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WIRTSCHAFT+MARKT 5/2018

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29. Jahrgang | Heft 5 | September / Oktober 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

EXKLUSIV

Ministerpräsidentin Schwesig

über Digitalisierung und ihren

Kurs gegenüber Russland

SPITZENPRODUKT

Universal-Abdichtung aus

geschredderten Altreifen

INTERNATIONAL

In den USA investieren –

trotz Donald Trump

RATGEBER

Erfolgreiche Strategien gegen

Anfechtungsansprüche

Der Osten

steckt voller Energie


IN BEWEGTEN ZEITEN

Die ostdeutsche Wirtschaft

im globalen Wettbewerb

JETZT ANMELDEN

8. + 9. November 2018, Bad Saarow

www.ostdeutscheswirtschaftsforum.de


Trump und die

ostdeutsche

Wirtschaft

EDITORIAL | 3

Foto: Fotolia/Wayhome Studio

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

karsten.hintzmann@wirtschaft-markt.de

Foto: Torsten George, Titelfoto: immimagery/fotolia.com

Seit 28 Jahren profitiert auch der

ostdeutsche Mittelstand von den

Vorzügen des Zusammenhalts der

westlichen Staatgengemeinschaft. Ein

zentraler Bestandteil dieser Gemeinschaft

ist das transatlantische Bündnis, das die

Mitgliedsländer der Europäischen Union

mit den USA verbindet. Aus Sicht der Wirtschaft

stehen dabei Handel, Export, Import

und Investitionen im Mittelpunkt.

Seit Donald Trump als US-Präsident das

Zepter im Weißen Haus schwingt, bekommt

das ehemals unerschütterlich wirkende

transatlantische Bündnis Risse. Immer

lauter werden die Spekulationen darüber,

dass die USA bei einer Fortsetzung

ihres protektionistischen und vor allem unberechenbaren

Kurses bald kein Verbündeter

Europas mehr sein könnte. Wünschen

sollte man sich ein solches Szenario besser

nicht. Denn bislang haben beide Seiten von

der Partnerschaft ausnahmslos profitiert.

Inzwischen spürt Trump erstmals im eigenen

Land so etwas wie Gegenwind als Reaktion

auf die von ihm verhängten Strafzölle.

Einzelne Vertreter von Industrie und Agrarwirtschaft

begehren auf, weil sich die

US-Zölle als Bumerang entpuppt haben

und nunmehr auch die heimische Wirtschaft

treffen. Dennoch sollte man aktuell

nicht davon ausgehen, dass Trumps Tage

als Präsident bereits gezählt sind. Dieses

Bild, das mitunter von deutschen Medien

gezeichnet wird, ist trügerisch. Vielmehr

ist wohl davon auszugehen, dass Trump

noch eine zweite Amtsperiode vergönnt

sein wird. Denn seine Wählerschaft steht

unverändert hinter ihm.

Was bedeutet das für den ostdeutschen

Mittelstand? Die Unternehmen müssen

sich darauf einstellen, dass der Handel in

Richtung USA in den kommenden Jahren

komplizierter wird. Aus diesem Grund

sollten sich Firmen, die einen Großteil ihres

Geschäftes auf dem amerikanischen

Markt realisieren, überlegen, ob möglicherweise

direkte Investitionen in den

USA Sinn machen könnten. Denn für die

nationale Wirtschaft hat Trump fast schon

paradiesische Bedingungen geschaffen,

allein durch die drastische Senkung der

Unternehmenssteuern (lesen Sie mehr

dazu ab Seite 44).

Wer nicht in den USA investieren kann

oder will und dennoch auf Exportgeschäfte

angewiesen ist, sollte mutig neue Märkte

erkunden. Hilfestellung leisten hierbei

unter anderem die bundeseigene Gesellschaft

für Außenwirtschaft und Standortmarketing

GTAI, die weltweit vertretenen

deutschen Auslandshandelskammern

(AHK), aber auch die ostdeutschen Wirtschaftsministerien

sowie die landeseigenen

Wirtschaftsfördergesellschaften. Sie

unterstützen beispielsweise erste Markterkundungen

im Rahmen von Messeauftritten

oder Unternehmerreisen.

Wenn Sie dieses Thema interessiert,

sollten Sie unbedingt beim Ostdeutschen

Wirtschaftsforum dabei sein, das

am 8. und 9. November 2018 in Bad Saarow

stattfindet (das Programm finden Sie

auf den Seiten 18/19). Dort besteht unter

dem Motto „In bewegten Zeiten – die ostdeutsche

Wirtschaft im globalen Wettbewerb“

die Möglichkeit, mit ausgewiesenen

Experten all jene Fragen zu erörtern,

die Sie im Zusammenhang mit internationalen

Export- und Handelsaktivitäten bewegen.

W+M

Wirtschaft

im Osten?

Gibt‘s

im neuen

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wirtschaft-markt.de/news

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


4 | W+M INHALT

W+M TITEL

Der Osten steckt voller Energie30

W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN

Ostdeutschland

Präsidenten-Club unterstützt

Ostdeutsches Wirtschaftsforum6

Comeback auf der Politbühne

für Matthias Platzeck und Stanislaw Tillich6

Der aktuelle ifo-Index8

Berlin

Anekdoten von Klaus Wowereit im Capital Club9

Schaufenster erfolgreicher Innovationsförderung10

Brandenburg

ILB-Chef Tillmann Stenger erklärt

Sinn und Aufgaben der neuen Digitalagentur12

Wie es die Firma Franke Aquarotter aus

Ludwigsfelde zum Marktführer gebracht hat14

Titel

38

Energieeffizienz rechnet sich

Sachsen-Anhalt

Ausblick auf die Hafenhinterlandkonferenz16

Sachsen

sagu universal –

ein ostdeutsches Spitzenprodukt17

Ostdeutschland

Ostdeutsches Wirtschaftsforum 2018:

Das Programm18

W+M SCHWERPUNKT

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Interview mit Ministerpräsidentin

Manuela Schwesig 22

Zukunftsorte: Gesundheitswirtschaft

in Mecklenburg-Vorpommern26

Bilanz der Wirtschaftsförderung

im Land an der Ostsee 28

44

International

Warum es sich trotz Trump lohnt,

in den USA zu investieren

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das Ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe: 5/2018

Redaktionsschluss: 20.08.2018

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Charlottenstraße 65, 10117 Berlin

Tel.: 030 505638-00

Fax: 030 505638-21

www.wirtschaft-markt.de

Herausgeber/Geschäftsführer:

Frank Nehring, Tel.: 030 505638-55

frank.nehring@wirtschaft-markt.de

Chefredakteur: Karsten Hintzmann, Tel.: 030 505638-86,

karsten.hintzmann@wirtschaft-markt.de

Redaktion: Janine Pirk-Schenker, Tel.: 030 505638-89,

janine.pirk-schenker@wirtschaft-markt.de

Autoren: Katrin Kleeberg, Rudolf Miethig,

Matthias Salm

Abo- und Anzeigenverwaltung:

Christiane Schattner, Tel.: 030 505638-74,

christiane.schattner@wirtschaft-markt.de

Marketing und Vertrieb: Mathias Pfund,

Tel.: 030 505638-86, mathias.pfund@wirtschaft-markt.de

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und

Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

zweimonatlich. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin sowie die Mitglieder des Vereins

Brandenburgischer Ingenieure und Wirtschaftler

(VBIW) erhalten diese Zeitschrift im Rahmen ihrer

Mitgliedschaft. Einzelpreis: 6,50 €, Jahresabonnement

(inkl. aller Ausgaben von W+M Regional und W+M

Exklusiv) 60 € inkl. MwSt. und Versand (im Inland).

Layout & Design: Möller Medienagentur GmbH,

www.moeller-mediengruppe.de

Druck: Silber Druck oHG, ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur

mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen

nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und

Fotos übernehmen wir keine Haftung.

Fotomontage: Pixabay (oben), Foto: W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


W+M INHALT | 5

W+M TITELTHEMA

Report: Der Osten steckt voller Energie 30

Kommentar: Energiewende –

Fluch oder Segen für den Osten? 33

Porträt: Netzbetreiber im Wandel 34

Interview: VNG-Vorstand Bodo Rodestock

über die Zukunft von Gas 36

22

W+M-Interview

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin

Manuela Schwesig spricht über Start-ups,

Digitalisierung und die Bedeutung des Russlandtags

Finanzierung: Energieeffizienz lohnt sich 38

E-Mobilität: Hoffnungsträger Elektroauto 40

W+M POLITIK

Pro & Contra: Sollte das Rentenalter aufgrund

des Fachkräftemangels heraufgesetzt werden? 43

International

Warum es sich trotz Trump lohnt,

in den USA zu investieren 44

Verhaltensregeln für Verhandlungen in den USA 46

W+M RATGEBER

Management

Anfechtungsansprüche abwehren 48

Haftung von Geschäftsführern – Teil 2 49

Steuern: Was „trockene Brötchen“

mit der Steuer zu tun haben 50

Aus den neuen Ländern

10

Innovationstag als Schaufenster erfolgreicher Förderung

Marketing: Mehr Gewinn durch

Online-Marketing 51

Datenschutz: So gelingt der

richtige Umgang mit der DSGVO 52

Büro

Neue Arbeitswelt – Bedrohung oder Chance? 54

Neuheiten fürs Büro 56

Literatur: Die ostdeutsche

Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur 58

W+M NETZWERK

Radebeul: Olymp der Genüsse –

Sommernachtsball auf Schloss Wackerbarth 60

Fotos: W+M (oben), AiF Projekt GmbH (Mitte), Steelcase (unten)

56

Ratgeber

Neuheiten fürs Büro

Berlin: WIRTSCHAFT+MARKT lädt

zum 118. Berliner Presseball 61

Neues aus den Unternehmerverbänden 62

VBIW: Aktuelles aus dem Verein 64

W+M WEITERE BEITRÄGE

Editorial 3

Impressum 4

Ausblick und Personenregister 66

Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt eine Beilage des Berliner

Presseballs bei. Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


6 | W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN – OSTDEUTSCHLAND

Präsidenten-Club unterstützt

Ostdeutsches Wirtschaftsforum

Rolf Paukstat

Dirk Schneemann

Ab sofort wird ein neu gegründeter Präsidenten-Club,

dem Präsidenten unterschiedlichster

Verbände und Organisationen

angehören, die inhaltliche Kompetenz

des Ostdeutschen Wirtschaftsforums

(OWF.ZUKUNFT) stärken. Neben dem bereits

etablierten Advisory Board des Forums, in

dem namhafte Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft

und Politik an strategischen Fragestellung

der künftigen Ausrichtung der ostdeutschen

Wirtschaft arbeiten, soll der Präsidenten-Club

aktuelle und mittelfristige wirtschaftspolitische

Herausforderungen identifizieren und

benennen. Zu den Gründungsmitgliedern des

Präsidenten-Clubs, die einen Großteil der ostdeutschen

Wirtschaft repräsentieren, gehören:

Martin Bergner (Vorstandssprecher Zentralkonsum

e. G.), Axel Gedaschko (Präsident des GdW

Zwei langjährige Ministerpräsidenten

haben sich für ein zeitlich begrenztes

„Gastspiel“ noch einmal auf die politische

Bühne begeben – der brandenburgische

Sozialdemokrat Matthias Platzeck

und der sächsische Christdemokrat Stanislaw

Tillich. Die beiden Ex-Landesväter leiten

gemeinsam mit Bahn-Vorstand Ronald

Pofalla und Barbara Praetorius, der früheren

Vize-Direktorin der ökologischen Denk fabrik

Agora Energiewende, die Kohlekommission

der Bundesregierung.

Bundesverband deutscher Wohnungsund

Immobilienunternehmen e. V.),

Peter Heydenbluth (Präsident der

IHK Potsdam), Frank Nehring (Präsident

MPW Forum für Medien, Politik

und Wirtschaft und Organisator des

OWF.ZUKUNFT), Rolf Paukstat (Präsident

des Unternehmerverbands Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin

e. V. und Sprecher der norddeutschen

Unternehmerverbände), Niklas Graf

von Bernstorff (Vize-Präsident des Unternehmerverbands

Berlin e. V.), Thomas

Sapper (Präsident BWA Bundesverband

für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft)

sowie Dirk Schneemann

(Vizepräsident des Wirtschaftskreises

Deutschland/Frankreich).

Comeback auf der Politbühne

Stanislaw Tillich,

ehemaliger Ministerpräsident

von Sachsen.

Für den 64 Jahre alten Platzeck, der von

2002 bis 2013 Ministerpräsident in Brandenburg

war, sowie den

59 Jahre alten Tillich,

zwischen 2008 und

2017 Ministerpräsident

im Freistaat

Sachsen,

wird der neue

Spitzenjob einige

Herausforderungen

bereithalten. Immerhin

soll die neue Kohlekommission

bis zum Jahresende

unter anderem ein Datum

für den Ausstieg

aus der Stromgewinnung

aus Kohle, einen

Ausstiegspfad sowie

Perspektiven für neue

Jobs in den Kohleregionen

wie der Lausitz vorschlagen.

Außerdem geht es

um Maßnahmen, wie die Lücke

zu Klimaschutzzielen schneller geschlossen

werden kann. Wie heikel die Aufgabe

ist, zeigt bereits das Vorgeplänkel, als man

sich im politischen Berlin wochenlang über

die personelle Besetzung und den genauen

inhaltlichen Auftrag der Kommission stritt.

Inzwischen ist klar, dass insgesamt vier

Bundesministerien mitmischen und um

die Ausrichtung der Kohlekommission ringen

werden, neben dem Umwelt- und dem

Wirtschaftsministerium auch das Innen- und

das Arbeitsministerium.

Platzeck und Tillich traten in ihrer aktiven

Zeit als Ministerpräsidenten stets für einen

Peter

Heydenbluth

Martin Bergner

Axel Gedaschko

Thomas Sapper

Niklas Graf von

Bernstorff

Frank Nehring

Matthias Platzeck, früherer

Ministerpräsident von

Brandenburg.

sinnvollen Mix aus erneuerbaren

Energien

und Braunkohle

ein. Mehrfach warnte

Platzeck vor einer

industriefreien Zone in

der Lausitz, wenn man

auf die Verstromung der

Braunkohle verzichten würde.

In einem Interview mit dem Magazin

WIRTSCHAFT+MARKT sagte Tillich im Juli

2017: „Eine Volkswirtschaft wie Deutschland

kann und wird es sich nicht leisten können,

sich in die Abhängigkeit von Wind und

Sonne zu begeben. Wir brauchen technische

Lösungen, die eine grundlastfähige

Stromversorgung in hoher Qualität und an

365 Tagen im Jahr gewährleisten. Und um

diese Qualität sicherzustellen, werden wir

noch lange auch auf fossile Brennstoffe angewiesen

sein. Ich will nicht ausschließen,

dass es in 20 Jahren noch Leute gibt, die

klüger sind, und die zulassen, dass neue Tagebaue

eröffnet werden.“ W+M

Fotos: (links oben nach unten) UV Schwerin, IHK Potsdam/Sebastian Geyer, Torsten George, GdW, (rechts oben nach unten) Privat, Privat, Privat, W+M; W+M (links unten), SPD Brandenburg (rechts unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


Perspektiven für die

regionale Energiezukunft

12. enviaM Energiekonvent

am 5. November 2018

Die tiefgreifenden Entwicklungen auf dem Energiemarkt erfordern

von Unternehmen den Mut, alte Strukturen zu hinterfragen und neue

Wege einzuschlagen. Welche Unternehmenskultur braucht es, um mit

dem Wandel Schritt halten zu können? Welche Fähigkeiten benötigen

Mitarbeiter und Führungskräfte, um sich in der immer komplexeren

digitalen Welt zurechtzufinden? Wie gelingt es dabei eng mit Kunden

und Verbrauchern in der Region zusammenzuarbeiten?

Antworten auf diese und weitere Fragen möchten wir gemeinsam

mit Ihnen, unserem Vorstand Dr. Stephan Lowis und prominenten

Gästen auf dem 12. enviaM Energiekonvent am 5. November 2018

in Leipzig finden. Ihre persönliche Einladung erhalten Sie unter

0371 482-2971 oder per E-Mail unter Energiekonvent@enviaM.de.

Wir freuen uns auf Sie!


8 | W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN – OSTDEUTSCHLAND

Geschäftsklima Ostdeutschland im Juli 2018

STIMMUNG OSTDEUTSCHER

UNTERNEHMER STEIGT

SPÜRBAR

Geschäftsklima

Vormonat 20,2 Juli 23,0

Die Stimmung der ostdeutschen

Unternehmer verbesserte sich

im Juli 2018 spürbar. Der ifo Geschäftsklimaindex

für die gewerbliche

Wirtschaft* in Ostdeutschland stieg

von 105,3 auf 106,6 Punkte. Während

sich die Lageeinschätzungen der Befragungsteilnehmer

leicht verbesserten,

stiegen ihre Geschäftserwartungen

deutlich.

Das ostdeutsche Beschäftigungsbarometer

stieg im Juli leicht. Maßgeblich

hierfür war ein überaus starker Anstieg

der Beschäftigungserwartungen im Bauhauptgewerbe.

Auch die Befragungsteilnehmer

aus der Industrie und dem Einzelhandel

hoben ihre Beschäftigungserwartungen

an, während die Großhändler

ihre Erwartungen geringfügig senkten.

Beschäftigungsbarometer

Vormonat 4,1 Juli 6,9

Verarbeitendes Gewerbe

Vormonat 25,8 Juli 27,9

Bauhauptgewerbe

Vormonat 19,2 Juli 30,5

Der deutliche Anstieg des ostdeutschen

Geschäftsklimaindex ist maßgeblich auf

die Meldungen aus dem Bauhauptgewerbe

zurückzuführen. Die befragten

Bauunternehmer äußerten sich überaus

zufrieden über ihre laufenden Geschäfte

und auch ihre Erwartungen für

die kommenden sechs Monate hellten

sich etwas auf. Im Verarbeitenden Gewerbe

Ostdeutschlands verliefen die

beiden Teilindikatoren des Geschäftsklimas

gegensätzlich. Während sich der

Ausblick der Industrieunternehmer aufhellte,

beurteilten die Umfrageteilnehmer

die gegenwärtige Geschäftslage

geringfügig schlechter als noch im Vormonat.

Gedämpft wurde die Zunahme

des ostdeutschen Geschäftsklimaindexes

durch den Handel. Der Geschäftsklimaindex

stieg im Groß- und Einzelhandel

nur leicht. Während sich die Befragungsteilnehmer

positiv über die

laufenden Geschäfte äußerten, senkten

die Einzelhändler ihren Ausblick und

auch die Großhändler blickten weniger

optimistisch in die Zukunft.

Groß- und Einzelhandel

Vormonat 7,5 Juli 8,3

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

und Niels Gillmann

* Unter gewerblicher Wirtschaft wird die

Aggregation aus Verarbeitendem Gewerbe,

Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel

verstanden.

Foto: adam121/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


AUS DEN NEUEN LÄNDERN – BERLIN | 9

Klaus Wowereit und Advisory-Board-Mitglied

Marion Uhrig-Lammersen.

Ein Abend mit Klaus Wowereit

im Berlin Capital Club

Foto: CCA Projekt GmbH

Berlin. Während der Fußball-WM gab es

ebenso spannende Abende ohne Ballbeobachtungen,

dafür aber mit Büchern. Vier

Jahre sind seit seinem Rücktritt 2014 ins

Land gezogen, bis Klaus Wowereit sich

doch noch entschlossen hat, ein Buch

über seine politische Karriere zu schreiben.

Über dieses Buch „Sexy, aber nicht

mehr so arm: mein Berlin“, sprach er mit

Marion Uhrig-Lammersen und den Gästen

im Berlin Capital Club. Der Buchautor

führt den Leser in seinem Buch quasi mit

einer Rückblende in die 90er-Jahre zurück.

Er schreibt offen über seine Begegnungen

mit anderen Politikern, scheut keine Wahrheiten

und sagt dazu: „Wer damit nicht leben

kann, darf das Buch nicht lesen.“ Im

Anschluss konnten die Gäste ihre Fragen

an Klaus Wowereit stellen, wobei er auch

viele kleine Anekdoten erzählt hat, die unterhaltsam

waren und den Abend bei Wein

und Fingerfood sehr spät werden ließen.

Im Herbst werden bei den Business-Talk-Veranstaltungen

unter anderem

DFB-Präsident Reinhard Grindel, Dr. Gerhard

Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der

GASAG AG, der Regierende Bürgermeister

von Berlin Michael Müller, UNICEF-Botschafterin

und Model Eva Padberg sowie

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska

Giffey interessante Gesprächspartner

sein.

www.berlincapitalclub.de W+M


10 | W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN – OSTDEUTSCHLAND

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigte großes Interesse an den innovativen

Entwicklungen.

Schaufenster erfolgreicher

Innovationsförderung

Rund 300 Unternehmen und Forschungseinrichtungen stellten auf

dem 25. Innovationstag in Berlin mehr als 200 Weltneuheiten vor, die

sie mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums realisiert

haben. Von Karsten Hintzmann

Die Anreise zum Veranstaltungsort

im beschaulichen und von Stadtvillen

geprägten Ortsteil Pankow ließ

noch nicht erahnen, welch spektakuläre

Leistungsschau den Besucher erwarten

würde. Doch beim Rundgang über das

Freigelände der AiF Projekt GmbH (die

Abkürzung AIF steht für Arbeitsgemeinschaft

industrieller Forschungsvereinigungen)

an der Tschaikowskistraße staunten

die rund 1.800 Gäste nicht schlecht – sie

sahen durchweg innovative Produkte, Verfahren

und Dienstleistungen, die von kleinen

und größeren Mittelständlern aus dem

ganzen Land kreiert worden waren. Auffällig

stark vertreten waren Firmen aus den

neuen Bundesländern.

Neben den fast durchgängig mit Hightech-Geräten

bestückten Firmenständen

wurden innovationspolitische Statements,

Interviews, diverse Fachvorträge

und Speed-Pitches zu technologischen

Entwicklungserfolgen geboten. Gleichzeitig

ermöglichte eine „International Area“

die Ideenfindung und Anbahnung grenzüberschreitender

Innovationsvorhaben.

Bundesbeauftragter für den Mittelstand

und die neuen Länder: Christian Hirte.

Die inzwischen 25. Auflage ist Beleg dafür,

dass sich der Innovationstag als Leistungsschau

des deutschen Mittelstands

und als Schaufenster erfolgreicher Innovationsförderung

etabliert hat. Ein jährlich

wiederkehrendes Stelldich

ein, das nicht nur bei

Unternehmen und Forschungseinrichtungen,

sondern auch in Politik

und Verwaltung

großen Anklang findet.

Bundeswirtschaftminister

Peter Altmaier

(CDU) würdigte nach

seinem persönlichen

Rundgang ausdrücklich

das vor Ort versammelte

Unternehmertum.

„Der Mittelstand

ist das Herz unserer Volkswirtschaft

und die Unterstützungsangebote

des Bundeswirtschaftsministeriums tragen

dazu bei, dass es kraftvoll schlägt.

Die Innovationen, die wir heute hier bestaunen,

sind ein Sinnbild der enormen

Vitalität, Kreativität und Leistungsbereitschaft

des deutschen Mittelstands. Und

sie zeigen, dass es uns mit Programmen

wie dem Zentralen Innovationsprogramm

Mittelstand erfolgreich gelingt, die Innovationskraft

der Unternehmen zu stärken

und Ideen in die Tat umzusetzen. Unser

Wohlstand beruht maßgeblich auf unternehmerischer

Schaffenskraft. Um unsere

Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft

zu sichern, müssen wir auf den Mittelstand

setzen. Die Förderprogramme meines

Ministeriums werden dabei weiterhin

eine feste Säule sein, auf die unsere

Unternehmerinnen und Unternehmen

bauen können.“

Neben Altmaier war auch der Mittelstands-

und Ostbeauftragte der Bundesregierung

Christian Hirte (CDU) vor Ort.

In seiner Eröffnungsrede gelang es dem

Parlamentarischen Staatssekretär, eine

Brücke zwischen seinen beiden Missionen

– Mittelstand und Ostdeutschland –

zu schlagen. Hirte verwies darauf, dass

die damalige Bundesregierung bereits

unmittelbar nach der deutschen Einheit

spezifische Förderprogramme aufgelegt

hatte, die darauf abzielten, der

wirtschaftsnahen Forschung und den

innovativen Unternehmen in den neuen

Bundesländern zu helfen. Eine Unterstützung,

die Wirkung zeigte. Hirte:

„Heute arbeiten beispielsweise

in den kleinen und

mittelständischen Unternehmen

Sachsens

mehr FuE-Mitarbeiter

als in denen von

Hessen und Rheinland-Pfalz

zusammen.“

Dies sei, so

Hirte, „für die gesamtdeutsche

Politik

inspirierend,

denn es ist natürlich

auch für Hessen,

Rheinland-Pfalz und

andere ‚alte‘ Länder

wünschenswert, einen vitalen Mittelstand

zu haben. Und es zeigt: Sich Dinge

voneinander abzuschauen, ist nicht immer

nur eine Transferaufgabe von West

nach Ost.“

W+M

Fotos: AiF Projekt GmbH (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


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12 | W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN

„Mit der Digitalagentur betreten wir

in Deutschland Neuland“

Seit mehr als fünf Jahren führt der diplomierte Volkswirt Tillmann

Stenger als Vorstandsvorsitzender die Investitionsbank des

Landes Brandenburg (ILB). Damit ist er der führende Kopf bei

der Konzipierung und Umsetzung von Förderprogrammen für die

brandenburgische Wirtschaft. Damit nicht genug, ab sofort soll er

sich auch um die Digitalisierung im Lande kümmern. Auf Beschluss

der Landesregierung wird eine Digitalagentur gegründet, die bei der

ILB angesiedelt wird. WIRTSCHAFT+MARKT sprach mit dem ILB-

Chef über seine neuen Aufgaben.

W+M: Herr Stenger, die Digitalisierung

ist in aller Munde. Welche Bedeutung hat

das Thema für die märkische Wirtschaft?

Tillmann Stenger: Die Digitalisierung

ist eine große Chance für die märkische

Wirtschaft. Wir sind traditionell eher Agrarland

als Industrieland. Nach der Wende

haben sich viele neue Unternehmen

angesiedelt. Wenn die Wirtschaft, die wir

jetzt haben, die Möglichkeiten der Digitalisierung

nutzt, haben wir die Chance, diesen

Wirtschaftsraum noch einmal ganz

anders zu entwickeln, als es in den zurückliegenden

gut 25 Jahren geschehen

ist. Die Landesregierung hat die Notwendigkeit

erkannt, bessere Voraussetzungen

für die Digitalisierung zu schaffen.

Sie investiert massiv in den Ausbau der

digitalen Infrastruktur. Als Förderbank haben

wir allein im letzten Jahr 28 Projekte

im Breitbandausbau mit knapp 160 Millionen

Euro unterstützt.

W+M: Ist den Unternehmen die

Relevanz bereits bewusst?

Tillmann Stenger: Ich

habe den Eindruck, ja.

Digitalisierung ist seit zwei

bis drei Jahren das Megathema.

Seither war

fast jeder Unternehmer

auf der einen oder anderen

Konferenz, wo es um

Digitalisierung

ging. Jetzt kommt allerdings der nächste

Schritt. Die Überlegung: Macht das

für mein Unternehmen Sinn? Ich glaube,

dass man sich langsam mehr und

mehr mit der Thematik auseinandersetzt.

Aber man muss sich dabei auch genau

anschauen, was konkret Sinn macht und

was nicht. Natürlich wird es tendenziell

so sein, dass technikaffine und größere

Betriebe schneller vorangehen als der

kleine Handwerksbetrieb. Allerdings befindet

sich im Land Brandenburg gerade

ein von der Landesregierung gefördertes

Digitalisierungszentrum für das Handwerk

im Aufbau. Das zeigt, dass

auch beim Handwerk Bedarf

an Digitalisierung besteht.

Wir selbst bieten beispielsweise

auch dem

Handwerk den „BIG Digital“

an, den Brandenburgischen

Innovationsgutschein

Digital. Wir sehen,

dass da zunehmend

Anträge kommen.

Foto: W+M

ILB-Chef Tillmann Stenger.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


OSTDEUTSCHLAND | 13

Es gibt also ein wachsendes Bewusstsein,

das jetzt in konkrete Projekte umgesetzt

werden muss.

W+M: Was kann man sich unter dem

Gutschein „BIG Digital“ vorstellen?

Foto: W+M

Tillmann Stenger: Der „BIG Digital“ ist

nicht vergleichbar mit einem Gutschein

für ein großes Versandhaus. In der ersten

Phase kann man einen Zuschuss

von bis zu 50.000 Euro beantragen. Dafür

bekommt ein Unternehmen profunde

Beratungen und Schulungen zur Identifizierung

und Vorbereitung von Digitalisierungsmaßnahmen.

Die Umsetzung

dieser Maßnahmen, die etwa Produktionsprozesse

digitalisieren, können dann

mit bis zu 500.000 Euro bezuschusst

werden. Im laufenden Jahr haben wir

bereits 18 Anträge mit einem Volumen

von 1,4 Millionen Euro bewilligt. Gegenwärtig

liegen uns weitere 41 Anträge mit

einem Volumen von rund fünf Millionen

Euro vor. Dieses Programm kann übrigens

von der gesamten Breite der Wirtschaft

in Anspruch genommen werden.

W+M: Welche Unterschiede stellen Sie

bei den Digitalisierungsbestrebungen der

Brandenburger Unternehmen fest? Gibt

es Branchen, die hier besonders Tempo

machen?

Tillmann Stenger: Betrachtet man

alle Branchen zusammen, sehe ich derzeit

keine großen Unterschiede. Einzelne

Ausnahmen bestätigen die Regel. In

der Branche Chemie, Pharma und Kunststoffe

beispielsweise herrscht laut einer

aktuellen Studie zum Thema Arbeit 4.0

der Wirtschaftsförderung Brandenburg

(WFBB) ein deutlich höherer Digitalisierungsstand

vor als in der Baubranche. Ansonsten

ist es eher eine Frage der Unternehmensgröße.

Größere Unternehmen

haben aufgrund der finanziellen und personellen

Ressourcen sicherlich bessere

Möglichkeiten, sich strategisch mit dem

Thema zu befassen und konkrete Digitalisierungsprojekte

schneller anzuschieben.

Auch das wird durch die Studie bestätigt.

Unter dem Dach der ILB in Potsdam wird die Brandenburger Digitalagentur aufgebaut.

W+M: Welche Auswirkungen wird die

Digitalisierung auf die Arbeitswelt allgemein,

den bereits bestehenden Fachkräftemangel

und den demografischen Wandel

im Flächenland Brandenburg haben?

Tillmann Stenger: Ich erwarte hier keine

kurzfristigen und abrupten Auswirkungen

auf die Arbeitswelt. Das wird eher

mittelfristig der Fall sein, wenn die Digitalisierung

flächendeckend greift und

aus den Arbeits- und Produktionsprozessen

nicht mehr wegzudenken ist.

Dann allerdings wird Arbeit anspruchsvoller

werden, weil beispielsweise viele

Handwerksberufe durch ein technisches

Know-how ergänzt werden müssen. Hier

müssen wir sehr früh in der Schulbildung

und der Ausbildung ansetzen, um für die

Zukunft gewappnet zu sein. Denn künftig

werden wir mehr höherwertige Arbeitsplätze

in Brandenburg haben.

W+M: Die Landesregierung hat entschieden,

in Brandenburg eine eigene Digitalagentur

zu gründen. Warum soll diese

Agentur in Ihrem Haus angesiedelt

werden? Was werden die Aufgaben und

Ziele sein?

Tillmann Stenger: Die Idee bei der Digitalagentur

ist die, dass es, ausgehend

von einer Digitalisierungsstrategie, konkret

umzusetzende, strategische Projekte

im Land geben wird. Wir wollen mit

der Digitalagentur weder Werbeagenturen

noch Beratungsgesellschaften Konkurrenz

machen. Hier geht es darum,

strukturiert bestimmte Projekte zu initiieren

und bei der Umsetzung zu unterstützen.

Als Beispiele möchte ich die

Themen Breitband und Mobilfunk, Bildung

und Qualifizierung, Verkehr und Gesundheit

nennen. Das Thema IT-Sicherheit

in Kommunen spielt ebenfalls eine

Rolle. Bei all diesen übergreifenden Themen

bedarf es der Entwicklung von Konzepten,

um dann auch Fördermittel beim

Bund beantragen zu können. Da braucht

es eine unterstützende und koordinierende

Kraft auf Projektebene. Diese Rolle

wird die Digitalagentur übernehmen. Die

Digitalagentur wird eine Tochter der ILB

sein, jedoch einen eigenen Namen und

Markenauftritt haben und eigenständig

tätig sein. Geplant sind zunächst 20 Mitarbeiter

und ein Budget von drei Millionen

Euro. Die Finanzierung erfolgt durch die

Landesregierung und nicht durch die ILB.

Aber wir unterstützen natürlich den Aufbau

der Agentur nach Kräften. Mit dieser

Agentur betreten wir in Deutschland Neuland,

so etwas gibt es bislang in keinem

anderen Bundesland. Es ist ein Zukunftsthema,

das wir gerne besetzen möchten.

Daher die Ansiedlung unter dem Dach

der ILB.

Interview: Karsten Hintzmann und

Frank Nehring

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


14 | W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN – BRANDENBURG

Innovative Lösungen

für Waschräume

und Badezimmer

Franke Aquarotter aus Ludwigsfelde hat sich zu einem

Marktführer entwickelt.

Die Firma Franke Aquarotter kann auf

eine lange und wechselvolle Geschichte

verweisen. Sie geht aus

zwei Unternehmen hervor. AQUA Butzke

wurde 1873 in Berlin-Kreuzberg

gegründet und zog

1997 nach Ludwigsfelde.

Die Firma Rotter

entstand in den

Jahren 1932/33

in Berlin-Friedenau

und zog später

nach Berlin-Borsigwalde.

2003

wurden beide Unternehmen

unter

dem Dach der

GROHE-Gruppe zu

AQUAROTTER mit

Sitz im brandenburgischen

Ludwigsfelde. Dieses Unternehmen

wurde wiederum zwei Jahre später

von der Franke-Gruppe gekauft und firmiert

seitdem unter dem heutigen Namen

Franke Aquarotter GmbH. Das Unternehmen

ist auf innovative Systemlösungen

mit zukunftsgerechten Armaturen- und

Ausstattungselementen für Wasch räume

und Badezimmer spezialisiert.

Oliver Gessert ist Geschäftsführer von

Franke Aquarotter.

WALL-WCs unter dem Breitscheid- und

Alexanderplatz in Berlin.

Bei einem Deutschlandmarktführer zu

arbeiten, macht sichtbar Freude

und das nicht nur für Gessert,

sondern auch für

die Mitarbeiter. Franke

Aquarotter ist ein attraktiver

Arbeitgeber

in der Region. Flexible

Arbeitszeiten, gute Sozialleistungen

in einem

modernen Werk mit

zukunftsorientierten

Arbeitsplätzen stehen

für ein gutes kollegiales

Arbeitsumfeld innerhalb

eines inhabergeführten

Konzerns.

Die berührungslose Steuerung der F5-

Elektronikarmaturen von Franke Aquarotter

für Wasch- und Duschanwendungen erfolgt

über eine neue Opto-Elektronik.

Das Unternehmen ist stolz auf seine Innovationen

und tut dafür auch eine Menge.

Gessert: „Wir befinden uns gerade

in der Markteinführungsphase von zwei

neuen Armaturenlinien (F3/F5) mit insgesamt

fast 200 Einzelprodukten.“ Für technische

Baugruppen dieser Armaturen wurden

bis jetzt bereits drei europäische Patente

erteilt und zwei weitere sind noch

in der Anmeldung. Ein weiteres Patent ist

gerade in Vorbereitung.

Neben den Innovationen sind die

Mitarbeiter von Franke Aquarotter stolz

auf die Qualität ihrer Produkte und versprechen

absolute Perfektion. Ein hoher

Anspruch und eine einfache Antwort:

„Aufgrund der teilweise extrem hohen

Nutzerfrequenz und den großen Beanspruchungen,

denen unsere Produkte im

öffentlichen Sanitärraum ausgesetzt sind,

müssen sie diesen Belastungen standhalten

und eben absolut perfekt funktionieren.“

Frank Nehring

Produkte und Lösungen von Aquarotter

finden sich fast überall, nur meist nicht

auf den ersten Blick. Bei einer Veranstaltung

des Wirtschaftsforums Brandenburg

verwies Geschäftsführer Oliver

Gessert auf einige der bekanntesten

Objekte – die MBS-Arena Potsdam, das

blu Potsdam, die Gottlieb-Daimler-Oberschule

Ludwigsfelde, das Goethe-Gymnasium

Nauen sowie die öffentlichen

Der Firmensitz von Franke Aquarotter in Ludwigsfelde bei Berlin.

Fotos: Franke Aquarotter GmbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


ADVERTORIAL | 15

ZFM koordiniert Fläche

Besuchen Sie uns auf der Expo Real vom

8. bis 10. Oktober 2018 in München.

Foto: VAVONA GmbH

Der Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement

Sachsen (ZFM) ist in

diesem Jahr Ausrichter des Sachsenstandes

auf der Expo Real und wird

sich erneut zusammen mit anderen Einrichtungen

des Freistaates, Unternehmen

und sächsischen Bildungseinrichtungen

am Gemeinschaftsstand in Halle

A2 am Stand 322 präsentieren. Er bietet

dabei eine Plattform, um Portfolios, Projekte

und Impulsregionen vorzustellen, Investoren

anzusprechen und den Freistaat

Sachsen als Wirtschafts- und Investitionsstandort

zu präsentieren.

Der im Januar 2017 gegründete Staatsbetrieb

ZFM ist zentraler Ansprechpartner

für alle freistaateigenen Grundstücke,

veräußert entbehrliche landeseigene Immobilien

und stellt für Behörden und Einrichtungen

des Freistaates Sachsen Immobilien

bereit. Daneben erwirbt der

Staatsbetrieb ZFM Flächen für staatliche

Infrastrukturvorhaben sowie Grundstücke

und Gebäude für staatliche Bedarfe.

Mit der Beauftragung als Ökoflächenagentur

des Freistaates Sachsen wurde

das Tätigkeitsfeld erweitert. Neben der

Der Stand des ZFM auf der Expo Real in München im Oktober 2018.

Zuständigkeit für das ressortübergreifende

Flächenmanagement und Kompensationsmanagement

ist der Staatsbetrieb

ZFM seit Oktober 2017 nunmehr

Ansprechpartner für alle öffentlichen und

privaten Vorhabenträger mit Kompensationsverpflichtungen.

Bei Baumaßnahmen

mit Eingriffen in den Naturhaushalt

müssen diese ausgeglichen oder ersetzt

werden. ZFM bietet in seiner neuen Funktion

sachsenweit Ökokontomaßnahmen

an, mit denen diese Kompensationsverpflichtungen

schuldbefreiend übernommen

werden können.

MACHBAR

© archlab Immobilien mit Potential –

© euthymia / Fotolia.com

ÖKOPUNKTE

GIBT‘S BEI

UNS.

direkt vom Eigentümer.

www.immobilien.sachsen.de

www.zfm.sachsen.de

Besuchen Sie uns auf der Expo Real:

8.–10. Oktober 2018, Halle A2, Stand 322.

www.exporeal.sachsen.de


16 | W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN – SACHSEN-ANHALT

Multimodale Logistikdrehscheibe Sachsen-Anhalt am 6. und 7. September 2018

Hafenhinterland-Konferenz 2018

Der Verkehrsminister des deutschen

Bundeslandes Sachsen-Anhalt lädt

gemeinsam mit der Logistik.Initiative

des Landes zur dritten Hafenhinterland-Konferenz

am 6. und 7. September

nach Dessau-Roßlau ein. Auf dem Fachforum

mit dem diesjährigen Fokus „Multimodale

Logistikdrehscheibe Sachsen-Anhalt“

diskutieren Experten der Branche Zukunftslösungen

für die Hafenhinterlandverkehre

in Mitteldeutschland. Hochkarätige

Veranstaltungsort

Stiftung BAUHAUS Dessau

Gropiusallee 38

06846 Dessau-Roßlau

Veranstalter

Ministerium für Landesentwicklung

und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt

Turmschanzenstraße 30

39114 Magdeburg

Ansprechpartner

Tobias Götze

Investitions- und Marketinggesellschaft

Sachsen-Anhalt mbH

E-Mail:

tobias.goetze@img-sachsen-anhalt.de

Tel.: 0391 5689993

Anmeldung und alle Infos

zum Programm

Sichern Sie Ihre Teilnahme an der Konferenz.

Die Online-Anmeldung und die

Details zum Programm finden Sie hier:

www.logistik-sachsen-anhalt.de/

Hafenhinterland-Konferenz

Referenten, Experten, Player und Vordenker

der Logistikbranche tauschen sich zu

Themen wie Digitalisierung und Dekarbonisierung

des Güterverkehrs sowie den Potenzialen

und Herausforderungen der Neuen

Seidenstraße aus.

Als mitteldeutsche Logistikdrehscheibe

und „Tor zum Osten“ steht das Land

Sachsen-Anhalt vor der Aufgabe, die im

Hinterland der Häfen stattfindenden multimodalen

Verkehre nachhaltig zu gestalten.

Aktuell liegt der Fokus auf der Verknüpfung

der Verkehrsträger und deren

effektiven Einsatz entsprechend ihrer

Stärken und Potenziale.

PROGRAMM

6. September 2018

10:00 – 12:00 Uhr Eröffnung

Minister Thomas Webel, Ministerium für

Landesentwicklung und Verkehr des Landes

Sachsen-Anhalt

Beigeordneter für Wirtschaft und Kultur

Dr. Robert Reck, Stadt Dessau-Roßlau

Kommissarin Violetta Bulc, Repräsentantin

der EU, DG MOVE (angefragt)

Sven Schulze, MdEP, Mitglied des Ausschusses

für Industrie, Forschung und Energie

des Europäischen Parlaments

Fachvorträge:

„Multimodale Logistikdrehscheibe Sachsen-Anhalt“,

Minister Thomas Webel

„Zentralität des Landes Sachsen-Anhalt in

der EU“, EU-Koordinator Mathieu Grosch

„Zukunftsvisionen aus der Sicht des Bundes“,

Peter Lüttjohann, Referatsleiter für Güterverkehr

und Logistik, BMVI

„Die Neue Seidenstraße. Anforderungen an

die Logistikregion Sachsen-Anhalt“, Johannes

Jähn, Flughafen Leipzig/Halle

13:00 – 14:30 Uhr Fachpanels

Panel 1: Dekarbonisierung des

Güterverkehrs

Impulse: „Strategien für Binnenhäfen und

Binnenschifffahrt“, Boris Kluge, BÖB,

„Schienengüterverkehr“, Dr. Bernd Seidel,

ConTrack, „Mobility Package“, EU KOM (angefragt)

In Sachsen-Anhalt wurden zahlreiche

leistungsfähige Verkehrswege geschaffen,

um den veränderten Mobilitätsbedürfnissen

des Personenverkehrs sowie

den Transporterfordernissen einer modernisierten

Wirtschaft Rechnung zu tragen.

Der absehbare Lückenschluss der

Bundesautobahn A14 von Magdeburg bis

nach Schwerin und des Schienengüterkorridors

Ost wird die Zugänge des Landes

zu den Küstenhäfen noch einmal

deutlich verbessern. Ebenso bedeutsam

sind die Häfen und Terminals des sogenannten

kombinierten Verkehrs als logistische

Schnittstellen der verschiedenen

Verkehrsträger. Im Einzugsbereich des

Elbkorridors ist also ein hervorragendes

Hinterland für die deutschen Seehäfen

entstanden, das es nun gilt, auf die zukünftigen

Herausforderungen einzustimmen.

Lösungsansätze für Sachsen-Anhalt:

„Schifffahrt“, Markus Nölke, SPC, „Modal

Shift im Hafenhinterlandverkehr“, Jan Elfenhorst,

Lineas, Belgien, „Dual-Mode/Hybridloktechnologie“,

Martin Wischner, HVLE /

Michael Koch, MEG

Panel 2: Digitalisierung des Güterverkehrs

„DB AG: Schienengüterverkehr“, Dr. Markus

Ksoll, DB AG, „Straßengüterverkehr“,

Adalbert Wandt, BGL, „Binnenschifffahrt“,

Piotr Durajczyk, Binnenschifffahrtsamt Stettin,

Lubomir Fojtu, Geschäftsführer der Direktion

für Tschechische Wasserwege

Lösungsansätze für Sachsen-Anhalt:

„Elbe 4.0“, Prof. Dr. Jan Ninnemann, HTC,

„Zugbildungsanlage Halle/Saale“, Eckart

Fricke, DB AG, „Straßengüterverkehr“,

Frank Maslock, Hövelmann Logistik

15:00 – 16:30 Uhr Podiumsdiskussionen

Panel 1: Dekarbonisierung des Güterverkehrs

Panel 2: Digitalisierung des Güterverkehrs

17:00 – 18:00 Uhr

Zusammenfassung der Ergebnisse aus den

Panels, Multimodalität als Lösung, Ausblick

und Schlusswort

ab 19:00 Uhr

Abendveranstaltung und Preisverleihung:

Transferpreis „Mobilität und Logistik“

7. September 2018

9:00 – 15:00 Uhr Pressefrühstück und

Convention-Touren

Foto: IMG Sachsen-Anhalt/André Kehrer

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


AUS DEN NEUEN LÄNDERN – SACHSEN | 17

Foto: Polymer Technik Mülsen GmbH

Abdichtung aus Altreifen

Das Angebot in Baumärkten an Schutzund

Abdichtungsanstrichen ist schier

unendlich: Produkte für Untergründe

aus Stein, Holz, Putz werden ebenso angeboten,

wie welche für den Schutz vor Nässe

und Feuchtigkeit, Algen und

Schimmel. Doch manch einer

träumt von einem Anstrich,

der für (fast) alles geeignet

ist. Und genau den gibt

es. Erfunden haben ihn die

Sachsen. Entstanden ist die

Idee für „sagu universal“,

einer streichfähigen Premium-Abdichtung

für Dach, Wand

und Boden, beim Recyceln von Altreifen.

Denn das ist das eigentliche Metier

der Mühlsener Rohstoff- und Handelsgesellschaft

nahe Zwickau. Seit deren Gründung

vor 24 Jahren werden hier pro Jahr

rund 20.000 Tonnen ausgediente LKW-Reifen

quasi wieder in ihre Bestandteile zerlegt.

Dabei werden die Reifen geschreddert, mit

Stickstoff auf minus 180 Grad Celsius abgekühlt,

von Stahl und Textilfasern befreit und

gemahlen. So entstehen Gummigranulate in

unterschiedlichen Körnungen sowie Gummimehl.

Doch „nur“ recyceln war den Westsachsen

zu wenig, und so gründeten sie vor

OST

D E U T S C H E

S P I T Z E N

P R O D U K T E

vier Jahren ein Schwester unternehmen –

die Polymer Technik Mühlsen, um die hochwertigen

Granulate und Pulver selbst wieder

zu innovativen Produkten verarbeiten zu können.

Gemeinsam mit der Technischen Universität

Chemnitz tüftelten sie an

entsprechenden Technologien

und Produkten. Entstanden

ist die „sagu“-Produktfamilie.

Zu ihr gehört eben jener

Dichtanstrich, der vom Dach

bis zum Keller quasi alle Bauteile

schützen kann. Hauptgrundlage

dafür ist ein kryptogen

vermahlenes Gummimehl aus

handsortierten LKW-Altreifen. In einem

speziell entwickelten Vakuumdispergiersystem

entsteht eine Universalabdichtung für

unterschiedliche Anwendungsbereiche.

Sie kann zur Abdichtung schadhafter

Dacheindeckungen aus Holz,

Beton, Blech, Bitumen, Faserzement

und sonstiger mehrschichtiger Dachhäute

mit besplitterter Oberfläche und

anhaftenden Altanstrichen ebenso verwendet

werden, wie zur Abdichtung an

Terrasse, Balkon oder Dachrinnen und

Anschlüssen. Außerdem eignet sie sich

für sämtliche Abdichtungen im erdberührten

Bereich. Hier wird sie vor allem auch

für den Bauprofi interessant, denn die Abdichtungsnormen

hier sind mit der jüngsten

DIN-Änderung nochmals verschärft

worden. Dass der „Gummianstrich“ auch

die Zulassung nach der Bauregelliste besitzt,

spricht für die Qualität des Produktes, das bitumen-

und lösungsmittelfrei sowie UV-beständig,

wasserundurchlässig und wasserbeständig

ist und keine gesundheits- oder

hautschädigende Bestandteile enthält. Eine

durch Spachtel- und Spritzfähigkeit gegebene

leichte Verarbeitung macht das Produkt

auch für Heimwerker interessant. Diese können

die „sagu universal“-Premium-Abdichtung

bereits in einigen Baumärkten der Region

kaufen – weitere sollen folgen.


Katrin Kleeberg

In Mühlsen bei

Zwickau entwickelt:

Abdichtungsanstrich

aus Altreifen.

SI Betriebsrente+

Geringverdiener und Arbeitgeber profitieren

Advertorial

Foto: XXX

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz hat zum 1.

Januar 2018 auch ein staatlich gefördertes Zuschussmodell

gebracht. Dieses soll die betriebliche

Altersversorgung (bAV) für gering verdienende

Arbeitnehmer stärken. Die SIGNAL IDUNA hat

darauf mit einem neuen Produkt reagiert: der SI

Betriebsrente+.

Um auch gering verdienende Beschäftigte mit einem

monatlichen Bruttoverdienst von weniger als

2.200 Euro stärker in die bAV einzubeziehen, hat

der Gesetzgeber jetzt eine Geringverdienerförderung

eingeführt. Arbeitgeber, die für diese Mitarbeiter

einen Mindestbeitrag von jährlich 240 Euro

in eine bAV einzahlen, erhalten einen Zuschuss

von 30 Prozent. Dieser Zuschuss ist gedeckelt bei

144 Euro jährlich, so dass sich ein maximal förderfähiger

Beitrag von 480 Euro ergibt. Gefördert

werden können allerdings nur Produkte, die bestimmte

Voraussetzungen erfüllen.

Die Betriebsrente+ der SIGNAL IDUNA erfüllt diese

Voraussetzungen. Es handelt sich um eine fondgebundene

Direktversicherung, die eine Mindestleistung

garantiert. Dabei verbindet sie Sicherheit

mit den Renditechancen am Aktienmarkt: Der zugrundeliegende

Fonds HANSAeuropa investiert in

europäische Unternehmen. Zinsüberschüsse erhöhen

das Vertragsguthaben in der Ansparphase.

Der Versicherte kann wählen, ob er sich das Guthaben

– in der Regel frühestens ab dem 62. Lebensjahr

– in Form einer monatlichen Rente auszahlen

lässt oder als Kapitalleistung. Hier ist auch

eine Teilauszahlung möglich, während das Restkapital

als Rente fließt. Stirbt der Versicherte im

Verlauf von Anspar- oder Rentenbezugsphase, erhalten

seine Angehörigen eine Hinterbliebenenrente

oder Kapitalauszahlung aus dem Vertragsguthaben.

Arbeitgeber profitieren mit Hilfe der Betriebsrente+

nicht nur von dem staatlichen Zuschuss. Indem sie

eine bAV für ihre Arbeitnehmer einrichten, bringen

sie ihre besondere Wertschätzung zum Ausdruck.

Dies schlägt sich zum einen nieder in einer höheren

Motivation und damit einem guten Betriebsklima

sowie einer geringen Fluktuation. Zum anderen

erhöhen betriebliche Zusatzleistungen auch für

dringend benötigte Fachkräfte die Attraktivität

eines potenziellen Arbeitgebers.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


18 | W+M AUS DEN NEUEN LÄNDERN

Das ostdeutsche Wirtschaftsforum 2018 in Bad Saarow

Gute Gründe, dabei zu sein

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie herzlich zu unserem

OWF.ZUKUNFT – dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum

– am 8. und 9. November 2018

nach Bad Saarow einladen.

Das OWF.ZUKUNFT versteht sich als das Zukunftstreffen

der wichtigsten Unternehmen Ostdeutschlands

beziehungsweise als eine Art „Davos des Ostens“.

In Bad Saarow trifft sich die Elite aus Wirtschaft

und Politik der neuen Bundesländer und Berlins.

Ich freue mich, Sie in Bad Saarow persönlich

begrüßen zu dürfen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Frank Nehring

Sprecher der Initiative

Wirtschaft.Wachstum.Zukunft

und Herausgeber des Magazins

WIRTSCHAFT+MARKT

7 gute Gründe

1. Sie sind Teil der ostdeutschen Wirtschafts-Community

2. Sie tragen als Vorstände und Geschäftsführer Verantwortung

3. Sie engagieren sich für die Zukunft der ostdeutschen Wirtschaft

4. Sie beraten globale und komplexe Themen mit kompetenten Experten

5. Sie erwarten Anregungen und Impulse für die eigene Strategie

6. Sie nutzen die Gelegenheit zur inspirierenden Unterhaltung

7. Sie bewegen die Wirtschaft

Highlights

1. Der Bundeswirtschaftsminister und der Ostbeauftragte

der Bundesregierung stehen Rede und Antwort

2. Die Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister der

neuen Länder und Berlins sind vor Ort

3. Die Themen sind wichtig und inspirierend

4. Das Treffen von interessanten Partnern ist garantiert

5. Die exklusive Abendveranstaltung ist ein Muss

PREMIUM-

PARTNER

PARTNER DES

Institut

Niederlassung Dresden

Foto: XXX

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


OSTDEUTSCHLAND | 19

IN BEWEGTEN ZEITEN

Die ostdeutsche Wirtschaft im globalen Wettbewerb

Programm – 8./9. November 2018, A-ROSA-Forum

2018

Foto: XXX

IN BEWEGTEN ZEITEN

••

Die Welt/Europa/Deutschland/Ostdeutschland

in bewegten Zeiten

Keynote: Peter Altmaier, Bundeswirtschaftsminister

••

Die Ostdeutsche Wirtschaft im globalen Wettbewerb,

Prof. Dr. Joachim Ragnitz, Managing Director/ifo Niederlassung

Dresden

••

Die Digitale Transformation braucht Digitale Aufklärung,

Prof. Dr. Christoph Meinel, Rektor/CEO des HPI Potsdam

••

Die richtigen Maßstäbe für den Wettbewerb anlegen,

Prof. Dr. Reint E. Gropp, Präsident des IWH Halle

DIGITALISIERUNG VERÄNDERT UNSERE ARBEITSWELT

••

Die Mobilität der Zukunft:

Urbane Mobilität gemeinsam gestalten,

Frank Hansen, Center of Competence Urban Mobility

bei der BMW Group

••

Die Auswirkungen der neuen Arbeitswelt

auf das Arbeitsumfeld,

David Wiechmann, Head of Interior Design

bei der Kinnarps GmbH

••

Aktuelle Ergebnisse aus der Cluster-Studie

zur Digitalisierung der Arbeitswelt,

Dr. Steffen Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung

der WFBB

••

Wie gut sind wir vorbereitet auf die Digitale Wende?

Diskussion: Dr. Alexander Montebaur, Vorstandsvorsitzender

der E.DIS AG, Prof. Dr. Christoph Meinel, Frank Hansen, David

Wiechmann, Moderation: Rommy Arndt

START-UP-ÖKOSYSTEM OSTDEUTSCHLAND

••

Datengetriebene Geschäftsmodelle

Wirtschaftliches Potenzial versus Datenschutz

Christian Henschel, CEO/Co-Founder von Adjust

••

Das nächste große Ding,

Harald Zapp, Gründer/CEO der Next Big Thing AG

••

Diskussion mit Vertretern erfolgreicher Start-ups,

Moderation: Andrea Joras, Nils Seger

INTERNATIONALISIERUNG:

OSTDEUTSCHLAND UND DIE WELT

••

„America First“ als Leitbild der amerikanischen

Wirtschaftspolitik: Herausforderungen und Chancen

für deutsche Unternehmen,

Barbara Zimniok, Bereichsleiterin Amerika bei GTAI

••

Marktchancen in der Volksrepublik China,

Achim Haug, China-Experte & ehemaliger

GTAI-Marktbeobachter in Hongkong

••

Auswirkungen des Brexits auf die

deutsche Exportwirtschaft,

Annika Pattberg, Brexit-Expertin und ehemalige

GTAI-Markt beobachterin in London

••

Diskussion

––

Exportieren in Zeiten von Handelsbarrieren

––

Made in Germany?

––

Politik und Außenwirtschaftsförderung in der Pflicht?

Moderation: Dr. Robert Hermann, Geschäftsführer von GTAI

WIRTSCHAFTSMINISTER-TALK:

INTERNATIONAL UND DIGITAL

••

Wirtschaftsminister der ostdeutschen Bundesländer,

Moderation: Karsten Hintzmann,

Chefredakteur von WIRTSCHAFT+MARKT

OWF.DINNER/ABENDVERANSTALTUNG

••

Deutschland – Land der Ideen präsentiert Preisträger

Moderation: Ute E. Weiland

REGIONALE KOOPERATION UND GLOBALISIERUNG

••

Regionale Kooperationen groß denken

Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur

und Digitalisierung, MV

••

Metropolregionen der Zukunft

Die Idee, die Praxis in Ostdeutschland

Jakob Richter, Leiter der Geschäftsstelle der Metropolregion

Hamburg

••

Diskussion

Christian Pegel, Jakob Richter, Tillmann Stenger, Vorstandsvorsitzender

der ILB, Dr. Helmar Rendez, Vorstandsvorsitzender

der LEAG, Oliver Fern, Regionalvorstand der LBBW

Moderation: Rommy Arndt

OSTDEUTSCHLAND UND SEINE ELITEN

••

Haben wir für die bevorstehenden Aufgaben

die richtigen Eliten? Ostdeutsche Eliten: Träume,

Wirklichkeiten und Perspektiven

Prof. Dr. Raj Kollmorgen, Direktor des Instituts für

Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung

an der Hochschule Zittau/Görlitz

••

Fehlt den Ostdeutschen Unternehmen das

Wachstumsgen? Brauchen wir eine Ostler-Quote?

Diskussion: Christian Hirte, Ostbeauftragter der Bundesregierung,

Prof. Dr. Raj Kollmorgen, Prof. Dr. Joachim Ragnitz,

Reint E. Gropp

Moderation: Frank Nehring

MINISTERPRÄSIDENTENTALK:

INTERNATIONAL

UND DIGITAL

••

Talk mit den Ministerpräsidenten

der neuen

Länder und Berlins zu den

Themen des

OWF.ZUKUNFT

Moderation:

Karsten Hintzmann

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


20 | W+M NETZWERK

Wir fördern Wirtschaft

Gute Adressen für Unternehmer

Wirtschaftsförderung Landkreis Rostock

Investitionsstandort Landkreis Rostock –

Wachsen Sie mit uns gemeinsam.

Wirtschaftsförderung Landkreis Rostock GmbH

August-Bebel-Straße 3

18209 Bad Doberan

Tel: 03843 75561-000

E-Mail: info@w-lr.de

Web: w-lr.de

Wirtschaftsförderung

Mecklenburg-

Vorpommern

Have a taste. Invest in MV.

Invest in

Mecklenburg-Vorpommern GmbH

Schlossgartenallee 15

19061 Schwerin

Tel.: 0385 59225-0

E-Mail: info@invest-in-mv.de

Web: invest-in-mv.de

Die Bühne für Ihren Erfolg

Halle Saale Investvision

Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft

Halle – Saalkreis mbH

Marktplatz 1

06108 Halle (Saale)

Tel: 0345 221476-0

Web: halle-investvision.de

Wirtschaftsförderung

Sachsen-Anhalt

HIER profitiert, wer investiert.

IMG – Investitions- und Marketinggesellschaft

Sachsen-Anhalt mbH

Am Alten Theater 6

39104 Magdeburg

Tel.: 0391 56899-0

E-Mail:

welcome@img-sachsen-anhalt.de

Web: investieren-in-sachsen-anhalt.de

Wirtschaftsförderung

Görlitz

Europastadt Görlitz-Zgorzelec:

Das Beste aus zwei Welten.

Europastadt

Görlitz-Zgorzelec GmbH

für Wirtschaftsförderung,

Stadtmarketing,

Tourismus

Fleischerstr. 19

02826 Görlitz

Tel: 03581 47574-0

E-Mail:

wirtschaft@europastadt-goerlitz.de

Web: goerlitz.de/wirtschaft

europastadt-goerlitz.de

Fotos: Wirtschaftsförderung Landkreis Rostock (oben), Halle Saale Investvision (unten

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


NETZWERK | 21

Wirtschaftsförderung Sachsen

Wir unterstützen

Ihren wirtschaftlichen Erfolg!

Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Bertolt-Brecht-Allee 22

01309 Dresden

Tel: 0351 2138-0

E-Mail: info@wfs.saxony.de

Web: wfs.sachsen.de

Wirtschaftsförderung

Landkreis

Sömmerda

Bei uns investieren,

mit uns kooperieren…

Amt für Öffentlichkeitsarbeit /

Wirtschaftsförderung

Bahnhofstraße 9

99610 Sömmerda

Tel: 03634 354-400

E-Mail: wifoe@lra-soemmerda.de

Web: landkreis-soemmerda.de/

wirtschaft.libx

Wirtschaftsförderung

Dessau-Roßlau

Freiraum – Tatkraft - Perspektive

Stadt Dessau-Roßlau

Amt für Wirtschaftsförderung

Zerbster Straße 4

06844 Dessau-Roßlau

Tel.: 0340 2042080

E-Mail: wirtschaftsfoerderung@

dessau-rosslau.de

Web: wirtschaft.dessau-rosslau.de

Wirtschaftsförderung

Vorpommern

Standortvorteil Vorpommern.

Deutschlands Sonnendeck.

Ihr optimaler

Investitionsstandort.

Wirtschaftsfördergesellschaft

Vorpommern mbH

Brandteichstraße 20

17489 Greifswald

Tel.: 03834 550605

E-Mail:

info@invest-in-vorpommern.de

Web: invest-in-vorpommern.de

Foto: Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Wirtschaftsförderung

Schwerin

Leben. Arbeiten. Wohnen.

Mitten in Westmecklenburg.

Landeshauptstadt Schwerin

Fachgruppe Wirtschaft und Tourismus

Am Packhof 2-6

19053 Schwerin

Tel: 0385 545-1655

E-Mail: bgorniak@schwerin.de

Web: schwerin.de/wirtschaft

Lebenshauptstadt.de

Invest Region

Leipzig

Standortberatung

für Unternehmen

aus dem In- und Ausland

Invest Region Leipzig GmbH

Markt 9

04109 Leipzig

Tel: 0341 2682777-0

E-Mail:

service@invest-region-leipzig.de

Web: invest-region-leipzig.de

Wirtschaftsförderung

Erzgebirge

ERZGEBIRGE. Gedacht. Gemacht.

Wirtschaftsförderung

Erzgebirge GmbH

c/o Regionalmanagement Erzgebirge

Adam-Ries-Straße 16

09456 Annaberg-Buchholz

Tel: 03733 145100

E-Mail: kontakt@wfe-erzgebirge.de

Web: wfe-erzgebirge.de

erzgebirge-gedacht-gemacht.de

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


22 | W+M SCHWERPUNKT

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD):

„Warum sollten Start-ups künftig in Berlin

oder München bleiben? Bei uns können sie

überall surfen – auf und am Meer“

W+M: Frau Schwesig, seit rund einem

Jahr sind Sie Ministerpräsidentin von

Mecklenburg-Vorpommern. Wie fällt Ihre

persönliche Zwischenbilanz aus?

Manuela Schwesig: Ich bin angekommen

und mir macht das Amt unheimlich

viel Spaß. Als Ministerpräsidentin bin ich

jetzt für alle Politikfelder zuständig. Ein

Schwerpunkt ist dabei ganz klar das Thema

„Wirtschaft + Arbeit“. Meine Vision

ist, dass Mecklenburg-Vorpommern als

ein Land wahrgenommen wird, in dem

man hervorragend leben, arbeiten und

Urlaub machen kann. Wir sind bereits

das beliebteste Urlaubsland in Deutschland.

Wir waren in diesem Jahr das erste

Bundesland, das auf der Internationalen

Tourismusbörse in Berlin Partnerland

war. Darauf sind wir stolz. Aber ich möchte

unsere wirtschaftliche Basis spürbar

verbreitern. Wir brauchen vor allem mehr

industrielle Arbeitsplätze. Unser Land ist

traditionell in der maritimen Wirtschaft

stark. Den Werften geht es nach schweren

Jahren wieder besser. Darüber bin

ich sehr froh. Wir setzen ganz klar aber

auch auf Zukunftsbranchen und die

Digitalisierung. Unser Land muss

aus dem Dornrös chenschlaf wachgeküsst

werden, was den digitalen

Wandel betrifft. Wir werden

die Wirtschaft gezielt dabei unterstützen,

digitale Geschäftsfelder

zu erschließen. Das habe

ich in meiner Regierungserklärung

angekündigt. Jetzt nach einem

Jahr kann ich sagen, dass

wir eine Initiative zur Digitalisierung

in der Wirtschaft angeschoben

und eine digitale Agenda für

das Land erarbeitet haben. Insgesamt

wollen wir in den kommenden

Jahren 1,5 Milliarden Euro in die Digitalisierung

investieren, in schnelle Netze,

aber zum Beispiel auch in die Digitalisierung

von Wirtschaft und Arbeitswelt. Ein

Punkt ist mir noch besonders wichtig.

Wir schaffen zum 1. Januar 2020 die Kita-Gebühren

in Mecklenburg-Vorpommern

ab. Das ist die größte Entlastung

für Familien in der Geschichte unseres

Landes. Und das ist auch ein wichtiger

Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte.

W+M: Wo sehen Sie die größten Reserven?

Manuela Schwesig: Wir sind in einer

positiven Entwicklung. Die Wirtschaft ist

stark wie nie. Aber, wir haben immer noch

freie Flächen, auf denen sich Unternehmen

erweitern oder neu ansiedeln können.

Wir haben immer noch Fachkräfte, da

es trotz gesunkener Arbeitslosigkeit nach

wie vor Menschen gibt, die arbeitslos

sind. Und wir haben viele Pendler, die wir

zurückgewinnen können. Unser Standortvorteil

besteht darin, dass wir Wirtschaftsförderung

aus einer Hand anbieten. Bei

uns wird man nicht hin- und hergeschickt.

Das sind Vorteile, die dazu führen, dass

sich auch Firmen aus Süddeutschland bei

uns ansiedeln. Bei uns ist noch Platz, hier

gibt es politische Unterstützung, denn wir

kämpfen um jeden Arbeitsplatz. Die Digitalisierung

ist ein entscheidendes Thema.

Ich bin überzeugt davon, dass nur

der, der heute im Netz ist, auch morgen

noch am Markt ist. Viele Unternehmen

sind bereits voll auf Digitalisierungskurs,

aber nicht alle. Die wollen und müssen

wir mitnehmen, damit sie ihre guten Produkte

und Kunden nicht verlieren.

W+M: Als Regierungschefin setzen

sie sich stark dafür ein, die Digitalisierung

im Land voranzutreiben.

Wie weit ist die Breitbandversorgung

speziell in den ländlichen Regionen

vorangeschritten?

Seit gut einem Jahr ist Manuela Schwesig

Ministerpräsidentin von Mecklenburg-

Vorpommern.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 23

Foto: W+M

Manuela Schwesig: Schnelles Internet

und Mobilfunk haben heute eine ähnlich

hohe Bedeutung wie Strom und Wasser.

Das muss gerade in einem Flächenland

überall ankommen. Wir brauchen es in jedem

Dorf. Ich sehe es als Hemmnis, dass

der Ausbau zu sehr vom Markt bestimmt

wird. Die großen Konzerne bestimmen,

wo ausgebaut wird. Dünn besiedelte Regionen

sind für die Konzerne nicht interessant.

Das halte ich für einen Fehler. Denn

für uns zählt auch der Handwerksbetrieb

mit fünf Mitarbeitern auf einem kleinen

Dorf, auch der braucht schnelles Internet.

Und wenn mir ein Landwirt sagt, er geht

lieber auf sein Feld, weil er dort eine bessere

Verbindung hat als in seinem Büro,

dann sind wir noch nicht dort, wo wir hinwollen.

Mein Ziel ist die flächendeckende

Breitbandversorgung sowie starke Mobilfunknetze.

Und Glasfaser first. Wenn das

gelingt, besteht die Chance, den ländlichen

Raum zukunftsfest zu machen.

W+M: Wie stark wollen Sie bis zum Ende

der laufenden Legislaturperiode in die

Digitalisierung investieren?

Manuela Schwesig: Bis zum Ende der

Legislaturperiode müssen wir vor allem

im ländlichen Raum vorangekommen

sein. Wir haben überall Projekte bewilligt,

jetzt laufen die ersten Spatenstiche.

Die gute Konjunktur wird an der Stelle zum

Problem, weil es gar nicht so viele Unternehmen

gibt, die die Bauleistungen erbringen

können. Im Koalitionsvertrag des Bundes

steht, dass bis zum Jahr 2025 überall

schnelles Internet vorhanden sein soll.

Und bis dahin muss uns das gelingen.

Um das zu erreichen, darf die vorgegebene

Förderung nicht so kompliziert sein

wie bisher und es muss schneller gehen.

Dazu muss der Bund die Förderbedingungen

vereinfachen und verbessern. Nicht

der Markt darf es allein regeln, denn

dann werden wir weiße Flecken haben.

Die Politik muss in Kooperation mit den

Unternehmen sicherstellen, dass überall

schnelles Internet angeboten wird.

W+M: Vor kurzem besuchten Sie gezielt

zwei Fraunhofer-Institute in Ihrem Land,

die Fraunhofer-Einrichtung für Großstrukturen

in der Produktionstechnik und das

Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung

in Rostock. Gab es da spezielle

Erkenntnisse für Sie, die Sie für Ihre

Arbeit an der Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommerns

mitnehmen konnten?

Manuela Schwesig: Auf jeden Fall. Die

Besuche haben mir gezeigt, wie wichtig

es ist, dass wir gezielt die unternehmensnahe

Forschung unterstützen. In

diesen Instituten wird daran geforscht,

wie man mittels Digitalisierung Produktionsprozesse

optimiert und beschleunigt

und gleichzeitig die Arbeit erleichtert. Dadurch

wird Arbeit hochwertiger, was wiederum

künftig größere Anforderungen an

die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter

stellt.

W+M: Wie bewerten Sie das Memorandum

des Ostdeutschen Wirtschaftsforums,

das im November letzten Jahres

in Bad Saarow stattfand, wonach

Ostdeutschland bundesweit zum Vorreiter

der digitalen Wende werden sollte

und der Aufholprozess der neuen

Länder dadurch beschleunigt werden

könnte?

Manuela Schwesig: Das ist ein gutes

Ziel und eine tolle Vision. Ich bin von der

großen Bedeutung der Digitalisierung absolut

überzeugt. Obwohl sich das Thema

im ersten Moment eher sperrig anfühlt

und man als Politiker mit dem Begriff Digitalisierung

nicht sofort die Herzen der

Bürger erobert. Aber durch schnelles

Internet und starke Netze schaffen wir

neue Perspektiven für kleine und kreative

Firmen überall in unserem Land. Warum

sollten Start-ups künftig in Berlin, Hamburg

oder München bleiben? Dort ist es

eng, teuer und stickig. Bei uns gibt es

viel Fläche und Freiraum, der bezahlbar

ist. Bei uns können sie dann überall surfen

– auf dem Meer und am Meer. Die

Digitalisierung ist eine große Chance für

die ländlichen Räume.

W+M: Die Gesundheitswirtschaft gehört

zu jenen Branchen in Ihrem Land, denen

Experten besonders positive Entwicklungschancen

einräumen. Welche Vision

haben Sie für diesen Wirtschaftszweig

in den kommenden zehn bis 15 Jahren?

Manuela Schwesig: Die Gesundheitswirtschaft

ist ein wichtiges wirtschaftliches

Standbein. Sie hat einen großen

Anteil an unserem Bruttoinlandsprodukt.

Rund 15 Prozent. Dieser Anteil liegt deutlich

über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Wir haben in Rostock und Greifswald

sehr innovative und erfolgreiche Forscher

auf diesem Gebiet. Wichtig ist für

uns, das entsprechende Kapital dafür zu

bekommen. Deshalb arbeiten wir hier

auch mit der Schweiz zusammen. Mit der

Ansiedlung des Schweizer Unternehmens

Ypsomed in Schwerin sehen wir, dass Medizintechnikhersteller

gern zu uns kommen.

Auch die Telemedizin ist bei uns auf

einem guten Weg. Hier können wir – angesichts

des demografischen Wandels – mit

erfolgreichen Pilotprojekten zum Vorreiter

werden, wenn es um die Betreuung und

Versorgung einer immer älter werdenden

Bevölkerung auf dem Lande geht.

W+M: Ungeachtet der von der EU verhängten

Sanktionen gegen Russland, hat

sich Ihr Amtsvorgänger Erwin Sellering

stets um die Aufrechterhaltung und Pflege

guter Beziehungen zu Russland enga-

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


24 | W+M SCHWERPUNKT

giert. Wie halten Sie es mit den Beziehungen

zu Russland?

Manuela Schwesig: Ich bin Erwin Sellering

sehr dankbar, dass er in dieser Frage

einen klaren Kurs gehalten hat. Ich halte

es für wichtig, dass wir die Beziehungen

zu Russland intensivieren. Mecklenburg-Vorpommern

pflegt seit 15 Jahren

eine Partnerschaft mit dem Leningrader

Gebiet, der Region rund um die Stadt St.

Petersburg. Das betrifft vor allem die Wirtschaftsbeziehungen.

Ich habe die Kooperation

ausgeweitet auf die Hochschulen

und die Kultur, weil ich glaube, dass es

auch um gesellschaftliche Beziehungen

geht. Ich war ein paar Wochen nach meinem

Amtsantritt mit einer Wirtschaftsdelegation

in Russland. Es war die größte

Wirtschaftsdelegation, die wir jemals

hatten. Das zeigt, dass es auch aus der

Wirtschaft ein Interesse am weiteren Ausbau

der Beziehungen gibt. Ich sehe es als

meine Aufgabe als Ministerpräsidentin an,

die Interessen der Wirtschaft meines Bundeslandes

zu vertreten. Aber es geht um

noch mehr. Es geht auch darum, dass es

stabile Beziehungen zwischen Regionen

auch in schwierigen Zeiten gibt. Konflikte

werden nicht durch Strafzölle und Sanktionen

beseitigt, das gilt für alle Himmelsrichtungen,

sondern durch Zusammenarbeit

und Gesprächsbereitschaft.

W+M: Der Russlandtag ist ein spezielles

Veranstaltungsformat, mit dem Ihre Landesregierung

seit Jahren eine Plattform

für den wirtschaftlichen Austausch zwischen

Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern

und Russland schafft. Was erhoffen

Sie sich konkret vom nächsten

Russlandtag, der am 17. Oktober 2018

in Rostock stattfindet?

Nach dem Interview in Rostock: Manuela Schwesig mit W+M-Herausgeber Frank Nehring (r.)

und W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann (l.).

Manuela Schwesig: Diese Veranstaltung

reiht sich ein in unsere Partnerschaft mit

dem Leningrader Gebiet. Wir waren wie

gesagt im letzten Jahr in Russland mit einer

großen Delegation in St. Petersburg.

In diesem Jahr richtet Mecklenburg-Vorpommern

wieder ein gemeinsames Wirtschaftstreffen

aus. Es werden viele Unternehmer

kommen – aus Russland, aus

Mecklenburg-Vorpommern. Und selbstverständlich

können auch interessierte Unternehmen

aus anderen Bundesländern

teilnehmen. Ich lade herzlich dazu ein. Wir

wollen die wirtschaftlichen Beziehungen

weiter ausbauen und ein Forum bieten, um

Kontakte zu knüpfen. Und ich hoffe, dass

von diesem Russlandtag das Signal ausgehen

wird, dass wir auch in schwierigen

Zeiten auf Dialog und Kooperation setzen.

W+M: Als Ministerpräsidentin hat Ihr

Wort Gewicht auf bundespolitischer Ebene.

Ist das europäische Festhalten an den

Sanktionen gegen Russland angesichts

der dramatischen Veränderungen im

Welthandel – Stichwort Trump-Politik –

noch zeitgemäß?

Manuela Schwesig: Ich wünsche mir,

dass beide Seiten aufeinander zugehen.

Dafür muss sich auch Russland bewegen.

Wenn man Stück für Stück das Minsker

Abkommen umsetzt, können auch die

Sanktionen gelockert werden. Unser Ziel

sollte es sein, am Ende eines Prozesses

wieder zu guten Beziehungen zu kommen

und die Sanktionen zu beenden.

W+M: Sie gelten als Kritikerin der AfD.

Diese Partei hat auch in Ihrem Land an Zuspruch

gewonnen. Haben Sie eine Erklärung

dafür, warum die AfD speziell in den

neuen Bundesländern so zugelegt hat?

Manuela Schwesig: Das ist differenziert

zu betrachten. Es gibt sicherlich Wähler,

die der AfD ihre Stimme gegeben haben,

weil sie mit dem Thema Asyl und Flüchtlinge

nicht einverstanden sind. Ich habe

aber auch wahrgenommen, dass viele

Menschen die AfD aus Protest gewählt

haben. Ich habe mir beispielsweise die

Frage gestellt, warum die AfD auf der

schönen Insel Usedom einen so großen

Zuspruch hatte. Wenn über Jahre hinweg

die Leute, die dort leben, für wenig Geld

in teuren Hotels arbeiten und sich selbst

kaum noch den Wohnraum vor Ort leisten

können, die Verkehrsbedingungen nicht

gut sind, die Geburtenstation geschlossen

wird – nach dem Finanzamt und Amtsge-

ZUR PERSON

Manuela Schwesig wurde am 23. Mai

1974 in Frankfurt (Oder) geboren. Nach

dem Abitur absolvierte sie ein Studium

an der brandenburgischen Fachhochschule

für Finanzen, das sie als Diplom-

Finanzwirtin abschloss. Anschließend

nahm sie im Finanzamt Schwerin eine

Tätigkeit als Steuerfahndungsprüferin

auf. Im Jahr 2003 trat Schwesig in die

SPD ein. Von 2008 bis 2013 war sie Sozialministerin

in Mecklenburg-Vorpommern.

Ende 2013 wechselte sie in die

Bundesregierung – als Bundesfamilienministerin.

Seit dem 4. Juli 2017 ist sie

Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern.

Sie übernahm das Amt von

Erwin Sellering (SPD), der aus gesundheitlichen

Gründen zurückgetreten war.

Manuela Schwesig ist verheiratet und

Mutter zweier Kinder.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 25

richt –, dann muss man auch verstehen,

dass trotz auch positiver Entwicklungen

Frust entsteht. Mein Ziel als Ministerpräsidentin

ist es, viel vor Ort zu sein, mit den

Menschen zu reden, mir jede Meinung anzuhören

und die Probleme dann abzuräumen.

Das tun wir – zum Beispiel mit der

beitragsfreien Kita.

W+M: Kommen wir zu Ihrer Partei, der

SPD. Sie hat gerade in den neuen Ländern

stark an Zuspruch eingebüßt. Doch in

Mecklenburg-Vorpommern liegt die SPD

unter Ihrer Führung in den Umfragen recht

deutlich vorn. Was machen Sie anders?

Was macht die SPD in Mecklenburg-Vorpommern

populärer als andernorts?

Manuela Schwesig: Auf Bundesebene

befindet sich die SPD in der schwierigen

Rolle des Juniorpartners. Allen SPD-Ministern

wird eine gute Arbeit bescheinigt,

alle packen die Dinge an. Aber all das wird

überlagert durch den Streit zwischen CDU

und CSU. Solange CDU und CSU glauben,

dass das Asylthema das Thema ist,

über das man am heftigsten streiten sollte,

werden alle anderen Themen überlagert.

Ich halte das für falsch. Ich nehme

wahr, dass die Menschen sich Arbeitsplätze,

gute Löhne, schnelles Internet, gute

Schulen, verlässliche Pflege und bezahlbaren

Wohnraum wünschen. In den Foren

mit Bürgern, die ich durchführe, fragt mich

kein Mensch mehr nach Asyl und Flüchtlingen.

Wir müssen in der Flüchtlingspolitik

zu gemeinsamen Lösungen kommen,

aber es gibt für die Bürgerinnen und Bürger

auch viele andere wichtige Themen.

Als Ministerpräsidentin habe ich in Mecklenburg-Vorpommern

die Möglichkeit, die

politische Agenda zu bestimmen. Wir arbeiten

in unserer großen Koalition sehr

vertrauensvoll zusammen. All die Themen,

die wir im letzten Jahr gelöst haben

und die ich hier bereits erwähnt habe,

die haben wir gemeinsam vorangebracht.

Ich hoffe, dass das unsere Bürgerinnen

und Bürger erkennen und uns attestieren,

dass wir anpacken und Probleme lösen.

W+M: Sie haben Erfahrungen als Bundesministerin,

führen in Mecklenburg-Vorpommern

eine Große Koalition und sind

stellvertretende Bundesvorsitzende der

SPD. Obwohl erst in drei Jahren ein neuer

Bundestag gewählt wird, werden Sie bereits

als mögliche SPD-Kanzlerkandidatin

gehandelt. Wie gehen Sie persönlich mit

solchen Planspielen um?

Manuela Schwesig: Mit derartigen Planspielen

beschäftige ich mich nicht. Ich

konzentriere mich auf meine Arbeit als

Ministerpräsidentin und stellvertretende

Parteivorsitzende.

Interview: Karsten Hintzmann und

Frank Nehring

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26 | W+M SCHWERPUNKT

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Auf dem Weg zum führenden

Gesundheitsland in Deutschland

Die Gesundheitswirtschaft gehört zu den wichtigsten und stärksten

Branchen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Landespolitik hat

bereits früh das Potenzial dieses Wirtschaftszweigs erkannt und die

Gesundheitswirtschaft als strategischen Zukunftsmarkt identifiziert.

Im Jahr 2006 wurde die Brache per Landtagsbeschluss zu einem

Entwicklungsschwerpunkt erklärt. Von Karsten Hintzmann

In Mecklenburg-Vorpommern trägt die

Branche maßgeblich zur Wirtschaftskraft

bei. Auf Initiative der BioCon Valley

GmbH, einer Initiative für Life Science

und Gesundheitswirtschaft, die sich

für die wirtschaftliche und wissenschaftliche

Profilierung des Standortes Mecklenburg-Vorpommern

engagiert, wurde in

Kooperation mit dem unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut

WifOR die Studie

„Ökonomischer Fußabdruck – Die Gesundheitswirtschaft

in Mecklenburg-Vorpommern“

erstellt. Darin wurden erstmals

bundesweit vergleichbare Zahlen zur Gesundheitswirtschaft

Mecklenburg-Vorpommerns

ausgewertet. Dabei wurde

unter anderem die volkswirtschaftliche

Bedeutung der Branche für Wirtschaftswachstum,

Arbeitsmarkt und Außenhandel

unter besonderer Berücksichtigung

des Mittelstandes untersucht. Laut Studie

beträgt der Anteil der Gesundheitswirtschaft

an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung

des Landes etwa 15,3

Prozent (rund 5,5 Milliarden Euro) und ist

seit dem Jahr 2006 kontinuierlich gestiegen.

Darüber hinaus generiert ein Euro

Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft

zusätzliche 1,16 Euro in anderen

Branchen des Bundeslandes. Im Jahr

2015 waren in der Gesundheitswirtschaft

Mecklenburg-Vorpommerns 147.600 Erwerbstätige

(etwa 19,9 Prozent des Gesamtarbeitsmarktes)

beschäftigt. Das bedeutet:

Die Gesundheitswirtschaft stellt

jeden fünften Arbeitsplatz. 69 Prozent der

Bruttowertschöpfung der Branche werden

übrigens in mittelständischen Unternehmen,

mit Belegschaften zwischen einem

und 249 Mitarbeitern, realisiert.

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsund

Gesundheitsminister Harry Glawe

(CDU) attestiert der heimischen Gesundheitswirtschaft,

sie sei eine dynamische

Branche mit enormem Potenzial: „Sie ist

schon heute Jobmotor und Wirtschaftsfaktor

für unser Bundesland. Der medizinisch-technische

Fortschritt, das steigende

Gesundheitsbewusstsein und die Digitalisierung

treiben die Veränderungen

in rasanter Weise weiter. Dafür sind wir

gerüstet.“

Die Gesundheitsbranche im nordöstlichen

Bundesland weist einige Besonderheiten

auf, die sie von anderen Re-

Foto: Thomas Schwandt

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 27

Foto: W+M (oben), Rainer Cordes/Freier Fotograf (unten)

gionen unterscheidet. In keinem anderen

Bundesland hat der Gesundheitstourismus

eine so hohe Bedeutung für das

Wachstum und die Beschäftigung der

Gesundheitswirtschaft wie in Mecklenburg-Vorpommern.

Sowohl aus Sicht

des Arbeitsmarktes als auch

der Wirtschaftskraft ist die

Gesundheitsversorgung

in überdurchschnittlichem

Ausmaß durch

stationäre Einrichtungen

geprägt. Das

jährliche Wachstum

der industriellen Gesundheitswirtschaft

ist weit überdurchschnittlich.

Die Herstellung

von Medizintechnik

und Medizinprodukten

sowie die

Forschungs- und Entwicklungsleistungen

auf diesem Gebiet

tragen dazu bei.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern

hat bereits frühzeitig die Gesundheitswirtschaft

als strategisch wichtigen Zukunftsmarkt

erkannt. Im Jahr 2006 beschloss

der Landtag, der Branche den

Status eines Entwicklungsschwerpunktes

zu verleihen. Als Handlungsrahmen

wurde zunächst ein „Masterplan Gesundheitswirtschaft

2010“ festgelegt.

Dieser wurde 2011 als „Masterplan Gesundheitswirtschaft

Mecklenburg-Vorpommern

2020“ fortgeschrieben. Er

zeigt die nationale und internationale Positionierung

der Branche im Land auf und

benennt mit den Bereichen Life Science,

Gesundheitsdienstleistungen, Gesundes

Alter(n), Gesundheitstourismus und Ernährung

für die Gesundheit die fünf wichtigsten

Gestaltungsfelder für die kommenden

Jahre.

Im Rahmen dieser Entwicklungsstrategie

werden die Aktivitäten und Initiativen

der Akteure der Branche abgestimmt

und vernetzt. Hierfür verfügt Mecklenburg-Vorpommern

mit der bereits eingangs

erwähnten BioCon Valley-Initiative

über ein Netzwerk, das sowohl Ansprechpartner

für alle Akteure als auch

Initiator für gesundheitswirtschaftliche

Projekte ist. Darüber hinaus informiert

und berät es, bietet Veranstaltungen,

Messebetreuung sowie Kontaktvermittlung

an und fördert den Wissenstransfer.

Wirtschafts- und Gesundheitsminister in

Mecklenburg-Vorpommern: Harry Glawe.

Die Thematik wird ferner begleitet

und unterstützt durch das

Kuratorium für Gesundheitswirtschaft

des

Landes Mecklenburg-Vorpommern,

das durch Ministerpräsidentin

Manuela

Schwesig

(SPD) einberufen

wird. Mit dem Kuratorium

und den

hier angegliederten

Strategiegruppen

wurde eine

Struktur geschaffen,

die alle Entscheidungsträger

der Wirtschaft, der

Wissenschaft und der Politik in den

Gesamtkontext einbindet. Katja Enderlein,

Geschäftsführerin der MEDIGREIF

Parkklinik GmbH, einem Unternehmen

der MEDIGREIF Unternehmensgruppe,

die unter anderem in Greifswald

und Heringsdorf mehrere Reha-Kliniken

betreibt, ist bereits in zweiter Generation

Mitglied des Kuratoriums. Sie

sagt: „Die ehrenamtliche Mitarbeit

im Kuratorium gibt

mir die Möglichkeit, gemeinsam

mit anderen

fachkompetenten Akteuren

der Gesundheitswirtschaft,

unser

schönes Bundesland

mit zu gestalten

und auch

für die kommenden

Jahrzehnte nicht

nur als Urlauberland,

sondern und

gerade als ein Land

mit hoch spezialisiertem

medizinischen Angebot für Patienten

und Arbeitnehmer attraktiv zu

gestalten. Dabei ist die enge und unkomplizierte

Abstimmung mit den politischen

Entscheidungsträgern ein Garant

für das weitere Aufblühen unseres

Bundeslandes.“

Mitglied im Kuratorium für

Gesundheitswirtschaft: Katja Enderlein.

Einer der wichtigsten Treffpunkte für die

Akteure der Gesundheitswirtschaft ist

die seit 2005 jährlich stattfindende „Nationale

Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft“

in Mecklenburg-Vorpommern.

Sie hat sich zu einem internationalen

Netzwerktreffen und einem wichtigen

Marktplatz für Ideen entwickelt.

Das Land unterstützt seit 2008 die Umsetzung

des Masterplans Gesundheitswirtschaft

unter anderem durch Projektförderung

im Rahmen von jährlichen Ideenwettbewerben.

Hierfür werden Mittel

des Europäischen Fonds für regionale

Entwicklung (EFRE) bereitgestellt. Mit

der Förderung von Maßnahmen zur Stärkung

der Netzwerk- und Clusterstrukturen

sowie branchenspezifischen Projekten

in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit

und Marketing soll die Anpassungsund

Wettbewerbsfähigkeit von kleinen

und mittleren Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft

gestärkt und ein Beitrag

zur Schaffung von zukunftsfähigen,

werthaltigen Arbeitsplätzen für Frauen

und Männer geleistet werden. In den

letzten zehn Jahren wurden vom Wirtschaftsministerium

rund 90 Projekte der

Gesundheitswirtschaft mit insgesamt

rund 12,7 Millionen Euro aus EFRE-Mitteln

bezuschusst. Das Gesamtinvestitionsvolumen

betrug rund 17,2

Millionen Euro.

Gesundheitsminister

Harry Glawe (CDU)

blickt optimistisch

in die Zukunft:

„Der Gesundheitsmarkt

in Mecklenburg-Vorpommern

bietet angesichts

der demografischen

Veränderungen und

des steigenden Bewusstseins

um das

eigene Wohlbefinden

ein großes Potenzial. Unser Ziel ist

es, Mecklenburg-Vorpommern zu einem

führenden Gesundheitsland in Deutschland

zu entwickeln und das Wachstumspotenzial

der Branche für Beschäftigung

und Wertschöpfung optimal zu

nutzen.“

W+M

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


28 | W+M SCHWERPUNKT MECKLENBURG-VORPOMMERN

Wachstum

dank

Förderung

Die erheblichen Investitionen der ZIM Flugsitz GmbH in Schwerin wurden vom Land mit rund 2,16

Millionen Euro bezuschusst.

Die kleinteilig strukturierte Wirtschaft in Mecklenburg-

Vorpommern befindet sich auf Wachstumskurs. Das liegt auch

an den gezielten Fördermaßnahmen, die die Landesregierung

in Schwerin anbietet. Von Karsten Hintzmann

Die Erweiterung der Störtebeker

Braumanufaktur in Stralsund unterstützte das

Land mit knapp 10,2 Millionen Euro.

Nach Angaben des Statistischen Amtes

wuchs die Wirtschaftsleistung

im vergangenen Jahr preisbereinigt

um 1,8 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt

lag bei rund 42,8 Milliarden Euro. Im Vergleich

zum Jahr 2016 entstanden im Vorjahr

9.200 zusätzliche Arbeitsplätze – ein

Plus von 1,7 Prozent. Mit diesem Ergebnis

liegt Mecklenburg-Vorpommern über dem

ostdeutschen Schnitt (1,4 Prozent). Aus eigener

Kraft hätten die Unternehmen diese

positive Entwicklung kaum stemmen können,

schließlich zählen hier 99,5 Prozent

aller Firmen quantitativ zum Mittelstand.

Doch mit Hilfe zahlreicher Förderprogramme

geht es im Land zwischen Neustrelitz

und Boltenhagen weiter bergauf. Allein aus

dem Fördertopf der Gemeinschaftsaufgabe

„Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“

(GRW) – einschließlich der Mittel

aus dem „Europäischen Fonds für regionale

Entwicklung“ (EFRE) – wurden seit 2016 exakt

215 Investitionsvorhaben mit einer Gesamtinvestitionssumme

in Höhe von rund

766,5 Millionen Euro vom Wirtschaftsministerium

mit knapp 138,2 Millionen Euro

unterstützt. Daraus entstanden 1.601 neue

Arbeitsplätze, 7.227 Jobs wurden gesichert.

Zudem konnten im gleichen Zeitraum 91 Infrastrukturvorhaben

mit rund 134,6 Millionen

Euro – bezogen auf eine Gesamtinvestitionssumme

in Höhe von rund 157,5 Millionen

Euro – gefördert werden. Das Geld

dafür floss aus Fördertöpfen der EU, des

Bundes und des Landes.

Seit 1. Januar 2018 gelten im Land neue

Basisfördersätze. So können Vorhaben kleiner

Unternehmen bis zu 25 Prozent gefördert

werden, Projekte mittlerer Unternehmen

bis zu 15 Prozent, Aktivitäten großer

Firmen bis zu zehn Prozent. Die jeweiligen

Basisfördersätze können bei Vorliegen bestimmter

Kriterien noch einmal um bis zu

fünf Prozentpunkte erhöht werden. Voraussetzung

für die Gewährung des Basisfördersatzes

ist allerdings eine tarifgleiche

Entlohnung der zu sichernden und zu

schaffenden Arbeitsplätze.

Im Rahmen der landeseigenen Förderung

von Forschung und Entwicklung wird die

Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren

mit nichtrückzahlbaren Zuschüssen

bei einzelbetrieblichen und Verbundvorhaben

unterstützt. Kleinen und mittleren Unternehmen

wird dabei geholfen, ihre Produktionsprozesse

zu analysieren, digitale

Lösungsvorschläge zu erarbeiten und

diese in Pilotprojekten umzusetzen. Dazu

wird die Inanspruchnahme externen Sachverstands

gefördert (maximal 200.000

Euro). Künftig soll auch die Förderung von

Investitionen möglich sein, die der Umsetzung

von vorher durchgeführten Prozessinnovationen

dienen. Vorgesehen ist, dass

kleine und mittlere Betriebe hierfür einen

Zuschuss von bis zu 50 Prozent der förderfähigen

Ausgaben erhalten, maximal

100.000 Euro.

Angesichts der positiven Zahlen sieht

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU)

die Wirtschaftsförderung in seinem Land

auf dem richtigen Kurs: „Die Wirtschaft im

Land wächst, die Beschäftigung steigt und

die Arbeitslosigkeit ist deutlich zurückgegangen.

Neue Ansiedlungen und zahlreiche

Erweiterungsinvestitionen bestätigen,

dass sich Mecklenburg-Vorpommern zu einem

attraktiven Wirtschaftsstandort entwickelt

hat. Unsere Standortvorteile werden

zunehmend auch überregional und international

wahrgenommen. Hierzu zählen

unsere Investitionsförderung, ein attraktives

Angebot an Gewerbeflächen und eine

modern ausgebaute Infrastruktur. Damit

können wir punkten. Wir werden weiter

die gezielte Förderung von Neuansiedlungen

und Erweiterungen, der Gesundheitswirtschaft,

Existenzgründungen sowie

Forschung, Entwicklung und Innovation

vorantreiben.“

W+M

Foto: ZIM Flugsitz GmbH (oben), Thomas Schwandt (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


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30 | W+M TITEL

Der Windpark Baltic 1 vor der

Küste Mecklenburg-Vorpommerns.

Der Osten

steckt voller Energie

Die ostdeutschen Bundesländer verstehen sich als Vorreiter der

Energiewende. Doch der Ausbau der Erneuerbaren Energien stockt.

Es fehlt an Verteilnetzen und Großspeichern. Brandenburg möchte

nun als Pilotland für Speichertechnologien neue Wege gehen.

Von Matthias Salm

Der Startschuss ist gefallen: Im Frühjahr

kündigte Brandenburgs Wirtschaftsminister

Albrecht Gerber

(SPD) ein „1.000-Speicher-Programm“ an.

Rund sieben Millionen Euro, so die Planung,

stehen demnach für Privathaushalte

bereit, die etwa mit Photovoltaik-Anlagen

eigenen Strom erzeugen. Diese könnten

dank großzügiger Zuschüsse dann in eigene

Kleinspeicher investieren und so Brandenburgs

Stromnetz entlasten.

WINDENERGIE 2017 (ONSHORE)

Brandenburg besitzt in Ostdeutschland die meisten Windräder.

Speicherland Brandenburg

Das Förderprogramm der Investitionsbank

des Landes Brandenburg sieht einen

Zuschuss von bis zu 50 Prozent für die

Anschaffung der Speicher vor. Lithium-

Ionen-Batterien in brandenburgischen

Eigenheimen sind aber nur ein kleiner

Schritt. Brandenburgs Vision ist größer:

Das Land möchte sich in den kommenden

Jahren als Speicherland der Republik

profilieren. Insbesondere die Lausitz

will die Landesregierung nach Auslaufen

des Braunkohlabbaus zur Modellregion

für Speichertechnologie umgestalten.

Von einem Batterie-Großprojekt bis

zur Ansiedlung eines Fraunhofer-Instituts

für Speichertechnologien in Cottbus reichen

die Wunschvorstellungen der Potsdamer

Landesregierung. Gerade weil die

Speicherentwicklung noch ganz am Anfang

stehe, gebe es erhebliche Poten ziale,

Speicherwertschöpfung in der Lausitz anzusiedeln,

ist Wirtschaftsminister Gerber

überzeugt.

Die Pläne kommen nicht von ungefähr:

Schon jetzt genießt Brandenburg beim

Ausbau der Erneuerbaren Energien einen

guten Ruf. Das klassische Braunkohleland

rangiert bei der Nutzung der

Onshore-Windenergie beispielsweise an

dritter Stelle im Ranking der Bundesländer.

Im Jahr 2017 wurden in Brandenburg

171 neue Windenergieanlagen installiert.

Insgesamt standen auf märkischem Boden

Ende 2017 3.734 Anlagen mit einer

Anlagen

Leistung in Megawatt

Brandenburg 3.734 6.794

Sachsen-Anhalt 2.863 5.118

Mecklenburg-Vorpommern 1.889 3.253

Sachsen 891 1.199

Thüringen 837 1.470

Foto: EnBW; Quelle Schaubild: Bundesverband Windenergie

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


ENERGIE | 31

Quelle Schaubild: Agentur für Erneuerbare Energien

kumulierten

DIE

Sachsen-Anhalt

setzt auf grünen Strom

Auch Sachsen-Anhalt geht bei der

Energiewende mit gutem Beispiel voran.

Mit einem Anteil von über 20 Prozent

decken die Erneuerbaren Energien

in Sachsen-Anhalt bereits heute einen

vergleichsweise hohen Anteil des Primärenergieverbrauchs.

Zwischen Harz

und Elbe dominieren Bioenergie und

Windkraft. Vor allem beim Wind dreht

sich was: Im Jahr 2017 wurden in Sachsen-Anhalt

76 neue Windenergieanlagen

mit einer Leistung von 227 Megawatt

errichtet. So rotierten Anfang des Jahres

2.863 Anlagen mit einer gesamten

Leistung von 5.118 Megawatt im klassi-

TITEL-

STORY

Leistung

von 6.794 Megawatt

(MW), bilanzierte

jüngst der Bundesverband

Windenergie.

Weht der Wind kräftig, könnten die

Märker über 45 Prozent ihres Stromverbrauchs

mit Windstrom decken. Und der

grüne Strom schafft auch Arbeitsplätze:

In Lauchhammer etwa werden Rotorblätter

für Vestas-Windenergieanlagen gefertigt.

Das Unternehmen kündigte jüngst

einen Stellenausbau für den Standort an.

Nebenbei: Brandenburg ist bundesweit

auch führend bei der Nutzung von Erdwärme:

2017 wurden in der Mark erneut

die meisten oberflächennahen Geothermieanlagen

pro Kopf eingebaut.

PHOTOVOLTAIK 2017

Bei der Nutzung der Sonnenenergie

liegt Brandenburg an der Spitze

der ostdeutschen Länder

Installierte


Leistung in Megawatt

Brandenburg 3.379

Sachsen-Anhalt 2.239

Sachsen 1.740

Mecklenburg-Vorpommern 1.667

Thüringen 1.324

Berlin 97

Doch dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren

Energien sind Grenzen gesetzt.

Bundesweit bremsen der mangelnde

Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze,

ein unzureichendes Lastmanagement

und die stockende Förderung innovativer

Speichertechnologien im industriellen

Maßstab das Wachstum. Regional

wehren sich in Brandenburg immer mehr

Kommunen und Bürger gegen die Windkraft.

Sie kritisieren die so genannte „Verspargelung“

der märkischen Landschaft

und opponieren gegen den Windpark vor

der eigenen Haustür. Das Land ringt daher

um Akzeptanz für die Energiewende

und sucht nach Lösungen für mehr Bürgerbeteiligung.

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32 | W+M TITEL

fast 1.600 Megawatt. Die Windbranche

in Thüringen zählt derzeit etwa 2.400 Arbeitsplätze.

Führend ist Thüringen allerdings

auf einem anderen Gebiet: Der Anteil

der Biomasse an der Stromerzeugung

ist hier so hoch wie in keinem anderen

Bundesland.

BESCHÄFTIGTE ERNEUERBARE

ENERGIEN 2016

In Sachsen-Anhalt haben besonders

viele Arbeitnehmer einen Job

in Unternehmen der Erneuerbaren

Energien gefunden.

Die neuen Bundesländer gehören zu den

führenden Windkraftstandorten.

schen Industrieland von Chemie und Maschinenbau.

Und das schwarz-rot-grüne

Regierungsbündnis in Magdeburg setzt

ohne Wenn und Aber auf die Energiewende

und hat das Ende der Braunkohle

bereits ausgerufen. Mit dem Auskohlen

des Tagebaus Profen soll das Kohlezeitalter

etwa im Jahr 2035 Geschichte

sein.

Klimaschutz in Thüringen

Beim südlichen Nachbarn Thüringen

produzieren Windenergieanlagen fast

ein Viertel des erzeugten Stroms. Aktuell

drehen sich im Freistaat rund 840

Windräder mit einer Gesamtleistung von

Der rot-rot-grünen Landesregierung

reicht das aber nicht. Ein Prozent der

Landesfläche im Freistaat soll künftig für

die Windenergie zur Verfügung stehen.

Überhaupt will Erfurt mit einem eigenen

Klimagesetz einen Trend setzen und bis

2030 den Ausstoß von Treibhausgasen

um 60 bis 70 Prozent reduzieren. Dabei

hilft nicht nur der Ausbau der Erneuerbaren

Energien: Den Gebäudebestand will

der Freistaat zügig sanieren und für Erneuerbare

Energien soll ein verbindlicher

Anteil bei der Deckung des Wärme- und

Kältebedarfs in Gebäuden vorgeschrieben

werden.

BRUTTOSTROMERZEUGUNG IN DEUTSCHLAND IM 1. HALBJAHR 2018

Mit insgesamt 36,2 Prozent trugen die Erneuerbaren Energien in der ersten Jahreshälfte

2018 mehr zur Stromerzeugung bei als die Kohleverstromung.

Energieträger

(Anteile in Prozent)

Braunkohle 22,5

Wind onshore 14,7

Steinkohle 12,6

Erdgas 12,3

Kernenergie 11,3

Photovoltaik 7,3

Biomasse 7,1

Sonstige 5,0

Wasser 3,3

Wind offshore 2,9

Siedlungsabfälle 0,9

Sachsen-Anhalt 24.850

Brandenburg 18.640

Sachsen 15.140

Mecklenburg-Vorpommern 14.870

Thüringen 9.680

Berlin 4.550

In Sachsen dominiert Kohle

Im Industrieland Sachsen hingegen fungiert

die Braunkohle immer noch als wichtiger

Energielieferant. Der Ausbau der

Windenergie geht eher schleppend voran,

obgleich eine 2017 vorgestellte Windpotenzialstudie

ungenutzte Möglichkeiten

aufzeigt. Doch laut dem Statusreport 2018

der Agentur für Erneuerbare Energien erreichte

Sachsen in den vergangenen drei

Jahren flächenbezogen jeweils den geringsten

Zubau an Windkraftanlagen aller

Länder mit Ausnahme der Bundeshauptstadt

Berlin. Dresden baut stattdessen

eher auf eine Steigerung der Energieeffizienz

und setzt mit einem Masterplan

Energieforschung auf die renommierte

Forschungslandschaft im Freistaat.

Mecklenburg-Vorpommern exportiert

Auch die Energiebilanz Mecklenburg-Vorpommerns

hat sich kräftig verschoben.

Die Energiewende wandelte das traditionelle

Strombezieherland zu einem Exporteur.

Das Küstenland könnte sich allein mit

der Stromerzeugung aus Erneuerbaren

Energien seit geraumer Zeit selbst versorgen.

Kein anderes Bundesland generiert

relativ zur gesamten Wirtschaftskraft mehr

Umsätze mit den Erneuerbaren Energien

als das Land an der Ostsee. Mit den 58

neu installierten Wind energieanlagen im

zurückliegenden Jahr drehen sich nun an

insgesamt 1.889 Anlagen die Windflügel

und bringen es auf eine Leistung von 3.253

Megawatt. Bis 2025 möchte die Schweriner

Regierung 6.000 Megawatt Leistung

aus Windenergie einspeisen.

Nicht zu vergessen die Offshore-Anlagen

in der Ostsee: Gerade erst haben die

Unternehmen Iberdrola und KNK Wind

die Genehmigung für drei weitere Anlagen

bekommen. Die drei Vorhaben sind

rund um die Windparks vor Rügen geplant,

die bereits in Betrieb oder gerade

im Bau sind. Sie sollen insgesamt drei

bis vier Millionen Megawattstunden erzeugen,

der Jahresbedarf für etwa eine

Million Haushalte.

W+M

Foto: Windpark Druiberg/Bundesverband WindEnergie e.V.; Quellen Schaubilder: Agentur für Erneuerbare Energien (oben), Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


ENERGIE | 33

RAGNITZ KOMMENTIERT

Energiewende – Fluch oder

Segen für den Osten?

Grafik: Designed by Freepik, Foto: ifo

Der Osten ist ja nun „wendeerprobt“ –

und schon deswegen sollte man hier

keine Angst vor der von der Bundespolitik

als Ziel ausgegebenen „Energiewende“

haben. Oder vielleicht doch? Bislang

funktioniert der Umbau des Energiesystems

ja nicht so wirklich gut, ein echter Plan

ist nicht zu erkennen, und derweil steigen

die Kosten insbesondere für die privaten

Stromverbraucher ins Unermessliche. Sollte

man die Energiewende deshalb vielleicht

besser absagen?

Worum geht es eigentlich? Im Vordergrund

der Energiewende steht der Ersatz von fossilen

Energieträgern (Öl, Gas und Kohle) durch

regenerative Energien (Wind, Sonne, Biomasse,

aber auch Wasserkraft und Erdwärme).

Hierdurch soll ein Beitrag zur Begrenzung

des globalen Klimawandels geleistet

werden, da dieser ansonsten zu einer lebensgefährdenden

Bedrohung für große Teile der

Welt werden dürfte. Technisch ist dies alles

kein größeres Problem, und auch die vieldiskutierte

Speicherproblematik scheint auf

mittlere Sicht lösbar. Aber es geht ja nicht

nur um die technische Machbarkeit und Details

der Umsetzung; Energie muss auch kostengünstig

zur Verfügung stehen, wenn man

den Wohlstand nicht gefährden will. Deswegen

geht es nicht nur um die auf jeden Fall

kostenträchtige Umstellung der Energieerzeugung,

sondern auch um eine Verringerung

der Nachfrage, da hierdurch ein Druck

auf die Preise ausgelöst wird. Vor allem der

Verkehrssektor und die Gebäudewirtschaft

bieten noch erhebliche

Potenziale zur Energieeinsparung

– die „Mobilitätswende“

und die

„Wärmewende“ sind

insoweit gleichberechtigte

Bestandteile einer

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

ist Managing Director des

ifo-Instituts Dresden.

auf weitgehende Klimaneutralität abzielenden

Dekarbonisierung. Was hier zu tun ist,

wird bislang nur in Fachkreisen, aber kaum

in Öffentlichkeit und Politik diskutiert, geschweige

denn wirksam umgesetzt.

Nimmt man die Ziele der Energiewende

ernst, so führt an einem tiefgreifenden Umbau

der Energieversorgung wohl kaum ein

Weg vorbei, und wie immer gibt es dabei Gewinner

und Verlierer. Wie bei allen grundlegenden

Neuerungen haben die Regionen die

günstigsten Perspektiven, die sich schnell

anpassen können und die noch nicht auf bestimmte

Technologien oder Sektorstrukturen

festgelegt sind. Hier liegt die große Chance

für Ostdeutschland, so indem sich vorhandene

Unternehmen entsprechend neu ausrichten

oder gar neue Investoren für Produktionsstätten

für energiesparende Produkte, für

neue Anwendungen zum Beispiel in der Elektromobilität

oder auch für Ausrüstungsgüter

für die Energiewirtschaft gefunden werden.

Auch die an vielen ostdeutschen Hochschulen

und Forschungseinrichtungen vorhandenen

Potenziale in der Energieforschung stellen

hier einen Standortvorteil dar. Schließlich

können die ostdeutschen Bundesländer auch

mit günstigen Bedingungen für die Erzeugung

regenerativer Energien aufwarten: Es

gibt viel Platz für Windräder, Photovoltaik-Anlagen,

den Anbau von Energiepflanzen, und

auch die geografischen Bedingungen –

Windgeschwindigkeiten, Sonnenscheindauer,

Bodenbeschaffenheit – sind in

weiten Teilen Ostdeutschlands

günstiger als anderswo in

Deutschland.

Hemmnisse bestehen

derzeit eher darin,

den Umbau des

Energiesystems

auch umzusetzen.

Man benötigt Stromleitungen,

insbesondere

nach Süddeutschland,

wo viele energiehungrige Unternehmen ihren

Sitz haben; die Stromkosten sind wegen

der benachteiligenden Anlastung der

Netzentgelte schon jetzt in Ostdeutschland

höher als anderswo und könnten möglicherweise

noch weiter ansteigen; bislang gibt es

nur vage Ideen, wie der Strukturwandel in

den Braunkohleregionen so gestaltet werden

kann, dass der mittelfristig unvermeidbare

Ausstieg aus der Braunkohleverstromung

ohne größere Belastungen für die Betroffenen

einhergeht. Diese Probleme müssen gerade

auch im Interesse Ostdeutschlands bald

gelöst werden, und zwar auf Bundesebene.

Aber die Energiewende absagen – das geht

sicherlich nicht.

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34 | W+M TITEL

Netzbetreiber

im Wandel

Den Anstoß für den E.DIS-internen

Transformationsprozess gaben nicht

allein die Herausforderungen, die mit

der Energiewende und der Digitalisierung

verbunden sind, sondern eine unternehmerische

Entscheidung, die vor fünf Jahren

getroffen wurde. E.DIS-Vorstandschef

Dr. Alexander Montebaur: „Damals trennten

wir uns ganz bewusst von unserem Vertrieb.

Seither kann man bei uns nicht mehr

direkt Strom oder Gas kaufen. Angesichts

dieser Zäsur stellte sich uns die Frage, ob

wir uns künftig auf die Rolle des regulierten

Netzbetreibers beschränken oder aber

deutlich breiter aufstellen sollten. Die Antwort

darauf hat der Markt gegeben.“

Sowohl die Kommunen als auch Firmenkunden

hätten, so Montebaur, zum Teil völlig

neue Ansprüche an die Energieversorgung:

„Sie erwarten nicht nur, dass wir rund um

die Uhr Strom in gleichbleibend hoher Qualität

liefern, sondern dass wir auch in flankierenden

Geschäftsfeldern rund um das Thema

Energie mit unserer energiewirtschaftlichen

Kompetenz auftreten.“

Bei E.DIS setzt man auf E-Mobilität.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 betreibt die heutige E.DIS mit

ihren mehr als 1.400 Mitarbeitern in weiten Teilen der Länder

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern das Stromnetz.

Derzeit durchlebt das Unternehmen einen groß angelegten

Transformationsprozess. Der einst fast ausschließlich auf den

Netzbetrieb fokussierte Konzern soll fit gemacht werden für

die Zukunft. Auf dem Weg dorthin erschließt sich die E.DIS-

Gruppe völlig neue Geschäftsfelder. Von Karsten Hintzmann

Heute erbringt die E.DIS AG mit ihren mittlerweile

neun Tochterunternehmen vielfältigste

Dienstleistungen. Das Kerngeschäft

– den Netzbetrieb – verantwortet die E.DIS

Netz GmbH. Daneben ist die e.dialog Netz

GmbH auf Services für die Energiebranche

spezialisiert, von der Kundenbetreuung

über Abrechnung, Marktkommunikation

bis hin zum Forderungsmanagement.

Die e.disnatur Erneuerbare Energien GmbH

hat sich im Bereich der Stromerzeugung auf

die Projektierung, Planung, Errichtung und

den Betrieb von Windenergieanlagen konzentriert.

Die E.ON edis energia ist auf dem

benachbarten polnischen Strom-, Erdgasund

Wärmemarkt aktiv. Die BMV Energie

Beteiligungs GmbH & Co. KG ist ein Beteiligungsunternehmen,

das zahlreiche Erneuerbare-Energien-Anlagen

betreibt. Hier können

sich Kommunen bei der Gestaltung der

Energiewende einbringen und daran partizipieren.

Die Gesellschaft betreibt Windparks

und eine Biogasanlage. Die NWS Netz- und

Wartungsservice GmbH realisiert die technische

Betriebsführung des Strom- und Erdgasnetzes

der Stadt Schwerin und bietet

in diesem Umfeld diverse Serviceleistungen

an. Die E.ON edis Contracting GmbH

Foto: E.DIS AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


ENERGIE | 35

Fotos: W+M

wiederum betreibt die Energiezentralen des

Flughafens Schönefeld sowie für den künftigen

Großflughafen Berlin-Brandenburg –

sie liefert Strom, Wärme, Kälte und hält

eine Notstromversorgung vor.

Die e.distherm Wärmedienstleistungen

GmbH ist Spezialist für bedarfsgerechte

und umweltverträgliche Wärmeversorgung

in der Region. Das Unternehmen projektiert

und bewirtschaftet Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung,

zur dezentralen Energieversorgung

und Fernwärme-Auskopplung für

Kommunen bis hin zu großen Liegenschaften.

Dr. Alexander Vogel, Geschäftsführer

bei e.distherm erläutert: „Gestartet sind wir

mit Standorten für Fernwärme. Der nächste

Schritt ging hin zu Objektlösungen für Wärme

und Strom. Hier setzen wir jetzt zunehmend

an. Inzwischen sind wir als kompletter

Dienstleister in Quartieren aktiv. Dort

bieten wir die Wärme- und Stromversorgung

an, haben Mieterstrom im Portfolio

und setzen auf Nachhaltigkeit und Erneuerbare

Energien.“

Michael Gadow, Geschäftsführer

e.discom Telekommunikation GmbH.

Dr. Alexander Montebaur,

E.DIS-Vorstandschef.

Die e.discom Telekommunikation GmbH ist

mit aktuell rund 100 Mitarbeitern am Markt.

Die E.DIS-Tochter bietet Telekommunikationsdienstleistungen

an und verfügt über

ein weit verzweigtes Netz auf der Basis eigener

Glasfaser- und Kupferkabel. Michael

Gadow, Geschäftsführer bei e.discom:

„Bei der Betreuung unserer Geschäftskunden

haben wir bereits früh auf Glasfaser gesetzt.

Dieser Vorsprung ermöglicht es uns,

jetzt nicht nur Geschäftskunden mit Glasfaser

zu versorgen. Wir bewerben uns derzeit

in verschiedenen Regionen und Landkreisen

um den Glasfaserausbau und sind

optimistisch, was den Zuschlag betrifft.

Dort, wo es gewünscht wird, sind wir in

der Lage, Glasfaser bis direkt ins Haus zu

legen.“

Bei allen internen Entwicklungen hat die

E.DIS AG die Zukunft im Blick. Das verdeutlichen

nicht nur die Tochterfirmen,

sondern auch die zusätzlichen Felder, auf

denen sich das Unternehmen engagiert.

Der brandenburgische E.DIS-Standort Ketzin,

wo bislang eine Biogasanlage betrieben

wird, soll zu einem Kristallisationskern

für ein Er neuerbare-Energien-Labor ausgebaut

werden. E.DIS-Chef Montebaur: „Neben

der Biogasanlage haben wir dort bereits

einen kleinen Windpark und ein Umspannwerk

installiert. Geplant sind eine

Batterie- und eine Power-to-Gas-Anlage.

Unser Ziel ist es, das Zusammenspiel

dieser unterschiedlichen Energiekomponenten

voranzubringen.“ Am Ende soll es

marktfähige Lösungen geben, die dann

direkt in Wohnsiedlungen und Quartieren

zum Einsatz kommen.

Auch am Thema Elektromobilität arbeitet

man bei E.DIS. Alexander Montebaur: „Viele

Kommunen überlegen derzeit, wie sie

E-Mobility-fähig werden. Wir helfen dabei,

Konzepte zu entwickeln, wir liefern Technik,

Netzanschlüsse und installieren Ladestationen.

Die Gretchenfrage ist heute noch: Wer

bezahlt die Ladeinfrastruktur? Hier unterstützen

wir die Kommunen dabei, die entsprechende

Förderung zu erhalten.“

Nicht alle Neuentwicklungen müssen aus

der eigenen Forschungsabteilung kommen.

Bei E.DIS setzt man auf Kooperationen mit

interessanten Start-ups. So entwickelt E.

DIS gemeinsam mit einem jungen Unternehmen

aus Köln eine interaktive Landkarte,

die mit dem kompletten firmeneigenen

Energienetz aufgeladen ist. So finden interessierte

Investoren binnen weniger Minuten

die optimalen Plätze und Verknüpfungspunkte

zum Beispiel für neue Photovoltaikanlagen.

Der Prüfprozess kann so um rund

acht Wochen verkürzt werden. Gemeinsam

mit dem bekannten Liftanlagenhersteller

Leitner AG hat sich die E.DIS AG am Startup

„b.ventus“ beteiligt. Eine Firma, die auf

die Errichtung von Windenergieanlagen

für die Eigenstromversorgung spezialisiert

ist. E.DIS-Chef Montebaur: „Diese Anlagen

sind nur 50 Meter hoch, haben eine Einspeiseleistung

von etwa 250 Kilowatt und lassen

sich mit einer einfachen Baugenehmigung

– ohne aufwendiges Prüfverfahren –

errichten.“

Dr. Alexander Vogel, Geschäftsführer der

e.distherm Wärmedienstleistungen GmbH.

Der Weg von E.DIS ist, so beschreibt es

Alexander Montebaur, „mit Wachstum

überschrieben“. Diese Strategie wird mit

einer klaren Botschaft an die Belegschaft

verknüpft: „Bei uns wird jeder gebraucht,

auch wenn sich im Einzelfall die konkrete

Beschäftigung ändern kann.“ Der Transformationsprozess

werde dann am besten gelingen,

so der E.DIS-Vorstandsvorsitzende,

wenn er durch die Eigeninitiative und Kreativität

der Mitarbeiter getragen wird.W+M

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


36 | W+M TITEL

„Gas ist Ausgangspunkt und zugleich

Motor unseres wirtschaftlichen Erfolgs“

Interview mit Bodo Rodestock, Mitglied des Vorstands der VNG AG

Bodo Rodestock: Leipzig gehört zur

DNA der VNG. Hier sind unsere Wurzeln,

hier sind wir zu Hause. Von hier aus

steuert beispielsweise unser unabhängiger

Fernleitungsnetzbetreiber ONTRAS

das zweitlängste Ferngasnetz Deutschlands.

Leipzig ist aber auch ein attraktiver

Standort für uns. Viele unserer Mitarbeiter

stammen aus der Region. Die Attraktivität

Leipzigs spielt generell eine immer

größere Rolle bei der Gewinnung neuer

Fachkräfte aus dem In- und Ausland. Damit

meine ich aber nicht nur die hervorragende

Hochschuldichte, sondern auch

die Infrastruktur, die Kulturlandschaft und

die sehr hohe Lebensqualität.

Der Hauptsitz der VNG-Gruppe in Leipzig.

W+M: Die VNG AG begeht 2018 ihr 60.

Jubiläum. Auf welche Meilensteine können

Sie zurückblicken?

Bodo Rodestock: 60 Jahre Unternehmensgeschichte

erfüllen uns mit Stolz.

VNG hat es geschafft, sich in zwei gesellschaftlichen

Systemen zu behaupten

und ist in einem sich stetig verändernden

Energieumfeld immer zukunftsfähig geblieben.

Wer kann das schon von sich behaupten?

Wenn ich es auf einige wenige

Meilensteine beschränke, war sicher die

Gründung der VNG AG im Jahr 1990 ein

wichtiges Moment, denn immerhin erfolgte

sie zwei Tage vor Inkrafttreten der

Wirtschafts- und Währungsunion. VNG

ist sehr schnell in die Marktwirtschaft gestartet

und hat sich den damals anstehenden

Themen tatkräftig und konsequent

gestellt. Dazu zählte auch die bis

1995 erfolgte Umstellung von Stadtgas

auf Erdgas, womit CO 2

-Einsparungen von

fast 50 Prozent gegenüber 1985 erzielt

wurden. Erdgas war der Schlüssel für

ein modernes Energiesystem. Die erste

Energiewende haben wir damals

in Ostdeutschland schon erfolgreich

gemeistert. In den 1990erund

2000er-Jahren haben wir

uns europäisch und international

ausgerichtet. Das waren wichtige

Schritte in die Diversifizierung mit

Mut und Unternehmergeist. 2017

haben wir das Unternehmen neu

aufgestellt und mit unserer

Strategie „VNG 2030+“

den Grundstein für die

VNG der Zukunft gelegt.

W+M: VNG ist eines

der ganz großen

Unternehmen

in Ostdeutschland.

900 der insgesamt

1.200 Beschäftigten

arbeiten

in Leipzig. Wie

wichtig ist der

Standort für das

Unternehmen?

VNG-Vorstand

Bodo Rodestock.

Fotos: VNG AG (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


ENERGIE | 37

W+M: Wie wichtig ist es für Ostdeutschland,

so ein Unternehmen wie die VNG

vor Ort zu haben?

Foto: W+M

Bodo Rodestock: Diese Frage müssten

eigentlich andere beantworten. Wichtig

für die Region ist doch, dass es Unternehmen

gibt, die zur Wirtschaftskraft beitragen

und sich gesellschaftlich engagieren.

VNG ist nicht nur ein guter Steuerzahler,

sondern auch ein Arbeitgeber für

900 Mitarbeiter, die in einem guten Tarifgefüge

leben und eine entsprechende

Kaufkraft entwickeln. Auch als Auftraggeber

für Unternehmen in der Region und in

Ostdeutschland ist VNG wichtig. Nach unseren

Berechnungen profitieren allein in

Sachsen circa 1.800 Arbeitsplätze und in

Ostdeutschland 7.200 Arbeitsplätze direkt

oder indirekt vom Agieren der VNG. Zudem

arbeiten wir auch eng mit den Hochschulen

und Universitäten der Region zusammen,

die für uns bei der Rekrutierung

neuer Fachkräfte enorm wichtig sind. Betonen

möchte ich auch unser soziales Engagement.

Mit unserer VNG-Stiftung als

Trägerin der Initiative „Verbundnetz der

Wärme“ fördern wir gemeinnützige und

soziale Projekte hier in unserer Region.

W+M: Wie verändert sich ein Konzern

wie die VNG in Zeiten der Globalisierung,

Digitalisierung und Energiewende?

VNG-Vorstand Bodo Rodestock im Gespräch mit W+M-Herausgeber Frank Nehring (l.).

Bodo Rodestock: Für VNG wirken neben

der Globalisierung und Digitalisierung

vor allem Trends wie die Dekarbonisierung,

der demografische Wandel,

Energieeffizienz und die Dezentralisierung

der Energieerzeugung. Das stabile

Geschäftsmodell der letzten 60 Jahre

erfährt eine drastische Veränderung. Das

heißt, wir müssen uns heute die Frage

stellen, mit welchen Geschäftsmodellen

wir auch künftig erfolgreich sein können.

Wir suchen vornehmlich Wachstumspotenziale

in angrenzenden Geschäftsfeldern.

Daneben gewinnen aber auch neue

Geschäftsfelder an Bedeutung. Dabei

konzentrieren wir uns natürlich auf unsere

Stärken und Kompetenzen. Gas steht

hier weiterhin im Mittelpunkt. Das erklärte

Ziel unserer Strategie „VNG 2030+“ ist

es, unser Unternehmen sicher und erfolgreich

aufzustellen und eine klare Perspektive

aufzuzeigen. Wir packen diese Themen

konsequent und mit großem Elan

an, der von einem kulturellen Wandel im

Unternehmen begleitet wird.

W+M: Wie bewerten Sie das Memorandum

M20siebzehn des OWF.ZUKUNFT,

wonach Ostdeutschland bundesweit zum

Vorreiter der digitalen Wende werden

sollte und der Aufholprozess der neuen

Länder dadurch beschleunigt werden

könnte?

Bodo Rodestock: Die strukturellen Unterschiede

zwischen Ost und West bestehen

ja auch 28 Jahre nach der Wende

weiterhin. Da ist es gut, jetzt zu fragen,

warum das so ist. Mit einer kritischen

Analyse können wir Themen finden, die

neue Chancen für Ostdeutschland ermöglichen.

Deshalb begrüße ich auch

das Memorandum ausdrücklich. Ostdeutschland

braucht eigene Ideen, Visionen

und Ziele für die digitale Wende.

Es muss jedoch gelingen, die entscheidenden

Player aus Politik, Wissenschaft

und Wirtschaft an einen Tisch zu bringen.

Nur gemeinsam können wir die Attraktivität

Ostdeutschlands weiter verbessern.

W+M: Wie zeitgemäß ist Erdgas als Energieträger?

Worin liegen die wesentlichen

Vorteile von Erdgas im Vergleich zu anderen

Energieträgern?

Bodo Rodestock: Erdgas ist der klimaschonendste

und emissionsärmste fossile

Energieträger. Deshalb können wir auch

einen echten Beitrag zu einem schnellen

und bezahlbaren Klimaschutz leisten. In

rund 50 Prozent aller Haushalte wird mit

Erdgas geheizt. Die Bürger vertrauen also

auf Erdgas, weil es offensichtlich das bedient,

was gewünscht wird. Umweltverträglichkeit,

Versorgungssicherheit und

Bezahlbarkeit. Gas ist aber vor allem deswegen

zeitgemäß, weil es auch grün

kann. Durch den Einsatz von Biogas ist

Gas heute schon zunehmend erneuerbar

und durch die Power-to-Gas-Technologie

hat Gas das Potenzial, zukünftig gänzlich

CO 2

-neutral zu werden.

W+M: Warum ist Erdgas, trotz seiner

nachweislichen Stärken, nicht so sehr

im Fokus der Energiewende?

Bodo Rodestock: Bisher dominiert überwiegend

die „Stromwende“ die mediale

Wahrnehmung. Die nächste große Energiewende

– nämlich die im Wärmemarkt

– steht aber noch bevor. Hier steht Gas

absolut im Fokus, weniger in den Medien,

vor allem aber bei den Verbrauchern.

Im ersten Quartal 2018 wurden in 39 Prozent

aller Neubauten Gasheizungen eingebaut.

Die Verbraucher, die bereits mit

Gas heizen, sind damit sehr zufrieden,

über 90 Prozent würden sich wieder für

eine Gasheizung entscheiden. Ehrlich gesagt

finde ich es auch besser, wenn Gas

vor allem im Fokus der Verbraucher steht.

Eine reine mediale Diskussion bringt die

Energiewende nicht voran.

Interview: Frank Nehring

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


38 | W+M TITEL

Energieeffizienz lohnt sich

Kleinere und mittlere Unternehmen scheuen häufig Investitionen

in die energetische Modernisierung ihres Betriebs. Doch der

Aufwand lohnt: Auch weil Bund und Länder Investitionen in die

Gebäudesanierung und in energieeffiziente Maschinen großzügig

fördern. Von Matthias Salm

Die größten Energiefresser im Unternehmen

sind meist hinlänglich

bekannt: In der Industrie ist es beispielsweise

die Prozesswärme. Sie ist für

zwei Drittel des industriellen Gesamtenergieverbrauchs

verantwortlich. Im Handel

sowie im Dienstleistungssektor bieten die

Gebäudeheizung und -beleuchtung große

Einsparpotenziale.

Das Netzwerk „EnEff Bäckerei – Energieeffizienz

in Bäckereien“ hat beispielsweise

errechnet, dass allein rund 56 Prozent

des gesamten Energiebedarfs einer Bäckerei

mit Filialen in der Backstube eingesetzt

wird – die Hälfte davon für das Backen

selbst. Ein beträchtlicher Teil dieser

Energie verpufft ungenutzt: Beim Backprozess,

so schätzen die Experten, gehen

beispielsweise etwa 20 Prozent der eingesetzten

Energie als Schwaden und weitere

20 Prozent als Abgase verloren. Solche

Verluste treffen nicht nur Bäckereien. Laut

Deutscher Energieagentur könnten deutsche

Unternehmen beispielsweise rund

fünf Milliarden Euro pro Jahr einsparen,

wenn Abwärmeverluste konsequent unterbunden

würden.

Kleine und mittlere Unternehmen sollten

deshalb jetzt die günstigen Förderprogramme

von Bund und Ländern zur Förderung

der Energieeffizienz nutzen und die

Energieverluste im eigenen Betrieb drastisch

senken. Ein Überblick über die wichtigsten

Förderprogramme:

Bund

Das „KfW-Energieeffizienzprogramm –

Abwärme“ gewährt für Investitionen in die

Vermeidung und Nutzung von Abwärme

bis zu 25 Millionen Euro Kredit mit attraktivem

Tilgungszuschuss. Damit unterstützt

die KfW Investitionen in die Modernisierung,

die Erweiterung oder den Neubau

von Anlagen im Bereich Abwärmevermeidung

und -nutzung. Der Investitionszuschuss

beträgt im Regelfall 30 Prozent,

kleine und mittlere Unternehmen erhalten

als Bonus bis 40 Prozent der förderfähigen

Investitionsmehrkosten. Weitere Informationen:

www.kfw.de/294.

Das „KfW-Energieeffizienzprogramm –

Produktionsanlagen/-prozesse“

fördert Energieeffizienzmaßnahmen

im Bereich Produktionsanlagen

und -prozesse

in gewerblichen Unternehmen

mit zinsgünstigen Darlehen. Bei

hoher Energieeinsparung (mindestens

30 Prozent) erhalten Unternehmen

besonders günstige Konditionen.

Gefördert werden Investitionen, die eine

Energieeinsparung von mindestens zehn

Prozent erzielen, gemessen am Durchschnittsverbrauch

der letzten drei Jahre.

Bei Neuinvestitionen richtet sich die Einsparung

nach dem branchendurchschnittlichen

Verbrauch. Weitere Informationen:

www.kfw.de/292

Mit dem „KfW-Energieeffizienzprogramm

– Energieeffizient Bauen und Sanieren“

unterstützt die KfW den Neubau, den

Ersterwerb und die Sanierung gewerblicher

Gebäude mit dem Ziel der Energieeinsparung.

Als Einzelmaßnahmen können

per Darlehen etwa die Wärmedämmung,

Maßnahmen zur Erneuerung der

Lüftungs- und Klimaanlagen inklusive Wärme-

und Kälterückgewinnung oder eine

energieeffiziente Beleuchtung finanziert

werden. In der Regel gewährt die KfW bis

zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben. Weitere

Informationen: www.kfw.de/276

Berlin

Die Investitionsbank Berlin hat in ihrem

Förderprogramm „Berlin Kredit“ ein Umweltfenster

eingerichtet. Es bietet eine

günstige Finanzierung von Investitionen

mit Energieeinspareffekten. Bis zu zehn

Millionen Euro werden pro Vorhaben für

Ersatz- und Neuinvestitionen als Darlehen

zur Verfügung gestellt, sofern damit

wesentliche Energieeinsparungen erzielt

werden. Bei Ersatzinvestitionen sind dies

mindestens 20 Prozent, gemessen am

Durchschnittsverbrauch der letzten drei

Jahre, sowie bei Neuinvestitionen mindestens

15 Prozent gegenüber dem Branchendurchschnitt.

Weitere Informationen:

www.ibb.de

Brandenburg

Mit dem „Förderprogramm RENplus 2014 –

2020“ unterstützt die Investitionsbank des

Fotomontage: Pixabay

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


ENERGIE | 39

Landes Brandenburg die Senkung der energiebedingten

Kohlendioxyd-Emissionen in

Unternehmen. Dazu zählen etwa Investitionen

in Anlagen zur Energierückgewinnung,

Speichersysteme oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen

ebenso wie Energieberatungen.

Auch Vorhaben zur Integration Erneuerbarer

Energien werden bezuschusst.

Die Zuschüsse betragen 35 bis 80 Prozent

der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal

15 Millionen Euro abhängig vom Fördergegenstand.

Weitere Informationen:

www.ilb.de

Mecklenburg-Vorpommern

Das Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern

begleitet mit der „Klimaschutzförderrichtlinie

Unternehmen“ Investitionen

in klimaschutzrelevante Technologien.

Dazu gehören insbesondere

investive Maßnahmen zur Energieeinsparung

und zur Verbesserung der Energieeffizienz,

die über den gesetzlichen Standard

hinausgehen. Die Zuwendung wird

als Anteilfinanzierung – in der Regel bis

zu 30 Prozent – in Form eines nicht rückzahlbaren

Zuschusses gewährt. Weitere

Informationen: www.lfi-mv.de

Sachsen

Mit der Förderrichtlinie „Zukunftsfähige

Energieversorgung – RL Energie/2014“

fördert die Sächsische Aufbaubank kleine

und mittlere Unternehmen bei Modellvorhaben

und Maßnahmen zur Steigerung der

Energieeffizienz, beim Ausbau Erneuerbarer

Energien sowie beim Einsatz von

Energiespeichern und intelligenten Netzen.

Die Förderung erfolgt als Projektförderung

in Form von nicht rückzahlbaren

Zuwendungen als Anteils- oder Festbetragsfinanzierung.

Weitere Informationen:

www.sab.sachsen.de

Sachsen-Anhalt

Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt begleitet

mit dem Programm Sachsen-Anhalt

ENERGIE Maßnahmen zur Steigerung

der Energieeffizienz und der Nutzung

Erneuerbarer Energien in Unternehmen.

Kleine und mittlere Unternehmen

mit einem Mindestinvestitionsvolumen

von 10.000 Euro und Großunternehmen

mit einem Mindestinvestitionsvolumen

von 100.000 Euro sind förderberechtigt.

Der Zuschuss von maximal 500.000

Euro richtet sich nach Unternehmensgröße

und Fördergegenstand. Voraussetzung

der Förderung ist ein Energieaudit

oder ein Energiemanagementsystem im

Unternehmen. Weitere Informationen:

www.ib-sachsen-anhalt.de

Thüringen

Das Förderprogramm „GREEN invest –

Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen“

der Thüringer Aufbaubank sieht Zuwendungen

unter anderem für umfassende

und qualifizierte Energieberatungen

sowie die Umsetzung der sich daraus ergebenden

Maßnahmen vor. Die Höhe des

Investitionszuschusses für Unternehmen

beträgt bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen

Ausgaben. Weitere Informationen:

www.aufbaubank.de

W+M

Gewinne können

auch wachsen,

ohne dass die

Natur eingeht.

Erstansprechpartner

für Unternehmen zu

Innovation und Umwelt:

• Einstiegsberatung und Information zu

betrieblicher Energieeffizienz, erneuerbaren

Energien, verfügbaren Förderungen

und Finanzierungshilfen

• Unterstützung bei allen abfall- und

immissionsschutzrechtlichen Fragestellungen

• Vermittlung von Beratern und Sachverständigen

• Förderung des Technologietransfers

zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

• Interessenvertretung der Unternehmen

bei innovations-, energie- und umweltpolitischen

Themen

Wie, weiß die

Als Partner der „Mittelstandsinitiative Energiewende

und Klimaschutz“ bietet die IHK zu Leipzig

Informationen und Produkte für mehr Energieeffizienz

und zeigt die nächsten Schritte auf dem Weg

zur persönlichen Energiewende.

wirtschaft-bewegen.de/innovation-umwelt

Weitere Informationen:

www.mittelstand-energiewende.de


40 | W+M TITEL ENERGIE

Hoffnungsträger

Elektroauto

Die Gläserne Manufaktur von VW in Dresden.

Deutschland droht beim Elektroauto den Anschluss zu verlieren.

Nun drücken Politik und Autoindustrie aufs Tempo. Gleich mehrere

Großinvestitionen nähren die Hoffnung, dass Ostdeutschland zu den

Gewinnern eines E-Auto-Booms zählen könnte. Von Matthias Salm

Die Chinesen stehen vor der Tür: In

Thüringens Hauptstadt Erfurt löst

diese Nachricht dieser Tage Begeisterung

aus. Denn der chinesische Batteriezellenhersteller

Contemporary Amperex

Technology Ltd. (CATL) plant, bis 2022 am

Erfurter Kreuz 240 Millionen Euro in sein

erstes Werk für Batteriezellen außerhalb

der eigenen Landesgrenzen zu investieren.

Gleich 600 Arbeitsplätze stehen für

Thüringens Kapitale auf dem Investitionsplan,

denn das Werk in Thüringen planen

die Chinesen als eigenständige Firma mit

Produktion, Forschung und Entwicklung

sowie Logistik.

„Für Thüringen ist es die bedeutendste

Industrieinvestition der letzten zehn Jahre“,

freut sich denn auch der Wirtschaftsminister

des Freistaats Wolfgang Tiefensee

(SPD). Kein Wunder, Tiefensee hofft

auf eine Initial zündung: CATL soll weitere

Batteriehersteller und die Zulieferindustrie

nach Thüringen locken. „Dies“, gibt

sich Tiefensee sportlich, „katapultiert unser

Bundesland mindestens in die europäische

Liga.“

Es ist die Euphorie eines Spätstarters.

Denn von der Champions League sind die

deutschen Autobauer in Sachen E-Mobilität

zurzeit weit entfernt. Trotz aller Förderung:

Bei den Pkw waren nahezu zwei

Drittel der Neuzulassungen des ersten

Halbjahres 2018 Benziner (63,1 Prozent,

plus 16,3 Prozent), der umstrittene Diesel

schafft mit 32,1 Prozent und einem

Rückgang von minus 20 Prozent gegenüber

dem Vorjahreszeitraum immer noch

Platz zwei. Und Elektrofahrzeuge? Die legten

zwar um 69,1 Prozent zu. Aber 17.234

Elektrofahrzeuge machten gerade einmal

einen Anteil von 0,9 Prozent aus.

So hinkt die deutsche Autoindustrie denn

auch bei wichtigen Schlüsseltechnologien

hinterher. Bei den Batteriezellen etwa teilen

sich Japaner, Südkoreaner und Chinesen

den Markt auf. Dass diese nun auch

in Deutschland investieren, verspricht vor

allem logistische Vorteile durch die Nähe

zu den hiesigen Automobilkonzernen, im

Falle von CATL in Erfurt steht vor allem

BMW auf der Einkäuferliste. Und die Chinesen

wollen vorbereitet sein: Denn im

kommenden Jahrzehnt soll hierzulande

endlich der lang ersehnte Durchbruch der

E-Autos gelingen – einhergehend mit sinkenden

Batteriekosten, längeren Reichweiten

und einer besseren Ladeinfrastruktur.

Darauf hoffen auch die Stadtväter in Kamenz.

Aus der sächsischen Lessingstadt

soll der „Place to (E)“ werden – der leicht

bemüht klingende Werbeslogan preist Kamenz

als künftiges Batterie-Kompetenzzentrum.

Denn dort investiert seit 2017 die

Daimler AG über ihre Tochtergesellschaft

Deutsche ACCUMOTIVE GmbH und Co.

KG rund 500 Millionen Euro in ein neues

Batteriewerk, eine der modernsten und

größten Lithium-Ionen-Batteriefabriken

in der internationalen Automobilindustrie.

Schon zum Jahresende sollen in Kamenz

mehr als 1.000 Mitarbeiter das Zukunftsthema

Elektromobilität vorantreiben.

Foto: Volkswagen AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


Energie für

Deutschland.

Und Perspektiven

in der Region.

Zuverlässig, effizient und wettbewerbsfähig sorgt

unsere Energie für pulsierendes Leben in Millionen

Haushalten, treibt die deutsche Wirtschaft an und ist

Grundlage für eine immer anspruchsvollere digitale Welt.

Als größtes ostdeutsches Energieunternehmen flankieren

wir mit flexibler Bergbau­ und Kraftwerkstechnik

die Energiewende. Für eine sichere Versorgung in der

Stadt, der Firma und zuhause in der Familie.


leag.de


42 | W+M TITEL ENERGIE

Berlin fördert Umrüstung

Doch noch ist vieles Zukunftsmusik – statt

einer Revolution auf Deutschlands Straßen

wird es absehbar eher einen Mix der

verschiedenen Antriebsarten geben. Denn

die potenziellen Käufer vertrauen weiterhin

klassischem Kraftstoff. In der Bundeshauptstadt

Berlin etwa fuhren Anfang des

Jahres nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts

nur 0,2 Prozent der zugelassenen

Pkw mit elektrischem Antrieb. Führend

ist Berlin nur bei Sharing-Angeboten,

sowohl bei E-Autos als auch bei E-Rollern.

Nun will der Senat mit dem Förderprogramm

„Wirtschaftsnahe Elektromobilität“

klotzen statt kleckern. Das umfangreiche

Förderprogramm umfasst neben einer

Beratung über geeignete Fahrzeuge und

passende Ladeinfrastruktur die Förderung

von elektrischen Fahrzeugen bis zu 4.000

Euro für Pkw und mit bis zu 8.000 Euro

für leichte Nutzfahrzeuge. Darüber hinaus

wird mit dem Programm auch der Aufbau

von Ladeinfrastruktur gefördert.

Der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (r.) und CATL-CEO Robin Zeng.

LADESÄULENNETZ

NOCH LÜCKENHAFT

Zahl der bei der Bundesnetz agentur

seit Inkrafttreten der Ladesäulenverordnung

2016 gemeldeten

Ladesäulen

Mecklenburg-

Vorpommern: 51

Berlin: 327

Thüringen: 183

Brandenburg: 71

Sachsen-

Anhalt: 79

Sachsen: 176

Made in Sachsen

Nicht weit von Kamenz rollen künftig die

Elektroautos von Volkswagen vom Band.

Seit April 2017 wird bereits der e-Golf in

der Gläsernen Manufaktur Dresden gebaut.

Ab 2020, so das Ziel des Wolfsburger

Konzerns, werden die voll elektrischen

und vernetzten I.D.-Modelle in Europa,

China und Nordamerika die Straßen

erobern. Deren Produktion erfolgt maßgeblich

in Zwickau.

Den traditionsreichen Autostandort baut

VW mit einem Investitionsvolumen von

rund einer Milliarde Euro zum reinen E-Mobilitäts-Werk

um. Hier konzentriert Volkswagen

die Serienproduktion seiner zukünftigen

E-Fahrzeuge auf Basis des neuen

Modularen E-Antriebsbaukastens (MEB).

Damit avanciert Zwickau zum größten Zentrum

für E-Mobilität in Europa, verspricht

der Autokonzern.

Die ersten I.D.-Modelle verlassen geplant

Ende 2019 das Werk. Ende 2020 werden

in Zwickau dann ausschließlich MEB-Elektroautos

gebaut – geplant sind bis zu 1.500

Fahrzeuge pro Tag. Die Gläserne Manufaktur

in Dresden pflegt daneben ihre Rolle als

Schaufenster für E-Mobilität.

An der hapert es nicht nur in Berlin, sondern

vor allem in Flächenländern wie Brandenburg

oder Sachsen-Anhalt. Auch wenn

beispielsweise die enviaM-Gruppe, der

führende regionale Energiedienstleister in

Ostdeutschland, gerade bekannt gab, 106

neue Ladesäulen für rund 1,5 Millionen

Euro in den Bundesländern Berlin, Brandenburg,

Sachsen, Sachsen-Anhalt und

Thüringen zu installieren, ist die Infrastruktur

für einen Siegeszug des E-Autos in Ostdeutschland

noch lange nicht gegeben.

So verzeichnet die Bundesnetzagentur

etwa in Sachsen-Anhalt 79 Ladesäulen,

die im Rahmen der Ladesäulenverordnung

(LSV) gemeldet wurden. Abweichend

davon zählte die Landesregierung

Ende 2017 mit älteren Stationen 211 öffentlich

zugängliche Ladepunkte. Von der

Idealversorgung ist man in beiden Fällen

weit entfernt. Bis zum Jahr 2020 sollen in

Sachsen-Anhalt nämlich 1.300 Ladesäulen

für Elektrofahrzeuge bereit stehen.

Aber zumindest in Sachen Forschung will

Magdeburg eine Vorreiterrolle übernehmen.

Dazu gehört ein neuer Studiengang

„Elektromobilität“ an der Uni Magdeburg,

vor allem aber investiert Sachsen-Anhalt

31 Millionen Euro in ein automobiles Entwicklungszentrum.

Das „Center for Method

Development“ (CMD) entsteht an der

Uni Magdeburg und wird an Innovationen

im Bereich Elektromobilität sowie an der

Reduzierung von Emissionen und Kraftstoffverbrauch

forschen. W+M

Foto: Christoph Petras / Thüringer Wirtschaftsministerium, Quelle Grafik: Bundesnetzagentur

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


POLITIK | 43

Sollte das Rentenalter aufgrund des Fachkräftemangels

weiter heraufgesetzt werden?

Prof. Dr. Michael Hüther ist Direktor und

Mitglied des Präsidiums des Instituts der

deutschen Wirtschaft Köln e. V.

Diana Golze (Die Linke) ist Ministerin für Arbeit,

Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

des Landes Brandenburg.

Fotos: Institut der deutschen Wirtschaft (links), BILDHAUS. Karoline Wolf (rechts)

„Ja“

Die gesetzliche Rentenversicherung

steht vor enormen

Herausforderungen. In

Deutschland lassen Männer mit 63,3 Jahren das

Arbeitsleben hinter sich und damit früher als im

OECD-Durchschnitt von 65,1 Jahren und in den

USA (66,8 Jahre). Zwar liegt das deutsche Renteneintrittsalter

auf gleichem Niveau wie Anfang

der 70er-Jahre, allerdings haben sich seitdem sowohl

die Rentenbezugsdauer als auch die Anzahl

der Rentner ungefähr verdoppelt.

Hinzu kommt, dass sich bereits heute ein beachtlicher

Fachkräftemangel abzeichnet – und das, obwohl

die meisten Babyboomer noch erwerbstätig

sind. Jeder dritte Arbeitnehmer ist bereits über 50

Jahre alt, jeder fünfte über 55. Zwei Drittel aller

Stellen, die eine Berufsausbildung oder ein Studium

voraussetzen, sind schwer zu besetzen und alleine

im MINT-Bereich fehlen 315.000 Arbeitskräfte.

Umso wichtiger ist es, bestehende Potenziale

zu nutzen und neue zu schaffen. Allerdings können

Maßnahmen wie ein Einwanderungsgesetz und die

stetige Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie

und Beruf dem Mangel nur in Teilen entgegenwirken.

Die Rente mit 63 hat die Entwicklung des Fachkräftemangels

bereits spürbar beschleunigt. Eine

Rückabwicklung dieser Regelung und die weitere

Anhebung des Rentenzugangsalters auf 70 Jahre

ist daher unumgänglich – nicht nur, um die Rentenkasse

finanziell zu stabilisieren, sondern auch, um

den Verlust an bestehendem Know-how möglichst

sanft zu gestalten und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit

der deutschen Wirtschaft zu sichern.

„Nein“

Wer eine Anhebung der

Rentenaltersgrenze

fordert, um die angespannte

Fachkräftesituation zu entschärfen, führt

eine Scheindebatte. Denn die Gründe für den Fachkräftemangel

liegen ganz woanders als darin, dass

die Menschen nicht bis ins biblische Alter arbeiten.

Unternehmen leiden mehr darunter, dass Beschäftigte

in andere Betriebe oder die Selbstständigkeit

wechseln, als dass sie sich in den Ruhestand verabschieden.

Eine IAB-Studie verzeichnet in Brandenburg

im Jahr 2014 200.000 Berufsabgänge –

davon nur sechs Prozent in die Rente. Eine kürzere

oder längere Lebensarbeitszeit entbindet Unternehmen

folglich nicht davon, in eigener Verantwortung

etwas zu tun. Also Fachkräfte auszubilden und mit

attraktiven, gut bezahlten Arbeitsplätzen zu halten.

Es hindert auch niemand Fachkräfte daran, bei guter

Konstitution länger zu arbeiten – und niemand

hält Unternehmen davon ab, weiter um sie zu werben

oder neu einzustellen. Das Flexirentengesetz

ermöglicht eine flexible Weiterbeschäftigung auch

über die Regelaltersgrenze hinaus.

Fakt ist aber auch, dass es schon heute vielen

schwerfällt, überhaupt bis zum Alter von 65 zu arbeiten.

Von den 60- bis 64-Jährigen waren in Brandenburg

2016 nur noch etwas mehr als die Hälfte

(58 Prozent) erwerbstätig – trotz guter Arbeitsmarktentwicklung.

Eine weitere Heraufsetzung der

Lebensarbeitszeit würde die älter werdenden Beschäftigten

gewaltig unter Druck setzen. Für viele

würde das nur bedeuten, dass sie länger auf Sozialleistungen

angewiesen sind oder mit dauerhaften

Abschlägen vorzeitig in die Rente gehen.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


44 | W+M INTERNATIONAL

Es lohnt sich (trotz Trump),

in den USA zu investieren

Seit Jahrzehnten pflegen die USA und Deutschland intensive

Beziehungen in nahezu allen Bereichen. Stets wurde die prioritäre

Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft von beiden Seiten

gleichermaßen unterstrichen und in der Praxis gelebt. Unter US-

Präsident Donald Trump jedoch hat sich das Verhältnis beider

Staaten merklich abgekühlt. Davon betroffen sind auch die

Wirtschaftsbeziehungen. Von Karsten Hintzmann

Als Präsident und CEO der bereits

im Jahr 1947 gegründeten

Deutsch-Amerikanischen Handelskammern

(GACC) mit Hauptsitz in New

York kümmert sich Dietmar Rieg an vorderster

Front um die Pflege der bilateralen

Wirtschaftskontakte zwischen den USA

und Deutschland. Seine Organisation verhält

sich auch in aufgeregten Zeiten politisch

neutral. Rieg, der die GACC in New

York seit nunmehr fünf Jahren leitet, umschreibt

seine Mission mit folgenden Worten:

„Wir sind in beide Richtungen interessiert,

den Kuchen größer zu machen.“ Also

öffnen er und sein Team Türen – sowohl

in Richtung Deutschland als auch in Richtung

USA. Davon profitieren zunehmend

auch Mittelständler aus Ostdeutschland,

die auf dem US-Markt Fuß fassen wollen.

Sie nutzen sowohl das Netzwerk als auch

die Vor-Ort-Expertise der Deutsch-Amerikanischen

Handelskammern.

Befragt man GACC-Präsident Rieg nach

den Auswirkungen der zunehmend protektionistisch

geprägten Wirtschaftspolitik

des amtierenden US-Präsidenten,

wägt er seine Worte genau ab und sagt

dann: „In einem Zeitraum von nur zwei

Jahren hat sich die Debatte über den transatlantischen

Handel um 180 Grad gedreht.

Im Juni 2016 waren die USA noch

Partnerland auf der Hannover Messe und

wir haben miteinander über das TTIP-Abkommen

verhandelt. Und jetzt werden

gegenseitig Abgaben auf Produkte aus

Europa und den USA eingeführt. Wir sind

besorgt über die möglichen Konsequenzen

eines Handelskrieges, mit einer aufgeheizten

Rhetorik, die zu einer volatilen

Situation führen kann.“

Mit Strafzöllen

gegen das Handelsdefizit

Rieg kennt die Argumentation der

Trump-Administration, mit der sie die

Androhung und Verhängung von Strafzöllen

gegen andere Länder begründet. Sie

dreht sich in erster Linie um die Handelsdefizite

zu Lasten der Vereinigten Staaten.

Im Vorjahr verzeichneten die USA

ein Handelsdefizit gegenüber Europa in

Höhe von 140 Milliarden US-Dollar. Für

Rieg ist das jedoch nur eine Seite der Medaille:

„Auch die USA profitieren ganz erheblich

von offenen Grenzen und freiem

Handel. So generierten US-Firmen und

deren Töchter in Europa in diesem Zeitraum

mit all ihren wirtschaftlichen Aktivitäten

Gesamtgewinne in Höhe von 250

Milliarden US-Dollar. In der Gegenrichtung

fuhren europäische Firmen nur Ge-

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


INTERNATIONAL | 45

Auch nach Einschätzung der Germany

Trade and Invest (GTAI), der dem Bundeswirtschaftsministerium

zugeordneten

Gesellschaft für Außenwirtschaft und

Standortmarketing, macht es für deutsche

Unternehmen gerade in der jetzigen

Zeit Sinn, sich auf dem US-Markt zu

engagieren. Die US-Wirtschaft verfügt

aktuell über viel Geld. Steuereinsparungen

und eine kräftige Nachfrage nach Industrie-

und Verbrauchsgütern heizen die

Konjunktur an. Unternehmen investieren

wie schon lange nicht mehr, finden aber

kaum noch qualifizierte Fachkräfte. Investitionen

in hocheffiziente Maschinen und

Anlagen, Automatisierung sowie Industrie

4.0 drängen sich als Ausweg auf. Der

deutschen Exportwirtschaft könnte dies

entgegen kommen.

ins Land spülen, so das Kalkül der US-Regierung.

Andernfalls riskieren ausländische

Firmen, Geschäftsanteile auf dem

amerikanischen Markt zu verlieren.

Gute Karten haben Exporteure wie Importeure

in protektionistischen Zeiten,

wenn sie Produkte mit Alleinstellungsmerkmalen

oder hohem Prestigewert im

Portfolio führen. Wenn nicht, können sie

ihre Verkaufschancen mit dem Aufdruck

„Manufactured in America“ nachbessern

Foto: GACC

Manhattan – hier schlägt das

finanzielle Herz des Marktplatzes USA.

winne in einer Größenordnung von 115

Milliarden US-Dollar ein.“ Zudem dürfe

man, so Rieg, in der Debatte

nicht übersehen, dass viele

Investitionen aus Europa

und Deutschland

direkt in den Aufbau

von Werken und

Produktionsstätten

in den USA geflossen

seien. Immerhin

700.000 Arbeitsplätze

in den USA seien

durch deutsche Investitionen

geschaffen

worden. Dietmar

Rieg: „Die deutsche

Wirtschaft ist in den

USA stark vertreten

und will auch weiter investieren. Es wäre

mehr als schade, wenn diese Entwicklung

beeinträchtigt werden würde.“

Dietmar Rieg ist Präsident und

CEO der Deutsch-Amerikanischen

Handelskammern in New York.

Steuersenkungen

kurbeln Investitionen an

Experten gehen davon aus, dass mit einem

voraussichtlichen realen Wachstum

des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,9

Prozent im laufenden Jahr das beste Ergebnis

seit 2015 eingefahren werden dürfte.

Für ausreichend Rückenwind würden

nach Lage der Dinge der Privatkonsum,

der Außenhandel, Investitionen in- und

ausländischer Unternehmen sowie die

öffentlichen Ausgaben sorgen. Die Ende

2017 beschlossene US-Steuerreform, bei

der die Unternehmenssteuern von 35 auf

nunmehr 21 Prozent gesenkt

wurden, sorgte rechtzeitig

zum Jahreswechsel für

einen Paukenschlag.

Blitzartig verbesserte

sich Anfang 2018 das

psychologische Umfeld.

Wachstumsfantasien

schossen in

die Höhe. US-Konzerne,

die sich auf

Grund der geringeren

Steuerbelastung

über Nacht auf der

Gewinnerseite sahen,

kündigten neben

Dividendenauszahlungen

Investitionen in Milliardenhöhe

in den USA an.

Die „Amerika First“-Strategie und der

eingeläutete Handelsprotektionismus

sollen ausländische Unternehmen dazu

bewegen, Importgüter künftig in den

USA herzustellen. Dies soll zusätzliche

Milliarden US-Dollar sowie Technologie

– dies gilt insbesondere bei öffentlichen

Ausschreibungen. Dafür müsste aber zumindest

ein Teil der Wertschöpfung in

den USA erfolgen.

Sollten sich die Prognosen der „Equipment

Leasing & Finance Foundation“ bewahrheiten,

werden die Investitionen in

Industrieausrüstungen und Software 2018

im Vorjahresvergleich um nominal 8,5 Prozent

zulegen. Die Vorhersage basiert auf

den Konjunkturdaten und den investitionsfördernden

Auswirkungen der jüngsten

Steuerreform. Investiert wird 2018 demnach

besonders stark in Baumaschinen,

Lkw und Zugmaschinen sowie IT-Ausrüstungen,

darunter Computer. Ohne Zunahmen,

aber auf einem hohen Niveau verharren

die Investitionen in Lager-, Förderund

Transporttechnik sowie Software.

Leichte Rückgänge gegenüber dem Vorjahr

verzeichnen die Investitionen in Agrarmaschinen,

Industrieanlagen und Werkzeugmaschinen,

Medizintechnik, Bergbautechnik

und Anlagen zur Öl- und Gasförderung,

Flugtechnik, Schiffe und Boote

sowie Schienentechnik.

Für deutsche Unternehmen, die lediglich

exportieren und nicht vor Ort in den USA investieren

wollen, dürfte das Geschäft indes

mühseliger werden. Dazu genügt ein Blick

in die Statistik: Deutschlands Exporte in die

USA sanken im Mai 2018 im Vergleich zum

Vorjahresmonat um mehr als zehn Prozent

– auf 8,5 Milliarden Euro. W+M

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


46 | W+M INTERNATIONAL

Verhaltensregeln für

Verhandlungen in den USA

Locker im Umgang,

aber unerbittlich

in der Sache

Wegen seiner europäischen Wurzeln, der

englischen Sprache und der großen Präsenz

in den deutschen Medien wirken die USA

auf Deutsche vertraut. Dieser Eindruck

täuscht jedoch, es gibt viele kleine und doch

wesentliche Unterschiede. Die Kunst des Small

Talk, eine angemessene Präsentation von

Informationen und der richtige Umgang mit

Humor und Kritik sind wichtige Erfolgsfaktoren.

Von Karsten Hintzmann

Die Freiheitsstatue im New Yorker Hafen stellt die römische Göttin der

Freiheit dar. Sie gilt als Symbol der Freiheit und ist eines der bekanntesten

Symbole der USA.

Der erste Eindruck, den man bei einem

amerikanischen Geschäftspartner

hinterlässt, sollte positiv

sein. Das beginnt bei der Kleidung. Die

angemessene Businesskleidung variiert

je nach Region, Branche und Unternehmenskultur.

Im regionalen Vergleich ist die Kleiderordnung

im Nordosten besonders konservativ,

während sie im Hinblick auf Unternehmenskulturen

in einem typischen Startup

im Silicon Valley sehr locker ausfällt.

Zudem sind Führungskräfte eher konservativ

gekleidet (dunkler Anzug, helles

Hemd und Krawatte). Beim ersten Treffen

auf weniger bekanntem Terrain sollte

daher formelle Geschäftskleidung gewählt

werden.

Als persönliche Distanzzone ist mindestens

eine Armlänge Abstand angebracht.

Bei einer zufälligen Berührung im direkten

geschäftlichen Umfeld, aber auch auf

der Straße oder im Aufzug, ist eine kurze

Entschuldigung angebracht. Auch grundsätzlich

ist es ratsam, lieber einmal zu viel

„Thank you“, „Excuse me“ oder „Sorry“

zu sagen, als zu wenig.

Im geschäftlichen Umfeld erwarten

Frauen nicht, dass sie anders behandelt

werden als Männer. Viele Frauen haben

Führungspositionen inne, auch auf der

obersten Führungsebene.

Humor und Anekdoten

Geschäftspartner in den USA gehen

davon aus, dass der ausländische Gesprächspartner

aktiv zu einem entspannten

Verhandlungsklima beiträgt. Besprechungen

beginnen oft mit einem kurzen,

aber wichtigen Small Talk. Sich kontaktfreudig

und humorvoll zu zeigen und eine

persönliche Anekdote beizusteuern, kann

sehr wirkungsvoll sein. Themen, die in

Kontroversen abgleiten könnten, sind jedoch

von Beginn an zu vermeiden. Insbesondere

bei Politik, Religion oder Geschichte

können schnell tiefgehende Unterschiede

zu Tage treten. Als gute Themen

eignen sich daher Sport, Hobbies,

Reisen und das Wetter. Gerade die aus

deutscher Sicht häufig bemängelte Oberflächlichkeit

macht den Small Talk zu einem

wirkungsvollen Werkzeug, um im

US-Umfeld leicht viele Kontakte zu knüpfen.

Humor ist ein wichtiger Bestandteil

des geschäftlichen Umgangs – solange

dabei niemand diskriminiert wird. In

den USA wird Antidiskriminierung sehr

ernst genommen. Ein Fehlverhalten kann

rechtliche und kostspielige Folgen nach

sich ziehen.

Auch bei Kritik und Tadel ist generell Vorsicht

angebracht. Denn in den USA werden

derartige Inhalte häufig geschickt

zwischen positive Aussagen gestellt.

Somit kann zu ehrlich geäußerte Kritik

oder eine direkte Ablehnung schnell als

unhöflich und verletzend aufgefasst werden.

Die deutsche Art der sachorientierten

offenen Kritik gilt hier mindestens als

sehr direkt.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


INTERNATIONAL | 47

Foto: Pixabay

Think-Big-Mentalität

Deutsche sehen die amerikanische

Think-Big-Mentalität häufig kritisch oder

missverstehen sie sogar als Großmäuligkeit.

Dabei hat sie Hand und Fuß: Zwar

bestehen im drittgrößten Land der Erde

regionale Unterschiede, dennoch bilden

die USA den wohl wichtigsten homogenen

Markt weltweit. Auf Grundlage einer

gemeinsamen Sprache und Währung,

gut ausgebauter Kommunikationsund

Transportsysteme, eines gemeinsamen

Rechtssystems und ähnlicher

Geschäftsgepflogenheiten können hier

über 315 Millionen Konsumenten über direkte

sowie indirekte Vertriebskanäle angesprochen

werden. US-Firmen denken

also in entsprechend größeren Marktpotenzialen.

Deutsche Geschäftsleute sollten

ihre potenziellen US-Vorhaben also

auch einmal durch die „größere“ US-Brille

betrachten.

Amerikaner schätzen es, wenn man sie

nach dem obligatorischen Small-Talk-Einstieg

direkt daraufhin anspricht, ob und

wieweit gemeinsame geschäftliche Interessen

bestehen oder sich entwickeln

könnten. Schüchternheit ist hier nicht geboten

– je mehr Kontakte geknüpft werden,

desto besser. Auch in den USA sind

Visitenkarten ein wichtiges Utensil. Eine

besondere Vorgehensweise bei der Überreichung

und Entgegennahme, wie zum

Beispiel in Asien, gibt es dabei nicht.

Zeit ist Geld

Das Zeitgefühl der US-Amerikaner ist

sehr empfindlich und funktioniert nach

dem Prinzip „Time is money“. Unpünktlichkeit

bei geschäftlichen Terminen kann

leicht als Respektlosigkeit gedeutet werden.

Falls eine Verabredung nicht oder

DOS AND DON‘TS

••

Small Talk ist ein Muss am Beginn

jeder Verhandlung.

••

Kommen Sie in Verhandlungen schnell

auf den Punkt. Faustregel: Fazit zuerst.

••

Nutzen Sie den Rat von Experten und

Rechtsanwälten, bevor Sie Verträge

unterzeichnen.

nur verspätet eingehalten werden kann,

sollte der Geschäftspartner unbedingt

zeitnah informiert werden.

Jeder Unternehmer sollte sein Treffen

mit einem Geschäftspartner in den USA

sorgfältig planen, die Gesprächsthemen

vorbereiten und sich kurze, prägnante Argumente

zurecht legen. Es ist wichtig,

möglichst viel über die Produkt- und Leistungspalette

und die Organisationsstruktur

des anderen zu wissen, um darauf

aufbauend das eigene Angebot stimmig

präsentieren zu können.

Volle Konzentration

Bei geschäftlichen Besprechungen gilt

es im Hinterkopf zu behalten, dass der

enorme Wettbewerbsdruck auf dem

US-Markt zu emotionslosen Kalkulationen

wie auch konsequent zweckorientiertem

Handeln zwingt. Lässig und locker

ist das Geschäftsgebaren in den USA nur

der Form nach, nicht aber im Hinblick auf

den Geschäftsinhalt. Unachtsamkeit bei

Vertragsverhandlungen beispielsweise

lässt sich keineswegs durch ein kurzes

Gespräch mit „Bob“ oder „Jack“ wieder

ausbügeln. Der Geschäftspartner bleibt

••

Schüchternheit ist nicht hilfreich.

••

„Time ist money“ – vermeiden Sie

Unpünktlichkeit.

••

Humor ist erwünscht, aber hüten Sie

sich vor diskriminierenden Äußerungen.

zwar weiterhin freundlich, aber in der Sache

oft unerbittlich. Darüber hinaus sollte

nicht vergessen werden, dass das Angebot

der deutschen Seite aus Sicht des

US-Gegenübers in der Regel in Konkurrenz

zum Status Quo – also bereits bestehenden

Verbindungen – steht. In kurzer

Zeit muss daher vermittelt werden

können, welche Vorteile eine Änderung

mit sich brächte.

So wichtig Vertrauen und eine angenehme

Atmosphäre sind, sollte doch von

deutscher Seite die eigene Absicherung

nicht vernachlässigt werden. Es ist sinnvoll,

sich rechtlich beraten zu lassen. Ein

Anwalt sollte jeden Vertrag prüfen, bevor

er unterzeichnet wird. In den USA wird

auf ein Fallrecht (Case Law) zurückgegriffen

und nicht wie in Deutschland auf kodifiziertes

Recht. Vieles was in Deutschland

rechtlich vorausgesetzt werden

kann, muss in den USA verhandelt und

schriftlich fixiert werden. Wichtig bei der

rechtlichen Beratung ist, dass sich der

Anwalt mit der Branche sowie dem nationalen

und jeweiligen regionalen Rechtssystem

auskennt und über eine entsprechende

Zulassung verfügt. W+M


48 | W+M RATGEBER

Anfechtungsansprüche

abwehren

Insolvenzverwalter machen trotz der

Reform des Anfechtungsrechts gerne

Anfechtungsansprüche geltend,

mit denen sie teilweise erhebliche Zahlungen

zurückfordern, die ein Insolventer

vor der Insolvenz geleistet hat. Empfänger

solcher Anfechtungsschreiben sind häufig

erstaunt, weil Zahlungen für gelieferte

Waren oder Dienstleistungen zurückverlangt

werden, obwohl ordnungsgemäß geliefert

oder geleistet wurde und es doch

eigentlich kaum denkbar zu sein scheint,

dass das Gesetz den Empfänger des

Geldes verpflichtet zurückzuzahlen,

während die Lieferungen

oder die Dienstleistungen

nicht zurückgegeben werden

müssen.

Zu Insolvenzanfechtungsansprüchen

gibt es eine

Fülle von Rechtsprechung

und juristischer Fachliteratur

und nur selten eine klare Rechtslage.

Insolvenzverwalter nutzen Rechtsunsicherheiten

gerne aus und machen häufig

viel zu hohe Forderungen in seitenweisen

standardisierten Serienbriefen geltend,

die mit Zitaten aus Rechtsprechung

und juristischer Fachliteratur vollgestopft

sind. Viele lassen sich davon beeindrucken

und bezahlen, weil sie sich kaum

im Stande sehen, sich gegen den übermächtig

erscheinenden Insolvenzverwalter

zur Wehr zu setzen. Bei genauem Hinsehen

können Anfechtungsansprüche,

auch wenn sie mit juristischen Zitaten

noch so vollbeladen sind, entweder vollständig

oder zumindest zu einem erheblichen

Teil qualifiziert zurückgewiesen

werden, und zwar auch

dann, wenn an einen Gesellschafter

gezahlt wurde

oder eine vermeintliche

Schenkung vorliegen

soll.

Ein Anfechtungsanspruch

setzt in der Regel die Zahlungsunfähigkeit

des insolventen

Unternehmers bei der Zahlung

und die Kenntnis des Zahlungsempfängers

davon voraus. Insolvenzverwalter

nehmen die Zahlungsunfähigkeit gern

Ein guter spezialisierter Anwalt, der von der Sache nachweislich etwas versteht, ist wichtig.

zu einem relativ frühen Zeitpunkt an und

behaupten die Kenntnis des Zahlungsempfängers

davon ohne ausreichenden

Nachweis. Nach Überprüfung lässt

sich beides häufig zu Gunsten des Anfechtungsgegners

reduzieren. Im Übrigen

muss auch eine Gläubigerbenachteiligung

vorliegen, es darf sich nicht um ein

sogenanntes Bargeschäft handeln und

weiteres. Liegen die Voraussetzungen

im Einzelnen nicht vor, lassen Insolvenzverwalter

das gerne weg und hoffen,

dass gleichwohl bezahlt wird.

Nicht selten hat der Insolvenzverwalter

– außer dem vermeintlichen Anfechtungsanspruch

– nichts weiter in

der Masse und müsste notfalls mit Prozesskostenhilfe,

die die Gerichte nur

sehr zögerlich gewähren, klagen. Damit

lässt sich gelegentlich zumindest

ein gutes Verhandlungsergebnis erzielen.

Für Insolvenzverwalter ist schnelles

Geld in der Regel auch viel mehr wert,

als die vage Aussicht, nach jahrelangem

Rechtsstreit einen Titel gegen einen

dann möglicherweise selbst Insolventen

zu bekommen. Auch das lässt

sich in Verhandlungen nutzen. Viele andere

Dinge kommen dazu. Bei Anfechtungsansprüchen

zählt daher ein kühler

Kopf und ein guter spezialisierter Anwalt,

der von der Sache auch nachweislich etwas

versteht und die Abwehr von Anfechtungsansprüchen

nicht nur nebenher

miterledigt.


Prof. Dr. Florian Stapper, Fachanwalt für

Insolvenz- und Steuerrecht und Partner

bei STAPPER/JACOBI/SCHÄDLICH

Rechtsanwälte Partnerschaft.

Florian Stapper

Fotos: designed by Katemangostar – Freepik.com (unten), Stapper (oben)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


MANAGEMENT | 49

Haftung von Geschäftsführern – Teil 2

Einer für alle –

alle für einen?

Fotos: LIGHTFIELD STUDIOS/fotolia.com (oben), Peter Badge (unten)

Manager haften auch für die Fehler,

die ein anderer Manager verursacht.

Hat die Gesellschaft also

eine mehrgliedrige Geschäftsführung und

sind den einzelnen Geschäftsführern besondere

Aufgabenbereiche nicht zugewiesen,

so haften für den Fall einer Sorgfaltspflichtverletzung

des einen Geschäftsführers

auch der weitere Geschäftsführer,

auch wenn er diese Sorgfaltspflichtverletzung

an sich nicht zu verantworten hat.

Hier kann lediglich eine ganz klare Aufgabenverteilung

helfen, sodass für den Nachweis

der deutlichen Trennung und sonstigen

Überwachungspflichten der eine

Geschäftsführer grundsätzlich nicht für

Sorgfaltspflichten des anderen zur Verantwortung

gezogen werden kann.

Aufgabenteilung? Nicht an der Spitze

Allerdings hat jeder Geschäftsführer im

Rahmen der Gesamtverantwortung aller

Geschäftsführer eine Überwachungspflicht

bezüglich der aufgabenbezogenen

Tätigkeit des anderen Geschäftsführers.

Ein lediglich kaufmännischer Geschäftsführer

kann sich nicht darauf berufen, von

technischen Geschäftsführungsaufgaben

keine Ahnung zu haben und diese deshalb

nicht überwachen zu können.

Unternehmensverkauf und

Unternehmensakquisition

Ein Geschäftsführer veräußert ein Tochterunternehmen

der Gesellschaft. Im Verkaufsprozess

hat er zwar mehrere Angebote

von Interessenten,

aber kein Bewertungsgutachten

eingeholt.

Im Rahmen des später

folgenden Insolvenzverfahrens

nimmt der

Insolvenzverwalter den

Geschäftsführer wegen

Unterwertveräußerung des Tochterunternehmens

in Anspruch. Ein vom Insolvenzverwalter

in Auftrag gegebenes Gutachten

hat einen wesentlich über dem Kaufpreis

liegenden Wert festgestellt. Tipp: Bei Unternehmenskäufen

stets eine vollständige

Due Diligence durchführen, um hier abgesichert

zu sein.

Fehlerhafte Personalauswahl

Immer häufiger führt auch die fehlerhafte

Personalauswahl nicht nur zu erheblichen

Schäden im Unternehmen, sondern auch

zur Frage einer möglichen Managerhaftung.

So haftet der Geschäftsführer für einen

wirtschaftlichen Schaden, der dem Unternehmen

entstanden ist, wenn ein Mitarbeiter

mangelhaft kalkuliert hat und der

Geschäftsführer nicht nachweisen kann,

dass er seinen Organisations- und Überwachungspflichten

nachgekommen ist.

Zahlung in der Krise

des Unternehmens

Zahlungen des Geschäftsführers

in der

Krise können zu Anfechtungsforderungen

des Insolvenzverwalters

führen

und zwar selbst

dann, wenn sie bereits

Monate vor dem

Insolvenzantrag erfolgt

sind. Dieser Gefahr sieht

sich der Geschäftsführer auch

ausgesetzt, wenn er Zahlungen für das

Unternehmen vereinnahmt, was ja eigentlich

zum normalen Geschäftsablauf gehören

sollte und erst recht hilft, die Krise möglicherweise

zu überwinden.

Auch der Aufsichtsrat haftet

Längst sind auch die Aufsichtsräte in das

Visier der Justiz geraten und werden immer

häufiger in Anspruch genommen. Entsteht

dem Unternehmen durch pflichtwidriges

Verhalten des Aufsichtsrats ein Schaden,

so haften die Aufsichtsratsmitglieder

persönlich und gesamtschuldnerisch. Die

Aufsichtsräte trifft die Beweislast, ob sie

die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften

Geschäftsleiters angewandt haben.

Besonders gefährlich ist hier die Beweislastumkehr.

Es wird nämlich von der

Pflichtwidrigkeit und dem Verschulden

des Aufsichtsrats ausgegangen, bis der

Aufsichtsrat das Gegenteil bewiesen hat.

Und diese Beweisführung ist sehr schwierig.

Wenn der Vorstand beispielsweise

trotz der Insolvenzreife eines Unternehmens

weiter Zahlungen leistet, so muss

der Aufsichtsrat diese Zahlungen stoppen.


DER AUTOR

Peter Fissenewert

Prof. Dr. Peter Fissenewert

ist Rechts anwalt und Partner

der Kanzlei Buse Heberer

Fromm. Seit Jahren

beschäftigt er sich

mit wirtschaftsrechtlichen

Themen rund

um Compliance. Er

zählt zu den führenden

Beratern und Autoren

in diesem Bereich und

nimmt regelmäßig als Redner

an hochkarätigen Fachveranstaltungen

teil.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


50 | W+M RATGEBER STEUERN

Was haben „trockene Brötchen“

mit der Steuer zu tun?

Eine ganze Menge. In einem im Oktober

vorigen Jahres veröffentlichten

Urteil des Finanzgerichts Münster

(Aktenzeichen 11 K 4108/14) wurde entschieden,

dass im Volksmund „trockene

Brötchen“ genannte Brötchen ohne Aufstrich,

also ohne Wurst, Käse, Honig, Marmelade,

Nutella oder auch veganem Aufstrich,

noch kein „vollwertiges Frühstück“

sind. Ja, es ist unglaublich, womit sich

deutsche Richter beschäftigen müssen.

Getränke und Brotkorb

Was war geschehen? In einem Unternehmen

gab es für alle Mitarbeiter, warum

auch immer, zur Frühstückspause kostenlose

Heißgetränke (Kaffee, Tee, Kakao)

und einen Brotkorb mit gemischten

„trockenen“ Brötchen, aus dem sich alle

bedienen konnten. Dies griff bei einer Betriebsprüfung

durch den Fiskus der Beamte

auf und verlangte Steuer auf die seiner

Meinung nach kostenlos

bereitgestellte Mahlzeit

„Frühstück“.

Abgabepflichtiger

Sachlohn

Hintergrund: Bietet

ein Unternehmen

seinen Mitarbeitern

kostenlose

Mahlzeiten an,

so sind diese mit einem

Pauschbetrag abgabepflichtiger

Sachlohn (derzeit 3,23 Euro

je Mittag- und Abendessen, 1,73 Euro je

Frühstück). Bei 50 Mitarbeitern mal 230

Tage mal drei Jahre (Prüfungszeitraum) kamen

so schnell 59.685 Euro zusammen,

die versteuert werden sollten. So der Finanzbeamte.

Nur Aufmerksamkeiten

Dem folgten die Richter allerdings nicht,

denn nach ihrer Auffassung gehört zu einem

„richtigen“ Frühstück immer auch

der Belag, den hier aber jeder selbst mitbringen

musste, wenn er sein Brötchen

nicht „trocken“ runterwürgen wollte. Es

handele sich bei „trockenen Brötchen“ lediglich

um „Aufmerksamkeiten“, wie sie

zum Beispiel in Form von Plätzchen oder

Keksen zum Kaffee gereicht werden. Und

das sei eben keine „vollwertige Mahlzeit“.

Gut, dass das endlich geklärt wurde.

Ronald K. Haffner ist

Steuerberater, Diplom-

Kaufmann und Diplom-

Ingenieur (FH).

www.steuerberater-haffner.de

Rechtliche Grundlage

Juristisch korrekt handelt es

sich bei derartiger Verpflegung

um „Kost“, die nach

Paragraf 8 Absatz 2 Satz

9 Einkommensteuergesetz

(EStG) außer Ansatz bleibt, soweit diese

den Betrag von 44 Euro je Monat und

Arbeitnehmer nicht überschreitet. Bei geschätzten

Kosten je Arbeitnehmer für zwei

Brötchen und zwei Heißgetränke pro Tag

und durchschnittlich 22 Arbeitstagen je

Monat, dürfte die Grenze von 44 Euro im

Regelfall nicht überschritten werden (es

sei denn, diese ist anderweitig verbraucht).

Aber Achtung!

Soweit es sich jedoch um „vollständige“

Mahlzeiten handelt, sind Sachbezüge zu

versteuern. Die aktuellen Werte (2018) pro

Tag und Mitarbeiter betragen: 1,73 Euro

für ein Frühstück (Heißgetränke und Brötchen

mit Belag oder Aufstrich), 3,23 Euro

für ein Mittagessen und 3,23 Euro für ein

Abendessen.

Kaffee und Kuchen?

Nicht eindeutig geregelt sind aber Zwischenmahlzeiten

am Nachmittag wie zum

Beispiel „Kaffee und Kuchen“, die aber

vermutlich ebenfalls unter die „Aufmerksamkeiten“

(wie Kekse) fallen. Hoffentlich

bekommen wir aber keine gebürtigen Spanier

als Richter an deutsche Finanzgerichte.

Warum? Nun, als ich einen befreundeten

Spanier in Madrid besuchte, bekam ich

bei seiner Mama „richtiges“ spanisches

Frühstück. Woraus es bestand? Kaffee

und Kekse! Nicht auszudenken, wenn das

die Richter in Münster gewusst hätten.

Ronald K. Haffner

Fotos: Pixabay (oben), Ronald Haffner (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


RATGEBER MARKETING | 51

Wie steigere ich meinen Gewinn

mit Online-Marketing?

Die Grundlagen einer erfolgreichen und bezahlten Kampagne.

Foto und Quelle Grafik: Torsten Strom

Schon Henry Ford wusste: „Die Hälfte

meiner Werbung ist hinausgeworfenes

Geld. Ich weiß nur nicht, welche

Hälfte.“ Er beschreibt damit das Dilemma

des klassischen Marketings. Im Gegensatz

zu klassischem Marketing ist der Erfolg

im Online-Marketing durch Definition und

Überprüfung echter Leistungskennzahlen,

sogenannter Key Performance Indicators

(KPI), exakt planbar. Ich kann also heute

meinen Return on Investment (ROI) durch

meine Online-Marketing-Aktivitäten anhand

der KPI genau messen und nach Bedarf einzelne

Schritte und Maßnahmen zur weiteren

Optimierung nachjustieren. Eine bezahlte

Online-Werbeanzeige ohne genaue

Kenntnis der KPI und deren Zusammenhänge

ähnelt einem Blindflug und endet meist

im finanziellen Desaster. Wie kann man

solch ein Desaster vermeiden, werde ich

immer wieder von meinen Kunden gefragt.

Beginnen wir mit den über allem stehenden

Leistungskennzahlen (KPI). Ohne KPI

ist eine klare Zielstellung (ROI) und eine

messbare Kampagne nicht möglich. Die

KPI finde ich in den jeweiligen Werbeplattformen

der einzelnen Anbieter wie

Google Ads, Facebook ADs, seit kurzem

Amazon AMS et cetera.

Die wichtigsten KPI: CPA und EPA

Die zwei wichtigsten KPI im Online-Marketing

sind: CPA (Cost per Acquisition) und EPA

DER AUTOR

Torsten Strom, Jahrgang

1964, wohnt und lebt in

Leipzig und ist Inhaber

der IDEEN:strom GmbH

– Agentur für Online Marketing,

Brand Communication

und Business Development.

Er ist seit über 30 Jahren

aktiv im Kommunikationsgeschäft.

(Earn per Acquisition). CPA sind also die Kosten,

die ich aufwende, um einen Kunden zu

gewinnen. EPA die Einnahmen von jedem

einzelnen Kunden. Daraus ergibt sich der

klassische Gewinn oder der ROI. Diesem ROI

[Umsatzsteigerung, Mitarbeitergewinnung,

Markenbekanntheit (in einem Segment),

Image, Reputation und so weiter] müssen

ebenfalls eindeutige Zahlen (Euro, Stück, Anzahl,

Prozent et cetera) zugeordnet sein.

Drei weitere wichtige KPI sind der CPC

(Cost per Click), die Conversionrate und

die Bouncerate. Der CPC, der durch meine

Werbeanzeige entsteht, fließt in den

CPA ein, um ein exaktes Messergebnis

zu bekommen. Denn nicht jeder der klickt,

kauft ja auch. Im normalen Business wird

so nicht gerechnet. Die Conversionrate

sagt etwas zum Verhältnis der Besucher

(nicht zwingend Käufer!) auf meiner Seite

zu den Impressionen (wie oft meine Anzeige

gesehen wurde). Sie ist prozentualer

Ausdruck der Klickrate. Die Bouncerate

sagt etwas über die Absprungrate

nach dem Klick. Die beiden letzten

KPI werden in Prozent angegeben.

Eine Beispielrechnung

Die Grafik zeigt die Zusammenhänge

der vier KPI und die Ergebnisse an einem

fiktiven Beispiel (Zahlen zur Vereinfachung

gerundet). Anhand der beiden wichtigsten

KPI lässt sich leicht erkennen, ob ich in der

Gewinnzone oder im Verlustbereich bin.

Wenn ich die Zusammenhänge aller Kennzahlen

sehe, kann ich leicht innerhalb der

Werbeplattform an Stellschrauben drehen,

um weiter die Kosten (CPA) zu reduzieren

und den Gewinn (EPA) zu steigern.

Fazit

Auch im Online-Marketing sind neben einem

guten Produkt weiterhin hohe

Kreativität sowie Wissen um die

Zusammenhänge und gegenseitigen

Einflussnahmen aller

Eckdaten notwendig.

Anders als zu Henry Fords

Zeiten ist es heute besser,

klarer und einfacher, die

Kontrolle über die Marketingkosten

zu behalten. Ich gehe

sogar so weit zu sagen, dass der

Begriff Online-Marketing in absehbarer

Zeit aufgrund seiner exakten steuer- und

messbaren Möglichkeiten nur noch Marketing

heißt, da andere Marketingmethoden

dadurch obsolet werden.

Mein Thema in der nächsten Ausgabe: Die

Zusammenhänge zwischen bezahlter Online-Werbung

und organischer Kundengewinnung

in sozialen Medien für ein optimales

und skalierbares Wachstum im Internet.

Torsten Strom

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


52 | W+M RATGEBER

So gelingt der richtige Umgang

mit der Datenschutzgrundverordnung

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist eine europäische Regelung und vereinheitlicht nun das

Datenschutzrecht für den privaten und öffentlichen Bereich. Viele Regelungen, wie etwa die Pflicht zur

Einwilligung, gab es bereits im Bundesdatenschutzgesetz, nur haben sich nicht alle daran gehalten. Das

soll sich jetzt ändern. Entsprechend verunsichert ist man in vielen Unternehmen. Walter Schönenbröcher,

SIBB-Experte und Datenschutzbeauftragter der Berliner crm-now GmbH, erläutert die wichtigsten

Aspekte der DSGVO.

Wie soll ich auf die vielen E-Mails zum

Thema DSGVO reagieren?

Die meisten Unternehmen mit denen Sie

irgendwie in Beziehung stehen, senden Ihnen

E-Mails und bitten um Ihre Zustimmung

zur Datenspeicherung im Sinne der

DSGVO. Bei der Masse von E-Mails zu

diesem Thema liegt es nahe, dass man

diese einfach ignoriert. Dagegen spricht,

dass Sie gegebenenfalls einen interessanten

Geschäftskontakt übersehen und die

gemeinsame Kommunikation erschweren.

Firmen, die Ihre Daten aus gesetzlichen

Gründen speichern müssen, werden Sie

in der Regel nicht kontaktieren. Mails von

Firmen, die Sie nicht kennen oder mit denen

Sie nicht mehr in Beziehung stehen,

kann man hingegen getrost ignorieren. Es

ist nicht notwendig, dass Sie eine Datenspeicherung

ablehnen, da diese Firmen

Ihre Daten nach spätestens sechs Monaten

auf jeden Fall löschen müssen, wenn

keine Zustimmung vorliegt und Ihnen bis

dahin auch nichts mehr schicken dürfen.

Muss sich auch mein Unternehmen

mit der DSGVO befassen?

Wenn Sie Daten über lebende Personen

elektronisch speichern oder verarbeiten,

dann müssen Sie sich in Ihrem Unternehmen

an die Regeln der DSGVO halten.

Und das machen fast alle Unternehmen

allein schon mit den Daten ihrer Mitarbeiter,

welche ebenfalls als personenbezogene

Daten eingestuft werden. Mit guten

Datenschutzkenntnissen können Sie sich

selbst und Ihr Unternehmen aber auch

besser vor eventuellen, unerwünschten

Angriffen oder Datenverlusten schützen.

Was sind denn

personenbezogene Daten?

Damit sind alle Angaben gemeint, die zu

einer Person gehören und Rückschlüsse

über persönliche oder sachliche Verhältnisse

erlauben. Das schließt neben den

Daten von Interessenten, Kunden oder

Beschäftigen auch Fotos, Videos oder andere

Datentypen ein.

Wie muss ich mit personenbezogenen

Daten umgehen?

Sie sollten nur Daten sammeln, die wirklich

benötigt werden. Daten zu speichern,

die eventuell zu einem späteren Zeitpunkt

von Nutzen sein könnten, ist nicht legitim.

Alle Daten müssen gesichert aufbewahrt

und gelöscht werden, sobald diese nicht

mehr benötigt werden. Dies verpflichtet

Ihr Unternehmen zur Verwendung von

starken Passwörtern, Zugangskontrollen

und anderen branchenüblichen technischen

Sicherheitsmaßnahmen. Sie benötigen

einen standardisierten und dokumentierten

Prozess, der bestimmt, wann

bestimmte Daten zu löschen sind und der

Foto: pixabay

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


DATENSCHUTZ | 53

Fotos: pixabay (oben) crm-now GmbH (Mitte)

das am besten auch automatisch veranlasst.

Das reduziert Unsicherheiten und

spart Zeit. Denken Sie dabei auch an Ihre

Backupsysteme und stellen Sie sicher,

dass daraus nicht Daten wieder hergestellt

werden, die Sie eigentlich gelöscht

haben müssten. Sie haben eine Auskunftspflicht

und müssen auf Anfragen

betroffener Personen über die gespeicherten

Daten vorbereitet sein. Eine solche

Auskunft zusammenzustellen, könnte

aufwendig werden, wenn Sie die Daten

in verschiedenen IT-Systemen haben. Es

empfiehlt sich deshalb, die Gelegenheit

zu nutzen, mal richtig aufzuräumen und

personenbezogene Daten in der Zukunft

zentral an einer Stelle in einem allgemein

üblichen, strukturierten und maschinenlesbaren

Format zu speichern. Sollten Sie

personenbezogene Daten an einen externen

Dienstleister weitergeben, müssen

Sie zusätzlich noch eine Vereinbarung zur

Auftragsdatenverarbeitung abschließen

und sich zusichern lassen, dass dieser

Dienstleister sich auch an die Vorgaben

aus der DSGVO hält. Das ist etwa bei der

Nutzung von Cloud-Lösungen der Fall und

gilt auch für externe Lohnbuchhaltungsunternehmen,

die dabei Mitarbeiter-, Kunden-

und Lieferantendaten verarbeiten.

Muss ich mit Abmahnungen

rechnen?

Schauen Sie nach, was

Sie im Internet veröffentlicht

haben.

Wenn Sie auf Ihrer

Webseite nur Firmeninformationen

anzeigen, gibt es

keine Verarbeitung

von personenbezogenen

Daten, und

es kann auch niemand

zu diesem

Thema abmahnen.

Wenn Sie aber über

Ihre Webseite Kontaktinformationen einsammeln

wollen, so muss diese Datenübertragung

verschlüsselt sein und Sie müssen

Angaben zum Datenschutz in Ihrem Unternehmen

machen. Beachten Sie dies, sind

Sie auf der sicheren Seite. Potenzielle Abmahner

müssten Verstöße im Einzelfall prüfen

und nachweisen. Das ist aufwendig und

Datenschutzexperte

Walter Schönenbröcher.

die Rechtmäßigkeit ist auf Grund noch fehlender

Gerichtsentscheidungen umstritten.

Muss ich alle meine Kunden

anschreiben?

Nein. Es gibt zahlreiche gesetzliche Gründe,

warum Sie personenbezogene Daten

von Kunden speichern müssen. So gibt es

die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen, geschäftliche

Korrespondenz oder Betriebsabläufe,

die ohne personenbezogene Daten

gar nicht möglich sind. Erst wenn es keinen

gesetzlichen Grund mehr gibt, die Daten zu

halten, greift die DSGVO und Sie müssten

eine explizite Zustimmung für die Verarbeitung

der Daten einholen.

Ist Vertrieb durch die DSGVO

schwieriger geworden?

Eigentlich nicht wesentlich,

wenn Sie nicht zu

den Unternehmen gehören,

vor denen uns

die DSGVO schützen

soll. B2B-Kunden

dürfen weiterhin

ohne vorherige ausdrückliche

Zustimmung

angerufen werden,

wenn zumindest

von einer mutmaßlichen

Einwilligung des

Kunden ausgegangen

werden kann. Um der Rechenschaftspflicht

nachzukommen, sollte man selbst

Zeit und Dauer eines Anrufs festhalten.

Vermerken sollte man auch, ob die angerufene

Person gewillt ist, erneut kontaktiert

zu werden. Sie müssen nun allerdings

beachten, dass Sie für jegliche digitale

Werbemaßnahme eine Zustimmung

brauchen. Die Zustimmung muss im Double-Opt-in

Verfahren erfolgen. Das heißt,

eine Einzelperson muss ihr Interesse bestätigen,

bevor geworben werden kann.

Auch für bestehende alte Kontakte müssen

sie sich die ausdrückliche Erlaubnis

vom Kunden einholen. Sinnvoller Weise

sollten Sie eine Zustimmung dann natürlich

auch elektronisch erfassen, um

das auch jederzeit nachweisen zu können.

Das Tracken von E-Mails ist ein beliebtes

Hilfsmittel für den Vertrieb. Damit

lässt sich zum Beispiel herausfinden,

wie oft ein E-Mail-Empfänger eine Nachricht

öffnet oder welche Links geklickt

werden. Da eine solche Auswertung dem

E-Mail-Empfänger nicht bewusst ist, verlangt

die DSGVO auch dafür ausdrücklich

eine Zustimmung.

Gibt es Erleichterungen

für kleine Unternehmen?

Auch wenn kleinere Unternehmen im Vergleich

zu größeren einen höheren Aufwand

haben, die DSGVO gilt uneingeschränkt für

alle Unternehmen. Die einzige Erleichterung

besteht darin, dass Unternehmen, die weniger

als 250 Mitarbeiter beschäftigen, unter

besonderen Umständen von der Pflicht

zur Erstellung eines Verzeichnisses von

Verarbeitungstätigkeiten befreit sind. Diese

entsprechende Ausnahme ist allerdings

unglücklich formuliert und sorgt für große

Unsicherheit.

W+M

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


54 | W+M RATGEBER

Neue Arbeitswelt –

Bedrohung oder Chance?

Die Experten sind sich einig: Digitalisierung, neue Technologien

und demografische Entwicklung verändern unsere Arbeitswelt,

die Unternehmen stehen vor großen Veränderungen. Das mag

sein – und nun? „Disruption“ lautet das magische und zugleich so

bedrohliche Schlüsselwort. Innerhalb der kommenden fünf Jahre

wird jede Branche im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung mehr

oder weniger intensiv mit einer tiefgreifenden Veränderung der

Geschäftsmodelle konfrontiert sein. Von David Wiechmann

Ein bisschen erschreckend ist, dass

sich viele Unternehmen bereits beim

Nachdenken darüber schwer tun.

Während die Digitalisierung als Innovationstreiber

immer neue Megatrends wie

Künstliche Intelligenz (KI), Industrie 4.0,

Smart Services und Big Data hervorbringt,

sehen im Schnitt fast 75 Prozent der Unternehmen

in Deutschland nach einer Umfrage

von TNS Kantar 2017 diese vier Themen

entweder nicht als relevant an oder

sie haben sich noch nicht damit beschäftigt.

Natürlich gibt es immer auch andere

wichtige Herausforderungen für die Inhaber

und Manager. Aber wer nicht mit der

Zeit geht, dürfte schon bald seiner Zeit hinterherhinken.

Hinzu kommt die demografische Entwicklung.

In den kommenden 15 bis 20

Jahren werden dem Arbeitsmarkt etwa

zehn Millionen Menschen weniger zur

Verfügung stehen. Das führt nicht nur zu

einem Fachkräftemangel, sondern verursacht

einen enormen kulturellen Wandel

in den Unternehmen.

Ein wichtiger Schritt ist es, sich kurzfristig

auf die Arbeitswelt von morgen vorzubereiten.

Aber wie könnte eine solche

Arbeitswelt aussehen? Das Fraunhofer

Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

(IAO) geht davon aus, dass Mitarbeiter

im Büro in erster Linie „Wissensarbeiter“

sein werden. Sie beschäftigen

sich weniger mit herkömmlichen Routinearbeiten,

die künftig durch Intelligente

Systeme und Algorithmen erledigt werden.

Die Routinejobs werden ersetzt

durch konzeptionelle, strategische und

sogar noch ganz unbekannte Tätigkeiten,

die jedoch andere organisatorische

Rahmenbedingungen und ein vollkommen

neues Führungsverständnis erfordern.

Dorthin soll die Reise also gehen.

Nun gut.

Foto: Steelcase

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


BÜRO | 55

Foto: Marco Leibetseder www.editorial247.com

Allerdings reicht es noch nicht, das Ziel

beschreiben zu können – man muss sich

auf den Weg machen. Das physische Arbeitsumfeld

sollte die neuen Strukturen

und Prozesse lediglich perfekt abbilden.

Aber nicht erzwingen.

David Wiechmann ist Head of Interior

Design Team bei der Kinnarps GmbH.

Das Fraunhofer IAO hat bereits 2003

herausgefunden, dass neue Arbeitsformen

– etwa Projektarbeit mit wechselnden

internen und externen Beteiligten

von unterschiedlichen Orten aus, Kreativ-Workshops

oder die weitere Überlagerung

von Arbeit und Freizeit – im Büro

am besten durch so genannte „Multispaces“,

einem Mix der Büroformen mit unterschiedlichsten

Arbeitsplatzangeboten

in einer offenen Bürolandschaft (nicht zu

verwechseln mit dem klassischen Großraumbüro

oder Open Space), unterstützt

werden. Allerdings fühlt sich ein Großteil

der Arbeitnehmer im klassischen Zellenbüro

noch ziemlich gut aufgehoben: Die

Online-Jobbörse Indeed hat im vergangenen

Jahr ermittelt, dass 85,1 Prozent

der Beschäftigten in Deutschland in Zimmern

mit maximal fünf Kollegen sitzen.

Gleichzeitig sind 81,1 Prozent mit ihrer Arbeitsumgebung

zufrieden. Kein Wunder,

dass Veränderungen in der Raumstruktur

so große Widerstände hervorrufen:

Man hat seine Zelle lieb gewonnen und

will gar nicht raus.

Aber die meisten Beschäftigten werden

diese klassische Komfortzone wahrscheinlich

früher oder später aufgeben

müssen. Wenn es tatsächlich auf

die oben beschriebene Veränderung

der Tätigkeiten und Strukturen hinausläuft,

ist das mit links und rechts vom

Flur abgehenden Zellenbüros nicht darstellbar.

Dieser radikale Wandel für viele

Mitarbeiter muss jedoch gut vorbereitet

und sensibel umgesetzt werden.

Denn nur wenn das Ergebnis gleichzeitig

den Bedürfnissen der Menschen

und dem Bedarf des Unternehmens

entspricht, wird ein passender Schuh

daraus.

W+M

Ein Plus für Sie

und Ihre Mitarbeiter:

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56 | W+M RATGEBER

Neuheiten fürs Büro

Die Arbeitswelt von morgen verändert die Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb des Unternehmens.

Egal, wo die Arbeit stattfindet, auch künftig wird es Mobiliar geben, das das Leben erleichtert, manchmal

auch verschönt. Beispiele dafür haben wir im Folgenden für Sie herausgesucht.

Der Ausgezeichnete

VINTAGE is5 von Interstuhl

VINTAGE is5 ist konsequent

gestaltet bis hin zu den intuitiven

Verstellmöglichkeiten,

die funktional in das Design

integriert sind. Innovative

Neuheiten, auf Basis wissenschaftlicher

Erkenntnisse, animieren

zur Bewegung und vermindern

langes statisches Sitzen,

das den Körper belastet.

VINTAGE is5 erhielt bereits

nationale und internationale

Auszeichnungen: German

Design Award 2017, „Winner“-Auszeichnung

in der Kategorie

Office Furniture; den Best

Of NeoCon 2017 Innovation

Award, die Les Trophées

de l‘Innova tion 2017 der

Workspace Expo und

den Interior Design FX

Award 2014.

Der Übermittler

Sitzsensor S 4.0 von Interstuhl

Mit dem Sitzsensor S 4.0 erweitert Interstuhl in Kooperation

mit Garmin sein Angebot an bewegungsfördernden

Produkten. Der integrierte Sensor übermittelt wichtige

Vitaldaten des Körpers, gibt Rückschlüsse auf das optimale

Sitzverhalten und bringt mehr Bewegung in den Arbeitsalltag.

Der münzengroße Sitzsensor S 4.0 lässt sich

unkompliziert unter der Sitzfläche des Bürostuhls befestigen

und überträgt die Signale mittels ANT an den Bürocomputer

oder an eine kompatible Garmin-Uhr. Auf

Basis seines individuell ermittelten Sitzverhaltens erhält

der Nutzer Ratschläge für regelmäßige Positionswechsel,

leichte und schnell umsetzbare Workout-Übungen im

Büro sowie Hinweise für die ergonomisch richtige Einstellung

seines Drehstuhls.

Für Privatsphäre

Brody WorkLounge von Steelcase

Die Brody WorkLounge von Steelcase schafft eine Mikroarbeitsumgebung,

die dank ihrem intelligenten Design und

ihrem ergonomischen Komfort dazu beiträgt, dass Mitarbeiter

auch über längere Zeiträume konzentriert arbeiten können.

Die Gestaltung als eine Art Kokon bietet Schutz vor visuellen

Ablenkungen, um Privatsphäre und ein hohes Maß

an Konzentration zu ermöglichen. Gleichzeitig entspricht die

WorkLounge dank patentierter LiveLumbarTM-Technologie

in der Rückenlehne und individuell verstellbaren Arbeitsflächen

hohen ergonomischen Anforderungen. Ein Sensor

misst, ob die WorkLounge besetzt ist und informiert die

Kollegen mit einem entsprechenden Lichtsignal, dass der

Nutzer gerade nicht gestört werden möchte. Eine beheizbare

Polsterung verbessert den Komfort und löst eines der

Hauptprobleme im Großraum – die Temperatur.

Foto: Steelcase (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


BÜRO | 57

Der Erschwingliche

Series 1 von Steelcase

Die Stühle der Series 1 vereinen die wichtigsten Elemente eines qualitativ hochwertigen

Stuhls zu einem erschwinglichen Preis: Leistungsfähigkeit, Ergonomie, Stil und Qualität.

Bisher waren hochwertige Arbeitsstühle, die eine große Designauswahl miteinander

verbinden, eher eine teure Seltenheit. Durch sein leichtes Design ist er in verschiedenen

Anwendungsbereichen vielseitig einsetzbar und eignet sich dank der zahlreichen

ergonomischen Anpassungsmöglichkeiten für eine Vielzahl an unterschiedlichen Nutzern

und Sitzpositionen. Elf miteinander kombinierbare Netz-, Lumbalstützen- und Flexoren-Farboptionen

bieten ein breites Spektrum an Auswahlmöglichkeiten.

Der Aktivierende

Buoy von Steelcase

Buoy ist ein Hocker, der genauso aktiv ist, wie seine Nutzer. Er unterstützt Bewegungen im

Sitzen und bietet Komfort für jede Körpergröße und in jeder Körperhaltung. So wird das alltägliche

Sitzen zum aktiven Workout und fördert zudem die Gesundheit und das Wohlbefinden.

Buoy eignet sich für alle Körpergrößen und ist über einen Griff problemlos um bis zu 140 Millimeter

höhenverstellbar. Der Hocker mit praktischem Tragegriff ist in sechs kräftigen Farben

erhältlich und wiegt nur neun Kilo.

Die Ästhetischen

Die Stuhlreihe AC 5 von Vitra

Mit der AC 5 Group haben Antonio Citterio und Vitra eine Bürostuhlfamilie entwickelt, mit

der sich moderne, heterogene Bürolandschaften in einer durchgängigen Ästhetik einrichten

lassen. Ihre zurückhaltende Form, die eleganten Aluminiumelemente und die Verwendung

des klassischen Stoffes Hopsak rücken die Stühle der AC 5 Group in gestalterische Nähe zur

Aluminium Group von Charles und Ray Eames. Gleichzeitig decken die unterschiedlichen Modelle

der AC 5 Group ein breites Leistungsspektrum ab und die hochwertigen Allroundstühle

eignen sich jeweils besonders gut für spezifische Einsatzzwecke: vom vollergonomischen

Bürostuhl AC 5 Work über den funktional reduzierten AC 5 Studio und

den Konferenzstuhl AC 5

Meet bis zum flexiblen

AC 5 Swift auf

Rollen.

Foto: Steelcase (oben + Mitte)

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


58 | W+M RATGEBER

Die ostdeutsche Bestsellerliste

Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur wird exklusiv

von W+M aus den Verkaufszahlen 59 großer Buchhandlungen in

Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-

Anhalt und Thüringen erstellt.

HANS-WERNER SINN:

AUF DER SUCHE NACH DER WAHRHEIT

BESTSELLER-REZENSION

Das Werk ist beeindruckend: Ein Leben

in 633 Seiten! Handwerklich sauber gearbeitet

und lesbar auch für Nicht-Ökonomen.

Neben Details der Kindheit (zur Aufnahme

ins Gymnasium musste damals

eine mehrtätige Aufnahmeprüfung absolviert

werden), der Jugend (einmal in der

Schule sitzengeblieben) und der Karriere

(vom linken „Falken“ zum Euro-Kritiker)

sind es vor allem die von der „alternativlosen“

Regierungsmeinung abweichenden

Ansichten des Autors, die dem

Buch seine Bedeutung verleihen. Es ist

insoweit ein Stück Zeitgeschichte. Die

„Riester“-Rente, geschaffen nach einem

Plan des Autors, kämpft heute aufgrund

der Niedrigzinsphase mit der Akzeptanz.

Mit der Idee der „aktivierenden Sozialhilfe“

konnte er sich nicht durchsetzen. Unbestritten

jedoch der Aufstieg des CES

(Center of Economic Studies) sowie des

ifo-Instituts in München, das glaubhaft beschrieben

auf des Autors persönlichem

Engagement gründet. Wichtig die Erkenntnis,

dass es Aufgabe der (staatlich

bezahlten) Wissenschaftler ist, nicht die

Politik, sondern stattdessen das Volk zu

beraten und dass leider auch die Wissenschaft

gewissen Moden unterworfen ist.

Sinn weht aber oft auch der Wind ins Gesicht:

„Als Volkswirt steht man bei manchen

[…] Journalisten und Politikern ja ohnehin

leicht im Verdacht ‚rechts‘ zu stehen,

weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse

der Ökonomie Märkte im weitaus

günstigeren Licht zeigen […] als sie gesehen

werden.“ Dem stellt er seine Selbsteinschätzung

dagegen: „Ich selbst bin

wahrlich kein Neoliberaler […], sondern

ein Finanzwissenschaftler, der in der Rolle,

die er dem Staat beimisst, sogar noch

über den Ordoliberalimus hinausgeht und

aktive Eingriffe in den Wirtschaftsablauf

befürwortet.“ Das Buch schließt mit einer

Kritik zum Euro-System, insbesondere

zu den TARGET-Salden der Bundesbank,

die, werden sie nicht ausgeglichen,

das Euro-System sprengen werden.

Sinns Vorschlag: Die verschiedenen

US-Notenbanken haben auch solche Verrechnungssalden.

Aber sie werden jährlich

im April bezahlt. Ronald K. Haffner

ÜBER DEN AUTOR

Hans-Werner Sinn (geboren am 07.07.

1948) ist ein deutscher promovierter und

habilitierter Ökonom und Hochschullehrer

(im Ruhestand seit 2016). Er vertritt

teilweise zur Regierungspolitik kontroverse

Ansichten. Sinn stellt die Energiewende

in Frage, berechnete, dass die Kosten

der Migranten den deutschen Staat mehr

kosten als bringen, und war der Erste,

der die Sprengkraft der unausgeglichenen

TARGET-Salden der Bundesbank erkannte.

Beteiligt haben sich:

Thalia-Filialen in

Bautzen

Dresden (7x)

Halle

Meißen

Rudolstadt

Berlin (7x)

Eisenach

Hoyerswerda

Neubrandenburg

Saalfeld

Bernburg

Eisleben

Jena (2x)

Pirna

Schwedt/Oder

Brandenburg

Freital

Leipzig (2x)

Plauen

Weimar

Chemnitz (3x)

Gera

Leuna

Radebeul

Wildau

Cottbus

Görlitz

Löbau

Riesa

Zittau

Dallgow-Döberitz

Gotha

Lutherstadt Wittenberg

Röhrsdorf

Zwickau

Dessau

Großenhain

Magdeburg (2x)

Rostock (2x)

(www.thalia.de)

sowie die Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung in Frankfurt (Oder) (www.hutten-ffo.de). Die Teilnahme steht weiteren Buchhandlungen

jederzeit offen. Schreiben Sie bei Interesse eine E-Mail an janine.pirk-schenker@wirtschaft-markt.de.

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


LITERATUR | 59

The Big

Five for Life

BESTSELLER

WIRTSCHAFTSLITERATUR

EXKLUSIV FÜR W+M

1

Reichtum

ohne Gier

Die Gesetze

der Gewinner

6

2

4-Stunden

Woche

Die Kunst des

klaren Denkens

7

3

Rich Dad

Poor Dad

Raue Sitten

freche Luegen

8

4

Die Kunst des

klugen Handelns

Schnelles Denken

langsames Denken

9

5

Das Leben

gestalten mit den

Big Five for Life

10

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


60 | W+M NETZWERK

14. Sommernachtsball auf Schloss Wackerbarth

Olymp der Genüsse

Ein einzigartiges Ambiente bietet alljährlich der Sommernachtsball auf Schloss Wackerbarth.

Mitte Juni 2018 war es wieder soweit.

Die Landesbühnen Sachsen,

die Elbland Philharmonie

Sachsen und Schloss Wackerbarth luden

zum Sommernachtsball, diesmal

unter dem Motto „Olymp der Genüsse“

und mehr als 600 Gäste genossen

einen ganzen Abend lang den musikalischen

und kulinarischen Zauber Griechenlands

auf dem Erlebnisweingut.

Beim Eröffnungskonzert mit dem Titel

„Griechenland – meine Liebe“ erklangen

populäre Werke von Mikis Theodorakis,

dem wohl bekanntesten griechischen

Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Wackerbarths Chefkoch Karsten

Häusler wiederum bewies bei seinem

Menü, dass die abwechslungsreiche mediterrane

Küche des Landes neben Gyros,

Feta und Tzatziki noch viele weitere

Gaumenfreuden bereithält. Das musikalisch

untermalte Feuerwerk war ebenso

einer der Höhepunkte des Ballabends.


W+M

Den Eröffnungstanz

präsentierten die Tänzer

der Tanzcompagnie der

Landesbühnen Sachsen.

Die logistische

Herausforderung

für Küche und Service

wurde bravourös

gemeistert.

WIRTSCHAFT+MARKT

war als Medienpartner

natürlich vor Ort.

Fotos: Robert Michael/Schloss Wackerbarth, W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


GESELLSCHAFT | 61

118. Presseball Berlin

WIRTSCHAFT+MARKT lädt zum Ball

Am Sonnabend, den 12. Januar

2019, findet der Presseball Berlin

im Maritim Hotel Berlin statt. Es

ist bereits der 118. Ball, denn seit 1872

gehört der als Wohltätigkeitsveranstaltung

zugunsten notleidender Journalisten

ins Leben gerufene Berliner Presseball

zu den schönsten und wichtigsten

Events, die die Hauptstadt zu bieten hat.

Persönlichkeiten aus der internationalen

Medienwelt sowie Vertreter aus Politik,

Wirtschaft und Kultur bietet der Ball die

Möglichkeit der Begegnung, aber eben

auch des besonderen Vergnügens.

Im Jahr 2019 steht der Ball unter dem

Motto „70 Jahre Bundesrepublik und 30

Jahre Mauerfall“. Sicher werden gerade

dem Jubiläum, das 1989 die Wende einleitete,

noch viele Veranstaltungen folgen,

aber der Ball wird den Auftakt bilden und

Sie können dabei sein. WIRTSCHAFT+

MARKT, das Ostdeutsche Unternehmerund

Wirtschaftsmagazin, engagiert sich

auch deshalb für den Erfolg des Presseballs

Berlin und lädt seine Freunde und

Partner zum Feiern ein.

Verbunden ist der Presseball Berlin mit

dem konkreten Ziel der Würdigung der

Meinungs- und Pressefreiheit sowie der

Völkerverständigung in Europa. Darüber

hinaus soll er die Beziehungen unterschiedlichster

Gesellschaftsschichten untereinander

auf allen Ebenen fördern und

intensivieren. Gerade die Mischung aus

sozialer Verantwortung mit grandiosem

Vergnügen, einem Mix aus Charity und

Tanz, vielfältigen Netzwerkmöglichkeiten

sowie Kultur und Politik, macht die Besonderheit

dieser traditionellen Ballnacht auf

rund 5.000 Quadratmetern aus.

Ein stimmungsvoller Abend erwartet Sie.

Unsere Ballgäste erwartet eine festliche

Gala mit einem großen Entertainmentprogramm.

Erleben Sie das Berlin Show Orchester

und freuen Sie Sich insbesondere

auf die Powerfrauen „The Weather Girls“

mit ihrem Welthit „It’s Raining Men“ sowie

auf weitere musikalische Showacts. Disco,

Tanz, Tombola, kulinarische Spitzenleistungen

und diverse Bereiche, die zum Entdecken

und Genießen einladen. W+M

W+M

Es ist angerichtet.

Fotos: Presseball Berlin

Kein Ball ohne Walzer.

Wir wollen mit Ihnen feiern. Weitere

Informationen finden Sie unter presseball.de.

Dort können Sie sich auch anmelden.

Wenn Sie den Gutscheincode:

„WplusM“ nutzen, sichern Sie sich

den WIRTSCHAFT+MARKT-Partnerrabatt

von 20 Prozent. Wir sehen uns!

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


62 | W+M NETZWERK UNTERNEHMERVERBÄNDE

UV Berlin

SPREEFAHRT MIT BERLINER POLITIK

UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

Berlin. Die sommerliche UV-Jahreshauptveranstaltung,

wieder verbunden mit einer

Spreefahrt, hatte dieses Jahr das Thema

„550 Tage Berliner Senat im Amt – eine

Zwischenbilanz“. An dieser von Frank Nehring,

Herausgeber von W+M, moderierten

Podiumsdiskussion nahmen Abgeordnete

aller sechs im Abgeordnetenhaus vertretenen

Parteien teil. Über 80 Mitglieder und

Freunde des UV Berlin verfolgten die lebendige

Diskussion und nahmen auch selbst

aktiv an ihr teil. Diskutiert wurden vor allem

die Unternehmen berührenden Bereiche,

angefangen vom Mobilitätsgesetz mit

der stiefmütterlichen Behandlung des Autoverkehrs

über zu lange dauernde Verwaltungsvorgänge

in den Bezirken aufgrund

Personalknappheit bis hin zu den mit der

Ausbildung des beruflichen Nachwuchses

überforderten Schulen. Fazit: Ein „sehr

gut“ für ihre Arbeit wollten sich nicht einmal

die Vertreter der regierenden Parteien

geben, wobei ein Grund für das Nachhinken

hinsichtlich vieler Pläne auch der Umstand

ist, dass sich der öffentliche Dienst

in Personalnot und bei der Gewinnung neuer

Kräfte im offenen Wettbewerb mit der

Wirtschaft befindet. Der Abend klang mit

einem Get-together aus, das von allen Teilnehmern

– die, wie der Moderator humorvoll

angemerkt hatte, auf dem Schiff „gefangen“

waren – zu guten weiteren Gesprächen

untereinander wie auch mit den Politikern

genutzt wurde.

SOMMERBARBECUE FÜR JUNGUNTERNEHMER

Schwerin. Am 28. Juni 2018 kamen rund

50 Jungunternehmer aus allen drei Verbandsregionen

in den Schweriner Zoo. Im

Rahmen des INQA-Kooperationsprojektes

„LoB in Aktion“ lud der Unternehmerverband

zu einem Sommerbarbecue für Jungunternehmer.

„Neue Chefs – Neue Ideen

– Neue Führungsstile?“ war das Leitthema,

denn in vielen Unternehmen steht der

Generationswechsel an oder ist bereits in

vollem Gange. Aber nicht nur Unternehmensnachfolger

waren vor Ort, sondern

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg

auch Gründer und leitende Angestellte kamen,

um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Nach einer kurzen Begrüßung

und Führung durch den Hausherren Dr.

Tim Schikora wurden die Jungunternehmer

in der Afrika-Lodge „Hatima Tant“ von

UV-Geschäftsführerin Pamela Buggenhagen

zum Sommerbarbecue begrüßt. Nach

den intensiven Gesprächen in Workshops

nutzten alle Teilnehmer während des Barbecues

die Zeit für einen Erfahrungsaustausch

und das Knüpfen neuer Kontakte.

WIRTSCHAFT ZUFRIEDEN MIT HANSE KONGRESS

Rostock. Die Organisatoren des Hanse

Kongress sind sich einig; das Konzept der

Veranstaltung, die am 22. und 23. Juni 2018

in Rostock stattfand, ist aufgegangen. Der

UV Rostock, die IHK zu Rostock, die HWK

Ostmecklenburg-Vorpommern und die Gesellschaft

für Wirtschafts- und Technologieförderung

Rostock haben ein gutes Bild vom

Wirtschaftsstandort Rostock geliefert. Die

Unternehmen der Region hätten wiederum

vielfältige Kontaktmöglichkeiten nutzen

können und die Kurzvorträge zu den unterschiedlichsten

Themen boten eine gute

Basis für angeregte Diskussionen.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Niklas Graf von Bernstorff

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Dr. Burkhardt Greiff

Geschäftsführer: Steffen Heller

Hauptgeschäftsstelle

Drewitzer Str. 47, 14478 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-bb.de

Internet: www.uv-bb.de

Geschäftsstelle Berlin

Charlottenstraße 80, 10117 Berlin

Tel.: +49 30 2045990

Fax: +49 30 20959999

E-Mail: berlin@uv-bb.de

Geschäftsstelle Cottbus

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-bb.de

Unternehmerverband Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführerin: Pamela Buggenhagen

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres

Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 5c, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsführer: Dr. Andreas Golbs

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

Geschäftsführer: Friedrich W. Schmitz

c/o IHK Erfurt - Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 786599-70

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsführer: N. N.

Geschäftsstelle

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

Foto: UV Berlin

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


28. Jahrgang | Heft 3 | Mai/Juni 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

001_Titelentwürfe_WuM_0317 1 19.04.2017 14:57:16

069_Titel_W+M_0617 69 09.10.2017 10:37:14

001_W+M_Titel_0318 1 18.04.2018 09:15:56

0 3 >Die

4

001_Titelentwurf_WuM_0417 1 14.06.2017 12:32:11

001_Titel_W+M_0118 1 07.12.2017 12:59:37

001_WuM_Titel_0418 1 13.06.2018 09:19:16

0 4 >Die

4

001_Titel_WuM_0517 1 17.08.2017 13:13:30

001_Titel_W+M_0218 1 14.02.2018 13:42:12

4

W+M

28. Jahrgang | Heft 4 | Juli/August 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

28. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

BERLIN

BUNDESTAGS-

BILANZ

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

MECKLENBURG-

VORPOMMERN +

BRANDENBURG

BUNDESTAGSBILANZ

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

THÜRINGEN +

SACHSEN-ANHALT

BUNDESTAGSSERIE

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

MINDESTLOHN

Wie die Zollkontrollen

den Mittelstand belasten

EXKLUSIV

Erwin Sellering über

das Ende der

Russland-Sanktionen

REPORT

Der Aufstieg von

Schloss Wackerbarth

AUTO

Passende Limousinen

für jeden Unternehmer

Warum der Osten so interessant für Investoren aus dem Reich der Mitte ist

Chinesen kommen

1 9 8 4 6 1 8 0 6 5 0 0

EXKLUSIV

Warum Dietmar Woidke

auch künftig auf einen

Ostbeauftragten setzt

REPORT

Wie die Commerzbank im

Mittelstand wachsen will

SPITZENPRODUKT

„Smarte Socke“ aus

Hohenstein-Ernstthal

AUTO

Die schönsten Cabrios

des Sommers

Ostdeutsche Regionen, die die EU-Förderung am besten genutzt haben

Aufsteiger

1 9 8 4 6 1 8 0 6 5 0 0

EXKLUSIV

Stanislaw Tillich erklärt

den Investitionsboom

REPORT

Neue Regelungen

für Leiharbeit

IMMOBILIENMARKT

Höhere Mieten,

weniger Leerstand

AUTO

Die Lieblinge der

Dienstwagenfahrer

Merkels Bilanz

0 5 >

1 9 8 4 6 1 8 0 6 5 0 0

28. Jahrgang | Heft 6 | November/Dezember 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

29. Jahrgang | Heft 1 | Januar/Februar 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

29. Jahrgang | Heft 2 | März/April 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

EXKLUSIV

Bodo Ramelow

über die Zukunft des

Verbrennungsmotors

REPORT

Bergbausanierung

kurbelt Mittelstand an

FINANZIERUNG

Vier Alternativen

zum Kredit

AUTO

Neuheiten auf dem

Nutzfahrzeug-Markt

EXKLUSIV

Michael Müller über

Milliardeninvestitionen

in Berlin

ZUKUNFTSORT

EUREF-Campus

in Schöneberg

REPORT

Autohandel

im Umbruch

RATGEBER

Klug aus der

Insolvenz kaufen

EXKLUSIV

Ministerpräsident

Haseloff will

Ostbeauftragten

im Kanzleramt

STUDIE

Ost-Firmen auf

Wachstumskurs

REPORT

Aufbruch ins neue

Autozeitalter

RATGEBER

Neuerungen

rund ums Geld

Packt der Osten die

digitale Wende?

Digitalisierung

So managt der Osten auch diese Wende

Industrie 4.0

Wir können

MASCHINEN

29. Jahrgang | Heft 3 | Mai / Juni 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

29. Jahrgang | Heft 4 | Juli / August 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

29. Jahrgang | Heft 5 | September / Oktober 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

INTERVIEW

Ministerpräsident Woidke

über Investitionen und

die neue Landeskampagne

EXKLUSIV

Hidden Champions

aus den neuen Ländern

EXKLUSIV

So steht es um

die Ost-Eliten

INTERVIEW

Ostbeauftragter Hirte

über „Jammerossis“

und „Besserwessis“

BUNDESTAG

Alle 152 ostdeutschen

Abgeordneten

im Porträt

EXKLUSIV

Ministerpräsidentin Schwesig

über Digitalisierung und ihren

Kurs gegenüber Russland

SPITZENPRODUKT

Universal-Abdichtung aus

geschredderten Altreifen

REPORT

„Cool Climate“-Weine

aus Sachsen auf Siegeszug

RATGEBER

Investitionen

klug planen

INTERNATIONAL

In den USA investieren –

trotz Donald Trump

RATGEBER

Erfolgreiche Strategien gegen

Anfechtungsansprüche

Finanzierung

des Mittelstands

Ohne Geld

ist vieles nichts

Der Osten

steckt voller Energie

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64 | W+M NETZWERK

Juri Gagarin † – erster Mensch im All. Siegmund Jähn – erster Deutscher im All. Thomas Reiter – erster Deutscher, der in den

Weltraum ausstieg.

Wissenschaftliche Konferenz

Menschen im All

Prof. Lutz-Günther Fleischer (Leibniz-Sozietät)

und Prof. Pascale Ehrenfreund (Vorstandsvorsitzende

des Deutschen Zentrums für Luftund

Raumfahrt).

Die Griechen dachten schon an die Nutzung

der Muskelkraft (Ikarus).

Aus Anlass des 40. Jahrestages

der Weltraummission von Sigmund

Jähn veranstalteten die Leibniz-Sozietät

der Wissenschaften und das

Leibniz-Institut für interdisziplinäre Studien

eine zweitägige Wissenschaftliche

Konferenz. Vertreter des VBIW nahmen

als Gäste teil. Höhepunkt des ersten Tages

war das Auftreten der Weltraumfahrer

Siegmund Jähn und Thomas Reiter.

Prof. Dieter B. Herrmann bot außerdem

einen äußerst interessanten Rückblick

auf die Visionen, die Menschen früherer

Zeiten von der Raumfahrt hatten. Weitere

Vorträge behandelten die Experimente

der Weltraumfahrer, die Weltraummedizin,

die Suche nach Leben im Weltraum

und ethische und künstlerische Fragen.

Am Rande der Tagung präsentierte der

Heimatverein Sperenberg eine Ausstellung

über die Geschichte der Raumfahrt.

Das Gebiet um Sperenberg (Kummersdorf-Gut)

wird darin zu Recht als Wiege

der Weltraumfahrt bezeichnet. Dort waren

ab 1932 die Flüssigkeitsraketen entwickelt

und erprobt worden, die später in

Peenemünde getestet und nach Kriegsende

von den USA und der Sowjetunion

als Vorlage benutzt wurden.

Rudolf Miethig (VBIW)

Die Sumerer stellten sich vor, auf dem Rücken

eines Adlers zu fliegen.

Das Aggregat 2 entstand in

der Raketen-Versuchsstelle

Kummersdorf. Es erreichte

2,2 Kilometer Flughöhe. Aus

ihm folgte das Aggregat 4,

dessen Überreste 1945 in

die USA und Sowjetunion

gelangten.

Die Visionen

Jules Vernes’

beruhten

schon auf

physikalischen

Gesetzen. Seine

Rakete verfehlt

den Mond und

umkreist ihn

danach.

Vision des Physikers O’Neill von einer

Weltraumkolonie. Die beiden gegenläufig

rotierenden Zylinder simulieren die

Schwerkraft und stabilisieren die Kolonie.

Fotos: Wikimedia Commons/Fyodor Nosov (oben links), Gerhard Kowalski (oben Mitteund rechts), BASF/Rasche (Mitte links), Wikimedia Commons/gemeinfrei (Mitte rechts oben),

Miethig/VBIW (Mitte rechts unten), Wikimedia Commons/gemeinfrei (unten links), Stiftung Preußischer Kulturbesitz (unten Mitte), Wikimedia Commons/gemeinfrei (unten rechts)

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


Swantje Pieplow will den

Aufwind in Schornsteinen nutzen.

VBIW | 65

VBIW-Sonderpreise

für „Jugend forscht“

Zum 27. Mal unterstützt der VBIW

den Nachwuchsforscherwettbewerb

durch Delegierung von Fachleuten

in die Jury und durch Ausschreibung

von VBIW-Sonderpreisen. Auf dem

Regionalwettbewerb Brandenburg Ost

übergab Manfred Kochan vom VBIW den

Sonderpreis an Marnick Borchmann, Linda

Krüger und Melvin Pompsch. Die Schüler

des Emil-Fischer-Gymnasiums im Seecampus

Schwarzheide beschäftigten sich

mit „freischwimmenden Kunststoffkörpern“.

Sie denken dabei an eine Anwendung

für schwimmende Ferienhäuser, die

den Tourismus im Lausitzer Seenland beleben

könnte. Manfred Kochan zeigte sich

begeistert von der gut durchdachten Modelllösung

und den realen Vorstellungen

zur Weiterentwicklung des Projektes.

Beim Regionalwettbewerb Brandenburg

West in Brandenburg an der Havel zeichnete

Anke Prahtel vom VBIW das Projekt

„Aufwindkraftwerke – Alternative

für Deutschland?“ aus. Die Auswahl war

schwer gefallen. „Beeindruckend war die

Bandbreite der Themen“, so Anke Prahtel.

„Neben dem äußerst hohen Niveau

der Arbeiten begeisterten mich die einfachen,

aber pfiffigen Ideen der Schüler.“

Mit ihrer Arbeit stellte sich die 18-jährige

Gymnasiastin Swantje Pieplow aus Königs

Wusterhausen die Frage, ob Wind-,

Wasser- und Solarkraftwerke die einzigen

Alternativen zu Atom- und Kohlekraftwerken

sind oder ob auch das Aufwindkraftwerk

eine denkbare Möglichkeit

zur Stromerzeugung ist. Sie kommt

in ihren Betrachtungen zu dem Schluss,

dass Aufwindkraftwerke wegen ihres hohen

Flächenbedarfs im dichtbesiedelten

Europa zwar nicht vordergründig geeignet

erscheinen, aber man diesen Ansatz

nicht gänzlich verwerfen sollte. Auch in

Anbetracht der einfach herzustellenden

Baustoffe sieht sie eine realistische Anwendungsmöglichkeit

in afrikanischen

Ländern. Denkbar wäre auch, sich den

Luftstrom in Industrieschornsteinen zu

Nutze zu machen, um ihn als Antrieb eines

Generators zu nutzen.

Den VBIW-Preis beim Landeswettbewerb

Brandenburg erhielten die 17- und

18-jährigen Schülerinnen Josephine Wernicke,

Rebecca Schönknecht und Henriette

Bäßler des Marie-Curie-Gymnasiums

Hohen Neuendorf. Sie untersuchten,

ob sich im Stagnationswasser, also

im Wasser, das längere Zeit in den Leitungen

steht, die Qualität des Trinkwassers

verschlechtert. Erleichtert ziehen sie das

Fazit, dass die Trinkwasserverordnung in

ihrer Schule nach wie vor eingehalten und

die Trinkwasserqualität nicht durch Bakterien

oder Metall-Ionen beeinträchtigt

wird. Dennoch geben sie Empfehlungen,

wie an ihrer Schule Verschlechterungen

der Wasserqualität in Hitzeperioden

und in den Ferien vermieden werden

können, zum Beispiel durch elektrische

Wasserhähne, welche den Hahn nachts

für fünf Minuten öffnen, oder durch

Entfernen der Perlatoren, hinter denen

sich das Wasser nach der Benutzung

staut.


Jutta Scheer (VBIW)

VBIW – Verein Brandenburgischer

Infobox Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Infokasten VBIW, wie zuletzt Heft 3/2018

Landesgeschäftsstelle:

Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder)

Tel.: 0170 9856578

E-Mail: vbiw-ev@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

Fotos: BASF/Rasche

Josephine Wernicke, Rebecca Schönknecht und Henriette Bäßler (v. l.) fahnden nach Bakterien

im Trinkwasser.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


66 | W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick auf die

nächste Ausgabe

Bewegte

Zeiten

Das Klima für Geschäfte ist weltweit

rauer geworden. Das liegt nicht unwesentlich

an der restriktiven Handelspolitik

von US-Präsident Donald Trump.

Der eher kleinteilige ostdeutsche Mittelstand

orientiert sich daher perspektivisch

auf andere Märkte – etwa in Europa und

Asien – und will darüber hinaus wieder stärker

den traditionellen Absatzmarkt Russland

reaktivieren. In unserer Titelgeschichte

beschreiben wir, wie sich der ostdeutsche

Mittelstand im globalen Wettbewerb

behauptet. Wir beleuchten, was die Wirtschaftsministerien

und Fördergesellschaften

der ostdeutschen Bundesländer konkret

leisten, um den Unternehmen bei der

internationalen Markterkundung zu helfen.

Zudem geben wir einen umfassenden Ausblick

auf das Ostdeutsche Wirtschaftsforum,

das am 8. und 9. November 2018 in

Bad Saarow stattfindet und unter dem Motto

steht: „In bewegten Zeiten – die ostdeutsche

Wirtschaft im globalen Wettbewerb“.

Seit vier Jahren ist Bodo Ramelow Ministerpräsident

in Thüringen. Der erste Regierungschef

der Linken auf Bundesländerebene

lenkt die mit nur einer Stimme

Mehrheit ausgestattete rot-rot-grüne Koalition

mit ruhiger Hand und einem liberalen

wirtschaftlichen Kompass. Im kommenden

Jahr wird in Thüringen ein neuer Landtag

gewählt. In den Umfragen liegt die Linke

derzeit hinter der CDU. Im Interview mit

WIRTSCHAFT+MARKT erklärt Ramelow,

an welchen wirtschaftspolitischen Stellschrauben

er in den verbleibenden Monaten

drehen will, um noch an den Christdemokraten

vorbeiziehen.

Neben Nachrichten und Reportagen aus

den neuen Bundesländern lesen Sie wie

gewohnt einen facettenreichen Ratgeberteil.

Die nächste Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT erscheint am

25. Oktober 2018. W+M

PERSONENREGISTER

Altmeier, Peter 10, 19

Arndt, Rommy 19

Bäßler, Henriette 65

Bergner, Martin 6

Borchmann, Marnick 65

Buggenhagen, Pamela 62

Bulc, Violetta 16

Citterio, Antonio 57

Dobelli, Rolf 59

Durajczyk, Piotr 16

Ehrenfreund, Pascale 64

Elfenhorst, Jan 16

Enderlein, Katja 27

Fern, Oliver 19

Ferriss, Timothy 59

Fissenewert, Peter 49

Fleischer, Lutz-Günther 64

Fojtu, Lubomir 16

Fricke, Eckart 16

Gadow, Michael 35

Gedaschko, Axel 6

Gerber, Albrecht 30

Gessert, Oliver 14

Giffey, Franziska 9

Gillmann, Niels 8

Glawe, Harry 26/27, 28

Golze, Diana 43

Götze, Tobias 16

Graf von Bernstorff, Niklas 6

Grindel, Reinhard 9

Gropp, Reint E. 19

Grosch, Mathieu 16

Haffner, Ronald K. 50, 58

Hahne, Peter 59

Hansen, Frank 19

Haug, Achim 19

Häusler, Karsten 60

Henschel, Christian 19

Hermann, Robert 19

Herrmann, Dieter B. 64

Heydenbluth, Peter 6

Hirte, Christian 10, 19

Holtmeier, Gerhard 9

Hüther, Michael 43

Jähn, Johannes 16

Jähn, Siegmund 64

Joras, Andrea 19

Kahnemann, Daniel 59

Kammradt, Steffen 19

Kiyosaki, Robert T. 59

Kluge, Boris 16

Koch, Michael 16

Kochan, Manfred 65

Kollmorgen, Raj 19

Krüger, Linda 65

Ksoll, Markus 16

Lüttjohann, Peter 16

Maslock, Frank 16

Meinel, Christoph 19

Montebaur, Alexander 19, 34/35

Müller, Michael 9

Ninnemann, Jan 16

Nölke, Markus 16

Padberg, Eva 9

Pattberg, Annika 19

Paukstat, Rolf 6

Pegel, Christian 19

Pieplow, Swantje 65

Platzeck, Matthias 6

Pofalla, Ronald 6

Pompsch, Melvin 65

Praetorius, Barbara 6

Prahtel, Anke 65

Ragnitz, Joachim 8, 19, 33

Ramelow, Bodo 66

Reck, Robert 16

Reiter, Thomas 64

Rendez, Helmar 19

Richter, Jakob 19

Rieg, Dietmar 44/45

Rodestock, Bodo 36/37

Sapper, Thomas 6

Schäfer, Bodo 59

Scheer, Jutta 65

Schikora, Tim 62

Schneemann, Dirk 6

Schönenbröcher, Walter 52/53

Schönknecht, Rebecca 65

Schulze, Sven 16

Schwesig, Manuela 22-25, 27

Seger, Nils 19

Seidel, Bernd 16

Sellering, Erwin 23/24

Sinn, Hans-Werner 58

Stapper, Florian 48

Stenger, Tillmann 12/13, 19

Strelecky, John 59

Strom, Torsten 51

Theodorakis, Mikis 60

Tiefensee, Wolfgang 40/42

Tillich, Stanislaw 6

Trump, Donald 3, 24, 44, 66

Uhrig-Lammersen, Marion 9

Vogel, Alexander 35

Wagenknecht, Sahra 59

Wandt, Adalbert 16

Webel, Thomas 16

Weiland, Ute E. 19

Wernicke, Josephine 65

Wiechmann, David 19, 54/55

Wischner, Martin 16

Wowereit, Klaus 9

Zapp, Harald 19

Zeng, Robin 42

Zimniok, Barbara 19

Foto: freshidea/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 5/2018


Foto: .shock, Fotolia

Bewegt sitzen –

mehr bewegen!

Die Aktion für mehr Bewegtsitzen.

büro-bewegung.de


»Bewegung im Büro« ist eine Aktion von:

DIMBA

Deutsches Institut

für moderne Büroarbeit


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