03.08.2018 Aufrufe

Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland. Eine Zeitreise - von den Anfängen bis zur Gegenwart

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:52 Seite 1

Eine Zeitreisevon den Anfängen bis zur Gegenwart

Autoren

Joachim Malecki

Heike Meyer-Schoppa


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 2

Die Autoren:

Dipl.-Ing. Joachim Malecki, geb. 1945

– Ausbildung zum Landschaftsgärtner

– Studium der Landschaftsplanung,

FH Osnabrück

– Studium der Landespflege,

Leibniz Universität Hannover

– Erster Baudirektor in der Freien und

Hansestadt Hamburg

– Gastprofessur Technische Universität Wien

– Autor „Geschichte des Pinneberger

Rosengartens“

Dr. phil. Heike Meyer-Schoppa, geb. 1962

– Ausbildung zur Präparatorin

– Studium der Philosophie und

Soziologie, Georg-August-Universität

Göttingen

– Promotion in Geschichte,

Fernuniversität Hagen

– Bearbeitung von Projekten,

Publikationen und Ausstellungen

– Museumsleitung „Deutsches

Baumschulmuseum“

Impressum

Das Buch erscheint im Verlagsbereich Regionalmedien.

Alle Rechte bei Kommu nikation & Wirtschaft GmbH, Oldenburg (Oldb)

Herausgegeben in Zu sam menarbeit mit dem Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger

Baumschulland e. V.

Redaktion: Dr. Frank Schoppa (Vorsitzender)

Printed in Germany 2018

Das Manuskript ist Eigentum des Verlages. Alle Rechte vorbehalten. Auswahl und Zusammen -

stellung urheberrechtlich geschützt. Dem Buch liegen neben den illustrierten Autorentexten Bilder

und PR-Texte der Firmen, Verwal tungen und Ver bände zu grunde, die mit ihrer finan ziellen Be -

tei li gung das Ersche inen des Bandes ermöglicht ha ben. Sie sind im Anhang aufgeführt. Für die

Rich tig keit der im Inhalts verzeichnis aufgeführten Autorenbeiträge und der PR-Seiten übernehmen

Verlag und Redaktion keine Haftung.

Bildbearbeitung:

Kommunikation & Wirtschaft GmbH, Oldenburg (Oldb)

Druck: Gutenberg Beuys Feindruckerei GmbH, Langenhagen

Bildnachweis: Seite 134–136

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publi kation in der Deutschen National bibliografie;

detaillierte biblio gra fische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-88363-390-9


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 3

Inhalt

Inhalt

Vorwort 4

Wie alles begann 6

Vom Mustergut zur Baumschulen-

Gründung 24

Wie Bäume und Sträucher

transportiert wurden 34

Saisonarbeit 42

Zwangsarbeit und Flüchtlinge 56

Von der Berufung zum Beruf 64

Rosenzüchter im Pinneberger

Baumschulland 76

Leuchttürme der Rosenzucht 90

Eine Kulturlandschaft entdeckt

sich selbst 106

Glossar 128

Quellenangaben 129

Verzeichnis der PR-Bildbeiträge 134

Bildquellen 136

3


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 4

2018 Vorwort

„Wenn ich noch einmal auf die Welt

komme, werde ich wieder Gärtner, und

das nächste Mal auch noch. Denn für

ein einziges Leben ward dieser Beruf

zu groß.“

Karl Foerster

Vorwort

Heike Meyer-Schoppa

Joachim Malecki

Die vorliegende Zeitreise durch die

KulturlandschaftPinneberger Baumschulland

zeichnet ein Bild ihrer Wirtschafts-,

Kultur- und Sozialgeschichte. In mehr als

200 Jahren entwickelte sich aus der

Baumschule von James Booth in Flottbek

eines der größten Baumschulgebiete der

Welt. Mit dem Wandel der Landwirtschaft

zur „schornsteinlosen Industrie“

vollzogen sich grundlegende Änderungen

der Wirtschafts- und Sozialstruktur.

Ausgerechnet in der waldärmsten Region

Deutschlands entstand die „Wiege des

Waldes“.

Selbstredend gibt es über eines der

größten, zusammenhängenden Baumschulgebiete

bereits zahlreiche Ver -

öffentlichungen: Jubiläumsbroschüren

und Kataloge der Baumschulbetriebe,

Fach literatur und Handbücher, Diplom -

arbeiten und Dissertationen. Auch in

regionalen Chroniken und den Publi -

kationen der Geschichtswerkstätten vor

Ort finden sich Hinweise. Im Archiv des

Deutschen Baumschulmuseums lagern

zudem zahlreiche Dokumente. Doch die

KulturlandschaftPinneberger Baumschulland

beginnt gerade erst, sich selbst als

solche zu entdecken.

Den noch jungen Terminus „Pinneberger

Baumschulland“, der einer ganz außergewöhnlichen

Kulturlandschaft ihren

Namen gibt, soll dieses Buch mit Inhalt

füllen. Die Geschichte der Baumschulen

ist neben vielen Erfolgen ebenso geprägt

von Perioden, die nicht in Jubiläums -

broschüren zu finden sind: die Lohnstreiks

der ungelernten Baumschul -

arbeiter, die Anwerbung sogenannter

Fremdarbeiter, die Zwangsarbeit im

Zweiten Weltkrieg oder die Auflagen der

britischen Militärregierung nach 1945.

Der Rolle der Frauen in den Betrieben,

gerade während der Notzeiten, gebührt

in der historischen Betrachtung ein

besonderer Platz.

4


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 5

Der vorliegende Text wird von zahl -

reichen Bilddokumenten begleitet. Die

Abbildungen machen sicherlich neugierig,

durch die Lektüre mehr zu erfahren.

Bei der Erstellung und Recherche haben

uns die Beschäftigten vieler Einrich -

tungen, Archive und Museen aber auch

Privatpersonen tatkräftig unterstützt.

Ihnen allen möchten wir an dieser

Stelle herzlichst danken!

Die Erwähnung Einzelner birgt immer die

Gefahr, den Beitrag anderer zu schmälern.

Das gilt für die Unterstützung bei

der Erstellung dieses Buches ebenso wie

für die Auswahl einzelner Betriebe und

Personen in der historischen Darstellung.

Unverkennbar aber gibt es einen „roten

Faden“: Das Pinneberger Baumschulland

besticht durch die Begeisterung, mit der

sich Menschen für ihren Beruf und diese

Kulturlandschaft engagieren. Und wie

wir erleben durften, wirkt begeistertes

Engagement ansteckend und belebend.

Wir freuen uns, wenn unsere Zeitreise

noch mehr Menschen mit dem Keim der

Begeisterung für diese Kulturlandschaft

infiziert, und wünschen viel Spaß bei der

Lektüre.

Joachim Malecki und

Heike Meyer-Schoppa

5


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 6

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

Caspar Voght im Alter von 49 Jahren,

Ölgemälde von Jean Laurent

Wie alles begann

Kindheit und Jugend

1764 herrschte in Hamburg eine Blattern-

Epidemie – auch Pocken genannt. Wegen

der mangelhaften hygienischen Verhältnisse

wütete sie besonders in den berüchtigten

Gänge-Vierteln der Altstadt.

Die Infektionskrankheit kam aber

schließlich auch in den herrschaftlichen

Häusern der Handelsfürsten an. Die

Voght’schen Kinder erkrankten allesamt.

Während der Krankheitsverlauf bei

seinen Schwestern glimpflich verlief,

erwischte es Caspar Voght mit voller

Wucht. Die Narben entstellten sein

Gesicht so sehr, dass die Schwestern bei

seinem Anblick zu weinen begannen. Bis

dahin war er ein hübscher Junge, der als

künftiger Patron eines florierenden

Handelshauses von den Eltern wohlausstaffiert

gern in der hamburgischen

Gesellschaft vorgezeigt wurde. In Hamm

besaß die Familie eine standesgemäße

Sommerresidenz mit einem franzö -

sischen Rokokopark und den damals

üblichen idealisierenden Schäfereien und

Meiereien. Hier hielt sich Caspar gerne

auf und entwickelte erste Neigungen zu

Pflanzen und Tieren.

Der Krankheitsverlauf dauerte zwei

Jahre. Meist war er bettlägerig und vertrieb

sich die Zeit mit Lesen. Bücher gab

es genug. Sein Vater hatte 300 Bücher

geerbt, ein Querschnitt der damaligen

Weltliteratur in deutscher, englischer,

französischer und italienischer Sprache.

Caspar hat sie vermutlich alle lesen

können, denn der Hausunterricht des

Leipziger Magisters Michaelis schloss

auch die englische und französische

Sprache mit ein. Der Einfluss dieses

genialen Hauslehrers, der alles andere als

ein Pedant gewesen sein muss, war prägend.

Michaelis vermittelte dem jungen

Voght eingebettet in die gerade begonnene

Ära der Aufklärung die Grundwerte

des Humanismus. Nach überstandener

Krankheit erlaubte ihm sein Vater den

Besuch des akademischen Gymnasiums.

6

6


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 7

Als junger Mann: Salonlöwe und

literarisches Interesse

Mit 18 Jahren holte Caspar Voght die

Pflicht ein. Er musste gemäß seiner Bestimmung

in das Kontor des familiären

Handelshauses einsteigen. Die Kontorarbeit

erledigte er dank seiner Intelli -

genz spielend, aber ohne Herzblut. Seine

eigentlichen Interessen teilte er mit dem

nur wenige Jahre älteren Georg Heinrich

Sieveking, der ebenfalls im Voght’schen

Kontor in Ausbildung war. Sieveking,

auch Spross eines großen Handels -

hauses, begeisterte sich für die damals

auflebende deutsche Literatur und Dichtung.

Zusammen mit anderen Männern

der hamburgischen Gesellschaft bildeten

sie einen literarischen Verein und stifteten

die erste Lesebibliothek Hamburgs.

Voght selbst hatte allerdings keinerlei

literarische Begabung und konzentrierte

sich deshalb auf das „Vorlesen schwungvoller

Prosa“ in den Salons der hamburgischen

Gesellschaft. Der Name „Salonlöwe“

war damals positiv besetzt. Voght

pflegte dieses Attribut sein Leben lang.

Es öffnete ihm die hochrangigen Zirkel

der europäischen Schriftsteller und Gelehrten

und damit Bekanntschaft unter

anderem mit Goethe, den Brüdern von

Humboldt, Benjamin Franklin, Voltaire,

François-René de Chateaubriand, Madame

de Staël, Madame Récamier und

Hermann Fürst von Pückler-Muskau.

Frühes Engagement im Armenwesen

Ein Schlüsselerlebnis für den 18-jährigen

Voght war der Besuch des Geschäftsfreundes

und englischen Philanthropen

John Howard im Jahre 1770. Er begleitete

Howard in verschiedene Elendsviertel

Hamburgs. Was er dort sah, muss ihn

schwer erschüttert haben, denn er begann,

sich unmittelbar nach diesen Erlebnissen

im Armenwesen zu engagieren.

Über die „Patriotische Gesellschaft“, die

Caspar Voght vor

seinem Landhaus in

Flottbek, Aquarell von

Jacob Gensler 1837

7

7


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 8

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

Pflanzen sind Vertrauenssache

Die E. Sander GmbH ist ein Dienstleistungs -

unternehmen rund um die Vermarktung des

gesamten Outdoor-Pflanzensortiments (Garten,

Terrasse, Balkon, Friedhof, öffentliches Grün

usw.). Sie bündelt den Bedarf des Garten- und

Landschaftsbaus sowie von Gartencentern und

Floristen aus sämtlichen Gartenbauregionen

Europas. Als Alleinstellungsmerkmal für den

Kreis Pinneberg hat die Baumschule einen Cash -

&Carry-Markt mit dem kompletten Sortiment.

Spezialangebot: Bienen-, Schwedengehölze,

Klima-, Haus bäume, Seminare, Hausmessen

E. Sander GmbH

www.e-sander.de

1765 gegründet worden war, organisierte

er eine neue Armenpolitik. Statt nur Almosen

zu geben, sollten die Menschen

angeleitet werden zu arbeiten und sich

zu bilden. Im Ergebnis entstand daraus

1788 die „Allgemeine Armenanstalt“, die

europaweit als Vorbild galt. Mit seiner

Idee von der Hilfe zur Selbsthilfe machte

sich Voght in ganz Europa einen Namen

als „Vater des Armenwesens“. In spä -

teren Jahren wurde er an verschiedene

Fürstenhöfe Europas gerufen, um auch

dort sein Konzept zu verwirklichen.

Auf Kavalierstour

Es war damals üblich, dass die „Kronprinzen“

der hamburgischen Handelshäuser

in die verschiedenen Auslandsdependancen

geschickt wurden, um vor Ort die jeweilige

Sprache, die Geschäftsverbindungen

und Handelswege kennenzulernen.

Voghts Vater war aus nicht bekannten

Gründen sehr großzügig zu seinem Sohn

und gewährte ihm stattdessen eine so -

genannte dreijährige „Kavalierstour“, die

ihn durch Holland, England, Frankreich,

Spanien, Italien und die Schweiz führte.

In England hatte er dabei ein weiteres

Schlüsselerlebnis: Auf dem Anwesen

„The Leasowes“ des englischen Dichters

William Shenstone sah er zum ersten

Mal ein Mustergut, das aus einer gelungenen

Symbiose von Landwirtschaft und

Landschaftspark bestand. In Erweiterung

der Idee des englischen Landschafts -

gartens sollten bei der sogenannten

„ornamented farm“ Naturerlebnis und

Landbewirtschaftung eine Einheit bilden.

20 Jahre später zeigte sich, wie nach -

haltig Voght von dieser Erfahrung beein-

8

8


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 9

druckt war, als er begann, seine eigene

„ornamented farm“ mit einem Mustergut

in Flottbek zu verwirklichen.

Einstieg ins Familienunternehmen

Nach seiner Rückkehr war er 23 Jahre alt

und musste nun im Kontor seines Vaters

Leistung zeigen. Das gelang ihm mühelos,

aber sein Herz galt immer noch anderen

Interessen. Die Mitgliedschaft in

der „Patriotischen Gesellschaft“ führte

zu weiteren sozialen und kulturellen

Engagements. So übernahm er 1780 mit

einigen Freunden die Leitung des

Hamburgischen Stadttheaters, als dieses

künstlerisch und wirtschaftlich ziemlich

am Ende war. Voght Senior unterstützte

auch dieses wiederum leidenschaftliche

Vorhaben Caspar Voghts mit nicht unerheblichen

Mitteln, die beteiligten Familien

Reimarus und Sieveking ebenfalls.

Nun kamen Stücke der Aufklärung auf

die Bretter, die die Welt bedeuten und

für das hamburgische Publikum völlig

neu waren.

1781 starb Voght Senior und Caspar Vogt

musste das Handelshaus Voght & Co. mit

seinem Freund Sieveking, der inzwischen

Kompagnon geworden war, gemeinsam

führen. Es war die Zeit des

Nordamerikanischen Freiheitskrieges

(1776–1783), und Caspar Voghts lebhafte

Phantasie und außerordentliche Kreati -

vität sowie Geduld öffneten ihm neue

Märkte in der zunächst noch englischen

Kolonie und den folgenden unabhän -

gigen USA. Der bald darauf florierende

Handelsaustausch machte das Handelshaus

Voght & Co. zu einem der reichsten

Unternehmen Hamburgs.

Beeren, Wildobst und noch viel mehr ...

Unser Unternehmen wurde 1981 von Wiebke

und Werner Zorn gegründet. Von Beginn an lag

der Schwerpunkt bei Beerenobst. Dieser Bereich

wurde stets weiterentwickelt, sodass jetzt

auch Wildobst, Kern- und Steinobst sowie einige

Besonderheiten wie Feigen und Rhabarber in

bester Qualität angeboten werden können. Es

ge sell ten sich auch schnell Ziersträucher, Bo den -

decker und Heckenpflanzen zum Sortiment.

Vermehrt wird hauptsächlich in Eigenregie.

Produkte: Beeren/Wildobst, Kern- und Stein -

obst, Heckenpflanzen, Koniferen, Ziersträucher

Zorn Baumschulen GbR

www.zorn-baumschulen.de

9

9


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 10

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

Unerfüllte Liebe

Nach dem Tod des Vaters, Voght war nun

28 Jahre alt, stellte sich die Frage nach

Ehe und Familiengründung. Sein enger

Freund Piter Poel hatte eine Schwester,

Magdalene, verheiratete Pauli. Voght

war unsterblich in sie verliebt. Magdalene,

klug, gebildet und voller Herzenswärme

erwiderte zwar diese platonische

Liebe, war aber ihrem Ehemann 20 lange

Ehejahre treu, bis sie sich scheiden ließ.

Das war damals ein Skandal. Trotzdem

heiratete sie Voght nicht. Dieser blieb

sein Leben lang Junggeselle. Auch dieser

Umstand mag entscheidend dazu beigetragen

haben, dass er seine ganze Kraft

und Zeit in sozialen und kulturellen

Projekten konzentrierte. Aus zeitgenössischen

Berichten und Briefen geht hervor,

dass Voght zumindest während seiner

zahlreichen Reisen durch Europa immer

wieder kurzfristige Liaisons gehabt

haben soll. Eine Heirat aber, wird behauptet,

soll er stets abgelehnt haben.

Wenn schon die Liebe seines Lebens unerfüllt

bliebe, wolle er lieber frei sein ...

Die Entstehung des Mustergutes in

Flott bek: Die ersten ersteigerten Hof -

stellen

Das für die Entstehung des Pinneberger

Baumschullandes wichtigste Projekt

begann Voght 1785 mit der Ersteigerung

einiger Hofstellen in Flottbek (heute

Hamburg Bezirk Altona – Ende des

18. Jahrhunderts zählte Altona zur dänischen

Herrschaft Pinneberg). Mit ihnen

begann die Realisierung seines Traumes:

die Einrichtung eines großen Muster -

gutes nach der Idee von „The Leasowes“.

Voght fuhr deshalb noch einmal nach

England, um sich vor Ort über technische

Details der Bewirtschaftung und Gestaltung

zu informieren. Er wollte nichts dem

Zufall überlassen und befasste sich mit

Fragen der mechanischen Bodenbearbeitung,

der Düngung und der Viehzucht

sowie dem Getreide- und Gemüseanbau.

Nach seiner Rückkehr vergrößerte er

seinen Landbesitz in Flottbek erheblich.

Das florierende Handelshaus erlaubte

den Einsatz hoher Geldmittel. Voght

schreibt in seinen Erinnerungen, dass er

insgesamt wohl über eine Million Courant -

mark (hamburgische Währung 1725–

1856) in sein Mustergut investiert hat.

Kultivierung der Flottbeker Ländereien

Das Flottbeker Land sah 1785 trostlos

aus. „Es lag halb unter der nachlässigsten

Bewirtschaftung, und die andere Hälfte

bestand aus sumpfigen Moorwiesen,

dürren Hügeln und verwüsteten Tälern

ohne Abfluss. Das Winterwasser blieb

lange stehen, und noch im Juni versanken

die Ackerpferde an manchen Stellen;

auch die beträchtliche Unebenheit der

Felder erschwerte die Bodenbearbeitung.

Äcker und Weiden waren verqueckt

oder vom Duwock, einem unkrautartigen

Schachtelhalm, befallen“,

schreibt Gerhard Ahrens.

Die seit 1770 in Holstein durchgeführten

„Verkoppelungen“ (Flurbereinigungen)

machten es möglich, großflächige Boden -

verbesserungen (Melioration) nun auch

in Flottbek durchzuführen. Voght begann,

seine in England gesammelten

Erfahrungen zur Verbesserung der

Bodenqualität umzusetzen. Die Felder

ließ er mit dem englischen Muldbrett

einebnen, das Stauwasser wurde durch

verdeckte Gräben, sogenannte „Underdrains“,

abgezogen. So etwas nennt man

10

10


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 11

Die Instenhäuser an

der Baron-Voght-

Straße

heute Drainage. Besonderen Wert legte

er auf die Bodenvertiefung. Diese ebenfalls

aus England stammende Technik

des „Rajolens“ (Tiefpflügen) wurde

durch zwei hintereinander gehende

Pflüge durchgeführt. Sie bewirkte, dass

die obere Bodenschicht gegen die tiefer

liegende Humusschicht ausgetauscht

wurde.

Die „ornamented farm“ als Mustergut

im besten Sinne

Mit der „ornamented farm“ ging es nun

rasant voran. Weitere Hofstellen wurden

zugekauft und die Fläche des geplanten

Mustergutes wuchs weiter. Für die bereits

eingestellten Landarbeiterfamilien

baute Voght ab 1787 die ersten „Instenhäuser“,

für die damalige Zeit recht komfortable

Wohnungen. Für sich selbst ließ

er ein außerordentlich kleines Domizil

erbauen, den sogenannten Tempel am

Elbufer in Teufelsbrück. Dort verbrachte

er nun mit Freunden und illustren Gästen

die Wochenenden.

Auf den noch kargen Böden des künf -

tigen Mustergutes experimentierte er

mit dem Anbau von Kartoffeln. Der

erfolg reiche Ausgang dieses Experimentes

sollte sich später in der entbehrungs -

reichen „Franzosenzeit“ zwischen 1806

und 1814 als lebensrettend für Tausende

von Hamburgern erweisen.

Die Kartoffel anzucht war im 18. Jahrhundert

das Geschäft der Holländer, die

dieses eigent lich unentbehrliche Nahrungsmittel

teuer exportierten. Caspar

Voght sorgte in den folgenden Jahren

für einen vermehrten Anbau der Kar -

toffel als Feldfrucht durch die Holsteiner

Bauern.

1788, Caspar Voght führte sein Handelshaus

scheinbar nebenher sehr erfolgreich,

zog er seine Schlussfolgerungen

11


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 12

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

BdB Containerbaumschule mit Vielfalt

Im Jahre 1927 wurde die Baumschule Hans

Timm gegründet und begann mit der Produktion

von Freilandpflanzen, Obstgehölzen und

Ziersträuchern. Die Produktion von Rosen war

ein weiterer wichtiger Bestandteil des Betriebes.

Der Sohn Willy-Hermann Timm führte den Betrieb

nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1964

weiter. Als 1986 der Sohn von Willy-Hermann

Timm in den Betrieb kam, änderte sich auch

das Pflanzensortiment. Hans-Hermann Timm

und seine Frau Susanne setzten auf die Produktion

von Containerpflanzen. Die Freilandproduktion

wurde nach und nach eingestellt.

Heute werden nur noch Pflanzen in Containern

produziert wie zum Beispiel Moorbeetkulturen,

Ziersträucher und Obstgehölze. Seit einigen

Jahren ist zudem die Produktion von Kirsch -

lorbeer ein fester Bestandteil im Leistungsspektrum

geworden. Wir setzen aber weiterhin

auf eine große Sortenvielfalt, um auch den

Gartencenterkunden ein breites Sortiment anbieten

zu können.

Mit dem Eintreten der Tochter Christina und

deren Mann Michael im Jahr 2013 ist nun die

vierte Generation in dem Betrieb tätig. Je nach

Saison sind bis zu zwölf Mitarbeiter beschäftigt.

Die Senior- und Juniorchefin leiten das

Büro, Produktion und Versand werden vom

Senior- und Juniorchef geführt.

Durch regelmäßige Kulturarbeiten in den Quartieren

schaffen wir gute Bedingungen für

die Entwicklung der Pflanzen. Wir arbeiten mit

moderner Beregnungstechnik, Wasserrück -

gewinnung, Düngerdosierung, Mehrwegver -

packungen und Elektrofahrzeugen. Der Anspruch

ist die Produktion von Qualitätspflanzen.

Gründungsjahr: 1927; Mitarbeiter: 12

Sortiment: Containerpflanzen, Koniferen,

Laubgehölze, Obstgehölze, Rhododendron,

Gräser u. v. a. m.

kein Privatverkauf

Timm & Sohn Baumschulen

www.timm-und-sohn.de

12


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 13

Barmstedt – SO NAH. SO GUT.

Mit dem Rantzauer See, der Schlossinsel, der

dazugehörigen Parkanlage und dem hohen

Waldanteil sowie der Kircheninsel mit der 300

Jahre alten Hei ligen-Geist-Kirche ist Barmstedt

ein einzigartiges Naherholungsgebiet.

Die Stadt ist ein touristischer Anziehungspunkt

und seit 2011 auch anerkannter Erholungsort.

Barmstedt – mit seiner fast 900 Jahre währenden

Geschichte – ist eine liebenswerte und

lebendige Kleinstadt in verkehrsgünstiger Lage.

Einwohner: über 10 000; Fläche: 17,17 km 2

Sehenswertes: Rantzauer See, Schlossinsel

Stadt Barmstedt

www.barmstedt.de

aus den einschneidenden Erinnerungen

als 18-Jähriger in den Hamburger Gefängnissen

und Armenvierteln. Er gründete

zusammen mit Johann Georg Büsch,

seinem Lehrer aus dem akademischen

Gymnasium, und dem Juristen Johann

Arnold Günther mit Unterstützung der

„Patriotischen Gesellschaft“ die schon

erwähnte „Allgemeine Armenanstalt“. In

ihr wurde ein völlig neues Modell des

Umgangs mit dem damals grassierenden,

heute unvorstellbaren Elend der

Armen praktiziert.

Ausreichende Hygiene und Ernährung,

Arbeitsbeschaffung und Bildung waren

Gegenstand der Befassung. Schon zu

dieser Zeit wurde Voght europaweit

als „Landmann und Armenfreund“ bezeichnet.

Anhänger der französischen Revolution

Als 1789 die französische Revolution

ausbrach, waren Caspar Voght und sein

Kompagnon Georg Heinrich Sieveking als

begeisterte Anhänger der Aufklärung unter

Jean-Jacques Rousseau und Immanuel

Kant von den Idealen der Revolution

überzeugt. Am 14. Juli 1790, am ersten

Nationalfeiertag anlässlich des Sturms

auf die Bastille, veranstaltete der er -

weiterte Freundeskreis um Voght und

Sieveking ein „Freiheitsfest“, das nicht

überall in Hamburg auf Verständnis stieß.

Politische Parteinahme war in Hamburg

verpönt. Der Senat hatte es mit strikter

Neutralität über Jahrhunderte erreicht,

dass die „Freie Reichsstadt“ von den

meisten Kriegsstürmen verschont blieb.

Diese Stadt hatte es durch ihre Neutra -

13


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 14

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

litätspolitik geschafft, selbst den Dreißigjährigen

Krieg weitgehend verschont zu

überstehen. Sie partizipierte sogar durch

die gut betuchten Glaubensflüchtlinge

aus Frankreich, Portugal und Spanien.

Voght und seine Freunde waren in den

folgenden Jahren nach der Revolution ernüchtert

und von Napoleon enttäuscht,

als dieser Europa und damit auch Hamburg

besetzte. Aus heutiger Sicht zwiespältig

blieb Voghts Verhältnis zum französischen

Kaiserreich, in dem er sich als

Berater des Kaisers von 1806 bis 1811

aufgehalten hat. Im Auftrag Napoleons,

der ihn zum „Reichsarmenfürsorger“

ernannte, legte er ein Gutachten zur

Reform des Armenwesens und der Gefängnisse

vor. Gleichzeitig pflegte er Kon -

takte mit Oppositionellen wie Madame de

Staël und Madame Récamier.

Noch einmal nach England und

Schottla nd

Voght wurde vom Hamburgischen Senat

und den Handelsherren wegen seiner

anfänglichen Begeisterung für die Französische

Revolution trotz seiner Verdienste

für die Hansestadt angefeindet.

Enttäuscht übergab er 1793 seine Handelsgeschäfte

an Georg Sieveking und

ging für drei Jahre nach England. Für

seine spätere Entscheidung, sich ganz

auf sein Mustergut zu konzentrieren,

waren diese Jahre prägend. Er besuchte

England, Irland und Schottland, studierte

an der Universität Edinburgh Agrar -

ökonomie und Agrarchemie und warb für

sein Mustergut zwei Persönlichkeiten

an, die für die Einrichtung seiner „ornamented

farm“ und indirekt für die Entwicklung

des Kulturlandschaftsraumes

Kein Obstbaum ohne passende Wurzel

Der Ursprung eines jeden Obstbaumes, die

Veredlungsunterlage, ist in der Tornescher

Baumschule Stahl zu finden. Seit über 110 Jahren

und bereits in der vierten Generation produziert

die Baumschule Veredlungsunterlagen

und Beerenobst für den europäischen Profigartenbau.

Aus Samen gezogen oder von

Mutterpflanzen abvermehrt – in der Baumschule

findet Urproduktion im wahrsten Sinne

des Wortes statt.

Leistungsspektrum: Veredlungsunterlagen für

Obst, Rosen und Gehölze, Beeren- und Wildobst

Stahl Baumschulen GmbH

www.baumschule-stahl.de

14


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 15

Faszination Magnolia

Seit 1912 werden von uns in Barmstedt Jungpflanzen

produziert. Heute liegt der Schwerpunkt

in der Produktion der Gattung Magnolia

in aktuell 75 Sorten. Unser gesamtes Sortiment

umfasst rund 800 Sorten, darunter sehr viele

Besonderheiten und Raritäten. Wir produzieren

zunehmend witterungsunabhängig in thermoisolierten

Foliengewächshäusern. Als reiner Groß -

händler vermarkten wir europaweit und darüber

hinaus – mit steigendem Exportanteil (ca. 50%).

Sortiment: u.a. Magnolien, Laubgehölze, Nadel -

gehölze, Rari tä ten – nur für Wiederverkäufer

Spilkers Jungpflanzen OHG

www.spilkers-jungpflanzen.de

Pinneberger Baumschulland“ entscheidend

werden sollten. Diese waren der

Chemiker Johann Gottfried Schmeisser

und der aus Falkirk in Schottland stammende

Landschaftsgärtner James Booth.

Booths Vater betrieb eine der größten

Baumschulen in Großbritannien. Sein

Sortiment beinhaltete neben europä -

ischen bereits viele exotische Arten, die

englische Pflanzensammler aus den Kron -

kolonien und Protektoraten, insbesondere

aus Nordamerika, mitbrachten. Er

belieferte vornehmlich die Herrschaftssitze

des britischen Adels, die sich in

ihren „Landschaftsgärten“ die Welt der

botanischen Exotik verwirklichten. Was

Caspar Voght in der Baumschule Booth

zu sehen bekam, war für ihn überwäl -

tigend. Auch die moderne Art und Weise

der Anzucht aus Samen, Reisern und

Mutterpflanzen sowie der Düngung der

den, des Verschulens, des Handelund

Versandwesens der Baumschulware

überzeugten ihn. James Booth ging auf

das Angebot Caspar Voghts ein. 1795 zog

er mit seiner Familie nach Flottbek, um

dort in Erbpacht eine zunächst 30 Hektar

große Baumschule aufzubauen und

Voght bei der Entwicklung seines

Mustergutes zu unterstützen.

Einsatz englischer und schottischer

Ackergeräte

Die weiteren Bodenverbesserungs -

maßnahmen führte Voght ebenfalls mit

englischen Ackergeräten durch, die er

von seiner weiteren Englandreise zwischen

1793 und 1795 mitbrachte. 2000

Pfund Sterling hat er dafür ausgegeben,

für die damalige Zeit ein Vermögen. Der

15


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 16

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

Ihr Partner für Grün in Deutschland und Europa

Die Export-Baumschule H. von Hellms befindet

sich im Kreis Pinneberg, im Zentrum eines

der größten Baumschulgebiete der Welt. Mit

über siebzigjähriger Erfahrung beliefern wir

Baumschulen und Gartencenter in Deutschland

und Europa preiswert, zuverlässig und

schnell.

Unsere Stärke ist das komplette Sortiment.

Das Angebot von über 700 Baumschulen aus

Norddeutschland – mit einer Produktionsfläche

von insgesamt mehr als 7000 Hektar – ermöglicht

es uns, Ihnen das Komplettsortiment

„vom Sämling bis zum Solitär“ anbieten zu

können. Durch die Zusammenarbeit mit ausgewählten

und spezialisierten Pflanzenproduzenten

sind wir jederzeit in der Lage, die von

Ihnen gewünschte Qualität sicherzustellen.

Ein modernes Logistiksystem, hoch qualifizierte

Mitarbeiter und umfangreiche Marktkenntnisse

befähigen uns, Ihre Aufträge zuverlässig

und schnell zu bearbeiten sowie

kurzfristig und pünktlich auszuliefern. Unser

moderner Maschinenpark sowie großflächige

Hallen- und Hofanlagen ermöglichen uns

zudem ein schonendes Lagern und Verladen

der Pflanzen.

Somit können wir Ihnen individuelle und

qualitativ hochwertige Lösungen in den

Be reichen Pflanzenqualität, Transport und

Verpackung bieten.

Unsere jahrzehntelange Erfahrung und Kompetenz

im Pflanzenexport machen uns zu

Ihrem Partner für Grün in Deutschland und

Europa.

Gründungsjahr: 1945, Mitarbeiter: 20

Leistungsspektrum: das komplette Baumschulsortiment

aus einer Hand, in ausge -

suchter Qualität, schnelle und regelmäßige

Lieferungen in alle Länder Europas

H. von Hellms Export-Baumschule

GmbH & Co. KG

www.vonhellms.de

16


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:53 Seite 17

Unser Herz schlägt für alles, was grünt und blüht

In nunmehr fünfter Familiengeneration, auf insgesamt

50 Hektar umfasst das Angebot der

Hermann Cordes Baumschulen mehr als 600

Obstarten und -sorten. Ganz gleich, ob der

NABU eine Streuobstwiese mit alten Obst -

sorten anlegen, eine Stadt ihre Bepflanzung in

einem Stadtpark erneuern möchte oder der

passionierte Hobbygärtner auf der Suche nach

einem ungewöhnlichen Solitär ist: Wir sind der

richtige Ansprechpartner.

Sortiment: u. a. Obstgehölze, Beerenobst, Laub -

gehölze, Containerware, Auftragsveredelungen

Hermann Cordes Baumschulen KG

www.cordes-obst.de

berühmte Agronom Albrecht Thaer besuchte

das Mustergut und war voll des

Lobes über die Verwendung der eng -

lischen Ackergeräte und deren Wirkung.

Über die aus England importierten,

von Voght nachgebauten und zum Teil

weiterentwickelten Maschinen und

Gerätschaften gibt es eine vollständige

Liste, weil diese auf der „Ausstellung

von Kunstwerken, Modellen und Werk -

zeugen“ der „Patriotischen Gesellschaft“

zu Hamburg 1797 gezeigt wurden.

Die schließlich 16 verschiedenen Pflüge,

darunter der legendäre „eiserne Pflug“

des Schotten James Small, die sechs -

reihige Drillmaschine, die sich nicht nur

saatsparend auswirkte, sondern eine

spätere Bearbeitung zwischen den Reihen

ermöglichte, der schottische Sturzkarren,

mit dem einspännig das gesamte

Fuhrwerk abgewickelt wurde, bis hin zu

den Pferdegeschirren führten zu mehr

Ertrag, geringeren Produktionskosten,

geringerer Bodenbelastung und damit zu

hoher Produktqualität und guten Verkaufspreisen.

James Booth, von dem

noch berichtet werden wird, hat in seiner

Baumschule von dieser Entwicklung profitiert,

denn er wandte natürlich die gleichen

Geräte und Techniken an wie das

Mustergut. Die Obergärtner, Lehrlinge

und Gehilfen, die in der Baumschule

Booth ihre Erfahrungen sammelten und

später Baumschulbesitzer im Pinne -

berger Baumschulland wurden, übernahmen

ebenfalls diese Methoden und

schufen damit die Grundlage ihres weltweiten

Erfolgs.

17


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 18

Flottbek, Teufelsbrücke,

Lithografie von

W. Heuer

Die Fruchtbarmachung der „ornamented

farm“

Voght erweiterte sein Mustergutgelände

bis 1805 auf 260 Hektar und verwandelte

die entwaldete Heidelandschaft des Elbhochufers

in seine „ornamented farm“.

Es war eine völlig neue Mischung aus

landwirtschaftlicher Nutzfläche mit Viehweiden,

Getreide- und Kartoffeläckern

sowie Gemüsefeldern. Dazwischen lagen

die offenen Parkanlagen, ausschließlich

der Landschaftsgestaltung und dem

Naturerlebnis gewidmet.

Aus seinen Studien in England und

Schottland hatte er viel über Boden -

mechanik und Pflanzenernährung erfahren.

So war es nicht weiter verwunderlich,

dass Voght auf die Idee kam, die

agrarisch genutzten Flächen des Mustergutes

mit organischen Substanzen aufzudüngen.

Mineraldünger standen noch

nicht zur Verfügung. Es darf bezweifelt

werden, ob sich Voght ihrer bedient

hätte. Aus seinen Studien in Edinburgh

und den wissenschaftlichen Erkenntnissen

seiner Mitstreiter von Thünen und

Schmeisser wusste er, dass der Aufbau

eines fruchtbaren Bodengefüges ohne

organische Düngung nicht funktionieren

kann. Aber woher die erforderlichen

riesigen Mengen an Kompost nehmen?

Es müsste nicht Voght gewesen sein,

wenn ihm hierzu nicht etwas eingefallen

wäre. In Hamburg und Altona erfolgte,

wie in allen Städten des ausgehenden

18. Jahrhunderts, jeglicher Warentransport

durch Pferdefuhrwerke. Der Pferdemist,

aber auch der menschliche Unrat

inklusive Kot und Urin verdreckte die

Straßen auf heute unvorstellbare Weise.

Müllabfuhr und Stadtentwässerung

waren noch unbekannte Begriffe. Der

Siel-Bau erfolgte erst in der zweiten

Hälfte des 19. Jahrhunderts. Voght

schloss Verträge mit beiden Städten und

übernahm für einige Stadtquartiere die

regelmäßige Straßenreinigung. Der Un -

rat wurde zusammengekehrt, auf Fuhrwagen

verladen und auf extra hierfür

konstruierte Schuten bis nach Teufelsbrück

und von dort auf das Mustergut

transportiert. Voght hatte gelernt, dass

sich die Ausbringung von frischem Mist

auf Acker- und Gartenland ungünstig für

die Vegetation auswirkt. Der Mist musste

erst fermentiert werden, wie man den

Kompostierungsprozess damals nannte.

In großen Gruben wurde der frische

Pferde mist mit Heideplaggen (Plaggen-

esch) der nahen Umgebung vermischt,

und nach einem Jahr war der Kompost

bereit für die Verteilung auf den Getreide-,

Kartoffel- und Gemüseäckern

des Mustergutes. Das Ergebnis war eine

optimale Bodengare (höchster Zustand

eines fruchtbaren Bodens aus physika -

lischer, chemischer und biologischer

Sicht), die Caspar Voght nach 40 Jahren

18


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 19

Karte von Klein

Flottbek um 1810,

links die „ornamented

farm“, rechts die

„Englische Baumschule“

von James

Booth

weitgehend erreichen konnte. Die Humus -

schicht auf dem Mustergut wuchs in

dieser Zeit durch das Tiefpflügen und

den kontinuierlichen Kompostauftrag

von 10 auf 35 Zentimeter an.

Die erste landwirtschaftliche Lehr -

anstalt Deutschlands in Flottbek

Sein Leitbild für die Führung und Weiterentwicklung

seines Mustergutes bestand

aus der stetigen Verbesserung der

Anbaumethoden, der Agrartechnik und

der Ausbildung seiner bäuerlichen und

gärtnerischen Arbeiter. Moderne Anbaumethoden

und Agrartechnik hatte er ja

in England kennengelernt. Wie berichtet,

importierte er zunächst die modernsten

landwirtschaftlichen Boden bearbeitungs -

geräte, die er anschließend von einem

Schmied, den er unter Vertrag nahm,

nachbauen ließ. Er versuchte natürlich

auch, diese modernen Gerätschaften an

die Holsteiner Bauern zu verkaufen, nicht

um daran zu verdienen, sondern um

deren Produktion zu vereinfachen und

qualitativ zu verbessern. Aber da hatte

er die Rechnung ohne die Holsteiner gemacht.

Sie bearbeiteten ihre Böden noch

weitere 50 Jahre nach herkömmlicher

Methode, so wie sie den Kartoffelanbau

nur zögerlich annahmen. Denn noch einmal

sei daran erinnert, dass die ham -

burgische und holsteiner Bevölkerung

die „Franzosenzeit“ nicht ohne Hungersnöte

überstanden hätte, wenn Caspar

Voght nicht schon frühzeitig den breit

angelegten Feldkartoffelanbau propagiert

und realisiert hätte.

Die Ausbildung seiner „Leute“ war ihm

immens wichtig. Gemäß seiner aufklärerischen

Überzeugung mussten Bildung

und Arbeit eine Einheit bilden. So gründete

er mit seinem Freund und späteren

Verwalter L. A. Staudinger 1797 die erste

landwirtschaftliche Ausbildungsstätte

Deutschlands. Die Lehrkräfte waren

19


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 20

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

vom Feinsten: Johann Georg Büsch

(1728–1800), Dozent am Akademischen

Gymnasium in Hamburg und Lehrer

von Caspar Voght; Johann Gottfried

Schmeisser (1767–1837), Apotheker,

Chemiker, Naturwissenschaftler von

inter nationaler Bedeutung; und natürlich

James Booth, Physiker, Mathematiker,

Chemiker, Agrarökonomen und Bota -

niker. Die Schüler waren Arbeiter des

Mustergutes, die Söhne der umliegenden

Bauernstellen wurden geschickt, und

mancher Schüler kam aus weiter entfernten

Regionen.

Einer der Schüler war Johann Heinrich

von Thünen, der seine später auf dem

Mustergut entwickelten agrarökono -

mischen Theorien in seinem weltweit

beachteten Werk „Der isolierte Staat“

niederschrieb. Er erklärte darin unter

anderem, das „wirtschaftlich rationale

Handeln, den Wert der Arbeitsleistung,

den Anbauertrag, den Marktpreis, die

Erzeugungskosten, die Entfernung vom

Markt und die Transportkosten“. Es

braucht nicht viel Fantasie, um zu ahnen,

dass sich die Baumschule Booth und die

in der „zweiten Generation“ wirkenden

Holsteiner Baumschulbesitzer diese

Erkenntnisse zunutze gemacht haben.

In von Thünens Biografie ist lapidar zu

lesen, dass er von 1797 bis 1803 bei

Lucas Andreas Staudinger in Flottbek

bei Hamburg studierte. Dieser Studienort

war die von Caspar Voght gegründete

erste landwirtschaftliche Lehr anstalt

Deutschlands!

Es hätte sich alles so glorreich weiter -

entwickeln können, aber mit Napoleon

kamen zuerst die Kontinental- und als

Reaktion der Briten die Elbmündungssperre.

Damit wurde den Hamburgern

die Lebensader abgeschnitten. Dieser

unsägliche Zustand währte bis 1814. Viele

hamburgische Reeder und Kaufleute gingen

in die Insolvenz. Auch Voghts Handelshaus

wurde schwer getroffen, was

zur Liquidation bzw. Übergabe an seinen

Freund Jenisch führte. So musste die

erste Landwirtschaftsschule Deutschlands

1812 schon wieder schließen.

Voght als vorbildlicher Arbeitgeber

„Seine Arbeiter“ lagen Caspar Voght Zeit

seines Lebens am Herzen. Er hatte zu

ihnen ein ganz besonderes Verhältnis.

Der Bau der „Instenhäuser“ sicherte

ihnen ein menschenwürdiges Alltags -

leben in für damalige Verhältnisse kommoden

Räumlichkeiten. Er gründete für

sie eine Pensionskasse und eine Krankenkasse

mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Das alles auf genossenschaft -

licher Basis, also auf Selbsthilfe gegründet.

Die entsprechenden „Sozial beiträge“

der Arbeiter kompensierte er mit einem

Lohn, der weit über die damals übliche

Bezahlung hinausging.

Lange vor Bisma rck praktizierte Voght

eine Versorgung der Arbeiter, die in

dieser Zeit als revolutionär galt und ihm

auch Anfeindungen aus einschlägigen

Kreisen einbrachte. Der Lohnstreik der

Baumschularbeiter von 1903 mit all

seinen wirtschaftlichen und sozialen Folgen

wäre unter Caspar Voght undenkbar

gewesen.

Die Grund- und Hauptschule für seine

Arbeiterkinder (damals 6 Jahre plus 2 Jahre

Sonntagsschule) blieb erhalten und mündete

später in die staatliche Schulein -

richtung. Zur Hochzeit des Voght’schen

Mustergutes lebten ca. 600 Menschen

auf dem riesigen Areal in Flottbek. Aus

20


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 21

heutiger Betrachtung muss man fest -

stellen, dass dies ein ganz besonderer

Kosmos gewesen sein muss: Ein Gutsherr

von aufgeklärter Weltbildung, der

mit den Berühmtheiten seiner Zeit Kontakte

und Freundschaften pflegte, der

Bildung und Wissenschaft in sein Gut

einfließen ließ und an seine Angestellten

und – man beachte – auch an seine

Arbeiter weitergab.

Voght hatte im Laufe seines Lebens

etwas Entscheidendes gelernt: Nicht der

Stand macht den Wert eines Menschen

aus, sondern seine Bildung und seine

soziale sowie fachliche Kompetenz. Diese

Philosophie und Lebenshaltung verfolgte

Caspar Voght in einer Zeit, in der Herrschaft

über Standesdünkel, Vorurteil,

Gewalt und Unterdrückung an der Tagesordnung

war.

Die letzte Etappe – Sieben Jahre für

das Armenwesen an europäischen

Fürstenhöfen

Wir gehen noch einmal zurück in das Jahr

1812. Voght war seit 1805 unterwegs in

Europa. Sein Handelshaus war liquidiert,

sein Mustergut von seinem Freund Staudinger

verwaltet. Zeitzeugen munkelten,

dass Voght vor Enttäuschung und aus

„Angst vor der Verantwortung über

Menschen und Tiere“ auf Reisen ginge.

Denn nun kamen Brüche und Wider -

sprüche in sein Leben. Er wurde an die

verschiedenen Fürstenhöfe gerufen,

um sein Konzept der Erneuerung des

Gefängnis- und Armenwesens zu er -

läutern und zu realisieren. Napoleon

höchst selbst beauftragte ihn, ebenso

wie die Fürstenhöfe in Lissabon, Wien,

Madrid und Berlin. Ob Voght diese Jahre

Aussicht im Flottbeker

Park auf die Elbe und

die Teufelsbrücke,

Aquarell von Peter

Suhr (1832)

21


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 22

1752

–1839

Caspar Voght (1752–1839) und sein Mustergut in Flottbek

genossen hat, muss bezweifelt werden,

denn zur gleichen Zeit, als er dem

franzö sischen Potentaten diente, verfiel

sein Mustergut unter der französischen

Besatzung.

Rückkehr nach Flottbek

1812 kehrte er zurück nach Flottbek. Er

war nun 60 Jahre alt. Für die damalige

Zeit stand man in diesem Alter am Ende

seines Lebens – nicht aber Caspar Voght.

Er startete noch einmal durch, wie man

heute sagen würde. Die Bearbeitung der

Agrarflächen erfolgte nach Maßgabe der

neuesten Agrartechnik. Er war Ökologe

der ersten Stunde. Wenn der Reeder

G. F. Bauer seinen Landschaftspark in der

unmittelbaren Nachbarschaft durch das

Auftragen von Mutterboden aus dem

Alten Land fruchtbar machte, so ging

Voght den Weg des kontinuierlichen

Aufbaus einer gewachsenen Bodengare

(s. S. 18). Die Pferde als Zugkraft schaffte

er ab und setzte dafür Ochsen ein. Die

hatten die Eigenschaft, den Boden viel

weniger zu verdichten. Sie fraßen weniger

und lieferten auch noch den besseren

Dünger. Nach einigen Jahren konnten

sie geschlachtet werden. Voght führte

die Heuwirtschaft ein, mit der es möglich

war, das Vieh über den Winter zu bringen.

Bis dahin war es üblich, das meiste

Vieh vor dem Winter zu schlachten, weil

man nicht in der Lage war, Heu auf Vorrat

vorzuhalten. Die Landwirtschaft des

Mustergutes sorgte für den Gewinn, der

erforderlich war, um die Arbeiterfamilien

zu ernähren und auch Voght ein regelmäßiges

Einkommen zu sichern. Er lebte

vergleichsweise bescheiden. In seinem

Grüne Kugel – grüner Daumen!

Auf unserem Hofplatz finden Sie zu jeder

Jahreszeit eine aktuelle Auswahl an Pflanzen

für Ihr Zuhause. Genau das Richtige für den

Garten, zur Bepflanzung der Kübel auf Balkon

und Terrasse oder für den Korb vor der Haustür.

Besonders inspirierend sind in der Grünen Kugel

die ansprechende Präsentation der hoch wer ti -

gen Pflanzen, der regelmäßig geöffnete Schau -

garten und die kompetente Fachberatung. Hier

finden Sie leicht ein neues Lieblingsstück.

Angebot: Saison- und Zimmerpflanzen,

Bäume, Sträucher (ein Großteil aus der Region),

Stauden, Bodendecker, Floristik usw.

Grüne Kugel www.gruene-kugel.de

22


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 23

Haus, das der Hamburger Architekt Arens

1794 bis 1797 für ihn im klassizistischen

Stil gebaut hatte, empfing er bis zu

seinem Tod 1839 illustre Gesellschaften.

Es darf vermutet werden, dass sich dort

regelmäßig die geistige Elite halb

Europas traf.

Was blieb und bleibt

Von der „ornamented farm“ ist heute nur

noch der Jenischpark als erkennbarer

Landschaftspark übrig geblieben. Die

restlichen Flächen des ehemals 260 Hektar

großen Geländes gingen in städtische

Bebauung und andere Nutzungen über

(Polo- und Reitplätze). Die Baumschule

Booth bestand höchst erfolgreich fast ein

Abendgesellschaft bei

Baron Voght

Jahrhundert. Es folgte die zweite Generation

der sich hieraus entwickelten Baum-

(unbe kann ter Künstler,

Aquarell, Deckweiss,

schulgründer, insbesondere der als Obergärtner

bei Booths Enkeln wirkende

Bleistift, nach 1817)

Johannes von Ehren (1865) und F. J. Ch.

Jürgens (1847). Ihnen folgten in den

kommenden 50 Jahren ca. 800 Baumschulgründungen

in der Kulturlandschaft

Pinneberger Baumschulland“. Wer zu

bewerten versucht, wie es zur Entwicklung

des größten zusammenhängenden

Baumschulgebiets Europas und vielleicht

der Welt gekommen ist, muss zu dem

Schluss kommen, dass das Wirken von

Caspar Voght nicht nur die Keimzelle,

sondern geradezu die Voraussetzung für

diese Entwicklung gewesen ist. •

23


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 24

1795

–1848

Entwicklung der Norddeutschen Baumschulen und die Baumschule Booth

Booth’s Garten in

Flottbek, Lithografie

von W. Heuer

Vom Mustergut zur

Baumschulen-Gründung

Die ersten Baumschulen in

Norddeutschland

Nein, die Baumschule Booth & Söhne

war nicht die erste in Norddeutschland.

Bereits im 16. Jahrhundert gab es Baumschulen

in ganz Europa, besonders in

Frankreich, England und den Nieder -

landen. Clemens Wimmer teilt sie in drei

Kategorien ein:

Privatbaumschulen: In den Privatbaumschulen

erfolgte die Produktion ausschließlich

für den Eigenbedarf. Auch

Pflanzenliebhaberei spielte eine große

Rolle. Die Eigentümer konnten Landesherren,

der niedere Adel oder gut situierte

Bürger in den aufstrebenden Städten der

Renaissance sein. In diesen Baumschulen

ging es überwiegend um die Anzucht

von Bäumen und Ziergehölzen für die

Parkanlagen und um Obstgehölze für die

tägliche Ernährung (Kernobst, Steinobst,

Reben). Hirschfeld beschrieb beispielsweise

1782 das Rittergut Salzau in Ost-

Holstein, das eine eigene Obstbaumschule

aufbaute und Obst an die Land -

bevölkerung verkaufte.

Handelsgärtnereien: Die gewerblichen

Baumschulen, die sich auch Handels -

gärtnereien nannten, produzierten, um

Gewinne zu erzielen. Sie führten neben

Gehölzen ebenso Gemüse, Stauden und

Samen. Ihre Kunden waren Kaufleute,

24


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 25

Frühe Handelsgärtnereien in Hamburg

Es war in Hamburg vermutlich der aus Italien stammende Hans Meilan, der 1635 mit einem

handschriftlichen „Index Seminum“, dem ältesten erhaltenen Katalog für Blumensamen, her -

auskam. Matthias Böckmann gründete 1649 eine Handelsgärtnerei an der Eulentwiete und

legte im ehemaligen Klostergut Harvestehude den so genannten Böckmannschen Garten an.

Dort verkaufte er nachweislich Buchsbaum, Linden und Obstbäume. Seine Handelsgärtnerei

bestand über drei Generationen bis 1854, also über 60 Jahre parallel mit Booth & Söhne. Ein

anderer früher hamburgischer Handelsgärtner war Johann Klefeker. Seine Nachfahren betrieben

eine Handelsgärtnerei in der Hamburger Neustadt und auf Flächen am Gänsemarkt und

der Reeperbahn. Der Handelssitz befand sich am Alten Steinweg 34. 1804 erlosch die Firma.

Um 1700 gründete Johann Clement Buek ebenfalls eine Handelsgärtnerei in Hamburg. Sie

bestand über drei Generationen bis 1810 und stand bis dahin in direkter Konkurrenz zur

Baumschule von James Booth. Der erhaltene Katalog von 1779 enthält eine Fülle von Ziersträuchern

und Bäumen. Hirschfeld, Gründer und Betreiber der königlich-dänischen Fruchtbaumschule

in Kiel, bezeichnete die Handelsgärtnerei Buek als führenden Anbieter der

„Amerikaner“. Buek bezog aus Nordamerika die sogenannten Samenkisten. Diese Samenkisten

enthielten die Samen der verschiedenen Laub-, Nadel- und Ziergehölze. Der Vertrieb

erfolgte durch englische Händler, da Nordamerika ja noch eine englische Kolonie war. Die

Bezeichnung der verschiedenen Samen erfolgte daher handschriftlich in englischer Sprache.

Übersetzung und Zuordnung erwiesen sich weitgehend als unmöglich, sodass sich die deutschen

Handelsgärtnereien gezwungen sahen, einfach unbekannte Samen auszusäen, heranzuziehen

und zu verschulen. Erst an den mehrjährigen Exemplaren konnte dann bestimmt

werden, um welchen Genus, welche Spezies und Subspezies es sich handelte.

Reeder und Adlige, die ihre barocken

Gärten ab etwa 1770 im Stil englischer

Landschaftsgärten umwandelten.

Öffentliche Baumschulen: Die öffent -

lichen Baumschulen wurden von den

jeweiligen Landesherren in der ersten

Hälfte des 17. Jahrhunderts eingerichtet.

Sie dienten zunächst der Förderung des

Obstbaus. Dieser spielte für die Ernährung

der Bevölkerung eine außerordentliche

Rolle, denn die gängigen Feldfrüchte

(noch ohne den Kartoffelanbau)

reichten bei schlechten Ernten nicht aus,

um Hungersnöte zu vermeiden. Der Dreißigjährige

Krieg mit seinen Nöten und

Entbehrungen beschleunigte die Förderung

des Obstbaus. 1784 wurde in Kiel-

Düsternbrook durch Christian Cay Lorenz

Hirschfeld die „königlich-dänische Frucht -

baumschule“ gegründet, die Obstbäume

kostenlos verteilte. 1788 entstand im

Düvelsbeker Holz bei Kiel eine königlichdänische

Forstbaumschule, die zur Kieler

Forstlehranstalt gehörte.

Die Entwicklung der Forstbaumschulen

Die Forstbaumschulen, ob öffentlich oder

privat, bekamen im 18. Jahrhundert eine

immer größere Bedeutung. Der mittel -

alterliche Raubbau an den Wäldern Holsteins

durch den vielseitigen Bedarf an

Holz für beispielsweise Schiffsbau, Pfahlgründungen,

Zimmerei und Herdbrand

sowie die gleichzeitige Waldnutzung

durch Vieheintrieb hatte aus dieser

Region eine verkarstete Geestlandschaft

werden lassen. Der Waldbau war bis

dato der Naturverjüngung überlassen,

das heißt, nur die aus den umstehenden

Bäumen aufgehende Saat oder der

Stockausschlag aus dem bestehenden

Bestand sorgten für Waldnachwuchs.

Fortsetzung Seite 28

25


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 26

Die Wiege des deutschen Waldes –

Die Wiege des Waldes – Keine Region war historisch

für alle Landstriche des heutigen Deutschlands

so prägend wie das boden- und klima -

begünstigte holsteinische Gebiet nordwestlich von

Hamburg. Mit dem Aufkommen des Baumschul -

wesens im Großraum Pinneberg im 18. Jahrhundert

haben sich rasch Spezialisten für forstliche Pflanzen

entwickelt. Auch heute ist eine Versorgung des

Waldes von der Ramsau bis nach Flensburg, von

der märkischen Oder bis an den Niederrhein ohne

die von den Forstbaumschulen angezogenen Waldbäume

weder möglich noch vorstellbar. Jährlich

erblicken fast eine halbe Milliarde Forstpflanzen

das Sonnenlicht.

Früher verließen die Jungpflanzen Güterzugweise

den Norden. Heute wird per Lkw just in time ausgeliefert.

Waren es mal über 400 Forstbaumschulen im Kreis

Pinneberg, so sind es heute kaum mehr 50. Eine

Entwicklung wie in der Landwirtschaft: Betriebe

werden weniger, der Markt wird kleiner.

Der verbandspolitische Zusammenschluss der

nörd lichen Forstbaumschulen seit dem Zweiten

Weltkrieg ist die „IG Holstein – Ländergruppe Nord

im VDF e. V“. Diese ist eingebettet in den

Bundesverband der Deutschen Forstbaumschulen

(VDF e.V.). Und so werden Forschung, Politik und

Zusammenarbeit mit den Verbänden koordiniert

und politische Arbeit geleistet.

Das Thema Wald ist auch wegen der Nachhaltigkeitsdebatte

hochaktuell. Die Forstbaumschulen

stellen sich den Herausforderungen des Waldbaus

im Klimawandel durch Anpassung: Die Erweiterung

der Sortimente um ökologisch wichtige Wald-/

Biotop-Gehölze und das Nutzen der forstlichen

Dienstleistung werden als Chance genutzt.

Wo geht die Reise hin? Der Holzbedarf steigt weltweit,

die Waldfläche in Deutschland ist kaum noch

auszuweiten (aber beachtlich hoch mit ca. 30 Prozent),

Unterschutzstellungen und Nationalparks

werden mehr, und der Klimawandel fordert auch

bei uns einen neuen Waldbau.

26


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 27

Die Forstbaumschulen im Norden

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Repara -

tionshiebe der Alliierten (Waldbau 2.0) gemeistert,

das Waldsterben in den 1980er- und 1990er-Jahren

brachte ein Umdenken (Waldbau 3.0), und nun

stehen die Forstbaumschulen im Norden in der

Pflicht, das zu liefern, was der Waldbau 4.0 be -

nö tigen wird. Nicht digital, sondern real: Und sie

werden das können, hier im Norden.

Die IG Holstein steht für die Ländergruppe Nord

im VDF e. V.

Gründungsjahr: 1966

Mitglieder: ca. 40

Ziele:

– Vertreten der Belange der in Norddeutschland

ansässigen Mitglieder nach außen

– Beantwortung von Fragen der Mitglieder zum

Umwelt- und Pflanzenschutz und Technik

– gemeinschaftliche Problemlösung für Aussaat

und Anzucht

Die IG-Holstein-Mitglieder sind gleichzeitig

Mitglied im Verband Deutscher Forstbaumschulen

(VDF e. V.).

Die Forstbaumschulen im Norden

Geschäftsstelle der IG Holstein Ländergruppe Nord

im Verband Deutscher Forstbaumschulen e. V.

www.forstbaumschulen.org

27


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 28

1795

–1848

Entwicklung der Norddeutschen Baumschulen und die Baumschule Booth

Das hatte zur Folge, dass sich die Waldflächen

immer mehr dezimierten. Erst

mit der Begründung der nachhaltigen

Forstwirtschaft wurden durch forstliche

Kultur gezielt Nachwuchsbestände

geschaffen. Durch den Übergang von der

Naturverjüngung zur Aufforstung mit

jungen Laub- und Nadelbäumen ent -

wickelte sich der Bedarf an Forstpflanzen

enorm. Dabei spielten die heimischen

Arten ihre traditionelle Rolle. Die Bäume

Nordamerikas eroberten aber zunehmend

den Markt, da sie durch ihre

Schnellwüchsigkeit und gute Holzqualität

zu besseren ökonomischen Ergebnissen

führten.

In der Folgezeit stritten Botaniker,

Forstwirte und Ökologen erbittert über

Nutzen oder Schaden dieser Entwicklung.

Kein geringerer als John Cornelius

Booth, der Enkel von James Booth, verteidigte

in seinen Schriften über „die

Naturalisation fremder Holz arten“ die

Aufforstung der Wälder ins besondere

durch nordamerikanische Kiefern, Fichten,

Tannen, Ahorn und Eichen. Holstein

war die waldärmste Region in Deutschland

und ist es bis heute geblieben. Das

ausgerechnet dieser Region einmal der

Ruf „Wiege des Waldes“ zuteilwerden

sollte, ist eine andere Geschichte, über

die später berichtet werden wird.

Das Hohe Elbufer und die Handels -

fürsten

Die frühen Baumschulen des 18. Jahrhunderts

in Hamburg und Südholstein sind

entstanden, weil der Markt der Großstadt

die Nachfrage bestimmte. Die

Handelsfürsten, Reeder und Adeligen,

aber auch die begüterten glaubens -

verfolgten Immigranten aus Portugal,

Frankreich, den Niederlanden und England

bauten ihre Landhäuser auf das

„Hohe Elbufer“ westlich von Altona. Die

„Ureinwohner“, Bauern und Fischer, die

auf den kargen Böden kaum Erträge

erwirtschaften konnten, verkauften ihre

Ländereien zu Spottpreisen. Die neuen

Hausherren teilten ihre Latifundien

(Landgüter): das Kontor in Hamburg – der

Wohnsitz am Hohen Elbufer. Das Motto

war: heraus aus der Enge der hambur -

gischen Altstadt und hinein in die durch -

lüftete Weitläufigkeit der Landhäuser mit

ihren großen Parkanlagen. Von England

wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

der Landschaftsgarten als neue

Gestaltungsform übernommen. Er löste

den französisch-holländisch barocken

Gartenstil ab und gab den Parkanlagen

eine Weite, die den idealisierten Naturlandschaften

näher kam.

So verwandelte sich das karge Hohe

Elbufer westlich von Altona schließlich in

eine Villen-Parklandschaft. Die Anlieger

bauten die heutige Elbchaussee als

Privatweg aus, um mit ihren Pferde -

kutschen bequem nach Hamburg in ihre

Kontore fahren zu können. Es spricht für

die Handelsfürsten und Reeder, dass

nicht jeder in seiner eigenen Kutsche gefahren

ist. Caspar Voght erzählt in seinen

Lebenserinnerungen, dass sich mehrere

Familien eine Kutsche zur gemeinsamen

Nutzung teilten. Das Carsharing ist also

keine neue Idee, sondern spiegelt das

„gediegene Understatement des Hamburgers“

wider.

28


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 29

Ein Schotte für das Mustergut:

James Booth zieht von Schottland nach

Flottbek

Die zahlreichen Neuanlagen der großen

Parklandschaften, vorneweg von Caspar

Voght die „ornamented farm“, schufen

einen immensen Pflanzenbedarf, den

die alteingesessenen Handelsgärtnereien

nicht mehr decken konnten. Hinzu kam

die vom dänischen Monarchen verfügte

„Verkoppelung“ (Flurbereinigung) der

Ländereien in Holstein, die die Ent -

stehung der Knicklandschaften zur Folge

hatte. Der Bedarf an Bäumen und

Sträuchern war riesig.

Ideale Voraussetzungen für James Booth,

als er 1795 das Mustergut in Flottbek

erreichte. Zwei Jahre war er mit der

Einrichtung der „ornamented farm“ gut

ausgelastet. Das Gelände musste her -

ge richtet werden. Booth setzte die mit -

gebrachten englischen Gerätschaften

ein und baute zur Entwässerung der

feuchten Mulden die ersten Drainagen

der damaligen Zeit. Zeitgleich zog er

die Bäume und Sträucher für den

Voght’schen Park auf einer 40 Hektar

großen Fläche östlich von Teufelsbrück

heran. Die ersten 400 000 Forstpflanzen

bezog Voght für die Booth’sche Baumschule

aus Schottland. 1797 verpachtete

Voght das Baumschulgelände an Booth,

der seine Baumschule zur damals größten

und angesehensten in Norddeutschland

entwickelte. Nun begann die unvergleichliche

Erfolgsgeschichte des „Pinneberger

Baumschullandes“.

Die erste Generation: James Booth

James Booth (1772–1814) befasste sich

zunächst mit der Vermehrung und Anzucht

eines übersichtlichen Sortiments

von Park- und Alleebäumen, von Zier -

gehölzen und Forstpflanzen. Das meiste

davon (Saatgut, Stecklinge und Jungpflanzen)

bezog er aus der väterlichen

Baumschule in Schottland und aus anderen

englischen Baumschulen. Darunter

waren natürlich auch Exoten aus Nordamerika

und Asien. In den ersten Jahren

standen James Booth nur familieneigene

Kräfte sowie ein paar Arbeiter vom

Mustergut zur Verfügung. Seine im

väterlichen Betrieb erlernten Arbeits -

methoden ermöglichten ihm aber bald

die „Massenanzucht“.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich

die „Englische Baumschule“, wie sie im

Volksmund genannt wurde, zur bedeutendsten

im Hamburger, Altonaer und

Die „Englische Baum -

schule“ von James

Booth in Klein Flottbek

um 1850, Lithografie

von J. H. Sander, 1850

29


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 30

1795

–1848

Entwicklung der Norddeutschen Baumschulen und die Baumschule Booth

Booth’s Garten in

Flottbek, Druckgrafik

von Julius Gottheil

(1810–1868)

Holsteiner Raum entwickelt. Booth lieferte

Parkgehölze an die Herrschaftssitze

an der Elbchaussee und Knickpflanzen

nach Holstein und Schleswig. Aber schon

um 1800 entwickelte sich neben der

Baumschule Booth ein paralleler Erwerbs -

zweig. Frauen und Kinder aus den Elbvororten

und den nördlichen Gemeinden

der dänischen Herrschaft Pinneberg

sammelten in den Knicks, den restlichen

Waldbeständen und auf den Heide -

flächen Samen und Sämlinge von ein -

heimischen Bäumen und Sträuchern

(hauptsächlich Schlehdorn, Wacholder,

Weißdorn und Wildrosen) und verkauften

sie an Booth oder direkt an die Parkbesitzer.

Diese benötigten die Pflanzen

für die Einfriedung und Unterteilung ihrer

Parkanlagen. Der Verkaufserlös war gut

und verbesserte den Lebensunterhalt

der armen Bauern, Arbeiter und Handwerker.

Diese Entwicklung hat eine

besondere Bedeutung, weil vermutet

werden darf, dass die „Pflanzensammler“

schon lange vor der Einführung der

„Kostverträge“ durch den Sohn von

James Booth, John Richmond Booth,

für diesen Erwerbszweig sensibilisiert

waren. James Booth starb jung mit 42

Jahren im Jahr 1814. Die beiden Söhne

waren noch nicht mündig. Seine Witwe,

Mary Elisabeth Richmond Booth (1776–

1826) leitete den Betrieb bis 1824.

Die zweite Generation: Booth & Söhne

Der Sohn John Richmond (1799–1847)

setzte das Werk seines Vaters fulminant

fort. Er erweiterte das Sortiment erheblich.

Während Fichten, Kiefern, Föhren,

Lärchen, Tannen, Thuja, Wacholder und

Weißdorn auf dazu gepachtetem Land

der Nachbargemeinden herangezogen

wurden, entstanden auf dem Flottbeker

Baumschulgelände 19 große Gewächshäuser

für die Orchideenzucht. Auf den

Freiflächen forcierte Booth die Anzucht

und Veredelung von Rhododendren und

Rosen. Die Rosenzucht war nun Teil des

Betriebskonzeptes. Sie sei hier besonders

erwähnt, weil sie in der zweiten

30


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 31

Eine Geschichte, die den ersten Rechtsstreit über den Sortenschutz für eine

Rosenzüchtung beschreibt, darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben:

Bereits James Booth hatte mit der Rosenzucht begonnen und sein Sohn John Richmond hatte

diese konsequent fortgesetzt. 1826 kam die Baumschule mit einer Rosenneuzüchtung her -

aus. Es handelte sich um eine Alba Hybride mit Damaszener-Einkreuzung (Sämling von

„Maiden’s Blush“), rosa-silbrig und mit einem betörenden Duft gesegnet. Diese als Park-

Rose angebotene Schönheit wurde „Königin von Dänemark“ getauft. Man huldigte damit der

Landesherrin, Marie Sophie Friederike von Hessen-Kassel (1767–1852), die seit 1808 die Gemahlin

des dänischen Königs war. Und der war ja bekanntlich in Personalunion auch Herzog

von Holstein. Der Leiter des Botanischen Gartens in Hamburg, Professor Lehmann, behauptete

nun, dass die gleiche Rosenzüchtung in Frankreich seit Langem unter dem Namen

„La Belle Courtisane“ im Handel sei, und führte als Beweis an, dass der berühmte Rosen -

maler Pierre-Josephe Redouté sie oft gemalt habe. John Richmond verklagte Lehmann

wegen Verleumdung und der jahrelange Prozess ging als „Rosenkrieg“ in die Fachgeschichte

ein. 1834 wurde das Urteil zugunsten der Baumschule Booth entschieden. In einem Pamphlet

von 1833 behauptete John Richmond, dass Professor Lehman die Booth’sche Züchtung nach

Frankreich gebracht habe und sie unter dem Namen „La Belle Courtisane“ verbreite. Es war

eine Geschichte um Neid und Rachsucht. Wir wenden uns deshalb wieder den Fakten zu.

Hälfte des 19. Jahrhunderts für das

Pinneberger Baumschulland noch eine

gewichtige Rolle spielen sollte.

Kostverträge

Der Pflanzenbedarf stieg aus den vorgenannten

Gründen immer weiter an. Die

Kleinbauern und Tagelöhner und zunehmend

auch die Handwerker in der Herrschaft

Pinneberg säten und pflanzten auf

den Ackerrändern und Wegrainen, aber

auch in ihren Hausgärten, was das Zeug

hielt. Die Qualität der Jungpflanzen war

gut. Die Wurzelballen konnten sich in

den humosen Sandböden kräftig ent -

wickeln, das für das Heranwachsen der

Sämlinge erforderliche Klima war günstig

(relativ gleichmäßige Niederschlags -

verteilung und milde Winter). Aber auch

diese kleine Expansion konnte den

steigenden Pflanzenbedarf nicht be -

frie digen. Und nun kam es zu einer für

die späteren Jahrzehnte entscheidenden

Entwicklung: Etwa um 1830 hatte John

Richmond die Idee, mit den Kleinbauern

sogenannte „Kostverträge“ (Anbauverträge)

abzuschließen. Zunächst lernten

sie in der Booth’schen Baumschule das

moderne, rationalisierte Aussaat- und

Verpflanzverfahren nach englischer Art.

In den Anbauverträgen war exakt ge -

regelt, welche Pflanzen in welcher

Anzahl zu welcher Zeit geliefert werden

mussten. Das entsprechende Saatgut

lieferte die Baumschule Booth. Es war

Saatgut heimischer Gehölze, aber auch

Saatgut aus England und Nordamerika –

also auch der sogenannten Exoten, die

wie u. a. die Douglasie in den folgenden

Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielen

sollten.

John Richmond hatte die Douglasie

bereits 1831 im Angebot, nachdem der

schottische Botaniker David Douglas

1824 auf seiner Nordamerika-Expedition

die entsprechenden Samen mitbrachte

und dem „Wald-Baum der Zukunft“

seinen Namen gab. Douglas brachte

übrigens auch Samen und Reiser nord -

amerikanischer Obstsorten mit, die sich

später im Angebot von Booth befanden.

John Richmond machte sich also durch

31


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 32

1795

–1848

Entwicklung der Norddeutschen Baumschulen und die Baumschule Booth

seine Anbauverträge von den bisher

freien Angeboten der Jungpflanzen -

lieferanten unabhängig, konnte besser

kalkulieren und verlässlich große Mengen

liefern. Schon eine Generation später

hatten die ehemaligen „Lieferanten“

gelernt, was es heißt, unabhängig zu

sein. So gründeten um 1850 die ersten

„Baumschulbesitzer“ ihre eigenen Unternehmen.

Die dritte Generation: Booth & Söhne

John Cornelius Booth (1836–1908) führte

die Baumschule in der dritten Generation.

Diese hatte sich inzwischen zu einer

der bedeutendsten und größten Handelsgärtnereien

Deutschlands entwickelt.

Die Anbaufläche in Flottbek betrug circa

40 Hektar, dazu kam Pacht- und Vertragsland

in etwa gleicher Größe. Wie

die alte Bezeichnung verdeutlicht, wurde

nicht nur mit Bäumen und Gehölzen gehandelt,

sondern auch mit Blumensaaten

und Gemüse. In einem Katalog von 1866

wird neben anderem Gemüse Spargel

angeboten. Der Absatz dieser Delikatesse

in den Villen des Hochufers und

den nahen Großstädten Altona und

Hamburg war sicher. Die Anzucht von

Obst und Gemüse und deren Absatz in

nahen Großstädten war für damalige

Baumschulen auch notwendig, wollten

sie das gesamte Jahr über regelmäßige

Einkünfte verfügen. Denn die Containertechnik,

die durch das Anziehen und

Verschulen in großen Töpfen ganzjährige

Pflanzzeiten erlaubt, war noch nicht erfunden.

Der Absatz von Ballengehölzen

und wurzelnackter Ware beschränkte

sich auf das Frühjahr und den Herbst.

John Cornelius hatte sich eigene Schwerpunkte

gesetzt. Er war erst elf Jahre alt,

als sein Vater starb, sodass sein älterer

Bruder zunächst die Baumschule führte.

Als er übernahm, wendete er sich sogleich

den Forstpflanzen zu und begann

ihre massenhafte Vermehrung. Das

Saatgut von einheimischen Laubbäumen

(Eiche, Rot- und Hainbuche, Ulme, Esche,

Ahorn und Weißdorn) ließ er von den

eigenen Leuten sammeln oder kaufte es

von seinen „Kostverträglern“. Das Saatgut

für Nadelbäume, die es in Holstein ja

kaum noch gab, bezog er von den Süddeutschen

Klenganstalten (Samendarre).

Diese überwiegend staatlichen Anstalten

lagen in den großen Staatsforsten. Dort

wurden die Samen durch Trocknen aus

den Zapfen entfernt, von Flügel und

Hüllen befreit und auf Keimfähigkeit

geprüft.

Massenaussaat und Anzucht in Süddeutschland

hatten sich nicht bewährt

(zu schwere Böden, ungleich mäßige

Niederschläge und harte Winter, aber

auch ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen).

Das Saatgut wurde

daher nach Holstein exportiert und dort

unter weit günstigeren Bedingungen zur

Aussaat gebracht. Wenn die verschulten

Forstpflanzen wieder nach Süddeutschland

zur Aufforstung der Wälder ex -

portiert wurden, dann waren es Abkömmlinge

der dort standortgerechten

Nadelholzarten. Aus pflanzengenetischer

Sicht ein Garant für ein erfolgreiches

Koni feren-Leben.

Aus Nordamerika wurde Saatgut von

Kiefern, Fichten und Eichen eingeführt.

Wie schon sein Vater legte Cornelius

großen Wert auf die Einführung und

„Naturalisation“ der nordamerikanischen

Nadelhölzer. In seinem Buch von 1882

beschrieb er ausführlich die Herkunft

32


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:54 Seite 33

Die Naturalisation

ausländischer Bäume

in Deutschland,

John Booth Berlin,

1882

seiner Exoten und machte sich für ihre

Verbreitung in den deutschen Forsten

stark. Er stieß bei den Forstleuten zunächst

auf erbitterten Widerstand. Diese

befürchteten negative Einflüsse auf die

Qualität des Waldbaus.

John Cornelius gab nicht auf. Er landete

einen waren Coup, indem er sich dem

deutschen Reichskanzler Fürst Bismarck

andiente. Dieser forstete später seinen

Alterssitz im Sachsenwald/Aumühle

auf großen Flächen vor allem mit der

Douglasie auf. Diese „Versuchsflächen“

überzeugten durch hohe Zuwachsraten

und Vitalität. Als Preußen nach der

Reichsgründung 1871 ein Gesetz zur

Bewirtschaftung durch nachhaltigen

Waldbau erließ, war der Durchbruch gelungen

und ideale Voraussetzungen für

die Massenanzucht von Forstpflanzen im

Pinne berger Baumschulland waren geschaffen!

Ende und Aufbruch – John Cornelius

Booth geht nach Berlin

1884 wurde die Baumschule Booth liquidiert.

Eine Reihe von Veränderungen

führte dazu, dass eine der besten und

größten Baumschulen des Kaiserreiches

nicht mehr konkurrenzfähig war. John

Cornelius hatte schon lange sein Inter -

esse auf die Pflanzenzucht und die

Forschung verlagert. Er war mehr auf

den Besitzungen in Berlin anzutreffen als

in Flottbek. Hinzu kamen verheerende

Spekulationen und die zunehmende

Kon kurrenz der Baumschulen aus dem

Pinneberger Baumschulland. Dort hatten

sich inzwischen die ersten großen

Forstbaumschulen entwickelt: die Firmen

J. Heins & Söhne sowie Pein & Pein,

beide in Halstenbek, in Nienstetten

Johannes von Ehren, der zunächst u. a.

auch Forstpflanzen produzierte. Später

wurde daraus die Firma Lorenz von

Ehren mit anderen Produktionsschwerpunkten.


33


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 34

1883 Die Bedeutung des Halstenbeker Bahnhofs

Anschlussgleise der

Forstbaumschule

Heins am Halstenbeker

Bahnhof 1903

Wie Bäume und Sträucher

transportiert wurden

Vom Buckeltransport

Für den erfolgreichen Aufbau des Pinneberger

Baumschullandes waren die

Trans portbedingungen ganz wesentlich.

Zunächst erforderte der Transport viel

Körpereinsatz, dann folgten Pferdefuhrwerke.

Der Bahntransport ab 1880 über

die Bahnhöfe Pinneberg, Elmshorn und

ab 1883 auch über Halstenbek aber

öffnete den Weg in die Welt. Bis in die

1960er-Jahre wurden alle großen Lieferstrecken

auf der Schiene abgewickelt.

Heute wird Baumschulware dagegen fast

nur noch mit dem Lkw transportiert.

Aber beginnen wir etwa im Jahr 1800:

Auf dem Hohen Elbufer residierten die

Hamburger Handelsfürsten; Caspar Voght

betrieb seine „ornamented farm“ und

James Booth expandierte mit seiner Baum -

schule. Der Bedarf an Bäumen und Sträuchern

war enorm. Im Zuge der sogenannten

„Verkoppelung“ wurden heimische

Sträucher wie Schlehen, Weißdorn und

Wildrosen in großer Zahl be nötigt. Denn

bei dieser im 18. Jahr hundert begonnenen

Form der Flurbereinigung wurden ehemals

gemeinschaftlich genutzte landwirtschaftliche

Flächen zu Privateigentum,

das durch die Anlage von Wallhecken, die

für Schleswig-Holstein typischen „Knicks“,

begrenzt und geschützt wurde. Aber auch

die Sitze der Handelsfürsten wurden

traditionell mit Schutzpflanzungen aus

den genannten Arten umfriedet.

34


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 35

Und so kam es, dass die Frauen und

Kinder der armen Bauern, Handwerker

und Tagelöhner Gehölzsämlinge auf den

Geest- und Heideflächen ausgruben

(„Padenstechen“) und sie wurzelnackt zu

Booth oder direkt zu den Herrschafts -

sitzen trugen. Die Bezahlung soll für die

damaligen Verhältnisse nicht schlecht

und ein willkommenes Zubrot für die

meist kinderreichen Familien gewesen

sein. Die ersten Transporte erfolgten also

durch Menschenkraft. Man bündelte die

Sämlinge nach Arten sortiert und verpackte

sie, damit die Wurzeln nicht

austrockneten. Berichtet wird von der

Buckellast. Ob es sich dabei um ein

Tragegestell (Kiepe) handelte oder ob

man sich die Sackleinen einfach über

den Buckel gelegt hat, ist nicht belegt.

So oder ähnlich muss man sich den kilometerlangen,

schweren und fußläufigen

Weg von Südholstein bis zum Hohen

Ufer vorstellen.

Über die Kostverträge zum Pferdefuhrwerk

Als es der Baumschule Booth auf ihren

40 Hektar Baumschulland der „ornamented

farm“ von Caspar Voght zu eng

wurde, schloss sie, wie bereits beschrieben,

Kostverträge mit den südholsteinischen

Bauern und künftigen Baumschulern

ab. Nun ging es nicht mehr nur um

ein Bündel wurzelnackter Sämlinge, sondern

um große Mengen an Sträuchern

und Bäumen, mehrfach verschult in verschiedenen

Größen. Und die „Wurzelnackten“

wurden bald ergänzt durch

Wurzelballen. Die Technik des Ballen -

stechens und der Stabilisierung des

Wurzelballens durch Jutesäcke hatte

Booth aus England mitgebracht.

Die Transportgewichte erhöhten sich

also enorm und konnten allein mit Menschenkraft

nicht mehr bewegt werden.

Die landwirtschaftlichen Betriebe, die

sich durch die Kostverträge ein gutes

Packmaschine zur

Versendung großer

Solitäre, 1905

35


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 36

1883 Die Bedeutung des Halstenbeker Bahnhofs

Verladen der großen

Solitäre im Hamburger

Hafen nach Südamerika,

um 1920

Zubrot verdienten, verfügten fast alle

über Pferdefuhrwerke. Nun sah man im

Frühjahr und Herbst die voll beladenen

Fuhren, gezogen von den Holsteiner

Kaltblutpferden, gen Süden ans Hohe

Ufer und in den Norden bis Dänemark

ziehen. Manche Ladung ging direkt an

die Kunden. Booth ersparte sich damit

lange Transportwege, indem er die

direkte Auslieferung von seiner Baumschule

in Klein Flottbek vermied.

Will man den belegten Zeitzeugen -

berichten glauben, so legte Booth mit

dieser Logistik den Keim seines eigenen

Niedergangs. Die schlauen Holsteiner

hatten eine Taktik entwickelt: Sie versteckten

in den direkten Lieferungen

kleine Glasröhrchen mit ihren Adressen

und ihren aktuellen Angeboten, die

natürlich günstiger waren als die

Booth’sche Ware. Die Rechnung ging auf.

Sie führte neben weiteren Entwicklungen

ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu

Baumschulgründungen im Pinneberger

Baumschulland. Die „Bewerbung in eigener

Sache“ hatte Früchte getragen.

Die Eisenbahn kommt – ein gemütlicher

Anfang

Am 18. August 1844 wurde die Bahn -

strecke Altona–Kiel eröffnet. Auf weichem

Wiesen- und Moorgrund musste

ein Bahndamm von mehreren Metern

Höhe errichtet werden. Der hierfür verwendete

gemischtkörnige Sand soll von

den Windsbergen bei Eidelstedt stammen.

Die Strecke wurde zunächst einspurig

ausgebaut, obwohl der Damm

36


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 37

schon für zwei Spuren ausgelegt war. Es

ging gemächlich zu. Vormittags fuhr ein

Zug von Altona nach Kiel, nachmittags

fuhr derselbe Zug die Strecke zurück.

Güterverkehr fand so gut wie gar nicht

statt. Der Zug hatte nur einen „Pack-

wagen“ zur Beförderung von kleinerem

Stückgut. Vom Halstenbeker Bahnhof

wurde berichtet, dass die zweite Gleisspur

von den Bahnwärterfamilien als Gemüsegarten

genutzt wurde. Der Zug hielt

am Bahnhof auch nicht wirklich an. Er

fuhr im Schritttempo weiter Richtung

Pinneberg und die Fahrgäste mussten

aufspringen. Das Bremsen war wegen

der Steigung der Strecke nicht ratsam,

denn die noch schwachen Lokomotiven

konnten nur auf ebenen Strecken an -

fahren.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg

1864 fand die Strecke Altona–Kiel ihren

Anschluss an das bestehende Schienennetz

nach Hamburg, Hannover und

Berlin. Nun wurde es Zeit für den Ausbau

des zweiten Gleises. Bis dahin wurden

die Bahnhöfe in Halstenbek, Pinneberg,

Tornesch, Elmshorn und Horst nur wenig

von Reisenden frequentiert. Kurze Strecken

wurden nach wie vor zu Fuß oder

mit dem Kutschwagen bewältigt, denn

die billigste Fahrkarte der 3. Klasse von

Pinneberg nach Halstenbek kostete

2 Schilling (15 Pfennig), von Halstenbek

bis Altona 6 Schilling (45 Pfennig). Das

war viel Geld, wenn man bedenkt, dass

ein 2 Kilogramm Roggenbrot 4 Schilling

(30 Pfennig) kostete. Kurioserweise bot

die Bahn für 4,50 Mark Jahresgebühr die

Weidenkörbe der Band -

reißer und Korbflechter

aus der Haseldorfer

Marsch zur Ver sendung

von Setz lingen, 1905

auf dem Verlade gleis

der Forst baumschule

Heins, Halstenbek

37


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 38

1883 Die Bedeutung des Halstenbeker Bahnhofs

Produkte rund um den Baumschulbedarf

Als mittelständisches Handelsunternehmen mit

sechs Standorten in Deutschland, drei Tochtergesellschaften

im europäischen Ausland und

über 100 Mitarbeitern beliefert die Hermann

Meyer KG die „Grüne Branche“. Aufgrund hoher

Lager kapa zi täten ist eine garantierte schnelle

Lieferung möglich. Das Familien unternehmen

in siebter Generation legt neben der Produktqualität

auch auf eine professionelle Kundenberatung

durch branchennahes Personal Wert.

Leistungsspektrum: über 5000 Produkte für

Baumschulbedarf sowie Gartenbau auf Lager

Hermann Meyer KG

www.meyer-shop.com

Ihr starker AST in Schleswig-Holstein

Das Qualitätsbewusstsein unserer Baumschule

steht auch in der vierten Generation an erster

Stelle. In den Produktionsbetrieben werden

hochwertige Gehölze für den Garten- und

Landschaftsbau, den Endverkauf sowie für die

Weiterkultur herangezogen. Und seit 2017

spezialisieren wir uns zudem auf die Produktion

von Blumenhartriegeln. Aus Amerika wurden

uns die Lizenzrechte für Cornus kousa Neu -

heiten übertragen (rechtes Foto: „Venus“®).

Sortiment: Bäume, Containerpflanzen, Heister,

Koniferen/Immergrüne, Rosen, Solitärgehölze ...

A. Steffen Baumschulen GmbH

www.steffen-baumschulen.de

38


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 39

Benutzung eines Fußweges an, der

neben den Gleisen von Halstenbek bis

nach Altona führte. Zwischen 1850 und

1861 wurde die Haltestelle in Halstenbek

wegen zu geringer Frequentierung aufgelöst

und erst 1883 wieder eröffnet.

Die Bahn übernimmt die Fracht

Zwischen 1850 und 1880 hatte die Bevölkerung

im Pinneberger Baumschulland

um 25 Prozent zugenommen. Der Grund

waren hier wie anderenorts der Rückgang

der Kindersterblichkeit, bessere Ernährung

und die Industrialisierung nach

der Gründung des Deutschen Reiches

1871. Ab 1850 kam es, wie bereits beschrieben,

zu zahlreichen Gründungen

von Baumschulen, die in den kommenden

Jahrzehnten die bis dahin bestehenden

Wirtschafts- und Sozialstrukturen

stark verändern sollten. Die Landwirtschaft

wurde zu einem großen Teil durch

die Baumschulwirtschaft „verdrängt“.

Das aber war kein Negativtrend, denn

dahinter stand eine Steigerung der Bodenproduktivität

um das Zehnfache.

Am Beispiel des Halstenbeker Bahnhofs

kann exakt verfolgt werden, welche

Auswirkungen die rasante Entwicklung

der Baumschulwirtschaft im Pinneberger

Baumschulland ab 1880 genommen hat.

Die staatlichen Aufforstungsprogramme,

die Verkoppelung und der zunehmende

Bedarf an Gehölzen in den Städten und

Kommunen hatten starke Produktionssteigerungen

der bereits bestehenden

Baumschulen und zahlreiche Gründungen

zur Folge. Die Pferdefuhrwerke

konnten die Kunden im nahen Umland

bedienen, für den Export der Forstpflanzen

in denden Deutschlands kam nun

die Güterbahnfracht in Frage.

Aufgeschütteter Damm

für die Bahngleise am

Halstenbeker Bahnhof,

1883

39


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 40

1883 Die Bedeutung des Halstenbeker Bahnhofs

Gezeichnete Anteile (Mk = Mark)

Hofbesitzer Hinrich Brandt, Halstenbek 1500,00 Mk

Hofbesitzer Hinrich Lüdemann, Halstenbek 50,00 Mk + das Terrain zum Zufahrtswege

Hofbesitzer Hermann Bornhold, Halstenbek das Terrain zum Zufahrtswege + zur Haltestelle

Schumacher Heimst, Halstenbek 60,00 Mk

Schmied Fr. Holst, Halstenbek 100,00 Mk

Baumschuler Wilhelm Krohn, Halstenbek 100,00 Mk

Hofbesitzer Albert Brandt, Halstenbek 300,00 Mk

Gastwirt J. H.Kessler, Halstenbek 100,00 Mk

Haartuchweber H. Mengel, Halstenbek 50,00 Mk

Baumschuler J. Heilmann, Halstenbek 100,00 Mk

Schlachter J. Clasen, Halstenbek 100,00 Mk

Baumschuler J. H. Matthiessen, Halstenbek 100,00 Mk

Höker H. H. Krohn, Halstenbek 100,00 Mk

Zubauer Hier. Ostermann, Halstenbek 50,00 Mk

Zimmermann H. H. Schröder, Halstenbek 50,00 Mk

Familienverein Halstenbek 200,00 Mk

Hofbesitzer H. H. Vogt, Hempberg 20,00 Mk

Baumschuler J. H. Rechter, Hempberg 25,00 Mk

Hofbesitzer J. A. Breckwoldt, Nienhöfen 20,00 Mk

Hofbesitzer H. Ramcke, Nienhöfen 20,00 Mk

Gastwirt C. H. Maass, Branden 30,00 Mk

Hofbesitzer C. M. Brödermann, Friedrichshulde 250,00 Mk

Baumschuler Joh. Wilh. Heins, Halstenbek 6780,00 Mk

----------------------------------------------------------------------------

Summa

rund 10000,00 Mk

Die Halstenbeker Baumschulenbesitzer

setzten alles daran, einen Güterbahnhof

für den Versand ihrer Baumschulware zu

bekommen. Nach vielen komplizierten

Verhandlungen mit der königlich preußischen

Bahndirektion gelang es 1883, die

Zustimmung für den Bau von zwei Ladegleisen

zu erhalten (ein drittes 1929 und

ein viertes 1939). Der Preis war sehr hoch.

Die Bahndirektion forderte von den

Baumschulen einen Eigenanteil von zunächst

20000 Mark, eine für die damalige

Zeit enorm hohe Summe. Sie konnte auf

10000 Mark heruntergehandelt werden.

Eine Zeichnungsliste aus dem Jahre 1883

(s. o.) zeigt die unterschiedliche finanzielle

Beteiligung der Betriebe. Dabei fällt auf,

dass die Baumschule Johann Wilhelm

Heins den Löwenanteil in Höhe von 6780

Mark trug. Die delikate Geschichte, die

dahinter steht, ist sehr menschlich. Die

neben J. W. Heins prosperierende Forstbaumschule

Pein wünschte sich den

Güterbahnhof näher an ihren Quartieren,

um den Anfahrtsweg so kurz wie möglich

zu halten. Die Bahndirektion entschied

sich aber für den realisierten

Standort, der in unmittelbarer Nähe der

40


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 41

Heins’schen Baumschulquartiere lag.

Pein war sauer. Er verweigerte daraufhin

die Zeichnung eines Anteils. Die Ver -

söhnung beider Familien kam 1929. Ein

drittes Ladegleis nur für die Forstbaumschule

Pein konnte gebaut werden,

nachdem die Firma Heins’ Söhne den

hierfür nötigen Landstreifen abgetreten

hatte. Ironie des Schicksals: Nur drei

Jahre später musste die Weltfirma Heins

Konkurs anmelden. Die Weltfirma Pein

gab es noch bis 1999.

Versand per Bahn in alle Welt

Interessant sind die angegebenen Berufe

der Anteilszeichner. Die Hofbesitzer hatten

Milchvieh. Der Transport der frischen

Milch ins nahe Eidelstedt war immer

zeitaufwendig. Die Milchkutscher fuhren

auf holprigen Straßen und Feldwegen.

Daher bestand seit einigen Jahren der

Wunsch nach einer Haltestelle in Halstenbek.

Entsprechende Anträge wurden

abgelehnt. Erst die gemeinsame Initiative

der Handwerker, Kaufleute, Gastwirte

und besonders der Baumschuler

brachte den Durchbruch. Sie waren sich

darüber im Klaren, dass eine Personenund

Güterbahnhaltestelle ein Gewinn für

alle sein würde. Der Gemischtwarenhändler,

der damals „Höker“ hieß, oder

der Haartuchweber und Leineweber, der

Gastwirt und der Schlachter partizipierten

von dieser Entwicklung.

Die Güterumschlagzahlen der kommenden

Jahre sprechen für sich. Um 1890

wurden 696 Tonnen verladen, 1900

schon 3392 Tonnen, 1905 bereits 6970

Tonnen und 1909 waren es 10 168 Tonnen.

Die Bahndirektion wird sich über die

vielen lukrativen Frachtbriefe die Hände

gerieben haben. Der Anschluss an das

europäische Schienennetz und zum

Hamburger Hafen war also hergestellt.

Der Versand der Baumschulware aus

dem Pinneberger Baumschulland in alle

Welt war nun möglich und effizient. Die

Logistik des Gütertransportes war ausgeklügelt.

Die Güterwaggons wurden mit

System beladen, die weiteste Fracht

nach hinten, die Kurzstreckenfracht nach

vorn. Im Verschiebebahnhof in Eidelstedt

wurden besondere Übergabezüge eingesetzt,

die für einen schnellen Transport

in Richtung Osten, Westen und Süden

sorgten. Und natürlich zum Hamburger

Hafen, von wo aus die Baumschulware

verpackt in Stroh, Weidenkörbe und Jute

ihren Weg in die ganze Welt genommen

hat.

Ab 1950 ging es mit den Güterbahnhöfen

Halstenbek, Pinneberg, Prisdorf und

Elmshorn abwärts. Hauptgrund war

zunächst die erhebliche Anhebung der

Frachtbriefkosten durch die Bundesbahn.

Die Baumschulen, die bisher den größten

Teil des Güterumschlags ausmachten,

stellten nach und nach ihren Versand auf

Lkws um. Die vier Ladegleise des Halstenbeker

Bahnhofs wurden abgebaut.

Das Areal wurde für Parkplätze genutzt,

und bis 2008 wurden dort regelmäßig

Flohmärkte abgehalten. Ob den Flohmarktbesuchern

bewusst war, auf welch

historisch bedeutsamem Terrain sie sich

bewegten, darf bezweifelt werden. •

41


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 42

ab 1880 Von neuem Wohlstand und „Baumschulkasernen“

Verpflanzen von einjährigen Kiefernsämlingen,

Arbeiterin mit der „Helgoländer Haube“, 1905

Saatbeete der Baumschule Heins in

Halstenbek um 1905

Saisonarbeit

Die „Baumschulbarone“

Die Booth’schen Kostverträge führten,

wie gezeigt, zur Entstehung der Kulturlandschaft

Pinneberger Baumschulland“.

Voraussetzung für eine erfolg -

reiche Anzucht und Vermehrung der Kulturen

waren Boden und Klima, vor allem

aber auch die Qualität der Produkte und

günstige Versandbedingungen. Die entscheidenden

Erkenntnisse über Bodenbearbeitung,

Düngung, Anzucht und Vertrieb

sowie den Einsatz modernster Geräte

kamen aus der Baumschule Booth.

Ihre Anwendung war Voraussetzung für

das Markenzeichen „Qualitätspflanzen

zu einem konkurrenzfähigen Preis“.

Mit dem Bau des Bahnhofs Halstenbek

1883 und im Zuge der Waldwirtschafts -

reform nach 1880 expandierten ins -

besondere die Forstbaumschulen. Das

Verfahren der natürlichen Verjüngung

durch Selbstaussaat oder Stockausschlag

wurde mit Begründung der geregelten

Forstwirtschaft zunehmend durch gezielte

Aufforstung mit mehrjährigen

Forstpflanzen abgelöst. Der als „Boom-

Pein“ bekannte Hans Hinrich Pein gründete

1847 die erste Forstbaumschule

in Halstenbek. Von nur fünf Hektar

Betriebsfläche der Forstbaumschulen in

der Gemeinde Halstenbek im Jahr 1870

wuchs der Anteil an Forstbaumschul -

flächen bis 1913 auf 750 Hektar an. Damit

wurde mehr als die Hälfte der verfüg -

baren landwirtschaftlichen Fläche Halstenbeks

zur Anzucht von Forstgehölzen

42


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:55 Seite 43

Stiegerfrauen

(Unkraut jähten)

um 1900

genutzt und die Gemeinde erhielt den

Beinamen „Wiege des Waldes“.

Die großen Baumschulenbesitzer, namentlich

die führenden Forstbaumschulen,

kamen innerhalb von nur zwei Generationen

zu großem Wohlstand. Von

armen Bauern und Handwerkern stiegen

sie zu gesellschaftlich einflussreichen

Familien auf. Betriebswirtschaftlich versiert

und technisch auf dem neuesten

Stand mit weltweitem Netzwerk ver -

sehen, spielten sie ihre neue Rolle. Es

wurden Herrschaftssitze für die Familien

gebaut, und eigens zu diesem Zweck angeworbene

Kunstmaler statteten manche

Villen mit regionaltypischen Gemälden

aus. In der Bevölkerung wurden

diese neuen Wohnhäuser „Heidelberger

Schlösser“ genannt. Die Kinder hatten

Hauslehrer und selbstverständlich Klavier-

und Tanzunterricht in den Salons

der großen Häuser.

Spätere Generationen berichteten, dass

es in den Herrschaftssitzen immer kalt

gewesen sei. Die Räume waren hoch, die

Klinkerwände kaum gedämmt. Ob es

eine Zentralheizung gegeben hat oder

ob die Räume mit separaten Öfen geheizt

wurden, ist nicht belegt. Die

„Baumschulbarone“, wie sie nun weniger

ehrfürchtig als abschätzig von den

einfachen Leuten genannt wurden,

wollten es den hamburgischen Handels -

fürsten gleich tun. Die Arbeiter indes

hatten ganz andere Sorgen.

Der Streik der ungelernten Baumschularbeiterschaft

1903

In den expandierenden Baumschul -

betrieben herrschte ein großer Arbeitskräftebedarf.

Insbesondere in den sogenannten

„Versandzeiten“, die sich naturgemäß

an den Vegetationsperioden

Frühling und Herbst orientieren mussten,

wurde eine Vielzahl ungelernter Saisonarbeiterinnen

und -arbeiter benötigt. Um

die Jahrhundertwende vom 19. zum 20.

Jahrhundert arbeiteten die ungelernten

Hilfen in den Baumschulen 12 Stunden

am Tag in einer Sechstagewoche. Sie

43


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 44

ab 1880 Von neuem Wohlstand und „Baumschulkasernen“

Belegschaft und

Hilfskräfte der Firma

Heins um 1904

bekamen weniger als 30 Pfennige die

Stunde, die Frauen die Hälfte.

Ausgebildete Gärtner, die bereits eine

praktische Lehre absolviert hatten, wurden

natürlich besser bezahlt und spielten

eine besondere Rolle im Betriebsablauf.

Die ungelernte, überwiegend aus der

Region stammende Saisonarbeiterschaft

aber war ungeschützt bezüglich ihrer

Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Es war

die Zeit der Gründerjahre nach der Errichtung

des Deutschen Reiches 1871. Die

aufkommende Industrialisierung veränderte

die gesellschaftlichen Strukturen

radikal. Überall im Reich wuchsen die

Städte und fraßen Bauernland. Die ländliche

Bevölkerung zog es zunehmend in

die Städte, wo sie bessere Arbeits- und

Lebensbedingungen vorzufinden hoffte.

Die Altonaer, Wedeler und Pinneberger

Gewerbe- und Industriebetriebe zahlten

ihren Arbeitern bereits wesentlich mehr

als die Baumschulen. Wie die Arbeit -

geber, so waren auch die dortigen Arbeitnehmer

in Interessenvertretungen organisiert.

Die Arbeiterbewegung kämpfte

mit den Gewerkschaften für gerechtere

Löhne und Arbeitsbedingungen. Das damalige

Gewerkschaftsorgan „Hamburger

Echo“ berichtete ausführlich aus der

Sicht der Arbeitnehmerschaft.

Aus dieser Gesamtsituation ergab sich

auch der erste Baumschularbeiterstreik

von 1903. Sie hatten weder Arbeiter -

vereine noch waren sie in Gewerkschaften

organisiert. So blieben sie auf sich

und ihre gegenseitige Soli darität angewiesen.

Denn das Risiko für ungelernte

Arbeiter, einfach ersetzt zu werden, war

hoch. Ihre Forderung nach einem

Stundensatz von 30 Pfennigen und einer

10-stündigen Tagesarbeitszeit wurde

44


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 45

nach zähem Ringen und spon taner

Arbeitsniederlegung durch die Arbeit -

geber erfüllt. Die Vereinbarung sollte für

zwölf Monate gelten. Danach seien Neuverhandlungen

notwendig.

Die Gründung des Vereins der Holsteiner

Baumschulenbesitzer 1904

Zu Beginn des Jahres 1904 spitzte sich

die Lage jedoch erneut dramatisch zu,

denn die „Baumschulbarone“ versuchten,

die getroffenen Vereinbarungen auf zu -

lösen. Um die auf den 10-Stunden-Tag

reduzierte Arbeitszeit faktisch wieder auf

den alten Stand zu bringen, verlangten die

Arbeitgeber, dass der Weg zum Arbeitsfeld

und der Hin- und Rücktransport der

Gerätschaften außerhalb der regulären

Arbeitszeit erfolgen sollte.

Im März 1904 kam es zu keiner neuen

Vereinbarung. In der Zwischenzeit hatten

sich die namhaften Baumschulenbesitzer

zu einem Arbeitgeberbund zusammengetan,

um konzertiert gegen die künf -

tigen Forderungen der Arbeiterinnen und

Arbeiter vorgehen zu können. Es ging

unter anderem um Lohnabsprachen und

die Anwerbung sogenannter „ausländischer

Arbeitnehmer“, die die einheimischen

organisierten Arbeiter ersetzen

sollten.

Der Verein nannte sich „Verein der Holsteiner

Baumschulenbesitzer“ mit Sitz in

Halsten bek, eingetragen in das Vereinsregister

des Königlichen Amtsgerichts zu

Pinneberg im Juni 1904. Dem Verein gehörten

nur die größten Betriebe an. Das

Vereins register wies für 1904 folgende

Namen auf: W. Heins, W. Pein, M. Griem,

M. Ostermann, J. F. Müller, C. Maas,

O. Gröber und J. Bonner. Es folgten in den

nächsten Jahren weitere Betriebe.

Wohnhaus der Familie

Heins in Halstenbek

um 1903

45


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 46

ab 1880 Von neuem Wohlstand und „Baumschulkasernen“

Hier hat sich die ganze

Familie für den Foto -

grafen aufgestellt,

um alle Arbeiten für

die Aussaat zu

demon strieren.

Nochmal zur Struktur der Baumschulbetriebe

Zum besseren Verständnis dieses Geschehens

muss man sich noch einmal die

damalige Gesamtsituation der Betriebsstrukturen

und Verteilung der Arbeitskräfte

vor Augen führen: Es gab inzwischen

um die 800 Baumschulen im

Pinneberger Baumschulland. Die meisten

dieser Betriebe wurden überwiegend im

Nebenerwerb auf kleinen Restflächen

betrieben. Auch die Haupterwerbs -

betriebe waren häufig sehr klein und

bewirtschafteten zwischen einem und

drei Hektar. Das waren reine Familien -

betriebe, bei denen alle Familienangehörigen

als Arbeitskräfte gebraucht wurden

– auch die Kinder. Dort gab es also

keine außerfamiliären Arbeitskräfte. Sie

waren meist im Vertragsanbau mit den

großen „Handelsbaumschulen“ verbunden

(Bis 1884 übrigens auch mit Booth &

Söhne sowie deren Nachfolger Ansorge –

hierzu liegen Lieferquittungen verschiedener

Betriebe aus dem Pinneberger

Baumschulland vor.). Mit den Lohnstreiks

und deren Folgen hatten diese Betriebe

nichts zu tun.

Dagegen waren die großen Handels- und

Forstbaumschulen auf viele ungelernte

Arbeitskräfte angewiesen. Als diese begannen,

sich gewerkschaftlich zu organisieren,

um ihre Lohnforderungen durchzusetzen,

reagierten die Baumschulenbesitzer

in der zuvor beschriebenen

Weise. Später wurde behauptet, dass die

Anwerbung von Saisonarbeitern ohnehin

notwendig geworden wäre, da die einheimischen

Arbeitskräfte bei der ex -

pandierenden Baumschulwirtschaft nicht

mehr ausgereicht hätten. Dass die großen

Baumschulenbesitzer die Gelegenheit

jedoch nutzten, den angeworbenen

Saisonarbeitern nur noch 20 statt der

1903 vereinbarten 30 Pfennige zu zahlen,

bleibt meist unerwähnt.

Die erste Anwerbung nicht hiesiger

Saisonarbeitskräfte

Es wurde also offen in den jeweiligen

Gazetten und Fachzeitschriften um Arbeitskräfte

geworben, die bereit waren,

46


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 47

Privatunterricht der Heins-Kinder durch

Fräulein Biermann, 1922

Musikzimmer im Wohnhaus Heins mit

Gemälde von Ary Bergen um 1920

für geringeren Lohn als die Einheimischen

zu arbeiten. Emissäre (Abgesandte)

wurden geschickt, um vor Ort

Arbeitskräfte anzuwerben. Im Erfolgsfall

bekamen sie ein „Kopfgeld“ von 17 Mark

pro Person ausgezahlt. Der ganze Prozess

entwickelte sich rasend schnell.

Bereits im Frühjahr 1904 strömten junge

Frauen und Männer aus Thüringen,

Posen, Ostpreußen und Pommern in das

Pinneberger Baumschulland und verdrängten

die ortsansässigen Baumschularbeiter.

Rasch wurden Wohn unterkünfte

gebaut: die sogenannten „Kasernen“ der

Firmen Heins und Pein, deren Bau allein

ca. 100 000 Mark kos teten.

Im Breslauer Anzeiger vom Januar 1905

war zu lesen, wie die Werbung in den

Provinzen Posen, Schlesien, Ostpreußen

und Pommern vor sich ging. Burschen

und Mädchen über 16 Jahre und Frauen

und Männer zwischen 19 und 40 Jahren

wurden gesucht. Männer sollten 20

Pfennige die Stunde verdienen, Frauen

14 Pfennige und Jugendliche jeweils die

Hälfte. Die Arbeitszeit betrug zehn

Stunden an sechs Wochentagen. Gestellt

wurden freie Unterkunft und Grund -

nahrungsmittel. Aus Sicht der hiesigen

Arbeiterschaft handelte es sich um

Streikbrecher, die bereit waren, für niedrigen

Lohn zu arbeiten. Sie selbst wurden

entlassen und viele gingen nach Altona

in die Fabriken. Welchen erhöhten Zeitaufwand

die langen Arbeitswege bedeuteten,

kann man sich heute kaum mehr

vorstellen.

Lohnnebenkosten im Kaiserreich

Doch die Produktionskosten der „schorn-

steinlosen Industrie“ der Holsteiner

Baumschulen waren zweifellos sehr

hoch, da menschliche Arbeitskraft den

größten Teil des Produktionsweges

ausmachte. Die Lohnnebenkosten aber

waren mit den heutigen nicht vergleichbar.

Der Deutsche Reichstag beschloss

auf Anraten des Reichskanzlers Bismarck

47


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 48

ab 1880 Von neuem Wohlstand und „Baumschulkasernen“

Lohnliste der Firma Heins vom

13. bis 18. Mai 1895

1883 das Krankenversicherungsgesetz,

1884 das Unfallversicherungsgesetz und

1889 das Invaliditäts- und Altersver -

sicherungsgesetz.

Altersrenten wurden erst ab dem 70.

Lebensjahr gewährt, Hinterbliebenenrenten

gab es noch nicht. Bei der damaligen

durchschnittlichen Lebenserwartung

der Arbeiter von 40 Jahren kam es

nur im geringen Umfang zur Auszahlung

einer Altersrente.

Der Versicherungsbeitrag betrug 1,7 Prozent

und musste von den Arbeitnehmern

und Arbeitgebern zu gleichen Teilen an

die Landesversicherungsanstalten entrichtet

werden. Auch vor diesem Hintergrund

sind der Lohnstreik von 1903 und

die sich daraus ergebenden Konsequenzen

zu sehen.

Die „Baumschulkasernen“: Saisonarbeit

für Bauernsöhne und -töchter

Nun kamen sie also an, die Jungen und

Mädchen, die Männer und Frauen, die

man für ein Kopfgeld von 17 Mark in

ihren Heimatorten angeworben hatte. In

Sammeltransporten per Bahn wurden sie

von den Werbern in das Pinneberger

Baumschulland bis zum Bahnhof Pinneberg

oder Halstenbek gebracht. Von dort

aus ging es in die Arbeiterunterkünfte,

die „Kasernen“. Wer in den Kasernen

einzog, ist gut belegt. Aus zahlreichen

Berichten wissen wir, dass es sich überwiegend

um die jüngeren Geschwister

von Hoferben gehandelt hat. Deren normales

Schicksal war es, bis zum Lebensende

als Magd oder Knecht ohne Gehalt

und nur für Kost und Logis auf dem elterlichen

Hof zu arbeiten, sofern sie nicht

48


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 49

in andere Höfe einheirateten. Für sie war

es durchaus ein Anreiz, endlich auf eigenen

Beinen zu stehen und eigenes Geld

zu verdienen. Besonders von den Frauen

wurde berichtet, dass sie die Arbeit

in den Baumschulen als weniger an -

strengend empfanden als die auf dem

heimatlichen Hof. Es gab regelmäßige

Arbeitszeiten und die 60-Stunden-

Woche war ihnen vertraut. Die Wochenstunden

im bäuerlichen Betrieb waren

meist viel höher. Im Pinneberger Baumschulland

war sonntags frei und bald

auch am Samstagnachmittag.

Das Arbeiten auf den Feldern und

den Umgang mit Pflanzen waren sie

gewohnt. Sie hatten zumindest die

ein fachen Baumschularbeiten „in den

Genen“. Sie waren es deshalb auch,

die die Routinearbeiten wie Aussaat,

Unkraut jäten – hier „stiegern“ genannt –

und Verpackung der Ware für den Versand

übernahmen. Die anspruchsvolleren

Arbeitsgänge lagen auch weiterhin in

den Händen der einheimischen Stammbelegschaft.

Das waren die Kutscher,

Vorarbeiter (Vize) und gelernten Gärtner,

die besser bezahlt wurden und auch

nach den Lohnstreiks in den angestammten

Baumschulen blieben.

Vom Leben in den „Kasernen“

Bereits 1903 begannen, wie berichtet,

die großen Forstbaumschulen mit dem

Bau der Arbeiterunterkünfte. Allein in

Halstenbek wurden in Windeseile drei

Massenunterkünfte errichtet. Sie boten

Platz für bis zu 600 Menschen. Die Geschlechter

wurden streng getrennt. Die

Feuerschutzmauer, die die langgestreckten

Gebäude teilte, diente auch diesem

Zweck. Im Volksmund setzte sich bald

die Bezeichnung „Kaserne“ durch. Aus

dem Jahre 1896 gab es bereits eine

Saisonarbeiter-Unterkunft

(Logierhaus/

„Kaserne“) der Firma

Heins, 1904

49


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 50

ab 1880 Von neuem Wohlstand und „Baumschulkasernen“

„Kaserne“ der Firma H. H. Pein

baupolizeiliche Verordnung des Ober -

präsidenten vom preußischen Schleswig-

Holstein über die Ausstattung von

Arbeiterwohnheimen. In dieser war

exakt geregelt, wieviel Luftraum pro

Person in den Speise- und Aufenthaltsräumen

zur Verfügung stehen musste

(sieben Kubikmeter), ausreichend Helligkeit

und Lüftungsmöglichkeit (Fensterausstattung).

In den Schlafräumen waren

drei Quadratmeter Bodenfläche und

zehn Kubikmeter Luftraum pro Person

vorgeschrieben. Die Zimmer mussten

„gedielt“ sein. Die Hygienevorschriften

regelten das Vorhandensein von Aborten

(Plumpsklos), von Krankenzimmern,

Speise- und Aufenthaltsräumen und

Schlafräumen. Die Zimmer waren unterschiedlich

belegt, zwischen vier und acht

Personen schliefen in einem Raum.

Bäder gab es natürlich noch nicht. Die

Körperreinigung erfolgte in der Küche.

Mehr als Waschschüsseln wird es nicht

gegeben haben. Die Männer werden sich

im Sommer draußen an den Brunnen

gewaschen haben.

Wasserspültoiletten und Bäder hat es nur

in den „Heidelberger Schlössern“ ge -

geben. Der Autor erinnert sich, dass die

meisten Haushalte der „kleinen Leute“

ebenfalls noch bis weit in die 1950er-

Jahre lediglich über Plumpsklos verfügten

und das wöchentliche Vollbad für

die gesamte Familie in der Waschküche

stattfand. Das heiße Wasser wurde im

Waschkessel zubereitet, in dem sonst die

montägliche Kochwäsche erfolgte. Beim

Schlachtfest wurde im gleichen Kessel

die Wurst gekocht.

Hausarbeit in den „Kasernen“

Die Betten waren mit Strohsäcken, Wolldecken

und Bettwäsche ausgestattet. Es

gab Stühle und für jede Person einen

kleinen Schrank für die persönlichen

Dinge. „Für das Säubern der Unterkünfte

und das Waschen der Wäsche waren die

Mädchen und Frauen selbst verantwortlich“,

heißt es in einem Bericht. Wie das

bei den Männern geregelt wurde, ist

nicht belegt. Man mag manche Dinge

einfach nicht zu Ende denken. Die Frauen

50


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 51

und Männer mussten sich ihre Mahl -

zeiten selbst kochen. Der „Patron“ lieferte

einige Grundnahrungsmittel wie

Kartoffeln, Magermilch und Mehl und

den sogenannten Kaffee-Ersatz „Muckefuck“

(Zichorien-Kaffee). Die Bezeichnung

kam noch aus der Franzosenzeit:

„Mocca faux“ für falschen Kaffee. Alle

weiteren Zutaten, die für eine kräftige

Mahlzeit benötigt wurden, mussten von

dem geringen Lohn extra gekauft

werden. In der „Vorzeige-Kaserne am

Hollen“ gab es für diesen Zweck einen

eigenen Lebensmittelladen im Unter -

geschoss, der „Kantine“ genannt wurde.

Im Speisesaal, der für 50 Personen ausgelegt

war, gab es extra Fächer, in denen

die Frauen ihre Lebensmittel lagern

konnten.

Aus späteren Interviews mit Zeitzeugen

und deren Kindern ist belegt, dass zumindest

die Frauen eine Art Kochgemeinschaft

gepflegt haben. Ein warmes

Tagesessen konnte es ohnehin erst nach

Feierabend geben. Die einstündige Mittagspause

reichte nicht aus, um von den

Feldern in die Kaserne zu gehen, Mittagessen

zu kochen und selbiges einzunehmen.

Erst nach dem Ersten Weltkrieg

wurde mittags für alle gekocht. In den

historischen Texten wird diesbezüglich

immer nur von den Frauen berichtet.

Was und wie die Männer wann an Mahlzeiten

zubereitet haben, bleibt der Fantasie

überlassen.

Kultur und Freizeit

Der Begriff „Freizeit“ muss zur damaligen

Zeit allgemein anders gesehen werden

als heute. In den „Baumschulkasernen“

wurde an den Wochentagen abends gekocht

und gewaschen. Danach war nicht

mehr viel Zeit, denn um 22 Uhr war Bettruhe

angesagt und um 6 Uhr morgens

wurde geweckt. Bei den Frauen wurden

die Lieder aus der Heimat gesungen,

wohl auch um so das Heimweh zu kompensieren.

Kartenspiele und Handarbeiten

für die Aussteuer waren ebenfalls

üblich. Wie es bei den Männern dies -

bezüglich aussah, ist wieder nicht belegt.

Zur allgemeinen Gefühlslage der sehr

jungen Männer, die in unmittelbarer

Nachbarschaft zu den sehr jungen

Frauen lebten, gibt es nur „Geschichten“,

die mangels Belegen keinerlei historischen

Wert haben. Es braucht ja nicht

viel Fantasie, um sich zwischenmensch -

liche Beziehungsgeflechte in dieser Situation

vorzustellen. Direkte Kontakte in

den „Kasernen“ waren jedenfalls streng

untersagt und durch die enge soziale

Kontrolle wohl auch schwer möglich.

Tanzvergnügen

Am Samstagnachmittag ging man zum

Einkaufen nach Altona in die Große

Bergstraße oder nach Pinneberg und

Rellingen. Die Läden hatten auch an den

Wochentagen extra länger geöffnet. Und

am Samstagabend wurde getanzt. In den

Ortschaften des Pinneberger Baumschullandes

gab es fast an jedem Wochenende

zahlreiche Tanzveranstaltungen.

Man muss wissen, dass es im Sommer

Tausende Hamburger und Altonaer

Arbeiterfamilien nach Pinneberg und

Umgebung zog. Man kam für 25 Pfennig

mit der Bahn Altona–Halstenbek–Pinneberg

und vergnügte sich in den zahl -

reichen Flussbadeanstalten der Rellau/

Mühlenau und den Teichbädern im

Pinneberger Quellental. Um die Jahr -

hundertwende war es die „Freude der

51


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 52

ab 1880 Von neuem Wohlstand und „Baumschulkasernen“

Baumschule Bornholdt

1910: Die schlesischen

Saisonarbeiterinnen

tragen ihre typische

Kopfbedeckung.

kleinen Leute“: Man kam mittags an, badete

und wusch sich, denn in den Arbeiterwohnungen

gab es ja keine Bäder.

Fein gemacht, ging es nachmittags in

die Lokale. Vaddern bekam sein Bier,

Muddern ihre Kanne Kaffee (der Kuchen

wurde mitgebracht) und die Gören ihre

Limonade. Danach wurde getanzt. Der

Tanzmeister stand in der Mitte des Tanz -

saales und gab den Tanz vor: Walzer,

Polka, Foxtrott. Getanzt wurde im Uhrzeigersinn

um den Tanzmeister herum.

Die Musik kam von einer gut bestückten

Kapelle. In der gehobenen Gesellschaft

hatten die Damen ja einen Fächer, in

deren Falten sich die Kavaliere für einen

bestimmten Tanz eintrugen. Hier ging es

einfacher zu: „Elsa, die Polka ist für mich,

klar?“

Hochzeiten

In diesem Milieu tummelten sich nun

auch die Saisonarbeiterinnen und -arbeiter.

Die Großstadt Hamburg wurde eher

gemieden, denn sie galt als zu gefährlich

und zu teuer. Auch stand der gute Ruf

auf dem Spiel, wenn getuschelt wurde,

dass sich einige Frauen in Hamburg

„herumtrieben“. Verkauften sie sich womöglich?

Auf den Tanzveranstaltungen

lernte man sich also näher kennen. Und

es kam in nicht wenigen Fällen zur Heirat

zwischen Einheimischen und Saison -

arbeiterinnen. Gern gesehen wurde es

zunächst nicht, wenn „die Halstenbeker

Deerns“ die einheimischen Männer ehelichten.

Die Schwiegermütter merkten

aber schnell, dass es sich bei den Frauen

meist um bodenständige, verlässliche,

sparsame und das Arbeiten gewohnte

Ehepartnerinnen handelte. Wenn sie

dann auch noch „nach Holsteiner Art“ zu

kochen lernten, gab es an ihnen ja nichts

mehr auszusetzen.

Die Frauen aus Schlesien und Posen sollen

die schönsten gewesen sein. Aber

die Schönheit ist ja relativ. Einige dieser

Geschichten sind belegt und aufgeschrieben

worden. Es gibt keine Statis -

ti ken darüber, aber sicher ist, dass ein

er heb licher Teil der heutigen Einwohner

des Pinneberger Baumschullandes von

diesen „Deerns“ abstammt. Ein Blick in die

Kirchenbücher und Standesämter würde

dies belegen. Und wieder ist diesbezüglich

über die Männer nichts zu finden.

52


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 53

Saisonarbeiterinnen

sortieren und bündeln

Pflanzen (vor 1914).

Politik und Religion

Die Sozialdemokraten Hamburgs und

Altonas waren gewerkschaftlich organisiert

und ihr Presseorgan, das „Ham-

burger Echo“, berichtete regelmäßig

über die „Ausbeutung“ der Saisonarbeiter

im Pinneberger Baumschulland. Über

poli tische Aktivitäten der Saisonarbeiter

aber ist nichts bekannt.

Die Konfessionen teilten sich in Katho -

liken und Protestanten. Die ostpreußischen

und schlesischen Saisonarbeiterinnen

und -arbeiter und die aus Posen

waren katholisch, die aus Pommern und

Thüringen evangelisch. Die Katholiken

suchten St. Michael in Pinneberg auf,

die Evangelischen die Kirchen in ihren

Gemeinden. Katholisch sein war zur damaligen

Zeit in Norddeutschland etwas

Exotisches, das auch offen angefeindet

wurde: „Alle Katholiken sind falsch!“

Über Glaubenskonflikte in den Saison -

arbeiterkasernen ist jedoch nichts bekannt.

Trotz allem hat es auch Vorbehalte

seitens der einheimischen Bevölkerung

gegenüber den Saisonarbeiterinnen und

-arbeitern gegeben. Vom allgemeinen

Leben im Ort waren sie weitgehend ausgeschlossen.

Die Kinder sangen auf der

Straße Spottverse wie: „Policke, Polacke,

was kostet die Hacke? Sie kostet nicht

viel von hier bis nach Kiel.“

Vom Leben zwischen den Weltkriegen

Die Baumschulwirtschaft war während

des Ersten Weltkrieges zunächst ökonomisch

weiter auf hohem Niveau. Besonders

die Forstbaumschulen exportierten

weiter aus der „Wiege des Waldes“,

denn das Aufforstungsprogramm für

die staatlich angeordnete „nachhaltige

Forstwirtschaft“ lief ungebrochen weiter.

Da die meisten Baumschulbesitzer, Vorarbeiter

(Vize) und Gärtner im Kriegsdienst

waren, kam den Frauen der

Unternehmer während der vierjährigen

Kriegszeit eine besondere Aufgabe zu.

Wie immer im Krieg haben sie die Arbeit

der Männer übernommen, qualifiziert,

kompetent und ohne zu murren. Das war

im Zweiten Weltkrieg und besonders

danach nicht anders. Frauen trugen die

gesamte Last: Firma und Familie. Als die

Männer zurückkamen, gingen die Frauen

zurück ins zweite Glied. Sie bekamen

53


Umbruch_I_Seite_1_bis_54.qxp_Layout 1 09.07.18 11:56 Seite 54

ab 1880 Von neuem Wohlstand und „Baumschulkasernen“

wieder nur den halben Lohn, aktives und

passives Wahlrecht erst 1919, die Erlaubnis,

eine selbstständige Arbeit aufzu -

nehmen erst 1957, das erste selbstverwaltete

Konto 1958.

Zurück zu den „Kasernen“

Bis 1939 arbeiteten die Saisonarbeiterinnen

und -arbeiter in den Baumschul -

betrieben. Viele kamen neu angeworben

aus den beschriebenen Regionen, andere

kamen seit mehreren Jahren in

dieselben Betriebe. Das war immer ein

gutes Zeichen. Die Baumschulbesitzer

hatten inzwischen ein stabiles Verhältnis

zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

aufgebaut. Die Löhne stiegen, und die

Arbeitsbedingungen besserten sich. Der

10-Stunden-Tag war noch immer normal,

aber am Samstag war ab 14 Uhr Feierabend.

Auch die bisher spartanische Innenausstattung

der „Kasernen“ besserte sich. Es

gab nun Waschräume mit Waschbecken

und fließend Wasser, später sogar Duschen.

Die Aborte waren weiterhin

„in gebührendem Abstand zu den Unterkünften“,

also weiterhin Plumpsklos. Die

Strohsäcke in den Betten wurden durch

richtige Matratzen ausgetauscht. Die

wichtigste Verbesserung aber war das

gemeinsame Mittagessen im Speisesaal.

Man kam in der Mittagspause von den

Baumschulfeldern in die Kaserne und

genoss ein warmes Mittagessen, das

eine Köchin oder eine zu diesem Zweck

freigestellte Saisonarbeiterin vorbereitet

hatte. Zum Einsatz kamen übrigens auch

die seit der Jahrhundertwende Furore

machenden „Grude-Kochherde“. Ihre

Funktion war auf Haushalte abgestellt,

die aus arbeitstechnischen Gründen nicht

mahlzeitnah kochen konnten. Sie wurden

mit Schwelkoks (Grudekoks) geheizt. Es

gab keine Flamme beim Verbrennen. Der

Koks glomm mit milder Hitze vor sich hin.

Dadurch war es möglich, schon morgens

vor der Arbeit die rohen Speisen in den

Herd zu schieben. Mittags waren sie

dann pünktlich gar. In vielen landwirtschaftlichen

Betrieben war dieser Herd

ein Renner.

Eine weitere Neuerung war die Einrichtung

von abgeschlossenen Wohnungen

für Familien. Etliche Saisonarbeiter

brach ten nun ihre Familien mit und

lebten zum Teil ganzjährig in den „Kasernen“.

Es gab sogar Hausmeister, deren

Aufgabe es war, kleinere Reparaturen

zu erledigen, aber insbesondere für

„Ordnung“ zu sorgen. Dazu gehörte die

Organisation der Reinigungskolonnen,

die wöchentlich durch die Räume zogen

und ihr hygieneförderndes Werk vollbrachten.

Nach Zeitzeugenberichten ging es dabei

ziemlich militärisch zu: Antreten zum

Matratzenklopfen und Stubenappell mit

Sauberkeitskontrolle. Die wichtigste Aufgabe

aber war, auf die „Deerns“ aufzupassen:

keine Techtelmechtel mit den

Männern und keine Besuche. Es sollte in

den Dörfern kein Getuschel geben.

In den kleinen und mittleren Baumschulen

wurden die wenigen Arbeiter und

Gesellen, die keine Familie vor Ort hatten,

im Haushalt der Baumschulbesitzer

aufgenommen. Sie waren in „Kost und

Logis“, hatten ein eigenes Zimmer und

gehörten zur Familie. Die Struktur war die

gleiche wie auf den traditionellen Bauernhöfen

mit Mägden und Knechten. •

54


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:03 Seite 55

Ablenkung von der harten Arbeit: Am

Samstagabend wurde getanzt – hier ein

Werbeplakat für die Tanz- und Speiselokale

in und um Pinneberg (1935).

55


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:03 Seite 56

1939 bis

1950er-Jahre

Der Nationalsozialismus und seine Folgen

Zwangsarbeit und

Flüchtlinge

Kriegsbeginn und Verschleppung

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs

wandelten sich die Wirtschaftsstrukturen

im gesamten Deutschen Reich. Mehr als

20 Millionen Menschen wurden während

des Krieges zur Zwangsarbeit in den

Wirtschaftsbetrieben des Deutschen

Reiches oder in den besetzten Ländern

gezwungen. Ohne sie wäre die Volkswirtschaft

zusammengebrochen, ohne

sie hätte der Krieg nicht geführt werden

können.

Im Generalgouvernement Polen riefen

die dortigen, gleich nach Kriegsbeginn

eingerichteten Arbeitsämter alle männ -

lichen und weiblichen arbeitsfähigen

Menschen dazu auf, sich „freiwillig“ zum

Arbeitseinsatz im Deutschen Reich zu

melden. Die Zahl der „Freiwilligen“ entsprach

jedoch bei Weitem nicht dem

Bedarf. Das führte zu willkürlichen Razzien.

In den polnischen Städten und

Dörfern, vor Kinos, Schulen und Kirchen

wurden wahllos Menschen zusammengetrieben

und in Nacht- und Nebel -

aktionen zwangsweise in Güterwagen

oder auch zu Fuß nach Deutschland verschleppt

– unter unmenschlichen Bedingungen,

mit für sie unbekanntem Ziel.

Die Ideologie des Dritten Reiches be -

inhaltete das Primat der „Deutschen

Herrenrasse“. Danach galten die slawischen

Völker als „Untermenschen“, die

unterdrückt und ausgebeutet werden

durften. Deren Territorium sollte künftig

der „Ernährung des Deutschen Volkes“

dienen. Durch gezielte Propaganda wurde

die „bolschewistische Gefahr aus der

Sowjetunion“ heraufbeschworen.

Unter dieser Geisteshaltung im Nationalsozialismus

kamen ab 1939 auch die

ersten Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter

in das Pinneberger Baumschulland.

Viele Baumschulbesitzer und ihr Stammpersonal

waren zum Militär eingezogen

worden. Auch die bisherigen Saison -

arbeiter mussten in den Krieg. Doch

damit nicht genug: Selbst die Saison -

arbeiterinnen wurden zum „Arbeitsdienst“

eingezogen. Die Baumschulen wurden

nicht als „kriegswichtige Betriebe“ eingestuft.

Da der Fortgang der Produktion

aber für volkswirtschaftswichtig gehalten

wurde, war Zwangsarbeit die Folge.

Die Zuteilung der Zwangsarbeiterinnen

und -arbeiter auf die einzelnen Baumschulbetriebe

übernahmen die örtliche

NSDAP und die Arbeitsämter. Sie waren

ebenso für die Organisation der Unterbringung

und Verpflegung zuständig. Es

gibt keine abschließend verlässlichen

Statistiken darüber, wie viele Zwangs -

arbeiterinnen und -arbeiter in den

Baumschulen des Pinneberger Baumschullandes

gearbeitet haben. Aus den

für Pinneberg, Elmshorn und Halstenbek

vorliegenden „Lagerlisten“ kann aber

hochgerechnet werden, dass es ca. 2000

56


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:03 Seite 57

Ein Rundschreiben

zur Abwehr der

schwer wiegenden

volkspolitischen

Gefahren, die aus

dem kriegsbedingten

Einsatz von Millionen

fremdvölkischer

Arbeitskräfte

erwachsen“.

Personen gewesen sein müssen, von

denen die meisten aus Polen, Russland

und der Ukraine kamen. Diese Zahl wird

durch Belege der britischen Militärregierung

über die Rückführung sogenannter

„displaced persons“ ab 1945 bestätigt.

Lebensbedingungen und Kontakte zur

deutschen Bevölkerung

Kleinere Baumschulbetriebe brachten

die ihnen zugewiesenen Zwangsarbeitskräfte

in ihren eigenen Arbeiterunterkünften

unter und verköstigten sie.

57


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:03 Seite 58

1939 bis

1950er-Jahre

Der Nationalsozialismus und seine Folgen

Auf dem Rellinger Friedhof erinnern diese Grabplatten an polnische Zwangsarbeiter.

Es gab jedoch auch Lager, aus denen Arbeitskräfte

angefordert werden konnten.

Die großen Forstbaumschulen brachten

sie in den nun leerstehenden „Kasernen“

unter.

Den Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern

war jeglicher privater und öffent licher

Kontakt zur deutschen Bevölkerung

strengstens untersagt. Während der seltenen

Ausgangsmöglich keiten hatten die

polnischen Zwangs arbeiter auf ihrer Kleidung

sichtbar ein großes „P“ zu tragen,

die Russen und Ukrainer ein „Ost“ für

Ostarbeiter. Ausgang aus den Lagern und

Unterkünften musste über den Arbeitgeber

bei der Ortspolizei beantragt werden.

Wer ohne Erlaubnisschein in der Öffentlichkeit

erwischt wurde, musste mit drakonischer

Bestrafung rechnen. Anspruch

auf Urlaub gab es nicht. Heimreisen etwa

aus familiären Gründen waren nicht vorgesehen

und wurden so gut wie nie genehmigt.

Über Kontakte zur einheimischen Be -

völkerung liegen zahlreiche Zeitzeugen -

berichte, insbesondere aus den For schun -

gen der Geschichtswerkstätten vor.

Über einstimmend wird berichtet, dass

der Umgang in den kleinen Betrieben

menschlicher gewesen sei als in den

Großbetrieben. Der ständige persönliche

Kontakt während der Arbeit und die

Unterbringung innerhalb des Betriebes

sorgten oft auch für soziale Nähe. Der

1939 zur Wehrmacht eingezogene Sohn

eines kleinen Baumschulbetriebes berichtete,

dass er sich im Heimaturlaub

mit der jungen polnischen Zwangsarbeiterin,

die dem Elternbetrieb zugewiesen

worden war, anfreundete. An einem

Sonntag machten die beiden einen

Fahrradausflug nach Wedel: „Wenn wir

erwischt worden wären, nicht auszu -

denken. D. hatte keinen Erlaubnisschein,

und ich wäre sofort an die Front versetzt

worden.“

Die Lebensbedingungen in großen Betrieben

und Lagern waren oftmals härter.

Die Entlohnung war auf niedrigstem

Niveau. 3,50 Reichsmark wurden pro Tag

58


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 59

Diese Steine erinnern an russische Kriegsgefangene, die erst nach Kriegsende Einzelgrabstätten

bekamen.

gezahlt, davon mussten die Arbeits -

kleidung bezahlt und 1,50 Reichsmark

für die Verköstigung abgeführt werden.

Dabei waren die Mahlzeiten in den Lagern

erbärmlich. Es gab selten Fleisch

oder kalorienstarke Kost. Kartoffeln und

Kohlrüben dominierten, während die

Menschen sechs Tage in der Woche jeweils

elf Stunden am Tag schwere Arbeit

leisten mussten. Die Geschichtswerkstatt

Elmshorn berichtet von mutigen Zwangsarbeiterinnen,

die sich bei „ihrer“ Lagerleitung

über die schlechte Ernährungs -

situation beschwerten. Jedoch erfolglos.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die wenigen vom Kriegsdienst verschonten

Baumschulbesitzer und ihre Frauen,

Vize und Gärtner wiesen die Zwangs -

arbeiter in ihre neue Arbeit ein. Das alles

musste schnell gehen, so wie damals bei

den Saisonarbeitern. Auch hier darf die

Fantasie bemüht werden, wie den fremd -

sprachigen, oft als „Untermenschen“ angesehenen

Männern und Frauen, die

verschleppt und zur Arbeit gezwungen

worden waren, das Saat reihenziehen,

Aussäen und Verschulen vermittelt

wurde. Mit Händen, Füßen und Gestik?

Trotz aller Gefahr kam es immer wieder

vor, dass insbesondere junge Zwangs -

arbeiter zu flüchten versuchten. So ist in

den Akten des Elmshorner Stadtarchivs

der Fall eines 15-jährigen „Polenjungen“

belegt, der ohne Papiere aus einem

Baumschulbetrieb flüchtete. Über sein

weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Manche Geschichten lassen einen nicht

mehr los: In der Liether Grube bei Elmshorn

ertränkte sich eine Frau mit ihrem

Kind. Sie wollte ihren Säugling nicht auf

der Säuglingsstation des Lagers zurücklassen.

Wurden Schwangerschaften durch

Lageraufsichtspersonal „rechtzeitig“ erkannt,

wurde zur Abtreibung „genötigt“.

Die meisten Frauen lehnten Abtreibung

jedoch ab und kamen zur Entbindung

in die separierten Entbindungsstationen

der Krankenhäuser. Die Säuglingssterblichkeit

unter den Kindern der polnischen

59

59


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 60

1939 bis

1950er-Jahre

Der Nationalsozialismus und seine Folgen

Stanislaw Raczinski

leistete Zwangsarbeit

in der Baumschule von

Rudolf Schmidt. Wie

auch die Chronik der

Gemeinde Rellingen

berichtet, hat er die

Familie Schmidt nach

Kriegsende mehrfach

besucht.

Frauen war, das zeigen die Akten des

Standesamtes, außergewöhnlich hoch.

Als Beispiel kann ein Lager in Elmshorn

genannt werden, in dem polnische

Frauen 1944 mit ihren Säuglingen einquartiert

wurden. Innerhalb von sechs

Monaten starben zwölf polnische

Kleinstkinder, noch bevor sie das erste

Lebensjahr vollendet hatten. Als Todesursache

wurden Lebensschwäche, Ernährungsstörungen

oder Lungenentzündung

angegeben.

Auch viele erwachsene Zwangs -

arbeiterinnen und -arbeiter starben an

Schwäche, Unterernährung und dadurch

ausgelöste, unbehandelte Krankheiten.

In den Archiven sind fast alle Todesfälle

belegt. Bestattungen erfolgten auf gesonderten

Teilen der Gemeindefriedhöfe

ohne kirchlichen Segen. Was das für

gläubige Katholiken bedeutet hat, ist

kaum zu erfassen. In den Nürnberger

Prozessen wurden die Hauptschuldigen

NS-Politiker für das „Sklavenarbeiterprogramm“

aufgrund der Verbrechen gegen

die Menschlichkeit verurteilt.

Willkür und Schuld

Wie sind die einheimischen Menschen

nach dem Krieg mit dieser Schuld umgegangen?

Die Autoren haben Zeitzeugen,

die damals Kinder waren, interviewt.

Auch weitere Zeitzeugen, die von den

örtlichen Geschichtswerkstätten befragt

wurden, beschrieben immer das gleiche

Bild: Man betonte, sich des Ausmaßes an

Schuld nicht bewusst gewesen zu sein.

Sicher mag es, und auch das haben Zeitzeugen

erzählt, gute Verhältnisse zwischen

einzelnen Familien und Zwangs -

arbeitern gegeben haben. Es wird sogar

von gegenseitigen Besuchen nach dem

Krieg berichtet. Doch gibt es hierfür nur

wenig belastbare Belege. Auffällig ist,

dass einheimische Zeitzeugen viel Posi -

tives und kaum Negatives berichten,

dagegen diejenigen Zeitzeugen, die

Zwangsarbeit verrichten mussten, traumatische

Erfahrungen schildern und nur

in wenigen Fällen Positives zu berichten

haben.

Auffällig ist auch, dass die Ein heimischen

immer wieder darauf hinweisen, dass es

den Zwangsarbeitern in den kleinen und

mittleren Baumschul betrieben besser

gegangen sei als in den großen Betrieben.

Es mag individuelle Unterschiede

gegeben haben, welchen Erfahrungen

die Zwangsarbeiter ausgesetzt waren.

Entscheidend aber ist, dass sie verschleppt

worden waren, dass sie keinerlei

Rechte hatten, dass sie auf Gedeih

und Verderb der Willkür „ihrer Herren“

ausgesetzt waren.

Ideologisch war Zwangsarbeit ein

wesentlicher Bestandteil der national -

sozialistischen Politik zur Dezimierung

der slawischen Völker. Wirtschafts -

politisch war sie notwendig zur Aufrecht-

60


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 61

erhaltung der Kriegsproduktion an der

deutschen „Heimatfront“ – also auch im

Pinneberger Baumschulland.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs –

Flüchtlinge als Baumschularbeiter

Das laut NS-Propaganda „Tausendjährige

Reich“ endete nach zwölf Jahren Gewaltherrschaft.

Der Zweite Weltkrieg ließ

nicht nur die Absatzmärkte einbrechen.

Städte lagen in Trümmern, Menschen

waren auf der Flucht, und die Ernten der

letzten Kriegsjahre reichten nicht aus,

um die Bevölkerung zu ernähren. Nach

Weisung der britischen Militärregierung

(Anordnung Nr. 4) mussten 80 Prozent

der Baumschulflächen zur Gemüse -

anzucht umgewandelt werden, um die

extrem angespannte Ernährungslage zu

verbessern. Verkaufsreife Baumschulware

musste gerodet und verbrannt

werden. Der wirtschaftliche Schaden war

verheerend, selbst Mutterpflanzen -

quartiere sollten gerodet werden. Aus

Zeitzeugenberichten aber ist bekannt,

dass viele Baumschulen die Anweisung

umgingen. Sie zogen Gemüse „zwischen

den Reihen“ und erfüllten auf diese

Weise ihre Lieferquoten.

Im Herbst 1946 wurde die Anordnung

Nr. 4 ersatzlos gestrichen, da die Militärregierung

einsah, dass der Schaden für

die Baumschulwirtschaft höher war als

der Nutzen für die Ernährung der Be -

völkerung.

Doch es ging nur langsam voran. Viele

Kulturen waren zerstört und mussten

ganz neu aufgebaut werden. Es erfordert

Jahre, bis Gehölze zur Verkaufsreife gelangen.

Erst ab 1950 wirtschafteten die

Baumschulbetriebe wieder normal. Die

Absatzmärkte „im Osten“ waren zwar

verloren, doch andere Märkte ersetzten

sie. Die Arbeitswelt in den Baumschulen

aber hatte sich entscheidend gewandelt.

1945 gab es keine Saisonarbeiter mehr,

Die Not der Nach kriegs -

zeit verdeut lichen diese

Dokumente zum

Thema Gemüsebau in

Baumschulen aus dem

Bestand des Deutschen

Baumchulmuseums.

61

61


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 62

1939 bis

1950er-Jahre

Der Nationalsozialismus und seine Folgen

Baumschulensiedlung in

der Domäne Friedrichshulde,

1952

die Zwangsarbeiter waren repatriiert, die

einheimischen Arbeitskräfte durch den

Krieg stark dezimiert. Viele Männer

waren gefallen oder befanden sich noch

in Kriegsgefangenschaft. Unter den

„Heimkehrern“ waren etliche arbeits -

unfähige Kriegsversehrte, und viele

Arbeitskräfte zog es in Industrie und

Gewerbe, wo die Arbeitsleistung besser

bezahlt wurde. Doch nun waren auch die

Flüchtlinge im Land.

Neue Arbeitskräfte

Schleswig-Holstein hatte während und

nach dem Zweiten Weltkrieg – bezogen

auf die einheimische Bevölkerung – von

allen Ländern die meisten Flüchtlinge

aufgenommen. Bei der ersten Volks -

zählung im Oktober 1946 lebten in

Schleswig-Holstein (ohne „displaced

persons“) 2,6 Millionen Menschen, rund

eine Million mehr als vor 1939. Rechnet

man die Kriegstoten ab, so kommt man

auf ein Verhältnis von drei „Zugezogenen“

auf vier „Einheimische“. Die Aufnahme

der Flüchtlinge, sie selbst legten

in der Regel Wert auf die Bezeichnung

„Heimatvertriebene“, wurde unter der

einheimischen Bevölkerung durchgängig

als große Belastung empfunden. Man

hatte selbst wenig und musste dieses

Wenige nun auch noch teilen. Die Einweisung

von ganzen Flüchtlingsfamilien

in vorhandene Wohnungen war wohl

die größte soziale und materielle

Heraus forderung. Begriffe wie „Rucksackdeutsche“

oder „Polacken“ waren

gängiger Sprachgebrauch. Diese Abneigung

nahm mit zunehmendem Wohlstand

in den kommenden Jahren ab.

Für die Baumschulen waren die arbeit -

suchenden Flüchtlinge ein Segen. Dort

gab es Arbeitsplätze für gelernte und ungelernte

Arbeitskräfte. Und – Ironie des

Schicksals – sie kamen erneut aus Ostpreußen

und Pommern wie seinerzeit

die Saisonarbeiter 1904. Von zahlreichen

Baumschulbetrieben, die aus den „Heimat-

vertriebenen“ ihre neuen Mitarbeiter

rekrutieren konnten, ist belegt, dass

Wohnraum und sogar Wohnungen angeboten

wurden. Auch in den „Kasernen“

konnten Arbeitskräfte und deren Familien

untergebracht werden. Die meisten

„Heimatvertriebenen“ kamen aus der

Landwirtschaft, waren harte Arbeit gewöhnt

und arbeiteten sich rasch ein.

Auch wurden Einheimische und Flüchtlinge

gleich bezahlt und behandelt.

Integration und Neubeginn

1951 kaufte die Schleswig-Holsteinische

Landgesellschaft im Zuge der Boden -

reform die Domäne Friedrichshulde auf,

ein ehemaliges Gut in der Gemeinde

Halstenbek. Dort entstanden für die

Baumschularbeiterfamilien 165 Siedler-

62


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 63

Baumschulensiedlung in

der Domäne Friedrichshulde,

1952

stellen mit Doppelhäusern. In der Hoffnung,

die Integration zu erleichtern, wurden

diese Siedlerstellen bewusst je zur

Hälfte mit Einheimischen und Flücht -

lingen belegt. Die Zuteilung erfolgte

nach bestimmten Kriterien. Landarbeiter,

Bauern und Gärtner, aber auch Kriegsversehrte

wurden bevorzugt. Die Siedlerstelle

bestand aus einer Doppelhaushälfte

und einem Gartengrundstück

zwischen 800 und 2500 Quadratmetern.

Neben ihrer Arbeit in den Halstenbeker

Baumschulen hatten die Siedler nun in

der „dritten Generation“ Anbauverträge

mit ihren Arbeitgebern, aber auch mit

anderen Baumschulen.

Mit diesem Nebenverdienst konnten sie

ihre zinsgünstigen Hypotheken an die

Wohnungs baukreditanstalt tilgen. Die

Siedlerstelle mit Doppelhaus kostete

18 000 DM – 1951 war das ein Vermögen.

Das Arbeitslosengeld für eine fünf -

köpfige Familie betrug damals 40 DM die

Woche. Die Häuser hatten immer noch

keine Bäder und keine Klos, dafür eine

Waschküche und eine Speisekammer.

Und draußen gab es für jedes Grundstück

einen Brunnen, auch zum Wässern

der Baumschulkulturen.

Mit dem Beginn des sogenannten Wirtschaftswunders

ab Mitte der 1950er-

Jahre gab es einen erneuten Strukturwandel

im Arbeitsleben der Baumschulen.

Einerseits sorgte die Mechanisierung

der Produktionsprozesse für einen geringeren

Bedarf an menschlicher Arbeitskraft,

andererseits gab es eine starke

Abwanderung in Industrie und Gewerbe

der Metropolregion Hamburg. Bessere

Arbeitszeiten, leichtere Arbeit, höhere

Entlohnung und Urlaubsanspruch waren

verlockend.

Die fehlenden Arbeitskräfte wurden nun

durch „Gastarbeiter“ aus Spanien, Italien

und Griechenland ersetzt. Bis heute kann

der Arbeitskräftebedarf in den saisonalen

Spitzenzeiten der Baumschul betriebe, der

sogenannte „Versand“ im Frühjahr und

Herbst, nur durch aus ländische Saison -

arbeitnehmer gedeckt werden. •

63


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 64

1268

–1930

Der lange Weg bis zur Ausbildung „Baumschulgärtner“

Von der Berufung

zum Beruf

Gärtnerzünfte

In den Baumschulen des Pinneberger

Baumschullandes arbeiteten selbstredend

nicht nur ungelernte Kräfte. Berufs -

abschlüsse aber, wie wir sie heute kennen,

haben sich nur langsam entwickelt.

Mittelalterliche Gärtner, die Gemüse und

Obst vor den Toren der Städte kultivierten,

mussten Mitglied der Stadtzünfte

sein. Die älteste Gärtnerzunft „Deutschlands“

ist für das Jahr 1268 in Basel

(Heiliges Römisches Reich) belegt. Es

folgten Augsburg (1276), Lübeck (1370)

und wenig später Hamburg. Die Unterweisung

des Berufsnachwuchses erfolgte

ausschließlich praxisnah durch von

den Gärtnerzünften anerkannte Meister.

Neben gärtnerischen Fertigkeiten wurde

dabei vor allem auch Stolz auf den eigenen

Stand vermittelt. Mit der „Berufung“

waren gesellschaftliche Anerkennung

und Achtung verbunden.

Versetzen wir uns in die Zeit: Die meisten

Menschen der ständischen Gesellschaft

des Mittelalters konnten weder

lesen noch schreiben – und zwar in allen

Ständen. Es gab keine „allgemeinbildenden

Schulen. Klosterschulen standen in

der Regel fast ausschließlich den Kindern

des Adels offen. Ein „Bildungsaufstieg“

war, wenn überhaupt, nur über Kloster

und Mönchsgelübde möglich. Nicht Bildung,

sondern Herkunft entschied über

Stand und Bedeutung der Person. Zugelassen

für eine „Lehre“ in einer Gärtnerei

war ausschließlich, wer eine „ehrbare

Geburt“ nachweisen konnte. Die Eltern

durften nicht aus „unehrbaren Berufen“

stammen. Das waren je nach Region

zum Beispiel Abdecker, Gerber oder

Henker. Die Zahlung von Lehrgeld war

üblich. Nach drei Jahren prüfte die

gesamte Gärtnerzunftsversammlung die

Kenntnisse des „Lehrlings“ und sagte ihn

los. Nun durfte er sich „Gärtnergeselle“

nennen. Die Gärtnerzunft war, wie alle

Zünfte, dem Handwerk zugeordnet.

Nach weiteren mindestens zwei Jahren

Praxis konnte sich der Gärtnergeselle der

Meisterprüfung stellen. Diese bestand

aus einem Prüfungsgespräch mit den

Zunftmeistern und einem Meisterstück.

Nach der Einführung der Gewerbe -

freiheit

1871 wurde im gesamten deutschen

Kaiserreich die Gewerbefreiheit eingeführt.

Die Zünfte und Gilden waren nun

Geschichte. Was aber wurde aus der

gärtnerischen Ausbildung? Nach der

Gewerbeordnung des Norddeutschen

Bundes von 1869 war „[…] jeder Mensch

Lehrling, der einen Beruf erlernen wollte;

ohne besondere Voraussetzungen konnte

Jedermann Lehrherr sein.“. Die Arbeitszeiten

betrugen in der Saison 14 Stunden

an sechs Wochentagen. In einem Beitrag

der „Gartenflora“ von 1870 über einen

Unterrichtskursus beschreibt Heinrich

Lindemuth die Situation: „Erfreulich ist

nun die Strebsamkeit, die die Teilnehmer

entwickelten, traurig die lange Arbeits-

64


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 65

oben: Stolze Gehilfen des Baumschul -

betriebes Timm & Co. 1907: „Bei Timm &

Co. musste damals 60 Stunden in der

Woche gearbeitet werden. Die Gehilfen

bekamen […] einen Wochenlohn von vier -

zehn Mark und fünfzig Pfennig ausbezahlt.

Für Kost und Logis mussten damals aber

schon 17 Mark bezahlt werden. […] Timm &

Co. konnte selbst bei diesem ge ringen

Lohn mehr Gehilfen bekommen, als sie gebrauchen

konnten. Es war im Grunde eine

Lehr firma, die sich dafür bezahlen ließ,

dass man bei ihr arbeiten durfte […].“

(Benno Sander zitiert nach K. J. Strobel:

Rosen im Kreis Pinneberg, S. 102 f)

zeit, die es ihnen unmöglich macht, die

notwendigen (theoretischen) Arbeiten

zu Hause anzufertigen.“ Im weiteren

Text heißt es: „[…], dass die Prinzipale

auf die Wahl der Lehrlinge meistens gar

kein Gewicht legen, dieselben sodann als

Arbeitskraft ausbeuten und ihnen weder

Unterricht angedeihen lassen noch überhaupt

Zeit und Gelegenheit geben, sich

fortzubilden […].“ Lindemuth schlug deshalb

die Einrichtung regelmäßiger Fortbildungskurse

für Gärtnerlehrlinge vor.

Diese könnten in den betriebsruhigeren

Winterzeiten durchgeführt werden.

Woanders war man schon weiter: In

Erfurt wurde im April 1853 eine Gärtnerlehranstalt

gegründet. Seit 1867 gab es

in Braunschweig eine Gärtnerschule.

In den Vegetationsmonaten fand der

Unterricht an den Sonntagen statt, später

zusätzlich auch dreimal wöchentlich

zwischen 20 und 22 Uhr. Man stelle sich

diese hohe Anforderung an Körper und

Geist vor!

Der Autor erinnert sich an seine eigene

Lehrzeit: Arbeitsbeginn um 7 Uhr, Feierabend

um 17 Uhr, Samstagsarbeit bis

13 Uhr. Mittwochs Berufsschule von 8 bis

15 Uhr und danach Schularbeiten samt

Führen des Betriebstagebuchs. Mittwochs

war also Feiertag: Wir konnten

uns körperlich ausruhen!

65


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 66

1268

–1930

Der lange Weg bis zur Ausbildung „Baumschulgärtner“

Lehrzeugnis aus dem

Jahr 1909, Privatbesitz

Familie Thies

Der Erlass des Regierungspräsidenten von

Schleswig-Holstein von 1895 zum Thema

„Fortbildungsunterricht“ stellt nicht etwa

die Notwendigkeit der Fortbildung in den

Vordergrund, sondern die Bewahrung der

jungen Leute „[…] vor den schädlichen Einflüssen

des nutzlosen Aufenthalts auf der

Straße, dem vorzeitigen Besuch der Gasthäuser

und Tanzböden, der Teilnahme an

politischen Versammlungen […]“.

Gartenbau: Landwirtschaft oder

Handwerk?

Seit 1864 gab es Vorschläge zur Prüfung

von Gärtnerlehrlingen. Aber erst 1883

mit Gründung des Verbandes der Handelsgärtner

Deutschlands (VdHD) bekam

die Sache Hand und Fuß. Denn Gründungsziel

war u. a. die „Verhütung einer

Überschwemmung des Berufes mit un-

66


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 67

zureichend ausgebildeten Personen und

Verhinderung der Einstellung von Lehrlingen

mit mangelhafter Schulbildung“.

Im selben Jahr wurde der Vorstand

beauftragt, die Strukturierung von Lehrverträgen

und Lehrzeugnissen vorzu -

bereiten. Die immer noch ungeklärte

Rechtsstellung des Gartenbaus aber verhinderte

Fortschritte in der theoretischen

Ausbildung. Während die Arbeitgeber

den Gartenbau aus arbeits- und tarifrechtlichen

Gründen gern der Landwirtschaft

zuordnen wollten, forderten die

inzwischen organisierten Arbeitnehmer

die Eingliederung in das Handwerk.

1902 kam es zur finalen, bis heute gültigen

Entscheidung über diese Streitfrage.

Ganz im Sinne der Arbeitgeber gab der

preußische Minister für Handel und

Gewerbe einen Erlass heraus, in dem

es u.a. heißt: „Nach der Begründung zur

Gewerbeordnung finden deren Vorschriften

auf den Gartenbau keine Anwendung.

Daher kommt für ihn auch die

Bildung von Prüfungsausschüssen und

Prüfungskommissionen sowie der Erlass

von Gesellen- und Meisterprüfungsordnungen

nicht in Frage.“

Erinnern wir uns: Im Spätmittelalter war

der Gartenbau eindeutig dem Hand -

werk zugeordnet. Es gab Gesellen und

Meister. Die abwertende Bezeichnung

„Gehilfe“ nach absolvierter Lehrzeit ist

diesem ministeriellen Erlass geschuldet.

Aber es kam noch schlimmer. Der Besuch

von Fortbildungsschulen war nur

für handwerkliche und kaufmännische

Berufe Pflicht. Wollten Lehrlinge des

Gartenbaus eine Fortbildungsschule besuchen,

so konnten sie das freiwillig tun,

sofern es in der Nähe eine entsprechende

Einrichtung gab.

Die Fortbildungsschule Elmshorn

Aus den Jahresberichten der gewerb -

lichen Fortbildungsschule Elmshorn

(städtische Lehranstalt seit 1901) geht

hervor, dass es solche „freiwilligen“

Gärtnerlehrlinge im Pinneberger Baumschulland

vereinzelt gegeben hat. Der

Unterricht fand nicht etwa tagsüber

statt, sondern abends nach einem 10-

stündigen Arbeitstag von 20 bis 22 Uhr

mehrmals die Woche und am Sonntagvormittag.

Es gab in diesen gemischten

Klassen auch einen berufsbezogenen

Unterricht für Gärtnerlehrlinge. Da es

noch keine entsprechend ausgebildeten

Lehrkräfte gab, mussten Ingenieure,

Techniker und Meister angeworben werden,

die diese Lehrtätigkeit nebenberuflich

leisteten. Für das Pinneberger Baumschulland

kamen nur solche Lehrlinge in

Frage, die in den Betrieben in und um

Elmshorn ihre Ausbildung machten. Weitere

Anfahrtswege waren zur damaligen

Zeit unüberwindbar.

Vorbereitung einer Lehrlingsordnung in

der Weimarer Republik

Es vergingen weitere zwölf Jahre, bis der

VdHD, der sich ab 1917 Verband deutscher

Gartenbaubetriebe nannte, die

Landwirtschaftskammern der Länder auf -

forderte, die Lehrlingsausbildung durch

den obligatorischen Besuch von Berufsschulen

und verbindliche Prüfungsordnungen

aufzuwerten. Erst 1919 kam es

zu einer Verfügung des preußischen

Landwirtschaftsministers zur Vorbereitung

einer „Lehrlingsordnung“, die wiederum

erst 1930 eine gesetzliche Grundlage

erhielt. Dennoch fand die erste belegte

„Gehilfen“-Prüfung für Baumschul -

lehrlinge im Pinneberger Baumschulland

67


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 68

1268

–1930

Der lange Weg bis zur Ausbildung „Baumschulgärtner“

Lehrlingszeugnis von

Rudolf Schmidt aus dem

Jahr 1902

Es gab aber auch Betriebe, die ganz im

Sinne von Caspar Voght Wert auf eine gute

Ausbildung ihrer Lehrlinge legten. In der

Hochbaumschule von Rudolf Schmidt in

Rellingen/Halstenbek konnten schon ab

der Saison 1926/1927 jedes Jahr junge

Volks- und Realschulabgänger eine Lehre

im Baumschulwesen beginnen. Der Lehrherr

legte großen Wert auf die Kombination

von Theorie und Praxis und sorgte für

den regelmäßigen Besuch der Gewerbeschule

in Elmshorn, in der es inzwischen

Gärtnerklassen gab. Die Lehrlinge fuhren

mit der Bahn vom Pinneberger Bahnhof

nach Elmshorn. Rudolf Schmidt zahlte das

Fahr- und das Schulgeld. Diese noble Einstellung

kam nicht von ungefähr: Er hatte

seine „richtige“ Lehrzeit bei C. F. Müller in

Rellingen verbracht. Müller wiederum

hatte seine „Ausbildung“ bei Booth &

Söhne erhalten. Noch Fragen?

am 19. März 1923 im Betrieb von Conrad

Maass in Rellingen statt. Danach dauerte

es weitere zehn Jahre, bis alle Baumschul -

betriebe, die Lehrlinge ausbildeten, von

der Landwirtschaftskammer erfasst, geprüft

und als Lehr betrieb anerkannt wurden.

In den 1920er-Jahren entließen die

meisten Betriebe ihre Lehrlinge nach drei

Jahren Aus bildung ohne amtliche Zeugnisse

in das Berufsleben.

Länderregelungen in der Bundes -

republik

Erst ab 1930 gab es die allgemeine Berufsschulpflicht.

Die bis dahin zuständigen

Städte und Gemeinden gaben ihre

Verantwortung an die Landkreise ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die

68


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 69

Zuständigkeit für die Berufsschulen an

die Länder über. Die Landwirtschaftskammer

in Kiel verfügte die Gründung

der Kreisberufsschule mit Einrichtungen

in Elmshorn, Uetersen und Pinneberg.

Aufgrund der Kulturhoheit der Länder

entwickelte sich die Gärtnerausbildung

in den Bundesländern nicht einheitlich.

Wieder waren es nicht Politik und Verwaltung,

sondern der Berufsstand –

inzwischen organisiert im „Zentralverband

des deutschen Gemüse-, Obst- und

Gartenbaus e.V.“ (später ZVG), der zusammen

mit den Landwirtschafts -

kammern eine einheitliche Ausbildungsordnung

vorlegte und die Ausbildung der

Berufsschullehrer regelte.

1954 zogen die beruflichen Schulen des

Kreises Pinneberg in den Neubau Elmshorn

Langelohe. Hier wurden nun alle

Gärtnerlehrlinge des Pinneberger Baumschullandes

ausgebildet. Naturgemäß

waren die allermeisten Schüler Baumschullehrlinge.

Die angehenden Meister

fanden ab dem Winterlehrgang 1955/

1956 eine angemessene Ausbildungsstätte

in der Gartenbauschule am Kronshagener

Weg in Kiel. In den ersten fünf

Winterlehrgängen besuchten lediglich

zehn Prozent der Baumschulgehilfen mit

Meisterambitionen diese „Meisterschule“.

Die Mehrheit bereitete sich noch immer

in Abendkursen und an Wochenenden

auf die Meisterprüfung vor.

Von 1955 bis 1965 ging die Zahl der Gärtnerlehrlinge

im Schleswig-Holstein bereits

um 50 Prozent zurück. Zwischen

1966 und 1970 erreichte sie dann ihren

Tiefststand: Jugendliche wählten überwiegend

„saubere“ Berufe, die körperlich

weniger anstrengend waren und

besser bezahlte Berufswege versprachen.

Info-Prospekt zur Ausbildung Baumschul -

gärtner BdB e.V.

Baumschuler – Beruf mit Zukunft?

Eine allgemeine gesellschaftliche Aufwertung

des Berufsstandes war also

vonnöten. Sie erfolgte dann endlich

1972. Nach der „Verordnung über die

Berufsausbildung im Gartenbau“ erhielt

die betriebliche Ausbildung eine bundeseinheitliche

Grundlage, in der die Aus -

bildungsinhalte streng geregelt wurden.

Der Ausbildungsberuf „Gärtner“ wurde

damit staatlich anerkannt, es änderten

sich einige alte Begriffe und wurden

durch neuzeitliche ersetzt. Die Lehre

wurde zur Ausbildung, der Lehrling hieß

nun Auszubildender.

Der Trend zur sinkenden Zahl junger

Menschen, die Baumschuler werden

wollten, wurde 1975 durch die ersten geburtenstarken

Jahrgänge gestoppt. In

den nächsten zehn Jahren stieg die Zahl

der Auszubildenden im Bereich Baumschule

von 100 auf 500.

Fortsetzung Seite 72

69


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 70

Wir lieben Bäume

Bäume sind unsere absolute Leidenschaft.

Wenn es darum geht, Baumbestände zu

sichern und vor dem Fällen zu bewahren,

stehen wir Ihnen zur Seite. Unsere Kunden?

In der Regel sind es Garten- und Landschaftsbauer,

die neue Gelände planen und von der

Möglichkeit profitieren, bereits bestehende

Bäume zu nutzen. Ob ein Baum oder 1000

Bäume – wir helfen Ihnen. In unserer Baumschule

produzieren wir zudem Winterhandveredlungen

in ausgezeichneter Qualität.

Leistungsspektrum: Winterhandveredlungen,

Verpflanzungen von Bäumen mit schwerem

Gerät – bei über 20-jähriger Erfahrung

Jens Schmidt Baumschulen & Dienstleistungen

www.schmidt-lutzhorn.de

Wo Qualität ihre Wurzeln hat

Wir sind seit über 350 Jahren in Appen verwurzelt.

Unser Familienbetrieb produziert seit 1979

auf heute 42 Hektar Fläche ein breites Sortiment

an Forst- und Weihnachtsbaumpflanzen

für den Großhandel. Unsere Spe zialität sind

Elite-Jungpflanzen aus gesicherten Herkünften

– für Pflanzen mit optimalen Eigenschaften.

Wir sind dafür bekannt, eingefahrene Wege zu

verlassen und stets aktiv nach neuen Möglichkeiten

für qualitativ bessere Pflanzen zu suchen.

Gründungsjahr: 1979; Mitarbeiter: 15

Angebot: Forst- und Weihnachtsbaumpflanzen

Henning Pein Baumschulen GmbH

www.henningpein.de

70


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 71

Rellinger Baumschulland – Grün hat hier Tradition

Grün hat in Rellingen Tradition – sogar das Wappen

ziert eine Rosenblüte und ein Ahornblatt.

Rellingen war und ist ein bedeutendes Rosenanbau-

und Hochbaumschulgebiet. Auch heute

noch kommen bedeutende Baumschulen aus

Rellingen und beliefern Kunden weltweit. Sehr

gerne engagiert sich die Gemeinde für den

Erhalt, die Pflege und die Weiterentwicklung

der uns umgebenden und unser Landschaftsbild

bis heute prägenden Kulturlandschaft.

Einwohner: über 10 000

Fläche: 13,18 km 2

Gemeinde Rellingen

www.rellingen.de

Landmaschinen aus Haselau und Rellingen

Behrens Landmaschinen ist seit 1848 ein zu -

verlässiger Partner mit einem umfassenden

Leistungsportfolio: Traktoren der Marke John

Deere, STIHL-Motorgeräte und verschiedenste

Fabrikate aus den Bereichen Land-, Baumschul-,

Obstbau-, Garten-, Kommunal- und Galabautechnik

sowie Melk- und Stalltechnik wie auch

Gebrauchtmaschinen aller Art. Hervorzu heben

sind vor allem die Vielseitigkeit und hohe Kom -

petenz durch ständige Mitarbeiterschulungen.

Für die Baumschulen – mit den Baumschulen!

Service: täglicher, ganzjähriger Notdienst

Behrens Landmaschinen

www.behrens-lm.de

71


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 72

1268

–1930

Der lange Weg bis zur Ausbildung „Baumschulgärtner“

Im Rahmen der über -

trieblichen Ausbildung

der Landwirtschaftskammer

im Gartenbauzentrum

Ellerhoop

erläutert Gärtnermeister

und Ausbilder Jens

Schmidt (links) den

Auszubildenbeden Jacob

Wortmann, Christopher

Miller und Christian

Kaiser (von rechts) die

Sträucherqualitäten.

1985 waren es im Pinneberger Baumschulland

520 junge Frauen und Männer,

die sich für diesen, inzwischen gesellschaftlich

angesehenen Berufsweg entschieden.

In der Berufsschule Elmshorn

löste dieser Boom große Probleme aus.

Zeitweise gab es 20 voll besetzte Baumschuler-Klassen,

ca. acht Klassen pro

Jahrgang. Unterrichtet wurden an einem

Wochentag acht Unterrichtsstunden. Zeit -

zeugen berichteten, dass es aus Kapazitätsgründen

meist nur sechs Stunden

waren. Die Zahl der anerkannten Ausbildungsbetriebe

verdoppelte sich in dieser

Zeit. Manche Betriebe bildeten bis zu

zehn junge Menschen aus. Der Schnitt

pro Betrieb lag bei fünf Auszubildenden.

Allerdings überstanden etwa 20 Prozent

der Berufsanfänger noch nicht einmal

die Probezeit. Mangelhafte Berufsberatung

und falsche Vorstellungen über den

Arbeitsalltag trugen dazu bei, dass viele

Auszubildende frühzeitig aufgaben. Die -

jenigen aber, die durchhielten, waren sich

ihrer Wahl sicher. Als gut ausgebildete Gehilfen

mit der Option zum Meister hatten

sie beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Heute: Praxisnahe Ausbildung im

Verbundsystem

1990 war es schon wieder vorbei mit

diesem Boom. Die geburtenschwachen

Jahrgänge ab 1990 konnten aber durch

die Nachfrage aus den neuen Bundesländern

kompensiert werden. Viele

Baumschulbetriebe im Pinneberger

Baum schulland hatten nun Auszubildende

aus Thüringen, Brandenburg und

Sachsen, den klassischen „Gartenbauländern“.

Ein malig in der gesamten Bundesrepublik

wurde 1991 in der Elmshorner

Berufs schule, Abteilung Gartenbau, der

72


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 73

Das Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer

Mitten im Pinneberger Baumschulland liegt

das Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer

Schleswig-Holstein. Als Selbstverwaltungseinrichtung

bieten wir dem Erwerbsgärtner

vielfältige Dienstleistungen:

– Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie

spezielle Beratungsangebote für alle Fachrichtungen

des Gartenbaus,

– umfangreiche Versuchsanstellungen und

Sortimentssichtungen in der Fachrichtung

Baumschule sowie hoheitliche Aufgaben

des amtlichen Pflanzenschutzdienstes,

– Sortimentsdemonstrationen im Bereich

Zierpflanzenbau und Sonntagsführungen

für den interessierten Bürger.

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

www.lksh.de/gartenbau/

„Unterricht vor Ort“ eingerichtet. Hier

wurde der theoretische Fachkundeunterricht

mit der alltäglichen Praxis in den

Baumschulbetrieben verbunden. Viermal

im Jahr fuhren die Schüler nun in unterschiedliche

Betriebe, um die ganze

Bandbreite des Fachbereichs Baumschule

kennenzulernen.

1993 gab es durch die neue Berufsschulordnung

einen weiteren positiven Schub,

der den Berufsstand aufwertete. Die

neue Verordnung sah statt acht nun

zwölf Stunden Unterricht vor. Die damit

verbundene Einführung eines zweiten

Berufsschultages bescherte den Ausbildungsbetrieben

den „Drei-Tage-Azubi“.

Die betriebliche Ausbildung zum Gärtner

Fachsparte Baumschule erfolgt aktuell in

zahlreichen anerkannten Ausbildungs -

betrieben in Schleswig-Holstein mit

Schwerpunkt im Kreis Pinneberg. Eine

Besonderheit in Schleswig-Holstein ist

die Möglichkeit, seine Ausbildung in

einem Verbundsystem, das heißt in

verschiedenen Baumschulen, zu absolvieren.

Hintergrund ist die zunehmende

Spezialisierung im Produktionsbereich.

Deshalb kann der Ausbildungsbetrieb

während der Ausbildung gewechselt

oder die Ausbildung in einem Partner -

betrieb ergänzt werden.

Fachunterricht im Gartenbauzentrum

Die Berufsschule als zweiter Partner

der dualen Ausbildung befindet sich im

Gartenbauzentrum (GBZ) in Ellerhoop/

73


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 74

1268

–1930

Der lange Weg bis zur Ausbildung „Baumschulgärtner“

Thiensen. Hier ist auch die Landwirtschaftskammer

Schleswig-Holstein als

zuständige Stelle für die Ausbildung angesiedelt.

Das ermöglicht eine besondere

Kooperation im Sinne der Auszubildenden

(z.B. Ausbildungsberatung). Einzigartig

ist, dass in reinen Baum schuler-

Klassen unterrichtet wird. Das liegt an

der großen Dichte von Baumschulen im

Pinneberger Baumschulland und ermöglicht

eine intensive, fachspezifische Unterrichtsgestaltung.

Während der beruf -

lichen Ausbildung sind Lerninhalte an

überbetriebliche Lehrgänge gekoppelt,

die auf dem Gelände des Gartenbau -

zentrums stattfinden.

Die Norddeutsche Fachschule für Gartenbau

ist ebenfalls im Gartenbauzentrum.

Sie bietet die Weiterbildungsmöglichkeit

zum „Staatlich geprüften Wirtschafter

Gartenbau“ und bereitet gleichzeitig auf

die Meisterprüfung vor. Die einjährige

Fachschule vermittelt durch praxisnahen

Unterricht eine Vertiefung und Erweiterung

der beruflich bedeutsamen Kompetenzen.

Sie befähigt dazu, als verantwortlicher

Betriebsleiter, Führungskraft

im Gartenbau und Ausbilder tätig zu

werden.

Auch hier ist eine Trennung der Fach -

sparten nach Fachrichtungen und spezi -

fischen Fächern durch das hohe Baumschulaufkommen

möglich. Praxisbezogene

Projekte und Exkursionen gehören

dazu. Die Nähe zu allen grünen Partnern

der Branche (Betriebe, Verbände, Landwirtschaftskammer,

Versuchswesen) ermöglicht

eine schnelle Informations -

beschaffung. Voraussetzungen für den

Schulbesuch sind eine abgeschlossene

Berufsausbildung zum Gärtner sowie

mindestens 24 Monate Berufspraxis.

Der akademische Gartenbau

Bis in die 1930er-Jahre war der Widerstand

der Fachwelt gegen eine „akademische

Gärtnerausbildung“ sehr stark. Beispielhaft

der legendäre Rosenzüchter Wilhelm

Kordes 1928: „Dem praktischen Gartenbau

würde durch diese doch überwiegend auf

Theorie eingestellten Schulen sehr wenig

geholfen werden. Letzten Endes würde

nicht viel mehr herauskommen als eine

große Zahl mit klingendem Titel und ein

Haufen mit papierener Wissenschaft

belasteter theoretischer Gärtner, die in der

Praxis kaum unter zubringen wären. […]

Fast immer haben die Wissenschaftler

und Theoretiker nur Formeln für das auf -

gestellt, was die Praxis schon länger

wusste, aber nicht in Worte gekleidet

hatte.“ (oder kleiden konnte).

Erst im Jahr 1928 stellte der junge Ernst

Schröder, preußischer Parlamentarier und

späterer Präsident des Zentral verbandes

Gartenbau (ZVG), den „Ur-Antrag“ über

die Errichtung einer Gartenbau-Hochschule.

1929 beschloss der preußische

Land tag die Einführung eines gartenbau -

lichen Studiengangs an der Land wirt -

schaftlichen Hochschule in Berlin. Im

selben Jahr wurden die Vor lesungen an

drei Lehrstühlen aufgenommen. Erich

Maurer, Generaldirektor der weltberühmten

Späth’ schen Baum schulen, wurde

einer der ersten Professoren. Die heutige

Studienlandschaft hält für die akademische

Ausbildung der verschiedenen Fachbereiche

ein vielfältiges Angebot vor.

Berlin, München und Hannover können

als die wichtigsten Hochschulstandorte im

Bereich Gartenbau genannt werden. Die

eher praxis orientierten Fachhochschulen

sind in zwi schen in fast allen Bundes -

ländern präsent.

74


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 75

Ausbildung im Pinneberger Baumschulland

ist geprägt von charismatischen Lehrern, viel

Engagement und guter Zusammenarbeit.

Bild links: Viele werden sich mit Sympathie

und Respekt an Henri Wiebicke erinnern.

Bild unten: Zusammen für gute Ausbildung

und Pressearbeit. Dietmar Nass bepflanzt mit

seiner Baumschuler-Klasse und historischem

Gerät aus dem Baumschulmuseum die

Forstfläche auf dem igs-Gelände. Hier posiert

man gemeinsam für das Pressefoto. Im

Vordergrund Niels Reinke und mittendrin

Peter Heydorn (Ausbildungsbetrieb des

Jahres 2016).

Der Autor erinnert sich an seine eigene

Wahl, Anfang der 1960er-Jahre eine

Gärtnerausbildung mit anschließendem

Studium zu absolvieren. Die Klassen -

kameraden rümpften die Nase: „Gärtner

werde, wer zu Besserem nicht tauge.“

Dieses Vorurteil mag seine Ursache auch

in der langen Geschichte bis zur quali -

fizierten Ausbildung im Gartenbau

haben.

Dabei stehen nach erfolgreich absolviertem

Studium viele Berufswege offen:

Lehre, Forschung und Ausbildung in

Universität, Fachhochschule, Berufsschule

und Fachinstituten; Garten- und

Landschaftsarchitektur, Umweltplanung

und Fachjournalismus – um nur einige

Perspektiven zu nennen. Vielleicht hilft

auch dieses Buch voller Beispiele von

Persönlichkeiten, die ihren Beruf mit

Herzblut und Erfolg ausgeübt haben, bei

der Lebensplanung.


75


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 76

1850

bis heute

Von 1850 bis ins 21. Jahrhundert

Rosenzüchter im Pinneberger

Baumschulland

Wenn Du eine Rose schaust …

Im Pinneberger Baumschulland hat die

Rosenzucht eine besondere Geschichte.

Als die hiesigen Rosenzüchter sich anschickten,

die Welt zu erobern, lebte im

benachbarten Hamburg Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Gemeinsam mit Heinrich

Heine schuf er das Lied „Leise zieht

durch mein Gemüt...“. Am Schluss heißt

es: „...wenn du eine Rose schaust, sag,

ich lass sie grüßen.“

Zur Einweihung des Pinneberger Rosengartens

1935 wurden gleich mehrere

Lieder zu Ehren der Rose komponiert.

Der Rosenwalzer „Rose aus dem Holstenland“

von Hans Brennecke und Frido

Grothey war jahrzehntelang die „Hymne“

der Holsteiner Rosenfeste. Diese Lieder

aber gerieten schnell in Vergessenheit.

Nicht in Vergessenheit geraten sollen die

Pioniere der Rosenzucht und -anzucht im

Pinneberger Baumschulland. Von ihnen

und ihren Lebenswerken wird hier beispielhaft

für ehemals 80 Betriebe be -

richtet.

wegen der strittigen Identität der Sorte

geführt wurde, ist bereits auf Seite 31

beschrieben worden (grüner Kasten).

Booths Söhne hatten, ausweislich eines

Kata loges aus dem Jahre 1866, exakt 349

verschiedene Sorten im Angebot, einige

davon aus eigener Zucht. Man darf

davon ausgehen, dass der Anbau (Veredelung

und Anzucht) über Kostverträge

bereits durch Bauern des Pinneberger

Baumschullandes ab etwa 1850 erfolgte.

Hans Claussen:

1852 trat Hans Heinrich Theodor Claussen

auf die Rosenbühne. Seine Biografie ist

typisch für die damalige Zeit. Er kam aus

Caspar Vogt und James Booth:

Und wieder beginnt auch diese Geschichte

mit Caspar Vogt und James

Booth. Letzterer hatte gleich nach der

Einrichtung seiner eigenen Baumschule

mit der Rosenzucht begonnen. Belegt ist

sein erster Zuchterfolg mit der berühmten

Sorte „Königin von Dänemark“. 1826

brachte sein Sohn John Richmond diese

Sorte in den Handel. Der Prozess, der

Hans Claussen mit seiner Frau, die nach

seinem Tod 1889 die Rosenschule weiterführte.

76


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 77

chleswig, wo er die Kinder des späteren

Landdrosten von Pinneberg unterrichtete.

1852 holte dieser Claussen nach

Pinneberg. In Pinnebergdorf unterrichtete

er 128 Kinder in einer alten Kate in

einem einzigen Raum. Es war so eng,

dass die Kinder selbst an den Wänden

hockten, die Fibeln auf den Knien.

Eigentlich war die Schulpflicht auf das

ganze Jahr ausgelegt. Die Kinder kamen

aber nur im Winterhalbjahr in die Schule.

Im Sommerhalbjahr mussten sie in der

Landwirtschaft helfen. Claussen ver -

wendete viel Überzeugungskraft, um

den Eltern die Notwendigkeit des ganzjährigen

Schulbesuchs zu erklären. Seine

Dorfschule hatte bald einen hervor -

ragenden Ruf, die Lehrergehälter aber

waren erbärmlich. Alle Dorfschullehrer

waren auf Nebenerwerb angewiesen.

Claussen ging gleich mehreren nach,

bevor er mit der Anzucht von Rosenhochstämmen

begann. Die Unterlagen

(Wildrosen) holte er sich aus den Knicks

und Waldrändern, wie ehemals die „Padenstecher“.

Er zog sie zu Hochstämmen

und veredelte sie mit Zuchtrosensorten.

Hochstämme waren zu seiner Zeit groß

in Mode. Claussen baute zunächst im

Schulgarten an und später, als das Geschäft

lief, auf gepachteten Äckern. Ausweislich

seiner Kataloge, die erhalten

sind, konnte er 209 Hochstammsorten

anbieten. Den Frauen und Mädchen

aus der Nachbarschaft brachte er das

Veredeln bei und bezog bald Rosen -

wildstämme von externen Lieferanten.

Claussen organisierte einen internatio -

nalen Rosenpflanzenversand. In den

Schulferien ging er auf Geschäftsreisen.

In Kopenhagen hatte er einen Agenten,

der für ihn das Dänemark-Geschäft

abwickelte. Die erste Exportsendung

erfolgte 1869. Weitere führten nach

Norwegen, Schweden und in das zaris -

tische Russland. Claussen starb 1889 im

Alter von 62 Jahren.

Ernst Ladewig Meyn:

Der Gärtnermeister Ernst Ladewig Meyn

betrat eine Generation später als Hans

Claussen die Rosenbühne. Er gründete

seine Rosenschule 1880; sie war die

erste im Raum Uetersen. Schon früh

hatte sich Meyn mit der Zucht und Vermehrung

von Rosen befasst. Er hatte in

einer Kunst- und Handelsgärtnerei in

Hamburg gelernt und anschließend als

Gehilfe in der Lienauschen Schlossgärtnerei

Düneck in Moorrege gearbeitet,

bevor er nach zwei Jahren im Königlich

Preußischen Pomologischen Institut

Proskau in Oberschlesien seine Meisterprüfung

ablegte. Erst danach fühlte er

sich reif für die Gründung einer eigenen

Baumschule.

Ernst Ladewig Meyn (1859–1952)

77


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 78

1850

bis heute

Von 1850 bis ins 21. Jahrhundert

Auch er führte zunächst das „Holsteiner

Sortiment“ (Wildlinge, Obst- und Forstgehölze),

um wirtschaftlich bestehen zu

können. Dann schlug seine Leidenschaft

für die Rosen wieder durch und er befasste

sich verstärkt mit dem Anbau und

der Veredelung. Die Rosenvermehrung

erfolgte damals noch durch Steckhölzer

wurzelechter Rosensorten. Meyn stellte

seine Produktion auf Veredelung von

Rosenwildlingen um. Dadurch konnten

aus einem edlen Zweig vier- bis fünfmal

so viele Rosenpflanzen der gleichen

Sorte herangezogen werden. Die Bedeutung

dieser Entwicklung kann nicht hoch

genug geschätzt werden, denn die in der

Folgezeit gezüchteten Rosenneuheiten

waren nicht in der Lage, eigene kräftige

Wurzelstöcke zu entwickeln. Die Rosenwildlinge

übernahmen eine „Ammen-

tätigkeit“. Nur sie konnten die kräftigen

Wurzelstöcke entwickeln, die für einen

gesunden Rosenstrauch notwendig sind.

Elmsfeuer – ein Rhabarber-Erfolg

Eine ganz andere Pflanze aber sollte eine

besondere Bedeutung für die Baumschule

Meyn bekommen: der Rhabarber,

das Gemüse der einfachen Leute. Bisher

war nur die Sorte „Victoria“ auf dem

Markt. Die Stiele waren weiß und ziemlich

säuerlich. Ohne Zuckerzusatz beim

Kochen war diese Sorte nicht genießbar.

Zucker war sehr teuer und für Arbeiterfamilien

unerschwinglich (daher nutzen

viele Familien die Imkerei als Zuckerquelle).

Meyn kreuzte „Victoria“ mit

anderen Sorten und bekam über die generative

Auslese eine Rhabarbersorte,

deren Säuregehalt um zwei Drittel niedriger

war. Er nannte sie „Elmsfeuer“, eine

Abkürzung von E. L. Meyns Feuerroter.

„Elmsfeuer“ und später weiter verbesserte

Sorten wurden ein Riesenerfolg.

Große Rhabarberfelder wurden angelegt

und das Gemüse per Pferdefuhrwerk auf

den Buttermarkt zum Verkauf gefahren.

Bald wurde „Uetersener Rhabarber“ in

ganz Deutschland und den benachbarten

Staaten ausgeliefert. Jedes Jahr wurden

20 000 Liter Rhabarberwein hergestellt.

Großabnehmer war das Königliche Lehrer -

seminar in Uetersen! In den Hunger -

zeiten während und nach den Kriegen

sollte der „Uetersener Rhabarber“ eine

wichtige Ernährungslücke schließen.

Einsatz für Uetersen

Ernst Ladewig Meyn bekleidete 41 Jahre

lang das Amt eines Stadtrates. Von 1914

bis 1919 war er kommissarischer Bürgermeister.

Gemeinsam mit den Rosenzüchtern

Tantau und Kordes baute er das zerstörte

Rosarium wieder auf (siehe auch

den nachfolgenden Artikel) und gründete

den „Verein selbständiger Gärtner“.

Die erste Deutsche Schnittrosenschau

1934 mit großer Werbewirkung für

Uetersen geht auf sein Konto. 1952 starb

E. L. Meyn mit fast 93 Jahren. Die größte

Ehre sollte ihm 1934 zuteilwerden, als er

wegen seiner hohen Verdienste um die

Stadt Uetersen zum Ehrenbürger ernannt

werden sollte. Doch wenige Tage vor

diesem Ereignis beschloss der Rat, stattdessen

Adolf Hitler zum Ehrenbürger zu

machen. Als Ersatz wurde Ernst Ladewig

Meyn die nichtssagende Auszeichnung

„Stadtältester“ verliehen.

Die Familie Wunderlich:

Die Vorfahren der Familie Wunderlich

kamen Mitte des 18. Jahrhunderts aus der

bayerischen Oberpfalz nach Schleswig-

78


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 79

Holstein. Die Brüder Johann Heinrich und

Johann Wolfgang, der eine Zimmermann,

der andere Maurer, ließen sich nach ihrer

Gesellenwanderschaft in Pinneberg

nieder. Aus dem Krieg 1870/1871 kehrte

der Zimmerermeister Johann Heinrich

mit einer schweren Verletzung zurück,

die ihn zwang, seinen Beruf aufzugeben.

Nun war „Not am Mann“. Die Invalidenrente

gab es noch nicht, und die kargen

Erträge aus der kleinen Landwirtschaft

reichten nicht, um die achtköpfige Familie

durchzubringen.

Schon Johann Heinrichs Vater, Johann

Martin, hatte aus Liebhaberei Rosen veredelt

und betrieb seit 1868 im Neben -

erwerb eine kleine Rosenschule. Er stand

mit den Pionieren Claussen und Meyn in

Verbindung, und alle drei tauschten wohl

ihre Erfahrungen aus. Wie Claussen und

Meyn und vor ihnen die „Padenstecher“

sammelte er aus den Knicks und Waldrändern

Wildrosen, zog sie zu Stämmen

und veredelte sie. Ab 1870 kaufte er zusätzlich

aus Dänemark die sogenannten

„Waldstämme“. Das waren schon kräftige

Wildrosenstämme, auf denen sofort

veredelt werden konnte. Der Verkauf der

Rosenblüten auf den Hamburger Blumenmärkten

begann um 1885. Johann Martin

gehörte somit zu den Pionieren der

Rosenanzucht im Pinneberger Baumschulland.

Christine und Carl Martin Wunderlich –

eine Liebesheirat

Als Johann Heinrich kriegsversehrt nach

Pinneberg zurückkehrte, stieg er in die

kleine Rosenschule seines Vaters ein. Er

war mit der Rosenanzucht von Kindesbeinen

an vertraut. Aber er soll kein

guter Geschäftsmann gewesen sein. Als

sein Sohn Carl Martin 1902 die Rosenschule

am Damm 75 übernahm, war sie

desolat und verschuldet. Das Schicksal

wollte es, dass dieser im Herbst 1900 auf

Christine Bülck aus Neumünster traf. Im

Folgenden kann dank der von ihr selbst

verfassten Lebenserinnerungen auch

aus dem Alltag berichtet werden:

Man war verliebt, verlobt und 1902 verheiratet.

Dabei war das „Verliebt-Sein“

zu dieser Zeit nicht selbstverständlich,

denn viele Ehen waren noch von den

Eltern arrangiert: „Liebe vergeht, Hektar

besteht.“ Christine kam also in diesen

Haushalt, den sie in ihren Lebenserinnerungen

als „verkommen“ beschrieb. Und

Carl, der keine Gärtnerlehre absolviert

hatte, musste nun den Betrieb führen. Es

war der schwerste Beginn, den man sich

vorstellen kann. Die Rosen blühten erst

am 6. Juli, und durch Frühfröste endete

die Blütezeit bereits am 5. Oktober. Carls

Arbeitstag begann in der Saison um zwei

Uhr in der Früh. Mit dem Fahrrad fuhr er

auf die Rosenfelder, schnitt die Rosenblüten,

war um fünf Uhr morgens wieder

zurück, sortierte, zählte und bündelte sie

und fuhr mit seiner Fracht mit dem Zug

Im Keller beim Sortie -

ren und Bündeln der

Schnitt rosen,

ganz links Christine

Wunderlich (um 1930)

79


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 80

1850

bis heute

Von 1850 bis ins 21. Jahrhundert

um 6:45 Uhr von Pinneberg nach Hamburg.

Dort brachte er sie zu den wenigen

Kunden und war gegen 10 Uhr wieder

zurück. Gleich danach ging es wieder

aufs Feld. Das ging so an sechs Tagen in

der Woche. Christine führte den Haushalt,

dem noch zahlreiche Verwandte

angehörten. Und nicht nur nebenbei half

sie beim Veredeln der Hochstämme und

bediente die Fenster der Kalthäuser zur

Beschattung und Lüftung – das waren

mehrere Hundert Fenster täglich, alles im

mechanischen Handbetrieb versteht sich.

Der Betrieb expandiert

Ab 1903 übernahm Christine den Rosenverkauf

in Hamburg. Carl war mit dem

Betrieb, der nun stark expandierte, voll in

Anspruch genommen. Der Blumengroßmarkt

befand sich bis 1905 auf dem

Hopfenmarkt vor der Nikolaikirche, von

1905 bis 1914 auf dem Messberg, ab 1914

in der überdachten Markthalle und später

in den Deichtorhallen (heute Ausstellungsraum

der Deichtorhallen Hamburg

GmbH).

Christine fuhr in der Saison täglich, außer

sonntags. Carl schnitt morgens die Rosenblüten.

Dann wurde gemeinsam sortiert,

gezählt und gebündelt und um 6:45 Uhr

fuhr Christine mit dem Zug die Ware

nach Hamburg. Im selben Jahr im März

wurde die Tochter Anni geboren. Christine

schrieb in ihr Tagebuch: „Am fünften Tag

war ich schon wieder auf den Beinen.“

Auf dem gepachteten Gelände in Tangstedt

arbeitete Carl mit einem inzwischen

eingestellten Gehilfen. Ab April

brachte Christine täglich das Mittagessen

aufs Feld. Mit Anni in der Karre brauchte

sie dafür drei Stunden. 1904 wurde Sohn

Hans geboren, 1906 Carl Junior.

Der Betrieb expandierte, Felder wurden

hinzugepachtet und Arbeitskräfte ein -

gestellt. Christine wollte das Ackerland

lieber kaufen statt pachten. Aber Carl

blieb hart und hatte seine Gründe dafür.

Die Bodenmüdigkeit war schon damals

ein Thema. Er wollte das Pachtland lieber

alle paar Jahre wechseln, um so der

Rosenmüdigkeit vorzubeugen. „Und wieder

hat mein Carl recht gehabt“, schrieb

Christine ins Tagebuch. 1907 liefen die

Geschäfte so gut, dass Carl den ersten

Lieferwagen im Kreis Pinneberg kaufen

konnte. Es war ein Adler-2-Zylinder. Er

fuhr 15 Stundenkilometer. Nun wurde

direkt zum Blumengroßmarkt und den

anderen Kunden gefahren. Mit 15 Körben

Rosen war die Ladefläche beladen und

Schwager Paul saß am Steuer. Auf dem

Blumengroßmarkt Messberg lagen die

Rosen einfach auf dem Pflaster. Christine

beschaffte bald geeignete Tische, um

ihre Ware „augenfreundlicher“ zu präsentieren.

Für die kurzstieligen Rosengab

Geschmückt für das Rosenfest: Der

Firmenwagen erhielt 1930 den 2. Preis.

80


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 81

Tangstedt – verbunden mit der Natur

Die Gemeinde Tangstedt mit ihren rund 2300

Einwohnern gehört zum Amt Pinnau, liegt

im östlichen Teil des Kreises Pinneberg und

verbindet den Hamburger Stadtrand mit

der offenen Geestlandschaft des südlichen

Schleswig-Holsteins.

Der 1242 erstmals erwähnte Ort ist nach

seiner Bedeutung als „Wohnstätte auf einer

Zange“ aufzufassen. Mit Zange sind hier

die hügelförmigen Landerhebungen zwischen

den Mooren gemeint, die diese zangenartig

umfassen. Im Gemeindewappen wird der

Namensbestandteil „Tang“ durch die Zange

als handwerkliches Arbeitsgerät dargestellt.

Geprägt ist die Gemeinde von jeher von über

20 Baumschulen und landwirtschaftlichen

Betrieben, auch wenn sie sich in den letzten

Jahren (durch Ausweisung zweier Baugebiete)

zunehmend von einer Agrargemeinde zu

einer Wohngemeinde entwickelt hat. Dies

sind jedoch zwei Bereiche, die sehr gut mit -

einander harmonieren können und Lebensqualität

beinhalten – verbunden mit der Natur.

So ist es das Bestreben der Gemeindever -

tretung, durch infrastrukturelle Maßnahmen

und Verbesserung der gemeindlichen Ein -

richtungen den Wohn- und Wirtschaftswert

weiter zu erhöhen.

Der in 2017 erstellte Ortsentwicklungsplan

bestätigt diese Einschätzungen und beschreibt

Tangstedt als das „bunte Baumschuldorf

vor den Toren Hamburgs“. Die Hervorhebung

dieses Aspektes wird eine Aufgabe für die

nächsten Jahre sein.

Erstmals urkundlich erwähnt: 1242

Sehenswertes/Freizeit: die Wulfsmühle mit

See und Golfplatz, schöne Bauernhöfe, Reit -

ställe, weitverzweigtes Wegenetz für aus ge -

dehnte Spaziergänge, weiträumige Landschaft

Einwohner: rund 2300

Fläche: 12,52 km 2

Gemeinde Tangstedt

www.tangstedt-pinneberg.de

81


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 82

1850

bis heute

Von 1850 bis ins 21. Jahrhundert

Ein Liebesbeweis ohne

Worte? Im Jahr 1934

erschien aus dem

Hause Wunderlich die

Teehybride Christine

Wunderlich. Gelblichorange-rosa,

gefüllt,

duftend – sie ist auch

heute noch erhältlich.

es zwei Pfennige, für die langstie ligen

vier. Ein Kilogramm Brot kostete 50 Pfennige.

1914 hatten die Wunderlichs 175000

Rosenstöcke auf den Feldern. Carl Junior

berichtete in einem Zeitungsartikel im

Pinneberger Tageblatt vom 13. Dezember

1949: „In der Hauptsaison wurden täglich

zwischen 20000 und 60000 Rosen -

blüten nach ganz Europa verschickt.

St. Petersburg war der größte Abnehmer.

Per Express dauerte die Zugfahrt über

Königsberg bis St. Petersburg 14 Stunden.“

Man lieferte nach Wien, Graz,

Berlin und nach Dänemark, Schweden,

Norwegen, Holland und Belgien. Mit den

Kalthaus- und Freilandrosen ging es

stetig weiter aufwärts, trotz beider Weltkriege,

Einziehung der Männer zum

Wehrdienst, Inflation und Währungs -

reform.

Krieg, Zwangsarbeit und Versorgung

Die Situation im Nationalsozialismus ist

an anderer Stelle bereits beschrieben

worden. Christine Wunderlich hat sich,

soweit sie in ihren Lebenserinnerungen

darüber berichtet, auch in dieser Zeit

vorbildlich verhalten. Zunächst wurden

dem Betrieb sieben Polinnen zuge -

wiesen, später Holländer, Rumänen und

Ukrainer. Es waren schließlich 44 Frauen

und Männer. Carl ließ von der Firma

Oelting eine beheizbare Baracke bauen.

Dort lebten die Frauen und Männer

getrennt, wie einst in den „Kasernen“:

Vierbettzimmer mit Ofenheizung, Waschraum

und Aborte. Christine fuhr derweil

mit dem Pferdefuhrwerk über die Dörfer

und besorgte Matratzen und Bettzeug.

„Auf Strohsäcken liegt bei uns niemand,

und wer arbeitet, muss warm und gut

schlafen und essen.“

82


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 83

Sie kochte nun täglich für 50 Leute. Man

aß gemeinsam, obwohl es streng ver -

boten war. Doch woher kamen die Zutaten

für die Mahlzeiten? Christine berichtete

in ihrem Tagebuch: „Da der Betrieb

ohnehin auf Kriegswirtschaft umgestellt

werden musste (Anzucht von Deckungsgehölzen

für die Wehrmacht und Ge -

müseanbau), hatten wir auch aus der Erfahrung

des Ersten Weltkrieges immer

genug Vieh und Gemüseland. Zu Beginn

des Krieges gab es zwei Kühe, acht

Schweine, 40 Hühner, 20 Gänse und

20 Puten. Auf dem größten Teil der

Rosenfelder wurden Gemüse und Getreide

angebaut. Die Weiden für die Kühe

wurden gepachtet. Das Rosengeschäft

lief während des ganzen Krieges eingeschränkt.

Aber es lief, sodass es für alle

reichte.“

Als 1945 die englischen Alliierten die

Zwangsarbeiter repatriierten, gab es

auch Racheakte gegen Baumschulbe -

sitzer. Die Wunderlichs wurden, so der

Bericht von Christine Wunderlich, in

dieser Zeit von ihren ehemaligen

Zwangsarbeitern verteidigt. Die Kontakte

blieben über viele Jahre. In den 1950er-

Jahren kamen auch Polen wieder als

„Saisonarbeitskräfte“ – jetzt aber für

guten Lohn.

Noch 1960 und 1963 baute Carl Junior am

Damm 10 000 Quadratmeter Gewächshausfläche

für die Unterglastreiberei von

Rosen und Tulpen. Eine Krankheit zwang

ihn 1969 zur Verpachtung an seinen

Obergärtner Fritz Albrecht. Zehn Jahre

später wurde der Betrieb abgewickelt.

Und Christine? Sie fuhr 62 Jahre lang täglich

zum Rosenmarkt, um ihre Ware zu

verkaufen. Erst 1964 hörte sie damit auf,

ein Jahr vor ihrem Tod. Sie war im

Hamburger Großmarkt eine prominente

Persönlichkeit. Den Niedergang der Firma

Wunderlich hat sie nicht mehr miterlebt.

Die Familie Tantau:

1906 wurde der Betrieb „Rosen Tantau“

von Mathias Tantau sen. (1882–1953) gegründet.

Er war Hoferbe von zwölf

Hektar Fläche, und sein Werdegang kann

für das Pinneberger Baumschulland als

typisch bezeichnet werden. Er machte

eine dreijährige Gärtnerlehre im benach -

barten Tornesch in der Baumschule

Wilhelm Bornholdt und ging anschließend

auf die Walz über Trier, Paris, Zürich

und Straßburg. Mit 24 Jahren kam er zurück

nach Uetersen. In der schon damals

weltberühmten Rosenschule von Peter

Lambert in Trier arbeitete er fast ein Jahr.

Aus dieser Zeit ist ein Zeugnis erhalten,

das ihm seine hohe Qualifikation bescheinigt.

Für die Gründung seines Betriebes

hatte er beste Voraussetzungen.

Es war genug Ackerland vorhanden, und

der Absatz von Freiland- und Schnitt -

rosen boomte. Um die ersten Jahre wirtschaftlich

auf einer breiteren Basis zu

stehen, baute er neben Rosen auch die

sogenannten „Holsteiner Kulturen“ an

(Wildlinge, Obst- und Forstgehölze).

Aber Mathias Tantau war ein leidenschaftlicher

Züchter. Parallel begann er

bald mit der eigenen Rosenzucht. Die

Selektion einer neuen Sorte kann zehn

Jahre dauern. 1919 war es vollbracht. Mit

der Polyantha-Hybride „Stadtrat Meyn“

huldigte er dem Pionier und Kollegen

Ernst Ladewig Meyn, mit der Sorte

„Schöne von Holstein“ dem Pinneberger

Baumschulland.

Es folgten dann in kurzen Abständen

zahlreiche Züchtungen, die zum Teil

83


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:04 Seite 84

1850

bis heute

Von 1850 bis ins 21. Jahrhundert

weltberühmt wurden. Hier seien beispielhaft

die Sorten „Tantaus Triumph“,

„Tantaus Überraschung“, „Märchenland“

und „Fanal“ genannt. Sie erreichten

weltweite Bedeutung wegen ihres

Blütenreichtums und der Fähigkeit des

Remontierens (mehrfaches Austreiben

von Blüten während derselben Vegeta -

tionsperiode). Aber es gab auch Rückschläge:

Das verheerende „Laurentius-

unwetter“ von 1925 vernichtete alle

Rosenfelder der Firma und Mathias sen.

musste praktisch wieder ganz von vorn

anfangen. Doch bald ging es wieder aufwärts.

1929 lag die Jahresproduktion bei

300000 Beet-, Strauch- und Kletter -

rosen. Darüber hinaus wurden 10000

Hochstammrosen veredelt und jährlich

um die 550 000 Rosenstöcke verkauft.

Mathias Tantau jun. und die Übergabe

an Familie Evers

1948 begann die zweite Generation

ihren erfolgreichen Weg. Mathias Tantau

jun. (1912–2006) war gut vorbereitet. Er

besuchte das Uetersener Ludwig-Meyn-

Gymnasium (nach dem aus Pinneberg

stammenden Wissenschaftler benannt)

und machte eine Lehre im elterlichen

Betrieb. Er verfügte über fundierte

Kenntnisse sowohl in der Rosenzucht als

auch in der Geschäftsleitung. Während

des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren

wurden große Teile des

Rosenlandes wie in allen Baumschulen

in Gemüseanbauflächen umgewandelt.

Mathias jun. musste zunächst die alten

Betriebsstrukturen wieder aufbauen.

Doch da war sie wieder die Passion: Da

die Züchtungsarbeit nie unterbrochen

wurde, kam bereits 1951 „Klaus Groth“

auf den Markt. Was für ein feiner Instinkt

der Züchter: Klaus Groth, der schleswigholsteinische

Heimatdichter, dieser

Meister der Worte und Gefühle war

Synonym für Aufbruch und Hoffnung.

Während sich Mathias Tantau sen. für

seine letzten Lebensjahre in seinen 400

Morgen großen Privatwald im Sege -

berger Forst zurückzog, baute Mathias

Tantau jun. den Betrieb in der Folgezeit

zu einem Weltunternehmen auf. Seine

Züchtungen erlangten höchste Anerkennung

und sind bis heute zum größten Teil

in den Standardsortimenten. Einer seiner

größten Erfolge war die Züchtung der

„Konrad-Adenauer-Rose“. 1953 wurde

Ick wull, wi weern noch kleen, Jehann,

Dor weer de Welt so groot

Wi seeten op den Steen, Jehann,

Weest noch, bi Naver´s Soot?

An Heben seil de stille Maan,

Wi segen wo he leep

Un snacken, wo de Heben hoch

Un wo de Soot wull deep.

Un wo de Soot wull deep.

Weest noch wo still dat weer Jehann,

Dor röhr keen Blatt an’n Boom

So is dat nu nich mehr, Jehann

As höchstens noch in’n Droom

Och nee, wenn dor de Schäper süng

Alleen in’t wiede Feld

Ni wohr, Jehann, dat weer een Ton

De eenzig op de Welt.

De eenzig op de Welt.

Mitünner in de Schummertied

Dor ward mi so to Moth

Denn löppt mi’t langs de Rügg so hitt,

As dormols bi den Soot

Denn dreih ick mi so hastig üm

As weer ick nich alleen

Doch allens, wat ick finn, Jehann, –

Dat is, ick stah un ween.

Text: Klaus Groth

84


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 85

sie vom ersten Bundeskanzler auf der

IGA 1953 in Hamburg selbst getauft. Die

Teehybride „Superstar“ war einer der

Höhepunkte der Firma Tantau. Dieses

Orange! Und dazu der Duft nach Waldhimbeeren!

Man kann nicht alle Züchtungsergebnisse

in diesem Rahmen erwähnen, aber

„Nostalgie“ muss noch beispielhaft für

die Bemühungen genannt werden,

nostalgische Rosen, remontierend, starkwüchsig

und gesund auf den Markt zu

bringen. Mathias Tantau hatte rechtzeitig

die Geschmacksentwicklung der Kunden

erkannt und sich darauf eingestellt. 1976

bekam er für seine züchterischen Leistungen

die Georg-Arends-Medaille, die

höchste Auszeichnung des deutschen

Gartenbaus. 1985 übergab Mathias

Tantau den Betrieb an seinen langjäh -

rigen Mitarbeiter und erfahrenen Züchter

Hans-Jürgen Evers, der den Betrieb erfolgreich

bis zu seinem frühen Tod 2007

führte. Nun war die vierte Generation zur

Stelle. Sohn Christian Evers, ein Kind des

Tantau-Betriebes wie Vater und Groß -

vater, übernahm und leitet seither

„Rosen-Tantau“.

Die Familie Kordes:

Die Urväter waren keine Holsteiner, und

Bauern waren sie auch nicht. Die Familie

kam aus Bremervörde, später aus Stade.

Sie waren gestandene Seeleute und

Elbschiffer. Der Firmengründer, Wilhelm

Kordes I., geboren am 10. Dezember

1865, beendete diese Familientradition

und machte in den Betrieben I.H. Schuldt

und Simon Sievers in Horst bei Elmshorn

eine Lehre als Kunst- und Handels -

gärtner. Im „Alten Land“ holte er sich

seine Erfahrung im Obstbaumschnitt. Die

Wilhelm Kordes I (1865–1935) Gründer der

Rosenzüchter-Dynastie W. Kordes’ Söhne

beim Aufbinden von Rosen, um 1920

„Wanderjahre“, die für ehrgeizige Gärtner

selbstverständlich waren, führten ihn

über verschiedene Stationen schließlich

nach Steinfurt bei Bad Nauheim zur damals

schon weltberühmten Rosenschule

von Heinrich Schultheis. Der wollte ihn

nicht einstellen, weil er nur Ortsan -

sässige beschäftigte. Wilhelm war schwer

enttäuscht und zog weiter nach Heilbronn,

wo er in der Küblerschen Rosenschule

(später Kölle) den Rosenanbau

und die Rosenveredlung in einer der

ältesten Rosenschulen Europas lernte.

Damals wurde nur auf Hochstämme veredelt.

Die Anzucht niedriger Rosenstöcke

war noch nicht bekannt.

Damit war der Keim für die Rosenzucht

bei Wilhelm gelegt. Als er am 1. Oktober

1887 mit gerade mal 21 Jahren seine

eigene Kunst- und Handelsgärtnerei in

Elmshorn gründete, hatte er schon acht

85


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 86

1850

bis heute

Von 1850 bis ins 21. Jahrhundert

Die befreundeten

Züchterfamilien Kordes

und Tantau, Mathias

Tantau sen. mit Frau

und Wilhelm Kordes II

mit Frau und Martha

Kordes, 1920er-Jahre

Jahre Lehr- und Wanderzeit hinter sich.

Zunächst konzentrierte er sich auf Kranzund

Blumenbinderei, Obstbaumschnitt

und Gemüseanbau. Das waren schwierige

Jahre. Doch Wilhelm I. widmete sich

von Anfang an auch den Rosen. Mitte

der 1890er-Jahre hatte er den Betrieb vollständig

auf Rosenanbau umgestellt (Hoch-

stammveredelung und Schnitt rosen).

Wilhelm muss sich schon früh mit seiner

eigentlichen Leidenschaft, der Rosenzucht,

befasst haben, denn 1917 und

1918 brachte er vier Rosenneuheiten

heraus. In seinem im Original vorliegenden

Katalog von 1918 stellte er den Sport

„Rankende Louise Catherine Breslau“

vor (1917). „Adolf Kärger“, eine gelbe

Tee hybride, „Adolf Koschl“, eine orangegelbe

Teehybride, und „Reinhard

Bä decker“, eine sattgelbe Teehybride,

folgten 1918. Adolf Kärger, Adolf Koschl

und Reinhard Bädecker waren Freunde,

denen er Zeit seines Lebens verbunden

war.

Die zweite Generation

1919 übergab Wilhelm seinen Betrieb

nach 32 Jahren an seine beiden Söhne

Wilhelm II. und Hermann I. Wilhelm II.,

ebenfalls ein passionierter Gärtner, hatte

sich während seiner Wanderjahre entschieden,

sich in England selbstständig

zu machen. Das ging schief, denn im

Laufe des Ersten Weltkrieges wurden

alle Deutschen interniert, weil sie als potenzielle

Spione galten. Nach vier Jahren

Zwangsinternierung auf der Isle of Man

kehrte er 1919 enttäuscht nach Elmshorn

in den väterlichen Betrieb zurück. Doch

man hielt zusammen: Wilhelm II. übernahm

die Rosenzucht und Hermann I die

kaufmännische Seite. Jeder tat das, was

er am besten konnte. Die Brüder sollten

ihre Entscheidung nie bereuen.

Die dritte Generation

Als Sohn Reimer aus dem Krieg zurückkam,

entwickelte er dieselbe Passion.

1950 übernahm er die Zucht. Es folgten

86


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 87

Mathias Tantau sen.

und Wilhelm Kordes II

in den 1930er-Jahren

in den nächsten Jahren wiederum viele

Rosensorten von Weltruf. Die Cousins

Hermann und Werner ordneten sich

ebenfalls in die familiäre Arbeitsteilung

ein. Jeder tat, was er am besten konnte:

Hermann II. war für den gesamten Einsatz

der technischen Einrichtungen und

für den Einkauf zuständig, Reimer für die

Geschäftsführung und Züchtung, Werner

für die Pflanzenanzucht und den alltäg -

lichen Betriebsablauf.

Doch nun muss endlich auch etwas über

die drei Kordes-Frauen dieser Generation

erzählt werden: Marianne, Ilse und

Anneliese. Sie waren für den Betrieb

ebenso wichtig wie ihre Männer. Neben

ihrem eigenen Haushalt versorgten sie

bis zu hundert Gastarbeiter. Die kamen

zunächst aus Italien, Griechenland und

der Türkei. Ab den 1970er-Jahren waren

es Spanier. Manche holten ihre Familien

nach und blieben bis zu 25 Jahre. Sie

kamen aus der Landwirtschaft. Man

musste ihnen, wie dem Autor berichtet

wurde, die Handgriffe nur einmal er -

klären. Marianne Kordes erzählte, dass

es mit der Verköstigung der Spanier zunächst

richtig problematisch war. Sie

vertrugen die deftige Holsteiner Küche

nicht. Es wurde ein Spanier als Koch

„ausgeguckt“. Der kochte dann zwölf

erfolg reiche Jahre, bis das Kochen von

den nachgezogenen spanischen Frauen

über nommen wurde.

Die drei Kordes-Frauen staunten über die

Zutaten, die es in der Holsteiner Küche

damals noch nicht gab: Paprika, Knoblauch,

Trockenfisch, Olivenöl, weißes

Brot. Kartoffeln waren genügend da.

Es wurden eine Kartoffelschälmaschine

angeschafft und eine große Fritteuse zur

Zubereitung von „patatas fritas“. Nun

war die kulinarische Welt der Gast -

arbeiter in Ordnung. Über die positive

Auswirkung auf die Arbeitsleistung ist

nichts bekannt. Über das persönliche

Verhältnis der drei Kordes-Frauen aber

erzählte Ilse Kordes: „Wir Frauen haben

87


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 88

1850

bis heute

Von 1850 bis ins 21. Jahrhundert

uns sehr gut verstanden. Da gab es keine

schlechten Worte und Getuschel hintenrum.

Wir waren Mitarbeiterinnen und

taten eben das, was nötig war. Wir

haben sehr viel gearbeitet. Keine der

Frauen drängte sich in den Vordergrund.

Wir brauchten keine Lorbeeren, wir

hatten ja die Rosen.“

Die vierte Generation

Die vierte Kordes-Generation (Wilhelm III.

und Ute Kordes, Timm-Hermann und

Wiebke Kordes, Margarita und Bernd

Helms) übernahm ab 1988 die Verantwortung.

Es würde den Rahmen dieses

Buches sprengen, alle Züchtungserfolge,

betrieblichen Investitionen, Struktur -

veränderungen und Expansionen aufzuzählen.

Eine Entwicklung muss aber noch

erwähnt werden. Der Pflanzenschutz

unter Einsatz chemischer Mittel war über

einen langen Zeitraum großer öffent -

licher Kritik ausgesetzt. Die Stimmung in

der Bevölkerung änderte sich in den

1980er-Jahren. Man lebte umwelt -

bewusster und wollte „keine Chemie im

Garten“. Der Rosenverkauf stagnierte.

Was war zu tun?

Die vierte Generation wagte einen

großen Schritt: „Ich erinnere mich noch

genau an das erste Jahr ohne Spritzung

auf dem Feld. Werner Kordes stürmte zu

meinem Vater Reimer und erklärte, dass

die Jungen uns nun ruinieren wollen.

Natürlich kommt man auch ins Zweifeln,

wenn man so ein Feld sieht, auf dem

überhaupt nichts mehr wächst, alles

krank und verdorrt. Aber wir waren

davon überzeugt, dass das der richtige

Weg sei, daher sind wir den dann gemeinsam

weitergegangen.“ So Wilhelm III.

im Rückblick.

Es ging nun um die Züchtung widerstandsfähiger

starker Rosenstöcke, die

die Vegetationsperioden ohne Pflanzenschutzmittel

überstehen konnten. Die

Umstellung war nicht einfach. Es hat

auch Rückschläge gegeben. Die Entscheidung

aber hat sich als richtig er -

wiesen, denn die Kunden honorierten

diesen Schritt.

Die fünfte Generation

Kordes’ Söhne gehören heute zu den Betrieben,

die auf den Einsatz von chemischen

Pflanzenschutzmitteln weitgehend

verzichten. Gemeinsam mit Tim-Hermann

Kordes (4. Generation) sind John Kordes

und Wilhelm-Alexander Kordes (beide

gehören bereits zur 5. Generation) als

Firmeninhaber aktiv. 2016 wurden die

Parfuma-Duftrosen vom Deutschen Land -

wirtschaftsministerium mit dem Deutschen

Innovationspreis aus gezeichnet.

Kordes Söhne hatten die ersten Duft -

rosen gezüchtet, die auch gesund genug

waren, um die großen Herausforderungen

der ADR-Prüfung (Allgemeine Deutsche

Rosenneuheiten) zu bestehen. Die

höchste Auszeichnung des deutschen

Gartenbaus, die Georg-Arends-Medaille,

erhielten gleich zwei Kordes-Söhne:

Reimer und Wilhelm III. Seit nunmehr

über 130 Jahren existiert dieses Familienunternehmen

und produziert jährlich

2,5 Millionen Rosenpflanzen. Mut zum

Umbruch, zu Wagnis und Risiko haben

sich ausgezahlt.


88


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 89

Die Kordes-Frauen der

dritten Generation,

Ilse, Anneliese und

Marianne, 2011

89


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 90

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

Rosenfeld im

Pinneberger Baumschulland

Leuchttürme der Rosenzucht

Rosarium Uetersen und

Rosengarten Pinneberg

Das Rosarium Uetersen und der Pinneberger

Rosengarten haben einen gemeinsamen

Ursprung: den Wunsch der

Baumschulwirtschaft, ihre Produkte im

offenen Gelände ganzjährig zu bewerben

und gleichzeitig attraktive Parkanlagen

für die Bevölkerung zu schaffen. Diese

Kombination hat sich bis heute bewährt.

Nach wie vor können im 1934 eingeweihten

Rosarium Uetersen und dem ein

Jahr später folgenden Pinneberger Rosen -

garten Neuzüchtungen und bewährte

Sorten über das ganze Jahr kostenlos

besichtigt werden.

Rosenzucht und Fremdenverkehr

Obwohl es in Mittel- und Süddeutschland

ab 1850 ansehnliche Rosenbaumschulen

gab, setzte sich Holstein in der Folgezeit

als einer der größten Rosenexporteure

Europas durch. Die Firma Wunderlich

entwickelte sich zum Großlieferanten

von Schnittrosen in ganz Europa. Geschützt

durch feuchtes Stroh in Weidenkörben,

kamen die Schnittrosen immer

frisch beim Kunden an. Die Weidenkorbflechterei

war daher ein erfolgreicher

Wirtschaftszweig für die Bandreißer

der Elbmarschen. Sie waren die Zuliefer -

betriebe der erfolgreichen Rosenbaumschulen

des Pinneberger Baumschullandes.

90


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 91

Doch während bis zum Ersten Weltkrieg

überwiegend feudale Herrschaftssitze

und öffentliche Planungsträger beliefert

wurden, kam ab etwa 1920 das breite

Bürgertum hinzu. Nun steigerten zunehmend

auch Schrebergartennutzer, Besitzer

kleiner Gärten und das soziale öffentliche

Grün die Nachfrage. Die Bewerbung

erfolgte zunächst durch Fachzeitschriften,

Kataloge und Mund-zu-Mund-Propaganda.

Doch das alles war noch unbefriedigend,

und so trachtete man nach

zeitgemäßen Werbungsmöglichkeiten.

Die Baumschuler waren klug genug, dies

nicht allein zu tun. Sie fanden Verbündete

im Bereich des Fremdenverkehrs,

der zwischen Pinneberg und Hamburg

schon eine lange Tradition hatte. Seit der

Eröffnung der Bahnstrecke Kiel–Altona

im Jahr 1844 kamen im Sommer jährlich

Tausende Arbeiterfamilien aus Altona

und Hamburg, um in Pinneberg und

Umgebung die Wochenenden in den

Flussbadeanstalten und Naturbädern des

Quellentales, den zahlreichen Tanzund

Speiselokalen und den blühenden

Rosenfeldern zu verbringen.

Dieses Potenzial sollte mitgenutzt werden,

als man sich 1928 zum ersten Mal

zusammensetzte. Die Weltwirtschaftskrise

hatte zu herben Einschnitten geführt.

Der Absatz stagnierte, und ganze

verkaufsreife Quartiere mussten verbrannt

werden. In dieser schwierigen

Situation verbündeten sich die Baumschulen

mit anderen Gewerbezweigen

und der kommunalen Verwaltung. Un -

abhängig von der aktuell schwierigen

Situation sollten dauerhafte Werbeplattformen

und gleichzeitig attraktive Parkanlagen

für die Bevölkerung geschaffen

werden. Die Idee des „Holsteiner Rosenfestes“

und des „Pinneberger Rosen -

gartens“ war geboren. Die Gründung

des „Fremdenverkehrsvereins Pinneberg-

Rellingen und Umgegend“ erfolgte im

selben Jahr.

1929 wurde das „Produkt Rose“ erstmals

mit einem Holsteiner Rosenfest in Natura

beworben. Schnittrosen wurden in der

Packhalle von Rudolf Schmidt präsentiert

und Kutschfahrten durch die blühenden

Rosenfelder organisiert. Aber all das war

nur ein erster Schritt. Das Holsteiner

Rosen fest begann 1929 zunächst bescheiden,

doch bis 1937 steigerte es sich

zum kulturellen Höhepunkt. Im Juli 1935

besuchten 30 000 Besucher aus ganz

Deutschland und Skandinavien den

Rosenkorso und die Schnittrosenschau.

Der Rosenkorso aus fantasievollen

Festwagen war einen Kilometer lang.

Da hinter stand eine gewaltige logistische

Leistung. Die Stadt Pinneberg hatte zu

der Zeit ganze 10000 Einwohner. Auf

jeden Einwohner kamen also drei Be -

sucher. Die Reichsbahn fuhr im halbstündigen

Takt von Hamburg und Kiel nach

Pinneberg. 40 Speiselokale boten ihre

Dienste an. Und abends wurde getanzt.

Besucherandrang zum

Holsteiner Rosenfest

Wagen der Firma

Wunderlich beim

Rosenfest 1934

91


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 92

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

Der Pinneberger Rosengarten:

Erste Planungen

Den Pinneberger Rosengarten gibt es

seit 1935. Seine Geschichte ist so dramatisch

und abwechslungsreich wie die

Jahre seiner Existenz. Die Idee, ihn zu errichten,

geht, wie beschrieben, auf das

Jahr 1929 zurück.

Am 4. September 1931 beschloss der

„Fremdenverkehrsverein Pinneberg-

Rellingen und Umgegend“ die Planung

eines Rosengartens als Mittelpunkt der

künftigen Holsteiner Rosenfeste. Und

wieder lohnt sich das Hineinversetzen

in diese Zeit. Die Weltwirtschaftskrise

war auf dem Höhepunkt, die Zahl der

Arbeitslosen immens, die Weimarer

Republik schwächelte, die Nationalsozialisten

mischten die Gesellschaft auf.

Das hielt die vorgenannten Akteure nicht

davon ab, konkrete Vorstellungen für die

Planung und den Bau eines Rosen -

gartens mit großer Ausstellungshalle für

die Schnittrosen zu entwickeln. Die da -

ma ligen Umstände erleichterten ihr Vor -

haben, auch wenn es aus heutiger Sicht

widersprüchlich klingt.

Das Sportparkprojekt

1925 forderte die Reichsregierung in

Berlin „die Bereitstellung von Spiel- und

Sportstätten, Turnhallen und Schwimmbahnen

für unsere heranwachsende

Jugend“. Der Pinneberger Magistrat griff

diese Forderung auf und kaufte die hierfür

notwendigen Flächen zwischen Mühlenau

und dem Fahlt auf. Es handelte sich

um saure Überschwemmungsböden, die

den Thesdorfer Bauern für einen niedrigen

Preis abgeworben wurden. Im Volksmund

hießen diese Wiesen „Schlangenwiesen“.

Es gab dort aber keine

Schlangen, allenfalls Blindschleichen und

Ringelnattern. Die Bezeichnung kam vom

Verb „sich schlängeln“. Die Mühlenau

mäanderte und je nach Hochwasserstärke

verließ sie ihr Flussbett und

schlängelte sich Richtung Pinnau.

1927 legte der damalige Stadtbaumeister

Hansen den Plan für einen Sportpark vor,

der eine 100 Meter lange Schwimmbahn,

ein Nichtschwimmerbecken, eine Leichtathletikkampfbahn

und ein Fußballfeld

vorsah. Die Neuplanung eines großen

Stadtschwimmbades galt auch als

Kampfansage gegen die bestehenden

kleinen Fluss- und Teichbadeanstalten im

Innenstadtbereich, deren hygienische

Zustände von vielen Nutzern inzwischen

als unzumutbar angesehen wurden.

Doch das Projekt scheiterte in den kommenden

Jahren an der chronischen

Finanzknappheit des Stadtkämmerers.

Das Rosengartenprojekt

Und nun kamen die pfiffigen Akteure des

Fremdenverkehrsvereins auf die Idee,

ihr Rosengartenprojekt auf das Sport -

parkprojekt draufzusetzen. Die Flächen

waren ja da, und noch im selben

Jahr legten der berühmte Pinneberger

Architekt (u. a. Kreisverwaltungs- und

Krankenhausgebäude) Klaus Groth und

der Rosenbaumschuler Gustav Strobel

eine erste Ideenskizze für einen Rosengarten

und eine Ausstellungshalle vor.

Die Fläche lag genau in der Mitte des

geplanten Sportparks und sollte eine

Größe von circa vier Hektar einnehmen.

Der Absatz von Ziergehölzen und Rosenpflanzen

war in den Jahren 1931/1932

dramatisch eingebrochen. Zehntausende

Rosenstöcke mussten nach den erfolg -

losen Versandzeiten verbrannt werden.

92


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 93

Pinneberg ...Teil des Baumschullandes

Pinneberg ist nicht nur eine attraktive Stadt,

sondern auch Teil des Pinneberger Baumschullandes:

Mit dem Pinneberger Baumpark

(es begann alles mit den „Bäumen des Jahres“

zur Internationalen Gartenschau igs Hamburg

2013), dem Drosteipark, der Parkstadt Eggerstadt

(ein Stadtteil zum Wohlfühlen), dem

Gartendenkmal Pinneberger Rosengarten

(eröffnet 1935) oder dem Stadtwald Fahlt und

Klövensteen hat sie vieles zu bieten.

Einwohner: rund 45 000; Fläche: 21,54 km 2

Sehenswert: u. a. Drosteipark, Fahlt, Waldenau

Stadt Pinneberg

www.pinneberg.de

Aus dieser fast ausweglosen Situation

entwickelten diese beiden Herren und

der Fremdenverkehrsverein eine Idee,

die noch heute beim Nachlesen Bewunderung

auslöst.

Ihre Erwartung an die Hochbaumschulen

und Rosenschulen, das Pflanzgut nicht zu

verbrennen, sondern es dem Rosen -

gartenprojekt kostenlos zur Verfügung

zu stellen, ging auf.

Die Nutzbarmachung des Geländes

Aber das vorgesehene Rosengarten -

gelände war noch nicht nutzbar. Es lag

viel zu tief, nur einige Dezimeter über dem

normalen Wasserstand der Mühlenau. Zur

dauerhaften Nutzung musste es um

eineinhalb Meter aufgeschüttet werden.

Und wieder kam der Zufall diesem Projekt

entgegen. 1932 beschloss der Magistrat

der Stadt Pinneberg, einen Bahnhofsvorplatz

zu bauen. Wer bis dahin mit

der Bahn nach Pinneberg fuhr, stand

beim Verlassen des Bahnhofsgebäudes

vor einer drei Meter hohen Böschung,

die den Beginn des Stadtwaldes Fahlt

markierte. Ein unhaltbarer Zustand, der

bei den Besuchern des jährlichen Holsteiner

Rosenfestes keinen guten Eindruck

hinterließ.

Von Mai bis November desselben Jahres

wurden zwischen dreißig- und vierzigtausend

Kubikmeter Füll- und Mutter -

boden auf das Niveau des heutigen Bahnhofsvorplatzes

abgetragen. Der Weg bis

zum geplanten Rosengartengelände war

nicht weit. Auf Schienen und Loren wurden

die Erdmassen transportiert und auf

das künftige Rosengartengelände aufgeschüttet.

Es gab noch keine modernen

Baufahrzeuge wie Bagger und Raupen.

Alles war Handarbeit, das Lösen des

93


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 94

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

Entwurfsplan Carl

Bradfisch von 1934

Bodens mit der Pickhacke, das Beladen

der Loren mit Schaufel und Muskelkraft.

Die Arbeiter haben sich nicht darüber

beklagt. Dreißig Familienväter waren für

sechs Monate in „Lohn und Brot“. Es

waren die sogenannten Wohlfahrts -

erwerbslosen, eine Einrichtung der

Weima rer Republik zur Milderung der

Arbeits losensituation. Die Stadt Pinneberg

nahm zur Finanzierung der Löhne

und der Mietkosten für Loren, Schienen

und der Zugmaschine einen Kredit von

10000 Reichsmark auf. Trotz dieser belegten

Fakten besteht in der Pinneberger

Bevölkerung bis heute die Überzeugung,

der Bau des Pinneberger Rosengartens

sei das Werk des Reichsarbeitsdienstes

der Nationalsozialisten.

Die Planer – Gustav Strobel, Klaus Groth,

Hermann Koenig und Carl Bradfisch

Am 2. Juni 1933 schloss die Stadt Pinneberg

mit dem Fremdenverkehrsverein

einen Pachtvertrag ab, der die zinslose

Nutzung des vier Hektar großen Geländes

für den Bau und den Betrieb eines

Rosengartens regelte. Und nun traten die

Planer auf die Bühne. Gustav Strobel und

Klaus Groth waren ja schon da mit ihrer

ersten Ideenskizze. Aus Hamburg meldete

sich der renommierte Gartenarchitekt

Hermann Koenig mit einem pompösen

Entwurf. Er fand die Zustimmung des

Magistrats, überwarf sich aber wegen

inhaltlicher Meinungsverschiedenheiten

mit dem NSDAP-Bürgermeister Backhaus.

1934 trat dann der „Diplom-Garten-

94


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 95

bauinspektor“ Carl Bradfisch auf den

Plan. Er hatte sein Büro in Hamburg, wo

er auch an der Berufsschule am Bild -

werder Billdeich Gartenbauschüler unterrichtete.

Familiäre Wurzeln gab es in Pinneberg

(heute Baumschule Horst Bradfisch in

Borstel-Hohenraden). Er pflegte fach -

liche Kontakte zum hamburgischen Ober -

baudirektor Schumacher, zum berühmten

Dessauer Bauhaus und zu Leberecht

Migge, den Fachleuten des sozialen

Wohnungsbaues ein Begriff. Die Erwähnung

dieser beruflichen und privaten

Kontakte ist dem Autor auch aus heu -

tiger Sicht bemerkenswert. Wer sich den

Entwurf von Carl Bradfisch für den Rosen -

garten genau anschaut, wird erkennen,

dass es sich dabei nicht um den 1934

üblichen historisierenden Architekturstil

handelte, sondern vielmehr um einen

Entwurf, der den gesellschaftlichen Veränderungen

in der Weimarer Republik

folgte. Die Anlage sollte einerseits ihrem

wirtschaftlichen Zweck dienen (Werbefläche

für das Produkt Rose), andererseits

die Stadtparkidee, das „kommunale

Grün“, repräsentieren.

dass Klaus Groth die „Große Pergola“

und die Bühne entwarf. Dazu die hohen

Stelen für die Kletterrosen, die Bänke

und Lauben für die Rast der Besucher.

Sie waren im feinsten Art-déco-Stil der

1920er-Jahre entworfen. Wer sich den

Originalplan von 1934 anschaut, wird die

Der Pinneberger

Rosengarten 1935

(Ost-West-Achse)

Der Pinneberger

Rosengarten 1935 mit

der Laube von Klaus

Groth

Ein Kabinettstück der norddeutschen

Gartenarchitektur

Die Herren Groth und Bradfisch erwiesen

sich dabei als kongenial: der eine ein

renommierter Hochbauarchitekt, der das

öffentliche Grün im Gegensatz zu Walter

Gropius nicht nur als Garnierung von

Bauwerken verstand, der andere ein

Garten- und Landschaftsarchitekt, der

Freiräume wie sich ergänzende Kunstwerke

sah und die Harmonie von

Gebäude und Freiraum als höchstes Ziel

anstrebte. So war es selbstverständlich,

95


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 96

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

dahinterstehende Konzeption erkennen:

Große Pergola und Bühne als Abschluss

gegen die hohe Baumwand des Fahlts.

Die 80 Stelen, drei Meter hoch, als strukturierendes

Element für die Nord-Südund

die Ost-West-Achse. Und um dem

Gesamtentwurf noch ein Sahnehäubchen

aufzusetzen, plante Bradfisch die

Auswahl der Rosensorten auf der Haupt -

achse nach der Farbenlehre Goethes. Die

Rosenbaumschuler wurden später diesbezüglich

auf eine harte Probe gestellt.

Kurzum, der von den beiden Herren vorgelegte

Entwurf für einen „Rosengarten“

begeisterte alle Akteure. Die Planerläuterung

umfasst mehrere Seiten und kann

als „Kabinettstück der norddeutschen

Gartenarchitektur“ bezeichnet werden.

Der Name Rosengarten existierte bis dato

überhaupt nicht. Der besagte Hermann

Koenig schlug diesen Namen in An -

lehnung an das Nibelungenlied in antichambrierender

Weise seinem Auftraggeber,

dem Pinneberger Magistrat und

seinem NSDAP-Bürgermeister Backhaus,

vor. Zentraler Ort der Anlage sollte eine

Ausstellungshalle für die Schnittrosenschauen

sein. Man dachte auch an eine

Doppelfunktion für kulturelle Zwecke im

Sinne einer Stadthalle. Groth legte einen

Entwurf mit einem streng gegliederten

freitragenden Hallen-Corpus mit den

Maßen 50 mal 18 Meter vor. Den National -

sozialisten gefiel dieser minimalistische Stil

jedoch nicht. Die weltberühmten Bauhausarchitekten,

Wegbereiter der Moderne,

sind bereits in die USA geflohen.

Der Pinneberger Magistrat verlangte

einen zweiten Entwurf im sogenannten

„Heimatstil“. Diese Halle wurde – dank

fehlender Finanzierungsmittel – nie gebaut.

Der Bau des Pinneberger Rosengartens

Nachdem das Gelände um etwa eineinhalb

Meter aufgeschüttet worden war,

konnte mit dem Bau begonnen werden.

Die Stadtverwaltung Pinneberg ließ den

Bauverlauf durch Fotoaufnahmen akribisch

dokumentieren. 1934, nach dem

Einbau der Bewässerungs- und Entwässerungstechnik,

erfolgte der Wegebau.

Die künftigen Pflanzflächen wurden mit

Buchweizen eingesät, um den aufgeschütteten

Boden durch diese Pionier -

vegetation zu verbessern.

In Rellingen gab es eine Institution, die

die Baumschulenbesitzer schon seit einiger

Zeit nutzten. Das angesehene Institut

für Bodenkunde und dessen Leiter

Johannes Görbing boten Bodenanalysen

an, die Aufschluss über die Bodenqua -

litäten gaben. Die Bodenbeschaffenheit

hatte ja unmittelbare Wirkung auf die

Qualität der Baumschulware. Denn es ist

ja nicht so, dass die Pinneberger Geest

einheitlich aus humosem Sand besteht.

Der Fahlt zum Beispiel steht auf einer

großen Kalkmergelschicht, ohne die der

dort üppige Rot buchenbestand nicht

möglich wäre.

Professor Görbing stellte fest, dass das

Rosengartengelände gekalkt werden

musste. Ansonsten war die Fruchtbarkeit

des aufgeschütteten Bodens gut. Bereits

1933 hatte man damit begonnen, um die

eigentliche Rosengartenfläche eine 5 bis

20 Meter breite Randbepflanzung aus

Laub- und Nadelbäumen anzulegen. Carl

Bradfisch stellte sich so einen sanften

Übergang vom streng formalen Rosengarten

zur freien Landschaft vor. Die

Zuwachsraten in der Vegetationsperiode

1934 waren enorm und übertrafen alle

Erwartungen.

96


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 97

Ab dem Frühjahr 1934 entstand der

„Erste Rosengarten“. Es begann nun eine

ideelle und materielle Gemeinschafts -

arbeit ohne Vergleich. Die Rosenbaumschulen

und Hochbaumschulen spendeten,

wie versprochen, das gesamte

Pflanzmaterial und stellten auch die

Fachkräfte zur Aufpflanzung zur Ver -

fügung. Die Tiefbau-, Steinmetz-, Tischler-

und Malerarbeiten wurden von den

Pinneberger Firmen kostenlos erbracht.

Lediglich die Materialkosten trug die

Stadt. Die Mitglieder der „Technischen

Not hilfe“, eine Einrichtung aus der Weimarer

Republik, leisteten viele Stunden

kostenlosen Einsatz. So entstand bis zur

Eröffnung im Juli 1935 eine fulminante

Anlage, die die gewünschte Doppelfunktion

„Stadtpark für alle“ und „Schau-

garten der Rosen“ erfüllte.

Eröffnung und Niedergang

Die Eröffnungsfeierlichkeiten wurden

vom NSDAP-dominierten Magistrat und

seinem Bürgermeister Backhaus parteipolitisch

genutzt und die Gemeinschaftsleistung

als typische nationalsozialis -

tische Errungenschaft hervorgehoben. Die

in den Jahren zuvor geleisteten Ideen,

Konzepte und Projekte wurden dagegen

weitgehend verschwiegen. Ganz Pinneberg

und Rellingen waren auf den Beinen.

Alle Gesangsvereine Pinnebergs

und Rellingens traten auf. Ein Rosenwalzer

wurde komponiert und uraufgeführt.

Der Reichssender Hamburg berichtete

live. Ein Vergleich der bemerkenswerten

Auftritte junger Damen von 1932 und

1937 während der Rosenfeste brachte

den politischen Wandel in optisch beeindruckender

Weise zum Ausdruck: Tanzten

sie 1932 in berückend leichten Sommerkleidern

barfuß Ballettfantasien auf

einer Holzdielentribüne, so standen sie

sechs Jahre später in groteske Fantasiedirndl

gezwängt in Reih und Glied.

Der erste Pinneberger Rosengarten bestand

ganze sieben Jahre. Das beispiel-

Holsteiner Rosenfest

1932 – Tanzvorführung

in Rellingen

97


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 98

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

lose Holsteiner Rosenfest wurde 1937

zum letzten Mal gefeiert. Die Rosenbaumschulen

wollten und konnten die

jährlichen wirtschaftlichen Belastungen

für die Ausrichtung der aufwendigen

Umzüge nicht länger allein tragen. Dazu

muss man wissen, dass die Dekoration

der Festwagen in der Hauptsaison des

Veredelns stattfand.

1942 wurde der gesamte Rosengarten

gerodet und umgepflügt. Die Versorgung

der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln

hatte Vorrang. Bedürftige kinderreiche

Familien bekamen kleine Parzellen zugeteilt,

auf denen sie Gemüse zur Selbstversorgung

anbauen konnten. Nach dem

Frühjahrs- und Sommergemüse waren

Kartoffeln, Karotten, Rüben und andere

lagerfähige Gemüse anzubauen. Es

gab dazu Anbauvorschriften des Reichs -

nährstandes, denn im Kriegsdeutschland

sollte niemand hungern und frieren. Ein

Teil der Bevölkerung veränderte diese

Parole in „niemand soll hungern ohne zu

frieren“. Wer deswegen denunziert

wurde, fand sich im Konzentrationslager

wieder. Auch solche Schicksale gab es in

Pinneberg. Sie wurden durch Zeitzeugen

in späteren Interviews belegt. Und sie

wollten nicht frieren, die Pinneberger.

Alles Brennbare aus dem Rosengarten,

die Große Pergola, die achtzig Schling -

rosenstelen, die vierzig Bänke und die

großen Lauben wurden zu Brennholz gemacht.

Selbst im Nachhinein blutet

einem das Herz bei dieser Vorstellung.

Wenn heute ein rühriger Freundeskreis

diese gartenbaulichen Kleinodien wieder

nachbauen lässt, bezeugt es die Einmaligkeit

dieser Parkanlage.

Der zweite Pinneberger Rosengarten

Vom ersten Rosengarten war nach

dieser Zeit kaum noch etwas übrig geblieben.

In den ersten Nachkriegsjahren

diente er noch dem Gemüseanbau. Die

Drainage war durch das rigorose Um -

pflügen zerstört. Bald lag das Gelände

ganz brach, vernässte und verkrautete.

1949 besann sich die Stadt, denn es gab

einen Anlass. 1950 sollte das 75-jährige

Stadtjubiläum groß gefeiert werden. Was

waren schon 75 Jahre? Andere Städte

feierten Tausendjähriges. Pinneberg war

bis 1885 ein „Flecken“, trotz 600-jährigem

Schauenburger Grafenschloss und

über 200-jähriger Drostei. Die Pinne -

berger hatten diesbezüglich schon immer

Minderwertigkeitskomplexe, besonders

be fördert durch die Vorurteile der Hamburger.

Mittelpunkt der Jubiläumsfeier sollte die

Neueröffnung des Rosengartens sein.

Der Bahrenfelder Gartenarchitekt Gustav

Osbahr wurde mit der Planung beauftragt

und legte einen gefälligen Entwurf

vor, der ohne Umschweife angenommen

wurde. Es sollte nun kein Werbestandort

für das Produkt „Rose“ sein, sondern ein

Stadtpark für die Pinneberger Bevölkerung.

Die edle Ausstattung des Ersten

Rosengartens konnte nicht wiederholt

werden. Osbahr plante im polygonalen

Stil, löste die vorhandene Grundstruktur

etwas auf und verwendete für die

„Möblierung“ der Anlage kostengünstige

Materialien und Formen. Die auf -

strebende Kreisstadt hatte inzwischen

25000 Einwohner, also doppelt so viel

wie vor dem Krieg. Es waren überwiegend

Flüchtlingsfamilien, die 1945 aus

Ostpreußen und Pommern kamen und

geblieben waren.

98


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 99

Als Beispiel für den wirtschaftlichen Aufschwung

schon vier Jahre nach Kriegsende

sollen hier die weltberühmten ILO-

Werke genannt werden. Zwischen 1947

und 1950 stieg die Zahl der produzierten

Motoren von 6300 auf 56700. Die Zahl

der Beschäftigten wuchs auf 600. Der

ILO-Zweitaktmotor, eingebaut in viele

Motorradmarken, spielte auch in der

Baumschulwirtschaft eine große Rolle

(Motorhacken und Kleinlaster).

Vor diesem Hintergrund sollte also ge -

feiert werden. Die Menschen wollten

endlich wieder Freude und Schönes. Es

wurde hart gearbeitet, aber auch wieder

gefeiert, wenn es Anlässe gab. Kriegs -

erinnerungen und Schuld wurden verdrängt.

Der Autor erinnert sich an ex -

zessive Familien- und Betriebsfeiern mit

alkoholbedingten Totalausfällen.

Der zweite Pinneberger Rosengarten

war ein Erfolgsmodell. Zu seiner Ein -

weihung im Juli 1950 wurde der auf -

wendigste und schönste Rosenkorso aller

Zeiten organisiert. Er war 2,5 Kilometer

lang. 100000 Besucher kamen nach

Pinneberg und Rellingen und lösten ein

Verkehrschaos aus. Allein 27 000 Menschen

fuhren mit der Bahn. Die Stadt war

im Freudentaumel. Der Pinneberger Rosengarten

war wieder auferstanden.

Der Pinneberger

Rosengarten heute,

mit rekonstruierter

Möblierung von Klaus

Groth

99


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 100

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

In den Folgejahren sollte er einen großen

Nutzungs- und Bekanntheitsgrad er -

reichen. Es fanden Konzerte und kulturelle

Veranstaltungen über das ganze

Jahr statt. Der Rosengarten war über

Pinneberg hinaus „angesagt“. Legendär

die Konzerte des Bundeswehr Musikcorps

Nummer eins des Fliegerhorstes

Uetersen mit über 2000 Besuchern im

Jahre 1956. Das Militär zeigte sich schon

wieder und begeisterte mit Musik, kaum

elf Jahre nach Kriegsende. Die junge

„Bundeswehr“, eine reine Verteidigungsarmee,

rekrutierte sich ausschließlich

durch ehemalige Soldaten der Wehrmacht

und zeigte sich auf ausdrücklichen

Wunsch der Alliierten. Die Parolen der

Kriegsheimkehrer „nie wieder Krieg, nie

wieder eine Armee“ waren schnell vergessen.

Die Fotos der Militärkonzerte

zeigten begeisterte Pinnebergerinnen

und Pinneberger. „Schöne Klänge, hübsche

Mädel, herrliche Rosen“, titelte das

Pinneberger Tageblatt.

Der dritte Pinneberger Rosengarten

Die Veränderungen, die in den Jahren

von 1960 bis 2010 stattfanden, waren

vom jeweiligen Zeitgeschmack, den Bedürfnissen

und Ansprüchen der Bevölkerung

und den zur Verfügung stehenden

Haushaltsmitteln der Stadt bestimmt.

Außerhalb des klassischen Rosengartengeländes

auf den Flächen der ehemaligen

Rosengartenbaumschule entstanden

eine kleine Tennisanlage, ein Schach -

garten, ein Kräutergarten und der „Rockville-Garten“,

eine Hommage an die

Partnerstadt von Pinneberg. Der Anteil

der Rosen wurde immer weiter dezimiert

und durch Frühjahrs- und Sommerstauden

ersetzt.

Die Rhododendren-Border auf der Ost-

West-Achse nahmen gigantische Ausmaße

an und verschatteten die Rosenbeete.

Hinzu kam der unselige Brauch

der „Exotenspenden“. Pinneberger Bürger,

die ihre Hausgärten aus Altersgründen

aufgeben mussten, meinten, sich durch

Schenkungen ihrer Baumexoten unsterblich

zu machen. So wurde der Rosen -

garten zunehmend zum Arboretum

(Sammlung exotischer Gehölze) der

toten Dendrologen (Gehölzkundler). Die

Solitäre verstellten Sichtachsen und verschatteten

die Rosenbeete. Der Rosengarten

war als solcher nicht mehr wiederzuerkennen.

Die Stadtverwaltung

kürzte Personal und Unterhaltungsmittel

und als Folge geriet der Rosengarten

immer mehr in Vergessenheit. Schließlich

wurde er gar zum Spekulations -

objekt. Die Erweiterung des Krankenhausgeländes

(vor der Privatisierung Kreis -

krankenhaus) war ebenso im Gespräch

wie der Bau von Seniorenheimen.

Da traten im Jahre 2009 beherzte Pinneberger

Bürger auf den Plan und gründeten

den „Freundeskreis Rosengarten

Pinneberg“. Sein Ziel war, den Rosen -

garten wieder attraktiv zu machen und

in das Bewusstsein der Bevölkerung zu

bringen. Der größte bisherige Erfolg war

die Eintragung in die Denkmalliste des

Landes Schleswig-Holstein. Die notwendigen

planerischen und administrativen

Grundlagen wurden vom Freundeskreis

geleistet. Mit der Spekulation war es nun

vorbei. Seit 2010 – zum 75. Jubiläum des

Rosengartens – gibt es den jährlichen

Rosen- und Pflanzenmarkt und zahl -

reiche kulturelle Veranstaltungen, die der

Freundeskreis organisiert. Ein Teil der

verlorengegangenen Bänke, Stelen und

100


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 101

Lauben wurde rekonstruiert und von

versierten Tischlern nachgebaut. Durch

zahlreiche Spenden konnte die Finanzierung

gesichert werden.

Inzwischen sind wieder über 100 verschiedene

Rosensorten zu bewundern.

Neupflanzungen und eine professionelle

Beschilderung der Sorten wurden rea -

lisiert. Dem Ziel, den Rosengarten wieder

zu dem zu machen, was er einmal war,

ist der Freundeskreis schon näher -

gekommen. Es wird noch Jahre dauern,

bis er wieder in der Form des ersten

Rosen gartens erscheinen wird. Am Beispiel

dieses Projektes kann das Werden,

Vergehen und Wieder-Erblühen eines

Kulturdenkmals der Zeitgeschichte abge -

lesen werden.

Der Pinneberger

Rosengarten heute

(Nord-Süd-Achse)

101


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 102

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

Das Rosarium Uetersen

Schon 1909 veranstaltete man in Uetersen

die erste Rosenschau. Im Jahr 1934 wurde das

großzügig gestaltete Rosarium eröffnet. Im

Laufe der Jahre hat sich das Gesicht des Parkes

mehrmals verändert. Heute kann der Besucher

einer Stadt, die sich stolz Rosenstadt nennen

darf, über 30 000 Rosen in mehr als 830 Sorten

auf 5,2 Hektar Fläche bewundern. Gezeigt wird

ein breites Sortiment alter und neuer Park-,

Beet-, Kletter- und Hochstammrosen.

Rosarium-Spektrum: u.a. Duftgarten, Hochzeits -

insel, Rosenlehrgarten, Pavillion, Rosenkunde

Führungen im Rosarium: 04122 714372

Stadt Uetersen www.uetersen.de

Das Rosarium Uetersen:

der erste Rosengarten

Die Geschichte des Rosariums Uetersen

beginnt nicht mit seiner Einweihung

1934, sondern bereits im Jahre 1909. In

diesem Jahr fand die erste Rosenschau

Uetersens statt. In ihr waren unter an -

deren die Rosenschulen des Pinneberger

Baumschullandes, Tantau und Kordes

vertreten, aber auch namhafte Rosenschulen

aus ganz Deutschland. Die Ausstellung

wurde unterstützt durch den

1883 in Hamburg gegründeten „Verein

Deutscher Rosenfreunde“. Der hatte sich

der „Förderung der Rosenkultur, der

Rosenforschung und der Rosenzucht im

Rahmen der Volksbildung“ verschrieben.

Diese Veranstaltung fand nicht zufällig in

Uetersen statt. Die Rosenzüchter und

Rosenanbauer des Pinneberger Baumschullandes,

die allermeisten waren Mitglieder

im Verein, hatten sich stark gemacht

für diese Rosenschau. Auch hier

ging es um wirtschaftliche Interessen

und um die Bewerbung des Produktes

„Rose“. In diesem Punkt waren die

Uetersener weiter als die Pinneberger,

die noch bis 1929 brauchten, um entsprechende

Konzepte zu realisieren.

Die Rosenausstellung von 1909 war

so erfolgreich, dass die Stadt Uetersen

den Rosenzüchtern ein Feld neben dem

heutigen Ludwig-Meyn-Gymnasium zur

Verfügung stellte. 1913 wurde hier der

„Kaiser-Wilhelm-Rosengarten“ anlässlich

des 25. Thronjubiläums des Monarchen

errichtet. Der Kaiser musste 1918 ins Exil,

sein Rosengarten wurde am 10. August

1925 durch das „Laurentius-Unwetter“

(Windhose der Stärke F3) völlig zerstört.

102


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 103

Ansicht des Rosariums 1936 während der

Deutschen Rosenschau, fotografiert von

R. Schweim, Uetersen

Ansicht des Rosariums 2009 anlässlich der

Ausstellung „Das Rosarium in Uetersen

1934–2009“ im Museum Langes Tannen,

fotografiert von Thorsten Berndt, Uetersen

An Dramatik kann es dieser Rosengarten

mit dem Pinneberger also durchaus aufnehmen.

Dieses Unwetter zerstörte übrigens

viele Rosenfelder und Gewächshäuser

der hiesigen Rosenschulen. Die

Betriebe waren nicht versichert. Der Aufschwung

der Hagelversicherungen nach

diesem Ereignis war exorbitant. Die

Fläche des Kaiser-Wilhelm-Rosengartens

wurde danach aufgegeben und später

bebaut.

Das Rosarium entsteht

Uetersen ohne Rosengarten? Das ging

überhaupt nicht. Es dauerte allerdings bis

1932, bis die Idee und das Konzept der

befreundeten Rosenzüchter Wilhelm

Kordes und Mathias Tantau umgesetzt

werden konnte. Die Stadtverwaltung

stellte ein sieben Hektar großes Gelände

um den verschlammten Mühlenteich

mitten im Stadtzentrum zur Verfügung.

Im Rahmen der „Wohlfahrtsarbeit“ wurden

zunächst der Mühlenteich innerhalb

von zwölf Monaten wieder hergerichtet

und das Umland urbar gemacht. Wie zeit -

gleich in Pinneberg fanden viele Fami -

lienväter Arbeit und Lohn für mehrere

Monate nach einem Programm der

Weimarer Republik zur Minderung der

hohen Arbeitslosigkeit.

Mit von der Partie waren nicht nur die

benannten Rosenzüchter, sondern der

Verein Deutscher Rosenfreunde und die

namhaften Baumschulenbesitzer des

Pinneberger Baumschullandes. Die Stadt

Uetersen wollte von Anfang an zwei

Ziele erreichen: die Bewerbung der

Holsteiner Rosenzucht und des Rosen -

anbaues und gleichzeitig die Errichtung

103


Umbruch_II_Seite_55_bis_104.qxp_Layout 1 09.07.18 12:05 Seite 104

1930er- und

1950er-Jahre

Zwei Parkanlagen für den Kreis

eines attraktiven Stadtparks. Die Planung

übernahm der Gartenarchitekt Berthold

Thormälen. Interessant ist in diesem

Zusammenhang seine Entwurfserläuterung.

Sie kann mit Fug und Recht als ein

Zeugnis frühen biologischen Pflanzenschutzes

bezeichnet werden: „Da nun

die Praxis längst gezeigt hat, dass der

beste Schutz gegen Erkrankungen der

Rose ungehinderte Luftbewegung ist, so

haben wir das Gelände nirgends durch

Hecken und dichte Bepflanzung unterteilt.“

Rechtzeitig zum 700-jährigen Stadtjubiläum

wurde das Rosarium 1934 eingeweiht.

Zwischen den Erbauern des Pinne -

berger Rosengartens und den Uetersener

Akteuren gab es während der ganzen

Zeit einen regelrechten Wettbewerb mit

dem Ziel, als Erste fertig zu werden. Es ist

nicht belegt, aber anzunehmen, dass

dieser Wettbewerb friedlich und fair zuging,

denn es waren ja mit den Rosenschulenbesitzern

dieselben Akteure am

Werk.

In den ersten Jahren leitete Thormählen

das Rosarium und setzte im Laufe der

Jahre sein Gesamtkonzept um. Es wurden

immer wieder die erfolgreichen Neu -

züchtungen gezeigt und Sorten, die sich

nicht bewährten, entfernt. So entstand

im Laufe der Jahre ein qualitativ hochwertiger

Sichtungsgarten. Das alles unter

den Augen der potenziellen Kunden und

ganz im Sinn der Rosenschulen. Das

Rosarium wurde zum Schaufenster der

Rosenzüchtungen aus der ganzen Welt!

800 verschiedene Rosensorten sind gepflanzt

worden. Die Bootsfahrten auf

dem entschlammten Mühlenteich waren

bei Einheimischen und Besuchern gleichermaßen

beliebt. In Pinneberg waren

es die Lauben des Klaus Groth, in Uetersen

die romantischen Bootsfahrten, bei

denen sich die jungen Pärchen näher -

kamen. Zeitzeugen, die in den 1980er-

Jahren von Schülern der Gymnasien in

Halstenbek, Pinneberg und Uetersen im

Rahmen der Projektwochen interviewt

wurden, konnten anrührende Geschichten

erzählen. Überschrift: „Der erste

Kuss“

Das Rosarium im Wandel der Zeit

1942 erfuhr das Rosarium das gleiche

Schicksal, wie der Pinneberger Rosengarten.

Der Reichsnährstand des Dritten

Reiches ordnete den Anbau von Gemüse

und Feldfrüchten zur Grundversorgung

der Bevölkerung an. Große Teile des

Parks wurden umgepflügt und zu Gemüse -

äckern umgewandelt. Nach Ende des

Krieges baute Berthold Thormälen den

zerstörten Park wieder auf. Ihm folgte

der Stadtgärtner Kreft. Aus wirtschaft -

lichen Gründen ging die Parkpflege später

an das städtische Bauamt. Das Rosarium

erfuhr im Laufe der Jahre eine vergleichbare

Entwicklung wie der Pinneberger

Rosengarten. Einsparungen im

Pflege- und Investitionsbereich und beim

Personal führten zu negativen Veränderungen.

Am nachteiligsten wirkten sich

die alten Gehölzpflanzungen aus, die

inzwischen große Verschattungen der

Rosenbeete verursachten.

Aber im Laufe der Jahrzehnte entstanden

in Uetersen und Umgebung immer mehr

Rosenschulen, die sich dem Anbau und

der Vermehrung von Rosen widmeten.

1992 wurde der Stadt Uetersen der Titel

„Rosenstadt“ verliehen und machte sie

damit zum Zentrum der Rosenzucht und

des Rosenanbaus in Norddeutschland.

104


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 105

Der Hochzeits-Pavillon im Rosarium Uetersen

Da musste das Rosarium natürlich mithalten.

Rechtzeitig zum 75-jährigen Bestehen

des Rosariums gab es daher eine

aufwendige Neu- und Umgestaltung. Am

populärsten ist der Hochzeits-Pavillon, in

dem jährlich bis zu 150 Trauungen stattfinden.

Das Lebensversprechen unter

Rosendüften – kitschig, aber schön.

Heute können 30 000 Rosenstöcke in

800 Sorten auf 56000 Quadratmetern

Fläche bestaunt werden.

Und auch in einem weiteren Bereich

waren die Uetersener schneller als die

Pinneberger. Sie gründeten ihren Förderverein

2007, zwei Jahre vor dem Freundeskreis

Rosengarten Pinneberg. Beide

Vereine unterstützen sich gegenseitig

und tauschen ihre Erfahrungen aus. •

105


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 106

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Warum Bäume in

die Schule gehen –

Kreis umwelttage im

Allee baumquartier

igs hamburg 2013

Eine Kulturlandschaft

entdeckt sich selbst

Die Internationale Gartenschau 2013 in

Hamburg als Initialzündung

Wie dem Rosengarten Pinneberg und

dem Rosarium Uetersen erging es vielen

Parks im Kriegs- und Nachkriegsdeutschland:

Zier und Pracht mussten dem Gemüseanbau

weichen, und was brennbar

war, wurde verheizt. Gartenschauen

haben nach dem Zweiten Weltkrieg viel

dazu beigetragen, den Städten ihre Parks

wiederzugeben. Im Jahr 2013 aber lag

der Anspruch besonders hoch. Die internationale

gartenschau (igs) hamburg

sollte zeitgleich mit der Internationalen

Bauausstellung (IBA) den Sprung über

die Elbe schaffen. Das gewählte Motto

„In 80 Gärten um die Welt“ zeugt vom

Willen, etwas Besonderes zu bieten.

Umso bemerkenswerter, dem zu erwartenden

internationalen Publikum nicht

nur die weite Welt, sondern auch die

Region zeigen zu wollen.

Die Metropolregion Hamburg beheimatet

mit dem „Alten Land“ eines der größten

Obstbaugebiete, mit den „Vier- und

Marsch landen“ einen riesigen Gemüse-

106


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 107

und Zierpflanzengarten vor den Toren

Hamburgs (frische Ware auf kurzen

Wegen) sowie eines der größten zusammenhängenden

Baumschulgebiete Euro -

pas. Und so kreierte man den Gedanken

eines eigenen Ausstellungsteils für die

Kulturlandschaften. Beteiligt waren

neben den bereits Genannten die Lüneburger

Heide, die Segeberger Knicklandschaft

und – man merke auf: das Pinneberger

Baumschulland! Denn kurzerhand

hatte das traditionsreiche Baumschulen-

Gebiet im Kreis Pinneberg auch einen

griffigen Namen bekommen. igs und

Vertreter der Kulturlandschaften – für das

Pinneberger Baumschulland der Landesverband

Schleswig-Holstein im Bund

deutschen Baumschulen (BdB) e. V.

(kurz: BdB S-H) – konnten für das Projekt

die Metropolregion Hamburg als Fördermittelgeber

gewinnen.

Nun galt es, für das „Pinneberger Baumschulland

einen würdigen Auftritt zu

gestalten. Und wieder ging es nur gemeinsam:

Die Baumschulen lieferten

Bäume, Sträucher und Rosen. Rosenfreunde

halfen bei der Präsentation des

Rosengartens Pinneberg und des Rosa -

riums Uetersen. Und selbst der „Grünen

Branche“ vermeintlich eher fernstehende

Berufsgruppen wie Computerspezialisten,

Fotografen und Künstler fanden

sich zur Unterstützung bereit. Kurzum:

Der Auftritt wurde nicht nur ein Erfolg,

sondern zur Initialzündung für das Pinneberger

Baumschulland. Doch wie war es

eigentlich in dieser Zeit um den Berufsstand

in der Region bestellt?

Fortsetzung Seite 110

Kulturlandschaft

erleben: Radtour mit

den Naturfreunden

Pinneberg und

Besichtigung der

Baumschule Reinke

107


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 108

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Kompetenzregion für Baumschulwirtschaft

In Schleswig-Holstein stellen die Baumschulen

einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Zwischen

Hamburg und der dänischen Grenze gibt

es rund 300 Baumschulbetriebe, die zusammen

etwa 4200 Hektar bewirtschaften. 80 Prozent der

Betriebe bzw. 90 Prozent der Produktionsfläche

befinden sich im Kreis Pinneberg – einem der größten

geschlossenen Baumschulgebiete der Welt mit

über 250-jähriger Tradition.

Die schleswig-holsteinische Baumschulwirtschaft

erwirtschaftet rund 20 Prozent aller in Deutsch -

land im Baumschulsegment getätigten Umsätze

(1,2 Mrd. Euro) und beschäftigt rund 3500 Erwerbs -

tätige. Zu den Hauptabnehmern gehören die Länder

Mittel-, Nord- und Osteuropas sowie Russland.

Die Baumschulwirtschaft Schleswig-Holsteins steht

damit für die grüne Kompetenz Europas.

Alle Produktionsschwerpunkte „Vom Alleebaum bis

zum Ziergehölz“ sind durch spezialisierte Baumschulen

vorzufinden: Alleebäume, Bodendecker,

Containerpflanzen, Forstpflanzen, Immergrüne,

Jungpflanzen, Koniferen, Landschaftsgehölze, Laub -

gehölze, Obstgehölze, Raritäten, Rhododendren,

Rosen, Schlingpflanzen, Stauden, Sträucher, Unterlagen,

Wildgehölze und Ziergehölze. Bezogen auf

die gesamtdeutsche Gehölzproduktion, liegen beispielsweise

über 50 Prozent der Anbauflächen von

Rosen (Unterlagen und Veredelungen) sowie über

30 Prozent der Anzuchtflächen für Forstgehölze

im Kreis Pinneberg. Deshalb hat das Pinneberger

Baumschulland auch den Beinamen „Wiege des

Waldes“ erhalten.

Das Kultivieren von Bäumen und Sträuchern

benötigt sehr viel Zeit, Erfahrung und fachliches

Können. Deshalb sind die meisten Baumschul -

betriebe noch heute familiengeführt und können

zum Teil auf eine generationenübergreifende,

lange Tradition verweisen. Heute besteht die

schleswig-holstei nische Baumschullandschaft im

Wesentlichen aus drei Unternehmenstypen:

den Versand- und Exportbaumschulen, als fachkunden-

und exportorientierte Großvertriebsform,

108


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 109

den Produktionsbaumschulen, als Züchter und

„Trendgeber“ neuer Gehölze sowie Zulieferer der

Handelsbaumschulen,

den Endverkaufsbaumschulen als Handelsform

für den privaten Endverbraucher.

Das Berufsbild des Baumschulers basiert auf einer

Ausbildung zum/-r „Gärtner/-in der Fachrichtung

Baumschule“ – das sind in Schleswig-Holstein derzeit

rund 100 Auszubildende. In den Baumschulen

kommt aber auch das Know-how von Meistern und

Technikern des Gartenbaues sowie Gartenbau-

Ingenieuren zum Einsatz.

Gründungsjahr: 1907; Vorsitzender: Axel Huckfeldt

Geschäftsführer: Dr. Frank Schoppa; Status: Berufs -

verband, rund 200 Mitglieder (Baumschulbetriebe)

in Kürze: eines der weltweit größten Baumschulgebiete;

300 Baumschulen mit 3500 Arbeits -

plätzen inkl. 100 Auszubildenden;

Gehölzproduktion von jährlich bis zu einer Milliarde

Pflanzen: Alleebäume, Forstpflanzen, Koniferen,

Obst gehölze, Rosen, Ziergehölze; Absatz als öffent -

liches Grün (z. B. kommunal, Verkehrswege, freie

Landschaft, Wälder) und privates Grün (Gärten)

Landesverband Schleswig-Holstein im Bund

deutscher Baumschulen (BdB) e. V.

www.bdb-schleswig-holstein.de

109


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 110

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Baumschulwirtschaft zunehmend unter

Druck

Bis zu Beginn der 1990er-Jahre florierte

die Baumschulwirtschaft in Schleswig-

Holstein, und der allgemeine Strukturwandel

in der Agrarwirtschaft war kaum

spürbar. Das Pinneberger Baumschul -

gebiet ist in Fachkreisen weltbekannt,

und man gab in Unternehmerkreisen die

Heranwachsenden zur Ausbildung gerne

nach Holstein. So wurden über die Jahrzehnte

Zehntausende Baumschulgärtner

und Baumschulmeister ausgebildet.

Bereits um den Jahrtausendwechsel aber

nahm der wirtschaftliche Druck zu. Überkapazitäten

in Europa, steigende Kosten

und sinkende Preise, der Rückgang der

Nachfrage der öffentlichen Hände (vor

allem Kommunen), die Destabilisierung

der osteuropäischen Märkte (Importverbot

Russland und Abwertung des Rubels)

führten zu einem kontinuierlich steigenden

Druck auf die Baumschulbetriebe.

Mit „Rudolf Schmidt Baumschulen“ und

„BKN Strobel“ mussten zwei Aushängeschilder

der regionalen Baumschulwirtschaft

aufgeben. Im Rahmen des demografischen

Wandels nahm zudem die

Anzahl der Auszubildenden ab und ein

Mangel an Fachkräften wurde zunehmend

spürbar.

Die Anzahl der Baumschulbetriebe verringerte

sich seit 2000 deutlich, und auch

die Baumschulfläche stieg nicht weiter

an. Die durchschnitt liche Größe einer

Baumschule verdoppelte sich jedoch in

diesem Zeitraum (2000: ca. 7 Hektar,

2018: 14 Hektar). Diese Veränderungen

lösten wiederum verschiedene Entwicklungen

in der Orga nisation des Berufsstandes

aus.

BdB Schleswig-Holstein –

der Berufsstand im Aufbruch

Die abnehmende Zahl der Baumschulen

führte 2005 zur Kooperation mit dem

Gartenbauverband Nord e. V. mit Sitz in

Hamburg, der für weitere Fachsparten

des Gartenbaues auch in Schleswig-

Holstein zuständig ist. Ziel dieser Maßnahme

war die Steigerung der verbandlichen

Durchschlagskraft. Diese wurde

bereits 2006 mit der Einweihung des

neuen Gartenbauzentrums der Landwirtschaftskammer

Schleswig-Holstein in

Ellerhoop-Thiensen belohnt. Vormals in

Kiel beheimatet, bündelt das Land

Schleswig-Holstein seitdem alle gartenbaulichen

Aktivitäten im Pinneberger

Baumschulland.

Hier arbeiten die Offizial-Beratung, Verbände

und Vereine, der Pflanzenschutz,

die Berufsschule und Meisterschule

unter einem Dach zum Wohle der Baumschulwirtschaft

zusammen. Weitere

Erfolge des Verbandes – geführt durch

die Vorsitzenden Claus-Dieter Stoldt

(2002 bis 2010) und Axel Huckfeldt (seit

2010) sowie Geschäftsführer Dr. Frank

Schoppa (seit 2000) – stellten sich beim

Thema Gartenschauen ein: Zuvor ein

weißer Fleck auf der Gartenschau-Landkarte,

wurden Landesgartenschauen nun

auch in Schleswig-Holstein durchgesetzt

und durchgeführt: 2008 Schleswig, 2011

Norderstedt und 2016 Eutin. Zur Durchführung

wirtschaftlicher Aktivitäten war

bereits 2011 die „Service GRÜN GmbH“

als Fördergesellschaft des BdB Schleswig-Holstein

ins Leben gerufen worden.

Mit diesem Instrument konnte der BdB

Schleswig-Holstein das Förderprojekt

Pinneberger Baumschulland auf der igs

hamburg 2013“ starten.

110


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 111

Kreis Pinneberg – Wiege des Waldes

Nordwestlich an Hamburg angrenzend, liegt

der kleinste und zugleich größte Kreis Schleswig-Holsteins.

Er ist zwar flächenmäßig der

kleinste, mit rund 310 000 Einwohnern jedoch

der einwohnerstärkste Kreis im nördlichsten

Bundesland.

Er bietet seinen Besuchern/-innen eine ganze

Fülle von Besonderheiten, die er anderswo

kaum anträfe. Zum Beispiel gehört die Insel

Helgoland zu unserem Kreisgebiet. Der Kreis

Pinneberg lässt sich schwerlich nach dem

klassischen Fremdenverkehrsmaßstab bewerten.

Er ist viel mehr! Unsere Gäste müssen

gar nicht erst tief ins Kreisinnere vordringen,

damit ihnen die zahl reichen Baumschulen

auffallen. Diese haben die Region weit über

Deutschlands und Europas Grenzen hinaus

bekannt gemacht. Der Kreis Pinneberg gilt als

eines der größten zusammenhängenden Baum -

schulgebiete der Welt. Hin und wieder wird

von dieser Region als der „Wiege des Waldes“

gesprochen. Eine interessante Feststellung,

denn: Der Kreis Pinneberg gehört in Schleswig-

Holstein zu den Gegenden mit geringem

Waldanteil. Dass er trotz „Waldarmut“ auf die

meisten Bäume verweisen kann, ist ausschließlich

das Verdienst der hiesigen Baumschulen.

Das gesamte Fachwissen „rund um

den Baum“ dokumentiert sich in dem „Schaukasten

für Baumschulpflanzen“ in der Norddeutschen

Gartenschau Arboretum Ellerhoop.

Im Kreiswappen findet sich zudem eine grüne

Tanne mit goldenen Wurzeln – ein Hinweis auf

die traditionelle Baumschulwirtschaft.

Gründungsjahr: 1867, Einwohner: ca. 310000

Städte: Barmstedt, Elmshorn, Pinneberg,

Quickborn, Schenefeld, Tornesch, Uetersen,

Wedel; Amtsfreie Gemeinden: Bönningstedt,

Halstenbek, Hasloh, Helgoland, Rellingen

Ämter: Amt Elmshorn-Land, Amt Geest und

Marsch Südholstein, Amt Hörnerkirchen,

Amt Pinnau, Amt Rantzau

Kreis Pinneberg

www.kreis-pinneberg.de

111


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 112

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Die Gründung des „Fördervereins

Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland

e.V.“

Da eine Gartenschau ihrer Definition

nach eine zeitlich begrenzte Veranstaltung

darstellt, war auch im Fall der igs

hamburg im Oktober 2013 alles vorbei.

Alles? Nein, denn die Idee der Kulturlandschaft

Pinneberger Baumschulland

lebte weiter. Die Akteure des igs-Auftritts

waren überzeugt, dass es weitergehen

musste. Im März 2014 war es soweit.

Der BdB Schleswig-Holstein lud zur

Gründungsversammlung: Vertreter der

Landwirtschaftskammer, zahlreicher Verbände

und Vereine, des Kreises und der

Kommunen, Privatpersonen und natürlich

Baumschul-Inhaber kamen. Nun galt

es, das im Zuge der igs hamburg 2013

entstandene Netzwerk zu verstetigen.

Der Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger

Baumschulland e. V. wurde gegründet,

und die Besetzung des Vorstands

konnte entsprechend prominent

erfolgen. Die Akteure verpflichteten sich,

die Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland

unter Ausgleich zwischen wirtschaftlichen,

ökologischen, sozialen und

kulturellen Interessen zu erhalten, nachhaltig

zu entwickeln und zu fördern.

Diese Absichtserklärung konkretisiert

sich im tatsächlichen Wirken des Vereins,

der als gemeinnützig anerkannt ist

(www.pinneberger-baumschulland.de).

Kulturlandschaft erhalten, entwickeln

und fördern

Mit der Einsicht, dass das Ganze mehr ist

als die Summe seiner Teile, ließe sich der

Satzungszweck des Fördervereins Kulturlandschaft

Pinneberger Baumschulland in

einfache Worte fassen. Das Baumschulgebiet

im Kreis Pinneberg ist nicht einfach

nur eine zufällige Ballung von

Baumschulbetrieben. Seine Stärke liegt

in der Kooperation, und es gab – wie

dieses Buch deutlich machen möchte –

neben den klimatischen, geologischen

und infrastrukturellen Voraussetzungen

immer wieder auch herausragende

Persönlichkeiten, die zur Entstehung des

Pinneberger Baumschullandes beitrugen

und dessen Entwicklung entscheidend

voranbrachten.

Das Besondere an Kulturlandschaften

ist das wechselseitige Verhältnis von

Mensch und Landschaft. Das Pinneberger

Baumschulland hat, wie am Beispiel

Rosenzucht bereits gezeigt, einiges zu

bieten. Immer wieder aber muss bereits

Erreichtes erhalten, gepflegt, weiterentwickelt

und häufig auch erneuert werden,

um es langfristig sichern zu können.

Dazu bedarf es entsprechender Wertschätzung

und Kenntnis. Neben den

Baumschulern selbst, die ihr Wissen oftmals

in den Familienbetrieben über viele

Generationen weitergeben, hat das Land

Schleswig-Holstein mit dem Bau des

Gartenbauzentrums Ellerhoop-Thiensen

die grüne Kompetenz von Kiel ins Pinneberger

Baumschulland verlegt. Alle in

diesem Kontext relevanten Akteure und

Experten haben hier ihren Sitz. Darüber

hinaus sind Spuren „Von Baumschul -

baronen und Pflanzenjägern“, so der

Titel einer Gartenroute der Landwirtschaftskammer

Schleswig-Holstein, vielerorts

im Pinneberger Baumschulland

zu finden.

Das Arboretum Ellerhoop-Thiensen

In Ellerhoop, mitten im Kreis Pinneberg,

liegt zudem ein grünes Kleinod. Unter

112


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 113

Eine Kulturlandschaft entdeckt sich neu!

Das Pinneberger Baumschulland in Schleswig-

Holstein gilt mit derzeit rund 250 Baumschulen

als eines der größten geschlossenen Baum -

schul ge biete Europas und der Welt. Seine Geschichte

und Entwicklung reicht über 250 Jahre

zurück. Jede zweite Freilandrose und jeder

dritte Waldbaum in Deutschland stammen

aus dem Pinneberger Baumschulland. Aber es

bietet noch viel mehr. Besondere grüne Einrichtungen:

das Arboretum Ellerhoop-Thiensen,

das Rosarium Uetersen, der Rosengarten Pinneberg,

Sichtungs gärten von Baumschulen und

das einzige Baumschulmuseum Deutschlands –

viele dieser Einrichtungen finden Sie in unserer

KulturLandschaftsRoute „Pinneberger Baumschulland

oder der Gartenroute „Von Baumschulbaronen

und Pflanzenjägern“ der Land -

wirt schafts kam mer Schleswig-Holstein.

Besondere grüne Kompetenz: Neben den

Baumschulern, die ihr Wissen in den

Familienbetrieben weitergeben, hat das Land

Schleswig-Holstein die grüne Kompetenz im

Gartenbauzentrum Ellerhoop im Herzen des

Pinne berger Baumschullandes konzentriert. Die

Berufs- und Meisterschule sowie alle relevanten

Verbände und Vereine haben hier ihren Sitz.

Der Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger

Baumschulland e.V. möchte die Entwicklung der

Region nachhaltig fördern. Die Mitglieder haben

sich mit dem Ziel zusammengeschlossen, die

über 250-jährige Kulturlandschaft zu erhalten,

zu pflegen und weiterzuentwickeln. Dazu gehören

auch die touristische Erschließung und

das Erlebbarmachen. Mit der Veranstaltungsreihe

Kulturlandschaft erleben!“ bringt er

Akteure und Interessierte zusammen.

Gründungsjahr: 2014

Mitglieder: 46 (Gebietskörperschaften, Ver -

eine, Verbände, wichtige Einrichtungen usw.)

Status: gemeinnützig

Vorsitzender: Dr. Frank Schoppa

Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger

Baumschulland e. V.

www.pinneberger-baumschulland.de

113


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 114

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

der Leitung von Professor Hans-Dieter

Warda, der das Arboretum seit 1985

führt und 1989 den „Förderkreis Arboretum

Baumpark Ellerhoop-Thiensen e. V.“

gründete, erlangte es europaweite Bekanntheit.

Die Bezeichnung „Arboretum“

(lateinisch: arbor für Baum) verwendete

J. C. Loudon 1838 zum ersten Mal für die

in Großbritannien kultivierten und auf

Schauflächen präsentierten Gehölzarten.

Er beschrieb sie in seinem Werk „Arbo-

retum et fruticetum britannicum“. Der

Siegeszug des „Englischen Landschaftsgartens“

führte zur Gründung vieler

weiterer Arboreten. Oft waren sie mit

prominenten Baumschulen verbunden.

Ein typisches Beispiel hierfür ist das 1879

eingerichtete Arboretum der Baumschule

Späth in Berlin.

Erich Frahm, der letzte Besitzer der

berühmten Baumschule Timm & Co.,

wünschte sich ebenso ein Arboretum.

Die Baumschule hatte bereits 1943 den

historischen „Münsterhof“ in Thiensen

gekauft. In den Nachkriegsjahren diente

die dazugehörige landwirtschaftliche

Fläche als Baumschulfläche. 1956 richtete

der leidenschaftliche Sammler

Frahm, unterstützt von Gerd Krüssmann,

„sein“ Arboretum ein. Krüssmann, Jahrgang

1910, war einer der angesehensten

Dendrologen Europas und Gründer der

„International Dendrology Society“.

1982 musste die in Fachkreisen weltweit

bekannte Baumschule Timm & Co. Konkurs

anmelden. Das Baumschulgelände

wurde größtenteils zum Baugebiet

umgewandelt. Bereits 1980 erwarb der

Kreis Pinneberg das Kerngelände von

3,5 Hektar und zusätzlich 10 Hektar Erweiterungsfläche

mit der Absicht, das

Arboretum nicht nur zu erhalten, sondern

es zu einer überregional bedeutenden

Einrichtung weiterzuentwickeln.

Diese Entscheidung sicherte die Fläche

vor anderweitigen Nutzungsformen und

bescherte dem Kreis Pinneberg ein ganzjährig

attraktives Gartenparadies. In -

zwischen ist das Arboretum Ellerhoop-

Thiensen ein Schwergewicht für den

Tourismus und die Naherholung in der

Region und zugleich ein fachliches Aushängeschild

für die Leistungsfähigkeit

der regionalen Baumschulwirtschaft.

Das Deutsche Baumschulmuseum

Bereits 1980 mit Erwerb der Arboretumsfläche

in Ellerhoop-Thiensen war

angedacht, im ehemaligen Münsterhof

ein Museum einzurichten. Denn viele

Zeugnisse der wechselhaften Baumschulgeschichte

wurden im Verborgenen

verstaut oder ganz entsorgt. Dem

musste Einhalt geboten werden. Deshalb

fand im September 1992 im Arboretum

die Veranstaltung „Baumschule gestern“

statt. Es gab Vorführungen mit Pferden

und alten Traktoren. Ziel der Veranstaltung

war die Einrichtung eines entsprechenden

Museums. Prominenz war ausreichend

anwesend: vom amtierenden

Minister und Landrat bis zu den Bürgermeistern

und Landtagsabgeordneten.

Nun war sie in der Welt, die Idee eines

Baumschulmuseums: Am 14. Mai 1994

konnte in der ehemaligen Baumschule

Twisselmann das gewünschte Museum

eröffnet werden. 2001 aber wurde der

Mietvertrag nicht verlängert. Das Museum

zog um nach Pinneberg-Thesdorf

auf das Gelände der Baumschule Otto.

Im selben Jahr erfolgte die Gründung des

Fördervereins Deutsches Baumschul -

museum.

114


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:27 Seite 115

Warum Bäume in die Schule gehen ...

Im einzigen Baumschulmuseum Deutschlands

gibt es vieles zu entdecken. Die Dauerausstellung

zeigt, was Gehölze alles lernen müssen,

und jedes Jahr präsentieren wir von Mai bis

Oktober eine neue Sonderausstellung mit vielen

Veranstaltungen. Es können auch individuelle

Termine vereinbart werden. Führungen sind

nach Voranmeldung möglich. Angebote zur

Umweltbildung für Kitas und Schulen werden

auf Nachfrage altersgerecht abgestimmt.

Öffnungszeiten: dienstags (ganzjährig) 16–18

und sonntags (Mai–Oktober) 14–18 Uhr

Deutsches Baumschulmuseum

www.baumschulmuseum.de

Die Baumschuler-Tochter Hildegard Lunau

aus Halstenbek übernahm die Museumsleitung.

Ihre erste, sehr erfolgreiche Ausstellung

trug den Titel „Ohne uns ging’s

nie. Frauen in Baumschulen.“.

Nach zwölfjähriger Amtszeit kann sie auf

zahlreiche Sonderausstellungen zurückblicken.

Die Sammlung verfügt nunmehr

über annähernd 2000 Exponate und ein

prallgefülltes Archiv. Aus Altersgründen

gab Lunau 2013 die Leitung an Dr. Heike

Meyer-Schoppa weiter. Der konzep -

tionelle Schwerpunkt der Einrichtung

erweiterte sich vom Blick auf die

„Geschichte der Baumschulen“ hin zu allgemeinen

Fragen der „Pflanzen-Kultur“

und „Umwelt-Bildung“. Sonderausstellungen

wie „Auf Rosen gebettet – zur

Kultur einer Pflanze“, „Und so spendet

Segen noch immer die Hand . . . – Obst -

gehölze“ sowie „Grüne Leidenschaften –

Pflanzenjäger“, kombiniert mit einem

themenbezogenen Veranstaltungsprogramm,

locken jedes Jahr zwischen Mai

und Oktober in das einzige Baumschulmuseum

Deutschlands. Kinder und Jugend -

liche werden mit besonderen Angeboten

an das Thema Bäume und Grün herangeführt.

Dabei ist ein breites Netzwerk an Unterstützern

erforderlich, da sich das

Museum immer noch allein aus Mitgliedsbeiträgen

und Spenden finanziert.

Seine Stärke aber liegt im Engagement

des Museumsteams, das mit viel Einsatz

und großer Kreativität jedes Jahr ein

neues Thema beleuchtet, um zu zeigen,

warum „Bäume in die Schule gehen“,

und die Geschichte lebendig zu halten

(www.baumschulmuseum.de).

115


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 116

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Forstbaumschulkultur in Halstenbek

Die Gemeinde Halstenbek liegt im Herzen des

Pinneberger Baumschullandes. Wir befinden

uns hier in der Wiege des Waldes! Die Forstbaumschulkultur

hat in Halstenbek eine besonders

große Tradition, da von hier viele Jungpflanzen

europaweit ver schickt werden. Mit

dem geschützten Landschaftsbestandteil Krupunder

See und dem Landschaftsschutzgebiet

Düpenau besitzt Halstenbek darüber hinaus

wichtige Rückzugsorte für wildlebende Tiere.

Einwohner: rund 18000; Fläche: 12,5 km 2

Sehenswertes: Krupunder See, Düpenau

Gemeinde Halstenbek

www.halstenbek.de

Bahnhofserwachen Halstenbek

Ein besonders gelungenes Beispiel der

Verbindung von Geschichte und moderner

Entwicklung ist das Jugendkunstprojekt

„Bahnhofserwachen“ in Halstenbek.

Von der Bedeutung des Halstenbeker

Bahnhofs für die Entwicklung des Pinneberger

Baumschullandes ist bereits berichtet

worden. Im Baumschulmuseum

findet sich ein Modell-Nachbau von

Rolf Hoyer. Als die Ortsjugendpflegerin

Daniela Spitzar auf der Suche nach

einem Thema für die künstlerische Umgestaltung

der S-Bahn-Station Halstenbek

mit Jugendlichen das Baumschul -

museum besuchte, war das Thema gefunden.

Der wie viele S-Bahn-Stationen

bis dahin weitgehend gesichtslose und

eher bedrückende Raum wurde nun in

Auseinandersetzung mit der eigenen

Geschichte als „Wiege des Waldes“

farbenfroh umgestaltet. Das Konzept

fand bald Unterstützer. Firmen, Privatpersonen

und auch die Deutsche Bahn

Station & Service AG sponserten oder

stellten Material und Arbeitskräfte zur

Verfügung. Begleitet wurde dieser Prozess

durch zahlreiche Workshops und

Feste. 30 bemalte Aluminiumplatten

beziehen sich auf die Geschichte und

Entwicklung Halstenbeks. Chillsteine –

übergroße Samenkörner mit ersten

Keimlingen – laden zum Verweilen ein.

Bunte Scherenschnitte wachsen aus den

Wetterschutzhäuschen und noch vieles

mehr lädt zum Betrachten und Bedenken

ein. 2010 wurde das Projekt mit dem

ersten Preis der Kulturstiftung der Länder

„Kinder zum Olymp“ in der Sparte

„Bildende Kunst“ ausgezeichnet. Die

116


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 117

Bäume für gestern, heute, morgen ...

Baumpflege ist die Summe aller Maßnahmen,

die notwendig sind, um den Baum in seiner

Substanz, in seiner Mächtigkeit, in seiner

Schönheit, in seiner Mysthik und auch in

seiner Sicherheit langfristig und nachhaltig zu

sichern und zu wahren (Horst Ehsen).

Entsprechend dieser Definition von Horst

Ehsen arbeiten wir, die Baumpflege Uwe

Thomsen e. K., seit 1980 auf dem Gebiet der

Baumpflege. Seit diesem Tag beschäftigen wir

uns ausschließlich mit dem Thema Bäume.

Wir untersuchen, begutachten, bewerten und

behandeln Bäume, wir pflanzen und wir fällen

auch Bäume. Wir treten vehement dafür ein,

Bäume alt werden zu lassen und nicht vor -

zeitig zu fällen. Nur alt werdende und alte

Bäume können die vielfältigen Aufgaben und

Wünsche erfüllen, die wir ihnen zusprechen

oder abverlangen. Alte Bäume sind nicht

zwingend krank und müssen nicht gefällt

werden! Und auch kranken Bäumen kann geholfen

werden!

Wir begleiten Bäume, wir pflegen Bäume entsprechend

ihrer Bedürfnisse. Wir betrachten

hierbei den Baum als Individuum, als Einzel -

lebewesen. Somit ist es uns immer bei jeder

baumpflegerischen Sicherungs- und Erhal -

tungs maßnahme außerordentlich wichtig,

den Charakter und das Erscheinungsbild des

Baumes möglichst zu erhalten bzw. nur gering -

fügig zu verändern. Der Baum muss schön

bleiben, an dem Bild des Baumes muss man

sich weiterhin erfreuen können, er darf in der

Baumpflege nicht Mittel zum Zweck werden.

Gründungsjahr: 1980; Mitarbeiter: 44

Unternehmenszweige: Baumpflege, Baum -

gutachten, arbor control ® , Wertermittlungen,

Baumstatische Überprüfungen (u.a. Zug ver -

suche, schalltomografische Untersuchungen),

Pensionsbäume, Art- und Individuenerhaltung

über vegetative Vermehrung (hier auch mole -

kulargenetische Art- und Sortenbestimmung)

Baumpflege Uwe Thomsen e. K.

www.baumpflege-thomsen.de

117


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 118

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Linden-Doppelallee

Gut Seestermühe

Blick vom Gutshaus

zum Teehaus

Pflege, Unterhaltung und Weiterentwicklung

dieses Gesamtkunstwerkes wird

auch weiterhin von Halstenbeker Bürgern

mitgetragen. Gleich in mehrfacher

Hinsicht ist diesem Projekt das Zusammenbringen

von „Jung“ und „Alt“ ge -

lungen.

Ein Baumpark für Pinneberg – das erste

Projekt des Fördervereins Kulturlandschaft

Auf der igs hamburg 2013 waren auch

die „Bäume des Jahres“ Bestandteil des

Ausstellungsgeländes Pinneberger Baum -

schulland. Jährlich wird vom Kuratorium

„Stiftung Baum des Jahres“ ein Baum des

Jahres gewählt. Angeregt durch diesen

Ausstellungsbeitrag der Firma Baumpflege

Thomsen aus Pinneberg, schlug

der Stiftungsgründer Dr. Silvius Wodarz

vor, zum 25-jährigen Jubiläum seiner

Stiftung einen Baumpark mit eben diesen

25 bis dahin erkorenen Bäumen im

Herzen des Baumschullandes entstehen

zu lassen. Dank der beharrlichen Arbeit

eines Arbeitskreises aus Mitgliedern der

Stadtverwaltung Pinneberg, des Regionalparks

Wedeler Au, dem Förderverein

Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland

sowie des Landschaftsarchitekten

Wolfram Munder, konnte der

Baumpark Pinneberg dann tatsächlich im

Juli 2016 eröffnet werden.

Finanziert wurde das Projekt ausschließlich

durch Fördermittel und Spenden. Die

Meisterklasse der Norddeutschen Fach-

118


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 119

schule für Gartenbau in Ellerhoop-Thiensen

pflanzte. Eine Klasse der Theodor-

Heuss-Schule Pinneberg bereitete Informationen

zu den Bäumen zeitgemäß für

kleine Info-Tafeln und QR-Codes auf. Nun

lassen sich die ersten 26 Bäume des Jahres

im Wechsel der Jahreszeiten und in

ihrer Entwicklung zu stattlichen Bäumen

beobachten. Wildblumenwiesen erhöhen

mit ihrem Blütenreichtum nicht nur

das Nahrungsangebot für Bienen und

Schmetterlinge, sondern auch das Wohlbefinden

der Parkbesucher. Der Förderverein

Kulturlandschaft Pinneberger

Baumschulland hat mit diesem ersten

Projekt seit Gründung im wahrsten Sinne

des Wortes gezeigt, was aus vereinten

Kräften wachsen kann.

Kulturgut bewahren – die Linden-Doppelallee

in Seestermühe

Wer die Einzigartigkeit einer Kulturlandschaft

erhalten will, der muss nicht nur

Neues schaffen, sondern vor allem auch

Altes bewahren. Die Linden-Doppelallee

in Seestermühe wurde vom Schleswig-

Holsteinischen Heimatbund 2010 zur

schönsten Allee Schleswig-Holsteins in

privatem Besitz gewählt. Und wer sie

einmal besucht hat, wird diesem Urteil

beipflichten. Doch ihr Erhalt ist bedroht.

Denn als sie um 1700 im Zeitalter des

Barock von Hans Hinrich von Ahlefeldt

angelegt wurde, galt es nicht nur, Macht

und Pracht, sondern auch die Beherrschbarkeit

der Natur zu demonstrieren.

Diese Beherrschbarkeit aber gibt es nur

Linden-Doppelallee

119


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 120

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Tradition und Innovation

Das Familienunternehmen Langeloh Baumschulen

in Torn esch produziert heimische

Gehölze für Garten- und Landschaftsflächen,

Forst gehölze, Veredlungsunterlagen (alles als

Jung pflanzen und verschulte Qualitäten, wurzel -

nackt). In großer Auswahl bietet Langeloh

Containerpflanzen wie etwa Bodendecker, Efeu

oder Sommer- und Winterheide. Zu den Kunden

zählen Handelsbaumschulen, Gartengestalter,

Produk tionsbaumschulen und Gartencenter.

Gründungsjahr: 1902; Angebot: heimische

und Forstgehölze, Containerpflanzen usw.

Langeloh Marken-Baumschulen

baumschule-langeloh@gmx.de

für einen Preis und der heißt: Pflege!

Schon 1752 muss von Ahlefeldt an die

Grafen von Kielmannsegg verkaufen.

Seitdem ist das Gut Seestermühe im

Familienbesitz. Der einstige Barockgarten

mit seiner Doppelallee vom Herrenhaus

bis zum abschließenden Teepavillon

verwirklichte als erster Adelsgarten

Schleswig-Holsteins die Prinzipien des

klassisch französischen Gartens im Stil

Le Nôtres. Er gilt als das besterhaltene

Beispiel dieses Stils in Schleswig-

Holstein und ist doch bedroht. Denn

Pflegearbeiten auf einer Gesamtlänge

von etwa 700 Metern an vier Linden -

reihen sind aufwendig. Hatte früher ein

Gut entsprechendes Personal, die Bäume

regelmäßig zurückzuschneiden, ermöglicht

die moderne Landwirtschaft solchen

Personalbestand nicht mehr. Werden die

Bäume aber zu selten geschnitten,

entstehen große Wunden, die Bäume

werden krank ...

Seit 2016 bemüht sich der Förderverein

Kulturlandschaft in Zusammenarbeit mit

der Eigentümerfamilie, dem Denkmalschutz

und vielen anderen Akteuren um

den Erhalt der Linden-Doppelallee. Wer

sie einmal besucht hat, wird wissen

warum.

Veranstaltungsreihe „Kulturlandschaft

erleben!“

Die aus dem Naturschutz stammende Erkenntnis

„Nur was man kennt, kann man

auch schützen“ lässt sich auf Kulturlandschaften

mit ihren jeweiligen Eigenarten

übertragen. Direkt an Hamburg angrenzend

als Teil der sich dynamisch ent -

wickelnden Metropolregion Hamburg,

120


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 121

Mehr Grün in Hamburg und Schleswig-Holstein

Die qualifizierten Landschaftsgärtner in Hamburg

und Schleswig-Holstein engagieren sich

für die grünen Seiten des Lebens. Mit ihrer

täglichen Arbeit in öffentlichen und privaten

Außenanlagen verbinden sie das Ziel, eine intakte

und lebenswerte Umwelt zu fördern und

sie für kommende Generationen zu erhalten.

Im ländlich strukturierten Schleswig-Holstein

stellt sich die Situation anders dar als in Ballungszentren

wie etwa Hamburg. Doch auch im

„Land zwischen den Meeren“ gibt es Stadtentwicklung,

in der das Grün häufig zu kurz

kommt. Genau hier beginnt das Engagement

der Landschaftsgärtner. Wo immer mehr Grünanlagen

versiegelten Flächen weichen müssen,

schaffen die Landschaftsgärtner Ausgleich, zum

Beispiel indem sie Fassaden und Dächer be -

grünen und grüne Oasen in dicht bebauten

Gebieten schaffen. Es geht darum, Natur und

Mensch in Einklang zu bringen, bleibende grüne

Werte zu schaffen und gleichzeitig ideelle

Werte zum Wohle der Umwelt zu bewahren.

Ein geschütztes Signum ist das Erkennungs -

zeichen der Fachbetriebe des Garten-, Landschafts-

und Sportplatzbaues, die sich in den

Fachverbänden zusammengeschlossen und

ihre Fachkunde gegenüber dem Verband nachgewiesen

haben. Die Inhaber sind im Regelfall

Meister, Techniker oder Diplom-Ingenieure im

Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Es

bietet Ihnen eine Orientierungshilfe für die Auswahl

von fachkundigen, leistungsfähigen und

zuverlässigen Betrieben für die Herstellung und

Pflege von landschaftsgärtnerischen Anlagen.

Gründungsjahr: FGL S.-H. e.V.: 1975, Mit -

glieder: 116; FGL HH e.V.: 1969, Mitglieder: 105

Signum: wird von der Arbeitsgemeinschaft

Qualitätsförderung im Garten-, Landschaftsund

Sportplatzbau e.V., Bad Honnef, verliehen.

Fachverband Garten-, Landschafts- und

Sportplatzbau Schleswig-Holstein e. V. sowie

Fachverband Garten-, Landschafts- und

Sportplatzbau Hamburg e.V.

www.galabau-nord.de

121


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 122

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

stellt dies eine Herausforderung dar.

Mit der Veranstaltungsreihe „Kulturlandschaft

erleben!“ will der Förderverein

das öffentliche Bewusstsein schärfen:

Nicht etwa „graue Maus“ vor den Toren

Hamburgs, sondern gewachsene, authentische

Kulturlandschaft mit lohnenden

Zielen für den Tagestourismus und

die Naherholung in der Metropolregion

Hamburg mit rund fünf Millionen Einwohnern.

Geführte Wanderungen und

Fahrrad touren (in Kooperation mit den

Naturfreunden Pinneberg e. V.), Führungen

(z. B. Barockallee Gut Seestermühe,

Friedhof Rellingen, Rosarium Uetersen,

Himmelmoor bei Quickborn) und Vortragsveranstaltungen

(u. a. Weihnachtsbaumkultur,

Gründächer), die meist kostenfrei

angeboten werden, bieten den

Teilnehmern einen Einblick in die Besonderheit

des Pinneberger Baumschullandes.

Aktuelle Herausforderungen für die

Baumschulwirtschaft

Nicht allein die sich verändernden wirtschaftlichen

Bedingungen stellen Her -

ausforderungen an die Branche. Die

Baumschulwirtschaft ist eingebettet in

die gesamtgesellschaftliche Entwicklung

und betroffen vom globalen Wandel in

Handel, Technik und Umwelt. Die daraus

resultierende Notwendigkeit, immer

wieder Antwort auf neu erwachsene

Probleme finden zu müssen, soll hier

beispielhaft beschrieben werden:

Chemischer Pflanzenschutz und

Bodenmüdigkeit

Die gesellschaftlichen Vorbehalte gegenüber

dem chemischen Pflanzenschutz

sind erheblich gewachsen. Die Anzahl

verfügbarer Wirkstoffe für Sonderkulturen

wie Baumschulen ist seit Jahren rückläufig.

Auch hat die Pflanzenschutzmittelindustrie

aufgrund der Kleinflächigkeit

der Sonderkulturen nur vergleichsweise

geringes Interesse an der Produktentwicklung

und Antragsstellung auf Zulassung.

Dabei hat gerade die Baumschulwirtschaft

mit dem Phänomen der Bodenmüdigkeit

ein besonderes Problem:

Der wiederholte Anbau von Gehölzkulturen

auf derselben Fläche führt unmittelbar

zu Wuchsdepressionen und Unwirtschaftlichkeit.

Flächen stehen im dichtbesiedelten

Kreis Pinneberg kaum mehr

zur Verfügung – nicht zuletzt auch infolge

überzogener Förderung nachwachsender

Rohstoffe (v. a. Maiskulturen für

Biogasanlagen). Dazu kam das Anwendungsverbot

chemischer Mittel, mit

denen die Bodenmüdigkeit effizient

bekämpft werden konnte. Zur Suche

nach Alternativen gelang es dem BdB

Schleswig-Holstein, EU-Fördermittel einzuwerben

und dem Versuchs- und Beratungsring

Baumschulen für Versuche

bereitzustellen. Unter der fachlichen

Leitung von Dr. Heinrich Lösing werden

aktuell mehrere Anlagen zur thermischen

Bodenbehandlung getestet, die

mit der direkten Zufuhr von heißem

Wasserdampf in die Kulturflächen die

Probleme der Bodenmüdigkeit verringern

bzw. beheben sollen.

Globaler Handel und Quarantäne-

Schädlinge

Eine unbeabsichtigte Folge des globalen

Handels mit Gütern ist die Verbringung

von Organismen. So werden in Verpackungsholz

(z. B. bei Natursteinen und

Maschinenteilen) und Gehölzen Bock -

käfer aus dem Asiatischen Raum nach

122


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 123

IT- und Web-Services für das Baumschulland

Seit 1983 betreut die Backauf Computer GmbH

kleine und mittelständische Firmen – ganz

besonders auch Kunden aus der Baumschulbranche

– rund um die Unternehmens-IT und

bietet einen umfangreichen Webservice.

Sehr gut ausgebildete Mitarbeiter und maßgeschneiderte

Lösungen stellen sicher, dass

die Anforderungen perfekt erfüllt werden.

Unser Anspruch lässt sich kurz und knapp zusammenfassen:

IT, die funktioniert.

Leistungsspektrum: IT-Lösungen, Cloud,

Netzwerkmanagement, Webdesign usw.

Backauf Computer GmbH

www.backauf.de

Mitteleuropa eingeführt. Diese bedrohen

– vergleichbar mit dem Borkenkäfer in

Fichtenwäldern – mangels natürlicher

Gegenspieler eine breite Palette der heimischen

Gehölzarten unseres öffent -

lichen und privaten Grüns im Bestand.

Die EU erklärt solche Organismen zu

Quarantäneschädlingen und regelt durch

Verordnung die Einrichtung von groß -

flächigen Quarantänezonen. In diesen

Zonen werden alle befallenen Gehölze

vernichtet, und es besteht ein vollständiges

Verbringungs- und Handelsverbot.

Liegt eine Baumschule in einer solchen

Zone, ist ihre weitere Existenz grundsätzlich

infrage gestellt. Entschädigungs -

optionen durch Seuchenfonds oder Versicherungen

sind derzeit nicht verfügbar.

Vor diesem Hintergrund hat sich der BdB

Schleswig-Holstein entschlossen, die Aus -

bildung zertifizierter Spürhunde in Österreich

zu finanzieren. Mit der Landes -

regierung wurde ein Notfallplan aus -

gearbeitet. Seit 2015 sind drei bis vier

solcher Spezialhunde zur Vorsorge im

Pinneberger Baumschulland im Einsatz.

Klimawandel und Baumversuche

Der globale Klimawandel hat nicht nur

für den Menschen, sondern auch für

Bäume und Gehölze erhebliche Konsequenzen.

Die Erhöhung der Durchschnitts -

temperaturen und die Zunahme von Extremwetterlagen

(u. a. Starkregen, Trockenheit

und Dürre, Hitzeperioden)

führen bei vielen unserer heimischen

Gehölzarten zu vermehrtem Stress. Seit

Jahren beobachten Fachleute mit Sorge

die sinkende Lebenserwartung von

Straßenbäumen in deutschen Städten

123


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 124

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

infolge abiotischer und biotischer Schadfaktoren

des Klimawandels. Gerade aber

im urbanen Bereich kommt einem in -

takten Grün zum Temperaturausgleich

(Beschattung, Transpiration) erhebliche

Bedeutung zu. Die Herausforderung

besteht also in der Bereitstellung von

Baumarten oder Baumsorten, die den

mutmaßlichen Folgen des Klimawandels

in unseren Städten standzuhalten vermögen.

Die durch den BdB Schleswig-

Holstein eingeworbenen EU-Fördermittel

setzt das Gartenbauzentrum Ellerhoop-

Thiensen unter der Regie von Versuchsleiter

Dr. Andreas Wrede ein, um vorausgewählte

Baumarten in den schleswigholsteinischen

Städten Heide, Husum,

Kiel und Lübeck sowie in der Metropole

Hamburg unter Realbedingungen zu

testen. So lassen sich konkrete Probleme

der Stadtplanung lösen und neue Produkte

für neue Märkte bereitstellen.

Die angeführten Beispiele aktueller Her -

ausforderungen belegen die Leistungs -

fähigkeit und Innovationskraft des Pinneberger

Bauschullandes: Durch eine intakte

und zielgerichtete Zusammen arbeit

von Wirtschaft, Politik, Verwaltung und

Experten in der Region gelingt es immer

wieder, Antworten auf aktuelle Probleme

zu finden und Perspektiven zu

deren Überwindung zu entwickeln. So

erweist sich das Pinneberger Baumschulland

noch heute als zukunftsfähig.

Kulturlandschaftsrouten – ein Ausblick

Solange im Kreis Pinneberg ein geschlossenes

Baumschulgebiet besteht, verfügt

die Region über etwas ganz Besonderes:

Gartenbauliche Sonderkulturen mit im

Vergleich zur Landwirtschaft enormer

Vielfalt und Biodiversität (über 100 000

Arten, Sorten und Qualitäten werden

produziert und gehandelt) sowie besonderer

Ästhetik auf kleinen Flächen. Diese

Kulturen produzieren Gehölze verschiedenster

Formen und Verwendungszwecke,

die CO 2 binden, Sauerstoff produzieren,

vor Erosion schützen und die Umwelt

für den Menschen lebenswert

machen!

„GRÜN ist Leben – Baumschulen

schaffen Leben.“

Dieses Buch versucht aufzuzeigen, was

aus der Keimzelle des Voght’schen

Mustergutes und der ersten Baumschule

von Booth über 250 Jahre in der Region

erwachsen ist. Es steht heute in der

Verantwortung der gesellschaftlichen

Entscheidungsträger, über den weiteren

Umgang mit diesem Erbe zu befinden.

Dabei bietet die Kulturlandschaft Pinneberger

Baumschulland ein authentisches,

historisch gewachsenes und noch heute

tatsächlich gelebtes Alleinstellungsmerkmal.

Das Baumschulland mit seinen Gehölzkulturen,

grünen Einrichtungen und

Pflanzenexperten gibt der Region eine

unverwechselbare Eigenart und bietet

Chancen zur Förderung von Tourismus

und Naherholung in der Region. Dieser

Idee hat sich der Förderverein Kulturlandschaft

Pinneberger Baumschulland

e.V. verschrieben. Das Netzwerk der

Akteure hat sich bereits als tragfähig erwiesen

und wächst wie ein Baum eben

auch: stabil und stetig von Jahr zu Jahr.

Manche Jahre sind günstig, in anderen

wiederum gibt es Umstände, die das

Wachstum hemmen. Ganz so wie unsere

Bäume unter den Folgen des Klima -

wandels bereits jetzt schon leiden, wird

sich auch der Förderverein Hemmnissen

124


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 125

Grafik, Web und Print für das Baumschulland

Gibt es Werbeagenturen, die wissen wie In -

haber einer Baumschule ticken? Die sich überhaupt

mit dieser Branche auseinandersetzen

und wissen, worauf es hier ankommt? Ganz

klar: ja! Bei der EHS Media (EHS Druck GmbH)

verstehen wir uns als grüner Partner der

Baumschulen in Schleswig-Holstein.

Unter der Signatur „greenline“ haben wir

einen eigenen Unternehmensbereich etabliert,

der sich ausschließlich mit der Betreuung von

Kunden aus dem Baumschulbereich beschäftigt.

Über die Jahre haben wir viel Erfahrung

gesammelt – die Bild- und Textsprache dieser

Branche ist uns daher sehr vertraut.

Als Full-Service-Agentur waren wir zudem

intensiv an der Entwicklung der „florum“

(Holsteiner Baumschultage) beteiligt: von der

Namensfindung und Logoentwicklung über

Corporate Identity, Marketingstrategien, Ver -

anstaltungskonzept bis hin zu Werbemitteln

und Homepage.

Wir sind eine inhabergeführte Agentur im

Hamburger Westen, deren Schwerpunkte in

den Bereichen Grafik, Web, Print und Werbetechnik

liegen – mit einer persönlichen und

engagierten Betreuung sowie kreativen und

wirkungsvollen Lösungen. Egal ob Print -

pro dukte, Fahr zeug beschriftungen, Schilder,

Messe stände, Internetseiten, Onlineshops,

App-Entwicklungen, Newsletter oder Event -

begleitung: Wir konzeptionieren, gestalten,

programmieren und produzieren – für Sie!

Leistungsspektrum: Gestaltung und Ent wick -

lung von Plakaten, Flyern, Katalogen und

Magazinen, Geschäftsausstattungen, Logo -

entwicklung, Fotoproduktion, Webentwicklung,

Webdesign, Suchmaschinenoptimierung usw.

Gründungsjahr: 1960

Mitarbeiter: 12

E.H.S. Edition Hamburger Satz Druck GmbH

www.ehsmedia.de

125


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 126

2013

bis heute

Das Pinneberger Baumschulland

Der Vorstand des För -

dervereins Kulturlandschaft

Pinneberger

Baumschulland auf

der Mitgliederversammlung

2017 (v.l.):

Martina Schneekloth,

Claudius vonden,

Dr. Frank Schoppa,

Dr. Wolfhardt Prieß,

Marc Trampe, Hellmuth

G. Schwarz, Andreas

Köhler, Wolfram

Munder, Dr. Heike

Meyer-Schoppa, Klaus

Fliegel, Irina Noack

(Vorstandsmitglieder

nicht mit im Bild: Urte

Steinberg und Carsten

Bock)

stellen müssen. Der Blick in die Geschichte

lehrt dabei, dass es stets neuer

Ideen bedarf, um Zukunftsprobleme zu

lösen.

Die Idee, dem Baumschulgebiet des Kreises

Pinneberg einen eigenen Namen zu

geben und mit dem Gedanken der Kulturlandschaft

zu verbinden, hat bereits

Früchte getragen. Das Folgeprojekt der

Metropolregion Hamburg zu den „Lebendigen

Kulturlandschaften“ während der

igs hamburg 2013 sind die „Kulturlandschaftsrouten:

Raus in die Kultur!“. Im

Gegensatz zum zentralen Spielort während

der Gartenschau sollen die „Kulturlandschaftsrouten“

dazu verleiten, sich

selbst auf den Weg durch die Region zu

begeben. Als digitales Projekt lockt es

mit Hörgeschichten zu besonderen Orten

der Kulturlandschaft. Im Pinneberger

Baumschulland wird ein wiedererweckter

Baron Caspar Voght staunen, was

sich aus seinem gutsherrlichen Wirken

ergeben hat. Die Naturfreunde Pinneberg

haben zu den verschiedenen

Stationen gemütliche Rad- und Wander -

touren entwickelt, auf denen sich das

Pinneberger Baumschulland bereisen

lässt. Die „Kulturlandschaftsrouten“ sollen

die Besucher an all die Orte bringen,

die in diesem Buch beschrieben sind. Mit

der „Englischen Baumschule“ Booth

legte Caspar Voght, wie gezeigt, den

Grundstein. Seinem Staunen über all das,

was daraus entstand, schließen sich die

Autoren an.


126


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 127

Exklusive Bezugsquellen in der Region sind: Grüne Kugel (www.gruene-kugel.de), Neumanns

Gartenwelt (www.neumann-gartenwelt.de) und Blumenhof Pein (www.blumenhof-pein.de)

127


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 128

Kapitel 1–9 Glossar / Quellenangaben

Glossar

Art: binäre Nomenklatur: Nachname und

Vorname, Beispiel: Quercus robur, (Stieleiche)

sog. Edel-Auge (ruhende Knospe des Edel -

reises mit umgebender Rinde) ein ge setzt wird

Drainage: in der Landwirtschaft das Ent -

wässern von Flächen durch unterirdisch

verlegte Ton- oder Kunststoffrohre, die das

überschüssige Bodenwasser ableiten

Gattung: auch Familienname einer Pflanzen -

art, z. B. Rosa (Rose), Salix (Weide), Quercus

(Eiche), Fagus (Buche)

Generative Vermehrung: Vermehrung durch

Aussaat von klassifiziertem Saatgut oder auch

geschlechtliche Fortpflanzung nach den

Regeln von G. Mendel

Hybride: Pflanze, die aus einer Kreuzung

zwischen verschiedenen Arten oder Zucht -

linien entstanden ist, besonders in der

Rosenzucht durch gezielte Bestäubung

praktiziert

Knicklandschaft: auch Wallhecke genannt,

bei der Verkoppelung in Schleswig-Holstein

eingeführte Einfriedung und Grenzmarkierung

der Äcker durch niedrige Wälle, die mit

niedrigen einheimischen Gehölzen bepflanzt

wurden

Massenanzucht: Anzucht von Jungpflanzen

durch vegetative oder generative Vermehrung

auf großen Quartieren in hohen Mengen

Pfropfen: meist bei der Veredelung von

Obst bäumen angewendet; die Edelreiser der

gewünschten Sorte werden in die vorbereiteten

Pfropfköpfe der zu veredelnden

Gehölze eingesetzt (Pfropfen hinter die

Rinde), danach wird die Rinde der Pfropfköpfe

mit Wachs und Bast verschlossen

Sämling: aus einem Samen durch Keimung

entstandene Jungpflanze

Sport: plötzliche Knospenmutation (Erbsprung)

in einem Nebenspross, Vermehrung nur

durch Veredelung, nicht durch Samen

möglich

Steckling: vegetative Vermehrung z.B. von

Gehölzen durch Kopf- oder Teilstecklinge;

die Stecklinge sind Triebteile einer Mutter -

pflanze, die in Anzuchterde gesteckt einen

eigenen Wurzelstock bilden

Unterlage: besteht aus dem Wurzelballen

und dem verholzten Teil des Stammes einer

Pflanze, auf den ein Edelreis der gleichen

Gattung oder Art gesetzt wird; besonders in

der Rosenzucht angewandte Technik, da der

Wurzelballen der Hybriden zu schwach wäre;

daher wird die Unterlage auch „Amme“

genannt

Melioration: lt. meliorare – bessern/verbessern,

Bodenverbesserungsmaßnahmen z. B.

durch organische Düngung oder Aufbrechen

des Ortsteins durch Tiefpflüge

Okulieren: Veredelung einer Pflanze, indem

die Rinde des weichen Sprosses T-förmig

eingeschnitten wird und in diesen Schnitt das

Vegetative Vermehrung: in der Baumschulbranche

Vermehrung durch Stecklinge

Verkoppelung: Vorläufer der Flurbereinigung

im 18. Jahrhundert; Anlass war die private

Neuverteilung der Äcker, die bis dahin

gemeinschaftlich genutzt wurden oder dem

Großgrundbesitzer/Landesherrn gehörten

128


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 129

Quellenangaben

Kapitel 1

Ahrens, Gerhard: „Caspar Voght und sein Mustergut Flottbek“, Hans Christians Verlag, Hamburg 1969

Crusius, Dr. Reinhard: „Chronologische Daten zu Caspar Voght, zu seinem Mustergut und zum Jenisch-

Park und seiner Umgebung bis heute“, Veröffentlichung des Vereins „Freunde des Jenischparks e. V.“

als Aufsatz, Hamburg 2008

Crusius, Dr. Reinhard: „Der Jenischpark“, Völker Verlag, Hamburg 2006

Czech, Hans-Jörg, Petermann, Kerstin, Tiedemann-Bischop, Nicole: „Caspar Voght, Weltbürger vor

den Toren Hamburgs“, Michael Imhof Verlag, Hamburg 2014

Meyer, Dr. Margitta Marion: „Historische Gärten in Schleswig-Holstein“, Verlag Boyens & Co., Heide 1996

Rüdiger, Dr. Otto: „Caspar von Voght, ein Hamburgisches Lebensbild“, Herausgeber: Gesellschaft

Hamburgischer Kunstfreunde, Hamburg 1901

Schoell-Glass, Charlotte: „Flottbek in ästhetischer Ansicht“, Christians Verlag, Hamburg 1990

Schoell-Glass, Charlotte: „Caspar Voght, Lebensgeschichte“, Christians Verlag, Hamburg 2001

Schoell-Glass, Charlotte: „Caspar Voghts ornamented farm“, Katalog zur Ausstellung im Ernst

Barlach Haus, Hamburg-Klein Flottbek 1990

Schwarze, Reinhard: „Kloppstock und Voght im Leben des Lucas Andreas Staudinger“,

Teltower Thünen-Schriften, Band 3, Herausgeber: Thünen-Museum-Teltow, Teltow 2002

Kapitel 2

Alpen, Peter, Beitz, Eberhard, Hell, Christian, Sickert, Franz, Sievers, Wilfried, Wiebicke, Henri:

„Chronik der Baumschulen Schleswig-Holstein“, Herausgeber: Landesverband Schleswig-Holstein

im Bund deutscher Baumschulen e.V., Pinneberg 1994

Booth, John Richmond: „James Booth und Söhne gegen Professor Lehmann als Director des

Hamburger botanischen Gartens, in Betreff der Prachtrose – Königin von Dänemark“, von Boysen

Verlag, Hamburg 1833

Booth, John Cornelius: „Die Naturalisierung ausländischer Waldbäume in Deutschland“, Verlag von

Julius Springer, Berlin 1882

Booth, John Cornelius: „Die Nordamerikanischen Holzarten und ihre Gegner“, Verlag von Julius

Springer, Berlin 1896

Brüggemann, Günther: „Die Holsteinische Baumschullandschaft“, Schriften des Geographischen

Instituts der Universitär Kiel, Band XIV, Heft 4, Verlag Ferdinand Hirt in Kiel, Kiel 1953

Butenschön, Sylvia: „Frühe Baumschulen in Deutschland“, Arbeitshefte des Instituts für Stadt- und

Regionalplanung der Technischen Universität Berlin, Heft 76, Berlin 2012; darin: Wimmer, Clemens,

„Die Entstehung von Baumschulen“

Hauptkatalog pro 1865, James Booth & Söhne, Eigenverlag, Flottbek/Holstein

Möring, Gertrud Maria: „Die Hamburgische Familie Booth und ihre Bedeutung“, Dissertationsschrift,

phil. Fakultät der Universität Hamburg, 1949, verteidigt im August 1950

Otto, Eduard: Hamburger Garten- und Blumenzeitung, 22. Jahrgang, 1866, S. 191, Verlag Robert Kittler,

Hamburg 1866

Otto, Eduard: Hamburger Garten- und Blumenzeitung, 14. Jahrgang, 1858, S. 300

Otto, Eduard: Hamburger Garten- und Blumenzeitung, 11. Jahrgang, 1855, S. 373

129


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 130

Kapitel 1–9 Quellenangaben

Otto, Eduard: Hamburger Garten- und Blumenzeitung, 13. Jahrgang, 1857, S. 517

Otto, Eduard: Hamburger Garten- und Blunenzeitung, 12. Jahrgang, 1856, S. 369

Lieferlisten Booth & Söhne in: Steinburger Jahrbuch 1997, Herausgegeben vom Heimatverband für

den Kreis Steinburg, Verlag Traugott Bautz, Itzehoe 1997, S. 263–265

Kapitel 3

Chronik der Baumschulen Schleswig-Holsteins, Herausgeber: Landesverband Schleswig-Holstein

im Bund deutscher Baumschulen e.V., Pinneberg 1994, S. 55, 56

Deutsches Baumschulmuseum, Ausstellung „Versand in den Baumschulen“, 2006

Kreisverwaltung Pinneberg: „Der Kreis Pinneberg – Geschichte, Landschaft, Wirtschaft“,

Herausgeber: Kreisverwaltung Pinneberg, 1962

Rahf, Christiane: „Die Umstrukturierung der Landwirtschaft im Kreis Pinneberg durch die Einführung

der Baumschulen (1800–1918)“, Wissenschaftliche Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades

eines Magister Atrium der Universität Hamburg, Hamburg 2000

Scheffer, Bärbel: „Die gegenwärtige Situation des größten Baumschulgebietes der Welt Kreis

Pinneberg“, Uetersen 1975

Möller, Hans Christian: „Der Bahnhof Halstenbek und die Altona–Kieler Eisenbahn“, Chronik der

Gemeinde Halstenbek, 1954

Spitzer, Daniela (Projektleitung): „Bahnhofserwachen Halstenbek“, Herausgeber: Gemeinde

Halstenbek, 2014

Kapitel 4

Archiv Deutsches Baumschulmuseum, Lohnabrechnungen verschiedener Baumschulbetriebe

1900 bis 1930

Archiv Gabriele Heins, Lohnlisten der Forstbaumschule Heins und Söhne, Halstenbek 1895

Bock, Elfriede, Lunau, Hildegard, Meyer, Gran A.: „Die Baumschulkasernen am Beispiel des

Wohn heims -Am Hollen- in Halstenbek“, Herausgeber: Geschichtswerkstatt Halstenbek, erschienen

im Jahrbuch für den Kreis Pinneberg, 2002

Gadas, Alisa und Nicolaus, Mathilda: „Neue Nachbarn aus dem Osten“, Saisonarbeiterinnen aus den

Halstenbeker Baumschulen 1903–1939, ein Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

2012/2013, Wolfgang-Borchert-Gymnasium Halstenbek, 2013

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Protokolle aus den Jahren 1996 und 1998, Gespräche mit

ehemaligen Baumschularbeiterinnen

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Interview mit Emilie Lorenz, geführt von Mitgliedern der Geschichtswerkstatt

Halstenbek, 1999

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Interview Hildegard Lunau mit Hedwig Kosanke,

Halstenbek 12.08.1999

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Interview Hildegard Lunau mit Irmgard Thauer,

Halstenbek 04.03.1998

Hamburger Echo, Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Ausgaben vom

10.10.1903, 08.12.1903, 16.02.1904, 23.02.1904, 02.03.1904, 18.03.1904, 17.01.1905

Kosanke, Hedwig: Biografie, Geschichtswerkstatt Halstenbek, 1999

Möller, H. C.: Chronik von Halstenbek, Herausgeber: Gemeinde Halstenbek, 1954

130


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 131

Kapitel 5

Archiv der Stadt Elmshorn, Zwangsarbeiter und Ausländer im 2. Weltkrieg, Aktenzeichen: A 1252

Beiträge zur Elmshorner Geschichte, Band 3, 1989, Herausgeber: Stadt Elmshorn

Beiträge zur Elmshorner Geschichte, Frauengeschichtswerksatt Elmshorn, Herausgeber:

Stadt Elmshorn, 1998

Bock, Elfriede, Lunau, Hildegard, Meyer, Gran A.: „Die Baumschulkasernen am Beispiel des

Wohnheims -Am Hollen- in Halstenbek“, Herausgeber: Geschichtswerkstatt Halstenbek,

erschienen im Jahrbuch für den Kreis Pinneberg, 2002

Gadas, Alisa und Nicolaus, Mathilda: „Neue Nachbarn aus dem Osten“, Saisonarbeiterinnen aus den

Halstenbeker Baumschulen 1903–1939, ein Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

2012/2013, Wolfgang-Borchert-Gymnasium Halstenbek, 2013

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Protokolle aus den Jahren 1996 und 1998, Gespräche mit

ehemaligen Baumschularbeiterinnen

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Interview mit Emilie Lorenz, geführt von Mitgliedern der Geschichts -

werkstatt Halstenbek, 1999

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Interview Hildegard Lunau mit Hedwig Kosanke, Halstenbek 12.08.1999

Geschichtswerkstatt Halstenbek, Interview Hildegard Lunau mit Irmgard Thauer, Halstenbek 04.03.1998

Kosanke, Hedwig: Biografie, Geschichtswerkstatt Halstenbek 1999

Koch, Gerhard, Schwarz, Rolf, (Herausgeber): „Verschleppt zur Sklavenarbeit“, -Kriegsgefangene und

Zwangsarbeiter in Schleswig-Holstein-, Alveslohe und Rendsburg, 1988

Möller, H. C.: Chronik von Halstenbek, Herausgeber: Gemeinde Halstenbek, 1954

Verzeichnis der Ausländerlager in Pinneberg in der Zeit von 1933–1945, Gemeindeverwaltung der

Stadt Pinneberg, Amt für Melde-, Sozialversicherungs- und Gesundheitswesen, Pinneberg, den

10.06.1947, Verfügung vom 05.06.1947-Aktenzeichen: L.IV.

Wolfgang-Borchert-Gymnasium Halstenbek: „Bessere Bedingungen für den Neuanfang von Flücht -

lingen“, Wettbewerb des Bundespräsidenten zum Thema -Migration-, Beitrag der Klasse 7a, 2003

Kapitel 6

Allgemeine Deutsche Gärtnerzeitung, Berlin, 22.03.1919, Nr.: 9/10, XXIX. Jahrgang, S. 55–60

Ausbildung im Gartenbau, Zentralverband Gartenbau, Bonn-Bad Godesberg, Nr.: 38

Franz, Günther, (Herausgeber): „Geschichte des deutschen Gartenbaus“, Deutsche Agrargeschichte VI,

Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1984

Jürgensen, Carl: „Geschichte des gartenbaulichen Bildungswesens“, deutsche Agrargeschichte VI,

S. 506–531, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1984

Kirchner, Ludwig: „Über die Ausbildung und Lebenslage der Gärtner“, Gartenflora Nr.: 13, 1869

Lindemuth, Heinrich, „Gedanken zur Hebung des Gärtnerstandes und zur Beförderung des

Gartenbaues durch von Gärtner- und Gartenbauvereine zu gründende Unterrichts-Curse“,

Gartenflora Nr.: 19, 1870

Otto, Eduard, (Herausgeber): „Bericht der Commission zur Beleuchtung der Mängel und Verbesserung

des Gärtner-Lehrling-&Gehilfen-Wesens“, Hamburger Garten- und Blumenzeitung, 11. Jahrgang,

S. 461–464, Verlag von Robert Kittel, Hamburg 1855

Topf, Alfred: „Prospect über Plan und Errichtung einer Gärtnerlehranstalt zu Erfurt, welche zu Ostern

1853 eröffnet werden wird“, Deutsches Magazin für Garten- und Blumenkunde, Nr. 6, 1853,

Herausgeber: Wilhelm Neubert

Wiebicke, Henri: „Ausbildung im Verlauf der Zeit“, in Chronik der Baumschulen Schleswig-Holstein,

Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen e. V., 1994, S. 87–101

131


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 132

Kapitel 1–9 Quellenangaben

Kapitel 7

Brennecke, Hans und Grothey, Frido: „Rose aus dem Holstenland“, Verlag Ernst Grossmann,

Hamburg-Altona 1932

Hansen, Oliver: „Wo Königinnen geboren werden“, Artikel Pinneberger Tageblatt, Redaktionsteil

Kreis Pinneberg vom 09.08.1997, S. 5

Heining, Matthias: „Warum Dornröschen gar nicht Dornröschen heißen darf“, Artikel im Pinneberger

Tageblatt, Redaktionsteil Uetersen, 01.08.1991, S. 11

Klitscher, Jochen: Festvortrag 100 Jahre W. Kordes’ Söhne, Klein Offenseth-Sparrieshoop 1987

Kordes, Ute und Throll, Angelika: „125 Jahre W. Kordes’ Söhne“, Herausgeber: W. Kordes’ Söhne,

Klein Offenseth-Sparrieshoop 2011

Kordes, Wilhelm: „Das Rosenbuch“, Verlag Schaper, 11. Auflage 1977

Kordes, Wilhelm: Katalog „W. Kordes Rosenschulen“, Elmshorn (Holst.) 1918

Maass, Carl-Heinz: „100 Jahre W. Kordes’ Söhne 1887–1987“, Herausgeber: W. Kordes’ Söhne, Klein

Offenseth-Sparrieshoop 1987

Malecki, Joachim und Strobel, Klaus-Jürgen: „Geschichte des Pinneberger Rosengartens“,

Herausgeber „Freundeskreis Rosengarten Pinneberg“, 2010

Mendelsohn, Felix und Heine, Heinrich: „Leise zieht durch mein Gemüt“, Kunstlied, Hamburg 1835,

op. 19a Nr. 5

Mosler, Lothar: „Wer war Ernst Ladewig Meyn?“, Artikel in den Uetersener Nachrichten 35/90, 1990,

S. 19

Mosler, Lothar: „Rosen sind das Markenzeichen“, Artikel im Pinneberger Tageblatt, Redaktionsteil

Uetersen vom 29.09.2000, S. 10

Mosler, Lothar: „Heute: Tantausallee“, Artikel in den Uetersener Nachrichten vom 27.09.1989, S. 8

Mühlbach, Hans-Peter und Tantau, Hanny: „Rosarium Uetersen“, Verlag Boyens, 2009

Onken, Matthias: „Der Rosenvater von Sparrieshoop“, Artikel im Pinneberger Tageblatt, Redaktionsteil

Kreis Pinneberg vom 24.08.2000, S. 6

Paetzoldt, M.: „Pflanzenschutz bei Rosen erfordert Überlegung“, Herausgeber: W. Kordes’ Söhne,

Klein Offenseth-Sparrieshoop in Zusammenarbeit mit dem Amt für Land- und Wasserwirtschaft

Itzehoe, Abtl. Pflanzenschutz, Rellingen 1977

Paulsen, Harald: „Ein Leben für die Rose – aus dem Tagebuch der Christine Wunderlich“,

Pinneberg 1963

Reimann-Philipp, R.: „Vegetative Vermehrbarkeit von Rosen auf eigener Wurzel“, Vortrag anlässlich

des 100. Firmenjubiläums der Firma W. Kordes’ Söhne am 23.03.1997 in Klein Offenseth-Sparrieshoop

Rosenzeitung, August 1919, S. 72, Organ des Vereins Deutscher Rosenfreunde e. V.

Rosenzeitung, Nr. 4, 32. Jahrgang, August 1917, Organ des Vereins Deutscher Rosenfreunde e. V.

Strobel, Klaus-Jürgen: „Rosen im Kreis Pinneberg“, Herausgeber: Service GRÜN Fördergesellschaft

für Baumschulen und Gartenbau in Norddeutschland mbH, Ellerhoop 2014

Strobel, Klaus-Jürgen: „Alles über Rosen“, Verlag Eugen Ulmer, 2006

132


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 133

Kapitel 8

Archiv der Stadt Pinneberg, Rathaus

Archiv Gabriele Schmidt-Heins, Pinneberg

Archiv für Architektur und Ingenieurkunst (AAI), Schleswig

Archiv Deutsches Baumschulmuseum, Pinneberg

Bradfisch, Carl: „Zur Gestaltung des Pinneberger Rosengartens“, Archiv Horst Bradfisch, Borstel-

Hohenraden

Groth, Klaus und Strobel, Gusta: Konzept für einen Rosengarten und eine Ausstellungshalle, Vorlage

an den Fremdenverkehrsverein Pinneberg-Rellingen und Umgegend e. V.

Malecki, Joachim und Strobel, Klaus-Jürgen: „Die Geschichte des Pinneberger Rosengartens“,

Herausgeber: Freundeskreis Rosengarten Pinneberg e.V., Pinneberg 2010

Mühlbach, Hans-Peter und Tantau, Hanny: „Rosarium Uetersen“, Verlag Boyens, Heide/Holst. 2009

Kapitel 9

Asmussen-Stratmann, Karen: „Gutspark Seestermühe“, in: von Buttlar, Adrian und Meyer, Margita

Marion (Herausgeber): Historische Gärten in Schleswig-Holstein, Heide 1998, S. 573 – 579

Becker, Joachim und Puder, Dr. Ingo: „Baumschule gestern. Ein Baumschulmuseum für den Kreis

Pinneberg“, Broschüre Pinneberg 1992

Lunau, Hildegard: „10 Jahre Deutsches Baumschulmuseum“, Sonderdruck aus dem Jahrbuch für den

Kreis Pinneberg, Pinneberg 2005

Spitzar, Daniela: „Bahnhofserwachen Halstenbek“, Kunst im öffentlichen Raum von Schule und

Jugendarbeit für eine Baumschulgemeinde, Broschüre Halstenbek 2010

sowie

www.arboretum-ellerhoop-thiensen.de

www.baumschulmuseum.de

www.bdb-schleswig-holstein.de

www.lksh.de/gartenbau/gartenbauzentrum-schleswig-holstein

www.pinneberger-baumschulland.de

www.regionalpark-wedeler-au.de

133


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 134

Anhang Verzeichnis der PR-Bildbeiträge

Verzeichnis der PR-Bildbeiträge / Bildquellen (Firmen)

Die nachstehenden Firmen, Verwaltungen und Verbände haben mit ihren

Public-Relations-Beiträgen das Zustandekommen dieses Buches in dankens -

werter Weise gefördert.

Backauf Computer GmbH, Elmshorn ............................................................................................123

www.backauf.de / info@backauf.de

(Fotoquelle: Stefan Backauf, Elsmhorn)

Baumpflege Uwe Thomsen e. K., Pinneberg ................................................................................117

www.baumpflege-thomsen.de / baumpflege-thomsen@web.de

Behrens Landmaschinen, Haselau .................................................................................................71

www.behrens-lm.de / info@behrens-lm.de

Cordes Baumschulen KG, Hermann, Holm......................................................................................17

www.cordes-obst.de / info@cordes-obst.de

Deutsches Baumschulmuseum, Pinneberg ...................................................................................115

www.baumschulmuseum.de / info@baumschulmuseum.de

(Fotoquelle: Kurt Münster, Altenmoor)

Die Forstbaumschulen im Norden, Geschäftsstelle der IHG Holstein Ländergruppe Nord

im Verband Deutscher Forstbaumschulen e. V., Pinneberg........................................................26, 27

www.forstbaumschulen.org / igh@fbs-vogt.de

(Fotoquelle: Armin Vogt, Pinneberg)

E.H.S. Edition Hamburger Satz Druck GmbH, Schenefeld ..............................................................125

www.ehsmedia.de / info@ehsmedia.de

Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein e. V.,

sowie Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V., Ellerhop .................. 121

www.galabau-nord.de / info@galabau-nord.de / info@galabau-sh.de

Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e. V., Ellerhoop ....................................113

www.pinneberger-baumschulland.de / kontakt@pinneberger-baumschulland.de

(Fotoquelle: Fotokreis Pinneberg e. V., Pinneberg)

Gemeinde Halstenbek ................................................................................................................116

www.halstenbek.de / info@halstenbek.de

Gemeinde Rellingen .....................................................................................................................71

www.rellingen.de / info@rellingen.de

(Fotoquelle: Clasen & Co Baumschulen GmbH, Rellingen)

Gemeinde Tangstedt ....................................................................................................................81

www.tangstedt-pinneberg.de / info@amt-pinnau.de

(Fotoquelle: Henriette Krohn, Tangstedt)

Grüne Kugel, Bokholt-Hanredder ..................................................................................................22

www.gruene-kugel.de / info@gruene-kugel.de

Hellms Export-Baumschule GmbH & Co. KG, H. von, Pinneberg ......................................................16

www.vonhellms.de / info@vonhellms.de

134


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 135

Hermann Meyer KG, Rellingen .....................................................................................................38

www.meyer-shop.com / mail@meyer-shop.com

Kreis Pinneberg ..........................................................................................................................111

www.kreis-pinneberg.de / info@kreis-pinneberg.de

(Fotoquelle: Michael-Uwe Dreyling, Brande-Hörnerkirchen)

Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e. V.,

Ellerhoop ............................................................................................................................108, 109

www.bdb-schleswig-holstein.de / info@bdb-sh.de

(Fotoquelle: Fotokreis Pinneberg e. V., Pinneberg)

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ellerhoop .................................................................73

www.lksh.de/gartenbau / info@lksh.de

(Fotoquelle: Dirk Bartels, Rellingen)

Langeloh Marken-Baumschulen, Tornesch ..................................................................................120

baumschule-langeloh@gmx.de

(Fotoquelle: Maren Dobert, Tornesch)

Pein Baumschulen GmbH, Henning, Appen ..................................................................................70

www.henningpein.de / baumschule@henningpein.de

Sander GmbH, E., Tornesch ............................................................................................................8

www.e-sander.de / info@e-sander.de

Schmidt Baumschulen & Dienstleistungen, Jens, Lutzhorn .............................................................70

www.schmidt-lutzhorn.de / post@schmidt-lutzhorn.de

(Fotoquelle: Jens Schmidt, Lutzhorn)

Spilkers Jungpflanzen OHG, Barmstedt ..........................................................................................15

www.spilkers-jungpflanzen.de / mail@spilkers-jungpflanzen.de

Stadt Barmstedt ..........................................................................................................................13

www.barmstedt.de / info@stadt-barmstedt.de

(Fotoquelle: Peter Steenbuck, Barmstedt)

Stadt Pinneberg ..........................................................................................................................93

www.pinneberg.de / info@pinneberg.de

(Fotoquelle: Stefan Dupke, Pinneberg)

Stadt Uetersen ..........................................................................................................................102

www.uetersen.de / info@stadt-uetersen.de

Stahl Baumschulen GmbH, Tornesch ............................................................................................14

www.baumschule-stahl.de / info@baumschule-stahl.de

Steffen Baumschulen GmbH, A., Rellingen ...................................................................................38

www.steffen-baumschulen.de / info@steffen-baumschulen.de

Timm & Sohn Baumschulen, Tangstedt .........................................................................................12

www.timm-und-sohn.de / info@timm-und-sohn.de

(Fotoquelle: Christina Timm, Tangstedt)

Zorn Baumschulen GbR, Tangstedt ................................................................................................9

www.zorn-baumschulen.de / zorn@zorn-baumschulen.de

135


Umbruch_III_Seite_105_bis_136.qxp_Layout 1 09.07.18 12:28 Seite 136

Anhang Bildquellen / Einband / Redaktion

Bildquellen für Einband und Redaktion

Einband

Titelbild (im Uhrzeigersinn):

Stiftung Historische Museen Hamburg, Museum

für Hamburgische Geschichte (Inventar-Nr.

E 1893,618b); Fotokreis Pinneberg/Bestand Bund

deutscher Baumschulen (BdB) Landesverband

(LV) Schleswig-Holstein (S-H); Privatbesitz,

Archiv Gabriele und Barbara Schmidt-Heins,

Pinneberg und Halstenbek; Fotokreis Pinneberg/

Bestand BdB LV S-H

Rückseite:

Fotokreis Pinneberg/Bestand BdB LV S-H

Innenteil

S. 3 (im Uhrzeigersinn): Stiftung Historische

Museen Hamburg, Museum für Hamburgische

Geschichte (Inv.-Nr. E 1898,543); Fotokreis

Pinneberg/Bestand BdB LV S-H; Geschichtswerkstatt

Halstenbek; Fotokreis Pinneberg/Bestand

BdB LV S-H

S. 4 o.: Bernd Kaese/Fotostudio Radeloff,

Pinneberg/ Bestand BdB LV S-H

S. 4 u.: Elisabeth Malecki, Pinneberg/Privatbesitz

S. 5: Fotokreis Pinneberg/Bestand BdB LV S-H

S. 6: Stiftung Historische Museen Hamburg,

Altonaer Museum (Inv.-Nr. 1925-505)

S. 7: Stiftung Historische Museen Hamburg,

Altonaer Museum (Inv.-Nr. 2013-5)

S. 11: Privatbesitz, Katrin Schmersahl, Hamburg

S. 18: Stiftung Historische Museen Hamburg,

Museum für Hamburgische Geschichte

(Inv.-Nr. E 1892,155)

S. 19: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für

Kultur und Medien – Amt Staatsarchiv

(Signatur 720-1/151-10/1/31)

S. 21: Stiftung Historische Museen Hamburg,

Museum für Hamburgische Geschichte

(Inv.-Nr. E 2013-4505)

S. 23: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

(Inv.-Nr. EG 2008.1.95)

S. 24: Stiftung Historische Museen Hamburg,

Museum für Hamburgische Geschichte

(Inv.-Nr. E 1893,618b)

S. 29: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für

Kultur und Medien – Amt Staatsarchiv

(Signatur 720-1/151-10/7/135)

S. 30: Stiftung Historische Museen Hamburg,

Museum für Hamburgische Geschichte

(Inv.-Nr. E 1898,543)

S. 33–37: Privatbesitz, Archiv Gabriele und Barbara

Schmidt-Heins, Pinneberg und Halstenbek

S. 39, 42–45: Privatbesitz, Archiv Gabriele und

Barbara Schmidt-Heins, Pinneberg und Halstenbek

S. 46: Geschichtswerkstatt Halstenbek

S. 47–49: Privatbesitz, Archiv Gabriele und Barbara

Schmidt-Heins, Pinneberg und Halstenbek

S. 50: Geschichtswerkstatt Halstenbek

S. 52: Privatbesitz, Jörn Bornholdt, Tornesch

S. 53: Privatbesitz, Archiv Gabriele und Barbara

Schmidt-Heins, Pinneberg und Halstenbek

S. 55: Stadtarchiv Pinneberg, Signatur: Verw-1802

S. 57: Stadtarchiv Elmshorn A 1250 Ausländer -

aufsicht 1

S. 58, 59: Privatbesitz, Elisabeth Malecki, Pinneberg

S. 60: Privatbesitz, Archiv Gabriele und Barbara

Schmidt-Heins, Pinneberg und Halstenbek

S. 61: Bestand Deutsches Baumschulmuseum,

Pinneberg

S. 62, 63: Geschichtswerkstatt Halstenbek

S. 65: Bestand BdB LV S-H

S. 66: Privatbesitz, Familie Thies; Tornesch

S. 68, 69: Bestand BdB LV S-H

S. 72: Gartenbauzentrum der Landwirtschafts -

kammer Schleswig-Holstein in Ellerhoop

S. 75 o.: Privatbesitz, Hans Heinrich Möller, Barmstedt

S. 75 u.: Bestand BdB LV S-H

S. 76: Privatbesitz, Archiv Hans Wilhelm Claussen,

Pinneberg

S. 77: Museum Langes Tannen, Sammlung Brütt,

Fotograf unbekannt, Uetersen

S. 79, 80: Bestand Deutsches Baumschulmuseum,

Pinneberg

S. 82: Tino Lehnert, Sangerhäuser Baumschulen,

Sangerhausen

S. 85, 86: Privatbesitz, Archiv Ute Kordes, Klein

Offenseth-Sparrieshoop

S. 87: Privatbesitz, Archiv Dr. Hanny Tantau,

Uetersen – siehe auch „Rosarium Uetersen“, Hanny

Tantau und Hans-Peter Mühlbach, Verlag Boyens,

Heide/Holstein, 2009

S. 89: Privatbesitz, Archiv Ute Kordes, Klein

Offenseth-Sparrieshoop

S. 90: Fotokreis Pinneberg/Bestand BdB LV S-H

S. 91 o.: Stadtarchiv Pinneberg/Foto Fischer 46/8

S. 91 u.: Stadtarchiv Pinneberg/PT

S. 94: Stadtarchiv Pinneberg, Foto 00177

S. 95 o.: Stadtarchiv Pinneberg, Foto 00231

S. 95 u.: Stadtarchiv Pinneberg, Foto 00233

S. 97: Privatbesitz, Archiv Gabriele und Barbara

Schmidt-Heins, Pinneberg und Halstenbek

S. 99: Privatbesitz, Klaus-Jürgen Strobel, Pinneberg

S. 101: Bestand Deutsches Baumschulmuseum,

Pinneberg

S. 103 l.: Bestand Museum Langes Tannen,

Fotograf: R. Schweim, Uetersen

S. 103 r.: Fotograf: Thorsten Berndt, Uetersen –

Aufnahme entstanden anlässlich der Ausstellung

„Das Rosarium in Uetsersen 1934–2009“ im

Museum Langes Tannen, Uetsersen

S. 105: Fotokreis Pinneberg/Bestand BdB LV S-H

S. 106, 107, 118, 119: Schoppa/Bestand BdB LV S-H

S. 126: Wienert/Bestand BdB LV S-H

S. 127: ConceptCreativ: Die Grüne Agentur,

Hamburg

136

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!