9163-9967 76

Norway-Team-Travel.de tel. + 49 30200-51 710

Agtraveltrend.ch tel. + 41 31 3501515

Glur.ch tel. + 41 61 2059494

Kontiki.ch tel. + 41 56 2036666

Gardermoen

Die Nordland-Bahn – Die Reise zur Mitternachtssonne

Die Dovre-Bahn – Die Reise ins Land der Trolle

Die Rauma-Bahn – Die landschaftlich schönste Zugreise

Die Bergen-Bahn – Die Reise zu den Fjorden

Europas

spektakulärste

Zugreisen


REISE

an vappu hat sie jeder auf

dem kopf: die weiße studentenmütze,

die Ylioppilaslakki.

vappu ist neben weihnachten

und Mittsommer

das wichtigste finnische

fest. an diesem tag feiert

man den anfang des frühlings,

vor allem aber sich

selbst. hauptakteure sind

studenten … aktuelle und

ehemalige.

teXt & fotos: rasso knoller

MÜTZE AUF, UM 18 UHR

Weil so viel getrunken wird, hat der Studentenverband

die Tradition, die von den

Studenten verlangt, der Havis Amanda

eine Mütze aufzusetzen, »modifi ziert« und

der »Realität angepasst«. Früher bekam die

Statue erst um Mitternacht die Ylioppilasdie

Mütze auf dem

kopf und das sektglas

in der hand

»hauSKaa Vappua« –

einen schönen 1. mai

havis amanda:

sobald die

Mütze sitzt, geht

die Party los.

sobald die Havis Amanda sauber ist,

geht die Party los. Eifrige Studenten

haben den nackten Körper der Dame

gewaschen und ihr dann eine weiße Studentenmütze,

die Ylioppilaslakki, auf den

Kopf gesetzt. So beginnen am Abend des

30. April die Vappufeierlichkeiten in Helsinki.

Vappu ist das fi nnische Frühlings- und vor

allem Studentenfest. Der 1. Mai ist der eigentliche

Tag des Festes, doch gefeiert wird

auch schon am Abend zuvor. Dann spielt

die Statue der Havis Amanda in der Nähe

des Hafens die wichtigste Rolle. Das Abbild

einer perfekt gebauten Frau wird gewaschen

und wenn die Holde blitzsauber ist,

setzt man ihr die Studentenmütze auf. Sitzt

die Mütze, knallen die Sektkorken. Denn

dann geht die Sause offi ziell los.

STUDENTENFEST SEIT 1870

Vappu feiern die Finnen seit dem Mittelalter.

Ein Fest der Studenten ist es jedoch erst

seit 1870. Damals hatten fi nnische Studenten

den Brauch aus Schweden mitgebracht.

Das will was heißen, denn normalerwiese

übernehmen Finnen nur ungern

etwas vom großen Nachbarn Schweden.

Die ersten Jahrzehnte feierte man meist im

privaten Rahmen und – sagen wir mal –

»zivilisiert«. Heutzutage ist Vappu aber ein

Fest, bei dem Party gemacht wird. Das jedenfalls

ist die jugendfreie Beschreibung

dessen, was an diesem Tag passiert. Genaugenommen

wird hemmungslos gesoffen.

Allerspätestens ab acht Uhr abends fi ndet

man in der gesamten Innenstadt von Helsinki

und vermutlich in ganz Finnland keine

nüchterne Seele. Dann lassen die

Finnen so richtig die Sau raus und verlieren

alle Zurückhaltung, die sie sonst auszeichnet.

In Wikipedia heißt es dazu in einem

nüchternen Ton, der dem Ereignis eigentlich

gar nicht angemessen ist: »Für viele

gehört der übermäßige Konsum alkoholischer

Getränke untrennbar zu Vappu.«

20 Nordis


lakki verpasst, doch da um diese Uhrzeit

kaum noch ein Student nüchtern war, hat

man das feierliche Ritual auf 18 Uhr vorverlegt.

In den alten Tagen haben die Studenten

die Statue zudem auch noch selbst

bestiegen – alkoholbedingt stürzte aber so

mancher am nackten Busen der Havis

Amanda ab. Blaue Flecke waren die Regel

und selbst von Knochenbrüchen wird berichtet.

Heute werden die Studenten, in

einem Gurt sitzend, von einem Kran auf

Kopfhöhe der Statue hochgezogen und setzen

der Schönheit aus Bronze dann die Studentenmütze

auf. Ganz ohne Absturzgefahr.

Die jüngste Veränderung des Brauches

um die Havis Amanda hat aber nichts mit

Alkohol zu tun. Während die Studenten

früher die Statue mit Waschmittel sauber

schrubbten, machen sie sich heute ohne

chemische Hilfsmittel ans Werk. Der mit

Schaum überlaufende Brunnen sah zwar

witzig aus, der Umwelt tat das Schaumbad

aber gar nicht gut.

Haalari und Ylioppilaslakki

Schon vor dem offiziellen Startschuss am

30. April um 18 Uhr ziehen die Studenten

durch die Stadt und bereiten sich durch

Trinken auf das abendliche Trinken vor.

Das klingt jetzt unlogisch? Nicht für

Finnen. Deren Sprache hat sogar ein eigenes

Wort dafür. Als »Suojakännit« bezeichnet

man es, wenn man sich durch übermäßigen

Alkoholkonsum auf ein Trinkgelage

vorbereitet – sich sozusagen in eine Art

Trinktrainingslager begibt. Praktisch, dass

alle Studenten an diesem Tag einen Haalari

tragen, einen Overall, der Mitteleuropäer

stark an die Arbeitskleidung eines Heizungsmonteurs

erinnert. Einen Vorteil hat

das Kleidungsstück. Es ist strapazierfähig

und nimmt es nicht weiter übel, wenn man

mal im Eifer des Gefechts einen gefüllten

Becher drüber ausschüttet. Ein Haalari ist

je nach Universität und Fakultät unterschiedlich

gefärbt – rot, grün, blau oder

auch mal schwarz oder weiß. Kenner der

finnischen Universitätsszene können allein

anhand des Overalls die Alma Mater des

Trägers ausmachen.

Am Abend des 30. April ist Helsinkis Innenstadt

voll feiernder Menschen. Niemand

ist unterwegs ohne eine Flasche in

der Hand zu halten, Bier für die Männer,

Sekt für die Frauen, Wein für die Kenner

und Schnaps für die ganz Harten. Weiß

man, dass es in Finnland normalerweise

verboten ist, Alkohol in der Öffentlichkeit

zu trinken, versteht man, dass an Vappu

nationaler Ausnahmezustand herrscht.

Hier kommt nochmals Wikipedia zu Wort,

wo das Schwarmwissen schreibt: »Die Ambiance

ist vergleichbar mit dem Ausnahmezustand

in Hochburgen der Fastnacht oder

Dicht an dicht. Im Gedränge

findet man ihn vielleicht – den

Vappuheila, den Vappuschatz.

Erste Frühlingsboten:

Blumenschmuck unter

der Studentenmütze.

Nordis 21


REISE

des Karnevals, den man im evangelisch-lutherischen

Finnland nicht kennt.«

Wer Glück hat, fi ndet an diesem Abend sogar

sein Vappuheila – den Vappuschatz; einen

Geliebten oder eine Geliebte, den oder

die man auf seiner Runde durch die Kneipen

kennenlernt. Mitunter ist die so gewonnene

Liebe aber nur von kurzer Dauer,

denn nach dem ausgeschlafenen Kater am

nächsten Morgen ist bei vielen die Erinnerung

an die Nacht ebenso verblasst wie die

an den Namen der neuen Bekanntschaft.

Es sind aber nicht nur Studenten von heute

unterwegs. An Vappu wird jeder Finne, der

einmal eine Universität besucht hat, wieder

zum Studenten. Jeder kramt an diesem

Tage seine Ylioppilaslakki hervor und trägt

sie auch zehn, zwanzig oder gar dreißig

Jahre nach Verlassen der Universität voller

Stolz. Manche Mützen sind nach all den

Jahren nicht mehr ganz blütenweiß. Denn

egal was ihnen während ihres langen Lebens

auch zustößt, waschen darf man sie

keinesfalls. Wie Auszeichnungen trägt man

daher Flecken und Gebrauchsspuren auf

der Mütze, beweisen sie doch, dass man

mit ihr schon einiges erlebt hat.

Musik zum 1. Mai –

akkordeonspieler im

kaivopuisto.

bunte latzhose:

an der farbe des

haalari erkennt man

die Universität.

PICKNICK IM PARK

Wer das Besäufnis am Vorabend einigermaßen

gut überstanden hat, spaziert, sofern er

in Helsinki lebt, am Morgen des 1. Mai

zum Kaivopuisto-Park hinaus. Die besten

Plätze, mit Rundblick über den Park, liegen

ganz oben beim Ursa-Observatorium. Wer

die ergattern will, muss früh aufstehen.

Schon ab sieben Uhr morgens breiten hier

die eingefl eischten Vappufans ihre Picknickdecken

aus. Der Profi kommt mit Tisch

und Stühlen, Regenschutz und vor allem

viel zu essen und trinken. Mancher richtet

sich sein Picknickareal gar ein wie das heimische

Wohnzimmer und verschönt es mit

Sofa, Teppich und sogar einem Kronleuchter.

Ein Platz vor dem Observatorium ist

gleichzeitig auch ein Logenplatz für den

Auftritt des Ylioppilaskunnan Laulajat – des

Männerchores der Helsinkier Universität.

Die stimmgewaltigen Herren begrüßen jedes

Jahr am Morgen des 1. Mai mit ihrem

Gesang den Frühling. Mit Musik geht es

dann den ganzen Tag weiter. Wer hat,

bringt sein Akkordeon mit. Oder zur Not

auch die Gitarre. Trink- und Studentenlieder

sind angesagt, auch Patriotisches

geht zwischendurch. Und immer wieder

Tango. Studentenchöre singen, -orchester

spielen. Blasmusik mag man auch in Finnland

gern.

HAUSKAA VAPPUA

Zurückhaltung oder gar Schüchternheit,

wie sie die Finnen sonst an den Tag legen,

ist an diesem Tag fehl am Platz. Schon ab

22 Nordis


Wie bei den meisten

Festen in Helsinki wird

auch an Vappu auf dem

Domplatz gefeiert.

zehn Uhr morgens wird der Platz knapp

im Kaivopuisto, Tausende und Abertausende

gut gelaunte Studentenmützenträger

machen es sich dann auf Picknickdecken,

Bänken und Stühlen gemütlich.

»Hauskaa vappua« – einen schönen 1.

Mai – wünscht man sich gegenseitig. Sogar

Wildfremden wird ein solcher Gruß

zugerufen, und man stößt mit ihnen auf

den Frühling an. Meist perlt Sekt in den

Gläsern, so mancher bleibt noch bei den

harten Sachen des Vortags, einige aber haben

inzwischen auf Sima umgestellt – das

traditionelle Getränk für diesen Feiertag,

das früher jede Familie selbst angesetzt

hat. Ein bisschen erinnert Sima, das Rosinen

und Zitronen enthält, an Met. Es enthält

allerdings nur wenig Alkohol und ist

somit fast schon zum Ausnüchtern geeignet.

Zum Sima wird Tippaleipä serviert,

eine Art Krapfen, der zu jedem gelungenen

Vappufest dazugehört.

Vappu ist das Frühlingsfest und manchmal

steigt das Thermometer wirklich in die

Nähe der 20-Grad-Marke. Mitunter verharrt

es aber trotzig knapp über dem Gefrierpunkt.

Den Finnen ist das egal. Mit

dem 1. Mai ist der Winter vertrieben, und

dann verbannen die Frauen ihre Strümpfe

in den Schrank und die Männer holen – so

vorhanden – das Cabrio aus der Garage.

Vom Wetter lässt sich in Finnland niemand

das Frühjahr verderben. •

Kaivopuisto: In

der Nähe des Ursa

Observatoriums

spielt die Musik.

Allgemeine Informationen

www.visitfinland.com

Anreise

Eine entspannte Einstimmung auf Vappu

ermöglicht die Anreise mit der Fähre.

Finnlines bietet ab Travemünde

Rundreisen (inkl. Vollpension) für weniger

als 100 Euro an.

www.finnlines.com

Nordis 23


Reise

Aktivurlaub an

der dänischen Ostsee

Ein Nationalpark

als Garten

Der Nationalpark Mols Bjerge gehört zu Dänemarks schönsten Wanderregionen –

und die Halbinsel Djursland in Ostjütland mit Stränden, dem historischen Ebeltoft

oder Attraktionen wie Kattegatcenter und Skandinavischem Tierpark zu den

schönsten Ferienregionen für Aktive und Familien.

Text & Foto: Christoph Schumann

Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Oder großes Glück. So wie Ole

Frederiksen. Manchmal kann

sich der Naturführer nicht entscheiden, in

welchem seiner beiden Gärten er seine wenige

Freizeit verbringen soll: rund ums Familienhaus

zwischen Blumen und Hecken

oder gleich gegenüber im Nationalpark?

Denn seit rund dreißig Jahren lebt der

Guide mit seiner Frau im kleinen Mühlendorf

Femmøller (dt., wörtlich: Fünfmühlen)

unweit von Ebeltoft auf der dänischen

Halbinsel Djursland. Mitten im Herzen

eines der schönsten Naturgebiete im Königreich.

»Es klingt wirklich manchmal versnobt,

wenn ich die Mols Bjerge meinen

Garten nenne«, lacht Frederiksen bei der

Begrüßung, »aber ich bin tatsächlich öfter

dort als in unseren Beeten.«

Sagt’s, und geht uns voraus die wenigen

Schritte über die schmale Sackgasse hinweg

und verschwindet im Unterholz. Der

Endsechziger führt uns zwischen niedrigen

Bäumen hindurch auf den schmalen »Italienske

Sti«. Stetig geht es hinauf, bis wir

eine Lichtung erreichen. Kurz hält der

durchtrainierte Frederiksen inne, um zu

erzählen: »Der Italienische Weg ist einer

der beliebtesten Wanderwege in Mols

Bjerge. Seinen Namen hat er nach der dänischen

Autorin Tania Blixen«. Die Nobelpreisträgerin

besuchte in den 1930er-Jahren

regelmäßig ihre hier lebende Schwester

Ellen Dahl – und verglich die reiche Natur

ihrer Heimat gern mit der großen Welt, die

sie auf ihren vielen Reisen kennengelernt

hatte. »Die engen Schluchten der Randmoräne,

auf der wir uns gerade bewegen, erinnerte

Blixen beispielsweise an den Gardasee«,

sagt Frederiksen. Auch das von den

Höhen immer wieder aufscheinende Blau

der Bucht Ebeltoft Vig kann einen südländischen

Charakter haben, besonders im

Sonnenlicht.

Hügel und Buchten

Die Vielfalt, mit der sich die Natur der

Mols Bjerge heute zeigt, ist das Ergebnis

der Arbeit von Eis und Wasser über Millionen

von Jahren. Am Ende der letzten Eiszeit

vor rund 18.000 Jahren kamen die

nordischen Gletscher genau im Gebiet des

jetzigen Nationalparks zum Stillstand. Gletscherzungen

schnitten sich ins Land und

bildeten so malerische Buchten wie Ebeltoft

Vig und Kalø Vig. Als sich das Eis zurückzog,

blieben rund um die Buchten

langgezogene Hügel zurück, darunter der

137 Meter hohe Agri Bavnehøj als höchster

Punkt. Gleichzeitig blieben große Eisblöcke

zurück und schmolzen nur langsam

ab. »Zurück blieben typische Rundsenken,

sogenannte Toteislöcher«, erklärt Frederiksen

auf dem Weg über eine Wiese, von der

der Blick weit bis hinüber zum Städtchen

Ebeltoft geht.

Schon zieht es den Naturguide weiter.

Querfeldein, sodass wir dem konditionsstarken,

pensionierten Berufssoldaten

kaum folgen können. Kurz stoppt Frederiksen

und zeigt auf eine dunkle Gummimatte:

»Biologiestudenten der Universität in

Aarhus untersuchen regelmäßig die Artenvielfalt

wie hier die Anzahl von Insekten«,

erläutert unser Begleiter. Ihr Feldlabor haben

die Wissenschaftler im »Molslaboratoriet«,

einem historischen Anwesen mitten

im Nationalpark und eine Schenkung von

Ellen Dahl an die Welt der Forschung. Sie

zählen auch Schmetterlinge, Seeadler oder

wilde Orchideen, die die spannenden Gegensätze

von Flora und Fauna ausmachen.

Auch kleine Galloway-Rinder und sogar

Wildpferde leben seit Kurzem wieder in

Mols Bjerge, die Wiesen- und Heideflächen

offen halten sollen.

Rundumblick auf Meer

und Aarhus

Rund zwei Stunden dauert unsere Wanderung

auf dem »Italienischen Weg«, die mit

einem Abstecher zum vielleicht schönsten

Aussichtspunkt der Mols Bjerge endet: Von

24 Nordis


Von den 127 Meter hohen Hügeln

Trehøje in den Mols Bjerge blickt

man auf Nationalpark und Meer.

Dutzende Wildpferde leben im

Nationalpark – durch Grasen

halten sie die Landschaft offen.

den drei Hügelgräbern Trehøje aus, die 127

Meter über dem Meer liegen, geht der

360°-Blick bei klarem Wetter von Ebeltoft

im Osten bis nach Aarhus, Dänemarks Europäischer

Kulturhauptstadt 2017, im Südwesten

über gleich vier Buchten: Ebeltoft

Vig, Knebel Vig, Begtrup Vig und Kalø Vig.

Bei der Frage nach der schönsten Jahreszeit

in »seinem« Garten Mols Bjerge muss Ole

Frederiksen nicht lange überlegen: »Der

Herbst mit seinem bunten Laub ist faszinierend.

Noch mehr mag ich aber den Frühling,

wenn bei uns die Blumen und besonders

die Buchen blühen«.

Djursland – einfach tierisch

Djurslands Tierwelt und die des Nordens

kommt man nur wenige Autominuten von

Trehøje entfernt ganz nahe. Im Skandinavisk

Dyrepark bei Kolind leben auf 45 Hektar

rund 20 Arten. »Angefangen haben wir

1994 mit heimischem Damwild«, sagt Sashia

Lindhøj Jakobsen uns auf dem Weg

zum Bärengehege. Die studierte Biologin

gehört seit acht Jahren zum Team der Tierpfleger,

das sich täglich um Elche, Rentiere,

Polarfüchse, Wölfe, Seeadler und Co. kümmert.

»Die größten Gehege haben unsere

Braun- und Eisbären«, so die 28-Jährige,

die ihre Abschlussarbeit über Zoobiologie

geschrieben hat und neugierigen Besu-

Das Dammwild

im Skandinavisk

Dyrepark kennt keine

Scheu vor Besuchern.

Biologin Sashia Lindhøj Jakobsen ist im Skandinavisk

Dyrepark für das Wohl der Tiere verantwortlich.

Nordis 25


Reise

Das alte Rathaus von Ebeltoft

gehört zu den bekanntesten

Gebäuden Dänemarks.

chern – die die weitläufigen Gehege des

Tierparks auf langen Brückenstegen überqueren

und so freien Blick haben – gern

mehr über Umwelt und Leben ihrer

Schützlinge erzählt. Beispielsweise über

Bruno, den größten der europäischen

Braunbären hier. »Mit 300 Kilogramm ist

Bruno ausgewachsen«, weiß Lindhøj. »Darum

glauben viele, dass sich Bären überwiegend

mit Fleisch ernähren. Aber dies

sind höchstens zehn oder zwanzig Prozent.

Dafür fressen sie aber bis zu zehn Kilo Gras

am Tag«.

Wer die dänische Unterwasserwelt kennenlernen

möchte, ist im Hafenort Grenaa

richtig. Im Kattegatcenter leben mehr als

250 Arten, von denen die meisten in der

Ostsee vorkommen. Im eineinhalb Millionen

Liter großen Oceanariet etwa tummeln

sich Schwärme von Dorsch, Hornhecht,

Butt oder Rochen. Auch fünf heimische

Haiarten wie Dorn- und Katzenhai fühlen

sich hinter der riesigen Acrylglasscheibe

wohl. Spektakulär und besonders bei kleinen

Besuchen beliebt ist aber das 550.000

Liter fassende Becken mit tropischen Haien

und einem Tunnel, in dem man den

schwimmenden Räubern ganz nah kommt.

Apropos ganz nah: Im Ozeanarium lassen

sich sogar Tauchgänge machen – wer ins

dänische »Meer« abtauchen möchte, wird

bei seinem Unterwassertrip begleitet von

einem Tauchlehrer des Centers – unmittelbarer

erlebt man die nordische Unterwasserwelt

wohl nur beim Tauchen vor der

Küste selbst.

Kultureller Ausgleich

Doch Djursland wäre nicht Djursland ohne

einen Abstecher nach Ebeltoft. Der kleine

Ort an der gleichnamigen Bucht steckt voller

Postkartenmotive in seiner nostalgischen

Altstadt. Rund um das geduckte,

rote Rathaus, das Gamle Rådhus, winden

sich mittelalterliche Gassen mit Kopfsteinpflaster,

an denen Fachwerkhäuser mit

Stockrosen stehen. Wäre es nicht kitschig,

müsste man zugeben: Ebeltoft ist Idylle

pur. Kein Wunder, dass der Rundgang mit

den Nachtwächtern, die abends singend

ihre Runden drehen, im Sommer oft von

Dutzenden Touristen begleitet wird.

Zwei nationale Attraktionen sollte man

beim Besuch in Ebeltoft übrigens auf keinen

Fall verpassen. Zum einen das Glasmuseum

am Hafen, das neben seiner festen

Sammlung jedes Jahr sehenswerte Einzelund

Gruppenausstellungen mit moderner

Glaskunst aus dem In- und Ausland zeigt.

Im stillen Garten des Museums liegt auch

eine Glasbläserei, in der kleine und große

Mit ihrem abendlichen

Rundgang halten

die Nachtwächter

in Ebeltoft eine alte

Tradition lebendig.

Glasfreunde den KunsthandwerkerInnen

bei ihrer im wahrsten Sinn des Wortes heißer

Arbeit über die Schulter schauen können.

Nur wenige Schritte entfernt liegt in seinem

Dock das längste Holzschiff der Welt:

Die »Fregatten Jylland« ist von der Bugspitze

bis Achtern 102 Meter lang. Nach jahrzehntelanger

Restauration zeigt sich das

1864 gebaute Wahrzeichen von Ebeltoft

heute wieder wie in seinen Anfängen. Unter

den 57 Meter hohen Masten des Segelschiffs

können kleine und große Entdecker

Kajüten, Stauräume und vor allem die 44

Kanonen an Bord inspizieren und so das

Leben auf See kennenlernen, wie es vor

mehr als 100 Jahren war. Einen Knalleffekt

der Fregatte lieben besonders Kinder: Wer

will, darf helfen, eine 30 Pfund schwere

Kanone zu laden – dann gilt es, die Ohren

gut zuzuhalten.


26 Nordis


Zerbrechliche Kunst aus Dänemark

und der ganzen Welt zeigt

das Glasmuseum in Ebeltoft.

Anker lichten! Die historische Fregatte

Jylland in Ebeltoft nimmt Kinder und

Erwachsene mit auf eine Zeitreise.

Allgemeine Informationen

Die dänische Halbinsel Djursland

liegt rund 250 Kilometer von der

deutsch-dänischen Grenze entfernt

und beginnt gleich hinter Aarhus.

Djursland ist rund 1.400 Quadratkilometer

groß. Das idyllische Ebeltoft

mit seinen Fachwerkhäusern gehört

zu Djurslands beliebtesten Attraktionen

– das historische Rathaus ist eine

populäre Hochzeitsadresse. Die rund

250 Kilometer lange Küste mit vielen

kinderfreundlichen Stränden ist vor

allem bei Ferienhausurlaubern beliebt.

www.visitdjursland.de

Der Nationalpark Mols Bjerge ist seit

2009 einer von bald fünf dänischen

Nationalparks. Das 180 Quadratkilometer

große Naturgebiet liegt

zwischen Aarhus und Ebeltoft im

Süden von Djursland und ist eine von

der letzten Eiszeit geprägte Hügellandschaft.

Mols Bjerge erstreckt sich

von der Küste des Kattegats im Osten

bis zu den Kaløwäldern im Westen. Im

Süden grenzen die Buchten von Ebeltoft

und Aarhus das Schutzgebiet zum Meer

ab. Im Norden liegt eine kontrastreiche

Moränenlandschaft. Wälder, Heide- und

Weideland machen die Mols Bjerge

zu einem idealen Ziel für Aktive mit

Möglichkeiten zum Wandern, Rad- und

Moutainbikefahren, Angeln, Surfen oder

Kajakfahren. Auf rund 60 Kilometern

soll bald der »Mols Bjerge Stien« zu

den schönsten Stellen im Nationalpark

führen – 20 Kilometer des Fernwanderweges

sind bislang fertiggestellt,

markiert und nach den Qualitätsnormen

des dänischen Wandervereins Dansk

Vandrelaug zertifiziert.

Von Ebeltoft verkehrt regelmäßig ein

Nationalparkbus zu ausgwählten Haltepunkten

in den Mols Bjerge. Die App

Nationalpark Mols Bjerge mit Informationen

zum Nationalpark, Tourenvorschlägen

etc. ist kostenlos im App Store und

bei Google Play erhältlich.

http://de.nationalparkmolsbjerge.dk/

Skandinavischer Tierpark

Nødagervej 67B,

DK-8560 Kolind,

www.skandinaviskdyrepark.dk

Geöffnet von April–Oktober

tgl. 10–17, im Sommer bis 18 Uhr.

Kattegattcentret

Færgevej 4,

DK-8500 Grenaa,

www.kattegatcentret.dk

Geöffnet ganzjährig

Montag–Sonntag

10–16 bzw. 17 Uhr.

Glasmuseum Ebeltoft

Strandvejen 8,

DK-8400 Ebeltoft,

www.glasmuseet.dk

Geöffnet Juli–Aug. tgl. 10–18,

April–Juni u. Sept.–Okt. tgl. 10–17,

sonst Mi–So 10–16 Uhr.

Fregatten Jylland

Fregatøen,

S.A. Jensensvej 4,

DK-8400 Ebeltoft,

www.fregatten-jylland.dk

Geöffnet Februar–Dezember

tgl. 10–18, sonst tgl. 10–16 o. 17 Uhr.

Übernachten

Ferienhäuser in Djursland vermittelt

u.a. Ebeltoft Feriehusudlejning,

S.A. Jensens Vej 3A,

DK-8400 Ebeltoft,

Tel. 0045-86343344,

www.ebeltoft-feriehusudlejning.dk

Hotels

Das historische Hotel Molskroen

liegt gegenüber von Ebeltoft mit

Aussicht aufs Meer. Spitzenrestaurant.

Hovedgaden 16, Femmøller Strand,

DK-8400 Ebeltoft, Tel. 0045-86362200,

www.molskroen.dk

Sostrup Slot war einst Schloss

und Kloster. Heute beherbergt das

Gutsgebäude 17 Ferienwohnungen.

Sostrup Slot,

Maria Hjerte Engen 1, Gjerril,

DK-8500 Grenaa,

Tel. 0045-20439155,

www.sostrup.org

Nordis 27


Reise

Unbeirrt von Touristenströmen

trotzt die kleine Meerjungfrau allen

Unwettern und Anschlägen.

Eine literarische Wanderreise zu den

»Tatorten« beliebter Skandinavien-Krimis

Hochspannung

Acht Tage, drei Großstädte und einige Abstecher in die schwedische Natur – was nach einem

klassischen Rundreise-Mix klingt, ist in Wahrheit eine Wanderermittlungsreise der besonderen

Art. Per Bus, Zug, Fähre und größtenteils auf Schusters Rappen folgen wir skandinavischen

Krimi-Bestsellerautoren zu den Schauplätzen ihrer fiktiven Verbrechen.

Text & Fotos: Stefanie Becker

Kopenhagen, Oslo, Stockholm, Helsinki,

Reykjavík – schaut man sich in

der skandinavischen Krimi-Literatur

um, sind vor allem die Hauptstädte gern

gewählte Tatorte für düstere Verbrechen.

Doch auch abseits der Großstadt lauert in

der ländlichen Idylle das Böse. Ob im malerischen

Fischerdorf an der Küste, auf kleinen

Inselchen in den Schären oder inmitten

der småländischen Provinz – Keine

Gegend scheint vor den nordischen Krimiautoren

sicher. Umgekehrt machen sich

viele Regionen und Städte den Erfolg der

Skandinavien-Krimis zunutze und bieten

Fans die Möglichkeit, auf geführten Sightseeing-Touren,

mittels App oder Wanderkarte

auf eigene Spurensuche zu gehen.

Auch eine mehrtägige Rundreise zu den

»Tatorten« bekannter Krimis, wie sie der

Kölner Reisespezialist Highländer Reisen

gemeinsam mit dem Verlag Kiepenheuer &

Witsch konzipiert hat, ist eine gute Gelegenheit,

dem Erfolgsgeheimnis der Krimiautoren

auf den Grund zu gehen.

Jussi Adler-Olsens

Kopenhagen

Wolkenverhangen ist der Himmel, als wir

vom Hotel zum Stadtrundgang aufbrechen.

Am Abend zuvor hatten wir noch auf der

Dachterrasse in den letzten Strahlen der

Abendsonne der Begrüßung unserer Reiseleiterin

gelauscht, die uns mit einer kurzen

Einführung zur skandinavischen Krimilandschaft

auf die kommenden Tage einstimmte.

Nun sind wir unterwegs, um Jussi

Adler-Olsens Kopenhagen kennenzulernen.

Der dänische Autor feiert mit seiner

Reihe um den Ermittler Carl Mørk und das

Sonderdezernat Q regelmäßig internationale

Erfolge. Wir bewegen uns heute auf den

Spuren des ersten Bandes »Erbarmen«, der

die Geschichte einer aufstrebenden Politikerin

erzählt, die eines Tages auf der Fähre

von Rødby nach Puttgarden spurlos verschwand.

Am Rathausplatz werben großflächig-verklebte

Plakate für zwei neu erschienene

dänische Krimis. »Morden im

Norden« ist augenscheinlich nicht nur in

Deutschland ein gutes Verkaufsrezept. Unsere

erste Station ist Politikens hus, der Verlag,

der nicht nur die dänischen Tageszeitungen

Jyllandsposten und Politiken,

sondern auch die Bücher Adler-Olsens veröffentlicht.

Hier habe sie Jussi Adler-Olsen

im Rahmen ihrer Doktorarbeit zu einem

Interview getroffen, berichtet Elisabeth.

Unsere Reiseleiterin promovierte zu skandinavischen

Beststellerautoren und weiß

einiges zu berichten. Zum Beispiel, dass

Adler-Olsen in seiner Freizeit gerne alte

Häuser aufkauft und diese dann eigenhändig

renoviere.

28 Nordis


Im Keller der Polizei hat

Kommissar Carl Mørk

sein (fiktives) Büro.

Nyhavn ist ein beliebtes

Ausflusgziel in

Kopenhagen.

im Hochsommer

An der Polizeistation liest sie uns eine Passage

aus dem Krimi vor. Der imposante

runde Säulengang im Innenhof, der den

Fernsehzuschauern eventuell aus der Serie

»Die Brücke« ein Begriff sein könnte, ist

von außen leider nicht zu erkennen. Dafür

die dicken Eisengitterstäbe vor den Kellerfenstern.

Hier unten wurden dem knurrigen

Roman-Ermittler Carl Mørk Räume

für sein Sonderdezernat Q zur Verfügung

gestellt. Seine Aufgabe: nicht geklärte Verbrechen

und alte Ermittlungen wieder aufrollen

und lösen. Unser Weg führt uns weiter

durch die Stadt, vorbei an der

Nationalbibliothek, deren imposantes Foyer

wir ebenfalls nur von außen bestaunen

können, zum Hafen Nyhavn, der mit seinen

bunten Fassaden und alten, am Kai

vertäuten Schiffskuttern zu den beliebtesten

Fotomotiven der Stadt zählt. Hier befindet

sich das ehemalige Wohnhaus eines

anderen, weltberühmten dänischen Schriftstellers

und Dichters: H. C. Andersen. Am

Folketing werden wir von einem plötzlichen

Regenschauer überrascht und müssen

uns unter ein Vordach retten. Zeit für

eine Lesepause. Hier suchte sich die junge

Politikerin in »Erbarmen« ihren Weg über

den mit Pfützen übersäten Platz zum Auto.

Wie passend. Nachdem der Platzregen

ebenso schnell verschwunden ist, wie er

kam, geht es weiter Richtung Oper und Hafen.

Zeit für eine Mittagspause. Nächstes

Ziel ist die Statue der kleinen Meerjungfrau.

Dicht von Touristenscharen umvölkert,

sitzt das Wahrzeichen der Stadt ungerührt

auf einem Felsen. Auf dem Boden

davor sind noch Reste roter Sprühfarbe zu

sehen, mit denen Umweltaktivisten gegen

den Walfang auf den Färöern protestiert haben.

Sie hatten die Bronzestatue kurzerhand

mit Farbe übergossen (Nordis berichtete).

Die kleine Meerjungfrau war nicht

das erste Mal Ziel Opfer von Anschlägen

und »Verbrechen«. Vorbei am Kastell, dem

Mitten auf der Öresundbrücke

fanden Saga Norén und Martin

Rohde eine durchtrennte Leiche.

großen Gefion-Brunnen, durch den Kongenspark

und vorbei am Rosenborgslott wandern

wir weiter zum Rundetaarn. Über die

breiten, treppenlosen Gänge des knapp 35

m hohen Turms, die sich in Spiralen nach

oben schrauben, erreichen wir das Dach

und genießen einen fantastischen Weitblick

über die Stadt. Im Hintergrund hinter

den bunten Häuserdächern, Türmen und

Kirchturmspitzen schimmert das blaue

Wasser des Öresunds, und die markanten

Stahlbetonstreben der Öresundbrücke

zeichnen sich deutlich vom Himmel ab.

Ein weiterer »Tatort«: Die Öresundbrücke,

die Kopenhagen und Malmö seit 1999 verbindet,

wurde 2012 zum Schauplatz eine

Nordis 29


Reise

Schärenidylle

im »mörderischen«

Fjällbacka.

Verbrechens und zwar in der deutsch-dänisch-schwedischen

Koproduktion »Broen«

(schw. »Bron«, dt. »Die Brücke«), einer

Krimiserie, die in Deutschland im ZDF ausgestrahlt

wurde.

Camilla Läckbergs

Fjällbacka

Die Brücke selbst werden wir auf dieser

Reise nicht überqueren. Unser Weg führt

am nächsten Tag über die Fährverbindung

Helsingør – Helsingborg nach Schweden

und von dort – nach einem kleinen Wanderabstecher

zur Landspitze Kullaberg auf

Der Rundetårn

in Kopenhagen

ist berühmt

für seinen

treppenstufenlosen

Aufgang.

der Halbinsel Mölle – nach Göteborg. Vom

Hotel im Göteborger Bahnhof brauchen

wir am nächsten Morgen nur wenige Minuten

zur Busstation. Von hier geht es mit

dem Oslo-Fernbus nordwärts nach Tarnum.

Hier sammelt uns ein kleiner Shuttlebus

ein. In Tarnum befindet sich auch die

Polizeistation, in der Patrick Hedström,

späterer Ehemann von Erica Falck, arbeitet.

Beide sind Krimihelden von Camilla

Läckberg, einer schwedischen Betriebswirtin,

die sich mit dem Schreiben 2002 einen

Traum erfüllte. Die Wahlstockholmerin ist

in Fjällbacka geboren und aufgewachsen

und so erstaunt es nicht, dass sie ausgerechnet

das ehemalige Fischerdorf an der

Westküste als Schauplatz für ihre inzwischen

international erfolgreichen Krimis

wählte. »Mein Sohn ist mit der Autorin zur

Schule gegangen«, erzählt uns der Busfahrer

fröhlich und fährt kurzerhand einen

Extra-Schlenker zum »Original«-Haus der

beiden Hauptfiguren, das etwas abseits des

eigentlichen Ortes an der Schärenküste

liegt. Das Haus, das in den Verfilmungen

als Wohnhaus gewählt wurde, bekommen

wir wenig später auf unserer Rundtour

durch den Ort zu Gesicht. Ebenso den im

Sommer quirlig-belebten Hafen mit seinen

Boutiquen, Cafés und Restaurants. Mit

einem der hier gebürtigen Köche, ihrem

Jugendfreund Christian Hellberg, hat Läckberg

2008 sogar ein Kochbuch herausgebracht

»Smaker från Fjällbacka« (Der Geschmack

von Fjällbacka). Regionalthemen

und regionale Verflechtungen finden sich

in allen ihren Krimiromanen. So ist der

Weg durch den Ort wie eine Wanderung

durch ihre Geschichten: Da die Eisenhütte

und das Kiosk am Ingmar-Bergmann-Platz

(Töchter der Kälte u.a.), dort die Königsschlucht,

in der ein kleiner Junge beim

Spielen eine tote Frau entdeckt (Der Prediger

von Fjällbacka), ein wenig außerhalb

der Friedhof (Die Eisprinzessin schläft).

Und über allem thront die Kirche, in der

sich Erica und Patrick nach einigen Wirren

das »Ja-Wort« geben (Die Totgesagten).

Durch die Königsschlucht »Kungsklyfta«

führt uns der Weg hinauf auf den Vetteberget.

Von hier oben hat man einen guten

Rundumblick über die vom Meer glattgeschliffenen

Schären, die sich bis zum Horizont

walbuckelgleich aus dem Wasser erheben

und auf den Hafen, mit seinen

Yachten und Segelbooten. Man erkennt

sogar den Sprungturm am Steg von Badholmen

(u.a. Engel aus Eis, Der Prediger von

Fjällbacka). Zurück im Hafen strahlt die

Sonne vom Sommerhimmel und wir gönnen

uns noch eine traditionelle schwedische

»fika« mit Kaffee und Zimtschnecken

aus der örtlichen Bäckerei, ehe uns

der Überlandbus von Tarnum zurück nach

Göteborg bringt.

Millennium in

Stockholm

Seitenwechsel. Per Zug geht es einmal quer

durchs Land, von der West- zur Ostküste,

von Schwedens zweitgrößter Stadt in die

Hauptstadt: Stockholm. Schauplatz einer

ganzen Reihe international bekannter Krimis.

Zu den, wenn auch literarisch nicht

gerade feingeschliffenen, aber dennoch

weltweit berühmt gewordenen »Stockholm-Krimis«,

zählt Stieg Larssons Millennium-Trilogie:

Verblendung, Verdammnis,

Vergebung. Gleich nach dem Check-In im

Hotel brechen wir auf, um die Welt seiner

30 Nordis


Elisabeth Böker

begleitet die

Reise...

...und zeigt uns die Schauplätze

von Stieg Larssons

Millennium-Trilogie.

Romanfiguren Lisbeth Salander und Mikael

Blomkvist zu erkunden. Nach einer kleinen

Mittagspause in der Altstadt Gamla

Stan, im Schatten des Nobelmuseums und

mit Blick auf die bunten Hausfassaden des

Stortorget, beginnt die eigentliche Krimiwanderung.

Unser Ziel ist der Stadtteil Södermalm,

von den Einheimischen meist

nur »Söder« genannt. Der Hauptschauplatz

der Millenium-Trilogie. Das ehemalige Arbeiterviertel

ist heute Quartier der Trendsetter

und Kreativen mit zahlreichen Bars,

Cafés und Boutiquen. Auf den Haupt- und

Einkaufsstraßen herrscht im Sommer

buntes Treiben. Etwas ruhiger dagegen ist

es in der Bellmansgata. Unser erster Stopp

ist die Wohnung Mikael Blomkvists, dessen

imposanter Balkonbrückeneingang sicherlich

schon für manch ein Touristenfoto herhalten

musste. »Anders als ihr hier seht, ist

die Wohnung in den Büchern von der Straße

aus zu erreichen«, erklärt uns Elisabeth

und führt uns weiter den Monteliusvägen

entlang zu einem Aussichtspunkt. Mit

Blick auf die unter uns liegenden Dächer

von Kungsholmen, den Riddarfjärden und

das Rathaus, in dem Mikael Blomkvist wegen

der Verleumdung Hans-Erik Wennerströms

verurteilt wurde, berichtet uns Elisabeth

einige Details zu Stig Larssons

Biografie. Den Erfolg seiner Bücher hat

Larsson tragischer Weise selbst nie miterleben

dürfen, da er auf dem Weg in seinen

Verlag an Herzversagen starb. Wir wandern

weiter zur Hochhaussiedlung, in der

Lisbeth ihre erste Wohnung hatte: Lundagatan,

Plattenbaustil. Trotz der Trostbegrünung

zwischen den Wohnsilos, eine der

hässlichen Seiten des Stadtteils. Wir kehren

um und dafür ein in »Mellquvist Kaffebar«,

Stig Larssons Stammcafé, als die Redaktion

seiner Zeitung »Expo« noch im selben

Haus lag. Auch in den Verfilmungen taucht

es als Schauplatz auf, z.B. als Lisbeth Mikael

nach einem Kredit für eine Investition

bittet, die ihr schließlich 3 Millionen Dollar

beschert. Eine Zimtschnecke später geht es

weiter Richtung Mosebacken, vorbei an

dem Film-Gebäude der Millennium-Redaktion

und vorbei am 7eleven, in dem Lisbeth

sich im Film mit Vorräten eindeckt, zu

ihrer neuen Penthouse-Wohnung in der

Fiskargatan, die sie sich dank des gewonnenen

Geldes aneignet. Im nachmittäglichen

Sonnenschein heben sich das grünstichige

Kupferdach und die schneeweiße

Fassade imposant vom blauen Himmel ab.

Unser Rundgang endet schließlich wieder

in der Altstadt, wo wir es uns am Kai gemütlich

machen und den Blick übers Wasser,

die Ausflugsschiffe und die Inseln

Skeppsholmen und Kastelholm genießen.

Ausflug in die Schärenwelt nach Sandhamn

Wer Menschenmassen scheut, dem ist die

Fahrt mit einem der Stockholmer Schärenboote

im Hochsommer nicht zu empfehlen.

Nicht nur für Touristen, auch für die

Einheimischen sind die vorgelagerten Inseln

vor den Toren der Stadt ein beliebtes

Ausflugsziel – erst recht bei sonnigem und

schönem Wetter. Die knapp zweistündige

Fahrt an Deck des proppevollen Bootes entpuppt

sich dennoch als kurzweilig. Wir

passieren pittoreske Örtchen, schwedenrote

Ferienhäuschen, baumbewachsene Klippen

und Segelschiffchen, die in kleinen

Häfen dümpeln. Sandhamn selbst begrüßt

uns mit einer belebten und von Freizeit-

Für den Stadtteil

Södermalm gibt es

sogar einen eigenen

Millennium-Stadtplan.

Nordis 31


REISE

vom dansberg aus hat man einen

guten blick auf die insel korsö mit

dem turm, wo sich thomas in einer

stürmischen nacht aufhalten muss.

beliebtesten im örtlichen Bed&Breakfast«,

berichtet Viveca. Ihre Liebe zur Schärenwelt

hat die Autorin aber auch abseits der

Krimis ein Denkmal gesetzt. Für ihr Kochbuch

»Schärensommer« (Vgl. Nordis

4/15), recherchierte sie auf der Insel und

fragte Freunde und Bekannte nach Rezepten,

um sie danach zum großen Probeessen

einzuladen. Stolz ist Viveca auch auf ihr

jüngstes Projekt. Gemeinsam mit ihrer

Tochter Camilla brachte sie mit »Djupgraven«

und »Sjörök« in Schweden die ersten

Bücher einer Fantasy-Jugendbuchreihe heraus,

in der u.a. die Umweltzerstörung und

Verschmutzung der Meere eine Rolle spielen.

Ob sie in deutscher Übersetzung erscheinen

werden, ist noch unklar. Dafür ist

ihr nächster Krimi bereits in Arbeit und die

Synopsis für die Serienfortsetzung sogar

schon fertig geschrieben.

Für uns neigt sich die Reise nach einer entspannten

Bootstour zurück nach Stockholm

ihrem Ende zu. Sicher ist aber, neue

Krimis unserer Autoren lassen nicht lange

auf sich warten und versprechen neben

neuer Hochspannung auch eine kleine Reiserückerinnerung

an die Orte, die man

selbst und live erwandert hat.


»Mörderisches Ufer« ist der zuletzt

auf deutsch erschienene krimi von

viveca sten (kiwi-verlag).

booten vollgestopften Marina. Wir verlassen

das Boot und machen uns zu Fuß auf,

die Insel zu erkunden. Elisabeth hat vorab

Karten organisiert, in denen die Schauplätze

der Geschichten eingetragen sind, mit

denen eine hier ortsansässige Schriftstellerin

ihre Nachbarn in Angst und Schrecken

versetzt. Viveca Stens Schären-Krimis sind

ebenso wie die Bücher von Olsen, Läckberg

und Larsson inzwischen verfi lmt. So

passieren wir nicht nur die literarischen

»Tatorte«, sondern auch das ein oder andere

Filmgebäude. Wo Viveca selbst wohnt,

wenn sie nicht in Stockholm weilt, bleibt

ein Geheimnis. Andernfalls könnte sich die

Schriftstellerin sicherlich nicht vor Besuchern

retten. Dafür treffen wir sie und ihre

Agentin wenig später zum Lunch im Hafenrestaurant.

Bereitwillig stellt sie sich unseren

neugierigen Fragen und plaudert

fröhlich aus dem Nähkästchen. »Viele Inselbewohner

schließen aufgrund meiner

Bücher inzwischen nachts ihre Haustür

ab«, lacht sie. Und ihre gute Freundin traue

sich abends nicht mehr allein mit dem

Hund raus. Dabei sei auf Sandhamn schon

sehr, sehr lange kein echtes Verbrechen

mehr passiert. Die Mordfälle seien alle nur

ausgedacht. Dass sie dazu Talent hat, stellt

sie sofort unter Beweis und serviert uns

zum Lunch gleich noch den ein oder anderen

»Mordstipp«. »Alkohol funktioniert

gut«, so ihre Theorie. Das Gift der Fingerhutpfl

anze vorsichtig dosiert würde in

Kombination mit Johanniskrautschnaps

ebenso sicher wirken und wäre nicht nachweisbar…

Ob das stimmt, sei dahingestellt.

Wahr ist aber, ginge es nach ihren Büchern,

wäre die Inselbevölkerung inzwischen

schon um ein Viertel reduziert. Wahr ist

auch: Ihre Bücher sind ein echter Tourismusmagnet.

»Das Zimmer im Missionshuset,

in dem ein Mord geschieht (Anm. Tödlicher

Mittsommer), gehört zu den

tAtort SKAnDinAvien

eine literarische

Wanderermittlungsreise

Dauer: 8 Tage

Bereiste länder: Dänemark

& Schweden

Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel

Die »tatorte«: Kopenhagen,

Göteborg, Fjällbacka, Stockholm,

Sandhamn.

Außerdem auf dem reiseprogramm:

Stadtbesichtigungen, Inselausflüge

und Wanderung entlang der

schwedischen Küste.

termine 2018: In der Sommersaison

2018 hat Highländer Reisen

zwei Krimitouren unter der Leitung

von Elisabeth Böker im Programm:

28.7.–4.8.2018 und 4.8.–11.8.2018.

Mehr dazu auf

www.highlaender-reisen.de

32 Nordis


fortSetzUng folgt…

die jüngsten krimis von adler-olsen, läckberg und sten

SelfieS – Der 7. fAll fÜr DAS

SonDerDezernAt Q in KoPenHAgen

Vizepolizeikommissar Carl Mørck wird zur Aufklärung eines brutalen

Todes von der Mordkommission in Kopenhagen hinzugezogen. Wie

sich herausstellt, gibt es eine Verbindung zu einem zurückliegenden,

brisanten Altfall. Parallel wird Carls Assistentin Rose von grauenhaften

Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit heimgesucht. Und

welche Rolle spielen die drei jungen, arbeitslosen Frauen Michelle,

Jasmin und Denise, die sich zu einem Triumvirat des Schreckens

zusammengetan haben? Nordis-Fazit: hochspannender Krimi mit

gesellschaftskritischer Aktualität.

Jussi Adler-olsen: Selfies (Selfies). Aus dem Dänischen von

Hannes thiess. dtv-verlag, 576 S., Hardcover, 23 €.

Die eiSHeXe – Der 10. fAlCK-HeDStrÖm-Krimi

Die Schauspielerin Marie Wall reist für einen Film über Ingrid Bergmann

in ihren Heimatort Fjällbacka. Vor über dreißig Jahren stand

sie als 13-Jährige im Verdacht, ein Mädchen getötet zu haben.

Der Fall konnte nie geklärt werden. Als plötzlich die kleine Linnea

Berg vermisst wird, machen im Ort Gerüchte von der Eishexe die

Runde. Hauptkommissar Patrik Hedström gefällt es nicht, dass

eine Legende aus dem 17. Jahrhundert die Ermittlungen beeinflusst.

Seine Frau Erica Falck recherchiert schon seit Längerem in

dem alten Fall. Gemeinsam versuchen sie, Licht in das Dickicht aus

Geschichten und Gerüchten zu bringen. Nordis-Fazit: Das Netz aus

alten Geschichten und aktuellem Fall hält einige Überraschungen

bereit. Spannend bis zur letzten Seite.

Camilla läckberg: eishexe (Häxan). Aus dem Schwedischen

übersetzt von Katrin frey. list, 752 S., Hardcover, 22 €.

mÖrDeriSCHeS Ufer – tHomAS AnDreASSonS 8. fAll

Jeden Sommer kommen Hunderte Kinder ins Segelcamp nach

Lökholmen, der kleinen Insel gegenüber von Sandhamn. Doch nicht

alle Campteilnehmer können die Seglerferien genießen. Einige

Kinder werden gemein gemobbt und die Betreuer scheinen heillos

überfordert. Als eines der Kinder plötzlich vermisst wird, wird die

Polizei eingeschaltet und Thomas macht sich auf die Suche. Seine

langjährige, gute Freundin Nora Linde ist zeitgleich in eine Gerichtsverhandlung

verstrickt, die sie nur verlieren kann. Und auch privat

haben beide mit familiären Problemen zu kämpfen. Nordis-Fazit: Die

Mischung aus Kriminalfall, Gerichtsverhandlung und privatem Chaos

der Hauptfiguren sorgt für ein abwechslungsreiches Lesevergnügen.

viveca Sten: mörderisches Ufer (i sannings namn).

Aus dem Schwedischen von Dagmar lendt.

Kiepenheuer & Witsch, 464 S., Klappenbroschur, 14,99 €.

WANDERN SIE IN ROSLAGEN –

STOCKHOLMS SCHÖNSTEN SCHÄREN

Foto:Bosse Lind.

wandern im herrlichen roslagen Der

Roslagsleden ist ein Teil des Europäischen

Fernwanderwegs Nr. 6. Eine glitzernde

Schärenwelt mit 13 000 Inseln, Seen, Wegen,

Wäldern und Weiden wartet auf den, der

im schönen Roslagen wandern möchte.

• Bestell Sie unseren Wanderführer mit

Karte und wandern Sie auf eigene Faust

• Buchen Sie ein Wanderpacket mit

Unterkunft

• Melden Sie sich zur jährlichen Wanderung

„Roslagsmarsch“ am 15. September an

+46 767 650 660 • www.roslagen.se

Nordis 33


FahrradSpezial

Die Ålandinseln zwischen Schweden und Finnland

Zwischen den Wel

Raue, schroffe Felsen, von den gewaltigen Kräften der Eiszeit plattgedrückt

und flachgeschliffen. Knorrige Bäume, die dem heftigen Wind trotzen. Dazwischen

jedoch die liebliche Schlüsselblume, die als Nationalblume bekannt ist und der

Landschaft mit ihrem sanften Gelb leuchtende Tupfer aufdrückt.

Text & Fotos: Christiane Flechtner

Eine Radtour zu den

Geta Bergen ist auch

mit einfachen Rädern

auf den guten Wegen

ohne Schwierigkeiten

machbar.

Die Ålandinseln – eine Insellandschaft

zwischen den Welten. Zwischen

Schweden und Finnland gelegen, gehört

sie ein wenig zur einen und zur anderen

Seite. So wird auf den Inseln schwedisch gesprochen,

aber mit dem Euro bezahlt. Åland

gehörte einmal zu Schweden und bis 1917

sogar zu Russland. Seine 100-jährige Unabhängigkeit

vom Zarenreich wurde 2017 groß

gefeiert. Heute ist die Inselgruppe eine mit

politischer Autonomie ausgestattete Region

Finnlands, hat eine eigene Flagge, ein Autokennzeichen,

eigene Briefmarken und ein eigenes

Parlament. Ob Russland, Schweden

oder Finnland – nichts hat jedoch die Åländer

so geprägt wie das Meer. Und es beeinflusst

das Leben und Wirken der rund 29.000 hier

lebenden Menschen noch heute.

Geta Berge – das

»Åländische Bettenlager«

Die Türklingel hallt in dem kleinen Geschäft

noch Sekunden nach, ansonsten ist es unerwartet

ruhig. Denn schließlich sind in einem

einzigen Raum Supermarkt, Blumenladen

und sogar die Post angesiedelt. Das Geschäft

»Getaboden« wird schon in der zweiten Generation

von Gun-Britt Lyngander geführt. Es

ist heutzutage das einzige Geschäft des Städtchens

Geta, das insgesamt 499 Einwohner

zählt. Einer von ihnen ist der 18-jährige Benjamin

Woidt, der hier aushilft und mich plötzlich

in perfektem Deutsch spricht. Kein Wunder,

kommt er doch ursprünglich aus Berlin.

Im Alter von elf Jahren ist er mit seiner Familie

auf die Ålandinseln ausgewandert und genießt

seine neue Heimat. »Es ist ein Traum,

hier Kajak zu fahren oder zu segeln«, sagt er.

»Und die schönste Gegend von Åland ist auf

jeden Fall Geta.« Der 18-Jährige kann uns

auch den Weg zu den Geta Bergen weisen,

ein Eldorado für Wanderer und Kletterer.

Hier treffen sich vor allem an den Wochenenden

die Einheimischen zum Bouldern und

Picknicken. »Mit dem Rad ist es von hier aus

nur etwa eineinhalb Kilometer weit – einfach

die rote Sandstraße bergauf«, erklärt er. Und

so treten wir in die Pedale. Es wird steiler

und steiler, und mit letzter Kraft ist der Ausgangspunkt,

das Soltuna Restaurant, erreicht.

34 Nordis


Yoga on the Rocks

Ganz still sitzt sie da. Die Beine im Schneidersitz,

die Arme sanft auf den Oberschenkeln

abgelegt, atmet Kim Jansson langsam und beten

Tolle Landschaften ohne

Massentourismus – das

bieten die Ålandinseln.

Knorrige Bäume und

»Steinmännchen« finden sich

in den Geta Bergen.

Von hier aus führt ein etwa 5,5 Kilometer

langer Rundweg durch die faszinierende

Landschaft. Trollstigen heißt einer der Wege

– und schon bald zweifelt niemand mehr

auch nur im Geringsten an der Existenz von

Trollen. Denn nach einer kurzen Wanderung

ist ein Steingarten erreicht. Hunderte von

Steinpyramiden stehen aufgereiht wie kleine,

dünne Männchen nebeneinander, doch wer

sie gebaut hat, ist nicht bekannt. »Möglicherweise

die Trolle hier in der Gegend«, erklärt

unser Guide Nora Kauffeldt schmunzelnd.

Wie die Steinpyramiden entstanden sind,

bleibt wohl ein Geheimnis. Aber was die restliche

Landschaft in dieser Gegend geformt

hat, ist größtenteils bekannt: »In der letzten

Eiszeit wurde das Land von den Eismassen

vollständig unter den Wasserspiegel gedrückt,

sodass nach dem Abschmelzen der Gletscher

die Ålandinseln fast komplett von Wasser bedeckt

waren«, erklärt Kauffeldt. »Seit etwa

13.000 Jahren hebt sich das Land allmählich

aus dem Meer, und Inseln werden größer.«

Dieser Prozess setze sich bis heute fort: Åland

wachse mit einer Geschwindigkeit von etwa

sieben Millimetern pro Jahr in die Höhe. Zum

Vorschein kommt 1,4 Millionen Jahre alter

grobstrukturiger Granit, das Rapawiki-Granit.

Plattgedrückt und abgeschmirgelt durch die

Gletschermassen, wirkt er wie ein ebener

Fußbodenbelag. Obendrauf befinden sich

weitere verwitterte Gesteinsschichten. »Wir

nennen es Matratzenverwitterung, weil die

Schichten aussehen wie einzelne gestapelte

Matratzen«, erklärt Nora Kauffeldt und fügt

lachend hinzu: »Hier befindet sich also das

Åländische Bettenlager.«

Bei der Wanderung über den Höhlenwanderweg

»Grottstigen« ist genau zu erkennen,

Benjamin Woidt ist von

Berlin nach Geta ausgewandert.

Er arbeitet im

einzigen Geschäft des

Städtchens.

wie die Naturgewalten hier gewirkt haben.

Nach einer Mittagspause mit Aussicht auf das

graublaue Meer geht es mit dem Drahtesel

rund 15 Kilometer durch bewaldete hügelige

Landschaft. Die Straßen gehören uns und der

Natur – nur selten kommt ein Auto entgegen.

Eine Entspannung wäre jetzt angebracht. Sie

erwartet uns im Havesvidden Resort – in

Form einer besonderen Yogastunde.

Die Matratzenverwitterung

ist bei

diesen Gesteinsschichten

deutlich

zu erkennen.

Nordis 35


FAHRRADSpezial

von der festung

bomarsund aus geht es

durch nadelwaldgebiet

und sumpfige täler.

von der einstigen festung

bomarsund sind lediglich

ruinen übrig geblieben.

auf dem kyrkleden

haben die

wanderer auch

ausblick auf die

kirchen in der

gegend.

wusst tief ein und dann wieder aus. Kein anderer

Laut ist zu hören als ihre Stimme, die

den Kursteilnehmern die Übung erklärt.

»Yoga on the Rocks«, Genuss für die Sinne, ist

angesagt. Doch heute nicht draußen auf den

Felsen am Meer – dazu ist der Wind einfach

zu stark –, sondern im Yogaraum des Resorts.

Alle lassen sich auf den Unterricht der 44-Jährigen

ein, denn es ist 100 Prozent authentisch,

was sie tut. »Ich hatte kein einfaches

Leben, und alles wäre ziemlich schlimm geworden,

wenn ich im Alter von 18 Jahren

nicht angefangen hätte, Relax-Musik zu hören

und später Yoga zu machen«, sagt sie. »Es

ist wie eine feste Linie, die mich durch mein

Leben führt«, sagt sie. Den Yoga-Schülern gefällt

es. Ein- und Ausatmen sind plötzlich eins

mit den Wellen des Meeres, alle sind ganz im

Hier und Jetzt. Später, bei einem Glas Wein

und Blick auf den Sonnenuntergang in Pink,

Orange, Violett und Blau geht der Abend zu

Ende.

FESTUNG BOMARSUND UND

SCHLOSS KASTELHOLM

Ein neuer Tag, ein neuer Ort: Wenn ich die

Augen schließe, kann ich die Kanonendonner

in der Ferne hören, vermischt mit Meeresrauschen

und dem Geheul des starken Windes.

Hier – im Süden der Insel Sund, ist noch spürbar,

dass die Ålandinseln militärisch immer

von Bedeutung waren. Das Grenzinselreich

diente als Puffer, als vorgelagerter Stützpunkt

zum Schutz vor möglichen Feinden. Und so

wurden Walle oder Festungen zur Verteidigung

gebaut. Die Festung Bomarsund ist eine

von ihnen. Sie wurde 1832 errichtet, nachdem

Åland 1809 von Finnland an das Zarenreich

Russland übergegangen ist. Die einst

größte Militäranlage ist in Form einer Ringwallburg

gebaut worden und diente dem russischen

Zaren auch als Symbol der Macht in

der Baltischen See.

Wenn die großen Felsquader sprechen

könnten, würden sie von den mehr als 2.000

russischen Soldaten, Festungsarbeitern und

Strafgefangenen erzählen, die hier lebten und

arbeiteten. Auch ein Turm, ein Magazin, ein

Militärkrankenhaus und diverse Wohnanlagen

wurden errichtet. Doch diese Gebäude

sind heute verschwunden. Informationstafeln

lassen erahnen, wo sie einst gestanden haben.

Im Rahmen des Krimkriegs drang die englische

Flotte in die Ostsee vor und griff Orte

an der fi nnischen Küste an. Das attraktivste

Ziel war die Festung in Bomarsund. Sie wurde

1854 dem Erdboden gleichgemacht. Seitdem

ist Åland entmilitarisiertes Gebiet, und

für åländische Männer besteht keine Wehrpfl

icht. Heute sind nur noch einzelne Ruinen

der Festung und ein paar Kanonen stille Zeugen

der Vergangenheit.

Es geht zu Fuß in Richtung Nordwesten,

durch hügeliges Nadelwaldgebiet und sumpfi

ge Täler, durch Moos- Farn- und Flechtenlandschaft,

vorbei an den Ruinen einer

Fluchtburg, die als Zufl uchtsort diente. Und

vorbei an den sogenannten Rosen, zu Hügeln

aufgeschütteten Steingräbern. Die Wanderung

auf dem Kirchenweg, dem Kyrkleden,

führt auf rund 16 Kilometer Länge direkt bis

zum nächsten historischen Highlight: Schloss

Kastelholm.

Doch zuvor gibt es im Wärdshus des Freilichtmuseums

Jan Karlsgården noch eine heiße

Schokolade zur Stärkung und das Paradegericht

der Inselgruppe: »Ålandspannkaka«

mit »Sviskonkräm« – Pfannkuchen mit

Zwetschgenkompott.

Wie Bomarsund von der russischen Geschichte

Ålands erzählt, ist das mittelalterliche

Schloss Kastelholm Zeitzeuge der

schwedischen Historie. Wer die steilen Stu-

wie eine Miniaturlandschaft

wirken Moose, flechten und

heidepflanzen.

36 Nordis


fen im Innenhof des Schlosses nach oben

steigt und durch die kalten dunklen Räume

wandelt, kann sich nur schwer vorstellen,

dass hier sogar der schwedische König

Gustav Vasa genächtigt hat. Äußerst

schlimm die Vorstellung, dass König Erik

XIV. auf dem Schloss gefangen gehalten

wurde – samt seiner Frau Karin Månsdotter

und den gemeinsamen Kindern. Im

Jahr 1745 brach ein verheerendes Feuer

aus, das einen Großteil der Burg zerstörte.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit

provisorischen Reparaturen begonnen. Die

letzte Renovierung begann im Jahr 1982

und wurde 2001 abgeschlossen.

Nächster Stopp: Mariehamn, die vor rund

150 Jahren auf dem Reisbrett entstanden

ist. Die Hauptstadt Ålands, die aufgrund

der beiden Lindenalleen auch »Stadt der

1.000 Linden« genannt wird, hat einiges

zu bieten: hübsche Holzhäuser, erstklassige

Museen, gutes Essen und eine schöne

Innenstadt. Als Erstes führt uns der Weg

ins Schifffahrtsmuseum am Västerhamn.

Im Zentrum stehen die Geschichten der

Seeleute. Wie haben sie geschlafen, wie

navigiert, welche Routen unternommen?

Das Museum gibt Antwort. Und nicht

ohne Grund bekam das Museum den Preis

für die beste Ausstellung 2016 in ganz

Finnland. Im Außenbereich des Museums

ein weiteres Highlight: Die Pommern, ein

viermastiges Stahlschiff, kann erkundet

werden. Der 106,5 Meter lange Frachtsegler

stach 1903 zum ersten Mal in See.

Das Museum ist zu groß und zu vielfältig

für einen einzigen Besuch. Glücklicherweise

gilt die Eintrittskarte lebenslang.

Ein kleiner Spaziergang führt mich zum

historischen Hafen Sjövarteret – dem Seequartier.

Das kräftige Rot der Holzhäuser

wetteifert mit dem Blau des Himmels, alte

Holzboote, denen man ansieht, dass sie

viel erlebt haben, seit man sie aus Menschenhand

geschaffen hat. Hier haben sich

verschiedene Künstler niedergelassen. Silberschmieden

und Metallkunst oder

Schmuck aus aländischem Granit werden

angeboten. Susanne Ekman-Ahlroth zum

Beispiel arbeitet vor allem mit Metall und

Holz. »Inspiration finde ich in der Begegnung

mit Menschen und in derem Zusammenspiel.

Gestalt suche ich in den weichen

Formen der Frau und der Natur.

Willkommen in meinem Atelier im Seequartier

von Mariehamn!«

Dann heißt es Abschied nehmen. Vom

Oberdeck der Fähre aus zieht die Inselwelt

Ålands noch einmal vorbei. Die roten

Holzhäuser in der Landschaft werden kleiner

und kleiner. Wehmut kommt auf. Es

war wunderschön – ich komme wieder!•

Die Seele baumeln lassen –

das ist am kleinen Hafen

Sjövarteret möglich.

Mit ein wenig

Geduld kommt

man den

Küstenseeschwalben

ganz nah.

Allgemeine Informationen

Zu den Ålandinseln bekommt man im

Internet unter www.visitaland.com.

Die Tourist-Information befindet sich in

der Storagatan 8 in Mariehamn,

Tel. +358-18 24 000, info@visitaland.com

Anreise

per Flugzeug nach Stockholm, Helsinki

oder Turku und dann per Flugzeug mit

• Finnair Helsinki – Mariehamn – Turku,

www.finnair.com oder

• Nextjet Stockholm – Mariehamn – Turku

– Mariehamn, www.nextjet.com

• oder per Fähre, zum Beispiel mit der

Viking Line, www.vikingline.se

Übernachten

• Hotel Savoy in Mariehamn, Nygatan

10–12, www.alandhotels.fi

• Havsvidden Resort in Geta an der Nordküste,

traumhaft gelegen mit eigenem

Strand, perfekter Ort zum Abschalten.

Havsviddsvägen 90, Geta, Tel. +358-184

94 08, www.havsvidden.com

Essen und Trinken

• Das Bagarstugan Café&Vin in der

Economiegatan 2 in Mariehamn ist immer

einen Besuch wert! Im Sommer mit schöner

Außenterrasse. Große Auswahl an Kuchen

und anderen Åland-Spezialitäten wie den

traditionellen Pfannkuchen. Tel. +358-18

19 880, carola.fyrqvist@aland.net

• Café Svarta Katten: Hier hat Hanna

Karlsson ein kleines kulinarisches Paradies

geschaffen. Norragatan 15, Mariehamn,

Tel. +358-18 21 599, www.svartakatten.ax

• Selbstgebrautes Stallhagen-Bier von

Åland gibt es im Pub der Stallhagen-Brauerei.

Aber auch kulinarische Leckereien

mit lokalen Produkten werden angeboten.

Getavägen 196, Godby, Tel. 358-457 344

8500, www.stallhagen.com

• Uriger Pub Niska am alten Hafen,

Sjökvarteret in Mariehamn, Tel. +358-

181 91 51, niska@aland.net

Aktivitäten

Mariehamn lässt sich gut zu Fuß

erkunden. Für weitere Wege empfiehlt

sich ein Fahrrad (Fahrradverleih in der

Västerhamn in Mariehamn,

Tel. +358-12 821) oder ein

Mietwagen (Europcar, Strandgatan 1,

Mariehamn, Tel. +358-15 222).

Der größte Abstand von Ost nach West

auf dem åländischen Festland beträgt

gerade mal 50 Kilometer Luftlinie. Auch

per Bus kommt man gut von A nach B,

www.williamsbus.ax

Besuchen sollte man die Festung

Bomarsund und das Schloss Kastelholm

ebenso wie das Schifffahrtsmuseum in

Mariehamn.

Geführte Reise

Wandern und mehr – Finnlands

Schären & Ålandinseln: 12-tägige

geführte Wanderreise, ab 2.698 Euro,

buchbar bei www.wikinger-reisen.de.

Nordis 37


FahrradSpezial

Gemeinsam

starten die

Teams in den

Morgen.

Die Vätternrundan

HERAUSFORDERUNG

UND MYTHOS

Obwohl es sie schon seit mehr als 50 Jahren gibt, ist die schwedische Vätternrundan noch nicht bei allen

Freizeitradsportlern bekannt. Die Geschichte begann 1966 in Motala, als der Mannschaftsarzt des schwedischen

Fußball-Nationalteams und Olympiaarzt, Sten-Otto Liljedahl, auf die Idee kam, dass es doch möglich

sein müsste, den Vätternsee – den zweitgrößten See Schwedens – in einer einzigen Tour zu umrunden.

Text: Detlef Koepke | Fotos: Florian Selig & BikeBlogBerlin

Fotos (4): © Florian Selig

Wer dies meistert, der hat stolze

300 Kilometer auf dem Sattel seines

Fahrrads gesessen, allerdings

meist mit einigen Pausen. Zuvor hat man sicherlich

schon den einen oder anderen Kilometer

trainierend auf dem Rad verbracht.

Sten-Otto Liljedahl hatte die Theorie, dass

eine solche Ausdauerleistung von »Jedermann«

und »Jederfrau« erbracht werden

kann, wenn man unterwegs regelmäßig isst

und trinkt, sich entsprechend mit regelmäßigem

und ganz und gar nicht übermäßigem

Training darauf vorbereitet. Dafür hatte er

sich einem Selbstversuch unterzogen. Zunächst

wurde seinerzeit ein entsprechendes

Rad für solch eine Tour hergerichtet. Heute

denkt jeder sofort an ein Rennrad, 1966 war

es ein Rad mit einer Dreigang-Schaltung. Der

örtliche Fahrradhändler, bei dem das Rad bestellt

wurde, war von dieser Idee gleich so

angetan, dass er ebenfalls an der ersten Umrundung

mit seinem Rad teilnahm. Man

könnte meinen, dass dies schon als Leistungssport

zu bezeichnen ist, aber damit

täuscht man sich gehörig, wenn man die

»Jedermann-Radsportler« am Start und wieder

im Ziel sieht. Spätestens beim Anblick

der Teilnehmer kommt man ins Nachdenken

und überlegt, wenn Der oder Die es geschafft

hat, dann sollte das ganz offensichtlich auch

Gute Stimmung auf der

Strecke, gemeinsam

schaffen wir die 300 km.

in meinen Möglichkeiten liegen. Die Begeisterung

für diese Veranstaltung ist in Schweden

riesig, was sich an den jährlichen Teilnehmerzahlen

ablesen lässt. 23.000

Jedermänner- und frauen sind es nun schon

seit einigen Jahren, die sich dieser Herausforderung

im Juni zur Sommersonnenwende

stellen.

Peter Liljedahl ist der Sohn des Gründers, der

sowohl die Anfänge noch als Kind miterlebt

hat und heute stolz die Tradition weiterführt,

indem er mit der Startnummer 1 seines Vaters

an den Start rollt. Dann folgt man dem

Leitspruch des Vaters kurz nach dem Ortsausgangsschild

von Motala: »Ziel ist Motala«.

Dazwischen liegen die bekannten 300 Kilometer.

Seine ältere Schwester, Eva Liljedahl,

ist auf andere Weise eng mit der Vätternrundan

verbunden, denn sie betreibt die Villa

Hamra. Das ist ein wunderschön gelegenes

B&B Hotel, kurz vor Motala in einer ehemals

als Schulgebäude genutzten Villa. Hier umsorgt

sie während der Vätternrundan Radsportler

aus der ganzen Welt, die es sich dort

gut gehen lassen. Eva Liljedahl sorgt dafür,

dass die passende Nahrung aufgetischt wird

und nach dem Zieleinlauf kann sich jeder,

der einen der heißbegehrten Übernachtungsplätze

bekommen hat auf die Sauna und das

Entspannungsbad im Hot Tub freuen.

38 Nordis


Peter Liljedahl gibt den

Startschuss zur MSR.

Glücklich

am Ziel.

Foto (1): © BikeBlogBerlin

Macht das wirklich SpaSS?

Es ist immer wieder interessant, die Reaktionen

des Gegenübers zu erleben, wenn man

erzählt: »Ich habe mir vorgenommen, 300

Kilometer Fahrrad zu fahren«. Die Antwort,

bzw. Rückfrage lautet: »An wie vielen Tagen?«

Und wenn man sagt, das mache ich an

einem Tag, dann erkennt man entweder ein

ungläubiges Zweifeln oder interessiert hochgezogene

Augenbrauen. Der kühle Rechner

macht sofort eine Überschlagsrechnung,

wenn zum Beispiel im Durchschnitt 20 Kilometer

pro Stunde gefahren werden, sind das

15 Stunden, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit

von 25 Stundenkilometern sind es nur

noch 12 Stunden und ... schneller geht ja

auch noch.

Der Reiz dieser 300-Kilometer-Runde liegt

wahrscheinlich in mehreren Faktoren begründet.

Zum einen hat jeder unmittelbar eine Ahnung

davon, dass dies tatsächlich zu schaffen

ist. Das Problem ist allerdings, dass für diese

Teilnahme die Trauben etwas höher hängen

und das Ziel, 300 Kilometer in einem Stück

mit dem Rad zu fahren, etwas außerhalb der

üblichen Komfortzone liegt. Das bedeutet

ganz einfach: regelmäßig trainieren. Wer dieses

Training für sich zu einer freudvollen Zeit

deklariert und sich mit dem Glücksgefühl

nach jeder Ausfahrt gut fühlt, der rollt überzeugt

an den Start. Und genau das wollen offensichtlich

viele Menschen: ein Abenteuer,

eine echte Herausforderung, an deren Ende

meist der Triumph über sich selbst steht. In

Schweden heißt es, dass jeder Schwede mindestens

einmal die Vätternrundan gefahren

haben sollte.

Eine schwedisch-deutsche

Freundschaft

2014 wurde in Mecklenburg-Vorpommern, in

Neubrandenburg, unter Anwesenheit zweier

Mitglieder des Organisationsteams der Vätternrundan

erstmals der Startschuss für die

Mecklenburger Seen-Runde gegeben. Die

Idee, solch ein Event in Deutschland durchzuführen,

kam Detlef Koepke, als er sich selbst

auf seine erste Vätternrundan vorbereitet hat.

Mittlerweile sind es bereits über 3.000 Radlerinnen

und Radler, die alljährlich am letzten

Wochenende im Mai ihre 300 Kilometer MSR

absolvieren. Gunilla Brynell, CEO der Vätternrundan,

ehrte die MSR 2017 mit ihrer Teilnahme.

Peter Liljedahl hat zweimal an der

MSR teilgenommen und die dritte Teilnahme

steht bevor. Lob bekam das Event für das abwechslungsreiche

Essen, die vielen freundlichen

Helfer und die naturnahe und schöne

Kulisse, die die Mecklenburgische Seenplatte

zum Radfahren bietet. Seit zwei Jahren gibt es

sogar ein »schwedisches Depot« bei der MSR,

das unter anderem eigens für die Runde importierte

schwedische Blaubeersuppe bereithält.

Hinter den Kulissen werden zwischen

den Städten Motala und Neubrandenburg

und zwischen den Veranstaltern Erfahrungen

ausgetauscht mit dem Ziel, die Qualität beider

Veranstaltungen für die Teilnehmer noch zu

steigern.


Durch schöne

Landschaften.

Information und Anmeldung

Mecklenburger Seen Runde 2018

25. und 26. Mai 2018

Start und Ziel: Neubrandenburg

www.mecklenburger-seen-runde.de

Vätternrundan 2018

15. und 16. Juni 2018

Start und Ziel: Motala

http://vatternrundan.se

Nordis 39


FAHRRADSpezial

nordis tritt beim nordsjørittet in die Pedale

Zwischen Wadenkrämpfen

uNd glücKSgeFühleN

landschaftlich reizvoll und offen für jedermann, das ist der nordsjørittet. das fahrradrennen zwischen

den beiden städten egersund und sandnes lockt jedes jahr immer wieder viele radsportbegeisterte

in die region rogaland. nordis war zum 20. jubiläum mit von der Partie.

teXt: jörn backhaUs | fotos: Uwe herUth

Viele, die häufi g Rad fahren, kennen

das. Man würde gerne mal ein Rennen

mitfahren, weiß aber nicht, ob man

das schafft oder man hat zu großen Respekt

vor der Aufgabe. Man könnte ja, wenn man

wollte, aber jetzt passt es gerade nicht… Die

Liste der möglichen Hinderungsgründe ist

lang, ich habe das Thema Radrennen auch

mehrere Jahre vor mir hergeschoben. In Norwegen

angekommen gibt es jedoch kein Zurück

mehr. Nachdem wir Teamkollege Terje

in Egersund vom Bahnhof abgeholt haben

und Räder und Fahrer startklar sind, werden

mir erstmalig die Dimensionen des Nordsjørittet

bewusst. Bis dato bin ich davon ausgegangen,

dass es sich um ein gemütliches Rennen

in überschaubaren Gruppengrößen

handelt. Falsch gedacht, Norwegens zweitgrößtes

Radrennen ist eine Großveranstaltung

mit über 6.000 teilnehmenden Radlern.

Man sieht bereits in den frühen Morgenstunden

viele professionelle Teams, die die Zeit

bis zum Start für gezieltes Aufwärmen nutzen.

Ob man hier richtig ist? Nachdem die

ersten Startgruppen mit einem Mordstempo

an einem vorbeigefl ogen sind, stellt sich mir

wirklich die Frage: »Worauf habe ich mich

hier eingelassen?«

KEIN ZURÜCK MEHR

Dann fällt der Startschuss und es geht los.

Terje und ich sortieren uns im hinteren Drittel

ein, das Tempo können wir gut mitgehen.

Bereits nach der ersten Kurve entzerrt sich

das Feld und spätestens bei der ersten knackigen

Steigung zeigt sich, dass andere auch

nur mit Wasser kochen. Die nächsten 20–25

Kilometer sind ein ständiges Hoch und Runter

durch die felsige Landschaft des Magma

Geoparks. Hier und da zwickt es schon in

den Beinen. Aber aufgeben gilt nicht. Endlich

erreiche ich die erste Versorgungsstation

beim Ogna Campingplatz. Die Trinkfl asche

wird aufgefüllt, ein Rosinboller gegessen und

Traubenzucker eingeworfen. Es folgt ein

schöner, ebener Abschnitt mit teilweise atemberaubender

Aussicht auf die Nordsee. Trotz

der Anstrengung schaffe ich es, die Landschaft

zu genießen und den Anfeuerungsgruppen

(Heiagjeng) zurückzuwinken.

Hinter Brusand will ein längerer Anstieg bewältigt

werden, aufgrund des Regens der letzten

Tage jedoch nur im Gänsemarsch. Die

Räder müssen geschoben werden. Knöcheltiefer

Matsch und einige, größere Steine machen

das Radfahren unmöglich. Im unwegsamen

Gelände geht eine Menge Zeit

verloren, hinzukommen erste Krämpfe in den

Beinen. Mein innerer Schweinehund grinst

mich unverhohlen an und wettet auf eine baldige

Beendigung des Rennens. Nicht so voreilig,

alter Geselle. Kaum aus dem Wald raus,

wird man mit einer langen Asphaltabfahrt

belohnt. Hier erreichen einige ihre Höchstgeschwindigkeit

und strampeln sich den Wiesen-

und Waldfrust aus Körper und Seele, ich

inbegriffen. Terje ist mir mittlerweile voraus.

Er will für Nordis eine gute Zeit herausfahren.

Nach 54 Kilometern erreiche ich geschafft,

aber zufrieden die nächste Versorgungsstation.

Nach einer kurzen Stärkung

geht es weiter.

GEGEN DEN INNEREN

SCHWEINEHUND

Terjes Tipp, bei Krämpfen einfach weiterzufahren,

jedoch mit einem niedrigeren Gang

und einer höheren Trittfrequenz, hilft. Ich

bin überrascht, wie schnell sich ein Krampf

aus den Beinen radeln lässt und wie viel

Kraft man mobilisieren kann, wenn es darauf

ankommt. Zur Belohnung sind die

nächsten Kilometer wieder leichter zu meistern.

Die Strecke führt stellenweise direkt

am Meer entlang und die Landschaft von

hier kann man die dimensionen

des nordsjørittes erahnen, auch

wenn man nur einen teil des startfeldes

auf dem foto sieht.

40 Nordis


näher kommt man der nordsee

bei keinem radrennen.

solche abschnitte entschädigen

für manche strapaze.

Foto: © Rune Helliesen

teamkollegen terje rygh (li.) und

jörn backhaus (re.) vor dem start.

Nord-Jæren geizt nicht mit ihren Reizen.

Auch die Anfeuerungsgruppen unterwegs

verfehlen nicht ihr Ziel: Sie haben Spaß und

geben den Teilnehmern neue Motivation.

Die letzte krasse Steigung haben sich die Planer

des Nordsjørittes für Kilometer 68 ausgesucht.

Die Rede ist vom Tubakken, der auf

dem Gebiet der Stadt Bryne liegt. Ich hatte

von vornerein geplant, hier abzusteigen und

das Rad den Hügel hinaufzuschieben. Ich

wollte einfach nur die Stimmung entlang

dieses nur knapp 500 Meter langen Abschnittes

genießen. In diesem Moment geben

mir die Beine und der Schweinehund

ein deutliches Signal: Vergiss es! Diesen Hügel

kommst du auch zu Fuß nicht hoch!

Doch ich gebe nicht auf, die Stimmung von

mehreren hundert Zuschauern auf beiden

Seiten des Weges, die Band, die oben auf der

Bühne steht, schieben einen förmlich den

Tubakken hinauf.

Und plötzlich ist man oben. Was für ein Gefühl!

Der Schweinehund hat sich beleidigt

verabschiedet und die letzten etwa 20 Kilometer

machen richtig Spaß. Geschoben wird

nicht mehr, stattdessen in die Pedale getreten.

Die Kraftreserven sind so groß, dass ich

tatsächlich einige Radler überhole und einiges

an Zeit wettmachen kann. Eine allerletzte

Steigung in Sandnes, eine rasante Abfahrt

hinunter ins Zentrum und eine Kurve

noch, dann liegt es vor mir: das Ziel! Schnell

durchgefahren, schon bekommt man die

Medaille umgehängt. Das war es, ich habe

den Nordsjørittet erfolgreich absolviert! Terje,

der knapp 27 Minuten vor mir im Ziel

war, erwartet mich bereits. Das berauschende

Glücksgefühl, das Rennen gemeistert

zu haben, will sich jedoch nur langsam

einstellen. Dennoch steht fest: Es hat sich

gelohnt, nicht aufzugeben. Und: Es war defi -

nitiv nicht die letzte Teilnahme am Nordsjørittet.


Allgemeine informAtionen

Region Stavanger-Ryflyke:

www.regionstavanger-ryfylke.com

AnreiSe

Mit Fjord Line von Hirtshals

bis Stavanger

www.fjordline.com/de

zUm rADrennen

Der nächste Nordsjørittet findet

am 9.6.2018 statt. Weitere Infos

und Anmeldung unter

www.nordsjorittet.no

Nordis 41


»SKiDne Æg«

Rezept für 4–8 Personen

Foto: © Visit Denmark, J. Buusmann

dänische ostertraditionen mit

gækkebrev, schnaps und senfeiern

»glædelig påske«

8 Eier

600 ml Milch

1 EL Butter

1 EL Mehl

2 EL grobkörniger Senf

Salz

Frischgemahlener Pfeffer

Frischgehackter Schnittlauch

oder Kresse

Knusprig gebratene Schinkenwürfelchen

zubereitung:

Eier hartkochen und halbieren. Butter

bei niedriger Temperatur schmelzen,

Mehl dazugeben und unter Rühren

anschwitzen, etwas Milch angießen

und unterrühren, bis das Gemisch eine

sämige Konsistenz erreicht. Nach und

nach restliche Milch dazugeben. Aufkochen

und einköcheln lassen. Mit Salz,

Pfeffer und Senf abschmecken. Sauce

auf Tellern anrichten, Eier hineinlegen

und mit Speck, Kräutern und frischem

Pfeffer garnieren. Dazu wird gerne

Schwarzbrot als Beilage serviert.

Mit »glædelig Påske« wünscht man sich in dänemark frohe ostern.

Und natürlich haben die feiertage den gleichen religiösen hintergrund

wie in deutschland. auch buntbemalte ostereier und

schokolade gehören hier zum fest dazu. jedoch pflegen die

dänen auch einige, ganz eigene, landestypische ostertraditionen.

anders als bei uns ist neben Karfreitag

(langfredag) und Ostersonn- und montag

auch der Gründonnerstag (skærtorstag)

ein Feiertag. Viele Dänen nutzen die

fünf Tage für einen Kurzurlaub. Am Ostersonntag

trifft man sich dann traditionell zum

»påskefrokosten«, einem üppigen Mittagoder

auch Abendessen, zu dem die ganze Familie

und Freunde zusammenkommen. Es

besteht aus vielen kleinen Gerichten und beginnt

meist mit Fisch in Form von eingelegtem

Hering (påskesild), Krabben oder Thunfi sch,

gefolgt von warmen Speisen, z.B. Lamm,

Hühnchen oder Braten, gerne begleitet von

Pasteten, Tartes oder kleineren Aufl aufgerichten.

Zum Abschluss gibt es Aufschnitt, z.B.

eine Käseplatte oder süße Desserts. Natürlich

dürfen auch in Dänemark – genau wie bei uns

– die Ostereier (»påskeæg«) nicht fehlen.

Hartgekocht und buntbemalt, aber auch in

Form von Schokoladen- oder Zuckereiern landen

sie z.B. in den Osternestern der Kinder.

Als ausgeblasenes Hühnerei oder in künstlicher

Form sind sie neben Osterglocken und

Frühlingsgrün eine beliebte Osterdekoration.

Eine weitere dänische Ei-Spezialität sind

»skidne æg«, hartgekochte, halbierte Eier in

Senfsauce mit Speck, frischer Kresse oder

Schnittlauch bestreut. Neben dem guten Essen

in geselliger Runde gehört außerdem der

Genuss alkoholischer Getränke zum traditionellen

påskefrokost dazu. Viele dänische

Brauereien produzieren extra zu Ostern das

»påskebryg« (Osterbier), das ähnlich wie das

Weihnachtsbier mit Gewürzen der Saison abgeschmeckt

wird. Und auch Schnaps, mit Vorliebe

Aquavit, darf beim Osteressen nicht fehlen,

gilt doch für viele Dänen: »en påskefrokost

uden snaps er ikke en påskefrokost« (Ein Osteressen

ohne Schnaps ist kein Osteressen). Er

wird je nach Geschmack eisgekühlt oder in

Zimmertemperatur serviert. Skål!

Übrigens: Den Osterhasen, so wie wir ihn

kennen, kannte man in Dänemark lange Zeit

nur in den Regionen entlang der deutsch-dänischen

Grenze. Inzwischen erobert er als

»påskehare« in schokoladener Gestalt und als

Osterdekoration auch nördlichere Haushalte

des Landes.


Weitere informAtionen

zum dänischen Osterfest finden

Sie auch auf www.visitdenmark.de.

»mit nAvn Det StÅr

meD PriKKer, PAS PÅ Det

iKKe StiKKer«*

Eine alte dänische Ostertradition sind

die sogenannten Gækkebrev (Narrenbriefe),

die an Freunde und Familie

verschenkt werden. Es handelt sich um

gebastelte Briefchen mit Sprüchen und

Gedichten. Die Briefe werden ähnlich

wie Scherenschnitt-Schneeflocken

kunstvoll ausgeschnitten und gefaltet

und der Name des Absenders wird

durch Punkte verschlüsselt. Durch

einen Reim und die Anzahl der Punkte

(=Buchstaben des Namens) soll der

Empfänger herausfinden, wer ihm den

Brief geschickt hat. Gelingt es ihm

nicht, ist er ein »gæk«, also ein Narr;

findet er es heraus, ist der andere der

Genarrte. Üblicherweise bekommt

der Briefeschreiber oder der, der den

Schreiber erraten hat, vom »gæk« ein

Osterei geschenkt.

(* Mein Name steht in Punkten,

Achtung, er sticht nicht hervor).

42 Nordis


Advertorial

PÅSKEFROKOST

MIT

AALBORG JUBILÆUMS AKVAVIT

Jubi-Rote-Bete mit Ziegenkäse und Wildkräutern

6 Rote Bete

6 Picandou Ziegenfrischkäse

200 g Wildkräutersalat

1 Tl Kümmel, 3 Sternanis

Aalborg Jubilæums Akvavit

50 ml weißer Balsamicoessig

100 ml Pflanzenöl

Brian Bojsen – Däne, Gastronom aus Leidenschaft,

Fotograf und Surfer – führt mit “Brian’s Steak & Lobster”

sein eigenes Restaurant in Hamburg und trinkt nicht

nur gern mal ein Glas Aquavit, sondern kocht auch

damit. Für die diesjährige Påskefrokost hat er eine

raffinierte, aber trotzdem einfache Kleinigkeit für die

Festtafel kreiert. Dazu passt ein Glas leicht gekühlter

Aalborg Jubilæums Akvavit, der mit seinen feinen

Noten von Dill und Koriander die Aromen der Frühlingsküche

wirkungsvoll unterstreicht.

Rote Bete waschen, in der Schale mit Kümmel, Sternanis

und etwas Aalborg Jubilæums Akvavit in Salzwasser

garen. Nach dem Garen den Garfond auf circa ein

Viertel reduzieren.

Rote Bete pellen und in Achtel schneiden, im reduzierten

Garfond einlegen, Balsamico dazugeben und mindestens

1 Stunde marinieren.

Rote Bete herausnehmen und die Marinade mit etwas

Öl zu einer Vinaigrette aufschlagen.

Ziegenkäse in Stücke zupfen, zusammen mit der Roten

Bete dekorativ anrichten, mit Wildkräutern garnieren

und mit der Vinaigrette marinieren. Mit einem Glas

Aalborg Jubilæums Akvavit servieren.

www.aalborgakvavit.dk

www.facebook.com/aquavit.de

ENJOY THE NOW

ENJOY RESPONSIBLY

Nordis 43


OUTDOOR

oUtdoorProdUkte

auF und

Zusammengestellt

von gerhard kraus

daVoN

Foto Hintergrund: © Thomas Krämer

StoSSfeSt UnD AtmUngSAKtiv

Bei der Neuauflage der Viking Ascent-

Wanderschuhe wurde nicht nur die Optik

modernisiert, sondern auch einige der

Trage- und Produkteigenschaften verbessert.

So sorgt ein Neoprenschaft für

einen weichen und bequemen Einstieg in

den Schuh. Die Zehenkappe wurde mit

Naturkautschuk verstärkt und bietet noch

mehr Schutz im steinigen Gelände. Das

schwarze Modell wurde mit Reflektoren

ausgestattet, die bei Dunkelheit für gute

Sichtbarkeit sorgen. Die 100 Prozent

wasserdichte und atmungsaktive Gore-

Tex-Insulated-Membran garantiert, dass

die Füße trocken bleiben und das Klima

im Schuhinneren immer optimal reguliert

wird. Das Innenmaterial aus Gore-Tex-

Partelana Lining sorgt dabei für angenehme

Wärme und hohen Tragekomfort.

Wie bei den anderen Modellen der Viking

Active Outdoor Serie sorgt auch beim

Ascent Spikes eine robuste, aber leichte

EVA Zwischensohle für eine sichere

Absorption von Stößen, ohne

dabei ins Gewicht zu fallen. Der

Schuh ist in den Designs »black/

silver« und »wine/coral« erhältlich.

Nordis-Fazit: Ob am Fjord

oder im Fjell – der Ascent ist

ein bequemer und langlebiger

Wanderschuh, der sowohl im

offenen Gelände als auch auf

Bergtouren überzeugt hat.

(Jörn Backhaus)

149,95 €

de.vikingfootwear.com

44 Nordis

AlltAgStAUgliCHer Begleiter

Ortlieb ist bekannt für seine wasserfesten und robusten Outdoor- und Fahrradtaschen.

Doch auch im Alltag kann das Unternehmen mit durchdachtem

Design und Qualität punkten. So bietet die modische Fahrrad-Aktentasche

»Commuter-Bag Urban Line« mit Deckelverschluss reichlich Platz für Laptop

und Co. Das robuste PU-beschichtete Cordura-Baumwoll-Mischgewebe des

Obermaterials sorgt nicht nur für eine bürotaugliche Optik, sondern schützt

den Tascheninhalt zuverlässig vor Wind und Wetter. Dank Halterungskomponenten,

die am Gepäckträger des Rades festmontiert werden, lässt sich

die Tasche mit nur einer Hand bequem einhängen und abnehmen. Flache

Arretierungselemente sorgen außerdem für eine glatte Taschenrückseite.

Die Tasche verfügt über ein Notebookfach, einen Stiftehalter und ein

Schlüsselband sowie eine separate Außentasche mit Reißverschluss (nicht

wasserdicht). Der gepolsterte Schultergurt mit Karabinerbefestigung lässt

sich jederzeit abnehmen. Beidseitig angebrachte leuchtstarke Reflektoren auf

3M Scotchlite Reflexmaterial bieten in der dunklen Jahreszeit mehr Sichtbarkeit

und Sicherheit. Nordis-Fazit: Die Tasche ist ein praktischer Allrounder und eine

echte Empfehlung für alle, die den Weg ins Büro mit dem Fahrrad antreten. In zwei

Größen (14 l/ 19 l) und Designs (blau/grau) erhältlich. (Jörn Backhaus)

159,99 bzw. 169,99 € | www.ortlieb.com/de

läUft UnD läUft

Der The North Face Ultra 110 mit beiteter Goretex Membran ist ein leichter

eingear-

Schuh für anspruchsvolle Trails. Beim Schaft

setzt man auf atmungsaktives Mesh und

PU-beschichtetes Leder zur Stabilisierung

des Mittelfußbereiches. Eine formgepresste

EVA-Zwischensohle und eine rutschsichere,

kompakte Gummi-Laufsohle sorgen für

ordentliche Dämpfung, ein gutes Abrollverhalten

und sicheren Halt auf jedem

Untergrund. Nordis-Fazit: Gleich beim

ersten Einstieg fühlt sich der Fuß richtig

wohl. Seine Stärken zeigt er nicht nur beim

Trailrunning, sondern auch auf leichten

Bergtouren, die gelegentlich nicht über

Wege führen. Weiteres Plus: Die robuste

Leder-Zehenkappe schützt vor Verletzungen

und Verschleiß.

140 € | www.thenorthface.com/eu


AUfS AUge

Die Shield vom Brillenspezialisten Julbo

lässt sich mit unterschiedlichen Gläsern

bestücken, die verschiedenen Schutzstufen

entsprechen. Das selbsttönende,

polarisierende Cameleon Glas erfüllt die

Schutzstufe 2–4. Damit ausgestattet ist

die Shield der ideale Lichtschutz für alpine

und nordische Aktivitäten – von Wanderungen

bis hin zu Hochtouren. Streulicht

wird durch abnehmbare, weiche Seitenteile

blockiert. Gewölbte, rutschfeste Bügel, die

Nasen-Auflage und Brillenbänder garantieren

einen festen Sitz. Zur perfekten Sicht

trägt auch die Beschlagschutz-Behandlung

bei. Bei hohen körperlichen Intensitäten

(Schweißproduktion) und Windstille sind

aber hier Grenzen gesetzt.

199,95 € mit Cameleon glas,

andere modelle je nach glas ab 99,95 €

www.julbo.com

gUt BelÜftet

An die Entwicklung einer Jacke, die in Ruhepau-

sen wärmt und bei schweißtreibenden Aktivitäten

überschüssige Wärme abgibt, haben sich die

Produktentwickler von The North Face gewagt.

Die Besonderheit der Ventrix Jacke sind gelaserte

Belüftungsöffnungen im Isolationsmaterial unter

den Armen und im Nackenbereich, die ein nehmes Körperklima und besten Tragekomfort

ange-

schaffen sollen. Funktioniert diese neue Technologie

auch in der Praxis? Also raus und testen!

Dieses Belüftungssystem funktioniert ganz gut,

speziell bei kühlen/kalten Temperaturen. Bei einer

Rast bleiben die Belüftungsöffnungen geschlossen

und halten so die Wärme am Körper, bei mehr

Action kann man die Jacke anbehalten, ohne gleich

zu überhitzen. Natürlich sind besonders bei hohen

Intensitäten mit viel Schweißproduktion hinsichtlich der Dampfdurchlässigkeit (Atmungsaktivität)

und des Wärmerückhalts bei Ruhepausen Grenzen gesetzt. Die Ventrix Jacke ist mit einer

80 Gramm schweren Polyesterisolierung ausgestattet. Das Hauptmaterial besteht aus Polyamid

und Elastan. Eine DWR-Imprägnierung hält Feuchtigkeit ab. Zur Ausstattung gehören zwei

RV-Einschubtaschen und eine RV-Brusttasche. Nordis-Fazit: Vielseitig einsetzbare Jacke für Fjelltouren

und Alltag. Oberstoff ist empfindlich gegenüber Felskontakt. Wird auch als Hoody (240

€) und in der Summit Series mit einem besonders abriebfesten Oberstoff angeboten (300 €).

Jacke 220 € | www.thenorthface.com/eu

trAgeKomfort

Osprey bleibt sich treu. Die Mission: Entwicklung von Rucksäcken mit einem

perfekten Verhältnis zwischen Tragekomfort und Gewicht fließen auch beim neuen

Modell Exos ein, das in drei Größen (38 l, 150 € | 48 l, 170 € | 58 l, 190 €) und drei

Rückenlängen (S, M, L) angeboten wird. Das Netz-Rückensystem aus gespanntem

Mesh, die breiten, passgenauen Mesh-Schultergurte und die Mesh-Hüftflossen

inklusive Gurt ermöglichen eine optimale Verteilung der Last auf Schultern und

Hüfte. Für maximale Belüftung ist auch gesorgt. Um das Eigengewicht (Exos 38

ca. 1,1 kg) zu reduzieren, kommen nur leichte Materialien zum Einsatz. Die Details

sind ebenso funktionsorientiert wie etwa die seitlichen Fächer mit Kompression

und zwei Zugangspunkten, die seitlichen 7-mm-Kompressionsriemen, eine

Befestigung für Trekkingstöcke, die abnehmbaren Schlafmattenschlaufen oder der

abnehmbare Deckel. Lässt man den Deckel weg, kommt eine sogenannte Flap-

Jacket-Abdeckung zum Einsatz. Osprey kümmert sich auch ganz speziell um Frau-

enmodelle. Mit den Eja Modellen hat man ein neues Kapitel im Bereich Premium

Rucksäcke aufgeschlagen, die ganz auf die weibliche

Anatomie zugeschnitten sind. Angeboten werden

sie in zwei Versionen: 38 l (150 €) und 48 l (170 €)

sowie der Rückenlänge Women Small und Medium.

Nordis-Fazit: Im Test überzeugten Exos und Eja

durchweg. Die Konstruktion der Hüftflossen und

ihr direkter Übergang in das Rückennetz sorgen

für höchsten Tragekomfort. Man spart Energie.

Trinksystem kann eingebaut werden. Regenhülle

muss man nachkaufen. Perfekt geeignet für

Hüttentouren, Wochenendtouren etc.

www.ospreyeurope.com

leiCHt UnD DUrCHDACHt

Den Hikelite von Osprey gibt es in

einer 18-Liter- und 26-Liter-Version. Er

ist mit allem ausgestattet, was man auf

kürzeren Touren braucht. Der belüftete

Netzrücken sorgt für ein schnelles Abdampfen

der Schwitzfeuchtigkeit und

erhöht den Tragekomfort. Meshtaschen

mit Kompressionsriemen bieten Platz

für Trinkflasche, verschwitzte Wäsche

etc. Zur Ausstattung gehören auch ein

internes Trinkblasenfach, eine integrierte,

abnehmbare Regenhülle und

eine Befestigung für Wanderstöcke.

Neben dem Hauptfach bieten zwei

Fronttaschen, davon eine mit RV, vielseitige

Verstaumöglichkeiten. Nordis-

Fazit: Für verschiedenste Tagesaktivitäten

geeignet. Schmiegt sich perfekt

an den Rücken an.

90 € | www.ospreyeurope.com

Nordis 45


OUTDOOR

outdoorpraxis: wasserdichte ausrüstung

nocH ganZ dichT?

ein feuchter schlafsack kann zu einer schlaflosen nacht führen oder – unter

extremen bedingungen – lebensbedrohlich sein. eine nicht mehr dichte jacke ist

beim gassi gehen lästig, bei ambitionierten touren eine gefahr. das gilt auch für

feuchtigkeit im gepäck oder in elektronischen geräten.

teXt & fotos: thoMas krÄMer

verstaut man die ausrüstung in

wasserdichten Packsäcken, ist

man auch bei flussquerungen

auf der sicheren seite.

Wasser. Unentbehrlich – und

doch manchmal gar nicht gern

gesehen. Im Zelt zum Beispiel.

Oder auf dem T-Shirt, im Gepäck oder

dem Gehäuse von Smartphone oder Kamera.

Seit Jahrzehnten versuchen gerade

die Hersteller im Outdoorbereich, Wanderer,

Bergsteiger, Radfahrer und andere, die

sich in der freien Natur bewegen, mit wasserdichter

Ausrüstung zu bedienen. Und

sie waren ziemlich erfolgreich, haben im

Laufe der Jahre Materialien entwickelt,

von denen frühere Generationen nur träumen

konnten.

Als Kunde ist man jedoch einer ganzen

Reihe von Begriffen ausgesetzt, deren Bedeutung

nicht immer klar ist. Bei Bekleidung

und Zelten wird man auf die »Wassersäule«

stoßen. Doch was heißt das? Bei

diesen Angaben tut man so, als ob auf

dem Gewebe ein mit Wasser gefüllter Zylinder

lastet (was freilich durch erhöhten

Druck simuliert wird). Je höher dieser ist,

desto stärker ist der Druck. Laut einer EU-

Norm ist ein Produkt dann wasserdicht,

wenn es eine Wassersäule von 800 mm

aushält. Das klingt nach einer ganzen

Menge, ist jedoch eigentlich – nichts.

Denn wer sich mit einer solchermaßen als

wasserdicht bezeichneten Hose ins nasse

Gras setzt, wird mit Sicherheit einen

feuchten Po bekommen. Das eigene Körpergewicht

drückt die Feuchtigkeit durch

den Stoff, man erzeugt damit eine Wassersäule

von 2.000 mm und mehr! Beim

Knien ist es noch deutlich mehr, was sicherlich

die meisten schon selbst erlebt

haben. Für die Schweizerische Materialprüfungsanstalt

gilt ein Stoff dann als wasserdicht,

wenn er einer Wassersäule von

4.000 mm standhält. Heutige Hardshelljacken

sind bis zu einer Wassersäule von

10.000 mm dicht, Topmodelle schaffen

20.000 mm und mehr. Also einfach in

den Laden gehen und nach einer Jacke

oder Hose mit einem möglichst hohen

Wert schauen?

GUTE VERARBEITUNG WICHTIG

Leider ist es so einfach nicht. Denn obige

Werte beziehen sich auf einen neuen Stoff

mit frischer Imprägnierung. Und die lässt

im Laufe der Zeit nach, sodass sich der

Wasserfi lm auf dem Stoff verteilt und auch

die Atmungseigenschaften herabsetzt. Eine

große Rolle spielen außerdem die Konstruktion

und Verarbeitung des Kleidungsstücks.

Was hilft ein dichter Stoff, wenn

der Reißverschluss beim Radeln gegen den

Wind so offen zu sein scheint wie ein

Scheunentor? Oder die Kapuze so schlecht

geschnitten ist, dass Regen durch den Kragen

hereinläuft? Die Nähte schlecht abgeklebt

sind und das Wasser hereindrückt?

Die große Herausforderung für die Hersteller

ist es nicht, wasserdichte Stoffe zu bekommen,

sondern sie so zu verarbeiten,

dass man auch im Gewitterschauer trocken

bleibt. Ein weiterer Faktor spielt dabei eine

Rolle. Wer sich körperlich anstrengt,

schwitzt. Kann die Feuchtigkeit nicht abdampfen,

wird man spätestens bei einer

Pause anfangen zu frösteln. Also ist es in

solchen Fällen oft besser, nicht hundertpro-

ist man tagelang im

regen unterwegs,

bleibt man selbst

mit der besten

ausrüstung nicht

trocken.

46 Nordis


zentig wasserdichte, dafür aber extrem atmungsaktive

Kleidung zu tragen und die

richtige Regenjacke in einer Pause überzuziehen.

Packsäcke helfen nicht

nur beim ordnung halten,

sondern sorgen auch für

trockene

ausrüstung.

LANGE ZELTE FÜR LANGE KERLE

Auch im Zelt hat man es gern trocken. Das

Doppel-Dach ist dabei weniger das Problem.

Ein gut abgespanntes Qualitätszelt sollte

von oben dicht sein. Das Problem lauert

meist im Untergrund. Stellt man seine mobile

Unterkunft auf einer nassen Wiese auf

oder fängt es an zu regnen, wird man sich

über einen dichten Zeltboden freuen. 3.000

mm Wassersäule sollten das Minimum sein.

Schließlich übt man ja ständig Druck aus.

An der Frage, ob sich eine Zeltunterlage

lohnt, scheiden sich die Geister. Wer das zusätzliche

Gewicht nicht scheut, schont zumindest

den Zeltboden und bewahrt ihn vor

dem einen oder andern Loch auf steinigem

Untergrund. Regelmäßige Pfl ege und Nachimprägnierung

sollten selbstverständlich

sein. Der Grund für an der Unterseite feuchte

Isomatten ist aber meist Kondensfeuchtigkeit

und nicht ein undichter Zeltboden. Verhindern

lässt sich das kaum, das einzige

eine gut geschnittene

kapuze ist bei

regenjacken wichtig.

Mittel ist eine gute Belüftung. Einen ten Schlafsack im Fußbereich können groß-

feuchgewachsene

Personen vermeiden, indem sie

nach Zelten mit langer Liegefl äche schauen,

sodass die Füße nicht am Innenzelt reiben.

Möglichst steile Zeltwände sind in diesem

Fall außerdem ratsam.

WASSER IM SCHALTKREIS

Bei technischen Geräten wie Smartphones,

Kameras oder Navis kann man auf Bezeichnungen

wie IP67 stoßen. Dieses unscheinbare

Kürzel ist wichtig und sollte beim Kauf

für den Outdooreinsatz unbedingt beachtet

werden! IP steht für »International Protection

Marking«. Die erste der beiden Zahlen

steht für den Schutz gegen das Eindringen

von Staub und reicht von 0 für keinen

Schutz bis hin zu 6, was staubdicht heißt.

Das ist vor allem dann wichtig, wenn man

am Strand oder im Schneesturm unterwegs

ist.

Noch bedeutender im Outdooreinsatz ist

die zweite Zahl. Die gibt an, wie wasserdicht

ein Gerät ist. Mit einer 0 sollte man

das Gerät keinerlei Wasser aussetzen, eine 4

bedeutet immerhin spritzwassergeschützt.

Mit einer 6 ist das Gerät gegen Strahlwasser

geschützt, mit einer 7 sogar gegen Untertauchen

bis zu einer halben Stunde und einem

Meter Wassertiefe. Die 8 an der zweiten

Stelle zeigt an, dass das Utensil dauerhaft in

eineinhalb Meter tiefem Wasser genutzt

werden kann. Mit IP67-Geräten kann man

darauf vertrauen, diese auch im harten Outdooreinsatz

nutzen zu können (solange keine

Produktionsfehler vorliegen ...) Wer absolut

sichergehen will, steckt Handy,

Kamera oder Navigerät zusätzlich in eine

wasserdichte Schutzhülle, die es für ein

paar Euro gibt.

RUCKSäCKE, PACKSäCKE UND

FAHRRADTASCHEN

Regenhüllen, die über Rucksäcke und Packtaschen

am Fahrrad gezogen werden, bieten

einen passablen Schutz gegen eindringende

Nässe und sind oftmals noch Standard. Als

jedoch Ortlieb Anfang der 1980er-Jahre mit

seinen absolut wasserdichten Radtaschen

auf den Markt kam, war das eine wirkliche

Innovation. Die absolut wasserdichten

Kunststoffplanen wurden verschweißt, ein

simpler, gleichzeitig unverwüstlicher und

ebenfalls wasserdichter Rollverschluss erlaubte

den Zugang zu Bekleidung, Schlafsack

und sonstiger Ausrüstung. Ein Prinzip,

das es auch bei Rucksäcken gibt. Eine Alternative

sind wasserdichte Packsäcke, die es

in verschiedenen Größen gibt. Sie helfen

nicht nur dabei, Ordnung im Rucksack zu

halten, indem man die Ersatzwäsche beispielsweise

getrennt vom Kochgeschirr verpackt,

sondern sorgen auch dafür, dass

Schlafsack, Pulli und Unterwäsche sogar im

Dauerregen trocken bleiben.


Foto: © Helsport

bei Zelten sollte

die aufmerksamkeit

vor allem dem

boden gelten.

Nordis 47


Outdoor

direkt unter der Insel die Kontinentalplatten

von Amerika und Europa rund zwei Zentimeter

pro Jahr weiter auseinander. Island sitzt

quasi auf der geologischen Naht. Und bis heute

bestimmen Eis und Feuer, Wind und Meer

die Oberflächengestaltung des Landes.

Die Luft ist salzig, und von der Ferne reflektieren

die Spiegel von Reykjavíks Konzerthaus

Harpa die leuchtende Sonne. Dann

schweift der Blick über das Europäische

Nordmeer. Hier taucht plötzlich unweit der

Küste der längliche Kopf eines Minkwals aus

dem blauen Nass auf. Wenig später fliegen

rot-schwarz-weiße Farbtupfer dicht über der

Wasseroberfläche, die sich beim näheren Hinsehen

als Papageientaucher entpuppen. Die

Hauptstadt Reykjavík ist ein guter Ort, um

sich mit Island und seinen Bewohnern vertraut

zu machen. Ich spaziere hinein in die

kleine Stadt, vorbei an historischen Holzhäusern

und kleinen Cafés bis zur exklusiven

Shoppingstraße Laugavegur. In den früheren

Jahrhunderten war sie der Weg der Wasch-

Wandern zwischen

Gletschern und Vulkanen

is&

HeiSS

Aus geologischer Sicht ist Island noch

ein kleines Kind, und mit einem Alter

von rund 15 bis 20 Millionen Jahren

zählt die Insel am nördlichen Polarkreis zu

den jüngsten Regionen der Erde. Auch die

Besiedlung des eisigen Landes begann spät –

und so ist Island auch heute noch das größte

unberührte Gebiet Europas und außerdem

die größte Vulkaninsel der Erde. Der Preis für

die Bevölkerung in den 1.100 Jahren der Besiedlung

war hoch. In dieser Zeitspanne fanden

ungefähr 250 zum Teil mehrmonatige

oder sogar jahrelange Eruptionen in 15 Vulkansystemen

statt. Diese Ausbrüche verursachten

enorme Gletscherläufe. Die Folgen:

Höfe wurden weggerissen, Menschen und

Tiere ertranken, Leben erstickt durch die

Asche.

Erdbeben und Vulkanausbrüche prägen auch

heute noch dieses so besondere Eiland, das in

Millionen von Jahren aus Feuer und Eis geformt

wurde. Man kann es nicht spüren, aber

hier ist alles in Bewegung: Schließlich treiben

48 Nordis

Die Landschaft wird immer

noch kontinuierlich durch

Feuer und Eis geformt.


Und plötzlich stand

europa still. ende april 2010

hob kein flugzeug mehr von

der startbahn ab, und über den

wolken war es still. das hatte es

vorher noch nie gegeben. die

Ursache dessen lag 2.300 kilometer

weit entfernt: ein vulkan

unter einem gletscher auf island

war ausgebrochen, und der wind

hatte die aschewolke in richtung

südosten getrieben. seit diesem

tag ist der name eyjafjallajökull

überall bekannt. doch was machen

gletscher und vulkan heute?

Und wie sieht es rund um den

krater aus? eine gruppe wanderer

machte sich auf die suche.

frauen, die mit ihrer Wäsche ins Tal gingen,

wo sich die Waschplätze mit dem warmen

Wasser befanden. Heute dominieren kleine

originelle Geschäfte, Cafés und Lokale. Und

über allem thront die Hallgrimskirche das

weiße Wahrzeichen der Stadt.

START IST IN THORS WALD

Dann geht es auf Islands Ringstraße, der

Þjóðvegur 1, in Richtung Südosten. Vorbei

am Seljalandsfoss, wo das Wasser des Flusses

Seljalandsá einen 66 Meter hohen Wasserfall

bildet, ist das Ziel, der Campingplatz in der

Thorsmörkschlucht, nach ein paar Stunden

erreicht.

Eine kurze Wanderung macht deutlich:

»Thors Wald« (isländisch: Þórsmörk) ist eines

der idyllischsten Fleckchen auf der frostigen

Insel. Vom Aussichtsgipfel Valahnjúkur,

einem kleinen Plateau in 458 Metern Höhe,

reykjavíks konzerthaus harpa

ist ein faszinierendes gebäude.

im innern gibt es leckeren

kaffee und kuchen.

überblicke ich das ganze Gebiet des Naturschutzgebietes

der Þórsmörk. Eingebettet

zwischen den Eishelmen des Mýrdals- Tindfjalla-

und Eyjafjallajökull präsentiert sich das

Tal des Donnergotts als urtümliche Schlucht,

in der die nicht ganz ungefährliche Krossá ihr

Flussbett eingefurcht hat.

Eine Windrose am Gipfel hilft bei der Orientierung.

Dort ist auch der Name Eyjafjallajökull

eingraviert. Mein Blick schweift in die

angezeigte Richtung. Die Eiskappe des Eyjafjallajökull

ist genau zu sehen. Darunter der

Basaltstein, zu dem die fl üssige Lava erkaltete.

Die ältesten Gesteine sind etwa 700.000

bis 800.000 Jahre alt. Doch sonderlich aktiv

war er in seiner »Lebenszeit« bisher nicht.

Seit der Landnahme ab 870 n. Chr. ist er bis

heute lediglich fünfmal ausgebrochen.

Dorthin wird es am nächsten Tag gehen – direkt

von den lieblichen Wasserfall-Landschaf-

teXt & fotos:

christiane flechtner

die mehrstündige wanderung

zum neuen vulkankegel ist

abwechslungsreich.

Nordis 49


Outdoor

Die erstarrte Lava ist schroff

und scharfkantig und hat fantastische

Landschaften geformt.

Blick auf die Gletscherlandschaft

vom Aussichtsgipfel

Valahnjukur.

Die Vulkane haben eine

wahre »Zauberlandschaft«

hinterlassen, die

staunen lässt.

Ein kurzer Stopp am 66 Meter

hohen Wasserfall Seljalandsa

lohnt sich.

ten hinauf in die Eiswelt. Sie bedeckt etwa 78

Quadratkilometer und reicht bis auf eine

Höhe von etwa 1.000 Meter hinunter. Dann

wird der abstrakte Name, der jetzt noch leise

und ehrfürchtig geflüstert wird, mit einer unendlichen

Reihe von Bildern und Eindrücken

zu einem reellen Ganzen verschmelzen.

Es ist sechs Uhr morgens in der Thorsmörkschlucht

am Fuße der eisigen Gletscher, und

die Temperaturen klettern langsam über die

Null in den Plusbereich. Es weht ein leichter

Wind. Dieser hat wohl auch die Asche des

Vulkans hinübergeweht. Das rote Zeltdach

hat sich schwarz gefärbt mit einer feinen

Asche-Schicht. Der Aschestaub ist hartnäckig.

Er setzt sich nicht nur auf dem Zeltdach

ab, sondern auch in Taschen, Kleidung und in

den klitzekleinsten Ritzen der Kamera. Aschestaub

ist eine typische Begleiterscheinung

auf Island.

Das Wetter ist gut für den neunstündigen

Weg hinauf auf 1.666 Höhenmeter – Islands

höchste Erhebung an der Südküste –, den die

Gruppe vor sich hat. »Dieser Weg wird kein

leichter sein«, stimmt einer der Wanderer an,

und Sänger Xavier Naidoo hat für den heutigen

Tag sicherlich Recht. Schließlich gilt es,

zum Fimmvördurháls, den mit Schneefeldern

bedeckten Pass zwischen den Gletschern

Myrdalsjökull und Eyjafjallajökull, hinaufzugelangen

und dann weiter den neuen »Gipfel«

des Vulkans zu erklimmen. Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit sind gefragt, denn

ein paar Mal gilt es, ausgesetzte Stellen zu

passieren.

Schritt für Schritt geht es erst entlang des aschefarbenen

Flussbettes, das das Gletscherwasser

über Jahrtausende in die Landschaft

genagt hat, bevor der Trampelpfad mit seinen

hölzernen Stufen aus kleinen Birkenstämmen

die ersten Höhenmeter beschert. Der Weg

verläuft vorbei an Moosen, Farnen, Gräsern

und durch lichten Birkenwald. Grün in allen

Facetten ist die dominierende Farbe. Die

Wanderer versuchen, es in ihr Gedächtnis

einzuprägen, denn bald wird selbst das so robuste

grellgrün leuchtende Islandmoos verschwunden

sein. Die Wanderschuhe sinken

tief in den weichen Untergrund ein, es läuft

sich wie auf einem dicken Teppich. Und Meter

für Meter geht es dem Gletscher entgegen,

durch den der Vulkan vor acht Jahren

wie ein großer Drache Feuer, Lava und Tonnenweise

Asche gespien hat.

Rückblick

Am 20. März 2010 beginnt kurz vor Mitternacht

der erste Ausbruch des Vulkans, doch

dieser hat keinerlei Auswirkungen auf den

Europäischen Flugverkehr. Nach einem Erdbeben

der Stärke 2,5 in der Nacht vom 13.

auf den 14. April bricht allerdings direkt in

der Gipfelcaldera des Vulkans eine rund zwei

Kilometer lange Spalte auf, und aus fünf Kratern

treten gleichzeitig große Mengen Lava

aus. Über dem Gletscher steigen mehrere

Tausend Meter hohe Dampf- und Aschewolken

auf. Letztere steigen teilweise bis zu

8.000 Meter hoch in den Himmel und werden

mit dem Wind weitertransportiert. Eine

Aschewolke erreicht am 16. April bereits Polen.

Doch eben diese unerwünschte Luftfracht

ist für Flugzeuge nicht ungefährlich:

Cockpit-Scheiben können durch den Sandstrahleffekt

undurchsichtig werden, Tragflächen

aerodynamisch beeinträchtigt werden

und Triebwerke ausfallen – abhängig von der

Art und Dichte der Aschewolke. Plötzlich

gleichen die Flughäfen Europas Geisterflughäfen.

Hier startet und landet keine einzige

Maschine mehr. Und so stehen Flugzeuge

und Gepäckförderbänder tagelang still, stecken

Geschäftsleute und Touristen überall

gezwungenermaßen fest.

Es fallen allein am 16. April 2010 insgesamt

28.000 Europäische Flüge aus, hauptsächlich

in Großbritannien, Irland, Frankreich, Belgien

und Norwegen, Finnland und Schweden.

Die finanziellen Folgen durch die

Flugsperren für die betroffenen Luftfahrtunternehmen

werden auf rund 150 Millionen

Euro täglich beziffert. Am 21. April wird das

Flugverbot über Deutschland wieder aufgehoben.

Von Farbe zu Schwarz-WeiSS

Was im April 2010 in die Luft geschleudert

wurde, prägt auch heute noch die isländische

Gletscherlandschaft: Die letzten Farbtupfer

verschwinden, und die Eiswelt empfängt unsere

Wandergruppe in einem scharf abgegrenztem

Schwarz und Weiß. Düstere Lava,

in unterschiedlichsten Strukturen erstarrt,

wechselt sich mit kalten, schroffen Gletscherformationen

ab. Es ist genau zu erkennen,

50 Nordis


welchen Weg sie sich in glühend heißer, fl üssiger

Form gebahnt hat – und wo genau sie

auf dem Weg ins Tal erstarrt ist. Es geht weiter

dem Ziel entgegen, dem neu entstandenen

Vulkankegel.

Neben der Route gibt es immer wieder Stellen,

an denen die dünne Lavadecke eingebrochen

ist. Hier ist Vorsicht geboten – überall

dampft es noch, der Schwefelgeruch hängt in

der Luft. Und nach rund vierstündiger Wanderung

ist er plötzlich direkt vor uns: der

neue Vulkankegel – er ist genau zu erkennen

und leuchtet rötlich empor.

HEISSER HINTERN AUF EINEM

PULVERFASS

Das letzte Stück des Weges nach oben ist

steil. »Nicht zu lange an einem Punkt stehenbleiben,

sonst könnten an einigen Stellen die

Sohlen der Schuhe schmelzen«, mahnt unser

Guide. Oben angekommen, verschlägt uns

die Aussicht die Sprache. Ein unwirklicher

Ort, der vor acht Jahren noch gar nicht existierte.

Es dampft überall, der Schwefelgeruch

ist stark. Schwarze erkaltete Lava hat

mit Eis ein traumhaftes Gemälde geschaffen,

das in immerwährender Veränderung ist.

Eine Pause, um den Moment einzufangen.

Die Gruppe setzt sich auf den Boden des

Vulkankegels. Erst angenehm warm,

kriecht die Hitze des Vulkans durch Sitzkissen

und Trekkinghose. Wer zu lange an

einem Fleck sitzt, kriegt wahrlich einen heißen

Hintern. Und so ganz wohl ist den

»Gipfelstürmern« auch nicht – schließlich

sitzen sie wirklich auf einem Pulverfass.

Dann gilt es, Abschied zu nehmen. Ein langer

Blick zurück auf eine Landschaft, die

vielleicht schon bald wieder verschwunden

ist. Schließlich ist Island das Land, in dem

das Heute morgen schon nicht mehr existieren

könnte und Landschaften sich verändern

wie Sanddünen im Sturm. •

überall in der

landschaft Zeichen von

vulkanischer aktivität.

Allgemeine informAtionen

Tourist-Information

info@visitreykjavik.is

Tel. +354-590 15 50

www.visiticeland.com

AnreiSe

Von Deutschland, österreich und der

Schweiz gibt es Non-Stop-Flüge zum

Internationalen Flughafen Keflavik mit

Icelandair (www.icelandair.de), der

Lowcost-Fluglinie Wowair

(www.wow-air.com), Eurowings, Airbaltic

oder Lufthansa. Von dort fährt der

sogenannte Flybus in rund 45 Minuten

in die Isländische Hauptstadt Reykjavík.

Tickets für den Bus gibt es am Schalter

im Ankunftsbereich. www.flybus.is

KlimA

Die beste Reisezeit für Island liegt

zwischen Juni und Anfang September.

Es herrscht ein kühles, ozeanisches

Klima. Die Jahresdurchschnittstemperatur

ist, bedingt durch den Golfstrom, für die

hohen Breiten sehr mild, jedoch bei wechselhaftem

Wetter. Es kann auch im Sommer

kühle und regnerische Tage geben, im

Hochland ist es immer etwas kühler als in

der Küstenregion

eSSen UnD trinKen

• Kaffi Reykjavik (mit Eishöhle), in einem

der über 100 Jahre alten Häuser der Stadt

untergebracht, isländische Fisch- und

Fleischspezialitäten. Mit Ice-Bar, Diskothek

und Live-Musik,Vesturgata 2, Tel. +354-552

30 30, www.kaffireykjavik.is.

• Höfnin, Fischlokal in einem restaurierten

Fischerschuppen mit Blick auf die Boote im

Alten Hafen. Die Fischsuppe wird am Tisch

aufgegossen. Geirasgata 7c, Tel. +354-511

23 00, www.hofnin.is

ÜBernACHten

in reykjavík:

• Hilton Reykjavík, Sudorlandsbraut 2,

Tel. +354-444 50 00,

www.reykjavik.nordica.hilton.com

• Room with a view, geschmackvoll ausgestattete

Appartements, Laugavegur 18,

Tel. +354-552 72 62, www.roomwithaview.is

• Jugendherberge, Sundlaugavegur 34,

Tel. +354-553 81 10, www.hostel.is

• Reykjavík Campsite, Sundlaugavegur 32,

Tel. +354-568 69 44, www.reykjavikcampsite.is

in der þórsmörk:

• Básar, vom Wanderverein Útivist

angebotener, gut geführter Campingplatz.

Tel. +354-893 29 10

• Jugendherberge Húsadalur, acht

Cottages für fünf Personen mit Küche,

Camping mit Kochmöglichkeiten.

Tel. +354-894 15 06

reiSen

Wer Island auf eigene Faust bereisen

möchte, hat die Möglichkeit, Bustouren

zu buchen. Insgesamt 29 Routen bietet

die Buscompany SBA-Norduleid an.

www.sba.is

WAnDerreiSe KomPAKt

»Vulkane & Gletscher hautnah« heißt

die achttägige geführte Wanderreise.

Mit fünf Nächten in der einzigartigen

Gletscheroase Thorsmörk und dem

Besuch des berühmten Eyjafjallajökull,

inklusive Hauptstadt Reykjavík, Golden

Circle mit dem Geysir Strokkur, Allmännerschlucht

und Wasserfall Gullfoss und

einem Bad im »Hot Pot« im Hengill-

Wandergebiet. Preis: ab 1,495 Euro,

buchbar bei www.wikinger-reisen.de

SeHen UnD erleBen

Whale Watching

Elding Whale Watching bietet ganzjährig

Wal- oder Papageientaucher-

Beobachtungstouren in verschiedenen

Längen an. Start ist am Alten Hafen von

Reykjavík. www.elding.is

Helicopter-touren zu Wasserfällen

und Tälern, Vulkanen und Gletschern

zum Golden Circle sind buchbar bei

NordurFlug Helicopter Tours.

www.heli.is

Nordis 51


Outdoor

Steiler Anstieg

mit Blick auf den

Vangsmjøse-See.

Bis zu 2.500 Meter hohe Gipfel und tiefe, enge Täler

trennen das Fjordland vom Gudbrandsdal ab. Der Weg

zwischen Oslo und Bergen wurde vor gut zwei Jahrhunderten

für Reisende geebnet. Die historische Verbindung

hat man nun für Wanderer und Radfahrer wiederbelebt.

TEXT & FOTOS: THOMAS KRÄMER

Norwegens erste

Ost-West-Verbindung

Auf dem Königsweg

über das Filefjell

Kalorienreicher kann man sich

kaum stärken: Rømmegrøt und

Spekemat stehen auf dem rustikalen

Holztisch in der nicht minder rustikalen

Stube eines wettergegerbten

Holzhauses in Vang ein Stück oberhalb

des lang gestreckten Vangsmjøse-Sees.

Sørre Hemsing heißt der Hof, dessen einzelne

Gebäude teilweise aus dem 17.

Jahrhundert stammen. Berit und Arne

Nefstad betreiben hier eine kleine Herberge

mit dem Flair vergangener Zeiten.

Und von der ist es nicht weit zum Beginn

des Kongevegen, der ersten Ost-

West-Querung auf dem Weg von Oslo

nach Bergen, die man hoch zu Ross oder

Sennerin auf der

Sparstadtrøe-Alm.

sogar mit Kutschen zurücklegen konnte.

Dafür jedoch musste man an einigen

Stellen entweder Gottvertrauen haben

oder sehr mutig, vielleicht auch übermütig

sein.

Der Kongevegen beginnt am Ufer des

Vangsmjøse auf rund 460 Metern Höhe,

wo eine senkrechte Felswand ins Wasser

taucht. Damals, beim Bau des Königsweges

Ende des 18. Jahrhunderts, entschied

man sich daher, diese Stelle anders

zu überwinden und baute eine

Trasse hinauf auf die Felsnase. Steil geht

es bergauf. »Im Winter war es lebensgefährlich,

mit dem Wagen den Weg zu

nutzen«, sagt Berit. Die erste Teiletappe

endet nach rund einer Stunde am Ufer

des Vangsmjøse an der E16. Besser ist

man auf den folgenden Kilometern auf

der Nordseite des Sees auf einem kleinen,

wenig befahrenen Sträßlein unterwegs.

Wir nutzen dafür ein Auto und

verbinden das mit einem Ausflug hinein

ins Sanddalen, wo Katharina Sparstad

seit rund 20 Jahren den Sommer auf der

Alm Sparstadtrøe verbringt – wie schon

ihre Großeltern und Urgroßeltern.

Glücklich mit den Tieren

»Früher gab es hier mal 16 Betriebe, jetzt ist

nur noch unserer übrig«, schildert die Norwegerin

den Niedergang der traditionellen

Seterwirtschaft in ihrem Land. Kühe und

Ziegen werden hier oben gehalten, aus der

Milch macht Katharina Käse, die Laibe liegen

auf einem Holzregal. »Je länger er reift,

desto intensiver wird der Geschmack«, sagt

sie. Mehr als zwei Jahre sollten es aber nicht

sein. Die Sennerin ist den ganzen Sommer

oben auf der Alm, »etwa von Mitte Juni bis

Anfang September«. Es gebe so viele schöne

Augenblicke hier oben, erklärt sie den

Grund für ihr Sommer-Leben ohne jeglichen

Komfort – es gibt weder Strom noch warmes

Wasser. »Das schönste für mich ist, die Natur

und die zufriedenen Tiere zu sehen«,

erzählt sie, »das strahlt auf mich eine große

Ruhe aus. Außerdem könne sie dort ihre

Großeltern und Urgroßeltern besser verstehen,

die die Alm einst betrieben hatten.

52 Nordis


Bachquerung auf der

Etappe über das Filefjell.

Rustikaler kulinarischer Einstieg

in den Kongevegen.

Westlich des rund 20 Kilometer langen

Vangsmjøse folgen die E16 und ihre Nebenwege

dem Gebirgsfluss Begna nach oben.

An der Tyinkrysset kann man in Richtung

des südlichen Teils des Jotunheimen abbiegen

und erreicht auch die traditionelle Wanderer-Unterkunft

Eidsbugarden, wo die

Boote über den Bygdinsee mit dem Ziel Bygdin

an der Valdresflya-Straße ablegen. Hier

an der Tyinkrysset stehen auch die komfortablen

Hütten der Filefjellstuene, die im

Winter von Skifahrern und im Sommer von

Wanderern und Autotouristen genutzt werden.

»Morgen werden wir über die höchste

Stelle des Kongevegen laufen«, erzählt Hotelier

Magne bei einem leckeren Abendessen

mit traditionellen Spezialitäten im urgemütlichen

Restaurant der Filefjellstuene, die

zu meinem Quartier werden.

Der Höhepunkt des

Kongevegen

Der Norweger hat am nächsten Morgen

seine beiden kleinen Kinder dabei. »Der

Kongevegen ist für nahezu jeden machbar«,

sagt er beim Einsteigen ins Auto, mit

dem wir den Weg zum Ausgangspunkt Kykjestølen

verkürzen. Zehn Kilometer bis

Maristuen liegen vor uns – und dazwischen

der Gipfel des Filefjell. Wir balancieren

auf Steinen über einen Bach, nutzen

schöne, neu errichtete Brücken, sind beeindruckt

von einem rauschenden Wasserfall

und lassen schließlich die letzten Birken

unter uns.

»Der Kongevegen wurde 1793 eröffnet«,

berichtet Magne über die Geschichte der

ersten Verbindung zwischen Oslo und Bergen.

Der Weg sei sowohl im Sommer als

auch im Winter genutzt worden – zu Fuß,

aber auch mit Pferden und Wagen. »Das

muss ganz schön hart gewesen sein«, ergänzt

er. Kurven waren zumindest auf diesem

Teilstück kaum zu meistern. Schnurstracks

verläuft der Weg vor uns in

Richtung einer Kuppe, nimmt dabei keinerlei

Rücksicht auf das Terrain und die Topografie.

»Das französische Prinzip«, sagt Magne

und kann sich ein Schmunzeln nicht

verkneifen. »Damals galten die Franzosen

als die besten Straßenbauer in Europa«,

fügt er hinzu. »Es waren Militärs, und für

die galt die schnurgerade Linie als schnellste

Verbindung zwischen A und B. Der dänische

König, zu dessen Reich wir damals

gehörten, holte sich diese Experten ins

Land«, ergänzt der Norweger.

Das funktioniert so lange gut, wie keine

großen Steigungen zu überwinden sind –

so wie hinauf auf die Murklopphegda, »den

Die Holzhäuser von

Sørre Hemsing

trotzen schon einige

Jahrhunderte dem

Wetter.

Nordis 53


Outdoor

Französisches Prinzip:

schnurgerade über

das Fjell.

höchsten Punkt des Weges«. Den Blick von

diesem Gipfel zeigt auch ein 1819 entstandenes

Gemälde von Wilhelm Carpelan, das

die erste bekannte Darstellung des Jotunheimen-Gebirges

ist und auch für das wiedererwachte

Nationalgefühl der Norweger steht.

Das Land war zu diesem Zeitpunkt gerade

einmal fünf Jahre unabhängig von Dänemark

und entdeckte seine großartige Natur.

Doch als es später nach einer Pause wieder

bergab geht, ist kaum vorstellbar, wie man

damals mit einer Kutsche die extrem steilen

Aufstiege und Abfahrten gemeistert hat.

Zeichnungen auf den am Wegesrand aufgestellten

Infotafeln sprechen Bände. Und das

ist wohl auch der Grund, warum die Trasse

einige Jahrzehnte später an einigen Stellen

verändert wurde.

In Maristuen, dem Ende der Etappe, besuchen

wir noch das kleine Museum in einer

der typischen Unterkünfte entlang des Kongevegen,

die es im Abstand von jeweils rund

20 Kilometern gab. Dann treffen wir Kåre

Hovland, der als einer der Väter der wiederbelebten

historischen Verbindung gilt. »Die

Idee dafür spukt schon seit den 1970er-Jahren

in meinem Kopf herum«, erzählt der

Norweger, dem die Bedeutung der ehemaligen

Trasse früh klar wurde. Die Strecke

sollte durchgehend mit Wagen befahrbar

sein und hatte deshalb eine genau festgelegt

Breite sowie einen steinernen Untergrund,

der heute freilich an vielen Stellen von Gras

überwachsen ist. »Die Brücken mussten

rund vier Meter breit sein, die Pfeiler rechts

und links hatten genau zweieinhalb Meter

hoch zu sein«, sagt Kåre. Doch davon war

nach gut zwei Jahrhunderten nicht mehr

viel zu sehen. »Wir haben vor sieben Jahren

auch mit Hilfe von Sherpas aus Nepal begonnen,

den Kongevegen zu restaurieren«, sagt

er, »und ich bin heute sehr glücklich damit.«

Drachenköpfe und Riesenschlangenwindungen

Ein paar Kilometer weiter talabwärts ragt

das teergeschwärzte Holz der Stabkirche

von Burgund in den am Tag darauf be-

Auf dem Kongevegen informieren

viele Tafeln über die Geschichte der

historischen Verbindung.

Borgund ist trotz

Drachenköpfen keine

Wikingerkirche.

54 Nordis


deckten Himmel. »Auch wenn viele das

glauben: Das ist keine Wikingerkirche«, sagt

Tanna Gjeraker, die für die Fortidsminneforeningen

das historische Gebäude betreut.

Denn als die Kirche 1180 gebaut wurde,

hätten die letzten Kämpfe der Wikinger in

England 120 Jahre zurückgelegen. »Die Drachenköpfe

an der Stadtkirche gibt es zwar

auch an den Wikingerschiffen, sie sind aber

auch christliche Symbole«, erzählt Tanna

und öffnet die Tür. Es dauert einige Sekunden,

bis sich die Augen an die Dunkelheit

gewöhnt haben. Nur durch wenige Öffnungen

dringt Tageslicht nach innen, »Fenster

gab es damals noch nicht«, sagt sie.

»Das verhinderte, dass Schnee in das Kircheninnere

geweht wurde.« Mittlerweile sind

aus den dunklen Schatten Konturen geworden,

offenbart sich die Schönheit des Gebäudes:

die Holzpfeiler, die den Stabkirchen ihren

Namen gaben, Symbole wie die zwölf

Masken, die vielleicht die Apostel darstellen,

vielleicht aber auch Motive der alten Götter

aufgreifen. »Wir wissen es schlichtweg

nicht«, sagt Tanna. Aber eines sei klar: Gebaut

wurde die Kirche von Männern, die

normalerweise Schiffe bauten, was am Baustil

zu erkennen sei.

Hinter der Kirche beginnt eine der bekanntesten

Etappen des Kongevegen: der Vindhellavegen,

der auch als Rundtour machbar

ist. Es geht ein paar Meter über eine Schafweide

hinauf, dann stößt man auf einen breiten,

grasbewachsenen breiten Weg – den

Kongevegen, der hier auf einer steinernen

Rampe gemächlich und Pferdekarren-geeignet

in Richtung einer Scharte führt. Oben

angekommen fällt der Blick in das waldbestandene

Lærdal und einen ästhetisch ungemein

ansprechenden, gleichwohl atemberaubenden

Weg. Und der war für das

Norwegen Mitte des 19. Jahrhunderts ein

Novum, schmiegte er sich doch nicht an den

Untergrund, sondern trotzt auf hohen Steinmauern

dem steil abfallenden Hang. Für

Das Rauschen

des Soknefossen

ist weithin im Tal

zu hören.

mich steht neben der Fjellstrecke dieses Bild

für den Kongevegen: der Wille, einen gut zu

gehenden und auch passabel zu fahrenden

Weg zwischen dem Osten und Westen des

Landes zu schaffen. Denn hier windet sich

der Kongevegen wie eine Riesenschlange

durch das Tal. Vier enge Kehren sollen die

Steigung in Grenzen halten. »Im Laufe der

Jahre hat es sich jedoch gezeigt, dass es für

die Fuhrwerke immer noch zu steil war«,

erzählt Guide Eirik. 30 Jahre nach dem –

aufwendigen – Bau wurde der Vindhellavegen

durch eine andere Route ersetzt, die am

Fluss entlangführte.

Vom Wasserfall zum Fjord

Die für mich letzte Etappe des Kongevegen

heißt Galdane, benannt nach einem abgele-

Der Vindhellavegen

schlängelt sich durch das Tal.

Nordis 55


Outdoor

Galdane ist zweifellos

eine der schönsten

Etappen des Kongevegen.

Dank guter

Beschilderung ist das

Verlaufen unmöglich.

genen Hof ein Stück talabwärts. »Diese Etappe

galt als die schwierigste und gefährlichste«,

erzählt Eirik – und ist für Tanna eine

der schönsten Wanderungen in der Region.

Sie beginnt fast im Anschluss an den Vindhellavegen

mit dem Sjurhaugsfossen und einer

Klamm, durch die sich der Lærdalselvi tosend

seinen Weg bannt. An der Olavsklemma,

einer von Felsen umrahmten Engstelle,

soll sich der König mit seinem Pferd durchgezwängt

haben, was Spuren im Stein hinterlassen

hat. Immer am Fluss entlang erreichen

wir den Soknefossen und wenig später Galdane,

einen am steilen Hang oberhalb des

Flusses gebauten Hof. »Hier lebten schon im

17. Jahrhundert Menschen«, sagt Tanna.

Und es heißt, dass man die Kinder angeseilt

habe, damit sie nicht den steilen Hang hinunter

in den Fluss fallen.

Durch das Lærdal erreicht man schließlich

Lærdalsøyri. Der alte Handelsplatz mit den

hübschen Holzhäuschen war 2014 in den

Schlagzeilen sämtlicher Zeitungen, nachdem

ein Brand am 19. Januar insgesamt 40 Häuser

zerstört hatte. Davon ist heute jedoch

nichts mehr zu sehen. »Die Flammen haben

vor allem außerhalb des historischen Zentrums

gewütet«, sagt Helene Maristuen, die

sich bestens im Ort auskennt. Sogar Eric

Clapton sei einmal hier gewesen. Dass es der

Top-Gitarrist war, der sich hier nach Angelmöglichkeiten

erkundigte, habe man erst

später festgestellt, erzählt Helene lachend. •

Allgemeine Informationen

Auf der Internetseite des Kongevegen

www.visitkongevegen.no bekommt man

(im Moment nur auf Norwegisch) ausführliche

Informationen zur Wanderung

und zur Infrastruktur entlang des Weges.

Generell helfen die Tourist-Infos in der

Gegend weiter. Tipps bekommt man

auch in den Filefjellstuene.

ANREISE

Nach Vang zum östlichen Ausgangspunkt

des Kongevegen gelangt man

mit dem Auto von Oslo aus in rund 3,5

h. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus

bzw. Zug) braucht man ca. 6 h. Von Bergen

zum westlichen Startpunkt Lærdal

benötigt man mit dem Auto 3 h, mit Zug

und Bus 3,5 h.

ÜBERNACHTUNG

Hervorragender Ausgangspunkt für

Tagestouren sind die Filefjellstuene in

Tyinkrysset. Hier gibt es sowohl einfache

als auch komfortable Hütten, hervorragend

essen kann man im gemütlichen

Restaurant der Anlage. Es werden

Kongevegen-Pakete angeboten, die

auch Transfers für die Wanderungen

enthalten.

Filefjellstuene

Tel. +47-46 66 56 65

post@tyinfilefjell.no

www.tyinfilefjell.no

Sørre Hemsing

Berit und Arne Nefstad

N-2975 Vang i Valdres

Tel. +47-971 68 458

post@sorrehemsing.no

www.sorrehemsing.no

WANDERN AUF DEM KONGEVEGEN

Der »Kongevegen over Filefjell« ist 110 km

lang. Macht man die komplette Tour, ist man

dafür je nach Tempo drei bis sechs Tage

unterwegs. Teile verlaufen allerdings auf

wenig befahrenen kleinen Asphaltstraßen.

Bist auf ein paar steilere An- bzw. Abstiege

enthält der Weg keine Schwierigkeiten.

Große Teile verlaufen in geschützten Lagen,

sodass man auch bei schlechterem Wetter

unterwegs sein kann. Lediglich die Etappe

über das Filefjell von Kyrkjestølen nach Maristova

führt oberhalb der Baumgrenze über

die Berge. Hier sollte man einen Blick auf

die Wettervorhersage werfen, wenngleich

verlaufen nicht möglich ist. Die Strecke kann

auch mit dem Fahrrad erlebt werden, dann

aber teilweise auf anderen Wegen. Der

Kongevegsbussen fährt in der Hauptsaison

morgens von Lærdal nach Tyinkrysset

und zurück.

ABSTECHER

Sanddalen

N-2975 Vang i Valdres

Tel. +47-99 00 95 84

www.valdres.no

Die Alm ist drei Mal in der Woche oder

auf Bestellung für Besucher geöffnet. Sie

kann entweder in einer mehrstündigen

Wanderung oder auf einer mautpflichtigen

Schotterstraße (NOK 50) erreicht

werden.

56 Nordis


Advertorial

Das Comeback des

Norwegerpullovers

Der Klassiker

modern

interpretiert

»Norge Strikk« liegt absolut im Trend.

Seit einiger Zeit schon findet man die

traditionellen, unverwechselbaren Strickmuster

wieder verstärkt auf Jacken,

Pullovern, Mützen und Handschuhen.

Ein innovativer Wegbereiter, der dem

klassischen Norwegerpullover zu neuer

Attraktivität verholfen hat, ist

»Dale of Norway«. Das norwegische

Traditionsunternehmen hat seine

Kollektion komplett überarbeitet und

innovative Verarbeitungstechniken der

Wolle mit neuen Mustern kombiniert.

Seine Wurzeln hat der Norwegerpullover (norw.: Lusekofte) im südlichen

Setesdal. Bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert wurden hier

die mit traditionellen Mustern verzierten Wollpullover in heimischer

Handarbeit gestrickt. Dienten sie zunächst vor allem Seeleuten und Fischern

als warme und robuste Outdoorbekleidung, erfreuten sich die Pullover

bald auch unter Touristen großer Beliebtheit und verhalfen dem

Kleidungsstück über die Grenzen von Norwegen hinweg zu Bekanntheit.

Mit der Zeit entwickelten sich aus den anfänglich eher schlicht gehaltenen

Mustern weitere Muster und Farbvariationen. Die aus der Region Selbu

im Setesdal stammende Selburose mit dem markanten achtzackigen Stern

ist zum Beispiel heute noch eine der beliebtesten Mustervarianten der

Strickpullover.

Im Dale-Tal an der norwegischen Westküste zwischen steilen Bergen und

Wasserfällen hat seit 1879 Dale of Norway seinen Sitz. Das Textilunternehmen

hat sich früh auf die professionelle Herstellung der traditionellen

Wollkunst spezialisiert. Nachhaltigkeit und Qualität stehen dabei an erster

Stelle. Bei der Herstellung wird ausschließlich reine Wolle ohne synthetische

Mischgarne verarbeitet. Die Wolle selbst stammt aus zertifizierter,

ökologischer und tierfreundlicher Produktion. Den benötigten Strom und

Wasser bekommt das Werk von umliegenden Wasserfällen. Dank der seit

Generationen weitergegebenen Stricktechniken und Muster kann Dale of

Norway bis heute ein einzigartiges, norwegisches Kulturerbe lebendig halten

und bewahren. Das Unternehmen ist dabei das einzige, das die traditionellen

Strickwaren weiterhin in seinem Heimatland herstellt.

Ein Pullover erobert die Welt

Die Strickpullover »made in Norway« haben sich seit Jahrhunderten als

robustes Outdoorkleidungsstück etabliert – und das nicht nur in Norwegen.

Wolle ist von Natur aus atmungsaktiv, trocknet schnell und spendet

selbst im nassen Zustand noch Wärme. Diese natürlichen und praktischen

Eigenschaften machen sich die Designer von Dale of Norway auch heute

noch zu Nutzen. »Kratzig und sackig war gestern«, lautet dabei das Motto.

So optimierten sie die Herstellungsprozesse, ergänzten die robuste, norwegische

Wolle um neue Naturwollgarne und leichtere Stücke aus weicher

Merinowolle und kreierten eine ganze Palette moderner, figurbetonter,

sowohl outdoor- als auch bürotaugliche Stücke, die den Träger auch bei

Plusgraden oder sportlichen Aktivitäten nicht ins Schwitzen bringen.

Grundlage der inzwischen auch in frischen Trendfarben und Designs daherkommenden

Kleidungsstücke sind jedoch bis heute die traditionellen

und klassischen Muster von damals. Eine Traditionsbewahrung, die sich

auszahlt. So setzen nicht nur die norwegischen Teams bei den olympischen

Spielen und Weltmeisterschaften seit 1956 auf die Pullover der

Dale-Kollektionen. Auch auf den Straßen der europäischen Großstädte ist

der Strickpullover längst angesagter, alltagstauglicher Begleiter. Das deutsche

Modeinstitut hat den Norwegerpullover in diesem Winter sogar zum

»Highlight« der Saison gekürt.


Dale of Norway

Es lohnt sich, im Norwegen-Urlaub einen Abstecher zum geschichtsträchtigen

Werk von Dale of Norway zu machen und im Outlet-Store

vorbeizuschauen. Wer dazu keine Gelegenheit hat, findet die Qualitätsprodukte

der Marke auch in vielen deutschen Fachgeschäften

und bei autorisierten Versandhändlern im Internet. Mehr Infos und

eine Shop-Suchfunktion findet man auf www.daleofnorway.com.


Outdoor

Besuch im

Outdoor

College im

norwegischen

Sirdal

Mehr als Mathe

und Englisch

Hauptgebäude der

Dr. Rolf Hoffmann-

Skole im Sirdal.

Ordentlich stehen die Schuhe im

Regal. Keine schnieken Highheels

oder Sneaker, sondern Trekkingstiefel

und Gummistiefel. Im Outdoor College

im südnorwegischen Sirdal müsse

man praktisch denken, sagen die 14-jährige

Anna aus Bad Urach und ihr gleichaltriger

Mitschüler Simon aus Tübingen.

Die beiden nehmen mich mit zu einer

Hausführung. Erster Stopp: Der Vorraum

mit eben jenem Schuhregal, denn

Schuhe sind in sämtlichen Häusern tabu.

Gleich daneben: der Putzraum. »Wir

müssen unsere Zimmer immer ordentlich

halten«, erzählt Anna, »und das ist

tatsächlich ganz schön schwierig«, ergänzt

sie schmunzelnd. Rechts und links

eines langen Ganges zweigen die Zimmer

ab. »Immer vier Jugendliche in

einem Raum.« Den zwölf Mädchen und

Schuhe sind tabu

in den Räumen.

Das Outdoor College ist eine fast normale Schule. Nur, dass

die Neuntklässler zusätzlich zum Unterricht Küche und Haushalt

schmeißen müssen, das Führen eines Hundegespanns lernen

und das Leben in der freien Natur. Auch im Winter. Ist wohl

doch keine normale Schule – nicht mal fast ...

TEXT & FOTOS: THOMAS KRÄMER

Vier Jugendliche teilen

sich ein Zimmer.

14 Jungs stehen jeweils zwei Badezimmer

zur Verfügung, »Staus am Morgen

gibt es aber keine«, erzählt Anna.

Durch den »Glaskasten«, in dem die Lehrer

– hier »Teamer genannt« ihre Besprechungen

abhalten, geht es ins Klassenzimmer.

Das sieht eigentlich so aus wie in

einer deutschen Schule. Nur ein paar norwegische

Begriffe zeigen, dass manches

an dieser Schule doch ein wenig anders ist

und außer Deutsch, Mathe, Englisch, Naturwissenschaften

eben auch Dinge vermittelt

werden, die es in der Heimat nicht

gibt. Norwegisch zum Beispiel, aber vor

allem das Leben draußen in der freien Natur

– aber das freilich nicht hier im Klassenzimmer.

Daneben der Werkraum, ein

Speisesaal, in dem gemeinsam die Mahlzeiten

eingenommen werden, dann über

eine Treppe hinunter die Küche, wo nicht

professionelle Köche am Herd und Spülbecken

stehen, sondern die Schüler selbst.

Immer vorausgeplant für eine Woche mit

einem bestimmten Budget. Und wenn die

Vorräte verbraucht wurden, gibt es zum

Gulasch keine Beilage (so wie am Tag davor)

oder nur sporadisch Wurst und Käse

aufs Brot. Da muss am Abend dann Butter

genügen.

Eigenverantwortung

übernehmen

»Regeln einhalten, Verantwortung übernehmen,

selbstständig denken und handeln,

all das spielt für uns eine große Rolle«,

sagt Schulleiter Nis-Peter Simonsen,

der einst als Praktikant im Sirdal anfing

und heute hier der Schulleiter ist. So versuche

man zu erreichen, dass die Schüler

selber ein Interesse daran entwickeln, die

Regeln einzuhalten. »Bei Verstößen reagieren

wir mit nachvollziehbaren Konse-

58 Nordis


Training für

die Wintertouren.

Der Umgang mit den

Hunden ist wichtiger Bestandteil

des Unterrichts

im Outdoor College.

Mathe, Deutsch &

Co: Klassenraum im

Outdoor College.

quenzen. Wer zehn Minuten zu spät auf

dem Zimmer ist, muss am nächsten

Abend 20 Minuten früher im Bett sein«,

gibt Nis ein Beispiel. Grundsätzlich arbeite

man hier ganz wenig mit dem Einzelnen,

sondern setze auf die Gruppe und

Gruppendynamik, ergänzt er, darauf, dass

sich die Neuntklässler gegenseitig unterstützen,

Respekt voreinander entwickeln,

aber auch Konflikte vernünftig austragen,

ergänzt er. Man gebe den Schülern von

vornherein viel Aufgaben und viel Verantwortung

in die Hand – mehr als zu Hause.

Das Ziel: die ganzheitliche Entwicklung

des Menschen.

Hunde als

Herausforderung

Während zwei Gruppen am nächsten Tag

Unterricht haben und eine sich um Haushalt

und Küche kümmert, ist die vierte Gruppe

auf der nahe gelegenen Sirdal Huskyfarm.

Die Hunde heulen und jaulen respekteinflößend

– und wollen doch nur eins: laufen.

Also Geschirr anlegen, die ungeduldigen

Vierpfoter ans Zugseil hängen. Alles Dinge,

die – gleichwohl ungefährlich – am Anfang

von den Jugendlichen Mut erfordern. Dann

immer zu zweit auf einem Wagen durch die

Landschaft preschen. Eine Herausforderung,

die sich binnen kurzer Zeit in Stolz verwandelt,

was auf den meisten Gesichtern anzusehen

ist, die nicht mehr angespannt, sondern

zufrieden und glücklich wirken.

Tage wie dieser sind die Vorbereitung für

längere und härtere Outdoorunternehmungen

auch im Winter. Es geht darum,

dass die Schüler kennenlernen, was die

wirklich wichtigen Bedürfnisse sind: Nahrung,

Schutz, Schlaf und Wärme.

»Die Eltern«, hatte Nis gesagt, »bekommen

Jugendliche zurück, die sich verändert haben,

die selbstständiger und selbstbewusster

sind«. Und das ist doch ebenso viel wert wie

eine gute Note in Mathe oder Englisch. Mindestens.



INFO

Das Outdoor College in der

Dr. Rolf Hoffmann-Skole befindet

sich im südnorwegischen Sirdal.

Das nächste Schuljahr für dann

Neuntklässler beginnt am 1. August

2018 und endet nach sieben Monaten

am 28. Februar 2019, anschließend

kann weiter die neunte Klasse

in der Heimat besucht werden. Die

Bewerbungsfrist für 2018 endet am

1. März.

Der Werkraum ist

vor allem bei den

Jungs beliebt.

Outdoor College

Mühlenberg 4

D-24398 Sundsacker

Tel. 04644-973 71 70

info@outdoor-college.de

www.outdoor-college.de

Nordis 59


Reportage

Das Boot direkt

vor der Wohnung.

Hammarby Sjöstad

Neues Bauen

braucht das Land

Hammarby Sjöstad, eine neue Wohnsiedlung am Rande der Stockholmer Innenstadt, lockt

Besucher aus der ganzen Welt an. Allerdings keine Touristen auf Sightseeingtour, sondern Architekten

und Stadtplaner, die sich von neuen Baukonzepten inspirieren lassen wollen.

Text & Fotos: Rasso Knoller

Modernes Bauen mit viel Grün –

auch auf den Dächern.

Überall werden Kinderwagen geschoben.

Gleichberechtigt. Mindestens

ebenso viele Männer wie Frauen sind

mit dem Nachwuchs unterwegs. Ein Plakat

wirbt für ökologische Babykleidung. Davor

eine Frau mit Schwangerschaftsbauch, die es

interessiert und vorausschauend studiert. Im

Steakhouse sind am Nachmittag noch die

Plätze frei, nebenan im Eisladen belohnt eine

Mutter ihr Kind mit einem Vanilleeis. Ein

Mittvierziger mit Bart, Glatze und blauem T-

Shirt startet ein paar Schritte weiter den Motor

seiner Yacht. Sie ist allenfalls fünf Meter

lang, nichts Großes. Vom Hafen von

Hammarby Sjöstad aus sticht der Mittelstand

in See.

Das Viertel am Rande der Innenstadt ist das

neueste Stadtentwicklungsprojekt in der

schwedischen Hauptstadt. In den vergangenen

Jahren sind hier 11.500 Wohnungen

entstanden, zudem wurden hier mehr als

5.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das

Viertel will Maßstäbe setzen, in Sachen

Nachhaltigkeit ein weltweites Vorbild sein.

Vom Slum zum Vorzeigeprojekt

Doch der Reihe nach. Bis in die 1980er-Jahre

hinein dampften in Lugnets industriområde –

wie Hammarby Sjöstad damals noch hieß – die

Schlote. Die alten Fabriken machten schließlich

eine nach der anderen dicht und hinterließen

ein Gebiet, in dem der Boden voller

Schadstoffe und das Wasser verschmutzt war.

Weil sich niemand für das Areal interessierte,

machte sich in der heruntergekommenen Gegend

bald Stockholms Halbwelt breit. Drogenabhängige

und Obdachlose fanden hier in notdürftig

zusammengezimmerten Hütten ein

Rückzugsgebiet. 1991 reichte Stockholm dann

seine Bewerbung für die Olympischen Spiele

2004 ein. Dabei setzte man voll auf die »Umweltkarte«.

Die Stockholmer Spiele hätten die

»grünsten« aller Zeiten werden sollen, und

Lugnet der Ort für das Olympische Dorf.

Schlussendlich hat Athen die Spiele bekommen;

den Plan einer umweltfreundlichen

Stadt gaben die Schweden aber nicht auf.

1996 rückten die Bagger an, die Industrieruinen

wurden abgerissen, der Boden saniert.

Das Millionenprogramm

Stockholm gehört zu den schnellsten wachsenden

Städten in Europa. Für Leute, die hier-

60 Nordis


Vom Balkon aus

freier Blick aufs Meer.

Fähre nach

Hammarby Sjöstad.

her kommen, ist es nahezu unmöglich, eine

Wohnung zu finden. Schon einmal hatte

Schweden ein großes Bauprogramm gestartet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten innerhalb

von zehn Jahren im »Millionenprogramm«

eine Million Wohnungen entstehen.

Bei einer Gesamtbevölkerung von damals

7,8 Millionen ein gigantisches Projekt. Herausgekommen

sind dabei lieblos auf die

flache Wiese gestellte Trabantenstädte mit

Wohnungen von miserabler Qualität. Heute

sind genau das die Stadtteile, in denen die

größten sozialen Probleme herrschen. Aus

diesem weitgehend gescheiterten Projekt hat

man Lehren gezogen. Höher als vier oder

fünf Stockwerke ist in Hammarby Sjöstad

kein Gebäude. Es sollte keinesfalls eine

Schlafstadt entstehen, die man morgens verlässt

und in die man abends nach getaner

Arbeit zurückkehrt. Trotzdem fühlte man

sich anfangs in den Straßen der neuen Wohnwelt

so allein wie in der sibirischen Wildnis.

Erst als in einer zweiten Bauphase Geschäfte,

Kneipen und Restaurants eröffneten, kam Leben

in das Viertel.

Autos, nein Danke

Wenn man durch Hammarby Sjöstad spaziert,

dann fallen vor allem die vielen Sitzgelegenheiten

auf – Bänke und breite bequeme

Holzstufen, die zum Wasser hinabführen.

Die Menschen sollen nach draußen gelockt

werden, sollen die Neubausiedlung im ursprünglichen

Sinn des Wortes beleben. Nie

ist der Weg weit zum Wasser, nie weit zum

nächsten Park. Laut den offiziellen Vorgaben

soll jeder Bewohner, egal wo er wohnt, höchstens

300 Meter gehen müssen, bevor er am

Meeresufer steht.

Grün gibt‘s aber nicht nur am Boden, auch

auf einigen Dächern wachsen Bäume. Politisch

korrekt hat man sogar ein kleines Schilfgebiet

angelegt. Zum Umweltschutz dürfte

das Minibiotop zwar nur wenig beitragen

und das Entenpaar, das sich dort niedergelassen

hat, gehört auch zu keiner gefährdeten

Art – doch immerhin haben die Kinder so

Tierblick direkt vom Balkon.

Parkplätze gibt es nur wenige in Hammarby

Sjöstad. Man braucht sie auch nicht. Denn

statistisch gesehen hat nur jeder zweite

Haushalt ein Auto. Jenny Holmér, die mit ihrem

Ehemann und ihrem kleinen Sohn aus

Mittelschweden hierher gezogen ist,

schwärmt: »Wenn wir ins Zentrum wollen,

fahren wir eigentlich immer mit der kostenlosen

Fähre. Mit dem Kinderwagen ist das

ideal«. Holmérs könnten aber auch den Bus

nehmen, der biogasbetrieben Richtung Stadtmitte

unterwegs ist, oder auch mit der Straßenbahn

fahren.

Einen Nachteil haben die Parkplatzverknappung

und die bewusst autounfreundliche

Straßenführung in der Seestadt aber doch.

»Wenn auch nur ein Auto falsch geparkt hat,

kommen die Busse hier nicht mehr durch

und dann steht man ewig im Stau«, beschwert

sich Frau Holmér. Gut, dass zumindest

die Müllwagen nicht durchs Viertel fahren

müssen. Beim »Hammarby-Modell« wird

der Müll unterirdisch in Röhren durch Unterdruck

zu einer Sammelstelle befördert. Zwei

Kraftwerke verbrennen den Abfall und mit

der so gewonnenen Energie werden einige

der Häuser geheizt. Die Kläranlage des Stadtviertels

wandelt Abwasserreste in Düngemittel

und Biogas um, mit dem dann Busse betankt

und Gasherde in Privatwohnungen

betrieben werden. Der Stadtteil versorgt sich

heute weitgehend autonom.

Aktuell arbeitet man daran, aus dem Meerwasser

Energie zu gewinnen um damit zumindest

einen Teil der Häuser zu beheizen.

»Mit der Seewärme werden wir unsere Heizkosten

um mehr als 70 Prozent senken können«,

so Jörgen Lööf, der Vorsitzende der Eigentümervereinigung

in Hammarby Sjöstad.

Dass der Stadtteil seiner Rolle als Vorzeigemodell

gerecht wird, liegt auch an seinen

Bewohnern. Die unterstützen die Energiesparmaßnahmen

und lassen sich regelmäßig

zum Thema nachhaltiger Lebensstil fortbilden.

Als man vor Kurzem feststellte, dass der

Wasserverbrauch pro Kopf anstieg, bot man

den Anwohnern sofort den entsprechenden

Einspar-Crashkurs an. Das Ergebnis kann

sich sehen lassen – der Wasserverbrauch pro

Kopf ist in Hammarby Sjöstad inzwischen 25

Prozent niedriger als in den übrigen Stadtteilen

Stockholms.


In Hammersby Sjöstadt

gibt es viele Restaurants.

Vater und Sohn

gemeinsam

unterwegs.

Nordis 61


Norwegen · Schweden · Dänemark · Finnland · Island · Färöer · Åland · Grönland

Die meisten Elektroautos und

der längste StraSSentunnel

NORWEGEN Hier leben die glücklichsten Menschen, hier gibt

es die meisten Elektroautos pro Einwohner, den längsten Straßentunnel

und den ersten schwimmenden Windpark der Welt. Diesen und noch zahlreiche

weitere Rekorde beansprucht Norwegen wohl zu Recht für sich.

Nachzulesen im Buch: »Norwegen superlativ«. Der 106 Seiten starke Band

versammelt insgesamt 44 der Rankings, Rekorde und Innovationen, mit

denen sich Norwegen international einen Namen machte oder sich vor den

Nachbarländern auszeichnet. Sie stammen aus den Bereichen Land und

Leute, E-Mobilität, Energie und Umwelt, Informationstechnologie, Wirtschaft,

Tourismus und Sportstätten. Insgesamt erhält man einen lesenswerten

und kurzweiligen Überblick über die Leistungen norwegischer

Unternehmen und Forschungsinstitute, bei denen auch die Beteiligungen

deutscher, österreichischer oder Schweizer

Partnerfirmen nicht ungenannt bleiben.

www.norwegen-superlativ.com (sb)

Das Buch »Norwegen Superlativ. Rankings,

Rekorde, Innovationen« kann für 23 €

zzgl. Versand direkt beim Verlag Falkner

Business Publishing oder über das BusinessPortal

Norwegen bestellt werden.

Suzannes Wortreich

WAS BEDEUTET PLASTHVAL?

NORWEGEN Der Begriff »plasthval« (Plastikwal) hat

sich bei den Norwegern so fest etabliert, dass der norwegische

Sprachenrat ihn als politisch relevant erachtet und daher jetzt in

die Liste neuer Wörter aufgenommen hat. Forscher der Universität

Bergen fanden im letzten Jahr einen gestrandeten Wal, der

trotz Rettungsversuche immer wieder zurück ins flache Gewässer

schwamm. Das zwei Tonnen schwere Tier musste getötet

werden. Da so ein Cuvier-Schnabelwal in nördlichen Gewässern

nur äußerst selten vorkommt, sollte der über zwei Tonnen

schwere Kadaver für das Naturhistorische Museum in Bergen

aufbereitet werden. Dabei wurden im Magen des Wals insgesamt

30 Plastiktüten und jede Menge Mikroplastik gefunden.

Der Wal war am Verhungern, da der Plastikmüll einen Pfropfen

im Magen gebildet hatte. Jedes Jahr verschmutzen Millionen

Tonnen Plastikmüll die Meere und werden für deren Bewohner

zur tödlichen Falle. Um auf diesen besorgniserregenden Umweltmüll

in den Meeren hinzuweisen, zeigte das Universitätsmuseum

Bergen alle Plastikteile aus dem Magen des Wals in einer

Aufsehen erregenden Ausstellung.

Staatsministerin

Erna Solberg (Høyre).

Foto: © Thomas Haugersveen/

Statsministerens kontor

Finanzministerin

Siv Jensen (FrP).

Koalitionsverhandlungen

auf Norwegisch

NORWEGEN Während in Deutschland noch verhandelt und

debattiert wird, hat Norwegen vier Monate nach der Parlamentswahl im September

eine neue Regierung. Die konservative Høyre, die liberale Venstre und

die rechtspopulistische Fremskrittspartiet (Fortschrittspartei, FrP) hatten am

2. Januar ihre Koalitionsverhandlungen begonnen und sich zwölf Tage später

auf einen gemeinsamen Regierungskurs verständigt. Alte und neue Regierungschefin

ist Erna Solberg (H), deren Partei aus den Wahlen im September

mit 25 Prozent der Stimmen als zweitstärkste Kraft hervorging. Die mit 27,4

Prozent stärkere sozialdemokratische Arbeiterpartei konnte mit ihren Partnern

keine rotgrüne Regierungsmehrheit bilden. Auch für Solberg reichte es

nicht für eine Mehrheit im norwegischen Parlament. Dafür wären 85 Mandate

notwendig. Die Drei-Parteien-Regierung kommt jedoch auf 84 Sitze und

setzt zusätzlich auf die Unterstützung der KrF (Kristelig Folkeparti). Solberg

hatte bereits zuvor eine von Venstre und KrF geduldete Regierung aus Konservativen

und Rechtspopulisten geführt. Dieses Mal hatte sie eine Koalition aller

vier Parteien ins Auge gefasst, doch die Christpartei hatte eine zu enge Zusammenarbeit

mit der rechtspopulistischen FrP abgelehnt. Zu den gemeinsamen

Vorhaben der neuen Regierung zähle u.a. das Wirtschaftswachstum anzukurbeln,

neue Arbeitsplätze zu schaffen, die Armut im Land zu reduzieren und

Migranten besser ins Arbeitsleben zu integrieren, erklärte Solberg zu Regierungsantritt.

Chefin der liberalen Venstre, Trine Skei Grande, betonte die Klima-Ziele,

u.a. die Einführung von CO²-Abgaben, eine evtl. höhere Maut für

Dieselfahrzeuge und ein Verbot von Ölbohrungen auf den Lofoten und Vesterålen.

Die Vorsitzende der FrP, Siv Jensen, kündigte an, Norwegen werde

seine Einwanderungspolitik verschärfen, die Anforderungen für die norwegische

Staatsbürgerschaft erhöhen und ein Burka-Verbot ins Auge fassen. (sb)

ZU VERKAUFEN:

Greta Garbos Sommerparadies

Schweden Das herrschaftliche Haus auf der Insel Ingarö

im Stockholmer Schärengarten, in dem die berühmte schwedische Schauspielerin

Greta Garbo (1905–1990) oft ihre Sommerferien verbrachte,

steht derzeit für knapp vier Millionen Euro zum Verkauf. Das gelbe dreigeschossige

Holzhaus hat elf Zimmer mit einer Wohnfläche von 283 Quadratmetern.

Ein Zimmer besitzt an einer Wand sogar eine alte Freskenmalerei

des ehemaligen Königs Gustav Vasa und soll der Spieleraum von

Garbo gewesen sein. Der dazugehörige Garten mit knapp 11.000 Quadratmetern

zeugt noch heute davon, dass Hollywoodstar Garbo privat

sehr scheu war und die Öffentlichkeit mied, denn mit seinen vielen Bäumen,

Büschen sowie Lavendel- und Rhododendron-Sträuchern verwehrt

er den Einblick in das Grundstück. Es wird erwartet, dass die Residenz

binnen kürzester Zeit einen Käufer findet. Garbos Wohnung in Manhattan,

wo sie über 40 Jahre lebte, wurde letztes Jahr nach nur ein paar

Wochen für mehr als acht Millionen Dollar verkauft. (sf)

Foto: © Rune Kongsro

62 Nordis


Niinistö gewinnt die finnische

Präsidentenwahl

Finnland Gleich in der ersten Wahlrunde haben die

finnischen Wählerinnen und Wähler ihren bisherigen Präsidenten

Sauli Niinistö im Amt bestätigt. Eine absolute Mehrheit von 62,7

Prozent macht eine Stichwahl überflüssig. Grünen-Kandidat Pekka

Haavisto erreichte mit knapp 12,4 Prozent der Stimmen und deutlichem

Abstand Platz zwei und stellte sich der Niederlage: »Niinistö

hat die Wahl eindeutig gewonnen, ich gratuliere ihm von Herzen«.

Der 69-jährige Niinisto gehört zum Lager der Konservativen

und konnte bereits 2012 die Präsidentenwahl für sich entscheiden,

damals noch als Kandidat der Partei Kansallinen Kokoomus (KOK,

dt. Sammlungspartei). Zur Wiederwahl ging er als unabhängiger

Kandidat ins Rennen, unterstützt von der KOK und den finnischen

Christdemokraten. Er gilt als populärster finnischer Präsident seit

Jahrzehnten. Ihm gelang es als erstem Kandidaten, seit 1994 das

Stichwahl-System in Finnland eingeführt worden war, im ersten

Wahlgang die absolute Mehrheit zu erreichen. (sb)

Sauli Niinistö gilt als beliebtester Präsident seit Jahrzehnten.

Foto: © ninisto.fi

Ingvar Kamprad

baute sich mit

dem Verkauf

und Versand

von Möbeln ein

weltweit erfolgreiches

Firmen-

Imperium auf.

Foto: © Inter IKEA Systems B.V.

IKEA-Gründer Ingvar Kamprad ist tot

Schweden Ingvar Kamprad, der Gründer des schwedischen

Möbelkonzerns IKEA, ist am 27. Januar im Alter von 91 Jahren gestorben.

Er sei »in seinem Heim in Småland friedlich eingeschlafen«, gab das Unternehmen

in einer Twitter-Meldung bekannt: »Ingvar wird von seiner Familie

und von IKEA-Mitarbeitern in der ganzen Welt sehr vermisst werden

und in warmer Erinnerung bleiben«. Noch während seiner Lehre zum

Kaufmann gründete der damals 17-jährige Kamprad im Jahr 1943 den

Gemischtwarenladen »IKEA«. Der Name setzt sich aus seinen Initialen,

dem Namen des väterlichen Hofes, Elmtaryd, und dem Heimatdorf Kamprads,

Agunnaryd, zusammen. Anfangs verdiente Kamprad sein Geld mit

dem Verkauf von Kurzwaren und Büroartikeln und eröffnete gegen Kriegsende

als einer der ersten Unternehmer in Europa einen Versandhandel.

Bereits 1947 wurde das Sortiment um Möbel erweitert, 1951 die ersten

IKEA-Kataloge verteilt. Die Boykottversuche und Zulieferverbote seitens

alteingesessener Möbelhändler umgeht Kamprad, indem er beginnt eigene

Möbel zu produzieren. Die Nachahmungen teurer Designerprodukte,

praktisch und transportabel zum Selbstaufbau verpackt, werden zum Markenzeichen

IKEAS. Sie bescherten dem Erfinder des »Imbusschlüssel-

Selbstschraubprinzips« nicht nur bis heute weltweiten Erfolg, sondern

machten ihn auch zum reichsten Mann Schwedens. Heute findet man

IKEA-Filialen in über 40 Ländern, und in vielen europäischen Haushalten

gehören die Möbel und Dekorationen mit klingenden, nordischen Namen

wie Billy, Hemnes, Malm & Co. zur Grundausstattung. (sb)

skandinavien für Anfänger

Wer die Kälte liebt

Schweden Wenn es in meiner Heimatstadt Hamburg

schneit, bricht mit einiger Sicherheit der Verkehr zusammen. Wenn es

in Mittelschweden dagegen nicht schneit, gibt es lange Gesichter. Ein

Winter ohne Schnee im Norden ist reiner Trübsal und wird ausdauernd

beklagt. Dieser Winter begann trübe. Es war zu warm und zu feucht.

Die ersten Sträucher schlugen schon wieder aus. In Lappland fiel zwar

meterweise Schnee, aber das tröstet die Menschen in der Mitte des Landes

nicht. Aber eines schönen Tages kam die Kälte auch nach Stockholm

und mit ihr ein bisschen Schnee. Die ersten Seen froren zu und das Eis

begann zu singen. Es war wie im Sommer: Ein Ruck ging durch das

Land. Das Outdoorleben konnte wieder beginnen. Stockholmer Freunde

holten den Grill aus dem Keller und bauten ihn in ihrem Vorgarten auf.

Es war die Stunde der Eis-Tester, die mit ihren langen Stöcken mit der

Eisenspitze die Seen abfahren und Maß nehmen. Zehn Zentimeter Dicke

gelten als sicher.

Kaum einen hielt es mehr in den eigenen vier Wänden. Es war Zeit für

kleine Fluchten. Mein Nachbar Peter nahm mich mit zum Winterpaddeln.

Im Trockenanzug, mit Schwimmweste, Eispickeln und dicker

Wollmütze auf dem Kopf bahnten wir uns einen Weg durch das dünne

Neu-Eis bis in die Ostseebucht. Im Winter ist das Wasser klarer und eine

Tilmann Bünz war lange

Jahre ARD-Korrespondent für

Skandinavien. Er ist Autor der

Bücher »Wer die Kälte liebt.

Skandinavien für Anfänger«

sowie »Wer das Weite sucht.

Skandinavien für Fortgeschrittene«.

wunderbare Stille liegt über allem. Auf dem Rückweg nach Sonnenuntergang

sank die Temperatur schlagartig und kleine Eisschollen schlugen

dumpf auf den Rumpf. Wir machten, dass wir nach Hause kamen.

Eine dreiköpfige Schwanenfamilie wurde vom raschen Temperatursturz

überrascht, ein Familienmitglied fror im Eis fest. Der Vogel konnte erst

am nächsten Tag befreit werden mit Eimern warmen Wassers. Der Winter

löst den Menschen im Norden die Zunge. Alle haben etwas zu erzählen

von ihren kleinen Abenteuern in Eis und Schnee. Das Beste an

der weißen Jahreszeit ist, dass die Tage länger werden. Das Tageslicht

reflektiert im Schnee und die Dämmerung dauert ein, zwei Stunden

länger. Davon haben alle etwas, auch die, die nur frieren.

Foto: © privat

Nordis 63


NORDEUROPA AKTUELL

5fragen

an...

Peter

NaderMaNN

medien-experte und

spielfilmproduzent

Peter nadermann hat eine vielzahl von spielfilmen und tv-reihen für die Zdf-tochterfirmen network

Movie und Zdf enterprises produziert. dabei brachte er unter anderem die tv-serie um kurt

wallander auf den bundesdeutschen bildschirm. neben den krimis von henning Mankell gehören

dazu auch »kommissar beck«, »kommissarin lund«, »die brücke – transit in den tod«, die schwedische

krimiserie »Modus« und aktuell »springflut«. Und nicht zu vergessen fürs kino: die Millennium-trilogie

von stieg larsson. inzwischen ist der Produzent geschäftsführer der nadcon film gmbh

in köln, an der die constantin film ag in München beteiligt ist. Und? natürlich macht er weiter mit

den hochwertigen koproduktionen. nordis sprach mit dem Medien-experten über die branche.

interview: andrea tebart

1Einmal Schweden – immer Schweden?

Nein, ich würde es anders sagen: einmal Skandinavien, immer

Skandinavien.

2

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, internationale

Film- und Fernsehproduktionen mit schwedischen, dänischen,

norwegischen und finnischen Partnern für das

deutsche Publikum zu starten?

Schon früh haben mich meine Interessen ins Ausland geführt. Das

ist bis heute so geblieben. Beim Kleinen Fernsehspiel des ZDF habe

ich diesen Ansatz in internationale Koproduktionen umgewandelt.

Während sich gegenwärtig fi nnische und norwegische Filme gut

entwickeln, sind gerade schwedische und dänische Exporte mit einer

sehr guten Qualität schon lange auf dem Markt. Wegen der hohen

Kosten wird dort insgesamt nicht so viel produziert. Mit dem

enormen Vorteil, dass man sich intensiv auf das anstehende Projekt

konzentriert. Die Szene ist sehr mutig und gleichzeitig äußerst unkompliziert.

Verträge sind einfach und die Ausbildung aller Beteiligten

ist top. Hinzukommen – typisch für diese Länder – fl ache Hierarchien,

was es noch einmal einfacher für mich macht. Das alles

zusammengenommen sind lauter Garanten für richtig gute Qualität.

3

Neben den genannten Qualitäten gibt es noch ein besonderes

Erfolgsgeheimnis?

Unbedingt. Aus meiner Sicht basiert es auf zwei Phänomenen.

Zum einen sind diese Länder äußerst traditionell, das heißt, eng mit

ihren alten Riten verbunden. Aber gleichzeitig funktionieren sie hypermodern.

Hinzukommt: Am Rande Europas, mit einer geringen

Einwohnerzahl sind die Menschen in den nordischen Ländern

quasi gezwungen, nach außen zu schauen. Und sie sind klug genug,

genau dies auch zu tun. Sie liefern passende Stoffe, sind kreativ,

handwerklich begabt und setzen auf Krimis. Ein Genre, das

international gut zu verkaufen ist, weil es in den allermeisten Ländern

äußerst leicht verstanden wird. Was hinlänglich erklärt, warum

in durchaus idyllischer Umgebung brutale Morde verfi lmt

werden.

4

Ist das der Grund, warum deutsche Zuschauer die Filme so

mögen?

Ja. Neben den genannten Qualitäten sind die Gesellschaften

einfach ähnlich. Sie haben viele Dinge gemeinsam. Das schlechte

Wetter, ähnliche Dämonen und – die Menschen mögen dieselbe

Literatur. Das macht es mir als Produzent deutlich leichter als beispielsweise

mit Stoffen aus südlicheren Ländern. Das deutsche Publikum

bemerkt also genau diese Nuancen. Und neben der normalen

Quote habe ich eine persönliche. Es freut mich, wenn die

Leute sich über Filme aus Dänemark, Schweden etc. freuen. Für

mich ist es ein treuer Kundenkreis, ein Publikum, das ich mag.

5

Und – gibt es ein neues Projekt?

Dazu möchte ich nur wenig sagen. Unsere nächste Serie

heißt auf jeden Fall »Greyzone«. Gedreht wurde für den

Thriller in Dänemark, Schweden und Deutschland. Und voraussichtlich

kommt er dieses Jahr noch ins Fernsehen.


64 Nordis


Nordis im Abo.

Lesen oder verschenken Sie jetzt

»Nordis – Das Nordeuropa-Magazin« als Jahresabo (28 E, Studenten 22 E)**

und sichern Sie sich eine von unseren vier tollen Prämien.

1

3 2

3Das aktuelle Nordis-Reisehandbuch Skandinavien.

20 €*

Gutschein

Qualitative Outdoorartikel und

hochwertige Reiseausrüstung hat der

Outdoorshop www.unterwegs.biz

im Sortiment.

20 €*

Gutschein

3Das 3Zusätzlich aktuelle Nordis-Reisehandbuch Skandinavien.

Zusätzlich erhalten Sie eine Ausgabe des Nordis-

3Magazins Ihrer Wahl aus dem Jahrgang 2017.*

Beste Unterhaltung und aktuelle Musik

aus Nordeuropa gibt es im Webshop des

Skandinavien-Labels Nordic Notes unter

www.nordic-notes.de.

4Skandinavisches Design,

Dekorationen, Kleidung und viele

nordische Marken finden Sie unter

www.scandinavian-lifestyle.de.

20 €*

Gutschein

* nur solange der Vorrat reicht. ** Preise Schweiz: Jahresabo 50 sFr, Studentenabo 40 sFr, Miniabo 10 sFr (alle inkl. Porto), alle anderen Länder zzgl. 5€ Portokosten

Bestellen Sie jetzt Ihr Nordis-Jahresabo als Printausgabe oder digital…

…per Post an Nordis Aboservice, Nordis Verlag GmbH, Maxstr. 64, 45127 Essen

... bequem online unter www.skandinavien.de/nordis-abonnieren

oder per E-Mail an abo@nordis.com. Die Digitalausgabe unter www.united-kiosk.com


WIRTSCHAFT | Made iN ... SWedeN

Morakniv

schwedens

scharfe Klingen

wer in schweden mit einheimischen auf entdeckungstour geht, stellt

schnell fest, dass sie immer ein Messer dabeihaben. Praktisch immer

steht auf der klinge »Morakniv«. der Messerhersteller aus dalarna ist in

vielen schwedischen haushalten präsent und neuerdings in mindestens

einem schweizerischen.

teXt & foto: andrea UlliUs & Morakniv

in schweden sind

die Messer von

Morakniv bei

jedem outdoorabenteuer

ein

unverzichtbares

werkzeug. das

Modell companion

ist robust und vielseitig

einsetzbar.

ich gebe es gerne zu. Als Schweizer bin ich

»taschenmessertechnisch« auf Rosen gebettet.

Die scharfen Klingen aus dem Hause

Victorinox sind weltweit ein Exportschlager.

1884 gründete Karl Elsener in Ibach-Schwyz

seine Messerschmiede. Die revolutionäre

Idee: ein kompaktes Messer mit vielen praktischen

Funktionen herstellen. Heute vertrauen

Millionen von Menschen und auch einige

Armeen der Welt auf die Multifunktionstools

aus der Schweiz. Selbstverständlich besitze

ich auch so ein Wunderding. Auf meinen

Schwedenreisen hat es mir schon oft beste

Dienste erwiesen. Da ich bei meinen Expeditionen

mit vielen Schweden und Schwedinnen

in Kontakt komme und die Begegnungen

vielfach outdoor bei einem Abenteuer

stattfi nden, habe ich festgestellt, dass auch in

Schweden eine ganz spezielle »Messermarke«

immer wieder auftaucht: Morakniv.

MORA, DIE MESSERHOCHBURG

SCHWEDENS

Nach kurzer Recherche war für mich klar:

Über diese Messer muss ich mehr wissen.

Ich habe mich in Mora, hier ist der Sitz

Messertausch.

thomas eriksson

und andrea Ullius

tauschen »ihre«

Messer: victorinox

gegen Morakniv.

der Firma Morakniv AB, mit Thomas

Eriksson verabredet und ihm ein Schweizer

Taschenmesser mitgebracht. Und so

sind wir natürlich umgehend ins Philosophieren

über das perfekte Messer gekommen.

Hallo Thomas. Schau, ich habe dir hier

ein Schweizer »Sackmesser« mitgebracht.

Das kann fast alles.

Oh, vielen Dank. Ich kenne die Marke

Victorinox natürlich gut, die machen wie

wir hervorragende Produkte. Und das

Klappsystem ist wirklich ausgeklügelt.

Habt Ihr bei Morakniv auch so vielseitige

Messer mit mehreren Funktionen?

Ja, unsere Messer sind sehr vielseitig.

Auch unsere Messer haben verschiedene

Funktionen. Allerdings kann man unsere

Produkte nicht einklappen. Wir haben da

eine etwas andere Philosophie.

66 Nordis

foto: © andrea Ullius

Ich habe mir ein paar von Euren Messern

angeschaut. Die scheinen sehr robust zu

sein.

Oh ja, das sind sie. Eine unserer Qualitätsvorgaben

lautet: Eine Morakniv-Klinge

darf nie brechen. Um das zu bewerkstelligen,

machen wir laufend umfangreiche

Tests. Härte und Elastizität einer Klinge

muss perfekt sein.


Morakniv

Messer werden

auf modernsten

Produktionsanlagen

hergestellt.

Einige

Produkte fertigt

das Team aber

auch von Hand.

Fest in Familienbesitz

Die Firma Morakniv wurde 1891 von

Krång-Johan Eriksson gegründet. Schon

zu dieser Zeit war Mora die Hochburg

der Messerschmiede in Schweden. Mora

hat deshalb auch den Übernamen »das

Solingen Schwedens« bekommen. Einige

der damals existierenden Firmen hat

Eriksson aufgekauft, andere haben ihren

Betrieb eingestellt. Heute umfasst das

Imperium des Messerherstellers in Mora

fünf Firmen, die alle unter dem Namen

Morakniv auftreten. Wie auch Victorinox

in der Schweiz, ist Morakniv fest in Familienbesitz

und verzichtet auf externe

Investoren. Geführt wird die schwedische

Firma jedoch auch von externen

Profis. Von der Gründerfamilie arbeiten

mehrere Mitglieder, unter anderem

Thomas Eriksson, in der Firma.

Thomas, was sind eigentlich die Merkmale

von Morakniv. Was macht Euch so erfolgreich?

Ich denke, es sind zwei Dinge. Die Tradition

macht sicher einen großen Teil unseres Erfolges

aus. Alle unsere Produkte werden hier

in Mora hergestellt, designt und entwickelt.

Wir haben schon immer Wert auf beste Qualität

gelegt, und wir sind bei den Produkten

nahe bei den Menschen. Weiter liegt es sicher

auch daran, dass wir keinen »Bullshit«,

so Modezeugs, produzieren. Unsere Produkte

sind nicht besonders ausgefallen, nicht

zu teuer, aber von bester Qualität. Die Menschen

mögen diese Einfachheit und die lange

Lebensdauer.

Fester Bestandteil

im Berufsleben

Was mir bei Morakniv besonders auffällt, ist

die unglaubliche Diversität der Produkte.

Viele der Messer sind für genau definierte Berufsgruppen

entwickelt worden. Es gibt Linien

für Bauarbeiter (zum Beispiel Elektriker,

Teppichleger), Jäger, Fischer, Metzger, für die

Küche, für die Hufpflege usw. Auch die bekannten

»Dalahästar« (Dalapferde) werden

mit Messern von Morakniv geschnitzt. Die

meisten Produkte sind also für den beruflichen

Einsatz entwickelt worden. Man findet

aber auch einige praktische Freizeitprodukte

im Sortiment von Morakniv. Ein

Renner ist die neue Eldris-Linie. Man trägt

das Messer an einer Kordel um den Hals oder

ohne Kordel in der Hosentasche. Als Zusatz

gibt es einen Feuerstarter »FireSteel« damit

man auch ohne Streichhölzer ein wärmendes

Feuer machen kann. Auch die Messer Scout,

Companion und Kansbol sind im Outdoorund

Freizeitbereich vielseitig einsetzbar. Man

muss Sie in der Hand spüren um das Passende

zu finden. Unterdessen hat mich Thomas

Eriksson durch die große Fabrik geführt.

Ich bin beeindruckt. Nebst vieler Maschinen

und Roboter sehe ich auch viel Handarbeit

bei der Produktion. Und natürlich liegt überall

viel Stahl rum. Der meiste Stahl kommt

aus Schweden und wird in Mora gehärtet

und behandelt. Dadurch wird dem Material

die gewünschte Qualität und Eigenschaft gegeben.

Vielen Dank für den Rundgang, Thomas. Ich

habe den Eindruck, Eure Firma ist ziemlich

gut unterwegs.

Ja, da hast du recht. Wir haben in Jahr 2017

knapp vier Millionen Messer produziert, das

Wachstum beträgt jährlich über zehn Prozent.

Das ist enorm und verlangt von uns viel

Flexibilität. Zurzeit arbeiten über 130 Personen

bei uns, und wir stellen laufend neue

Mitarbeitende ein. Wir sind ein sehr gesundes

Unternehmen mit stetigem Wachstum in

vielen Ländern, speziell in Europa.

Für jeden Einsatz die richtige Klinge.

Gemäß Verwendungszweck wird eine

ideale Klinge designt.

Nach dem Besuch in Mora ist für mich klar.

Ab sofort gehören immer zwei Messer in

mein Reisegepäck. Mein Victorinox und das

Morakniv mit Feuermacher, das ich von Thomas

bekommen habe.


Morakniv Concept Store

Kyrkogatan 8

S-792 30 Mora

Öffnungszeiten:

Mo–Fr 10–18, Sa 10–15 Uhr

www.morakniv.se

»Morakniv« bildet den Auftakt einer

kleinen Reise quer durch die nordische

Produktlandschaft. Wir werden

unter dem Slogan »Made in …« in

den kommenden Nordis-Ausgaben

weitere bekannte Marken aus den

skandinavischen Ländern genauer

unter die Lupe nehmen. Dem Messerhersteller

in Mora hatte der Schweizer

Blogger Andrea Ullius auf seiner

Sommerrundreise durch Schweden

einen Besuch abgestattet. Wer mehr

über ihn erfahren möchte, schaut

einfach mal in seinem Blog vorbei.

www.schwedenhappen.ch

Nordis 67


Norwegen · Schweden · Dänemark · Finnland · Island · Färöer · Åland · Grönland

Foto: © Courtesy of Vestas Wind Systems A/S

die generatoren für die neue

windkraftanlage in schweden

liefert das dänische Unternehmen

vestas.

dÄnische vestas

baUt neUen

windPark in

schweden

dÄneMaRK Der

dä nische Vestas-Konzern hat einen

Großauftrag aus Schweden erhalten. Der Spezialist für Windgeneratoren

wird ein Windkraftwerk mit einer Kapazität von 357 Megawatt

für den neuen Windpark »Valhalla« in den mittelschwedischen

Kommunen Bollnäs und Ockelbo liefern. Die insgesamt 85 Windräder

sind jeweils 180 Meter hoch. Sie sollen 2020 ans Netz gehen und

Strom für knapp 224.000 Haushalte liefern. Hinter der Millionenorder

steht der schwedische Spezialist für erneuerbare Energien OX2 mit

Hauptsitz in Stockholm. Investor hinter dem Projekt ist der Kapitalfonds

Aquila Capital. OX2 baut derzeit sechs Windparks. Schlechte

Nachrichten kommen dagegen vom Windgeneratorenbauer Siemens

Gamesa, der in Dänemark 600 Stellen streicht. (red/cs)

gleicher lohn für fraUen Und MÄnner

ISland Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Seit Beginn des

Jahres ist Ungleichheit auf Islands Arbeitsmarkt verboten – zumindest,

was den Lohn betrifft. Zum 1. Januar trat ein neues Gesetz in

Kraft, das Behörden ebenso wie andere staatliche Einrichtungen

und Privatunternehmen mit mehr als 25 MitarbeiterInnen zu

Lohngleichheit verpfl ichtet. Anders gesagt: Frauen und Männer

mit gleicher Position müssen jetzt das gleiche Gehalt erhalten. Den

Nachweis darüber, dass die Lohnlücke geschlossen ist, muss der

Arbeitgeber erbringen. Verstöße gegen den »Equal Pay Act« werden

mit einer Geldbuße geahndet. Island ist mit diesem Schritt das

erste Land weltweit, das die unterschiedliche Entlohnung von

Frauen und Männern unter Strafe stellt. Verabschiedet wurde das

Verbot der Lohndiskriminierung im Parlament in Reykjavík am Internationalen

Frauentag letzten Jahres, 8. März 2017. Nach Untersuchungen

des Weltwirtschaftsforums verdienen auch im weitgehend

egalitären Island Frauen heute noch zwischen 14 und 17,5

Prozent weniger als Männer. (red/cs)

ZahnarZtbesUch in dÄneMark

aM günstigsten

Schweden/dÄneMaRK Eine allgemeine

Zahnkontrolle kostet schwedische Verbraucher 85 Prozent mehr

als Versicherte in Dänemark. Das hat ein Vergleich des dänischen

Zahnärzteverbands »Tandlægeforeningen« jetzt ergeben. Das Ziehen

eines Zahns kostet danach einen Kranken in Schweden und in

Norwegen rund 60 Prozent mehr. Das Füllen eines kleinen Lochs

liegt 22 Prozent über den dänischen Preisen – Norwegens Dentisten

liegen dabei nur 13 Prozent über ihren dänischen KollegInnen.

Hintergrund des Preisvergleichs war die Frage nach Vorbeugung

und Pfl ege: Auch eine professionelle Zahnreinigung

kostet in Dänemark deutlich weniger als in den Nachbarländern

und liegt in Schweden zwischen 27 und 40 Prozent über den dänischen

Preisen. Der Grundpreis für eine Zahnuntersuchung liegt

in Schweden bei 825 SEK (circa 83 Euro). (cs)

die vorderansicht

eines h&Mgeschäftes

in

stockholm.

koMMt h&M aUs

der Mode?

Schweden Im zurückliegenden

Geschäftsjahr ist

der Umsatz des schwedischen

Textilhändlers Hennes & Mauritz

(H&M) geschrumpft. Allein

im Schlussquartal 2017 sanken

die Umsätze vor Mehrwertsteuer um vier Prozent auf 50,4 Milliarden

SEK (circa 5,1 Milliarden Euro), teilte das Unternehmen im

Dezember mit. Branchenkenner hatten einen Umsatz von 53,9

Milliarden SEK erwartet. H&M kündigte als erste Maßnahmen an,

seinen stationären Handel besser mit dem Onlinehandel zu verzahnen.

Unrentable Läden sollen geschlossen werden. In Deutschland

sind davon acht Filialen betroffen. Darüber hinaus soll unter anderem

die Kooperation mit dem chinesischen Onlinehändler Alibaba

ausgebaut werden. Sparen will der Textilriese mit Sitz in Stockholm

auch durch die Verlagerung eines Teils der Produktion nach Äthiopien.

H&M ist der zweitgrößte Modekonzern der Welt nach dem

spanischen Inditex, zu dem Marken wie Zara gehören. (red/cs)

Mit online-spielen erwirtschaftete das hamburger

Unternehmen goodgame studios zuletzt eine Milliarde

Us-dollar. foto: © goodgame studios

kein sPiel: schweden kaUfen

deUtsche goodgaMe stUdios

Schweden Der börsennotierte schwedische Spielepublisher

Stillfront Group AB übernimmt für 270 Millionen Euro die

Hamburger Goodgame Studios, obwohl Goodgame nach Umsatz

und Gewinn größer als der Stockholmer Käufer ist. Die Gründer

und Geschäftsführer von Goodgame Studios, Dr. Kai und Dr. Christian

Wawrzinek, werden damit größte Aktionäre der Stillfront

Group. Die Goodgame Studios hatten zuletzt einen Umsatz von

einer Milliarde US-Dollar gemeldet. Personelle Veränderungen

sind bei den Goodgame Studios nicht geplant. Zum Angebot der

Goodgame Studios gehören Computerspiele wie Big Farm, Empire

oder Legends of Honor. (red/cs)

Foto: © Robert Lindholm, Pressefoto Stores H&M

68 Nordis


NORDSPORT

islands

nummer 1 und

rückhalt des

fußballwunders

hannes

halldorsson.

Fotos (3): © KSÍ

island erobert die fußballwelt

»hu! – hu! – hu!!!«

der ehemalige fußballzwerg island schwang sich in den vergangenen jahren zum favoritenschreck

auf. eine goldene generation talentierter fußballspieler hatte sich sensationell für die europameisterschaft

2016 in frankreich qualifiziert und konnte bis ins viertelfinale vordringen. im kommenden juni

mischt das team erstmals bei der endrunde einer weltmeisterschaft mit.

teXt: Michael rUhnke

es ist wie ein angsteinfl ößendes Naturereignis,

wie ein bedrohlich aufkommendes

Gewitter, wenn die isländischen

Fußballfans ihr »Hu!« abwechselnd und im

Rhythmus mit Klatschen immer lauter werdend

von den Tribünen skandieren! Es geht

einem selbst Tausende Kilometer entfernt am

Monitor sitzend durch Mark und Bein! Dazu

die Aufmachungen mit Hornhelmen, viele mit

Vollbärten, viele mit Tattoos geradezu »tapeziert«

– so oder so ähnlich archaisch stellt man

sich die plündernden Wikinger auf ihren Eroberungszügen

vor! Und am Ende einer erfolgreich

geschlagenen »Schlacht« stimmt die

Mannschaft mit ein und pfl egt damit eine Tradition,

die aus der isländischen Liga stammt.

In der aber keiner der 25 Spieler des aktuellen

Nationalkaders mehr kickt.

Die Welt des großen Fußballs ist eine Geld-

Scheinwelt und spielt sich in den Ligen des

Kontinents ab, vor allem in der Champions

League. Die Tage, als sich isländische Fußballspieler

im Winter noch auf schwerem Geläuf

in Pferdehallen vorbereiten mussten, sind gezählt.

Auf Island arbeiten mittlerweile mehr

als 600 lizensierte Trainer. Etliche Fußballhallen

und Hangars mit Plätzen in Originalgröße

sind entstanden, um witterungsunabhängig

trainieren zu können. So, wie sich seinerzeit

Islands Keeper Hannes Halldorsson seine Fertigkeiten

angeeignet hatte, wird auch heutzutage

kein angehender Torwart mehr ausgebildet.

Bis er 21 Jahre alt war, hatte Halldorsson

nur eine Mauer als »Torwarttrainer«, erklärte

Islands Nr. 1 im aktuellen Sportstudio des

ZDF. Tausende Male habe er den Ball gegen

die Wand gespielt und sich nach dem zurückprallenden

Leder geworfen. Nachdem sich Island

für die Europameisterschaftsendrunde in

Frankreich qualifi ziert hatte, habe ich ihn in

die Sendung, deren Leitung ich hatte, eingeladen.

Auch, weil er eine ungewöhnliche Geschichte

mitbrachte. Erst im Alter von 29 Jahren

hatte er seinen ersten Profi vertrag

unterschrieben. Im »wirklichen« Leben hatte

sich Halldorsson bereits einen Namen als

Filmregisseur gemacht, unter anderem 2012

das Video der isländischen ESC-Teilnehmer

Greta Salome und Jonsi produziert. Der Titel

»Never forget« dieses Duos klingt wie eine

Vorhersehung dessen, was Hannes Halldorsson

in den folgenden Jahren als isländischer

Nationaltorhüter erlebte: Kampfbetont mit

Siegen unter anderem gegen die Türkei, die

Niederlande und Tschechien qualifi zierte sich

Island für die Endrunde der EM. »Die harten

Witterungsbedingungen und die Landschaft

prägen unsere Mentalität. Der Star ist das

der star ist das

team! island erstmals

bei einer wM.

Team, nicht der Einzelne«. Dort in Frankreich

trotzten die Wikinger des winzigen Fußballverbands

in der Vorrunde dem späteren Europameister

Portugal ein Unentschieden ab und

zogen gegen England sensationell mit 2:1 in

die nächste Runde. Ersatzgeschwächt hatte

Island gegen Gastgeber Frankreich dann keine

Chance mehr. Das Erreichen des Viertelfi nales

wurde aber trotz des 2:5 überschwänglich bejubelt.

In Frankreich und auf Island. Die Bilder

von der Heimkehr der Helden in Reykjavík

gingen um die Welt. Die Reise nach Frankreich

war zum Eroberungszug der Fußballherzen

geworden. Und sie gab nach der Finanzkrise

2008 jede Menge Balsam auf die

Volksseele Islands. Im Sommer machen sich

die Nordländer für die nächste »Operation«

auf den Weg. Bei der WM in Russland werden

sie in der Vorrunde auf Nigeria, Kroatien und

Argentinien treffen. Die Gegner sollten eins

wissen: Wer sich mit Island beschäftigt, sollte

sich warm anziehen und sich auf »Naturereignisse«

einstellen! »Hu! Hu! Hu!!!« •

miCHAel rUHnKe

ist seit 1986 Sportredakteur

beim ZDF. Als Autor

zahlreicher Filme über

Sport in Nord europa und

auf Grönland leitet er

zudem regelmäßig Fernsehübertragungen

bei nordischen Skisportveranstaltungen.

Der Journalist ist

mit einer Norwegerin verheiratet

und spricht norwegisch.

Foto: © privat

Nordis 69


Kultur & Leben

Das Finnische Radio-Sinfonie-Orchester auf Europa-Tournee

»Diese Konzertreise

ist völlig verrückt«

Umgeben vom finnischen Parlament und

dem Nationalmuseum wirkt es von außen

fast ein wenig unscheinbar, das Musiikkitalo,

das Haus für Musik. Helsinki hat mit dem 2011

eingeweihten Gebäude tatsächlich ein klingendes

Zentrum bekommen: Unter einem Dach finden sich

die Sibelius-Akademie (Finnlands einzige Musikhochschule)

sowie die Büros, Probenräume und Konzertsäle

für das Philharmonische Orchester der Stadt

sowie das stolze Finnische Radio-Sinfonie-Orchester.

Das Finnische Radio-Sinfonie-Orchester feiert in dieser

Saison nicht nur seinen 90. Geburtstag, sondern geht

auch auf große Europa-Tournee. Nur wenige Stunden vor

dem landesweit übertragenenen Festkonzert zum 100. Finnischen

Nationalfeiertag stand Chefdirigent Hannu Lintu nach

der letzten Probe Rede und Antwort.

Interview: Michael Kube

Hannu, du gehst im März mit deinem

Orchester, dem Finnischen

Radio-Sinfonieorchester auf Tournee.

Wie fühlt sich das für dich und die

Musiker an? Ist das bloß Business oder etwas

Besonderes?

Es geht mir immer schlecht, wenn ich

mein Publikum verlassen muss. Das Wichtigste

für ein Rundfunk-Sinfonieorchester

sind die Leute, die in den Konzertsaal kommen,

und diejenigen, die uns in Finnland

am Radio zuhören. Ich habe das Gefühl,

ihnen das Orchester wegzunehmen, wenn

wir auf Tournee gehen. Aber solch eine

große Tournee ist immer auch wichtig für

ein Orchester: Die Musiker verbringen viel

Zeit miteinander, sie spielen mehrfach dasselbe

Programm, sie tauchen immer tiefer

in die Musik ein. Es ist fast wie ein Klosteraufenthalt.

Nur etwas anstrengender.

Natürlich sind Tourneen Stress für das Orchester:

Es ist nicht einfach für ein Orchester,

beispielsweise in der Berliner Philharmonie

zu gastieren. Das ist immer ein ganz

besonderer Moment. Es gibt den Musikern

aber mehr Selbstvertrauen, wenn sie in

sol ch berühmten Sälen auftreten und merken,

wenn das Publikum ihr Spiel mag.

Weißt du, wir Finnen sind eher bescheiden.

Sibelius selbst fand, wir sollten mehr

Stolz entwickeln. Den gewinnen wir, wenn

wir in den Konzertsälen Erfolg haben.

So eine Tournee ist doch für ein Orchester

ziemlich aufwendig.

Logistisch gesehen ist diese Konzertreise

völlig verrückt. Erst fliegen wir nach München,

dann nach Berlin, von Berlin nach

Madrid. Von Madrid geht es weiter nach

Zaragoza, von da nach Heidelberg, und

von dort reisen wir weiter nach Köln. Es

sind 98 Musiker, dazu kommen noch etwa

zehn Kollegen aus dem Management, ein

Arzt und vier LKW-Fahrer. Der Truck ist

ständig unterwegs. Ein Fahrer fährt, die anderen

ruhen sich aus.

Der Truck transportiert alle Instrumente?

Die Geigen etwa nehmen die Musiker

selbst mit, die größeren Instrumente werden

tatsächlich auf der Straße transportiert.

Kann man den ganzen Klangkörper über

solche Entfernungen tatsächlich in nur

einem Tag verlegen?

Das kommt darauf an. Zum Beispiel gelangt

man in einer Nacht von München

nach Berlin. Logistisch geht das. Die Helfer

packen nach dem Konzert im Gasteig alles

in den LKW und sind am nächsten Tag um

die Mittagszeit in Berlin. Die Musiker fliegen

am Vormittag. Das funktioniert, aber

nicht über mehrere Tage hinweg, das Orchester

braucht auch Zeit zum Erholen.

Wir spielen normalerweise zwei, drei Konzerte,

dann folgt ein freier Tag. Das Programm

ist sehr anspruchsvoll. Für die

Blechbläser ist das wirklich anstrengend.

Was machst du persönlich an solch einem

freien Tag?

Ich tue das, was Dirigenten in diesem Fall

immer tun: Ich bleibe auf dem Hotelzimmer

und studiere die Partituren.

Neue Stücke?

Ja, aber auch die, die wir gerade spielen.

Manchmal gehe ich sie durch, um zu sehen,

was passiert ist, oder was ich besser

machen kann. Wenn ich mir aber ein neues

Werk vornehme, braucht es Wochen. Ich

nehme dann diese Partituren mit nach Korea,

nach Japan. Zuhause habe ich eine Liste

mit allen Stücken, die in den nächsten

sechs Monaten dran sind, einen Zeitplan

mit der Anfangszeit: Heute sind diese

Stücke dran, morgen jene. Das ist gut organisiert.

Die Leute denken manchmal, wir

Künstler wären unordentlich; das stimmt

nicht. Alle Musiker, die ich kenne, sind

enorm ordentlich und gut durchgeplant.

70 Nordis


Wie ist das dann aber im Konzert?

Rutscht man da gedanklich nicht manchmal

auch aus?

Nein, das passiert mir nicht. Wenn ich

merke, dass mir etwas abseits der Noten

einfällt, ist das nicht in Ordnung. Das

Schlimmste wäre, wenn mich etwas im

Publikum ablenkt, wenn etwa jemand

dort sitzt, den ich kenne. Normalerweise

bin ich voll konzentriert. Das ist so ähnlich

wie eine Waldwanderung: Wenn du

in den Wald gehst, nimmst du eine Wanderkarte

mit. Anhand der Karte entscheidest

du dich für eine Richtung. Dann

gehst du los, du bist im Wald, und du

denkst an nichts anderes. Ich bin im Wald

der Musik, und denke an nichts anderes.

Beim Dirigieren und beim Spielen eines

Instruments gibt es zwei wichtige Dinge:

zum einen die Technik – du musst wissen,

wie du es zu machen hast, Tempo,

Anschlag und Ähnliches, zum anderen

die Musik selbst. Wenn man diese zwei

Dinge gleichzeitig im Sinn hat, ist kein

Platz mehr für irgendetwas anderes.

Nach einem Konzert mit so viel Konzentration

braucht man Zeit zum Abschalten.

Wie lange brauchst du dazu?

Das kommt darauf an. Morgen jedenfalls

werde ich todmüde sein. Aber wir haben

trotzdem Aufnahmesitzungen vor uns,

morgen, am Donnerstag, und am Freitag,

bevor wir am Samstag nach Tallinn fahren.

Vor und nach dem Konzert kreist das

Adrenalin im Blut und im Kopf. Du bist

enorm müde, aber gleichzeit extrem hysterisch.

Das kann dazu führen, dass manche

Musiker zum Alkohol greifen, weil sie

meinen, mit ein bisschen Wein könnten

sie besser abschalten. Ich trinke auch

manchmal etwas, ja. Das Schlimmste aber

ist der nächste Morgen: Man hat dann einen

musikalischen (!) Kater, man fühlt

eine Leere nach dem Konzert, der nächste

Tag wird schrecklich. Das Beste ist dann,

zu arbeiten. Damit füllst du die seelische

Leere, nachdem du im Konzert alles gegeben

hast. Die Musik geht dir noch lange

nach, das dauert, und es kann passieren,

dass einem bestimmte Passagen im Kopf

kreisen. Ich habe schon mal eine ganze

Woche lang über einzelne Stellen nachgedacht.

Wenn mir das passiert, überlege

ich mir, dass das für einen Komponisten

oder Maler noch schlimmer sein muss:

Er arbeitet meistens sehr lange an

einem Werk. Er plant und entwirft,

begin nt vielleicht im Mai mit dem Werk,

arbeitet den ganzen Sommer daran und

beendet es erst im Oktober. Das muss sich

entsetzlich anfühlen, Monate mit einem

einzigen Stück zu verbringen und es dann

wegzulegen.

Hast du selbst keine Möglichkeit, mit

einem Werk längere Zeit zu arbeiten?

Manchmal fehlt mir und dem Orchester

die Zeit, weil alles so schnell gehen muss.

Wir müssen ein Stück in wenigen Tagen

einstudieren, es wird aufgeführt, dann

kommt schon das nächste dran.

Ein Musiker schrieb einmal, er fühle

sich wie ein »Orchestersklave«.

(schmunzelt) Man gewöhnt sich daran.

Auf der Tournee wird auch Musik von

Sibelius gespielt. Man liest immer wieder,

hier könne man die finnischen

Wälder und Seen hören.

Ganz ehrlich: Ich bin kein Freund von

Landschaften: Ich hasse es, aufs Land

zu fahren. Mein Vater kam zwar aus

Karelien, unserer alten Kulturlandschaft,

aber ich war nie dort, zumal im

russischen Teil Kareliens. Ich war nie in

Lappland, ich war auch nie in den großen

alten Wäldern. Für Sibelius allerdings

– nehmen wir »Tapiola«; hier

geht es um unsern Waldgott Tapio aus

dem Kalevala. Ich glaube aber, Sibelius

meinte eher die Natur in unserem Kopf,

nicht draußen, wie bei Smetanas »Vaterland«,

der versuchte, mit musikalischen

Mitteln einen Fluß, eine Landschaft

oder alte Geschichten abzubilden.

Sibelius (überlegt) versucht auszudrücken,

dass wir alles, was wir in der

Landschaft sehen, in uns selbst tragen:

All das Dunkel, die Schönheit, die Gewalt

und Erhabenheit – wir können

genauso sein. Es geht nicht um das

Sichtbare.

Eher also um innere Reflektionen?

Genau. Werke wie »Tapiola« oder »En

Saga« sind keine Reiseführer oder Landschaftsschilderungen.


Tourdaten

12. März 2018: München, Gasteig

13. März 2018: Berlin, Philharmonie

15. März 2018: Madrid, Auditorio Nacional de España

16. März 2018: Zaragoza, Palacio de Congressos

18. März 2018: Heidelberg, Kongresshaus Stadthalle

19. März 2018: Köln, Philharmonie

Fotos (3): © Kaapo Kamu

Finnisches Radio-Sinfonieorchester Sol Gabetta (Violoncello),

Hannu Lintu (Dirigent) mit Werken von Igor Strawinsky,

Jesús Rueda, Jean Sibelius und Peter Tschaikowsky sowie

dem Violoncellokonzert von Bohuslav Martinů

Nordis 71


KULTUR & LEBEN

nordis-interview

bilduNg

auf die barrikade!

im september 2017, im 33. jahr der göteborger buchmesse, der größten im norden und, gemessen

an der einwohnerzahl schwedens, mit circa 100.000 besuchern größer als die buchmesse in frankfurt,

ging es politisch hoch her. das lag am thema der Messe: bildung. dass buchmessen länderschwerpunkte

ausrufen, ist das übliche – dass ein nun wirklich nicht simples thema wie bildung im Zentrum

des Messediskurses stehen sollte, war neu und ist neu.

teXt & interview: stePhan oPitZ

»Keine Bildung zu haben, bedeutet,

sich den Umständen zu überlassen«

– diese Formulierung fi ndet sich in

einem zur Messe erschienenen und breit

diskutierten schwedischen Buch. »Bildningen

på barrikaden» – die Bildung auf die

Barrikade, so lautet der Titel dieses von Per

Svensson und Thomas Steinfeld in deutschschwedischer

Zusammenarbeit verfassten

Buches, und der absolut nicht zu dicke

Band dekliniert das Thema Bildung ebenso

gründlich wie pointiert durch (Per Svensson,

Thomas Steinfeld: »Bildningen på barrikaden.

Ett Manifest.» Stockholm 2017,

Svante Weyler Bokförlaget). Nordis-Autor

Stephan Opitz führte ein Gespräch mit den

beiden Autoren.

Thomas und Per, wie kam es zu dem

Buch?

Wir sind beide leitende Redakteure bei einer

großen Tageszeitung, Per Svensson lange

Zeit bei »Sydsvenska Dagbladet«, jetzt

bei »Dagens Nyheter«, Thomas Steinfeld

im Feuilleton der »Süddeutschen Zeitung«.

Wir sind beide an Bildungsfragen interessiert

und hatten, weil wir uns gut kennen,

über die Jahre immer wieder darüber gesprochen,

was Bildung ist und warum ein

Mangel an Bildung ein gesellschaftliches

Problem darstellt. Nun ist in den vergangenen

Jahren das Thema Bildung in Schweden

immer wichtiger geworden, aus mehreren

Gründen: Zum Ersten verbirgt sich in

der Forderung nach Bildung der Versuch,

in einer immer disparateren, sich immer

weiter in spezielle Milieus teilenden Gesellschaft

so etwas wie eine geistige Einheit

herzustellen. Gebildete Menschen können

sich in der Regel mit sehr vielen Gegenstände

beschäftigen, über die sie gemeinsam

etwas wissen. Zum Zweiten haben offensichtlich

immer mehr Menschen den

Eindruck, den gesellschaftlichen Kräften

ausgeliefert zu sein, also gar nicht mehr zu

wissen, was mit ihnen geschieht. Auch darauf

soll Bildung eine Antwort sein. Und

zum Dritten stellt diese Verbindung eine

Art Korrektiv zur »Identitätspolitik« dar,

die in Schweden immer mehr die Öffentlichkeit

beherrscht. »Identitätspolitik« das

heißt, dass jede gesellschaftliche Gruppe –

sei sie sexueller, ethnischer oder sozialer

Bestimmung – auf Anerkennung ihrer Besonderheit

pocht. Bildung ist immer auch

ein Versuch, eine Gemeinschaft jenseits aller

Besonderheiten herzustellen.

Was ist die wichtigste Botschaft Eures

Buches?

In Schweden gibt es, einer langen Vergangenheit

der Forderung nach Bildung in der

Arbeiterbewegung zum Trotz, ein deutliches

Ressentiment gegen Bildung. Man

glaubt, Bildung seit etwas für die Oberschicht,

etwas Luxuriöses und Überfl üssiges,

das für gewisse bürgerliche Kreise eine

Art höheren Zeitvertreib bildet. Wir haben

versucht zu erklären, dass dieses Ressentiment

blanker Unsinn ist. Bildung besteht

zuallererst in dem Versuch, sich ein Bewusstsein

von der eigenen Situation zu beschaffen,

in jeder Hinsicht: kulturell, ökonomisch,

politisch. Die Geschichte der Bildung

ist zumindest in den europäischen Ländern

eine Geschichte der Emanzipation, zuerst

des Bürgertums gegen die feudale Ordnung

dann der Unterschichten gegen die Überschichten.

Insofern ist die angebliche Verbindung

von Bildung und Oberschicht ein

Versuch, ihren politischen Charakter zu beseitigen.

Dass es in Schweden ausgerechnet

die Sozialdemokratie ist, die sich im Namen

der »Wirklichkeit« von der »fi nkultur«, einer

als »ernst« oder »hoch« verstandenen

Kultur, abgrenzt, ist ein Hohn auf ihre eigene

Geschichte.

Was ist das größte Problem beim Thema

Bildung in Europa?

Bildung setzt ein freies Verhältnis zu ihren

Gegenständen voraus. Es gibt keine Bildung

ohne Muße, ohne Verschwendung von Zeit

und Kraft, und es gibt keine Bildung, die nur

mit Curricula und Prüfungen zu erreichen

wäre. Das Interesse muss sich frei bestimmen

können. Wir leben in Zeiten, in denen

die Verschulung des Wissens universal geworden

ist – wobei sich die Inhalte des Wissens

an dessen vermeintlicher Verwertbarkeit

für im Grunde genommen stets

ökonomisch gedachte Forderungen verstehen.

Das heißt auch, dass sich dieses Wissen

immer wieder selbst auslöscht, so wie man

nach einer Prüfung stets vergisst, was man

ausschließlich für diese Prüfung gelernt hat.

Der Niedergang der Geisteswissenschaften

an den Universitäten, ein Phänomen, das es

überall in Europa gibt, aber das in Schweden

besonders markant ist, fällt mit dem

Ende jener Freiheit zum Wissen zusammen.

72 Nordis


Foto: © Weyler förlag

Wo liegen die wirklich markanten Unterschiede

beim Thema Bildung zwischen

Deutschland und Schweden?

Die Schwierigkeiten im Umgang mit der

Bildung sind in allen Industriestaaten im

Wesentlichen dieselben, mit Variationen.

In Deutschland gibt es ja auch große Unterschiede

im Schulwesen, mit Bremen

oder Berlin auf der einen Seite, Bayern

oder Sachsen auf der anderen. Vermutlich

wird in Schweden mehr Gewicht auf die

Selbstständigkeit der Schüler gelegt, als

das in Deutschland der Fall wäre. Und

dann gibt es Spezialitäten des Schulwesens,

bei der Musikerziehung etwa, in

denen Schweden sehr viel erfolgreicher

ist, weil diese Ausbildung deutlich systematischer

und allgemein angelegt ist. Auf

der anderen Seite benutzt man zwar in

Schweden das Lehnwort »bildning«,

meint damit aber etwas, was in Deutschland

nur noch historisch zu fassen ist: Bildung

mehr oder minder im Sinne Wilhelm

von Humboldts. Von daher kommt

auch die Kopplung zwischen »bildning«

und Oberschicht. In Deutschland wird

das Wort in einem viel breiteren Sinn benutzt,

wodurch es eigentlich schwieriger

wird, damit umzugehen.

Was sagt Ihr zum immer wieder thematisierten

Bildungsmaßstab PISA?

Die Unterwerfung des Schulwesens unter

Kriterien, die letztlich ökonomischen Ursprungs

sind, dürfte eine ziemlich problematische

Angelegenheit sein. Dabei ist

nicht zu verhehlen, dass der sogenannte

Pisa-Schock in Deutschland nützlich war:

Plötzlich stand allen vor Augen, dass es

nach Abschluss der Grundschule bei viel

zu vielen Schülern an elementaren Kenntnissen

fehlte. In Schweden, wo man die

ersten Evaluationen gut bestand und entsprechend

gelassen damit umging, trat

dieser Schock erst später ein. Das hängt

mit dem Übergang des Schulwesens aus

staatlicher in kommunale Trägerschaft zusammen,

wodurch sich Unterschiede im

Leistungsvermögen der Schüler deutlicher

vergrößerten. Diese Umstrukturierung

war wahrscheinlich ein Fehler, den

man über Pisa bestätigt bekommt, der

aber mit Pisa nicht zu beheben ist. Darüber

hinaus ist es ja keineswegs so, dass

mit den Pisa-Evaluationen ein Wissen geprüft

würde, das unabhängig von diesen

Evaluationen entstanden wäre. Je mehr

Pisa-Prüfungen es gibt, desto mehr wird

das Schulwesen darauf eingerichtet, sich

bei diesen Prüfungen möglichst gut zu behaupten.

Am Ende wird für die Evaluation

gelernt, bis sich die Evaluation selber

evaluiert. Das Wissen bleibt dann auf der

Strecke.

Was sollten wir alle für die Bildung tun?

Erinnern wir uns doch an den Musiklehrer

Wendell Kretzschmar in Thomas

Manns »Doktor Faustus«? Er stottert,

reißt aber seine Schüler durch schieren

Enthusiasmus mit. Anderen mitteilen,

wofür man sich selbst begeistern kann –

das ist die beste und sicherste Art, etwas

für die Bildung zu tun.


Foto: © Sofia Runarsdotter

thomas Steinfeld,

geboren 1954, war Feuilletonchef

der Süddeutschen Zeitung, bis er im

Jahr 2014 deren Kulturkorrespondent

in Italien wurde. Daneben ist er

Professor für Kulturwissenschaften an

der Universität Luzern in der Schweiz.

Er wohnt in Schweden und in Italien.

Per Svensson,

geboren 1956, ist politischer Redakteur

der Stockholmer Tageszeitung

Dagens Nyheter und verantwortet

dort die Meinungsseite. Zuvor war

er Kulturchef der Zeitung Expressen

und Kolumnist der Zeitung Sydsvenska

Dagbladet. Er ist Ehrendoktor der

Universität Malmö.

Nordis 73


KULTURSZENE | BÜCHER

finAle im SommerHAUS

Seit Jahren haben sie keinen Kontakt mehr: Olof und Carl.

Was für sie so in Ordnung geht, so unterschiedlich sie

schon als Kinder waren: Carl, selbstbewusst, agil und lange

Mamas Liebling; Olof dagegen eigen und verschlossen

und klar die Nummer zwei in der Brüderhierarchie. Doch

nun liegt ihre Mutter im Sterben, und die beiden kommen

noch einmal zusammen. Carl mit seiner Familie, angereist

aus den USA, wo er ein erfolgreiches Leben führt, und

eigentlich hat er für so etwas wie Beim-Sterben-dabei-Sein

weder Zeit noch die nötige Geduld. Noch vor Ort, draußen

auf dem Land, im Sommerhaus, wohin sich die Mutter

zurückgezogen hat: Onkel Tom, der Nachfolger ihres

Vaters, was die beiden Brüder hinzunehmen hatten. Und:

die munter strickende Krankenschwester Heidi, die noch

mal ganz andere Vorstellungen vom Leben hat.

Gewiss: Es mangelt in unserer Welt nicht an Romanen,

in denen der Abschied von den Eltern vom Aufbrechen

lange verborgener, familiärer Konfl ikte begleitet wird. Wo

endlich die Rechnungen, die man dem anderen schon immer

stellen wollte, zum Begleichen auf dem Tisch liegen.

Doch dieser Roman des Finnlandschweden Johan Bargum

überzeugt noch einmal mehr, denn er versteht es, mit einem

ganz eigenen Ton und einer ganz eigenen Ruhe die

untergründigen Spannungen, Enttäuschungen und auch

Vergeblichkeiten, die ein Familiendasein nun mal ausmachen,

zum Leben zu erwecken.

Sehr, sehr lesenswert. (fk)

johan bargum:

nachsommer

(sensommar).

aus dem schwedischen

von karl-ludwig wetzig.

mare verlag, 144 s., 18 €.

NORDIS-TIPP

reDen – So SCHWer eS AUCH fällt

Thordis ist gerade mal 16 Jahre alt, er zwei Jahre älter: Tom,

Student aus Australien, der ein Auslandsjahr auf Island absolviert.

Sie verlieben sich Knall auf Fall ineinander, wie

man das meist nur in diesem Alter so tut. Eines Abends

geht es auf eine Party, sie betrinkt sich, mit 16 Jahren ist

Rum nun mal ein ganz besonderes Teufelszeug. Und er trägt

sie nach Hause, legt sie aufs Bett, und er vergewaltigt sie.

Zwei Stunden lang. Danach ist für beide nichts mehr so, wie

es vorher war. Acht Jahre nach der Tat nimmt Thordis Elva,

mittlerweile Autorin und feministische Aktivistin, Kontakt

zu ihm auf. Und Tom antwortet. Jahrelang werden sie sich

nun E-Mails schreiben. Mal dicht hintereinander, mal mit

großen Pausen dazwischen. Wo sie je versuchen das Unsagbare

zu schreiben und zu beschreiben. Und dann – treffen

sie sich. Auf halber Strecke, in Südafrika. In zwei voneinander

entfernt liegenden Hotels kommen sie unter, denn alle

schmerzliche Nähe, die aufkommen wird, braucht immer

wieder heilenden Abstand. Braucht Schlaf und Nachdenken

über das, was zuvor ausgesprochen wurde und was noch

nicht. Dabei wird in diesem beeindruckenden Protokoll ihrer

Begegnung die Tat in keinem Moment relativiert. Keine

Entschuldigungen werden bemüht, keine Abschwächungen

vorgenommen. Wichtig ist allein Ehrlichkeit und radikale

Offenheit und das Vertrauen in sich, sodass am Ende beide

zurückfl iegen können in ihre jeweilige Welt. (fk)

thordis elva / tom stranger: ich will dir in die augen

sehen (south of forgiveness). aus dem englischen

von charlotte breuer und norbert Möllemann. knaur

verlag, 352 s., 19,99 €.

AlleS zUfAll?

Die fi nnische Schriftstellerin Selja Ahava hat sich in ihrem

zweiten Roman »Dinge, die vom Himmel fallen« an die

ganz großen Themen gewagt. Sie stellt die Fragen, was

Zufall und Schicksal ist, was Glück bedeutet und wie man

mit Verlust umgeht. Die Mutter der achtjährigen Saara

wird bei der sommerlichen Gartenarbeit von einem Eisklumpen

erschlagen, der sich von einem Flugzeug gelöst

hat. Ihre Tante Annu gewinnt gleich zweimal den Jackpot

im Lotto und fällt daraufhin in einen wochenlangen

komatösen Schlaf, ein schottischer Fischer wird viermal

vom Blitz getroffen und überlebt jedes Mal unbeschadet.

Ahava erzählt in ihrem in drei Abschnitte gegliederten

Der trAUm von SCHWeDen

»Nie zuvor hatte er sich mit der Situation von Flüchtlingen

befasst, nie hatte er Stellung bezogen, weder für sich selbst

noch nach außen [….] Und jetzt, ganz plötzlich, waren die

Ereignisse, von denen er bisher nur aus Zeitungen erfahren

hatte, zum Greifen nah.« Vier Menschen begegnen sich im

Eurocity nach Kopenhagen. Kai, Musiklehrer aus Deutschland,

die Schwedin Linnea, Amanuel aus Asmara in Eritrea

und Zarah aus Latakia in Syrien. Kai ist unterwegs zu einer

Freundin, um eine Fehlentscheidung rückgängig zu machen.

Linnea reist nach einer enttäuschenden Beziehung aus Barcelona

in ihre Heimat zurück. Amanuel fl oh vor dem Militärregime

seiner Heimat, und die junge Zarah will zu ihrem Vater,

der ihr nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter und ihres

Bruders zur Flucht aus Syrien verholfen hat. Alle wollen in

Kopenhagen den Øresundzug nach Malmö erreichen. Doch

während der Zug im Hafen von Puttgarden auf die Eisenbahnfähre

nach Rødby verschifft wird, kommt es in Kopenhagen

Roman von Ereignissen, die unwahrscheinlich sind. Sie

treten aber doch ein und lassen das Leben der Betroffenen

in völlige Schiefl age geraten. Trotzdem ist es Ahava

gelungen, ein Buch zu zaubern, das durchgehend leicht

und poetisch daherkommt. Ganz zu Recht wurde »Dinge,

die vom Himmel fallen« für den Finlandia Prize nominiert

und erhielt den Literaturpreis der Europäischen Union.

Absolut lesenswert. (Rasso Knoller)

selja ahava: dinge, die vom himmel fallen

(taivaalta tippuvat asiat). aus dem finnischen von

stefan Moster, mare verlag, 205 s., € 20 €.

zu einem Polizeieinsatz. Die dänische Regierung und die

Dänische Staatsbahn bereiten die Sperrung der Grenze und

Kontrolle des Zuges vor. Tillmann Schott-Mehrings, Dozent

für Asylrecht und Schleuserkriminalität an der Hochschule

des Bundes für öffentliche Verwaltung, ist regelmäßig auf der

Vogelfl uglinie nach Kopenhagen und den Fähren von Travemünde

nach Malmö unterwegs. Seine Erfahrungen mit den

Menschen, die ihm dort begegneten, verarbeitete er zu einem

brisanten Schleuserkrimi, der dem Leser auf spannende und

emotionale Weise eine authentische und persönliche Perspektive

auf die Ereignisse vom

Herbst 2015 liefert. (sb)

tillmann schott-Mehrings:

jenseits vom Øresund.

www.epubli.de, 12,99 €,

ebook 2,99 €.

finniSCHe

Dirigenten

Vesa Sirén, langjähriger Musikkritiker und

Feuilleton-Redakteur der Tageszeitung Helsingin

Sanomat, kennt sie alle – persönlich

oder aus Geschichten. Und doch hat er mit

»Finnlands Dirigenten« keine Enzyklopädie

geschrieben, die den weltweiten Erfolg der

nordeuropäischen Taktstock-Matadoren trocken

referiert. Umfangreich recherchiert,

erstaunlich leichtgängig geschrieben und

nicht minder fl ott übersetzt ist diese Darstellung,

die handfeste Daten mit historischen

Quellen, Rezeptionszeugnissen und Originaltönen

aus zahlreichen Interviews verbindet.

Und es menschelt: Freche Genialität,

handwerkliche Kunst, stille Bescheidenheit

und straffes Selbstmarketing sind die eine

Seite, das vielfach eingestreute kritische

Gegenbild die andere. So gelingt Sirén die

stolze Schau auf einen Berufsstand – ausgehend

von der Wende zum 20. Jahrhundert

bis in die Gegenwart, vertieft durch einen

Blick auf die einstigen Ränkespiele bis hin

zu dem jetzt 87-jährigen Jorma Panula, der

als »Lehrmeister« von zwei Generationen

bezeichnet werden kann. Fünf Teile mit

insgesamt 36 Kapiteln bringen Ordnung in

die Vielfalt und lassen sich auch weitgehend

selbstständig durchschmökern. (mku)

vesa sirén: finnlands dirigenten. von sibelius

und schnéevoigt bis saraste und

salonen. scoventa, 992 s., 49,90 €.

74 Nordis


KULTURSZENE | CDs

AlleingAng einer finniSCHen geSCHiCHtenerzäHlerin

Stets tingelte Päivi Hirvonen mit namhaften Bands wie Okra Playground

umher und spielte mit Künstlern wie Maija Kauhanen in einer Formation.

Doch jetzt wird der Name ihrer ersten Soloplatte zum Programm: Ein

Debütalbum mit dem Titel »Alku – The Beginning« klingt zunächst pragmatisch,

doch steckt in Hirvonens erster Scheibe ein sehr emotionales Storytelling

mit traditionellem Touch und charismatischen Instrumenten. Wir

kennen doch alle den Zauber des Neuanfangs, wenn es diese aufregende

Spannung zwischen der Fragilität des Gemüts und der Stärke des Moments

gibt. Von dieser Aufbruchsstimmung leben die sieben Tracks auf diesem

zauberhaften Folk-Album. Diese Ungewissheit, ob das zukünftig eintritt,

was man sich in der Vergangenheit vorgenommen hat. Die vielfältige, versierte

Musikerin setzt dies in einem ausdrucksstarken Wechselspiel von

sensibler Violine, fi nnisch-melancholischer Leier und ihrer wärmenden

Stimme um. Genau, sie alleine ist die einzige Akteurin auf dieser Platte.

Eine Geschichtenerzählerin, die ihre Instrumente perfekt modelliert,

um Erlebnisse fast episch, ja, dramaturgisch und durchaus anspruchsvoll

zu inszenieren. Dabei sind die drei Instrumente die Charaktere in diesem

Bühnenstück des Aufbruchs: Auf einmal fl üchten Mädchen (»nouskaa Neidot«)

vorm Teufel Alkohol (»Viinanpiru«), um dann doch nur festzustellen,

dass man besser nicht singen sollte (»Eikä Mun Saisi Laulella«) und einfach

lieber nur tanzt (»Ruskatanssi«). Willkommen am »Anfang« von Päivi

Hirvonens beeindruckendem Musik-Abenteuer. (Christine Birkel)

Päivi hirvonen: alku – the beginning (nordic notes)

nAtUrinSPirierter

JAzz AUS SCHWeDen

Ein Knarzen, ein Rauschen, perlende Klavierklänge, dunkel-vibrierend

ein Kontrabass, leise ein Schlagzeug. Stille. Wieder das Klavier.

Tiefe Töne, fast schon drohend. Polternd wieder das Schlagzeug.

Klangwirrwarr … Dann einsetzender Gesang. Die klare Stimme Annika

Jonssons legt sich wie ein weicher Teppich auf die Hintergrund-

Dissonanzen. Der starke Kontrast zwischen experimentellem Jazz,

Pop und traditionellem Folklore-Gesang macht nicht nur im Intro,

sondern auch in den sieben folgenden Stücken den eigentlichen Reiz

des außergewöhnlichen Albums aus. Für ihr Abschlussprojekt reiste

die in Deutschland lebende Halbschwedin und Musikstudentin nach

Stockholm und stieß bei einem Besuch im »Svenska Visarkivet« auf

sehr alte Aufnahmen von »Trallsängern«, die damals mit ihren Liedern

von Dorf zu Dorf zogen und auf Festen sangen und Geschichten

erzählten. Annika Jonsson, bereits Komponistin und Sängerin mit

einem 2016 veröffentlichten Popjazz-Debüt, lässt sich von den alten

Gesängen inspirieren. Gemeinsam mit vier Musikerkollegen – Steffen

Lang (Gitarre), Martin Jäger (Piano), Felix Hubert (Kontrabass)

und Kevin Nasshan (Schlagzeug) – wagt sie eine ungewöhnliche,

aber klangstarke Neuinterpretation, die den Zuhörer in die Welt der

Elfen und Trolle im Zauberwald (»Trollskogen«) entführt. (sb)

annika jonsson mit trallskogen:

trollskogen (nikasounds)

Eine runde Symbiose gehen Riikka Timonen und

Senni Eskelinen auf ihrem dritten gemeinsamen

Album »Perillä« ein und sind damit buchstäblich

noch nicht »am Ende der Reise« angekommen!

Die fi nnische Kantele und Gesang waren wohl

seit jeher eine wunderschöne Kombination, und

so verwundert es nicht, dass Riikka, einstige

Sängerin des Trios Värttinä, sich als 40. Saite des

Musikinstruments sieht, die Senni so meisterhaft

spielt. Es beginnt allerdings mit der Reise zu Rikkas

Wurzeln, wo sie einst träumte, Sängerin zu

werden und jetzt an diesem Album am »Ende

ihrer Reise« arbeitete. So sind die neun Tracks

eher vertonte Texte ihrer Geschichte geworden.

Zugegeben etwas schräg überrumpelt der erste

Song schon. Doch wer Värttinä schätzt, der fühlt

sich hier durchaus wohl. Die meisten Lyrics muten

aber eher schwer und dunkel an, was man

ein HoCH AUf Die KnArzgitArre

Wer Black River Delta zum ersten Mal hört,

kommt nicht auf die Idee, die Musiker könnten

aus dem Norden Europas stammen. Man tippt

eher auf Nebraska, Colorado … irgendwo zwischen

staubiger Prärie und Cowboy-Saloon. Dabei

sind die drei Musiker im schwedischen Bollnäs

beheimatet. Elche und Wald statt Rinder und

Steppe. Und trotzdem, wenn Erik Jacobs, Erik

Nilsson und Pontus Ohlsson loslegen ist man auf

einmal mittendrin im Route 66-Abenteuer. Man

hört es bereits auf dem Opener der Platte »Gun

for you«: Ihre Liebe für knarzigen Gitarrensound

und satte Schlagzeugbeats haben die drei nicht

verloren. Knapp zwei Jahre ist es her, dass sie

mit »Devil on the loose« ihre erste Platte veröffentlichten

(Nordis berichtete). Der Nachfolger

überzeugt genau wie der Erstling mit einer fein

abgestimmten Rezeptur aus deftigem Bluesrock

und herzhaftem Gesang. Abgeschmeckt wird mit

DAS leBenSfroHe

AUgenzWinKern Der

KAntele

bereits an den Titeln wie »Väärin Tein« (Ich habe

gesündigt) oder »Muhre on sumusää« (Elend ist

nebliges Wetter) erkennt. Doch die helle, quicklebendige

Musik der E-Kantele, die von Milla Viljamaa

komponiert wurde, gibt dem Album ein

nötiges, lebensfrohes Augenzwinkern mit. Der

letzte Kick fehlt dann leider doch in den Melodien.

Dieser Eindruck ist sicherlich der Art des

Songwritings geschuldet. Trotzdem: Das Album

»Perillä« ist sehr angenehm zu hören und wird

Fans der fi nnischen, modern-traditionellen Folk-

Music absolut Freude bereiten – schon alleine

deswegen, weil hier zwei unglaublich talentierte

Künstlerinnen eine stimmige Einheit bilden.

(Christine Birkel)

riikka timonen & senni eskelinen: Perillä

(westpark Music)

Slide-Gitarre und einer ordentlichen Prise Mundharmonika

(»Better Man«, »Bye, bye Birdie«).

Eine Fender Rhodes – erstmalig im Einsatz –

setzt in »Keeps me Bleeding« und dem abschließenden

»The Last One« noch mal besondere

Klangakzente. Eine scharf-würzige Kombination

zum Immer-Wieder-Hören. Doch nicht nur mit

dem Album, auch live bescheren die drei Jungs

ihrem Publikum ein echtes Hörvergnügen, z.B.

am 10.4. in Berlin (Priavtclub), 11.4. in Nürnberg

(Stereo), 12.4. Dresden (Ostpol), 14.4.

München (Zehner), 15.4. Bern (Rössli Bar), 17.4.

Köln (Blue Shell), 18.4. Stuttgart (Goldmarks)

und 19.+20.4. Hamburg (Mephisto, Molotow

Sky Bar). Tickets auf blackriverdelta.net (sb)

black river

delta: vol ii.

(radicalis)

herausragend

empfehlenswert

gut

hörbar

mäßig

mies

alle vorgestellten artikel können sie auch hier bestellen:

www.nordland-shop.com/Nordis

KLASSIK-TIPP

150 JAHre

KonServAtoriUm

So ist es mit manchem Jubiläum: Während

die einen mit stolzgeschwellter Brust feiern,

wissen die anderen noch nicht einmal etwas

von dem Fest. Das war auch so im vergangenen

Jahr beim 150. Geburtstag des Musikkonservatoriums

in Kopenhagen – hierzulande

würde man von einer Musikhochschule oder

neudeutsch einer »University of Music« sprechen.

1867 unter anderem von Niels W. Gade

gegründet, der zwei Jahrzehnte zuvor noch

gemeinsam mit Felix Mendelssohn die Konzerte

im Leipziger Gewandhaus geleitet hatte,

ist es im Laufe der Zeit zu einer tragenden Institution

im Musikleben des Landes geworden.

Kaum besser konnte man sich also selbst ein

Geschenk machen als mit dieser wirklich prall

gefüllten Box, die das musikalische Vermögen

der Dozenten in herausragenden Aufnahmen

von 1898 an dokumentiert – dazu mit vielen

Raritäten dänischer Komponisten, die mit

dem Haus verbunden waren und sind. Schon

ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt: Hier

wird die Tür zu einer klingenden Schatzkammer

aufgestoßen. (mku)

det kongelige danske Musikkonservatorium

1867–2017, dacapo 8.201202 (naxos)

(12 cds)

Nordis 75


KULTURSZENE | DVDs

Äkkilähto – off the

Map, fin 2016, d

kino und dvd 2017,

kulturprojektor,

hauptfilm 98 Min.,

18,90 €, fsk ab 12.

grand hotel, n

2016, d 2017, d

kino und dvd

2017, kulturprojektor,

hauptfilm

95 Min., 18,90 €,

fsk ab 0.

niX Wie Weg nACH vUoKAtti

Katri und Mikko leben urban zwischen Job-Terminen und Afterwork-

Champagner in Helsinki. Katri plant gerade für beide den Umzug nach

Frankreich in eine geruhsamere Existenz, als sie entdeckt, dass Mikko ein

Kind von einer Frau erwartet und in krumme Geschäfte verstrickt ist: Die

mit Cash prall gefüllte Sporttasche aus seinem Kleiderschrank nimmt sie

kurzerhand an sich. In der Nachbarwohnung leidet die Göre Anna zwischen

Kinderträumen und Lebenschaos. Die Mutter ist als Narko-Hure ein

Ausfall und der cholerische Zuhälter und Laktose-Intoleranz-Hypochonder

Tero als Stiefvater ein Ar…. Anna setzt ihn nach Pippi Langstrumpf Art

»auf den Topf«, greift sich sein Geld sowie das selbstgemalte Bild, auf

dessen Rückseite Tero Daten eines Drogendeals notiert hat und reißt

aus. Bei ihrem wilden Abgang kommen die kleine Anna und die große

Katri zusammen und nach einigen emotionalen Rucklern entscheiden

SäUferleBer triff toUrette

Regisseur Arild Fröhlich zeigte mit der derb-burlesken Teenager-Komödie

Fatso (Nordis 05/2010) und Verfi lmungen von Jo Nesbøs Kinderbüchern um

»Doctor Proktor«, dass er Klamauk-Filme kann. Mit »Grand Hotel« beweist

er nun, dass er auch ernste Stoffe sensibel umsetzt, aber mit einer Leichtigkeit,

die immer wieder zum Schmunzeln verleitet. Dabei profi tiert sein kleines

Meisterwerk von beeindruckenden Hauptdarstellern. Der in Norwegen

als Comedian bekannte Atle Antonsen spielt Bestseller-Autor Axel Farstad.

Dessen Karriere befi ndet sich im rasanten Sinkfl ug. Er macht auf Lebemann,

ist aber pleite und seine Leber durch Alkoholmissbrauch so angegriffen, dass

er ohne Kehrtwende im Lebensstil noch vier Monate hat. Er säuft weiter,

will aber wie in besten Zeiten in der Turmsuite des Osloer Grand Hotel

noch ein Buch schreiben. Im Hotel begegnet er Noah, dem Sohn der Rezeptionistin.

Der 10-jährige Håkon Bøhmer spielt diesen Noah so natürlich

und überzeugend, dass es ihm in einem amerikanischen Film sicher eine

Oscar-Nominierung eingebracht hätte. Noah ist wie Axel ein Außenseiter,

fÜnf norDliCHter in Der BoX

»äkkilähtö« und »Grand Hotel« sind zwei der fünf Filme

in der Box »Nordlichter – Neues skandinavisches Kino

2017«. Außerdem dabei das schwedische Familiendrama

»Småstad«, aus Dänemark »I Blodet« über Kopenhagener

Studenten und ihre Probleme, erwachsen zu werden,

sowie der isländische Film »Reykjavík« über einen unverstandenen

Film-Nerd und die eher spießigen Bedürfnisse

seiner Frau. Die Box gibt’s für 39,90 €, Einzelfilme für je

18,90 € u.a. bei www.nordlichter-daheim.de. Nordis-Abonnenten

erhalten 20 Prozent Rabatt, Details auf:

www.nordis.de/obs/winterangebot-fuer-nordis-abonnenten/

sich beide für ein Ziel: Annas Oma in Vuokatti in Kainuu, irgendwo im

Nirgendwo. Gejagt von Mikko und Tero rollen sie immer weiter vom

Stadt- ins Landleben und treffen auf Johannes. Der vermittelt Hütten für

Seitenspringer aus seinem Dorf, ist im Herzen aber Gutmensch und hilft.

Derweil rumpelt Annas Oma auf ihrem alten Traktor als taffe Retterin mit

John Wayne Attitüden in die Story und zu retten hat sie einiges, denn

hinter den Fieslingen Mikko und Tero jagen schlimmere Fieslinge her bis

zum gemeinsamen Showdown am See. Mögen einige Figuren arg burlesk

geraten und der Plot vorhersehbar sein, so ist »Äkkilähto – Off The Map«

der Regisseurin Tiina Lymi insgesamt ein amüsantes, abwechslungsreiches

Roadmovie: Zum Hauptfi lm gibt’s den fi nnischen O-Ton mit zuschaltbaren

deutschen oder englischen Untertiteln, das 10-minütige »Making off«

läuft ausschließlich auf Finnisch. (hlrk)

von einer Tourette-Erkrankung, ADHS und weiß Gott was geplagt. Zwischen

dem grantigen Säufer und dem hyperaktiven Kind mit seinen schrillen Tics

entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die beide letztlich stark

macht für einen Restart. »Grand Hotel« enthält den norwegischen O-Ton mit

zuschaltbaren deutschen oder englischen Untertiteln. (hlrk)

norDiS-filmrÆtSel

Was sind – kurz gesagt – echte nordlichter?

A = Mondlicht reflektiert vom Eis der Polkappen.

B = Künstliche Lichtinstallationen, um die nordischen

Länder touristisch attraktiver zu machen.

C = Reaktionen von Sauerstoff- und Stickstoffatomen

in der Erdatmosphäre auf geladenen

Teilchen des Sonnenwindes.

ihre lösung schicken Sie bis 31. märz 2018

(einsendeschluss) an

nordis verlag gmbH, filmrætsel »nordlichter«

maxstraße 64, 45127 essen

oder an filmraetsel@nordis.com.

Wir verlosen unter allen einsendern 3 DvD-Boxen

»nordlichter 2017«.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Lösung aus Heft 01/2018: Antwort B = Eine

besondere Stellung von Sonne und Mond zur

Erde löst Springfluten aus.

NORDIS TV-TIPPS

Donnerstag,

22. februar

ZDF.reportage

Abenteuer Hurtigruten.

Winterzauber am

Polarkreis

ZDFinfo,

9:00–9:30 Uhr

ZDF.reportage

Abenteuer Hurtigruten.

Eine Reise ans

Ende der Welt

ZDFinfo,

9:30–10:00 Uhr

freitag,

23. februar

ZDF-History. Das Geheimnis

der Wikinger

ZDFinfo,

18:00–18:45 Uhr

Samstag,

24. februar

Legende und Wahrheit

– Die Wikinger

Räuber aus dem

Norden

ZDFinfo,

0:45–1:30 Uhr

Legende und Wahrheit

– Die Wikinger

Aufbruch in die Neue

Welt

ZDFinfo,

1:30–2:15 Uhr

Tiermythen (3/3).

Jäger des Lichts

MDR Fernsehen,

13:15–13:58 Uhr

Das Mädchen von

Egtved. Bronzezeitlicher

Grabfund in

Dänemark

arte, 20:15–21:05 Uhr

Wildes Baltikum (1).

Die Küste

hr fernsehen,

21:00–21:40 Uhr (Der

2. Teil folgt am 3.

März)

Sonntag,

25. februar

Zu Tisch in …

Finnland

arte, 11:45–12:30 Uhr

Sonntag,

25. februar

Ostsee Report

NDRfernsehen,

18:00–18:45 Uhr

Dienstag,

27. februar

Island – Sommer der

Polarfüchse

arte, 15:55–16:45 Uhr

mittwoch,

28. februar

Untergang der Wikinger.

Die Missionierung

des Nordens

3sat,

11:15–12:00 Uhr

Donnerstag,

1. märz

Sonnensturm und

Himmelszauber

Phoenix,

7:00–7:45 Uhr

Expedition Sternenhimmel

(2/5). Zur

dunkelsten Nacht

Skandinaviens

3sat,

15:35–16:15 Uhr

freitag, 2. märz

Norwegens wilde

Fjorde. Von Riesenkrabben

und

Wolfsfischen

NDR fernsehen,

14:15–15:00 Uhr

Samstag, 3. märz

Pyromaniac – Bevor

ich verbrenne.

Spielfilm, Norwegen,

Schweden, Dänemark,

2016

arte, 1:10–2:40 Uhr

Sonntag, 4. märz

Wunderschön! Die

große Ostseekreuzfahrt

(1). Bornholm

– Danzig – Kurische

Nehrung – Riga

WDR Fernsehen,

15:15–16:45 Uhr

Nordsee Report. Abschied

vom Winter

NDR fernsehen,

18:00–18:45 Uhr

montag, 5. märz

Island – Geysir, Gletscher,

Götterfall

Phoenix,

4:50–5:15 Uhr

Xenius: Klimatatort

Grönland. Was

verraten uns die

Lemminge?

arte, 16:45–17:10 Uhr

Dienstag, 6. märz

Länder – Menschen –

Abenteuer. Im Bann

der Pferde – Island

SWR Fernsehen,

15:15–16:00 Uhr

Freitag, 9. März

Island – Weltspitze

3sat,

17:45–18:30 Uhr

Samstag, 10. märz

Leben mit dem großen

Bären. Estland –

Lettland – Litauen

Phoenix,

3:00–3:30 Uhr

Sonntag, 11. märz

Wilde Ostsee (1/3).

Von Dänemark bis

Lettland, erste Folge

des Dreiteilers

arte, 13:15–14:05 Uhr

Sonntag, 11. märz

Wilde Ostsee (2/3).

Von Estland bis

Finnland

arte, 14:05–14:55 Uhr

Wilde Ostsee (3/3).

Von Finnland bis

Schweden

arte, 14:55–15:50 Uhr

Im Bann der

Arktis (1/2). Europas

letzte Wildnis. Mit

Klaus Scherer von

Grönland nach

Alaska

3sat,

15:00–15:45 Uhr

Im Bann der

Arktis (2/2).

Jenseits der Taiga.

Mit Klaus Scherer

von Grönland nach

Alaska

3sat,

15:45–16:30 Uhr

Donnerstag,

15. märz

Naturwunder des

Nordens (1/2). Fjorde

arte, 18:35–19:20 Uhr

freitag, 16. märz

Naturwunder des

Nordens (2/2). Lemminge

arte, 18:35–19:20 Uhr

Donnerstag,

22. märz

Europas Urwälder:

Unberührtes

Lappland

3sat,

16:15–17:00 Uhr

Sonntag, 25. märz

Ostsee Report

NDRfernsehen,

18:00–18:45 Uhr

Sonntag, 8. April

Nordsee Report

NDRfernsehen,

18:00–18:45 Uhr

Sonntag, 29. April

Ostsee Report

NDRfernsehen,

18:00–18:45 Uhr

Diese Programmvorschau

enthält alle

bei Redaktionsschluss

bekannten Sendungen zu

Skandinavien. Kurzfristige

Programm änderungen

sind möglich.

76 Nordis


VERANSTALTUNGEN IM MäRZ/APRIL

DeUtSCHlAnD

3.–4.3. Berlin: »Svendborger Gedichte«,

preisgekrönte Inszenierung

von Brechts Gedichtsammlung aus

Dänemark, in deutscher Sprache.

30.3–1.4. Südwest-Jütland: »Kunstrunden«.

Über 100 Museen, Galerien

und Studios haben für Besucher

geöffnet.

17.–26.4. Sisimiut, grönland: »Arctic

Circle Race«, eins der härtesten

Langlaufskirennen der Welt, 160 km in

drei Tagen.

30.4.–6.5. ribe: Internationaler Wikingermarkt.

ausdrucksvoll: die sängerin

randi tytingvåg.

Foto: © Johannes W. Berg,

www.johanneswberg.com

12.3. Dresden: Die norwegische

Jazzmusikerin Randi Tytingvåg und

Band im Konzert. Weitere Termine:

16.3. Karlsruhe.

13.3. Berlin: Das Finnische Radio-

Symphonie-Orchester spielt Strawinsky,

Martinu und Sibelius in der

Philharmonie. Dirigent: Hannu Lintu.

14.3. Berlin: Miika Nousiainen liest

aus »Die Wurzel alles Guten«.

16.3. leipzig: »Nordische Lesenacht«

anlässlich der Leipziger Buchmesse.

17.3. Hamburg: Die dänische Indie-

Band VETO spielt während ihrer »16

Colors«-Tour auch in Berlin (21.3.) und

Köln (22.3.).

29.3.–24.5. Schwaan: önningeby –

eine finnische Künstlerkolonie zu Gast

im Kunstmuseum.

8.4.–3.6. Dortmund: »Die Schneekönigin«,

Oper nach dem Märchen

von Hans Christian Andersen mit den

Dortmunder Philharmonikern.

Bis 15.4. Berlin: »Lines«, interaktive

Klangkunstausstellung des schwedischen

Künstlers und Wissenschaftlers

Anders Lind im Felleshus.

21.4.–30.6. Berlin: »Urgewalt Island

– 100 Jahre Island«, Ausstellung und

Events zur Einhundertjahrfeier Islands.

24.4.–6.5. leipzig: Die norwegische

Singer/Songwriterin Kari Bremnes beginnt

ihre zwölf Konzerte umfassende

Deutschland-Tournee in der einwohnerstärksten

Stadt Sachsens. Alle

Termine unter www.karibremnes.no

26.4. Hamburg: Der färöische Liedermacher

Teitur ist in Deutschland.

Weitere Termine: 28.4. Düsseldorf,

29.4. Berlin. Am 5.5. während der

Ludwigsburger Schlossfestspiele ein

Sonderkonzert: Teitur, Nico Muhly und

Holland Baroque: »Confessions«.

DänemArK, färÖer, grÖnlAnD

2.3.–11.3. Aarhus: Das »Århundredets

Festival« unter dem Motto »La

Belle Epoque«.

15.–25.3. Kopenhagen: »CPH:DOX«,

Dokumentarfilmfestival.

17.–18.3. Horsens: Krimifestival im

ehemaligen Gefängnis »Fængslet«.

29.3.–2.4. Sisimiut, grönland:

»Nordic Sounds«, Musikfestival mit

Musikern aus ganz Skandinavien und

dem Baltikum.

finnlAnD

7.–11.3. tampere: Filmfestival.

11.–24.3. oulu: »OMJ«, Musik- und

Kunstfestival.

7.–11.3. mariehamn, Åland: Filmfestival

für Kurz- und Dokumentarfilme.

15.–18.3. ylläs: »Ladyt Lumella«,

buntes Ski-Event für Frauen.

17.–18.3. turku – Stockholm: Akkordeon-Kreuzfahrt,

Festival an Bord der

Tallink-Silja-Fähre.

14.4. ylläs – levi: letzte und 67 km

lange Etappe des Langlauf-Wettbewerbs

»Visma Ski Classics« und

50-km-Lauf für Amateure.

27.3.–1.4. enontekiö: »Hettan Musikkiipaivat«,

Musikevent.

25.–29.4. espoo: »AprilJazz«, Musikfestival.

iSlAnD

1.3. mývatn: »Mývatn on Ice«, Reitturnier

auf Eis.

16.–17.3. reykjavík: »Sónar Reykjavík«,

Festival für moderne Musik.

15.–18.3. reykjavík: »HönnunarMars«,

Islands wichtigstes

Mode- und Designfestival mit Ausstellungen,

Shows, Vorträgen, Workshops

und mehr.

23.–25.3. Akureyri: »Iceland Winter

Games«, eines der bedeutendsten

Wintersportfestivals Europas mit

Ski- und Snowboardwettkämpfen,

Schlittenhunderennen etc.

11.–14.4. reykjavík: »Iceland Writers

Retreat«, internationales Treffen

von und für Schriftsteller mit Touren

und Schreibworkshops in und um

Reykjavík.

6.–8.4. Akureyri: »AK Extreme«,

Snowboardfestival.

30.3.–1.4. Ísafjörður: »Aldrei fór ég

suður«, Musikfestival seit 2004.

6.–14.3. reykjavík: »Reykjavík Open«,

internationales Schachturnier, dieses

Jahr Bobby-Fisher-Memorial.

19.4. im ganzen land: »Sumardagurinn

fyrsti«, der erste Tag des Sommers

(nach altnordischer Zeitrechnung)

wird mit Paraden und Straßenfesten

begrüßt.

17.–22.4. reykjavík: Kinderkulturfestival.

25.–29.4. Ísafjörður: »Fossavatnsgangan«,

Islands ältester Skimarathon.

norWegen

1.–3.3. oslo: »by:larm«, Musikfestival.

2.–11.3. oslo: Internationales

Kirchenmusik-Festival.

7.–11.03. Bergen: »Borealis«, ein

Festival für Gegenwartsmusik.

8.–11.3. Åndalsnes: »Romsdalsvinter«,

Wintersportfestival.

9.–11.3. oslo: Holmenkollen Ski

Festival.

foto: © birkebeiner.no, geir olsen Foto: © Hans Jörg Michel

8.–17.3. Alta: »Finnmarksløpet«, Europas

längstes Schlittenhunderennen

mit 1.200-km-Strecke.

17.3. lillehammer: »Birkebeinerrennet«,

54 km langes Skilanglaufrennen.

9.–18.3. narvik: »Vinterfestuka«,

Musikfestival.

15.–18.3. oslo: Biathlon-Weltcup am

Holmenkollen.

23.–25.3. voss: »Vossa Jazz«, Musikfestival.

29.3.–1.4. oslo: »Inferno Metal

Festival«.

7.4. Setermoen – Bardufoss: »Reistadløpet«,

50 km langes Skilanglaufrennen.

18.–22.4. trondheim: »Nidaros

Blues« Musikfestival.

24.–29.4. Kristiansand: Internationales

Kinderfilm-Festival.

25.–29.4. Kristiansund: »Nordic

Light«, internationales Fotografie-

Festival.

SCHWeDen

3.–11.3. Umeå: Samische Woche mit

Konzerten, Handwerkskunst uvm.

4.3. Sälen – mora: »Vasaloppet«,

größtes Ski-Langlaufrennen der Welt,

90 km lang.

5.–11.3. Stockholm: »Tempo Dokumentär«,

Festival für Dokumentarfilme.

15.–17.3. Umeå: Internationales

Literaturfestival.

16.–18.3. Ammarnäs – vännäsby:

»Vindelälvsdraget«, Schlittenhunderennen.

15.–20.4. lund: »LitteraLund«, Festival

für Kinder- und Jugendliteratur.

28.–29.4. Borås: »Linnémarschen«,

Wanderungen auf den Spuren Carl

von Linnés durch das Naturreservat

Rye Åsar.

»die schneekönigin«,

h. c. andersens

berühmtes kindermärchen,

wird in dortmund

als oper aufgeführt.

Foto: © krimimessen.dk

»leiche und mehr«

verspricht das krimifestival

im ehemaligen

gefängnis

in horsens.

das birkebeinerrennet

zwischen rena und

lillehammer gehört zu

den klassikern unter den

norwegischen langlaufrennen;

die begehrten

startplätze sind jedes

jahr in kürzester Zeit

ausverkauft.

Nordis 77


KULTURSZENE

Die goldene Mitte – schwedischer Lebensstil

erobert den Buchmarkt

lola a.

Åkerström:

lagom – in

der Mitte liegt

das glück.

knesebeck

verlag, 192 s.,

14,95 €.

Die Lagom-Mentalität ist ein Schlüsselwort

des schwedischen Lebensstils,

der die Nordländer immer auf die oberen

Plätze des Glücksreports der Vereinten Nationen

katapultiert. Es gibt keine äquivalente

deutsche Übersetzung, es bedeutet so

viel wie »genau richtig, angemessen«. Es

durchdringt den schwedischen Alltag sowohl

im Privatleben als auch am Arbeitsplatz.

»Lagom är bäst« – das gesunde Mittelmaß

ist am besten – lautet ein

schwedisches Sprichwort. Wenn jemand

»precis lagom« kommt, ist er zur rechten

Zeit da. Wenn es »lagom gewürzt« ist, bedeutet

es nichts anderes, als dass der Geschmack

perfekt ist. Viele Produkte tragen

das Etikett »mellan« (in der Mitte). Es gibt

»mellanmjölk« (Halbfettmilch), »mellanöl«

(Bier mit einem geringeren Alkoholgehalt

von circa 4,5 Prozent) und »mellanrost«

(Kaffee mittlerer Röstung). Die Wurzeln

des Wortes »lagom« reichen bis in die Wikingerzeit

zurück. Lagom ist die verkürzte

Form des Ausdrucks »laget om«, was so

viel heißt wie »rund ums Team«. Damals,

so die Legende, wurde abends nach vollbrachtem

Tagewerk am Feuer ein Horn mit

Met herumgereicht. Und da nahm natürlich

jeder nur einen angemessenen Schluck,

damit genug für alle blieb. Gleichberechtigung

und Zurückhaltung im Zusammenleben

sind auch heute noch für die Schweden

wichtige Werte. Der häufi g verwendete

Ausspruch »skryt lagom!« (Gib nicht so

an!) spiegelt diese Haltung wider. Kritiker

bemängeln, dass mit der Lagom-Mentalität

Mittelmaß oder Gewöhnlichkeit vorherr-

anna brones:

lagom – das

geheimnis des

schwedischen

lebensglücks.

busse seewald

verlag, 224 s.,

19,95 €.

schen, doch vielleicht lässt sich das Leben

heutzutage mit dem Prinzip »weniger ist

mehr« zufriedener gestalten. Im Umgang

mit den Schweden kann man dieser Lagom-Mentalität

auf jeden Fall nicht entkommen.

Will man diese besser verstehen

lernen, bieten sowohl Lola A. Åkerström

als auch Anna Brones in ihren Büchern einen

guten Einblick in den Alltag der

Schweden und in ihre zufriedene Grundhaltung.

(Suzanne Forsström)


Ein Dreiklang norwegischer Kunst auf Föhr

Es ist eines der nördlichsten Museen unseres

Landes: das Museum Kunst der

Westküste, im idyllischen Ort Alkersum auf

der Nordseeinsel Föhr gelegen. 2009 gegründet,

vertraut das Haus seitdem der Begegnung

zwischen Tradition und Gegenwart. Entsprechend

fi ndet wuchtige Ölmalerei im dicken

Goldrahmen ebenso ihren Platz wie vordergründig

verwackelte Videokunst; abstrakte

konzeptionelle Kunst begegnet Grafi k und fi ligraner

Zeichnung. Wichtig ist allein, dass der

künstlerische Blick über das Meer zu den Küsten

und den dort lebenden Menschen

schweift. Nun wird man sich in den kommenden

Monaten Norwegen widmen – mittels

eines Dreiklanges: Die Ausstellung »Faszination

Norwegen« bietet Landschaftsmalerei von

der Romantik bis zur Moderne. Gezeigt werden

etwa Werke des Begründers der klassischen

Fjord-Malerei Johan Christian Dahl,

der der angeblich reinen, wilden Natur frönte,

während Edvard Munch in seinen Zeichnungen

und Studien den Weg zurück in die

Zivilisation fand. Ganz der Gegenwart verhaftet,

stellt »Norway Contemporary« sieben

künstlerische Positionen junger norwegischer

Künstler und Künstlerinnen vor. Exemplarisch

zeigt deren Sicht etwa Rune Guneriussen,

wenn er den norwegischen Wald mit banalen

Zimmerlampen bestückt und so ironisch die

Sehnsucht seiner Landsleute nach der heilen

Natur auszuleuchten sucht. Und als Drittes

bietet die Schau »Northern Norway« eine

echte Sensation: Erstmalig werden Arbeiten

des hierzulande kaum bekannten Fotografen

Kåre Kivijärvi vorgestellt. Kivijärvi, 1938 in

Hammerfest als Angehöriger der Minderheit

der Kvenen geboren, arbeitete schon als Zeitungsfotograf,

als er 1959 nach Essen an die

dortige Folkwang-Schule ging, um Fotografi e

Museum Kunst der Westküste

Hauptstraße 1, 25938 Alkersum/Föhr

Tel. 04681-747400

www.mkdw.de

Eröffnung aller drei Ausstellungen:

Sonntag, 4. März.

Die Ausstellungen »Norway

Contemporary« und »Northern Norway«

enden am 24.6.; »Faszination

Norwegen« läuft bis zum 2.9.

als Kunst zu studieren. Anschließend kehrte

er nach Nordnorwegen zurück. Er unternahm

aber auch Reisen nach Grönland, Nepal oder

Nordrussland: Hauptsache, es war dort kalt

und entsprechend einsam. Seine kontraststarken,

zuweilen fast grafi schen und vor

allem effektfreien Schwarz-Weiß-Bilder dürften

in ihrer Strenge im größtmöglichen Gegensatz

zur heutigen Flut an den bunten Bildchen

auf Facebook und Instagram stehen.

(Frank Keil)


78 Nordis


LESERFORUM & RÆTSEL

Sehr geehrte frau Becker,

ich möchte Sie auf mein Projekt polarkreisportal.de

aufmerksam machen. Ich biete dort täglich Nachrichten aus

dem hohen Norden von ausgewählten politischen Themen

bis zur Kultur. […] Ich würde mich freuen, wenn Sie auch Ihre

Leser auf diesen Service aufmerksam machen würden – als

Ergänzung zum Printmagazin.

mit freundlichen grüßen,

Andrea Seliger

Liebe Frau Seliger,

wir haben uns im Webportal umgeschaut und machen

unsere Leserinnen und Leser sehr gerne auf dieses Projekt

aufmerksam.

Unser Fazit zur Seite:

Wer sich abseits der allgemeinen Nachrichten, die

aus dem Norden zu uns herüberschwappen gezielt

für Themen rund um den Polarkreis interessiert, ist

auf der informativen Plattform goldrichtig aufgehoben.

Ob erzabbaubedingte Stadtumsiedlung in Kiruna,

Ausbeutung arktischen Öls in Norwegen, die Konflikte

zwischen samischer Urbevölkerung und moderner

Industrialisierung oder Unabhängigkeitsbestrebungen

auf den Färöern, die Journalistin und Bloggerin

beleuchtet alle Themen aus einer sachlichen und

gründlich recherchierten Perspektive. Ergänzt wird

das Angebot um Themen aus der Literatur, Musik und

Kultur, die vielleicht insbesondere deshalb so interessant

sind, weil sie fernab der großen Metropolen stattfinden.

Sehr geehrter Herr Backhaus,

Wir sind die Eltern von Paul, der bei der Silvester-Verlosung

das Mini-Stipendium für das Outdoor College Ihres Verlags

gewonnen hat. Wir möchten uns ganz herzlich auch im

Namen unseres Sohnes bei Ihnen hierfür bedanken. Es war

ein tolles Geburtstagsgeschenk für ihn und eröffnet nun

Möglichkeiten für weitere Abenteuer. Schön, dass Sie das

College und die Idee, die dahinter steht, unterstützen.

mit herzlichen grüßen,

nicole und michael Schneider

Vielen Dank. Es freut uns sehr, dass wir das tolle

Schulprojekt als Verlag bereits im dritten Jahr mit dem

Mini-Stipendium unterstützen können. Wer neugierig

geworden ist und mehr erfahren möchte, findet

übrigens auf den Seiten 58+59 in dieser Nordis-

Ausgabe einen ausführlicheren Bericht zum Outdoor

College in Sirdal.

grüezi,

Ein kleiner Hinweis zum Artikel »Lautlos durch die Winterlandschaft«

(NM 1/18): […] In der Zwischenzeit gibt es im

Bereich klassisch neben dem Wachs- und den Schuppenskis

wieder neu die Fellskis. Die sind eine solch exzellent gute

Alternative zum Schuppenski, dass es diese bald nicht mehr

geben wird. Auch der Wachsski wird nur noch von Spitzenläufern

und sonstigen Fans gebraucht werden. Man hört

bereits Prophezeiungen, dass bei entsprechenden Verhältnissen

selbst an Weltcuprennen Fellskis zum Einsatz kommen

könnten ...

mit freundlichen grüßen,

Andy Schneider

Lieber Herr Schneider,

vielen, herzlichen Dank für diese ergänzende Information.

In der Tat setzen aktuell viele der großen Langlaufskihersteller

auch zusätzlich auf Fellskier. Ihnen wird allgemein

eine bessere Steigeigenschaft als Schuppen- oder Wachsskiern

bestätigt. Inwieweit sich dieser Ski

im internationalen Wettkampfsport

und als Standardski für Langlauf

etablieren wird, gilt es zu beobachten.

Beste Grüße, Ihr Nordis-Team

rÆtSel

In Deutschland kümmern sich der Deutsche Wanderverband

und regionale Gebirgs- und Wandervereine um den Erhalt und

die Pflege von Wanderwegen und Unterkünften. Die älteste

Outdoororganisation dieser Art in Skandinavien wurde 1868

gegründet und feiert in diesem Jahr 150-jähriges Jubiläum.

Wie heißt die organisation, die in ihrem Heimatland ein

netz von mehr als 500 Hütten und Unterkünften betreibt?

Zu gewinnen gibt es diesmal unterstützt von Fjord Line ein

Exemplar von Harri Ahonens Reiseführer: Wanderwege Mittelskandinavien

(Thomas-Kettler-Verlag).

ihre lösung schicken Sie an:

nordis verlag gmbH, »rætsel«

maxstr. 64, 45127 essen oder raetsel@nordis.com

Einsendeschluss ist der 1. April 2018.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

lösung aus 1/18: Die isländische Lebensmotto,

das auf Deutsch so viel wie »Das wird schon« bedeutet,

lautet »Þetta reddast«.

//KRISTIANSAND

Schnell nach

Kristiansand

Fjord Line bringt Sie in

nur 2¼ Std. von Hirtshals

nach Kristiansand.

Die schnellste

Fährverbindung

nach Norwegen.

2784 FL AZ Nordis 87x61.indd 1 25.01.18 16:17

Nordis 79


ZEITZEICHEN

Foto: © Thomas Krämer

umtriebiger

NorWeger

er war dichter, journalist und rebell, gilt als einer der

Protagonisten des nynorsk, hat den norwegischen gebirgswanderverein

det norske turistforeningen (dnt) mitgegründet

und dem höchsten gebirge des landes, dem jotunheimen,

seinen namen gegeben. aasmund olavsson vinje würde am

6. april 2018 seinen 200. geburtstag feiern.

teXt: thoMas krÄMer

ob Olav Aasmundsson und seine

Frau Thorbjørg Gjermundsdatter

ahnen konnten, wie berühmt ihr

am 6. April 1818 geborener Sohn Aasmund

Olavsson Vinje einmal werden sollte? In die

Wiege gelegt worden war ihm das jedenfalls

nicht, waren seine Eltern im heimischen

Vinje doch nur Häusler, also Kleinstbauern

mit eigenem Haus, aber nur wenig Grundbesitz.

Das Geld war knapp, der Drang nach

Bildung jedoch groß – Vinje konnte schon

mit neun Jahren lesen, fühlte sich aber

gleichzeitig auch in der Natur wohl. Seine

Leistungen beeindruckten sein Umfeld, aus

dem einfachen Hütejungen wurde ein Schullehrer

in Mandal, der großes Interesse an

vinje-denkmal

in eidsbugarden.

200. geburtstag

von aasmund

olavsson vinje

Literatur und Politik entwickelte. Vinje studierte

Jura und kam in Christiania – dem

heutigen Oslo – in Kontakt mit Henrik Ibsen,

mit dem der mittlerweile auch journalistisch

und publizistisch tätige Vinje das Wochenblatt

»Andhrimmer« ins Leben rief.

Seine Arbeit als Korrespondent der »Drammens

Tidende« verbesserte ab 1851 seine

wirtschaftliche Situation, die zuvor alles andere

als rosig gewesen war.

NYNORSK-PIONIER

1858 gründete er sein eigenes Blatt, die Wochenzeitung

»Dølen«, in der er vor allem

selbst verfasste Werke veröffentlichte. Ab

dieser Zeit schrieb er seine Texte in dem

vom Sprachwissenschaftler und Dichter Ivar

Aasen wenige Jahre zuvor entwickelten

»Landsmål«, dem heutigen Nynorsk. Damit

leistete Vinje einen Beitrag zur Verbreitung

der auf westnorwegischen Dialekten fußenden

Sprache, die Mitte des 20. Jahrhunderts

immerhin von einem Drittel der Menschen

gesprochen wurde, mittlerweile aber nur

noch von gut jedem zehnten Norweger im

Alltag genutzt wird. Es folgte eine vom Staat

fi nanziell unterstützte Studienreise nach

England und Schottland, die er im Buch »A

Norseman's Views of Britain and the British«

festhielt, das später auch ins Norwegische

übersetzt wurde. 1865 bekam er eine Stelle

im Justizministerium, die er nach einem

regierungskritischen Artikel 1868 wieder

verlor.

VINJES LIEBE ZU DEN BERGEN

Im Sommer 1860 wanderte Vinje nahezu

ohne Geld in der Tasche durch das Østerd

alen nach Trondheim und durch das

Romsdalen wieder zurück nach Hause. Seine

Eindrücke von dieser Reise schilderte er

im 1861 veröffentlichten Buch »Ferdaminne«,

das zum ersten größeren, ganz in Nynorsk

geschriebenen Werk wurde. In dieser

Zeit entdeckte Vinje auch seine Liebe

zur Natur wieder und baute sich 1868 die

erste Hütte in Eidsbugarden, das heute als

Wiege des Gebirgstourismus im Jotunheimen

gilt. Die Hütte wurde später vom norwegischen

Bankier, Konsul und Bergfreund

Thomas Johannes Heftye übernommen,

der mit Vinje nebst anderen just in jenem

Jahr den norwegischen Gebirgswanderverein

DNT gründete.

GRAN STATT FALKETIND

Am 12. April 1870 – knapp ein Jahr nach

der Hochzeit – starb Vinjes Frau Rosa

Constance Sophie Kjeldseth nach der Geburt

ihres gemeinsamen Sohnes. Von diesem

Schicksalsschlag sollte sich Vinje nicht mehr

erholen. Er lebte einige Monate bei seinem

Halbbruder in Kongsvinger, wurde dann in

das Reichskrankenhaus eingeliefert, aus dem

er sich am 26. Juli selbst entließ. Vinje wollte

zurück ins Fjell, kam aber nur bis Gran in

Hadeland, wo man ihn am Morgen des 30.

Juli tot im Bett fand. Im Nachhinein wurde

ein Krebsgeschwür im Unterleib festgestellt.

Zum Gedenken an die für die Geschichte

des Landes wichtige Persönlichkeit wird in

jedem Jahr am norwegischen Nationalfeiertag,

dem 17. Mai, an seinem Grab an der

Søster-Kirche in Gran ein Kranz niedergelegt.

Sein Jahre zuvor geäußerter Wunsch,

seine letzte Ruhestätte auf dem Gipfel des

Falketind im Jotunheimen zu bekommen,

wurde ihm nicht erfüllt. Aber immerhin

steht ein Vinje-Denkmal vor dem Hotel in

Eidsbugarden.


80 Nordis


KLEINANZEIGEN

Blockhüttenurlaub am See

in Schweden.

KREUZFAHRTEN

20. MAI – 1. SEPTEMBER 2018

Aktivurlaub im Norden

Kanu | Rad | Trekking | Camps ...

Husky | Schneeschuh | Langlauf ...

für Erwachsene, Familien

und Jugendliche

aktiv. abenteuerlich.

außergewöhnlich.

www.rucksack-reisen.de 0251-871880

März 2018

Finnisch III 12.03.-16.03.2018

Isländisch IX 12.03.-16.03.2018

Dänisch II 19.03.-23.03.2018

Isländisch II 19.03.-23.03.2018

Schwedische

Konversation 19.03.-23.03.2018

April 2018

Isländisch IV 03.04.-07.04.2018

Estnisch VII 09.04.-13.04.2018

Norwegisch II 09.04.-13.04.2018

Norwegisch IV 09.04.-13.04.2018

Finnisch VII 16.04.-20.04.2018

Lettisch II 16.04.-20.04.2018

Schwedisch II 23.04.-27.04.2018

Norwegische

Konversation 23.04.-27.04.2018

MAi 2018

Isländisch XVIII 02.05.-06.05.2018

Finnisch XXII 07.05.-11.05.2018

Norwegisch III 14.05.-18.05.2018

Dänisch III 14.05.-18.05.2018

Finnisch XVI 28.05.-01.06.2018

Färöisch VII 28.05.-01.06.2018

Kursreihe »Fit Für den urlAub«

Finnisch 09.03.-11.03.2018

Dänisch 11.05.-13.05.2018

Estnisch 08.06.-10.06.2018

Isländisch 08.06.-10.06.2018

Lettisch 08.06.-10.06.2018

Weitere Kurse auf Anfrage.

Alle Wochenkurse können als

Bildungsurlaub anerkannt werden!

FRÜHBUCHERRABATT

MINUS 15% BIS 15. DEZ. 2017

MINUS 10% BIS 15. MÄRZ 2018

4 Tage – Klassische Reise

Göteborg – Stockholm v.v.

Pro Person ab 1.395 e

2 Tage – Minikanalreise ab 460 e

3 Tage – Höhepunkte

Göta-Kanal ab 840 e

6 Tage – Große Schweden-

Reise

ab 2.100 e

AUSFÜHRLICHE INFOS ANFORDERN

Genießen Sie den Göta-Kanal durch

die herrliche Landschaft Südschwedens

auf einem der 3 historischen Schiffe.

www.wildnis-leben.com

Tel. 0046-722 187 704

Das Nordeuropa-Magazin

Alles,

was Eisbären

cool finden

www.nordis.de

www.skandinavien.de

Tel. +49 (0)4331 1438-33

Fax +49 (0)4331 1438-20

sprachen@nordkolleg.de

www.nordkolleg.de

www.atiworld.de

Wasserloser Straße 3a · 63755 Alzenau

Tel. 06023/91 71 50 · info@atiworld.de

Foto: © fotolia

Stimmungsvolle Bademomente in Ihrem

Garten – Badefässer von Kirami werden

europaweit immer beliebter

D

as Baden im holzbeheizten Outdoor-Badefass ist ein unvergessliches

Erlebnis. Ob ein netter Abend mit Familie oder Freunden,

stimmungsvolle Bademomente mit dem Partner oder der

entspannte Ausklang eines arbeitsreichen Tages: Das Bad im warmen

Wasser fühlt sich an wie im siebten Himmel.

Das Prinzip ist einfach: Der Pool wird mit Wasser gefüllt, das durch ein

Holzfeuer im Kamin erhitzt wird. Hat das Wasser Ihre Wohlfühltemperatur

erreicht, kann das Badevergnügen beginnen. Nach dem Baden

kann das Wasser bequem durch einen Filter und Reinigungstabletten

sauber werden gehalten werden.

NORDIS

to go

»Kirami« ist Europas größter Badefass-Hersteller und liefert jährlich

mehr als 5.000 Produkte in alle Gegenden Europas – und die Beliebtheit

wächst. Wir bieten unseren Kunden erstklassige und einfach zu

bedienende holzbefeuerte Badefässer sowie eine große Auswahl an

Zubehör. Wir produzieren unsere Produkte ausschließlich aus ausgewählten,

qualitativen Rohstoffen und montieren sie sorgfältig in unserer

Fabrik in Sastamala, Finnland.

Erfahren Sie mehr unter: www.kirami.fi/de

Lesen Sie Nordis jetzt auch digital!

Entweder im Apple App Store oder online auf

www.united-kiosk.com.

Zusätzlich auch im Google Play Store

und im Amazon App Store.

Nordis 81


VORSCHAU & IMPRESSUM

daS NÄchSTe NordiS-MagaziN

erScheiNT aM 2. Mai 2018

Die fAmilie SteHt in Der AUSgABe 3/2018 im mittel-

PUnKt. neBen SPAnnenDen toUren mit KinD UnD

Kegel, Kommen ABer AUCH SommerliCHe genUSS-

UnD oUtDoorerleBniSSe niCHt zU KUrz.

UrlAUB im

PiPPi-lAngStrUmPf-lAnD

Die Seen, Wälder und örtchen Smålands

sind ein Paradies für Kinder. So

vieles gibt es hier zu entdecken und

zu erleben. Ob beim Angeln, Kanufahren

oder Schwimmen oder auf

dem rasanten Zip-Line-Parcours –

Langeweile kommt hier im Glasreich

so schnell keine auf.

CAmPing An SCHWeDenS WeStKÜSte

Varberg, Halmstadt und Röstånga sind die Stationen unserer

Campingtour durchs westliche Schweden und Schonen.

Sowohl für Familien als auch für Paare oder Alleinreisende

sind die strand- bzw. naturnahen Plätze ein wunderbarer

Ausgangspunkt, um die Region und ihre Sehenswürdigkeiten

zu erkunden.

WAnDern AUf Dem genDArmenStien

Der Gendarmstien oder »Gendarmenpfad« ist der erste Europäische

Qualitätswanderweg Dänemarks. Auf dem 75 Kilometer

langen Küstenwanderweg entlang der Flensburger Förde treten

Wanderer in die Fußstapfen der dänischen Grenzgendarmen, die

dort einst noch zu Fuß die Grenze mit Deutschland kontrollierten.

Foto: © Uta de Monte

Foto: © Stefanie Becker

01 02

03 04

05 06

07

09

11

08

10

12

01 jörn backhaus,

geschäftsführung

02 stefanie becker,

chefredaktion

03 tilmann bünz, kolumnist

04 frank ditt mann, herausgeber

05 hans klüche, freie Mitarbeit

06 thomas krämer, freie Mitarbeit

07 ger hard kraus, freie Mit arbeit

08 jukka lampo,

account Manager skandinavien

09 ronja söderblom-frase,

in elternzeit

10 dagmar tigges, korrektorat

11 esther Zisch, grafik

12 hans Zollinger, nordis schweiz

nordis – Das nordeuropa-magazin

Maxstr. 64

D-45127 Essen

Tel. 02 01-8 72 29-0, Fax 02 01-89425-11

www.skandinavien.de/nordis

www.nordis.de

verlag@nordis.com

geschäftsführung: Jörn Backhaus

redaktionsanschrift: Maxstr. 64, 45127 Essen

nordis Schweiz: Hans Zollinger,

Johanniterstrasse 3, CH-8820 Wädenswil

Herausgeber: Frank Dittmann (V.i.S.d.P.)

Chefredaktion: Stefanie Becker (sb)

Korrektorat: Dagmar Tigges

Ständige freie mitarbeit: Frank Keil (fk);

Thomas Krä mer (tk); Gerhard Kraus (gk);

Michael Kube (mku) (Klassik); Hans Klüche (hlrk);

Claudia Rothkamp (cr); Suzanne Forsström (sf)

Kolumne: Tilmann Bünz

Karten: Jochen Fischer Karthographie, Aichach

grafik/layout: Esther Zisch

Druck: Peter Pomp, Bottrop

Anzeigenverkauf:

Deutschland: Jörn Backhaus,

Nordis Verlag GmbH, Maxstr. 64, 45127 Essen,

Tel. 0201-8722-929, Fax: 0201-89425-11,

joern.backhaus@nordis.com

Finnland, Island, Dänemark, Norwegen, Schweden:

Jukka Lampo, Nordis Verlag GmbH,

Maxstr. 64, 45127 Essen, Tel. 0201-89425-258,

jukka.lampo@nordis.com

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 23

vom 1. Oktober 2017.

Abonnenten-Service:

In Deutschland: Nordis Abonnentenservice,

Maxstr. 64, D-45127 Essen, Tel. 02 01-8 72 29-0,

Fax 02 01-89425-11, abo@nordis.com

In der Schweiz: Nordis Schweiz Hans Zollinger,

Montelunaweg 2, 7310 Bad Ragaz

Tel. 0041-(0)44-780 25 28

vertrieb einzelverkauf:

Deutschland: IPS Pressevertrieb GmbH

Carl-Zeiss-Str. 5, 53340 Meckenheim

Tel. 02225-8801-0, Fax: 02225-8801-199

www.ips-d.de, vertrieb@ips-d.de

Schweiz: Valora AG, Hofackerstr. 40,

CH-4132 Muttenz, Tel. 061-467 20 20

Bezugspreise:

Einzelverkaufspreise: 5 € / 9,80 sFr /

Österreich 5,50 €

Jahresabonnement: 28 € (6 Ausgaben, einschl.

Zustellgebühr und USt), 50 sFr

Auslandsabonnement: 28 € zzgl. Auslands -

versand kosten (5 €)

Für Mitglieder der DNF ist der Bezug im

Mitgliedsbeitrag enthalten.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge von Mit ar bei tern

geben nicht unbedingt die Meinung der Re dak tion oder

der Herausgeber wieder. Sämt liche Informa tionen wurden

nach bestem Wissen recherchiert; für die Richtig keit

kann je doch keine Gewähr gegeben werden. Die Redaktion

hat versucht, alle Copyright-Inhaber der Bil der in dieser

Ausgabe ausfindig zu machen und zu kontaktieren. Etwaige

Irrtümer oder fehlende Copyright-Hin weise werden

bei Benachrichtigung in der jeweils kommenden Ausgabe

aufgeführt. Für un verlangt eingesandte Manuskripte und

Fo tos übernehmen Ver lag und Redaktion keine Haf tung.

In allen Fällen höherer Gewalt be steht kein An spruch auf

Nach lieferung und Rück zahlung des Bezugspreises.

Eine Beilage der DNF befindet sich in der

Aboauflage für DNF-Mitglieder. Eine Beilage von

Dansk.de/Feriepartner befindet sich in der

kompletten Auflage. Eine Beilage der Deutschen

Bahn befindet sich in der kompletten Auflage.

Die Beilage „Die nordischen Länder 2018“ befindet

sich in der gesamten inländischen Aboauflage.

Im Jahr 2016 kompensierte der Nordis Verlag 5,65 t CO 2

e

durch GOGREEN Produkte und Services. Das Carbon

Management von Deutsche Post DHL Group glich

die beim Transport entstandenen Emissionen durch

Klimaschutzprojekte aus.

Nordis Verlag GmbH 2017 | ISSN 0946-1116

Foto: © Erik van de Perre

facebook.com/dasnordismagazin

Deutsch-Norwegische

Freundschaftsgesellschaft e.V.

www.dnfev.de

AUSSerDem: Flaschenpostfund auf Åland • Ferienhausurlaub in Hudiksvall

• Radurlaub in Südnorwegen • Schärenstadt Turku • Inselhopping in

Bohuslän • Mänttä – Stadt der 10.000 Kunstwerke • öland Kungsrallyt

PEFC zertifiziert

Dieses Produkt stammt aus

nachhaltig bewirtschafteten

Wäldern und kontrollierten Quellen.

www.pefc.de

82 Nordis


MADE IN NORWAY

SINCE 1879

AKSEL LUND SVINDAL

DER OFFIZIELLE OLYMPIA SWEATER 2018

DES NORWEGISCHEN TEAMS

100% WEICHE MERINOWOLLE – PREMIUM QUALITÄT – MADE IN NORWAY

FINDEN SIE IHREN NÄCHSTEN HÄNDLER IM STORE LOCATOR AUF

DE.DALEOFNORWAY.COM


Komplettes Bad inkl. Mwst. und Versand ab

3 990 ,-

Skargards Rojal

Wärme, wie nie zuvor.

In ganz Deutschland

Kostenlose

Lieferung!

Siehe Kaufbedingungen

Der Skargards Rojal ist ein holzbeheizter Hot Tub mit

einzigartigem, integriertem Zirkulationsofen. Die Wanne bietet

durch ihr ergonomisches Design einen hohen Sitzkomfort.

Dabei ist sie aus nur einem Stück gefertigt. Pflegeleicht und

hygienisch. Das Ergebnis ist ein warmes und entspanntes

Badeerlebnis, das vom Knistern des Feuers begleitet wird.

Mit verschiedenem Zubehör, wie z.B. einer isolierenden

Abdeckung, einer Unterwasserbeleuchtung oder einem

Sprudelsystem, können Sie das Modell ganz nach Ihren

Wünschen erweitern. Sie erhalten Ihren Hot Tub montiert und

fertig zum Aufstellen.

Es war noch nie so einfach ein warmes, holzbeheiztes Bad zu

genießen.

Möchten Sie mehr wissen? Rufen Sie uns an unter

0800 555 15 00 oder besuchen Sie unsere

Internetpräsenz www.skargards.de

“Der Support war sehr gut. Die Lieferung

pünktlich. Das Aufbauen einfach und das

Badevergnügen traumhaft.”

“Wir sind – ohne Übertreibung - von

dem Rojal begeistert.”

Hervorragend 9.3 from 0-10

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine