Leseprobe Winterhof - Sameena-Jehanzeb

nadineskonetzki

»Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.«

Von klein auf liebt Kora den Schnee und den Winter. Seine eisige Umarmung gibt ihrem kranken Herzen das Gefühl, im richtigen Takt zu schlagen. Je älter Kora wird, desto weniger Schnee gibt es in ihrem Leben. Die Welt wird wärmer, die Umweltkatastrophen verheerender und schon bald muss Kora den Winter suchen. Schließlich findet sie ihn in einem kleinen Dorf, in dem der Legende nach die Schneekönigin wohnt. Als sie tatsächlich auf diese trifft, stellt die Königin des Winters sie vor eine Entscheidung, bei der Kora nur verlieren kann – ganz gleich, welche Wahl sie trifft.

dass einst eine lange, gläserne Brücke ihren Winterhain mit dem

Schloss verbunden hatte. Doch die Brücke war zerstört worden

und die kleine Schneeprinzessin im Winterhain gefangen, bis sie

eines Tages gefunden wurde. Sie musste nur noch ein klein wenig

länger warten.

Frohgemut tanzte das Mädchen auf seiner Lichtung barfuß

im Schnee. Der Winterhain war kalt, aber die Schneeprinzessin

war es auch, sodass ihr die Kälte fast warm erschien. Sie genoss

die frostige Luft und den Anblick ihrer schneebedeckten Zuflucht

die ganze Nacht lang. Am Morgen erwachte sie stets in ihrem

Bett in der realen Welt, ganz und gar erfüllt von dem Zauber

ihres Winterhains.

Die kleine Schneeprinzessin wuchs bald zu einer Frau heran

und die Frau verliebte sich in einen Prinzen, der in Wahrheit

gar kein Prinz war, sondern nur ein einfacher Mann. Auch sie

glaubte längst nicht mehr daran, eine Schneeprinzessin zu sein,

und träumte nur noch selten von dem verzauberten Winterhain,

in dem sie stets hatte vergessen können, dass sie mit einem Leiden

geboren worden war. Die Ärzte hatten Kora als Kind schon

erklärt, dass ihr Herz zu klein sei und nicht richtig mit dem Rest

ihres Körpers wüchse. Manchmal fühlte sich die Frau sehr müde

und das Atmen fiel ihr schwer. Sie konnte viele Dinge nicht tun,

da diese sie zu sehr anstrengten. Darum hatten ihre Eltern ihr nie

erlaubt zu rennen, herumzuspringen oder auf Bäume zu klettern.

Jetzt, da sie erwachsen war, verstand Kora all das und es machte

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