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haufe.de

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Das Magazin für den innovativen Mittelstand

FEBRUAR 2009

www.profi rma.de

Vorübergehend

FINSTER

ANLAGEN IN ÖL UND O-SAFT

Welche Chancen Investments in

Rohstoffe bieten. Seite 46

GETEILTER FAHRSPASS

Auch für Mittelständler kann sich

Carsharing lohnen. Seite 54

Von „Alles wird gut“ bis „Wirtschafts-Tsunami“:

Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank,

beschreibt die Szenarien der Krise und ihre

Auswirkungen für die Unternehmen. Seite 22

Sonja Schwestka ist eine Ruferin

in der Kulturwüste. In der Berliner

Hochhaussiedlung Gropiusstadt betreibt

sie seit mehr als 20 Jahren mit Mut und

viel Fantasie eine stetig wachsende

Buchhandlung. Seite 12


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Editorial

ProFirma 02 2009

Chefredakteur Dieter Römer

Angst vor dem Unwetter

Liebe Leserin, lieber Leser, kürzlich zog die „Heute-Journal“-Moderatorin Marietta

Slomka für unsere Wirtschaftslage folgenden Vergleich: „Es ist gerade so“,

sagte sie sinngemäß, „als sei im Wetterbericht ein fürchterliches Unwetter angekündigt,

aber wenn man aus dem Fenster schaut, herrscht noch strahlender Sonnenschein.“

Inzwischen sind wir ein unheimliches Stück weiter, die Stimmung

in vielen Firmen ist gekippt, Kurzarbeit längst kein Fremdwort mehr.

Es ist förmlich zu spüren, wie in den Betrieben die Nervosität wächst. Die Wirtschaftsnachrichten

vor allem aus den Vereinigten Staaten, aber auch schon aus

einigen Ländern der Eurozone, lassen nichts Gutes erwarten. Und das Trommelfeuer

haarsträubender Konjunkturprognosen in den vergangenen Wochen war

ebenso wenig für Frohsinn geeignet. In dieser düsteren Stimmung werden auch

die wenigen positiven Meldungen leicht ignoriert, dass etwa die Außenhandelskammern

nicht an einen Einbruch des Exports in 2009 glauben und dass die

Geschäfte des Einzelhandels zum vorigen Jahresende hin recht gut liefen.

Unsere Titelstrecke (ab Seite 22) gibt Ihnen zweierlei an die Hand: zum einen

die Wirtschaftsszenarien, die der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert

Walter, exklusiv für ProFirma erstellt hat. Sie zeigen die Spannbreite der möglichen

Entwicklung, nicht nur eine Momentaufnahme. Zum anderen nennen wir

auf fünf Seiten die wichtigsten Instrumente, mit denen Sie – auch im Unwetter –

in Ihren verschiedenen Unternehmensbereichen gegensteuern können.

Viel Lesevergnügen, trotz allem, wünscht Ihnen

dieter.roemer@profi rma.de

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3

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Unternehmen

einfach nur

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abgekommen?


Inhalt 02.2009

Titelthema:

Vorübergehend fi nster

Deutsche Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter

beschreibt vier Szenarien der Krise und ihre

Auswirkungen auf die Unternehmen.

28 Krisenmanagement

Fünf Handlungsfelder, auf denen

sich Unternehmen für die Zukunft fi t

machen können.

12

Unternehmerin im Porträt Sonja Schwestka

hat in Berlin mit Beharrlichkeit und Fantasie

eine eigene Buchhandlung aufgebaut.

32

Roundtable Warum Wissensbilanzen

in Unternehmen immer wichtiger werden.

ProFirma

Round Table

22

08 Wir Unternehmer

08 Innovator des Monats Der Mann, der die Zeit vergoldet.

10 Redezeit Unternehmer und Manager müssen in der

Wirtschaftskrise ihre soziale, emotionale und ethische Kompetenz

beweisen, fordert Priester Anselm Bilgri.

11 Debatte Konjunkturprogramme behindern den Strukturwandel

und führen nur zu einer höheren Staatsverschuldung, sagt Prof.

Gebhard Flaig.

12 Unternehmerporträt

Sonja Schwestka – Ruferin in der Kulturwüste.

18 Auszeit 75 Sekunden für die Unsterblichkeit.

19 Personalien

20 Spektrum Sätze in Vollendung.

22 Unternehmensführung

22 Titelthema Vorübergehend fi nster Von „Alles wird gut“ bis

„Konjunktur-Tsunami“ – Deutsche Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter

beschreibt vier Szenarien der Krise und ihre Auswirkungen auf die

Unternehmen.

32 Roundtable Ob der Wissensbilanzierung die Zukunft gehört,

darüber diskutierten Unternehmer und Experten beim 4. Freiburger

Mittelstandskongress.

36 Querdenker Allgemeingültige Regeln gibt es in der Unternehmensführung

nicht, meint Prof. Martin Beck.

38 Recht Keine Fristen, keine Termine: Ein Aufhebungsvertrag ist oft die

bessere Alternative zur Kündigung.

4 ProFirma 02 2009


40 Finanzen & Steuern

40 Trends Commerzbank legt Kreditprogramm auf.

42 Finanzierung Im Zeichen der Finanzkrise entdecken immer mehr

Unternehmen Factoring als Instrument der Liquiditätssicherung.

46 Geldanlage Die Preise für Öl, Kupfer und Co. sind stark gefallen.

Trotzdem bleiben Rohstoffanlagen ein heißes Eisen.

49 Soll & Haben Entzaubertes Steuersparmodell.

50 Steuern 2009 Neue Spielregeln und ein Comeback.

52 Steuertipp Wie Selbstständige das Urteil zur Pendlerpauschale nutzen.

53 Steuertrends Neue Falle bei der Erbschaftsteuer.

54 IT & Investition

54 Flottenmanagement Carsharing lohnt sich auch für mittelständische

Unternehmen.

58 Software Mehr Bedienerfreundlichkeit für die Nutzer.

60 Online-Auftritt Das Impressum ist bei jedem Web-Shop Pfl icht.

Wenn es fehlt, kann es richtig teuer werden.

63 Cole‘s Corner Drei Handys braucht der Mensch.

64 Telefonanbieter Ein Vergleich der Angebote lohnt sich,

wie die ProFirma-Marktübersicht zeigt.

68 Praxiswissen

ProFirma 02 2009

46

Personalarbeit (III)

Der richtige Einsatz von

Zielvereinbarungen ist ein

unverzichtbarer Bestandteil

der Mitarbeiterführung.

Jeden Monat

aktuell

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Business-Tools für

die erfolgreiche Unternehmensführung

Preisverfall:

Bei Öl und anderen

Rohstoffen ging es im

Jahr 2008 steil bergab.

Rubriken

03 Editorial

06 ProFirma Professional

72 Rückschau, Termine

73 Vorschau, Impressum

74 Schluss mit lustig (11)

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zu den Themen Unternehmensführung, Marketing, Vertrieb, Personal, Steuern und Finanzen.

DAS TOP-THEMA DES MONATS

Mit dem Top-Thema des Monats bietet ProFirma Professional seinen

Abonnenten eine Zusammenstellung von Fachbeiträgen und Arbeitshilfen

zu einem aktuellen Thema.

Ebay: Gewerblich verkaufen, Abmahnfallen meiden

Ebay ist der wohl bekannteste Marktplatz im Internet und zählt nach

eigenen Angaben mehr als 83 Millionen aktive Nutzer. Das gewerbliche

Anbieten und Verkaufen von Waren oder Dienstleistungen über

Ebay kann jedoch schnell zum rechtlichen Ärgernis werden, wenn

wichtige Aspekte nicht beachtet werden. Haufe-Index: 2068550

Steuerliche Besonderheiten für Unternehmer Haufe-Index: 1986540

Einkaufspreisverhandlungen führen Haufe-Index: 2087653

Verkauf über den Einzelhandel Haufe-Index: 2058568

NEU IM PROFESSIONAL

Eine kleine Auswahl von neuen Dokumenten und Arbeitshilfen auf

ProFirma Professional.

■ Betriebliche Altersversorgung Haufe-Index: 1951632

Thema des Fachbeitrags ist neben dem neuen Gesetz zur betrieblichen

Altersversorgung das BMF-Schreiben vom Februar 2008.

■ Mitarbeiterkapitalbeteiligung Haufe-Index: 2015650

Das Gesetz zur steuerlichen Förderung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung,

von dem Arbeitnehmer und -geber ab 2009 profi tieren sollen.

■ Online-Datensicherung und Backups Haufe-Index: 1824673

Tipps und Tricks, wie die Datensicherung im Unternehmen kostengünstig

auf den neusten Stand gebracht werden kann.

■ Doing Business in … Arabische Länder Haufe-Index: 2080211

Der Beitrag beschreibt, auf welche kulturellen Eigenheiten Sie achten

müssen, wenn Sie in arabischen Ländern Geschäfte machen.

THEMEN IM FEBRUAR

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ProFirma Professional bietet Abonnenten regelmäßig kostenfreie

Online-Seminare zu aktuellen Themen oder Problemen an. Informieren

Sie sich bequem und vom eigenen Schreibtisch aus

über neueste Entwicklungen.

Nächstes Thema: Sicher durch die Krise – eine Musterfi rma

Freitag, 13. Februar 2009, 10 Uhr, Dauer ca. 60 Minuten,

die Teilnahmegebühr ist in Ihrem Abo enthalten.

■ Die aktuellen Themen der Online-Seminare und die Anmeldung

fi nden Sie auf Ihrer Startseite unter Services/Online-Seminare.

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alle denkbaren Verantwortlichkeiten und Situationen geregelt sind,

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■ Nachkalkulation Mit diesem Tool können Sie Ihre Angebotskalkulationen

nach Abschluss des Auftrags nachkalkulieren, um gegebenenfalls

feststellen zu können, wo Sie falsch gerechnet haben.

■ Mitarbeiterführung Dieser Beitrag gibt Ihnen Tipps zum Umgang

mit schwierigen Mitarbeitern, zur richtigen Gesprächsführung und

zeigt Ihnen Deeskalationstechniken auf.

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FEHLERQUELLE

Jahreswechsel


Wir Unternehmer – Innovator des Monats

Philipp Kuhn

Der Mann, der die Zeit vergoldet

Ein Hamburger Dienstleister befreit seine Kunden von allem, was lästig

oder mühsam ist: Einkäufe und Behördengänge ebenso wie die Urlaubsplanung.

Philipp Kuhn muss ganz viel können, das ist sein Beruf, und

in seiner Branche ist er ein Profi . Man könnte jetzt einwenden,

dass dies ja nicht so schwierig sei, denn die Branche sei schließlich

er selbst. Das stimmt. Sonst macht in Deutschland noch

keiner, was Kuhn tut. Philipp Kuhn nennt sich „Zeitvergolder“,

eine Art persönlicher Assistent für alle Lebenslagen, ein

Troubleshooter für Wohlhabende, ein Traumerfüller auch. Im

Prinzip funktioniert seine Dienstleistung so: Auch der Alltag

der Besserverdienenden besteht aus einigem Unangenehmen

– Behördengänge, Steuererklärung, ein Haus verkaufen, Umziehen,

mit dem Hund spazieren gehen, die Telekom-Hotline

anrufen, weil der DSL-Anschluss wieder nicht funktioniert,

einkaufen, die Großmutter zur Endoskopie bringen, der Frau

Blumen kaufen, Urlaub organisieren, eine Jacht mieten oder

einen Babysitter. Kuhn erledigt das für seine Kunden ab 70

Euro die Stunde. Man mietet ihn, übergibt ihm die Last des

Alltags und gewinnt Zeit, das ist das Prinzip.

Kuhn ist 33 Jahre alt, von akkuratem Äußeren, studierter Betriebswirt,

gelernter Versicherungskaufmann und ein Mann,

der aussieht, als ob er einen Hummer mit Messer und Gabel

von seinem Panzer befreien könnte. Als Kind studierte er Kursbücher

der Deutschen Bahn, damit die Familie problemlos

eine Reise machen konnte. „Ich bin mit einer grundsätzlichen

Hilfsbereitschaft ausgestattet“, erklärt Kuhn. Seinen Kunden

bietet er eine 24-stündige Notfallnummer, das Telefon nimmt

er mit ins Bett. Aber bis auf einen Anruf eines Kunden, der an

einem Samstag um 22 Uhr nicht in sein Haus kam, weil er den

Schlüssel verloren hatte und Kuhn den Schlüsseldienst organisieren

musste, ist noch nichts passiert.

Bald ein Jahr ist Kuhn nun Zeitvergolder. Er wird es bleiben.

Nicht nur, weil er damit langsam Geld verdient, sondern weil

es Spaß macht. „Man lernt Menschen kennen, spannende Biografi

en, Orte auch, an die man sonst nie hinkommen oder

hingehen würde.“ Wie etwa ein Luxushotel auf Mallorca, in

dem Kuhn unlängst ein paar Tage als Gesellschafter mit einer

70-jährigen Witwe verbrachte. „Das war eine neue Erfahrung,

durchaus gut. Bis auf meinen Fahrstil war die Dame sehr zufrieden.“

www.zeitvergolder.de

8 ProFirma 02 2009

Foto: Bertold Fabricius


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Wir Unternehmer – Redezeit

Priester Anselm Bilgri

Für den Menschen statt für die Zahlen

Im Wertewandel und einem massiven Vertrauensverlust liegen die Ursachen der Wirtschaftskrise.

Unternehmer können gegensteuern, indem sie gerade jetzt nach ethischen Gesichtspunkten handeln.

Ein pensionierter Vorstand, der früher

auch am Wochenende häufi g in seinem

Büro zu fi nden war, antwortete mir auf

die Frage, ob er es denn im Ruhestand

aushalte: „Ach, mir geht es gut. Erstens

brauche ich nicht mehr so früh aufzustehen,

und zweitens muss ich nicht mehr

auf dem Weg zum Büro überlegen, welcher

tote Fisch denn heute wieder auf

meinem Schreibtisch liegen wird.“

Er hat es mit diesem Bild eindrucksvoll

beschrieben: Managen heißt meist „tote

Fische entsorgen“. Damit ist gemeint,

dass ein Firmenchef oft unangenehme

Entscheidungen fällen und Probleme lösen

muss, weil andere es nicht können.

Wer dies innerlich ablehnt, wird ständig

leiden. Um in schwierigen Situationen

bestehen zu können, brauchen die Führungskräfte

ein eingeübtes Wertesystem,

um zwischen den verschiedenen

Optionen wählen zu können.

Durch die Pluralisierung der Gesellschaft

stehen die alten Wertemuster

nicht mehr selbstverständlich zur Verfügung.

Es ist notwendig, sich aus der

Vielfalt ein eigenes Werteraster im

Patchwork-Verfahren zusammenzustellen.

Dabei müssen wir zu einem

menschenzentrierten, ökonomischen

Bewertungssystem fi nden und das

kennzahlen-getriebene beiseite legen.

Dass dies bisher nicht gelungen ist, bildet

meines Erachtens den Ursprung für

die gegenwärtige Finanzkrise. Schon

vorher haben Politiker und Experten

viel von Werten geredet, die verloren

Anselm Bilgri,

55, war bis zum Jahr 2004 Mitglied des

Benediktinerordens und danach, bis Juli

2008, Gesellschafter des Münchener

Zentrums für Unternehmenskultur. Dessen

Beratungsgeschäft führen frühere Mitarbeiter

unter dem Namen Stadler/Heinle/

Schott weiter. Bilgri konzentriert sich nun

auf Autoren- und Vortragstätigkeit.

www.anselm-bilgri.de

gegangen seien und wieder gewonnen

werden müssten. Ich glaube aber, dass

wir weniger einen Werteverlust erleben

als vielmehr einen Wertewandel. Wir

müssen lernen, mit dem hohen Maß an

individueller Freiheit umzugehen, die

als höchster Wert angesehen wird, und

sie verknüpfen mit der Verantwortung

für das gesellschaftliche Ganze.

Die andere Ursache für die eben erst beginnende

Rezession liegt sicher auch in

einer massiven Vertrauenskrise. Weite

Kreise unserer Gesellschaft haben nicht

nur das Vertrauen in die Führungseliten

verloren, sondern – schlimmer noch – in

unsere tragenden Säulen soziale Markt-

ist eine persönliche Sache. Ich vertraue

Institutionen nur, wenn ich ihren Repräsentanten

vertrauen kann. Daher

müssen gerade jetzt Manager und Unternehmer

ihre soziale, emotionale und

ethische Kompetenz beweisen.

Dem Menschen hat jede Form des Wirtschaftens

und des Organisierens zu dienen.

Nur ein menschengemäßes Führen

wird eine lebendige und lernfähige, fl exible

und dabei beständige Organisation

heranbilden. Dazu braucht es gegenseitige

Achtsamkeit, um eine Organisation

als eine voneinander lernende Gemeinschaft

zu erfahren. Die Führungskraft

muss beispielhaft als Hören-Wollender

vorangehen. Dies verwirklicht sich in

einer Kultur des Dienens, die von oben

nach unten gelebt wird. Ganz konkret

diene ich dem einzelnen Mitarbeiter,

indem ich dessen Erfolg zulasse. Dabei

geht es um eine Wertschätzung der Unterschiedlichkeit

der einzelnen Talente

und Potenziale. Führen besteht darin,

zu versuchen, den Mitarbeitern in ihrer

Eigenart gerecht zu werden: Nicht allen

das Gleiche, sondern jedem das Seine!

Diese „Gabe der Unterscheidung“ gilt

im ältesten Führungs- und Organisationshandbuch

des europäischen

Abendlands, der Regel des Benedikt von

Nursia, als die Mutter aller Führungstugenden.

Wer diese Aufgabe erfüllt – „der

Eigenart vieler zu dienen“ –, steigert

auch die Motivation der Mitarbeiter.

Die Zufriedenheit mit ihrer Tätigkeit resultiert

nicht aus sekundären Anreizen,

sondern liegt in der Sinnhaftigkeit der

Arbeit selbst. Dies ist ein wichtiger Baustein

für eine nachhaltige, dauerhafte

Unternehmenskultur.

wirtschaft und Demokratie. Vertrauen Fotos: privat

10 ProFirma 02 2009


Subventionen

Aufgeschobene Probleme

Mit Konjunkturprogrammen und Subventionen möchte die Bundesregierung den Abschwung

aufhalten. Doch das funktioniert nicht, mahnt Professor Gebhard Flaig.

Herr Flaig, mit notfalls 500 Milliarden

Euro will die Regierung die Banken

retten, mit 50 Milliarden Euro die Wirtschaft

unterstützen, vor allem die Autobranche

und das Handwerk. Geht sie

den richtigen Weg?

Flaig: Konjunkturpolitik ist immer ein

zweischneidiges Schwert. Einerseits

muss klar sein: Der Abschwung kommt.

Er lässt sich nicht mit solchen „Rettungsschirmen“

aufhalten, selbst wenn

das oft suggeriert wird. Denn die Konjunktur

besteht nun mal aus Wellen, das

Tal war längst in Sicht. Bestenfalls können

solche Programme die Folgen abschwächen.

Andererseits kommt jetzt

die Finanzkrise erschwerend dazu. Daher

war es vernünftig, das Banksystem

vor dem Kollaps zu bewahren. Sonst

fi ele der Abschwung heftiger aus.

Gezielte und wirksame Hilfe

Nur in Ausnahmefällen hält Peter Parczyk unterstützende

Maßnahmen für gerechtfertigt.

Subventionen schaffen meist nur ungleiche Marktbedingungen.

Zudem lassen sich kaum Grenzen ziehen: Warum sollte der

Staat Opel fördern, die Zulieferer aber nicht? Hätten wir gerechte,

niedrige Steuern, kämen wir wohl ohne solche Hilfen

aus. So aber können wir auf Förderung nicht ganz verzichten.

Doch sie muss dort ansetzen, wo sie wirkt. So ließe sich mit

minimalen Maßnahmen den Mittelständlern helfen, ihre Liquiditätsengpässe

zu überwinden: Sie sollten

die Mehrwertsteuer erst dann abführen,

wenn die jeweilige Rechnung bezahlt ist.

Zudem müssten Finanzamt und Krankenkassen

Zahlungsaufschub gewähren.

ProFirma 02 2009

Peter Parczyk ist Vorstandschef

der A-Form AG in Mildenau.

Dennoch bezweifeln Sie die Wirksamkeit

solcher Programme?

Flaig: Wenn solche Programme oder

Subventionen nur auf einzelne Branchen

oder Unternehmen zielen, bin ich

sehr skeptisch. Zwar steckt der Staat oft

hohe Summen in betroffene Firmen,

doch die erhofften Effekte bleiben meist

aus. Zugleich wächst aber die Staatsverschuldung.

Warum bleiben die Effekte aus?

Flaig: Weil die Probleme oft von ganz

anderer Seite herrühren. Beispiel Autobranche:

Hier haben die Firmen weiterhin

Überkapazitäten aufgebaut, obwohl

sich das Ende des Booms bereits

abzeichnete. Es gehört aber zur Marktwirtschaft,

dass Unternehmen mit

Nachfragerückgängen leben müssen.

Reagieren sie mit neuen Technologien

Jürgen Erhardt leitet die Erhardt GmbH

Fahrzeug und Teile in Stuttgart.

Debatte

darauf, können sie überleben. Ansonsten

treten andere Firmen an ihre Stelle.

Diesen Wandel zu stoppen, funktioniert

nicht: Die Probleme verschieben

sich nur auf später.

Professor Gebhard

Flaig lehrt Volkswirtschaftslehre

und

Ökonometrie an der

Ludwig-Maximilians-

Universität in

München.

Subventionen abschaffen

Jürgen Erhardt fordert stattdessen ein einfaches Steuersystem

ohne Schlupfl öcher.

Von Subventionen, Konjunkturprogrammen und Steuersparmodellen

halte ich nichts. Sie kosten viel Geld, bringen aber

wenig und verschärfen Ungleichgewichte. Vor allem nützen

sie den Konzernen: Sie können Berater beauftragen, Steuerschlupfl

öcher und Subventionstöpfe zu fi nden. Das bleibt

Mittelständlern verwehrt, weil sie im Tagesgeschäft gar nicht

den Kopf frei haben für diese Fragen. Statt Subventionen brauchen

wir ein einfaches Steuersystem, das

die Firmen mit einem Steuersatz von zehn

bis 15 Prozent belegt – ohne Ausnahmen.

Auch der Staat würde profi tieren, es gäbe

kaum noch Steuerfl üchtlinge.

11


Wir Unternehmer – Porträt

SONJA SCHWESTKA

Ruferin in der Kulturwüste

Ausgrechnet die graue Hochhaussiedlung der Berliner Gropiusstadt beherbergt Berlins

größte inhabergeführte Buchhandlung. Sonja Schwestka hat sie vor mehr als 20 Jahren

mit Mut, Fantasie und Beharrungsvermögen gegründet. VON ARIANE BEMMER

Man nennt sie Leseratten oder Bücherwürmer – die Menschen,

die lesen und lesen und dabei glühende Ohren bekommen.

Die plötzlich anfangen zu lachen oder zu weinen.

Die den anderen gar nicht mehr zuhören. Die lesen statt

fernzusehen, statt Musik zu hören oder spazieren zu gehen.

Die Berlinerin Regine Schröder ist so ein Mensch. Sie

kommt um die Ecke gesaust, hält mit quietschenden Reifen,

und schon sprudelt sie los. Leseratte, ja, das sei sie. Ein

Buch nach dem anderen und manchmal auch zwei parallel.

Krimis, Schmöker, mal was Historisches oder was Biografi

sches, aber am liebsten Krimis. „Beim Lesen erlebe ich

Dinge, die ich sonst nie erleben könnte“, sagt sie. Und meint

damit nicht: weil sie im Rollstuhl sitzt.

Mitten im sozialen Notstandsgebiet

Sie hat sich durch den tristen Nachmittag geschoben, bis hinein

ins Einkaufszentrum. Etwas Bestimmtes sucht sie nicht,

aber: „Mit irgendwas geht man hier immer hinaus“, sagt sie.

Regine Schröder, 60 Jahre alt, leidet seit dem Jahr 1973 an

Kinderlähmung. Ihre Eltern hätten ihr Bücher gegeben, damit

das Kind, das seine Energie nicht austoben konnte, trotzdem

ruhig ist. Bücher waren ihre Therapie. Ihre Rettung.

Dasselbe kann man auch über den Buchladen sagen, in den

Regine Schröder immer wieder kommt, über „Sosch“. Auch

„Sosch“ ist eine Art Therapie, eine Art Rettung. Und zwar für

seine Umgebung: Seit dem Jahr 1985 behauptet sich „Sosch“

in den Einkaufspassagen der Neuköllner Gropiusstadt, das ist

eine Trabantenstadt im Süden von Berlin. Und viele sagen:

„Sosch“ allein hält hier noch einen Anspruch hoch.

Errichtet wurde die Siedlung, deren Silhouette aus grauen

Hochhausklötzen besteht, auf dem freien Feld zwischen den

alten Dörfern Buckow, Britz und Rudow in den Jahren 1962

bis 1975, der Namensgeber und Projektleiter Walter Gropius

ist über die Fertigstellung hinweg gestorben. Fast 19.000 Wohnungen

zählt die Gropiusstadt, die allermeisten davon Sozial-

wohnungen, mittendrin ein Ladenzentrum. In Gropiusstadt

wuchs Christiane F. auf, Deutschlands berühmteste Drogenabhängige.

Und Teile von Gropiusstadt gehören seit dem Jahr

2005 zu den sozialen Notstandsgebieten der Republik, denen

mit Geld und Konzepten geholfen werden soll.

Die Gropiusstadt ist also ein Ort, der so gar nicht für einen

Buchladen gemacht scheint. Und doch ist „Sosch“ in den vergangenen

Jahren derart gewachsen, dass er heute einen Superlativ

führt: Er ist mit 620 Quadratmetern Verkaufsfl äche

der größte inhabergeführte Buchladen Berlins. Der einzige

seines Formats, der neben Filialisten wie Thalia und Hugendubel

oder dem Kulturkaufhaus des Dussmann-Konzerns

bestehen muss. Und der wie diese zum Synonym geworden

ist: Man geht zu Thalia, Hugendubel, Dussmann. Und wer im

den Berlins Bücher braucht, geht zu „Sosch“.

12 ProFirma 02 2009


Hinter den gläsernen Türen des Einkaufscenter-Eingangs liegt

der Laden zwischen zwei Bekleidungsgeschäften. Es sei gut,

dass Läden wie „Sosch“ da sind, sagen Stammkunden wie Regina

Schröder. Weil die in der Gropiusstadt etwas zusammenhalten,

was sonst vielleicht auseinander fi ele. Weil hier die

Bewohner der ganzen Gegend einkaufen. Die aus den elenden

Hochhäusern und die aus den schmucken Ein- und Zweifamilienhäuschen

außen herum. Zwar wird auch in einem Buchladen

in erster Linie verkauft. Aber eben etwas, das die Fantasie

anregt, das bildet. Dass auch dies zum Leben gehöre, dafür ste-

he „Sosch“ inmitten der lauten, bunten Mode-, Glitzer- oder

Schuhgeschäfte. So reden die Stammgäste, die fast alle Frauen

sind und über 50 Jahre.

„Wir Gropiusstädter werden ja auch oft unterschätzt“, sagt

Regine Schröder. Das große Multiplexkino, das zum Einkaufszentrum

gehört, bringe nur unsinnige Blockbuster aus

den USA, krach-bumm und Verfolgungsjagden, das sei doch

nichts für die älteren Anwohner. Theater gibt es hier nicht.

Bleibt der Buchladen, der seit ein paar Jahren auch Lesungen

organisiert, Hardy Krüger war da und Horst Bosetzky, Kultur-

Highlights seien das.

Eine, die also die Gropiusstädter nie unterschätzt hat, ist Sonja

Schwestka, eine Wienerin, heute 50 Jahre alt, die Gründerin

von „Sosch“. Sie hat eine blond gesträhnte Frisur, sie war auch

schon dunkel und rothaarig. Sie sagt, mit Haarfarben sei sie

ProFirma 02 2009

fl exibel, und setzt einen spöttischen Blick auf. Sie sitzt in ihrem

kleinen, nüchternen Büro, eine halbe Treppe hoch über

dem Buchladen, durch schmale Fenster kann sie den Betrieb

beobachten. Sie sei kein Zahlenmensch, sagt sie. Sie habe eher

ein Gefühl dafür, ob etwas stimmt oder nicht. Und dem traut

sie dann. Der Liebe wegen war sie Mitte der 80er-Jahre, damals

Studentin, aus Wien nach Berlin gezogen. Nach Zehlendorf,

der Wohlstandsoase im Grünen, wo ihr Freund lebte, ein gestandener

Mann und Steuerberater. Sie ließ dafür die Aussicht

auf eine wissenschaftliche Karriere hinter sich und beschied

sich mit einem Praktikum in einer Stadtbibliothek. Und merkte

da, was sie machen wollte: mit Büchern handeln.

„Schnapsidee“ mit 3,5 Millionen Euro Umsatz

Von der fremden Stadt, in der sie nun lebte, damals noch eine

geteilte, hängte sie sich einen Plan an die Wand und markierte

alle Orte, an denen es bereits Buchhandlungen gab. Eine Gegend

blieb unmarkiert: der Süden Neuköllns. Sie fuhr hin, sah

sich um. Natürlich war die Gropiusstadt nicht sonderlich einladend.

„Das war ja schon eher eine Kulturwüste“, sagt sie und

senkt beim letzten Wort die Stimme. Und ja, zwei Banken rieten

ab, und der Vermieter einer Ladenfl äche ließ sich von seiner

Sekretärin verleugnen, weil ihm für einen so unsinnigen

Plan seine Zeit zu kostbar war. Aber Sonja Schwestka blieb bei

ihrem Gefühl: knapp 19.000 Haushalte in der Gropiusstadt.

„Die konnten doch nicht alle zu doof für ein Buch sein.“ Sie

lacht, wenn sie die alten Geschichten erzählt, als sei es doch

wirklich ein Ding, wie sich alles gefügt hat. Heute macht sie

mit ihrer Schnapsidee 3,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Es ist gegen Mittag, das Einkaufszentrum ist voll, vor allem

Jugendliche sind unterwegs auf den überdachten Wegen, die

von Laden zu Laden führen, manche von ihnen bleiben bis

spät. Sie unterhalten sich, schlendern, schauen, telefonieren.

Auch zu „Sosch“ kommen sie immer wieder herein. Es läuft

keine Musik bei Sosch, kein Radio, der dunkelgraue Robustteppich

schluckt viele Geräusche. Und in den hellbeigen Regalen

warten, Versprechen gleich, die Bücher. 18.500 verschiedene

Titel, 60.000 Exemplare sind am Lager. Romane, Krimis,

Comics. Koch- und Sachbücher. Hörbücher. Fantasy- und

Jugendbücher. Kinderbücher. Schulbücher, jede Menge, die

sind ein großes Geschäft in dieser Gegend. Auf der Treppe, die

hochführt zu den Reiseführern und Nachschlagewerken, sitzt

ein junges Mädchen und liest einen Manga-Comic.

In ihrer schmucklosen Freundlichkeit erinnert die Buchhandlung

an eine gemütliche Tante, die sich auf dem Sofa eingenistet

hat. Die immer da ist, für jeden einen netten Satz parat

hat. Und die Tante, umgekehrt, hängt auch an ihren Kunden.

Hat sich Eigenheiten gemerkt und Geschmäcker, hat, wie

Eltern es tun mit den Niedlichkeiten ihrer Kinder, lustige

Begebenheiten aufgeschrieben. Auszüge aus den Notizen:

Januar 2005: Kunde sucht „Genitiv sucht Infi nitiv“.

März 2005: „Wenn der Genitiv mit dem Imperativ.“

Mai 2005: „Der Dativ ist dein Feind.“

Dezember 2005: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Sohn.“

13


Wir Unternehmer – Porträt

Juni 2005: Kundin möchte Buch abholen: „Irrungen, Wirrungen“

oder so ähnlich, Autor weiß sie nicht mehr. Tatsächlich

abgeholt hat sie dann „Bianca – Raffi nierte Intrigantin“.

März 2008: „Ich hätte gerne Band 101 von Harry Potter.“

März 2008: „Haben Sie ,Tiefgebirge‘ von Charlotte Roche?“

März 2008: „Haben Sie ,Nasszelle‘ von Charlotte Roche?“

Juni 2008: Kunde reicht wortlos einen Zettel rüber: „Charl.

Roche: Schleimhäute und Mösen.“

Juli 2008: „Ich hätte gern ein Schulbuch, Nummer weiß ich

nicht, wie es heißt auch nicht, ich weiß nur, wie es aussieht.“

So etwas sammeln die Buchhändler auf einer Liste, die „Kuriositäten“

heißt.

Sigrid Heinze ist von Anfang an dabei, seit mehr als 20 Jahren

arbeitet sie bei „Sosch“. Es habe einfach nie einen Grund gegeben,

woanders hinzuwechseln. Sie erzählt von Kunden, die

heute Mitte 20 sind, die früher auf ihren Knien saßen und sich

Bilderbücher zeigen ließen. Sigrid Heinze lacht laut. Sie ist

eine quirlige Norddeutsche mit einer zauseligen Frisur und einer

Vorliebe für bunte Pullover. Man lerne die Kunden ja langsam

kennen, merke sich Gesichter, Geschmäcker. Und wenn

sie ein Buch empfehle, frage sie später oft, ob es gefallen habe.

Dabei ergeben sich Gespräche, so kommt man sich näher.

An freundlichen Gesten ist die Beziehung reich zwischen

„Sosch“ und den Stammkunden. Über all die Jahre sind die

Verkäufer und die Kunden auch zusammen älter geworden.

Es kamen Kinder zur Welt, Angehörige verstarben, einmal ein

Kollege. Man hat davon oft gewusst und Anteil genommen.

„Ich komme hier schon ewig her“, sagt Regine Schröder. Sie

fühle sich aufgehoben, gut beraten, könnte Stunden verbringen

zwischen den Regalen, hier reinblättern oder da. „Ich

habe nie das Gefühl, die wollen in erster Linie, dass ich etwas

kaufe“, sagt sie. „Die wollen, dass mir etwas gefällt.“ Deswegen

macht sie sich die Mühe mit dem Weg, wo es doch viel

bequemer wäre, die Bücher im Internet zu bestellen und sich

zuschicken zu lassen. Aber der Bücherbote sagt eben nicht:

„Erzählen Sie mal, wie fanden Sie das Buch?“ Es ist dem Laden

gelungen, eine Grenze zu wahren. Obwohl auf Supermarktgröße

angewachsen, ist er nicht zum anonymen Warenanbieter

geworden, sondern vertrautes Gesicht geblieben.

Angefangen hat Sosch auf 36 Quadratmetern, bohnenstangenschmal

und hochgeschossen, als wahnwitzige Idee einer

jungen Frau, da war die Ladenzeile in der Gropiusstadt noch

nicht mal überdacht. Anfangs habe sie bei gutem Wetter Pappkartons

mit Büchern rausgestellt, um Kunden anzulocken.

„Unglaublich, wie man mal Geld verdient hat“, sagt Sonja

Schwestka und lacht laut. Undenkbar wäre das heute in dem

großen, modernen Einkaufszentrum, in dem alles geregelt,

vorgeschrieben, durchgerechnet ist. Das Center-Management

freut sich sehr an seiner einzigen Buchhändlerin. Gut sei deren

Geschäft, nötig für den ausgewogenen Branchenmix.

Den ersten Mietvertrag, im Jahr 1985, bekam Sonja Schwestka

aber erst, als ihr Freund, der honorige Steuerberater, der

heute ihr Ehemann ist und Mitgesellschafter, den Vermieter

sprechen wollte. Und angefangen hat sie mit dem billigsten

Steckregalsystem, das sich fi nden ließ. Und dann war sie am

18. November 1985 fertig. Öffnete um 8.30 Uhr. Und verkaufte

um 8.51 Uhr ihr erstes Buch. „Die Schwarzwaldklinik“, das

„Ich bin kein Zahlenmensch. Ich habe eher ein Gefühl dafür,

ob etwas stimmt oder nicht.“ SONJA SCHWESTKA

Buch zur Fernsehserie. Die Kundin hat ihr den Kassenbeleg

gerahmt und zum einjährigen Bestehen geschenkt.

Dreimal hat sich Sosch seitdem vergrößert. Im Jahr 1991 auf

108 Quadratmeter, weil 36 einfach nicht mehr gingen; dann

1996 auf 300 und 1999 auf 620 Quadratmeter.

Zu den Ausbaustufen Sosch III und Sosch IV, wie Sonja

Schwestka ihre Vergrößerungsgeschichte nennt, hat das

Center-Management sie genötigt. Aus der Ladenzeile von anfangs

war über die vielen Jahre ein riesiges Shopping-Center

geworden, mit zwei Supermärkten, H & M, Pimkie, Peek &

Cloppenburg, Görtz-Schuhgeschäft und Multiplex-Kino. Es

ist mit 180 Geschäften auf 85.000 Quadratmetern das größte

Einkaufszentrum in Berlin, die wollten keinen Minibuchladen

in ihrer Mitte, sondern etwas Gleichwertiges. Entweder wachsen,

sagte man Sonja Schwestka, oder raus. Sie hatte Angst vor

diesen Dimensionen, diesen Zahlen, aber sie beugte sich dem

Druck. Zu meinem Glück, sagt sie heute. Der Umsatz nämlich

wuchs mit, wuchs sogar noch viel mehr.

Stammkundin Regina Schröder macht sich wieder auf den

Weg nach Hause, sie hat zwei Bücher bestellt. Bald wird sie

wieder hier hereinrollen, angetrieben von einer unerhörten

Vorfreude. Lesen, sagt sie, hat doch etwas Magisches.

14 ProFirma 02 2009

Fotos: Magdalena Wimmer


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Wir Unternehmer – Mittelstand 2.0

Algi Seifenfabrik GmbH & Co. KG

Auf Schritt und Tritt in Funkkontakt

Schneller, fl exibler, pünktlicher – die Algi Seifenfabrik hat sich mit RFID-Technologie

für die Zukunft gerüstet. VON DR. GABRIELE LÜKE

Jetzt fl utscht‘s bei der Algi Seifenfabrik

GmbH & Co. KG auch im Warenlager:

Die Einführung der Radio-Frequency-

Identifi cation (RFID)-Technologie ist

abgeschlossen. „Das war ein Riesenschritt

für unsere Vernetzung“, freut

sich Hermann Küpferling, IT-Chef bei

Algi im bayerischen Stockheim. Das

Projekt sei reibungslos gelaufen. Derzeit

werden noch alle Paletten mit RFID-Labels

versehen, dann können die Materialbewegungen

des Lagers ohne großen

Aufwand dokumentiert und per Funk

zur Weiterverarbeitung in die Warenwirtschaft

übertragen werden.

In die Zukunft blickt Küpferling nun

beruhigt: „Derzeit ist es wegen der optimalen

Warenrückverfolgung noch

ein Wunsch der Kunden, dass die Nummer

der Versandeinheit, mit der jede

Palette europaweit eindeutig identifi -

ziert werden kann, in Form eines RFID-

Smarttags an der Palette angebracht ist.

Bald wird dieses Label Pfl icht sein.“ Die

Einführung von RFID sei also in diesem

doppelten Sinne eine gute und wichtige

Entscheidung gewesen.

Die Algi Seifenfabrik produziert Kosmetikprodukte

aller Art, darunter Haar-

und Körperpfl egemittel, Seifen, Seifenfi

guren sowie Geschenkpackungen und

verkauft diese vor allem an Einzelhandelsketten.

Das Familienunternehmen,

das mittlerweile in der dritten Generation

besteht, beschäftigt rund 40 Mitarbeiter

und erwirtschaftete zuletzt einen

Jahresumsatz von rund fünf Millionen

Euro. Die zunehmende Digitalisierung

der Geschäftsprozesse nutzt Algi von

jeher. Schon lange ist ein Enterprise-

Ressource-Planning(ERP)-System im

Einsatz; mit dem Handel tauscht sich

Algi via Electronic Data Interchange

(EDI) aus. Was bislang allerdings fehlte,

war die digitale Anbindung der Materialbewegungen

im Lager und die automatische

Integration der dazugehörenden

Daten ins ERP-System.

Dies ist nun mit RFID – und mit Unterstützung

von Prozeus, einer vom Bundeswirtschaftsministerium

geförderten

E-Business-Initiative zugunsten mittel-

Hermann Küpferling

ständischer Unternehmen – umgesetzt.

Vorteilhaft dabei war, dass die ERP-

Software bereits über eine Schnittstelle

für externe Bestandsdaten verfügte.

Sonst wäre es teurer und komplizierter

geworden.

Nun wurde vieles einfacher: Bislang

mussten die Mitarbeiter einen großen

Teil der bis zu 2.500 Materialbewegungen

pro Tag von Hand in die

Produktionspapiere eintragen und

nachträglich manuell im ERP-System

verbuchen. Dabei kam es immer wieder

zu Verwechslungen bei den Artikel-

nummern oder Zahlendrehern bei den

gebuchten Mengen. Der Zeitversatz

zwischen physischer Entnahme und

der ERP-Buchung betrug bis zu einem

Arbeitstag. „Die Ware war schon längst

in der Produktion verbraucht, während

sie sich laut ERP immer noch im Lager

befand“, sagt Hermann Küpferling.

Heute scannt ein Lagermitarbeiter das

RFID-Schildchen und den Entnahmeplatz,

ergänzt die Buchungsmenge, und

wenige Sekunden später sind die Daten

im ERP-System vollständig und korrekt

verbucht.

Damit ist auch die Grundlage für weitere

RFID-Einsatzbereiche geschaffen.

Ob Produktion, die endgültige Kommissionierung

für den Verkauf: das

Label begleitet die Ware weiter. Die damit

einhergehende Prozessoptimierung

rechtfertigt die Installation zudem ökonomisch.

Denn durch die Systemintegration

sind die Planer stets richtig und

vollständig über den aktuellen Lagerbestand,

die Produktion und den Verkauf

informiert. „Wir müssen unsere Ware

äußerst termingerecht und oft kurzfristig

liefern, RFID macht uns fl exibler,

schneller und pünktlicher“, freut sich

Küpferling.

Natürlich ist mit diesem Vernetzungsgrad

noch nicht Schluss. Der nächste

Schritt ist der Online-Shop. Denn neben

den Einzelhandelsketten kaufen auch

Verbraucher oder kleine Geschenkeläden

bei Algi ein. Als Hilfsmittel bei der

Suche nach dem Angebot im Internet

dient die Klassifi zierung der Verkaufsprodukte

nach dem eCl@ss--Standard,

einer durch das Prozeusprojekt geförderten

Musterform.

16 ProFirma 02 2009

Foto: privat


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Wir Unternehmer

Kurzreise

75 Sekunden

für die Unsterblichkeit

Zugegeben, seit Gunter Sachs für immer aus seinem Anwesen

im Hotel Badrutt’s Palace in St. Moritz abgereist ist und die

Russen, so scheint es, für immer angereist sind, ist der einst

nobelste Skiort der Welt in den Bündner Alpen nicht mehr

derselbe. Zu viel Geld ohne Stil. Zu viele Pelzmäntel, zu viele

Mopshunde, zu viel ungehobeltes Verhalten am Frühstücksbuffet,

zu viele Champagner-Magnum-Flaschen schon vormittags.

Das Einzige, das noch stimmt, ist das Geld.

Aber man muss nur zehn Minuten auf der alten Kantonsstraße

in Richtung Celerina laufen, um im Dunstkreis des

dekadenten St. Moritz zu einem derart starken Gefühl und

einer Erinnerung zu

kommen, die die vielen

Russen nebensächlich

scheinen lassen. Dort,

weg von allem, steht

eine Bobbahn aus Natureis,

104 Jahre alt. 19

Kurven sind es, mindestens

13 Mal das Gefühl

„das war’s“. Wer einmal

die „Horse-Shoe“-Kurve

hinter sich gebracht hat,

weiß, dass am Leben zu

bleiben ein Privileg ist. Gunter Sachs ist die Celerina in den

1970ern in einem Sarg heruntergerattert, und es hat ihn ein

bisschen unsterblich gemacht.

Für 250 Schweizer Franken ist man dabei, man fährt mit auf

Position zwei oder drei in einem leicht modifi zierten Vierer-

Renn-Bob. 1.722 Meter, 75 Sekunden Wahnsinn, 4,5 G im

Horse Shoe, 135 Kilometer schnell vor der Matrineau Corner.

Die ganze Fahrt geht so rasant, dass das Hirn wie in Zeitlupe

hinterherfährt. Später, manchmal viel später, wenn das Hirn

wieder sein Zeit-Raum-Kontinuum gefunden hat, das Adrenalin

aber immer noch peitscht, dann ist man der Beste seiner

selbst, und das ist ein unbezahlbares Gefühl. So einzigartig,

dass man ohne Probleme eine Magnum-Flasche Champagner

trinken könnte und nüchtern bliebe. Oder einen Menschen

umarmen, den man im Grunde für einen Idioten hält. Leider

lässt dieses Gefühl der Unbesiegbarkeit spätestens am andern

Morgen stark nach, und eine zweite Fahrt ist nie wie die erste.

Das ist das Traurige. Auch am Bobfahren. (MiB)

AUSZEIT

Ein Mann ohne Bohrmaschine ist kein Mann. Und

unter den Bohrmaschinen ist der Multihammer

P’7911, entwickelt von Porsche Design und Metabo,

ein Utensil, das Männer wieder zu kleinen

Jungs werden lässt, die ihr Spielzeug lieben: Ein

Gehäuse aus Aluminium und Carbon, 2-Gang-Getriebe,

eine Schlagzahl von 4.600 U/pro Minute,

705 Watt Nennleistung, Bohren, Hammerbohren,

Meißeln – und nein, der Multihammer P’7911

steht nicht auf dem Kopf – das ist Ergonomie.

(MiB) www.porsche-design.com

Für den Terminkalender

Glamour neben

dem roten Teppich

Vom 5. Februar an wird auf

dem Potsdamer Platz wieder

der Rote Teppich ausgerollt.

Knapp 400 Filme, viele Stars

und Sternchen sind dann bei

den Berliner Filmfestspielen

zu bewundern (bis 15. Februar).

Es ist eine gute Zeit,

um einen Abstecher in die

Hauptstadt zu machen, trotz

in der Regel miesem Wetter

in diesem Monat. Berlin in

seinem Schmuddel gibt sich

dann ein wenig glamourös.

Natürlich ist nicht die Rede

davon, sich ins Gedränge

am Rande des Roten Teppichs

zu mischen. Wer Stars

sehen und Festivalglamour

erleben möchte, hat andere

Möglichkeiten. Die beste

Das schöne Ding

ist immer noch, es sich in

der Lobby des Ritz Carlton

bei einem Tee gemütlich zu

machen und zu warten. Das

Ritz liegt ganz nahe beim

Roten Teppich, und in den

Suiten werden die Topacts

untergebracht. Man erkennt

sie ganz leicht, sie tragen immer

Sonnenbrillen. Abends

kann man ins Restaurant

Borcherts gehen. Es kann

passieren, dass man in der

Toilette zum Beispiel neben

Hugh Grant steht, ganz allein,

weil die Security vor der

Tür warten muss. (MiB)

18 ProFirma 02 2009

Fotos: Caro/Riedmiller; Toni Anett Kuchinke/panthermedia, privat


Von der Hagen führt Verband

Neuer Hauptgeschäftsführer des Verbands „Die Familienunternehmer

– ASU“ ist seit Jahresbeginn Albrecht

von der Hagen. Er leitete bisher beim Bundesverband

der Deutschen Industrie (BDI) die Abteilung Kooperation

Mitgliedsverbände. Familienunternehmer-Präsident

Patrick Adenauer: „Mit Albrecht von der Hagen

gewinnen wir einen in Politik, Kommunikation und

Verbandsmanagement versierten Hauptgeschäftsführer.“

Der neue Chef hat seit Anfang 2007 im BDI die

Stabsabteilung Kooperation Mitgliedsverbände aufgebaut

und war zuvor sieben Jahre Kommunikationschef

des BDI. Der gebürtige Westfale hat in Bonn, Berlin und

London Volkswirtschaft, Staatsrecht und Geschichte

studiert. Nach einigen Jahren in der Unternehmensberatung

von Arthur Andersen wechselte er in den Stab

des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

Unternehmerpreis

für Rolf Diehl

Rolf Diehl ist in Düsseldorf mit dem

Unternehmerpreis des Deutschen Mittelstands

der Verlagsgruppe „markt

intern“ ausgezeichnet worden. Als Geschäftsführer

der Jura Elektrogeräte Vertriebs-GmbH

in Nürnberg verantwortet

der gebürtige Gelsenkirchener seit 1995

den Auf- und Ausbau der Marke Jura in

Deutschland.

Den Erfolg Diehls prägen insbesondere

das Bekenntnis zu einer kompetenten

und kundenorientierten Vermarktung,

wie diese vorrangig im mittelständischenElektrofachhandel

anzutreffen

ist, und die engagierte

Einführung eines

vorbildlichen Vertriebsbindungskonzepts

für einen qualitativ

angemessenen

Fachvertrieb, so das

Kuratorium.

Rolf Diehl

ProFirma 02 2009

PERSONALIEN

Albrecht von der Hagen

Wirtschaftsweiser

feiert Geburtstag

Wolfgang Franz, Präsident des Zentrums

für Europäische Wirtschaftsforschung

(ZEW) und Professor für Volkswirtschaftslehre

an der Universität Mannheim,

feierte am 7. Januar 2009 seinen

65. Geburtstag. Franz ist vor allem als

einer der fünf „Wirtschaftsweisen“ bekannt,

die den Sachverständigenrat zur

Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen

Entwicklung bilden. Seit 2003 ist

er Mitglied in diesem Gremium, dem er

bereits von 1994 bis 1999 angehörte.

Seine akademische Laufbahn begann

Franz als VWL-Student

an der Universität

Mannheim. Dort

promovierte er 1974

mit einer Arbeit über

Arbeitsmarktanalysen.

1981 habilitierte

sich Franz mit einer

Arbeit über Jugendarbeitslosigkeit.

Wolfgang Franz

In Kürze

Die Firma Kube & Kubenz internationale

Speditions- und Logistikgesellschaft

mbH & Co. KG mit Hauptsitz in

Hamburg erweitert ihre Geschäftsleitung:

Ralf Lotric (48) übernimmt

den Aufgabenbereich Business Development

und Operations. Neben

seiner Tätigkeit im nationalen und

internationalen Transport- und Logistiksegment

wird der gelernte Speditionskaufmann

unter anderem in der

neu errichteten Niederlassung in Regensburg

vertreten sein.

Die VIB Vermögen AG, eine auf die

Bestandshaltung von Gewerbeimmobilien

spezialisierte Gesellschaft,

verstärkt mit Peter Schropp den Vorstand.

Er verantwortet den Bereich

Immobilien. Der bisherige Alleinvorstand

Ludwig Schlosser übernimmt

die Funktion des Vorstandsvorsitzenden.

Daniel Bojahr (29) ist neuer Generalmanager

im Radisson SAS Resort

Schloss Fleesensee. Er trat die Nachfolge

von Karl F. Foerster an, der sich

aus der aktiven Hotellerie zurückzog,

der Rezidor Hotel Group aber weiterhin

als Berater zur Seite stehen wird.

Die Immobiliengesellschaft Lamy International

S.A. hat Sven-Christian

Frank (43) und Marc Tillet (46) als

neue Vorstände der deutschen Tochter

Gestrim Deutschland Immobilien

Management AG & Co. KG bestellt.

Frank ist Jurist, Marc Tillet kann als

Operations- und Finance-Manager auf

mehr als 20 Jahre Erfahrung in internationalen

Konzernen zurückblicken.

19


Wir Unternehmer

Stilfragen

SAKKO SENDET SIGNALE

Neulich bei einem Mittelstandskongress.

Ein hochkarätiger Redner nach

dem anderen tritt nach vorn. Im Publikum

sitzen seriös gekleidete Menschen

im dunklen Zwirn. Dann tritt ein

Experte ans Mikrofon. Lässig gekleidet

im fl otten Rollkragenpullover, ohne

Sakko, aber immerhin rasiert. Die unausgesprochene

Botschaft: „Nehmt

das doch alles nicht so ernst.“

Kleider machen Leute. Nirgends ist

das alte Sprichwort treffender als

im Geschäftsleben. Unser Outfi t ist

Bestandteil unserer Kommunikation:

Seine Auswahl kommt einem Statement

zur Sache und den beteiligten

Personen gleich. Adäquate Garderobe

zeigt dem Gegenüber Wertschätzung

und nimmt den Anlass eines

Treffens ernst. Und sie vermittelt

das Gefühl, mit der richtigen Person

an einem Tisch zu sitzen. Wer beim

Auftritt die Oberhand behalten will,

für den ist Schwarz der perfekte Begleiter.

Wer lieber dezent rüberkommen

will, greift zu Blau oder Grau.

Natürlich: Auch ein schriller Schlips,

modische Schnitte mit Gewöhnungsfaktor

oder extravagante Schuhe

sprechen für sich. Doch treffen sie

selten die Sprache, die der Situation

angemessen ist.

Fazit: Ein gepfl egtes Äußeres ist im

Job unverzichtbar. Dies gilt nicht nur

für den Look. Auch wenn Manager

Duftmarken setzen mit Parfüms, Deos

oder – schlimmer noch! – Körpergeruch,

sollten sie auf dem Karrierepfad

höchst sensibel auftreten. (FE)

SPEKTRUM

SÄTZE IN VOLLENDUNG

Am liebsten bin ich Chefi n, wenn ich Erfolg

habe und ich diesen Erfolg mit

meinen Mitarbeitern und denen, die mit

dazu beigetragen haben, teilen kann.

An meinen Mitarbeitern schätze ich ihr

Engagement, ihr Mittragen und Mitwirken

an unseren gemeinsamen Zielen,

die gute, schöne und ehrliche Zusammenarbeit.

Bei schwierigen Entscheidungen frage ich

Menschen meines Vertrauens.

Der schönste Platz in meinem Unternehmen

ist das Dach auf unserem Haus.

Und der Showroom, wo wir unsere

Feste feiern. Und die Küche in unserem

Lager.

Die besten Einfälle kommen mir oft unterwegs

auf Reisen; in Gesprächen mit

meinen Mitarbeitern, Geschäftspartnern,

Freunden.

Ich erinnere mich noch genau an meinen

ersten Arbeitstag bei Roeckl, und an das

erste Paar Handschuhe, das ich verkauft

habe.

Jedem Jungunternehmer rate ich, das, was

er macht, aus Überzeugung, Leidenschaft

und Freude zu machen.

Begegnen würde ich gerne mal Karl Lagerfeld.

Wenn ich Feierabend habe, lasse ich den

Tag ausklingen, gerne mal zu zweit,

oder auch allein. Es tut gut, wenn Ruhe

AUS DEM NETZ GEFISCHT

Es ist wie ein Spiel: Einer macht den Anfang, der

andere vollendet den begonnenen Satz. So halten

wir es in unserer Rubrik „Sätze in Vollendung“. Hier

geben Unternehmerinnen und Unternehmer Auskunft

über sich und ihre Arbeit, über ihr Leben und

ihre Erfahrungen.

Annette Roeckl (41) stieg zunächst als einziges von

vier Kindern früh ins Familienunternehmen ein, später

folgte ihr Bruder Stefan. Heute führt sie die traditionsreiche

Sparte Handschuhe & Accessoires. Bereits

in sechster Generation befi ndet sich das Handschuh-

Imperium in Familienregie.

einziehen kann. Im Sommer gehe ich

auch gerne noch raus.

Ich bin Unternehmerin aus Leidenschaft,

weil ich gestalten und wirken kann;

gemeinsam mit anderen Menschen an

gemeinsamen Zielen und gemeinsamer

Zukunft weben kann.

Jordanischen Konsumenten steht eine Erhöhung ihrer Telefon- und Stromrechnungen ins

Haus. Das Unterhaus des jordanischen Parlaments (Madschlis an-Nuwaab) hat beschlossen,

eine Steuer von 1 Fils (umgerechnet etwas mehr als ein Zehntel Eurocent) pro Minute

auf Telefonverbindungen sowie pro Kilowattstunde Strom zu erheben. Die Abgeordneten

erwarten Einnahmen in Höhe von 13 Millionen Dinar (13,6 Millionen Euro) pro Jahr. Mit

dem Geld sollen Kredite zum Ankauf von Vieh subventioniert werden. Die meistverbreiteten

Nutztiere in Jordanien sind Schafe und Gefl ügel. Zusätzlich fällt pro Telefonanschluss

eine jährliche Universitäten-Abgabe von 1 Dinar (1,04 Euro) an.

www.jordantimes.com

20 ProFirma 02 2009

Foto: Roeckl


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Unternehmensführung – Titelthema

Wirtschaftskrise

Vorübergehend fi nster

Von Staatskapitalismus bis Zweckoptimismus: Prof. Dr. Norbert Walter,

Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe, skizziert exklusiv für ProFirma

alternative Szenarien für die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2009.

Die anhaltende Krise auf den globalen Finanzmärkten, die im

Sommer 2007 an den US-amerikanischen Märkten für Hypothekenkredite

mit höherer Ausfallwahrscheinlichkeit (Subprime

Market) begann und innerhalb kürzester Zeit auf andere

Marktsegmente und Länder übergriff, ist zweifellos eine

der schwersten Finanzkrisen überhaupt und sicherlich die

teuerste. Die Krise verlief in Scheiben, seit der Lehman-Pleite

hat sie sich drastisch verschärft. Deshalb erscheint es derzeit

wenig opportun, den Eindruck zu erwecken, man habe quantitativ

klare Vorstellungen, wie sich im Jahr 2009 das Sozialprodukt

entwickeln wird. Da wichtige Einfl ussgrößen einen

unterschiedlichen Verlauf nehmen können (so etwa die Energiepreise

oder die Wechselkurse), erscheint es angemessener,

verschiedene Szenarien zu entwickeln und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit

anzugeben.

Über die Entwicklungsrichtung sind Zweifel jedoch nicht angebracht:

Nach einem noch guten Konjunkturstart ins Jahr

2008 ging es im weiteren Jahresverlauf deutlich abwärts. Diese

Tendenz resultierte fast ausschließlich aus der Negativtendenz

beim internationalen Handel. Die Auslandsaufträge fl achten

ab, seit Monaten sind sie zunehmend rückläufi g. Dies trifft

zum einen Unternehmen, die ihre Produkte direkt an auslän-

dische Kunden liefern, zum anderen aber auch diejenigen, die

Zulieferer für deutsche Exporteure sind. Das Exportwachstum

hat sich, verglichen zum Vorjahreszeitraum, in den zurückliegenden

Quartalen bereits deutlich verlangsamt. Rückgänge

sind angelegt. Gleichzeitig bauen die Unternehmen ihre Lager

ab (vor allem bei Rohstoffen). Die Investitionstätigkeit wird

– wo möglich – gemäß dem niedrigen Nachfrageniveau zurückgefahren.

Szenario 1: „Alles wird gut“

Grundsätzlich halte ich vier Szenarien für denkbar. Das optimistischste

ist „Nina Ruge: Alles wird gut“: In diesem Szenario

bleiben Rohstoffe billig, erleben aber keinen weiteren

Wertverfall, es kommt nicht zu einer Dollarschwäche, die

Rettungspakete der Regierungen wirken, die wichtigsten Länder

arbeiten zusammen und vermeiden einen Abwertungswettlauf

und Protektionismus. In einem solchen Handlungszusammenhang

erwarte ich, dass die Rezession in den großen

Industrienationen auf vier Quartale begrenzt bleibt und sich

somit zu Beginn des zweiten Halbjahres 2009 eine Erholung

einstellt.

22 ProFirma 02 2009

ProFirma

Titelthema


In diesem Bild für die Weltwirtschaft bleibt das Wachstum

der Schwellenländer bei etwa fünf Prozent. Die reifen Industrieländer

kommen mit einem blauen Auge davon: Im

Jahresdurchschnitt würde ihr reales Sozialprodukt minimal

zurückgehen. Die Regulierung auf den Finanzmärkten würde

effektiver, freilich bliebe sie auf das notwendige Maß beschränkt.

Es käme nicht zu einer Kreditklemme, und die Industriepolitik

wiese keinerlei protektionistische Tendenz auf.

Noch vor zwei Monaten schien ein solches Szenario mit einer

Wahrscheinlichkeit von etwa einem Drittel eintreten zu können.

Seither mehren sich aber die Zeichen, dass es schlechter

kommt. Kreditklemme, Protektionismus, Neigung, die eigene

Währung abzuwerten: All dies verstärkt sich.

Szenario 2: „Keynes, yes we can”

Das zweite Szenario „Keynes, yes we can“ setzt auf das wirtschaftspolitische

Konzept von John Maynard Keynes und

auf die Amtsübernahme durch den Bush-Nachfolger Barack

Obama, dessen wirtschaftspolitisches Team an der Absicht

antizyklischer Konjunkturpolitik keinen Zweifel aufkommen

lässt. Nie zuvor habe ich die Weltwirtschaft in einer Situation

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Unternehmensführung – Titelthema

Prof. Dr. Norbert Walter (64) ist

seit dem Jahr 1990 Chefvolkswirt

der Deutsche Bank Gruppe

und seit 1992 Geschäftsführer

der Deutsche Bank Research.

24 ProFirma 02 2009

Foto: Deutsche Bank AG


„Nie zuvor habe ich die Weltwirtschaft in einer Situation gesehen, in der keynesianische

Maßnahmen der Wirtschaftspolitik so sachgerecht sind wie derzeit.“

NORBERT WALTER, DEUTSCHE BANK GRUPPE

gesehen, in der keynesianische Maßnahmen der Wirtschaftspolitik

so sachgerecht sind wie derzeit. Der Staat muss also

rasch und kräftig Nachfrage auslösen. Der neue US-Präsident

Barack Obama hat angekündigt, dieser Philosophie zu folgen

und ein Milliardenprogramm für staatliche Investitionen

in den Bildungs- und Infrastrukturbereich aufzulegen sowie

steuerliche Anreize für zusätzliche private Ausgaben zu

schaffen. Szenario 2 basiert darauf, dass diese Maßnahmen

greifen, international Nachahmung fi nden und dass mit der

Amtsübernahme Obamas Vertrauen in die Wirtschaftspolitik

gestärkt wird und die Zuversicht auf andere Industrienationen

übergreift. Die zeitweise Erhöhung der Staatsverschuldung ist

in diesem Zusammenhang vertretbar, ja sie ist sogar dringend

geboten. Vor allem mittelständische Bauunternehmen, Hand-

werksbetriebe, aber auch die Autofi rmen und ihre Zulieferer

würden von solchen Maßnahmen profi tieren. Zudem hätten

Baufi rmen Vorteile durch die Umsetzung energiepolitischer

Maßnahmen wie der Modernisierung des Kraftwerksparks

sowie der energetischen Sanierung von Gebäuden. Die Wahrscheinlichkeit

für ein solches Szenario hat sich auf rund 40

Prozent hinaufgeschoben.

Szenario 3: „Staatskapitalismus“

Das Szenario 3 „Staatskapitalismus“ ist faktisch die Aufgabe

der marktwirtschaftlichen Ordnung. Wegen des behaupteten

Marktversagens im Zuge der Finanzkrise würden die staatlichen

Rettungsmaßnahmen zur Etablierung einer Staats-

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Unternehmensführung – Titelthema

40%

20%

0%

-20%

-40%

KFW-IFO-GESCHÄFTSKLIMA

DEUTSCHLAND

Mittelstand

wirtschaft umfunktioniert. Banken und strauchelnde Unternehmen

würden gerettet, gerieten aber unter staatliche

Kuratel. Um die erwünschten Effekte (bei Beschäftigung, Kreditvergabe,

Investition) zu sichern, würden Protektionismus

und Wechselkursmanipulation deutlich verstärkt, würden

unternehmerische Freiheit und eigenverantwortliches Wirtschaften

von Mittelständlern, Selbstständigen und Freiberufl

ern abgeschafft. Dies muss die wirtschaftliche Dynamik

und die betriebswirtschaftliche Gesundheit vieler Unternehmen

schwächen. Daraus resultierende drohende Insolvenzen

würden weitere Verstaatlichungen nach sich ziehen. Das Szenario

3, für das ich eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent

annehme, impliziert ein Absinken des deutschen Bruttoinlandsprodukts

um etwa vier Prozent.

Szenario 4: „Tsunami“

Großunternehmen

2006 2007 2008

40%

20%

Schließlich ist das vierte, das Worst-Case-Szenario „Tsunami“

zu nennen, das einen Zusammenbruch des weltweiten

Finanzsystems und ein Ende der Globalisierung impliziert.

Weltweit würde das Vertrauen in Politik und Markt einer Panik

weichen. Dieses Szenario ist am wenigsten wahrscheinlich

und einer zahlenmäßigen Darstellung nicht zuzuführen.

Auf europäischer Ebene hat die britische Regierung am

schnellsten und konsequentesten auf die konjunkturelle Sto-

ProFirma PROFESSIONAL

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Daten zur betriebswirtschaftlichen Auswertung im Unternehmen.

Haufe-Index: 1501746

0%

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-40%

GESCHÄFTSLAGE

VERARBEITENDES GEWERBE

Mittelstand

Großunternehmen

2006 2007 2008

ckung reagiert: So ist das temporäre Absenken der Mehrwertsteuer

um 2,5 Prozentpunkte sicher hilfreich. Wirkungsvoller

wäre indes eine europäisch, wenn nicht global abgestimmte

Stimulierung dieser Art. Es ist also das Gebot der Stunde, diesem

britischen „Let’s do it“ zu folgen. Die gut gemeinten Ansätze

anderer EU-Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland,

dürften zwar wachstumspolitisch erwünscht sein und

zur Lissabon-Agenda passen, haben aber keinen nennenswerten

Einfl uss auf den kurzfristig so dringend benötigten

Anschub der Konjunktur. Auch die im Laufe des Jahres zu erwartenden

Zinssenkungen durch die EZB dürften erst zu spät,

das heißt 2010, wirken.

Nicht zuletzt durch das Zögern der Bundesregierung bei der

Umsetzung eines echten und ambitionierten Konjunkturprogramms

haben sich die Chancen für das Eintreten der günstigen

Szenarien verschlechtert.

Was jetzt helfen würde, sind rasch realisierbare Investitionen

(hierzu ist die beschlossene Einführung der degressiven Abschreibung

sehr hilfreich) und der vorgezogene Kauf von dauerhaften

Konsumgütern. Dies kann selbstverständlich nicht

den Rückgang der deutschen Exporte aufhalten, aber es kann

ein (begrenztes) Gegengewicht zur allgemeinen Nachfrageschwäche

mobilisieren.

Die Erfahrungen mit deutschen Konsumenten, die eine Chance

erhalten, Steuern zu sparen, sind eindeutig: Nichts wirkt

so unmittelbar ausgabensteigernd und so verlässlich wie eine

Maßnahme, mit der man dem Finanzminister ein Schnippchen

schlagen kann. Eine für das Jahr 2009 um drei Prozentpunkte

gesenkte Mehrwertsteuer würde den zügigen Ersatz

allzu alter Autos, Eisschränke und Heizkessel auslösen. Dies

würde Unternehmen helfen, vor allem jenen, die das richtige

Produkt anbieten. Der deutsche Mittelstand ist hier insbesondere

bei zuliefernden Schlüsselindustrien – sei es für energiesparende

Antriebe, sei es für ökologisch hochwertige Module

– gut aufgestellt und würde von derartigen Maßnahmen zweifellos

profi tieren.

26 ProFirma 02 2009

Quelle: KfW Bankgruppe, ifo Institut München


Illustration: Reinhold Harwarth; Foto: privat

ProFirma 02 2009

PERSONAL UND RECHT

Letztes Mittel: Kündigungen

Stellenabbau ist nicht der Königsweg, um Personalkosten zu senken. Freiräume im Arbeitsrecht geben

Flexibilität über Arbeitszeitmodelle, Zeitarbeit, Befristungen, Versetzungen oder auch Kurzarbeit.

Halten Sie wertvolle Fachkräfte! Stellenabbau

ist oft teuer, wegen hoher

Abfi ndungen und weil jeder dritte Fall

vor dem Arbeitsgericht geklärt werden

muss. Gerade wenn Sie Innovationen

entwickeln wollen, brauchen Sie kompetente

Mitarbeiter. Und Sie rüsten sich

für die Zeit, wenn es wieder an Fachkräften

mangeln wird.

Nutzen Sie Arbeitszeitkonten, Überstundenabbau

und Zeitarbeit! Wenn

Aufträge wegbrechen und neue Nischen

noch nicht etabliert sind, bauen clevere

Firmenchefs Überstunden ab oder fahren

Arbeitszeitkonten ins Minus. Diese Option

haben Unternehmer, die tarifl iche Ar-

VON MONIKA HOFMANN

beitszeitmodelle nutzen. Weitere Chancen

bieten Befristungen und Zeitarbeit.

Prüfen Sie Versetzungen! Eine Versetzung

ist eine nicht nur vorübergehende

Änderung des Tätigkeitsbereichs eines

Mitarbeiters. Unternehmer, die etwa eine

Filiale schließen und eine andere eröffnen,

können Beschäftigte versetzen. Dies muss

entweder absehbar oder im Arbeitsvertrag

vereinbart sein. Die Stellen müssen vergleichbar

sein.

Kommt Kurzarbeit infrage? Die Bundesregierung

hat die Frist für die Konjunkturkurzarbeit

auf maximal 18 Monate verlängert.

Die Arbeitsagentur übernimmt bis zu

67 Prozent des Nettolohnausfalls. Die Unternehmer

tragen den überwiegenden Teil

der Sozialbeiträge. Mindestens ein Drittel

der Beschäftigten muss vom Auftragsrückgang

betroffen sein. Solange kurzgearbeitet

wird, sind betriebsbedingte Kündigungen

ausgeschlossen.

Betriebsbedingte Kündigungen als Ultima

Ratio? Die Schließung von Betriebsteilen

erkennen die Arbeitsrichter meist an,

nicht jedoch eine vorübergehend schlech-

EXPERTENRAT VON PROFESSOR MARTIN BECK

te Auftragslage. Zum anderen müssen

Sie versuchen, langjährig Beschäftigte,

Ältere, Behinderte und Mitarbeiter mit

Unterhaltspfl ichten auszunehmen (Sozialauswahl).

Für Kleinbetriebe mit weniger

als zehn solcher Arbeitnehmer gilt

der Kündigungsschutz nicht.

Sparen Sie freiwillige Leistungen ein!

Dies senkt relativ einfach die Personalkosten.

Weihnachts-, Urlaubsgeld und

andere Boni zählen dazu, soweit sie

nicht tarifl ich festgelegt sind.

Fliehen Sie aus der Tarifbindung! Um

steigende Lohnkosten zu vermeiden,

treten viele Arbeitgeber aus den Tarifverbänden

aus. Allerdings müssen sie

auch dann noch den Flächentarif beachten.

Selbst nach seiner Laufzeit wirkt er

noch so lange nach, bis er durch einen

Firmentarif oder Einzelverträge ersetzt

wird. Zahlreiche Arbeitgeberverbände

bieten inzwischen Mitgliedschaften

ohne Tarifbindung an.

Professor Martin Beck

ist Unternehmensberater

und Honorarprofessor an

der Hochschule Nürtingen

In der Personalpolitik gilt die Bismarck’sche Regel: Man muss mit den Leuten arbeiten, die man hat, es gibt keine besseren!

Das schmeckt in der Praxis nicht immer, aber es ist vernünftig. Bewährte Kräfte, deren Stärken und Schwächen Sie kennen, sind

zehnmal besser als Unbekannte, die man erst kennenlernen, einarbeiten und dann vielleicht wieder loswerden muss. Das gilt

auch dann, wenn die eigenen Leute teurer sind. In jeden dieser Mitarbeiter hat Ihr Unternehmen investiert. Es wäre leichtfertig,

diese Investition jetzt einfach abzuschreiben. Deshalb sind alle Maßnahmen gut, die den bewährten Mitarbeiterstamm im Haus

halten. Wer mit seinen Leuten offen und anständig umgeht, wird ihr Verständnis auch für unangenehme Maßnahmen fi nden.

Selbst Kündigungen müssen nicht dazu führen, dass der Kontakt abreißt. Kluge Firmen halten den Kontakt zu Mitarbeiterinnen

in der Familienphase. Warum nicht auch zu Leuten, die man in der Not kündigen musste?

27


Unternehmensführung – Titelthema

STRATEGIE UND PLANUNG

Beachten Sie die Warnzeichen

Strategieentwickung ist die unternehmerische Königsdisziplin.

Gerade in der Krise sollten Firmenchefs die Unternehmensplanung immer wieder prüfen und anpassen.

Die nötigen Zahlen liefern Marktanalyse, Frühwarnsystem und Controlling.

Beobachten Sie genau Ihre Marktsegmente!

Märkte brechen ein, Aufträge

schwinden, der Abschwung bringt sogar

Konzerne ins Trudeln. Doch wer seine

Märkte wachsam beobachtet, kann

konjunktur- und marktbedingte Risiken

rechtzeitig erkennen und überlegt reagieren.

Nutzen Sie Ihr Frühwarnsystem! Für

alle Frühwarnindikatoren sollten Sie

Bandbreiten nach einem Ampelsystem

festlegen. Bewegt sich ein Indikator im

gelben oder roten Bereich, gilt es zu handeln.

Sinkt etwa der Umsatz der Hauptkunden

spürbar, sollten Sie Strategien parat

haben, um schnell gegenzusteuern.

VON MONIKA HOFMANN

Prüfen Sie Ihre Strategien! Jetzt geht es

in erster Linie darum, die Folgen dieser

Marktveränderungen für Ihre Firma einzuschätzen

– und Ihre bisherigen Ziele und

Strategien angesichts der neuen Entwicklungen

zu prüfen. Funktionieren sie noch?

Oder bieten neue Ziele und Strategien bessere

Optionen?

Finden Sie neue Nischen! Prüfen Sie

alle Ihre Marktsegmente daraufhin, ob

Nachfragerückgänge drohen. Bei jedem

Segment gilt es zu entscheiden: Hat es

Zukunft oder nicht? Als zukunftsfähige Nischen

lassen sich vor allem solche einstufen,

in denen Sie Ihre Wettbewerber auch

künftig hinter sich lassen können, weil Sie

die ausgefeiltere Technologie, die höhere

Qualität oder den besseren Service bieten.

Hier kann es sich selbst in der Krise lohnen

zu investieren – und so Ihre Spitzenposition

zu festigen. Bei anderen Marktfeldern mag

es sinnvoller sein, sie nicht weiter zu bearbeiten

und stattdessen Bereiche zu fi nden,

die weniger krisenanfällig sind. Bauhandwerker,

deren Aufträge im traditionellen

Bereich wegbrechen, können etwa neue

Nischen erobern, wenn es um energieeffi -

ziente Anlagen und den passenden Service

geht. Denken Sie also über neue Services

EXPERTENRAT VON PROFESSOR MARTIN BECK

nach, überzeugen Sie mit besonderen

Diensten von der 24-Stunden-Hotline bis

zum Rundumservice. Orientieren Sie sich

dabei strikt am Kundenbedarf.

Investieren Sie in die Entwicklung von

Neuheiten! Mit Innovationen sichern

Sie sich neue und bestehende Nischen.

Denn damit schaffen und vergrößern Sie

den technologischen Vorsprung gegenüber

Ihren Konkurrenten. Deshalb sind

solche Investitionen auch in Krisenzeiten

sinnvoll. Und wer jetzt Forschung und

Entwicklung betreibt, ist seinen Wettbewerbern

einen Riesenschritt voraus:

Wenn die Konjunktur wieder anspringt,

kann er sofort mit Neuheiten durchstarten.

Managen Sie Ihre Risiken! Märkte zu

analysieren, ist die Basis für ein gutes

Frühwarnsystem, wenn es um externe

Risiken geht. Wichtig ist aber auch, die

Indikatoren für interne Risiken genau zu

beobachten. Ermitteln Sie daher regelmäßig

alle wesentlichen betrieblichen

Kennziffern und betreiben Sie ein konsequentes

Controlling. So erkennen Sie

hausgemachte Krisenfaktoren – und

können sie rasch beseitigen.

Unternehmerisch handeln heißt nicht, immer der Meute hinterherzuhecheln. Es kann auch heißen, antizyklisch zu handeln.

Wenn die Konzerne in Panik aus einem Geschäftsfeld aussteigen, bleibt für kleine und mittlere Anbieter vielleicht mancher Happen

übrig. Eine solche Entscheidung erfordert Mut. Aber Vorsicht, Wagemut und Leichtsinn sind manchmal leicht zu verwechseln!

Leichtsinn ist es, einfach aus dem Bauch zu entscheiden. Ein Unternehmer mit Wagemut dagegen prüft die Fakten, studiert die

Controlling-Zahlen, beobachtet die Bewegungen der anderen Marktteilnehmer, zählt den Inhalt seiner Kriegskasse – und trifft dann

eine gründlich vorbereitete, erfahrungsbasierte und trotzdem mutige Entscheidung.

28 ProFirma 02 2009

Illustrationen: Reinhold Harwarth


ProFirma 02 2009

FINANZIERUNG UND LIQUIDITÄT

Von Förderung und Forderungen

Banken halten sich zunehmend bei der Kreditvergabe zurück, die Zahlungsmoral sinkt.

Dennoch stehen Mittelständlern auch jetzt günstige Finanzierungswege für ihre Investitionen offen.

Zudem sollten sie ihr Liquiditätsmanagement konsequent optimieren.

Sichern Sie die Finanzierung Ihrer Investitionen!

Die Kreditklemme droht in

den nächsten Monaten Realität zu werden.

Zwar werden die meisten Banken

wohl höhere Zinsen verlangen, doch

lehnen sie Unternehmer mit guten betrieblichen

Kennziffern gewiss nicht

ab. Außerdem bieten Genossenschaftsbanken

und Sparkassen derzeit oft günstige

Kredite. Sie wirtschaften eher regional

und langfristig orientiert.

Bietet Leasing Vorteile? Es sorgt für

mehr Liquidität, weil es weniger Kapital

bindet. Doch Leasing-Geber müssen

sich ebenfalls über Banken fi nanzieren

VON MONIKA HOFMANN

– und sehen sich daher ebenso mit der Zurückhaltung

der Geldinstitute konfrontiert.

Auch die Leasing-Kosten steigen deshalb

voraussichtlich.

Nutzen Sie Förderprogramme! Es gibt

mehr als 2.000 Programme auf Bundes-

und Länderebene. Die für Inhaber kleiner

und mittlerer Firmen wohl wichtigsten Förderungen

bündelt die KfW Mittelstandsbank

in Frankfurt. Daneben gibt es zahlreiche

Länderprogramme, zudem fördert

die EU mit eigenen Initiativen.

Halten Sie eine Cash-Reserve! Wer nicht

liquide ist, muss Zahlungsunfähigkeit anmelden

– was meist die Pleite zur Folge

hat. Deshalb sollte die Cash-Reserve, also

die fl üssigen Mittel und die Kreditlinie,

stets dafür ausreichen, drei Monate im

Voraus den laufenden Zahlungsverpfl ichtungen

wie Löhnen, Steuern, Abgaben,

Pacht, Mieten oder Zinsen nachzukommen.

Betreiben Sie ein striktes Forderungsmanagement!

Unternehmer sollten immer

wieder die Bonität ihrer Kunden prüfen,

auch bei alten Geschäftsbeziehungen. Stellen

Sie Ihre Rechnungen zügig, setzen Sie

ein fi xes Zahlungsziel und motivieren Sie

EXPERTENRAT VON PROFESSOR MARTIN BECK

Ihre Kunden mit Skonti zum schnellen

Bezahlen. Vereinbaren Sie Abschlagszahlungen

und Eigentumsvorbehalte.

Prüfen Sie, ob sich Factoring oder Inkasso

lohnen! Für größere Firmen kann

es sich lohnen, ihre Liquidität mit dem

Verkauf von Forderungen zu erhöhen.

Allerdings müssen sie, je nach Zahlungsfrist

und Ausfallrisiko, spürbare Abschläge

in Kauf nehmen. Auch die Factoring-

Kosten werden wohl steigen (siehe auch

Seite 42). Hingegen erhalten Inkassofi rmen

eine Erfolgsprämie für das Eintreiben

der Schulden, die bis zu 20 Prozent

betragen kann. Über seriöse Inkassobetriebe

informiert der Bundesverband

Deutscher Inkassounternehmen.

Steigern Sie Ihre Eigenkapitalquote!

Rentabel wirtschaften, wenig entnehmen

und die Gewinne größtenteils

wieder in den Betrieb investieren – mit

diesen Grundsätzen schuf sich bereits

mancher Mittelständler eine stattliche

Eigenkapitalbasis. Gerade in Krisenzeiten

helfen diese Prinzipien, Kapital zu

erhalten und so auch einfacher an andere

Finanzierungsquellen zu kommen.

Wenn die Kreditversorgung auf dem Kapitalmarkt knapp wird, sind solche Unternehmen im Vorteil, die vorher altmodisch gewirtschaftet

haben und dafür vielleicht belächelt wurden. „Altmodisch“ meint hier ganz vernünftige Verhaltensweisen: weniger

ausgeben als einnehmen, weniger entnehmen als verdient wurde, auch guten Kunden keinen Zahlungsverzug durchgehen lassen,

Familienmitglieder nur dann alimentieren, wenn sie dafür auch anständige Arbeit leisten, und eine Investition lieber zurückstellen

oder reduzieren als die Abhängigkeit von den Banken zu vergrößern. Wer das jetzt erst lernen muss, hat sich einen ungünstigen

Lernzeitraum gewählt, aber es ist dafür nie zu spät. Die große Lehre der Finanzkrise heißt für den Mittelstand: Wieder lernen, aus

eigener Kraft zu wirtschaften!

29


Unternehmensführung – Titelthema

PRODUKTION UND EINKAUF

Hinterfragen Sie jeden Prozess

Schlanke Produktion, effi zienter Ressourcen- und Energieeinsatz,

gebündelter Einkauf – so schaffen sich Mittelständler die besten Voraussetzungen,

um schnell und fl exibel auf neue Marktentwicklungen reagieren zu können.

Schaffen Sie fl exible Strukturen! Ganz

gleich, ob Sie bestehende Nischen ausbauen,

weniger Erfolg versprechende

Bereiche abbauen oder neue Marktsegmente

erobern wollen – Sie brauchen

dafür fl exible Strukturen in der Produktion.

Die erreichen Sie am besten,

wenn Sie sich auf das Wesentliche

konzentrieren und alles vermeiden,

was letztlich die Verschwendung von

Ressourcen zur Folge hat. Hinterfragen

Sie jeden Prozess in Ihrer Firma vom

Einkauf über den Material- und Ener-

VON MONIKA HOFMANN

gieeinsatz bis zur Logistik daraufhin, ob er

einen wesentlichen Beitrag zum Ergebnis

bringt.

Optimieren Sie Ihre Produktion! Maschinen,

Hard- und Software und Vernetzungstechnologien

auf dem aktuellen Stand

helfen, Leistungspotenziale auszuschöpfen

und Kosten zu senken. Investitionen in

neue Technik lohnen sich auch jetzt, wenn

sich damit die Produktqualität, Zuverlässigkeit

und das Bearbeitungstempo deutlich

steigern lassen. Reduzieren Sie die Materialbestände

vor, nach und zwischen den Arbeitsschritten,

denn diese binden Kapital,

vermeiden Sie unnötige Transporte und

Wartezeiten. Und lagern Sie Prozesse aus,

die andere Firmen besser und günstiger

erledigen können.

Setzen Sie Ressourcen effi zient ein! Die

Material- und Energiekosten schlagen bei

den verarbeitenden Unternehmen mit fast

50 Prozent zu Buche. Es geht also darum,

weniger Rohstoffe intelligent einzusetzen,

den Energieverbrauch zu reduzieren – und

so der wachsenden Knappheit dieser Faktoren

clever zu begegnen. Bei dieser Effi -

zienzsteigerung sollten Firmenchefs stets

EXPERTENRAT VON PROFESSOR MARTIN BECK

den ganzen Produktlebenszyklus im

Blick haben, also jede Stufe der Wertschöpfungskette

von der Beschaffung

und Herstellung über den Vertrieb, die

Nutzung bis zur Entsorgung.

Senken Sie Ihre Einkaufskosten! Prüfen

Sie, ob sich die Zahl der Lieferanten

reduzieren lässt. Wenn Sie mehr Material

und Vorleistungen bei wenigen Lieferanten

bündeln, können Sie auch besser

über Rabatte verhandeln. Nutzen Sie das

Internet, um potenzielle Lieferanten zu

vergleichen und um einzukaufen. Denken

Sie über Einkaufskooperationen

nach. Und klären Sie bei Ihren Verbänden,

ob sie Vergünstigungen beim Einkauf

bieten. Auch Bartergeschäfte können

die Kosten senken.

Systematisieren Sie Ihren Verbesserungsprozess!

Lernen Sie von den Japanern.

Mit Kaizen, der Verbesserung

in vielen kleinen Schritten, haben sie

eines ihrer Erfolgsprinzipien weltweit

verbreitet. Nutzen Sie dieses Prinzip

nicht nur für Ihre Produktion und Ihren

Einkauf, sondern fürs ganze Unternehmen.

Dass der Gewinn im Einkauf liege, wussten schon die alten Kaufl eute. Das gilt sowohl für den Einkauf von Gütern und Materialien

als auch für die Beschaffung von Dienstleistungen. Wer alles selber machen will, überfordert sich und seine Organisation. Der

überforderte Chef als Nadelöhr oder die Firma als unzuverlässiger Lieferant: das sind zwei tödliche Schwachstellen. Von den

Japanern lernen ist gut, von den eigenen Mitarbeitern lernen ist besser. Die Firma weiß viel mehr, als der Chef glaubt! Wer jetzt

das Vertrauen seiner Mitarbeiter hat, wird von ihnen lernen können, wo die Prozesse nicht stimmen, wo die Abläufe unwirtschaftlich

sind und wo Material herumliegt oder gar verschwendet wird. Wenn die Kultur Ihrer Firma so ein offenes Gespräch zwischen

Chef und Mitarbeitern zulässt, haben Sie schon viel gewonnen!

30 ProFirma 02 2009

Illustrationen: Reinhold Harwarth


ProFirma 02 2009

VERTRIEB UND MARKETING

Service und Beratung öffnen viele Türen

Mit Innovationen lassen sich neue Marktnischen erschließen. Daher sind

regelmäßige Kundenbefragungen wichtig: Denn nur so fi nden Firmenchefs

die Bedürfnisse der bisherigen und der potenziellen Kunden heraus.

Wirtschaften Sie nicht nur innovativ,

sondern kundennah! Neue Ideen allein

reichen nicht. Sie sollten auch analysieren,

wie Sie mit Ihren Innovationen

den bisherigen und den potenziellen

Abnehmern besondere Vorteile bieten

können. Und das gilt es auch zu kommunizieren.

Befragen Sie regelmäßig Ihre Kunden!

Wen wollen Sie heute und morgen

erreichen? Kennen Sie deren Alter, Einkommen

und Bedarf? Wer sind jetzt und

künftig Ihre Hauptumsatzträger? Wen

wollen Sie mit Ihren Neuheiten ansprechen?

Regelmäßige Kundenbefragungen

MONIKA HOFMANN

helfen, eine Vertriebsstrategie zu entwickeln,

die zu Ihren Abnehmern passt.

Klären Sie, wie Sie Ihre Kunden am besten

erreichen! Während bei Jüngeren

ein Mailing sinnvoll sein kann, dürften

sich Ältere eher mit persönlichen Briefen

überzeugen lassen. Über Hausmessen und

gezielte Werbung etwa in Fachzeitschriften

erreichen Sie exakt Ihre Zielgruppen. Gerade

jetzt sollten Sie nicht auf das Marketing

verzichten. Nur so können Sie heutigen

und künftigen Kunden mitteilen, welche

Besonderheiten Sie bieten.

Setzen Sie auf guten Service! Das überzeugt

alle Kunden. Unternehmer sollten

sich darauf konzentrieren, Emotionen zu

wecken und zu überraschen, am besten

mit Services, die Mehrwert oder ungewöhnliche

Erlebnisse bieten. Damit geben

sie ihren Kunden das Gefühl, besonders

respektiert zu werden. Servicemitarbeiter

müssen verinnerlichen, wie sie mit freundlicher

Beratung Käufer beeindrucken. Kundenbeschwerden

sollten sie ernst nehmen,

denn sie sind eine wertvolle Quelle für

Ideen. Zudem sorgt es für ein gutes Image,

das sich über Mundpropaganda und über

Internetblogs rasch verbreitet.

EXPERTENRAT VON PROFESSOR MARTIN BECK

Senken Sie Ihre Vertriebskosten! Prüfen

Sie, ob Sie mit Kooperationen den

Vertrieb kostengünstiger gestalten können.

Gemeinsam mit anderen Firmen,

deren Angebot sich mit Ihrem nicht

überschneidet, sondern ergänzt, können

Sie Märkte in neuen Regionen erschließen,

ohne gleich neue Filialen zu

gründen.

Standardisieren Sie Ihre Verträge! So

sparen Sie Zeit und Geld bei der juristischen

Prüfung der Kundenverträge.

Versuchen Sie bei Vertragsabschlüssen

durchzusetzen, dass Ihre Allgemeinen

Geschäftsbedingungen (AGB) zugrunde

liegen. Und optimieren Sie zusätzlich

Ihre AGB. Sie können darin etwa einen

schnellen Zahlungseingang festlegen,

Gewährleistungsfristen erweitern und

Forderungen mit Eigentumsvorbehalt

absichern.

Nutzen Sie Ihr Vorschlagssystem auch

für den Vertrieb! Kundenbetreuer kennen

die Bedürfnisse der Käufer am besten.

Sammeln Sie daher im Innen- und

gerade auch im Außendienst des Vertriebs

systematisch alle Verbesserungsvorschläge.

Das Gespräch mit dem Kunden ist vielleicht das Wichtigste, was der Chef für sein Unternehmen tun kann. Nicht nur mit den Lieblingskunden,

die alles ganz toll fi nden. Nein, auch mit den ewig Unzufriedenen. Dabei ist der persönliche Kontakt durch nichts

zu ersetzen. Wenn der Kunde Sie als seinen Partner erlebt, der in erster Linie das Problem des Kunden lösen will und dann erst

an das eigene Geschäft denkt, haben Sie schon viel gewonnen. Dann, aber nur dann, wird er Ihnen auch in der Krise und bei

Fehlschlägen treu bleiben und Sie nicht bei der ersten Preisdifferenz von der Liste streichen. Weil Sie sein Partner sind, und nicht

nur ein Lieferant. Partner brauchen einander. Lieferanten sind austauschbar.

31


Unternehmensführung – Roundtable

Wissensbilanzierung

„Die wahren Werte erkennen“

Was Wissensbilanzierung für mittelständische Firmen bedeutet und ob sie sich

auch fi nanziell lohnt, haben Unternehmer und Experten beim 4. Freiburger Mittelstands-

kongress diskutiert. DAS GESPRÄCH FÜHRTE DIETER RÖMER.

ProFirma

Round Table

DIE TEILNEHMER

Prof. Dr. Friedrich Augenstein vom

Kompetenzzentrum Unternehmensberatung

der Berufsakademie Stuttgart

hat den Stand der Wissensbilanzierung

in Baden-Württemberg in einer

Studie analysiert.

Kirsten Hirschmann, Gesellschafterin

und Geschäftsführerin der Hirschmann

Laborgeräte GmbH & Co. KG in Eberstadt

und Vizepräsidentin des Weltvorstands

der Wirtschaftjunioren.

Prof. Günter Koch aus Wien, Generalsekretär

des Club of Paris. Er gilt als

Erfi nder der Wissensbilanz.

Dr. Oliver Kriessl, Leiter des Bereichs

Kundenbeziehungen der BadenIT

GmbH in Freiburg. Er hat für einen

Unternehmensteil eine Wissensbilanz

erstellt.

Rainer Schütterle, Finanzfachwirt

und Kooperationspartner der VVK Vermögensverwaltungs

GmbH Karlsruhe

und Vizepräsident des Karlsruher Sport

Clubs. Er hat für den KSC die Erstellung

einer Wissensbilanz eingeleitet.

Herr Professor Augenstein, das Thema

Wissensbilanzierung erfreut sich in den

Medien und unter Experten wachsender

Beliebtheit. Aber in einer Befragung von

Unternehmern in Baden-Württemberg

haben Sie herausgefunden, dass nur

vier Prozent dieser Firmen bisher eine

solche Bilanz erstellt haben und nur

weitere fünf Prozent dies planen. Da

offenbart sich eine Kluft zwischen möglicher

Notwendigkeit und Wirklichkeit.

Was haben mittelständische Unternehmer

von einer Wissensbilanz?

Augenstein: Wissen ist die wichtigste

Ressource im Unternehmen. Der Wissensvorsprung

ist der entscheidende

Wettbewerbsvorteil. Somit sichert ein

Manager, der sich um das Wissen, dessen

Verwaltung und Nutzung aktiv

kümmert, die Überlebensfähigkeit des

Unternehmens.

Herr Professor Koch, Sie gelten als Erfi

nder der Wissensbilanz. Wie entstand

diese Idee?

Koch: Im Jahr 1998 wurde ich zum

Geschäftsführer eines sehr großen Forschungszentrums

in Österreich berufen.

Während einer wirtschaftlichen

Sanierung des Zentrums sollte ein

Verfahren gefunden werden, um den

„wahren Wert“ der Organisation darzustellen

– nicht die fi nanziellen Dinge,

sondern den intangiblen Bereich, also

„das nicht Anfassbare“. Eine Kollegin

und ich entwickelten hierfür ein Ver-

fahren und setzten es im Jahr 1999 erstmals

ein. Zwischenzeitlich ist es durch

unsere damaligen Assistenten auch in

Deutschland bekannt gemacht worden.

Wissen Unternehmer, wenn sie eine

Wissensbilanz erstellt haben, besser, wo

sie hinwollen?

Koch: Es ist schwierig, eine Wissensbilanz

bezüglich ihres Nutzens beispielsweise

gegenüber der Balanced Scorecard

abzugrenzen. Ihr eigentlicher Wert

liegt im Prozess zur Erstellung, weil alle

Bereiche und fast alle Beschäftigten involviert

und integriert sind.

Frau Hirschmann, warum haben bisher

nur wenige Unternehmen eine Wissensbilanz

erstellt, wenn doch die Vorteile

so groß sind?

Hirschmann: Unser Unternehmen ist

auch noch nicht dabei. Wissensbilanz

klingt gut, aber der kleine Mittelstand hat

noch ein paar andere Themen, bevor er

sich mit der Dokumentation von Wissen

beschäftigt. Es ist nicht so, dass wir nichts

dokumentieren. Schon gesetzliche Vorschriften

zwingen uns dazu. Aber weil

der kleine Mittelständler ohnehin nahe

an seinen Mitarbeitern ist, weiß ich bei

allen meinen 110 Beschäftigten, wo deren

Wissen steckt, wo ihre Vorzüge liegen

und welche Kapazitäten sie haben.

Bei größeren Unternehmen mit mehr

Hierarchiestufen macht eine Wissensbilanz

sicherlich mehr Sinn.

32 ProFirma 02 2009

Fotos: Freiburger Mittelstandskongress


Herr Schütterle, der Karlsruher Sportclub

hat eine Wissensbilanz erstellt.

Wie kam es dazu, und was versprechen

Sie sich davon?

Schütterle: Im Rahmen einer Doktorarbeit

wurden wir angesprochen, ob

wir nicht als erster Bundesligaklub eine

Wissensbilanz erstellen wollten. Da

wir im Präsidium und im Management

offen sind für Neues, sind wir der Idee

gefolgt. Ich muss Herrn Professor Koch

zustimmen, dass der Nutzen im Erstellungsprozess

liegt. Mit den Angestellten

haben wir erarbeitet, was gerade nicht

so gut läuft und wo man sich verbessern

kann. In der Führungsetage wussten wir

schon, wo der Schuh drückt, aber der

Prozess war uns wichtig.

Gewinnen Sie damit nun auch mehr

Fußballspiele?

Schütterle: Wenn das so einfach wäre,

hätten die anderen das auch schon gemacht.

Ich glaube allerdings: Wenn

man in einem Profi verein auch mit geringen

fi nanziellen Möglichkeiten gute

Rahmenbedingungen schafft, entstehen

auf Dauer auch die Voraussetzungen für

den sportlichen Erfolg.

Ich kann mir trotzdem noch schwer

vorstellen, was Ihnen eine Wissensbilanz

bringt.

Schütterle: Konkret ging es um die Geschäftsstelle

mit ihren mehr als 20 Mitarbeitern.

Nach einem festen Schema

wurden in Workshops Anhaltspunkte

ProFirma 02 2009

erarbeitet wie die Fähigkeiten der Mitarbeiter,

die Weiterbildung, die Beziehung

zu den Sponsoren, den Fans, zu

den Kommunen. Wir haben auch erarbeitet,

inwieweit die Mitarbeiter ausgelastet

sind und an welchen Stellen wir

uns zukünftig verstärken müssen.

Herr Dr. Kriessl, Sie haben in der

BadenIT eine ganze Abteilung durchleuchtet.

Wie hoch war der Aufwand,

was haben Sie davon?

Kriessl: Der Aufwand lag bei etwa

einem Monat. Allerdings haben wir uns

auf eine Abteilung von 15 Mitarbeitern

und auf das Wesentliche beschränkt,

also nicht jeden Einfl ussfaktor und

jeden Prozess betrachtet. Bei den wesentlichen

Dingen haben wir allerdings

„Ich weiß bei allen

meinen 110 Beschäftigten,

wo deren

Wissen steckt.“

KIRSTEN HIRSCHMANN,

HIRSCHMANN LABORGERÄTE GMBH

& CO. KG, EBERSTADT

„Der eigentliche Wert

der Wissensbilanzierung

liegt im Prozess

zu ihrer Erstellung.“

PROF. GÜNTER KOCH,

CLUB OF PARIS, WIEN

hinsichtlich Quantität, Qualität und Systematik

genau hingeschaut. Entscheidend

ist, sich die Wechselwirkungen

zwischen den Einfl ussfaktoren, den

Geschäftsprozessen und den Geschäftserfolgen

bewusst zu machen und herauszufi

nden, was man mit einfachen

Mitteln schnell beeinfl ussen kann. Bei

der Wissensbilanzierung ist die Erarbeitung

von Maßnahmen fester Bestandteil.

Herr Professor Augenstein, empfehlen

Sie durchweg allen Mittelständlern, eine

Wissensbilanz zu erstellen oder nur Unternehmen

einzelner Branchen?

Augenstein: Die Wissensbilanz ist ein

Führungsinstrument für wissensintensive

Firmen. In der gemeinsamen Studie

mit dem BDU hatten wir eine hohe

Beteiligung solcher Unternehmen, etwa

aus den Branchen Maschinenbau, EDV,

Elektrotechnik und Feinmechanik. Die

meisten Erfahrungsberichte stammen

aus einem Umfeld, wo Human-, Struktur-

und Beziehungskapital zu den erfolgskritischen

Faktoren zählen.

Wie hoch ist der fi nanzielle Aufwand

für die Erstellung einer Wissensbilanz,

und lohnt sich das?

Kriessl: Der Hauptkostenfaktor liegt in

den internen Personalkosten. Darüber

haben wir gesprochen. Bei der praktischen

Erstellung hat uns eine kostenlose

Toolbox des Bundeswirtschaftsministeriums

geholfen. Wichtig

33


Unternehmensführung – Roundtable

erscheint mir ein externer Moderator,

der auf die erarbeiteten Ergebnisse einen

Blick wirft und der auch die unangenehmen

Fragen stellt. Da wir nur eine

Abteilung bilanziert haben, sind wir mit

drei Tagen externer Unterstützung hingekommen.

Ich höre häufi g, dass Wissensbilanzen

auch extern verwendet werden. Welche

Vorteile bieten sie in Bankgesprächen

oder in anderen geschäftlichen Bereichen?

Augenstein: Bei einem Erfahrungsaustausch

in der IHK Stuttgart berichteten

Unternehmer, dass sie durch ihre

Wissensbilanz ein besseres Rating und

bessere Kreditkonditionen bekommen

haben. Das lag in der Größenordnung

von einem halben Prozentpunkt. Diesen

Vorteil kann man monetär messen.

Koch: Ich kann das für Österreich ebenfalls

bestätigen. Zunehmend mehr Unternehmen

legen bei den Gesprächen

mit den Banken unaufgefordert eine

Wissensbilanz vor und verwenden diese

in den Verhandlungen.

Schütterle: Eine Wissensbilanz zeigt

der Öffentlichkeit, dass die Verantwortlichen

sich Gedanken um ihr Unternehmen

machen. Bei uns sind das die Banken

und die Deutsche Fußball Liga. Die

DFL will in ihrem Magazin über unsere

Wissensbilanz berichten. Das ist grundsätzlich

positiv. Aber nicht alles, was in

einer Wissensbilanz steht, sollte in die

Öffentlichkeit.

„Jeder, der mitwirkt,

muss bereit sein, sein

Wissen preiszugeben.“

RAINER SCHÜTTERLE,

KARLSRUHER SPORT CLUB

Frau Hirschmann, wären die geschilderten

Vorteile nicht auch für Ihre

Firma attraktiv?

Hirschmann: Im Rating geht es um

harte Fakten und um Softfacts. Wenn

man schon ein gutes Rating hat, sehe

ich in der Wissensbilanzierung nicht

mehr viel zusätzlichen Nutzen. Ich

habe schon erwähnt, dass die Unternehmen

zur Dokumentation des Wissens

einiges tun, wir machen CRM, Weiterbildung

und vieles mehr. Das summiert,

ergibt eine Wissensbilanz, ohne es so zu

nennen.

Viele Kritiker sagen, eine Wissensbilanz

sei wachsweich. Wie können nicht

messbare Daten in den Jahresabschluss

einfl ießen?

Kriessl: Natürlich ist die absolute Bewertung

der Einfl ussfaktoren des Human-,

Struktur- und Beziehungskapitals

subjektiv. Es werden aber Indikatoren

defi niert, die sich messen lassen und

eine Entwicklung anzeigen. Daran lässt

sich ablesen, ob eingeleitete Maßnahmen

wirken. Und nochmals: Wichtig

sind die Gesamtheit der Betrachtung,

die Vernetzung der Einfl ussfaktoren

und die Wechselwirkungen untereinander.

Wie alt darf eine Wissensbilanz sein,

also wie oft muss man sie aktualisieren,

damit sie nach innen und außen überhaupt

sinnvoll ist?

Schütterle: Es hängt meines Erachtens

von der Kontinuität des Geschäfts

ab. Der Profi -Fußball ist ein kurzfristiges

Geschäft. Wir müssten eigentlich

jedes Jahr eine Wissensbilanz

machen, insbesondere bei Auf- und

Abstiegen, weil die Unterschiede zwischen

der Ersten und Zweiten Liga gravierend

sind.

Kriessl: Ich würde für unser Unternehmen

einen Zweijahres-Rhythmus

als ausreichend ansehen, weil auch

die Maßnahmen zur Verbesserung

des intellektuellen Kapitals eher mittelfristiger

Natur sind und sich die Ergebnisse

nicht unbedingt in Jahresfrist

einstellen. Entscheidend ist, mit den

Erkenntnissen permanent zu arbeiten

und diese nicht aus den Augen zu verlieren.

„Es gilt herauszufi nden,

was man mit einfachen

Mitteln schnell

beeinfl ussen kann.“

DR. OLIVER KRIESSL,

BADENIT GMBH, FREIBURG

34 ProFirma 02 2009

Fotos: Freiburger Mittelstandskongress


Was muss man aus welchen Bereichen

sammeln, damit eine Wissensbilanz

den Namen auch richtig verdient?

Koch: Das ist ein heikles Thema. In

Österreich verpfl ichtet ein Gesetz die

Universitäten, jährlich eine Wissensbilanz

zu erstellen. Zuerst wollte das zuständige

Ministerium eine Erhebung für

150 Indikatoren. Diese konnten auf 50

reduziert werden. 20 halte ich für maximal,

es sollten weniger als zehn sein.

Da es in den letzten Jahren gelungen ist,

komplexe Zusammenhänge in wenigen

Kennzahlen darzustellen, empfehle ich

den Unternehmen, mit fünf oder sechs

aussagefähigen Kriterien zu beginnen.

Sie sollten zunächst das vorhandene

Zahlenmaterial verwenden und nur einen

höchst erträglichen Aufwand investieren.

Die Verfeinerung kann bei einer

Fortschreibung erfolgen.

Wem gehört eigentlich das Wissen im

Unternehmen, und wem gehört das

Wissen der Mitarbeiter? Darf der Unternehmenschef

dieses gesamte, häufi g für

viel Geld erworbene Wissen vollständig

einfordern?

Kriessl: Wenn er das nicht dürfte, wäre

es in meinen Augen katastrophal. In unserem

System werden wir ausgebildet

und lassen ausbilden, damit Menschen

für eine Organisation wertschöpfend tätig

werden können. Der Mensch hat das

Wissen, das Unternehmen die Struktur

und die Beziehungen. Entscheidend ist,

wofür das Wissen eingesetzt wird.

Koch: Die auch rechtliche Übereinkunft

in der Wirtschaft ist, dass das, was

ein Mitarbeiter an Wissen ins Unternehmen

einbringt, vom Unternehmen verwertet

werden darf und der Mitarbeiter

dafür entlohnt wird beziehungsweise

daran partizipiert.

Verändert eine Wissensbilanz etwas an

der Innensicht im Unternehmen? Fühlen

sich auch die Mitarbeiter besser informiert

oder nur das Management?

Schütterle: Ich glaube, die Mitarbeiter

haben bei der Erstellung viel mitgenommen,

insbesondere die Sichtweise

anderer Abteilungen, weil viel diskutiert

wurde. Man sollte von Anfang an

einen externen Moderator dabei haben,

ProFirma 02 2009

der die Emotionen herausnimmt und

das Eis bricht. Und jeder, der mitwirkt,

muss bereit sein, sein Wissen preiszugeben.

Kriessl: Die Mitarbeiter profi tieren sogar

sehr viel davon. Probleme und Stärken

werden gleichermaßen transparent,

und man erhält aufgrund der Offenheit,

die eine Wissensbilanz mit sich bringt,

ganz andere Einblicke.

Augenstein: Wissensmanagement

fördert, dass der Mitarbeiter wieder

verstärkt in den Mittelpunkt unternehmerischer

Betrachtung rückt. Er wird

nicht mehr als Kostenfaktor im nega-

tiven Sinn verstanden, sondern vor

dem Hintergrund des demografi schen

Wandels als Humankapital im positiven

Sinn.

Zum Schluss noch eine Prognose von

Ihnen allen, wie sich Wissensbilanzierung

im Mittelstand in den nächsten

drei Jahren durchsetzen wird. Bleibt sie

ein Randthema, oder glauben Sie, dass

sie sich etablieren wird?

Kriessl: Ich bin der Meinung, dass die

Wissensbilanzierung an Bedeutung erheblich

gewinnen wird. Insbesondere

in den Unternehmen, in denen Knowhow

erforderlich und Wissen ein ganz

entscheidendes Gut ist. Somit auch bei

jedem Mittelständler.

Koch: Ich wünsche der Wissensbilanz

eine ähnlichen Erfolg wie der Balanced

Scorecard. Sie hat das Potenzial, sich als

integratives Tool zu entwickeln. Da die

Verständlichmachung von Produkten

und Verfahren immer schwieriger wird,

weil die Wirtschaft sich in Bereiche

verlagert, die nicht mehr so anschaulich

materiell sind wie vor Jahrzehnten,

könnte ein solches oder ähnliches Tool

für die „neue Ökonomie“ erfolgreich

werden.

Schütterle: Ich denke, dass der Anteil

der Unternehmen, die mit einer Wissensbilanz

arbeiten, sich erhöht, auch

wenn die Unternehmen immer wieder

andere Probleme zu lösen haben.

„Firmen mit einer

Wissensbilanz erhalten

ein besseres Rating.“

PROF. DR. FRIEDRICH AUGENSTEIN,

BERUFSAKADEMIE STUTTGART

Augenstein: In Politik, Wirtschaft

und Wissenschaft wird gesagt, dass

der Produktionsfaktor Wissen an Bedeutung

zunimmt. Unternehmen, die

kein Wissensmanagement betreiben,

werden früher oder später nicht mehr

überleben. Ich denke, dass strukturierte

Verfahren wie die Wissensbilanzierung

in der unternehmerischen Wirklichkeit

stark verankert sein werden.

Hirschmann: Ich denke, die Wissensbilanz

wird sich durchsetzen. Auch deshalb,

weil das Thema mehr in die Öffentlichkeit

kommen wird und die Banken

die Wissensbilanz als Teil des Ratings

ansehen werden. Die Wissensbilanzierung

wird sich entwickeln, allerdings

nicht stürmisch, weil der Mittelstand

sich primär mit anderen Aufgaben zu

beschäftigen hat.

35


Unternehmensführung – Kolumne

Kluge Köpfe machen sich viele Gedanken darüber, mit welchen

Erfolgsrezepten man die Treffsicherheit unternehmerischer

Tätigkeit erhöhen oder optimieren könnte. Zum 100.

Geburtstag der Harvard Business School in Boston hat die

deutsche Ausgabe des Harvard Business Managers die wichtigsten

Aussagen der professoralen Stars dieser legendären

Kaderschmiede zusammengefasst. Da stehen viele kluge Sätze

drin. Tendenziell geht es dabei eher um große und globale

Unternehmen. Aber auch der Mittelstand sollte das eine oder

andere aus diesem Wissen beherzigen.

Die klügsten der Managementratgeber halten sich die Freiheit

offen, an jedem Tag wieder etwas hinzuzulernen. Zum Lernen

kann es auch gehören, gestern noch für richtig gehaltene

Erkenntnisse infrage zu stellen. Diese klugen Denker genieren

sich überhaupt nicht, auf Veränderungen in ihrem Erkenntnisstand

hingewiesen zu werden. Im Gegenteil, sie nehmen

das als Beweis für ihre intakte Lernfähigkeit. Nur wer dazulernt,

bleibt im Geschäft.

Kluge Kunden dieser Ratgeber halten das übrigens genauso.

Sie hängen nicht kritiklos an den Lippen des Meisters, sondern

sie hören und schauen genau hin, prüfen kritisch, fragen

nach – sie nehmen sich die Freiheit dessen, der das alles bezahlt,

und setzen das um, was ihnen einleuchtet oder angezeigt

zu sein scheint. Das klingt vielleicht nach Rosinenpickerei,

ist aber nicht so gemeint. Wer nur Rosinen herauspickt,

bekommt bald Zahnschmerzen. Wer auch die sauren Gurken

annimmt, dessen Zukunft ist weitaus sicherer.

Der Autor bekennt hiermit seine Skepsis gegenüber allen angeblich

allgemeingültigen Regeln der Führungskunst. Insbesondere

als todsicher angepriesene Geheimtipps stehen bei

ihm unter Generalverdacht. Typisch für diese Geheimtipps ist

es ja, dass sie sofort und so oft wie möglich veröffentlicht wer-

Querdenker

Martin Beck Der Unternehmensberater

ist Großhandelskaufmann, Diplom-

Betriebswirt (FH) und Honorarprofessor

an der Hochschule Nürtingen.

www.prof-beck.net

Was taugen Erfolgsrezepte?

Von Professor Martin Beck

den, wodurch der Geheimnischarakter im Laufe der Zeit verloren

geht. Firmen sind Individuen, keine ist mit anderen vergleichbar.

Auch Firmenkulturen sind höchst unterschiedlich,

und sie verändern sich in unterschiedlichem Tempo. Und den

Markt- und Gesellschaftsbedingungen geht es ebenso. Was da

allgemein, vielleicht sogar global, gelten soll, darf doch gefragt

werden. Global denken ist gut, aber gehandelt werden muss

lokal, dort, wo die Leute wohnen und arbeiten und wo die Firmenkultur

ihre Wurzeln hat.

Im Management ist es wie im Leben: Moden kommen und gehen.

Wer auf den anfahrenden Zug sofort aufspringt, macht

eventuell die besten Erfahrungen, er trägt aber auch die höchsten

Risiken. Ein paar Grundregeln bleiben. Es sind keine Geheimtipps,

aber erprobte Lebensregeln:

> Bleiben Sie offen und aufmerksam, auch wenn sich die

Dinge zu wiederholen scheinen!

> Hören Sie lieber Ihren Kritikern zu als Ihren Fans!

> Halten Sie nichts für ewig. Denken Sie schon jetzt über

Neues nach!

Risiken und Nebenwirkungen gibt es übrigens bei diesen

drei Regeln nicht. Höchstens Chancen, weil Sie selten von

Ereignissen und Entwicklungen wirklich überrascht sein

werden. Natürlich lösen sich nicht alle Ihre Tagesprobleme

in Luft auf, und auch nicht alle Ihre strategischen Fragen

werden schlagartig gelöst. Wer das verspricht, der ist nicht

ernst zu nehmen.

Zu den klügsten Sprüchen gehört der hier: „Wir können nicht

die Probleme der Zukunft mit den Instrumenten lösen, die

zu ihrer Entstehung beigetragen haben.“ Wie wahr. Und wie

schwierig. Gerade deshalb sind Offenheit, kritisches Denken

und Neugier die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmen

aller Größenordnungen.

36 ProFirma 02 2009


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Unternehmensführung

Aufhebungsverträge

Die Vorbereitung eines Aufhebungsvertrags

ist oft zeitintensiv, da einer zufriedenstellenden

Lösung für beide Seiten

meistens viele Gespräche vorausgehen.

Und auch in Sachen Aufhebungsvertrag

geht es nicht ganz ohne Formalien: Für

Aufhebungsverträge ist die Schriftform

vorgeschrieben. Für den Arbeitnehmer

ist ein Aufhebungsvertrag vor allem

dann attraktiv, wenn er ein lukratives

Angebot von einem anderen Arbeitgeber

vorliegen hat und möglichst schnell

aus dem Betrieb heraus will, oder wenn

ihm eine üppige Abfi ndung winkt.

Aber auch wenn der Arbeitgeber zu

Recht eine fristlose Kündigung erklären

könnte, ist es für den Arbeitnehmer angenehmer,

einem Aufhebungsvertrag

zuzustimmen.

Kostenfaktor entscheidend

Für den Arbeitgeber ist vor allem der

Kostenfaktor entscheidend: Es besteht

Planungssicherheit, die ausgehandelte

Abfi ndungssumme ist bekannt und

mit mehr muss nicht kalkuliert werden.

Trennt man sich per Kündigung,

kommt es in der Folge häufi g zur arbeitsgerichtlichen

Auseinandersetzung.

Der Arbeitgeber trägt dann das Risiko

der Lohnfortzahlung sowie der Rechtsanwalts-

und Gerichtskosten. Und: Vor

RECHT

Keine Fristen, keine Termine

Manchmal muss die Trennung sein: Der Arbeitgeber will, dass der Mitarbeiter geht, oder

der Arbeitnehmer will nicht mehr länger im Betrieb arbeiten. In dieser Situation kann es

sich lohnen, einen Aufhebungsvertrag auszuhandeln. VON DR. STEPHANIE KAUFMANN

jeder Kündigung muss der Betriebsrat

angehört werden. Für einen Aufhebungsvertrag

gilt das nicht.

Gerade langjährige Mitarbeiter haben

lange Kündigungsfristen. Bei Abschluss

eines Aufhebungsvertrags müssen diese

nicht beachtet werden. Es kann sogar

das sofortige Ausscheiden vereinbart

werden. Aber: In der Praxis lassen sich

Arbeitnehmer oft nicht auf eine abgekürzte

Kündigungsfrist ein, weil beim

Bezug vom Arbeitslosengeld eine Sperrzeit

droht. Das kann der Mitarbeiter nur

vermeiden, wenn er beim Aufhebungsvertrag

darauf achtet, nicht vor Ablauf

der Kündigungsfrist auszuscheiden.

Häufi g kann eine Kündigung gar nicht

erklärt werden, weil der Mitarbeiter

sich auf einen besonderen Kündigungsschutz

berufen kann. Das gilt vor allem

für Betriebsratsmitglieder, Schwangere,

Elternzeitler und sonstige Arbeitnehmer,

die beispielsweise aufgrund eines

Tarifvertrags unkündbar sind. Kann

man den Arbeitnehmer vom Abschluss

eines Aufhebungsvertrags überzeugen,

kann dieser sich nicht auf seine geschützte

Position berufen. Auch wenn

das Kündigungsschutzgesetz (KSchG)

auf Aufhebungsverträge gar keine Anwendung

fi ndet, sollte der Arbeitgeber

trotzdem wissen, ob eine Kündigung

im konkreten Fall Erfolg hätte. Je wahr-

Bei einem Aufhebungsvertrag

gehen einer zufriedenstellenden

Lösung meistens viele

Gespräche voraus.

38 ProFirma 02 2009


scheinlicher eine wirksame Kündigung

ist, desto stärker ist seine Verhandlungsposition

und desto geringer wird eine

Abfi ndung ausfallen.

Aufklärungspfl ichten beachten

Es gilt das Prinzip der Eigenverantwortung:

Der Mitarbeiter muss sich selbst

vor Abschluss eines Aufhebungsvertrags

über die rechtlichen Konsequenzen

informieren. Allerdings muss

der Arbeitgeber Aufklärungsarbeit leisten,

wenn der Arbeitnehmer darauf vertrauen

durfte, dass er informiert wird.

Das gilt vor allem dann, wenn der Vertrag

erhebliche nachteilige Folgen hat,

wie den Verlust einer Betriebsrente oder

die Sperre von Arbeitslosengeld. Der

Arbeitgeber muss dann zwar keine detaillierten

Erläuterungen geben, aber

zumindest erwähnen, dass eine Sperrzeit

droht, ein Schwerbehinderter besondere

Rechte hat und wo sich der Arbeitnehmer

weiter informieren kann.

ProFirma 02 2009

Den Inhalt des Vertrags kann der Arbeitgeber

in Absprache mit dem Arbeitnehmer

frei gestalten. Einige Mindestregelungen

sollten aber in jedem

Aufhebungsvertrag vorhanden sein.

Beendigungszeitpunkt: Der Beendigungszeitpunkt

sollte klar vereinbart

werden. Dies gehört zum Aufhebungsvertrag

und ermöglicht dem Arbeitnehmer,

bei der Agentur für Arbeit zu belegen,

dass sein Arbeitsverhältnis nicht

vor Ablauf der Kündigungsfrist endet.

Freistellung: Soll der Arbeitnehmer

ab Vertragsschluss bis Beendigung des

Arbeitsverhältnisses von der Arbeitspfl

icht freigestellt werden, muss dies

mit dem Arbeitnehmer vereinbart werden,

da er eigentlich einen Anspruch

auf Beschäftigung hätte – und zwar bis

zum letzten Tag des Arbeitsverhältnisses.

Wird der Mitarbeiter unwiderrufl

ich von der Arbeit freigestellt, dann

endet auch das Arbeitsverhältnis im

sozialversicherungsrechtlichen Sinne.

Der Arbeitgeber muss dann keinen

Recht in der Praxis

Checkliste: Diese Punkte können in einem

Aufhebungsvertrag geregelt werden:

Vertragsklausel Erledigt?

Abfi ndung

Abtretung der Abfi ndung

Arbeitspapiere und Arbeitsbescheinigung

Aufrechnung

Ausgleichsklausel

Beendigungszeitpunkt des Arbeitsverhältnisses

Betriebliche Altersversorgung

Darlehen

Diensterfi ndungen

Dienstwagen

Freistellung

Gratifi kationen

Nachvertragliches Wettbewerbsverbot

Rückgabe von Geschäftsunterlagen, Firmeneigentum

Zugangsberechtigungen für PC und sonstige Anlagen

Reisekosten

Salvatorische Klausel

Urlaub

Vererbbarkeit

Verschwiegenheitspfl icht

Zeugnis

Zurückbehaltungsrecht

Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung

mehr zahlen und der Mitarbeiter

verliert den Versicherungsschutz in der

gesetzlichen Kranken-, Pfl ege-, Renten-

und Arbeitslosenversicherung. Schon

deshalb empfi ehlt es sich, eine widerrufliche

Freistellung zu vereinbaren.

Abfi ndung: Die Zahlung einer Abfi

ndung ist reine Verhandlungssache.

In den Verhandlungen werden unter

anderem die folgenden Aspekte in die

Waagschale geworfen: Betriebszugehörigkeit

des Arbeitnehmers, Höhe der

Vergütung, Erfolgsaussichten in einem

Kündigungsschutzprozess. In der Praxis

wird häufi g die Formel „ein halbes

Brutto-Monatsgehalt je volles Beschäftigungsjahr“

eingesetzt.

Zeugnis: Der Arbeitgeber muss dem

Mitarbeiter bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses

ein Zeugnis aushändigen.

Im Aufhebungsvertrag sollte man festhalten,

was dazu verhandelt wurde. Dabei

kann der Zeugnisinhalt bereits festgelegt

und zum Bestandteil des Vertrags

erklärt werden. Auch kann man im

Vertrag festhalten, dass sofort – nicht

erst bei Beendigung – das Zeugnis als

Zwischenzeugnis erstellt wird.

Herausgabeanspruch: Alle Unterlagen,

Schlüssel, Arbeitsmittel, fi rmeneigene

Arbeitskleidung und Schutzausrüstung

hat der Mitarbeiter spätestens bei

Beendigung des Arbeitsverhältnisses

herauszugeben, da es sich um Eigentum

des Arbeitgebers handelt. Diese Rückgabepfl

icht sollte hinsichtlich Umfang,

Rückgabezeitpunkt, -ort und empfangsberechtigter

Person im Vertrag präzisiert

werden. Das gilt vor allem für ein zur

Verfügung gestelltes Dienstfahrzeug.

Ausgleichsklausel: Ausgleichsklauseln

schützen vor bösen Überraschungen,

weil sie weitere Ansprüche

aus dem Arbeitsverhältnis ausschließen.

Die Ausgleichsklausel sorgt also dafür,

dass keine weiteren Ansprüche geltend

gemacht werden können. Beide Seiten

wissen dann, woran sie sind.

Die Autorin: Dr. Stephanie Kaufmann

ist Rechtsanwältin mit Schwerpunkt

Arbeitsrecht in Feldafi ng

www.rechtsanwalt-feldafi ng.de

39


Finanzen & Steuern

Commerzbank legt neues

Kreditprogramm auf

FINANZTRENDS

Die Commerzbank hat mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung

(Soffi n) in Frankfurt ein Kreditprogramm für den

deutschen Mittelstand vereinbart. Dieses Programm hat ein Volumen

von 2,5 Milliarden Euro und steht im Zusammenhang

mit den Stützungsmaßnahmen für die Frankfurter Großbank.

Sie hatte vom Sonderfonds eine stille Einlage über 8,2 Milliarden

Euro erhalten, außerdem ist der Bund als Aktionär eingestiegen.

Nach Angaben des Vorstandssprechers Martin Blessing will die

Commerzbank ihr Engagement im Mittelstand weiter ausbauen:

„Wir nutzen die Erhöhung des Kernkapitals in einem weiter

schwierigen Umfeld auch dazu, unser Kreditvolumen zusätzlich

auszuweiten.“ Blessing verweist ferner darauf, dass das Kreditvolumen

in den ersten elf Monaten des

vergangenen Jahres im Mittelstand auf

rund 43 Milliarden Euro gewachsen und

die Commerzbank damit mit Abstand

führend sei. Die Mittel aus dem neuen

Programm sollen zu marktüblichen Bedingungen

verzinst werden.

Commerzbank-Chef Blessing will im

Mittelstand engagiert bleiben.

RISIKOMANAGEMENT

Vorsicht bei schnellen Geschäften

Bei einer plötzlichen Auftragsfl ut in der Krise ist Gefahr im Verzug.

Darauf weist die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft

DHPG Dr. Harzem & Partner KG in Bonn hin. Denn

angesichts der schwierigen Wirtschaftslage wachse in den Unternehmen

die Versuchung, scheinbar lukrative Aufträge zügig

abzuschließen. Das sei aber mit erheblichen Risiken verbunden,

weil der vermeintlich gute Auftraggeber möglicherweise schon

in Zahlungsschwierigkeiten steckt.

Deswegen ist nach Ansicht von DHPG-Wirtschaftsprüfer Norbert

Nettekoven ein vorausschauendes Forderungsmanagement

wichtiger denn je. „Manchmal sagt das Kundenverhalten weit

mehr über die Solvenz aus als der reine Zahlungsvorgang“, betont

Peffekoven. Folgende Warnsignale sollten Unternehmer daher

genau beachten:

ZAHL DES MONATS

5,2 Millionen

Arbeitnehmer beschäftigen deutsche Unternehmen

im Ausland. Nach Angaben des Instituts der deutschen

Wirtschaft Köln liegt der Schwerpunkt dabei mit drei

Millionen Beschäftigten in den europäischen Nachbarstaaten.

Die wichtigsten Standorte im außereuropäischen

Ausland sind die USA, Brasilien und China. Die

großen Arbeitgeber sind die chemische Industrie, der

Maschinenbau sowie die Automobilhersteller.

Beschäftigte an ausländischen

Standorten

in 1.000

darunter:

Großbritannien 345

Frankreich 303

Österreich 252

Tschechien 249

Polen 238

Spanien 220

Italien 159

Russland 136

Niederlande 122

906

Sonstige

Länder

Beteiligung: ab 10 Prozent der Anteile; Unternehmen: mit einer Bilanzsumme

von über 3 Millionen Euro; Quelle: Deutsche Bundesbank

276 China

Wechselspiel: Häufi g wechselnde Firmenstandorte oder ständig

neue Ansprechpartner können Krisensignale sein. Deshalb

empfehlen sich auch bei Stammkunden regelmäßige Bonitätsprüfungen.

Blitzauftrag: Bei einschneidenden Änderungen des Bestellverhaltens

ist Vorsicht geboten. Auch eine massive Aufstockung

kann ein Hinweis auf Zahlungsschwierigkeiten sein. Andere Lieferanten

haben sich womöglich schon zurückgezogen.

Verzögerungstaktik: Nicht jede Reklamation ist gerechtfertigt.

Einwände werden gerne vorgeschoben, um eigene Zahlungsverpfl

ichtungen zu verzögern.

Zahlungsaufschub: Ändern sich die Zahlungsmodalitäten, ist

oft ein besonderes Augenmerk gefragt. Gerade eigenmächtige

Veränderungen von Zahlungszielen sind akute Krisensignale.

40 ProFirma 02 2009

3.032

Europa

798

USA

188 Brasilien

Foto: Marc Darchinger, Commerzbank AG


BFH stärkt Rechte der Ehegatten

Beiträge zur Direktversicherung

Sobald ein Unternehmer seinen Ehegatten

im Unternehmen anstellt, gilt

beim Finanzamt der Generalverdacht,

dass das Arbeitsverhältnis nur auf dem

Papier besteht. Deswegen wird der Betriebsausgabenabzug

für die Lohnaufwendungen

oftmals schon bei nur kleinen

Mängeln gekippt. Die Richter des

Bundesfi nanzhofs (BFH) haben jetzt die

Rechte von Ehegatten gestärkt.

In dem Streitfall vor dem BFH hatte der

Kläger seine Ehefrau in seinem Unternehmen

angestellt. Die Ehefrau vereinbarte

mit ihrem Mann, dass ein Teil

ihres Gehalts für Leistungen in eine Direktversicherung

umgewandelt wird.

Der Lohnsteuerprüfer unterstellte eine

Überversorgung der Ehefrau und ließ

die Beitragszahlungen in die Direkt-

ProFirma 02 2009

DELTA LLOYD

ERWEITERT FONDSPALETTE

Der Wiesbadener Finanzdienstleister Delta Lloyd

hat zum Jahresbeginn die Fondspalette bei sämtlichen

fondsgebundenen Produkten erweitert.

Insgesamt 34 Fonds stehen jetzt zur Auswahl. Dies

gilt unter anderem auch für die fondsgebundenen

Basisrenten, die Selbstständige zum Aufbau einer

staatlich geförderten Altersversorgung nutzen

können. Hinzugekommen sind unter anderem

Zielfonds von Fidelity sowie ETF-Dachfonds, die in

börsennotierte Fonds investieren.

KRANKENSCHUTZ FÜR MITARBEITER

IM AUSLAND

Die Central Krankenversicherung, ein Unternehmen

der Generali Deutschland Gruppe, bietet

den Gruppenversicherungstarif „Central.World“

an. Mit der neuen Auslands-Krankheitskostenversicherung

können Unternehmen Mitarbeiter und

deren Familienangehörige absichern, die sie für

längere Zeit ins Ausland entsenden. Der Tarif bietet

neben einer hundertprozentigen Übernahme

aller Behandlungskosten Zusatzleistungen wie die

Übernahme des Krankenrücktransports an.

versicherung nicht als Betriebsausgaben

zum Abzug zu. Die Richter des

Bundesfi nanzhofs sahen die Sachlage

jedoch genau anders. Ist ein Arbeitsverhältnis

steuerlich anzuerkennen,

steht der Ehefrau wie jedem anderen

Arbeitnehmer auch das Recht zu, Teile

ihres Gehalts in eine Direktversicherung

umzuwandeln (BFH, Az. VIII R

68/06).

ProFirma rät: Entscheidend für die Anerkennung

der Beitragszahlungen in eine

Direktversicherung ist also, dass das

Arbeitsverhältnis steuerlich zulässig ist.

Das ist der Fall, wenn die Gehaltszahlung

ernsthaft vereinbart ist, sich beide

Seiten an die Vereinbarungen halten

und wenn die Gehaltszahlungen der

Höhe nach angemessen sind.

Anzeige

Altersvorsorge ist erlaubt, auch wenn die

Ehefrau beim Partner angestellt ist.


Finanzen & Steuern – Finanzierung

Factoring

Offene Türen

Von der Zurückhaltung der Banken bei

der Kreditvergabe profi tiert die Factoring-

Branche. Einige Anbieter nutzen das steigende

Interesse und weiten ihr Angebot

aus: Sie kaufen Unternehmen Forderungen

aus Geschäften mit Privatkunden ab.

VON SABINE HÖLPER

Thomas Hägele ist eigentlich kein „Fan“ von Bankkrediten. Natürlich

unterhalte man Beziehungen zu Kreditinstituten und

insbesondere für die Mietkautionen der mehr als 50 Vertriebsbüros

in Deutschland auch Kreditlinien, sagt der Finanzdirektor

des rheinland-pfälzischen Weinhandelsunternehmens H.

M. Pallhuber GmbH & Co. KG. So weit wie möglich versucht

das Unternehmen aber unabhängig von Kreditinstituten zu

sein. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Die Einlagen von

Gesellschaftern bescheren dem Weinhändler zum einen eine

Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent. Zum anderen

greift der Betrieb mit einem Umsatz von 45 Millionen Euro

seit zwei Jahren auf Factoring zurück. „Obwohl wir unseren

Kunden in besonderen Fällen Zahlungsziele bis zu 120 Tagen

gewähren, erhalten wir dank Factoring die Liquidität sofort“,

nennt Hägele den entscheidenden Pluspunkt. „Und diese Mittel

stehen zur freien Verfügung, was uns den Raum für zusätzliche

Akquisitionen verschafft“, fügt Hägele hinzu.

Während sich Banker, Unternehmer und Ökonomen erbittert

darüber streiten, ob die Finanzbranche den Unternehmern genügend

Kapital zu angemessenen Konditionen zur Verfügung

stellt, wenden sich immer mehr Unternehmen alternativen

Finanzierungsinstrumenten zu und stoßen dabei automatisch

auf das Factoring. Denn der Verkauf von Forderungen

an einen Finanzdienstleister ist ein naheliegender Weg, die

Firmenkasse zu füllen. Zwar liegen noch keine gesicherten

Zahlen über die letzten beiden Quartale des Jahres 2008

vor, aber die Factoring-Gesellschaften konstatieren eine rege

Nachfrage. „Wir haben so viele Anfragen, die können wir gar

nicht alle bedienen“, sagt Michele Caruso, Leiter Forderungsfi

nanzierung bei der Comprendium Structured Financing

Hereinspaziert: Die Factoring-Anbieter sperren

trotz der Finanzkrise die Türen noch nicht zu.

42 ProFirma 02 2009


GmbH in München. Alexander Moseschus, Geschäftsführer des

Deutschen Factoring-Verbands in Berlin, bestätigt diesen Trend

für die gesamte Branche: „Jetzt klopfen auch viele Unternehmer

an, die bislang noch nie damit zu tun hatten.“

Die Krise befl ügelt die Branche also, einen Boom erlebt Factoring

jedoch schon lange. Allein in den vergangenen acht Jahren hat

sich der Umsatz der im Branchen-Verband vertretenen Gesellschaften

von 20 Milliarden auf 83,5 Milliarden Euro Ende 2007

mehr als vervierfacht. Dass die Anbieter auch in der Finanzkrise

mit weiteren Zuwächsen rechnen können, liegt einfach daran,

dass die Unternehmen alle Hebel in Bewegung setzen müssen, um

liquide zu bleiben. Und dabei fällt der Blick auf den eigenen Forderungsbestand:

Je schneller dieser in bare Münze umgewandelt

werden kann, umso besser für das Unternehmen. Das ist genau

der Vorteil des Factorings. Denn die Unternehmen erhalten sofort

nach Verkauf der Forderung an den Anbieter eine Gutschrift in

Höhe von bis zu 90 Prozent des Rechnungsbetrags. Diese Mittel

ermöglichen es, Skonti und Rabatte auszunutzen und somit Geld

im Einkauf zu sparen. Daneben bietet Factoring einen Schutz vor

Forderungsausfällen – was gerade in der Krise, wo es jeden Tag

einen anderen Unternehmer erwischen kann, nicht zu unterschätzen

ist. Hinzu kommt, dass die Verträge meist auf langfristiger

Basis abgeschlossen werden, sodass sich – anders als bei

einem Kredit von der Bank – nicht das Problem der Anschlussfi

nanzierung stellt. „Wir erhalten die benötigte Liquidität auch

jetzt schnell und unbürokratisch“, bestätigt Pallhuber-Finanzchef

Thomas Hägele.

ProFirma 02 2009

ASSET-BASED-LENDING

Hohe Quote, hohe Qualität

Asset-Based-Lending (ABL), was soviel

wie das Verleihen (Lending) auf der

Basis von Werten (Assets) bedeutet,

ist eine weitere interessante Factoring-

Variante. Genauer gesagt besteht ABL

aus einem Forderungsverkauf, also

Factoring, und einem zusätzlichen Darlehen.

Hinter dieser Variante steckt der

Gedanke, dass beim klassischen Factoring

die Finanzierungshöhe durch die

Höhe der Forderungen begrenzt ist. Bei

ABL wird dagegen auch ein über den

Forderungsbestand hinaus gehender

Finanzierungsbedarf gedeckt: Der Kunde

erhält zusätzlich ein Darlehen, wofür

freie Aktiva wie Grundstücke, Gebäude,

Maschinen oder in Einzelfällen auch

Lagerbestände als Sicherheit herangezogen

werden. Der Vorteil von ABL im

Vergleich zum Bankkredit liegt in der

höheren Beleihungsquote, sagt Stefan

Seibold, verantwortlich für das Partner-

und Relationship Management bei der

Münchner Vantargis AG.

Maschinen würden bis zu 100 Prozent

ihres aktuellen Marktwerts fi nanziert.

Bei Forderungen sind es – wie beim

klassischen Factoring – in der Regel

bis zu 90 Prozent. Allerdings stellen

die ABL-Anbieter hohe Anforderungen

an die Qualität der anzukaufenden

Forderungen. Ralf R. Bauer, Managing

Director der deutschen Niederlassung

der britischen Gesellschaft Lloyds TSB

Commercial Finance Ltd, stellt klar,

dass „eine große Anzahl überfälliger

Forderungen oder Skonti und Rabatte

Ausschlusskriterien sind“. Vantargis verlangt

außerdem, dass die Forderungen

versichert sind.

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Finanzen & Steuern – Finanzierung

Von der Zurückhaltung der Banken im Kreditgeschäft ist die

Refi nanzierungsbasis der Factoring-Anbieter bisher noch

nicht betroffen: „Wir haben mit den Banken keine Probleme

und haben daher genügend Kapazitäten, um die zusätzliche

Nachfrage der Unternehmen zu befriedigen“, sagt Volker

Bauer, Geschäftsführer der Crefo Factoring Südwest in Aalen.

Allerdings müssten die Kunden mit steigenden Kosten

rechnen. Bauer macht dafür vor allem die Zurückhaltung der

Warenkreditversicherer verantwortlich. Denn angesichts des

steigenden Risikos, dass immer mehr Schuldner wegen der

Wirtschaftskrise ihre Forderungen nicht mehr begleichen,

können die Factoring-Gesellschaften die angekauften Forderungen

nur noch gegen höhere Prämien rückversichern.

An den Kosten wird ein Factoring-Vertrag jedoch auch in

Zukunft nicht scheitern. „Entscheidend bleibt die Qualität

der Forderungen, die ein Unternehmen an uns weitergeben

möchte“, betont Bauer. Firmenchefs sollten daher erst einmal

ihre Bestände prüfen, ob diese überhaupt für Factoring geeignet

sind. „Der wichtigste Maßstab für uns ist, dass sie weitgehend

einredefrei sind und dass es sich um abschließende

Rechnungen handelt“, sagt der Crefo-Geschäftsführer. Im

Klartext: Die Factoring-Anbieter mögen keine Forderungen,

denen hohe Reklamationsrisiken anhaften oder bei denen es

sich um Teilzahlungen handelt. Deswegen haben die Baubranche

sowie das Baunebengewerbe besonders schlechte Karten.

Daneben interessiert die Dienstleister auch die wirtschaftliche

Lage sowie die Perspektiven ihrer zukünftigen Kunden. Gerade

in der derzeitigen Situation schauen die Anbieter noch genauer

hin. Vor allem Unternehmen, die viel Kundschaft in der

Automobil- oder Zuliefererbranche haben, müssen gute Argumente

fi nden, dass ihre Forderungen nicht gefährdet sind.

Was für den Verkauf von gewerblichen Forderungen gilt, trifft

genauso für das B-to-C (Business to Consumer)-Factoring zu.

Noch ist diese Variante kaum verbreitet. Doch im Zuge des

Factoring-Booms dürfte sie an Bedeutung gewinnen. Interessant

ist dieses Instrument vor allem deshalb, weil es einem

zusätzlichen Kreis von Unternehmen überhaupt erst die

Möglichkeit eröffnet, dieses Liquiditätsinstrument zu nutzen.

Dazu gehören zum Beispiel Einzelhändler, die nicht an

Firmen-, sondern an Privatkunden liefern. Weinhändler Pallhuber

ist einer von ihnen. Mehr als 100.000 Forderungen an

Endkunden in der durchschnittlichen Höhe zwischen 120

und 250 Euro verkauft der Weinhändler jedes Jahr an seine

Factoring-Gesellschaft, die AML Leasing GmbH, ein Tochterunternehmen

der Vantargis AG in München.

Die Kleinteiligkeit der Rechnungsbeträge und die Tatsache,

dass die Schuldner Privatleute sind, macht die Forderungen

fürs klassische Factoring unbrauchbar. Denn schon aus Kostengründen

können die Anbieter die Bonität jedes einzelnen

Kunden nicht überprüfen. Jene Gesellschaften, die trotzdem

Forderungen von Privatkunden ankaufen, legen daher beson-

Was Factoring-Anbieter wissen wollen

Qualität der Forderungen: Bevor die Anbieter die Forderungen

aufkaufen, machen sie sich ein genaues Bild über deren Qualität.

Drohen hohe Reklamationsrisiken oder handelt es sich um

Teilzahlungen, winken sie ab. Sie schauen außerdem genau hin,

aus welchen Branchen die Forderungen stammen. Handelt es

sich um Branchen, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten

mit steigendem Ausfallrisiko befi nden, lassen sie schnell die

Hände davon. Derzeit gilt das vor allem für die Automobil- und

die Transportbranche sowie das Baugewerbe.

Zusammensetzung der Forderungen: Die Bereitschaft der Anbieter,

Forderungen aufzukaufen, steigt mit der Zahl der Abnehmer

des Unternehmens. Ist das Unternehmen dagegen nur von

wenigen Abnehmern abhängig, werden sie vorsichtiger.

Wirtschaftliche Lage des Unternehmens: Factoring eignet sich

meist nicht für Unternehmen, die Liquiditätsprobleme haben

oder denen die Insolvenz droht. Die Anbieter wollen daher vor

dem Vertragsabschluss betriebswirtschaftliche Auswertungen

(BWA) und/oder Jahresabschlüsse sehen. Unternehmen in

Schwierigkeiten müssen einen nachvollziehbaren und schlüssigen

Geschäftsplan vorlegen.

Konditionen und Preise: Je größer das Forderungsvolumen ist,

das ein Unternehmen verkaufen will, umso niedriger sind die

Kosten. Die Preisgestaltung orientiert sich aber immer an der

individuellen Situation des Unternehmens. Deshalb reicht die

Spanne von 0,3 Prozent bis drei Prozent des Forderungsvolumens.

44 ProFirma 02 2009

Foto: Crefo


„Die Finanzkrise spielt uns in die Karten.“

VOLKER BAUER, CREFO FACTORING SÜDWEST GMBH & CO.KG, AALEN

deren Wert auf eine penible Prüfung des Factoring-Nehmers.

Zwar wird der Bonitätsprüfung des Unternehmers mittlerweile

auch beim B-to-B (Business to Business)-Factoring

mehr Bedeutung zugemessen als vor zehn Jahren. Dennoch

gilt diese Regel in besonderem Maß für die Unternehmen mit

privaten Kunden. „Deren Buchhaltung muss sehr gut und das

Mahnwesen straff organisiert sein“, sagt Caruso von Comprendium,

wo man etwa ein Viertel des Factoring-Volumens

mit B-to-C-Geschäften macht. „Außerdem müssen die Firmen

ein funktionierendes Inkasso vorweisen.“ Teilweise verlangen

die Anbieter auch, dass Kreditversicherer im Boot sind, oder

sie kaufen nur Forderungen von Stammkunden an. „Der Unternehmer

muss mindestens eine positive Zahlungserfahrung

nachweisen können“, so Caruso. Zusätzlich sichern sich die

Factoring-Anbieter ab, indem sie eine detaillierte Forderungsanalyse

der letzten Jahre vornehmen, um den durchschnitt-

ProFirma 02 2009

lichen Ausfall zu ermitteln. Auf dieser Basis berechnen sie

einen Delkredere-Abschlag in mindestens dieser Höhe.

Der Aufwand der Risikoeinschätzung beim B-to-C-Factoring

ist damit natürlich höher als bei der klassischen Variante. Kein

Wunder, dass Unternehmer, die private Forderungen zu Geld

machen wollen, auch tiefer in die Tasche greifen müssen. Um

rund 20 Prozent höher sind die Kosten als im konventionellen

Factoring. Und da nur wenige Gesellschaften diese Variante

anbieten, haben Interessenten nicht sehr viel Verhandlungsspielraum.

Vielmehr dürfte es für sie in Zukunft eher noch

teurer werden. „Die gestiegenen Refi nanzierungskosten infolge

der Bankenkrise zwingen die Anbieter, ihre Preise zu erhöhen“,

sagt Alexander Moseschus.

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45


Finanzen & Steuern – Geldanlage

Rohstoff-Investments

Heißes Eisen

Über Jahre hinweg stiegen die Notierungen für Rohstoffe.

Doch im Sommer 2008 war die Party vorbei.

Wer die günstigen Preise zum Einstieg nutzen will, sollte

aber einige Lehren aus der Vergangenheit beherzigen.

VON MANFRED RIES UND PAUL LAUER

„Die Daten deuten auf eine globale Rezession

hin“, verkündete Hans-Werner

Sinn, Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts

Ifo, im November

2008 und sprach damit erstmalig aus,

was viele Börsianer schon lange ahnten,

sich aber nicht zu sagen getrauten: Die

Weltwirtschaft hat zu einem Sturzfl ug

angesetzt. Sechs Jahre lang schossen

die Rohstoffnotierungen nach oben,

angetrieben vom Wirtschaftsboom in

den Schwellenländern wie Indien oder

China. Wer als Anleger rechtzeitig

Rohstoffaktien, -fonds- oder Zertifi kate

gekauft hatte, konnte kräftig mitverdienen.

Im vergangenen Jahr war aber

schlagartig Schluss damit. Denn die

Angst vor der globalen Wirtschaftskrise

und die Sorge vor weltweiten Produktionsrückgängen

führten zu einem Crash

bei Öl, Kupfer & Co.

Rezession lastet

auf Rohstoffpreisen

„Die schlechten Konjunkturaussichten

haben die Nachfrage nach Rohstoffen

drastisch reduziert“, erklärt Nicolai

Tietze vom Bereich Global Markets

Equity der Deutschen Bank in Frankfurt.

Der CRB-Rohstoff-Index, der die

Notierungen von 19 Terminkursen auf

Rohstoffe abbildet, verlor allein im vergangenen

Oktober 24 Prozent an Wert;

es war der schlechteste Monat seit 52

Jahren. „Für Rohstoffi nvestoren war

das ein Albtraummonat“, räumt Eugen

Weinberg, Rohstoffanalyst bei der

Commerzbank, ein. Verstärkt wurde

der Preissturz auch durch die Finanzmarktkrise.

Denn Hedgefonds sahen

sich genötigt, Positionen zu verkaufen,

um liquide zu bleiben, und das drückte

die Preise zusätzlich. Damit war die

Schärfe der Kurskorrektur auch für die

besten Rohstoffanalysten nicht prognostizierbar.

Unter der Konjunkturfl aute litt im

Vorjahr Rohöl wie kaum ein ande-

rer Rohstoff. Der Preis für ein Barrel

(159-Liter-Fass) fi el im Jahr 2008 von

147 US-Dollar auf knapp 35 US-Dollar;

der Rohstoff gilt seit jeher als „Fieberthermometer“

für die Gesundheit der

Weltwirtschaft. Marktteilnehmer, die

darauf spekuliert hatten, dass die Opec

Ende November bei ihrem informellen

Treffen die Fördermenge kürzen würde,

wurden zusätzlich enttäuscht.

Unter den Industriemetallen gilt Kupfer

als besonders konjunkturabhängig.

In China fi el der Einkaufsmanagerindex

zum Jahresende auf ein Rekordtief.

„China ist der weltgrößte Verbraucher

der meisten Industriemetalle“, erklärt

Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg

den Zusammenhang. Ob das mehrere

Hundert Milliarden Dollar schwere

Konjunkturpaket eine Rezession verhindern

wird, ist jedoch fraglich. Ebenfalls

unter Druck stand der Preis für Nickel.

Aluminium litt im dritten Quartal

des Vorjahres unter den zunehmenden

Lagerbeständen der Londoner Metallbörse

(LME), die im November auf dem

höchsten Stand seit 14 Jahren lagen.

„Trotz der schwachen Konjunktur wird die Nachfrage

nach Rohstoffen nicht völlig wegbrechen.“

MICHAEL OTTO, DIREKTOR BERENBERG BANK, HAMBURG

46 ProFirma 02 2009

Foto: Berenberg; imago/Horst Rudel


Die größten Verlierer im Jahr 2008 Stand: 30.12.2008; Quelle: The Royal Bank of Scotland

Kurs

30.12.08 140,95 1.234,00 188,50 69,05 44,30 3.119,00 43,00 11.790,00 102,77 999,00

(in US-Dollar)

–10%

–20%

–30%

–40%

–50%

–60%

Wer da glaubt, Gold sei als Edelmetall ein

sicherer Hafen in stürmischen Zeiten,

musste sich 2008 eines Besseren belehren

lassen: Bei einem Wertverlust von

mehr als 34 Prozent geriet auch die „Krisenwährung“

in die Krise. „Wir führen

diese Anomalie auf die derzeitige Präferenz

der Finanzinvestoren zurück, statt

Gold lieber Liquidität in US-Dollar zu

halten“, sagt Eugen Weinberg. Die Korrektur

beim Goldpreis zwang schließlich

auch den Preis für Silber in die Knie.

„Bei Silber kommt erschwerend hinzu,

dass dieses, im Gegensatz zu Gold, eine

größere industrielle Verwendung hat

und damit rezessionsanfälliger ist“, fügt

ProFirma 02 2009

-47,0% -47,8%

Basiswert Heizöl Zink Palladium Orangensaft

-49,0% -51,8% -52,8% -53,3% -55,2% -55,3%

Rohöl Kupfer LME Leichtöl

(Sweet Crude)

US-Rohstoffanalyst Nick Sokolov vom

Branchendienst Commodity Stock Investor

hinzu.

In das trübe Bild passen schließlich auch

die fallenden Preise für Agrarrohstoffe.

Manfred Wolter von der Landesbank

Baden-Württemberg weist jedoch darauf

hin, dass Prognosen für Agrarrohstoffe

maßgeblich durch Nachrichten

über Ernteerträge beeinfl usst werden

und weniger durch die konjunkturelle

Entwicklung. Längerfristige Prognosen

erweisen sich dabei als schwierig.

Wolter nennt als Beispiel Zucker: Ende

vergangenen Jahres setzten in Indien

kräftige Regenfälle der Ernte zu – die

Nickel Benzin

(bleifrei)

-58,9% -60,4%

Zuckerpreise auf dem Terminmarkt

zogen sprunghaft an. Zu den weiteren

positiven Ausnahmen gehörten auch

Reis und Kakao.

Analysten schielen auf Gold

Blei

Der Crash bei den Rohstoffanlagen ist

natürlich aus Anlegersicht ein Anreiz,

das günstige Preisniveau zum Einstieg

zu nutzen. So sieht es auch Michael

Otto, Direktor der Berenberg Bank in

Hamburg: „Dass sich die Industrienationen

in der Rezession befi nden, ist

inzwischen sicher. Aber deshalb wird

die Nachfrage nach Rohstoffen nicht

47


Finanzen & Steuern – Geldanlage

völlig wegbrechen.“ Zu den aussichtsreichsten

Rohstoffen für 2009 zählt

nach Einschätzung vieler Analysten

Gold. „Mit Blick auf die niedrigen Zinsen

scheint das gelbe Metall als Infl ationsabsicherung

für einige Anleger schon

wieder interessant“, stellt Investmentbanker

Nicolai Tietze von der Deutschen

Bank fest. Auch Stefan Müller,

Fondsmanager beim Investmenthaus

Julius Bär und verantwortlich für den

neu aufgelegten „Physical Gold Fund“,

sieht das Edelmetall auf Erholungskurs.

Als Privatanleger tut man sich schwer,

eine Schiffsladung Weizen zu kaufen –

und dann erst die Lagerung ... Deshalb

hat die Finanzindustrie Produkte kreiert,

mit denen Kleinanleger am Auf und

Ab an den Rohstoffmärkten teilhaben

können. Dazu gehören Zertifi kate auf

Rohstoffe oder Rohstoffi ndizes, Investmentfonds,

die in Rohstoffe und Aktien

investieren, sowie Aktien von Minen-

oder Rohstoffunternehmen. Alle drei

Instrumente haben jedoch ihre Vor- und

Nachteile:

Zertifi kate: Sie bieten die Möglichkeit,

gezielt auf einzelne Produkte zu setzen.

Wer das Risiko streuen will, baut

mit einem Rohstoff-Basketzertifi kat auf

mehrere Rohstoffe gleichzeitig.

Aber Achtung: Zertifi kate genießen keinen

Insolvenzschutz und unterliegen

keiner Einlagensicherung. Bei einer Pleite

des Emittenten wird das Geld „vom

Winde verweht“ – siehe Beispiel Lehman

Brothers. Die Finanzkraft des Emittenten

ist damit bei der Zertifi kate-Auswahl zu

berücksichtigen.

Aktien: Der Kauf von Aktien eines Rohstoffunternehmens

ist naheliegend, gilt

aber als hochspekulativ und beinhaltet

nicht zuletzt auch politische und wirtschaftliche

Risiken, sofern das Unternehmen

oder eine Mine in einem exotischen

Land beheimatet ist. Außerdem

gelten derartige Aktien oft als markteng,

Rohstoffanlagen

Sein mittelfristiges Kursziel lautet: 900

bis 1.000 US-Dollar je Feinunze.

Interessant dürfte es Analysten zufolge

auch beim Rohöl werden. Denn neben

konjunkturellen Erwartungen fl ießt bei

dessen Preisfi ndung auch die geopolitische

Lage mit ein. So kam es seit Ende

2008 beim Ölpreis im Bereich um 40

US-Dollar zu einem kräftigen Preisanstieg

um mehr als 20 Prozent. „Sowohl

der Gasstreit zwischen Russland und

der Ukraine als auch der Konfl ikt im Nahen

Osten haben sich weiter verstärkt“,

was zu starken Kursausschlägen führen

kann. Eine Alternative sind Aktien von

namhaften Rohstoff-Firmen wie Thyssen-Krupp

oder Salzgitter (beide Stahl),

Norddeutsche Affi nerie (Kupfer), Südzucker

(Zucker), Klöckner (Stahl, Metalle)

oder die französische Total-Fina-Elf (Öl).

Zur Kursfantasie gesellt sich zusätzlich

noch der Genuss etwaiger Dividendenzahlungen.

Im Falle der Norddeutschen

Affi nerie kommen Anleger auf eine Dividendenrendite

von 5,4 Prozent, sofern

die bisherige Dividendenpolitik beibehalten

wird.

Investmentfonds: Eine breite Streuung

und damit geringere Risiken versprechen

Investmentfonds. Doch durch den

Rohstoff-Crash im Jahr 2008 kamen auch

sie nicht ungeschoren hindurch: Die Einjahres-Performance

reicht von minus 20

Prozent (Löwen Investment Fund – Commodities)

bis hin zu minus 74 Prozent

(Stabilitas Gold+Ressourcen Special Situations

P). Viele Rohstoff-Fonds wurden

erst in den Boomjahren 2003 bis 2007

aufgelegt. Damit ist eine längerfristige

Performance-Betrachtung kaum möglich.

Einer der Jüngsten auf dem Gebiet

ist der auf Goldinvestments fokussierte

„Julius Bär Physical Gold Fund“ (ISIN:

CH0044781174). Seit Oktober 2008 gibt

es von der holländischen Fondsgesellschaft

Robeco den „Agribusiness Equities

Fund“ (ISIN: LU0374106754). Er setzt auf

aussichtsreiche Agrarunternehmen.

erläutert Eugen Weinberg den Kursanstieg.

Für eine Überraschung auf dem

OPEC-Treffen Ende November sorgte

die Delegation aus Saudi-Arabien: Sie

bezeichneten einen Ölpreis von 75 US-

Dollar je Barrel als „fair“. Damit besteht

noch viel Kurspotenzial. Dagegen gelten

Metalle und Agrarprodukte als wesentlich

riskantere Anlagen.

Trotz des günstigen Preisniveaus warnt

Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer des

unabhängigen Finanzdienstleistungsinstituts

SJB Fonds-Skyline in Korschenbroich,

vor einem allzu schnellen Einstieg

bei Rohstoffanlagen: „Kurzfristig

ist angesichts der großen Unsicherheit

noch mit starken Kursschwankungen

zu rechnen.“ Anleger benötigten daher

jetzt eine Langfristperspektive und viel

Disziplin.

Das gilt gerade für diejenigen Anleger,

die den Ausstieg im vergangenen Jahr

verpasst haben und jetzt noch auf Positionen

sitzen, die sie nur mit Verlust

verkaufen könnten. Ihnen stehen drei

Optionen offen: Sie können mit Blick

auf eine Erholung der Rohstoffpreise

versuchen, die Verluste auszusitzen.

Die zweite Möglichkeit ist, ihre Positionen

mit Verlust zu verkaufen und sie im

Rahmen der Besteuerung der Kapitalerträge

mit Gewinnen zu verrechnen.

Und schließlich können sie das günstige

Kursniveau nutzen, um ihre Positionen

weiter aufzustocken. Allerdings

sollten sie dabei darauf achten, dass die

Rohstoffanlagen im Depot nicht übergewichtet

werden, warnt Gerd Bennewirtz.

Für Anleger, die jetzt einsteigen wollen,

empfi ehlt Bennewirtz einen Anteil der

Rohstoffanlagen am Gesamtdepot von

fünf bis zehn Prozent. Wegen der anhaltenden

Unsicherheiten sollten diese

Positionen aber nicht auf einen Schlag

aufgebaut werden: „Anleger gehen

sonst das Risiko ein, ins offene Messer

zu laufen“, erklärt Bennewirtz. Besser

sei ein Einstieg in mehreren Tranchen.

Gerade wenn die Kurse im Jahresverlauf

noch einmal stärker nachgeben, können

Anleger auf diese Weise ihren durchschnittlichen

Einstiegskurs verbilligen.

Rohstoffanlagen bleiben also auf jeden

Fall in diesem Jahr ein heißes Eisen.

48 ProFirma 02 2009


ProFirma 02 2009

Soll & Haben

Gabriel Hopmeier ist Certifi ed

Financial Planner (CFP) und Sachverständiger

für Anlageberatung

und Finanzplanung in Freiburg.

Info: www.hopmeier.de

Entzaubertes Steuersparmodell

„Gegenwärtig hat derjenige, der Steuern zahlt, das Gefühl, er

hätte die Steuerschuld mindern können, wenn er es besser

verstanden hätte, auf diesem total verstimmten Klavier des

Steuerrechts zu spielen.“ Dieser schöne Satz stammt von Paul

Kirchhof, dem ehemaligen Verfassungsrichter und ausgewiesenen

Steuerexperten. Zu den Branchen, die in Deutschland

traditionell von dieser Disharmonie des deutschen Steuerrechts

profi tieren, gehören die Anbieter von Lebens- und Rentenversicherungen.

So muss ein Versicherter seit dem Jahr

2005 nur auf die Hälfte des Wertzuwachses und des Kapitalertrags

25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen, vorausgesetzt, er

hat das 60. Lebensjahr überschritten und die Versicherung ist

mindestens zwölf Jahre alt.

Ob die Steuerersparnis wirklich etwas bringt, konnten Anleger

beim Abschluss einer Rentenpolice in der Vergangenheit

nicht genau erkennen. Seit Juli 2008 ist das anders. Denn die

deutschen Lebens- und Rentenversicherer müssen seither

ihre Kosten auf der Ebene der einzelnen Policen ausweisen.

Vor Abschluss eines Versicherungsvertrags kann jeder Kunde

jetzt sehen, wie stark seine Beiträge mit Kosten belastet sind.

Beim Vergleich einiger weniger Policen lassen sich schon Tendenzen

erkennen. Grundsätzlich fallen bei Versicherungen

Vertriebs-, Bestands-, Verwaltungs- und Risikokosten an, die

nun vergleichbar sind. Die Kosten der Vermögensverwaltung

werden zwar weiterhin verschwiegen. Aber der Käufer einer

Lebens- oder Rentenversicherung kann nun den Betrag, der in

den Vermögensaufbau fl ießt, isolieren und mit anderen Anlageprodukten

vergleichen. Er kann damit auch nachrechnen,

ob es nicht doch günstiger ist, auf den vollen Anlagebetrag

Abgeltungsteuer zu zahlen, anstatt die hohen Kosten der Versicherung

zu tragen.

Obwohl die Kostenmodelle teilweise stark voneinander abweichen,

wird ein Trend schnell deutlich: Klassische deutsche

Von Gabriel Hopmeier

Versicherungsverträge rechnen sich aufgrund der hohen Kosten

gegenüber laufend zu versteuernden, hochverzinslichen

Anlagen nicht. Lebens- und Rentenversicherungen sind nur

in ganz bestimmten Fällen interessant. So lohnt sich die Umschichtung

von Fondssparplänen in fondsgebundene Rentenversicherungen

nur für Sparer, die während der Ansparphase

der vollen Abgeltungsteuer unterliegen, bei Auszahlung jedoch

deutlich unter diesen Steuersatz fallen. Günstige fondsgebundene

Versicherungen rechnen sich auch für Sparer, die

aufgrund fehlender Zeit oder Kenntnisse sonst immer nur die

vollen Ausgabeaufschläge und Depotgebühren bei Alternativanlagen

zahlen. Besonders günstig fallen Versicherungen

aus, die nur Indexfonds anbieten. Hier sind in der Regel die

Vertriebskosten geringer, Bestandskosten entfallen und die

verschwiegenen Kosten der Vermögensverwaltung dürften

auch niedriger ausfallen.

Anleger, die während der Sparphase auch andere Ziele verfolgen,

zum Beispiel eine Immobilienfi nanzierung, oder den

Weg in die Selbstständigkeit planen, sollten die Finger von

solchen langfristigen Sparverträgen lassen. Denn in der Regel

wird ein hoher Eigenkapitaleinsatz bei geringer Verschuldung

und schneller Tilgung die bessere Form der privaten

Altersvorsorge sein. Bei solchen Anlässen werden zudem

drei Viertel aller lang laufenden Policen vorzeitig gekündigt.

Das ist dann doppelt schädlich, weil die Versicherungsverträge

aufgrund der hohen Anfangskosten oft 15 Jahre und

mehr brauchen, nur um die eingezahlten Beiträge wieder zu

erwirtschaften. „Die Steuerersparnis wird ja absorbiert von

denen, die diese Anlagemodelle empfehlen.“ Auch dieser

Satz von Professor Kirchhof trifft daher zu. Er appelliert an

den freien Bürger, Steuerentscheidungen mit dem Wahlzettel

und Anlageentscheidungen mit dem Taschenrechner zu

treffen.

Kolumne

49


Finanzen & Steuern

Steueränderungen 2009

Das ist inzwischen zu einer guten Tradition

geworden: Pünktlich zum Beginn

eines neuen Jahres wirft der Gesetzgeber

zahlreiche Spielregeln im Steuerrecht

über den Haufen. Auch in diesem

Jahr ist das nicht anders. Wer optimal in

sein Unternehmen investieren und von

bestimmten Änderungen profi tieren

will, sollte daher das Thema Steueränderungen

2009 zur Chefsache erklären.

ProFirma erläutert die wichtigsten

Neuerungen.

Degressive Abschreibung

Für betriebliche Investitionen im beweglichen

Anlagevermögen (Maschinen,

Fahrzeuge, Einrichtung) darf die Abschreibung

bei Anschaffungen in den

Jahren 2009 und 2010 wieder nach der

degressiven Abschreibung berechnet

werden. Die degressive Abschreibung

beträgt 25 Prozent, maximal jedoch

das Zweieinhalbfache des linearen Abschreibungssatzes.

Im Klartext bedeutet

das: Die degressive Abschreibung mit

25 Prozent lohnt sich nur bei Anlagegegenständen

mit einer Nutzungsdauer

von fünf oder mehr Jahren. Bei einer

Nutzungsdauer von mehr als zehn Jahren

kann der maximale Abschreibungssatz

von 25 Prozent jedoch nicht mehr

erreicht werden.

STEUERN

Neue Regeln und ein Comeback

Zum Jahresbeginn 2009 sind wieder zahlreiche Steueränderungen in Kraft getreten.

Firmenchefs können sich über die Rückkehr der degressiven Abschreibung freuen.

VON OTTFRIED WEISS

Investitionsabzugsbetrag

Bilanzierende Unternehmer:

Betriebsvermögen

Betriebe der Land- und

Forstwirtschaft: Wirtschaftswert

Unternehmer mit Einnahmen-Überschussrechner

nach § 4 Abs. 3 EStG

Beispiel 1: Einzelhändler Huber erwirbt

eine gebrauchte Maschine für 20.000

Euro mit einer Nutzungsdauer von vier

Jahren. Nach der linearen Abschreibung

dürfte er 5.000 Euro (20.000 Euro dividiert

durch vier Jahre) absetzen. Nach

der degressiven Abschreibung sind es

ebenfalls 5.000 Euro (20.000 Euro mal

25 Prozent).

Beispiel 2: Einzelhändler Huber erwirbt

eine Maschine für 200.000 Euro

mit einer Nutzungsdauer von 15 Jahren.

Der lineare Abschreibungssatz beträgt

danach 6,66 Prozent, der degressive

Abschreibungssatz 16,66 Prozent (6,66

Prozent mal 2,5).

Beispiel 3: Wird ein Anlagegegenstand

während des Jahres gekauft, beispielsweise

im Mai 2009, darf die ermittelte

Jahresabschreibung nur für acht Monate,

also mit 8/12 den Gewinn 2009

mindern.

ProFirma rät: Die degressive Abschreibung

ist auf alle beweglichen Anlage-

Wirtschaftsjahr 2008 Wirtschaftsjahre 2009 und 2010

maximal 235.000 Euro maximal 335.000 Euro

maximal 125.000 Euro maximal 175.000 Euro

maximal 100.000 Euro maximal 200.000 Euro

gegenstände anzuwenden, die nach

dem 31. Dezember 2008 angeschafft

wurden. Unter Anschaffung ist steuerrechtlich

die Verschaffung der Verfügungsmacht

zu verstehen. Wer also für

einen neuen Betriebs-Pkw bereits 2008

gezahlt hat und diesen erst im Januar

2009 geliefert bekommen hat, profi tiert

von der degressiven Abschreibung. Der

einmalige Wechsel von der degressiven

zur linearen Abschreibung ist zulässig.

Je nach Nutzungsdauer ergibt sich nämlich

nach einigen Jahren der degressiven

Abschreibung bei einem Wechsel zur linearen

Methode ein höherer Abschreibungsbetrag.

Investitionsabzugsbetrag

Um die Investitionsbereitschaft zu erhöhen,

wurden im ersten Konjunkturpaket

Spielregeln zum Investitionsabzugsbetrag

und zur Sonderabschreibung

geschaffen. Beim Investitionsabzugs-

50 ProFirma 02 2009


etrag kann ein Selbstständiger für

Investitionen, die in den kommenden

drei Jahren geplant sind, 40 Prozent der

voraussichtlichen Anschaffungskosten

vom Gewinn abziehen. Im Jahr der Investition

können Selbstständige zudem

eine 20-prozentige Sonderabschreibung

geltend machen. Diese beiden

Vergünstigungen können jedoch nur

in Anspruch genommen werden, wenn

bestimmte Kennziffern nicht überschritten

sind. In den Wirtschaftsjahren

2009 und 2010 wurden diese Ziffern angehoben

(siehe Tabelle auf Seite 50).

Weitere Änderungen

Kindergeld: Für das erste und zweite

Kind winken 164 Euro im Monat, für

das dritte Kind 170 Euro, für das vierte

und jedes weitere Kind 195 Euro. Bei

der Abgabe einer Steuererklärung prüft

das Finanzamt wie bisher, ob Eltern mit

dem Kindergeld oder mit den Freibeträgen

für Kinder günstiger fahren. Die

Freibeträge steigen von 5.808 Euro auf

6.000 Euro.

Handwerksleistungen: Wer im Privathaushalt

für Handwerksleistungen

zur Instandhaltung, Modernisierung

oder Renovierung zahlt, erhält vom Jahr

2009 an 20 Prozent der in der Rechnung

ausgewiesenen Arbeitsleistung (ohne

Materialkosten), höchstens 1.200 Euro

pro Jahr, auf seine Steuerschuld angerechnet.

Bisher durften nur 600 Euro

angerechnet werden. Voraussetzung ist

wie bei der bisherigen Regelung, dass

eine Rechnung über die abgerechneten

Leistungen vorliegt und dass nicht bar

bezahlt wird.

Haushaltsnahe Dienstleistungen:

Für haushaltsnahe Dienstleistungen

(selbstständiger Fensterputzer, Gebäudereiniger

oder Pfl egedienst) in Privathaushalten

gewährt das Finanzamt jetzt

eine Steueranrechnung von 20 Prozent

der abgerechneten Arbeitsleistung,

höchstens 4.000 Euro pro Jahr (bisher

maximal 1.200 Euro). Voraussetzung ist

wie bisher, dass eine Rechnung über die

abgerechneten Leistungen vorliegt und

dass nicht bar bezahlt wird.

Befreiung von der Kfz-Steuer: Bei

Neuwagenkäufen bis 30. Juni 2009 gilt

ProFirma 02 2009

eine einjährige Befreiung von der Kfz-

Steuer. Die Steuerbefreiung gilt für ein

Jahr. Erfüllt der Neuwagen die Abgasnormen

Euro 5 oder Euro 6, gilt die

Kfz-Steuerbefreiung sogar bis zu zwei

Jahren.

Neue Steuerregeln für Tagesmütter:

Mussten Tagesmütter bisher die vom

Jugendamt oder der Gemeinde bezahlten

Betreuungskosten für ein Kind nicht

versteuern, sind solche Einnahmen seit

dem 1. Januar 2009 voll steuerpfl ichtig.

Je Kind dürfen jedoch pauschal bis 300

Euro je Monat als Betriebsausgaben abgezogen

werden (bisher 246 Euro). Liegen

die Ausgaben für ein betreutes Kind

über dieser Pauschale, dürfen selbstverständlich

die höheren Ausgaben abgezogen

werden. In diesem Fall müssen

die Ausgaben jedoch einzeln nachgewiesen

werden.

Altersvorsorgeaufwendungen: Leisten

Selbstständige Beiträge in die gesetzliche

Rentenversicherung, in ein

berufsständisches Versorgungswerk,

in eine landwirtschaftliche Alterskasse

oder in einen sogenannten Rürup-

Vertrag, wirken sich davon nach den

Buchstaben des Gesetzes im Jahr 2009

grundsätzlich 68 Prozent der Beiträge

als Sonderausgaben Steuer mindernd

aus. Die tatsächlich abziehbaren Altersvorsorgeaufwendungen

sind jedoch auf

13.600 Euro/27.200 Euro (ledig/verheiratet)

begrenzt.

Gehaltsextras: Für zusätzlich zum

Arbeitslohn gezahlte Leistungen zur

Gesundheitsförderung gibt es einen

neuen Steuerfreibetrag von 500 Euro –

und das rückwirkend bereits für 2008.

Mitgliedsbeiträge an Sportvereine, die

der Unternehmenschef seinen Mitarbeitern

spendiert, rechnen nicht zu den

steuerlich begünstigten Zuwendungen.

Dagegen bleiben Zuwendungen zur

Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands

in Höhe von 500 Euro im

Jahr steuer- und abgabenfrei. Die geplante

Regelung soll für folgende Maßnahmen

gelten:

> Kurse zur Raucherentwöhnung

> Kurse zur Gewichtsreduzierung

> Kurse zur Kräftigung der Rückenmuskulatur

> Kurse zur Stressbewältigung

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Finanzen & Steuern – Steuertipp

Pendlerpauschale

Zur Kasse bitte, Herr Steinbrück!

Nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Selbstständige profi tieren vom Urteil

des Bundesverfassungsgerichts zur Pendlerpauschale. VON OTTFRIED WEISS

20 Millionen Pendler können nach den

Urteilen des Bundesverfassungsgerichts

vom 9. Dezember 2008 (Az. 2 BvL 1/07)

jubeln und besitzen insbesondere für

das Steuerjahr 2007 eine Geld-zurück-

Garantie. Nach dem Urteil dürfen sowohl

Arbeitnehmer als auch Selbstständige

dem Finanzamt wieder vom ersten

Entfernungskilometer an Werbungs-

Kosten oder Betriebsausgaben präsentieren.

Selbstständige müssen jedoch

von sich aus aktiv werden, um für das

Steuerjahr 2007 zu viel bezahlte Steuern

erstattet zu bekommen.

Antrag für 2007 stellen

Bei Firmeninhabern, die ihren Betrieb

als Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft

führen, hatte die Entfernungspauschale

für Fahrten zwischen

Wohnung und Betrieb ab dem 21. Entfernungskilometer

zur Folge, dass höhere,

nichtabziehbare Betriebsausgaben

anfi elen.

Beispiel: Unternehmer Heinz Wohlgemut

ermittelte 2007 für die Fahrten zwischen

Wohnung und Betrieb mit seinem

Betriebs-Pkw 4.000 Euro Ausgaben. Da

die Entfernungspauschale bei einer einfachen

Entfernung von 40 Kilometer bei

230 Tagen nur 1.380 Euro betrug (230

Tage mal 20 Kilometer mal 0,30 Euro),

musste er seinen Gewinn 2007 um

2.620 Euro erhöhen (4.000 Euro minus

1.380 Euro). Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts

darf nun jedoch

rückwirkend eine Entfernungspauschale

von 2.760 Euro abgezogen werden.

Die nichtabziehbaren Betriebsausgaben

betragen nur noch 1.240 Euro, und der

Gewinn 2007 mindert sich.

ProFirma rät: Da die Finanzämter nur

bei Arbeitnehmern die Steuerbescheide

2007 aufgrund der Eintragungen in der

Anlage N automatisch ändern, müssen

Selbstständige – egal, ob Einnahmen-

Überschussrechner oder Bilanzierer

– einen gesonderten Antrag beim Finanzamt

auf Gewährung der höheren

Entfernungspauschale stellen.

Firmenwagen für Mitarbeiter

Eine Pauschalversteuerung der Fahrtkostenzuschüsse

des Arbeitgebers und

des zu versteuernden geldwerten Vorteils

war im Rahmen der 20-Kilometer-Zone

seit dem 1. Januar 2007 nicht

mehr möglich. Bei einer nachträglichen

Pauschalierung aufgrund des Urteils des

Bundesverfassungsgerichts muss Folgendes

beachtet werden:

Jahr 2008: Für den Lohnzahlungszeitraum

2008 kann für Zuschüsse und

den geldwerten Vorteil rückwirkend

die Pauschalversteuerung beantragt

werden. Wird gemäß Paragraf 40 Abs.

2 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes

pauschal mit 15 Prozent versteuert, fallen

auch keine Sozialversicherungsbeiträge

an. Eine Korrektur zur Pauschalversteuerung

bringt also nicht nur eine

Steuerersparnis, sondern auch Rückzahlungen

zu viel gezahlter Sozialversicherungsbeiträge.

Jahr 2009: Vom 1. Januar 2009 an kann

ebenfalls wieder von der Pauschalver-

steuerung von 15 Prozent profi tiert

werden, bei der auch keine Sozialversicherungsbeiträge

anfallen.

ProFirma rät: Für das Jahr 2007 kann die

Lohnsteuerbescheinigung nicht mehr

geändert werden. Aus diesem Grund

muss der Arbeitgeber eine Anlage zur

Lohnsteuerbescheinigung erstellen,

in der die Pauschalierung auch für die

ersten 20 Entfernungskilometer enthalten

ist. Diese Bescheinigung muss

der Arbeitnehmer seinem Finanzamt

vorlegen. Die günstigere Besteuerung

wird dann im Rahmen eines geänderten

Steuerbescheids für 2007 berechnet.

(BMF, Schreiben v. 30.12.2008, Az. IV C

5 – S 2351/08/10005).

Weitere Details

Kindergeld: Hat das Finanzamt für ein

volljähriges Kind das Kindergeld versagt,

weil die Einkünfte und Bezüge des

Kindes mehr als 7.680 Euro betrugen,

kann die höhere Entfernungspauschale

das Zünglein an der Waage sein. Wird

die Höchstgrenze durch die uneingeschränkte

Entfernungspauschale unterschritten,

muss ein Antrag bei der Familienkasse

gestellt werden.

Arbeitnehmer Wer im Jahr 2007 Einkünfte

aus nichtselbstständiger Arbeit

bezog und im Vertrauen auf die damalige

Rechtslage keine Werbungskosten

für Fahrten zwischen Wohnung und

Arbeitsstätte in der Anlage N erklärte,

kann die Entfernungspauschale rückwirkend

beantragen. Das Finanzamt

ändert dann den Steuerbescheid.

52 ProFirma 02 2009


Foto: Ecovis

Die Verbände reagierten verschnupft:

„Das ist ein utopischer Wert“, erklärte

Ludwig Georg Braun, Präsident des

Deutschen Industrie- und Handelskammertags

in Berlin. Gemeint war damit

der neue Kapitalisierungsfaktor, der

im Rahmen des vereinfachten Ertragswertverfahrens

zur Bewertung von Betriebsvermögen

bei der Erbschaftsteuer

zukünftig angewendet werden soll.

Nachdem das Finanzministerium den

Selbstständige haben bei der Umsatzsteuer

nach Paragraf 46 Umsatzsteuer-

Durchführungsverordnung das Recht,

einen einmonatigen Aufschub zur Abgabe

der Steuervoranmeldungen und

der Steuerzahlung zu beantragen. Bei

vierteljährlicher Abgabe müssen Voranmeldung

und Zahlung dann beispielsweise

nicht mehr am 10. April 2009

erledigt werden, sondern erst am 10.

Mai 2009. Wer monatlich zur Abgabe

ProFirma 02 2009

STEUERTRENDS

Erbschaftsteuer

Unmut über hohen Kapitalisierungsfaktor

Bernd Sacher rät Unternehmen, alternative

Bewertungsverfahren zu prüfen.

Basiszinsatz auf 3,61 Prozent festgesetzt

hat, liegt der Wert bei 12,33.

„Dieser Vervielfältiger führt zu deutlich

überhöhten Wertansätzen“, bestätigt

Bernd Sacher, Steuerberater bei der

Steuer- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Ecovis. Bei Verkäufen von

Betrieben oder Beteiligungen würden

diese Werte bei sechs bis acht liegen.

Erschwerend komme hinzu, dass die

gute Ertragslage der vergangenen Jahre

die Werte trotz ungünstiger Aussichten

weiter in die Höhe treiben dürften.

Sacher empfi ehlt daher, dass Unternehmer

bei der Anwendung des vereinfachten

Ertragswertverfahrens gegenüber

dem Finanzamt darauf dringen sollten,

dass auf möglicherweise schlechte Ergebnisse

der Jahre 2008 und 2009 abgehoben

werden sollte. Alternativ sollten

die Firmen branchentypische Bewertungsverfahren

heranziehen. Vorteil:

Die Bewertung dürfte niedriger ausfallen.

Nachteil: Es entstehen zusätzlicher

Verwaltungsaufwand sowie Steuerberater-

und Gutachterkosten in einem

erheblichen Umfang.

Umsatzsteuervoranmeldungen

Jetzt Antrag auf Dauerfristverlängerung stellen

einer Voranmeldung verpfl ichtet ist,

muss eine Sondervorauszahlung leisten.

Selbstständige mit Quartalsabgabe müssen

dagegen keinen Cent vorausbezahlen.

Für sie bedeutet die Dauerfristverlängerung

eine echte Steuerstundung.

Der Antrag ist bei monatlicher Abgabeverpfl

ichtung über das Elster-Programm

(www.elster.de) bis 10. Februar 2009 zu

stellen, bei Quartalsabgabe spätestens

bis 10. April 2009.

Steuer-Tipps

ABGABEFRIST

Unternehmer, die ihre Steuererklärung

von einem Steuerberater anfertigen

lassen, erhalten für die Abgabe der

Erklärungen 2008 automatisch eine

Fristverlängerung bis 31. Dezember

2009, auf Antrag sogar bis 31. März

2010.

LOHNSTEUERBESCHEINIGUNG

Da noch nicht alle Lohnsteuerkarten

für das Jahr 2009 die Identifi kationsnummer

enthalten, ist für die Übermittlung

der Lohnsteuerbescheinigungen

ans Finanzamt weiterhin die

E-TIN zu verwenden.

AUSLANDSREISE

Unternimmt ein Selbstständiger aus

geschäftlichen Gründen eine Auslandsreise,

kann er je nach Reiseland

pauschale Verpfl egungsmehraufwendungen

als Betriebsausgaben geltend

machen. Diese Pauschalen wurden

zum 1. Januar 2009 erhöht (BMF,

Schreiben vom 9. November 2008, Az.

IV C 5 – S 2353/08/10006).

JUBILÄUM

Bilanzierende Unternehmen dürfen für

ein Dienstjubiläum gewinnmindernde

Rückstellungen bilden. Voraussetzungen

hierfür sind jedoch, dass das

Dienstverhältnis zehn Jahre bestanden

hat und für die Jubiläumszuwendungen

ein Dienstverhältnis von 15

Jahren vereinbart ist. Zudem muss die

Zusage zu einer Zuwendung schriftlich

erteilt werden. Für die Bewertung ist

ein Pauschalverfahren zulässig (BMF,

Schreiben vom 8. Dezember 2008, Az.

IV C 6 – S 2137/07/10002).

53


IT & Investition – Flottenmanagement

Carsharing

Geteiltes Auto, vielfacher Nutzen

Das private Fahrzeug ist meistens ein Stehzeug. Durchschnittlich 23 Stunden am Tag

parken die Autos. Auch Dienstwagen werden nicht viel häufi ger bewegt – aus ökono-

mischer Sicht eine schlechte Ausnutzung der Betriebsmittel. VON BERNWARD JANZING

Auch wenn ein Wagen mehr steht als fährt, haben Unternehmen

kaum eine Chance, auf Autos zu verzichten. Was also

tun? Eine Option ist das Carsharing. Privatpersonen nutzen

diese Dienstleistung schon seit Jahren. Tendenz: steigend.

Langsam erreicht das Modell, bei dem ein Unternehmen einen

Fahrzeugpool unterhält, auf den gemeinschaftlich organisierte

Teilnehmer zurückgreifen können, auch die Betriebe. Der

Bundesverband CarSharing (bcs) hat ermittelt, dass der Anteil

der Kunden aus dem gewerblichen Sektor inzwischen bei 23

Prozent liegt. „Wir sehen die Entwicklung, dass viele Gewerbetreibende,

die ihren eigenen Fuhrpark nur unzureichend

auslasten, stundenweise auf Fahrzeuge durch Carsharing zugreifen“,

sagt Willi Loose, Geschäftsführer des bcs.

„Wir nutzen die Liquidität fürs

Unternehmen, nicht für Firmenwagen.“

BERND MICHAEL WOLF, SOLVING 3D, GARBSEN

Auch ein Blick in die Nutzerstatistik des Bremer Carsharing-

Verbunds Cambio zeigt das Interesse der Gewerbetreibenden:

1.166 Firmen seien aktuell registriert, heißt es bei dem Unternehmen,

das mit 350 Fahrzeugen an 100 Stationen in Aachen,

Bremen, Bremerhaven, Bielefeld, Hamburg, Köln, Oldenburg

und Saarbrücken zu den größten Carsharing-Anbietern in

Deutschland zählt. Unter den Nutzern seien auch bereits 97

Firmen mit jeweils mehr als zehn Fahrberechtigten. Eine Firma

kann theoretisch beliebig viele Nutzer anmelden, muss

diese aber jeweils einzeln benennen.

In der Anfangszeit des Carsharings zögerten die Unternehmen

häufi g, weil sie erst sicher sein wollten, bei den Carsharing-

Anbietern auch immer zum gewünschten Zeitpunkt über ein

Fahrzeug verfügen zu können. Inzwischen beweist die Praxis

längst, dass das Prinzip Carsharing die Planungssicherheit bietet,

die für Firmen unverzichtbar ist.

„Überaus zufrieden“ sei er, sagt Uwe Staade, dessen Tischlerei

„Form 21“ in Hannover neben einem eigenen Geschäftswagen

regelmäßig Gemeinschaftsautos nutzt. Die große Vielfalt

der Fahrzeuge ist für seinen Betrieb von enormem Vorteil. Im

Pool der Carsharer gibt es Kleinwagen, Kombis, Transporter

und auch Autos mit Anhängerkupplung zu mieten – „man

bucht eben immer den Typ, den man gerade braucht“.

Vielfalt von Vorteil

Flexibilität ist auch für Bianca Böhnlein von der Sprachschule

Berlitz in Freiburg wichtig. „Wir nutzen die Fahrzeuge je

nach Auftragslage. Wir haben also keine Fixkosten, wie sie

bei einem eigenen Fuhrpark entstehen.“ Da die Sprachschule

für Firmen in der gesamten Region arbeitet und auch die

freiberufl ichen und angestellten Lehrer aus der Region kommen,

können sich die Mitarbeiter die Fahrzeuge auch am jeweils

nächstliegenden Standort buchen – sie müssen also den

Dienstwagen nicht am Firmensitz abholen, wenn sie wegen

eines Termins auswärts im Einsatz sind.

Auch für Bernd Michael Wolf von der Solving3D in Garbsen,

einem jungen Unternehmen, das optische Messsysteme entwickelt,

erwies sich das Carsharing als optimale Lösung: „Wir

konnten unsere Liquidität für das Unternehmen nutzen und

mussten sie nicht für Firmenwagen binden.“ Auch Wolf lobt

die Vielfalt der Fahrzeuge und die gute Verfügbarkeit.

Thomas Kehr vom Fahrradkurier Rapido in Köln hebt unterdessen

lobend hervor, dass er mit der Wartung der Fahrzeuge

nichts zu tun habe. Reifenwechsel, TÜV-Termine, Routineinspektionen

– alles übernimmt der Anbieter. Und billiger als

mit dem eigenen Auto sei die Mobilität für ihn auch. Er muss

es wissen, er ist seit 17 Jahren dabei, also so etwas wie ein Car-

cambio

sharing-Pionier in Deutschland. Foto:

54 ProFirma 02 2009


ProFirma 02 2009

Wo viele Nutzer in der Umgebung

wohnen, richten die Carsharing-

Anbieter Abholstationen ein.

20 Automodelle abrufbereit

Martina Buchhalter von der Kölner Kochschule Biogourmetclub

verweist neben den bereits genannten Vorteilen außerdem

darauf, dass sie auch die Kosten der Garage einspare. Die

gewünschten Fahrzeuge habe sie bisher immer bekommen.

In einer Entfernung von gerade einmal zwei Minuten Fußweg

stehen ihr mehr als 20 unterschiedliche Automodelle zur Verfügung.

Die Erfahrungen der Unternehmer zeigen, dass das Geschäft

des Carsharings inzwischen professionell abgewickelt wird.

Die anfänglichen Projekte, die oft von Bürgern zur Selbsthilfe

mit zugleich ökologischen Ambitionen gegründet wurden,

sind längst zu erfolgreichen mittelständischen Dienstleistern

geworden.

Rund um die Uhr lassen sich die Fahrzeuge heute telefonisch

in einer Zentrale oder auch im Internet buchen. Eine Chipkarte

und ein bei der Buchung übermittelter Code erlauben

dann den Zugang zum Fahrzeug, dessen Standorte in einem

Handbuch dokumentiert sind. Und immer besser klappt auch

die sogenannte Quernutzung: Wer Kunde eines örtlichen Anbieters

ist, kann häufi g auch in anderen Städten Fahrzeuge

buchen.

Die Autos sind in der Regel dezentral und bedarfsgerecht

stationiert. Das heißt, sie stehen jeweils dort, wo sie von den

Kunden benötigt werden. Der Verband weist explizit darauf

hin, dass bei regelmäßiger Buchung durch ein Unternehmen

Fahrzeuge auch auf dem Gelände der Firma stationiert werden

können. Voraussetzung ist immer, dass der Standort eine

ausreichende Nutzung bringt, um das Fahrzeug wirtschaftlich

betreiben zu können.

Auslastung verbessert

Firmen können das Auto sogar regelmäßig für einen bestimmten

Zeitraum reservieren. Der Fachbegriff unter den

Autoteilern: Blockbuchung. Damit steht das Fahrzeug ganz

nach individuellem Wunsch zu bestimmten Zeiten am Tag

oder in der Woche ausschließlich für die betreffende Firma

zur Verfügung. Wer also regelmäßig wiederkehrende Kundentermine

hat, kann sich das Auto entsprechend langfristig

sichern. Zu allen anderen Zeiten können die Fahrzeuge dann

von anderen Nutzern gebucht werden.

Der Bundesverband CarSharing verweist außerdem darauf,

dass Carsharing dem Nutzer „eine fahrtengenaue Abrechnung

mit Aufl istung der verursachenden Kostenstelle oder

Abteilung“ ermöglicht. Zudem haben die meisten Anbieter

inzwischen spezielle Firmentarife eingeführt, die auf die

55


IT & Investition – Flottenmanagement

Bedürfnisse von Firmenkunden zugeschnitten sind. Und

einige Anbieter bieten heute Fahrzeuge, die sich gut als Firmenwagen

eignen, also neben dem reinen Nutzwert auch für

Repräsentationszwecke geeignet sind.

Geschäftskunden sind bei den Anbietern übrigens gerne gesehen,

weil sich deren Nutzungszeiten mit jenen der Privatmitglieder

perfekt ergänzen: Private Autofahrer buchen die

Fahrzeuge am häufi gsten an den Wochenenden oder abends,

Firmen und öffentliche Einrichtungen jedoch üblicherweise

während der Bürozeiten. So verbessert die Kombination die

Auslastung der Fahrzeuge.

Wer ein Gemeinschaftsfahrzeug anstelle eines eigenen Dienstwagens

nutzt, kommt – bei nur gelegentlichem Einsatz – stets

günstiger weg. Denn anders als beim eigenen Auto sind beim

Carsharing die Fixkosten – oft nur wenige Euro Mitgliedsbeitrag

pro Monat – kaum der Rede wert. Abgerechnet wird

nur ein Kilometerpreis sowie ein Stundentarif. Hinzu kommt

die Zeitersparnis, da die Anbieter die Wartung der Fahrzeuge

erledigen. Diesen Vorteil erkennen zum Beispiel Stadtverwaltungen

und soziale Einrichtungen immer häufi ger. Sie

tauchen immer öfter in den Mitgliederlisten der Carsharing-

Anbieter auf.

Die Privatkunden jedoch waren die Vorreiter. Sie brachten

die neue Dienstleistung überhaupt erst auf den Weg; in den

frühen 90er-Jahren ging es in vielen Städten los. Die Firmen

wurden immer professioneller, sodass in jüngster Zeit das

Carsharing bundesweit einen Boom erlebt.

Gemessen am Potenzial sind die Zahlen allerdings noch immer

bescheiden. Im Jahr 2007 wuchs die Zahl der Nutzer von

Gemeinschaftsfahrzeugen in Deutschland um gut 22 Prozent

auf 116.000 zum Jahresende 2007. Auch die Anzahl der bereitstehenden

Fahrzeuge stieg entsprechend, von 2.900 Anfang

2007 auf 3.200 zum Jahresanfang 2008. Damit kommen

auf jedes Fahrzeug im Durchschnitt 36 Autofahrer.

Trotz des inzwischen deutlichen Wachstums der selbstorganisierten

Autovermieter ist noch immer erst ein Bruchteil des

Markts erschlossen, wie ein Vergleich mit der Schweiz zeigt.

Die Autofl otte in Reih‘ und

Glied: In vielen Fällen ist das

Fahr- eigentlich ein Stehzeug.

Dort nämlich nutzen bereits rund 80.000 Menschen Gemeinschaftsfahrzeuge;

gemessen an der Bevölkerungszahl ist Carsharing

bei den Eidgenossen folglich achtmal so populär.

Das größte Hemmnis für das Autoteilen in Deutschland ist aus

Sicht von Professor Heiner Monheim, Verkehrswissenschaftler

an der Universität Trier, die Gesetzgebung: „Carsharing

muss endlich einen taxiähnlichen Status bekommen“, sagt er.

Bislang müssten sich die Fahrzeuge noch „in den Hinterhöfen

verstecken“, weil es kein Gesetz gibt, das die Ausweisung

öffentlicher Stellplätze für Carsharing-Fahrzeuge vorsieht. In

dem Stil, wie es heute spezielle Taxistellplätze gibt, müsse es

Plätze für Gemeinschaftsautos geben. Ein entsprechender Gesetzentwurf

liegt zwar schon seit 2007 vor, doch die Novelle

kommt nicht voran.

Gesetz kommt nicht voran

Dass trotz fehlender Unterstützung durch den Gesetzgeber

das Carsharing immer beliebter wird, hat mehrere Gründe.

„Die Branche wurde in den letzten Jahren deutlich professionalisiert“,

sagt Verkehrswissenschaftler Monheim. Hinzu

komme, dass immer mehr Autofahrer, die „ihr eigenes

Fahrzeug nur noch aus Gedankenlosigkeit besitzen“, das

Carsharing inzwischen als vollwertige Mobilitätsalternative

begriffen. Getrieben werde dieser Trend durch engere Haushaltsbudgets:

Der Unterhalt eines eigenen Autos ist in der Regel

teurer als eine Monatskarte des öffentlichen Nahverkehrs

und die gelegentliche Buchung eines Carsharing-Fahrzeugs. Je

nach Berechnungsweise liegt die Schwelle bei 6.000 bis 10.000

Kilometern jährlich – wer weniger fährt, kommt mit dem Gemeinschaftsauto

billiger weg.

Doch nicht nur die Nutzer profi tieren durch preisgünstigere

Mobilität, auch für das Klima und für die Städte bringen die

Gemeinschaftsautos Vorteile. Dem Klima kommt Carsharing

zugute, weil die Nutzer der Gemeinschaftsautos in der Regel

zugleich die öffentlichen Verkehrsmittel intensiv nutzen: Erhebungen

in Freiburg haben schon vor einigen Jahren ergeben,

dass 73 Prozent der Carsharing-Mitglieder eine Bahncard

besitzen und 54 Prozent eine Monatskarte des Nahverkehrs.

Die Städte profi tieren, weil der Bedarf an Stellplätzen reduziert

wird.

Sowohl geschäftlich wie privat ist das Gemeinschaftsfahrzeug

jedoch nicht immer das einzige Auto. Der Anbieter Freiburger

Autogemeinschaft hat vor einigen Jahren seine Kunden zu diesem

Thema befragt. Das Ergebnis: In Südbaden nutzte schon

damals jedes sechste Mitglied die Carsharing-Fahrzeuge als

pixelio –

Ergänzung zum eigenen Wagen. Die erwähnten Vorteile für

max

Nutzer und Umwelt sind damit jedoch die gleichen – sofern

mad

auf diese Weise der Zweitwagen abgeschafft werden kann. Foto:

56 ProFirma 02 2009


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IT & Investition – Benutzeroberfl ächen

Mehr Bedienerfreundlichkeit

Weniger Playmobil für die Nutzer

Menüstrukturen, die hierarchisch angeordnet sind, halten sich hartnäckig auf den

Benutzeroberfl ächen zahlreicher Programme. Die Idee, den Nutzer intuitiv durch die

Software zu führen, wird sich aber durchsetzen. VON DR. MANFRED BUCHNER

„Versuchen Sie doch mal das Auffi nden

einer Funktion einem Freund am Telefon

zu erklären. Sie werden vermutlich

scheitern.“ Der Kommentar eines Bloggers

zum neu strukturierten Microsoft

Offi ce 2007 auf den Internet-Seiten von

Amazon trifft auf viele Computerprogramme

zu.

Der Frust über Software ist weitverbreitet.

Sogar Bill Gates verzweifelte

schon mal am eigenen Produkt - wie

eine E-Mail aus dem Jahr 2003 an den

damaligen Windows-Chefs Jim Allchin

zeigte. Der Microsoft-Gründer versuchte

das Windows-Videoprogramm

Moviemaker herunterzuladen. Nach

über einer Stunde gab er auf, es gelang

einfach nicht, die Anweisungen der Programmmacher

waren zu konfus. Nachher

stellte sich heraus, dass die Eingabe

nicht „moviemaker“, sondern „movie

maker“ heißen musste!

Wie wichtig eine gut gemachte Benutzeroberfl

äche ist, belegt eine Umfrage

des Marktforschungsinstituts Forrester

Research. Danach ist die Benutzerfreundlichkeit

der ausschlaggebende

Faktor für den Neukauf einer Software.

Die befragten 230 IT-Leiter erhoffen

sich davon eine höhere Produktivität

bei den Anwendern, eine niedrigere

Fehlerquote bei der Bedienung und geringere

Support-Kosten.

Doch wie hat eine benutzerfreundliche

Software auszusehen? Punkt für Punkt

ist das in den Normen DIN EN ISO 9241

beschrieben. Danach ist die sogenannte

Gebrauchstauglichkeit – Fachleute sprechen

von „Usability“ – ein Mix aus Effektivität,

Effi zienz und Zufriedenheit.

Anforderungen wie Aufgabenangemessenheit,

Selbstbeschreibungsfähigkeit,

Steuerbarkeit, Fehlertoleranz sind dazu

festgelegt.

In der Praxis werden diese Vorgaben

allerdings höchst unterschiedlich erfüllt.

Häufi g kritisieren Anwender zum

Beispiel die Überfülle an Funktionen. So

bietet SAP in seiner ERP-Software rund

16.000 Funktionen, die natürlich kaum

ein Kunde alle nutzen wird. Dennoch

ist die Verfügbarkeit auch von ausgefallenen

Programmhilfen in manchen Fällen

eine echte Arbeitserleichterung. Für

Ulrich Kreichgauer, bei SAP für User

Productivity zuständig, ist deshalb die

Anpassung der Oberfl äche an die Anforderungen

des Nutzers sehr wichtig.

Das Freiburger Software-Haus Lexware

hat jetzt einen großen Schritt in

diese Richtung unternommen. Statt

die Menüs mit unübersichtlich vielen

Funktionen vollzupacken, wurden die

Startseiten der Finanz- und Steuerprogramme

auf wenige Elemente reduziert.

Im Mittelpunkt stehen die wichtigsten

Für jedes Arbeitsfeld zeigen Lexware-Programme die Aktivitäten nach Kernprozessen.

58 ProFirma 02 2009


Aktivitäten in einem Einsatzbereich.

So bietet beispielsweise das Programm

Lexware buchhalter 2009 Funktionen

wie „Kontoauszug verbuchen“ und

„Kontenplan bearbeiten“ zur Auswahl

an. Wer das entsprechende Symbol

anklickt, bekommt die nötigen Einzelschritte

angezeigt, kann sofort mit der

Arbeit loslegen und muss nicht erst passende

Funktions-Buttons suchen.

Professor Dr. Frank Heidmann von der

Fachhochschule Potsdam, Spezialist

für Usability Engineering und Human-

Computer Interaction, fi ndet es ohnehin

verblüffend, wie hartnäckig sich noch

immer nach dem Hierarchieprinzip

geordnete Ordner, Fenster oder Baumstrukturen

auf den PC-Bildschirmen

halten. Damit eine neue Software-Oberfl

äche nicht nur hübscher aussieht, sondern

auch die tägliche Arbeit erleichtert,

konzentrieren sich die aktuellen Trends

vor allem auf folgende Punkte:

> Anzeige des Workfl ows

> Funktionsauswahl nach Rolle des

Anwenders

> Unterstützung beim Navigieren im

Programm

> Hilfe nach Kontext des Nutzers

> Automatische Reporting-Funktionen

mit Auswertung von aktuellen

Geschäftsdaten

> Suchfunktionen mit Internet-

Verbindung zum Software-Anbieter

ProFirma 02 2009

Allerdings ist der traditionelle Programmaufbau

nicht einfach zu überwinden.

Dazu sind aufwendige Software-

Tests nötig. Lexware hat für den Ausbau

der Software-Ergonomie 30 Programmnutzer

befragt und die Ergebnisse durch

Umfragen bei mehr als 200.000 Anwendern

gecheckt. Die neue Richtung

beschreibt Claudius Wissler, Leiter Visual

Product Design bei Lexware: „Wir

achten auf vier Eigenschaften: Einfach,

attraktiv, effi zient und intelligent soll die

neue Benutzeroberfl äche sein.“

Flache Hierarchieebenen

Um diese Anforderungen in die Praxis

umzusetzen, wurden die Punkte in Arbeitsgesprächen

mit Testanwendern

präzisiert und in Einzelanforderungen

aufgesplittet. Einfach bedeutet danach

zum Beispiel überfl üssige Navigation

vermeiden, nicht notwendige Funktionen

weglassen und fl ache Hierarchieebenen

bei den Funktionen. Attraktiv ist

eine Software-Benutzeroberfl äche nach

Ansicht der Anwender, wenn sie zeitgemäß

erscheint, die Funktionen spannend

umsetzt und funktionale Effekte

eingebaut sind. Dabei sollte man Effekthascherei

und unnütze Spielereien

vermeiden. „Weniger Playmobil“ lautet

hier die Forderung. Effi zienz ist für eine

Geschäfts-Software besonders wichtig.

Per Mausklick wird das Arbeitsfeld Stapelbuchen in weitere Arbeitsschritte aufgeteilt.

Beim neuen Lexware-Programmdesign

heißt das vor allem prozessorientierte

Arbeitsweise, klare Ausrichtung auf die

Kernfunktionalität, konsistentes Wording

(= gleiche Bezeichnungen) und

eine festgelegte Aktivitätenfolge beim

Arbeitseinsatz. Auf diese Weise sind

Anwender nicht mit dem kompletten

Programm konfrontiert, sie entdecken

die Software häppchenweise. Als intelligent

gilt eine Software, wenn sie abhängig

vom Arbeitsschritt weiterhilft. Etwa

mit der Mouse-Over-Funktionalität, bei

der beim Übergleiten eines Feldes per

Maus schriftliche Hinweise am Bildschirm

auftauchen.

Fachleute sprechen in diesem Fall von

kontextsensitiver Unterstützung. Sie

erfolgt genau an der entsprechenden

Stelle durch Infos und Hinweise auf

den Support. Über eine Aktionsleiste

können die Anwender die gewünschte

Hilfe auch selbst aufrufen. Dazu gehören

E-Learning-Sequenzen, Video-

Trailer oder Online-Support. Bestimmte

Vorgänge lösen einen Service sogar

automatisch aus. So bekommt der

Anwender bei der Buchung auf ein bestimmtes

Konto, etwa Abschreibungen,

Informationen zu diesem Thema angeboten.

Automatisch wird zum Beispiel

das sogenannte Business Cockpit geführt,

das zusammengefasste Informationen

anzeigt. Etwa Umsatzsummen,

Forderungen oder Beträge aus anderen

Konten.

Zum Service der neuen Lexware-Oberfl

äche gehören auch sogenannte Silent

Services. Diese lautlosen Dienste beseitigen

Mängel selbsttätig. Beispiel: Eine

nicht korrekte Krankenkassenangabe

wird durch Recherche in den Stammdaten

korrigiert. Damit keine Verwirrung

entsteht, informiert die Software

über die Aktion. Ist keine automatische

Richtigstellung möglich, wird eine Auswahlliste

der Krankenkassen angezeigt.

Optische und textliche Hinweise erfolgen

auch bei fehlenden Kontoangaben

oder im Fall einer nicht ausgeglichenen

Bilanz. Hier liefert das Programm Hinweise

auf die wahrscheinliche Lösung.

Kurzum: Mit der neuen Oberfl äche können

Anwender ihre Arbeiten schneller

und effi zienter erledigen.

59


IT & Investition – Online-Auftritt

Impressumspfl icht im Internet

Böse Fallen im weltweiten Netz

Als ordentlicher Kaufmann haftet der Betreiber einer Website genauso mit seinem guten

Namen wie im richtigen Leben: Wer die Impressumspfl icht für Web-Shops missachtet,

muss unter Umständen zahlen: Denn im Netz tummeln sich Abmahnhaie. VON TIM COLE

Bei Klaus Spieker war es die Gewerbenummer.

Genauer gesagt: der fehlende

Eintrag der Gewerbenummer

im Impressum seiner Website „www.

spieker-immobilien.de“. Ein teurer Fehler:

Gerichts- und Anwaltskosten von

mehreren Hundert Euro drohten. Der

Immobilienmakler aus Dortmund ärgert

sich: „Ich bemühe mich als seriöser Geschäftsmann

seit 40 Jahren, mich immer

korrekt zu verhalten – und dann das ...“

Wie Spieker klagen immer mehr Betreiber

von Web-Shops oder Internet-Seiten

über Kostennoten, die ihnen fi ndige Juristen

oder sogenannte Abmahnvereine

wegen der Verstöße gegen die Impressumspfl

icht im Internet aufbrummen.

Seitdem der Gesetzgeber im Frühjahr

2007 eine deutliche Verschärfung des

entsprechenden Paragrafen 5 des Telemediengesetzes

(TMG) beschlossen hat,

geht es manchem ehrbaren Kaufmann

im Internet an den Kragen.

„Leider ist das TMG eines dieser typischen

Gesetze, die kaum wahrgenommen

werden“, sagt Rudolf Koch von der

Forschungsstelle Abmahnwelle e.V. in

Gelsenkirchen. Koch ist selbst Jurist bei

einem Konzern und hilft in seiner Freizeit

Unternehmern, die Opfer von Abmahnungen

geworden sind. „Im Jahr

2008 habe ich mehr als 2.000 Fälle auf

den Tisch bekommen, in denen es um

Fehler im Online-Impressum ging“, bestätigt

er. Die Tendenz, so sagt er, sei

„stark steigend“.

Ein Fehler im Web-Shop-Impressum kann zur schmerzhaft teuren Falle werden.

Dabei wollte der Gesetzgeber eigentlich

nur dem Verbraucher etwas Gutes tun.

„Früher galt das Internet als weitgehend

rechtsfreier Raum, und auch Anbieter

traten dort gerne anonym auf“, weiß

Koch. Das TMG sollte diesen Zustand

beenden und dem Online-Kunden die

Möglichkeit geben, sich im Streitfall

gegen einen Betrüger zu wehren. Dass

daraus für viele mittelständische Anbieter

ein Albtraum werden könnte, ahnte

wohl niemand.

Informationen für Verbraucher

„Das Problem ist, dass man eigentlich

Volljurist sein muss, um die ganzen Bestimmungen

und Sonderfälle zu überblicken,

die in dem Gesetz stecken“,

sagt Koch. Dabei sind solche Alltagsfehler

wie abgekürzte Vornamen des

Geschäftsführers im Impressum oder

fehlende Straßennamen und Hausnummern

(Angabe eines Postfachs genügt

nicht) noch vergleichsweise harmlos.

Wer beispielsweise nach § 34 der Gewerbeordnung

eine behördliche Zulassung

besitzt (wie zum Beispiel Makler,

Bauträger oder Darlehensvermittler),

muss die Aufsichtsbehörde im Impressum

angeben, die die Gewerbeerlaubnis

ausgestellt hat. Wer, wie Ärzte, Anwälte

oder Steuerberater, der EU-Diplomrichtlinie

unterliegt, muss angeben,

welche Berufskammer ihn vertritt.

Heim/panthermedia

Die Bezeichnung „Impressum“ sorgt

dabei selbst schon für Verwirrung,

Ramona

denn anders als beispielsweise im Pres- Foto:

60 ProFirma 02 2009


serecht, wo das Impressum den Namen

desjenigen enthalten muss, der im

Sinne des Presserechts für die Inhalte

verantwortlich ist, soll die „telemedienrechtliche

Anbieterkennzeichnung“,

wie es im Amtsdeutsch heißt, lediglich

den Verbraucher in die Lage versetzen,

Anbieter im Internet auf ihre Seriosität

hin zu überprüfen. „Es geht um Informationen,

die Handelsunternehmen im

traditionellen Rechts- und Geschäftsverkehr

beispielsweise auf Geschäftsbriefen

ohnehin seit Langem erfüllen

müssen“, heißt es dazu in einer Stellungnahme

des Bundesjustizministeriums.

In einem Urteil des Bundesgerichtshofs

aus dem Jahr 2006 (Az.: I ZR 228/03)

wurde die Frage: „Muss ein Impressum

‚Impressum‘ heißen?“ deshalb auch klar

mit Nein beantwortet.

„Das eigentliche Problem sind nicht die

Anbieter, sondern die Web-Designer“,

glaubt Rudolf Koch. Die meisten Firmen

gestalten ihre Web-Shops oder

Homepages nicht selbst, sondern beauftragen

dafür einen Dienstleister. Sie

verlassen sich darauf, dass dieser schon

weiß, was im Impressum zu stehen

hat. „Das sind aber keine Juristen, sondern

Programmierer oder Gestalter“, so

Koch. Ergebnis: Der Auftraggeber bleibt

am Ende im Regen stehen und kann die

Abmahnung zahlen.

Anwälte wissen Rat

Deshalb empfi ehlt Koch, sein Impressum

von einem auf Internet-Recht

spezialisierten Anwalt oder von einem

Berater der zuständigen Industrie- und

Handelskammer auf Vollständigkeit

hin abklopfen zu lassen. Ähnliches

gilt für den Fall, dass einem eine Abmahnung

ins Haus fl attert, denn nicht

immer sei sicher, dass derjenige, der

abmahnt, auch dazu berechtigt ist.

Das dürfen nämlich nur Mitbewerber,

Verbraucherschutzorganisationen,

IHK oder Handwerkskammern sowie

rechtsfähige Verbände zur Förderung

gewerblicher Interessen. Anwälte, die

als „Abmahnhaie“ massenweise Kostennoten

verschicken, scheitern in

der Regel vor Gericht – vorausgesetzt,

es kommt überhaupt zur Verhand-

ProFirma 02 2009

lung. Denn die meisten Abgemahnten

zahlen lieber, bevor sie einen teuren

Rechtsstreit riskieren. „Meistens ist die

vom Anwalt gesetzte Frist sehr kurz,

da hat man als Unternehmer kaum

Zeit zu prüfen, ob er berechtigt ist oder

nicht.“

Für die Mitglieder bestimmter Berufsgruppen

wie beispielsweise Ärzte oder

Apotheker gilt es, neben dem Teleme-

INTERVIEW

„Das Impressum

darf nicht versteckt werden“

Niko Härting, Spezialist für Internet-Recht in Berlin,

über die verschärfte Impressumspfl icht

für mittelständische Unternehmer im Internet.

Herr Härting, gilt die neue Impressumspfl

icht für alle Websites?

Härting: Nein, nach dem Telemediengesetz

gilt sie nur für geschäftsmäßige

Online-Angebote, die in der Regel gegen

Entgelt angeboten werden. Der

Betreiber einer privaten Homepage ist

somit nicht verpfl ichtet, seine Website

mit einem Impressum zu versehen.

Muss ich zum Beispiel als Ebay-Powerseller

ein Impressum vorhalten?

DAS GESPRÄCH FÜHRTE TIM COLE

diengesetz auch die Bestimmungen

anderer für sie relevanter Gesetze zu

beachten. Einer Studie der Stiftung

Gesundheit zufolge haben sich schon

mehr als sieben Prozent der deutschen

Ärzte im Internet eine Abmahnung eingefangen

und danach insgesamt mehr

als acht Millionen Euro an Gebühren

und Strafen gezahlt. „Rund die Hälfte

der Praxis-Homepages verstößt

Härting: Ja, die Rechtsprechung ordnet

gewerbliche Händler auf Ebay den geschäftsmäßigen

Telemedien zu.

Wo muss das Impressum auf der Website

stehen?

Härting: Es muss laut Gesetz leicht erkennbar,

unmittelbar erreichbar und

ständig verfügbar sein. Das Impressum

darf somit nicht „versteckt“ werden.

Wer auf jeder einzelnen Seite der Website

einen Link einbindet, der direkt

zum Impressum führt, macht jedenfalls

nichts falsch.

Was kann ich tun, wenn ich von einem

Konkurrenten wegen eines Verstoßes

gegen die Impressumspfl icht abgemahnt

werde?

Härting: Selbst wenn die Abmahnung in

der Sache berechtigt ist und tatsächlich

ein Verstoß gegen die Impressumspfl ichten

vorliegt, bedeutet dies noch lange

nicht, dass Unterlassungserklärungen

abgegeben und Rechnungen bezahlt

werden müssen. Gerade wenn man

von Serienabmahnungen betroffen ist,

empfi ehlt es sich, rechtliche Beratung

einzuholen.

61


IT & Investition – Online-Auftritt

Checkliste – Impressumspfl icht

Was muss angegeben werden? Für wen gilt diese Vorschrift? Beispiel Hinweis

Pfl ichtangaben nach § 5 Telemediengesetz (Impressum)

Name, unter dem der Diensteanbieter niedergelassen

ist.

beim Impressum gegen das Telemediengesetz“,

behauptet der Berliner Anwalt

Andreas Straubinger – der Beweis,

dass „viele das rechtliche Risiko immer

noch unterschätzen“.

Das Oberlandesgericht Hamm hat

kürzlich mit einem alten Vorurteil aufgeräumt

(Az. I-4 U 192/07). Die Juristen

stellten fest, dass fehlende oder unvollständige

Angaben im Online-Impressum

keineswegs Bagatellen sind. Im

konkreten Fall ging es um eine fehlende

Handelsregisternummer. Die Richter

Alle Mustermann GmbH

Hans Mustermann e.K.

Max Mustermann

Mustermann e.V.

Anschrift Alle Musterstraße 1

12345 Musterstadt

Vertretungsberechtigte Personen Juristische Personen Mustermann GmbH & Co. KG,

vertreten durch die Mustermann

GmbH, diese vertreten durch den

Geschäftsführer Max Mustermann

Telefonnummer und E-Mail-Adresse Alle Telefon: 01234/56789

E-Mail: info@muster.xy

Register und Registernummer (Handels-,

Vereins-, Partnerschafts- oder Genossenschaftsregister)

Alle, die in einem der genannten

Register eingetragen sind.

Umsatzsteueridentifi kationsnummer Alle, die eine Umsatzsteueridentifi

kationsnummer nach § 27a des

UStG besitzen.

Wirtschafts-Identifi kationsnummer nach

§ 139c der Abgabenordnung

Bei Angaben über das Kapital der Gesellschaft:

1. Stammkapital

2. Wenn nicht alle Einlagen, die in Geld

geleistet werden müssen, eingezahlt worden

sind, den Gesamtbetrag der ausstehenden

Einlagen.

Alle, die eine Wirtschafts-Identifi -

kationsnummer nach § 139c der

Abgabenordnung besitzen.

Bei Angaben über das Kapital der

Gesellschaft im Impressum

Angaben für besondere Berufsgruppen bzw. Unternehmen

Angaben über die Aufsichtsbehörde Anbieter, deren Internet-Auftritt im

Rahmen einer Tätigkeit angeboten

oder erbracht werden, die der

behördliche Zulassung bedarf,

z.B. Banken, Versicherungen etc.

Kammer, der der Diensteanbieter angehört,

die gesetzliche Berufsbezeichnung und der

Staat, in dem die Berufsbezeichnung verliehen

worden ist, sowie die Bezeichnung der

berufsrechtlichen Regelungen und wie diese

zugänglich sind.

Berufsgruppe, die in § 5 Nr. 5

TMG aufgeführt sind, z. B.

Rechtsanwälte, Steuerberater,

Ärzte etc.

AG Musterstadt

HR B: 1234

USt.-Identifi kationsnummer:

DE 123456789

Wirtschafts-Identifi kationsnummer:

DE 123456789

beriefen sich auf eine EU-Richtlinie, die

unlautere Geschäftspraktiken wesentlich

schärfer defi niert als das bislang in

Deutschland geltende Wettbewerbsrecht.

„Verstöße gegen eine solche Verbraucherschutzbestimmung

dürften geeignet

sein, den betreffenden Händlern

einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber

den gesetzestreuen Mitbewerbern

zu verschaffen, die umfassend informieren“,

heißt es in dem Richterspruch.

Inzwischen haben sich immer mehr

Anwälte auf das Thema Impressums-

„Diensteanbieter“ kann ein Unternehmen,

Freiberufl er, Gewerbetreibender,

aber auch ein Verein,

Verband etc. sein.

Es muss die ladungsfähige

Anschrift aufgeführt werden,

kein Postfach.

Bei Gesellschaften in Gründung z.B.:

Mustermann GmbH i.G.

AG Musterstadt

HR B: wird mitgeteilt

Es muss nur die Umsatzsteueridentifi

kationsnummer, nicht

die Umsatzsteuernummer wie bei

Rechnungen angegeben werden.

Stammkapital: 25.000 Euro Es müssen keine Angaben zum

Kapital gemacht werden. Werden

jedoch Angaben gemacht, dann ist

über evtl. ausstehende Einlagen zu

informieren.

... von der Bundesanstalt für

Finanzdienstleistungsaufsicht zur

Erbringung von Bankgeschäften und

Finanzdienstleistungen zugelassen.

Es ist die aktuelle Aufsichtsbehörde

zu nennen.

Textvorlagen fi nden Sie mittlerweile

bei fast allen Kammern. Fragen

Sie am besten bei der für Sie zuständigen

Kammer nach.

pfl icht eingeschossen – allen voran der

Münchner Hans Hauser, den Rechtsanwalt

Christian Solmecke vom Immobilienverband

Deutschland (IVD) „Massenabmahner“

nennt. Laut eines aktuellen

Urteils des Amtsgerichts Bonn (Az. 2

C 525/07) ist Hauser dazu verdonnert,

einem zu Unrecht Abgemahnten die

entstandenen Rechtsanwaltskosten zu

erstatten. Und auch Klaus Spieker hatte

Glück: Als „Hauser-Opfer“ konnte er

seine Abmahnung am Ende im Papierkorb

ablegen.

62 ProFirma 02 2009

Quelle: eigene Recherchen


ProFirma 02 2009

Cole's Corner

Tim Cole Der ehemalige Polizeireporter

und Chefredakteur mehrerer Elektronikzeitschriften

ist ein gefragter Autor und

Redner zum Thema E-Commerce.

Info: www.cole.de

Aller guten Handys sind drei

Mehr als ein Telefongespräch auf einmal führen geht eigentlich

nicht. Warum haben also immer öfter Leute mehr als ein

Handy dabei? Es ist auf den ersten Blick sehr merkwürdig, aber

sie fallen mir in letzter Zeit häufi g auf: Menschen, die gleichzeitig

mit zwei Handys jonglieren. Man trifft sie in der Bahn,

im Flugzeug, im Lokal und auf der Straße. Und jedesmal frage

ich mich: Warum zwei? Wer kann schon gleichzeitig zwei

Telefongespräche führen? Na ja, die Italiener vielleicht. Aber

was treibt einen Mitteleuropäer dazu, sich mit mehr als einem

Sprechgerät zu belasten.

Als Journalist darf man zum Glück neugierig sein. Ich habe

angefangen, wildfremde Menschen einfach anzusprechen

und sie zu fragen: „Sagen Sie mal, warum haben Sie zwei Handys?“

Die meisten schauen mich etwas verdutzt an, denken

kurz nach und erzählen dann ihre Geschichte.

Meistens ist es eine ganz einfache: Sie haben ein Handy von

der Firma, mit dem sollen sie aber keine Privatgespräche führen,

weil es sonst Ärger gibt mit dem Controlling oder mit

dem Chef. Klingt einleuchtend, wenn auch ein bisschen kleingeistig:

Man könnte ja eine Pauschalregelung einführen, wie

beim Firmenwagen.

Andere sagen, sie seien Opfer der Steuerpolitik, die für sogenannte

geringwertige Wirtschaftsgüter eine Obergrenze von

150 Euro vorschreibt. Aber was bekomme man zu diesem

Preis schon für ein Handy? Jedenfalls keines mit Megapixel-

Kamera, MP3-Player oder GPS-Navi. Also legen sie sich ein

standesgemäßes Privatgerät zu und holen das Firmentelefon

wirklich nur raus, wenn es unbedingt sein muss.

Ein Rechtsanwalt, den ich auf der Fahrt mit dem ICE nach

Bonn traf, hatte die plausibelste Erklärung parat. Er hat einen

Blackberry, auf dem er E-Mails empfängt. Die Kanzlei schickt

ihm oft auf Reisen wichtige Gerichtsakten und andere Doku-

Von Tim Cole

mente hinterher. Oft müsse er sie lesen, während er mit Kollegen

oder Mandanten darüber spreche. Das gehe eigentlich

nicht, weil er dabei das Gerät ja ans Ohr halten müsse. Deshalb

also das Zweit-Handy.

Interessant auch die Begründung eines Handelsreisenden,

der mit mir im Abteil Richtung Salzburg saß. Auch er hat

ein Blackberry von der Firma, mit dem er seine E-Mails liest

und seinen Terminkalender führt. Natürlich könnte er damit

auch telefonieren – er tut es aber nicht. Und zwar, weil sich

seine Frau Sorgen macht wegen des Elektrosmogs. Da man

das Blackberry ganz nah an den Kopf halten müsste, um zu

sprechen, hat sie Angst, er könne sich einen Gehirntumor holen.

Also hat sie ihm ein einfaches Klapp-Handy gekauft, nach

dem Motto: Da ist der Sender so weit wie möglich weg vom

Kopf des Liebsten. Und weil auch er seine Frau sehr gerne hat,

hält er sich ihr zuliebe dran.

Der Trend, so scheint es, geht also zum Zweit-Handy. Aber

manche sind schon einen Schritt weiter: Sie tragen drei Handys

mit sich rum. So wie der Deutschlandchef einer US-Computerfi

rma, der neben mir im Flieger nach Frankfurt saß und

nacheinander drei Blackberrys auspackte. „Ein privates, zwei

von der Firma – eines mit einer deutschen Nummer, das andere

mit einer amerikanischen“, erklärte er. Klar sei es ärgerlich,

drei solche Teile durch die Gegend zu wuchten, aber was solle

man machen?

Manche brauchen allerdings deshalb zwei Mobiltelefone, weil

sie schon komplett multifunktionsfähig geworden sind. So

wie die junge Dame, die ich neulich in der Münchner Trambahn

beobachtete. Sie hielt ein Handy ans Ohr und redete unaufhörlich

mit jemandem – und schrieb gleichzeitig auf einem

zweiten Gerät eine SMS. Was dem Begriff „mit einem halben

Ohr hinhören“ ja eine völlig neue Bedeutung verleiht.

Kolumne

63


IT & Investition – Telekommunikation

Wechsel des DSL- und Telefonanbieters

Günstiger verbunden

Während die Telekommunikationskosten sinken, werden

die Angebote immer komplexer und unübersichtlicher.

In vielen Fällen lohnt es sich für Unternehmen, den DSL-

und Telefonanbieter zu wechseln. VON DIRK KUNDE

Der Preisindex für Festnetztelefonie

und einen Internet-Zugang ist seit dem

Jahr 2005 um 5,7 Prozent gefallen. Beim

Mobilfunk waren es im gleichen Zeitraum

sogar 13,3 Prozent, so das Statistische

Bundesamt. Laut einer Umfrage

im Auftrag des Kommunikationskonzerns

Arcor haben fast zwei Drittel der

1.000 befragten Entscheider in Betrieben

schon erwogen, ihren Telefonanbieter

zu wechseln. Doch nur 6,6 Prozent

setzten den Gedanken in die Tat

um. Die übrigen scheuten den Aufwand

der Umstellung (42,5 Prozent) und die

komplizierte Informationsbeschaffung

(23,4 Prozent).

Flatrate, VOIP, VPN und ADSL – Anglizismen

und Abkürzungen beherrschen

die Broschüren der Telefonunternehmen.

Ein Blick auf die Angebote erweckt

den Eindruck, dass den Anbietern nicht

unbedingt an Vergleichbarkeit gelegen

ist. Trotz der komplexen Materie lohnt

sich ein Detailblick. Unternehmen können

viel Geld sparen, vor allem wenn

ein Vertrag schon längere Zeit läuft.

Liegen die beworbenen aktuellen

Grundgebühren und Minutenpreise

deutlich unter dem, was das Unternehmen

tatsächlich zahlt, lohnen sich

Nachverhandlungen mit dem Anbieter.

Bleibt der stur, ist ein Wechsel ratsam.

Wer noch für jede Telefonminute und

jedes Megabyte Daten gesondert bezahlt,

sollte nachrechnen. Bei fast allen

Anbietern haben sich Flatrates durchgesetzt.

Den Vorteil belegt ein kleines

Rechenbeispiel: Bei der Deutschen Telekom

kostet ein ISDN-Anschluss (Call

Plus) 33,47 Euro pro Monat. Einen DSL

2000-Anschluss gibt es für 20,51 Euro

im Monat. Das macht in der Summe

53,98 Euro – zuzüglich anfallender Verbindungsgebühren

für Telefonie und

Internet. Das Komplettpaket aus der

Tabelle kostet nur 53,95 Euro – inklusive

aller Festnetzgespräche sowie einem

leistungsfähigeren Internet-Zugang.

Flatrates für alle und alles

In der Regel lohnen sich Flatrates für

kleinere Unternehmen: Bei keinem Telefonat

und bei keiner Recherche im Internet

tickt die Gebührenuhr.

Bei den meisten Anbietern lassen sich

zusätzliche Flatrates für Gespräche in

Mobilfunknetze oder ins Ausland dazubuchen.

Mit Country Flat I der Telekom

etwa kann man für vier Euro im Monat

kostenlos in 25 europäische Länder und

die USA telefonieren. Wer in alle Mobilfunknetze

günstiger telefonieren möchte,

zahlt bei der Telekom vier Euro und

spricht für 12,9 Cent pro Minute statt

des sonst üblichen Minutenpreises von

bis zu 23 Cent.

Doch neben den Grundgebühren und

Verbindungspreisen sollte beim Anbieterwechsel

noch mehr beachtet werden.

Anbieter im Vergleich

Netzbetreiber

1&1 Alice

Paket Doppel Flat AliceComfort Offi ce

Preis/Monat 34,99 Euro 44,90 Euro

Bereitstellungspreis

0,00 Euro 0,00 Euro

Telefonanschluss Leistungen wie bei

ISDN

Festnetz Flatrate

deutschlandweit

Telefonate in

Mobilfunknetze **

Ja Ja

64 ProFirma 02 2009

ISDN

0,20 Euro ab 0,15 Euro;

zu Alice-Handys

kostenlos

SMS

Flatrate Internet Ja – 16.000 Kbit/s Ja – 16.000 Kbit/s

Fest IP-Adresse Nein Ja

Webhosting

inklusive

Nein Ja

Verfügbarkeit bundesweit * bundesweit *

Vertragsdauer/

Kündigungsfrist

Besonderheiten In den ersten sechs

Monaten beträgt

der Monatspreis

nur 19,99 Euro;

9,60 Euro Versandkosten

für die

Hardware

Detailinformationen

24 Monate Für Neukunden:

24 Monate,

sonst: 4 Wochen

zum Monatsende

inkl. 5 Lizenzen

Total Security

Small Business

von McAfee, inkl.

WLAN-Router für

die Vertragslaufzeit

www.1und1.de www.alicebusiness.de


Zum Beispiel die Vertragsdauer. Die

meisten Anbieter binden ihre Kunden

für mindestens 24 Monate. Der Einkauf

vergünstigter Hardware verlängert oft

die Vertragslaufzeit. Es kann sich lohnen,

kürzere Laufzeiten mit höheren

Grundgebühren zu erkaufen. Wer sich

zu lange bindet, zahlt spätestens dann

drauf, wenn in den kommenden Monaten

die Gebühren weiter purzeln.

Wechseln, wenn es ruhiger ist

Hat sich ein Unternehmen entschieden,

den Telefonanbieter zu wechseln, sind

vier bis sechs Wochen für den Übergang

einzukalkulieren. „Es hilft, wenn

der Kunde uns den Wunschtermin mit-

ProFirma 02 2009

teilt und die Kündigungsbestätigung

des bisherigen Anbieters beilegt“, sagt

Marc Sausen von der Deutschen Telekom.

Die Bundesnetzagentur hat dafür

einen Prozess defi niert, nach dem

sieben Tage vor dem Wechsel der bisherige

Anbieter den Telefon- und DSL-

Anschluss freigibt. Dann bleibt dem

neuen Anbieter ausreichend Zeit, den

Anschluss zu übernehmen und einzurichten.

Sicherheitshalber sollte man

einen Anbieterwechsel in die Ferienzeit

oder in betrieblich ruhigere Zeiten legen.

Außerdem sollte den Kunden der

Übergangstermin mitgeteilt werden.

Für Notfälle die Mobiltelefonnummer

der Ansprechpartner zu kommunizieren,

schadet sicher auch nicht.

VOIP 1)

Service vereinbaren

Da heutzutage funktionierende Telefon-

und DSL-Anschlüsse für Unternehmen

unabdingbar sind, ist die Serviceleistung

der Anbieter von großer

Bedeutung. Kluge Wechsler beleuchten

die Angebote der Dienstleister vor Vertragsabschluss.

Dabei geht es um Hardware

wie um Reparaturleistungen. Die

Telekom berechnet für die Montage

von DSL-Modem und Router 50 Euro,

Alice 59 Euro. Bei Kabel Deutschland

ist die Installation kostenlos, nur die

Einrichtung des Rechners mit E-Mail-

Konfi guration kostet 50 Euro.

Auch der laufende Service ist entscheidend.

Das fängt damit an, dass die

Arcor Deutsche Telekom Freenet Kabel Deutschland Skype Sipgate HostEurope

Business Komplett

Paket

Call & Surf Comfort Plus/

Universal

49,95 Euro 53,95 Euro 19,90 Euro/29,90

Euro 4)

Doppel-Flat Paket Deluxe Länder-Package Sipgat plus Flat Phone FairFlat 2000

39,90 Euro 3,39 Euro 10,80 Euro 8,99 Euro

0,00 Euro 59,95 Euro 3) 0,00 Euro 9,90 Euro 0,00 Euro 0,00 Euro 0,00 Euro

ISDN ISDN 2 Telefonleitungen 2 Telefonleitungen Telefonate

über den Computer

Ja Ja Ja Ja Nein. Netzintern:

kostenlos Festnetz:

1 Cent/Min.

Telefonate

über den Computer

Telefonate

über den Computer

Ja 2.000 Inklusivminuten,

Deutschland und

39 weitere Länder

ab 0,13 Euro ab 0,13 Euro 0,20 Euro 0,23 Euro 0,17 Euro 0,17 Euro 0,20 Euro

0,12 Euro

Ja –16.000 Kbit/s Ja –16.000 Kbit/s 5) Ja – 16.000 Kbit/s Ja – 32.000 Kbit/s ohne DSL-Anschluss ohne DSL-Anschluss ohne DSL-Anschluss

Ja Nein Nein Nein – – –

Ja Nein Nein Ja 2) Nein Nein Möglich

bundesweit * bundesweit * bundesweit * bundesweit * bundesweit bundesweit bundesweit

24 Monate, ohne

Kündigung Verlängerung

um weitere

12 Monate

inkl. DSL-WLAN-

Modem, 8,36 Euro

Versandkosten für

die Hardware

24 Monate 24 Monate, Verlängerung

um weitere

12 Monate, wenn

keine Kündigung

Sicherheitspaket mit Norton

360 Version 2.0; 20 GB

Online-Speicherplatz; kostenlose

Nutzung der WLAN

HotSpots (8.000 bundesweit),

Montage von Modem

und Router auf Wunsch zum

Festpreis von 69,98 Euro

business.arcor.net www.dtag.de/geschaeftskunden/callundsurf-comfort

1.) VOIP: Voice over IP – Gespräche über Internet-Verbindung

2.) Domain kostenlos in den ersten 12 Monaten, danach 0,99 Euro/Monat

3.) Für Neukunden

4.) 19,90 Euro in den ersten 12 Monaten, danach 29.90 Euro

5.) Falls VDSL verfügbar bis zu 50.000 Kbit/s möglich

inkl. Telefonanlage

mit DSL-Router

für drei analoge

Endgeräte, 9,90 Euro

Versandkosten für

die Hardware

www.freenet.de/

internet_zugang

12 Monate. Verlängerung um

12 Monate, wenn nicht 6 Wochen

vor Ende der Mindestvertragslaufzeit

gekündigt wurde.

Internet und Telefon laufen

über den Kabelanschluss

www.kabel-deutschland.de/

telefonie/unternehmensangebote.html

Videokonferenz,

Konferenzgespräche,

Instant-Messanger,

Desktop-Sharing, Fax-

Versand, Anrufbeantworter

im Netz

www.skype.com/intl/

de/business

* Verfügbarkeit kann an manchen Standorten eingeschränkt sein -

individuelle Verfügbarkeitsabfrage unbedingt empfohlen

** Die meisten Anbieter haben kostenpfl ichtige Optionen für Mobilfunk-Flatrates

6 Monate/beim

Kauf vergünstigter

Hardware 12 Monate

Anrufbeantworter

im Netz

3 Monate

Stand: 12/2008

Ortsnetzrufnummer

nach Verfügbarkeit

statt 01803 Nummer

für 1 Euro pro Monat

www.sipgate.de www.hosteurope.de/

produkte/VoIP-Telefonie

65


IT & Investition – Telekommunikation

Kundenhotline kostenlos ist. Darüber

hinaus sollte geklärt werden, wie

schnell auf Störmeldungen reagiert wird

(Service-Level-Agreement). Im „Arcor-

Business-Komplett“-Paket als auch

beim „Alice-Comfort-Offi ce“-Paket

wird eine Störung am Sprachanschluss

innerhalb von acht Stunden behoben.

Lässt sich das Problem nicht durch die

Hotline lösen und liegt der Defekt nicht

an der Anlage des Kunden, stellen Arcor

und Alice keine Rechnung. „Doch umso

komplexer und umfangreicher ein Produkt

ist, desto umfassender sollten die

Service-Levels sein“, sagt Thomas Krick,

Pressesprecher bei Arcor. Die Telekom

bietet beispielsweise für 4,99 Euro im

Monat einen IT-Software-Service, bei

dem das E-Mail-Programm eingerichtet

und der Virenscanner aktualisiert wird

und die Microsoft-Offi ce-Programme

gewartet werden.

Etliche Anbieter schließen auch Webhosting

mit ein. Das ist praktisch, weil

man die Firmenseite im Internet sowie

den E-Mail-Verkehr über einen Provider

abwickeln kann. Wer einen eigenen

Mail-Server betreibt oder über ein virtuelles

privates Netzwerk (VPN) Mitarbeiter

auf seinen Server zugreifen lässt, benötigt

zwingend eine feste IP-Adresse.

Dieses Merkmal ist längst nicht bei allen

Anbietern Standard.

Wer bisher bereits über einen DSL-Anschluss

verfügt und jetzt wechselt, muss

eventuell aufrüsten. Standard ist derzeit

ADSL2+, die schnellste DSL-Generation,

meist mit Download-Geschwindigkeiten

von 16.000 Kbit pro Sekunde. Ältere

Modem kommen da nicht mit und

müssen ausgetauscht werden. Doch fast

alle Anbieter stellen kostenlose Modem

zur Verfügung.

Wer mehr Bandbreite benötigt, für den

kann Kabel Deutschland eine Alternative

sein. Seit Ende 2008 bietet der Kabelfernsehanbieter

auch kleineren gewerblichen

Kunden seine Pakete Comfort

und Deluxe an. Dabei surft man mit bis

zu 32.000 Kbit/s im Internet. Auch der

Telefonanschluss läuft dann über die

Kabelanschlussdose.

Tempospitzenreiter beim Internet-Anschluss

ist derzeit die Deutsche Telekom.

Mit einem VDSL-Anschluss erreicht

man bis zu 50.000 Kbit/s Download-Geschwindigkeit.

Diese Anschlüsse, die an

einem Glasfasernetz hängen, sollen Telefon,

Internet und Fernsehen in Büros

und Haushalte bringen. Bisher ist VDSL

vor allem in Ballungsräumen verfügbar.

Zwar bieten Arcor, Alice, Freenet

und Kabel Deutschland ihre Produkte

bundesweit an, aber es gibt immer noch

weiße Flecken auf der Landkarte.

Telefonieren über das Internet

Man kann sich den Telefonanschluss

auch sparen und direkt über den DSL-

Anschluss telefonieren. VOIP, also

Voice over IP, nennt sich die Internet-

Telefonie. Bei den großen Anbietern

werden Telefongespräche über weite

Strecken bereits mit dieser Technologie

übertragen. Next-Generation-Network

(NGN) nennt Arcor das glasfaserbasierte

Netzwerk, das sich deutschlandweit

DARAUF SOLLTEN SIE BEI EINEM

ANBIETERWECHSEL ACHTEN

> Vorlauf für einen Anbieterwechsel:

vier bis sechs Wochen

> kurze Kündigungsfristen wählen

> Übergangstermin den Kunden

mitteilen – Handynummern für den

Notfall bereithalten

> Flatrates sind meist günstiger

als Volumentarife. Pauschaltarife

sind auch für Gespräche in

Mobilfunknetze und ins Ausland

verfügbar

> Service-Level: Kostenfreie Hotline

vorhanden? Reaktionszeit bei

Störungen?

> Bandbreite: Genügen Up- und

Download-Geschwindigkeit für alle

Nutzer?

> Feste IP-Adresse, wenn VPN-

Dienste oder ein Mail-Server

genutzt werden

> Webhosting, falls eine Internet-

Seite betrieben werden soll

> Internet-Telefonie ist günstiger und

erweitert die Anwendungsmöglichkeiten,

wenn die eingesetzte

Hardware richtig abgestimmt ist

über eine Gesamtlänge von 50.000 Kilometer

erstreckt. Auch die Deutsche

Telekom stellt in den kommenden Jahren

die Übertragung der Sprache auf ein

NGN um. In Deutschland telefonieren

nach Aussage des Düsseldorfer Anbieters

Sipgate bereits 15 Millionen Menschen

per VOIP.

Den Kinderschuhen ist diese Technologie

also entwachsen. Dennoch kennt

jeder Berichte von Verbindungsabbrüchen,

Echos und Sprachverzögerungen.

„Das ist eine Frage der eingesetzten

Geräte“, sagt Wilhelm Fuchs, Pressesprecher

bei Sipgate. Da ein Telefonat

in viele Datenpakete aufgeteilt wird,

müssen die Pakete schnell und in der

richtigen Reihenfolge beim Gesprächspartner

ankommen. Das funktioniert

nur, wenn dem Gespräch ausreichend

Bandbreite und Vorfahrt beim Internetanschluss

gewährt wird.

Neben den Kostenvorteilen, die Internet-Telefonate

bieten, macht die Technik

noch mehr möglich: Ein Unternehmen

kommt mit einer Verkabelung aus.

Computernetzwerk und Telefonanschlüsse

funktionieren über Ethernet. Es

können aber auch die bisherigen Telefone

weiter genutzt werden. Dazu wird

ein Router zwischen DSL-Anschluss

und Telefonanlage geschaltet.

Mit einem WLAN-fähigen Handy oder

Laptop kann man an jedem Hotspot

– im Hotel, am Flughafen – über ein

einmal eingerichtetes VOIP-Konto

telefonieren. Man ist dort über die gewohnte

Ortsrufnummer erreichbar.

Der Verzicht auf das Festnetztelefon

birgt allerdings auch Risiken: Ist der

DSL-Anschluss gestört, fallen gleichzeitig

Internet-Zugang und Telefon aus.

Das Mobiltelefon wird in Zukunft ohnehin

eine größere Rolle spielen. „Das

Handy wird zu einer Nebenstelle in der

virtuellen Telefonanlage“, sagt Thomas

Krick von Arcor. „Bei eingehenden

Gesprächen klingeln Büro- und Mobilfunktelefone

gleichzeitig. Als Kontaktnummer

genügt der Büroanschluss auf

der Visitenkarte.“ „IP Centrex Mobile“

nennt sich diese Zukunftstechnologie,

mit der schon bald die fest installierten

Telefonanlagen aus den Büros verschwinden

könnten.

66 ProFirma 02 2009


Praxiswissen update

Ziele und Zielvereinbarungen

Mitarbeiterziele beschreiben die Ziele, die jeder einzelne Mitarbeiter durch seine

Tätigkeit im Unternehmen erreichen soll. Dabei gilt, dass Ziele immer klar formuliert

sein sollten, damit alle Beteiligten wissen, wohin die Reise gehen soll.

Generell können in der Personalarbeit

zwei wesentliche Zielarten voneinander

unterschieden werden. Dies sind

zum einen Sachziele und zum anderen

Entwicklungsziele. Über Sachziele wird

in erster Linie das Erreichen bestimmter

Arbeitsergebnisse gefordert beziehungsweise

vereinbart. Entwicklungsziele

hingegen dienen der Förderung

von Mitarbeiterfähigkeiten oder zum

Erwerb von Qualifi kationen.

THEMENÜBERSICHT:

UPDATE PERSONALARBEIT

12/08 Personalarbeit – Anforderungen

und Herausforderungen

01/09 Personalbeschaffung und -auswahl

02/09 Ziele und Zielvereinbarungen

03/09 Rückmeldung geben, Rückmeldung leben

04/09 Binden und Entwickeln von Mitarbeitern

05/09 Fördern und Fordern

06/09 Und wenn es so nicht mehr weiter-

gehen kann

7-8/09 Motivationsfördernde Jobgestaltung

09/09 Arbeitszeit und Leistungsfähigkeit

10/09 Führungskraft sein und Führung leben

11/09 Systematische Entwicklung von

Leistungsträgern in der Praxis

Mit der Serie „Praxiswissen update“ können

Chefs ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse auf

den aktuellen Stand bringen. In kompakter Form,

mit anschaulichen Grafi ken und praxisorientierten

Checklisten bietet die Serie ein Kompendium des

Unternehmerwissens. In der neuen Jahresstaffel

geht es um das Personalwesen, von der Rekrutierung

über die Mitarbeiterbindung bis hin zur

Vorbildfunktion der Führungskraft.

Unabhängig davon, ob Unternehmen

mit ihren Mitarbeitern nun Entwicklungs-

oder Sachziele vereinbaren,

setzen sich Ziele immer aus zwei

Funktionen zusammen: einer Orientierungs-

und einer Leistungsfunktion.

Auf der einen Seite geben Ziele dem

Mitarbeiter im Hinblick auf die Erfüllung

seiner Arbeit Orientierung, beispielsweise

durch räumliche, zeitliche

oder fi nanzielle Vorgaben. Zum anderen

bewirken sie bei Mitarbeitern auch

leistungsorientierte und motivierende

Impulse.

Zielkriterien

Um eine möglichst positive Zielwirkung

zu erhalten, ist bei der Festlegung

von Mitarbeiterzielen darauf zu achten,

dass die vereinbarten Ziele bestimmte

Kriterien erfüllen. Diese Anforderungen

lassen sich mithilfe der SMART-Formel

beschreiben:

ZIELE = SMART

S = Spezifi sch

M = Messbar

A = Anspruchsvoll

R = Realistisch

T = Terminiert

Spezifi sch: Wichtig ist eine klare Zieldefi

nition. Beschreiben Sie die Ziele so,

dass sie für Ihren Mitarbeiter klar, konkret,

verständlich und nachvollziehbar

sind, und achten Sie darauf, dass keine

Interpretationsspielräume offenbleiben.

Fixieren Sie die Ziele möglichst schriftlich.

Einen Teil der Serie verpasst?

Die bisher erschienenen Beiträge der Jahresstaffeln

Betriebswirtschaft und Marketing

fi nden Sie als PDF zum Herunterladen unter

www.profi rma.de, Rubrik „Wissen“.

Messbar: Formulieren Sie nur Ziele, die

auch messbar oder prüfbar sind. Legen

Sie beispielsweise Ziele auf Basis von

quantitativen Größen fest. Quantitative

Ziele können mittels Kennzahlen wie

Umsatz, Gewinn oder Marktanteil bestimmt

werden. Zwar besteht darüber

hinaus auch die Möglichkeit, Ziele auf

Grundlage qualitativer Indikatoren wie

Kundenzufriedenheit, Reklamationsrate

oder Kundenorientierung festzulegen.

Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten,

da die Grenzen von Messbarkeit

und Nicht-Messbarkeit nicht immer

eindeutig defi nierbar sind.

Anspruchsvoll: Formulieren Sie Ziele

so, dass sie für den Mitarbeiter attraktiv,

motivierend und herausfordernd sind.

Verdeutlichen Sie, dass das Erreichen

von Zielen mit persönlichem Einsatz

verbunden ist und der Mitarbeiter sich

anstrengen muss.

Realistisch: Achten Sie bei der Vereinbarung

von Zielen darauf, dass diese

zwar anspruchsvoll sind, den Mitarbeiter

aber weder über- noch unterfordern.

Beziehen Sie in Ihre Überlegungen zur

Zielformulierung die individuellen Leistungspotenziale

und Entscheidungsbefugnisse

sowie dem Mitarbeiter zur Verfügung

stehende Ressourcen mit ein.

Terminiert: Vereinbaren Sie nur Ziele,

deren Beginn und Ende klar ersichtlich

sind. Sie können hierbei beispielsweise

68 ProFirma 02 2009

ProFirma

Serie


einen bestimmten Erfüllungszeitpunkt

oder einen Erfolg oder ein Ergebnis terminlich

vorgeben.

Leider lassen sich Ziele nicht immer

entsprechend empfohlenen Zielkriterien

festlegen. Insbesondere bei der

Vereinbarung von qualitativen Zielen

ist die Gewährleistung der Messbarkeit

häufi g schwierig, denn qualitative Ziele

beschreiben zunächst eine nicht quantifi

zierbare Veränderung zwischen Ist-

und Sollzustand.

Beispiele für qualitative und schwer

messbare Ziele sind:

„ Möglichst ohne

Kundenunzufriedenheit“

„Mehr Teamarbeit“

„Mehr Effi zienz“

„Erfolgreicher Projektabschluss“

Um dennoch eine erfolgreiche Zielerreichung

zu gewährleisten, sollten

qualitative Ziele auf jeden Fall operationalisiert

(messbar gemacht) werden.

Am Beispiel Kundenzufriedenheit kann

ProFirma 02 2009

Beispiele

FALSCH RICHTIG

> Herr Müller, Sie müssen sich

verbessern!

> Frau Schwarz, Sie müssen wesentlich

mehr Geräte verkaufen.

> Frau Schwarz, Sie sind unsere

beste Frau, daher werden Sie im

kommenden Monat zehn neue

Projekte abwickeln.

> Herr Müller, bis morgen möchte

ich eine Aufstellung über alle

Vorlieben und Extrawünsche

unserer 20.000 Kunden.

> Herr Müller, lernen Sie so schnell

wie möglich Englisch.

S > Im Gegensatz zu Ihren Kollegen

schaffen Sie wesentlich weniger Telefonate

abzuwickeln. Frau Schwarz, Ihr

Ziel ist es, ebenso viele Kundentelefonate

zu führen wie Ihre Kollegen.

M > Herr Müller, Ihr Ziel ist es, drei

Versicherungen mehr im Monat zu

verkaufen.

A > Herr Müller, Sie sind neu im Vertrieb.

Übernehmen Sie zunächst in Zusammenarbeit

mit Herrn Dachs zwei

Altkunden, bevor Sie die Neukundenakquise

angehen.

R > Frau Schwarz, bitte präsentieren Sie

mir bis Mitte nächster Woche den

aktuellen Projektstand.

T > Frau Schwarz, verkaufen Sie bis zum

Monatsende drei Staubsauger des

Modells „Clean“.

dies unter anderem durch die Einführung

von dafür geeigneten Kennzahlen,

wie dem Kundenzufriedenheitsindex

oder einer Reklamationsquote, erfolgen.

Beim Projektabschluss kann es beispielsweise

sinnvoll sein, Unter- oder

Teilziele festzulegen, einen Projektabschlusszeitraum

zu defi nieren und/oder

Ressourcen zuzuteilen.

PRAXISTIPP: Vereinbaren Sie qualitative

Ziele auf möglichst objektive Art und

Weise (keine „Nasenpolitik“).

Vermeiden Sie es, bei Zeitdruck qualitative

Ziele zu vereinbaren. Hier eignen

sich vielmehr quantitative Ziele.

Zielvereinbarung

Bei der Zielvereinbarung sollte darauf

geachtet werden, dass die eben genannten

Anforderungen weitestgehend eingehalten

werden, da nur dann auch die

Funktionen wie die Förderung der Mitarbeitermotivation

oder die Unterstützung

der Eigenverantwortung optimal

erfüllt werden.

Der Sinn und Zweck von Zielvereinbarungen

kann also zusammenfassend in

drei Bereiche unterteilt werden:

1. Um handlungsfähig zu sein oder zu

bleiben, brauchen Menschen Orientierung.

Diese Orientierung kann mithilfe

von Zielvereinbarungen sichergestellt

werden.

2. Da in Unternehmen eine Vielzahl

von Informationen auf die Mitarbeiter

einströmen und diese von den

Mitarbeitern in der Masse niemals

vollständig verarbeitet werden können,

sollten Unternehmen deutlich

machen, worauf es ihnen ankommt.

Ziele unterstützen sowohl den Mitarbeiter

als auch das Unternehmen bei

der Selektion von Informationen und

erleichtern somit die Konzentration

aufs Wesentliche.

3. Darüber hinaus erleichtern Ziele

auch die Kommunikation innerhalb

des Unternehmens. Dadurch, dass

Ziele auf verschiedene Ebenen (Unternehmen,

Gruppen, Mitarbeiter)

heruntergebrochen werden, wird das

Risiko von Missmanagement durch

Fehlkommunikation verringert und

somit der Erfolg der Unternehmung

gesichert.

PRAXISTIPP: Fixieren Sie die Zielvereinbarung

immer schriftlich. Achten Sie

dabei darauf, dass Sie nicht mehr als

fünf bis sieben Ziele pro Zielvereinbarung

und Mitarbeiter festlegen, und

stellen Sie diese Ziele möglichst aus verschiedenen

aufgabenrelevanten Ebenen

zusammen. Aufgabenrelevante Ebenen

können sein:

> wirtschaftliche oder fi nanzielle Ziele

> Ziele aus dem Bereich Zusammenarbeit

mit Kunden

> Ziele aus dem Bereich Prozessoptimierung,

Ablauf- oder Verfahrenssicherheit

> Ziele aus dem Bereich Ressourcen-

Einsatz beziehungsweise Mitarbeiter-

oder Teamorientierung

Merke: Zielvereinbarungen auf Mitarbeiterebene

ergeben nur dann einen

Sinn, wenn im Unternehmen ein umfassendes

Zielsystem existiert, aus dem

sich die Ziele jeweils voneinander

69


Praxiswissen update

Checkliste Zielvereinbarung

ZIELGRÖSSEN > Welches Endergebnis soll erreicht werden?

> Was soll mindestens erreicht werden?

MESSGRÖSSEN > Wie viel soll erreicht werden?

> Welchen qualitativen Anforderungen sollen die Ergebnisse

entsprechen?

UNTERZIELE > Welche Teilziele sind sinnvoll?

TERMINE > Bis wann soll das Ziel erreicht werden?

> Bis wann sind Zwischenziele abzustecken?

VORAUSSETZUNGEN > Welche Rahmenbedingungen sind gegeben?

> Wer ist zu beteiligen?

> Welche Ressourcen werden benötigt?

ÜBERPRÜFUNG > Wann erfolgen Zwischenberichte?

> Wer kontrolliert den Zielerreichungsprozess?

> Wie wird die Zielerreichung überprüft?

ableiten lassen. Dies ist dann der Fall,

wenn auf allen vorhergehenden Ebenen

Ziele defi niert wurden.

Der Zielvereinbarungsprozess

Das Vereinbaren von Zielen sollte grundsätzlich

gut geplant und durchdacht sein.

In der Regel sind Zielvereinbarungsgespräche

daher auch in einen mehrstufi gen

Zielvereinbarungsprozess eingebettet.

Vorbereitung: Das Zielvereinbarungsgespräch

bedarf einer guten Vorbereitung

beider Gesprächsparteien. Je

gründlicher die Vorbereitung ist, desto

höher ist nicht nur die Qualität der Ergebnisse,

sondern auch die Akzeptanz

bei beiden Gesprächsteilnehmern bezogen

auf die vereinbarten Eckwerte. Im

Zielvereinbarungsgespräch sollte die

Auswahl der Ziele so stattfi nden, dass

sie den Anforderungen, der individu-

ellen Qualifi kation sowie der persönlichen

Arbeitssituation des Mitarbeiters

entspricht. Die Führungskraft sollte

sich daher bereits im Vorfeld mit diesen

Aspekten auseinandersetzen.

Zielvereinbarungsgespräch: Während

des Zielvereinbarungsgesprächs

legen beide Parteien ihre Zielvorschläge

dar, begründen diese und versuchen

eine einvernehmliche Einigung zu erzielen.

Es sollte darauf geachtet werden,

dass Ziele ausschließlich im Rahmen

der entsprechenden Stellenbeschreibung

vereinbart werden. In der Regel

wird die getroffene Zielvereinbarung

schriftlich fi xiert und von beiden Parteien

als Zeichen der Verbindlichkeit

unterschrieben.

PRAXISTIPP: Folgende Regeln können

Ihnen bei der Durchführung eines Zielvereinbarungsgesprächs

helfen:

1. Beginnen Sie immer mit etwas Po-

Zielvereinbarungsprozess

sitivem zum Einstieg, um eine gute

Atmosphäre für das Gespräch herzustellen.

2. Lassen Sie auch den Mitarbeiter zu

Wort kommen, und geben Sie ihm

ausreichend Gelegenheit, eigene Themen

und Vorschläge anzubringen.

3. Verlieren Sie das Gesprächsziel nicht

aus den Augen.

4. Zeigen Sie Courage, indem Sie bei

erkennbarer Falschbeurteilung einer

Situation auch bereit sind, Ihr Urteil

zu ändern.

5. Machen Sie Negatives deutlich, und

setzen Sie Kritik konstruktiv ein; bieten

Sie gegebenenfalls Unterstützung

an.

6. Machen Sie keine haltlosen Versprechungen,

und achten Sie darauf, dass

das Gesprächsergebnis nicht zu überhöhten

Erwartungen führt.

Statusgespräch: Im Statusgespräch,

einer Art Zwischengespräch, erfolgt

eine Rückmeldung über die bei der

Zielerreichung auftretenden Fragen

und Probleme. Das Vereinbaren eines

Statusgesprächs ist aus Effi zienzgründen

ratsam. Denn eine zu spät erkannte

Verfehlung von vereinbarten Zielen

kann erhebliche Folgen nach sich ziehen.

Zu nennen sind hier beispielsweise

Qualitätsmängel, nicht eingehaltene

Kundentermine und schließlich auch

daran gekoppelte erhebliche fi nanzielle

Mehraufwendungen.

Darüber hinaus bietet das Statusgespräch

auch die Möglichkeit, die im ersten

Gespräch fi xierten Ziele an veränderte

Rahmenbedingungen des Marktes

anzupassen und somit den Erfolg der

Zielerreichung abzusichern.

PRAXISTIPP: Nutzen Sie zur Prüfung der

Zielerreichung im Statusgespräch den

Ampel-Check.

Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3 Schritt 4 Schritt 5 Schritt 6

Vorbereitung

Zielvereinbarungsgespräch

Statusgespräch

Datenerhebung

Zielerreichungsgespräch

Konsequenzen

70

ProFirma 02 2009


ProFirma 02 2009

Checkliste Zielvereinbarungsgespräch

VORBEREITUNG > Rückblende

> Erfolgsbewertung

> Gesprächsrahmen und -bedingungen

EINSTIEG > positiver Beginn

> Gesprächsziele

> Vorgehensweise

RÜCKBLENDE > Erfolgsbeurteilung

> Zielerreichungsgrad und -abweichungen

> Schlussfolgerungen

VORSCHAU > Gesamtsituation

> Entwicklungstendenzen

> Anforderungen und Rahmenbedingungen

EINBEZIEHUNG DER

MITARBEITERANLIEGEN

Grün: Die Zielverfolgung läuft nach

Plan.

Gelb: Die Zielerreichung ist gefährdet.

Präventive und korrigierende

Maßnahmen sollten eruiert

werden.

Rot: Die Zielerreichung ist nicht

mehr realistisch. Eine Entscheidung

über einen Abbruch oder

eine Neuformulierung sollte

getroffen werden.

Datenerhebung: Die Datenerhebung

ist eine Vorstufe zum Zielerreichungsgespräch.

Hierbei geht es darum,

Daten zu den angestrebten oder

bereits erreichten Ergebnissen zu beschaffen.

Unterstützung leisten dabei

die Finanzbuchhaltung, die Personalabteilung,

der Vertrieb oder die Marketingabteilung,

da sie die relevanten

Daten, wie zum Beispiel Analysen,

Statistiken, Kennzahlen, Umsätze,

Marktanteile oder Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheiten,

liefern können.

> Erwartungen und Wünsche

> Bedenken

> Vorschläge und Verbesserungspotenziale

VEREINBARUNG > Arbeitsziele

> Termine und Ressourcen

ABSCHLUSS > Resümee

> Wertschätzung

> Unterstützung

Zielerreichungsgespräch: Ähnlich

wie beim Zielvereinbarungsgespräch

sollte eine gründliche Vorbereitung

auch vor dem Zielerreichungsgespräch

stattfi nden. Es ist dabei zu überprüfen,

ob und in welchem Umfang die vereinbarten

Ziele erreicht wurden und

welche Gründe für mögliche Abweichungen

angeführt werden können.

Die im Zielvereinbarungsgespräch festgelegten

Ziele werden also aufgegriffen,

besprochen und auf ihre Realisierung

hin überprüft. Gesprächsthemen können

hier unter anderem die Art und

Weise der Zielfi ndung, der Umfang

der Zielerreichung oder die Analyse

und Bewertung von Problemen und

Lösungsalternativen sein. Außerdem

sollte die Führungskraft die bisherigen

Anstrengungen des Mitarbeiters

anerkennen und würdigen beziehungsweise

bei Zielverfehlungen auch

kritisch argumentieren. Ferner können

in dem Gespräch auch gemeinsam

Verbesserungsvorschläge erarbeitet

werden.

Konsequenzen: Da im Zielvereinbarungsgespräch

in der Regel eine Prämie

vereinbart wird, die an den Grad der

Zielerreichung gekoppelt ist, kommt

es im letzten Schritt zur Auszahlung.

Prämien können dabei in monetäre

(Erfolgsprämie, Gehaltserhöhung) und

nicht monetäre (Mitarbeiter des Monats,

Büchergutschein, Wellnesswochenende)

Anreize unterteilt werden.

PRAXISTIPP: Die generelle oder erstmalige

Einführung von Zielvereinbarungsgesprächen

ist nach § 87 Abs. 1 Ziffern

1, 10, 11 BetrVG mitbestimmungspfl

ichtig durch den Betriebsrat. Die inhaltliche

Ausgestaltung von Zielen hingegen

ist mitbestimmungsfrei.

Die Autoren: Prof. Dr. Thomas

Bartscher und Dipl.-Betriebswirtin

(FH) Juliane Frick

sind Mitglieder der Forschergruppe

shared knowledge. Professor Bartscher

ist Referent bei der Haufe-Akadamie.

LITERATUR-TIPPS

GRUNDLAGEN ERFOLGREICHER

MITARBEITERFÜHRUNG

Führungspersönlichkeit, Führungsmethoden,

Führungsinstrumente;

Autor: Hartmut Laufer

Gabal Verlag, 2007;

178 Seiten, 10 Euro;

ISBN 978-3-89749-725-2

ZIELVEREINBARUNGEN

Autoren: Detlef Grimm/

Norbert Windeln

Verlag Recht und Wirtschaft, 2006;

37 Seiten, 15 Euro;

ISBN 978-3-8005-4251-2

MITARBEITERBEURTEILUNG UND

ZIELVEREINBARUNG

Autor: Christian Stöwe

Rudolf Haufe Verlag,

2. Aufl . 2007; 311 Seiten, 34,80 Euro;

ISBN 978-3-448-08018-6

71


Rückschau & Termine

Projektmanagement

Mittelständler verzichten auf Standardisierung

Der Mittelstand geht beim Management von Projekten kaum

standardisiert vor. Stattdessen setzt jedes Projektteam eigene,

nicht unternehmensübergreifende Tools ein. Dies zeigt

eine Studie der Haufe Akademie in Zusammenarbeit mit der

Hochschule Deggendorf zum Projektmanagement im Mittelstand.

Projekte in kleineren und mittleren Unternehmen sind häufi

g inselartig verstreut. Eine Einbettung des

Projektmanagementsystems in die Unternehmensumwelt

ist der Studie zufolge kaum

feststellbar. Insgesamt seien viele Mittelständler

von einem gereiften Projektmanagement

immer noch weit entfernt, urteilen die Studienautoren.

Bei 47 Prozent der Unternehmen seien keine defi

nierten Anforderungsprofi le für Projektleiter im Einsatz. 45

Prozent verzichten auch bei der Auswahl der Teammitglieder

auf dieses Instrument. Nur 57 Prozent nutzen Vorlagen und

Checklisten routinemäßig. Die am häufi gsten eingesetzten

Tools sind Projekt- oder Statusberichte. Mit steigender Zahl

von Mitarbeitern in der Projektarbeit wächst allerdings die

Verbreitung von standardisierten Abläufen und Richtlinien.

TERMINE

3. – 8. März 2009

Cebit, Hannover

www.cebit.de

Die kompletten Studienergebnisse

können kostenlos unter

www.haufe-akademie.de/

studien abgerufen werden.

11. – 15. März 2009

Internationale Handwerksmesse, München

www.ihm.de

Betrachtet man die kritischen Erfolgsfaktoren im Projektmanagement,

wie beispielsweise die Wahl des Projektleiters und

der Planungsmethoden, zeigt sich auch hier wenig Standardisierung.

Ausgebildete Projektleiter sind selten. In mehr als

der Hälfte der Unternehmen (52 Prozent) werden Projektaufgaben

von den Vorgesetzten defi niert und dann an die

Mitarbeiter übertragen. Nur bei zwölf Prozent der befragten

Unternehmen werden Leiterpositionen formell

ausgeschrieben.

In der Projektabwicklung zählen die befragten

Unternehmen das Schnittstellenmanagement

(64 Prozent) und das Controlling (67 Prozent)

zu den Top-Erfolgsfaktoren. Das Risikomanagement

wird von 49 Prozent als kritischer Erfolgsfaktor

eingeschätzt; allerdings bewerten es 27 Prozent der Befragten

gerade mal als „nice-to-have“. Die Autoren der Studie schließen

daraus, dass das Risikobewusstsein zwar in den Unternehmen

vorhanden ist, es aber kaum Einfl uss auf die tägliche

Projektarbeit hat. An der Studie beteiligten sich 106 Personen

aus Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern mithilfe eines

Online-Fragebogens.

Handelsblatt-Jahrestagung

Informationen für

Investoren in Russland

Am 16. und 17. März fi ndet in Berlin die

„5. Handelsblatt Jahrestagung Russland“

statt. Bei diesem Kongress werden Experten

über die rechtlichen und wirtschaftlichen

Rahmenbedingungen für Unternehmen

in Russland berichten. Die Jahrestagung

wendet sich sowohl an Unternehmen, die

bereits dort geschäftlich aktiv sind, als auch

an Firmen, die Investitionen planen. Die Begrüßungsrede

am ersten Konferenztag wird

die langjährige ARD-Korrespondentin in

Moskau, Dr. Gabriele Krone-Schmalz, zum

Thema „Was passiert in Russland?“ halten.

Das zweitägige Programm besteht aus einer

Mischung aus Diskussionsrunden sowie

Referaten zu wichtigen Themen, mit denen

Investoren derzeit konfrontiert sind.

INFO: www.vhb.handelsblatt.com/russland

72 ProFirma 02 2009

Studie


Fotos: Evelyn Taubert/panthermedia

Vorschau 03.2009

Titelthema: Unternehmen Zukunft

Wenn am 3. März die IT-Leitmesse Cebit in Hannover öffnet, werden Tausende

Besucher auch mit der Hoffnung hingehen, einmal in die Zukunft spicken zu können.

Wie neue Technologien Unternehmen verändern werden, ist nur mit einem

gehörigen Schuss Fantasie vorstellbar. ProFirma wagt einen Blick in die Ferne.

Was heute noch für die Spinnerei von Science-Fiction-Freaks gehalten wird, kann

morgen Unternehmeralltag sein.

IMPRESSUM

Redaktion:

Dieter Römer (Chefredakteur)

E-Mail: Dieter.Roemer@ProFirma.de

Martin Hug (Redakteur)

E-Mail: martin.hug@profi rma.de

Paul Lauer (Redakteur)

E-Mail: Paul.Lauer@ProFirma.de

Hans-Walter Neunzig (Redakteur)

E-Mail: Hans-Walter.Neunzig@ProFirma.de

Gabi Reuys (Assistentin)

E-Mail: Gabi.Reuys@ProFirma.de

Telefon 07 61/36 83 575, Fax 07 61/36 83 105

Hausadresse der Redaktion:

Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co. KG

Hindenburgstr. 64, 79102 Freiburg

Autoren dieser Ausgabe:

M. Bahnerth, Porf. Th. Bartscher, Prof. M. Beck,

A. Bemmer, A. Bilgri, M. Buchner, T. Cole, U. Felger,

J. Frick, S. Hölper, M. Hofmann, G. Hopmeier,

B. Janzing, St. Kaufmann, D. Kunde, G. Lüke, M.

Ries, Prof. N. Walter, O. Weiss.

Grafi k: Hanjo Tews

ProFirma 02 2009

Anzeigen-Verkauf:

Bernd Junker (Verkaufsleitung und Marketing)

Telefon 09 31/27 91 556

Oliver Cekys (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 731

Thomas Horejsi (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 451

Michaela Dotzler (Disposition)

Tel. 09 31/27 91 559, Fax 09 31/27 91 477

E-Mail: Anzeigen@ProFirma.de

Verbreitete Aufl age,

3. Quartal 2008: 81.771

Verkaufte Aufl age: 69.841

IVW-geprüft. ISSN 1435-6082

Abonnentenservice:

Haufe Service Center GmbH, Postfach,

79091 Freiburg

Telefon 01 80/50 50 169*, Fax 01 80/50 50 441*

E-Mail: Zeitschriften@Haufe.de

*0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, abweichende Mobilfunkpreise.

Ein Service von dtms.

Die Ausgabe 03/2009 erscheint am 25. Februar 2009

Weitere Themen:

INTUITION

Falle Bauchgefühl

Viele Chefs geben bei unternehmerischen

Entscheidungen eine Menge auf ihre

Intuition. Dies bringt häufi g gute Ergebnisse

– kann aber auch ins Auge gehen.

INFRASTRUKTUR

Im Dorf auf Draht

Jederzeit und überall eine schnelle

Internet-Verbindung? Die lückenhafte

Breitbandversorgung in der Fläche wächst

sich mancherorts zur Konjunkturbremse

aus.

VERSICHERUNGEN

Für alle Fälle

Selbstständigkeit ist nicht gleich Selbstständigkeit.

ProFirma sagt, wie sich Unternehmer

in unterschiedlichen Situationen

gegen Risiken absichern.

Verlag:

Haufe Fachmedia GmbH & Co. KG

Geschäftsführer: Reiner Straub

Verlagsleiter: Norbert Schrade

Im Kreuz 9, 97076 Würzburg

Tel. 09 31/27 91 400, Fax 09 31/27 91 444

www.Haufe-Fachmedia.de

Druck:

Druckerei Echter, Würzburg

Vertrieb im Handel:

SPECIAL INTEREST

Zeitschriften Distribution & Marketing GmbH

Nordendstraße 2; 64546 Mörfelden-Walldorf

Der jährliche Bezugspreis beträgt für ProFirma im Inland: 64 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 79 Euro inkl. Versand. Das Kombi-Jahresabo ProFirma

Professional kostet im Inland 177,60 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 192,60 Euro inkl. Versand. Bezieher der Produkte aus der „Lexware professional

line“ (9018, 9182, 9183, 9170, 9171, 9172, 9173, 9174, 8804, 9094) erhalten ProFirma im Rahmen ihres Abonnements. Für Mitglieder des Bundes der Selbständigen

(BDS) ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten.

73


Schluss mit lustig

Um 9.30 Uhr stieg ein Japaner mit Aktenkoffer aus einer

schwarzen Limousine. Einer bloß, keine Delegation wie angekündigt.

Er lächelte, und H2O und seine Frau lächelten zurück,

irgendwie. Sie gingen aufeinander zu, schüttelten sich

die Hände, lächelten immer noch, und dann streckte der Japaner

plötzlich seine linke Hand nach vorne.

„Businesscard, Mr. Hirschmuller, bitte.“ Jetzt fummelte H2O

zusehends nervöser in den Taschen seines Jacketts herum und

schüttelte dann den Kopf. „Nehmen Sie doch meine in der

Zwischenzeit“, sagte Clara, H2Os Frau. „Oh, thank you very

much, Mrs. Hirschmuller. Ah, sie

machen Kunst ...“ „In Kunst“, antwortete

sie, „ich bin Galeristin.“

„Oh“, sagte der Japaner, „meine

Frau ist große Kunstliebhaberin

auch, müssen sie mir unbedingt

zeigen ihre Sammlung, und dann

ich mache Foto für meine Frau.“

„Ja, dann“, mischte sich H2O ein,

„wie wärs, wenn ich Ihnen zuvor

unseren Biopommes-Automaten

zeigen würde? Mögen Sie

Pommes?“ „Ah, Mr. Hirschmuller.

Meine Töchter mögen sehr, und

ich mögen meine Töchter sehr.“

„O.k.“, murmelte H2O, „wenn Sie

mir dann folgen mögen.“

Sie hatten etwas vorbereitet in der Werkhalle. Vor einem riesigen

Poster mit dem Fujiyama drauf stand auf Hochglanz poliert

der grüne Biopommes-Automat. „Mr. Hokaido, wenn ich

ein paar Worte sagen dürfte?“, hob H2O an, „was Sie hier sehen,

ist eine Vision. Die Vision einer besseren Welt. Gesundes

Produkt, angemessener Preis, allgegenwärtige Verfügbarkeit.

Gerade angesichts der Weltwirtschaftskrise sind das unverzichtbare,

äh, Dinge. Ich freue mich, Mr. Hokaido, wenn es

uns gelänge, gemeinsam die Welt mit dem Biopommes-Automaten

etwas besser zu machen.“ „Mr. Hirschmuller“, sagte

Mr. Hokayido, „es ist mir eine Ehre. Aber eine Frage ich habe:

Was Bio sein?“ „Bio heißt, naja, gesundes Produkt.“ „Verstehe.

Nicht Bio heißt ungesund dann. So ist in Deutschland viel

ungesund?“ „Mr. Hokaido“, fuhr Clara dazwischen, „der Un-

H 2O

... und Mr. Hokaido an Pommes rot-weiß

von Michael Bahnerth

Biopommes-Automatenfabrikant Henning Hirschmüller-Oberst, genannt H2O,

kommt mit seinem Besucher aus Japan nicht zum Abschluss.

terschied ist wie beim Thunfi sch. Es gibt Filetstücke und die

andern. Bio ist Filet.“

„Mr. Hokaido?“, sagte H2O. Er drückte dem Japaner ein Ein-

Euro-Stück in die Hand und sagte: „Please.“ „Very interesting“,

antwortete der Japaner, steckte das Geld in den Schlitz und

wartete. „Sie müssen jetzt wählen“, erklärte H2O, „ob mit

oder ohne Ketchup oder Mayonnaise.“ „Verstehe. Ich nehme

Ketchup.“ „Dann drücken Sie die rote Taste und warten eine

Minute.“ „Lustiges Ding“, sagte Mr. Hokaido.

„Mr. Hokaido“, unterbrach Clara die Pause, „wie wichtig sind

eigentlich Pommes in Japan, kulturgeschichtlich

meine ich?“ „Ah,

junge Leute mögen sehr. Tradition

hat nicht, aber unsere Analyse

zeigen, dass Traditionen auch in

Japan gehen kaputt. Ist schade,

wirtschaftlich interessant aber.

Traum von mir wäre, Pommes auf

Reisbasis zu machen. Können Sie

das, Mr. Hirschmuller?“ „Äh, leider

nicht, noch nicht.“ „Schade, das

wäre Topprodukt.“ „So, Mr. Hokaido,

Ihre Portion Pommes wäre

dann soweit.“ „Arigatou Mr. und

Mrs. Hirschmuller und jubun meshiagare,

heißen guten Appetit.

„Mr. und Mrs. Hirschmuller? Was

ist Gelbes auf Pommes? Da zwischen rot es ist.“ Clara und

H2O schauten sich an. „Das ist eine Überraschung, Mr. Hokaido“,

antwortete Clara, „Pommes rot-weiß“. Ein Fundament

der deutschen Pommeskultur. „Ah, sehr interessant. Ist Kunstwerkpommes?“

„Wenn man so will. Schmeckt es?“ „Ah“,

sagte Mr. Hokaido, „Bio schmecken gut. Fühle mich prächtig

schon. Leider ich muss weitergehen danach, gucken eine Fabrik

für Fischstäbe. Könnte sein gutes Geschäft. Wir machen

so, Hirschmuller. Sonne ist groß. Was passiert, bevor wir machen

Geschäft: Sie kommen nach Tokio.“

DIE NÄCHSTE FOLGE: Clara und H2O zwischen Kunstgalerien

und Vertragsverhandlungen in Tokio.

74 ProFirma 02 2009

Folge 11

Illustration: Reinhold Harwarth


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