Leseprobe Hunter - Katharina-sommer

nadineskonetzki

Manchmal genügen wenige Worte, um deine Welt zum Einsturz zu bringen … Merke dir, wenn du nach Geheimnissen suchst, findest du die düstersten häufig genau dort, wo sie dir schon immer am nächsten waren: in deiner Familie.

Oh Sweet Sixteen. Erst an ihrem sechzehnten Geburtstag erfährt Ginny, dass sie zu einer Familie von Dämonenjägern gehört. Sie hat kaum Zeit, sich mit ihrem neuen Schicksal anzufreunden, denn die Dämonen gewinnen an Macht und die Clans stehen kurz vor dem Zerfall. Jetzt gibt es kein Zurück. Die Jagd hat begonnen und Ginny steckt mittendrin.

dig. Ich riskierte einen Blick zu meinem Großvater. Ein Wort, um

seinen Gesichtsausdruck zu beschreiben: grimmig. Bei ihrer Geheimnisgeheimhaltung

verstanden sie absolut keinen Spaß. Was

auch immer sie mit mir vorhatten – ich war so was von geliefert.

Mit gesenktem Kopf folgte ich Dad und Grandpa hinaus in

den Flur. Mein schlechtes Gewissen darüber, dass ich gelauscht

hatte, nagte an mir und gern hätte ich mich entschuldigt, brachte

jedoch in meiner Aufregung keinen zusammenhängenden Satz

zustande. Schlussendlich kam ich jedoch zu dem Entschluss, dass

ich mir gar nichts zuschulden hatte kommen lassen – außer vielleicht

am falschen Ort zur falschen Zeit gewesen zu sein. Schon

klar, mein Plädoyer war noch verbesserungswürdig, aber für den

Moment schmälerte es zumindest mein schlechtes Gewissen.

Wir entfernten uns immer weiter vom großen Salon, jedoch

sagte niemand ein Wort. Es herrschte Schweigen – eines von der

Sorte, bei dem man sich unwohl die Haare um die Finger wickelte

und vor Nervosität an den Fingernägeln knabberte. Da natürlich

weder Dad noch Grandpa eines dieser zwei Dinge taten, lag es an

mir, meine Frisur zu zerstören und meine Finger zu malträtieren.

So unwohl die Situation auch war, ich fühlte mich nicht verpflichtet,

das Schweigen zu brechen, weshalb ich ihnen lediglich

still und leise hinterher trottete. Kreuz und quer durch das Labyrinth

aus Gängen, die uns abwärts in Richtung Keller führten.

Zwar gab es in jedem Stockwerk nur einen Hauptflur, doch da

sich die weißen Wände kaum voneinander unterschieden, war es

manchmal selbst für mich schwer, die Orientierung zu behalten,

wo es doch eigentlich mein Zuhause war.

Flankiert von Grandpa und Dad, fühlte ich mich in die Enge

getrieben. Wären wir in einem Film, wäre ich der hoffnungslose

Sträfling, begleitet von meinen zwei erbarmungslosen Wärtern.

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