Leseprobe 5-18

anitakoessler

September/Oktober 2018

bildunterschrift

5/2018

Landleben

genießen

Exklusiv:

Mit toller

Verlosung von

Zopf & Falte

3


8

Aus dem Inhalt

Beruf, Familie & Kinder

12 Traditionell und praktisch – Birgit Weiß strickt handgemachte Pullover

34 Die Hofgemeinschaft Heggelbach öffnet ihre Türen

64 Jetzt ist Einmachzeit! Bäuerin Waltraud Angele zeigt, wie’s geht

112 Teresa Locher ist Hopfenbäuerin und Tettnanger Hopfenkönigin

164 Die Stimme als Spiegel unserer Seele

Bewegung & Freizeit

8 Hoch über dem Lechtal liegt die Hermann-von-Barth-Hütte

60 Hofcafé, Dorfladen und Obstbaubetrieb – zu Besuch

am bayerischen Bodenseeufer bei Familie Sporrädle

88 Beim Endeler in Missen erlebt man Zeit für Gutes

118 Vom Stallbesen zur Sonntagsküche – die Gastwirtschaft bei Ravensburg

erzählt von Wohlfühlatmosphäre und leckerem Sonntagsbraten

40

130

Gesundheit & Wellness

46 A2 – die neue Super-Milch? Zu Besuch bei Andreas Kraus

102 Alleskönner Rosskastanie

174 Herzrhythmusstörungen – von harmlos bis gefährlich

178 Die Schilddrüse: Mini Organ – Maxi Wirkung!

Mode, Wohnen & Dekoration

58 Natur für Ihr Zuhause

78 Die schönsten Ideen für Ihre Herbstdeko

152 Das Parkhotel Frank vereint Natur, Erholung und Kulinarik

154 Ein Ort zum Wohlfühlen: das Buddha-Haus in Oy-Mittelberg

160 Wellness-Freuden

162 Bernd Benninghoff baut besondere Wohnhäuser

170 Trends für die neue Herbstmode

60 102 12


Natur, Garten & Tiere

40 Exoten im Allgäu: Schottische Hochlandrinder

82 Dahlien: Cheerleader mit bunten Pompons

94 Schwester Birgit und ihre Heilkräuter im Klostergarten

98 Die Renaissance alter Gemüsearten und -sorten

142 Mit fliegenden Ohren und kurzen Beinen – das internationale

Dackelrennen in Wangen

146 Faszination Greifvogel: Michaela Paus ist Falknerin

Kochen, Küche & Gäste

52 Alle lieben Käsekuchen

70 Komm zum Kaffeeklatsch!

75 Backkurs Heimatliebe – gemeinsam backen mit der » «

106 Einfach hausgemacht: Sauerkraut selbstgemacht

108 Kohlrezepte auf die feine Art

124 Herzhafte Kuchen aus dem Ofen

130 Wir feiern den Herbst! Pilzrezepte haben jetzt Saison

64

75

Kultur, Brauchtum & Termine

18 Klänge für die Seele: die Tradition des Alphornblasens

22 Harald Probst und seine Mädelsband »Lumpamensch«

28 Der Viehscheid in Apfeltrang: klein, aber ursprünglich

31 Wenn der Alpsommer zu Ende geht: Viehscheid-Termine

186 Termine: Wo ist was los?

Rubriken

Verlosung!

6 Briefkasten

172 Schönes, Nützliches & Neues

191 Regio-Presse

182 Schaufenster

188 Verlosung Oberschwabenschau

192 Rätselspaß

194 Impressum, Ausblick

Verlosung!

Mitmachen

142 22 18

78


Hoch über

dem

Lechtal

Die höchstgelegene Schutzhütte

der Allgäuer Alpen – die

Hermann-von-Barth-Hütte –

bietet hoch über dem Lechtal, eine

panoramareiche Aussicht auf

das Lechquellgebirge und die

Lechtaler Alpen.

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Die Hermann-von-

Barth-Hütte.

Die Hüttenwirte Marion und Harald Wolf, immer mit guter Laune.

W

as ist die Voraussetzung für eine

unvergessliche Hüttentour? Eine

urige Hütte mit netten Wirtsleuten und

ein traumhaftes Panorama, an dem man

sich einfach nicht sattzusehen vermag.

Genau diese drei Faktoren sind bei der

Herman-von-Barth-Hütte gegeben und

so steht unserem perfekten Wandertag

nichts mehr im Wege.

Unsere landschaftlich wunderschöne

und aussichtsreiche Wanderung zur

urigen Hermann-von-Barth-Hütte auf

2.131 m beginnt in Elbigenalp im Tiroler

Lechtal.

Gute Kondition ist zwar erforderlich,

aber der Weg ist das Ziel. Vom Geierwallyparkplatz

in Elbigenalp gehen

wir Richtung Schnitzschule. An dieser

vorbei halten wir uns dort Richtung

Hermann-von-Barth-Hütte und Kasermandl.

Nach insgesamt einer Stunde

erreichen wir die Kasermandl-Hütte und

gehen von dort in gut zwei Stunden weiter

hinauf zur Hermann-von-Barth-Hütte.

Vorbei an Bächen, seltenen Blumen,

Kräutern und Alpenrosen vergeht die

Zeit wie im Flug und plötzlich sieht man

mitten im Fels die Hütte hervorragen.

Mir fällt beim Aufstieg auf, wie gepflegt

die Wege sind. Später erzählt mir

Hüttenwirt Harald, dass er diese selbst

instand hält. »Schließlich sind sie die

Visitenkarte eines Hüttenwirtes.«

Vom Hüttenvirus infiziert

Mitten im Wolfebnerkar, einer Sonnenterasse

über dem Lechtal, bietet die

Hermann-von-Barth-Hütte ein außergewöhnliches

Gipfelpanorama. Freundlich

werden wir von den Hüttenwirten

Marion und Harald Wolf begrüßt, die

seit 2006 die Hütte führen. Bereits vor

knapp 30 Jahren bewirteten die beiden

für neun Jahre die Frederic-Simms-

Hütte im Lechtal. Marion war damals

gerade einmal 18 Jahre alt und noch

mitten in der Ausbildung zur Kellnerin.

Und so musste sie während des Hüttensommers

nach Innsbruck, um ihre

Abschlussprüfung zu absolvieren.

Als die beiden dann die Hermann-von-

Barth-Hütte übernahmen, waren ihre

Kinder gerade einmal sechs und 12 Jahre

Wer war Hermann von Barth?

Hermann von Barth (1845 –

1876), der Jurist, verschrieb sich

bereits in der Jugend dem Bergsteigen.

Da es damals ja noch überhaupt

keine Karten gab und auch

überhaupt keine qualifizierten

Bergführer, dokumentierte er die

Wege und ergänzte seine Unterlagen

auch mit Zeichnungen. 1874

erschien von ihm eines der ersten

Bergbücher überhaupt. Während

seiner Zeit als Rechtspraktikant in

Sonthofen bestieg er 44 Allgäuer

und Tannheimer Alpen, darunter

waren auch 3 Erstbesteigungen.

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Oben: Köstliche Hüttenbrotzeit mit herrlichem Ausblick.

Links: Der ersehnte, erste Blick auf die Hütte.

alt. »Ohne meine Mama hätten wir die

ersten Jahre nicht bewältigen können«,

erzählt Marion. Während der Ferien

waren die Kinder bei ihnen, aber da

die Hüttensaison länger geht, waren sie

über die Unterstützung der Oma im Tal

dankbar.

Die beiden Mädchen halfen vom ersten

bis zum letzten Ferientag, die Arbeit auf

der Hütte zu bewältigen. »Selbst als sie

größer wurden, gingen sie zum Feiern am

Samstag ins Tal und standen am Sonntag

in der Früh um 8 Uhr mit frischen Semmeln

in der Hand wieder hier heroben«,

erinnert sich Harald schmunzelnd. Hut

ab, schließlich sind rund 1.100 Höhenmeter

zu bewältigen.

Gastlich verwurzelt

Marion und Harald legen besonders

großen Wert auf eine gute, bodenständige

und traditionsbewusste Küche.

Ob köstlicher Kaiserschmarrn, feine

Kässpatzen oder deftige Knödelsuppe.

Der Apfelstrudel wird von Harald selbst

gemacht. Bei ihnen werden hauptsächlich

regionale Produkte verwendet.

Während Marion in der Küche köstliche

Gerichte aus der Tiroler Küche zubereitet,

kümmert sich Harald um die Gäste

in der Stube und draußen. Wenn es von

den Leuten her passt, zieht er plötzlich

seine Diatonische heraus und begeistert

mit seiner Musik.

Doch auch um den ein oder anderen

Spruch ist er nie verlegen. Und so fragt

doch tatsächlich ein norddeutscher

Wanderer am Nachbartisch: »Habt ihr

ne frische Buttermilch?« Ich kann mir

ein Grinsen nicht verkneifen und denke

mir: »Guter Mann, siehst du hier mitten

in den Felsen eine Kuh?« Was antwortet

Harald im besten Lechtalerisch? »Na de

isch gestern abgstürzt.« Nun ja, der Wan-

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Lustiger Terrassenwächter aus Holz.

Viele Wege führen ans Ziel.

Der musikalische Hüttenwirt Hermann Wolf.

derer hat den Witz nicht ganz kapiert.

Die Versorgung mit Lebensmitteln und

sonstigem Bedarf erfolgt mit einer Materialseilbahn.

Die Hütte bietet für 65

Personen Übernachtungen, aber keine

Duschen an. Auf die Frage nach einer

Duschmöglichkeit gibt es von Harald

immer die gleiche Antwort mit einem

spitzbübischen Grinsen. »Wir haben

Ausgangspunkt und Touren:

• Ausgangspunkt: Geierwallyparkplatz in Elbigenalp. Von dort der Beschilderung

folgend vorbei an der Schnitzschule folgen. Auf knapp der Hälfte vom

Weg liegt die Kasermandl-Alm.

• Gehzeit insgesamt: ca. 3–3,5 h (ca. 1100 Höhenmeter)

• Übernachtungsmöglichkeiten und Öffnungszeiten:

Die Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins hat ca. 65 Lagerplätze und ist von

Mitte Juni bis Ende September geöffnet.

• Anschlusstouren: Die Hermann-von-Barth-Hütte bietet eine interessante und

besonders ruhigere Alternative zum Fernwanderweg E 5. Von der Kemptner

Hütte über Krottenkopfscharte. Nach der Übernachtung auf der Barth-Hütte

über die Hanauer Hütte oder Württemberger Haus.

Besonders reizvoll ist die Krottenkopfrunde, nach dem Frühstück über diese

Runde mit ca. 6 h geht es zur Bernhardseckhütte, hier sind ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten

vorhanden. Von dort führt der Weg wieder zum

Geierwallyparkplatz.

• Kletterparadies: Die Hermann-von-Barth-Hütte liegt am Kletterparadies der

Wolfebnerspitze mit über 50 gut sanierten Kletterrouten.

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einen Waschraum mit wunderbarem,

gesundem und frischem Bergwasser.«

Doch gerade dies und vor allen Dingen

das Handyverbot in der Stube sorgen

für eine rasche Entschleunigung, die

Hüttenbesucher zu schätzen wissen.

Hier ist ein Hüttenflair vorhanden,

das viele Stammgäste jedes Jahr gerne

in Anspruch nehmen.

»Für uns verfliegt die Zeit auf der

Hütte wie im Flug«, erzählt mir

Marion. »Wir befinden uns ja irgendwie

zwischen zwei Welten; einerseits

knapp vier Monate hoch oben auf über

2.100 m und im Winter dann das Leben

im Tal.« Doch wir können es uns

einfach gar nicht anders vorstellen«,

gibt mir Harald am Ende mit. Und

auch wir entscheiden uns, die beiden

bald wieder zu besuchen und ein bisschen

zu entschleunigen.

Riezlern

B201

Baad

Text & Fotos: Silvia Schlögel;

Freisteller: Miceking/stock.adobe.com B

B19

Warth

Fischen

Oberstdorf

Hermann-von-

Barth-Hütte

Holzgau

B198

Elbigenalp

Hermann-von-Barth-Hütte

Harald Wolf

Tel.: Hütte:+43 (0) 5634/6671

www.hermann-von-barth.at

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Neues Selbstbewusstsein, neue Herausforderungen,

neues Glück: Mit einem

Knäuel Wolle und einem Paar Stricknadeln

startete Birgit Weiß nochmal durch.

Ganz zufällig.

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Mit

Zopf & Falte

in ein neues Leben

S

tricken beruhigt und beschäftigt.

Das weiß jeder von uns, der schon

mal die Stricknadeln geschwungen hat.

Masche für Masche heben wir von einer

Nadel auf die andere und trainieren

dabei ein erhebliches Maß an Durchhaltevermögen.

War es tatsächlich diese

Tätigkeit an sich oder aber ein gewisser

Hang zur Sturheit, was zum Erfolg

von Birgit Weiß geführt hat? »Wahrscheinlich

Letzteres«, lacht die sympathische

Wahl-Oberbayerin. Heute

führt sie erfolgreich ein kleines, feines

Unternehmen. Und strickt zusammen

mit ihren Mitarbeiterinnen außergewöhnliche

und besondere Pullover mit

Zopf und Falte. Den Markenzeichen

ihrer Kreationen.

Der Weg vom Allgäu nach

Oberbayern

Die Straße schlängelt sich durch Dörfer

und Städtchen, vorbei an meterhohen

Hopfenstauden, für die das charmante

Hopfenland Hallertau bekannt ist.

Es heißt, dass hier die Seele des Bieres

zuhause ist. Doch ich entdecke in dem

Landstrich noch vieles mehr. Der Tag ist

grau, doch der feine Zitronenduft einer

bestimmten Aromahopfensorte lässt an

sonniges Italienwetter denken. Hinter

den sanften Hügeln sollten am fernen

Horizont eigentlich die oberbayerischen

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Masche für Masche enstehen bei Birgit Weiß ganz besondere Pullover nach altem Handwerk.

Alpen zu sehen sein. Heute ist es jedoch

regnerisch und trüb. Ganz anders in der

gemütlichen Stube, zwischen Kachelofen

und Strickpullovern, die hier vorsichtig

nach dem Waschen getrocknet werden.

Zierlich und blond, in Jeans und Strickpullunder

hat es Birgit vom Oberallgäu

nach einigen Zwischenstationen hier

nach Attenkirchen ins tiefste Oberbayern

verschlagen. Man muss sie einfach

ins Herz schließen: Eine Frau, die zu

ihren Ecken und Kanten steht, die das

Schicksal annimmt und über sich selbst

lachen kann.

Wie alles begann

Birgit wächst in Oberstaufen in einem

Hotelbetrieb auf. Um hier mit einzusteigen,

macht sie zunächst eine Ausbildung

zur Masseurin. Doch eine starke Allergie

zwingt sie, den Beruf aufzugeben. Sie er-

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Im gemütlichen Atelier arbeiten heute drei Strickerinnen.

greift die Chance und geht als junge Frau

nach München. In einer Cateringfirma

am Flughafen lässt sie sich als kaufmännische

Angestellte auf ein völlig neues

Arbeitsgebiet ein. Doch sie kämpft sich

durch, hat Erfolg. Ihr sympathischer

Chef unterstützt sie, wo es geht – heute

sind die beiden seit 30 Jahren ein Paar.

»Wir waren der Klassiker«, lacht Birgit,

»die blonde Angestellte und der ältere

Boss.« Nach dem Verkauf seiner Firma

zieht er mit seiner jungen Frau nach

Landshut auf einen großen Bauernhof,

der Birgit zudem ermöglichte, ihrer

Leidenschaft nachzugehen: dem Reiten.

Zwischen Training und Turnieren erkennt

sie aber bald, dass ihr irgendetwas

fehlt. Als leitende Angestellte fängt sie

bei einem neuen Cateringunternehmen

an. 13 Jahre arbeitet sie täglich bis zu

12 Stunden in dem Betrieb, ist rund

um die Uhr erreichbar. An Freizeit und

Urlaub ist nicht zu denken. Die einstige

aktive Reiterin gibt ihr geliebtes Hobby

und die Pferde auf. Bis sie plötzlich die

Kündigung aufgrund ihres Alters erhält.

»Mit 50 wirst du einfach aussortiert. Für

mich ist damals eine Welt zusammengebrochen,«

erinnert sich Birgit. Von

heute auf morgen arbeitslos zu sein, ist

für die arbeitsame Frau eine Situation,

mit der sie nicht umgehen kann. Sie

sucht nach einer Beschäftigung.

Der erste Pullover

Über eine Freundin kommt sie auf die

Idee, Stricken zu lernen. »So ging ich

einfach in das nächste Handarbeitsgeschäft

und ließ mir von der Inhaberin das

Stricken zeigen,« erzählt sie. Mit einem

Knäuel Wolle und Stricknadeln beginnt

sie, ihre leere Zeit zu füllen. So entsteht

ein drei Meter langer Schal, bevor sie sich

an eine Weste wagt. Es folgen eine Jacke

und ein Pulli. »Und da ich mir selbst

immer gern Oberteile mit einer Falte

gekauft habe, versuchte ich einen Strickpulli

mit so einer Falte zu entwerfen.«

Nach unzähligem Auftrennen, Probieren

und viel mühsamer Arbeit trägt

sie schließlich stolz ihr Werk, welches

überall für positive Resonanz sorgt,

»Ich wurde in Geschäften und sogar

In liebevoller Handarbeit werden die außergewöhnlichen

Pullover fertiggestellt.

auf der Straße auf den Pulli angesprochen,

von München bis Oberstaufen«,

lacht Birgit. Eine Bekannte überredet

sie schließlich, ihr drei Exemplare zu

stricken, um diese in ihrem Laden anzubieten.

»Drei Tage, nachdem ich sie ihr

gebracht hatte, war schon der erste verkauft,«

sagt Birgit bescheiden. So entsteht

2014 ihr kleiner Handwerksbetrieb.

»Geht nicht, gibt´s nicht« ist Birgits Devise.

Und dies galt für sie auch bei ihren

Strickversuchen. Mit ihrem »sturen Schädel«,

wie sie es lachend selbst bezeichnet,

macht sie scheinbar Unmögliches möglich.

»Was aber für meine Mitmenschen

manchmal schwierig ist«, schmunzelt sie,

tüftelt, »mächelt« und probiert so lange,

bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist und

das erreicht hat, was sie möchte. Wenn

dies jemand schafft, dann diese aktive

Frau mit gesundem Eigensinn und der bewundernswerten

Eigenschaft, mit Altem

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Birgit Weiß hat gelernt, dass im Leben immer neue Türen aufgehen.

vollkommen abzuschließen und sich auf

das Neue ganz und gar einzulassen.

Zopf, Falte und

Durchhaltevermögen

»Die ersten 40 Pullover habe ich noch

klassisch mit Nadeln gestrickt«, erinnert

sich Birgit. Doch als ihre Schulter

dies nicht mehr mit machte, musste sie

sich nach einer anderen Möglichkeit

der Herstellung umsehen. Sie entdeckte

einfache Strickmaschinen »wie aus Omas

Zeiten«, die von Hand bedient werden.

Doch auch dieses alte, fast ausgestorbene

Handwerk galt es mühsam zu lernen. Drei

festangestellte Strickerinnen unterstützen

sie heute im behaglichen Atelier im Dachgeschoss

ihres Hauses. Der Erfolg fordert

allerdings seinen Tribut und so arbeitet

Birgit rund um die Uhr. »Mein ganzes

Leben dreht sich um das Geschäft«, sagt

sie nachdenklich, »und auch wenn es sehr

viel Spaß macht, ist es sehr anstrengend.«

Ihre Herausforderung sieht sie jetzt darin,

sich ab und zu herauszunehmen und trotz

aller Arbeit selbst nicht zu verlieren. So

gönnt sie sich ab und zu eine kurze Auszeit,

wenn sie mit ihrem Mountainbike

durch die Hallertau oder das Allgäu radelt

und in der Natur neue Kraft schöpft.

»Man steht sich oft selbst im Weg, statt

etwas zu wagen oder durchzustehen.«

So sieht Birgit Weiß den Lebensfluss

heute. Doch sie hat gelernt, dass sich im

Leben tatsächlich immer wieder eine

neue Tür öffnet, sobald sich eine andere

verschließt: »Solange man sich selbst treu

ist, das Vergangene hinter sich lässt und

anstatt zu jammern die Ärmel hochkrempelt,

ist das alles nicht so schwierig.«

Text: Susanne Pinn;

Fotos: Susanne Pinn (2), Marion dos Santos (3);

Hintergrund: Elenathewise/stock.adobe.com B

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Was macht das Allgäu aus? Nicht nur die einzigartige Natur,

Klänge

sondern auch Bodenständigkeit und Ursprünglichkeit.

Werte, die sich in einer alten Tradition wiederfinden:

dem Alphornblasen

dieSeele

für

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Das Alphorn ist aus dem Allgäu nicht mehr wegzudenken.

Wer sich einmal den sphärischen

Klängen hingegeben hat,

versteht, woher die Passion

Jörg Pöschls herrührt.

Ein strahlender Sonnentag taucht

die Bergwelt in warmes Licht.

Die Luft ist mild und würzig. Das ferne

Läuten der Kuhglocken nimmt den Geist

mit auf eine Reise fernab von Stress und

Hektik. Doch zu den Geräuschen der

Natur ringsum gesellen sich warme, volle

Töne, die das Herz berühren. Fast meditativ

klingen sie, scheinen eins zu sein mit

der wunderbaren Landschaft ringsum.

Wenn Jörg Pöschl sein Alphorn bläst,

gehen die Sinne auf die Reise, öffnen

sich für das Wesentliche und vermitteln

gleichermaßen ein Gefühl der Freiheit

und Bodenständigkeit.

Inmitten der Postkartenidylle der

Allgäuer Landschaft, zwischen blumenübersäten

Bergwiesen und mit einem

sensationellen Blick in die Alpen, hat

sich Jörg Pöschl 1998 mit einem kleinen,

feinen Landhotel einen Traum erfüllt.

»Doch der Weitblick bezieht sich nicht

nur auf die Aussicht, sondern vor allem

auf das Bewahren der Natur und der

Allgäuer Traditionen«, sagt der passionierte

Alphornspieler, der hier auch

die Kurse für das Blasen des besonderen

Instrumentes anbietet.

Bei Jörg Pöschl macht im wahrsten Sinne

des Wortes »der Ton die Musik«. Nicht

nur im Umgang mit den Mitmenschen,

sondern auch bei seiner Leidenschaft.

»Jeder Ton verdient Beachtung,« ist

seine Überzeugung, »egal ob im täglichen

Miteinander oder bei der Alphornmusik.«

Dieser hat sich der gebürtige,

sympathische Württemberger aus dem

Taubertal mit Herz und Seele verschrieben.

Für ihn ist das Alphornspiel

untrennbar mit der Region verbunden.

Vom Taubertal ins Allgäu

Schon als Kind verbringt Jörg Pöschl mit

seinen Eltern und Brüdern viel Zeit in

den Bergen. Nach einigen Berufsjahren

als Postbeamter ist ihm klar, dass dies

nicht seine Erfüllung sein würde. Er

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Das Erlernen des Alphornspiels erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

entdeckt seine Affinität zur Gastronomie,

arbeitet als Barkeeper und bekommt

im Hotel Sonnenalp die Chance zu

einer Umschulung. Nach einigen Jahren

übernimmt er die Schirmbar in Grasgehren.

Zwischen Aprés-Ski, Bikertreffen

und Jazz-Frühschoppen fühlt sich der

Hobby-Musiker sichtlich wohl. Bei

einem Hüttenabend der benachbarten

Hörnle-Alp lernt er den dortigen Hirten

kennen, einen leidenschaftlichen Alphornbläser.

»Das wollte ich dann auch

ausprobieren«, erinnert sich Jörg Pöschl

lachend. Immerhin hatte er jahrelang

auch Trompete gespielt. »Danach wollte

ich unbedingt so ein Alphorn haben.

Damals erschien mir das Ganze noch als

Gag, der Schwabe in der Lederhose mit

dem Alphorn. Zu der Tradition hatte ich

zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt

keine Verbindung.« Erst als der bekannte

Alphornlehrer Max Schmid aus Obermaiselstein

ihn in die Riege seiner Schüler

aufnimmt, lernt er die wahre Tiefe und

Tradition des Alphornspiels kennen.

Seit 1958 tönt es von den Bergen

Blasinstrumente aus Holz sind uns aus

aller Welt bekannt: das Didgeridoo aus

Australien, Holzhörner aus Afrika oder

Bambustrompeten aus Indien. Für Europa

gesellt sich hier das Alphorn dazu. Die

vermutlichen Vorläufer des Blasinstrumentes

können bis ins Altertum zu den

Römern und Griechen zurückverfolgt

werden, wo sie kultischen Zwecken dienten.

Mitte des 16. Jahrhunderts wur-

Möchten auch Sie dem Hirteninstrument einen Ton entlocken?

ALPHORN-SCHNUPPERKURS für die Leserinnen und Leser der

Sonntag, 11. November 2018

ab 11:30 Uhr Weißwurstfrühschoppen mit Abschlusskonzert des Aufbaukurses

anschließend kostenloser Alphorn-Schnupperkurs im Landhotel Alphorn

in Ofterschwang • Kursleitung: Jörg Pöschl

Informationen und Anmeldung unter

info@landhotel-alphorn.de oder 08321/ 66340

de das Alphorn erstmals durch den Naturgelehrten

Conrad Gesner aus der Schweiz

dokumentiert. Doch auch im Allgäu

sind Nachweise des einstigen Hirtenwerkzeuges

zu entdecken: In der kleinen

Bergkapelle St. Anna in Rohrmoos zeugt

eine Szene auf einem Bildnis von 1568

der Anbetung Christi von der Existenz

des Instruments: Am Fuß eines Berges –

der stark an den Grünten erinnert – steht

ein Hirte mit seiner Herde und einem

gestreckten Alphorn. Durch das Vorkommen

in der heimischen, bewaldeten

Heimat bekam es die Bezeichnung »Allgewisches

Waldhorn«. Rund 400 Jahre

sollte es aber dauern, bis das Alphorn im

Allgäu als Instrument anerkannt war.

Der Heimatpfleger Alfred Weitnauer aus

Kempten und der Dozent Herman Regner

aus Marktoberdorf legten schließlich

den Grundstein für die Tradition des

Alphornblasens im Allgäu, nachdem sie

bei einem Treffen den urigen und vollen

Klang des Instruments beim Ettwieser

Musikanten Alois Blank erleben durften.

Wenn das Alphorn klingt

Von den Hirten wurde das Alphorn einst

geblasen, um mit anderen Bergbewohnern

zu kommunizieren. Außerdem sollte

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»Tu was du tust

mit Gefühl und Herz«

das Spiel die Tiere an den Hirten binden

und sie beruhigen – sei es bei Gewittern

oder beim Auftauchen anderer Tiere wie

Fuchs oder Dachs. Ruhig und berührend

müsse das Spiel aber sein, damit es

diesen Effekt hat, erklärt Jörg Pöschl und

schmunzelt: »Außerdem muss der Ton

so weich getroffen werden, dass ihn eine

Kuh versteht.« Dass er diesen offensichtlich

genau triff, hat der Alphornbläser

selbst schon erfahren. So lockte er beim

Spiel auf einer Alp bei Oberstdorf tatsächlich

die komplette über die Weiden

verstreute Herde an – sehr zum Unwillen

des Hirten, der in seiner Mittagsruhe gern

ein wenig Ruhe wollte.

Horninstrumente ohne Ventile wie das

Alphorn sind auf die Töne der Naturtonreihe

beschränkt. Diese ist eine nach

aufsteigender Frequenz angeordnete

Reihe der Töne, die auf Blasinstrumenten,

aber auch auf fast jedem Rohr oder

Schlauch nur durch unterschiedliche Art

des Anblasens hervorgebracht werden

können. So entstehen warme, berührende

Klänge. »Es ist einfach ein Hochgenuss,

einen gepflegten, sauberen warmen

Ton oder eine Melodie dem Alphorn zu

entlocken um damit Mensch und Tier in

der Seele zu berühren.«

Eigentlich nicht schwer

Vor einigen Jahren machte Jörg Pöschl in

der Schweiz die Ausbildung zum Alphorn-

Kursleiter. Zusammen mit 50 Schweizern

konnte er als einziger Allgäuer diesen

Schein erwerben. »Eigentlich ist das

Alphornspielen nicht schwer, wenn man

die richtige Technik anwendet,« ist er

überzeugt. Ihm ist vor allem wichtig, mit

dem Instrument nicht irgendeine Musik

Für Jörg Pöschl gehört das Alphorn

einfach zum Allgäu.

zu machen, sondern »echte, traditionelle

Alphornmusik«. Mittlerweile sind rund

die Hälfte seiner Kursteilnehmer Frauen

und die Faszination des Alphorns scheint

ungebrochen – das zeigt das Interesse weit

über die Grenzen des Allgäus und sogar

Deutschlands hinaus. Dass das Alphornspiel

mehr ist, als schöne Töne zu produzieren,

spüren die Lernwilligen schon nach

den ersten Versuchen, weiß der Instrukteur,

denn »das Gefühl, beim Alphornblasen

richtig durchatmen zu können, lässt

einen völlig zur Ruhe kommen.«

Jörg Pöschl hat hier, im schönen Oberallgäu,

seine Bestimmung und seine Heimat

gefunden. Auf einem Bergrücken sitzen,

die ersten Strahlen der aufgehenden

Sonne mit sanften Tönen begleiten – für

den musikalischen Ofterschwanger ist

dies das Größte.

Text: Susanne Pinn; Fotos: Jörg Pöschl B

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Harald Probst und

»Lumpamensch«

»Lumpamensch«heißt seine derzeit erfolgreiche Mädelsgruppe,

mit der er landauf, landab tourt und die es versteht,

sich mit jungen, melodischen Stimmen und anspruchsvollen

Instrumentalleistungen im Nu in die Herzen der

Zuhörer zu spielen.

H

olprig windet sich die Straße hinauf,

ein Schlagloch und noch eins, die

Wallfahrtskirche St. Alban fest im Blick.

Sie ist heute nicht das Ziel, vielmehr das

alte Bauernhaus neben ihr. Dort wohnt

ein Mann mit seiner Familie, den man

getrost ein »Allgäuer Original« nennen

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Die Natur und seine Gitarre – beides ist

für Harald unverzichtbar.

darf. Denn dass Harald Probst hier nahe

Aitrang eine kleine Institution ist, wissen

nicht nur zahlreiche Gitarrenschüler,

sondern auch die wachsende Fangemeinde

seiner Bandauftritte quer durchs

Allgäu. »Ja wo bringsch denn all dia

scheana Mädla her?«, diesen Satz hört

Harald Probst oft, wenn die »sympathische

Power« auf der Bühne steht.

»Lumpamensch« ist nicht seine erste

Band, die er coacht. Schon »Ludarleabe«

und »Funkahex« waren erfolgreiche

Projekte, nur irgendwann zieht´s die

Mädels zu Studium oder Ausbildung,

Proben und Auftritte werden schwierig.

Talent und Begeisterung

Und nun also »Lumpamensch«. Ja, wo

bringt er sie nun her, die Talente, die sie

bei genauem Zuhören zweifelsfrei sind.

Harald Probst sitzt entspannt in seiner

gemütlichen Küche, erinnert sich an

die Anfänge. Einige seien einfach mit

ihm gewachsen, zuerst im Aitranger

Kinderchor, den er initiierte und leitete,

dann in kleineren Gesangsgruppen.

Harald erzählt, dass man schon sehr

bald erkenne, wer bei Musik richtig

abhebe, Tiefe zulasse und auch sozial

»bandfähig« sei. Außerdem spitzt er die

Ohren und hält die Augen offen, seine

langjährige Tätigkeit in der Kaufbeurer

Musikschule kommt ihm da zupass.

Musikkarriere auf Umwegen

Natürlich singt und spielt er auch selbst

mit, die Gitarre ist zu seiner zweiten Natur

geworden. Wobei das anfangs nicht

danach aussah. Probst, der in Lindenberg

im Allgäu groß geworden ist, sollte als

kleiner Bub Gitarrenunterricht bei einer

älteren, buckligen Frau nehmen. Was

dem kleinen Harald, dessen Kopf voller

Märchenbilder war, jedoch missfiel, war

ihr hysterisches Lachen und der Suppengeruch,

der sich schon bei der Ankunft

im verwinkelten, dunklen Treppenhaus

wahrnehmen ließ. »Ich hatte wirklich

Angst, wie der Hänsel im Suppentopf

zu landen. Das hab´ ich meinen Eltern

gestanden und dann war erst mal Schluss

mit der Gitarre.« Doch die Musik ließ

ihn nicht los, ein anderes Instrument

musste her. Jetzt sollte es ein Schlagzeug

sein. Christbaumständer, Skistecken

und eine aufgeschnittene Gurkendose

verhalfen ihm dazu, die Trommel stellte

das Waschpulver Omo (»das klang

schön nach Afrika«). So ausgerüstet und

durch tägliche Übungseinheiten kam

es zur ersten Dorfband: Oben auf der

Tenne in luftiger Höhe von fünf Metern

und wenn dann noch drei, vier Leute aus

dem Ort gekommen sind, »da fühlten

wir uns unsagbar gut, wie in Massachusetts,

den Titel haben wir auch gesungen«.

Später kam dann endlich die echte

Trommel: »Rotglitzernd, mei i war

so stolz.« In den Schoß fiel sie Harald

nicht, sondern war hart erarbeitet durch

stundenlanges Zeitungsausfahren mit

dem Fahrrad: »Des war a Plagerei, bergauf,

bergab, mir isch oft Kette grissa!«

Comeback der Gitarre

Harald Probst perfektionierte sein

Schlagzeugspiel Stück für Stück. Und

dann kam die Gitarre wieder, dieses Mal

bedingungslos und unwiderruflich. »So

konnte ich endlich selbst singen, mich

gefühlsmäßig in Liedern ausdrücken, das

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Harald Probst und »Lumpamensch« verstehen ihr Publikum zu begeistern.

hat mir so gut getan. Ein bisschen Bob

Dylan, ein paar Protestlieder, dabei hab´

ich die Gitarre richtig lieb gewonnen.

Damals lebte ich in einer Art Kommune

auf dem Land. Wir wollten nicht viel,

nur Harmonie, Natur und Musik.«

Rituale in hektischen Zeiten

Schmunzelnd erinnert sich Harald, dass

schon zu dieser Zeit das Haus »immer

voller Mädla war. Dia hand sich denkt:

Wo man singt, da lass dich nieder!«

Ein weiterer Meilenstein in seiner Musikkarriere

war zweifelsfrei die Aufnahme

am Konservatorium in Augsburg. Ohne

jemals eine Gitarrenstunde erhalten zu haben

und ohne Kenntnisse in der Theorie,

wurde er angenommen. Was dann kam,

bezeichnet Harald als richtig hart. Üben

in jeder freien Minute und durchpaukte

Nach der Musik kommt bei Harald gleich der

Humor – Spaß ist hier garantiert.

Nächte – Tonsatz, Musikgeschichte,

Chor und vieles mehr. Schon damals gab

er privaten Musikunterricht, später kam

die Anfrage der Musikschule.

Auch seine heutige Ehefrau Brigitte

war in einer Gruppe Gitarrenschülerin,

»aber der hab ich bald Einzelunterricht

gegeben«, lacht Harald. Fix wurde die

Sache bei einem Nachtspaziergang: »Sie

hat vertrauensvoll ihre Hand in meine

gelegt und ich wusste, das ist

eine gute Hand!« Dieses

Gefühl sollte ihn nicht

täuschen, bis heute sind

die beiden ein gutes

Team und liebevolles

Paar, fünf Kinder haben

sie zusammen bekommen

und »gut durch

Ausbildungs- und Studienzeit

gebracht«. Nur die jüngste

Tochter Valerie studiert noch. Musik

an der Hochschule Würzburg, was sonst?

Musikunterricht, kleine Kinder und Gitarrist

in der Band »Happy Jack« – das

alles kostete ihn viel Kraft und Nerven.

Nicht selten kam Harald von Auftritten

erst beim Morgengrauen heim. Damals

fand er durch autogenes Training immer

wieder zur eigenen Mitte. Das ist bis heute

so, davon können seine Bandmädels

ein Lied singen. »Mei, der Harald sitzt in

hektischen Zeiten schon mal bewegungslos

auf dem Boden, joggt dann um drei

Bäume und steckt sich gegen den Wind

Gänseblümchen in die Ohren«, lachen

die Mädchen. »Aber er ist auch immer

für uns da, nimmt sich für alle viel Zeit

und wir dürfen jederzeit unsere Ideen

einbringen. Er ist anspruchsvoll und mit

seiner ganzen Kraft und viel Herzblut

dabei.«

Starke Bande

Schon ein ganz

kleines Lied kann so

viel Dunkel erhellen

(Franz von Assisi)

»Lumpamensch« – das sind Juli Martin

(Bass), Anna Lehner (Tuba),

Rebekka Steck (Geige),

Hanna Schuder (Bass),

Steffi Köpf (Gitarre)

und Christina Köpf

(Querflöte). Seine

Mädels bringen Harald

zum Schwärmen.

Sie alle besäßen die richtige

Mischung aus Ehrgeiz

und Lockerheit und über die

Jahre sei eine schöne Freundschaft

gewachsen: »Ich durfte dabei sein und sie

begleiten, vom Kind bis zum erwachsenen

Bühnenpartner.« Neben gecoverten

Stücken hat »Lumpamensch« ein großes

Repertoire an eigenen Liedern, meist in

Allgäuer Mundart gesungen.

Nach seinem Ausstieg bei »Happy

Jack«, wollte Harald Probst was Eigenes

schöpfen, etwas Bleibendes und kulturell

Anspruchsvolles schaffen. Bewusst hat

er für seine Lieder den Allgäuer Dialekt

gewählt, das Bodenständige ist ihm

wichtig und er will seine Heimat den

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Juli Martin, Hanna Schuder, Christina Köpf, Rebekka Steck, Steffi Köpf, Anna Lehner – sechs

Mädels, die harmonieren, nicht nur in ihrer Musik.

Menschen noch näherbringen. Trotzdem

hat er ein Faible für das Zeitgenössische

(»Ich komme ja selber aus der Rockmusik«),

nimmt die Gesangswünsche

seiner Bandmitglieder gerne auf. Auch

die Vorspielabende seiner Schüler in der

Musikschule sind legendär: legendär

flexibel und unangepasst, was den Ablauf

anbetrifft, legendär gut.

Inspiration lauert überall

Seinen Antrieb zum Dichten und Komponieren

erklärt er mit einer Mischung

aus Heimatliebe, Unruhe und viel Phantasie.

Auch Gedanken zur Schöpfung spielten

mit rein. »Auf jeden Fall bin ich wie

ein Vogel, der aus dem Stillsein plötzlich

zum Zwitschern anfängt.« Inspiriert wird

er nicht nur von Alltagsbeobachtungen

im dörflichen Leben (»Wenn der Opa auf

dem Bulldog immer links blinkt und man

weiß schon, der biegt jetzt gleich rechts

ab«), sondern auch durch seine Tätigkeit

als Mesner in St. Alban. Seine Neugier

verhalf ihm da zu manchen Begegnungen,

er hört Worte und Sprüche, die ihn in

Klang und Rhythmus aufhorchen lassen:

»Bergab do schiabet d´Heilige – und

bergauf sich kui Deifl find…«. Seine

Gedanken und Melodien füllten Kisten,

heute sein Handy. Wenn er auf der

Welle der Begeisterung für ein neues Lied

schwimme, müsse sofort der Text greifbar

sein, sonst sei der Lichtblick verschwunden.

Und bevor man sich versieht, hat

er schon seine Gitarre in der Hand und

demonstriert bei einer kleinen Kostprobe,

wie schnell er Worte zu vertonen weiß.

»Bestimmte Texte wirken nur, wenn

die Melodie dem Gedanken die Hand

reichen kann«, sinniert Harald nachdenklich.

Gespielt werde da, »wo ich

weiß, die freuen sich, dass wir kommen«.

Oft würden die Mädels denken, dass sich

an die abgelegenen Orte keine Zuschauer

verirrten. »Mei, und dann müssen wir

60 Leute wegschicken, weil der Saal voll

ist«, erzählt er augenzwinkernd.

Haralds Ziele stimmen mit seiner

authentischen und gradlinigen Lebensweise

überein, er formuliert sie, während

er in seiner Teetasse rührt, derweil

seine Frau, die bei allen Auftritten seine

rechte Hand ist, im Hintergrund für die

kleinen Enkel kocht: »Lieder schaffen,

die einfach und genial zugleich sind,

wie ein Gänseblümchen. Und trotzdem

unter die Haut gehen. Wenn ein

Zuhörer sich umdreht, um sich Tränen

aus den Augen zu wischen, ist mir das

mehr wert als riesiges Publikum und

überregionale Auftritte. Und nach einem

langen Abend sollten wir alle noch ein

Lächeln füreinander haben, auch wenn´s

anstrengend war.«

Text: Silvana Emmenlauer;

Fotos: Silvana Emmenlauer (2), Harald Probst (3);

Freisteller: © natashasha – Fotolia.com,

Sasha_Ivv/Shutterstock.com B

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Viehscheid

Einen der kleinsten, aber

ursprünglichsten Viehscheide im

Allgäu können Sie in Apfeltrang

bei Ruderatshofen erleben.

in Apfeltrang

Zunächst ist nur ein sanftes, entferntes

Läuten zu hören, dann schwillt der

Ton deutlich an, der Klang der Schellen

füllt den ganzen Ort und die Zuschauer,

die Straßen und Wege säumen, recken

Hälse und Köpfe, um einen ersten Blick

auf die sich nähernde Herde zu werfen.

Pünktlich hat Petrus den Wasserhahn zugedreht

und nur noch vereinzelte Tropfen

und Wolkenberge zeugen vom schlechten

Wetter der vergangenen Nacht. Schon

biegt das prachtvoll geschmückte Kranzrind

mit Alphirte Markus Stich vom

Almweg auf die Dorfstraße ein, gefolgt

von weiteren Hirten und circa 50 Stück

Jungvieh, das sichtlich aufgeregt und teils

auch etwas ungestüm den Weg von der

Sommerweide in den heimischen Stall

nimmt. Eine inzwischen liebgewonnene

Dorftradition hat ihren Auftakt: der

Apfeltranger Viehscheid, seines Zeichens

der letzte, nördlichste und vielleicht auch

kleinste seiner Art im Allgäu. Viele

Attribute, die näher beleuchtet werden

wollen. Immer am ersten Sonntag im

Oktober ist es soweit. Wenn andernorts

die Schellen längst abgenommen wurden

und der Bergsommer sein Ende gefunden

hat, dann werden die Apfeltranger

Schumpen für ihren letzten Freigang

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5/2018


vorbereitet. Was den Vorteil hat, dass

fehlende Glocken einfach aus anderen

Gemeinden geborgt werden können.

Der nördlichste ist er deshalb, weil die

400-Seelen-Gemeinde Apfeltrang im

Ostallgäu, nur wenige Kilometer von

Kaufbeuren entfernt, eher im Alpenvorland

beheimatet ist. Man kann sich also

Zeit lassen. Nur 800 Meter hoch gelegen,

ist um diese Jahreszeit nicht wirklich mit

viel Schnee zu rechnen. Was allerdings die

Größe betrifft: Nun, da ist man sich unter

den Organisatoren nicht ganz sicher.

Vielleicht gibt es ja doch noch irgendwo

einen kleineren, keinesfalls will man sich

mit fremden Federn schmücken. Aber

eines ist gewiss: Weil er so klein ist, gibt es

im Umkreis bestimmt keinen gemütlicheren

und unkommerzielleren Viehscheid

als den Apfeltranger.

10 Jahre Viehscheid Apfeltrang

Die Idee zu der Veranstaltung, die

inzwischen zum Dorffest avanciert ist,

wurde im Grunde bei zwei unterschiedlichen

Zusammenkünften geboren. Da

war zum einen die Vorstandssitzung der

Weidegenossenschaft. Bisher wurden

die Tiere, die oberhalb des Ortes auf

mehreren abgesteckten Weiden den

Sommer verbracht hatten, einfach von

den Bauern in den Stall heimgeholt.

Man sinnierte: Könnte da nicht auch ein

kleiner Viehscheid daraus entstehen, an

dem sich alle Mitglieder beteiligen?

Etwa gleichzeitig saßen andernorts der

Wirt der Bergmang Alpe bei Ruderatshofen,

der Alphirte Markus Stich und

der Wirt des Gasthauses »Hubertus«

in Apfeltrang, Thomas Petrich, gesellig

beieinander und jonglierten mit den

gleichen Gedanken. Schnell kamen alle

überein: Das packen wir zusammen an!

Und so geht der Apfeltranger Viehscheid

heuer bereits ins 10. Jahr und darf ein

kleines Jubiläum feiern. Noch lange

bevor die wilde Horde zu Tal stürmt,

werden die Besucher stimmungsvoll von

Alphörnern begrüßt. Währenddessen

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Bild oben: Routiniert und ohne Hektik wird die Herde zum Abtrieb versammelt.

Bild unten: Auf dem idyllischen Schroffensteinweg geht‘s zurück ins Tal.

machen sich oben auf der Schroffensteinalpe

Hirte Markus Stich und seine

erfahrenen Helfer daran, die jungen

Rinder zusammenzutreiben. Schon früh

am Morgen hat er das Leittier mit einem

liebevoll gefertigten Kranz geschmückt.

Alleine muss er das nicht machen: »Der

Markus hat schon ein Grüppchen von

Damen, das ihm beim Gesteck zur Hand

geht«, erzählt schmunzelnd Mitorganisator

und Geschäftsführer der Genossenschaft,

Willi Hörmann. Lustig und

locker ist die Stimmung auf der Alpe,

die erst vor ein paar Jahren den Namen

Schroffensteinalpe erhalten hat, angelehnt

an den gleichnamigen Weg, der

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Noch ein paar Minuten frische Luft schnappen, bevor es in den heimischen Stall geht.

Hirte Markus Stich hat sein Kranzrind

gut im Griff.

zu ihr hinaufführt. »Mei, bei uns heißt

das einfach: auf d`Alm doba«, erzählt

Michael Stich, Vorstandsvorsitzender

und ebenfalls jedes Jahr tatkräftig dabei.

Aber nicht nur wer einen Viehscheid

macht, weiß: Im Allgäu ist die Alm die

Alpe. Also gehört da auch ein anständiger

Name her.

Groß und klein ist heute fesch in Tracht

gekleidet, und während sich die einen

schon eine kleine, flüssige Stärkung

gönnen, rangeln die Jüngsten mit der

Apfeltranger Viehscheidtafel. Ein bisschen

Aufregung ist zu spüren, bevor die

Pfiffe und Rufe verstummen und sich

Mensch und Tier auf den kurzen Weg

ins Tal machen.

Das ganze Dorf ist auf den Beinen und

hilft: Die Feuerwehr leitet den Verkehr

um, etliche Menschen stellen ihre Höfe

zur Verfügung, zahlreiche Bierzeltgarnituren

zum geselligen Beisammensein

und Zelte zum Schutz vor Regen müssen

aufgestellt werden. Wobei das schöne

Wetter, abgesehen von heute, beim hiesigen

Viehscheid schon Tradition hat.

Nachdem sich die Herde nach einer

Schleife zum zweiten Mal, und jetzt

wesentlich entspannter, den Weg vorbei

an zahlreichen, begeisterten Zuschauern

durch´s Dorf gebahnt hat, geht es zum

Scheidplatz. Bevor die Weide gegen die

Stallglocken ausgetauscht werden, kann

man hier nochmals ausgiebig die Tiere

betrachten, die Stimmung genießen und

die eine oder andere lustige Meinungsverschiedenheit

zwischen Bauer und

Jungvieh beobachten. Je nach Entfernung

zum heimatlichen Stall geht es

dann mit dem Triebrahmen oder Anhänger

nach Hause, das sommerliche Leben

auf der Alpe ist für heuer beendet.

Schupfnudeln und Schokotorte

Und damit geht der Viehscheid in den

geselligen Teil über. Von den Organisatoren

sitzt jetzt keiner rum, Anpacken ist

angesagt. Schon im Vorfeld haben fleißige

Hände circa 50 Kuchen gebacken. Der

kulinarische Aspekt hat hier in Apfeltrang

durchaus Gewicht, denn die Speisen werden

von Koch und Gastronom Thomas

Petrich und vielen tüchtigen Helfern

zubereitet und ausgegeben. Bei der Auswahl

an leckeren Gerichten fällt die Wahl

schwer. Unterstützt von einem Oberbeurer

Getränkehändler, gibt es auch ein

vielfältiges Angebot an leckeren Durstlöschern.

Trotzdem wird versucht die Organisation

überschaubar zu halten. Zünftig

begleitet wird dieses traditionelle Fest mit

schwungvollen Stücken der Musikkapelle

Ruderatshofen. Später löst die Band

»Die Ziacheiner« ab, die mit fetzigem

Sound für Stimmung sorgt. Heimgehen

möchte da so schnell keiner, aber die

Apfeltranger achten darauf, dass es einen

pünktlichen Ausklang gibt.

Das Miteinander zählt

Selbstredend, dass auch beim Abbau

am frühen Abend wieder alle zusammenhelfen.

Glücklich darüber, dass in diesem

Alpsommer, wie in so vielen davor,

keines der Tiere ernsthaft zu Schaden

kam. Und stolz darauf, dass es auch in

diesem Jahr wieder gelungen ist, mit

dem Viehscheid ein gemütliches Dorffest

zu feiern, bei dem das harmonische

Miteinander und die Gemütlichkeit im

Vordergrund stehen. Der kleine Rahmen

der Veranstaltung gibt den Apfeltrangern

Recht, denn der Viehscheid steht zwar

in keinem Kalender, ist aber im Umland

sehr beliebt. Der Termin wird oft nur

durch Mund-zu-Mund-Propaganda

weitergegeben. Es ist eben nicht immer

ein Nachteil, der letzte und, vielleicht,

kleinste seiner Art zu sein.

Text & Fotos: Silvana Emmenlauer B

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Foto: Dozey/stock.adobe.com

Viehscheid-

Termine

2018

g Dienstag, 18. September

Wertach, 9 Uhr

A* = Österreich; Alle Angaben ohne Gewähr!

g Samstag, 8. September

Pfronten-Heitlern, 9 Uhr

Krämermarkt ab 8 Uhr

Seeg, 13 Uhr

g Dienstag, 11. September

Bad Hindelang, 8:30 Uhr

g Mittwoch, 12. September

Schöllang, 9 Uhr

g Donnerstag, 13. September

Oberstdorf, 9 Uhr

g Freitag, 14. September

Oberstaufen, 8:30 Uhr

Kranzegg, 9:15 Uhr

Balderschwang, 10 Uhr

g Samstag, 15. September

Gunzesried, 9 Uhr

Immenstadt, 9 Uhr

Eisenberg, OT Zell, 10:15 Uhr

Weitnau/Wengen, 12:30 Uhr

Schwangau, 12:30 Uhr

Pfronten-Röfleuten, 10 Uhr

Maierhöfen, 11:30 Uhr

Jungholz (A*), 10 Uhr

Haldensee (A*), 11 Uhr

g Sonntag, 16. September

Nesselwängle, 14 Uhr

g Montag, 17. September

Buching, 9:30 Uhr

Nesselwang, 10 Uhr

g Mittwoch, 19. September

Bolsterlang, 9 Uhr

Riezlern (A*), Kleinwalsertal, 8:15 Uhr

g Freitag, 21. September

Thalkirchdorf, 9 Uhr

Thannheim (A*), 13 Uhr

g Samstag, 22. September

Obermaiselstein, 9 Uhr

Oy-Mittelberg, Haslach, 11 Uhr

Missen, 9:30 Uhr

g Samstag, 29. September

Haldenwang, 10 Uhr

g Mittwoch, 3. Oktober

Memhölz, 11 Uhr

Auf www.allgaeu-viehscheid.de finden Sie die genauen Orte und Info-Telefonnummern.

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Gemeinsam sind wir stark –

Die Stärke liegt in der Gemeinschaft – fünf Familien

leben mittlerweile auf dem Heggelbachhof.

damals wie heute

1986 schlossen sich drei

Familien zusammen, um neue

Wege in der Landwirtschaft zu

gehen. Heute, mehr als 30 Jahre

später, ist die Hofgemeinschaft

Heggelbach ihrer Zeit schon

wieder ein Stückchen voraus.

D

ie schmale Straße windet sich den

Berg hinauf, weiter und weiter,

vorbei am Schweinestall linker Hand

und den grasenden Kühen zur Rechten.

Wir passieren das Ortsschild Heggelbach,

vor einem leuchtend gelben Haus

halten wir an.

Als die Familien Schmid, Reyer und

Raneburger diesen Feldweg im Frühjahr

1986 entlangfuhren, war da weder der

große Schweinestall, noch die grasenden

Kühe und das markante Haus war auch

nicht gelb. »Mein erster Eindruck vom

Hof war eher abschreckend: viel Matsch,

alte Gebäude und ein alter Schweinestall

mit Spaltenboden«, erinnert sich Bruni

Reyer an die Anfangszeit.

Was aber da war, damals in Heggelbach,

dem versteckt liegenden Weiler im

Kreis Sigmaringen, war der riesengroße

Wille, etwas auf die Beine zu stellen,

die Idee von etwas Großem – der Traum

von einer Hofgemeinschaft, in der jedes

Mitglied seinen Platz hat und seinen

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Beitrag für die Gemeinschaft leistet.

Heute, 32 Jahre später, ist dieser Traum

noch lange nicht ausgeträumt. Mittlerweile

leben und arbeiten hier fünf

Familien. Sie bewirtschaften 180 Hektar

Anbaufläche, während 50 Milchkühe

und etwa ebenso viele Jungtiere

genüsslich das frische Gras fressen,

jede Menge Schweine (so um die 240)

sich ein schattiges Plätzchen gesucht

haben und die Hühnerschar munter

über den Hof rennt. Aber beginnen

wir von vorne.

Es ist Anfang 1986 – drei Familien

haben sich auf der Suche nach einer

alternativen Lebensform zusammengeschlossen.

Der Ende des Vietnamkriegs,

die Ölkrise, das Oktoberfestattentat, der

Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan

– Gründe genug, sich über das

eigene Leben und seinen Platz in dieser

Welt Gedanken zu machen. Als Hofgemeinschaft

haben sich die Familien

Schmid, Reyer und Raneburger zum

Ziel gesetzt gesunde Lebensmittel zu

erzeugen, biologisch-dynamisch zu wirtschaften

und zum Erhalt und Ausbau

der landwirtschaftlichen Lebens- und

Existenzgrundlage beizutragen.

Neue Wege in der Landwirtschaft

Der ehemalige Heggelbachhof wurde

um einen neuen Rinderstall mit Melkstand

ergänzt und aus der alten Brennerei

wurde eine Käserei. Im Mai 1986

zog dann die erste Braunviehherde in

den Stall ein, die Familien umzäunten

dazu zehn Hektar Viehweiden und

begannen mit der Feldarbeit auf damals

23 Hektar Acker. Bereits zwei Jahre später

wurde der Hof als Demeterhof anerkannt

und zum Lehrbetrieb zugelassen

– zwei wesentliche Grundsteine für die

Hofgemeinschaft und der Anfang eines

zukunftsträchtigen Unternehmens.

Die Suche nach einem geeigneten

Grundstück war nicht einfach, führte

aber schließlich doch zum Erfolg.

Alles im Fluss

Die Gründerfamilien von 1986.

»Wir haben so viele Schweine,

wie wir Futter haben, und so viele

Kühe, wie wir ernähren und auch

vermarkten können. Wir machen

so viel Gemüse, wie wir in der

Fruchtfolge anbauen und auch

wieder vermarkten können.«

Der Grundgedanke der biologischdynamischen

Wirtschaftsweise basiert

auf einem möglichst geschlossenen Betriebskreislauf.

Die Nahrung für die Tiere

erzeugen die Heggelbacher selbst,

die rund 50 Kühe werden mit Gras und

Heu von den Hofflächen gefüttert.

Die Milch der Kühe wird in der Käserei

zu Tilsiter, Camembert, Schibli und

Alpkäse verarbeitet. Die Molke, die bei

der Käseherstellung als Abfallprodukt

anfällt, bildet das Grundnahrungsmittel

für die 240 Schweine. Der Mist der Tiere

landet wiederum als natürlicher Dünger

auf den Äckern und Feldern.

Acker- und Gemüseanbau

Jona Kreis (seit 2007 fest dabei) und

Florian Reyer (seit 2008 wieder am Hof )

teilen sich die Verantwortlichkeit im Be-

reich Ackerbau. Auf den bewirtschafteten

Ackerflächen werden Gemüse, Getreide

und Feldfutter in einer achtjährigen

Fruchtfolge kultiviert. Neben 12 Hektar

Kartoffeln werden fast 26 Hektar Gemüsekulturen

angebaut – dazu gehören Zwiebeln,

Sellerie, Pastinaken, Wurzelpetersilie

und Rote Bete. Für Letztere wurde im

Oktober 2015 eine Rote-Bete-Verarbeitungshalle

eingerichtet. Hier werden die

zu großen, die zu kleinen oder zu unförmigen

Knollen weiterverarbeitet: Sie werden

Beim Zwiebelnbündeln packen alle mit an.

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Am Ortseingang Heggelbach, dem kleinen Weiler im Gebiet der Gemeinde

Herdwangen-Schönach im Landkreis Sigmaringen.

Alles im Blick: die Hofanlage in Heggelbach aus der Luft.

geschält, gewaschen, im eigenen Saft

gekocht, abgepackt und vakuumiert. Die

Nachfrage nach der weiterverarbeiteten

Rübe ist so groß, dass mittlerweile auch

Knollen gekocht werden, die der Verkaufsnorm

entsprechen.

Seit 2015 gibt es neben der Rote-Bete-

Halle auch eine große Gemüsehalle, in

der eine Wasch- und Trockenstraße, sowie

eine Verpackungsmaschine für Kartoffeln,

Zwiebeln und Co untergebracht

sind. Durch den Zusammenschluss mit

anderen Demeterhöfen aus der Region

bleiben die Preise stabil und Großhändler

wie Bodan, Feneberg (»VonHier«)

und Edeka (»Unsere Heimat«) können

verlässlich beliefert werden.

Von der Milch zum Käse und

Nachhaltiges Energiekonzept

Der studierte Öko-Landwirt Thorsten

Krug (seit 2003 Teil der Hofgemeinschaft)

kümmert sich um die Milchkühe

und die Nachzucht. Von April bis

November ist das Braunvieh jeden Tag

auf der Weide und frisst frisches Gras,

im Winter bekommen sie das Heu im

Stall. Die Milchkühe werden auf dem

Hof ganz bewusst nur mit Kleegras und

Heu gefüttert und bekommen zusätzlich

keinen Getreideschrot – so entsteht

die wertvolle Bio-Heumilch, die in der

Hofkäserei weiterverarbeitet wird.

In der hofeigenen Käserei verarbeiten

Stephan und Claudia Ryffel (seit Ende

2015 am Hof ) die Milch dann schonend

und ohne weitere Zusätze zu den preisgekrönten

Heggelbacher Käsespezialitäten,

die in den Reiferäumen gelagert und gepflegt

werden. Seit 2007 können Gäste

Ferien auf dem Biohof buchen und aktiv

oder passiv am Hofgeschehen teilhaben.

Um die Vermietung der drei Ferienwohnungen

im Dachgeschoss des gelben Hauses

kümmert sich Kerstin Krug (seit 2003

Mitglied der Hofgemeinschaft). Für die

Feriengäste gibt es eine Spielwiese mit

Sitz- und Grillmöglichkeit, Schaukel und

Sandkasten. »Die Kinder blühen hier am

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5/2018


Hof richtig auf«, erzählt Kerstin Krug.

Die Gäste können den Landwirten bei

ihrer Arbeit über die Schulter schauen

und sind herzlich eingeladen selbst mit

anzupacken.

Der Heggelbachhof bekam bereits im

Jahr 2009 den Deutschen Solarpreis für

sein nachhaltiges Energiekonzept verliehen.

Thomas Schmid (Mitgründer der

Hofgesellschaft) tüftelte dafür an einem

Holzvergaser mit, der durch Glut Gas

erzeugt, das in einem Motor verbrannt

wird, der wiederum einen Elektromotor

antreibt und so Strom erzeugt.

Im September 2016 haben die Heggelbacher

ein Pilotprojekt gestartet, mit

dem Energiegewinnung und Landwirtschaft

auf der gleichen Fläche möglich

werden soll. Auf einem Versuchsareal

von 2,5 Hektar wird gemeinsam mit der

Universität Hohenheim agrarwissenschaftlich

erforscht, wie sich die Ernte

mit oder ohne Agrophotovoltaik-Anlage

auswirkt. Die Solarmodule auf Stelzen

belegen ein Drittel der Fläche, der restliche

Boden dient als Referenzfläche zum

Vergleich der Ackererträge. Das Projekt

mit dem Freiburger Fraunhofer-Institut

läuft noch bis Mitte 2019 und liefert

schon jetzt gute Ergebnisse: Die Anlage

deckt den Jahresstrombedarf von 62

Kuhbauer Thorsten Krug und Käser Stephan Ryffel mit der Goldenen Käseharfe, die sie für den Heggelbacher

Camembert vom VHM (Verband für handwerkliche Milchverarbeitung) erhalten haben.

Haushalten und der Ernteertrag fällt

nur unwesentlich geringer aus als auf der

benachbarten Vergleichsfläche.

Was bringt die Zukunft?

Ein Bauernhof, der seine Umgebung

eigenständig mit Nahrung und Energie

versorgt? Klingt gar nicht mehr so

abwegig – alles scheint möglich auf

dem Heggelbachhof, der mit großen

Schritten Richtung Zukunft unterwegs

ist. Nach dem Motto »Stillstand ist

Rückstand« tut sich ständig etwas in

der Hofgemeinschaft: Kerstin Krug hat

kürzlich eine Backstube eingerichtet und


Claudia und Stephan Ryffel beim Käseschmieren.

Radolfzell

möchte dort in Zukunft frisch gebackenes

Brot verkaufen, die Käserei wird im

Sommer umgebaut und erweitert und

irgendwann könnte der Hoffuhrpark

weitestgehend aus Elektroautos bestehen

(zwei sind bereits in Betrieb).

Die Stärke liegt

in der Gemeinschaft

Viele Schultern haben in Heggelbach

dafür gesorgt, dass auch in der heutigen

Konsumgesellschaft ökologische

Landwirtschaft möglich ist – und das

B33

Bodman-Ludwigshafen

Bodensee

B31

Hofgemeinschaft

Heggelbach

Überlingen

Markdorf

über Generationen hinweg. Wenn die

Gründer von 1986 in den wohlverdienten

Ruhestand gehen, können sie

am Hof bleiben und werden von der

Gemeinschaft mitgetragen. Ob sich

eines der elf am Hof lebenden Kinder

(zwischen 5 und 19 Jahre alt) für eine

berufliche Zukunft in der Hofgemeinschaft

entscheidet, ist nicht gesagt. »Wir

haben keinen Erwartungsdruck bezüglich

der Hofnachfolge«, beschreibt

Kerstin Krug und erklärt das Modell so:

»Wir setzen nicht voraus, dass unsere

Kinder in Zukunft auf dem Hof arbeiten

Hofgemeinschaft

Heggelbach

Heggelbach 8

88634 Herdwangen-Schönach

www.hofgemeinschaft-heggelbach.de

Öffnungszeiten Käseverkauf:

Dienstag und Freitag

von 17 bis 19 Uhr

Hofführungen auf Anfrage

Neugieriger Nachwuchs auf dem

Heggelbachhof.

möchten. Andererseits ist es aber möglich,

dass sich künftig Menschen in der

Hofgemeinschaft einbringen, ohne dass

sie Eigenkapital mitbringen müssen.«

Und noch einen großen Vorteil bietet die

Lastenverteilung auf den Schultern der

elf Entscheidungsträger: »Wir können

auch mal in den Urlaub fahren, ohne

dass der ganze Betrieb zum Erliegen

kommt«, freut sich Kerstin Krug. Ohne

Absprachen geht es nicht, damit das

Gefüge aus Familien, Auszubildenden,

Praktikanten, festen Mitarbeitern und

Saisonarbeitern reibungslos funktioniert,

wird jeden Dienstag und Freitag gemeinsam

in großer Runde gefrühstückt und

am Montagabend kommen die leitenden

Mitglieder zusammen. Dabei werden die

Neuigkeiten ausgetauscht, Ideen vorgetragen

und Abläufe diskutiert. Jeder bringt

sich ein, jeder hat einen festen Platz in der

Hofgemeinschaft Heggelbach – damals

wie heute.

Text: Katharina Kümmerle;

Fotos: Katharina Kümmerle (2), Hofgemeinschaft

Heggelbach (4), Julius Hiller (1), Wolfgang Scheu (1);

Hintergrund: ps-ixel/stock.adobe.com B

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5/2018


Sie beeindrucken mit schicker »Ponyfrisur«,

gewaltigen Köpfen, ausladenden Hörnern

und urigem Aussehen. Dahinter stecken

aber echte Gemütstiere – die zottigen

»Schottischen Hochlandrinder«.

Exoten

im Allgäu

W

o im Allgäu grüne Hügel sanft in die Berglandschaft

übergehen, da fühlen sie sich »sauwohl«. Sie kommen

mit den schwierigsten Bedingungen zurecht, was Klima, Boden,

Futter und Haltung angeht. Also ein richtiges »Robustrind«,

das Schottische Hochlandrind! Und noch etwas unterscheidet

sie von unseren Rindern: Sie wachsen langsamer, reifen später,

werden nicht so groß und schwer, produzieren weniger Fleisch

und geben ihre Milch nur dem Nachwuchs. Was macht sie aber

dann so interessant, dass ihre Beliebtheit stetig zunimmt? Könnte

man es »back to the roots« nennen, vielleicht, weil diese

Rasse seit 200 Jahren ohne Einkreuzung unverändert geblieben

ist und fast an Urochsen erinnert? Oder ist es einfach nur ihr

knuddeliges Aussehen? Für viele sind es nämlich die schönsten

Rinder der Erde. Oder ist es ihr gutmütiges und liebenswertes

Wesen, oder ihre unproblematische Haltung, oder, oder…!

Liebhaber brauchen keine besonderen Gründe, sie finden ihre

»Highlander« einfach toll!

Robuste Rinder sind gefragt

Und sie sind echte Schotten. Noch vor über 200 Jahren waren

sie ein begehrtes Handelsgut und der Reichtum der schottischen

Berge und Inseln, wie z.B. der Hebriden. In erster Linie waren

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5/2018


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Steckbrief: Schottisches Hochlandrind

(Bos primigenius f. taurus)

• Name: Schottisches Hochlandrind, Highland, Kyloe, Scottish Highland cattle

• Größe: Widerristhöhe bei Kühen 110 –120 cm; bei Bullen 125–135 cm

• Merkmale: dichtes, langes leicht gewelltes Haar; typischer Haarschopf über

den Augen; buschig behaarte, große Ohren mit auffallend langem Behang;

mächtige Hörner, relativ kurze, stämmige Beine

• Farbe: Einfarbig rot, braun oder gelb, selten schwarz, weiß, gestromt, gescheckt

• Hornspannweite: Kühe: bis 160 cm, weit ausladend und nach oben gebogen;

Bullen: bis 100 cm, waagrecht und nach vorn gebogenen

• Gewicht: Kühe: 400–600 kg; Bullen: 700–1.000 kg

• Geburtsgewicht: 25–30 kg

• Tägliche Zunahme: Kühe: 450 –700 g; Bullen: 600–900 g

• Gewicht nach 1 Jahr: Kühe: 200–300 kg; Bullen: 250–350 kg

• Erstkalbalter: 36–48 Monate

• Tragzeit: 9–10 Monate; entwöhnt mit ca. 6–9 Monaten

• Anzahl der Kälber: 1

• Schlachtalter: 24–27 Monate

• Charakter: ruhig, gutmütig, Bullen können sehr zutraulich und handzahm werden

• Nahrung: Gras, Heu, Kräuter, Laub

• Heimisch in: Europa, Nordeuropa, Mitteleuropa, Schottland, Nordamerika

• Lebenserwartung: bis zu 20 Jahre

• Haltung: Mutterkuhhaltung, ganzjährige Freilandhaltung mit Offenstall

möglich, wird auch zur Landschaftspflege eingesetzt

• Nutzung: Fleisch, welches feinfaserig, cholesterin- und fettarm ist. Dazu besonders

cholesterinarm, proteinreich und besitzt eine einmalige Geschmacksfülle

Im Allgäuer Hügelland – hier bei Balderschwang

– fühlen sich die urigen Rinder sichtlich wohl.

Sie werden in Herden mit einem Stier, mehreren

Kühen und deren Kälbern gehalten.

sie Nutztiere und lieferten Fell, Fleisch

und Milch. Daneben wurden sie auch als

Zugtiere vor Pflug oder Wagen gespannt.

Sie grasten in der atemberaubenden, wilden

nordschottischen Landschaft und

entwickelten dort auch ihre Überlebensfähigkeit

und einzigartige Robustheit.

Darunter versteht man die Fähigkeit,

Wind, Regen und sehr niedrige Temperaturen

auszuhalten, lange Zeiten eines

Futtermangels zu überstehen, sowie die

Fähigkeit einer raschen Erholung, und

trotz minderwertigen Raufutters zu

Kolossen heran zu wachsen. So gedeihen

sie unter den härtesten Bedingungen,

wo andere Rinderrassen kaum überleben

könnten. Sie sehen aber auch so aus! Ihr

langes zottiges, dichtes und weiches Fell

lässt keine Nässe durch und sogar Schnee

bleibt auf dem isolierenden Fell liegen.

Und was hat es mit dieser extremen

Ponyfrisur auf sich? Der hohe Norden ist

ja bekannt für seine Mückenplage. Und

was hilft da besser, als die Augen mit

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Auf den ersten Bick sind sie gar nicht so leicht zu unterscheiden, denn auch die »Damen« (links) tragen den Hörnerschmuck,

der sogar noch weit ausladender sein kann als bei den Bullen (rechts).

einem »Vorhang« zu schützen. Doch

manchmal könnte man sich schon fragen,

ob sie darunter wirklich alles sehen!

Rot, Schwarz oder Weiß?

Das »Highland Cattle« hieß lange Zeit

auch »Kyloes«, oder »das schwarze

Vieh«. »Kyloes« nannte man auch die

kleinen Fährboote, auf denen die Rinder

zu den Viehmärkten auf dem Festland

gebracht wurden. Und der Name

»schwarzes Vieh« war auch zutreffend,

da vor allem die Zuchtbullen schwarz

waren. Denen sagte man besondere

Robustheit und Stärke nach. Erst um

1919 änderte sich der Geschmack und es

wurden mehr rotbraune Rinder bevorzugt.

Bis heute ist Rot die beliebteste

Farbe, und im Sommer blondieren sie

sogar noch nach. Ja, ganz »up to date«!

Aber die Schottischen Hochlandrinder

gibt es auch in den Farben Blond, Grau

und Weiß. Die seltene Weißfärbung ist

ebenfalls beliebt und wird immer mehr

gezüchtet. Wussten Sie, dass diese schottischen

Rinder als die älteste registrierte

Nutztierrasse gelten? Schon 1884 begannen

schottische Rinderzüchter die Tiere

zu erfassen und legten das erste Herdenbuch

an. Seit Ende des 19. Jahrhunderts

werden die High Cattles sogar weltweit

in vielen Ländern gezüchtet. 1975 wurden

sie auch in Deutschland eingeführt

und mittlerweile ist es das größte Zuchtgebiet

auf dem europäischen Festland.

Allgäuer Hochlandrinder

Im Vergleich zu damals leben die Hochlandrinder

heute in geradezu paradiesischen

Verhältnissen. Ihre Robustheit

wird zwar geschätzt, ist aber heute weder

in Schottland noch in den anderen

Ländern dringend erforderlich. Doch

verschiedene andere Rasseeigenschaften,

die nur bei sogenannten Robustrindern

vorhanden sind, gewinnen immer

mehr an Bedeutung: Resistenz gegen

ungünstige klimatische Verhältnisse,

problemloses Kalben ohne menschliche

Hilfe und Leichtfuttrigkeit. Kurz gesagt,

die »schönen Schotten« sind gefragt,

da sie auch bei ganzjähriger Weideführung

ohne großen Arbeitseinsatz und

minimaler Zufütterung (Winter) ein

hochwertiges Fleischprodukt liefern.

So sind sie heute zu einer »modernen«

Rinderrasse geworden, aber auch ein

bisschen ein »Aushängeschild«, dass

nicht nur der Ertrag im Vordergrund

steht. Und wenn sich die Natur brachliegende

Flächen wieder zurückerobert,

sind die Highlander auch genau richtig.

Ihre Mission lautet: Pflanzenwuchs

kürzen! Das erledigen sie gründlich,

aber schonend, und verursachen durch

ihr geringeres Gewicht von 400–500

kg weniger Flurschaden. Da die Bedingungen

auf den Almen ähnlich wie in

Schottland sind, eignen sie sich bestens

für die Almwirtschaft und extensive

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Bei Mama ist es am schönsten!

Bis zu 9 Monate bleiben die Jungen

bei den Müttern, erst dann kommen

sie zusammen in einer »Jugendgruppe«

auf die Weide. Gemolken werden die

schottischen Kühe übrigens nicht.

Die Milch ist nur für den Nachwuchs da.

gute Mutter lässt niemanden nahe an ihr

Junges heran. Und die Hochlandrinder

sind sehr gute und liebevolle Mütter.

Verband Deutscher Highland-Cattle

Züchter und Halter e.V. (VDHC)

Geschäftsstelle:

Winfried Kruse

Lünkenstieg 2 • 25563 Wrist

Tel.: 04822 / 5566

Fax: 04822 / 5566

Mail: vdhc@highland.de

Weidewirtschaft, genauso wie für die

Landschaftspflege. Also, perfekt fürs

»Allgäuer Hochland«!

Wer kann da schon widerstehen

Es ist nicht zu leugnen: Diese Tiere

sind ein Blickfang! Und wenn bei einer

Herde noch viele Kälbchen sind, bleibt

bestimmt jeder stehen. Kälberzeit ist

die schönste Zeit... wer kennt dies unter

den Highlandzüchter nicht? Sie sehen

auch allerliebst aus mit ihrem flauschigen

Fell – wie kleine Teddybären! Da könnte

man schon schwach werden und sie am

liebsten knuddeln. Doch jeder weiß, eine

Neugierig und viel Temperament

Doch wie alle Kinder sind die »Youngster«

schon mal neugierig und kommen

näher an den Zaun heran. Ebbt das Interesse

ab, lassen sich die Tiere meist wenig

durch einen Besucher stören. Genüsslich

weiden sie weiter, Kälber saugen bei ihren

Müttern, während andere spaßig umher

tollen. Obwohl es ruhige Tiere sind,

heißt es nicht, dass sie kein Temperament

haben. Da kann schon mal ein Jungtier die

ganze Herde mit seinem Herumalbern so

animieren, dass alle im rasanten Galopp

davonrasen! Das sieht schon imposant aus.

Vor allem wegen ihrer weit ausladenden

Hörner. Bei manchen kann die Spannweite

bis zu 160 cm betragen! Trotzdem sind

sie überaus gutmütig. Sogar die Bullen

sind fügsame Tiere, wenn man sich mit

seinen Tieren etwas abgibt und sie entsprechend

anlernt. Bekommen sie noch ab

und zu einen Leckerbissen, wie trockene

Semmeln oder Brot, einen Apfel, Möhren

sowie Getreideschrot, dann fressen sie

einem sprichwörtlich »aus der Hand«!

Ja, auch bei Rindern geht die Liebe durch

den Magen bzw. den Pansen!

Dass die Schottischen Hochlandrinder

auch im eigenen Land nach wie vor beliebt

sind, kann man in Schottland auf den

Ländereien um Schloss Balmore Castle

sehen. Hier steht eine Herde der schönen

»HC« und das Besondere: Es ist die Sommerresidenz

der britischen Königsfamilie.

Text: Patricia Hofmann; Fotos: Naturfoto Hofmann;

Zeichnung: GeorgeKYP/stock.adobe.com;

Zettel: picsfive/stock.adobe.com B

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