02 | 2018 public

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BA Private Cloud

eher aus der Strategie heraus abgeleitet. Die BA wollte mehr

Kundenorientierung, mehr Standardisierung und einen höheren

Automatisierungsgrad herbeiführen. Man dachte zunächst,

wenn die Hersteller das alles Out-of-the-box liefern können,

dann müssen wir uns innerhalb der BA nicht mehr so viele Gedanken

über diese Themen machen.

msg: Und irgendwann kam man zu dem Schluss, selbst eine

Cloud aufzubauen?

Leis: Genau. Daran arbeiten wir nun seit 2015. Derzeit sind wir dabei,

einen Servicekatalog aufzubauen und auszurollen. In dem ist

letztendlich definiert, welcher Service welche Subservices nutzt.

Diese Subservices sind oder werden dann Bestandteil der BA private

Cloud. Dazu gibt es einen entsprechenden Migrationsplan für

die Verfahren, wenn dann die entsprechende Infrastruktur und

Plattform stehen. So können wir planen, bis wann wir in welchen

Verfahren in die neue Welt migrieren können.

msg: Gibt es schon Verfahren, die bereits migriert sind – sozusagen

als Vorreiter?

Leis: Wir machen jetzt den ersten Gehversuch mit APOK [Anm.

d. Red.: Anwendungsportal und Online-Kundenzugang]. Das ist

unsere Startseite www.arbeitsagentur.de. Also unsere Portallösung.

Der Vorteil hierbei ist die geringe Komplexität. Die

Komplexität steigt erst dann, wenn es um Verfahren mit einer

Schnittstelle zu unseren internen Verfahren geht. Komplex wird

es außerdem, wenn man die Verbindung zu SAP, zur Jobbörse

und so weiter herstellt. Das ist, glaube ich, auch die Herausforderung

für die Zukunft. Also, wie schneide ich zukünftig meine

„Micro-Services“ sinnvoll zu, damit sie in sich lauffähig sind,

auch wenn beispielsweise Datenbanken gewartet werden oder

nicht zur Verfügung stehen.

msg: Sie sind die Ersten in der öffentlichen Verwaltung, die eine

IT-Landschaft dieser Größe auf diese Weise umstellen. Daher

verfolgt die Welt der öffentlichen Verwaltung ihr Projekt auch

sehr aufmerksam. Wie genau testen Sie die Services, die Sie anbieten

möchten? Wie testen Sie die Skalierbarkeit? Oder testen

das nach Inbetriebnahme die ersten Kunden?

Leis: Na ja, www.arbeitsagentur.de ist ja bereits produktiv, einschließlich

der entsprechenden Micro-Services. Natürlich haben

wir aber Lasttest-Umgebungen, wo wir Lasttests durchführen

und Use-Case-Testumgebungen, wo wir sogenannte Systemtest-Umgebungen

automatisiert bereitstellen. Hier konnten wir

die Bereitstellungszeit von fünf Wochen auf zwei Stunden reduzieren!

Wir sind den Ansatz gefahren, die Anwendungen so weit

wie möglich zu automatisieren. Die Herausforderung dabei war,

die einzelnen Aktivitäten in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen

und so Stabilität herzustellen.

msg: Wenn Sie sagen, dass Sie die Bereitstellungszeiten im

Zusammenspiel zwischen Projekt und Systemtestumgebung

durch Automatisierung und durch verbesserte Prozesse verkürzt

haben, klingt das fast schon nach DevOps. Hatten Sie vielleicht

schon DevOps, bevor der Begriff überhaupt in Mode kam?

Leis: Ja, wir haben uns damals schon mit DevOps beschäftigt.

Allerdings gab es noch keine eindeutige Definition, was DevOps

genau ist. Und ich bin nicht sicher, ob es die heute gibt. Wahrscheinlich

nicht. Für uns war es damals einfach die Unterstützung

der Entwicklung, um schneller testen zu können. Jetzt verstehen

wir unter DevOps eher eine komplette Pipeline, mit der

wir möglichst keine manuellen Aufwände mehr haben. Wenn die

Software die entsprechenden Tests durchläuft und freigegeben

ist, kann sie auch gleich in die Produktionsumgebung.

msg: Und dieser Ansatz hat dann auch die Cloud motiviert?

Leis: Ja, aus meiner Sicht war das schon damals die Keimzelle

der Cloud. Wir haben seither ja auch eine entsprechende VMware-Farm

zur Verfügung, die immer noch läuft. Allerdings noch

sehr script-basiert, mit sehr vielen Anbindungen zu anderen, ich

nenne es jetzt mal Wissensdomänen bei uns im Bereich. Und das

möchten wir nun professionalisieren. Damit wir robuster werden

und nicht mehr so fehleranfällig sind. Da ist auch viel Engagement

der einzelnen Kollegen nötig, damit so eine Orchestrierung

sauber funktioniert. Und wenn ich nun eine Komplettlösung

habe – jedenfalls vom Framework her – dann erwarte ich mir

hiervon auch einen Benefit. Ich hoffe, dass es nicht so läuft wie

bei den integrierten Systemen.

msg: Wie viele Verfahren sind denn für die Migration in die

Cloud geplant?

Leis: Wenn man nur die größeren Verfahren nimmt, kommen wir

schon auf mehr als 150 Verfahren – ohne die kleinen macrobasierten

Excel-Lösungen oder Access-Datenbanken. Wenn wir die

mitzählen würden, kämen wir wahrscheinlich auf mehrere Tausend

in der Bundesagentur. Und wir möchten grundsätzlich alle

Verfahren in die BA private Cloud bringen.

Wir haben zwar nicht den Anspruch, zu sagen, IaaS [Anm. d. Red.:

Infrastructure-as-a-Service] ist alles, oder PaaS [Anm. d. Red.:

Moderne Verwaltung | .public 02-18 | 7

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