80. Auktion - Auktionen Dr. Crott

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80. Auktion - Auktionen Dr. Crott

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Girard Perregaux, La Chaux-de-Fonds, Werk Nr. 87319,

Geh. Nr. 22994, 58 mm, 210 gr., circa 1883

Frühestes nachgewiesenes Chronometer von Girard Perregaux,

La Chaux-de-Fonds, mit Dreibrückenwerkkaliber und invertierter

Ankerhemmung, Bulletin de Première Classe à L’Observatoire

Cantonal de Neuchatel in der Kategorie B (1883)

Geh.: 18Kt Rotgold, punziert JFN (Jean-Frédéric Nardin), La Chaux-de-

Fonds, rund, vierteilig “pomme et filets”, Deckel und Deckelboden guillochiert,

auf dem Deckel mittiges bekröntes Wappenschild, flankiert von

zwei Chimären und floraler Dekoration, Rotgoldcuvette mit Scharnier,

graviert gemäß den technischen Spezifikationen und der Beschreibung

im Stammbuchauszug, Werksverglasung. Zffbl.: Email, radiale röm.

Stunden, radiale arab. Minuten, eingesetzte kleine Sekunde, Louis-XV-

Rotgold-Zeiger, Rotgold-Sekundenzeiger, signiert. Werk: 20”, vernickelt,

3-Brückenwerk (amerikanisches Patent Nr. 14919 erteilt am 25.03.1884),

mit Nickelplatten versehen, goldenes Räderwerk, verschraubte Chatons,

geradlinige invertierte Ausgleichsankerhemmung, bimetallische

Goldschrauben-Komp.-Unruh, gebläute isochrone Stahl-Unruhspirale mit

Breguet-Endkurve (18000 Schwingungen), signiert.

Dreibrückenwerk

Der Schweizer Uhrenhersteller Constant Othenin-Girard, der seinen

Namen nach der Heirat mit Marie Perregaux (Tochter des berühmten

Neuchateler Chronometermachers) in Constant Girard-Perregaux

abänderte, arbeitete ab Mitte der 1850’er Jahre an der Verwirklichung

einer Uhr mit Tourbillon und einem Kaliber mit drei parallelen Brücken.

Diese Uhr wurde auf der Pariser Weltausstellung von 1867 mit einer

Goldmedaille ausgezeichnet. In den folgenden Jahren produzierte

Girard-Perregaux weiterhin Tourbillons mit Ankerhemmung, Federchronometerhemmung

oder Wippenchronometerhemmung, basierend auf

seinem Kaliber mit drei parallelen Brücken. Diese Brücken sind ebenso

wie die Basisplatine in vernickeltem Metall hergestellt, mit Nickel- oder

Rotgoldplatten versehen und mit Schrauben fixiert (selten werden

Brücken aus Silber, poliertem Stahl oder Platin angeführt). Für seine

Uhren erhält Girard-Perregaux die höchsten Auszeichnungen, sowohl

bei lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Industrieausstellungen.

Sofort identifizierbar, wird dieses Kaliber eines der bekanntesten

Uhrenwerke des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jhrh. Das

Kaliber wird in den Vereinigten Staaten unter der Nr. 14919 patentiert:

“Design for a Watch-Movement”. Das Patent wird am 25. März 1884 für

die Dauer von 14 Jahren nach Antragstellung vom 15.12.1883 erteilt.

Erneut erhält Girard-Perregaux anläßlich der Pariser Weltausstellung von

1889 eine Goldmedaille für seine Uhren mit Tourbillon und goldenem

Dreibrückenwerk. Neben den durch einen Tourbillon regulierten Werken

verwendet er dieses Kaliber für einige Uhren mit einer von ihm erfundenen

Hemmung, die er in den 1880er Jahren verwirklichte: die invertierte

Ankerhemmung.

Invertierte Ankerhemmung

Im Rahmen seiner Konstruktion positioniert Girard-Perregaux das

Hemmungsrad und den Anker in invertierter Form gegenüber dem

normalen Aufbau des geradlinigen Ankerchronometers. Diese Erfindung

wurde 1886 in Amerika patentiert (lt. Chamberlain, 1941, S. 82-83). Die

Verwendung dieser Hemmung ist nur bei circa zehn Uhren bekannt, wobei

es scheint, dass sie erstmalig 1883 angewandt wurde.

Girard-Perregaux Nr. 87319

Dieses Chronometer ist das früheste verzeichnete, in dem beide oben

angeführten Erfindungen verwendet werden. Sein Herstellungsdatum

kann über die beiden folgenden Fakten festgelegt werden:

- Bulletin de Marche des Observatoire Cantonal de Neuchatel mit Erstellungsdatum

von 1883

- fehlender Hinweis auf das Erfinderpatent des Kalibers sowohl im Boden

des Federgehäuses (erst am 25. März 1884 erteilt) als auch auf der

Hemmung (erst 1886 erteilt), wohingegen nach diesem Datum erstellte

Zeitmessinstrumente diese Hinweise enthalten.

Die Seltenheit dieses Modells (nur 8 weitere bekannte Exemplare), die

Tatsache, dass es sich um das älteste registrierte Modell handelt und sein

sehr guter Erhaltungszustand machen aus diesem Zeitmessinstrument ein

außerordentliches Sammlerstück.

Bibliographie:

Chamberlain, Paul M. , Major, It’s about time, New York, Editions Richard R.

Smith, 1941 (S. 82-84)

Jaquet & Chapuis, Alfred: “Histoire et technique de la montre suisse de ses

origines à nos jours”, Basel/Olten, Editions Urs Graf, 1945 (S. 123)

Tölke, Hans F.: “200 Jahre Girard-Perregaux, La Chaux-de-Fonds”, in

Uhren- Journal für Sammler klassischer Zeitmesser, 1992, Nr. 5 (S. 38 ff.)

Pritchard, Kathleen H.: “Swiss Timepiece Makers 1887-1975”, National

Association of Watch and Clock Collectors, Inc., West Kennbunk, Maine

(USA). Phoenix Publishing, 1997 (2 Bd.) Bd. 1, (S. G30-39)

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