Stahlreport 2018.01

markushuneke

73. Jahrgang | Januar 2018

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

1/2|18

Wirtschaft wächst – Boom braucht (Berufs-)Bildung!


„Wirtschaft wächst –

Boom braucht (Berufs-)Bildung!“

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

das neue Jahr 2018, für das die

Reaktion Ihnen nochmals alles

Gute wünscht, beginnt mit exzellenten

Nachrichten, die auch dieses

Heft prägen – zumindest an zwei

Stellen:

Das vergangene Jahr hat Deutschland ein Wachstum

des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 % gebracht,

für 2018 erwarten die Experten gar eine Steigerung

dieser wichtigen Kenngröße auf rund 2,5 %. Was diese

volkswirtschaftlichen Daten für die stahlnahen Wirtschaftszweige

bedeuten, ist in der umfangreichen Konjunkturberichterstattung

nachzulesen (ab S. 28).

Damit dieser Aufschwung nicht gefährdet wird,

bedarf es immer mehr hervorragend ausgebildeter Fachkräfte.

In Zeiten des Booms aber braucht es eine besondere

Berufsbildung. Sie darf die Lerner nicht lange von

ihren Arbeitsplätzen fernhalten und muss die wirtschaftlichen

Vorteile der Digitalisierung nutzen. Entsprechend

ist auch der BDS unterwegs(ab S. 48).

Zur Weiterbildung zählen natürlich auch die Fachveranstaltungen

des BDS. Den Auftakt in diesem Jahr

macht der Rohrtag am 1. März 2018 in Düsseldorf. Teilnehmer

erhalten dort einen kompakten Überblick über

die aktuellen Entwicklungen dieses Produktsegments.

Im Fokus steht dabei neben Bildungsaspekten auch das

Netzwerken (Vorschau auf S. 46).

Entwicklungen und Trends aus dem Stahlhandel

finden Sie wie immer zu Beginn unseres Hefts. Im Fokus

steht diesmal ein Blick über die Grenze zu einem niederländischen

Nachbarn. Wie die Metallhandels-Gruppe

MCB aufgestellt ist und wie das Management dort auf

die Herausforderungen der Digitalisierung reagiert,

lesen Sie im Beitrag dazu ab S. 6.

Nun wünschen wir Ihnen viel Vergnügen und Informationszuwachs

beim Lesen der ersten Ausgabe des Stahlreport

2018.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ludger Wolfgart

Chefredakteur Stahlreport

INHALT

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

5 Bepro unterstützt Mulvany-Realschule

6 MCB-Gruppe – Umbau gelungen

12 Jebens – Agile Riesen

STAHLVERARBEITER

14 Neuer Benchmark für Großmotoren-Produktion

WERKSTOFFE

16 Potenziale des Stahlhochbaues nutzen

MESSEN UND MÄRKTE

Messen

20 Eisenwarenmesse – Trends in der Hartwaren-Branche,

Valve World – Armaturen im Fokus,

Bautec – Werkstoffe und Wertschöpfung,

Premiere Baufachtage West – Spezialisierung zahlt sich aus

26 wire & Tube – auf Rekordkurs

27 LogiMAT – Intralogistik aus erster Hand

SPEZIAL KONJUNKTUR

28 Groß- und Außenhandel – Fakten und Forderungen

30 Deutsche Industrie – Fulminantes Finale 2017

32 Bauwirtschaft – Korrektur nach oben

33 Stahlbau – Rückblick ohne Ausblick

34 Maschinen- und Anlagenbau – die magische Drei

36 Werkzeugmaschinen-Industrie – im Aufwind

40 Stahlrohr-Industrie – Rückblick und Ausblick

BDS

44 Research: Kein Grund zur Klage

46 Runde Sache – Einladung zum BDS-Rohrtag 2018

48 BDS-Vertriebsschulungen – Aus einem Guss

50 BDS-Fernstudium – Neuer Jahrgang für Stahlhändler

52 Recht: EU-Datenschutz-Grundverordnung –

Aufgaben und Pflichten

VERBÄNDE & POLITIK

54 Dimensionen der Digitalisierung

WISSENSWERTES

58 Digitale Weiterbildung

59 Studie – Digitalisierung im Stahlhandel

LIFESTEEL

60 Große Sauerstoffkrise – Einzeller als Ursache für Eisenerzlager

63 Finanzielle Hilfe durch Nordwest

64 Nachgehakt: Was eigentlich macht Heinz-Alfred Liebig?

68 Impressum

Stahlreport 1/2|18

3


Persönliches

Kurznachrichten

Max Schumacher

ist fortan alleiniger Hauptgeschäftsführer des

Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-

Industrie (BDG). Die neue Position hat der

Rechtsanwalt, bisher Sprecher der Hauptgeschäftsführung,

zum 1. Januar 2018 übernommen.

Die beiden anderen Mitglieder der

Hauptgeschäftsführung, Rechtsanwalt Gerhard

Klügge, bisher

zuständig für Verwaltung,

und Dr.-Ing.

Christian Wilhelm,

bisher zuständig für

den Bereich Technik,

haben den Verband

zum 31. Dezember

Foto: BDGuss

2017 verlassen.

Max Schumacher,

seit langen Jahren in

unterschiedlichen Funktionen in den Gießereiverbänden

tätig, ist auch Generalsekretär

des europäischen Gießereiverbandes CAEF:

„Ich freue mich sehr darauf, in einem neu

aufgestellten Verband an der Zukunft der

Gießerei-Industrie mitarbeiten zu können.

Mit den bewährten Mitarbeitern und neuen

Strukturen wird das dem Verband noch besser

gelingen als bisher schon.“ Der Hauptgeschäftsführer

wird durch vier Bereichsleiter

unterstützt, die fachübergreifend die

Interessenvertretung der Gießerei-Industrie

Rudolf Ketterer

ist Ende Dezember 2017 in den Ruhestand

gegangen. 44 Jahre lang war der

gelernte Eisen- und Eisenwarenhändler

Geschäftsführer der Bucher Stahlhandel

GmbH in Rottweil. Ketterer begann seine

Ausbildung 1964. Er blickt auf insgesamt

54 Berufsjahre zurück. Bei Bucher begann

er 1974 – nachdem das Unternehmen,

das damals noch als Stahlhandel Rottweil

firmierte, seinen ehemaligen Ausbildungsbetrieb

übernommen hatte. „Am 1. Juli

habe ich als Geschäftsführer angefangen“,

erinnert er sich im „Schwarzwälder

Boten“. Seit 2004 ist er als Geschäftsführer

dort tätig. Ketterer hat die Entwicklung

der Bucher Stahlhandel GmbH zu

einem modernen, überregional aktiven

Stahlversorger maßgeblich mit geprägt.

Sichtbare Meilensteine seines unternehmerischen

Erfolgs sind der Bau eines

neuen Lager- und Logistikzentrums im

Jahr 2003 sowie eines weiteren, größeren

Foto: Nico Pudimat

sowie eine umfassende Betreuung der BDG-

Mitgliedsunternehmen sicherstellen: Jörg

Evertz (Bereichsleiter Verwaltung), Thomas

Krüger (Bereichsleiter Mitgliederbetreuung),

Heiko Lickfett (Bereichsleiter Wirtschaft)

und Cesare Troglio (Bereichsleiter Technik).

Gregor Machura

ist neuer Geschäftsführer von bauforumstahl.

Er folgt damit Volker Hüller nach, der

Ende 2017 planmäßig in den Ruhestand

gegangen ist. Machura vervollständigt seit

Januar 2018 somit die Doppelspitze des Verbandes

gemeinsam mit Dr. Bernhard Hauke,

der weiterhin der Führungsriege erhalten

bleibt. „Mit Volker Hüller ging zum Jahresende

2017 das technische Gewissen des

deutschen Stahlbaus in den verdienten

Ruhestand. Wir danken Volker Hüller für seinen

unermüdlichen und engagierten Einsatz

für den Stahlbau“, betonte Reiner Temme,

stellvertretender Vorsitzender von bauforumstahl

und Präsident des Deutschen

Stahlbau-Verband DSTV. Mit Gregor

Machura wurde diese Position aus den eigenen

Reihen heraus besetzt. Machura ist seit

2012 als Referent für Stahlbautechnik bei

bauforumstahl beschäftigt. Er folgt zudem

auf die Position des Geschäftsführers des

Deutschen Stahlbau-Verbandes DSTV.

Lager-, Logistik- und Bearbeitungszentrums

im Jahr 2013. Rudolf Ketterer, der die operativen

Verantwortung Ende Dezember abgegeben

hat, bleibt der Bucher Stahlhandel

GmbH jedoch als Berater erhalten. „Es war

auf jeden Fall eine tolle Herausforderung

den Betrieb mit aufzubauen“, sagt Rudolf

Ketterer rückblickend.

Kay Oppat

ist neues Mitglied des Vorstands der

Knauf Interfer SE. Seit Januar 2018 hat er

dort die neu geschaffene Position des

Chief Business Development Officers

inne. Dr. Kay Oppat verantwortet die

nachhaltige Weiterentwicklung der Knauf-

Interfer-Gruppe und schließt damit an

seine bisherigen Aufgaben im Unternehmen

an. Bereits seit Januar 2017 hat der

promovierte Wirtschaftsingenieur als Leiter

Sonderprojekte und seit Juni als Leiter

Unternehmensentwicklung

diverse

Transformationsprojekte,

M&A-Aktivitäten

und das

unternehmensweite

SAP-Projekt begleitet.

Dr. Kay Oppat

verfügt über langjährige

internationale

Managementund

Führungserfahrung im industriellen

Bereich, unter anderem als Vorstand eines

Rohstoffhandelsunternehmens und durch

seine Tätigkeit in einer globalen top-Tier-

Unternehmensberatung.

Thomas Cramer

ist neuer Hauptgeschäftsführer der

STAPPERT Deutschland GmbH. Cramer,

der seit vielen Jahren in der Stahlbranche

tätig ist und dort eine Reihe von leitenden

Positionen bekleidete, hat damit zum 1.

Januar 2018 die Nachfolge von Marc Steffen

übernommen. Der vormalige Hauptgeschäftführer

Marc Steffen wechselte zur

Muttergesellschaft Jacquet Metal Service

SA und bekleidet nun als Mitglied des

Boards die Position des Group Chief Operation

Officers (COO). In dieser Funktion

bleibt er auch weiterhin für die Marke

Stappert sowie die Führung der Stappert-

Gruppe verantwortlich.

Darüber hinaus hat Bernhard Foterek sich

Ende Januar als Geschäftsführer der Stappert

Deutschland GmbH in den Ruhestand

verabschiedet. Foterek war von 1976 bis

1980 und dann wieder ab 2004 für Stappert

tätig. 2014 wurde er Mitglied der

Geschäftsführung. Neuer Gesamtverkaufsleiter

für Deutschland ist seit Januar

nun Roland Flach. Flach hat viele Jahre

das Düsseldorfer Verkaufsbüro geleitet.

Zuletzt war er als Produktmanager und

Verkaufsleiter für Edelstahlrohre und

Rohrzubehör tätig.

4 Stahlreport 1/2|18


Stahlhandel

Bericht

Freuen sich auf die Zusammenarbeit bei der Berufsorientierung (v. l.): Benjamin Kalb und Sören Filipczak von Bepro, IHK-Mitarbeiterin

Sabine Braukmann, Schulleiterin Christiane Melzer sowie Yvonne Abrahams, Lehrerin für Studien- und Berufsorientierung.

IHK-Projekt „Partnerschaft Schule-Betrieb“

Bepro unterstützt Mulvany-Realschule

Die Bepro Blech- und Profilstahl GmbH & Co. KG und die Mulvany-Realschule in Gelsenkirchen

sind offizielle Kooperationspartner im Projekt „Partnerschaft Schule-Betrieb“ der Industrie- und

Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. Vertreter von Unternehmen und Schule unterzeichneten

im Januar eine entsprechende Vereinbarung. Damit ist die Zahl solcher Kooperationen in

Gelsenkirchen auf 26 gestiegen. Für die Realschule ist es die dritte Partnerschaft mit einem

Unternehmen in der IHK-Initiative.

Hauptziel des IHK-Projektes

ist es, Schülerinnen und Schüler

bei der Berufsorientierung sowie

Unternehmen bei der Sicherung des

Fachkräftenachwuchses zu unterstützen.

„Viele Jugendliche haben

nur ungenaue Vorstellungen von

einer betrieblichen Ausbildung und

den guten Karrierechancen, die sie

bietet“, erklärte IHK-Projektmitarbeiterin

Sabine Braukmann. Unternehmen

wie Bepro seien bestens

geeignet, „den Schülern die Vielfalt

und Wirklichkeit der Arbeitswelt

zu zeigen, mit ihren Möglichkeiten,

aber auch mit ihren Anforderungen“,

so Braukmann weiter.

Künftig können die Jugendlichen

der Mulvany-Realschule zum

Beispiel ihr Betriebspraktikum bei

Bepro absolvieren. Darüber hinaus

stellt der international tätige Stahlhandel

Plätze für die obligatori-

schen Berufsfelderkundungen für

Schüler der achten Jahrgänge zur

Verfügung.

Talente finden und fördern

Bepro-Geschäftsführer Sören

Filipczak unterstrich angesichts

sinkender Schulabgängerzahlen die

Notwendigkeit, keine Talente unentdeckt

zu lassen: „Um unser Unternehmen

nachhaltig weiterzuentwickeln,

müssen wir schon heute

offensiv auf die jungen Leute zugehen

und immer wieder begabte und

motivierte Jugendliche in unserer

Region entdecken, ausbilden und

fördern.“ Nur so könne ein Betrieb

wettbewerbsfähig bleiben, so

Filipczak. „Der Schlüssel zum Erfolg

ist das persönliche Kennenlernen:

Die Schüler erkennen ihre Interessen

und wir finden Talente, die es

zu fördern lohnt.“

Schulleiterin Christiane Melzer

betont: „Das IHK-Projekt bietet unseren

Schülern, aber auch den Lehrern

die Chance, Betriebe hautnah

kennenzulernen und sich für Ausbildungsberufe

und Wirtschaft nachhaltig

zu begeistern. Durch die Mitarbeiter

der Bepro wird ein

persönlicher Kontakt aufgebaut, der

Schülern den Weg in das Berufsleben

erleichtert.“

Die IHK Nord Westfalen bietet

allen Schulen und Unternehmen

in ihrem Bezirk Unterstützung bei

der Anbahnung von Kooperationen

an. 2

[ Info ]

Informationen zum IHK-Projekt

„Partnerschaft Schule-Betrieb“

auf www.ihk-nw.de/schule-betrieb

Stahlreport 1/2|18

5


Stahlhandel

Bericht

Im Service-Center in Valkenswaard werden Coils nach Kundenwunsch vorgefertigt.

Umfangreiche Anarbeitungen gehören

ebenfalls zum MCB-Angebot.

MCB treibt Digitalisierung voran

Umbau gelungen

Wer flexibel sein will, muss die Voraussetzungen dazu schaffen. Bestes Beispiel dafür ist die niederländische

Metallhandels-Gruppe MCB, die in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandlungsprozess

vollzogen hat – hin zu einer transparenten Unternehmenskultur einerseits und IT-basierten

Prozessen andererseits. Heute fährt das Unternehmen die ersten Früchte dieser Strategie ein.

Die wichtigsten Investitionen

sind nach außen oft wenig sichtbar.

Das vollautomatische Hochreallager,

das MCB vor einem Jahr am Hauptsitz

Valkenswaard in Betrieb genommen

hat, ist zwar eine gut sichtbare

– und wichtige – Investition. Entscheidender

war aber vielleicht eine

Investition, welche die niederländische

Stahl- und Metallhandels-Gruppe

bereits einige Jahre zuvor getätigt

hatte – und die nicht direkt ins Auge

fiel: die Implementierung einer neuen,

einheitlichen IT-Struktur.

SAP – das neue Herz

der MCB-Prozesse

Die neue IT, ein gruppenweit installiertes

SAP-System, ist heute das

Herzstück aller Prozesse bei MCB. Der

einheitliche Datenbestand ist Grundvoraussetzung,

wenn Abläufe vereinheitlicht,

neu gestaltet, optimiert werden

müssen. Ohne entsprechende IT

ist es nicht möglich, Bestände über

eine Reihe von Standorten kurzfristig

wirklich valide zu erfassen.

Wusste man, symbolisch gesprochen,

früher nicht, welche Räder

„Eine moderne, einheitliche

IT ist entscheidend, wenn es

darum geht, für die anstehenden

Entwicklungen, welche die

Digitalisierung bringen wird,

gut gerüstet zu sein“

Bram Schildkamp, CEO

sich wo im Unternehmen bewegten,

wenn das Management diese oder

jene Stellschraube – sprich Prozess

– justierte, hat sich der Informationsstand

mit der IT-Technologie

heute um Lichtjahre verbessert.

„Eine moderne, einheitliche IT ist

entscheidend, wenn es darum geht,

für die anstehenden Entwicklungen,

welche die Digitalisierung bringen

wird, gut gerüstet zu sein“, ist CEO

Bram Schildkamp überzeugt.

Wandlungsprozess vollzogen

Eine zeitgemäße IT-Struktur ist aber

nur die eine Seite der Medaille. Die

zur Verfügung stehende Technologie

selbst ist immer nur ein Instrument.

Wie ein Unternehmen die internen

Abläufe strukturiert und die

Zusammenarbeit organisiert und

gestaltet, steht auf einem anderen

Blatt.

MCB hat in den letzten Jahren

einen tiefen Wandlungsprozess vollzogen.

Seit Januar 2013 hat Bram

6 Stahlreport 1/2|18


Ob Flach- oder Langprodukte – MCB bietet ein sehr breites Produktspektrum,

von Stahl über Aluminium bis hin zu Kupfer und Messing.

Schildkamp als CEO der Gruppe die

Steuerung dieses Prozesses übernommen.

Markanteste Veränderung

dabei war wohl die Schaffung eines

Zentrallagers am Stammsitz in Valkenwaard

mit einhergehender

Schließung einiger dezentraler

Lagerstandorte – unter anderem des

Deutschland-Standorts Dormagen

(heute ohne eigene Lagerhaltung in

Neuss ansässig).

Die Landesgesellschaften der insgesamt

sieben Unternehmen der

Gruppe (und noch mehr Standorte)

wurden in eine einheitliche Strategie

integriert. Die Struktur wurde

ingesamt vereinheitlicht, Synergien

genutzt.

Schildkamp hat das „Laissezfaire“

der Vergangenheit, bei dem

die Unternehmen der Gruppe den

Fokus vor allem auf dem eigenen

Weg hatten, durch eine zentrale

Integration getauscht. „Anders

kann man heute gar nicht mehr

effizient agieren“, sagt Schildkamp.

Zugleich legt er Wert auf eine

transparente Unternehmenskultur.

Auf der modern gestalteten Webseite

befindet sich unter anderem

ein Blog, in dem Einblicke in die

MCB-Arbeitswelt auch nach außen

getragen werden. Kunden kommen

zu Schulungen regelmäßig an den

Standort Valkenswaard.

„Für uns ist es wichtig, dass wir

IT-technisch alle Möglichkeiten

im Haus haben“

Serge Timmermans, Direktor Sales & Marketing

Multi-Produkt-Anbieter

Trotz der Größe: MCB ist kein Konzern.

Seit 75 Jahren beliefert die

„Metaalcompagnie Brabant“ – so

der Gründungsname des Unternehmens

– Abnehmer in den Niederlanden

mit Metallwerkstoffen. Gruppenweit

sind für MCB rund 900

Mitarbeiter tätig, am Stammsitz in

Valkenswaard, mit Zentralllager,

Service-Center und Anarbeitungs-

Zentrum, sind es rund 600 Mitarbeiter.

Die Unternehmensgruppe MCB

ist ein breit aufgestellter Multi-Produkt-Anbieter.

Bedient wird der

gesamte Bedarf an Stahl, Edelstahl

Rostfrei und Aluminium bis hin zu

Kupfer und Messing. Verfügbar sind

Lang- wie Flachprodukte sowie ein

umfassendes Anarbeitungsspektrum.

Hinzu kommt ein großes Distributionsnetzwerk

mit einer Reihe

von Standorten in den Niederlanden

für die „Feindistribution“ sowie

Niederlassungen in Belgien, Luxemburg,

Deutschland sowie kleinere

Aktivitäten in Frankreich und China.

Den wichtigsten Vorteil, den MCB

im Markt hat, sieht Schildkamp in der

Breite des Produktspektrums. Kunden

können ihren Bedarf über die

gesamte Palette an Metallen decken

– ob Stahl, Edelstahl oder NE-Metalle,

ob lang oder flach, ob gesägt, gebohrt

oder anderweitig angearbeitet.

Im Verbund mit den kurzen

Durchlaufzeiten, einer hohen Liefertreue

und der Qualität der Produkte,

Anarbeitungen und Prozesse

ist MCB in den Benelux-Ländern

damit Marktführer.

Großes Vertriebsnetz

„Wir sind genaugenommen aber kein

wirklich internationales Unternehmen“,

sagt Schildkamp. Die „Verkehrssprache“

des Managements ist 3

Stahlreport 1/2|18

7


Stahlhandel

Bericht

3 nicht, wie bei international agierenden

Konzernen üblich, Englisch, sondern

Niederländisch – was den

Geschäftsführer von MCB Deutschland,

Stefan Haupt, zu Beginn seiner

Tätigkeit bei MCB in den Genuss

einiger Unterrichtseinheiten Niederländisch

gebracht hat.

„Unser Liefergebiet erstreckt sich

auf einen Umkreis von rund 300 km

um unseren Standort in Valkenswaard

– die ein oder andere Produktgruppe

einmal ausgenommen,

bei denen auch etwas größere

Absatzgebiete beliefert werden“,

erläutert Schildkamp weiter.

In Belgien ist MCB mit dem

Tocherunternehmen Testas seit 2008

aktiv. Die Einheit mit Sitz in Wommelgen,

nahe Antwerpen, ist ein

Großhandel, der mit eigenem Lager

Edelstahl-, Aluminium-, Kupfer-,

Messing-, und Bronze-Halbzeuge

vertreibt.

Als One-Stop-Shop für Sondermetalle

und Standardprodukte agiert

MCB Specials in der Gruppe. Mit

MCB Direct (vormals Staalmarkt)

bedient die niederländische Handelsgruppe

Kunden der Fertigungsindustrie

und der Metallbearbeitung.

Mit neun Niederlassungen hat MCB

damit ein flächendeckendes Vertriebsnetzwerk

in den Niederlanden

aufgebaut.

nehmen nichts anderes als in die

Breite wachsen, um größer zu werden.

„Für eine Spezialisierung fehlte

hier einfach der Markt“, so Bram

Schildkamp.

Mittlerweile haben sich die Zeiten

geändert. Grenzen sind im heutigen

Europa derzeit kaum noch ein

Thema, weder für den Individualverkehr

noch für Wirtschaft und

Handel. Der Kernmarkt für MCB sind

entsprechend nicht mehr die Niederlande

allein, sondern die Benelux-Länder.

Dort sieht sich die

Unterhmensgruppe als Marktführer

in den meisten Produktgruppen.

„Von insgesamt um die 20.000 Kunden

in den Niederlanden beliefern

wir rund 16.000“, überschlägt der

CEO die Zahlen.

90 % des Geschäfts macht MCB

Schildkamp zufolge in den Benelux-

Ländern. Die übrigen 10 % werden

größtenteils in Deutschland, ein

„Unser Web-Angebot ist für

jeden Kunden sehr individuell.

Wir bieten eine große Bandbreite

an Möglichkeiten an, von

der unsere Kunden das für sie

Passende nutzen“

Stefan Haupt, Geschäftsführer MCB Deutschland

Breite des Angebots

historisch gewachsen

Die große Breite des Produktangebots

ist historisch bedingt – genauer

genommen geographisch. Da die Niederlande

ein eher kleines Land und

grenzübergreifende Geschäfte eine

vergleichsweise junge historische

Errungenschaft sind, blieb dem Unterwenig

auch in Frankreich und China

erwirtschaftet.

Der Standort in Deutschland ist

dabei schon seit 1985 auf der MCB-

Landkarte zu finden. Rund 30 Jahre,

bis 2015, war Dormagen Sitz von

MCB Deutschland. Nach dem Umzug

vor zwei Jahren ist heute Neuss der

MCB-Standort in Deutschland, dessen

Geschäftsführer Stefan Haupt

seit 2014 ist.

Flexibilität bedeutet, Lösungen

schnell anbieten zu können

2012 wurde die ERP-Software SAP

gruppenweit implementiert, 2013

ging das System nach einigen Startschwierigkeiten

in den produktiven

Betrieb, heute läuft es stabil. „Das

war anstrengend und hat viel abgefordert.

Doch heute können wir die

Vorteile dieses Systems voll nutzen

und unsere Aktivitäten umfassend

und ohne Verzögerung analysieren“,

erläutert Schildkamp.

„Für uns ist es wichtig, dass wir

IT-technisch alle Möglichkeiten im

Haus haben“, sagt Serge Timmermans,

Direktor Sales & Marketing.

So sind die vor allem für größeren

Kunden und Lieferanten interessanten

EDI-Kopplungen, also Schnittstellen

für den elektronischen Datenaustausch,

vorhanden. Daneben wird

auch ein Webshop betrieben. Um

die Schnittstellen von MCB dem

Markt verfügbar zu machen, arbeitet

die Gruppe mit einer Reihe von

Software-Produzenten zusammen,

die für den Stahlhandel spezialisierte

ERP-Systeme anbieten.

Das zunächst auf kleinere Kunden

ausgerichtete Webportal hat jedoch

schnell das Interesse auch der größeren

Kunden geweckt. In den Niederlanden

bestellen derzeit mehrere hundert

Kunden über das MCB-Webportal.

Sie können in ihrem Account den MCB-

Lagerbestand unmittelbar und ohne

Verzögerung einsehen, es können

online Preise und Kosten kalkuliert,

Werkszeugnisse heruntergelanden,

Rechnungen eingesehen, und es kann

natürlich auch bestellt werden. Auch

Anarbeitungsmöglichkeiten können

online beauftragt werden. Ganz neu ist

zum Beispiel die Möglichkeit, Produkte

auch sägen zu lassen.

„Unser Web-Angebot ist für jeden

Kunden sehr individuell. Wir bieten

eine große Bandbreite an Möglichkeiten

an, von der unsere Kunden

das für sie Passende nutzen“, so Stefan

Haupt, Geschäftsführer von MCB

Deutschland.

Dabei wächst die Akzeptanz digitaler

Bestell- und Lieferprozesse. „Wir

haben kaum Kunden, die diese Möglichkeiten

per se ablehnen. 90 %

bewerten die digitalen Möglichkeiten

positiv“, so Stefan Haupt weiter.

Die jüngste Entwicklung geht hin

zur Nutzung sogenannter Webservices.

Dahinter verbirgt sich ein automatisierter

Datenaustausch der Systeme

der Handelspartner direkt

miteinander. „Das verkürzt die

Durchlaufzeit und den adminstrativen

Aufwand nochmal erheblich“,

erläutert Haupt. MCB kann so die

8 Stahlreport 1/2|18


Wettbewerbsfähigkeit seiner Kunden

steigern.

„Für uns ist nicht wichtig, eine

bestimmte Lösung durchzusetzen,

sondern die verschiedenen Anforderungen

stabil und flexibel bedienen

zu können – und bei neuen Fragen

schnell und kompetent reagieren

zu können“, führt Timmermans aus.

Auch der Vertrieb wandelt sich

Mit der technischen Entwicklung

wandelt sich auch der interne Vertrieb.

„Unsere Mitarbeiter sind oft

nicht mehr vorrangig Verkäufer, sondern

Berater und Ansprechpartner

für die Kunden“, sagt Haupt. Dass

ein Kunde wegen einer unterschiedliche

Produkte umfassenden Anfrage

intern weitergereicht und gleich mit

einer ganzen Reihe von Ansprechpartnern

zu tun hat, ist Vergangenheit.

Zum „One-Stop-Shop“ gehört

das „One Face to the Customer“. Das

geht, wenn jeder Mitarbeiter die Möglichkeit

hat, auf jedes Produkt, jeden

Preis, jede Verfügbarkeit in Echtzeit

zuzugreifen und Auskunft zu geben.

Damit das gut funktioniert ist ein

solider und aktueller Wissensstand

der Mitarbeiter wichtig. Daher haben

Schildkamp und sein Team einen

MCB Campus ins Leben gerufen.

Mit diesem Bildungsangebot können

sich Mitarbeiter, aber auch Kunden,

online oder in Workshops weiterbilden,

etwa in Materialkunde

oder zu anderen technischen Themen.

Auch Mangementthemen oder

Personalführung stehen auf dem

Programm.

Ein Grund, ein solch breites E-

Learning-Angebot selbst aufzusetzen,

ist der in den Niederlanden vergleichsweise

niedrige Wissensstand

in den benötigten Fachgebieten. MCB

vermittelt in Kooperation mit externen

Bildungsträgern das benötigte

Wissen selbst – auf dem Niveau bis

hin zu höheren Fachabschlüssen.

„In der Vergangenheit hat es lange

gedauert, bis sich neue Mitarbeiter

ganz eingearbeitet hatten. Durch

unser Campus-Angebot haben wir

diese Phase verkürzen können“, so

Schildkamp.

Umsatzanteil des digitalen

Geschäfts steigt

Etwa 10 % des Umsatzes macht die

Gruppe mittlerweile über digitale

Kanäle (Netto-Umsatz der Gruppe

insgesamt betrug 2016 rund 585

Mio. €). In den Niederlanden sind –

Stand Dezember 2017 – etwa 12 bis

13 % der Kunden der Unternehmensgruppe

mittlerweile angebunden.

„Wir sind seit einem Jahr damit im

Markt. Das heißt, wir konnten pro

Monat um etwa 1 % unseres Umsatzes

in diesem Bereich wachsen“,

führt Schildkamp aus.

Für 2018 ist ein Wachstum dieses

Umsatzanteils auf 14 bis 15 %

angepeilt. Mittelfristig sollen es 60 %

werden. „Wenn es nach mir geht,

können wir mit drei Jahren planen,

aber Serge bremst mich da immer

und spricht von fünf Jahren“, scherzt

Schildkamp. Scherz beiseite – MCB

ist auf dem Weg, einen Großteil des

Geschäfts von den konventionellen

Kommunikationskanälen wie Telefon,

Fax und Mail ganz auf digitale

Prozesse zu verlagern. 2

Vollautomatischer Entnahmeroboter

Kommissionierung onierung ng der Bügel

nach hK Kundenbedarf

d Erfüllt Efü

höchste h Sicherheits-

h i

anforderungen

Logistische sche Integration

t

Wartungsarm

Präzise

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der

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Stahlhandel

Nachrichten

Zufrieden mit dem Jahresverlauf 2017

Kerschgens sieht sich gut aufgestellt

Der Stolberger Stahl- und Werkstoffhändler

Kerschgens ist mit dem Verlauf des

vergangenen Jahres „mehr als zufrieden“.

Zugleich sieht sich das mittelständische

Unternehmen für die Herausforderungen des

Marktes gut aufgestellt, wie die drei

Geschäftsführer der KERSCHGENS Werkstoffe

& Mehr GmbH – Manfred Kerschgens, Heinz

Herbort und Pierre Schlüper – in einer Mitteilung

Ende Dezember 2017 ausgeführt haben.

Zurückzuführen sei die erfreuliche Entwicklung

vor allem auf die konsequente Umsetzung

der „Strategie Kerschgens 2021“. Ziel der

schon 2013 beschlossenen Strategie ist der

Wandel des Unternehmens vom reinen Stahlhändler

hin zum führenden Dienstleister für

Stahl, Stahl verzinkt, Edelstahl, NE-Metalle

und Lochbleche.

Einer der Meilensteine auf diesem Weg hat

sich im vergangenen Jahr der Kerschgens-

Geschäftsleitung zufolge als erfolgreicher

Schritt erwiesen: Das neue Rohrbearbeitungs-

Center am Standort Stolberg. Die damit einhergehende

Sortimentserweiterung bei Hohlprofilen

und Stabstahl in den Abmessungen

12 bzw. 13,5 m sei im Verbund mit den

umfangreichen Anarbeitungsmöglichkeiten

des Rohrbearbeitungs-Centers 2017 intensiv

nachgefragt worden.

Zu den bedeutenden Veränderungen bei

Kerschgens gehörte im vergangenen Jahr

auch die Bestellung des dritten Geschäftsführers

Pierre Schlüper. Seit dem 1. Juli 2017

führt er neben Manfred Kerschgens und

Heinz Herbort die Geschäfte.

Ausgebaut wurde bei Kerschgens 2017 auch

die Logistik. Mit 15 neuen Lkw, zum Teil ausgestattet

mit modernen Kransystemen, wurde

die bestehende Flotte verstärkt. Um auf

Anfragen und Kundenwünsche noch schneller

reagieren zu können hat das Unternehmen

zudem aus den vorhandenen Innendienst-

Teams „Stolberg, Viersen, Würselen“ ein

großes Gesamtteam gebildet.

Als eine der wichtigsten Aufgaben sieht die

Kerschgens-Geschäftsleitung, die eigene Digitalisierung

und weitere Vernetzung mit Kunden,

Partnern und Lieferanten voranzutreiben.

Umfirmierung zu Atterer

Stahlcenter GmbH vollzogen

Atterer konzentiert sich

auf Stahlcenter

Das Stahlhandelsunternehmen

Atterer, Marktoberdorf, hat ihr Werkcenter

zum Ende des vergangenen Jahres

geschlossen. Seit dem 1. Januar 2018

wird das Center von der LAYER-Grosshandel

GmbH & Co KG unter eigenem Namen

weitergeführt. Atterer will sich künftig auf

das Stahlcenter sowie den Unternehmensbereich

Kochen&Schenken konzentrieren.

Aus diesem Grund hat Atterer

sich zu einer Umfirmierung und einer

Änderungen des Unternehmenssitzes

entschlossen. Seit 1. Januar 2018 firmiert

das Unternehmen nun unter ATTERER

Stahlcenter GmbH mit Sitz in Marktoberdorf.

Alle Lieferadressen, Kontakt- und

Kontodaten bleiben bestehen, teilte das

Unternehmen mit.

Nachfolge, Expansion & Co

Neue Serviceleistung von Nordwest

Das Thema Unternehmensnachfolge

gewinnt im deutschen Mittelstand immer stärker

an Bedeutung: Laut einer Studie des Instituts

für Mittelstandsforschung, Bonn, ist in den

nächsten vier Jahren bei 20 % der Unternehmen

die Nachfolge zu regeln. Auch viele Nordwest-

Handelspartner stehen vor dieser Herausforderung.

Um sie zu unterstützen, bietet der Verband

seinen Partnern seit Januar eine neue

Dienstleistung.

„Auch der Produktionsverbindungshandel steht

aufgrund der zumeist familiär und mittelständisch

geprägten Unternehmensstrukturen vor

herausfordernden Zeiten. Die Übergabe und

Fortführung des Unternehmens innerhalb der

Familie ist längst keine Selbstverständlichkeit

mehr“, weiß Jan Korb, Nordwest-Bereichsleiter

Vertriebsinnendienst, zu berichten.

Ein Unternehmensverkauf bzw. die Suche eines

geeigneten Nachfolgers gestalten sich zunehmend

komplex. Fragestellungen aus Bereichen

wie Unternehmensbewertung, Steuer-, Gesellschafts-

oder Erbrecht sind vielschichtig und

ohne geeignete Unterstützung schwer zu beantworten.

„Gleichzeitig stehen auch Unternehmer

vor der Frage, ob eine Expansion über Unternehmenszukäufe

eine sinnvolle Variante zur

Zukunftssicherung darstellen kann“, erläutert

der Bereichsleiter weiter. Hier ergibt sich eine

ähnliche Komplexität, allerdings aus einem

anderen Blickwinkel.

Diese Herausforderungen waren für Nordwest

Grund, sich des Themas anzunehmen. Seit dem

1. Januar 2018 unterstützt der Verbund seine

Handelspartner sowohl bei der Planung als

auch Durchführung eines Nachfolge-, Unternehmensverkauf-

oder Kaufprozesses.

„Mit der Zerbach & Company Corporate

Finance GmbH konnten wir einen ausgewiesenen

Spezialisten gewinnen, der über umfangreiche

Expertise im Bereich der Unternehmensnachfolge

sowie bei Unternehmenskäufen und

-verkäufen verfügt“, so Jan Korb.

Die Experten des unabhängigen und unternehmergeführten

Beratungshauses mit Sitz in Köln

blicken dabei gemeinsam auf über 50 Jahre an

Beratungserfahrung zurück. Zu den auch modular

erhältlichen Beratungs- und Serviceleistungen

zählen u.a.:

z Planung, Vorbereitung und Umsetzung von

Nachfolgelösungen

z Suche geeigneter Übernahmeinteressenten

z Beratung, Koordinierung und Optimierung des

gesamten Verkaufsprozesses

z Durchführung von Unternehmensbewertungen

z Marktsondierung bei geplanten Unternehmenszukäufen

Die Nordwest-Fachhandelspartner sollen dabei

von den Rahmenbedingungen profitieren, die der

Verband mit Zerbach & Company vereinbaren

konnte. Um eine zielgerichtete Koordination und

Vermittlung von Verkauf- und Kaufinteressenten

zu erreichen, plant Nordwest zudem, eine Interessenten-Datenbank

anzulegen, bei der sich

Anbieter und Kaufwillige unter Angabe bestimmter

Basisinformationen registrieren können.

10 Stahlreport 1/2|18


Stahl-Service-Center

Fidelium Partners erwirbt OKS Otto Knauf

Fidelium Partners hat die OKS Otto Knauf GmbH zu 100 %

von der Londoner STEMCOR-Gruppe, einem globalen Dienstleister

für die Stahlindustrie, übernommen.

Das Stahl-Service-Center OKS, Iserlohn, hat sich auf das Schneiden

von verzinkten, warm- und kaltgewalzten und rostfreien Stahlbandprodukten

spezialisiert. Das Unternehmen verarbeitet derzeit ca.

250.000 t Stahl pro Jahr.

Durch den Verkauf stärke Stemcor seine strategische Fokussierung

auf das Kerngeschäft im globalen Stahlhandel und -vertrieb weiter,

hieß es in einer Mitteilung. FIDELIUM verwaltet einen von deutschen

Unternehmerfamilien gestützten Fonds in Höhe von 103 Mio. € und

investiert in Unternehmen mit „operativem Verbesserungspotenzial“

in ganz Westeuropa. „OKS verfügt über eine sehr gute Marktposition

und großartige Wachstumschancen“, kommentierte Rafal Grabarkiewicz,

Managing Partner bei Fidelium, die Transaktion.

„Ich bin überzeugt, dass Fidelium der richtige Partner ist, um OKS

bei der Umsetzung seiner Wachstumsstrategie zu unterstützen. Wir

können uns nun darauf konzentrieren, unser Serviceangebot zu

erweitern, die Auslastung unserer Anlagen zu erhöhen und gleichzeitig

unsere Position als regionaler Marktführer im Stahlservice-

Geschäft zu stärken. Das gesamte Managementteam und ich freuen

uns darauf, das Unternehmen in eine erfolgreiche eigenständige

Zukunft zu führen“, sagte Friedrich-Walter Düllmann, CEO von OKS.

AUS 6 MACH 1

WIR BÜNDELN UNSER KNOW-HOW!

Durch den Zusammenschluss unserer Unternehmen zur

Hoberg & Driesch Röhrenhandel GmbH sind wir mit nun mehr

als 130.000 qm Lagerfläche und 70.000 Tonnen Material

Ihr zuverlässiger Partner für individuelle Qualitätsstahlrohre.

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Stahlhandel

Bericht

Nach dem Glühen wurde der Hauptrahmen des Transportmanipulators MTM 600 bei

Jebens gestrahlt und grundiert.

Fotots, 2: Jebens

Jebens bearbeitet dank besonders starker Brennschneidmaschinen

auch große, schwere Bauteile mit Blechdicken zwischen 250 bis 1.100 mm.

Maßgeschneiderte Rahmen für Schmiedemanipulatoren

Agile Riesen mit Fingerspitzengefühl

Hoch belastete Bauteile werden in vielen Fällen geschmiedet, um die benötigten mechanischen

Eigenschaften zu erhalten – ob im Schwermaschinenbau, in der Energiewirtschaft oder in der Luftund

Raumfahrt. Beim Bau der riesigen Manipulatoren, die beim Freiform- und Gesenkschmieden

zum Einsatz kommen, setzt Hersteller Dango & Dienenthal auf die Jebens GmbH, Spezialistin für

große, schwere Brennteile, mechanische Bearbeitung und komplexe Schweißbaugruppen.

In den extremen Umgebungsbedingungen

von Freiformschmieden

müssen Manipulatoren absolute

Prozesssicherheit gewährleisten. Ist

das riesige, glühende Werkstück

nicht rechtzeitig fertiggeschmiedet

oder kühlt es vorzeitig ab, ist es Ausschuss.

Einer der führenden Hersteller

für zuverlässige Handling-Maschinen

in diesem Einsatzgebiet ist die

familiengeführte Unternehmensgruppe

Dango & Dienenthal.

Mit ihrer robusten Konstruktion,

ihren leistungsstarken Antrieben

sowie der großen Präzision sichern

sich die Maschinen der Dango &

Dienenthal Maschinenbau, einem

Unternehmen der Gruppe, ihre

Marktposition. Die hochdynamischen

Dreh- und Fahrantriebe der mit bis

zu 1.000 t schweren und bis zu

250 t Tragkraft ausgestatteten Manipulatoren

erfüllen mit spielfreier

Beschleunigung von bis zu 4 m/s 2

anspruchsvollste Geschwindigkeitsvorgaben.

Mit ihrer ausgeklügelten

Hydraulik und Steuerung sichern sie

sich auch ihren Qualitätsvorsprung

vor Wettbewerbern aus China.

Jedes Modell ein Unikat

Der Einsatz solcher Riesen erfordert

einen großen Planungs- und Vorbereitungsaufwand.

So ermittelt Dango

& Dienenthal zu Beginn eines Auftrags

in intensiver Zusammenarbeit

mit dem Kunden zunächst die konkreten

Anforderungen. Die dazu

benötigten Brennteile und Schweißkonstruktionen

werden zugekauft.

Als leistungsstarker und zuverlässiger

Lieferant dieser Bauteile hat

sich die Jebens GmbH zum bevorzugten

Partner von Dango & Dienenthal

entwickelt.

Ausschlaggebend für den Beginn

der Zusammenarbeit im Jahr 2008

war das umfangreiche Blechlager

des Brennteilspezialisten für große

dicke Bleche – ein Pluspunkt, der

heute angesichts der stark eingeschränkten

Verfügbarkeit solcher

Bleche wieder besondere Bedeutung

für Dango & Dienenthal hat. So hält

Jebens in seinem Lager, das zu einem

der größten Europas für Bleche über

200 mm Dicke zählt, auch S690-

Güten bereit – und gilt damit als

Rarität in der Branche.

„Verfügbarkeit der benötigten

Materialien, Qualität der Schweißteile

und Termintreue waren bei

Jebens stets überzeugend“, resümmiert

Jan Nell, Einkaufsleiter bei

Dango & Dienenthal. „Gerade im

Bereich Schweißteile ist diese Zuverlässigkeit

enorm wichtig“, ergänzt

er.

Auftrag zum Bau

eines Hauptrahmens

So wurde der Brennteilspezialist

auch mit dem Bau des Hauptrahmens

für einen mobilen Transportmanipulator

vom Typ MTM 600

beauftragt. Mit 16 t Tragkraft und

einem Lastmoment von über 70

Metertonnen kommt diese Maschine

12 Stahlreport 1/2|18


Versprechen gehalten

Jan Nell ist voll des Lobs für das

Unternehmen: „Jebens hat mir unaufgefordert

wöchentlich sehr detailbei

Hitachi an einer Freiformschmiedepresse

in Japan zum Einsatz. Der

Hauptrahmen dieser Maschine wiegt

30 t, ist 5,05 m lang, 2,6 m hoch und

3,5 m breit.

„Absolute qualitative Zuverlässigkeit

der Schweißnähte ist essenziell

für die nachhaltige Prozesssicherheit,

die wir unseren Kunden

garantieren“, sagt Dango-&-Dienenthal-Geschäftsführer

Arno Dienenthal.

„Der Hauptrahmen muss ein

Maschinenleben lang halten.“

Basis für die Auftragsvergabe an

Jebens waren deshalb neben den

bisher schon guten Erfahrungen und

der hohen Beratungskompetenz

auch die nachweisliche Qualifikation

des Betriebs für solch anspruchsvolle

Aufgaben durch einen eigenen

Schweißfachingenieur und umfassende

Zertifizierungen. Der Fachmann

von Jebens war in der Konstruktionsphase

ein gefragter

Ansprechpartner.

Fasenroboter auch die hohe Kompetenz

beim Richten schwerer Bauteile

zum Tragen, um die sehr hohen

Ebenheitsanforderungen von Dango

& Dienenthal zu gewährleisten.

Zur weiteren Bearbeitung wurde

der so entstandene riesige Rahmen

zum nahegelegenen Zweitwerk in

Nördlingen transportiert, wo in der

Wärmebehandlung die von Dango

& Dienenthal vorgegebenen mechanischen

Eigenschaften eingestellt

wurden.

Für die gesamte Fertigung

brauchte Jebens nur acht Wochen

Produktionszeit, so dass der komplette

Hauptrahmen inklusive Vorbereitung

binnen zehn Wochen geliefert

werden konnte.

lierte Ablaufpläne gesendet und diese

auch tatsächlich eingehalten!“, resümiert

er zufrieden. „Bei diesem Auftrag

musste der Liefertermin für den

Rahmen außerdem unbedingt eingehalten

werden. Jebens lieferte ihn

statt freitags montags. Das ist in

unserer Branche pünktlich und wirklich

gut“, lobt Nell.

Arno Dienenthal gefiel besonders

die offene Kommunikation von

Jebens – sowohl im Vorfeld des Projektes

als auch währenddessen. „Die

Leute kamen und fragten immer proaktiv

nach: 'Können wir es nicht so

machen? Dann könnten wir noch

was sparen!' Das ist wirklich gut!“

Noch während der Hauptrahmen

für Hitachi bei Dango & Dienenthal

in Siegen mechanisch bearbeitet und

der Transportmanipulator montiert

wurde, erteilte der Maschinenbauer

Jebens deshalb bereits Folgeaufträge

für zwei weitere Hauptrahmen. 2

Maßgeschneiderte Fertigung

Bei der Fertigung des Rahmens waren

das Handling des großen, schweren

Bauteils sowie die dabei geforderte

Maßgenauigkeit zusätzliche

Herausforderungen für Jebens. „Angesichts

des extrem engen Zeitplans

und der hohen Kundenanforderungen

mussten die Teile exakt nach

Zeichnung zugeliefert werden, sodass

wir ohne Nacharbeit mit der mechanischen

Bearbeitung beginnen konnten“,

erläutert Arno Dienenthal seine

Erwartungshaltung.

Maßarbeit in Stahl in reproduzierbarer

Premiumqualität ist für

den mit modernster Schweißtechnologie

ausgestatteten Spezialbetrieb

jedoch Tagesgeschäft. So prüfte

das Unternehmen im ersten Schritt

sorgfältig die detaillierten Fertigungszeichnungen

für die einzelnen

Bleche und Schweißvorgänge.

Anschließend fertigte es am Stammsitz

in Korntal-Münchingen aus

S355J2+N-Stahl rund 90, bis zu 14 t

schwere Schweißteile entsprechend

der Zeichnungsvorgaben.

Neben dem Brennen der bis zu

300 mm dicken Bauteile erfolgten in

Korntal-Münchingen auch das Fasen

und Schweißen der Komponenten.

Hier kam außer dem hochmodernen

Foto: Jebens

Foto: Dango & Dienenthal

Geschäftsführer

Arno Dienenthal

(li.) und Jan Nell,

Leiter Zentraleinkauf

der deutschen

Tochtergesellschaften

von Dango &

Dienenthal, vor

dem von Jebens

gefertigten Rahmen

für den mobilen

Transportmanipulator.

Dango & Dienenthal

erteilte Jebens

bereits Folgeaufträge

für zwei weitere

Hauptrahmen

für schienengebundene

Schmiedemanipulatoren

vom

Typ SSM 6000.

Stahlreport 1/2|18

13


Stahlverarbeiter

Bericht

Palettenhandling

von Liebherr für

schwere Werkstücke

bis 13.000 kg

Fotos: Liebherr

Schritt in die Industrie 4.0 vollzogen

Neuer Benchmark

für Großmotoren-Produktion

Liebherr hat die Produktion großer Dieselmotoren automatisiert: Mithilfe der

BURKHARDT+WEBER Fertigungssysteme GmbH ist eine Produktionslinie entstanden,

die neue Standards für das Handling schwerer Werkstücke setzen soll.

Die Bearbeitungszentren

von

BURKHARDT+WEBE

R kombiniert mit

dem Liebherr-

Palettenhandhabungsystem

Eine neue Fertigung für Großmotoren

aufzusetzen, ist ein komplexes

Vorhaben, das den Beteiligten

Unternehmen und Mitarbeitern

viel abverlangt. Der große Vorteil

eines solchen Projekts ist jedoch,

dass die Prozesse – soweit wirtschaftlich

und mit Blick auf die Ressourcen

vertretbar – ganz nach Wunsch

aufgesetzt werden können. So können

neueste Technologie und die

Erfahrung mit bisherigen Systemen

integriert werden.

Genau vor dieser Herausforderung

stand jüngst die Liebherr

Machines Bulle SA (LMB), in der

Schweiz ansässiges Tochterunternehmen

der Liebherr-Gruppe.

Zusammen mit MAN beschloss das

Unternehmen, noch größere Dieselaggregate

als bisher zu bauen.

Geplant waren zwei neue Baureihen

in Versionen mit 12, 16 und 20 Zylindern.

Weil die V20-Version der neuen

Motorenreihe D98 mit einer Länge

von 2.720 mm und einem Gewicht

von 2.700 kg dabei auf stolze Werte

kommt, kam für die Bearbeitung der

vorhandene Maschinenpark nicht

in Frage. „Wir brauchten eine neue

Produktionslinie für diese gewaltigen

Dimensionen“, erläutert Klaus

Bosch, Produktionsleiter für Dieselund

Gasmotoren bei Liebherr .

Die Wunschliste an den Prozess

war dabei recht lang. An oberster

Stelle standen Flexibilität und ein

möglichst hoher Automatisierungsgrad,

der auch einen zeitweise mannlosen

Betrieb ermöglichen sollte.

Schlussendlich gab es den Wunsch,

eine Komplettbearbeitung der Motoren

innerhalb eines voll automatisierten

Fertigungssystems aufzusetzen

– mit kompletter Vor- und Fertigbearbeitung,

inklusive Kurbel- und

Nockenwellenbohrung, Fräsen, Bohren,

Tieflochbohren bis hin zu automatischer

Prozessüberwachung

sowie automatischem Werkzeugwechsel

im oder vom Hochregalsystem

in mannarmer Fertigung.

Passenden Partner

schnell gefunden

Der passende Maschinenhersteller

für dieses Projekt war schnell gefun-

14 Stahlreport 1/2|18


®

den. Da in dieser Größenordnung die Anzahl der Anbieter

überschaubar ist, hat der Auswahlprozess schnell zu

einem Ergebnis geführt. „Burkhardt+Weber waren die einzigen,

die für alle unsere Problemstellungen Lösungen

anbieten konnten und – wenn auch manchmal in einem

kleineren Maßstab – bereits umgesetzt hatten“, so Klaus

Bosch.

Neben der Bearbeitung der tonnenschweren Teile sind

auch das effiziente und benutzerfreundliche Handling

sowie ein klug aufgesetzter Prozess entscheidende Faktoren.

Die Idee war, die Handhabung der neuen Motorenproduktion

voll automatisiert über ein Palettenhandlingsystem

(PHS) von Liebherr selbst ablaufen zu lassen. Mit

der Liebherr-Verzahntechnik GmbH war die Kompetenz

dazu in der Gruppe vorhanden.

Ein PHS in dieser Größenordnung war bisher zwar

noch nicht realisiert worden. Aber die Idee stieß bei der

Produktionsleitung der Liebherr-Verzahntechnik auf großes

Interesse. Entwickelt wurde schließlich das neue Palettenhandlingsystem

PHS 10.000.

16.-20.04.2018

Gemeinschaftsstand

BDS

Halle 7/C25

AUS EDELSTAHL

Alles in einem Handlingsystem integriert

Mit vereintem Wissen entstand so in der Schweiz eine

neuartige Produktionsanlage für Großdieselmotoren. Nach

zwei Jahren intensiver Planung und Projektierung ging

die Fertigungsanlage mit Prüfstand, Logistik, Montage und

Steuerung schließlich in Betrieb.

Jetzt werden Aufträge vom ERP-System an die Prozess-

Software Soflex übergeben, welche die Bearbeitungsreihenfolge

koordiniert, Rohteile, Werkstücke und Werkzeuge

verwaltet, die NC- Codes an die Maschinen übergibt

und die Mitarbeiter an den Rüstplätzen mit den richtigen

Informationen, Anleitungen und Material versorgt. Sämtliche

Arbeitsplätze und Maschinen werden durch das Palettenhandlingsystem

versorgt, das zusätzlich sowohl Bauteile

als auch Rohlinge verwaltet.

Flexibilität und Genauigkeit

Für die Bearbeitung der Bauteile – zum Teil sind dabei

Genauigkeiten von 10 μ auf 2 m gefragt – hat sich Liebherr

für Bearbeitungszentren der MCX-Baureihe von Burkhardt

+ Weber entschieden. In der aktuellen ersten Ausbaustufe

des Buller Werks produzieren eine MCX 1200

und eine MCX 1400. Insgesamt ist die Produktion für bis

zu fünf Maschinen ausgelegt, die künftig integriert werden

können. Für eine weitere MCX 1200 ist bereits das

Fundament gelegt und der Rüstplatz vorbereitet.

Neben den Bearbeitungszentren hat Burkhardt+Weber

auch die Turnkey-Verantwortung für den Fertigungsprozess

bei dem Projekt übernommen. Dazu gehörten das

Engineering und die Herstellung der komplexen, hydraulischen

Spannvorrichtungen, die Werkzeugauslegung und

teilweise auch die Beschaffung von Sonderwerkzeugen.

Eintritt in „neues Produktionszeitalter“

Für das Team von Liebherr Machines Bulle bedeute dieses

Projekt den Eintritt in ein neues Produktionszeitalter,

so das Unternehmen. Damit habe man „in vielen Details“

den Schritt in die Industrie 4.0 vollzogen. 2

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ROHRE

ab Lager verfügbar

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Aluminium und Buntmetallen, führen

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Stahlreport 1/2|18

15

NUR FÜR DEN FACHHANDEL


Werkstoffe

Bericht

Künftige Ressourcen heute schonen – Teil 2

Potenziale des Stahlhochbaues

durch nachhaltigere Immobiliennutzung

Nachhaltigkeit ist auch in der Bau- und Immobilienwirtschaft ein aktuelles, wegen seiner

inflationären Nutzung oft aber unscharfes Schlagwort. Immobilieninvestoren schmücken sich

eher mit „Green-Labels“ und konzentrieren sich – zu sehr – auf die Energieeffizienz des Gebäudes

während der Nutzungsdauer. Zu wenig beachtet wird dabei die ganzheitliche Betrachtung inklusive

der verwendeten Baustoffe, meint Marc Blum, Bausachverständiger, geprüfter Restaurator &

Denkmalpfleger im Metallbauer-Handwerk, im zweiten Teil seines Beitrags für den Stahlreport

(Teil 1 in Stahlreport 12.2017).

[ Autor ]

Marc Blum, Dipl.-

Ing., Dipl.Wirt.Ing.

(FH), M.Sc., Bausachverständiger


Schäden & Bauen im

Bestand, geprüfter

Restaurator &

Denkmalpfleger

im Metallbauer-

Handwerk,

58256 Ennepetal

Über die Jahrzehnte aufsummiert,

umfasst der gesamte Gebäudebestand

in Deutschland mittlerweile

etwa 100 Mrd. t an Material. Dabei

fließen an mineralischen Bau- und

Abbruchabfällen jährlich rund 192

Mio. t aus dem Baubereich wieder ab

– was etwa 54 % des deutschen Abfallaufkommens

entspricht (laut VDI Zentrum

Ressourceneffizienz, 2014).

So werden bspw. allein in Deutschland

jährlich

z etwa 550 Mio. t mineralische Baustoffe

(entspr. rund 85 % aller inländischen

Entnahmen),

z ewa 28 Mio. t Zement (aus denen

mit Faktor etwa 7 bis 8 multipliziert

rund 224 Mio. t Beton hergestellt

werden),

z aber nur etwa 5,5 Mio. t Baustahl

(dies sind alle im Bauwesen zur

Anwendung kommenden Stahlprodukte,

inkl. Betonstahl),

z etwa 0,5 Mio. t Brettschichtholz (laut

Studiengemeinschaft Holzleimbau

e.V., Wuppertal)

konsumiert und verbaut. Mit Bezug

auf die deutsche Abfallwirtschaft stel-

len diese Mengen die größten Stoffströme

im Wirtschaftsgeschehen dar.

EU-Baupolitik muss weichen stellen

Infolge der langfristigen Auswirkungen

des Baustoffkonsums und der Inanspruchnahme

von Bauflächen kommt

der grenzüberschreitenden europäischen

Umwelt- und Baupolitik für eine

sinnvolle, praktikable Marktgestaltung

eine sehr bedeutende Rolle zu.

Bereits im Jahr 2011 erfolgte eine

umfassende und erweiterte Novellierung

der europäischen Bauproduktenrichtlinie

in Richtung Bauproduktenverordnung,

welche rechtlich im

genauen Wortlaut und unverändert in

nationales Recht umgesetzt worden

ist. Hierbei wurde der bisherige

Umfang der wesentlichen Anforderungen

an Bauprodukte um die Themen

Recyclingfähigkeit und nachhaltige

Nutzung der Ressourcen ergänzt.

In den Eingangserläuterungen

heißt es bereits 1 :

„(25) [Es] sollte der spezifische Be darf

an Angaben hinsichtlich des Gehalts

an gefährlichen Stoffen in Bauproduk-

ten weiter untersucht werden, damit

der Umfang der darunter fallenden

Stoffe vervollständigt wird, um ein hohes

Maß an Gesundheitsschutz und Sicherheit

von Arbeitnehmern, die Bauprodukte

verwenden, und von Nutzern der

Bauwerke zu gewährleisten, auch in

Bezug auf die Anforderungen beim

Recycling und/oder bei der Wiederverwendung

von Bauteilen oder -materialien.“

„(55) Bei der Grundanforderung

an Bauwerke bezüglich der nachhaltigen

Nutzung der natürlichen Ressourcen

sollte insbesondere der Recyclingfähigkeit

des Bauwerks, seiner Baustoffe

und Teile nach dem Abriss, der Dauerhaftigkeit

des Bauwerks und der Verwendung

umweltfreundlicher Rohstoffe

und Sekundärbaustoffe für das Bauwerk

Rechnung getragen werden.“

„(56) Zur Bewertung der nachhaltigen

Nutzung der Ressourcen und zur

Beurteilung der Auswirkungen von Bauwerken

auf die Umwelt sollten die

Umwelterklärungen (Environmental

Product Declarations — EPDs), soweit

verfügbar, herangezogen werden.“

16 Stahlreport 1/2|18


Als Grundlage für die künftigen anzupassenden

Baunormen und harmonisierten

technischen Baustoffspezifikationen

werden mit Verweis auf Art. 3,

Abs. 1 und Anhang I dieser Verordnung

die wesentlichen Anforderungen

2 ) um einen weiteren Punkt zur

nachhaltigen Ressourcennutzung

erweitert:

„7. Nachhaltige Nutzung der natürlichen

Ressourcen

Das Bauwerk muss derart entworfen,

errichtet und abgerissen werden,

dass die natürlichen Ressourcen nachhaltig

genutzt werden und insbesondere

Folgendes gewährleistet ist:

a) Das Bauwerk, seine Baustoffe und

Teile müssen nach dem Abriss wieder-verwendet

oder recycelt werden

können;

b) das Bauwerk muss dauerhaft sein;

c) für das Bauwerk müssen umweltverträgliche

Rohstoffe und Sekundärbaustoffe

verwendet werden“.

Das Ziel dieser europäischen Bauproduktenverordnung

besteht darin, den

freien Warenverkehr innerhalb der

EU durch mögliche Handelshemmnisse

abzubauen und so gleichzeitig

die Teilziele „Nachhaltiges Bauen und

Recyclingfähigkeit“ der Leitmarktinitiative

(LMI) auf Bauproduktenebene

mit zu erfüllen. Die Bauprodukte, welche

diese Voraussetzungen erfüllen,

sind nach Kap. II, Art. 4-9 mit Leistungserklärungen

(DoP) und dem CE-

Kennzeichen zu markieren 3 ).

Was hierbei offenbar vielen Akteuren

der planerischen und ausführenden

Zunft noch nicht so richtig bewusst

ist, ist die Tatsache, dass bereits Mitte

2013 die Koexistenzperiode dieser

novellierten EU-Verordnung (in der

noch wahlweise entweder nach alter

oder nach neuer Verordnung gleichzeitig

geplant werden durfte und die

im direkten Wortlaut durch Ratifzierung

des BauPG vom 05.12.2012 4 in

nationales Recht umgesetzt worden

ist) ausgelaufen ist.

Seit dem 01.07.2013 darf demnach

ausschließlich diese EU-Verordnung

in Deutschland zur Anpassung

des BauPG 5 verwendet werden.

Seitdem müssen in den planerischen

und bauausführenden Prozessen

sowie in der Distribution auf der Bauproduktenebene

die Themen Recyclingfähigkeit

und nachhaltige Ressourcennutzung

per Gesetz (gemäß Anhang

I – Punkt 7, „Nachhaltige Nutzung der

natürlichen Ressourcen“ (d.h. direkte

Umsetzung des EU-Amtsblatt Nr. L 88

vom 04.04.2011 – S.11 und S.34))

berücksichtigt werden. Ob dies zwischenzeitlich

auch so bereits allseits

praktiziert wird, ist zu bezweifeln.

So führt der Physiker und Technikphilosoph

Klaus Korn in „Philosophie

der Technik“ aus: „Bemühungen

um Nachhaltigkeit haben zwangsläufig

entweder eine Einschränkung oder

eine intelligente Umsteuerung des

Ressourcenverbrauchs hin zu erneuerbaren

Rohstoffen zur Folge […] Heute

werden Anstrengungen in Nachhaltigkeit

als Investitionen aufgefasst.“

Der steigende Anteil von Urbanisierung

und Bautätigkeit am Klimawandel

und am Ressourcenverbrauch

sollte daher nicht nur rein energetische

Baumaßnahmen, wie etwa solche,

nach der EnEV 2014, als Reaktion

nach sich ziehen. Durch die teils

irreversible Ausbeutung von natürlichen

Ressourcen und der nachhaltigen

Raumbeanspruchung hat er vielmehr

auch eine primär sozio-kulturelle

Komponente.

Daher erfordert es in der zukünftig

ganzheitlichen Planung sozialer,

architektonischer und gleichsam intelligenter

Baulösungswege, um zunächst

mittelfristig, wie Abb.3 zeigt, über

einen Dreiklang aus Baustoffeffizienz

(technisch besser werden) und Baustoffkonsistenz

(ökologisch-ökonomisch

verändern) bis hin zur Baustoffsuffizienz

(reduzieren), eine Baustoffkonsumentlastung

herbeizuführen.

Baustoffeffizienz

Eine Nachhaltigkeitsstrategie der Baustoffeffizienz

ist die heute vorherrschende

Strategie. Sie verfolgt das Ziel,

den Energie-, Material- und Flächenverbrauch

sowie die finanziellen Mittel,

die für den technischen Fortschritt,

die Entkoppelung von Wirtschaftsleistung

und Umweltverbrauch und die

Substitution von Produkten und Verfahren

entstehen durch nachhaltigere,

effizienter einzusetzen. Allerdings hat

diese Strategie die paradoxe Grenze,

dass nämlich mit zunehmender Effizienzsteigerung

eine Kosten-/Preissenkung

verbunden ist und dadurch

über sogenannte Rebound-Effekte mitunter

eine Nachfragesteigerung, also

mehr Konsum die Folge sein kann.

Baustoffkonsistenz

Eine Nachhaltigkeitsstrategie der Baustoffkonsistenz

setzt da schon mehr

auf eine ganzheitliche Ökoeffizienz:

Nämlich hin zu einer natürlich gleichkommenden

Stoffkreislaufführung von

Materialien und Energien, aber auch

zu einer symbiotischen Weiternutzung

von im Produktionsprozess anfallenden

Koppelprodukten. Denn Ressourcenschonung

durch eine baustoffkonsistente

Kreislaufwirtschaft heißt auch

mit begrenzten Mitteln hauszuhalten

und dies ist mit ein Teil der „Erfolgsprinzipien

des Ökologischen Bauens“ 3

Nachhaltigkeitsstrategien beim Bauen Abb. 3

Baustoffeffizienz

Baustoffsuffizienz

Baustoffkonsistenz

Quelle: Marc Blum

Stahlreport 1/2|18

17


Werkstoffe

Bericht

3

(Werner Nachtigall, „Bau-Bionik“, Springer

2003). Eine solche Strategie erfordert

aber umfangreiche Änderungen

nach dem Vorbild der Natur respektive

der Ökogenese (also der Wechselwirkungen

zwischen Lebewesen und

Umwelt, die zur Bildung von Ökosystemen

führen) bei Design, Produktion,

Distribution und Redistribution von

Produkten, hin zu einem Denken in

symbiotisch geschlossenen Stoff- und

Produktionsmedienkreisläufen.

Baustoffsuffizienz

Eine Nachhaltigkeitsstrategie der Baustoffsuffizienz

(also dem Einsatz von

Baustoffen mit möglichst geringem

Rohstoff- und Energieverbrauch) geht

da aber wesentlich weiter. Sie zielt

darauf ab, mit entweder mindestens

dem Vorhandenen auszukommen (Subsistenz)

oder ganz auf Konsum zu verzichten

– was gesellschaftlich aber ein

deutlicheres sowie unbequemeres

Umdenken beim Verhalten von Unternehmen

und Investoren erfordert.

Die heutige Architektur und die

geschaffenen Immobilien stellen temporäre,

moderne Zweckbauten dar und

sind weniger Monumente der Ewigkeit

(wie die Pyramiden, mittelalterlichen

Burgen und gotischen Kathedralen). So

unterliegen sie auch einem natürlichen

Lebenszyklus. Die in diese baulichen

Strukturen verbrachten Ressourcen

sollten in diesem Kontext des Beitrages

zukünftig als Sekundärrohstoffe durch

Urban-Mining und Multi-Recycling-

Ansätze (MRA) wiedergewonnen werden.

Sie sollten dabei von den heutigen

Planern bereits so ausgelegt sein, dass

über Umnutzungsflexibilitäten respektive

Multi-Nutzungs-Ansätze (MNA) der

Gebäudelebenszyklus verlängert und

die Ressource einer weiteren Nachnutzung

zugeführt werden können.

In dieser Hinsicht sind die heutigen

Immobilieninvestoren, Architekten,

Bauingenieure, Baustoffhersteller

(inklusive deren regionaler Distribution)

sowie die Bauausführenden ganzheitlich

und weit in die Zukunft blickend

gefordert, eine solche „organische

Architektur“ zu gewährleisten.

Stahl ist einer der nachhaltigsten

Werkstofffe überhaupt

In der Architektur der Moderne wurden

bereits sehr häufig Stahlhochbauten

für die primären Tragwerksstrukturen

verwendet. Sie sind trotz mehrfacher

Umnutzungen immer noch

aktiv. Der Baustoff Stahl zeigt sich

daher schon heute als einer der nachhaltigsten

Werkstoffe weltweit, da er

einerseits den Multirecyclingansätzen

(MRA) als sekundäre Ressourcenquelle

und andererseits der erforderlichen

Umnutzungsflexibilität (MNA)

zur Lebenszyklusverlängerung gegenüber

anderen Baustoffen deutlich

gerechter wird.

„Organische Architektur“ durch

die Kombination von MNA mit

anschließenden MRA erfordert aber

ein (Um-)Denken in Sekundärrohstoff-

Kreisläufen. Hierbei ist Kreislaufwirtschaft

nicht gleich Kreislaufwirtschaft,

sowie Recycling nicht gleich Recycling

(siehe Abb. 4). Recycling heißt

mit Verweis auf das KrwG in genauer

begrifflicher Definition: „Downcycling

– Recycling – Upcycling“.

„Recycling im Sinne dieses Gesetzes

ist jedes Verwertungsverfahren,

durch das Abfälle zu Erzeugnissen,

Materialien oder Stoffen entweder für

den ursprünglichen Zweck oder für

andere Zwecke aufbereitet werden; es

schließt die Aufbereitung organischer

Materialien ein, nicht aber die energetische

Verwertung und die Aufbereitung

zu Materialien, die für die Verwendung

als Brennstoff oder zur

Verfüllung bestimmt sind“ [§ 3 Abs.

25, KrwG].

Der Baustoff „Stahl“ erfüllt auch

hier in seiner Anwendung im Stahlhochbau

bereits heute jederzeit das

optimalste „Upcycling“ und weitere

umweltgerechte Anforderungen wie

in Abb.5 dargestellt, denn diese Bauweise

bietet:

Kreislaufsysteme und Recyclingtypen

technische

Beschreibung des

Produktsystems

Material aus einem

Produktsystem

wird in einem

anderen Produkt -

system recycelt

Material aus einem

Produktsystem wird

in demselben Produktsystem

recycelt

Materialkreisläufe

offener Kreislauf

Kreislauf

geschlossener

Kreislauf

z eine hochgradig industrielle Vorfertigung

mit hoher Maßgenauigkeit

im Millimeter-Bereich,

z eine hohe Planungsgenauigkeit und

-sicherheit durch typisierte demontierbare

Anschlussdetails,

z kurze Bauzeiten (auch beim Rückbau)

durch geschraubte Montageverbindungen,

z geringen bauseitigen Platzbedarf zur

Montage,

z relativ geräuschlosen Bauablauf

(= Lärmschutz im Interesse der Nachbarschaft)

sowie

z eine hohe Sauberkeit auf der Baustelle

und beim Rückbau.

Diese sich hier bietenden, umweltfreundlichen

Potenziale des Baustoffs

„Stahl“ setzen aber auch voraus, dass

sich die Architekten und Tragwerks -

planer in ihrer Erstplanung mit

einem recyclinggerechten sowie nichtmonolithischen

Bauplanungsentwurf

beschäftigen und diesen auch konsequent

anwenden. Denn nur dadurch

wird eine zukünftig höherwertige Nachnutzung

– sei es durch Umnutzungsflexibilität

zur Lebenszyklusverlängerung

MNA oder dem anschließenden

Recycling MRA – im Sinne der fünfstufigen

Abfallhierarchie gewährleistet.

2

1 EU-Amtsblatt Nr. L 88 vom 04.04.2011 –

S.7 und S.10

2 EU-Amtsblatt Nr. L 88 vom 04.04.2011 –

S.11 und S.34

3 EU-Amtsblatt Nr. L 88 vom 04.04.2011 –

S.12-14

4 BGBl. I S. 2449, 2450

5 Das Gesetz wurde als Artikel 2 des

Gesetzes vom 5.12.2012, 2449 vom Bundestag

beschlossen, es trat gem. Art. 7,

Abs. 2, Satz 1 am 1.7.2013 in Kraft.

Allokationsverfahren

für Recycling bzgl. der

inhärenten Materialeigenschaften

recyceltes Material

erfährt eine reduzie -

rende Veränderung

recyceltes Material

erfährt keine

Veränderung

Material erfährt

eine positive

Veränderung

Abb.4

daraus folgende

Recyclingtypen

Downcycling

Recycling

Besser Upcycling

Quelle: Marc Blum, eigene Darstellung auf Basis Finkbeiner, 2013

18 Stahlreport 1/2|18


Verwertungsquoten in der 5-stufigen Abfallhierarchie

Abb.5

§ 6 KrWG – Abfallhierarchie Stahl Holz Beton Mauerwerk

(1) Vermeidung – ja nein nein

(2) Wiederverwendung – ja durch

Umnutzungsflexibilität,

Lebenszyklusverlängerung

11%

extrem selten

1%

nein

(3) Recycling a.) Upcycling

über „MRA“

b.) Downcycling

– ja

88%

-

nein

extrem selten

AI, AII, (AIII)

Anhang I, III

zu § 3 Abs. 1

AltholzV

1%

(4) Verwertung siehe zuvor – ja

thermisch gem.

§§ 7, 9

AltholzV

98%

nein

– ja

71,7%

– ja bedingt

19,9%

(5) Beseitigung nicht erforderlich – Ja

8,4%

Verlust aus dem Kreislauf 1% --- ---

Quelle(n) der Quoten

EPD-BFS-20130094-IBG1-

DE, Tab. –Kap. 4

Studiengemeinschaft Holzleimbau

e.V.- W

22.10.2014

http://www.kreislaufwirt schaftbau.de/Verw.html

22.10.2014

Quelle: Marc Blum, eigene Darstellung


Messen

und Märkte

Berichte

Internationale Eisenwarenmesse in Köln

Trends in der Hartwarenbranche

Die Digitalisierung betrifft zunehmend den Hartwarenbereich, denn auch die Sektoren Werkzeuge,

Industriebedarf, Befestigungs- und Verbindungstechnik, Beschläge sowie Bau- und

Heimwerkerbedarf vermitteln auf der kommenden internationalen Eisenwarenmesse einen

Eindruck davon, wie intensiv dieses Thema diesen Wirtschaftszweig dominiert. Vom 4.-7.3.18

findet in Köln diese wichtigste internationale Leistungsschau der Branche statt.

Die veranstaltende Koelnmesse

hat zu diesem roten Faden vorab Aussteller

nach Detailtrends dazu befragt:

z Bei den hochwertigen Werkzeugen

bekommt demnach das Thema Vernetzung

einen immer höheren Stellenwert.

So rücken integrationsfähige

Drehmomentschlüssel mit

Funkmodul für die vernetzte Produktion

mehr und mehr aus dem Versuchsstadium

heraus. Ein Aspekt

beim Dialog mit dem Fachhandel ist

für viele Anbieter von Präzisionswerkzeugen

die Neufassung der DIN

EN ISO 6789:2017, die mehr Komplexität

bei der Kalibrierung von Drehmomentwerkzeugen

verlangt. Demnach

müssen nun neben der

Anzeigeabweichung auch eine Vielzahl

möglicher Unsicherheitsparameter

erfasst werden.

z Das Thema Normung spielt in Köln

aber auch bei den Anbietern von

Steigtechnik eine Rolle, denn mit

Beginn des kommenden Jahres greift

die neue DIN EN 131 für tragbare

Leitern. Diese Norm trifft auf alle

Anbieter von Steigtechnik zu und

besagt beispielsweise, dass Anlegeleitern

ab einer Länge von 3 m künftig

grundsätzlich über eine Standverbreiterung

verfügen müssen. Auch

die Rutschfestigkeit und die Verwindungssteifigkeit

werden neu bewertet.

z Ein weiterer Aspekt, auf den sich

Werkzeuganbieter einstellen, sind

die gestiegenen Anforderungen in

Werkstätten und Fertigungen, in

denen an spannungsführenden Bauteilen

gearbeitet wird. Ein Aussteller

zeigt einen neuen VDE-Drehmomentschlüssel

speziell für diese

Anwendungen.

z Geht der Blick in Richtung Elektrowerkzeuge,

ist ein klarer Trend hin

zu noch leistungsstärkeren Akku-

Werkzeugen erkennbar. Wenn der

Profi Akku-Werkzeuge im großen Stil

einsetzen möchte, dürfen die Unterschiede

zu netzgebundenen Geräten

oder zu motorbetriebenen Werkzeugen

für den Garten- und Landschaftsbau

nicht allzu groß sein.

z Ebenfalls ein Stichwort ist die Flexibilität

in den Werkstätten. Nicht selten

werden Beschäftigte an verschiedenen

Arbeitsorten eingesetzt. Dabei

möchten sie möglichst ihr eigenes

Werkzeug nutzen. Dies geht nur mit

mobilen Arbeitstischen oder Werkstattwagen.

Diese Wagen sind Transporter

und Werkbank zugleich.

z In jeder Werkstatt, aber auch auf Baustellen,

müssen oft große, sperrige

oder schwere Gegenstände bewegt

werden. Um diese Tätigkeit für

Beschäftigte so leicht und kräfteschonend

wie möglich zu machen, sollten

Transport- und Montagehilfen

eingesetzt werden. Stabile Transportkarren,

mit denen sich leicht auch

Treppenstufen überwinden lassen,

vielseitig einsetzbare Plattformwagen

oder ergonomisch austarierte

Schubkarren sind einige Beispiele

dafür.

z Elektronische Produkte werden

immer kompakter, komfortabler, leistungsfähiger

und intuitiver. Deutlich

wird dies auch am Beispiel Leuchten:

Allein durch die LED-Technik ist

eine Lichtausbeute möglich, die sich

vor wenigen Jahren nur mit hohem

Aufwand realisieren ließ – und dies

alles bei geringem Stromverbrauch.

Zugleich wird die Elektronik zunehmend

intelligenter, beispielsweise

durch Funkschalter mit selbstlernender

Kodierung.

Trotz zunehmender Online-Umsätze

setzen viele Hersteller innovativer Produkte

gerade im B2B-Geschäft mehr

denn je auf die Stärke des stationären

Handels. Neue Strategien für den Fachhändler

spielen deshalb auf der INTER-

NATIONALEN EISENWARENMESSE

ebenso eine Rolle wie verkaufsunterstützende

Projekte. Eine Domäne des

stationären Fachhandels ist und bleibt

die Warenverfügbarkeit und -vielfalt.

Die Kunden – egal ob Profi oder Endverbraucher

– erwarten immer noch

ein umfangreiches Angebot. 2

20 Stahlreport 1/2|18


Valve World Expo in Düsseldorf

Armaturen im Fokus

Die Welt der Hersteller und Anwender von Armaturen

will die Valve World Expo 2018 abbilden,

zu der sich die Branche vom 27.-29.11.18 erneut in

Düsseldorf trifft. Ein besonderes Thema soll

dabei die Entwicklung von Simulationen sein.

In den Hallen 3, 4 und 5 des

Düsseldorfer Messegeländes präsentieren

sich auf der Messe internationale

Spezialisten aus den Bereichen

Armaturen, Armaturenkomponenten,

Stellantriebe, Kompressoren, Ingenieurdienstleitungen,

Verlage und

Software. Erwartet werden über 700

Aussteller aus 40 Ländern auf einer

Ausstellungsfläche von rund 20.000 m 2 .

Zur letzten Veranstaltung im Jahr

2016 kamen 12.420 Fachbesucher

aus 89 Ländern.

Mit Fachvorträgen und Workshops

internationaler Referenten findet

die begleitende VALVE WORLD

Conference 2018 in der Messehalle 4

statt, integriert ins Messegeschehen.

Der Pump Summit findet als Sonderschau

in der Halle 5 statt, so dass

eine inhaltliche und optische Verzahnung

von Konferenz, Sonderschau

und Messe realisiert wird. Aktuelle

Pumpentechnologien sowie neueste

Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft

werden dort präsentiert.

Als Schnittstelle zwischen Armaturen-

und Ventiltechnologien soll der

Pump Summit eine wertvolle Ergänzung

bieten und für die Besucher

wichtige Synergien schaffen.

Als Schlüsseltechnologien spielen

Industriearmaturen und Ventiltechnik

für alle Industriezweige eine

entscheidende, unverzichtbare Rolle.

Die Teilnehmer kommen daher aus

den Industriebranchen Petrochemie,

Öl- und Gas, Chemie, Marine- und

Offshore, Lebensmittel, Wasser- und

Abwassermanagement, Automobil,

Maschinenbau, Pharmazie und Medizintechnik

sowie der Kraftwerksindustrie.

Simulationstechnik

Damit sind Branchen genannt, die

von den Entwicklungen in der Simulationstechnik

profitieren können.

Ventile mit großen Nennweiten beispielsweise

fordern die Ingenieure

beim Prototypenbau besonders

heraus. Ihre Herstellung und Tests

auf dem Prüfstand sind sehr aufwändig.

Und das unter einem Zeitdruck,

der keine allzu großen Verzögerungen

zulässt. Doch mittlerweile kommt

Tempo ins Spiel. Eine Strömungssimulation

macht es möglich: Ventile

mit größeren Nennweiten zu konstruieren

und zu produzieren, ist

heute weitaus schneller und leichter

zu realisieren.

Auch der deutsche Wissenschaftsrat

unterstreicht diese Entwicklung

und sieht die Simulation

als Erkenntnisinstrument, das sich

mit einer hohen Dynamik entfaltet.

In diesen Zusammenhängen müssen

auch die Entwicklungen beim

3D-Druck betrachtet werden – ein

weiteres Thema der VALVE WORLD

EXPO 2018. 2

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Weitere Informationen

gibt es unter

www.valveworldexpo.de

und www.pumpsummit.de.

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Messen

und Märkte

Bericht/Nachrichten

Bautec in Berlin

Werkstoffe und Wertschöpfung

Wenn am 20.2.der Startschuss für die Bautec 2018 fällt, soll das Berliner Messegelände vier

Tage lang zum wichtigsten Anziehungspunkt für die nationale und internationale Bau- und

Gebäudetechnikbranche werden. Dabei interessieren besonders u.a. die Trends bei den Werkstoffen

sowie die digital bedingten Entwicklungen von Wertschöpfungsketten. Diese Materialund

Marktaspekte u.a. wollen die einzelnen Messeteile und ihre Begleitveranstaltungen aufgreifen.

[ Info ]

Weitere Informationen

stehen unter

www.bautec.com

bereit.

Ganz oben auf der Agenda von

Ausstellern und Fachbesuchern steht

neben der Präsentation neuester Technologien

und Produkte der fachliche

Austausch mit Führungsvertretern aus

Wirtschaft, Industrie sowie Politik. Die

18. bautec präsentiert sich dazu mit

vielen Premieren, darunter dem

bautec.INNOVATION AWARD, dem Tag

der Immobilienwirtschaft am 21.2. und

dem Architektenkongress FASSADE

2018 am 22.2.

Thematische Schlagworte sind in diesen

und anderen Zusammenhängen

der serielle Wohnungsbau für die Schaffung

von mehr und kostengünstigem

Wohnraum, die Digitalisierung am Bau

sowie Fragen zur Ausbildung und Fachkräftegewinnung

im KarriereCenter

BAU. Außerdem steht der energetische

Systemverbund von Gebäudehülle und

intelligenter Gebäudetechnik im Mittelpunkt.

Materialien

Lange Zeit galten Stahl, Glas und Beton

als Inbegriff moderner Baukunst. Nun

bereichert immer mehr Holz als das

wahrscheinlich älteste Konstruktionsmaterial

die Architektur. Der Anteil

von reinen Holzbauten, aber auch von

Mischkonstruktionen nimmt am

Gesamtbauvolumen kontinuierlich zu.

Für die kommende Bautec verweisen

die Veranstalter auf diesen Trend

und wollen zeigen, wie gut sich Holz

und nachwachsende Rohstoffe für den

Ausbau, die Energiebereitstellung und

sogar als Dämmstoffe eignen. Das entsprechende

Produkt-Portfolio in Halle

22 reicht von Dämmstoffen, Fenstern

und Glas über Holz- und Holzleimbau

bis hin zum Innenausbau.

In Halle 22 befindet sich auch das

Werkstoff-Forum. Dort können sich

Architekten, Planer, Bauherren und

Verarbeiter umfassend über innovative

Werkstoffe und Materialien aus

nachwachsenden Rohstoffen informieren.

Märkte

In vielen deutschen Großstädten verschärft

sich der Wohnungsmangel

zunehmend. Als eine der ersten Baufachmessen

hatte die bautec deshalb

2016 erstmals eine Sonderschau zum

Thema kostengünstiger und nachhaltiger

Wohnungsbau implementiert.

Diese Sonderschau wird nun weiterentwickelt

und in die Ausstellung der

bautec integriert.

Um den enormen Wohnungsbedarf

schnell und zu bezahlbaren Mieten zu

decken, hatten Politik und Verbände

2017 eine europaweite Ausschreibung

einer Rahmenvereinbarung zum seriellen

und modularen Wohnungsbau

gestartet. Es ist geplant, die Ergebnisse

des Wettbewerbs sowie die Ansätze

des seriellen Bauens nun im Rahmen

dieser Sonderschau zu thematisieren.

Zuerst digital und dann real bauen

– so wird demnach das zukünftige

Bauen aussehen. Die digitale Arbeitsmethode

für die Baubranche ist das

Building Information Modeling, kurz

BIM. Das Thema „Digitales Planen,

Bauen und Betreiben – Neue Ideen

umsetzen und Erfolg sichern“ steht im

Mittelpunkt des Fachkongresses am

21.2. im Marshall-Haus. Referenten aus

der Baupraxis wollen an konkreten Beispielen

zeigen, wie der Einstieg in die

Digitalisierung des Unternehmens

gelingt und welche Einstiegsvarianten

sich für BIM anbieten.

Die bautec – Internationale Fachmesse

für Bauen und Gebäudetechnik

– findet alle zwei Jahre in Berlin statt;

in diesem Jahr in einem konjunkturell

äußerst dynamischen Umfeld (vgl.

gesonderte Berichterstattungen in diesem

Heft).

Messen

35.000 Besucher informierten sich 2016

bei 502 Ausstellern aus 17 Ländern

über die neuesten Produkte, Services

und Themen der nationalen und internationalen

Bau- und Immobilienwirtschaft.

Veranstalter der bautec ist die

Messe Berlin, ideeller Träger ist der

Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

e.V. Die 18. bautec findet auf

dem Berliner Messegelände in den Hallen

20 bis 26 statt.

In der parallel laufenden GRÜN-

BAU BERLIN finden Fachbesucher alles

zum Thema Garten- und Landschaftsbau.

2

22 Stahlreport 1/2|18


Saubere Sachen

Messe parts2clean in Stuttgart

Die 15. Auflage der parts2clean war

nicht nur die bisher größte, sondern auch eine

der bestbesuchten. 253 Aussteller aus 16

Ländern präsentierten vom 24.–26.10.17 in

Stuttgart neue, weiterentwickelte und bewährte

Produkte bzw. Dienstleistungen für die industrielle

Teile- und Oberflächenreinigung. Bei der

belegten Fläche erreichte die Veranstaltung mit

mehr als 7.300 m 2 das bislang beste Ergebnis

ihrer Geschichte. Mit rund 4.900 Fachbesuchern

waren knapp 20 mehr als bei der vergleichbaren

Vorveranstaltung 2015 gekommen.

Besucht wurde die internationale Leitmesse

für industrielle Teile- und Oberflächenreinigung

von Unternehmensvertretern aus unterschiedlichsten

Branchen. Den Schwerpunkt

bildeten im vergangenen Jahr der Maschinenbau,

die Chemie- und Verfahrenstechnik sowie

die Oberflächentechnik. Der Anteil der Fachbesucher

aus der Automobil- und Fahrzeugindustrie

lag mit 32 % auf einem konstant hohen

Niveau.

Mit steigender Bedeutung: industrielle Teilereinigung.

Mit 53 % ging mehr als die Hälfte der Besucher

davon aus, dass die Bedeutung der Teilereinigung

und damit auch die der parts2clean

als Informations- und Beschaffungsplattform

künftig weiter steigen wird. Dieser Wert hat

sich im Vergleich zur Vorveranstaltung um 6 %

erhöht.

Dass diese Entwicklung nicht auf den

deutschsprachigen Raum begrenzt ist, zeigte

auch das große Interesse internationaler

Besucher an den in englischer Sprache durchgeführten

Guided Tours sowie an den simultan

übersetzten Vorträgen des parts2clean-

Fachforums.

Die nächste parts2clean findet vom 23.-

25.10.18 wiederum in Stuttgart statt. Veranstalterin

ist die Deutsche Messe AG.

Foto: Deutsche Messe AG

Moderne Produktion

Messe Formnext in Frankfurt

Vier Tage im November (14.-17.)

war die formnext 2017 Messemittelpunkt

für das Additive Manufacturing und weitere

Ausprägungen moderner Produktionstechnologie.

470 Aussteller aus 33 Nationen beteiligten

sich in Frankfurt/Main mit zahlreichen

Innovationen aus den unterschiedlichsten

Bereichen der Prozessketten

aktueller industrieller Fertigung. Mit über

21.000 Besuchern konnte die Leistungsschau

die Teilnehmerzahl gegenüber dem

Vorjahr deutlich steigern. Mit einer Internationalität

der Besucher von 46 % hat die

formnext zudem ihre weltweite Bedeutung

unterstrichen.

Die Besucher repräsentierten zahlreiche

weltbekannte Unternehmen und die ganze

Bandbreite der industriellen Produktion.

Dazu zählten auch Vertreter von führenden

OEM, wichtige Zulieferer aus zahlreichen

Industriebereichen – von der Luftund

Raumfahrt über Automobil bis zu

Medizin sowie die Öl- und Gasförderung.

Arbeitsschutz Aktuell

Messe und Kongress in Stuttgart

“Sicher und gesund arbeiten“ lautet

das Motto des dreitägigen Kongresses, der

zeitlich parallel im Rahmen der Fachmesse

Arbeitsschutz Aktuell vom 23.–25.10.18 in

Stuttgart Fragen zum Arbeits-, Gesundheitsund

Umweltschutz diskutieren wird. Die

Fachvereinigung Arbeitssicherheit e.V.

(FASI) ist der ideelle Träger beider Veranstaltungsteile

und hatte bereits im Herbst

Fachleute dazu aufgerufen, ihre Ideen zur

Ausgestaltung der insgesamt 16 Kongressblöcken

einzubringen.

„Im kommenden Jahr werden wir neben

aktuellen Themen, wie der Zukunft der Fachkräfte

für Arbeitssicherheit, neuen gesetzlichen

Vorschriften, neu gefassten Verordnungen

und Regeln auch die Herausforderung

der Entwicklungen im Bereich Industrie 4.0

beleuchten,“ betonte damals Hartmut

Karsten als amtierender Präsident der FASI.

Die Arbeitsschutz Aktuell 2018 in Stuttgart

erwartet Größenordnungen von 12.000

Fachbesuchern, 300 Ausstellern und 1.000

Kongressteilnehmern insbesondere aus

Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Veranstalter der Fachmesse ist die HINTE

Messe- und Ausstellungs-GmbH.

(www.arbeitsschutz-aktuell.de)

Erstmals auf zwei parallelen Bühnen

fokussierte die Konferenz zur Messe

zudem an allen vier Veranstaltungstagen

aktuelle Anwendungen und die Zukunft

der Additiven Fertigung. Führende

Experten aus zahlreichen Industrien

präsentierten über 1.000 Teilnehmern

einen umfassenden Überblick und gaben

Inspirationen für weitere Entwicklungen.

[ Info ]

Die nächste formnext findet vom

13. – 16.11.2018 in Frankfurt am Main statt.

Hub.berlin wächst weiter

Die hub.berlin entwickelt sich von einer Digitalkonferenz

immer mehr zu einem interaktiven

Business Festival – und findet deshalb

künftig zweitätig statt, hat der Digitalverband

BITKOM mitgeteilt. Erstmals kamen 2017 mehr

als 3.000 Teilnehmer in die „Station Berlin“,

um sich über innovative Geschäftsideen zu

informieren, in Workshops konkrete Lösungen

für die Herausforderungen der Digitalisierung

zu erarbeiten und einen Blick in die entsprechenden

Labore von Unternehmen bzw. Wissenschaftseinrichtungen

zu werfen. Demnächst

wird es dafür noch mehr Raum geben:

Die hub.berlin findet künftig an zwei Tagen

statt und wechselt vom Winter ins Frühjahr.

Nächster Termin ist der 10.-11.4.19, erneut in

Berlin. Zu den thematischen Schwerpunkten

der letztjährigen hub.berlin zählten auf den

insgesamt sieben Bühnen u.a. Blockchain,

Künstliche Intelligenz und Virtual Reality. Insgesamt

waren mehr als 500 Start-ups bei der

hub.berlin vertreten.

Stahlreport 1/2|18

23


Messen

und Märkte

Nachrichten/Berichte

Optimierte Oberflächen

Messe Deburring in Karlsruhe

„Zu dieser Messe kommen ausschließlich

Fachbesucher, die eine Lösung

für ein Entgratproblem oder zur Optimierung

der Oberfläche suchen.“ Dieses

Resümee zogen so oder ähnlich rund 150

Aussteller

der zweiten DeburringEXPO, die vom 10.

bis 12.10.17 in Karlsruhe stattfand.

Rund 2.000 Besucher aus 38 Ländern

waren zur 2. Fachmesse für Entgrattechnologie

und Präzisionsoberflächen nach

Baden gereist. Mit über 1.000 Teilnehmern

fand das erstmals zweisprachig

durchgeführte Fachforum zur Messe statt.

Mit ihrem konsequent am Entgraten, Verrunden

und der Herstellung von Präzisionsoberflächen

ausgerichteten Ausstellungsspektrum

deckt das Messekonzept

Prozesse ab, die in der Fertigung offenbar

an Bedeutung gewinnen. „Die Themen

Entgraten und Präzisionsoberflächen werden

in den Unternehmen zunehmend

wichtiger. Denn bei allen Optimierungsmaßnahmen

im Vorfeld der Werkstückbearbeitung

bleibt etwas zurück, das entfernt

werden muss“, erklärte Ralf Krieger,

Contract Shop Manager Europe bei der

Extrude Hone GmbH, den Trend.

Internationaler Architektur Kongress „Neues Bauen mit Stahl“

Baukultur im urbanen Kontext

Unter dem Motto „Neues Bauen mit

Stahl – Baukultur im urbanen Kontext“

haben renommierte Architekturbüros parallel

zu den „Baufachtagen West“ aktuelle

Projekte aus der ganzen Welt vorgestellt.

Auf dem von der Wirtschaftsvereinigung

Stahl in Kooperation mit der Architektenkammer

Nordrhein-Westfalen und dem

Industrieverband Feuerverzinken durchgeführten

Kongress ging es in der Messe

Essen im Januar unter anderem um energieeffiziente

und wirtschaftliche Trag- und Fassadenstrukturen

aus Stahl.

Referenten dieses Kongresses, zu dem rund

850 Teilnehmer gekommen waren, waren

unter anderem Prof. Dr. Mike Schlaich von

schlaich bergmann partner, Sara Klomps

von Zaha Hadid Architects und Gerhard

Wittfeld, kadawittfeldarchitektur.

Eröffnet wurde der mittlerweile 9. Internationale

Architekturkongress von der NRW-

Landesministerin für Heimat, Kommunales,

Bau und Gleichstellung, Ina Schnarrenbach.

„Man kann eine Baukultur nicht verordnen.

Die Landesregieurung bekennt sich aber

zum Baustoff Stahl“, sagte die Ministerin

zum Auftakt.

Die Diskussion um den optimalen Baustoff

etwa für urbanes Bauen bekommt durch

den aktuellen Boom der Baubranche sowie

einen generellen Paradigmenwechsel der

Bauorganisation Aktualität. Büro- und

Gewerbeimmobilien, Kultur- und Freizeiteinrichtungen

sowie Bahnhöfe sind in immer

kürzerer Zeit zu planen und auszuführen.

Private und öffentliche Bauherren, Architekten

und Investoren suchen nach wirtschaftlichen,

aber auch nach architektonisch

ansprechenden und nachhaltigen Lösungen.

„Vor allem seine Recyclingfähigkeit unterscheidet

Stahl von anderen Werkstoffen“,

sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident und

Hauptgeschäftsführer der WV Stahl.

Im Vergleich mit anderen Ländern wie Großbritannien

oder den Niederlanden ist das

Bauen mit Stahl in Deutschland immer noch

vergleichsweise wenig verbreitet. Das liegt

auch an dem günstigen Umfeld, auf das

Stahlbauprojekte etwa in den Niederlanden

treffen. So werten die dortigen Banken den

verbauten Stahl nicht als verlorenes Kapital,

sondern rechnen mit ihm als Wert, der am

Lebenszyklus-Ende wieder zugänglich

gemacht werden kann, berichtete Architekt

Gerhard Wittfeld.

[ Info ]

Die nächste DeburringEXPO findet vom

8.–10.10.19 wiederum in Karlsruhe statt.

Warb für Bauprojekte mit Stahl: Architekt Gerhard Wittfeld auf dem Internationalen Architekturkongress

im Januar in Essen.

Neuartige

Gleitschleifanlagen gezeigt

Der Hersteller von Gleitschleifanlagen Walther

Trowal auf der Deburring Expo Gleitschleifanlagen

gezeigt, die die ganze Prozesskette

zwischen dem Zu- und dem

Abführen der Teile umfassen und auch

Funktionen wie die Oberflächenbehandlung

durch Entölen und Entfetten sowie den Korrosionsschutz

einschließen. Die Walter Trowal

GmbH & Co. KG stellt neuartige TT-

Fliehkraftanlagen mit Drehtellern und

Verschleißringen aus Polyurethan und einer

Spaltspülung zwischen dem Teller und dem

Arbeitsbehälter her.

Foto: BDS/mh

24 Stahlreport 1/2|18


Erstmals Forum auf der Metav

Alles zum Stand

der Sägetechnik

Foto: Messe Essen

Baufachtage West 2018

Baumessen-Spezialisierung

zahlt sich aus

Wer im Januar einen Überblick gewinnen wollte, was sich beim

Bauen mit Stahl derzeit tut, war auf den Baufachtagen West in

Essen richtig. Die Nachfolgeveranstaltung der eingestellten

Deubaukom bot an vier Veranstaltungstagen reichhaltigen Input

zu Entwicklungen und Trends der Branche. Hinter den „Baufachtagen

West“ verbergen sich drei gleichzeitig stattfindende Baumessen:

die Messen Industrial Building, Construct IT und acqua alta.

plus die vierte, extern organisierte Fachmesse InfraTech – ein laut

Veranstalter in Deutschland bis dahin einzigartiges Konzept.

Erstmalig präsentierte die

INDUSTRIAL BUILDING Produkte und

Systemlösungen aus den Bereichen

Planung, Gebäudehülle und Gebäudetechnik

für industriell und gewerblich

genutzte Gebäude. Mit der CONSTRUCT

IT hat ein weiteres Messeformat Premiere

gefeiert, das Software-Lösungen

der Baubranche eine Plattform bot.

Vervollständigt wurde das Messe-Trio

durch die etablierte acqua alta, der

Fachmesse rund um Hochwasserschutz,

Klimafolgen und Katastrophenmanagement.

Gleichzeitig zu den Baufachtagen

West hat Rotterdam Ahoy

auf dem Gelände der Messe Essen die

InfraTech veranstaltet.

Zu den drei Spezialbaufachmessen

kamen rund 3.000 Besucher sowie

7.000 Besucher zu der parallel stattfindenden

InfraTech. Für die INDUS-

TRIAL BUILDING sowie die CON-

STRUCT IT bedeute das eine

erfolgreiche Premiere, so die Messe

Essen. Die Transformation in Richtung

individualisierter Spezialbau-

fachmessen zahle sich aus. Besucher

konnten sich unter anderem über hochbelastbaren

Stahlfaserbetonboden der

Deutsche Industrieboden GmbH und

das Tragwerksystem aus Stahl für weitgespannte

Tragwerke ab 35 m Spannweite,

PREON ® , von Vallourec informieren.

Eine besondere Auftaktveranstaltung

war am ersten Messetag der Internationale

Architektur-Kongress des

Stahl-Zentrums, Düsseldorf, der Architektenkammer

Nordrhein-Westfalen

sowie des Industrieverbands Feuerverzinken

(siehe vorstehenden Beitrag).

Ergänzt wurde die Messe unter

anderem durch die eintägige Fachtagung

„Digitalisierung im Bauwesen“

der Ingenieurakademie West. Auf dem

Programm der Tagung stand die Diskussion

um die Planungsmethode BIM,

und welche Vorstellungen die Politik

für die digitale Planung künftiger Bauprojekte

hat. Erste Maßnahmen der

öffentlichen Hand wurden vorgestellt

und diskutiert. 2

Auf der METAV 2018 findet am 20.

Februar erstmals ein Forum zur Sägetechnik

statt. Gezeigt werden neueste

Entwicklungen und anwendungsnahe

Lösungsansätze – vom einfachen Einzelzuschnitt

im Werkstattbetrieb bis hin zum

Massenzuschnitt. Das Anwendungsforum

Sägetechnik wird gemeinsam vom Verein

Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken

(VDW) mit dem Fraunhofer-Institut für

Produktionstechnik und Automatisierung

(IPA) organisiert. „Wir wollen Maschinenund

Werkzeughersteller gezielt mit den

Anwendern in den Dialog bringen“, betont

Tim Mayer, Gruppenleiter Sägetechnologie

am IPA.

In den drei Themenblöcken Sägemaschinen,

Sägewerkzeuge und Prozessoptimierung

stellen das IPA und unterschiedliche

Marktführer der Sägebranche anwendungsnahe

Lösungsansätze vor. Die Teilnehmer

der Veranstaltung erhalten so

einen Überblick über aktuelle Trends bei

den Sägeverfahren selbst, aber auch bei

den eingesetzten Werkzeugen und in den

Fertigungs- und Automatisierungsprozessen.

So können sie sich ein Bild vom

Stand der Forschung machen und erfahren

gleichzeitig von Technologieführern,

was bereits in der unternehmerischen

Praxis möglich ist.

Zur Sprache kommen dabei auch die

Chancen und Möglichkeiten bei der Vernetzung

und Digitalisierung der Sägemaschine

sowie anschließender Prozesse.

Fach- und Führungskräfte erhalten so

konkrete Entscheidungshilfen und Hinweise

zum Themenfeld Sägetechnik.

[ Info ]

Was: Anwenderforum Sägetechnik

Wann: 20. Februar 2018, 09.30 bis 13.30 Uhr

Wo: Messe Düsseldorf, Convention Center

CCD Ost, Raum M

Organisation: Fraunhofer IPA, VDW

Kosten: 120 €, Tagesticket für die METAV

2018 ist enthalten.

Anmeldung: https://saegen-stuttgart.de/

Stahlreport 1/2|18

25


Messen

und Märkte

Berichte

Rekordbeteiligung – für die wire und Tube vom 16. bis 20. April

2018 zeichnet sich eine nochmal größere Beteiligung als bei den

Vorveranstaltungen ab.

Foto: Messe Düsseldorf/ctillmann

Stahlhandel präsentiert sich

auf BDS-Gemeinschaftsstand

wire und Tube

auf Rekordkurs

Knapp drei Monate vor Beginn des Düsseldorfer

Metallmessen-Duos Wire und Tube im April

(16.-20.04) sind die Hallen so gut gebucht wie noch

nie. Das meldete die Messe Düsseldorf im Januar.

Nie zuvor wurden so viele Quadratmeter vermietet

wie in diesem Jahr, hieß es. Bereits jetzt belegten

wire und Tube rund 10.000 m 2 mehr als bei den letzten

beiden – ebenfalls sehr gut gebuchten – Messen

von 2016. Zur wire 2018 haben sich aktuell 1.180 Aussteller

aus 50 Ländern angemeldet. Die Tube schließt

sich mit bislang 965 ausstellenden Unternehmen aus

53 Ländern an.

Der Stahlhandel präsentiert sich auf der Tube

Die Tube 2018 findet in den Messehallen 3 bis 7.0 und

7a und den Hallen 16, 17 sowie Teilen der temporären

Halle 18 statt. Maschinen und Anlagen zur Rohrherstellung,

Rohrbearbeitung und Rohrverarbeitung sowie

Rohmaterialien, Rohren und Zubehör, Gebrauchtmaschinen,

Werkzeuge zur Verfahrenstechnik, Hilfsmittel,

Mess-, Steuer-, Regel- und Prüftechnik gehören zum

umfangreichen Angebot.

Pipelines und der Bereich der OCTG-Technologie, Profile

und Maschinen sowie Plastic Tubes ergänzen das

Angebot. Rohrzubehör befindet sich in den Hallen 16 und

17, der Handel mit Rohren und die Rohrherstellung sind

in den Messehallen 3 und 4, 7 und 16 zu finden.

Auch der Stahlhandel ist auf der Tube vertreten. Auf

einem vom Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS)

organisierten Gemeinschaftsstand präsentiert eine Reihe

von Mitgliedsunternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen:

z Bepro Blech und Profilstahl Handelsgesellschaft m.b.H.

& Co KG

z MCB Deutschland GmbH

z Peter Drösser GmbH

z RHB Voß GmbH

z Rohrhandel – Brunzel GmbH

z Voß Edelstahlhandel GmbH & Co. KG

Auch abseits des BDS-Gemeinschaftsstands zeigen viele

weitere Unternehmen des Stahlhandels ihr Produktportfolio

(siehe Ausstellersuche auf der Messe-Webseite

www.tube.de).

wire mit Fokus auf Glasfaser-Technologien

Die wire 2018 findet in den Messehallen 9 bis 16 und Teilen

der temporären Halle 18 statt: Gezeigt werden Maschinen

und Anlagen zu Drahtherstellung und Verarbeitung,

Werkzeuge und Hilfsmaterialien zur Verfahrenstechnik

sowie Werkstoffe, Spezialdrähte und Kabel. Außerdem präsentieren

sich Innovationen aus den Bereichen Mess-,

Steuer- und Regeltechnik, Prüftechnik und Spezialgebiete.

Der Fokus liegt 2018 noch stärker als bisher auf den

Möglichkeiten der Gasfasertechnologien. Glasfaser sind

leistungsstärker, schneller und oft zuverlässiger als

herkömmliche Materialien. Damit reagiert die Messe Düsseldorf

auf den zunehmenden Einsatz von Glasfasertechnologien

in der Energiewirtschaft, den Bau- und Kommunikationsbranchen.

2

26 Stahlreport 1/2|18


Foto: Messe Stuttgart

„So viele Aussteller, Neuheiten und

Premieren wie noch nie“, verspricht

der Veranstalter zur Logimat 2018.

LogiMAT 2018

Intralogistik aus erster Hand

Eine Vielzahl an Innovationen und Neuvorstellungen prägen den

Auftritt der Maschinen- und Anlagenbauer auf der 16. LogiMAT,

verspricht der Veranstalter. Trendthemen sind unter anderem

neue fahrerlose Transportsysteme sowie Komplettlösungen für

automatisierte Prozesse bei KMU.

Die Materialflusskonzepte für

Logistikanlagen sind im Wandel. Audi

zum Beispiel prüft den Einsatz von

Drohnen in der Produktionsversorgung,

fahrerlose Transportfahrzeuge

(FTF) bugsieren Behälter und Paletten

durch die Hallen, und die Entwicklung

mobiler Pick-Roboter stehen kurz

vor dem „Griff in die Kiste“.

Viele Produktpremieren

Diese Entwicklung spiegeln die Exponate

und Innovationen, welche die

Fördertechnik-, Maschinen- und Anlagenbauer

auf der LogiMAT 2018

vorstellen – oft als Premiere. Auf der

LogiMAT sind alle namhaften internationalen

Hersteller vor Ort. Sie präsentieren

dem Fachpublikum einen

kompakten Überblick über die aktuellen

Neuentwicklungen und bewährten

Standardsysteme – und bieten

einen direkten Angebotsvergleich.

Das Spektrum reicht dabei von

Neuentwicklungen bei den Fördertechnikkomponenten

über mobile

Pick-Roboter und innovative Kommissioniersysteme

bis hin zu den

Neuheiten für die klassischen automatisierten

Logistikanlagen mit

neuen Shuttle-Lösungen, Elektrohängebahnen

und kompakten All-in-

One-Anlagen für automatisierte,

dynamische Lagerprozesse.

„So viele Aussteller, Neuheiten

und Premieren wie auf der 16. Internationale

Fachmesse für Intralogistik-Lösungen

und Prozessmanagement

waren noch nie in Stuttgart zu

sehen“, sagt Peter Kazander,

Geschäftsführer der EUROEXPO

GmbH und Messeleiter der LogiMAT.

Fahrerlose Fahrzeuge

im Kommen

Viele Unternehmen der Fördertechnik

und des Anlagenbaues fokussieren

2018 dabei auf fahrerlose

Fahrzeuge. Gleichwohl: Für große

Mengen und hohe Durchsatzanforderungen

wird es zunächst bei fest

installierten Fördertechnikanlagen

bleiben. „Sie werden durch kontinuierliche

Weiterentwicklungen

von Konzepten und Komponenten

ebenfalls immer leistungsstärker“,

so Markus Schröppel, stellvertretender

Institutsleiter und Abteilungsleiter

Maschinenentwicklung

und Materialflussautomatisierung

am Institut für Fördertechnik und

Logistik IFT der Universität Stuttgart

Auch ein umfangreiches Rahmenprogramm

steht für die Informationsbedürfnisse

der Besucher

bereit (Infos siehe Messe-Webseite

www.logimat-messe.de). 2

Metallbau

Stahlbau

Fahrzeug-/ Landmaschinen-/

Schiffsbau

Maschinenschutzeinrichtung/

Maschinenbau und Anlagenbau

Regalbau und Lagersysteme

Containerbau

Möbel-/ Laden-/ Innenausbau

Klima- und Solartechnik

Stahlreport 1/2|18

27


Spezial

Konjunktur

Berichte/Nachrichten

Freude und Vorsicht

Die deutsche

Wirtschaft wächst weiter

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt

ist im vergangenen Jahr stärker als

erwartet gewachsen; nach Angaben des

Statistischen Bundesamtes um 2,2 %.

Freude und Vorsicht bestimmten die

Reaktionen in Wirtschaft, Politik und

Gesellschaft darauf. Hintergründe und

Details zu diesen Entwicklungen greift

dieser Spezialreport Konjunktur auf.

Wie Mitte Januar – während der Sondierungen

für eine mögliche neue Große

Koalition – bekannt wurde, ist die deutsche

Wirtschaft 2017 um 0,3 % stärker

gewachsen als 2016. Und für das laufende

Jahr erwarten führende Forschungsinstitute

sogar ein Plus um etwa

2,5 % (Kieler Institut für Weltwirtschaft).

Erst 2019 sollen die Zuwächse etwas

zurückgehen.

Als überraschend wurde in diesen

Zusammenhängen gewertet, dass diese

Zahlen sowohl auf den Inlandsentwicklungen

als auch auf Exporten beruhen

und trotz der außen- bzw. sicherheitspolitischen

Risiken erreicht werden konnten.

Entsprechend anhaltend positiv werden

in Fachkreisen die Aussichten beispielsweise

für die öffentlichen Kassen und

etwa für den Arbeitsmarkt gewertet –

allerdings auch mit steigendem Fachkräftemangel.

Eine solche zweigeteilte

Sicht machte sich u.a. Dr. Holger Bingmann

zu eigen, Präsident des Bundesverbandes

Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA):

„Mit dem wirtschaftlichen Erfolg 2017 im

Rücken blicken wir optimistisch nach

vorne. Allerdings werden die Herausforderungen

2018 nicht weniger. Daher gilt

es diese Zuversicht nicht mit falschen

politischen Weichenstellungen zu gefährden.

Die Stärkung des Standorts und die

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sind

von entscheidender Bedeutung und

Basis für wirtschaftlichen Erfolg und

soziale Sicherheit von morgen.“ (Vgl.

nebenstehenden Bericht)

Was der Groß- und Außenhandel zur weiteren Entwicklung beiträgt

Fakten und Forderungen

„Nach einem geradezu sensationellen Jahr starten wir optimistisch

in das neue Jahr 2018. Das Jahr 2017 ist viel, viel besser gelaufen als

noch am Jahresanfang zu erwarten war.“ Dies erklärte Dr. Holger

Bingmann, Präsident des BGA zum Jahreswechsel in Berlin. Die

dazu präsentierten erfreulichen Fakten kombinierte er allerdings

auch mit deutlichen Forderungen zur weiteren Entwicklung.

Angesichts der positiven Entwicklung

der Weltwirtschaft sowie

der Binnenwirtschaft konnten 2017

Export, Import und Großhandel, die

besonders im Fokus des Bundesverbandes

Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA) stehen, mit

neuen Rekordwerten glänzen und

sowohl eine gute Ausgangsbasis für

2018 schaffen als auch den verbandlichen

Forderungen Nachdruck verleihen.

Zahlen

z Für den Großhandel rechnet der

BGA im neuen Jahr mit einem weiteren

Anstieg um 2,5 % auf 1.235

Mrd. €. (Vgl. Abb. 1)

z Bei den Ausfuhren erwartet der

Dachverband ein Wachstum von

voraussichtlich 5 % auf einen neuen

Rekordwert von rund 1.340 Mrd.€.

z Und bei den Einfuhren soll es um

7 % auf 1.104 Mrd. € nach oben

gehen. (Vgl. Abb. 2)

„Schöner Nebeneffekt dieser Entwicklung

ist, dass der Außenhandelsüberschuss

damit bereits zum

zweiten Mal in Folge sinken wird“,

so der BGA-Präsident. Diese und

weitere Fakten sowie die entsprechenden

Einschätzungen verdichtet

der BGA regelmäßig in einem

Großhandelsklimaindikator. Diese

Messgröße ergibt sich aus den Einschätzungen

zur aktuellen und

den Erwartungen zur künftigen

Geschäftslage.

Für das erste Halbjahr 2018

ergibt sich in Sachen Geschäftslage

ein Ergebnis von 130,1 (Mittelwert

bisher insgesamt: 109,6), zu den

Geschäftserwartungen ein Wert von

132,5 (Mittelwert bisher insgesamt:

114,9). Daraus resultiert ein Indikator

von 131,3 (Mittelwert bisher insgesamt:

112,3). Diese Kenngröße

war mit 131,6 seit 2012 nur für das

zweite Halbjahr 2017 höher. (Vgl.

Abb. 3)

Die jüngste Ausgabe davon

hatte Bingmann auf seiner ersten

Jahrespressekonferenz als BGA-

Präsident Mitte Dezember vorgestellt

– und damit auch eine Reihe

politischer Forderungen sowie den

Vorwurf verbunden, dass die Politik

sich von den guten Zahlen blenden

lasse.

28 Stahlreport 1/2|18


Zukunft

Neben den politischen Umbrüchen

erfordere der technologische Aufbruch

mit den einhergehenden Veränderungen

in der Wertschöpfung

ein massives Umdenken in den Unternehmen

und in der Politik, um die

Wohlfahrtsgewinne zu sichern. Wirtschaftliche

Stärke und soziale Sicherheit

sind dabei zwei Seiten derselben

Medaille“, mahnte Bingmann.

Die neue Bundesregierung dürfe nicht

nur soziale Gerechtigkeit, Flüchtlinge

und Energiepolitik in den Mittelpunkt

stellen, sondern müsse auch

Zukunftsthemen wie Bildung, Digitalisierung,

Infrastruktur und internationaler

Handel berücksichtigen.

„Das Korsett der wirtschaftlichen

Rahmenbedingungen, die uns die

Politik setzt, muss wieder lockerer

geschnürt werden. Wir brauchen

Gestaltungschancen und Entfaltungsmöglichkeiten

statt Schranken und

neue Barrieren. Nicht umsonst klagen

unsere Groß- und Außenhändler

regelmäßig über die überbordende

Bürokratie, eine hohe Steuerlast und

zu starre Arbeitszeitregelungen“, forderte

der Präsident.

Zugleich plädiert er dafür, in der

Finanzpolitik den Konsolidierungskurs

nicht zu verlassen und den Verteilungsspielraum,

der angesichts

sprudelnder Steuereinnahmen noch

bleibe, für Entlastungen und sinnvolle

Zukunftsinvestitionen vor allem

in drei Bereichen zu nutzen: In die

Infrastruktur, und da sei nicht nur

der Breitbandausbau gemeint, sondern

auch Straßen und Brücken,

Schienen und Wasserwege, Häfen

und Flughäfen. Dann selbstverständlich

auch in Bildung und Qualifizierung

sowie in die Weiterentwicklung

der digitalen Technologien in

allen gesellschaftlichen Bereichen.

Entscheidend sei auch, wie es

mit Europa weitergehe. Dies sei der

wichtigste Markt, Heimatmarkt und

Basis für die weitere Globalisierung.

Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Brexit

– drei tiefgreifende Krisen – hätten

die Schwächen der EU gnadenlos

aufgedeckt. Und gleichzeitig seien

diese Krisen auch Beleg dafür, dass

die globalen Herausforderungen nur

gemeinsam gemeistert werden könnten.

2

GROSSHANDELSUMSÄTZE IN DEUTSCHLAND 2007 bis 2018

in Mrd. Euro

1.250

1.235

1.205

1.200

1.178

1.167

1.154

1.154

1.144

1.150

1.134

1.126

1.100

1.050

1.041

1.047

1.000

950

943

900

850

800

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017* 2018*

* BGA-Prognose

Entwicklung des deutschen Außenhandels 2005 bis 2018

in Mrd. Euro

1.400

1.340

1.276

1.194 1.204

1.200

1.124

1.093 1.088

1.061

1031

1104

1.000

965 984

952

893

903 899 890 910

949 955

800

786

806 803 797

770

734

628

665

600

400

244,3 248,9 245,0

195,3

158,2 159,0

178,3

193,2 197,6 213,6

236,0

138,7 154,9 158,7

200

0

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017* 2018*

Einfuhr (in Mrd. EUR) Ausfuhr (in Mrd. EUR) Außenhandelssaldo (in Mrd. EUR) *BGA-Prognose

Großhandelsklimaindikator 2007 bis 2018

140

130

120

110

100

90

80

70

60

1.HJ.07 1.HJ.08 1.HJ.09 1.HJ.10 1.HJ.11 1.HJ.12 1.HJ.13 1. HJ 14 1. HJ 15 1. HJ 16 1. HJ 17 1. HJ 18

aktuelle Geschäftslage zukünftige Geschäftslage Klimaindikator

Werte über 100 Punkte bringen eine positive Bewertung, Werte unter 100 ein negative Bewertung zum Ausdruck.

Quellen, 3: BGA

Stahlreport 1/2|18

29


Spezial

XXXXXXXXXX

Konjunktur

Bericht/Nachrichten

Erfolgreiche Entwicklung des Einkaufsmanager-Index‘ EMI

Fulminantes Finale der Industrie

Die deutsche Industrie hat nach einem starken Wachstumsjahr ein fulminantes Finale hingelegt: Die

Produktion wurde so kräftig ausgeweitet wie zuletzt Anfang 2011, unterstützt von einem der höchsten

Exportorderzuwächse in der knapp 22-jährigen Umfragegeschichte. Das signalisiert ein wichtiger Teil

des saisonbereinigten Einkaufsmanager-Index‘ EMI, der binnen Monatsfrist um 0,8 Punkte auf ein

neues Allzeithoch von 63,3 zulegte. Der bisherige Rekordwert von 62,7 Punkten im Februar 2011 wurde

damit übertroffen.

Diese Werte von Ende 2017,

die auch weitere Teilindizes lieferten,

provozierten im Umfeld der deutschen

Einkäufer auch Anfang 2018

wieder zahlreiche Wertungen – die

durchweg positiv ausfielen, ohne die

Risiken zu vernachlässigen.

Wertungen

„Die EMI-Dezember-Daten sind ein

Beweis für die robuste Verfassung

der deutschen Industrieunternehmen.

Weiter steigende Auftragseingänge,

der schwunghafte Stellenaufbau

sowie die positiven

Geschäftsaussichten der meisten

Firmen lassen uns optimistisch ins

erste Quartal des neuen Jahres blicken“,

betonte zu dieser Entwicklung

des IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index

(EMI) Dr. Silvius

Grobosch, Mitglied des geschäftsführenden

Bundesvorstandes des

Bundesverbandes Materialwirt-

schaft, Einkauf und Logistik e.V.

(BME). Mit Sorge beobachte der

BME allerdings die anhaltend hohen

Einkaufspreise – eine Folge der stetig

teurer werdenden Rohstoffe.

„Die aktuelle Lage in der deutschen

Industrie ist laut EMI fulminant.

Manches scheint sogar

grenzenlos, wenn da nicht die Kapazitätsbeschränkungen

wären“, kommentierte

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin

der Helaba Landesbank

Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage

die aktuellen EMI-Daten. Lieferverzögerungen

und Engpässe bei Rohstoffen

seien vermehrt zu beobachten.

„Da liegen Preiserhöhungen in

der Luft. Dies gilt sowohl für Güter

als auch die Arbeitskräfte, denn der

Arbeitskräftemangel wird deutlicher.

Entsprechend rechnen wir in

diesem Jahr auch mit einem Anstieg

der Inflationsraten, insbesondere

der Kernraten. Von unerwünscht

niedriger Inflation, so wie es die EZB

noch vor einiger Zeit bezeichnete,

kann keine Rede mehr sein“, sagte

die Helaba-Bankdirektorin.

„Die Ausgangslage für 2018 ist

gut, wenngleich die Erfolgsmeldungen

wohl nicht mehr so laut ausfallen

dürften wie im Vorjahr. Zinsanstieg,

Kapazitätsbeschränkungen

und geopolitische Spannungen werden

einige der Problemthemen des

neuen Jahres sein“, sagte Dr. Ulrich

Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

„Die Industrie hofft auf ein erfolgreiches

Jahr 2018. Auch zum Jahresende

konnte sie ihre Produktion

erneut ausweiten“, kommentierte

DIHK-Konjunkturexpertin Sophia

Krietenbrink die aktuellen EMI-Daten,

Konjunkturexpertin des Deutschen

Industrie- und Handelskammertages

(DIHK). Die Industriebetriebe profitierten

von einer hohen Nachfrage –

insbesondere durch das gestiegene

30 Stahlreport 1/2|18


Investitionsvertrauen im In- und Ausland.

„Kapazitätsengpässe in der Verkehrswirtschaft

sorgen jedoch für

längere Lieferzeiten und könnten so

auch zu einem Flaschenhals für die

gute Entwicklung in der Industrie

werden – ebenso wie der Fachkräftemangel“,

teilte Krietenbrink dem

BME mit.

Werte

Nach dem 11-Monatstief im November

verbesserten sich die Geschäftsaussichten

binnen Jahresfrist im

Dezember wieder und fielen so optimistisch

aus wie zuletzt im Juni 2017.

Der entsprechende Teilindex notiert

aktuell auf dem dritthöchsten Wert

seit Beginn der Erhebung dieser

Daten Mitte 2012. IHS Markit hatte

am 1. Februar 2017 erstmals für die

deutsche Industrie den EMI-Teilindex

„Jahresausblick“ veröffentlicht.

Dieser Wert spiegelt die Geschäftsaussichten

der 500 EMI-Umfrage-

Teilnehmer wider und wird alle vier

Wochen aktualisiert.

Die Entwicklung der weiteren

EMI-Teilindizes stellte sich im Überblick

wie folgt dar:

z Die Industrieproduktion wurde im

Dezember 2017 mit der dritthöchsten

Rate seit Umfragebeginn vor

knapp 22 Jahren gesteigert. Spitzenreiter

in dieser Kategorie war

der Investitionsgüterbereich,

gefolgt vom Vorleistungsgüterbereich.

Die Konsumgüterhersteller

weiteten die Produktion hingegen

weniger stark aus als im November.

z Hauptwachstumstreiber blieb der

Auftragseingang. Der entsprechende

Teilindex wies das zweithöchste

Plus seit Umfragebeginn

aus; er wurde lediglich übertroffen

vom bisherigen Rekordzuwachs

im März 2010. Die Auslandsbestellungen

legten im Berichtsmonat

ebenfalls zu. Besonders gefragt

waren deutsche Industrieerzeugnisse

in Asien, den USA und im

europäischen Ausland.

z Aufgrund der starken Nachfrage

blieb der Stellenaufbau im Dezember

ausgesprochen stark, er

schwächte sich gegenüber dem

Vormonat nur minimal ab. Der entsprechende

Teilindex notierte abermals

auf einem der höchsten Werte

seit Umfragebeginn.

z Der Anstieg der durchschnittlichen

Einkaufspreise schwächte sich

zwar erstmals seit sechs Monaten

wieder leicht ab, er blieb aber ausgesprochen

stark. Verteuert haben

sich den Befragten zufolge viele

Rohstoffe, auch wegen verbreiteter

Lieferengpässe. Der rasante Kostenanstieg

und die guten Nachfragebedingungen

sorgten dafür, dass

die Branchenakteure ihre Verkaufspreise

im Dezember den 16. Monat

in Folge erhöhen konnten. Die Steigerungsrate

fiel nur geringfügig

niedriger aus als zum 77-Monatshoch

im November.

Generell gilt: Eine EMI-Notierung

unter der Referenzlinie von 50 zeigt

an, dass die Geschäfte des Verarbeitenden

Gewerbes im Vergleich zum

Vormonat schrumpften; Werte über

50 signalisieren Wachstum. Ein Index

von 50 bedeutet keine Veränderung

zum Vormonat.

Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index

(EMI) gibt einen allgemeinen

Überblick über die konjunkturelle

Lage in der deutschen

Industrie. Der Index erscheint seit

1996 unter Schirmherrschaft des

BME, Frankfurt. Er wird vom Anbieter

von Unternehmens-, Finanz- und

Wirtschaftsinformationen IHS Markit

mit Hauptsitz in London erstellt

und beruht auf der Befragung von

500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern

der verarbeitenden Industrie

in Deutschland (nach Branche,

Größe, Region repräsentativ für die

deutsche Wirtschaft ausgewählt).

Der EMI orientiert sich am Vorbild

des US-Purchasing Manager´s Index

(Markit U.S.-PMI). 2

Mehrbedarf

Entwicklungen bei der Stahlnachfrage

Die Stahlnachfrage steigt derzeit global

weiter an, und mit der Elektromobilität

sowie dem Leichtbau sind wichtige Treiber dieser

Entwicklung identifiziert. Das ist auf der

Weltstahlkonferenz gegen Ende des vergangenen

Jahres bzw. im Rahmen einer Studie von

Tata Steel deutlich geworden.

derzeit sowohl die Industrie- als auch die

Entwicklungsländer betrifft.

Unterdessen hat Tata Steel in einer Studie

herausgearbeitet, dass die Stahlnachfrage

der europäischen Automobilindustrie zwischen

2015 und 2050 jährlich um 4,2 Mio. t

wachsen dürfte. 1,6 Mio. t hiervon sollen auf

Elektrostähle entfallen, die für Akkus und

Elektromotoren benötigt werden. Aber auch

die Nachfrage nach hochfesten Leichtbaustählen

dürfte demnach zulegen, um

Gewichtsvorgaben noch besser einhalten zu

können

Der Weltstahlverband (worldsteel) ging im

vergangenen Herbst davon aus, dass die

Stahlnachfrage 2017 global auf 1,622 Mrd. t

steigen und in diesem Jahr weiter auf 1,648

Mrd. t wachsen würde. Wichtigster Faktor in

der entsprechenden Statistik ist und bleibt

vorerst die Entwicklung in China. Insgesamt

gesehen ist worldsteel der Hinweis wichtig,

dass die weltweite konjunkturelle Erholung

Quelle: worldsteel

Region Mio. t Mio. t Mio. t % Änd. % Änd. % Änd.

2016 2017 2018 2016 2017 2018

EU 158,2 162,1 164,3 2,8 2,5 1,4

NAFTA 132,2 138,7 140,4 -1,5 4,9 1,2

China 681,0 765,7 765,7 1,3 12,4 0,0

Welt 1.515,9 1.522,1 1.648,1 1,0 7,0 1,6

Realisierte und erwartete Stahlnachfrage in ausgesuchten Regionen

Stahlreport 1/2|18

31


Spezial

XXXXXXXXXX

Konjunktur

Berichte/Nachrichten

Optimismus konkretisiert sich

Detailzahlen aus der

deutschen Bauwirtschaft

Erwartungen der Bundesvereinigung Bauwirtschaft

Korrektur nach oben

Die deutsche Bauwirtschaft hat zu Beginn der zweiten Januarhälfte

ihre positive Prognose für die Entwicklung der Branche in 2018

aktualisiert (vgl. nebenstehenden Kasten). Aber schon Ende des

vergangenen Jahres hatte die Bundesvereinigung Bauwirtschaft

ihre Prognose für 2017 und das neue Jahr noch oben korrigiert.

„„Wir sind im Frühjahr noch

von einem Wachstum von +2,8 %

ausgegangen, wir rechnen nun mit

einer Steigerung um +3,3 %. Für 2018

erwarten wir eine gute Stabilisierung

der Entwicklung mit einem

Wachstum um +2,6 %. Die Bauwirtschaft

stützt weiter die Gesamtkonjunktur!“

So lautete im Dezember

die Quintessenz von Karl-Heinz

Schneider, Vorsitzender der Bundesvereinigung

Bauwirtschaft, zur

Lage der Bauwirtschaft anlässlich

des 5. Deutschen Bauwirtschaftstages

in Berlin.

z Für das Handwerk im Bauhauptgewerbe

rechnete Schneider mit

einer Umsatzsteigerung in 2017

von 4 % und in 2018 um 3 %. Hauptmotor

dafür sei die anhaltende

Neubautätigkeit im Wohnungsbau.

„Die Nachfrage nach Wohnimmobilien,

gerade in den Ballungszentren,

ist ungebrochen.

Auch die positive Arbeitsmarktentwicklung

und die steigenden

Einkommen halten die Investitionsneigung

weiter hoch,“ so seine

Begründung. „Die gute Konjunk-

tur hält zudem den Wirtschaftsbau

in der Spur.“

z Für die Sparte Ausbau rechnete

die Bauwirtschaft mit einer soliden

Stabilisierung von Nachfrage

und Umsatz. Für 2017 wurde eine

Umsatzentwicklung um 2,6 % und

in 2018 von 2 % erwartet. In den

angesprochenen Bereichen seien es

besonders die privaten Auftraggeber

sowie der hohe Sanierungsund

Renovierungsbedarf, durch

die positive Entwicklungen getragen

würden.

z In der stark dienstleistungsorientierten

Sparte Gebäudetechnik „…

rechnen wir für 2017 mit einem

Umsatzwachstum um 3 % und in

2018 mit 2,3 %“, hieß es damals.

Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft

repräsentiert annähernd 385.000

Betriebe, die in 16 Mitgliedsverbänden

organisiert sind, mit mehr als 3,2

Millionen Beschäftigten. 2016 war der

Umsatz der Branche erstmals über

300 Mrd. € gesprungen, für 2017 wurden

315,5 Mrd. € und für 2018 werden

ca. 324 Mrd. € erwartet. 2

Die Umsätze im Bauhauptgewerbe dürften 2018

nominal um 4 % zulegen und auf gut 117 Mrd. €

steigen. Mit dieser Ansage präzisierten die Präsidenten

des Hauptverbandes der Deutschen

Bauindustrie (HDB), Dipl.-Ing. Peter Hübner,

und des Zentralverbandes des Deutschen

Baugewerbes (ZDB), Dr.-Ing. Hans-Hartwig

Loewenstein, auf der gemeinsamen Jahresauftakt-Pressekonferenz

in Berlin Mitte Januar

den bereits aus dem vergangenen Jahr

bekannten Optimismus der Branche. (Vgl. auch

nebenstehenden Bericht)

Konkretisiert wurde diese Prognose traditionsgemäß

in den drei Bereichen Wohnungsbau, Wirtschaftsbau

und Öffentlicher Bau:

z Im Wohnungsbau gehen die beiden Verbände für 2018

von einem nominalen Umsatzplus von 3,5 % aus. Die

Zahl der fertiggestellten Wohnungen dürfte weiter auf

etwa 320.000 Einheiten steigen. Für Produktion und

Fertigstellungen gelte, dass die Zunahme auf den weiterhin

boomenden Geschosswohnungsbau beschränkt

bleibe. Der klassische Eigenheimbau werde dagegen

auf Vorjahresniveau stagnieren. „320.000 Wohnungen

bedeuten zwar eine Verdopplung des Fertigstellungsniveaus

gegenüber 2010. Das reicht aber noch nicht

an den Bedarf von mindestens 350.000 Wohnungen

heran“, so Hübner und Loewenstein.

z Im Wirtschaftsbau gehen die beiden Präsidenten für

das laufende Jahr von einem nominalen Umsatzwachstum

von 4 % aus. Angesichts eines hohen und weiter

steigenden Auslastungsgrades in der Industrie werde

sich die Expansion der Unternehmensinvestitionen

fortsetzen. Schließlich erwarte gut die Hälfte der an der

Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft

teilnehmenden Verbände für 2018 in ihrer Branche

steigende Investitionen, 45 % zumindest ein gleichbleibendes

Niveau. Zudem seien die Auftragsbücher gut

gefüllt. Ende September 2017 sei mit 17,2 Mrd. € der

mit Abstand höchste Wert seit mehr als 20 Jahren verbucht

worden.

z Auch für den öffentlichen Bau erwarten HDB und ZDB

im neuen Jahr ein Umsatzwachstum von nominal 4 %.

Hier mache sich zum einen der in der vergangenen

Legislaturperiode eingeleitete Investitionshochlauf des

Bundes bei den Verkehrswegen positiv bemerkbar. Die

positiven Finanzierungssalden würden nicht nur dem

Bund, sondern auch Ländern und Gemeinden Investitionsspielräume

eröffnen. Die Kommunen würden zudem

vom Kommunalinvestitionsförderungsfond profitieren,

dessen Laufzeit bis 2020 verlängert und dessen Volumen

auf 7 Mrd. €verdoppelt worden sei. Auch im öffentlichen

Bau habe es Ende des dritten Quartals 2017 mit

17 Mrd. € einen Rekordauftragsbestand gegeben. 2

32 Stahlreport 1/2|18


Wirtschaftszahlen zum Stahlbau

Rückblick ohne Ausblick

Im Rahmen des Fachtages zum Brückenbau hat das Bauforum

Stahl zuletzt zum Herbstbeginn des vergangenen Jahres die

Wirtschaftszahlen der Stahlbaubranche 2016/2017 veröffentlicht:

Die gesamte Branche „Planen & Bauen mit Stahl“ habe 2016

rund 11,3 Mrd. € erwirtschaftet. Zu den Aussichten für 2018 wurde

damals keine Stellung genommen.

Den größten Umsatz dabei hatte

2016, wie auch in den Jahren zuvor,

der ausführende Stahlbau. Ingenieure

und Architekten konnten ihre Umsätze

2016 leicht steigern, Verzinker haben

gleichbleibende Umsätze gemeldet,

während die Stahlhersteller sinkende

Umsätze realisieren mussten. Der Stahlhandel

konnte aufgrund der gestiegenen

Stahlpreise nach Angaben von

bauforumstahl (BFS) wieder einen steigenden

Umsatz aufgrund der gestiegenen

Stahlpreise generieren.

Die Produktion im deutschen Stahlbau

hat sich in den vergangenen Jahren

bei rd. 2 Mio. t eingependelt. Im

Jahr 2016 wurde mit 2,08 Mio. t eine

nahezu gleiche Stahlbautonnage wie

in den Jahren zuvor erreicht. Der bereits

während der jeweiligen Quartale 2017

festgestellte Zuwachs im Bereich

Türme, Gittermaste und ortsfeste

Gerüstkonstruktionen machte im

Gesamtjahresvergleich zu 2015 ein

Plus von 7,9 % aus.

Im Geschossneubau hat sich der

Marktanteil von Baustahl zum zweiten

Mal 2016 in Folge leicht erhöht und

erreichte 8,7 %. Der Anteil von Stahlbeton

hingegen ist etwas gesunken,

wobei dieser Baustoff mit zuletzt 63,9

% Marktanteil an der aufgehenden Konstruktion

den Geschossneubau deutlich

dominiert.

Im Jahr 2016 ist der Marktanteil von

Stahl im Hallenbau auf 24,7 % gesunken.

Dies sei vorwiegend auf die geänderte

Bauaktivität in diesem Segment

und auf die unterschiedliche Entwicklung

der Baupreisindizes zurückzuführen:

In Handels- und Lagergebäuden

wird im Verhältnis zu Beton

weniger Stahl eingesetzt als in anderen

Hallenbauten. 2016 war der Anteil

von Handels- und Lagergebäuden im

Vergleich zum Vorjahr jedoch von 52,6

auf 55,9 % angewachsen. Gleichzeitig

ist auch der Preisindex für Betonarbeiten

stärker gestiegen als der entsprechende

Index für Stahlbauarbeiten.

BFS fördert das Bauen mit Stahl

und ist ein Forum rund um Architektur,

das ressourceneffiziente und wirtschaftliche

Planen und Bauen sowie

das Normenwesen. Das Forum bietet

unabhängige Beratung sowie Wissenstransfer

und repräsentiert rund 500

Mitglieder entlang der gesamten Prozesskette:

Stahlhersteller, Stahlhändler,

Stahlbauer, Zulieferer, Feuerverzinkungsbetriebe,

Rohstoffanbieter

und Hersteller von Brandschutzbeschichtungen,

Planende sowie Vertreter

der Wissenschaft. 2

Produktionsprognose deutlich erhöht

Erwartungen der Stahl und Metall verarbeitenden Industrie

Die Stahl und Metall verarbeitende

Industrie hat ihre Produktionsprognose für 2017

im vierten Quartal des vergangenen Jahres auf

der Basis der Ergebnisse der ersten neun

Monate von +1 % auf +4 % erhöht. Das hat der

WSM mitgeteilt, der sich auf eine Prognose für

2018 aber noch nicht festlegen wollte.

Stahl- und Energieseite bleibt immens hoch

und der Preisdruck der Kunden ebenfalls.“

Im Wahlmonat September war trotzdem der

Optimismus in die Stahl und Metall verarbeitenden

Unternehmen zurückgekehrt. Während

die Einschätzung der aktuellen

Geschäftslage auf dem Niveau der Vormonate

lag (-0,9), klettern die Zukunftserwartungen

um 16,6 Saldenpunkte auf den

höchsten Wert seit Mai 2010 und den zweithöchsten

Wert seit der Jahrtausendwende.

Nach Angaben aus dem Wirtschaftsverband

Stahl-und Metallverarbeitung (WSM) hatte

die Branche ihre Produktion bis Ende September

2017 gegenüber dem Vorjahr um 5,2

% gesteigert. Allein der August hatte mit

einem Plus von 8,3 % positiv überrascht.

Dazu Christian Vietmeyer, Hauptgeschäftsführer

des WSM: „Wenn die Nachfrage weiterhin

so stabil bleibt, kann es sogar noch

besser kommen. Allerdings weiß ich aus der

Erfahrung der vergangenen Jahre, dass die

Unternehmen bei vergleichbar hoher Auslastung

nicht notwendigerweise die besten

Ergebnisse erzielen. Der Kostendruck von der

Quelle: WSM

Geschäftsklima in der Stahl- und Metallverarbeitung im September 2017.

Stahlreport 1/2|18

33


Spezial

XXXXXXXXXX

Konjunktur

Berichte

Aktuelle Zahlen zum Deutschen Maschinen- und Anlagenbau

Die magische Drei

Die Anfang des neuen Jahres gemeldeten Zahlen für die Produktion,

die Auftragseingänge und die Kapazitätsauslastung des deutschen

Maschinenbaus sind nur drei von vielen guten Gründen, dass es

der Branche gut geht – mit einem prognostizierten Wachstum von

3 % in 2017 sowie einem erwarteten Zuwachs in 2018 in gleicher

Höhe. Die Hintergründe für diese Entwicklungen hatte VDMA-

Präsident Carl Martin Welcker bereits Mitte Dezember erläutert

(vgl. nebenstehenden Bericht).

Maschinenbauproduktion 2008 bis 11/2017

Preisbereinigter Index, Basis 2010 = 100

140

Gleitender 12-Monats-Durchschnitt

Originalindizes

130

120

110

100

90

80

Preisbereinigte Indizes, Basis Umsatz 2015 = 100

140

130

120

110

100

90

80

70

60

In Prozent der üblichen Vollauslastung

95

90

85

80

75

70

65

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Auftragseingänge im Maschinenbau 2008 bis 11/2017

Inland

Ausland

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

mittlerer Wert: 85,9

Gleitender 12-Monats-Durchschnitt

Originalindizes

Kapazitätsauslastung Maschinenbau 2008 bis 10/2017

50%-Streuband*

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

*) 50% aller beobachteten Werte (seit 1995) liegen in einem Streuband zwischen 84,1 und 88,8 %.

Quellen, 3: VDMA

In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres

übertraf die Produktion im Maschinenbau ihr Vorjahresniveau

nach vorläufigen Berechnungen um 3,0%.

Dieser Anstieg unterstreicht die im Juni angepasste

Produktionsprognose für das Jahr 2017 von real plus

3 %. Für das laufende Jahr erwartet der VDMA ebenfalls

ein Wachstum von 3 %.

Eine Entschleunigung bei den Exporten nach China und

ein Rückgang bei den Lieferungen ins Vereinigte Königreich

sollte 2018 durch ein Plus auf dem heimischen

Markt kompensiert werden können. Die Exporte in die

EU-Partnerländer (ohne UK) und in die USA dürften ihr

jetziges Wachstumstempo in etwa beibehalten.

Die Auftragseingänge im Maschinenbau in Deutschland

sind im November zum Vorjahr insgesamt um

14 % real gestiegen. Die Auslandsorders verbuchten

auch dank der noch recht niedrigen Vergleichsbasis ein

Plus von 12 %. Dabei kamen die Impulse sowohl aus

den EURO-Partnerländern (plus 11 %) als auch aus den

Nicht-EURO-Ländern (plus 12 %).

Besonders erfreulich ist nach Ansicht des Verbands

Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) der

angesichts der Kapazitätsauslastung der deutschen

Industriekunden längst überfällige, aber zum Erhalt

der Wettbewerbsfähigkeit auch dringend notwendige

Zuwachs der Inlandsbestellungen in Höhe von 20 %.

Die Kapazitätsauslastung der Branche lag im Oktober

2017 mit 87,9 % über dem langjährigen Branchendurchschnitt.

Die Auslastungsquote steigt seit Oktober

2016 an, nachdem sie mit Ausnahme des Juli 2014 seit

Ende 2012 am unteren Rand des gerade noch Verträglichen

stagniert hatte. Das passt zum Verlauf der Produktionskurve,

bei der ebenfalls seit Herbst 2016 eine

Aufwärtstendenz zu beobachten ist. Der absolute Tiefstand

seit 2012 lag bei 83,3 % im Juli 2016. Der absolute

Höchststand wurde im April 2012 mit 88,0 %

erreicht. 2

34 Stahlreport 1/2|18


Zur Lage des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus

Exporte als Erfolgsgarant

Nach einem erfolgreichen Jahr sind die Maschinen- und Anlagenbauer

in Deutschland zuversichtlich und mit Schwung in die kommenden

Monate gestartet (vgl. nebenstehenden Bericht). Die Hintergründe

für diese Entwicklung hatte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker

bereits Mitte Dezember erläutert. Für ihn bleiben die Exporte der

Erfolgsgarant im Maschinenbau. Die Branche hat aber auch Sorgen.

Im vergangenen Jahr dürfte

die Maschinenbauindustrie erstmals

im Umsatz die Marke von 220 Mrd. €

übertroffen haben – angepeilt wurden

224 Mrd. €. Das zu Ende gegangene

Jahr könne daher „mit Fug und

Recht als Aufschwungsjahr bezeichnet

werden“. Welcker ergänzte: „Für

2018 erwarten wir eine gleichbleibende

Dynamik, also erneut ein Produktionswachstum

von 3 %. Das

würde immerhin einen weiteren

Umsatzanstieg auf mehr als 230

Mrd.€ bedeuten“ – nach zuletzt eher

mageren Jahren. Allerdings müsse

die Industrie auch 2018 mit vielen

Unwägbarkeiten im In- und Ausland

leben, die ein höheres Wachstumstempo

verhindern könnten.

Dennoch sei Erfolgsgarant für

den Maschinenbau aus Deutschland

auch in 2017 der Export gewesen.

In den ersten neun Monaten seien

drei von vier Maschinen für den

Export bestimmt gewesen, wobei die

EU die mit Abstand größte Absatzregion

geblieben ist. 46,5 % aller

Ausfuhren gingen in die 27 Partnerländer

der Europäischen Union. An

der Spitze der größten Einzelexportmärkte

behaupteten sich die USA,

das wesentlich stärkere Wachstum

wies jedoch China auf. „China ist

auf gutem Weg, sich den Spitzenplatz

in unserer Exportrangliste wieder

zurück zu erobern.“

In Deutschland gebe es zwar

berechtigte Hoffnung darauf, dass

sich der seit langem aufgebaute

Investitionsstau nach und nach auflöst.

„Viele der älteren Maschinen

und Anlagen im Markt dürften die

fortschreitende Digitalisierung nicht

Quelle: VDMA

Reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent

15

10

5

0

-5

-10

-15

-20

-25

-30

-24,7

9,3

12,7

1,2

hinreichend meistern. Das macht

uns Mut, dass auch die Inlandsorders

endlich wieder Fahrt aufnehmen“,

erläuterte Welcker. Die politischen

Weichen seien aber noch

nicht für ein stärkeres Inlandsgeschäft

gestellt. „Unsere Kernforderungen,

die wir vor der Bundestagswahl

aufgestellt haben, bleiben

bestehen“, betonte der VDMA-Präsident.

Dazu gehören u.a. der flächendeckende

Aufbau eines Gigabit-Netzes,

die Einführung der

Steuerlichen Forschungsförderung

sowie eine Arbeitsmarktpolitik und

ein Arbeitsrecht, die sich an der

unternehmerischen Praxis orientieren.

Mit knapp 1,35 Mio. Erwerbstätigen

ist der Maschinen- und Anlagenbau

der größte industrielle

Arbeitgeber in Deutschland. Das gilt

auch, wenn die Beschäftigtenzahl

auf Basis der Betriebe ab 50 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter ermittelt

wird. Nach dieser Zählung waren

im deutschen Maschinenbau im September

des vergangenen Jahres 1,03

Mio. Menschen beschäftigt – ein

Plus von 2,1 % im Vergleich zum

Vorjahr. Und weiterer Zuwachs deute

sich an, aber: „Die anhaltend hohe

Nachfrage nach technischen Fachkräften,

IT-Spezialisten oder Ingenieuren

führt für unsere Unternehmen

immer häufiger zu Engpässen

in der Rekrutierung. Verschärfend

kommt hinzu, dass der Maschinenbau

überdurchschnittlich viele Mitarbeiter

durch die Rente mit 63 früher

verliert, als den Betrieben lieb

sein kann.“

Der Verband Deutscher Maschinen-

und Anlagenbau (VDMA)

vertritt mehr als 3.200 Mitgliedsunternehmen

der mittelständisch

geprägten Branche. Sie ist größter

industrieller Arbeitgeber und insgesamt

einer der führenden deutschen

Industriezweige. 2

-1,2

1,1 0,8

-0,3

Exporte bleiben der

Erfolgsgarant für den

Maschinenbau:

VDMA-Präsident

Carl Martin Welcker.

Entwicklung der deutschen Maschinenbauproduktion 2009 bis 2018

3,0 3,0

Schätzung

Prognose

2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018

Foto: VDMA

Stahlreport 1/2|18

35


Spezial

XXXXXXXXXX

Konjunktur

Berichte

Auch messebedingt

Werkzeugmaschinen im Aufwind

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie gehört zu den fünf größten Fachzweigen im Maschinenbau

– und lieferte im dritten Quartal 2017 im Umfeld der Messe EMO in Hannover einen im Vergleich

zum Vorjahreszeitraum um 13 % gestiegenen Auftragseingang. Dabei zogen die Inlandsbestellungen

um 31 % an, die Auslandsorders wuchsen um 5 %.

Foto: VDW

“Die gute Entwicklung unserer

Bestellungen zeigt sich noch ausgeprägter

am aktuellen Rand“, kommentierte

Dr. Wilfried Schäfer,

Geschäftsführer des Branchenverbands

Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken(VDW),

das Ergebnis.

Im September waren die

Bestellungen zweistellig gestiegen

und verzeichneten damit den stärksten

Zuwachs für 2017. Insbesondere

die Inlandsbestellungen schossen

um 46 % nach oben und machten

damit die bisherigen Jahresverluste

2017 in nur einem Monat fast wett.

Bei den ausländischen Bestellungen

hatten Euro- und Nicht-Euro-Länder

im dritten Quartal gleichermaßen

5 % mehr als im Vergleichszeitraum

2016 geordert. Der Euroraum setzte

seine schon länger anhaltende Aufschwungsphase

fort. Treiber waren

südeuropäische Märkte wie Spanien,

Frankreich und Italien.

Im Oktober 2017 waren knapp

92 % der Branchenkapazitäten ausgelastet.

Die Beschäftigung lag

zuletzt bei rd. 70.360 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern und damit 3 %

über Vorjahr.

„Die Branche blickt optimistisch

nach vorn. Wir erwarten für das

Große Chancen für die Branche:

Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer

Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken

Gesamtjahr ein Produktionsplus von

3 %“, bekräftigte VDW-Geschäftsführer

Schäfer daraufhin im Herbst.

„Automatisierung, Digitalisierung

oder die Verschiebung der Wertschöpfungsketten

in der Automobilindustrie

von den Herstellern zu den

Zulieferern bieten große Chancen,

benötigen jedoch auch große

Anstrengungen seitens der Unternehmen,

um sie erfolgreich zu bewältigen“,

sagte er abschließend.

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie

liefert Produktionstechnologie

für die Metallbearbeitung

in alle Industriezweige und

trägt auf diese Weise zu Innovation

und Produktivitätsfortschritt in der

Industrie bei. Durch ihre Schlüsselstellung

für die industrielle Produktion

ist ihre Entwicklung ein wichtiger

Indikator für die wirtschaftliche

Dynamik der gesamten Industrie.

2016 hatte die Branche mit rd.

69.900 Beschäftigten Maschinen und

Dienstleistungen im Wert von rd.

15,1 Mrd. € produziert. 2

36 Stahlreport 1/2|18


Bilanz und Aussichten für Werkzeuge

Plus für Präzision

„Wir freuen uns über das Umsatzplus von 7 %, das die Präzisionswerkzeuge-Industrie 2017 erwirtschaftet

hat.“, sagte Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA Mitte Januar

bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. „Damit hat die Branche die 10 Mrd.-€-Marke signifikant überschritten.

Für 2018 erwarten wir ein 5-%iges Wachstum“, ergänzte er.

Wachstumstreiber waren 2017

die Hersteller von Spanntechnik mit

einem Umsatzplus von 9 %, gefolgt

von den Zerspanwerkzeugproduzenten

mit einer 7-%igen Steigerung.

Der Werkzeugbau musste sich bei

einem erneuten erfreulichen Umsatzwachstum

von 5 % mit dem 3. Platz

zufriedengeben. Horn: „Bei den Zerspanwerkzeugen

und den Spannzeugen

ist die Inlandsnachfrage endlich

wieder angesprungen, so dass

wir für diese Bereiche 2018 auch ein

ordentliches Wachstum erwarten.“

Mit Spannung blickt die Branche

u.a. auf die laufenden Tarifverhandlungen,

die weltpolitische Wetterlage

und die Rohstoffpreisentwicklung.

Insbesondere die stark

wachsende Batterieproduktion für

elektrische Antriebe konkurriere

mit den Werkzeugherstellern um

wichtige Rohstoffe, wie Wolfram

oder Tantal. Dies führe zu heftigen

Preissteigerungen und belaste die

Unternehmen zunehmend.

-10

Präzisionswerkzeuge ideeller Träger.

Bei der METAV ist die Geschäftsstelle

mit einem Gemeinschaftsstand

zusammen mit namhaften Mitgliedern

vertreten. An der AMB nimmt

der VDMA-Präzisionswerkzeuge mit

einem Infostand teil. Der Fachverband

Präzisionswerkzeuge im Verband

Deutscher Maschinen- und

Anlagenbau (VDMA) ist das Informations-

und Kommunikationszentrum

der deutschen Präzisionswerkzeug-Hersteller

sowie deren Interessenvertretung.

Präzisionswerkzeuge werden auf

Werkzeugmaschinen betrieben und

finden in allen Bereichen der Metallbearbeitung

sowie in Teilen der

Kunststoffverarbeitung Verwendung.

2

Entwicklung der Präzisionswerkzeuge Produktion in Deutschland

2009 bis 2018

30

20

10

0

11

20

4 0

6,5 3

2

7

5

Nachwuchs zentrales Thema

Nach wie vor sei die Gewinnung von

Nachwuchskräften ein zentrales

Thema für die Präzisionswerkzeuge-

Industrie. Die meisten Unternehmen

engagierten sich für die Ausbildung,

einige auch bereits im Rahmen der

Nachwuchsstiftung Maschinenbau.

„Wir sind froh verkünden zu dürfen,

dass in den nächsten Monaten

ein neuer Standort der Stiftung bei

einem Präzisionswerkzeug-Unternehmen

den Betrieb aufnehmen

wird“, informierte Markus Heseding,

Geschäftsführer des Fachverbands

Präzisionswerkzeuge im VDMA.“

Die beiden wichtigsten nationalen

Metallbearbeitungsmessen 2018

sind die METAV vom 20. bis 24. Februar

in Düsseldorf und die AMB Stuttgart

vom 18. bis 22. September. Bei

beiden Messen ist der VDMA-

Quelle: VDMA

-20

-26

-30

2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018

Produktionswerte für Präzisionswerkzeuge in Deutschland

2008 bis 2018

11,1

10

10,6

9,9

9,6

9,3

8

8,7 8,7

8,5

8,4

7,0

6

6,3

4

2

0

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018

Stahlreport 1/2|18

37


Spezial

XXXXXXXXXX

Konjunktur

Nachrichten

Verbesserte Stimmung

Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie

Im Gleichschritt mit der Entwicklung des

Geschäftsklimas im Verarbeitenden Gewerbe

insgesamt hat sich Ende des vergangenen Jahres

auch in der Zulieferindustrie die Stimmung

verbessert. Darauf hat die ArGeZ hingewiesen.

dem Ifo-Institut, München, ermittelt. Er

beruht auf der Befragung von rund 600

Unternehmen und deckt die in der Arbeitsgemeinschaft

Zulieferindustrie zusammenge-

schlossenen Branchen Gießerei-Industrie,

Kunststoffverarbeitung, Stahl- und Metallverarbeitung,

NE-Metall-Industrie, Kautschukindustrie

sowie Technische Textilien ab.

Wie die Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie

(ArGeZ) bei dieser Gelegenheit weiter

mitgeteilt hat, scheint in der Industrie allerdings

die Erwartungshaltung auf Sicht von

sechs Monaten Gefahr zu laufen zu überzeichnen:

Es werde zunehmend über

Produktionsbehinderungen durch Fachkräftemangel,

Materialknappheit sowie Kapazitätsengpässe

berichtet. Dies seien Faktoren,

die schnell die Stimmung wieder dämpfen

könnten, da sie nicht kurzfristig abzustellen

seien. „Hier, man kann es nicht oft genug

betonen, sind die Zulieferer mit Bodenhaftung

versehen. Die Erwartungshaltung für

das erste Halbjahr 2018 ist zwar positiv,

aber nicht überbordend,“ heißt es in der entsprechenden

Presseerklärung weiter.

Der Geschäftsklimaindex Zulieferindustrie

wird von der ArGeZ in Zusammenarbeit mit

Quelle: ArGeZ

Geschäftsklima Zulieferindustrie Deutschland November 2017

Saldo der positiven und negativen Meldungen

Aktuelle Lage Zukunftserwartungen

60

50

40

30

20

10

0

-10

-20

-30

-40

-50

-60

-70

-80

Jan 06 Jan 07 Jan 08 Jan 09 Jan 10 Jan 11 Jan 12 Jan 13 Jan 14 Jan 15 Jan 16 Jan 17 Jan 18

Pkw-Markt im Plus

Boom bei den Neuzulassungen

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland

3.441.262 Pkw neu zugelassen worden.

Dies stellt nach Angaben des VDIK das

höchste Volumen des deutschen Pkw-Marktes

seit acht Jahren dar und entspricht

einem Plus von fast 90.000 Einheiten oder

2,7 % gegenüber dem Vorjahr. Ende des vergangenen

Jahres war man in dem Verband

von 2,3 % Plus ausgegangen (Abbildung).

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel: „Das Wachstum

des Marktes beruht auf der überdurchschnittlichen

Steigerung der privaten Zulassungen

und insbesondere im zweiten

Halbjahr auf den sehr erfolgreichen Diesel-

Eintauschprogrammen fast aller Marken.“

In 2017 wurden knapp 2 Mio. benzinangetriebene

Fahrzeuge neu zugelassen, eine

Steigerung um 14 %. Die Zulassungen von

Pkw mit Dieselmotor sanken um 13 % und

lagen zum Jahresende bei 1,34 Mio. Stück.

Ihr Anteil am Gesamtabsatz ging von 46 auf

39 % zurück. Die alternativen Antriebe legten

Quelle: VDIK

gegenüber dem Vorjahr um 80 % zu und

erreichten 2017 einen Anteil am Gesamtabsatz

von 3,4 %.

4.000.000

3.500.000

3.000.000

2.500.000

2.000.000

1.500.000

1.000.000

500.000

0

3.148.163

3.090.040

3.807.175

2.916.260

3.173.634

Die privaten Zulassungen wuchsen um 4,4 %

auf 1,225 Mio. Einheiten. Der Flottenmarkt

erreichte in 2017 mit über 840.000 Einheiten

wieder ein neues Rekordvolumen, teilte

der Verband der Internationbalen Kraftfahrzeughersteller

(VDIK) weiter mit. Die VDIK-

Mitgliedsunternehmen steigerten im Jahr

2017 ihre Verkäufe um 7,6 % und setzten in

Deutschland 1.313.725 Pkw ab. Sie erhöhten

ihren Marktanteil insgesamt von 36,4 auf

38,2 % und erzielten damit das beste Ergebnis

seit Gründung des Verbandes – wenn

man das Jahr der Umweltprämie außer

Betracht lässt.

Pkw-Neuzulassungen in Deutschland 2007 bis 2017, Stand 12/17

3.082.504

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

2.952.431

3.036.773

Gesamt

3.206.042

3.351.607

1.221.367

3.430.000

+ 2,3%

1.305.000

+7%

Anteil VDIK-Mitgliedsfirmen

38 Stahlreport 1/2|18


Quelle: VDIK

Neuer Rekord

Mehr Nutzfahrzeuge zugelassen

Der Nutzfahrzeugmarkt in Deutschland

hat sich 2017 besser als erwartet entwickelt.

Mit voraussichtlich 369.000 Einheiten

und einem Zuwachs von 3,3 % konnte

das Rekordniveau des Jahres 2016 übertroffen

werden, hat der VDIK Ende des vergangenen

Jahres mitgeteilt.

Die leichten Nutzfahrzeuge legten bei den

Neuzulassungen um 4,6 % zu, während

diese bei den mittelschweren Fahrzeugen

um 3 % zurückgingen. Schwere Nutzfahrzeuge

inklusive der Busse schlossen leicht

über dem Vorjahresvolumen.

Die beachtlichen Steigerungsraten der Benzin-

und Alternativantriebe änderten kaum

etwas an der aktuellen Dominanz des Dieselantriebs

bei Nutzfahrzeugen. Die Industrie

baut das Angebot an Nutzfahrzeugen mit

Elektroantrieb stetig aus. Gasbetriebene

Nutzfahrzeuge werden deshalb im neuen Jahr

verstärkt verfügbar sein. Auch bei den schweren

Nutzfahrzeugen sind alternative Antriebstechnologien

bereits bestellbar, dazu gehören

Lkw mit CNG- oder LNG- Antrieb, Hybrid-Lkw

und -Busse sowie Elektrobusse.

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel: „Im Nutzfahrzeug-Markt

sehen wir für 2018 eine weiterhin

stabile Nachfrage. Auch wenn in der

Vergangenheit bei den Nutzfahrzeug-Zulassungen

starke Schwankungen zu beobachten

waren, rechnet der VDIK mittel- und

langfristig damit, dass das aktuelle, hohe

Neuzulassungsniveau aufgrund der großen

und weiter steigenden Transportmengen

beibehalten wird.“

Wie der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller

(VDIK) weiter mitgeteilt

hat, sind die Neuzulassungen der internationalen

Hersteller in etwa parallel zum

Gesamtmarkt gewachsen; ihr Marktanteil

bleibt mit rund 27 % stabil. Damit kamen in

2017 rund 98.500 neue Nutzfahrzeuge von

VDIK-Mitgliedsunternehmen in Deutschland

auf die Straße.“

Nutzfahrzeug Neuzulassungen in Deutschland 2008 bis 2017

4.000.000

3.500.000

3.000.000

2.500.000

2.000.000

1.500.000

1.000.000

500.000

0

3.148.163

3.090.040

3.807.175

2.916.260

3.173.634

3.082.504

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

2.952.431

3.036.773

Gesamt

3.206.042

3.351.607

1.221.367

3.430.000

+ 2,3%

1.305.000

+7%

Anteil VDIK-Mitgliedsfirmen

Umsatzwachstum

Märkte verlangen nach

Baumaschinen

Auch der Bau- und Baustoffmaschinenindustrie,

einem weiteren Teilbereich des

Maschinen- und Anlagenbaus, ist es 2017

gut gegangen. Das teilte Johann Sailer, Vorsitzender

des entsprechenden Fachverbandes,

im Herbst des vergangenen Jahres mit.

Danach dürfte die Gesamtbranche das Jahr

mit einem Umsatzwachstum von mindestens

5 % abgeschlossen haben. Das entspräche

einem Niveau von ca. 14,6 Mrd. €.

Damit bestätigte Sailer die Prognose vom

Beginn des Jahres. Bei Baumaschinen lag

der Auftragseingang nach einem sehr starken

2016 auch 2017 erneut im Plus, und

zwar um 20% gegenüber dem Vergleichszeitraum

des Jahres 2016: Erdbaumaschinen

plus 24 %, Straßenbaumaschinen plus

16 %, Hochbaumaschinen plus von 18%.

Dabei hat sich der deutsche Baumaschinenmarkt

stark entwickelt. 2017 wurden in

Deutschland so viele Baumaschinen abgesetzt

wie im Rekordjahr 2007. „Wir sind an

einem Punkt, wo sich normalerweise der

Markt dreht. Eine nächste Krise erwarten

wir jedoch nicht“, sagte Sailer, denn die

Rahmenbedingungen seien heute andere

als 2007.

Zudem befanden sich die Märkte in

Europa in einem stabilen Zustand. Der

europäische Markt dürfte demnach 2017

im zweistelligen Bereich gewachsen sein.

Weltweit wuchsen alle Märkte außer Brasilien

sowie dem Nahe und Mittlere Osten

jedoch unterschiedlich stark. Russland,

Indien und China seien Beispiele dafür, wie

sich die Volatilität erhöht habe.

Stiftungsprofessur für Baumaschinen

Frank Will lehrt und forscht in Dresden

Nach rund zweijähriger Vakanz ist die Stiftungsprofessur

für Baumaschinen am Institut für Fluidtechnik

der Fakultät Maschinenwesen besetzt worden. Dr. Frank

Will hat den Ruf der TU Dresden angenommen und Ende

2017 seine Arbeit aufgenommen.

Er folgte auf Professor Jürgen Weber, der seit 2015 die

kommissarische Leitung der Professur innehatte. Will

hat an der Technischen Universität Braunschweig sowie

an der Universität Hannover Maschinenbau studiert Seit

20 Jahren ist der in Köln geborene und in Bremen aufgewachsene

Will in verschiedenen mittelständischen

Industrieunternehmen aus dem Gebiet der Fördertechnik

und Baumaschinen tätig gewesen. Zuletzt war

er Geschäftsführer der Cyrus GmbH Schwingtechnik

in Recklinghausen.

Für Forschung und Lehre innerhalb seiner Professur

hat Frank Will sich große Ziele gesteckt. Die Professur

für Baumaschinen an der TU Dresden nimmt seit

vielen Jahren eine führende Stellung ein. „Diesen

sehr guten Ruf möchte ich bewahren und weiterentwickeln.“

Fotostudie N. Wagner

Ist neuer Professor für Baumaschinentechnik

an der

TU Dresden: Dr. Frank Will

Stahlreport 1/2|18

39


Spezial

XXXXXXXXXX

Konjunktur

Bericht

Deutschlands Stahlrohrindustrie stellt sich neuen Herausforderungen

Rückblick und Ausblick

Im Vorfeld der nächsten Tube hatte die Veranstalterin dieser Rohrfachmesse in Unternehmen

der Branche und bei der Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre zu aktuellen Marktfragen

recherchiert und im zweiten Halbjahr 2017 einen entsprechenden Bericht veröffentlicht. Wie

darin nachfolgend deutlich wird, sind – trotz aller Risiken – durchaus zufriedenstellende

Entwicklungen zu erwarten. Das bezieht sich sowohl auf die Branche als auch auf darin tätige

Akteure, wie die Messe Düsseldorf GmbH aufzeigt.

Während die weltweite Stahlrohrproduktion

im Jahr 2016 gegenüber

dem Vorjahr um 3 % auf 164

Mio. t zurückging, nahm die Produktion

in der EU und in Deutschland

jeweils um 4 % auf 13 bzw. 2,6

Mio. t zu. Europaweit war das positive

Ergebnis auf Produktionssteigerungen

bei geschweißten Stahlrohren

bis 16“ Außendurchmesser

und Großrohren zurückzuführen,

wohingegen die Produktion nahtloser

Stahlrohre vor allem wegen der

anhaltenden Investitionszurückhaltung

der Energieindustrie rückläufig

war.

Das an sich erfreuliche Ergebnis

für die deutsche Stahlrohrindustrie

relativiert sich allerdings, wenn

man weiß, dass vor der Wirtschaftsund

Finanzkrise 2008/2009 hierzulande

schon einmal fast 4 Mio. t

Stahlrohre hergestellt wurden. Nach

dem Einbruch in 2009 mit deutlich

unter 3 Mio. t gab es in den Jahren

2010 bis 2012 eine Erholungsphase,

in der wieder weit mehr Stahlrohre

produziert wurden. Nach einem

erneuten Einbruch im Jahr 2013 pendelte

sich die Produktion in Deutschland

dann auf einen Wert um die

2,5 Mio. t ein. Neben der allgemeinen

wirtschaftlichen Entwicklung

ist vor allem die Dominanz des Ölund

Gassektors auf Abnehmerseite

für die starken Schwankungen der

Produktionszahlen verantwortlich.

Entscheidende Energiemärkte

Beispielhaft dafür ist die Preisentwicklung

bei Öl und Gas in den letzten

Jahren. Die infolge des Überangebotes

auf den Weltmärkten

einbrechenden Rohölpreise in

2014/2015 sorgten dafür, dass die

Energieindustrie ihre Investitionstätigkeit

weitgehend einstellte.

Zudem gingen auch die Notierungen

für Erdgas weiter zurück. Von

dieser Entwicklung wurde die Zulieferindustrie

hart getroffen – die

Umsätze sanken teilweise um über

die Hälfte. Die bis dahin boomende

Fracking-Industrie in Nordamerika

wurde von dieser Entwicklung besonders

stark betroffen.

Produktion für den Export

Das wirkte sich auch auf deutsche

Rohrhersteller aus, die schon traditionell

eine extrem hohe Exportquote

verzeichnen. So gingen beispielsweise

von den 2015 in

Deutschland produzierten 2,4 Mio.

t nicht weniger als 2,37 Mio. t (fast

99 %!) in den Export, berichtete die

Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre

in ihrem Jahresbericht 2015. Dass

sich der Handelsüberschuss in diesem

Sektor dennoch in Grenzen

hielt, dafür sorgten die gut 2 Mio. t

importierten Stahlrohre. Anders ausgedrückt,

wird der deutsche Stahlrohrbedarf

weit überwiegend aus

importierten Produkten gedeckt,

während die einheimischen Hersteller

nahezu ausschließlich für die

Ausfuhr produzieren.

40 Stahlreport 1/2|18


Stahlrohrproduktion in Deutschland 2007 bis 2016 in Mio. t

2007

2008

2009

2010

2011

2012

Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre

2013

2014

2015

2016

0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0

Zu den größeren deutschen Rohrherstellern

zählen unter anderem

Salzgitter, Benteler, Vallourec und

Maxhütte. Der zur Salzgitter AG

gehörende Geschäftsbereich Mannesmann,

der die Konzernaktivitäten

im Rohrbereich umfasst, verbuchte

2016 eine Versandmenge

von 543.000 t (nach 526.000 t im

Vorjahr). Doch trotz eines verbesserten

Resultats der Salzgitter Mannesmann

Großrohr GmbH und des

gesteigerten, positiven Ergebnisbeitrags

der anteilsmäßig einbezogenen

Europipe-Gruppe gab der Außenumsatz

im Rohrsegment insgesamt

erlös- und strukturbedingt nach,

heißt es dazu im Geschäftsbericht

2016.

Die Mannesmann-Sparte der

Salzgitter AG ist schwerpunktmäßig

auf internationale Projektgeschäfte

in den Sektoren Energieversorgung

und Infrastruktur ausgerichtet und

deckt ein breites Durchmesserspektrum

bei den Leitungsrohren ab. Ein

nach eigenen Angaben in Europa

dominierender Anbieter für Präzisionsstahlrohre

im Automobilbau

sowie ein weltweit führender Hersteller

nahtloser Edelstahl- und

Nickelbasisrohre ergänzen das Portfolio.

Nach Ansicht des Unternehmens

könnte das Jahr 2016 im Rückblick

markante Phasen, wenn nicht gar

Wendepunkte beinhalten. Dazu zählt

der Vorstand der Salzgitter AG, dass

die EU-Kommission „erstmals wirksame

Handelsschutzinstrumente

gegen eine Flut von Dumping-Importen

anwendete“. Dies sei bitter nötig

gewesen, war doch zwischenzeitlich

das mittel- bis langfristige Überleben

der europäischen Stahlindustrie

mit ihren rund 330.000 Arbeitsplätzen

gefährdet. Die Einführung

der Anti-Dumping-Maßnahmen ab

Februar 2016 war demnach ein

wesentlicher Faktor für das vorläufige

Ende der seit mehreren Jahren

andauernden, im Ausmaß desolaten

Stahlpreiserosion in Europa.

Rahmenbedingungen

Speziell im Rohrsektor sieht das

Unternehmen jedoch auch künftig

große Herausforderungen. So wird

die Verfassung großer Teile des Leitungsrohrmarktes

sowie des Grobblechsektors

als weiterhin prekär

bezeichnet. Inwieweit die politischen

Umbrüche in Europa und Amerika

die im Grunde günstigen Konjunkturaussichten

beeinflussen werden,

sei nicht absehbar. Deshalb sei „es

fahrlässig, sich in diesen unsicheren

Zeiten allein auf bessere Rahmenbedingungen

zu verlassen“.

Der Auftragseingang des Geschäftsbereiches

Mannesmann blieb

2016 unter dem Wert des Vorjahres.

Dies war zum einen - im Edelstahlrohrbereich

- auf die niedrigeren

Ordereingänge des europäischen

lagerhaltenden Handels sowie die

sehr wenigen Projekte im Öl- und

Gasbereich zurückzuführen. Zum

anderen habe man auch bei den

Großrohren erwartungsgemäß den

überdurchschnittlich hohen Vorjahreswert

nicht wieder erreichen können.

Auch auf den Orderbestand des

Geschäftsbereiches wirkte sich die

Entwicklung im Edelstahlrohrsegment

negativ aus. Außerhalb des

Konsolidierungskreises legte der

Orderzulauf der Europipe-Gruppe

vor allem dank der Buchung der Projekte

Nord Stream 2, TAP On-/Offshore

und Zohr deutlich zu, sodass

auch der Auftragsbestand über dem

des Jahres 2015 rangierte.

Insgesamt verbuchte der

Geschäftsbereich Mannesmann nach

einem kleinen Plus im Vorjahr in

2016 einen Verlust vor Steuern.

Darin enthalten sind aber u. a. Aufwendungen

für Strukturmaßnahmen

hauptsächlich bei der Salzgitter

Mannesmann Line Pipe GmbH

(MLP), die dem schwachen internationalen

Öl- und Gasgeschäft und

intensiven Preiswettbewerb mit

einem Restrukturierungsprogramm

zur Kapazitätsanpassung und weiteren

Kostensenkung begegnet.

Leicht verbesserte Perspektiven

Für das Geschäftsjahr 2017 erwartete

der Salzgitter-Konzern bei den

Gesellschaften des Geschäftsbereiches

Mannesmann wieder eine heterogene

Entwicklung. Während die 3

Stahlreport 1/2|18

41


Spezial

XXXXXXXXXX

Konjunktur

Bericht

3

deutschen Großrohrwerke auch

wegen der Buchungen im Jahr 2016

eine gute Auslastung aufweisen, hat

sich die Auftragslage auf dem nordamerikanischen

Markt eingetrübt.

Die Segmente der mittleren Leitungsrohre,

Präzis- und Edelstahlrohre

sollten eine zumindest zögerliche

Erholung verzeichnen. Insgesamt

sollten steigende Versandmengen

bei einem höheren Erlösniveau zu

einer moderaten Umsatzausweitung

führen. Voraussetzung dafür ist, dass

es in Europa nicht zu einer rezessiven

Entwicklung kommen wird. Vielmehr

erwartet man für die anhaltend

umkämpften Hauptmärkte eine

Fortsetzung der konjunkturellen

Erholung.

Verbesserte Perspektiven

Insgesamt sieht man – anders als bei

der im Vorjahr sehr zurückhaltenden

Einschätzung - leicht verbesserte

Perspektiven für die Stahlrohrindustrie.

Nach ersten Aufwärtsimpulsen

aufgrund gestiegener Rohstoff- und

Stahlpreise sollte auch das Stahlrohrgeschäft

Unterstützung erhalten.

Positive Effekte erhofft man sich

zudem von der expansiven Wirtschaftspolitik

und wieder stärker auf

fossile Energieträger ausgerichteten

Energiepolitik in Nordamerika. Besonders

das Nahtlosrohrgeschäft könnte

sich weiter erholen, auch wenn gerade

in diesem Marktsegment weltweit

immer noch erhebliche Überkapazitäten

bestehen. Der Großrohrmarkt

bleibt vom Projektgeschäft geprägt

und nach wie vor hart umkämpft.

Letzteres gilt besonders auch für das

Line-Pipe-Geschäft mit Rohren bis

16“ Durchmesser. Die Präzisrohrindustrie

sollte sich vor dem Hintergrund

einer robusten Konjunktur

stabil entwickeln.

Auch bei der Benteler-Gruppe,

organisiert in den drei Divisionen

Automotive, Steel/Tube und Distribution

und gesteuert von der Benteler

International AG in Salzburg,

Österreich, war das Jahr 2016 von

intensivem Wettbewerb, wechselhaften

Märkten und politischen

Herausforderungen geprägt. Während

die Division Automotive

Umsatz und Ergebnis im Vergleich

zum Vorjahr verbessern konnte,

haben sich Umsatz und Ergebnis

der Division Steel/Tube verringert.

Ausschlaggebend dafür war die

reduzierte Nachfrage in einem von

Überkapazitäten geprägten Marktumfeld,

die das Preisniveau in den

USA und in Europa stark unter

Druck setzte, heißt es im Geschäftsbericht

2016.

Wichtig für Deutschland: Ende

2016 wurde gemeinsam mit den

Arbeitnehmervertretern eine Vereinbarung

zur Sicherung des deutschen

Werksverbundes geschlossen,

die fünf Jahre lang gültig sein

wird. Dazu heißt es: „Mit dem Konzept

‚Standortsicherung‘ wurde die

Grundlage geschaffen, die Division

zukunftsfähig aufzustellen, um in

einem sich schnell verändernden

Marktumfeld erfolgreich zu sein“.

Bezüglich der künftigen wirtschaftlichen

Entwicklung des Unternehmens

war man bei Benteler verhalten

optimistisch.

So ging man bei der Division

Steel/Tube von einer verbesserten

Marktsituation aus. Allerdings werde

das Ergebnis der Division von den

Hochlaufkosten des neuen Warmrohrwerks

in Shreveport/USA deutlich

beeinträchtigt. Bei insgesamt

besserer operativer Leistung würden

die anlaufbedingten Mehrkosten

zu einem niedrigeren Ergebnis

der Gruppe im Vergleich zum Vorjahr

führen. Verhalten optimistisch

fällt auch der Blick auf das wirtschaftliche

Umfeld aus, denn es

zeichnen sich erste positive Signale

im Stahlrohrmarkt ab.

Entwicklung der Ölpreise

Auch Benteler betont, dass der Stahlrohrmarkt

im Jahr 2016 durch die

Entwicklung des Ölpreises bestimmt

war. Am Anfang des Jahres notierte

die Referenzsorte WTI ihren Tiefpunkt,

konnte sich aber im Laufe des Jahres

erholen. Insbesondere die von OCTG-

Produkten (Oil Country Tubular Goods)

geprägten Regionen Nordamerika und

der Mittlere Osten konnten sich zum

Ende des Jahres stabilisieren und zeigen

Anzeichen einer Markterholung.

Viele Länder Asiens zeigen weiterhin

ein positives, wenn auch geringes

Wachstum, während China durch den

Ölpreisrückgang weiterhin eine Reduzierung

der Nachfrage verzeichnete.

Der Stahlrohrmarkt in der EU befindet

sich in einer von Überkapazitäten

und Preisdruck geprägten Situation.

Infolge der weiter rückläufigen

Produktion von nahtlosen Stahlrohren

in der EU reagierten die europäischen

Hersteller mit Kostenreduzierungsprogrammen

und

Portfoliooptimierungen.

Als positive Signale wertete man

bei Benteler, dass sich die Rohrlagerbestände

für Öl- und Gasapplikationen

im US-amerikanischen

Markt gegen Jahresende 2016 weiter

reduziert hatten. Auch der US-

Rig Count (Anzahl der Bohrlöcher)

stieg im Laufe des Jahres auf über

650 Bohrtürme, was einer Steigerung

um 48 % im Vergleich zum ersten

Quartal 2016 entspricht. Zudem

unterstützt die Einigung der OPEC

zur Produktionskürzung der Ölfördermengen

die Ölpreisentwicklung

und die daraus resultierende Erholung

des Stahlrohrmarktes.

Normalisierung

und Nachholbedarf

Hersteller wie Verband waren sich

darin einig, dass sich gegenüber dem

Vorjahr die Perspektiven für die

Stahlrohrindustrie verbessert haben.

Laut Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre

beginnt sich die nach dem Einbruch

der Rohölpreise praktisch zum

Erliegen gekommene Investitionstätigkeit

der Energieindustrie zu normalisieren.

Von dem entsprechenden

Nachholbedarf dürfte die

Stahlrohrindustrie in besonderer

Weise profitieren. Weitere positive

Effekte für das Stahlrohrgeschäft

erwartet man von zyklisch steigenden

Rohstoff- und Stahlpreisen sowie

von einer weiterhin robusten Konjunktur

in den Industrieländern,

angetrieben von nach wie vor relativ

günstigen Energiepreisen, einer

expansiven Fiskalpolitik und einer

günstigen Euro-Dollar-Relation.

Die Branche trifft sich für die

nächste Ausgabe der führenden

Internationalen Rohrfachmesse Tube,

die wie immer gemeinsam mit der

weltgrößten Draht- und Kabelmesse

wire veranstaltet wird, vom 16. bis

20.4.18 wieder auf dem Düsseldorfer

Messegelände. 2

42 Stahlreport 1/2|18


Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und

Öffentlicher Bau – in diesen Kategorien

prognostizieren die Bauverbände.

Quelle; HDB, ZDB

Detailzahlen aus der deutschen Bauwirtschaft

Optimismus konkretisiert sich

Die Umsätze im Bauhauptgewerbe dürften 2018 nominal um 4 % zulegen und auf gut 117 Mrd. €

steigen. Mit dieser Ansage präzisierten die Präsidenten des Hauptverbandes der Deutschen

Bauindustrie (HDB), Dipl.-Ing. Peter Hübner, und des Zentralverbandes des Deutschen

Baugewerbes (ZDB), Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, auf der gemeinsamen Jahresauftakt-

Pressekonferenz in Berlin Mitte Januar den bereits aus dem vergangenen Jahr bekannten

Optimismus der Branche. (Vgl. auch nebenstehenden Bericht)

Konkretisiert wurde diese Prognose

traditionsgemäß in den drei Bereichen

Wohnungsbau, Wirtschaftsbau

und Öffentlicher Bau:

z Im Wohnungsbau gehen die beiden

Verbände für 2018 von einem nominalen

Umsatzplus von 3,5 % aus.

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen

dürfte weiter auf etwa

320.000 Einheiten steigen. Für Produktion

und Fertigstellungen gelte,

dass die Zunahme auf den weiterhin

boomenden Geschosswohnungsbau

beschränkt bleibe. Der klassische

Eigenheimbau werde dagegen

auf Vorjahresniveau stagnieren.

„320.000 Wohnungen bedeuten

zwar eine Verdopplung des Fertigstellungsniveaus

gegenüber 2010.

Das reicht aber noch nicht an den

Bedarf von mindestens 350.000

Wohnungen heran“, so Hübner und

Loewenstein.

z Im Wirtschaftsbau gehen die beiden

Präsidenten für das laufende

Jahr von einem nominalen Umsatzwachstum

von 4 % aus. Angesichts

eines hohen und weiter steigenden

Auslastungsgrades in der Industrie

werde sich die Expansion der Unternehmensinvestitionen

fortsetzen.

Schließlich erwarte gut die Hälfte der

an der Verbandsumfrage des Instituts

der deutschen Wirtschaft teilnehmenden

Verbände für 2018 in

ihrer Branche steigende Investitionen,

45 % zumindest ein gleichbleibendes

Niveau. Zudem seien die

Auftragsbücher gut gefüllt. Ende

September 2017 sei mit 17,2 Mrd. €

der mit Abstand höchste Wert seit

mehr als 20 Jahren verbucht worden.

z Auch für den öffentlichen Bau erwarten

HDB und ZDB im neuen Jahr ein

Umsatzwachstum von nominal 4 %.

Hier mache sich zum einen der in

der vergangenen Legislaturperiode

eingeleitete Investitionshochlauf des

Bundes bei den Verkehrswegen positiv

bemerkbar. Die positiven Finanzierungssalden

würden nicht nur

dem Bund, sondern auch Ländern

und Gemeinden Investitionsspielräume

eröffnen. Die Kommunen würden

zudem vom Kommunalinvestitionsförderungsfond

profitieren,

dessen Laufzeit bis 2020 verlängert

und dessen Volumen auf 7 Mrd. €verdoppelt

worden sei. Auch im öffentlichen

Bau habe es Ende des dritten

Quartals 2017 mit 17 Mrd. € einen

Rekordauftragsbestand gegeben.

Die positive Baukonjunktur schlägt

nach Einschätzung der Präsidenten

auch auf den Bauarbeitsmarkt durch.

Bereits 2017 sei es gelungen, im Jahresdurchschnitt

die Zahl der Erwerbstätigen

im Bauhauptgewerbe um 3 %

auf 805.000 zu steigern. Für das laufende

Jahr gehen Hübner und Loewenstein

von einem weiteren Beschäftigungsaufbau

in der Größenordnung

von nahezu 2 % auf 820.000 Erwerbstätige

aus. Ein Problem stelle dabei

allerdings der Fachkräftemangel in

der Bauwirtschaft dar. Der deutliche

Personalaufbau habe nicht verhindern

können, dass sich Bauberufe nun in

der aktuellen Fachkräfteengpassanalyse

des Statistischen Bundesamtes

wiederfänden. So seien Stellen für

Meister in der Baubranche rund 160

Tage vakant und lägen damit deutlich

über der durchschnittlichen Engpassgrenze

von 100 Tagen. 2

Stahlreport 1/2|18

43


BDS

Research

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Kein Grund zur Klage

Das Bruttoinlandsprodukt wird in Deutschland im vergangenen Jahr um mehr als 2 % zugelegt

haben. Hiervon profitiert auch die Stahldistribution. Nach einem mengenmäßig eher durchschnittlichen

Start ins Jahr konnte im März erstmals ein ungewöhnlich hoher Lagerabsatz erzielt

werden. Auch der Mai war außerordentlich gut. Die Sommermonate Juni, Juli und August

verliefen ebenfalls sehr passabel. Auch im Herbst gab es mengenmäßig keinen Grund zur Klage.

Der Ende 2016 gestartete Preisaufbau hat sich in den ersten Monaten des Jahres 2017 fortgesetzt

und dann eine Pause eingelegt. Ab dem Sommer zogen die Preise bei allen Produkten wieder an,

besonders stark war dies bei Langprodukten der Fall.

Foto: privat

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

für die ersten elf

Monate des vergangenen

Jahres vorliegenden

Zahlen. Wie

üblich, hat er seinen

monatlichen und

kommentierenden

Bericht anhand der

Kriterien Lagerabsatz,

-bestand, -

reichweite und

-verkaufspreise

gegliedert.

Lagerabsatz

Im Januar und Februar wurden

jeweils etwas mehr als 900.000 t

Walzstahlfertigerzeugnisse abgesetzt.

Im März wurde mit 1,06 Mio.t

sogar die Eine-Million-Tonnen-

Marke geknackt. Ein solches Volumen

wurde letztmals im Mai 2011

erreicht. Die gewisse Ausgleichsbewegung

folgte im April mit

Ostern, deutlich weniger Arbeitstagen

und einem Absatz von knapp

860.000 t.

Trotz der Feiertage konnten im

Mai wieder knapp über 1 Mio. t.

abgesetzt werden. Auch die Sommermonate

Juni, Juli und August

verliefen sehr ordentlich. Im September

und Oktober konnten

jeweils etwas mehr als 900.000 t

abgesetzt werden. Im November

betrug die Tonnage fast 1. Mio. t.

In den ersten elf Monaten des Jahres

2017 konnte somit etwas über

3 % mehr Menge als im Vorjahreszeitraum

abgesetzt werden. Besonders

dynamisch verliefen die Lagerabsätze

bei Betonstahl sowie

Bandblech und oberflächenveredeltem

Blech. Das Geschäft bei Quartoblech

gestaltete sich hingegen

schwächer als in der Vorjahrespe-

riode. Der Absatz von Trägern und

Stabstahl entwickelte sich leicht

rückläufig.

Lagerbestand

Nach dem üblichen Lagerabbau

zum Jahresende 2016 legten die

Lagerbestände im Januar und bei

den meisten Produkten auch im

Februar 2017 spürbar zu. Schon

im März kam es zu einem Lagerabbau,

der sich in den Juni hinein

fortsetzte. Im Juli wurde ein leichter

Lageraufbau beobachtet. Im

August wurden die Läger dann kräftig,

im September, Oktober und

November dann moderat zurückgefahren.

Zum 30. November

wurden von der deutschen Stahldistribution

2,16 Mio. t. Walzstahlfertigerzeugnisse

bevorratet. Dies

ist ein sehr niedriger Bestand. Er

liegt knapp 7 % unter dem Wert,

der vor zwölf Monaten gemeldet

wurde.

Lagerreichweite

Gute Lagerabsätze und sehr niedrige

Bestände führen zu einer geringen

Lagerreichweite. Sie lag im

November bei 2,2 Monaten bzw.

66 Tagen (vgl. Abb. 1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen

Bereich zufolge setzte sich der starke

Preisanstieg, der am Ende des Jahres

2016 angefangen hatte, im ersten

Quartal 2017 fort. Dieser fiel bei

Flachprodukten sowie Quadrat- und

Rechteckrohren noch deutlich ausgeprägter

aus als bei Langprodukten.

Im Laufe des Frühjahrs ebbte dieser

Preisauftrieb von Produkt zu Produkt

unterschiedlich ab und es wurden

auch wieder fallende Preise im Markt

festgestellt. Ab dem Sommer zogen

die Werkspreise, teilweise sehr spürbar,

wieder an. Besonders stark war

der Preisaufbau diesmal bei Langprodukten

und nahtlosen Rohren. Auch

im Handel konnten spürbare Preissteigerungen

verzeichnet werden.

Das Preisniveau lag Ende November

2017 deutlich über dem des Vorjahres

(vgl. Abb. 2 und 3). 2

[ Info ]

Fragen zu den genannten statistischen

Größen beantwortet im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) Jörg Feger,

Bereichsleiter Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

44 Stahlreport 1/2|18


Quelle Bild 2 u. 3: BDS Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

lagerAbsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

150

140

130

120

110

100

90

Index (Januar 2010 = 100)

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

n Absatzindex (2007 = 100)

n Lagerreichweite in Tagen

200

180

106

160

101

91 95 99

92 140

89 90

92

96

92

98

100

86

94 91 91

120

68

100

81 84 78 78 75 69 99 78 81 69 84 72 72 75 69 72 72 66

80

60

40

20

0

Ø

2013

Ø

2014

Ø

2015

Ø

2016

Ø

2017

Nov.

2016

Dez.

2016

Jan.

2017

Feb.

2017

Mär.

2017

Apr.

2017

Mai

2017

Juni

2017

Juli.

2017

Aug.

2017

Sep.

2017

Okt.

2017

Nov.

2017

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

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1. Q. 2016

2. Q. 2016

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4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

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4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

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1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

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1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

Absatz und Lagerreichweite

der

Stahldistribution

Preisentwicklung

bei Langprodukten

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Stahlreport 1/2|18

45


BDS

Kommunikation

Fachtagung am 1. März 2018 in Düsseldorf

Einladung zum

BDS-Rohrtag 2018

Am 1. März 2018 findet der BDS-Rohrtag im „Van der Valk Airport -

hotel“ in Düsseldorf statt. Der BDS erwartet rund 100 Teilnehmer

aus Industrie, Handel und Verbänden.

Das Programm

Die Themen

z Marktentwicklung und Tendenzen

2018

z Anforderungen an den Rohrhandel

aus Sicht des Stahlbaus

z Stahlrohre in der industriellen Verarbeitung

z Rohre, Fittings und Flansche für

druckgeführte Rohrleitungen und

Anlagen – Europäische Regelwerke

im Vergleich zu ASTM/ASTME

z Die Zukunft des Geschäftsmodells

„Großhandel mit Stahlrohren“

Aussteller

z Behringer GmbH, Kirchardt

z Fehr Lagerlogistik AG, CH-Winterthur

z Kasto Maschinenbau GmbH & Co.,

Achern

z Montanstahl GmbH, Oelde

z OttComputer GmbH, Langenfeld

z PFEIFER Seil- und Hebetechnik

GmbH, Memmingen

z Scheffer Krantechnik GmbH, Sassenberg

z WESPA Metallsägenfabrik Simonds

Industries GmbH, Düsseldorf

z 9:00 Uhr Eröffnung

Oliver Ellermann, BDS AG

z 9:15 Uhr Marktentwicklung und

Tendenzen 2018

Frank Harms, Wirtschaftsvereinigung

Stahlrohre e. V.

z 10:30 Uhr Anforderungen an den

Rohrhandel aus Sicht des Stahlbaus

Dipl.-Ing., Dipl.-Wirt.-Ing.

Dirk Lehmann, Claus Queck GmbH

z 11:45 Uhr Stahlrohre in der industriellen

Verarbeitung

Hanns Peter Spaniol, Severin Heusch

z 13:30 Uhr Aktuelle Rechtsthemen

Tim Lieber, Henseler & Partner

z 14:45 Uhr Rohre, Fittings und

Flansche für druckgeführte

Rohrleitungen und Anlagen –

Europäische Regelwerke im Vergleich

zu ASTM/ASTME

Dr. Axel Willauschus, BUHLMANN

Rohr-Fittings-Stahlhandel GmbH +

Co. KG

z 16:00 Uhr Die Zukunft des

Geschäftsmodells „Großhandel

mit Stahlrohren“

Hanns-Jörg Westendorf,

Hoberg & Driesch GmbH & Co. KG

z 16:45 Uhr Ende des

BDS-Rohrtages 2018

[ Info ]

Weitere Infos

z Am Vorabend der Tagung findet ein

Get-together ebenfalls im „Van der

Valk Airporthotel“ statt.

z Das Programm steht auf www.stahlhandel.com

/rohrtag 2018 zu Verfügung.

Ebenfalls ist auf der BDS-Webseite

die Online-Anmeldung zum

Rohrtag möglich.

z Begleitend zur Tagung präsentieren

sich die Ausrüster und Dienstleister

der Branche in einer Ausstellung.

Interessierte Unternehmen können

die Ausschreibung zur Ausstellung

beim BDS anfordern.

Weitere Informationen & Anmeldung: www.stahlhandel.com/rohrtag2018

46 Stahlreport 1/2|18


Moderne Lagerlogistik von fehr

Aus Ideen werden Lösungen

Fehr ist einer der führenden Anbieter

von Lagerlogistik-Lösungen. Seit 1968 ist die

fehr Lagerlogistik AG spezialisiert auf hochqualitative

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Mit typisch Schweizer Know-how, Präzision

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sichern und optimieren den Materialfluss von

der Einlagerung bis zum Abtransport, vom

Produzenten bis zum Verbraucher.

Moderne Lagerlogistik ist so vielfältig wie das

Lagergut. Von maßgeschneiderten Systemlösungen

bis zur Standardvariante: fehr Lageranlagen

richten sich nach den individuellen

Anforderungen der Anwender. Vom einzelnen,

manuell bedienbaren Lagerturm bis zur

vollautomatisierten Lagerhalle ist der

Anspruch, Kunden exakt jene Lösung bereitzustellen,

die sie brauchen.

Entsprechend den Anforderungen der jeweiligen

Branche stellt fehr in einem gemeinsamen

Entwicklungsprozess eine hocheffiziente

und individuelle Lagerlösung zusammen, die

„funktioniert und zum Unternehmen passt“,

so fehr.

Das Wabenregallager fehr honeycomb zum

Beispiel eignet sich hervorragend für große

Mengen an Stab- und Blechmaterial – speziell,

wenn hohe Zugriffsgeschwindigkeiten

gefragt sind. Das leistungsstarke System

arbeitet nach dem Wechselkassetten-Prinzip

und kann vollautomatisch betrieben und vernetzt

werden. Das Konzept zeichnet sich dem

Hersteller zufolge durch absolute Durchgängigkeit

und leichtes Handling aus. Selbst bei

unterschiedlichen Kassettenmassen nutze

das Wabenlager fehr honeycomb dank minimaler

Anfahrmasse den zur Verfügung stehenden

Raum optimal. Kein Lagersystem bietet

mehr Kapazität bei so geringem

Raumbedarf, wirbt fehr.

Bild: fehr Lagerlogistik

Das fehr honeycomb

bietet jede Menge

Kapazität bei geringem

Raumbedarf.

Das Wabenregallager

für Stab- und Blechmaterial

sorgt zudem

für hohe Zugriffsgeschwindigkeiten.

KASTOwin tube A 5.0

Spezialist für die Rohrbearbeitung

Die KASTO Maschinenbau GmbH & Co.

KG präsentiert auf dem BDS-Rohrtag 2018 ihre

Kompetenz beim Sägen und Lagern von Rohren

und anderem Metall-Langgut. Das Unternehmen

hat beispielsweise mit der KASTOwin tube

A 5.0 eine automatische Bandsäge auf den

Markt gebracht, die speziell für die Bearbeitung

von Rohren geeignet ist. Die Maschine verfügt

über einen um 180 ° gedrehten Sägevorschub,

gesägt wird von der Auflagefläche nach oben.

Das verbessert den Spänefluss und sorgt damit

für einen effizienten, präzisen und werkzeugschonenden

Sägevorgang.

Bild: Kasto

Die KASTOwin tube

A 5.0 ist eine automatische

Bandsäge,

die speziell für die

Bearbeitung von

Rohren geeignet ist.

Der Schnittbereich der KASTOwin tube A 5.0

liegt bei 520 mm, die kleinstmögliche

Abschnittlänge bei 10 mm. Die Schnittgeschwindigkeit

lässt sich per frequenzgeregeltem

Antrieb zwischen 12 und 150 m pro

Minute stufenlos einstellen. Hartmetall-

Sägebänder, wie sie für verschiedene Rohrmaterialien

notwendig sind, lassen sich ohne

weiteres Zubehör einsetzen. Die Spannung

des Sägebands erfolgt hydraulisch, die Reinigung

mit einer auswechselbaren, elektrisch

angetriebenen Späneräumbürste.

Spannstock und Sägevorschub sind mit

spielfreien Linearführungen ausgestattet,

Kugelrollspindelantriebe sorgen für kontrollierte

Schnitt- und Materialvorschub-

Bewegungen. Eine einfache Bedienung

ermöglicht die intelligente Sägemaschinensteuerung

SmartControl, die alle Materialdaten

enthält und sämtliche notwendigen Parameter

automatisch einstellt.

Stahlreport 1/2|18

47


BDS

Berufsbildung

Neue Verkaufsschulungen für den Stahlhandel

Aus einem Guss

Stahl und andere Werkstoffe erfolgreich zu verkaufen, das kann man lernen. Damit dieser

traditionsreiche Qualifikationsprozess nach aktuellen Erkenntnissen und auf dem Stand der Technik

ablaufen kann, hat der BDS sein diesbezügliches Bildungsangebot neu strukturiert: Ab diesem

Jahr werden entsprechende Lernteams, Seminare und Studienteile inhaltlich aus einem Guss,

personell aus einer Hand und zudem mit einem einheitlichen methodischen Standard angeboten.

Pate bei diesen Veränderungen

stand das seit 2017 digitalisierte

Betriebswirts-Fernstudium. Es wird

dreijährig und berufsbegleitend vom

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

(BDS) angeboten – 2017 in Zusammenarbeit

mit dem Wirtschaftsverband

Großhandel Metallhalbzeug

(WGM) und dem Verband Deutscher

Metallhändler (VDM). Studienfach

ist auch das Marketing, in das u.a.

alle Lerninhalte zum Verkauf integriert

sind. Für die Aufbereitung

dieser Inhalte zuständig ist Thomas

Katlun, der auf der Basis seiner beruflichen

Erfahrung im Vertrieb des

Werkstoffhandels seit kurzem im

Namen der GEDANKENtanken AKA-

DEMIE Beratung und Training anbietet.

Vermittelt werden die entsprechenden

Inhalte im Fernstudium in

Präsenzveranstaltungen sowie über

die elektronische Bildungsplattform

OPAL.

Vor diesem Hintergrund ist die

Idee entstanden, die entsprechenden

Inhalte zum Verkauf mit Thomas

Katlun nach demselben Muster

und mit der gleichen Technik künftig

auch in Seminaren sowie in der

überbetrieblichen Ausbildungsbegleitung

in Lernteams anzubieten.

Unterschiedlich sind dabei natürlich

die Lernzielniveaus, die sich

aber alle am achtteiligen Deutschen

Qualifikationsrahmen (DQR) ausrichten

– sozusagen top-down von

Stufe 7 (Fernstudium) über Stufe 6

(Seminare) und Stufe 5 (Lernteams)

bis zur Basis der in der Branche gültigen

Ausbildungsordnungen mit

Abschlüssen auf der Stufe 4. Der

DQR hat vor einem europäischen

Hintergrund die Aufgabe, alle schulischen,

berufsbildenden und akademischen

Abschlüsse vergleichbar

zu machen.

Konkretisierungen

Konkret bedeutet dies, dass

z sich der neue Fernstudienjahrgang

2018 im Sommer erstmals auf

Niveaustufe 7 mit den entsprechenden

Marketingthemen auseinandersetzen

wird – in einer Präsenzveranstaltung

Anfang Juli in Soltau

und anschließend im Fernstudium

auf OPAL. Diesen Ansatz hatte der

Jahrgang 2017 bereits im vergangenen

Jahr realisiert.

z am 11./12. September ebenfalls in

Soltau ein Verkaufsseminar auf der

DQR-Stufe 6 angeboten wird, wobei

für die eigentliche Informationsvermittlung

OPAL und damit Fernunterricht

genutzt wird.

z im November erstmals auf der

Niveaustufe 5 ein Lernteam zu Ver-

kaufsthemen angeboten wird – mit

einer eintägigen Präsenzveranstaltung

in Hamburg und unter Einbeziehung

von begleitendem Fernunterricht.

Für das Fernstudium liegt eine vorläufige

Zulassung durch die Staatliche

Zentralstelle für Fernunterricht

bereits vor, für die anderen Angebote

wird ein Antrag geprüft.

Vorteil des neuen Systems ist,

dass sich die eigentliche Informationsvermittlung

wirtschaftlich

sinnvoll auf den Fernunterricht

beschränken kann und die aufwändigeren

Präsenzphasen allein für

das Trainieren des Erlernten genutzt

werden können. Außerdem lassen

sich entsprechende Themen bzw.

Inhalte aus der Ausbildung (DQR-

Niveau 4), die zunehmend ebenfalls

elektronisch erfasst werden,

integrieren.

Nach diesem Prinzip sollen –

auch noch in diesem Jahr – die Lernteams

zur Werkstoff- und Produktkunde

reformiert, und es soll

überlegt werden, die fertigen Lerneinheiten

auch den Arbeitskreisen

des Stahlhandels zugänglich zu

machen, in denen Unternehmen vor

Ort überbetriebliche Ausbildungsbegleitung

anbieten. 2

48 Stahlreport 1/2|18


Was die Berufsbildungsausschüsse des Handels derzeit diskutieren

Semantik und Einfluss

Traditionelle Strukturen der beruflichen Bildung werden in Zeiten der digitalen Vernetzung und

der damit verbundenen Intensivierung des Wettbewerbs immer mehr hinterfragt. Dabei geht es

manchmal um Semantik, vor allem aber um Einfluss. Das haben die jüngsten Sitzungen der Berliner

Berufsbildungsausschüsse des Handels deutlich gemacht – allein schon durch die dort Ende

November diskutierten Themen: Neue bzw. neu gestaltete Ausbildungsberufe gehörten ebenso

dazu wie innovative Ideen zur Fort- und Weiterbildung. Mit Dr. Ludger Wolfgart, Bereichsleiter

Berufsbildung beim BDS, war bei den Treffen in Berlin auch der Stahlhandel vertreten.

Auch der kann künftig auf den

neuen Ausbildungsberuf „Kaufmann/

Kauffrau im E-Commerce“ oder auf

die reformierte Lehre zum „Kaufmann/Kauffrau

im Groß- und Außenhandel“

zurückgreifen. Der Handelsverband

Deutschland (HDE) und der

Bundesverband Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA), deren

Berufsbildungsausschüsse – teilweise

gemeinsam – in der Hauptstadt diskutierten,

zeigten sich zufrieden über

das damit erreichbare Kompetenzniveau.

Auch vor diesem Hintergrund

sehen diese Gremien mehrheitlich die

Abwertung kritisch, die durch eine

„Höhere Berufsbildung“ erfolgen

könnte, die u.a. der Deutsche Industrie-

und Handelskammertag (DIHK)

ins Gespräch gebracht hat – und der

damit das System der Aufstiegsfortbildung

gefährdet, wie nicht nur die

genannten Handelsverbände meinen.

Indirekt bzw. sogar direkt beziehen

sich dabei alle Beteiligten auf den weiterhin

umstrittenen Deutschen Qualifikationsrahmen

(DQR).

veröffentlicht worden. Es handele sich

um einen kaufmännisch geprägten

Monoberuf ohne differenzierende Fachrichtungen.

Auch deshalb sei diese

dreijährige Lehre branchenübergreifend

einsetzbar.

Ungeklärt ist derzeit aber noch,

wie dieser Duale Ausbildungsberuf,

der bundesweit angeboten wird,

beschult werden soll. Es geht um technische

Ausstattung und pädagogische

Konzepte. Dass die nötigen Antworten

auf die entsprechenden Fragen nach

wie vor in die Hoheit der Bundesländer

fallen, erwies sich in den Ge -

sprächen im Übrigen als ein weiteres

Indiz für die eingangs erwähnten

zunehmend kritischen Überlegungen

zu traditionellen Bildungsstrukturen in

Deutschland.

Kaufleute im

Groß- und Außenhandel

Reformiert soll mit Wirkung ab

2019/2020 die Ausbildung künftiger

Kaufleute im Groß- und Außenhandel

angeboten werden. Ein entsprechendes

Antragsverfahren hat der BGA eingeleitet,

und sein Berufsbildungsausschuss

will die 2018 dazu anstehenden

Gespräche zwischen den nicht immer

meinungsgleichen Sozialpartnern, das

sind neben den Arbeitgebern und den

Arbeitnehmern auch die Bundesländer,

mit mehreren Sondersitzungen

zeitnah begleiten – unter dem Arbeitstitel

„Kaufmann/Kauffrau für Großund

Außenhandelsmanagement“.

Die Reform der aus 2006 stammenden

Ausbildungsordnung wird zum

einen die inzwischen erfolgten Veränderungen

durch die Digitalisierung

– und damit auch E-Commerce –

berücksichtigen. Zum anderen sollen

aber auch weitere neue Themen wie

Compliance oder Nachhaltigkeit aufgegriffen

werden. Zudem spielen auch

Leitungsnachweise eine wichtige Rolle;

angestrebt wird für die weiterhin dreijährige

Ausbildung auf DQR-Niveaustufe

4 beispielsweise eine gestreckte

Abschlussprüfung.

Höhere Berufsbildung

Eine „Höhere Berufsbildung“ ab

Niveaustufe 5 hat jetzt erstmals der

DIHK ins Gespräch gebracht und wird

dabei vom Zentralverband des Deutschen

Handwerks (ZDH) unterstützt.

Semantisch wirft dieser Ansatz die

Frage auf, ob damit die zwei- bis dreijährigen

Ausbildungsberufe künftig

als „Niedrigere Berufsbildung“ bezeichnet

werden sollen.

Dem eigentlichen Konflikt näher

kommt aber die von DIHK und ZDH

in dem entsprechenden Positionspapier

gewählte Feststellung: „Im Rahmen

der Höheren Berufsbildung existieren

zurzeit ca. 200 anerkannte,

bundeseinheitliche Abschlüsse. Pro

Jahr legen über 200.000 Teilnehmer

eine Prüfung der Höheren Berufsbildung

an einer Handwerkskammer

oder Industrie- und Handelskammer

ab …“

Kaufleute im E-Commerce

Mit „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“

stellte Katharina Weinert,

Abteilungsleiterin Bildungspolitik und

Berufsbildung beim HDE, an dem Sitzungstag

einen ganz neuen Ausbildungsberuf

vor, der bereits zum 1.8.18

Gültigkeit hat. Der entsprechende Text

ist am 18.12.17 im Bundesgesetzblatt 3

Stahlreport 1/2|18

49


. 7.34

BDS

Berufsbildung

3 Aufstiegsfortbildung

Entsprechend pointiert reagiert hat

inzwischen die Bundesvereinigung

der Deutschen Arbeitgeberverbände

(BDA) – mit dem Positionspapier „Ja

zur Stärkung der Aufstiegsfortbildung,

Nein zum Systemumbau“. Die

Aufstiegsfortbildung dürfe „… nicht

mit dem Berufsabitur, dualem Studium

und flexiblen, nicht regulierten

Formaten des freien Weiterbildungsmarktes

unter dem Begriff der

‚Höheren Berufsbildung‘ zusammengefasst

werden.“

Es gelte, das große Engagement

der Wirtschaft in Sachen Weiterbildung

auch künftig zu unterstützen.

86 % aller Unternehmen würden sich

an der betrieblichen Weiterbildung

beteiligen, „sie investieren jährlich

mehr als 33,5 Mrd. € in die Qualifizierung

ihrer Belegschaften. Die Aufstiegsfortbildung

ist ein zentrales

Element der beruflichen Weiterbildung

und eine wichtige Säule der

Fachkräftesicherung.“

Deutscher Qualifikationsrahmen

Ähnlich bewahrend argumentiert die

BDA im Übrigen in einem weiteren

Papier, das der Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS) in der Ausschusssitzung

unter Berufung auf

die Argumentation auch des Fernlernverbands

Forum DistancE Learning

kritisierte.

Zu dem BDA-Papier „DQR muss

ein freiwilliges Transparenzinstrument

bleiben“ mahnte Dr. Ludger

Wolfgart u.a. an, nochmals die Diskussion

über Gleichwertigkeit und Vergleichbarkeit

von Abschlüssen, die

vermeintliche Freistellung zur Verwendung

der DQR-Niveaustufen auf

Zeugnissen und – wegen der nicht

vollständig geregelten Anerkennungsverfahren

– grundsätzlich die bestehenden

Wettbewerbsverzerrungen

auf dem Bildungsmarkt zu diskutieren.

Gleichzeitig bestritt er die

Behauptung aus dem Papier, der DQR

sei „erfolgreich umgesetzt“ worden.

Als Ergebnis der Beratungen

im November soll der DQR als

Thema nochmals auf die Tagesordnung

der nächsten gemeinsamen

Sitzung der HDE- und BGA-Berufsbildungsausschüsse

am 5.3.18

gesetzt werden. 2

Quellen, 4: BDS

Sie bringen Motivation mit?

Wir liefern das Know-how!

Machen Sie berufliche Karriere

durch ein berufsbegleitendes Fernstudium

fern-studium

Betriebswirt Stahlhandel (BDS)

Betriebswirt Metallhandel (WGM)

Betriebswirt Metallhandel (VDM)

. 7.32





Sta. . : 12.01.2018. Seite 1 .o. 15


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Mit diesem Flyer informieren BDS, VDM und WGM über die grundsätzliche Struktur des

Fernstudiums. Ergänzend dazu gibt es beim BDS für den Jahrgang 2018 die aktuellen

Studien- und Prüfungsordnungen.

BDS-Fernstudium



Sta. .: 12.01.2018. Seite 1 . o. 12

Neuer Jahrgang

für Stahlhändler

Das BDS-Fernstudium wird im neuen Jahrgang 2018 ausschließlich

für eine aus dem Stahlhandel stammende Gruppe angeboten. NE-

Metall- und Schrotthändler steigen erst ab dem Jahrgang 2019 wieder

in das System ein, haben WGM und VDM mitgeteilt. Die neue

Bildungsmaßnahme mit dem Abschluss „Betriebswirt/-in Stahlhandel

BDS“ startet am 1.7.18 – wiederum von der ZFU zugelassen,

aktuell digitalisiert und für drei Jahre berufsbegleitend.

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Der Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS) mit Sitz in Düsseldorf

geht davon aus, bis zum 31.5.18

(Anmeldeschluss) eine ausreichende

Anzahl von 15 Interessentinnen bzw.

Interessenten zu finden. Auf die wartet

dann ab dem kommenden Sommer

zu den Themenfeldern aus Technik,

Wirtschaft und Methoden eine in

bereits 21 Jahrgängen bewährte und

obligatorische Mischung aus fünf Seminaren,

knapp 30 Lernmodulen und

einem halben Dutzend Prüfungen.

Gestartet wird mit der Einführungsveranstaltung

vom 1.-5.7.18 in Soltau,

am Ende steht im Juni 2021 in

der Nähe von Karlsruhe die Abschlussprüfung.

Details dazu sind in der Studienbzw.

in der Prüfungsordnung für den

Jahrgang 2018 festgelegt, die Interessenten

beim BDS anfordern können

– ebenso wie den Rest der Anmeldeunterlagen

(Wynands-BDS@stahlhandel.com).

Alle Dokumente zum BDS-

Fernstudium sind für den im vergangenen

Jahr erstmals digital gestarteten

Jahrgang auf der Lernplattform OPAL

(Online-Plattform für akademisches

Lehren und Lernen) hinterlegt, für die

alle Mitglieder der neuen Gruppe nach

ihrer Zulassung einen Zugang erhalten.

So wird es möglich, die Studienmodule

am Bildschirm zu bearbeiten

und auch die Kommunikation/Administration

auf diesem Wege digital zu

gestalten.

Inhalte

Die Module, auf die in den Seminaren

vorbereitet wird und die in virtuellen

Klassenzimmern über OPAL begleitet

werden, betreffen

z technische (Werkstoff- und Produktkunde

sowie Anarbeitung) sowie

z Themen der Wirtschaft (kaufmän-

50 Stahlreport 1/2|18


nisches bzw. Führungswissen) und

z Aspekte der Methodenkompetenz –

bis hin zur Ausbildereignung.

Für die Jahrgänge, die auch für NE-

Metall- und Schrotthändler angeboten

werden (zuletzt 2017) gibt es eigene

technische Inhalte – von Aluminium

bis Zirkonium – , und außerdem bezieht

sich der im ersten Studienquartal aufgespannte

wirtschaftliche Rahmen

konkret auf die Märkte in allen drei

beteiligten Teilbranchen, die (außer

vom BDS) vom Verband Deutscher

Metallhändler (VDM) und vom Wirtschaftsverband

Großhandel Metallhalbzeug

(WGM) vertreten werden.

Beide in Berlin ansässigen Verbände

hatten Ende 2017 mit internen Umfragen

die Studienbedarfe ab 2018 und

2019 ermittelt.

Didaktik

Die aktuellen Fassungen dieser Module

sind bei der Staatlichen Zentralstelle

für Fernunterricht (ZFU) in Köln eingereicht

worden und ebenso Grundlage

der Zulassung (Nr. 68921v) wie

das vom BDS vorgelegte didaktische

Konzept. Das orientiert sich an der

Stufe 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens

(DQR) – die im akademischen

Bereich des DQR mit einem

Master-Abschluss vergleichbar ist –

und umfasst auch einen kontinuierlichen

Verbesserungsprozess (KVP),

mit dem der BDS als nach DIN EN ISO

9001-2015 qualitätsgesicherter Anbieter

diesen Fernlehrgang begleitet. Der

Abschluss „Betriebswirtin/Betriebswirt

Stahlhandel BDS“ ist außerdem

beim Patent- und Markenamt rechtlich

geschützt.

Kern des didaktischen Konzeptes

ist das Ziel, über dieses Fernstudium

handlungsorientierte Kompetenzen

zu vermitteln, die es den Absolventen

ermöglichen, sich die notwendigen

Qualifikationen im Laufe ihres weiteren

Berufslebens selber anzueignen.

Dabei geht es nicht nur um die Fachkompetenz

aus Wissen und Fertigkeiten,

sondern auch um die soziale

Kompetenz aus Selbständigkeit und

Teamfähigkeit.

Organisation

Zulassungsvoraussetzungen sind

z eine abgeschlossene Berufsausbildung,

z zum Zeitpunkt der Abschlussprüfung

(Juni 2021) mindestens fünf

Jahre Berufstätigkeit,

z die studienbegleitende Berufstätigkeit

in der Branche sowie

z ein internetfähiger Arbeits-/Lernplatz.

Geprüft werden im Laufe des Fernstudiums

die Lernerfolge

z fortlaufend mit den Studienmodulen,

z nach gut einem Jahr schriftlich und

mündlich die Inhalte der Technik,

z nach etwa einem weiteren Jahr

schriftlich und mündlich die Wirtschaftsthemen

sowie

z vor dem Hintergrund der vermittelten

branchenspezifischen Inhalte

abschließend in einer fünfteiligen

Prüfung sämtliche methodischen

Aspekte. Diese umfassen auch die

Ausbildereignungsprüfung.

z Außerdem muss im dritten Studienjahr

eine 30- bis 40-seitige Studienarbeit

angefertigt werden – bevorzugt

zu einem Thema aus dem

eigenen Unternehmen.

Auf diese Prüfungen wird studienbegleitend

vorbereitet – am Ende des

ersten Jahres im Rahmen einer rund

zweitägigen Werkstatt. 2

Info

Weitere Informationen und

Anmeldemöglichkeiten:

Wynands-BDS@Stahlhandel.com

Stahlhandel und Theologie

Anbieter von Fernkursen mit

neu gewählten Vorsitzenden

Die Gruppe der im Forum DistancE-Learning

organisierten Anbieter

von Fernlernmöglichkeiten hat einen

neuen Vorsitzenden: Bei ihrem Treffen

Mitte Januar in Essen wählte der Kreis

einstimmig bei einer Enthaltung Dr. Ludger

Wolfgart in dieses Amt. Er ist in diesem

Gremium als Bereichsleiter Berufsbildung

des BDS vertreten.

Stellvertretender Fachgruppenvorsitzender

wurde mit demselben Stimmenergebnis

Dr. Thomas Franz aus Würzburg,

der das dortige Angebot zur Theologie

im Fernkurs vertritt.

Der Bundesverband Deutscher Stahlhandel

(BDS) ist in diesem Anbieterkreis

einer der kleinsten Anbieter und im

Markt lediglich mit seinem Studiengang

zum/zur „Betriebswirt/-in Stahlhandel

BDS“ vertreten (vgl. gesonderte Berichterstattung

in diesem Heft). Umso wichtiger

ist Wolfgart die Mitarbeit in diesem

Gremium des früheren Fernschulverbandes.

„Gerade für uns ist diese Kommunikation

mit Marktbegleitern aller Größenordnungen

eine ganz wichtige Erfahrung,

um Bildungsprodukte der Branche

inhaltlich und methodisch optimieren zu

können.“ Dabei helfe im Übrigen auch

die Mitarbeit im Pädagogischen Arbeitskreis,

der sich ebenso wie die Anbietergruppe

zwei- bis dreimal im Jahr trifft.

Auf der Tagesordnung in Essen standen

z.B. Informationen und der Austausch

zur neuen E-Datenschutz-Grundverordnung,

die ab dem Frühsommer in Kraft

treten wird (vgl. gesonderte Berichterstattung

in diesem Heft.) Sie hat Auswirkungen

z.B. auf die individuelle Werbung

für Fernlehrgänge und auch auf die Art

und Dauer der Aufbewahrung personenbezogener

Daten. Die Diskussion soll

auf der nächsten Sitzung der Anbieter

im Juni in Würzburg fortgesetzt werden.

Eine Betriebswirtin/ein Betriebswirt BDS/VDM/WGM verfügt über

- in Prüfungen nachzuweisende Kompetenzen

- zur Lösung von neuen und komplexen Aufgaben,

- zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen sowie

- zum Umgang mit häufigen und unvorhersehbaren Veränderungen

- in einem strategieorientierten beruflichen Tätigkeitsfeld.

Oberstes Lernziel für die angehenden Betriebswirte Stahl- und Metallhandel – orientiert

an der Stufe 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens.

Weitere Beratungs- und Informationsthemen

waren einmal mehr der Deutsche

Qualifikationsrahmen (DQR) und die

Möglichkeit, eigene Angebote darin offiziell

einordnen zu lassen, sowie die geänderte

Interpretation zur Mehrwertsteuerbefreiung

von Autorenleistungen in

Fernunterrichts/Fernstudienlehrgängen.

Stahlreport 1/2|18

51


BDS

Recht

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung in Unternehmen

Aufgaben und Pflichten der Unternehmen

Im Zuge der EU-Datenschutz-Grundverordnung werden die Aufgaben und Pflichten der Unternehmen

erweitert, um den Schutz personenbezogener Daten umfassend zu gewährleisten. Dieser Beitrag

soll einen Überblick über die wichtigsten und nicht abschließend aufgezählten Anforderungen

an Unternehmen verschaffen und deren neue Organisationspflichten kurz skizzieren. Bis zur

verbindlichen Anwendung ab dem 25.05.2018 sollten Unternehmen zur Vermeidung der empfindlichen

Bußgelder die Vorgaben der Verordnung umsetzen.

Foto: Henseler & Partner

Rechtsanwältin

Bahar Beyaz,

Henseler & Partner

Rechtsanwälte mbB

Nach dem Transparenzgebot

der Datenschutz-Grundverordnung (DS-

GVO) müssen Unternehmen künftig

betroffene Personen wesentlich umfassender

als bisher über den Umfang der

Verarbeitung ihrer personenbezogenen

Daten informieren. Bereits bei

Erhebung der Daten sind diese Informationen

den betroffenen Personen

mitzuteilen.

Bei diesen Informationen handelt

es sich unter anderem um die Kontaktdaten

des Verantwortlichen, also des

datenverarbeitenden Unternehmens,

die Zwecke und die Rechtsgrundlage

der Verarbeitung der personenbezogenen

Daten, deren Speicherdauer, die

Rechte der Betroffenen, die ggfs.

geplante Übermittlung der personenbezogenen

Daten an Drittländer, die

Empfänger oder Kategorien von Empfängern

der personenbezogenen Daten

und die Kontaktdaten des Datenschutzbeauftragten.

Die genannten Informationen sind

grundsätzlich in Schriftform oder elektronischer

Form zu verfassen. Daher

sind solche Informationen auf einer

Homepage des Unternehmens zwingend

bereitzuhalten. Es hat sich in der

Praxis durchgesetzt, solche Informationen

in einer Datenschutzerklärung

zusammenzufassen. Unternehmen sollten

somit überprüfen, ob sie auf ihrer

Webseite eine Datenschutzerklärung

bereithalten und ob diese den Anforderungen

der DS-GVO entsprechen.

Anlegen einer

Verarbeitungsübersicht

Nach der DS-GVO sind Unternehmen

außerdem zum Führen einer Verarbeitungsübersicht

verpflichtet. Die hierdurch

erfolgte Bestandsaufnahme über

die personenbezogenen Daten und

deren Verarbeitung ermöglicht eine

Gesamtbetrachtung und die Sicherung

der Gesetzeskonformität. Außerdem

wird bei einem Datenschutz-Audit die

Nachvollziehbarkeit der Verarbeitung

von personenbezogenen Daten wesentlich

erleichtert.

Von dieser Pflicht nicht betroffen

sind Unternehmen mit weniger als 250

Mitarbeitern, sofern die Datenverarbeitung

kein Risiko für Rechte und

Freiheiten der Betroffenen birgt oder

die Datenverarbeitung nur gelegentlich

erfolgt oder keine besonderen

Arten personenbezogener Daten verarbeitet

werden.

Zuständig für die Erstellung und

Führung einer Verarbeitungsübersicht

ist stets die Unternehmensleitung,

nicht ein interner oder externer Datenschutzbeauftragter.

Eine Verarbeitungsübersicht sollte

schriftlich oder in elektronischer Form

angelegt werden. Empfehlenswert ist

die elektronische Form, so dass diese

ggfs. der Aufsichtsbehörde oder dem

Betroffenen übersandt werden kann.

Die in die Verarbeitungsübersicht

aufzunehmenden Angaben sind: Name

und Kontaktdaten der Unternehmen,

die Zwecke der Verarbeitung, die Kategorien

betroffener Personen und personenbezogener

Daten, die Kategorien

von Datenempfängern, die Übermittlung

in Drittländer, Löschfristen für

die personenbezogenen Daten sowie

Angaben zur Datensicherheit.

Erste Mustervorlagen einer Verarbeitungsübersicht

sind auf den Webseiten

einiger Aufsichtsbehörden – der

Landesdatenschutzbeauftragten –

abrufbar.

Datenschutzfolgenabschätzung

Gänzlich neu eingeführt wird durch

die DS-GVO die Datenschutzfolgenabschätzung.

Hierbei handelt es sich um

ein Instrument zur Erkennung von

Risiken, die mit der Verarbeitung von

personenbezogenen Daten entstehen

und die Rechte und Freiheiten der

betroffenen Personen gefährden könnten.

Ziel ist es, insbesondere die Eintrittswahrscheinlichkeit

und Schwere

der möglichen Risiken zu bewerten.

Die Folgen von Datenverarbeitungsvorgängen

sollen möglichst umfassend

erfasst werden. Dabei sollen auch Maßnahmen

und Verfahren geprüft werden,

die solche Risiken mit adäquaten

52 Stahlreport 1/2|18


Gegenmaßnahmen verringern könnten.

Mögliche Risiken für betroffene

Personen sind beispielsweise materielle/immaterielle

Schäden, Diskriminierung,

Identitätsdiebstahl oder -

betrug, Rufschädigung, etc.

Indizien für die Notwendigkeit

einer Datenschutzfolgenabschätzung

sind die Verwendung neuer Technologien,

neuartige Verarbeitungsvorgänge,

umfangreiche Verarbeitungsvorgänge,

Verarbeitung sensibler Daten, Profiling,

systematische und öffentliche

Überwachung etc.

Im Falle eines Unterlassens der

Durchführung einer vorgeschriebenen

Datenschutzfolgenabschätzung oder

der Durchführung in nicht vorgegebener

Weise kann die zuständige Aufsichtsbehörde

dies mit Bußgeldern ahnden.

Bestellung eines

Datenschutzbeauftragten

Auch die Bestellung eines Datenschutzbeauftragten,

der künftig über eine

wichtigere Stellung im Unternehmen

verfügen wird, gehört zu den bedeutenden

Pflichten der Unternehmen. Die

Einzelheiten hierzu wurden bereits im

Stahlreport 12/17 dargelegt.

Schaffung von technischen und

organisatorischen Maßnahmen

Die Schaffung von technischen und

organisatorischen Maßnahmen soll

durch die Implementierung von angemessenen

Sicherheitsstandards erfüllt

werden. Insbesondere soll hierdurch

ein unzulässiger Umgang mit perso-

Info

nenbezogenen Daten verhindert und

die Integrität und Verfügbarkeit dieser

Daten gewährleistet werden.

Beispiel für technische Maßnahmen

ist die Einhaltung des Standes der

Technik, die Pseudonymisierung oder

Verschlüsselung von personenbezogenen

Daten und die Einrichtung technischer

Zugriffsrechte. Als Beispiel für

organisatorische Maßnahmen ist die

Beaufsichtigung von Personal, das

Zugang zu personenbezogenen Daten

hat, die Einrichtung physischer Zutritts,

Zugriffs- oder Zugangskontrollen, die

entsprechende Personalplanung, die

Minimierung der Verarbeitung von personenbezogenen

Daten und die regelmäßige

Überprüfung, Bewertung und

Evaluierung der Wirksamkeit technischer

und organisatorischer Maßnahmen

zur Umsetzung zu nennen.

Die Einhaltung der genannten

Maßnahmen ist im Falle eines Datenschutzverstoßes

ein wichtiges Kriterium

für die Aufsichtsbehörden, ob

und in welcher Höhe ein Bußgeld verhängt

wird. Eine strenge und gut dokumentierte

Beachtung kann demnach

zur erheblichen Schadensminimierung

führen.

Ab dem 25.05.2018 gilt in der Europäischen Union die Datenschutzgrundverordnung

(DS-GVO) und enthält strengere Bestimmungen und

Vorgaben für den Umgang der Unternehmen mit personenbezogenen

Daten ihrer Mitarbeiter und Kunden. Im Zuge der Reform wird auch das

noch geltende Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) durch das neue Bundesdatenschutzgesetz

(BDSG-neu) ersetzt, welches die genannte Verordnung

ergänzt. Die E-Privacy-Verordnung, ebenfalls ab dem 25.05.2018 geltend,

soll an die DS-GVO anknüpfen und deren Regelungsbereich spezifisch für

die Nutzung elektronischer Kommunikationsdienste und -vorgänge komplettieren.

Anlässlich der Reformierung des Datenschutzrechtes ab Mai 2018 sollen

die wichtigsten Änderungen und damit einhergehenden praktischen

Anforderungen in Unternehmen in der Reihe „Die EU-Datenschutz-Grundverordnung

in Unternehmen“ von Rechtsanwalt Dr. Thorsten Hauröder

und Rechtsanwältin Bahar Beyaz von Henseler & Partner Rechtsanwälte

mbB dargestellt werden.

Meldepflichten bei Datenpannen

Die DS-GVO schreibt Unternehmen

eine unverzügliche Meldepflicht bei

den zuständigen Aufsichtsbehörden

im Falle einer Datenpanne vor. Hierunter

fällt „eine Verletzung der Sicherheit,

die, ob unbeabsichtigt oder rechtmäßig,

zur Vernichtung, zum Verlust

oder zur Veränderung oder zur unbefugten

Offenlegung von beziehungsweise

zum unbefugten Zugang an personenbezogenen

Daten führt, die übermittelt,

gespeichert oder auf sonstige

Weise verarbeitet wurden“.

Die Aufsichtsbehörden sind grundsätzlich

innerhalb von 72 Stunden nach

Bekanntwerden der Datenpanne zu

benachrichtigen. Diese Pflicht entfällt,

wenn voraussichtlich kein Risiko für

die Rechte und Freiheiten der betroffenen

Personen besteht. Die Meldung

unterliegt zwingenden inhaltlichen

Anforderungen. Bei einem hohen Risiko

eines Schadenseintritts ist auch die

betroffene Person selbst von der Datenpanne

zu informieren.

Fazit

Wie den zuvor dargelegten und nicht

abschließend aufgeführten Pflichten

zu entnehmen ist, kommen auf Unternehmen

zahlreiche und vielfältige neue

Aufgaben zu. Wie dies in der Praxis

tatsächlich umgesetzt werden soll, ist

bislang noch völlig offen.

In jedem Fall sollten insbesondere

die zuständigen Mitarbeiter durch Schulungen

auf das Thema sensibilisiert

werden, um ein Bewusstsein für den

sorgsamen Umgang mit personenbezogenen

Daten hervorzurufen. Darüber

hinaus sollten bestehende Auftragsdatenverarbeitungsverträge

entsprechend

angepasst und für unsichere Sachlagen

notfalls neu aufgesetzt werden.

Ratsam ist auch eine Art „Notfallplan“,

der im Falle einer Datenpanne

greifen soll. In Anbetracht der weiterhin

bestehenden großen Rechtsunsicherheit

und der noch ausstehenden

praktischen Handhabung der Vorgaben

der DS-GVO sollten die Meldungen

der Aufsichtsbehörden verfolgt und

deren Praxisleitfäden zur unternehmenseigenen

Umsetzung herangezogen

werden.

Schließlich soll an dieser Stelle

auch nochmals auf die Wichtigkeit

einer einwandfreien Datenschutzerklärung

erinnert werden. Diese gilt als

„Achillesverse“, da Konkurrenzunternehmen

und auch Aufsichtsbehörden

über die Unternehmenswebseite auf

diese jederzeit zugreifen und dessen

Defizite erkennen können. Zur Verringerung

der „Verwundbarkeit“ ist daher

dessen Überprüfung und Anpassung

unerlässlich. 2

Stahlreport 1/2|18

53


Verbände

und Politik

Bericht/Nachricht

Forschungsprojekt zum Storytelling in Berlin vorgestellt

Die Dimensionen der Digitalisierung

Beeindruckt von den Dimensionen der Digitalisierung zeigte sich Bundesbildungsministerin Johanna

Wanka bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung zur BIBB-Konferenz Ende November in Leipzig.

Die Tagung mit mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fokussierte diese nachhaltige Vielfalt

einmal mehr auf die Berufsbildung und ihr Spitzenpersonal. Das Motto des Treffens: „Berufsbildung

4.0 – Zukunftschancen durch Digitalisierung“. Verliehen wurden die Hermann-Schmidt-Preise.

Beeindruckt von den

Dimensionen der

Digitalisierung: Bundesbildungsministerin

Johanna Wanka

Foto: BMBF

Wie diese Erkenntnisse in künftige

Politik umgesetzt werden könnten,

machte Prof. Dr. Johanna Wanka

in ihrer Rede zur Eröffnung des Kongresses

in drei Punkten deutlich: Sie

forderte

z mehr Hard- und zudem

z geeignete Software sowie – auf dieser

Basis –

z die intensive Förderung der beruflichen

Aus- und Weiterbildung.

Die amtierende Bundesbildungs- und

Forschungsministerin mag bei der Formulierung

dieser Forderungen insbesondere

an ihren Besuch auf dem Messestand

der Sächsischen

Bildungsagentur gedacht haben, wo

sie sich über den Einsatz und die Möglichkeiten

von LernSax informiert hatte.

Mit dieser vom Freistaat Sachsen finanzierten

Lern- und Kommunikationsplattform

wird beispielsweise in die

Dresdner Lehrerausbildung investiert

und so auf einen schnellen Transfer in

die Schulen und deren Schüler gesetzt.

Die sollen so dort abgeholt werden, wo

sie sich in ihrer digitalen Entwicklung

befinden. Das schließt den Handygebrauch

im Unterricht ebenso ein wie

das Führen eines elektronischen

Berichtsheftes über die Ausbildung.

Und auf diesem Wege bildet Berufsschule

Leben ab, die Gesellschaft ebenso

wie die Wirtschaft.

Ausbilder und Lehrer

Den Drei-Punkte-Plan der Bundesbildungsministerin

ergänzte Prof. Dr.

Friedrich Hubert Esser als Präsident

des Bundesinstituts für Berufsbildung

(BIBB) in seiner Eröffnungsrede durch

eine vierteilige Analyse:

z Der durch die Digitalisierung ausgelöste

Strukturwandel führe erstens

zu mehr Dienstleistungen, was

z zweitens die Ausbildungsberufe entsprechend

beeinflusse, die

z drittens ohne besonders qualifizierte

Ausbilder und Lehrer nicht mehr vermittelt

werden könnten, was

z viertens – im Erfolgsfall – das Duale

System attraktiver machen könne.

Die zweite Hälfte dieser Analyse

bestimmte eindeutig das weitere Konferenzgeschehen

in Leipzig: Auf die

Ausbilder und ihre Unterstützer vor

allem kommt es an. Sie müssen Vorreiter

der Digitalisierung werden, sich

an die Spitze der Bewegung für eine

Verbesserung des Dualen Systems setzen.

So betonte Esser, die Digitalisierung

erfordere auch eine entsprechende

Qualifizierung und Weiterbildung

des Ausbildungs- und Lehrpersonals.

Das BIBB werde sich deshalb

für eine bundesweite Initiative für

Ausbildungspersonal und Digitalisierung

einsetzen. „Damit soll für das

Ausbildungspersonal ein transparenter

und gleichzeitig anwendungsorientierter

Service zur Verfügung

stehen, um medienpädagogische Kompetenzen

zu erlangen.“ Denn, so der

BIBB-Präsident weiter: „Wie erfolgreich

die Herausforderungen der Digitalisierung

für die berufliche Bildung

letztendlich bewältigt werden können,

steht und fällt mit der Kompetenz

des betrieblichen und schulischen

Ausbildungspersonals. Auf sie

kommt es an.“ Wenn es nicht gelinge,

die Lehrer und Ausbilder mitzunehmen

und sie von den Chancen der

Digitalisierung zu überzeugen, werde

es in der betrieblichen und schulischen

Ausbildungspraxis nicht funktionieren.

Nachhaltige Entwicklung

Dabei gilt auch für diese Fokussierung

des Megatrends der Digitalisierung

gerade auch für die Tagungsthemen

das Prinzip der Nachhaltigkeit, also

die Betrachtung sowohl unter ökonomischen

und ökologischen als auch

sozialen Aspekten:

z Das Teilprimat der Wirtschaft erklärt

sich nicht nur semantisch; Berufsbildung

4.0 ist in aller Munde, nachdem

die Begrifflichkeit von der Industrie

4.0 den Weg geebnet hatte. Gerade

auch der Bildungssektor unterliegt

54 Stahlreport 1/2|18


Finanzierungsvorbehalten, weshalb

auch die entsprechende Überzeugungsarbeit

gegenüber den Unternehmensleitungen

wichtig wird.

z Der ökologische Aspekt kommt zweitens

ins Spiel, weil es um Human

Resources geht, auf die Deutschland

mangels Bodenschätzen in besonderer

Weise angewiesen ist. Auch dieses

klassische Argument war auf der

Tagung in Leipzig immer wieder zu

hören.

z Schließlich geht es bei der Bewältigung

der Digitalisierung um nicht

weniger als um den Zusammenhalt

der Gesellschaft. Dass und in welchem

Maß beispielsweise die sogenannten

Sozialen Medien auch asozial

wirken können, wurde auf der

BIBB-Tagung immer wieder erschrocken

festgestellt und beklagt.

Ausgezeichnet: Hermann-Schmidt-Preise

„Berufliche Aus- und Weiterbildung

für die digitalisierte Arbeitswelt“ –

lautete das Thema des letztjährigen

Wettbewerbs um den „Hermann-

Schmidt-Preis“. Der Verein „Innovative

Berufsbildung“ identifizierte

und prämierte damit gezielt Projekte

und Initiativen, die beispielhafte

Modelle zu diesem Thema

entwickelt und umgesetzt haben.

Aus den zum Wettbewerb eingereichten

26 Initiativen ging als

Sieger hervor:

„Excellence Initiative Industrie

4.0“ – Berufsbildende Schulen

Osnabrück. Bei dem prämierten

Projekt handelt es sich um ein

innovatives Ausbildungskonzept

zur Förderung digitaler Kompetenzen.

Auszubildende erhalten die

Gelegenheit, selbstgesteuert komplexe

Problemstellungen im

Zusammenhang mit den Herausforderungen

von „Industrie 4.0“

zu lösen. Hierfür bilden in einer

Projekt-AG Auszubildende unterschiedlicher

Berufsgruppen

(Mechatroniker/-innen, Elektroniker/-innen

und Fachinformatiker/-

innen des zweiten und dritten

Ausbildungsjahres) in interdisziplinärer

Teamarbeit wesentliche

Prinzipen des Produktionsprozesses

in einer Smart Factory nach.

Diese Auszeichnung war mit 3.000 €

dotiert, drei Sonderpreise mit je

1.000 €.

Eine Broschüre mit Kurzdarstellungen

der prämierten und von weiteren

zum Wettbewerb eingereichten

Projekten kann im Internetangebot

des BIBB unter www.bibb.de/hermannschmidtpreis

beziehungsweise

unter www.wbv.de kostenlos

heruntergeladen werden.

Wohl auch angesichts dieser Problemlage

stießen in der kongressbegleitenden

Ausstellung Angebote auf besonderes

Interesse, die entsprechend

nachhaltige Lösungsansätze boten.

Dazu gehörte beispielsweise die am

Deutschen Qualifikationsrahmen und

seinen – u.a. sozialen – Kompetenzen

ausgerichtete betriebliche Verbundausbildung

durch die ABB Ausbildungszentrum

Berlin gGmH. Das gemeinnützige

Unternehmen hat sich zuletzt

in einem Modellprojekt mit „Zusatzqualifikationen

für digitale Kompetenzen

in der Aus- und Weiterbildung“

beschäftigt. 2

Foto: BIBB

Bei der Verleihung des Hermann-Schmidt-Preises 2017.

Intergalva in Berlin

Freunde des Feuerverzinkens unter sich

Die nach Angaben aus dem Industrieverband

Feuerverzinken weltweit größte

Konferenz und Messe zum Stückverzinken,

die Intergalva 2018, findet vom 17.-22.6. in

Berlin statt und richtet sich an Feuerverzinker

sowie Anwender des Feuerverzinkens.

Neben der dreitägigen Konferenz mit Simultanübersetzung

in mehrere Sprachen und

zahlreichen Workshops stellen mehr als 50

Zulieferer der Stückverzinkungsindustrie aus

aller Welt auf rund 5.000 m 2 ihre Produkte

und Dienstleistungen vor. Erstmals sind auch

Aussteller aus dem Beschichtungsbereich

dabei, da Verzinker zunehmend auch das

Beschichten von feuerverzinkten Stahlteilen

selbst übernehmen. Im Anschluss an die

Konferenz besteht zudem die Möglichkeit,

Verzinkungs- und Beschichtungsanlagen in

Deutschland zu besichtigen. Ein kulturelles

Unterhaltungsprogramm für Teilnehmer und

Begleitpersonen runden das Veranstaltungsprogramm

ab.

Der Industrieverband Feuerverzinken e.V.

und seine Serviceorganisation, das Institut

Feuerverzinken GmbH, vertreten die deutsche

Stückverzinkungsindustrie. Im Jahr

2016 wurden in Deutschland mehr als 1,8

Mio. t Stahl stückverzinkt. Wichtige Anwendungsbereiche

des Korrosionsschutzes

durch Feuerverzinken sind u. a. Architektur

und Bauwesen sowie die Verkehrstechnik

und der Fahrzeugbau.

[ kontakt ]

Die Intergalva wird von der European General

Galvanizers Association (EGGA) in Kooperation

mit dem Industrieverband Feuerverzinken organisiert.

Detaillierte Informationen und Anmeldungen:

www.intergalva.com/2018.

Stahlreport 1/2|18

55


Verbände

und Politik

Berichte

Forschungsprojekt zum Storytelling in Berlin vorgestellt

Wirtschaftswissenschaften

und das wahre Leben

Der Einzelhandel hat Mitte Dezember in Berlin auf der Fachtagung „Storytelling – mit Geschichten

zur ökonomischen Bildung im Handel“ die Ergebnisse eines dreijährigen Forschungsprojekts

vorgestellt: eine Soap. Mit allen dafür notwendigen Zutaten aus dem wahren Leben versehen,

werden im Alltag der immer gleichen Helden vor dem Hintergrund einer Art Zeichentrickfilm

wichtige Begriffe aus dem Wirtschaftsleben multimedial erklärt.

Letztlich müssen langfristig

die Prüfungsergebnisse über den

Erfolg dieses didaktischen Konzepts

entscheiden, kurzfristig wurde in

den in Berlin gegebenen Erfahrungsberichten

aber schon einmal eine

erhöhte Motivation der Probanden

deutlich: Mit Themen wie Nachhaltigkeit,

Bilanz oder Marketing setzt

man sich im Umfeld von Liebe und

Leidenschaft in einer Wohngemeinschaft

in einem städtischen Kiez mit

kränkelndem Gemüseladen mit

Migrationshintergrund offenbar lieber

auseinander als über Fachbücher

und Frontalunterricht.

Das wissenschaftliche Konzept

für die Forschung im Rahmen dieses

inzwischen mehrfach ausgezeichneten

bzw. für Preise nominierten

Vorhabens stellten bei der

vom Handelsverband Deutschland

(HDE) präsentierten Tagesveranstaltung

im Verbändehaus Prof. Dr.

Frank Thissen von der Hochschule

der Medien Stuttgart und Judith

Kunz von der Zentralstelle für Berufsbildung

im Handel (zbb) vor. Es war

Teil des Projekts „Digitale Narrationen

als innovativer didaktischer

Ansatz für ökonomische Bildung im

Handel“, das vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung

gefördert wird.

Die Tagung und insbesondere

deren Marktteil, der auch Werkzeuge

zur Erfassung von Kompetenzzuwächsen

präsentierte, moderierte

Dr. Gabriele Lehmann von der zbb.

Die Zentralstelle wird nach ihren

Worten die filmischen und schriftlichen

Ergebnisse des Projektes, das

insgesamt 17 Themen für unterschiedliche

Zielgruppen aufgegriffen

hat (vgl. Kasten) unter Auflagen

kostenlos zur Verfügung stellen. Auf

diese Weise sollen möglichst viele

Markplatz

Auszubildende oder Jungkaufleute

lernen – vom schwulen Ben ebenso

wie von der familienbezogenen Ayse,

von Sophia mit Alkoholproblemen

oder mit dem nur Anfangs der

Geschichten chaotischen Johannes.2

[ Info ]

Mehr Informationen zu dem Projekt gibt

es auf der zbb-Webseite:

http://www.oeb-handel.de.

Diese digitalen Lerneinheiten wurden bei der Tagung zum Storytelling im

Berliner Verbändehaus auf einem Marktplatz präsentiert – „zum Anfassen

und Ausprobieren“:

z „Alles im Fluss“; zum Thema Wirtschaftskreislauf, für die Zielgruppe:

Berufsvorbereitung und 1. Ausbildungsjahr.

z „Alles hat seinen Preis“; zum Thema Preisbildung, für die Zielgruppe 2.

und 3. Ausbildungsjahr.

z „Tausend und eine Möglichkeit einzukaufen“; zukm Thema Nachhaltigkeit

und für das 2. Und 3. Ausbildungsjahr.

z „Unterm Strich“; zum Thema Bildnz und GuV, für das 2. und 3. Ausbildungsjahr.

z „Always online“; zum Thema Online vs. Stationärer Handel, für die Zielgruppe

Geprüfte/r Handelsfachwirt/in.

z „Musik ist meine Leben“; zum Thema Marketingprozess, für die Zielgruppe

Geprüfte/r Handelsfachwirt/in.

z „Träumen und Handeln“; zum Thema Voraussetzungen unternehmerischer

Selbständigkeit, für die Zielgruppe Geprüfte/r Handelsfachwirt/in.

z „Community-Aufgaben: Kollaboratives Arbeiten mit Online-Tools (von der

Hochschule der Medien Stuttgart).

z „Kompetenzen online erfassen und auswerten“ (von der ModernLearning

GmbH Berlin).

56 Stahlreport 1/2|18


Treibhauspotenzial für Baustahl

Primärenergieeinsatz

abhängig vom

Ursprungsland des

Baustahls, Bespiel:

1 t Baustahl.

bauforumstahl plädiert für faire Ausschreibungspraxis

Kritik an Projektvergabe bei Großbrücke

Wenn ein fairer Wettbewerb sichergestellt sei, wären die Angebote des deutschen Stahlbausektors

absolut konkurrenzfähig. Das hat das Düsseldorfer bauforumstahl in Reaktion auf die

Auschreibungspraxis bei der Vergabe der Leverkusener Brücke mitgeteilt.

„Bei der Ausschreibung und Vergabe der Leverkusener

Brücke sind aus Sicht von bauforumstahl einige

Abläufe schwer nachvollziehbar gewesen. Insgesamt

scheint uns die Chancengleichheit für Stahlbauunternehmen

aus Deutschland im Vergleich zur internationalen

Konkurrenz, insbesondere aus China, nicht gegeben“, kritisierte

Dr. Bernhard Hauke, Geschäftsführer von bauforumstahl

(BFS).

Wenn das Qualitätsniveau des Materials, der Ausführung

und die Kosten der erforderlichen Logistik nicht nach den

allgemein in Deutschland gültigen Vorschriften und Regelungen

kalkuliert und bewertet werden und darüber hinaus

Nachhaltigkeitsaspekte keine Rolle spielten, sei die Chancengleichheit

der Anbieter nicht gewährleistet und damit

die eingereichten Angebote der einzelnen Wettbewerber

nicht vergleichbar.

„Wir plädieren deshalb für gleiche Wettbewerbsbedingungen

für alle bei der Ausschreibung und Vergabe

von Großbrücken in Deutschland“, so Hauke.

Untzer anderem folgende Kriterien empfiehlt bauforumstahl

bei der Ausschreibung und Vergabe von Großbrücken:

z Die VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen)

und deren Randbedingungen sind bei den Ausschreibungen

grundsätzlich zu berücksichtigen.

z Alle beteiligten ausführenden Firmen sind in der Angebotsabgabe

verbindlich zu benennen und deren Qualifikation

nachzuweisen.

z Die Ausschreibungsunterlagen müssen vollständig sein

und Auskunft über die Materialverteilung des Behördenentwurfs

geben.

z Die ausgeschriebenen Arbeiten müssen vollständig

beschrieben werden. Hierbei soll besonders darauf geachtet

werden, dass die in Deutschland nach verbindlichen

Vorschriften und DIN-Normen geforderten Qualitäten,

Materialien und Ausführungsmethoden festgelegt sind.

Von allen Bietern soll ausschließlich Q1-Material anzubieten

und auszuführen sein.

z Die Ausschreibung sollte auch die Nachhaltigkeit im

Fokus haben und dabei eine entsprechende Bewertung

und Gewichtung der Transportwege berücksichtigen.

Nach Untersuchungen von BFS kommen bei Lieferungen

aus Fernost alleine durch den Transport erhebliche

zusätzliche Umwelteinwirkungen wie 42 % CO 2

und

auch 35 % mehr Energieverbrauch hinzu. In Deutschland

orientiert sich die Industrie z.B. am BImSchG (Bundesemissionsschutzgesetz),

dem CO 2

-Zertifikatshandel

und hohen Sozialstandards. Im Ausland sind solche

Regelungen meist unbekannt.

Umweltbelastung

Verglichen mit dem errechneten Primärenergiebedarf

und dem Treibhauspotenzial pro Tonne Baustahl können

bei langen Transportwegen, je nach Herkunftsland der

Stahlerzeugnisse zusätzliche Umweltbelastungen von

mehr als 30 % auftreten. Wegen dieser deutlichen Anteile

müssen die Umweltdaten für lange Transportwege auch

bei einer Ökobilanz für ein komplettes Bauwerk Berücksichtigung

finden, so Bauforumstahl. Stahl, zumal Baustahl

in hoher technischer Qualität und mit günstigen

Umweltwerten, sei in Deutschland und Europa gut verfügbar.

2

Stahlreport 1/2|18

57


Wissenswertes

Berichte

Fehlende Strategie und kreative Ideen

Digitale Weiterbildung

Die eigenen Mitarbeiter fortzubilden ist für viele Unternehmen in Deutschland ein wichtiges

Anliegen. Doch nur wenige Betriebe setzen auf eine zentrale Strategie, wenn es um Weiterbildungsmaßnahmen

zu Digitalthemen geht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage

aus Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Der bietet Programme und liefert

zudem kreative Ideen, wie leicht entsprechende Fortschritte zu erreichen sind (s. auch Kasten).

[ kontakt ]

Alle Seminare und

Ausbildungen der

Bitkom-Akademie

sind verfügbar

www.bitkomakademie.de/

seminare

Nach den Ergebnissen der Studie

aus Mitte 2017 verfügt nur jedes

fünfte deutsche Unternehmen (19 %)

ab 50 Mitarbeitern über eine zentrale

Strategie, um die Digitalkompetenzen

ihrer Mitarbeiter auszubauen. Drei

von vier Unternehmen (75 %) ab 50

Mitarbeitern arbeiten ohne zentrale

Strategie, wenn sie Mitarbeiter zu Digitalthemen

weiterbilden lassen.

„Digitalkompetenzen sind für

jedes Unternehmen von herausragender

Bedeutung, um im Wettbewerb

von morgen zu bestehen“, sagt Anja

Olsok, Leiterin der Bitkom Akademie.

„Die digitale Transformation ist eine

Querschnittsaufgabe, die Unternehmen

mit einer zentralen Strategie

umsetzen sollten – auch bei der Weiterbildung

ihrer Mitarbeiter.“

Inzwischen hat die Bitkom-Akademie

auf die hohe Nachfrage nach

Aus- und Weiterbildungen zu Digitalkompetenzen

reagiert:

z So müssen Betreiber von Kritischen

Infrastrukturen (KRITIS) gemäß IT-

Sicherheitsgesetz angemessene Vorkehrungen

treffen, um Störungen

ihrer IT-Systeme und Prozesse zu

vermeiden. In einem Ausbildungslehrgang

vermittelt die Bitkom-

Akademie die notwendige Prüfverfahrens-Kompetenz

für betroffene

Unternehmen.

z Darüber hinaus befähigt eine neugeschaffene

Ausbildung zum Datenschutzauditor

die Teilnehmer zur

Prüfung der sogenannten „Datenverarbeitung

im Auftrag“.

z Ebenso ist es für Unternehmen

immer bedeutender, die eigenen

Daten intelligent auswerten zu können.

Im Themenfeld „Data Science“

bietet die Bitkom Akademie mehrere

Ausbildungen und Präsenzseminare

an. „Für keine andere Digitalkompetenz

ist die Nachfrage an

Weiterbildung so stark gestiegen

Platte passwörter

Warum sich gute Vorsätze empfehlen

wie im Bereich Data Science“, sagt

Olsok.

Zusätzlich zu Zertifikatslehrgängen

und Präsenzseminaren steht den Kunden

der Bitkom Akademie ein umfassendes

Angebot an kostenlosen Live-

Online-Seminaren zur Auswahl. In

mehr als 70 Seminaren bilden ausgewählte

Referenten zu Themen wie Big

Data, Internet of Things, Blockchain

und digitales Marketing fort. 2

„hallo“ oder „123456“ – bei der Wahl ihrer Passwörter vertrauen viele

Menschen auf schlichte Kombinationen, auf platte Lösungen. Jeder dritte

Internetnutzer (32 %) in Deutschland gibt außerdem an, dass er für mehrere

Online-Dienste das gleiche Passwort nutzt. Das ist das Ergebnis

einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom,

der diesbezüglich gute Vorsätze zum Jahresbeginn empfiehlt.

„Wer sich auf ein einziges Passwort für verschiedene Online-Dienste verlässt,

macht es Cyberkriminellen sehr einfach“, sagt Dr. Nabil Alsabah,

Bitkom-Experte für IT-Sicherheit. „Wenn dieses Passwort einmal in falsche

Hände gerät, ist die gesamte digitale Identität eines Nutzers gefährdet.“

Immerhin fast zwei von drei Internetnutzern (64 %) setzen auf mehr

als ein Passwort für verschiedene Online-Dienste. Einen perfekten Schutz

vor Cyberkriminellen bieten auch die längsten Passwörter nicht. Doch

wer folgende Hinweise beachtet, erschwert Cyberattacken deutlich:

Je komplexer das Passwort, desto höher der Schutz. Trotzdem werden im

Alltag oft simple Passwörter genutzt. Mit einem Trick lassen sich aber

auch schwierige Passwörter leicht merken, indem clevere Eselsbrücken

eingesetzt werden.

Um Passwörter mit Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zu generieren,

werden dafür die Anfangsbuchstaben von ausgedachten Sätzen

genommen, etwa: „Mein Verein gewann das entscheidende Spiel mit 3 zu

2!“ Daraus lässt sich ein sicheres und gut zu merkendes Passwort erstellen:

„MVgdeSm3z2!“.

58 Stahlreport 1/2|18


Quelle, 2: Günther + Schramm

Günther + Schramm Geschäftsführer Bernd Seibold

Systemdienstleister im Stahlhandel sind gefragt.

Studie zur Digitalisierung in der Stahlbranche

Blätter statt Bits

Die Stahlbranche liebt auch weiterhin das Papier – das ist die zentrale Schlussfolgerung

einer aktuellen Studie von Günther + Schramm. Die setze auf Blätter statt auf Bits.

Das Handelshaus kümmert sich regelmäßig um wirtschaftliche und gesellschaftliche

Entwicklungen auch jenseits der eigenen Unternehmensmauern und publiziert dazu.

Trotz entsprechender Angebote

durch die Händler ist die elektronische

Auftragsabwicklung via

EDI noch erst wenig verbreitet. Ein

weiteres Ergebnis: Digitalisierung

ist für die befragten Unternehmen

aus der metallbe- und -verarbeitenden

Industrie mehrheitlich ein Trend

für die Zukunft. Hoch im Kurs stehen

hingegen individuell zugeschnittene

Servicekonzepte des

Handels:

z Analoge Bestellmethoden sind in

der Stahlbranche nach wie vor weit

verbreitet. Nur 23 % der 77 befragten

Unternehmen aus der metallbeund

-verarbeitenden Industrie nutzen

die papierlose Auftragsabwicklung.

EDI-Nutzer sehen darin deutliche

Vorteile, wie etwa den

schnellen Datentransfer und den

zügigen Bestellvorgang. 67 % erzielen

damit eine Entlastung des Personals

und genauso viele reduzieren

mittels EDI ihre Prozess- und

Verwaltungskosten.

z „Bestellvorgänge via Onlineportal

sind im Augenblick eher ein

Günther + Schramm

Thema für Trendsetter als für die

breite Masse. Was wir aber an

unserem eigenen Onlineangebotes

sehen, ist, dass viele Kunden

dort beispielsweise die Verfügbarkeit

von Produkten prüfen oder

Zolltarifnummern recherchieren“,

sagt Jörg Mayer, Leiter Materialund

Prozesslogistik bei Günther

+ Schramm.

z Angesichts der zunehmenden Komplexität

der Materiallogistik versprechen

sich die Studienteilnehmer

von individuell zugeschnittenen

Servicekonzepten (85 %) oder

durch Just-in-time-Belieferung

(81 %) deutlich größere Optimierungspotenziale.

Ein komplettes

Outsourcing ist trotz des steigenden

Kostendrucks und des zunehmenden

Bedarfs an Produktionsflächen

nur für acht Prozent der

metallverarbeitenden Betriebe eine

Lösung. 2

Die Günther + Schramm GmbH sieht sich selber als Süddeutschlands

führender Systemdienstleister für Stahl, Edelstahl und Aluminium.

Das Unternehmen wurde 1930 gegründet und beschäftigt an den vier

Standorten Oberkochen, Königsbronn, Stuttgart und Mannheim rund 180

Mitarbeiter. Das Unternehmen ist zum einen im klassischen Metallhandel

tätig, zum anderen bietet das Unternehmen verschiedenste Dienstleistungen

in der Lohnfertigung und realisiert komplexe Outsourcing-Projekte im

Bereich der Material- und Prozesslogistik.

Knapp 2.000 aktive Kunden aus dem Maschinen- und Werkzeugbau

sowie der mechanischen Bearbeitung und Elektrotechnik versorgt Günther

+ Schramm mit Blank- und Walzstahl, Edelstahl, Qualitäts- und Werkzeugstahl,

Guss, Aluminium, Sonderwerkstoffen u.a.

Stahlreport 1/2|18

59


Wissenswertes

Bericht/Nachrichten

Foto: The Trustees oft he Natural History Museum, London

Etwa 2,5 t wiegt dieser Block aus gebändertem Eisen in der Hintze Hall im Londoner

Natural History Museum.

Winzige Einzeller ließen Eisenerzlager entstehen

Die große Sauerstoffkrise

Der Brocken aus gebändertem Eisenerz im Londoner Natural History

Museum legt sozusagen beredt Zeugnis von einer wichtigen Phase

der Erdgeschichte ab: Vor etwa 2,5 Milliarden Jahren wurde der

Grundstein für das heutige Leben gelegt. Wissenschaftler charakterisieren

diese Zeit als große Sauerstoffkrise. Damals entstand auch

das Eisenerz, erklärt Peter Becker.

Achte Auflage

Innovationspreis

Feuerverzinken

Der Innovationspreis Feuerverzinken

geht in die achte Runde: Unternehmen,

Entwickler, Forscher, Designer und

Erfinder können sich bis zum 15.5.18 um

diesen Award des Industrieverbandes

Feuerverzinken bewerben.

Der will damit herausragenden neuen

Produktanwendungen und innovativen

Forschungsleistungen mit Bezug zum

Feuerverzinken eine Bühne bieten. Der

Preis wird vergeben für Produkte, die

ganz oder hinsichtlich wichtiger Details

aus feuerverzinktem Stahl bestehen und

neue Anwendungen für das Feuerverzinken

eröffnen. Alternativ können Forschungsleistungen

für verbesserte oder

neue feuerverzinkte Stahlanwendungen

ausgezeichnet werden. Der Innovationspreis

wird im Rahmen eines Festaktes

anlässlich des Branchenevents „Feuerverzinken

2018“ in Aachen verliehen.

Im Archaikum vor 4 bis 2,5 Milliarden

Jahren war der Globus ein unwirtlicher

Ort. Leben gab es nur im Wasser

in Form von einfachen Bakterien, die

an die dortigen Umstände ohne freien

Sauerstoff angepasst waren.

Vor 3 Milliarden Jahren jedoch

begannen sogenannte Blaualgen, heute

als Cyanobakterien bezeichnet, mit der

Fotosynthese: Sie nutzten das Sonnenlicht

für ihre Lebensvorgänge und setzten

dabei Sauerstoff frei. Den gaben sie

an das Wasser ab.Sofort ging der Sauerstoff

Verbindungen mit dem dort

gelösten Eisen ein. Die dabei entstehenden

Metallmoleküle sanken auf den

Meeresgrund und bildeten über Millionen

von Jahren dicke Lagen, dazwischen

Schichten aus Schlick.

Eisenerz nennen wir heute diese

Schichtungen, die sich weltweit finden,

da die Sauerstoffkrise global stattfand.

Der Wechsel der Bänder ist vermutlich

auf Phasen unterschiedlicher Aktivität

der Irgendwann aber war das gelöste

Eisen im Wasser gänzlich aufgebraucht.

Fortan stieg der Sauerstoff aus der

Fotosynthese in die Atmosphäre auf

und brachte sie, wiederum über Milliarden

von Jahren, bis zu dem heutigen

Anteil von 21% Sauerstoff, an den die

Atmung der Lebewesen angepasst ist.

Die zuvor dominierenden Arten hatten

sich in Nischen zurückgezogen,

z.B. in der Nähe von Vulkanschloten

in der Tiefsee oder in heißen Salzquellen

an Land. Daher der Name „Große

Sauerstoff-Katastrophe“, den manche

Wissenschaftler den Vorgängen vor

2,5 Milliarden Jahren geben.

Die Fotosynthese war also auch

Anlass für eines der Massensterben,

welche die Evolution begleiten.

Das gebänderte Eisen auf dem

Foto ist ein besonders dekoratives

Exemplar. Es stammt aus der Pilbara

Region im Nordwesten Australiens.

Der Bergbaukonzern Rio Tinto hatte

es in einem 12-Tonnen-Brocken von

Eisenerz gefunden, zersägt, poliert

und an das Natural History Museum

in London geschickt. Dort ist das Exponat

seit kurzem in der Hintze Hall

ausgestellt, in der außergewöhnliche

Objekte aus der Erdgeschichte zu

sehen sind. Der Brocken hat einen

Gehalt von 32 % Eisen. Abbauwürdiges

Erz sollte einen Anteil von mindestens

58 % bis 62 % haben – ist dann

aber weniger malerisch. 2

[ Kontakt ]

http://www.nhm.ac.uk/

[ info ]

Teilnahmeunterlagen für den Innovationspreis

2018 sind beim Industrieverband

Feuerverzinken e.V., Postfach 140451,

40074 Düsseldorf, Fax: 0211/690765-28,

info@feuerverzinken.com erhältlich sowie als

Download unter www.feuerverzinken.com/

innovationspreis.

Digitale Transformation

im Gespräch

Auf der Konferenz „Digitale Transformation

im Mittelstand“ am 26.2.18 in Berlin

sollen wertvolle und praxisnahe Inhalte

und Lösungen für die Digitalisierung von

Unternehmen und die Optimierung von

Digitalisierungsprojekten vermittelt werden.

Dabei spielt nach Ansicht des Veranstalters,

der Infopark AG, das Mischungsverhältnis

aus Strategien, Trends und

praktischen Beispielen eine wichtige

Rolle. Die Bandbreite der vortragenden

Experten decke zudem alle erfolgskritischen

Faktoren für das digitale Business

ab.

[ info ]

Für Informationen und Anmeldungen:

stefan.heuser@infopark.de

60 Stahlreport 1/2|18


DAHD veröffentlicht neue Termine

Überbetriebliche Begleitung von Auszubildenden

Deutscher Umweltpreis

erneut ausgelobt

Die Kandidatensuche für den unabhängigen,

mit 500.000 € dotierten Deutschen

Umweltpreis 2018 hat begonnen. Bis zum

15.2.18 haben rund 130 Institutionen –

darunter Forschungs- und Naturschutzeinrichtungen,

Arbeitgeber- und Branchenverbände

sowie Gewerkschaften,

Kirchen und Medien – die Möglichkeit,

ihre Favoriten für die Auszeichnung vorzuschlagen.

Mit dem höchstdotierten

Umweltpreis Europas würdigt die Deutsche

Bundesstiftung Umwelt (DBU) seit

1993 Leistungen von Persönlichkeiten,

die vorbildlich zum Schutz der Umwelt

beitragen oder beigetragen haben. Welche

Institutionen Vorschläge machen

können, ist auf der Homepage des Deutschen

Umweltpreises zu lesen

(www.dbu.de/umweltpreis). 2018 wird

am 28.10. die Messehalle in Erfurt Ort

der festlichen Verleihung sein.

Außenwirtschaftstag

in Bremen

Der diesjährige Außenwirtschaftstag findet

am 19.4. in Bremen statt. Die 12. Auflage

dieser Veranstaltung will die aktuellen

globalen Veränderungen und ihre

Auswirkungen auf die Außenwirtschaft

darstellen. Das Treffen wird unter der

Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums

sowie unter Beteiligung von

bundesweit tätigen Spitzenverbänden für

erwartet rund 400 Vertreter aus Politik,

Verwaltung und Wirtschaft organisiert.

Zur Eröffnung spricht u.a. Holger Bingmann,

Präsident des Bundesverbands

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen.

Inhaltlich vertieft werden sollen u.a.

die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung,

Europa und Protektionismus.

[ info ]

Die Online-Plattform für Anmeldungen

ist unter www.außenwirtschaftstag.de

freigeschaltet.

Die DAHD-Bildungszentrum Groß- und Außenhandel GmbH mit Sitz in Berlin hält an

seinem Konzept fest, mehrtägige überbetriebliche Weiterbildungen für Auszubildende der

Branche anzubieten und hat dazu jetzt die Termine für 2018 veröffentlicht, die – u.a. auch –

der Prüfungsvorbereitung für angehende Kaufleute im Groß- und Außenhandel sowie künftige

Lagerlogistiker und Fachlageristen dienen. Das DAHD beruft sich bei seinen Aktivitäten

auf eine aktuelle Studie aus dem Bundesinstitut für Berufsbildung, das den Weiterbildungsbedarf

für diese Zielgruppen ermittelt hat.

Allein für die Auszubildenden des Groß- und Außenhandels werden im Februar und März

fünf entsprechende Prüfungsvorbereitungstermine in Goslar, Aschersleben und Bad Belzig

angeboten. Dieses allgemeine Angebot für die schriftlichen Tests hatte der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) in früheren Jahren durch terminlich entsprechend getaktete

Lernteams für die fachspezifische Vorbereitung auf die mündliche Prüfung ergänzt, die ab

diesem Jahr erstmals teilweise im Fernunterricht angeboten wird (vgl. gesonderte BDS-

Berichterstattung in diesem Heft).

[ info ]

Die aktuellen Angebote des DAHD können unter www.dahd.de eingesehen und unter info@dahd bzw.

030/590099-542 nachgefragt werden.

Verbändeinitiative

Wohnungsbau-Tag in Berlin

Der inzwischen 10. Wohnungsbau-

Tag findet am 1.3.18 in Berlin statt. Die Veranstaltung

ist eine Initiative mehrerer in der

Branche beteiligter Verbände – mit dabei

sind auch die Baustoffhändler.

Das Fachforum zum Wohnungsbau-Tag

beginnt um 13:00 Uhr in der Landesvertretung

von Berlin mit der Präsentation einer

neuen Studie „Fakten-Check 2018. Die

Wahrheiten zum Wohnungsbau“. Es schließt

sich eine Auftakt-Talk-Runde an, für die u.a.

Ina Scharrenbach, für den angesprochenen

Themenbereich zuständige Landesministerin

in Nordthein-Westfalen zugesagt hat. Zu

den Beteiligten an der abschließenden Wohnungsbau-Arena

(bis 16:30 Uhr) gehören

die Ministerpräsidenten aus Schleswig-Holstein,

Thüringen, der Regierende Bürgermeister

von Berlin sowie mehrere deutsche

Oberbürgermeister – unter Ihnen auch der

Grünen-Politiker Boris Palmer aus Tübingen

.

[ info ]

Telefonische Auskünfte zu der Veranstaltung

gibt es unter 030/28879955, Anmeldemöglichkeiten

unter antwort@wohnungsbautag.de.

Tagung rund um die additive Fertigung

Im Rahmen der DGM-Fachtagung „Werkstoffe und Additive Fertigung“ sollen am

25./26.4.18 in Potsdam material- und produktionstechnische Aspekte rund um die additive

Fertigung aus Wissenschaft und Industrie beleuchtet werden. Hierzu zählt nach Ansicht der

Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) insbesondere die Betrachtung umfassender

Prozessketten für additiv hergestellte Bauteile, die neben den additiven Prozessen

selbst und den dafür verwendeten Anlagen auch vor- und nachgelagerte Prozesse einbezieht.

Rein technologisch sind hier die Nutzung von Gieß-, Umform-, Zerspan-, Wärmebehandlungs-

und Mechanischen Oberflächenbehandlungsschritten im Umfeld der additiven

Fertigung zu nennen. Bislang noch viel zu wenig betrachtet werde zudem die additive Fertigung

aus dem Blickwinkel der Produktionssysteme.

[ info ]

www://additive-fertigung@dgm.de/home/

Stahlreport 1/2|18

61


Lifesteel

Berichte/Nachricht

Eisenbänder halten

die Fassdauben

zusammen, so dass

man der Behälter

beinahe unverwüstlich

ist.

Das Know-how der

Küfer oder Böttcher

ist uralte Handwerkskunst.

Ohne die Spannung

zwischen Dauben

und Stahlbändern

fällt das Fass einfach

auseinander.

(Die Fotos sind im

Volkskunde- und

Freilichtmuseum

Roscheider Hof in

Konz bei Trier

gemacht worden.)

Bandeisen hält seit ewigen Zeiten hölzerne Fässer zusammen

Die Kunst der Fuge

Ein edler Tropfen beispielsweise braucht ein Fass aus Holz, und dieses funktioniert

nur mit Reifen aus Stahl. Aus Anlass des Zuprostens zum Jahreswechsel hat Peter

Becker zu dieser uralten Verwendung von Schmiedeeisen recherchiert.

Fotos, 3: Peter Becker

[ kontakt ]

Böttcherei

Gerresheim

www.böttchereigerresheim.de/

fassbau/

Dürkheimer Fass

www.duerkheimerfass.de/

Im Altertum und in der Antike

wurden Weine und Öle in Amphoren

aus Ton transportiert. Der Nachteil dieser

Behältnisse war, dass sie leicht zerbrachen

und sich nur mit Mühe stapeln

ließen.

Irgendwann wurde das Holzfass

erfunden, das man sogar rollen kann.

Vielleicht waren es die Römer, schließlich

verfügten sie über weitreichendes

Know-how in der Bearbeitung von

Eisen. Denn für ein Fass sind geschmiedete

Reifen notwendig, damit es zusammenhält.

Sie anzufertigen, aufzuziehen

und zuvor die hölzernen Einzelteile

in die richtige Form zu bringen ist eine

uralte Handwerkskunst.

Mit Hilfe von Modellen gibt der

Küfer oder der Böttcher den noch geraden

Holzstäben (Dauben) die richtige

Schräge an den Seiten. Das garantiert

am Ende, dass die benachbarten Teile

sich ohne Zwischenräume zu einer wasserdichten

Wand zusammenfügen.

Meist sind die Dauben von den Enden

zur Mitte hin dünner gearbeitet, so dass

sie sich leichter biegen lassen.

Um vorzugreifen: Ganz am Ende

werden die Fugen noch abgedichtet.

Dafür nahm man früher je nach Verwendung

für das Fass Schilf, Talg, Talkumkitt

oder ähnliche Materialien.

Viele Arbeitsschritte …

Anschaulich werden die vielen Arbeitsschritte

mit Fotos auf der Webpage der

Böttcherei Gerresheim mit Sitz in Kerken

unweit von Krefeld dargestellt:

z Zuerst werden mit einem so genannten

Setzreifen die Dauben im Rund

aufgestellt; dann wird das Ganze mit

zwei weiteren Eisenbändern (Arbeitsreifen)

vorläufig stabilisiert.

z Bei der Massenfertigung geht es dann

in eine Dampfkammer, wo das Holz

mit Hitze und Wasser für das folgende

Biegen weichgemacht wird.

Im Handwerksbetrieb entzündet man

im Inneren des Behältnisses ein

Feuer.

z Mit der Fasswinde, auch Fasszug

genannt, werden nun auch die Dauben

am anderen Ende des Fasses

zusammengezogen. Weitere Schritte

sind ein Nachfeuern, um eventuell

vorhandene Spannungen aus dem

Holzmantel herauszuholen, das Glätten

der Oberfläche und das Einsetzen

von Boden und Deckel in eine zuvor

eingeschnittene Nut, „Gargel“ oder

„Kröse“ genannt.

z Zum Schluss werden die Arbeitsreifen

abmontiert und die endgültigen

Stahlbänder aufgezogen. Sie sind mit

einer Schrägung geschmiedet, weil

das Fass, von der Seite betrachtet, ja

einen Bauch hat. Sie müssen sich

möglichst eng an das Holz anschmiegen.

z Um Reste an Lohe, Gerbstoffen oder

Farbe aus dem Holz herauszuziehen,

wird schließlich noch mit heißem

Wasser oder speziellen Mixturen

gespült. Danach ist das Fass „weingrün“,

wie es in einem „Fachbuch

für Küfer“ aus den 1950-ern heißt.

… und noch mehr Theorien

Eiche ist wegen ihrer Festigkeit und

Dauerhaftigkeit das bevorzugte Material.

Am besten geeignet sei Holz von

Bäumen, die langsam gewachsen sind,

so das Fachbuch.

Ob sich der Zeitpunkt der Holzernte

auf die Qualität des Fasses auswirkt,

ist ein altes Streitthema. In einem Fachbuch

mit dem Titel „Dauben“ von 1951

heißt es dazu eindeutig: „Wenn ein

Meister den Vorzug hat, im Wald den

stehenden Baum kaufen zu können,

dann wird er ihn unbedingt im Winter

fällen lassen, sofort abführen, einschneiden

und stapeln.“

Unendlich sind auch die Erörterungen,

wie man mit einem leichten Räuchern

(„Toasten“) der Innenwände des

Fasses dem Wein eine besondere Note

geben kann. Die wenigen Böttcherbetriebe,

die es hierzulande gibt, profitieren

vom Trend zu traditionell hergestellten

Lebens- und Genussmitteln: Saure

Gurken werden auf Regionalmärkten

in Fässern angeboten, und kleine Brennereien

lassen ihren Schnaps in besonderen

Behältnissen reifen.

Schließlich: Das größte Weinfass

der Welt steht in Bad Dürkheim. Es

wurde 1934 von einem lokalen Winzer

und Küfermeister errichtet und ist innen

als Restaurant ausgebaut. Jede der 178

Dauben ist 15 m lang. Entsprechende

Ausmaße haben die Eisenbänder. Das

Volumen dieser Touristenattraktion

beträgt 1,7 Millionen Liter. Es war aber

nie gefüllt. 2

62 Stahlreport 1/2|18


Stahl- und ortsnah (1)

Finanzielle Hilfe durch Nordwest

Traditionell zum Jahresende überreicht Nordwest sozialen Organisationen eine Spende. 2017 waren

das insgesamt 15.000 €, die Vorstandsvorsitzender Bernhard Dressler und Finanzvorstand Jörg Simon

überreichen konnten. Das stahlaffine Unternehmen zeigte damit einmal mehr lokales Engagement.

Bei der Übergabe der symbolischen

Schecks am Standort Dortmund

traf die Spitze des Einkaufsverbunds

NORDWEST Handel AG auf die Vertreter

der ausgewählten Organisationen

und kamen mit ihnen ins Gespräch.

„Die jährlichen Spenden sind

für uns eine Herzensangelegenheit,

mit denen wir etwas an die Gesellschaft

zurückgeben möchten. Wir

konzentrieren uns bei unserer

Unterstützung auf Projekte vor Ort.

Hier haben wir den persönlichen

Kontakt und wissen, dass unsere

Spenden in der Organisation Gutes

ermöglichen“, so Bernhard Dressler

und Jörg Simon.

z „Ich kann brüllen wie ein Löwe“ ist

ein Präventionsprojekt des Kinderschutz

Zentrums Dortmund gegen

sexuelle Gewalt für Kinder im Vorschulalter.

Mit Taffy, dem Maskottchen

des Projekts, werden eigene

Grenzen spielerisch erarbeitet.

Zusätzlich dazu unterstützt Nordwest

das kreativtherapeutische

Angebot für Kinder, die Gewalt

erfahren haben.

Foto: Nordwest

z Das Frauenhaus Dortmund bietet

Frauen und ihren Kindern, die häusliche

Gewalt erleben mussten, eine

anonyme und geschützte Unterkunft

mit weitreichendem Beratungsangebot.

Mit der Spende werden Gruppenabende

unterstützt, die den Müttern

helfen, sich wieder zu stabilisieren.

z Der Elterntreff leukämie- und tumorerkrankter

Kinder kümmert sich seit

35 Jahren um die Belange krebskranker

Kinder, die in der Kinderklinik

Dortmund behandelt werden. Mit

der Spende wird zum einen eine Wohnung

in Cuxhaven modernisiert, die

betroffene Familien für Kur- und

Erholungsaufenthalte nutzen können.

Zum anderen werden betroffene

Familien individuell finanziell

unterstützt, bei denen Neuerkrankungen

oder Rückfälle aufgetreten

sind. 2

Nordwest-Vorstandsvorsitzender

Bernhard

Dressler (l.) und

Nordwest.-Referentin

Lea Dommel (r.) bei

der Übergabe der

symbolischen

Schecks an Vertreter

der diesmal begünstigten

Organisationen.

Flipperautomaten

Stahl zum Spielen

Es sind tatsächlich Stahlkugeln, die in einem Flipperautomaten

hin- und hergeschossen werden. Peter Becker hat sich in der

Szene umgesehen.

Im Berliner Bezirk Zehlendorf hat ein Enthusiast 50 dieser Freizeitgeräte

zusammengetragen und in „Jörgs Flipperhalle“ ausgestellt.

Interessierte können dort gegen eine Eintrittsgebühr von 5 € unbegrenzt

spielen – die Apparate sind auf Freispiel gestellt.

Jörg Meißner, Elektromeister und Präsident der bundesweiten German

Pinball Association, hat die Geräte zusammengetragen und hält

sie in Stand.Die Öffnungszeiten sind freitags und sonnabends meist

von 13 bis 22 Uhr. Gruppenbuchungen sind auch zu anderen Zeiten

möglich. Gelegentlich ist für die Öffentlichkeit aber am Samstagsabend

geschlossen, wenn nämlich die Vereinsmitglieder ihrer Spielleidenschaft

nachgehen. Dann kann es in der Halle richtig laut werden

– „der Krach (der Geräte) gehört einfach dazu“, schreibt die

Berliner Zeitung über solch eine Sause. Wer dann den aktuellen

Highscore knackt, kann seinen Namen auf der Anzeige eintragen.

[ Info ]

www.flipperhalle-berlin.de

Stahlreport 1/2|18

63


Lifesteel

Nachgehakt

Fotos, 2: EDE

Gerne im Gespräch: Heinz-Alfred

Liebig und die Kommunikation.

Was eigentlich macht jetzt Heinz-Alfred Liebig?

Pläne und Prinzipien

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Stahlhandel (vgl. Kasten)

ist er Ende des vergangenen Jahres aus der Branche ausgeschieden,

nachdem er dem EDE in den letzten drei Monaten noch beratend

zur Seite gestanden hatte. Für den Stahlreport war dies ein guter

Grund, mit einer schon legendären Frage nach Wuppertal zu reisen:

Was eigentlich macht jetzt Heinz-Alfred Liebig? Zur Antwort des

73-Jährigen gehören Pläne ebenso Prinzipien – wie sie sich aus der

Analyse eines langen Berufslebens ergeben.

Stahlreport: Wenn man wie

Sie, Herr Liebig, nach rund fünf

Jahrzehnten eine Branche verlässt,

in Ihrem Fall in der Position des

Geschäftsführers der ESH EURO

STAHL-Handel GmbH & Co. KG,

muss man natürlich an erster Stelle

danach fragen lassen, was dieser

bisher vielbeschäftigte Mann jetzt

in seinem Ruhestand macht.

Stimmt es, dass Sie nun ganz hochhinaus

wollen?

Heinz-Alfred Liebig: Stimmt! Meine

Frau und ich haben schon seit vielen

Jahren jeden Urlaubstag genutzt,

um zu reisen. Das ist mit mehr Freizeit

jetzt ausbaufähig.

Deshalb startet im Mai die nächste

Fernreise: nach Tibet mit einem

Besuch im Mount Everest-Basislager

auf über 5.000 m Höhe – ein kleiner

Traum von mir. Er ist nach unserem

10. Forum auf der Zugspitze entstanden,

wo wir einen Referenten zu Gast

hatten, der gerade vom Mount Everest

zurückkam. So hoch will und

kann ich nicht steigen, aber die Stimmung

in dieser Bergwelt im Himalaya

möchte ich erleben.

Stahlreport: Stichwort: erleben.

Nicht nur im Einkaufsbüro Deutscher

Eisenhändler GmbH (E/D/E),

in dem Sie in den letzten rund eineinhalb

Jahrzehnten Ihrer Berufstätigkeit

beschäftigt waren, haben

Sie die Entwicklung der Stahlhandelsbranche

aktiv mitverfolgt, ihre

Höhen und Tiefen. Wenn Sie diese

Zeiten Revue passieren lassen –

erkennen Sie da für diese

Geschichte Zustandsveränderungen

und sie prägende Prinzipien?

Heinz-Alfred Liebig: Es gab einst

so etwas wie eine klassische Ordnung

im Händlerbereich: starke mengenorientierte

Ausprägungen zwischen

A-, B- und C-Händlern. In jeder

größeren Stadt waren alle Werkshandelsgesellschaften

mit Niederlassungen

vertreten. Grundlage für alle

Käufe bei deutschen Herstellern

waren die in Brüssel hinterlegten

Werkspreislisten.

Beginnend in Italien bei den sogenannten

Brescianis wurde dieser

Zustand „B-Händler kauft alles beim

A-Händler und der geht dafür nicht

an die Kunden des B-Händlers“ im

Laufe der Jahre zerstört, denn die

dort entstandenen Ministahlwerke

boten auf der Basis ihrer technischen

Entwicklung – im Gegensatz zur Mindestabnahme

bei einem deutschen

Werk – auch kleinere Mengen an.

Und damit begann im Handel

eine Umwälzung über vielleicht 20

Jahre – der B-Händler wurde mehr

und mehr zum Abnehmer nur noch

kleiner Mengen. Die Lagerergänzungen

gingen auch an A-Händler, die

aber nicht mehr vom Lager lieferten,

sondern in der Strecke. Daraus

ist entstanden, dass inzwischen

längst A-, B- und C-Handel bei allen

Verbrauchern präsent sind.

Stahlreport: Technische Entwicklungen

als Ursache für Veränderungen.

Gibt es für den Wandel in

der Branche, die Sie als Geschäftsführer

eines einzelnen Stahlhandelsunternehmens

ebenso begleitet

haben wie als Führungskraft in

einem Einkaufsverband, auch noch

andere erkennbare Prinzipien?

64 Stahlreport 1/2|18


Heinz-Alfred Liebig: Rückblickend

kann ich erkennen, dass nichts stehen

bleibt. Auch bestimmte Geschäftsfelder

entstehen neu – denken Sie

an die Anarbeitung – oder können

verloren gehen, wenn man das nicht

früh genug erkennt. Dafür sind Biegebetriebe

ein gutes Beispiel.

Ich habe deshalb größten Respekt

vor den privaten Stahlhandlungen

und ihren Inhabern bzw.

Geschäftsführern. Sie haben sich in

den letzten Jahrzehnten enorm entwickelt

und die speziellen Chancen

in ihren Regionen wahrgenommen.

Und wenn ich dann höre, wie kürzlich

auf dem Stahlhandelstag in

Darmstadt, dass Kunden Schwierigkeiten

bekommen könnten, wenn

der Stahlhandel X diese Performance

nicht mehr zur Verfügung stellt, dann

hat der Händler alles richtiggemacht.

Stahlreport: Und wie haben Sie es

geschafft, über viele Jahre die unterschiedlichen

Interessen von über

140 Anschlusshäusern – so viel

Individualität – unter einen Hut zu

bringen?

Heinz-Alfred Liebig: Man muss das

Individuelle akzeptieren. Die Anforderungen

unserer Mitglieder sind in

der Tat sehr unterschiedlich. Wir

gehen mit jedem Mitglied mit, wenn

es handeln will, kennen auch die

jeweilige Vorgehensweise.

Deshalb gibt es zum Beispiel für

den Einkauf nicht nur ein einziges

Timing. Jeder hat da seine eigene

Vorstellung über die erforderliche

Reichweite.

Die Programme der einzelnen

Mitglieder sind heute schon sehr differenziert;

nicht alle führen alles

oder alles in diesem Umfang. Die

Spezialisierung oder das Einrichten

des Lieferprogramms auf die regionalen

Kunden wird heute deutlicher

als früher. Bei 08/15-Produkten kommen

sich alle in die Quere, aber das

ist längst nicht mehr überall das

wesentliche Geschäft.

Stahlreport: Und wie hat sich das

wesentliche Geschäft in Ihrem Verantwortungsbereich

zuletzt verändert?

Heinz-Alfred Liebig: Das Umsatzwachstum

von 165 Mio. € in 2000,

meinem Beginn beim E/D/E, auf über

eine Milliarde Euro in 2017, ist zu

einem bedeutenden Teil neuen Mitgliedern

zu verdanken, die wir im

Laufe meiner Zeit für UNION

STAHL/ESH gewinnen konnten. Aber

mit der Verbreiterung der Lieferantenbasis

haben wir auch den Anteil

vom Gesamtbedarf bei unseren bisherigen

Mitgliedern erheblich steigern

können.

Dazu kommt, dass die ESH versucht,

einem Mitglied, wenn es will,

ganzheitlich zu dienen. Das heißt:

Das Team kann nicht nur günstige

Einkaufspreise nennen, sondern

informiert auch, wann aus ESH-Sicht

der richtige Zeitpunkt für den Einkauf

und welche Reichweite erforderlich

ist. Das ist eine große Verantwortung.

Die Begleitung umfasst auch

Gespräche über Nachfolgen, Verkaufsabsichten

mit der Suche nach Anbindung

bei einem der E/D/E- Mitglieder.

Der Stahlbereich im EDE hat viele

Mitglieder, die auch expandieren wollen

– hier vermittelt das Team auch

die Unterstützung der zur E/D/E-

Gruppe gehörenden ETRIS-BANK.

Stahlreport: Zum Prinzip einer ganzheitlichen

Betreuung müssten ja

auch Berufsbildungsmaßnahmen

gehören, oder? Und welche großen

Herausforderungen für die Branche

sehen Sie sonst noch?

Heinz-Alfred Liebig: Fest steht, dass

wir nicht genügend ausgebildete

Stahlkaufleute haben. Wenn nicht

ausreichend qualifizierte Mitarbei-

ter durch den Markt rudern, tangiert

das die Erlössituation aller Beteiligten.

Die Möglichkeiten der beruflichen

Weiterbildung sind erfreulicherweise

gestiegen, nicht zuletzt

durch das Fernstudium BDS. Der

Zulauf gibt dem Bundesverband Deutscher

Stahlhandel Recht, und wir als

Stahlhändler können froh darüber

sein.

Die Anarbeitung, und wenn sie

dann noch spezieller ist, über den

Gehrungsschnitt hinausgeht, ist für

mich eine weitere wesentliche

Voraussetzung der Zukunftssicherung

– verbunden mit guten persönlichen

Beziehungen zu den Kunden.

Ohne diese Beziehung, die ich

mir ja auch erst erarbeiten muss,

damit ich davon profitieren kann,

wird das nicht möglich sein. Ein

Onlineshop kann das ergänzen, aber

nicht ersetzen.

Eine wesentliche Herausforderung

liegt aus meiner Sicht in Zukunft

zudem im Einkauf: Die Importangebote

für fast alle Produkte haben

zugenommen – und man muss

erkennen, dass in naher oder weiterer

Zukunft Westeuropa als alleiniges

Beschaffungsgebiet natürliche

Grenzen hat. Eine Ausweitung

der Beschaffung muss die Folge sein,

um die Wettbewerbsfähigkeit des

Stahlhandels zukünftig fördern zu

können.

Stahlreport: Die technische Entwicklung,

der ständige Wandel, die

Individualisierung, die Ganzheitlichkeit,

die Berufsbildung und – 3

Heinz-Alfred Liebig – Stationen einer Karriere

1962: Kaufmännische Lehre bei der Klöckner Werke AG, Hüttenwerk

Hagen-Haspe

1964: Verkauf Stabstahl, Betonstahl, Walzdraht

1967: Walzstahlkontor Nord, Essen – Verkaufsgemeinschaft für die Hüttenwerke

Salzgitter, Hüttenwerk Oberhausen (HOAG), Ilseder

Hütte und Klöckner Georgsmarienwerke sowie Hütte Haspe

1971: Carl Spaeter, München – Handlungsbevollmächtigter

1976: F. Hackländer, Kassel – Prokurist

1991: Carl Spaeter, Hagen – Geschäftsführer

2000: E/D/E – Union Stahl – Handel – Geschäftsbereichsleiter

2016: E/D/E – ESH-Euro Stahl – Handel – Geschäftsführer

2018: Eintritt in den Ruhestand

Stahlreport 1/2|18

65


Lifesteel

Nachgehakt/Bericht

3 zuletzt – die Globalisierung. Wir

haben viel über Veränderungen

bestimmende Prinzipien gesprochen.

Und welches Prinzip wird Ihr Leben

in der Zukunft verändern?

Heinz-Alfred Liebig: Was mir fehlen

wird? Im Laufe der langen Zeit im Stahl

habe ich viele Menschen kennen und

auch schätzen gelernt; ein vertrauensvolles

Netzwerk hatte sich gebildet,

in dem ich mich wohl gefühlt habe.

Ich gebe zu, dass es mir wehtut, dies

Foto: Kinkel

loslassen zu müssen, mit diesen wunderbaren

Menschen nicht mehr

zusammen sein und arbeiten zu können.

Das wird mir nicht nur fehlen,

das werde ich vermissen. Und: Den

Abschied gerade auf dem 13. Forum

in Stuttgart muss ich erst noch verarbeiten.

Stahlreport: Herr Liebig, Danke für

das Gespräch – und für Ihre Zukunft

alles Gute! 2

Mit Zurrgurten von Spanset

auf dem Trailer fixiert,

erreichte die Verkaufshütte

des Schwerter Lions-Clubs

den Wuckenhof, wo in der

Ruhrstadt der Weihnachtsmarkt

„Bürger für Bürger“

jeweils am ersten Adventswochenende

in historischem

Fachwerkambiente

stattfindet.

Stahl- und ortsnah (2)

Praktische Hilfe durch Spanset

Traditionell am ersten Adventswochenende verkauft der Lions-Club

Schwerte zugunsten sozialer Projekte von Caritas und Diakonie auf

dem Weihnachtsmarkt der westfälischen Ruhrstadt Crepes und

andere Leckereien. Dass der clubeigene Verkaufsstand zu diesem

Anlass ohne Gefahr transportiert werden konnte, dafür hat – vermittelt

durch die benachbarte Iserlohner Kettenfabrik Thiele – ein Zurrsystem

von Spanset gesorgt, das sonst meist Stahlprodukte sichert.

Die Tatsache, dass auch in diesem

Jahr durch die Aktion der Schwerter

Lions rund 3.000 € gespendet werden

konnten, ist dem so beschriebenen

Netzwerk zu verdanken, das im Übrigen

inzwischen für den sozialen Bereich

häufig sehr typisch ist: Den Ehrenamtlern

wird inzwischen viel Profitum abverlangt,

für das die angesprochene Sicherheit

nur ein Beispiel ist.

Da traf es sich für die Schwerter Helfer

gut, dass Marktorganisator Reinhard

Kinkel gut mit Dr. Günther Philipp

befreundet ist. Als Geschäftsführer der

Kettenfabrik THIELE GmbH & Co. KG verfolgt

der seit vielen Jahren die Produktentwicklungen

in der SpanSet GmbH &

Co. KG und wusste – erstens um die vielfältigen

Einsatzmöglichkeiten von Zurrgurten

und zweitens, dass deren Handhabung

zur Ladungssicherung verständlich

beschrieben und damit auch

für Laien gut nachvollziehbar ist.

So reichte im Endeffekt ein vermittelndes

Gespräch von Philipp mit

dem Außendienstmitarbeiter von Spanset,

und dem Serviceclub mit der sicher

zu transportierenden Hütte war geholfen

– Dank der Ladungssicherungstechnik

aus Übach-Palenberg.

So stehen die Chancen gut, dass

sich der Lions-Club Schwerte auch

2018 am Weihnachtsmarkt „Bürger

für Bürger“ beteiligt, auf dem keine

kommerziellen Anbieter zugelassen

sind und es verpflichtend ist, den

Gewinn für soziale Zwecke vor Ort

bereitzustellen. 2

Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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40237 Düsseldorf

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Dr. Ludger Wolfgart (Chefredakteur)

Telefon (02 11) 8 64 97-11

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Markus Huneke

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Anzeigen:

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Verlag:

BDS AG

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

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auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Erscheinungsweise: monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im Ausland

zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

Abbestellungen sind lediglich unter Einhaltung

einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Jahres -

ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und die

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eines Exemplars der Fachzeitschrift „Stahlreport

im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien gebühr

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International Standard Serial Number:

ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem

Papier hergestellt.

Beilagenhinweis:

Dieser Ausgabe liegen Beilagen vom Bundesverband

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.

(BME) und BDS AG Bundesverband Deutscher

Stahlhandel bei.

66 Stahlreport 1/2|18


BDS-Berufsbildung

Seminare und sonstige (BDS-)Veranstaltungen

2018

Seminarthema Termin Tagungsort

Stahleinkauf (Kooperation) (Seminar) 30.-31.01. Duisburg

Stahlkunde (Seminar) 05.-07.02. Dortmund

Prüfbescheinigungen (Seminar) 20.02. Düsseldorf

Rohrtag 01.03. Düsseldorf

Rohre (Seminar) 05.-07.03. Paderborn

Qualitäts- und Edelstahl (Seminar) 15.-16.03. Nürnberg

Blankstahl (Seminar) 10.-11.04. Ludwigsburg

Betonstahl (Seminar) 24.-25.04. Kehl

Stahleinkauf (Kooperation/Seminar) 24.-25.04. Duisburg

Trägertag 07.06. Düsseldorf

Flacherzeugnisse – Feinbleche,

Oberflächenveredelung (Seminar) 11.-12.06. Duisburg

Einführung Fernstudium 01.-06.07. Soltau

Stahlkunde (Seminar) 22.-24.08. Gröditz

Stahleinkauf (Kooperation/Seminar) 04.-05.09. Duisburg

Verkauf (Seminar/Webinar) 11.-12.09. Soltau

Gebietsversammlungen 10.-14.09. bundesweit

Nichtrostende Stähle (Seminar) 17.-18.09. Wetzlar

Grobbleche (Seminar) 19.-20.11. Wernigerode

Stahleinkauf (Kooperation/Seminar) 04.-05.12. Duisburg

Stahlkunde (Seminar) 05.-07.12. Gengenbach

Verkauf (Lernteam/Webinar) November Raum Hamburg

Werkstoff- und Produktkunde (Lernteam) Termin folgt Raum Offenburg

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Lernteam- und Seminarveranstaltungen

und zum Fernstudium sowie zu entsprechenden Kooperationen wieder.

Änderungen jeder Art sind vorbehalten, vor allem Ergänzungen. Über weitere Details sowie zu

den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte im Internet (www.stahlhandel.com) oder

wenden sich telefonisch bzw. elektronisch an den

BUNDESVERBAND DEUTSCHER STAHLHANDEL (BDS)

Max-Planck-Straße 1 · 40237 Düsseldorf

Telefon: 0211/86497-19 · Telefax: 0211/86497-22

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