Leseprobe Hunter - Katharina-sommer

nadineskonetzki

Manchmal genügen wenige Worte, um deine Welt zum Einsturz zu bringen … Merke dir, wenn du nach Geheimnissen suchst, findest du die düstersten häufig genau dort, wo sie dir schon immer am nächsten waren: in deiner Familie.

Oh Sweet Sixteen. Erst an ihrem sechzehnten Geburtstag erfährt Ginny, dass sie zu einer Familie von Dämonenjägern gehört. Sie hat kaum Zeit, sich mit ihrem neuen Schicksal anzufreunden, denn die Dämonen gewinnen an Macht und die Clans stehen kurz vor dem Zerfall. Jetzt gibt es kein Zurück. Die Jagd hat begonnen und Ginny steckt mittendrin.

acht, da war es nicht verwunderlich, dass sie mir manchmal

wie Fremde vorkamen.

Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, dass meine

Eltern ihre drei Kinder ins Internat gesteckt hatten: mich nach

London und meine Brüder in eine reine Jungen-Schule nach

Irland. Einerseits war das Internat ein Segen für mich. Eine aufregende

neue Schule, die mich aus dem trostlosen, langweiligen

Landleben riss. Auch rund um die Uhr mit seinen besten Freunden

zusammen zu sein, war ein großer Pluspunkt. Aber wenn ich

daran zurückdachte, wie es gewesen war, als ich, ohne jemanden

zu kennen, von der Hauslehrerin in mein Zimmer geführt worden

war, zog sich alles in mir zusammen. Wie allein ich mich gefühlt

hatte, als sie mich in einem noch leeren Zimmer zurückgelassen

hatte. Damals hatte mich meine jetzige beste Freundin Scarlett

zusammengerollt wie eine kleine Katze auf dem kalten Bett in

dem dunklen, verlassenen Zimmer gefunden. Draußen hatte es

in Strömen geregnet, ich hatte das Prasseln der Tropfen an der

Fensterscheibe gehört, während sich mein kleines Kinderherz vor

Heimweh schmerzhaft zusammengezogen hatte. An diesem Tag

hatten meine Eltern mich verloren. Das ganze Jahr über Meilen

voneinander getrennt zu sein, sich nur jedes halbe Jahr zu sehen,

das würde ich mir niemals für meine Kinder wünschen.

Doch dann gab es auch die Sonnenseiten. London war perfekt

für mich. An Scarletts Seite blühte ich auf. Früher hatte ich

nie Freunde gehabt, im Internat hatte sich das endlich geändert

und für mich gab es kein schöneres und aufregenderes Leben.

Dennoch konnte ich an manchen Tagen den Gedanken nicht

vertreiben, dass meine Eltern mich nicht liebten, mich nicht bei

sich haben wollten. Ich fragte mich, warum unsere ganze Familie

rund um die Welt verteilt sein musste. Mum in Frankreich, Jon

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