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Die Federsammler - Der Zwilling

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von Jugendlichen<br />

für Jugendliche<br />

Krimi<br />

<strong>Federsammler</strong><br />

<strong>Der</strong> <strong>Zwilling</strong>


2<br />

Impressum<br />

<strong>Die</strong> <strong>Federsammler</strong><br />

<strong>Der</strong> <strong>Zwilling</strong><br />

1. Auflage 2018<br />

©KlangbildVerlag, Jena<br />

Herausgeber: Bundespolizeidirektion München<br />

Ein gemeinsames Projekt der Bundespolizeidirektion München, Bundespolizeiinspektion Nürnberg<br />

(Polizeiliche Kriminalprävention); Jugend will ... gemeinnützige GmbH Jena<br />

Konzept & Projektleitung: Polizeihauptmeister Maik Kaiser, Polizeihauptmeister Norbert Keuchel,<br />

Antje Hübner (Jugend will)<br />

<strong>Der</strong> <strong>Zwilling</strong><br />

<strong>Die</strong> Jung-AutorInnen aus dem Geschwister-Scholl-Gymnasium Röthenbach bei Nürnberg:<br />

Michael Banovici, Nadine Bayer, Aylin Berkil, Lea Braeske, Tobias Dammann, Sophia Neudecker, Leonie Reiche,<br />

Svenja Rößeler, Celin Stolzenwald<br />

Redaktion/Werkstattleitung: Polizeihauptmeister Maik Kaiser, Polizeihauptmeister Norbert Keuchel,<br />

Antje Hübner, Annika-Susann Leicht, Stefanie Bretzner<br />

Lektorat: Antje Hübner<br />

Illustration & Satz: Maria Suckert; Antje Hübner<br />

Umschlag: Maria Suckert, Weimar<br />

Gedruckt in Deutschland bei Förster & Borries GmbH & Co. KG, Zwickau<br />

<strong>Der</strong> Abdruck der Geschichten erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Urheber und ihrer Erziehungsberechtigten.<br />

Vielen Dank!<br />

<strong>Die</strong> Handlungskulissen der Geschichte sind reale Orte. <strong>Die</strong> Handlung selbst sowie in Verbindung stehende<br />

Personen und Namen sind frei erfunden.<br />

Alle Rechte vorbehalten<br />

ISBN 978-3-9819213-2-8<br />

www.jugend-will.de


4<br />

INHALT<br />

1. Wie alles begann ...<br />

2. Auf Streife<br />

3. <strong>Die</strong> Stadtbesichtigung<br />

4. Einer dreht durch<br />

5. Onkel Vitali<br />

6. Einer aufgeklärt<br />

7. Zuhause (bei Vitali)<br />

8. Auch das noch!<br />

9. Zwei aufgeklärt<br />

10. Unfassbar<br />

11. Zu zweit<br />

12. Später<br />

S. 7<br />

S. 34<br />

S. 44<br />

S. 48<br />

S. 58<br />

S. 62<br />

S. 70<br />

S. 84<br />

S. 93<br />

S. 96<br />

S. 101<br />

S. 107<br />

Herzlichen Dank<br />

S. 110


6 7<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

Wie alles begann<br />

Vitali und Annabell genossen den Abend. <strong>Die</strong> untergehende Sonne spiegelte<br />

sich auf der Wasseroberfläche des Starnberger Sees. Vitalis Blick ging<br />

über den See während die Bundespolizistin in ihrer Tasche kramte.<br />

„Ok, hast du die Unterlagen dabei?“, fragte Vitali seine Tochter.<br />

Er war sehr nervös. Er hatte bis spät in die Nacht an der Reparatur eines<br />

Helikopters gearbeitet, sodass am Morgen alle Maschinen planmäßig starten<br />

konnten. Doch seine Anspannung kam nicht daher.<br />

Morgen würde sein Neffe Fietje zu Besuch kommen. Er hatte ihm eine<br />

wichtige Mitteilung zu machen.<br />

Vitali hatte ein intelligentes und offenes Wesen. Das hatte ihm sein Freund<br />

aus St. Petersburg einmal gesagt. <strong>Der</strong> legere Typ mit dem Cord-Sakko liebte<br />

Bücher über alles. Seine Leinenhose trug er immer ohne Gürtel.<br />

So etwas war ihm lästig und außerdem war er modebewusst.<br />

Auf ein Accessoire konnte er aber nicht verzichten. Selbstsicher trägt<br />

er sein Basecap, trotz seiner 53 Jahre. Durch seine Tochter ist er jung<br />

geblieben. Zum Glück blieb sie bei ihm nachdem seine Frau ihn für so einen<br />

Finanzfritzen im Stich ließ. Und dieser hatte nicht einmal so volle und<br />

dunkle Haare wie er.<br />

Bundespolizei allgemein und als Arbeitgeber<br />

<strong>Die</strong> Bundespolizei beschäftigt rund 41.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jeder einzelne von ihnen<br />

leistet einen Beitrag dazu, Deutschland und Europa sicherer zu machen. Als dem<br />

Bundesministerium des Innern unterstellte Behörde ist die Bundespolizei für viele anspruchsvolle<br />

und abwechslungsreiche Aufgaben zuständig. Dabei arbeitet sie eng mit den Landespolizeien und<br />

anderen Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern zusammen. Auch grenzüberschreitende Einsätze<br />

- zum Beispiel bei internationalen Missionen der Vereinigten Nationen oder der EU - gewinnen<br />

immer mehr an Bedeutung.<br />

www.bundespolizei.de | www.komm-zur-bundespolizei.de<br />

Annabell wollte heute von der Arbeit Unterlagen mitbringen, um ihren<br />

Cousin Fietje über das Berufsbild des Polizeivollzugsbeamten in der<br />

Bundespolizei und die vielen Spezialisierungsmöglichkeiten zu informieren.<br />

Er hatte sie deswegen angerufen und sie darum gebeten.<br />

Fietje war vor kurzem bei der Wanderausstellung „Prävention trifft Kunst",<br />

bei der er sich Projekte aus der Präventionsarbeit der Bundespolizei angesehen<br />

hatte. Besonders gut hatte ihm das „Coolrider“-Projekt mit dem<br />

Motto „Hinschauen statt wegschauen“ gefallen.<br />

Noch am gleichen Tag konnte er selbst zwei „Coolrider“ beobachten. <strong>Die</strong><br />

beiden Fahrzeugbegleiter sorgten dafür, dass eine Oma einen Sitzplatz in<br />

der S-Bahn bekam. Fietje war begeistert, wie zwei Jungs in seinem Alter<br />

so viel Zivilcourage in einem vollbesetzten Abteil zeigten. Das Coolrider-<br />

Projekt hatte scheinbar dazu beigetragen. Da ihm seine Cousine auch schon<br />

von spannenden Einsätzen bei ihrer Arbeit erzählt hatte, kam er auf die<br />

Idee, selbst zur Bundespolizei zu gehen. Nun war er auf dem Weg zu seinem<br />

Onkel und seiner Cousine. In den Herbstferien wollte er schon einmal<br />

etwas sortieren, wie es bei ihm weitergehen könnte.


8 9<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

„Na klar, was denkst du denn?“, antwortete Annabell ihrem Vater etwas<br />

schnippisch und legte Flyer und Broschüren auf den Tisch.<br />

Vitali war schon wieder in Gedanken versunken. Das mit Fietje war längst<br />

überfällig.<br />

„Schau doch jetzt mal her!“, fuhr Annabell ihren Vater genervt an. Erst<br />

machte er so einen Stress und jetzt ignorierte er sie.<br />

Vitali starrte störrisch auf den See. Annabell kochte vor Wut. Sie hatte<br />

auch einen anstrengenden Tag gehabt. Heute wurde mal wieder ein Messer<br />

gezogen und es gab viel Blut. Auch der Notarzt musste kommen. Es hatte<br />

ihr gerade noch gefehlt, dass ihr Vater jetzt nicht zuhörte. Nach Minuten<br />

langem Schweigen meinte Vitali: „Denkst du, es wird gutgehen, wenn Dennis<br />

und Fietje sich morgen treffen?“<br />

Ach, daher wehte der Wind! Ihr Vater machte sich Sorgen um Fietje. Dennis<br />

wusste ja schon, dass er einen <strong>Zwilling</strong>sbruder hatte. Aber Fietje war bis<br />

jetzt absolut ahnungslos. Ihr Vater wollte morgen eine Familienzusammenführung<br />

starten. Annabell hoffte sehr, dass sich Dennis wenigstens dieses<br />

Mal anständig benehmen würde.<br />

Immer, wenn ihr anderer Cousin da war, brannte die Luft. Und leider war<br />

er häufig da. Fietje würde so oder so Schwierigkeiten haben, damit klar zu<br />

kommen. Bei seinem zarten Gemüt. Fietje war ganz anders als sein Bruder.<br />

Annabell beobachtete ihren Vater.<br />

Sein Blick hing immer noch auf dem See. Er war schon immer ein ruhiger<br />

und belesener Typ gewesen. In letzter Zeit hatte er sich aber mehr und<br />

mehr zu seinen Büchern zurückgezogen. In Russland war er Lehrer an der<br />

Lomonossow-Universität Moskau gewesen. Nur wegen ihrer Mutter siedelte<br />

er nach Deutschland um. Blöd, dass auch sie jetzt weg war. Sein Abschluss<br />

wurde damals in Deutschland nicht anerkannt. Somit: Adé Bücher und Philosophie!<br />

Einzig seine Leidenschaft für Helikopter und Modellflugzeuge<br />

hatte ihm den Mut gegeben, noch einmal ganz<br />

neu anzufangen.<br />

Mit 30 Jahren hatte er eine Lehre zum Fluggerätemechaniker<br />

in Erding begonnen. Während der Ausbildung<br />

nahm er an einer Exkursion zur Fliegerstaffel Oberschleißheim<br />

teil. <strong>Die</strong> dort aufgereihten Helikopter<br />

hatten sein Herz höher schlagen lassen. Kurz<br />

entschlossen bewarb er sich bei der Bundespolizei<br />

und bekam den Job. <strong>Die</strong> Philosophie<br />

vermisste er immer noch, auch, wenn ihm die<br />

Arbeit als Mechaniker bei der Fliegerstaffel<br />

sehr viel Spaß machte.<br />

Aufgabe Präventionsbeauftragte: Coolrider-Projekt<br />

Wanderausstellung<br />

<strong>Die</strong> Bundespolizeidirektion München initiiert seit 2015 eine Wanderausstellung "Prävention trifft Kunst".<br />

Im Rahmen dieser Wanderausstellung präsentiert die Bundespolizei kleine und große Kunstwerke, die<br />

während oder nach den Präventionsveranstaltungen angefertigt wurden. <strong>Die</strong> Künstler wurden in ihrer<br />

kreativen Phase und auch danach von unseren Präventionsbeauftragten begleitet und beraten. Ausstellungorte<br />

waren u. a. das Bundeskriminalamt in Wiesbaden, der Deutsche Präventionstag in Magdeburg,<br />

der Flughafen München und die Gemeinde Cumiana in Italien.<br />

Das Coolrider-Projekt ist ein Projekt der VAG (Verkehrs-Aktiengesellschaft<br />

Nürnberg) und gehört zu den Produkten der Polizeilichen<br />

Kriminalprävention "Ausbildung von Schulwegbegleitern".<br />

Coolrider sind Fahrzeugbegleiter, die im Großraum Nürnberg,<br />

Regensburg, Augsburg und Aschaffenburg ausgebildet werden.<br />

Unter dem Motto: "Hinschauen statt wegschauen" zeigen Coolrider<br />

Zivilcourage, wo andere nur danebenstehen. Dazu gehört<br />

natürlich Mut und Selbstbewusstsein. In der Ausbildung lernen<br />

Coolrider Konflikte zwischen anderen Schülern gewaltfrei zu<br />

lösen.<br />

www.coolrider.de | www.coolrider-freunde.de


10 11<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

Vitalis Wecker klingelte wie üblich um 6:00 Uhr. Eine Stunde brauchte er fürs<br />

Frühstück und den Rest. Danach fuhr er nach Oberschleißheim. In Gedanken<br />

war er wieder bei Fietje und Dennis. <strong>Die</strong> <strong>Zwilling</strong>e wurden direkt nach der<br />

Geburt zwischen den Eltern aufgeteilt. Vitalis Schwägerin, die Mutter, war<br />

außer sich. Georg, der Vater, wollte ihr nach der Trennung nicht beide Kinder<br />

lassen. Fietje sollte bei ihr in Jena aufwachsen und Dennis nahm Georg<br />

einfach aus dem Krankenhaus mit zu sich nach Erlangen. Er hatte darauf<br />

bestanden, dass jeder von ihnen ein Kind bekommt. Vitali packte das Lenkrad<br />

jetzt fester: „<strong>Die</strong> beiden sind <strong>Zwilling</strong>e. Das war doch nicht richtig! Sie hätten<br />

sich wenigstens kennenlernen und ab und an mal sehen sollen.“<br />

Er bog in die Einfahrt zur Bundespolizei-Fliegerstaffel ein.<br />

Das Sicherheitstor öffnete sich für ihn automatisch. Hinter ihm erstreckte<br />

sich ein dichter Wald. Vor ihm stand das „Downwash“ Kunstwerk, was von<br />

der Morgensonne angestrahlt wurde. „Kunst am Bau – so etwas kriegen<br />

nur die Deutschen hin!“, brummte Vitali schlecht gelaunt. Seit Februar 2016<br />

stand hier dieses moderne Fliegerstaffelgebäude. Seitdem hatten es die<br />

Mechaniker leichter. <strong>Die</strong> Hallen waren hell und weitläufig. <strong>Die</strong> Kollegen hatten<br />

genügend Raum, um sich um ihre „Helis“ zu kümmern. Meist waren sie zu<br />

acht an einem Hubschrauber am Werk. <strong>Die</strong> tägliche Überprüfung machten<br />

die Piloten selbst. Aber regelmäßig mussten sich die „Pirol“-Helikopter einer<br />

größeren Kontrolle unterziehen oder repariert werden. Dafür waren er und<br />

seine Kollegen da.<br />

Bundespolizei-Fliegerstaffel<br />

<strong>Der</strong> <strong>Die</strong>nststelle der Bundespolizei-Fliegerstaffel (FLS) wurde jeweils ein bestimmtes örtliches<br />

Zuständigkeitsgebiet zugewiesen. Vergleichbar ist dies mit den Gebietsaufteilungen bei den<br />

Bundespolizeiinspektionen. Eine FLS hat i.d.R. aufgrund der großen räumlichen Ausdehnung weitere<br />

Stützpunkte (vgl. Bundespolizeireviere) und Luftrettungsstationen. In Deutschland gibt es fünf<br />

Fliegerstaffeln.<br />

Pirol<br />

<strong>Der</strong> Pirol ist ein Vogel und Wappentier der Bundespolizeifliegergruppe (BPOLFLG).<br />

Auch ist er in Verbindung mit einer Kennnummer der Funkrufname der BPOL-Fliegerstaffel<br />

(z.B. "Pirol 240").


12 13<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

Als Vitali auf den Eingang zuging, kamen ihm 2 Piloten entgegen. Von 120 Leuten<br />

gab es 20 zivile Mitarbeiter wie Vitali. Er war stolz, zu dieser auserwählten<br />

Gruppe zu gehören. <strong>Die</strong> beiden Bundespolizisten waren noch jung. Lisa und<br />

Fabian. Er mochte besonders Fabian sehr. Seine Puma hatte Vitali ständig am<br />

Wickel und Fabian kam oft, um zwischendurch nach seinem „Babe“ zu sehen.<br />

<strong>Die</strong> jungen Piloten hatten eben eine emotionale Beziehung zu ihren Hubschraubern.<br />

„Bei denen ist noch „PS unterm Pony“, dachte Vitali schmunzelnd. Lisa<br />

und Fabian wetteiferten immer mit den Daten ihrer Helis wie bei einem Auto-<br />

Quartettspiel. „Meiner hat dies und meiner hat das ...“<br />

Schick sahen die beiden heute Morgen in ihrer Fliegerkombi aus. <strong>Die</strong> Sonne<br />

schien auf ihre stolzen Gesichter, man hörte nur das Rauschen der A99.<br />

Sonst war es mucksmäuschenstill auf dem Gelände. Fliegerkombis hatte<br />

jeder 5, die zogen sie im Grunde täglich an. Aber auch 2 <strong>Die</strong>nstanzüge hingen<br />

zuhause. Einer für gut und einer für besser. Vitali lächelte bei diesem Gedanken.<br />

Aber seine Laune hob sich noch nicht sonderlich. Das entging auch<br />

Lisa nicht.<br />

„Na, Vitali, was ist denn heute mit dir los? Ist dein Dennis wieder im Anflug?“<br />

„Wie recht du hast. Erinnere mich nicht daran! Ab heute Nachmittag wird mir<br />

dieser Bengel wieder das Leben schwer machen.“<br />

„Ach, Vitali, meine Puma steht doch schon zum Trost für dich bereit“, lächelte<br />

ihm Fabian entgegen.<br />

AS332 L1 Super Puma<br />

Mittlerer Transporthubschrauber (MTH) mit einer Höchstabflugmasse von 8,6t (Zuladung ca. 3t)<br />

und einer Triebwerksdauerleistung von ca. 2x 1.600 PS. Er wird zum Transport von Einsatzkräften<br />

(bis zu 18 Fluggäste) und VIPs (z.B. Bundeskanzler) sowie für Aufgaben mit Außenlasten (z.B. Windenrettung<br />

im Gebirge / bei Hochwasser, Feuerlöschen bei großflächigen Bränden oder in schwer<br />

zugänglichen Geländen wie Gebirgen und zum Transport von großen und schweren Gegenständen<br />

am Lasthaken unterhalb der Maschine) eingesetzt.<br />

Fliegerkombi/<strong>Die</strong>nstanzüge<br />

Es gibt Besonderheiten, wann welche <strong>Die</strong>nstkleidung getragen wird.<strong>Die</strong> Fliegerkombi ist die Einsatzuniform<br />

für Besatzungsmitglieder, flammhemmend und mit vielen Taschen versehen. Sie wird<br />

im Flug- und Staffeldienst getragen.Den "normalen blauen <strong>Die</strong>nstanzug" trägt man bspw. bei <strong>Die</strong>nstreisen<br />

und offiziellen Anlässen.<br />

Pilot<br />

Zu den Aufgaben der Piloten gehören:<br />

• Flugvorbereitung (Wetter, NOTAMs, Hubschrauber, Ausstattung, Briefing…)<br />

• Flugdurchführung<br />

(Steuerführung, Navigation, Sprechfunk, Systemüberwachung, Gesamtverantwortung…)<br />

• Flugnachbereitung (Debriefing, Hubschrauber, Ausstattung, Buchführung)<br />

• selbstständige theoretische Fortbildung- und Weiterbildung<br />

zivile Mitarbeiter<br />

Sie sind Verwaltungsangestellte im Innendienst.Es gibt auch zivil angestellte Hubschraubermechaniker.<br />

Sie haben jedoch keine polizeiliche Ausbildung. <strong>Die</strong>se ist für die Wartung der Polizeihubschrauber<br />

nicht nötig. So kann man weiteres Fachpersonal gewinnen.


14 15<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

Er war ein smarter Typ. <strong>Der</strong> reinste Sonnenschein. Auch Angela Merkel<br />

mochte den jungen Piloten für ihre Flüge von Termin zu Termin.<br />

Vitali ging ohne ein weiteres Wort an den beiden vorbei in seine Halle. Lisa<br />

und Fabian schauten ihm besorgt hinterher. Fabian ging nun zur Tagesordnung<br />

über: „Ich gehe mal meine Notam checken.“<br />

Während er sich seine Arbeitsmontur überstreifte, dachte Vitali:<br />

„Hoffentlich muss ich heute nicht länger machen. Es wäre eine Katastrophe,<br />

wenn sich die beiden Jungs alleine über den Weg laufen! Wie soll ich Fietje<br />

das alles nur erklären?“<br />

NOTAM: "Notice to Airmen"<br />

Kurzfriste und temporäre Bekanntmachungen<br />

für Piloten, die für eine sichere Flugdurchführung<br />

wichtig sein können, z.B.<br />

Draußen hob gerade eine EC 135 ab. Das ARD/ZDF Morgenmagazin hatte sich<br />

für Filmaufnahmen angemeldet. Sie wollten nächste Woche eine Live-Schaltung<br />

zur Fliegerstaffel starten. Jetzt machten sie Probe-Aufnahmen aus<br />

dem Heli heraus. Sonst war es heute sehr ruhig, fast gespenstisch still. In<br />

der Halle standen nur noch 2 Hubschrauber zum Reparieren und 2, die Pause<br />

hatten. Alle anderen waren im Einsatz. Das war in letzter Zeit öfter so. <strong>Die</strong><br />

Welt musste ständig gerettet werden.<br />

Überwachung der Bahnanlagen und Grenzen, Hilfe bei Bahnunfällen, Katastrophen-Einsätze,<br />

VIP-Transport und Einsatzkräfte zu Demos bringen.<br />

<strong>Die</strong> letzten Monate waren entsetzlich voll. Was war nur mit den Menschen<br />

los?<br />

• Schließung eines Flugplatzes<br />

• Einrichten einer Flugbeschränkungszone, in<br />

die man nicht ohne weiteres einfliegen darf<br />

(z.B. während des Oktoberfestes in München)<br />

• Wartungsarbeiten an Flugplätzen oder<br />

Funknavigationsanlagen<br />

• Errichten von Flughindernissen<br />

E 135<br />

Aufklärungs- und Beobachtungshubschrauber (ABH) mit einem max. Abfluggewicht von 2.950 kg<br />

(Zuladung ca. 900 kg) und einer Triebwerksdauerleistung von ca. 2x 600 PS. Er ist der typische<br />

Polizei- und Rettungshubschrauber.<br />

Im Polizeiflugdienst wird er zur Aufklärung und Absuche nach Personen oder Fahrzeugen eingesetzt.<br />

Er kann bspw. auch zum schnellen Transport von Führungskräften oder <strong>Die</strong>nsthunden<br />

eingesetzt werden.


16 17<br />

Aufgaben des Bundespolizei<br />

Flugdienstes<br />

Überwachung der Bahnanlagen,<br />

Transport von Polizeikräften,<br />

Suche nach vermissten<br />

Personen, Suche nach<br />

flüchtigen Straftätern, Hilfe<br />

bei schweren Unglücks- und<br />

Katastrophenfällen im In- /<br />

Ausland, Überwachung der<br />

Grenzen, Beförderung sicherheitsgefährdeter<br />

Personen,<br />

Beförderung von Gästen der<br />

Bundesregierung, Unterstützung<br />

von Behörden des<br />

Bundes und der Länder, Unterstützung<br />

des Luftrettungsdienstes.


18 19<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

„Liebe Fluggäste, in Kürze erreichen wir den Münchner Flughafen ‚Franz<br />

Josef Strauß’. Bitte stellen Sie ihre Sitze aufrecht und schnallen Sie sich an!<br />

Wir beginnen in wenigen Minuten mit dem Landeanflug. Wir bedanken uns<br />

für Ihr Vertrauen und wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in<br />

München.“<br />

Fietje spürte, wie seine Aufregung langsam stieg. „Wie wird es wohl? Werde<br />

ich mich immer noch mit Vitali verstehen? Wir haben uns so lange nicht<br />

mehr gesehen und er wirkt immer so nachdenklich, wenn er mich anschaut.<br />

Ob Annabell schon Polizeioberkommissarin ist? Sie ist gerne auf Streife<br />

gegangen, aber sie wollte doch in den Ermittlungsdienst wechseln“, dachte<br />

Fietje und schaute aus dem Fenster auf München hinunter. „Hoffentlich zeigen<br />

mir Annabell und Vitali die Stadt. Aber was, wenn sie keine Zeit haben?<br />

Auf der anderen Seite hätten sie mich ja nicht eingeladen, wenn sie keine<br />

Zeit hätten, oder?“<br />

In diesem Moment setzten die Räder des Flugzeuges auf der Landebahn auf<br />

und ein Kribbeln durchlief ihn. Als es zum Stehen kam und die ersten Passagiere<br />

mit ihrem Handgepäck das Flugzeug verließen, schnappte sich auch<br />

Fietje seinen Rucksack und machte sich auf den Weg zur Passkontrolle. Dort<br />

angekommen ließ er vor Nervosität seinen Reisepass fallen und schaffte es<br />

erst beim zweiten Anlauf, dem Polizisten seinen Pass mit zitternden Händen<br />

zu übergeben. <strong>Die</strong>ser musterte ihn eingehend.<br />

Ermittlungsdienst<br />

Kriminalitätsbekämpfung > ein Haar, ein Fingerabdruck, jede noch so widersprüchliche Aussage: Wenn<br />

die Bundespolizei einem Straftäter auf der Spur ist, zählt das kleinste Detail. <strong>Die</strong> Beamtinnen und Beamten<br />

der Kriminalitätsbekämpfung sind im Einsatz, um Straftaten zu verhindern und zu verfolgen. Dabei<br />

bekämpfen sie unter anderem organisierte Schleuserbanden, die Menschen ohne erforderliche Aufenthaltstitel<br />

aus dem Ausland illegal nach Deutschland bringen.<br />

Polizeioberkommisar/-in<br />

Im Polizeidienst der Bundespolizei gibt es insgesamt drei Laufbahnen, den mittleren, den gehobenen<br />

und den höheren <strong>Die</strong>nst. Polizeioberkommissarin ist eine Amtsbezeichnung im gehobenen Polizeivollzugsdienst.<br />

<strong>Der</strong> Vorbereitungsdienst für den gehobenen Polizeivollzugsdienst dauert drei Jahre.<br />

Seit September 2010 absolviert unser Nachwuchs seinen Vorbereitungsdienst in einem modular gegliederten<br />

Diplomstudiengang unter dem Dach der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung.<br />

Theoretische und praktische Studienabschnitte wechseln sich ab und orientieren sich an den Bachelorkriterien.<br />

Passkontrolle<br />

Eine Passkontrolle ist ein Vorgang, bei dem die Identität der Person z.B. anhand eines Personalausweises<br />

oder eines Reisepasses festgestellt werden soll. <strong>Die</strong> Kontrollen können an den unterschiedlichsten<br />

Orten stattfinden.<br />

<strong>Die</strong> Passkontrollen (Grenzkontrollen) am Flughafen werden von Bundespolizisten durchgeführt. Sie<br />

überprüfen die Dokumente auf Echtheit und führen einen Abgleich mit dem Fahndungscomputer<br />

durch. Hauptzweck der Grenzkontrolle ist, die illegale Einreise in ein Land zu verhindern.


20 21<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

<strong>Die</strong> Sekunden rannen dahin, während der Blick des Beamten zwischen Fietjes<br />

Gesicht und dem Pass hin und her wanderte. Dabei entging ihm Fietjes Unsicherheit<br />

nicht.<br />

„Alles in Ordnung mit Ihnen?“, fragte der Polizist und gab ihm seinen Pass<br />

wieder zurück.<br />

„Ja, ja. Es war nur mein erster Flug alleine“, antwortete Fietje und steckte<br />

seinen Pass schnell wieder ein.<br />

Er lief weiter zu den Gepäckausgabebändern. <strong>Die</strong> Gepäckstücke der anderen<br />

Reisenden drehten ihre Runden. Nur Fietje wartete auf seinen Koffer. Doch<br />

dieser tauchte einfach nicht auf. Er sah sich um. Alle anderen machten sich<br />

auf den Weg durch die Zollabfertigung. Es rumpelte und da war er endlich.<br />

Er nahm seinen blauen Koffer vom Förderband und zog sein Skateboard aus<br />

den Außenriemen. Aus seinem Rucksack holte er die Rollen und befestigte<br />

sie wieder am Board.<br />

Gerade als er in Richtung Zollkontrolle gehen wollte, kamen zwei Bundespolizisten<br />

auf ihn zu.<br />

„Guten Tag. Bitte folgen Sie uns! Wir möchten etwas bezüglich Ihres Gepäcks<br />

klären“, sagte der größere Beamte.<br />

Fietje erstarrte. Er hatte doch nichts falsch gemacht, oder? Er nickte,<br />

obwohl er sich völlig überrumpelt und überfordert fühlte und er folgte den<br />

Beamten.<br />

Auf der Wache angekommen, baten die beiden Männer Fietje in einen<br />

Vernehmungsraum. Dort sollte er seinen Koffer auf einen Tisch stellen.<br />

Einer der Beamten verglich seine Identität mit den Angaben auf der<br />

Boardkarte. Fietje war sehr beunruhigt und verstand gar nichts mehr.<br />

„Können Sie sich vorstellen, warum Sie hier sind?“, fragte einer der Polizisten.<br />

<strong>Der</strong> andere fügte hinzu: „Sind Sie schon volljährig? Wenn nicht, müssen wir<br />

einen Ihrer Erziehungsberechtigten kontaktieren.“<br />

„Nein, ich bin noch nicht volljährig. Aber können Sie bitte meine Cousine, Annabell<br />

Vitalinowa Pawlow, kontaktieren? Sie arbeitet bei der Bundespolizei.<br />

Und, ... wieso bin ich hier?“<br />

Während einer der Polizisten den Raum verließ, um Fietjes Cousine anzurufen,<br />

erklärte ihm der andere Polizist: „Sie sind hier, weil Ihr Koffer bei einer<br />

Stichprobe aufgefallen ist.“<br />

Wache<br />

<strong>Die</strong> Polizeidienststellen werden als Inspektionen, Reviere oder Wachen bezeichnet und sind<br />

meist für den Publikumsverkehr geöffnet. Dort wird auf eingehende Notrufe sofort reagiert<br />

und man kann eine Anzeige aufgeben. <strong>Die</strong> <strong>Die</strong>nststellen gehören zu den organisatorisch<br />

selbstständigen Behörden innerhalb der Polizeistruktur. <strong>Die</strong>se kann zwischen Bundes- und<br />

Landespolizei abweichen.<br />

Vernehmungsraum<br />

Ein Vernehmungsraum ist neutral und ablenkungsfrei gestaltet. Vernehmungen werden dort<br />

störungsfrei durchgeführt. Es dürfen keine Gefahrenquellen für vernehmende Beamte entstehen.<br />

Stichprobe<br />

Zollkontrolle<br />

<strong>Die</strong> Zollkontrolle ist eine Überprüfung von Waren, Beförderungspapieren und Personen beim<br />

Übertritt über eine Zollgrenze beziehungsweise direkt im Anschluss daran. Sie können an Grenzübergängen,<br />

Flughafenterminals, im Zug, in Häfen und Flüssen oder auf der Autobahn stattfinden.<br />

Für die Zollkontrollen ist die Zollbehörde verantwortlich.<br />

Sobald der Reisekoffer am Schalter abgegeben wurde, kommt er auf eine Förderanlage.<br />

Dabei wird er auch kontrolliert. Zum größten Teil läuft das automatisch ab. <strong>Die</strong> Maschine<br />

erkennt, ob sich ein auffälliger Gegenstand im Koffer befindet. Wenn ja, wird das Gepäckstück<br />

in mehreren Stufen geprüft. Falls die Maschine den Gegenstand immer noch nicht einordnen<br />

kann, muss die Prüfung durch den Luftsicherheitsassistenten erfolgen. Findet dieser etwas<br />

Verdächtiges, wird die Bundespolizei verständigt. Anschließend wird versucht, den Reisenden /<br />

Eigentümer zu verständigen. <strong>Die</strong>ser kann evtl. Aufschluss über den Gegenstand bzw. die<br />

Flüssigkeit im Koffer geben.


22 23<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

Fietje riss erschrocken die Augen auf.<br />

„Und warum?“, fragte er als er sich wieder gefangen hatte.<br />

„Wie gerade gesagt, werden hier am Flughafen stichprobenartig Gepäckstücke<br />

überprüft. Beim Röntgen ist uns etwas aufgefallen. Was haben Sie in<br />

Ihrem Koffer?“, fragte er Fietje.<br />

<strong>Die</strong>ser überlegte und kratzte sich verlegen am Kopf.<br />

„Klamotten, ein Notizbuch und Camping-Zubehör“, zählte Fietje auf.<br />

„Machen Sie den Koffer bitte mal auf“, forderte der Beamte.<br />

Fietje zog den Reißverschluss auf und sofort purzelten getragene Kleidungsstücke<br />

heraus. Inmitten von Shirts lugte eine blaue Plastiktüte hervor.<br />

„Öffnen Sie bitte auch die Tüte!“<br />

Nickend löste Fietje die Henkel aus dem Knoten und förderte einen mit<br />

schwarzen Bändern fixierten Camping-Kocher zu Tage.<br />

„So etwas hatten wir auch noch nie. Ein Camping-Kocher, der beim Röntgen<br />

als ein nicht zuzuordnender Gegenstand eingeordnet wurde“, lachte der<br />

Bundespolizist. Fietje klappte die Kinnlade nach unten.<br />

„Sie können Ihre Sachen wieder einpacken. Danke für Ihre Geduld und Ihr<br />

Verständnis.“


24 25<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

Gerade als Fietje die letzten Socken nach dieser Fluggastkontrolle in den<br />

Koffer stopfte, ging die Tür des Vernehmungszimmers auf. Als er aufsah<br />

erkannte er Annabell. Seine Cousine trug eine helle Jeans und einen leichten<br />

grauen Herbstmantel. Sie gab dem Bundespolizisten die Hand und drehte sich<br />

dann zu Fietje. Sie schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme vor der<br />

Brust. „Was hatte ich dir zum Thema Urlaubsmitbringsel gesagt?“<br />

Dann umarmte sie ihren Cousin herzlich. Beide freuten sich über das Wiedersehen.<br />

„Ich kümmere mich um alles Weitere, Frank. Danke für den Anruf“, sagte<br />

Annabell zu dem Polizisten, der hinter ihr im Türrahmen stand.<br />

Sie kannten sich offensichtlich von der Arbeit. Sie zog ihren Mantel aus und<br />

legte ihn über die Stuhllehne. Unter ihrem Pulli zeichnete sich ihre <strong>Die</strong>nstwaffe<br />

ab. Frank übergab Annabell einige Papiere, mit denen sie nach nebenan<br />

verschwand. Fietje befestigte das Skateboard an seinem Rucksack und stellte<br />

den Koffer wieder auf den Boden.<br />

„So, wir können. Ich habe hier deine Fahrkarte“, sagte Annabell und gab ihm ein<br />

Bahn-Ticket. „Wo hast du den denn her? Bist du verheiratet?“, fragte Fietje<br />

unvermittelt und deutete auf Annabells Ring.<br />

Fluggastkontrolle<br />

<strong>Die</strong> Fluggastkontrolle ist eine bundespolizeiliche Aufgabe. Zur Abwehr terroristischer Angriffe<br />

auf den Luftverkehr, aber auch aufgrund stetiger Zunahme gewaltbereiter Passagiere, sind vorbeugende<br />

Fluggast-, Gepäck- und Frachtkontrollen unverzichtbar. <strong>Die</strong> Einbeziehung und gleichmäßige<br />

Behandlung aller Fluggäste gewährleistet ein Höchstmaß an Sicherheit.<br />

Handgepäckkontrolle: Das geschulte Personal überprüft das Handgepäck – schnell, diskret<br />

und dennoch gründlich.<br />

Personenkontrolle: Körperscanner, Tor- und Handsonden sind die bewährten technischen<br />

Mittel, um den Check aller Passagiere vor dem Abflug durchzuführen.<br />

Reisegepäckkontrolle: <strong>Die</strong> Reisegepäckkontrolle findet mittels modernster Röntgentechnologie<br />

vollautomatisch im Anschluss an den Check-In statt.<br />

<strong>Die</strong>nstwaffe<br />

Jede/-r Polizeivollzugsbeamte/-in hat eine<br />

persönlich zugewiesene <strong>Die</strong>nstwaffe und<br />

ist zum Führen ihrer/seiner <strong>Die</strong>nstwaffe<br />

berechtigt. <strong>Der</strong> Schusswaffengebrauch ist<br />

durch das Gesetz über den unmittelbaren<br />

Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt<br />

durch Vollzugsbeamte des Bundes geregelt.


26 27<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

„<strong>Der</strong> war ein Geschenk“, antwortete sie vage und wurde rot.<br />

Schnellen Schrittes durchquerte sie den Raum und schlüpfte durch die Tür.<br />

Fietje schulterte seinen Rucksack und folgte ihr. Auf dem Weg nach draußen<br />

sah er ein Mädchen in der Schleuse stehen. Sie lehnte lässig am Tresen<br />

und wirkte vollkommen fehl am Platz. Sie spielte mit einer ihrer Rastalocken<br />

und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Bis er an Fietje hängenblieb.<br />

Sie lächelte ihn an und ihre haselnussbraunen Augen strahlten. Als sie sich<br />

die Strähne hinters Ohr strich konnte er einen Blick auf ihr Lederarmband<br />

erhaschen.<br />

Hinter ihm raschelte es. Im nächsten Moment hielt ihm Annabell ein<br />

Taschentuch unter die Nase und flüstere in sein Ohr: „Hier, du sabberst.“<br />

Fietje wurde rot und grummelte: „Boah, du blöde...“<br />

Mit roten Ohren eilte er weiter. Annabell folgte ihm mit einem breiten Grinsen.<br />

Auf dem Weg zur S-Bahn trieb sie Fietje vor sich her. „Los, beeil dich ein<br />

bisschen. Ich muss zur Streife. Kannst nachher weiter schwärmen“, sagte sie<br />

wieder todernst. Bevor er etwas erwidern konnte, riss sie ihm den Koffer aus<br />

der Hand und lief vorneweg zum Bahnsteig.<br />

Sie kamen zur U-Bahn. Eine Bahn stand zur Abfahrt bereit. Das Signal zum<br />

Schließen der Türen ertönte. Plötzlich rannte noch jemand zu den bereits<br />

verschlossenen Türen und konnte nicht mehr einsteigen. Zu spät! <strong>Die</strong> Bahn<br />

fuhr ab.<br />

Das Mädchen von vorhin fluchte vor sich hin und sah sich suchend um. Ihr<br />

Blick traf den von Fietje, der sich mit seiner Cousine auf eine Bank gesetzt<br />

hatte.<br />

Schleuse<br />

Sicherheitsschleusen (Personenschleusen) dienen dem kontrollierten Zutritt von Personen in<br />

Gebäude und Sicherheitsbereiche.


28 29<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

<strong>Die</strong>ser zog augenblicklich seinen Koffer zu sich und legte die Beine darauf. Es<br />

sollte lässig wirken. <strong>Die</strong> Situation in der Wache war ihm noch immer peinlich.<br />

Und jetzt kam das Mädchen geradewegs auf sie zu.<br />

„Du warst doch eben auch auf der Wache, oder?“, fragte Annabell das<br />

Mädchen auch noch. Fietje war verstimmt. Konnte sie das bitte mal sein<br />

lassen!<br />

Sie nickte: „Ja, heute war ganz schön was los. Ich habe mit einem Kunden<br />

eine Strafanzeige wegen <strong>Die</strong>bstahls gemacht. Ich arbeite in einem Café am<br />

Flughafen, müsst ihr wissen. Ich bin übrigens Belinda.“<br />

„Mit <strong>Die</strong>bstählen kenne ich mich ja so gar nicht aus“, nuschelte Fietje.<br />

Er wollte auch irgendetwas dazu sagen. Annabell verdrehte die Augen.<br />

„Hm. Korrekt heißt das: Wegnahme einer fremden beweglichen Sache in<br />

rechtswidriger Zueignungsabsicht. Nochmal für dich: Wenn du einen<br />

Gegenstand einem anderen wegnimmst und diesen behalten willst,<br />

gecheckt?“, sagte Annabell.<br />

„Was ist denn noch passiert?“, wollte Annabell wissen.<br />

„Ja, das Spannendste habe ich noch nicht erzählt!“, lachte Belinda.<br />

„Spannender als wegen eines Campingkochers von der Bundespolizei<br />

mitgenommen zu werden?“, warf Annabell grinsend ein.<br />

Belinda hob nur fragend die Augenbrauen, während Fietje noch tiefer in<br />

die Bank rutschte. „Also, mit einem Campingkocher hatte ich heute nicht<br />

wirklich etwas zu tun. Dafür habe ich einen Drogendeal platzen lassen“, sagte<br />

Belinda nüchtern. „Drogendeal? What the ...?“, kam es überrascht von Fietje,<br />

der besser wieder aufstand, sonst wirkte er so desinteressiert.<br />

„Ich sagte ja, dass ich in einem Café arbeite. Da war so ein komischer Typ,<br />

total nervös, mit Basecap und Kapuze. Er war die ganze Zeit darum bemüht<br />

nicht aufzufallen. Er hat sich an einem Kaffee festgehalten, bis ein anderer<br />

Kerl aufgetaucht ist. Mit dem ist er in eine Ecke gerutscht und sie haben so<br />

komisch getuschelt. Und dann hatte er auf einmal so ein kleines Tütchen in<br />

der Hand. Ich habe genug Staffeln von CSI gesehen, um zu wissen, was da<br />

„Ja, hab’s verstanden“, knurrte Fietje. Warum machte ihn seine Cousine hier<br />

nur so unmöglich?<br />

Strafanzeige<br />

Verdacht auf Handel mit Betäubungsmitteln<br />

§ 158 StPO<br />

Strafanzeige; Strafantrag<br />

(1) 1 <strong>Die</strong> Anzeige einer Straftat und der Strafantrag können bei der Staatsanwaltschaft, den<br />

Behörden und Beamten des Polizeidienstes und den Amtsgerichten mündlich oder schriftlich<br />

angebracht werden. 2 <strong>Die</strong> mündliche Anzeige ist zu beurkunden. 3 Dem Verletzten ist auf<br />

Antrag der Eingang seiner Anzeige schriftlich zu bestätigen. 4 <strong>Die</strong> Bestätigung soll eine kurze<br />

Zusammenfassung der Angaben des Verletzten zu Tatzeit, Tatort und angezeigter Tat enthalten.<br />

5 <strong>Die</strong> Bestätigung kann versagt werden, soweit der Untersuchungszweck, auch in einem anderen<br />

Strafverfahren, gefährdet erscheint.<br />

(2) Bei Straftaten, deren Verfolgung nur auf Antrag eintritt, muss der Antrag bei einem Gericht<br />

oder der Staatsanwaltschaft schriftlich oder zu Protokoll, bei einer anderen Behörde schriftlich<br />

angebracht werden.<br />

Innerhalb vom Bahnhof: eine Polizeistreife der zuständigen Bundespolizeiinspektion wird verständigt.<br />

Im Rahmen des ersten Zugriffs werden die Personalien der/des Zeugin/-en aufgenommen und<br />

der Ablauf des Geschehens dokumentiert. Zur abschließenden Bearbeitung wird der Vorgang an<br />

das zuständige Kommissariat der Landespolizeiinspektion abgegeben.<br />

<strong>Die</strong>bstahl<br />

§ 242 StGB<br />

<strong>Die</strong>bstahl<br />

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich<br />

oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit<br />

Geldstrafe bestraft.<br />

(2) <strong>Der</strong> Versuch ist strafbar.


30 31<br />

WIE WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

abging. Also habe ich bei der Wache angerufen“, Belinda machte eine Pause.<br />

„Und dann?“, hakte Fietje nach. Annabell grinste.<br />

„Dann kamen zwei Streifen ins Café. Das haben die Typen natürlich mitbekommen.<br />

<strong>Der</strong> eine wollte sich vom Acker machen, da haben sie ihn sich geschnappt.<br />

<strong>Der</strong> andere ist aufs Klo verschwunden. Gerade in dem Moment, als<br />

er die Tür verriegeln wollte, kam der Hundeführer mit seinem Schäferhund<br />

dazu. <strong>Der</strong> war als Drogenspürhund ausgebildet“, erzählte sie weiter.<br />

Fietje war überrascht. Er hatte schon einmal im Fernsehen gesehen, wie ein<br />

Spürhund angeschlagen hat. In natura ist das sicher noch viel einschüchternder.<br />

Hundeeinsatz am Bahnhof und Flughafen<br />

<strong>Die</strong> Bundespolizei hat zwei verschiedene Rassen von <strong>Die</strong>nsthunden (DH), den Deutschen und den<br />

Belgischen Schäferhund. Für die Suche nach Sprengstoffen, Treibladungspulver oder Chemikalien<br />

ist jeder Hund geeignet, der einen gesteigerten Beute- und Spieltrieb besitzt. <strong>Die</strong> Hunde werden<br />

dual ausgebildet, d.h. sie sind Schutzhunde und Sprengstoffspürhunde zugleich.<br />

„Kurz gesagt, der Dealer wollte seine Ware gerade im Klo runterspülen als<br />

der Hund ihn erwischte. <strong>Der</strong> hat sogar versucht, über die Kabinentrennwand<br />

abzuhauen! Und dann hat er auch noch hoch und heilig geschworen, dass er<br />

unschuldig sei. Er hätte diese Kokstüten noch nie gesehen!“<br />

Belinda lachte und auch Fietje und Annabell stimmten mit ein.<br />

„Nur, wie es dann weiterging, weiß ich nicht“, sagte Belinda dann und zuckte<br />

mit den Schultern.<br />

Ein Schutzhund hat drei Aufgaben:<br />

1) Fährtensuche<br />

2) Unterordnung - <strong>Der</strong> DH muss auf Kommando verschiedene Übungen / Aufgaben bewältigen<br />

(Sitz, Platz, Fuß gehen, springen).<br />

3) Schutzdienst - <strong>Der</strong> DH soll einen fliehenden Straftäter einholen, stellen und ggf. festhalten.<br />

Bei Angriffen auf den <strong>Die</strong>nsthundeführer soll der DH diesen selbständig abwehren.<br />

Deutschlandweit werden sie zu Großveranstaltungen in großer Anzahl gebraucht.<br />

(OSZE-Gipfel, Papst-Besuch, Obama-Besuch, G 7, G 20, NATO-Gipfel, … )<br />

<strong>Die</strong> Ausbildung zum Schutzhund dauert 10 Wochen, zum Sprengstoffspürhund 14 Wochen.<br />

ich weiß<br />

nicht, wie es<br />

weiterging?<br />

Ein <strong>Die</strong>nsthundeführer (DHF) und ein DH bilden ein Team.Beide verbindet ein sehr enges und<br />

vertrauensvolles Verhältnis. <strong>Die</strong>s ist für ein erfolgreiches Arbeiten wichtig. Jeder DHF nimmt seinen<br />

DH mit nach Hause, wo der Hund als Mitglied der Familie lebt.Ob der Hund im Haus oder im<br />

Zwinger untergebracht ist, entscheidet der DHF selbst.


32 33<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

„Aber ich ...“, sagte Annabell lächelnd.<br />

„Wenn ein Verdacht auf eine Straftat besteht, müssen entsprechende<br />

Spuren gesichert werden. Ob er mit Drogen in Kontakt war, kann man zum<br />

einen über Fingerabdrücke herausfinden. Wenn seine Abdrücke auf den<br />

Tüten zu finden sind, dann hatte er sie zumindest in der Hand. Wenn er<br />

darüber hinaus auch noch Kontakt mit den Betäubungsmitteln selbst<br />

gekommen ist, dann kann das ein Schnelltest, auch Drugwipe, durch einen<br />

Abstrich der Hände zeigen. Es gibt viele Varianten der Beweissicherung. Alle<br />

Fakten werden gesammelt, Akten werden angelegt und Beweismittel kommen<br />

in die Asservatenkammer. Nach Abschluss der Ermittlungen werden<br />

alle Akten zur Staatsanwaltschaft weitergeleitet", erklärte Annabell.<br />

Spurensicherung<br />

Kommen Gegenstände als Beweismittel in Betracht, so ist ab dem Zeitpunkt der Feststellung<br />

jegliche Möglichkeit der Spurenverursachung / -verunreinigung durch Polizeibeamte zu vermeiden:<br />

• Handschuhe!<br />

• Beiweismittel eintüten!<br />

• Für Jeden sichtbar als "Spurenträger" kennzeichnen!<br />

„Und wieso wart ihr am Flughafen?“, wollte Belinda wissen.<br />

„Ich bin gerade aus Aserbaidschan zurückgekommen und ...“<br />

„Und weil er noch nie in München war, habe ich meinen kleinen Cousin gleich<br />

noch ein paar Tage zu meinem Vater und mir an den Starnberger See eingeladen“,<br />

ergänzte Annabell.<br />

„Ich bin mehr als einen Kopf größer als du!“, protestierte Fietje nuschelnd.<br />

Belinda lachte. „Wie heißt ihr eigentlich?“, fragte sie dann. „Ich bin Annabell<br />

und das ist Fietje.“<br />

"Cooler Name!" Belinda blinzelte Fietje zu.<br />

Plötzlich fing Annabell an, in ihrer Tasche zu wühlen und zog ihr Handy<br />

heraus. Sie telefonierte einige Minuten, legte dann auf und sah Fietje entschuldigend<br />

an. „<strong>Die</strong> Stadtführung muss heute leider ausfallen. Ich werde<br />

gebraucht. Belinda, du kennst dich doch auch hier in München aus.<br />

Asservatenkammer<br />

Danach erfolgt die Fertigung eines Sicherstellungsprotokolls. Fingerabdruckspuren können durch<br />

verschiedene Verfahren gesichtet und anschließend mit vorhandenen Fingerabdruckspuren abgeglichen<br />

werden.<br />

Sichergestellte Beweismittel verbleiben bis zum Abschluss des Strafverfahrens in der<br />

Asservatenkammer der Bundespolizei. Nach Abschluss des Strafverfahrens und auf Anordnung der<br />

Staatsanwaltschaft werden z.B. die Betäubungsmittel der Vernichtung zugeführt.


34 35<br />

AUF STREIFE<br />

AUF STREIFE<br />

Hast du vielleicht Zeit und Lust, Fietje die Stadt zu zeigen?“, meinte Annabell<br />

mit einem Augenzwinkern zu Fietje.<br />

„Klar, gerne! Ich muss zwar noch zwei Stunden im Starbucks arbeiten, danach<br />

hätte ich aber Zeit“, antwortete sie lächelnd. In diesem Moment kam<br />

die U-Bahn, die Annabell und Fietje nehmen wollten. Sie verabredeten, dass<br />

Annabell ihren Cousin nach ihrem Streifendienst zum Coffee-Shop bringen<br />

würde. Dann verabschiedeten sie sich von Belinda. Fietje sprang im letzten<br />

Moment noch über seinen Schatten.<br />

„Belinda, warte mal! Hier, damit du mich erreichen kannst“, sagte er und<br />

schrieb ihr mit einem Kugelschreiber seine Handynummer auf den Arm.<br />

Auf Streife<br />

„Erde an Fietje. Fiiieeetje?“<br />

Schmunzelnd versuchte seine Cousine zu ihm durchzukommen.<br />

Doch er war in Gedanken noch bei Belinda, welche ihm von Anfang an sympathisch<br />

gewesen war. Erst ein leichter Schubser seiner Cousine konnte ihn<br />

in die Realität zurückholen. „Auf zum Streifendienst!“, forderte Annabell<br />

Fietje auf, „Du wolltest doch mitkommen?“<br />

Schnell machten sie noch einen Abstecher in ihr Büro, in dem sie ihre Zivilkleidung<br />

ablegte und sich ihre Uniform anzog. Als sie rauskam hatte sich so<br />

einiges an ihr verändert. Fietje musterte seine Cousine von oben bis unten.<br />

Ihren Schmuck hatte sie abgelegt und trug nun einen Gürtel mit ihren<br />

Einsatzmitteln. Schmunzelnd interpretierte Annabell Fietjes fragenden Blick:<br />

Streifendienst<br />

Es gibt Kontroll- und Streifenbeamte, welche ihren <strong>Die</strong>nst im Bahnhof, Stadtgebiet und zuständigen<br />

Landkreis tätigen. <strong>Die</strong> Polizisten im mittleren und gehobenen <strong>Die</strong>nst nehmen unterschiedliche<br />

Aufgaben war. <strong>Der</strong> gehobene <strong>Die</strong>nst kann als Kontroll- und Streifenbeamter, Gruppenleiter oder<br />

<strong>Die</strong>nstgruppenleiter arbeiten. Innerhalb der Vor- und Nachbereitung werden alle erforderlichen<br />

Führungs- und Einsatzmittel empfangen.<br />

<strong>Der</strong> Gruppenleiter teilt die Streifen entsprechend<br />

der Einsatzanlässe ein und trifft Entscheidungen<br />

und Absprachen z.B. mit der Staatsanwaltschaft<br />

oder dem Richter.<br />

<strong>Die</strong> Kontroll- und Streifenbeamten nehmen die<br />

Strafanzeigen auf, wehren Gefahrensituation<br />

vor Ort ab und/oder leisten Erste Hilfe.<br />

„Hier rechts habe ich meine <strong>Die</strong>nstwaffe, links davon<br />

das Pfefferspray.<br />

Dann hier die Beatmungsmaske, um Personen<br />

reanimieren zu können, ohne direkten Mundkontakt<br />

zu haben. Auf der anderen Seite des Gürtels sind<br />

meine Handschuhe, eine Taschenlampe, ein Taschenmesser,<br />

meine Handschellen und der Schlagstock.“<br />

Fietje nahm den Stock interessiert entgegen, ließ ihn<br />

jedoch gleich wieder fallen.<br />

Uniform<br />

Jede/-r Beamte/-in der Bundespolizei besitzt für besondere<br />

Anlässe einen <strong>Die</strong>nstanzug. Bestehend aus einer<br />

<strong>Die</strong>nstanzugshose und einer <strong>Die</strong>nstanzugsjacke. Weiterhin<br />

besitzt jeder einen <strong>Die</strong>nstanzug für den täglichen<br />

<strong>Die</strong>nst. <strong>Die</strong>ser besteht aus einer <strong>Die</strong>nsthose, <strong>Die</strong>nsthemden<br />

und einer <strong>Die</strong>nstjacke (Blouson, Softshelljacke<br />

und Anorak). Man hat weiterhin einen Einsatzanzug für<br />

größere Veranstaltungen (z. B. Fussball-Einsätze). Zum<br />

Anzug gehört eine Einsatzausstattung, bestehend aus<br />

einer schusssicheren Weste, einer <strong>Die</strong>nstwaffe, einem<br />

Schlagstock, Pfefferspray, Handfesseln, Taschenlampe<br />

sowie einem Verbandspäckchen und einer Beatmungsmaske.<br />

Bestimmte Einsätze erfordern auch den Einsatz<br />

von ziviler Kleidung.<br />

<strong>Der</strong> <strong>Die</strong>nstgruppenleiter (DGL) führt die<br />

<strong>Die</strong>nstgruppe und trifft Absprachen und<br />

Entscheidungen in bestimmten Situationen<br />

mit Entscheidungsvorbehalt (z.B. die Einstufung,<br />

ob ein herrenloses Gepäckstück als<br />

Fundsache oder als USBV-verdächtig eingestuft<br />

wird.)


36 37<br />

AUF STREIFE<br />

AUF STREIFE<br />

„Hoppala“, kicherte Annabell. „Da hat jemand wohl nicht mit dem Gewicht gerechnet.“<br />

Sie hob den Schlagstock wieder auf und wies Fietje breit grinsend<br />

den Weg. Auf der Wache verging Fietjes anfängliche Nervosität wie im Flug.<br />

Alle Kollegen von Annabell wirkten ihm vertraut und grüßten freundlich. Seine<br />

Cousine und er betraten die Polizeiinspektion durch einen Hintereingang<br />

und landeten erst einmal in der Garderobe, an die auf der linken Seite ein<br />

Aufenthaltsraum anschloss. Rechts lag ein Flur mit zwei blauen Eisentüren,<br />

durch den sie jetzt gingen. <strong>Der</strong> Gang war nicht nur beengend, auch schlug<br />

Fietje sofort nach Betreten ein unangenehmer Geruch entgegen.<br />

„Hier, mein lieber Cousin, siehst du unsere zwei Gewahrsamsräume. Damit<br />

alle wissen, in welcher Art Rausch sich der in Gewahrsam Genommene<br />

befindet, markieren wir die Tür mit einer entsprechenden Abkürzung. Ein<br />

Kollege schaut in regelmäßigen Abständen nach, ob es dem Berauschten gut<br />

geht. Manchmal wird er an ein Krankenhaus übergeben. Wenn nicht bekannt<br />

ist, unter welchem Drogeneinfluss der Betroffene steht, wird ein Arzt für<br />

eine Blutentnahme hinzugezogen. Das ist mit mehr Arbeitsschritten verbunden,<br />

als du dir vorstellen kannst.“<br />

„Puh!“ Fietje rümpfte die Nase und hielt sich die Hand vor den Mund. Das entlockte<br />

Annabell ein herzhaftes Lachen:<br />

Gewahrsamsraum<br />

<strong>Der</strong> Gewahrsamsraum dient der vorübergehenden Unterbringung von Personen. Er ist besonders<br />

gesichert. Eine Person kann aus verschiedenen Gründen in Gewahrsam genommen werden.<br />

<strong>Die</strong>se Gründe sind im § 39 BPolG geregelt. Es gibt einen Schutz-, Durchsetzungs-, Unterbindungs-,<br />

Minderjährigen- und einen Entwichenen- oder Freiheitsentziehungsgesuch-Gewahrsam.<br />

<strong>Die</strong> Personen werden entlassen § 42 BPOLG (Dauer der Freiheitsentziehung):<br />

1) sobald der Grund für die Maßnahme weggefallen ist,<br />

2) wenn die Fortdauer der Freiheitsentziehung durch richterliche Entscheidung für unzulässig<br />

erklärt wird,<br />

3) in jedem Falle spätestens bis zum Ende des Tages nach dem Ergreifen, wenn nicht vorher die<br />

Fortdauer der Freiheitsentziehung durch richterliche Entscheidung angeordnet ist.<br />

Blutentnahme<br />

<strong>Die</strong> Blutentnahme kann aus verschiedenen Gründen durch einen verständigten Arzt vorgenommen<br />

werden. <strong>Die</strong> gesetzlichen Voraussetzungen sind im § 81a StPO (Körperliche Untersuchung des<br />

Beschuldigten) geregelt. Gründe für eine Blutentnahme ist die Feststellung des Alkohol- bzw.<br />

Drogenkonsums.


38 39<br />

AUF STREIFE<br />

AUF STREIFE<br />

Neugierig warf Fietje einen kurzen Blick durch das kleine Guckloch. Dahinter<br />

sah er einen älteren Mann in heruntergekommener Kleidung, der halb über<br />

einer Liege hing. <strong>Der</strong> kleine Raum war spartanisch ausgestattet und fast<br />

vollständig gefliest. Entsetzt fragte er nach: „Warum hat der Mann denn keine<br />

Schuhe an?“<br />

„<strong>Die</strong> nehmen wir ab, damit sich der Mann nicht selbst verletzen kann. Hier<br />

kommen ja unter anderem Betrunkene her. Bei denen weiß man nie, auf was<br />

für Ideen sie kommen. Gürtel und Schmuck werden auch in der Asservatenkammer<br />

eingelagert.“<br />

Gerade als Chris etwas erwidern wollte, meldete sich sein Funkgerät zu Wort.<br />

Er lauschte und antwortete: „Verstanden.“<br />

Annabell hob fragend die Augenbrauen: „Ist die Streife schon unterwegs?“<br />

Fietje sah verwirrt zwischen beiden hin und her und fragte sich, wie sie es<br />

schafften, irgendetwas von dem zu verstehen, was über Funk gesagt wurde.<br />

„Noch nicht. Wenn ihr euch beeilt, könnt ihr euch mir anschließen“, antwortete<br />

Chris.<br />

„Na dann los!“, sagte Annabell. Sie machten sich auf den Weg.<br />

„Und was passiert, wenn die Leute Hunger haben? Oder wenn sie aufs Klo<br />

müssen?“, fragte Fietje seine Cousine.<br />

„Dafür gibt es in der Zelle einen Knopf. Wenn sie den drücken, leuchtet hier<br />

draußen ein rotes Licht auf und es gibt ein akustisches Signal. Ein Kollege<br />

kommt und schaut nach. Bei Hunger besorgen wir ihnen eine belegte Semmel,<br />

wenn sie in ihren eigenen Sachen nichts dabeihaben. Nach maximal 12 Stunden<br />

sind sie eh wieder draußen, wir sind ja hier kein Hotel“, erklärte Annabell. Sie<br />

ging um die Ecke und gab ihm ein Zeichen ihr zu folgen. Vor ihnen erstreckte<br />

sich ein weiterer Flur. Auf der linken Seite lagen einige Vernehmungszimmer.<br />

Aus einem davon kam in diesem Moment ein Bundespolizist, der ungefähr so<br />

alt war wie Annabell und stellte sich ihnen in den Weg. Annabell blieb stehen<br />

und umarmte ihn kurz.<br />

„Na, Mäuschen, wen hast du uns da mitgebracht? Lass dir von ihr nichts sagen,<br />

Kleiner“, feixte er. Annabell wurde rot und schlug ihm gegen die Brust.<br />

Als sie durch die Bahnhofshalle liefen, erklärte Annabell den Einsatz und ihre<br />

Vorgehensweise: „Ein Kontrolleur der Deutschen Bahn und ein Sicherheitsbeamter<br />

der DB wollen die Personalien einer Person aufnehmen. Zur endgültigen<br />

Identitätsfeststellung haben sie eine Streife der Bundespolizei dazu gerufen.“<br />

Identitätsfeststellung<br />

§ 163b StPO<br />

Maßnahmen zur Identitätsfeststellung:<br />

(1) 1 Ist jemand einer Straftat verdächtig, so können die Staatsanwaltschaft und die Beamten des<br />

Polizeidienstes die zur Feststellung seiner Identität erforderlichen Maßnahmen treffen; § 163a<br />

Abs. 4 Satz 1 gilt entsprechend.<br />

2 <strong>Der</strong> Verdächtige darf festgehalten werden, wenn die Identität sonst nicht oder nur unter<br />

erheblichen Schwierigkeiten festgestellt werden kann.<br />

3 Unter den Voraussetzungen von 2 sind auch die Durchsuchung der Person des Verdächtigen und<br />

der von ihm mitgeführten Sachen sowie die Durchführung erkennungsdienstlicher Maßnahmen<br />

zulässig.<br />

„Chris, lass das! Das ist Fietje, mein Cousin. Er interessiert sich für unsre Arbeit,<br />

will vielleicht anfangen. Deshalb führe ich ihn ein wenig herum.“<br />

(2) 1 Wenn und soweit dies zur Aufklärung einer Straftat geboten ist, kann auch die Identität<br />

einer Person festgestellt werden, die einer Straftat nicht verdächtig ist; § 69 Abs. 1 Satz 2 gilt<br />

entsprechend.<br />

2 Maßnahmen der in Absatz 1 Satz 2 bezeichneten Art dürfen nicht getroffen werden, wenn sie zur<br />

Bedeutung der Sache außer Verhältnis stehen; Maßnahmen der in Absatz 1 Satz 3 bezeichneten<br />

Art dürfen nicht gegen den Willen der betroffenen Person getroffen werden.


41<br />

40 41<br />

AUF STREIFE<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

Fietje nickte geistesabwesend. <strong>Der</strong> Bahnhof war voller Menschen, es war<br />

laut und roch überall nach Essen. Gerade stieg ihm der Geruch von Fisch<br />

in die Nase und er erschauderte. Er hatte Mühe, mit Annabell Schritt zu<br />

halten, da diese mit einem Affentempo den Bahnhof durchquerte, ohne von<br />

den Reisenden groß wahrgenommen zu werden.<br />

Am Gleis warteten mehrere Fahrkartenkontrolleure mit einem jungen<br />

Mädchen. Chris klärte Fietje auf: „Das Mädel wurde beim Schwarzfahren<br />

erwischt. Da sie minderjährig ist, wird sie jetzt erstmal auf die Wache gebracht.<br />

Dann nehmen wir ihre Personalien auf und verständigen ihre Eltern.“<br />

das mädel<br />

wurde beim<br />

schwarzfahren<br />

erwischt.<br />

Fietje schaute sich die Schwarzfahrerin genauer an. Sie wirkte auf ihn unbeeindruckt,<br />

fast ein bisschen genervt. So als würde sie nicht verstehen, was<br />

das Problem war. Offenbar war es nicht das erste Mal, dass sie schwarzgefahren<br />

war.<br />

<strong>Die</strong>s entging auch Annabell nicht und sie flüsterte Fietje zu:<br />

„Vielleicht ein Fall für unser Projekt FahrBAR. Dort erhalten Jugendliche<br />

Infos von unseren Präventionsbeauftragten, welche Strafen als Erwachsene<br />

auf sie zukommen würden. Den allermeisten geht dann ein Licht auf und<br />

man sieht sie hier nicht mehr."<br />

Schwarzfahren<br />

§ 265a StGB<br />

Erschleichen von Leistungen<br />

(1) Wer die Leistung eines Automaten oder eines öffentlichen Zwecken dienenden Telekommunikationsnetzes,<br />

die Beförderung durch ein Verkehrsmittel oder den Zutritt zu einer Veranstaltung oder<br />

einer Einrichtung in der Absicht erschleicht, das Entgelt nicht zu entrichten, wird mit Freiheitsstrafe<br />

bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit<br />

schwererer Strafe bedroht ist.<br />

(2) <strong>Der</strong> Versuch ist strafbar.<br />

(3) <strong>Die</strong> §§ 247 und 248a gelten entsprechend.


42 43<br />

AUF STREIFE<br />

<strong>Die</strong> ganze Truppe machte sich wieder auf den Weg zur Wache. <strong>Die</strong>smal<br />

betraten sie diese durch den Vordereingang. Hinter der Eingangstür befand<br />

sich eine Art Schleuse aus Glas, in welcher normalerweise Reisende per<br />

Gegensprechanlage ihr Anliegen darlegen können. Dann wird entschieden,<br />

ob sie Einlass gewährt bekommen oder nicht. Innen angekommen erwartete<br />

die Beamten eine schwierige Aufgabe. Da die junge Frau weder einen<br />

Ausweis dabei hatte, noch ihre Deutschkenntnisse besonders gut waren,<br />

war es schwierig, ihre Personalien festzustellen. Auch eine Verständigung in<br />

englischer Sprache war nicht möglich, weshalb ihr ein Übersetzungsbogen in<br />

bulgarischer Sprache gegeben wurde. Jetzt konnte sie ohne Probleme ihre<br />

Daten eintragen und ihre Mutter konnte verständigt werden.<br />

<strong>Die</strong> Personalien wurden in der Fahrpreisnacherhebung der Deutschen Bahn<br />

eingetragen und sie wurde anschließend im Beisein ihrer Mutter zum<br />

Tatvorwurf des Erschleichens von Leistungen angehört. <strong>Die</strong>s hatte eine<br />

Strafanzeige zur Folge. Anschließend wurden sie und ihre Mutter aus der<br />

<strong>Die</strong>nststelle entlassen. Annabell warf einen Blick auf die Wanduhr.<br />

„Ich glaube du musst schon los Fietje, du wolltest dir doch noch die Stadt<br />

zeigen lassen.“ Auch Fietje warf jetzt einen Blick nach oben.<br />

FahrBAR<br />

„Mist! Belinda wartet bestimmt schon auf mich. Also, ich muss los! Bis nachher!“<br />

Man hörte nur noch die Tür zuschlagen, da war er schon<br />

verschwunden. „Tja, so ist sie nun mal, die Jugend von heute“, meinte<br />

Annabell nur schulterzuckend und alle brachen in Lachen aus.<br />

Bei diesem Projekt arbeiten die Gerichte, Staatsanwaltschaften, die Münchner Verkehrsgesellschaft,<br />

Jugendgerichtshilfen und BRÜCKE e.V. sowie der Ermittlungsdienst der Bundespolizeiinspektion<br />

München zusammen. Seitens der Gerichte wird zuerst festgelegt, welche "Schwarzfahrer" statt<br />

einer Jugendstrafe am Projekt FahrBAR teilnehmen. Es folgen Gespräche mit den Jugendlichen und<br />

ein Clearingverfahren. Hierbei werden weitere Vorgehensweisen besprochen, Nachgespräche geführt<br />

und den Beteiligten Aufgaben erteilt. An einem Gruppenabend werden alle Themen rund um<br />

das Schwarzfahren erörtert:<br />

* Fahrkarten im öffentlichen Nahverkehr<br />

* Hilfsangebote und Unterstützung der Stadt München bzw. des Brücke e.V.<br />

* Jugend- und Erwachsenenstrafrecht<br />

* Anwendung der polizeilichen Maßnahmen<br />

Tatvorwurf des Erschleichens von Leistungen<br />

Dem Beschuldigten ist darzulegen, welche Tat ihm<br />

zur Last gelegt wird. <strong>Der</strong> Beschuldigte muss sich<br />

nicht selbst belasten.<strong>Der</strong> Beschuldigte hat jedoch in<br />

jedem Fall seine Personalien gem. § 111 Ordnungswidrigkeitengesetz<br />

anzugeben. <strong>Der</strong> Hinweis auf einen<br />

möglichen Rechtsbeistand ist zwingend zu geben.<br />

<strong>Der</strong> Beschuldigte hat die Möglichkeit Beweisanträge<br />

zu beantragen.


44 45<br />

DIE STADTBESICHTIGUNG<br />

WIE ALLES BEGANN...<br />

<strong>Die</strong> Stadtbesichtigung<br />

Fietje rannte durch den Bahnhof. Als er am Starbucks ankam, wartete<br />

Belinda bereits auf ihn. „Na, du warst wohl ganz schön beschäftigt bei der<br />

Polizei, was?“, meinte sie, als er außer Atem vor ihr stand.<br />

„Ja, bei Annabell auf Streife war es ziemlich spannend. Sorry, dass ich ein<br />

wenig spät bin“, entgegnete Fietje beschämt. Er hatte ein schlechtes Gewissen,<br />

da Belinda schließlich nur für ihn eine kleine Stadtführung machen<br />

wollte.<br />

Doch Belinda nahm das Ganze gelassen. „Es waren doch nur ein paar Minuten.<br />

Lass uns losgehen“, beruhigte sie ihn, als er sich noch einmal entschuldigen<br />

wollte. Während sie auf den Bahnhofsausgang zugingen, erzählte Belinda,<br />

dass sie vor kurzem in einer Zeitung gelesen hatte, dass der erste Münchner<br />

Hauptbahnhof aus Holz und der zweite aus Ziegeln gebaut worden war.<br />

„Ernsthaft? Ein Holzbahnhof könnte doch jeden Moment abfackeln!“, warf<br />

Fietje verdutzt ein. „Das ist ja auch passiert. Vermutlich haben sie ihn deswegen<br />

dann nicht mehr aus Holz gebaut. Das wäre auch schön blöd gewesen“,<br />

antwortete ihm Belinda und musste grinsen. Sie verließen das Bahnhofsgebäude<br />

und liefen ein paar Minuten schweigend durch die belebten Straßen<br />

Münchens. Dann tauchte ein beeindruckendes Tor vor ihnen auf und sie<br />

hielten an.<br />

„Das ist das Karlstor. Es wurde um 1300 gebaut“, sagte Belinda.<br />

„Dafür, dass es so alt ist, ist es aber super erhalten.“<br />

Fietje schoss ein Foto und Belinda erzählte weiter:<br />

„Früher gab es in München zwei extrem wichtige Handelsstraßen. Eine von<br />

Osten nach Westen, die Salzhandelsstraße, und die Straße für Wein und<br />

Gewürze. <strong>Die</strong> verlief von Süden nach Norden. <strong>Die</strong> Händler hielten sich dann<br />

meistens drei Tage in München auf, bevor sie weiterzogen. Durch diesen<br />

Handel ist München zu seinem Reichtum gekommen. Bist du fertig mit den<br />

Fotos? Dann lass uns weiter zur Frauenkirche gehen.“


46 47<br />

DIE STADTBESICHTIGUNG<br />

DIE STADTBESICHTIGUNG<br />

Belinda lief wieder los und Fietje trottete, all die Brunnen, verzierten Häuser<br />

und Statuen musternd - es gab sogar eine Wildschweinstatue - hinter ihr<br />

her. Bei der Frauenkirche angekommen wunderte sich Fietje: „Warum ist der<br />

eine Turm eingerüstet?“<br />

„Das geht jetzt schon ewig so. Erst war es der eine und jetzt ist es der andere.<br />

Es wird wohl noch ein wenig dauern, bis sie damit fertig sind. Weißt du,<br />

warum es hier in der Stadt viele Kirchen, aber keinen einzigen Friedhof gibt?“<br />

„Keine Ahnung, weil zu wenig Platz ist?“<br />

„Nein. <strong>Die</strong> Menschen hatten früher Angst, sich an der Pest anzustecken. Deshalb<br />

haben sie begonnen, die Toten außerhalb der Stadt zu begraben. Aber<br />

jetzt will ich dir noch etwas Schönes zeigen.“<br />

Fietje wurde neugierig. „Was denn?“<br />

„Lass dich doch überraschen“, meinte Belinda lächelnd und lief wieder einfach<br />

los. Das machte Fietje nur noch neugieriger und er eilte ihr eifrig hinterher.<br />

<strong>Die</strong>ser fiel es immer schwerer, ihr Lachen zu unterdrücken.<br />

Dann gingen sie endlich in den Innenhof eines sehr imposanten, stark<br />

verzierten Gebäudes. „Das ist das neue Rathaus von München und eines der<br />

schönsten Häuser“, kamen schließlich die lange erwarteten Worte von Belinda.<br />

„Da kann ich dir nur zustimmen. Es schaut wirklich toll aus“, antwortete<br />

Fietje und machte wieder Fotos. Als er fertig war, verließen sie den Innenhof<br />

durch einen anderen Ausgang und kamen auf dem Marienplatz heraus.<br />

Belinda schaute auf die Uhr und stellte fest: „Ich muss langsam zurück. Ich<br />

werde in einer halben Stunde abgeholt. Was ist mit dir?“<br />

„Hm. Wir sollten wohl besser zurück. Ich will nicht auch noch Annabell warten<br />

lassen. Wo wohnst du eigentlich?“<br />

„Am Starnberger See, genau wie deine Cousine. Nur ein paar Häuser weiter.<br />

Ich kenne sie vom Sehen. Wenn du Lust hast, können wir uns ja morgen<br />

Nachmittag treffen und zusammen zum See gehen?“, fragte Belinda.<br />

Sie hatte Annabell und deren Vater Vitali schon häufig in der Straße bei sich<br />

zu Hause gesehen, es aber bis jetzt für sich behalten.<br />

Fietje freute sich über Belindas Vorschlag. „Ja klar. Das wäre super. Willst du<br />

so gegen drei Uhr zum Haus meines Onkels kommen?“<br />

„Ja, drei passt gut. Dann auf zur S-Bahn, damit wir niemanden warten<br />

lassen.“ Sie kamen in das blau und orange geflieste Gebäude und erwischten<br />

auch gleich eine S-Bahn zum Hauptbahnhof. <strong>Die</strong> Bahn war so voll, dass sie<br />

stehen mussten und sich nicht mehr unterhalten konnten. Fietje war froh,<br />

als er endlich aus dem Gedränge raus konnte. Am Bahnsteig verabschiedete<br />

er sich von Belinda und freute sich schon auf den nächsten Tag, an dem<br />

sie sich wiedersehen würden. Mit diesem Gedanken machte er sich auf die<br />

Suche nach Annabell.


48 49<br />

EINER DREHT DURCH<br />

EINER DREHT DURCH<br />

Einer dreht durch<br />

„Gleis 22. <strong>Der</strong> ICE aus Berlin fährt ein. Vorsicht bei der Einfahrt“, erklang<br />

eine Stimme aus der Lautsprecheranlage. Dennis hatte jetzt schon keine<br />

Lust mehr und fragte sich, warum er überhaupt in diesen Zug eingestiegen<br />

war. Als er keinen seiner Verwandten entdecken konnte, sprang er aus dem<br />

ICE und sah sich genervt auf dem Bahnsteig um.<br />

sich an den Edding, der in seinem Rucksack steckte. „Wenn man schon mal<br />

in München ist, muss man sich auch verewigen.“ Er überlegte nicht lange und<br />

kritzelte einfach drauflos. Stolz betrachtete er sein Kunstwerk. In krakeliger<br />

Jungenhandschrift stand dort „Dennis war hier – 2018“.<br />

„Achtung! Lassen sie mich mal durch junger Mann“, drängelte sich eine ältere<br />

Dame an ihm vorbei. Schnaubend trat er auf die Seite.<br />

„Wie sind hier denn die Leute drauf. Hier ist es ja gar nicht gechillt“, murmelte<br />

er leise vor sich hin und schulterte seine Reisetasche.<br />

Auf seinen Onkel hatte er gar keinen Bock und auf seine überkorrekte<br />

Bundespolizisten-Cousine oder den schnöseligen Bruder erst recht nicht.<br />

Er suchte nach einer Bank. Da keine frei war, ging er zu einer, auf der ein<br />

Mädchen saß. Sie schaute auf ihr Handy und bekam nicht mit, wie sich der<br />

Dunkelhaarige vor ihr aufbaute. „Verschwinde von hier! Das ist jetzt mein<br />

Platz!“, schnauzte er das Mädchen an und zog damit einige Blicke auf sich.<br />

Völlig eingeschüchtert suchte sich das Mädchen eine andere Sitzgelegenheit.<br />

Dennis überlegte, wie er sich die Zeit am Bahnhof am besten vertreiben<br />

könnte. Zum Glück war er auf Langeweile vorbereitet. Er zückte eine Zigarette,<br />

die er von seinem Vater geklaut hatte, um sich besser konzentrieren<br />

zu können. Es war ihm egal, dass es illegal war, unter 18 zu rauchen und er<br />

sich nicht in einem Raucherbereich befand. Er hielt von Regeln nicht viel oder<br />

gar nichts. Als ihm die Zeichnungen auf der Bank auffielen, erinnerte er<br />

Raucherbereich<br />

Das Bundesnichtraucherschutzgesetz (BNichtrSchG) vom 20.07.2007 regelt das Rauchverbot in<br />

Einrichtungen des Bundes und öffentlichen Verkehrsmitteln. Kontrolliert wird das (BNichtrSchG)<br />

durch die Bundespolizei in ihrem örtlichen Zuständigkeitsbereich. Ein Verstoß gegen dieses Gesetz<br />

wird mit einer Ordnungswidrigkeit geahndet. Raucht ein Minderjähriger Zigaretten, so können diese<br />

präventiv sichergestellt werden.


50 51<br />

EINER DREHT DURCH<br />

EINER DREHT DURCH<br />

„Ja sapperlot! Was treiben Sie da, junger Mann?! Das ist schlimmster<br />

Vandalismus!“, hörte Dennis jetzt eine empörte Stimme. <strong>Die</strong>se grässliche<br />

Stimme kam ihm sogar bekannt vor. Seine Vorahnung bestätigte sich als er<br />

den Blick hob. Er stand wieder der alten Frau von vorhin gegenüber. „Ach, geh<br />

doch weida, alde Omi! Kümmer dich um deinen Dreck!“, erwiderte er.<br />

„Junger Mann! Achten Sie auf ihre Ausdrucksweise! Was erlauben Sie sich<br />

denn! Sie bleiben schön hier während ich die Bundespolizei über ihr unschönes<br />

Verhalten informiere!“<br />

Vor sich hin zeternd verschwand die alte Dame, doch Dennis dachte nicht<br />

im Traum daran zu bleiben. Gemütlich packte er seine Sachen zusammen,<br />

schmiss seine Zigarette auf den Boden und lief los. Es war ihm doch völlig<br />

egal, wie es hier aussah und wer hier sauber machte.<br />

„Ihr seid aber mutig.“<br />

„Wie Geil!“<br />

„Das auf den Bahngleisen find ich ja total heiß!“<br />

Da kam ihm eine Idee. Wenn alle das cool fanden, musste Naomi es doch<br />

auch gut finden, oder? Und wo konnte man wohl besser Gleise finden als am<br />

Hauptbahnhof München? Er machte sich direkt zur perfekten Location auf.<br />

Er durchquerte den Bahnhof und verließ ihn durch einen der Ausgänge. Er<br />

war nicht das erste Mal in München. Er wusste, wie er zu den Gleisen kam.<br />

Vor dem hohen Zaun beobachtete ihn niemand, weshalb er kurzerhand seinen<br />

Rucksack und seine Reisetasche darüber warf. Er war sportlich und kletterte<br />

mühelos über das Hindernis.<br />

„So. Wo stell ich das Handy jetzt am besten hin?“, fragte er sich.<br />

Auf dem Weg warf er einen Blick auf sein Handy, um zu sehen, was auf<br />

Instagram so los war. Seit einigen Tagen schrieb er nun schon mit einem<br />

Mädchen namens Naomi. Doch seit gestern Abend hatte sie ihm nicht mehr<br />

geantwortet. Er scrollte durch seinen Feed. Da entdeckte er ein cooles Bild von<br />

seinem besten Freund. Auf diesem konnte man sehen, wie er ein Mädchen in<br />

den Armen hielt, küsste und mit ihr dabei direkt im Gleisbereich stand. Dennis<br />

las sich wie immer die Kommentare durch.<br />

Vandalismus<br />

Vandalismus umschreibt Zerstörungswut und Zerstörungslust. Es ist eine bewusste illegale bzw. normverletzende<br />

Beschädigung oder Zerstörung fremden Eigentums als Selbstzweck. Vandalismus ist im<br />

Strafgesetzbuch (StGB) nicht genau definiert.<br />

<strong>Die</strong> Präventionsbeauftragten der Bundespolizei führen deshalb in Schulen gem. Produktkatalog der<br />

Polizeilichen Kriminalprävention Schulungen anlässlich "Sachbeschädigung und Vandalismus" durch.<br />

Hier sollen den TeilnehmerInnen die Verantwortung für:<br />

• strafrechtliche relevante Handlungsweisen bewusst gemacht werden,<br />

• der Deliktsbereich der Sachbeschädigung und des Vandalismus rechtlich erklärt werden. Sie sollen<br />

die Gefahren im Bahnbereich bei der Vornahme von Graffiti Tathandlungen kennenlernen.<br />

Dennis stand nun auf einem Gleis auf freier Strecke, etwas abgelegen vom<br />

Hauptbahnhof. Er hatte sich extra eine App heruntergeladen, mit der er über<br />

Zeitauslöser Fotos machen konnte. Er lehnte das Smartphone gegen seinen<br />

Rucksack, aktivierte die Zeitverzögerung und begann auf den Gleisen zu balancieren.<br />

Als er einige Aufnahmen gemacht hatte, schaute er sich die Bilder an.<br />

„Hm, cool. Noch ein paar Filter drüber, die Belichtung anpassen und fertig<br />

ist das perfekte Insta-Foto“, murmelte er zufrieden. Mit dem Fuß stieß er<br />

gegen seinen Rucksack. <strong>Die</strong>ser kippte um und eine Spray-Flasche kullerte ins<br />

Gleisbett. Er bückte sich danach und drehte nun die neongrüne Dose in den<br />

Händen.<br />

Gleisbereich<br />

<strong>Der</strong> Gleisbereich ist der Raum unter, neben oder über den Gleisen, in dem Personen durch bewegte<br />

Schienenfahrzeuge gefährdet werden können. Ebenfalls zum Gleisbereich gehört der Bereich der<br />

Fahrleitung.


52 53<br />

EINER DREHT DURCH<br />

„Perfekt!“, rief er laut. Sein Blick fiel auf einen abgestellten Zug. Er schnappte<br />

sich seine Sachen und hatte gerade zur Hälfte den Namen „Naomi“ auf den<br />

Waggon gesprüht als er Stimmen hörte.<br />

„Hey, du da! Was wird das hier? Du hast auf den Bahngleisen nichts verloren.<br />

Wegen dir mussten wir die Oberleitung abschalten lassen. Du bringst den ganzen<br />

Zugverkehr durcheinander!“, rief ein Mann hinter ihm. Als er sich umdrehte,<br />

entdeckte er zwei Bundespolizisten.<br />

„Shit! Weg hier...“, zischte er und schnappte sich seinen Rucksack und rannte<br />

los. <strong>Die</strong> Reisetasche ließ er liegen<br />

Oberleitung<br />

Hey<br />

du da!<br />

Fotos im Gleisbett<br />

Gefahren im Gleisbett werden absolut unterschätzt. Besonders wenn das "Fotos machen" alle<br />

Aufmerksamkeit beansprucht, gerät die Umgebung schnell aus dem Blick. Man verlässt sich insgeheim<br />

auf die Voraussicht der Freundin und auf sein Gehör. Mit Alltagserfahrungen ist die Gefahr jedoch nicht<br />

zu erfassen. Ein Zug, der sich mit 160km/h nähert, benötigt für 100 Meter nur 2,25 Sekunden.<br />

Selbst wenn es windstill ist, hört man ihn zu spät.<br />

Eine Oberleitung gehört neben den<br />

Stromschienen zu den Fahrleitungen. Sie<br />

dient in Eisenbahnen zur Versorgung der<br />

Triebfahrzeuge mit Bahnstrom. <strong>Die</strong> Oberleitung<br />

im Eisenbahnbetrieb hat eine<br />

Spannung von 15 000 Volt!<br />

Achtung Lebensgefahr!<br />

Aus diesem Grund führen die Präventionsbeauftragten<br />

der Bundespolizei<br />

Schulungen anlässlich "Sicheres Verhalten<br />

auf Bahnanlagen" durch. <strong>Die</strong><br />

TeilnehmerInnen sollen:<br />

• Gefahrenquellen auf Bahnanlagen<br />

kennen,<br />

• sich künftig sicher (auch in Gruppen)<br />

auf Bahnanlagen und in Bahnfahrzeugen<br />

bewegen,<br />

• zivil-, ordnungswidrigkeits- und<br />

strafrechtliche Folgen<br />

kennenlernen.


54 55<br />

EINER DREHT DURCH<br />

Sein Weg führte ihn zurück auf das Gelände des Hauptbahnhofs. In der<br />

Zwischenetage entdeckte er einen Getränkeladen. Er ging hinein und schlenderte<br />

die Regale entlang bis er gefunden hatte, wonach er suchte. Er sah<br />

sich um und als der Gang leer genug war, ließ er eine Flasche Schnaps und<br />

einige Flaschen Bier in seinen Rucksack gleiten. Er grinste hämisch als er<br />

sich auf den Weg zur Kasse machte. Den Schnaps durfte er sowieso nicht<br />

kaufen. Jetzt stieß er einen Aufsteller mit Gebäck um und verschwand in<br />

der dadurch entstandenen Aufregung aus dem Laden. Niemand hatte ihn<br />

dabei gesehen.<br />

Dass die Überwachungskameras seinen <strong>Die</strong>bstahl und seine Zerstörungswut<br />

aufgenommen hatten, war ihm nicht klar. Er lief weiter bis er an einem<br />

großen Brunnen ankam. Dort ließ er sich fallen und zog die Flasche Schnaps<br />

raus, schraubte sie auf und trank in schnellen Zügen. Er verzog das Gesicht<br />

als der scharfe Alkohol seine Kehle hinabrann. <strong>Die</strong> Zeit verging und langsam<br />

wurde es dunkel. Doch Dennis dachte nicht daran, zu Vitali an den Starnberger<br />

See zu fahren. Trotzdem bekam er allmählich Hunger und beschloss,<br />

sich etwas zu Essen zu besorgen. Am Hauptbahnhof gab es mehr als genug<br />

zu holen. Dorthin ging er nun wieder zurück. Er hatte große Mühe, richtig<br />

geradeaus zu laufen und stolperte einige Stufen hinunter.<br />

„Hallo, Sie da! Dürfte ich mal Ihren Ausweis sehen?“, riss ihn eine Stimme<br />

aus seinen Gedanken. Es war wieder ein Beamter der Bundespolizei. „<strong>Die</strong><br />

sind ja schlimmer als Herpes. <strong>Die</strong> wird man auch nie los“, knurrte Dennis<br />

leise.<br />

„<strong>Der</strong> ist mir geklaut worden“, sagte Dennis nun lauter und man hörte an seiner<br />

Stimme, dass er bei Weitem nicht mehr nüchtern war.<br />

„Dann begleiten Sie mich bitte auf die Wache“, sagte der Streifenpolizist.<br />

„Ich denk nicht mal dran!“, zischte Dennis und schlüpfte zwischen den<br />

Streifenpolizisten hindurch. Gerade war eine S-Bahn angekommen und der<br />

Gang füllte sich mit Menschen. Dennis nutzte das aus, um in der Menge zu<br />

verschwinden.<br />

<strong>Die</strong>bstahl<br />

§ 242 StGB<br />

<strong>Die</strong>bstahl<br />

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich<br />

oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit<br />

Geldstrafe bestraft.<br />

(2) <strong>Der</strong> Versuch ist strafbar.<br />

<strong>Die</strong> Präventionsbeauftragten der Bundespolizei führen Veranstaltungen anlässlich Taschen- und<br />

Handgepäckdiebstahl durch. <strong>Die</strong> TeilnehmerInnen sollen:<br />

• Tatbegehungsweisen und Tricks der Taschen- und Handgepäckdiebe kennenlernen,<br />

• sich Möglichkeiten zum Vorbeugen aneignen und<br />

• lernen, sich im Schadensfall richtig zu verhalten.<br />

Überwachungskameras<br />

Überwachungskameras sind im gesamten Bahnhofsgebäude bzw. an den Bahnsteigen angebracht.<br />

<strong>Die</strong> Aufzeichnungen können als Beweismittel erhoben und gerichtlich verwertet werden.


56 57<br />

EINER DREHT DURCH<br />

Sieh zu,<br />

dass Du<br />

wegkommst!<br />

Er bog um eine Ecke und rempelte jemanden an. Als er sich kurz umsah, begann er<br />

zu strahlen.<br />

„Naomi? Ich dachte, du hast keine Zeit, um dich mit mir zu treffen! Und jetzt sehe<br />

ich dich hier!“, freute sich Dennis, als er das Mädchen erkannte. Er griff nach ihrem<br />

Handgelenk und wollte sie an sich ziehen.<br />

„Aber, sonst geht´s dir noch gut, ja?“, rief sie wütend und entzog sich seinem Griff.<br />

„Was bist du denn fürn Typ? Du stinkst nach Alkohol und Zigaretten. Sieh zu, dass du<br />

wegkommst!“<br />

Dennis verstand die Welt nicht mehr: „Ich bin’s doch, Dennis. Erkennst du mich denn<br />

nicht? Naomi, was ist los mit dir? Wir haben doch ewig miteinander geschrieben!“<br />

„Lass mich in Ruhe!“, rief sie und ließ ihn im Gang stehen. Ein junger Mann lief dem<br />

Mädchen hinterher und fragte sie, ob alles ok wäre. Er hatte die kurze Auseinandersetzung<br />

gesehen und wollte ihr helfen. Wenn sie hier so angepöbelt wurde, konnte<br />

das schlimmer werden, wenn man nicht aufpasste.<br />

Er war ein Mann der Taten. Zivilcourage war für ihn selbstverständlich.<br />

„Was zum Henker war das denn? Warum tut sie so, als würde sie mich nicht kennen?“,<br />

knurrte Dennis als er seine Chatfreundin mit dem Mann<br />

davongehen sah. „Ich fasse es einfach nicht! Sie tut so, als würde sie mich nicht kennen!“,<br />

brüllte er durch den Gang. <strong>Die</strong> Menschen um ihn herum sahen ihn empört an.<br />

Zivilcourage<br />

Das ist der Mut, den jemand beweist, indem er humane und demokratische Werte (z. B. Menschenwürde,<br />

Gerechtigkeit) ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen in der Öffentlichkeit vertritt, sich für<br />

andere Menschen einsetzt, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu begeben.<br />

<strong>Die</strong> Präventionsbeauftragten der Bundespolizei führen Schulungen für Kinder, Jugendliche und<br />

Erwachsene durch. Sie sollen:<br />

• vorausschauendes gefahrenbewusstes Verhalten kennen,<br />

• strafrechtlich relevante Handlungsweisen und Rechtsfolgen möglicher Tathandlungen kennenlernen,<br />

• in Notsituationen couragiert Hilfe leisten können, ohne sich selbst zu gefährden.<br />

Für Schüler der 7. Klassen werden spezielle Schulungen angeboten. Hier wird in Zusammenarbeit mit<br />

den beteiligten Lehrkräften der Unterschied zwischen Petzen und Zivilcourage erörtert.


58 59<br />

ONKEL VITALI<br />

ONKEL VITALI<br />

Onkel Vitali<br />

Annabell war noch nicht fertig, so entschied sich Fietje, schon allein nach<br />

Starnberg rauszufahren. Als er bei Vitali klingelte, öffnete ihm ein mürrischer<br />

Onkel.<br />

„Hey Vitali, schön dich zu sehen, alles klar bei dir?“, fragte Fietje.<br />

Vitali antwortete sehr verhalten: „Ja, ich freu mich auch, dich zu sehen. Wie<br />

war deine Reise, komm rein!“<br />

„Alles gut, bis auf meinen gefährlichen Kofferinhalt. Ich bin schon gespannt,<br />

was Annabell mir alles über ihren Job erzählen wird“, meinte Fietje.<br />

Vitali fragte nicht nach, was denn Gefährliches in dem Koffer war. Er verzog<br />

sich schnell in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Auch während<br />

des Essens war er sehr still. Vitali starrte lieber vor sich hin, als mit Fietje<br />

ein Gespräch anzufangen. <strong>Der</strong> Junge merkte, dass irgendetwas in der Luft<br />

lag. Er kam sich total fehl am Platz vor. Wie ein ungebetener Gast.<br />

Naja, er würde sich morgen Nachmittag mit Annabell zurückziehen, damit er<br />

seinem Onkel nicht weiter zur Last fiel. Vitali, unterdessen, fragte sich die<br />

ganze Zeit, wo Dennis blieb. <strong>Die</strong>ser sollte bereits seit zwei Stunden da sein.<br />

Außerdem wusste er immer noch nicht, wie er Fietje von seinem <strong>Zwilling</strong><br />

erzählen sollte.<br />

Vitali ging noch einmal hinaus zum See. Vielleicht kam ihm an der frischen<br />

Luft eine zündende Idee, wie er es am besten anstellte. <strong>Die</strong> <strong>Zwilling</strong>e<br />

mussten doch spüren, dass sie nicht allein auf die Welt gekommen waren!<br />

Das war doch bei <strong>Zwilling</strong>en so, oder? Aber alle seine Überlegungen führten<br />

ins Nirgendwo. Es nützte nichts, Dennis musste her! <strong>Der</strong> Bengel war nun<br />

schon über 3 Stunden zu spät dran. Vitali machte sich langsam auch Sorgen,<br />

obgleich dies bei Dennis meist überflüssig war. Er tat einen tiefen Atemzug<br />

und wählte Dennis Nummer. Es klingelte bestimmt zehn Mal. Als Dennis<br />

endlich ranging, brummte Vitali, inzwischen ziemlich verärgert: „Dennis! Wo<br />

treibst du dich rum? Seit 3 Stunden wolltest du hier sein! Fietje ist schon<br />

lange da.“<br />

„Chill mal, Vitali!“, kam es lallend vom anderen Ende der Leitung.<br />

„Mann, Dennis! Wir wollten heute Fietje von dir erzählen!“<br />

„Hey! Das war doch nicht meine Idee! Ich will den eh nicht sehen. <strong>Die</strong>sen<br />

Vorzeigeschnösel kannst du dir sonst wohin stecken. Auf die Scheiße hab´<br />

ich echt keinen Bock.“ Aufgelegt.<br />

Vitali starrte fassungslos auf sein Handy. „Warum habe ich mir diesen<br />

Stress überhaupt angetan?“<br />

Und Dennis sollte ja auch dabei sein. Aus keinem anderen Grund hatte er<br />

diesen Querulanten gebeten, an diesem Wochenende zu ihm zu kommen. Es<br />

hatte diesmal viel Überredung gebraucht. Dennis hatte keinen Bedarf auf<br />

Familienzusammenführung. Das hatte er deutlich geäußert. Schlussendlich<br />

hatte sich der Junge aber doch darauf eingelassen. Aber wo blieb er jetzt<br />

um Himmels Willen? Vitali zerriss es innerlich. Nach dem stillen Abendessen<br />

wünschten sich der junge und der alte Mann eine gute Nacht und Fietje<br />

verschwand in sein Zimmer, was in der ersten Etage hinter der Dachbodentreppe<br />

lag.


60 61<br />

ONKEL VITALI<br />

ONKEL VITALI<br />

Immer noch am Bahnhof setzte sich Dennis auf eine Treppe und leerte<br />

eine Flasche Bier. Schon zog er die nächste aus der Tasche und ließ die leere<br />

Flasche die Stufen runterrollen, bis sie auf dem Boden laut in Scherben<br />

zersprang. Jetzt hatte er endgültig die Nase voll.<br />

„Da ist er. Fordere Verstärkung an“, hörte er ein Flüstern hinter sich.<br />

„Das ist doch jetzt nicht wahr! Ihr wollt mich doch verarschen!“, lallte Dennis,<br />

als er erneut die Bundespolizisten sah, denen er vorhin erst entkommen war.<br />

„Folgen Sie uns bitte“, forderte der blonde Bundespolizist ihn auf.<br />

„Du hast doch ‘nen Schaden, Alter! Verzieh dich einfach!“, antwortete Dennis.<br />

Im nächsten Moment bog eine weitere Streife um die Ecke.<br />

„Ey, ihr geht mir voll auf die Nerven...“, knurrte Dennis leise.<br />

„Sie kommen jetzt mit uns zur Wache“, forderte ein dritter Bundespolizist.<br />

„Einen Scheiß werde ich!“, brüllte Dennis und stieß den Beamten von sich,<br />

wobei er selbst hinfiel.<br />

„Das ist der gleiche Junge, der auf den Gleisen unterwegs war und eine Bank<br />

beschmiert hat“, sagte der eine Streifenpolizist.<br />

„Scheinbar ist er auch der Übeltäter aus dem Getränkeladen“, sagte der<br />

andere.<br />

„Dann nehmen wir ihn auf jeden Fall mit“, beschlossen sie und zogen Dennis<br />

auf die Beine.<br />

„Hey, lasst mich los, ihr...!“, protestierte dieser.<br />

Einer der Beamten nahm die Flaschen und Dennis Rucksack an sich, ein<br />

anderer gab Anweisungen über sein Funkgerät weiter.<br />

„Ach, fuck“, knurrte Dennis und gab nach.<br />

Gemeinsam machte sich die Gruppe auf den Weg zur Wache. Da Dennis aber<br />

inzwischen nicht einmal mehr geradeaus gehen konnte und somit auch nicht<br />

vernehmungsfähig war, wurde er erst einmal in einer Ausnüchterungszelle<br />

untergebracht. Etwas später lag Dennis auf einer unbequemen Liege und<br />

realisierte langsam, was passiert war.<br />

Vernehmung<br />

§ 136 StPO<br />

Erste Vernehmung<br />

(1) 1 Bei Beginn der ersten Vernehmung ist dem Beschuldigten zu eröffnen, welche Tat ihm zur Last<br />

gelegt wird und welche Strafvorschriften in Betracht kommen. 2 Er ist darauf hinzuweisen, daß es ihm<br />

nach dem Gesetz freistehe, sich zu der Beschuldigung zu äußern oder nicht zur Sache auszusagen und<br />

jederzeit, auch schon vor seiner Vernehmung, einen von ihm zu wählenden Verteidiger zu befragen. 3<br />

Möchte der Beschuldigte vor seiner Vernehmung<br />

einen Verteidiger befragen, sind ihm Informationen<br />

zur Verfügung zu stellen, die es ihm erleichtern,<br />

einen Verteidiger zu kontaktieren.<br />

4 Auf bestehende anwaltliche Notdienste ist<br />

dabei hinzuweisen. 5 Er ist ferner darüber zu<br />

belehren, daß er zu seiner Entlastung einzelne<br />

Beweiserhebungen beantragen und unter den<br />

Voraussetzungen des § 140 Absatz 1 und 2 die<br />

Bestellung eines Verteidigers nach Maßgabe<br />

des § 141 Absatz 1 und 3 beanspruchen kann; zu<br />

Letzterem ist er dabei auf die Kostenfolge des §<br />

465 hinzuweisen. 6 In geeigneten Fällen soll der<br />

Beschuldigte auch darauf, dass er sich schriftlich<br />

äußern kann, sowie auf die Möglichkeit eines<br />

Täter-Opfer-Ausgleichs hingewiesen werden.<br />

(2) <strong>Die</strong> Vernehmung soll dem Beschuldigten<br />

Gelegenheit geben, die gegen ihn vorliegenden<br />

Verdachtsgründe zu beseitigen und die zu seinen<br />

Gunsten sprechenden Tatsachen geltend zu<br />

machen.<br />

(3) Bei der ersten Vernehmung des Beschuldigten<br />

ist zugleich auf die Ermittlung seiner persönlichen<br />

Verhältnisse Bedacht zu nehmen.<br />

Verstärkung anfordern<br />

In Fällen wie diesem werden sofort durch die<br />

Einsatzzentrale Verstärkungskräfte zum<br />

Ereignisort bzw. Tatort entsandt.<br />

Da alle Streifen durch Funk miteinander<br />

verbunden sind, können sie den Funkverkehr<br />

mithören. Das hat den<br />

Vorteil, dass benachbarte Streifen<br />

ebenfalls auf Hilferufe reagieren<br />

können.


62 63<br />

EINER AUGEKLÄRT<br />

EINER AUGEKLÄRT<br />

Einer aufgeklärt<br />

„Na, da hab ich mich ja schön in die Scheiße geritten...“, murmelte er.<br />

Er sah sich in dem kleinen Raum um und ging zur Tür. Dort entdeckte er<br />

einen Knopf, den er kurzerhand drückte. Im nächsten Moment sah er in die<br />

Augen des Bundespolizisten, der ihn hierher gebracht hatte.<br />

Bundespolizist hielt Dennis Schuhe in der Hand.<br />

„Ziehen Sie die an und dann sehen wir weiter“, sagte er und machte Dennis<br />

etwas Platz. Kurz darauf setzte sich Dennis auf eine Bank und hielt sich den<br />

dröhnenden Kopf.<br />

„Wie sieht es aus? Haben Sie einen Ausweis dabei? Sind Sie volljährig?“, fragte<br />

der Beamte nun.<br />

„Na, junger Mann? Was kann ich für Sie tun?“, fragte der Beamte.<br />

„Sie können mal damit beginnen, mich hier rauszulassen...“, sagte Dennis<br />

immer noch frech, aber schon leiser.<br />

<strong>Der</strong> Polizist musterte ihn und rief einen Kollegen zu sich. Im nächsten<br />

Moment wurden die schweren blauen Türen auch schon geöffnet und der<br />

Vernehmung des Beschuldigten<br />

§ 163a StPO<br />

Vernehmung des Beschuldigten<br />

(1) <strong>Der</strong> Beschuldigte ist spätestens vor dem Abschluß der Ermittlungen zu vernehmen, es sei denn,<br />

daß das Verfahren zur Einstellung führt. § 58a Absatz 1 Satz 1, Absatz 2 und 3 sowie § 58b gelten<br />

entsprechend. In einfachen Sachen genügt es, daß ihm Gelegenheit gegeben wird, sich schriftlich<br />

zu äußern.<br />

(2) Beantragt der Beschuldigte zu seiner Entlastung die Aufnahme von Beweisen, so sind sie zu<br />

erheben, wenn sie von Bedeutung sind.<br />

(3) <strong>Der</strong> Beschuldigte ist verpflichtet, auf Ladung vor der Staatsanwaltschaft zu erscheinen. <strong>Die</strong> §§ 133<br />

bis 136a und 168c Abs. 1 und 5 gelten entsprechend. Über die Rechtmäßigkeit der Vorführung entscheidet<br />

auf Antrag des Beschuldigten das nach § 162 zuständige Gericht. <strong>Die</strong> §§ 297 bis 300, 302, 306<br />

bis 309, 311a und 473a gelten entsprechend. <strong>Die</strong> Entscheidung des Gerichts ist unanfechtbar.<br />

(4) Bei der ersten Vernehmung des Beschuldigten durch Beamte des Polizeidienstes ist dem Beschuldigten<br />

zu eröffnen, welche Tat ihm zur Last gelegt wird. Im übrigen sind bei der Vernehmung des Beschuldigten<br />

durch Beamte des Polizeidienstes § 136 Absatz 1 Satz 2 bis 6, Abs. 2, 3 und § 136a anzuwenden.<br />

§ 168c Absatz 1 und 5 gilt für den Verteidiger entsprechend.<br />

„In meiner Reisetasche, aber die habe ich irgendwo<br />

liegengelassen... Und nein, bin ich nicht“,<br />

murmelte Dennis.<br />

„Ist das Ihre Reisetasche?“, fragte ihn der Mann.<br />

Dennis blickte auf und nickte, als er seine Tasche<br />

erkannte.<br />

„Holen Sie bitte Ihren Ausweis heraus. Wie<br />

können wir einen Erziehungsberechtigten<br />

benachrichtigen?“, fragte er dann.<br />

„Mein Vater ist auf <strong>Die</strong>nstreise im Ausland...<br />

Rufen Sie einfach meine Cousine<br />

an.“<br />

Dennis zog aus der Reisetasche<br />

sein Portemonnaie heraus und<br />

reichte dem Polizisten den Ausweis.<br />

Ein anderer Polizist kam<br />

mit einer Tüte in der Hand in den<br />

Raum. Darin befand sich unter anderem<br />

Dennis Handy.<br />

Er nahm es entgegen und suchte<br />

Annabells Nummer heraus.<br />

(5) § 187 Absatz 1 bis 3 und § 189 Absatz 4 des Gerichtsverfassungsgesetzes gelten entsprechend.


64 65<br />

EINER AUFGEKLÄRT<br />

EINER AUFGEKLÄRT<br />

„Hier, das ist die Nummer meiner Cousine. Rufen Sie die einfach an...“<br />

<strong>Der</strong> Polizist ging in den Nebenraum und wählte die Nummer. Zu seiner Überraschung<br />

ging seine Kollegin Annabell ans Telefon. Sie war noch immer auf<br />

Streife. Es war kurz vor ihrem Feierabend.<br />

„Hey Annabell, hier ist Chris. Wir haben deinen Cousin hier sitzen. Genau,<br />

Dennis steht im Ausweis. Hm, dunkle Haare. Sehr gut. Bis morgen früh“, war<br />

alles, was Dennis von dem Gespräch mitbekam.<br />

Chris war hier am Bahnhof der Präventionsbeauftragte. Er konnte den<br />

Jungen sensibel in einem Polizeilichen Präventionsgespräch aufklären. Dafür<br />

wurde er ausgebildet. Jetzt sorgte Chris dafür, dass sie beide sich offen<br />

gegenübersaßen. Er wollte die negative Atmosphäre von vorhin für ihr<br />

Gespräch etwas aufbrechen. Er musste Zugang zu dem Jungen bekommen.<br />

„So, nun mal in Ruhe. Was treibt dich denn dazu, soviel Unfug an einem<br />

einzigen Tag zu veranstalten. Da muss doch was dahinterstecken.“<br />

Dennis roch den Braten und bockte. Er lehnte sich mit verschränkten Armen<br />

lässig auf dem Stuhl nach hinten und antwortete nicht. Er nahm sich vor,<br />

überhaupt kein Wort mehr zu sagen.<br />

„Kaffee?“, fragte Chris und schenkte sich selbst in eine große Tasse ein.<br />

Darauf war ein Bild von seinem kleinen Sohn. Dennis nickte.<br />

„Weißt du, wir sehen hier echt viele wie dich. Und doch gibt es Unterschiede.<br />

Auch die sehen wir...“ Chris legte bewusst eine lange Pause. Er ahnte, der<br />

Junge würde sich irgendwann öffnen.<br />

Präventionsbeauftragter<br />

Zu seinen Aufgaben gehört in erster Linie die Verhinderung von Straftaten und das adressatengerechte<br />

Vermitteln bestimmter Lerninhalte. <strong>Die</strong> deliktsbezogenen Themen erstrecken sich von<br />

Rechtskundeschulungen bis hin zum Unterrichten von sicherem Verhalten auf Bahnanlagen,<br />

Zivilcouragetraining, Ausbildung von Schulwegbegleitern bis zur Durchführung von Polizeilichen<br />

Präventionsgesprächen mit Straftätern.<br />

<strong>Die</strong> Schwerpunkte sind in einem bundesweit einheitlichen Produktkatalog eingearbeitet. Sie<br />

werden aktuellen, auch wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst und von den Präventionsbeauftragten<br />

anlassbezogen angewandt.<br />

Präventionsgespräch<br />

Das Polizeiliche Präventionsgespräch (PrävG) wird durch einen Präventionsbeauftragten in der<br />

jeweiligen <strong>Die</strong>nststelle durchgeführt. Mit diesem PrävG sollen Täter von der Begehung weiterer<br />

Straftaten abgehalten werden. Ebenfalls werden alle Altersgruppen von Kindern bis hin zu Erwachsenen<br />

verhaltensorientiert auf bestimmte Gefahrensituationen hingewiesen.<br />

Bei einem PrävG können die Erziehungs- und Fürsorgeverpflichteten oder Betreuer von Kindern<br />

und Jugendlichen anwesend sein.


66 67<br />

EINER AUFGEKLÄRT<br />

EINER AUFGEKLÄRT<br />

Sie tranken schweigend ihren Kaffee, sahen sich hin und wieder in die Augen.<br />

„Was denn für Unterschiede?“, kam es nach fünf Minuten von Dennis. Schon<br />

etwas weniger bockig.<br />

Und die Sache mit der abgeschalteten Oberleitung würde sicher sehr teuer<br />

werden. Dennis sank in sich zusammen. Jetzt war er sauer auf sich selbst.<br />

Und wenn doch nicht auch noch Naomi so bescheuert gewesen wäre!<br />

„Naja, es gibt überall Solche und Solche, aber meist mehr Solche als Solche.“<br />

Chris schmunzelte.<br />

„Und welcher Solcher bin ich, deiner Meinung nach?“<br />

„Na, Du hast grad Sorgen und willst dir Luft machen. Aber jemandem Fremden<br />

schaden, ist grundsätzlich eigentlich nicht dein Ding“, sagt meine Glaskugel.<br />

Ein breites Grinsen folgte.<br />

„Klar nicht“, brach es aus Dennis heraus.<br />

„Warst aber haarscharf dran.“<br />

Gespielt relaxed zuckte Chris die Schultern. „<strong>Die</strong> gleichen Sachen veranstalten<br />

auch die anderen Solchen und bringen Menschen in Gefahr, verletzten<br />

oder töten sie.“<br />

„Ey, nein! Ist doch alles nur wegen meinem Dad, der mich nur wollte, um<br />

Mom eins auszuwischen. Dabei hat es mein <strong>Zwilling</strong>sbruder bei ihr viel besser<br />

gehabt und jetzt soll ich diesem Lackaffen auch noch die Hand schütteln!?“<br />

„Heute? Deinem Bruder?“, fragte Chris freundschaftlich besorgt.<br />

„Heute, ... sollte ich! Wir haben uns noch nie gesehen!“<br />

Dennis verfiel sofort wieder in seine störrische Haltung.<br />

„Hm. Das ist wirklich keine einfache Kiste. Aber Du machst es für dich selbst<br />

gerade nicht besser. Schadest dir nur noch mehr. Und dann wohnst du bald<br />

nicht einmal mehr bei deinem Dad.“<br />

Chris erklärte Dennis, dass er gerade noch mal Glück gehabt hatte. <strong>Die</strong> Bundespolizisten<br />

hatten ihn rechtzeitig aufgegriffen, bevor er, sturzbetrunken<br />

wie er war, sich noch mehr ins Unglück stürzte.<br />

Jetzt kam in jedem Fall eine Strafanzeige wegen <strong>Die</strong>bstahls auf ihn zu.<br />

„Ich glaube, es wäre das Beste für dich, wenn du deinen familiären Kram<br />

erst einmal klärst. Bist ja erwachsen und kannst auch einmal sagen, was<br />

das für dich alles bedeutet. Danach klären sich die Dinge mit uns hier auch<br />

besser. Wirst sicher Hilfe von deiner Cousine bekommen. Nimm die an, das<br />

kann ich dir nur mit auf den Weg geben.“<br />

Chris hatte mit Annabell vereinbart, dass sie ihren Cousin abholen kommt.<br />

Das war ärgerlich für seine Freundin, denn eigentlich hatte sie ihr sehr verdientes<br />

und seltenes freies Wochenende.<br />

„Hey Chris“, sagte Annabell, als sie die Bundespolizeiinspektion betrat. Sie<br />

überflog die Dokumente, die ihr Kollege ihr entgegenhielt und ging dann sofort<br />

zur Ausnüchterungszelle, um nach ihrem Cousin zu schauen.<br />

„Da hast du ja ordentlich was angeschleppt, Dennis“, stellte sie fest, während<br />

sie schockiert in den Unterlagen blätterte. Dennis gestriger Tag war eine<br />

nahezu lückenlose Straftaten-Sammlung.<br />

„Hausfriedensbruch, Betreten der Gleise, Vandalismus, <strong>Die</strong>bstahl, Alkohol-<br />

Rausch, Rauchen in einem Nichtraucher-Bereich, Verschmutzen des Bahnsteigs<br />

und des Bahngeländes,<br />

Hausfriedensbruch<br />

§ 123 StGB<br />

Hausfriedensbruch<br />

(1) Wer in die Wohnung, in die Geschäftsräume oder in das befriedete Besitztum eines anderen<br />

oder in abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen <strong>Die</strong>nst oder Verkehr bestimmt sind, widerrechtlich<br />

eindringt, oder wer, wenn er ohne Befugnis darin verweilt, auf die Aufforderung des<br />

Berechtigten sich nicht entfernt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe<br />

bestraft.<br />

(2) <strong>Die</strong> Tat wird nur auf Antrag verfolgt.


68 69<br />

EINER AUFGEKLÄRT<br />

EINER AUFGEKLÄRT<br />

Beleidigung, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte...<br />

Oh Mann, Dennis! Was ist denn bloß los mit dir?“, fragte Annabell kopfschüttelnd.<br />

„Als würde dich das interessieren...“, murrte Dennis.<br />

„Das tut es, Dennis. Und nicht nur, weil du mein Cousin bist. Das, was hier auf<br />

deinem Konto steht, ist schon lange kein Spaß mehr. Ich nehme dich jetzt<br />

erst einmal mit nach Hause“, erklärte Annabell und sah ihn besorgt an.<br />

„Wir reden später, ja?.“<br />

Beleidigung<br />

§ 185 StGB<br />

Beleidigung<br />

<strong>Die</strong> Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die<br />

Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit<br />

Geldstrafe bestraft.<br />

<strong>Die</strong> Präventionsbeauftragten führen deshalb in Schulen<br />

gem. Produktkatalog der Polizeilichen Kriminalprävention<br />

Schulungen anlässlich "Rechtskundeunterricht<br />

Jugenddelikte" durch.<br />

Körperverletzung<br />

§ 223 StGB<br />

Körperverletzung<br />

(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit<br />

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.<br />

(2) <strong>Der</strong> Versuch ist strafbar.<br />

Hierbei sollen sich die TeilnehmerInnen:<br />

· der Verantwortung für strafrechtliche<br />

relevante Handlungsweisen,<br />

· den polizeilichen Maßnahmen und<br />

· den Folgen für die Täterin oder den Täter<br />

bewusst werden.<br />

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte<br />

§ 113 StGB<br />

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte<br />

(1) Wer einem Amtsträger oder Soldaten der Bundeswehr, der zur Vollstreckung von Gesetzen,<br />

Rechtsverordnungen, Urteilen, Gerichtsbeschlüssen oder Verfügungen berufen ist, bei der Vornahme<br />

einer solchen <strong>Die</strong>nsthandlung mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt Widerstand<br />

leistet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.<br />

(2)-(4) ...


70 71<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

Zuhause (bei Vitali)<br />

„Guten Morgen Paps!“ Annabell ließ sich auf einen Stuhl am gemeinsamen<br />

Küchentisch fallen und stieß dabei ein entnervtes „Pfff“ aus.<br />

Sie sah sehr müde aus.<br />

„Harte Schicht gestern?“, fragte Vitali seine Tochter, während er weiter<br />

Butter auf sein Vollkornbrot schmierte. Seine Laune war unterirdisch. Dennis<br />

war gestern nicht mehr aufgetaucht. Er hatte keine Ahnung, wo dieser<br />

Bengel heute Nacht untergekommen war.<br />

„Nee, die Schicht ging eigentlich. Aber Dennis musste ich vor einer Stunde<br />

aus unserer Ausnüchterungszelle holen!“<br />

„Das kann doch alles nicht wahr sein! Wieso vor einer Stunde? Warst du<br />

etwa heute Morgen schon unterwegs? Wo ist der Bengel jetzt? Schläft der?<br />

Oben in seinem Zimmer?“<br />

„Hm, der war so etwas von voll! <strong>Die</strong> Kollegen haben ihn an einem Bahnsteig<br />

aufgegabelt. <strong>Die</strong> Füße hängend zu den Gleisen. Ein absolutes Desaster!“<br />

Dann nahm sich Annabell ein Brötchen und verzog sich auf ihr Zimmer. Sie<br />

würde heute wohl den kompletten Tag schlafen.<br />

Vitali stöhnte. Das wurde ja immer besser! Zum Glück war Wochenende und<br />

er hatte heute keinen Notdienst. Dennis konnte man nicht auf die Menschheit<br />

loslassen. Vielleicht wäre Fietje am Ende sogar besser dran, wenn er<br />

Notdienst<br />

Außerhalb der geregelten Anwesenheitszeiten der Mechaniker ist ein Freigabeberechtigter telefonisch<br />

erreichbar, der Entscheidungen treffen kann, ob bei einem Defekt an der Maschine weitergeflogen<br />

werden kann oder nicht. Er kann Mechaniker in den <strong>Die</strong>nst versetzen, die dann zum defekten Hubschrauber<br />

(HS) fahren oder geflogen werden, um ihn zu inspizieren und ggf. zu reparieren.<br />

nichts von allem erfahren würde. Es waren immerhin zweieiige <strong>Zwilling</strong>e.<br />

Man konnte noch die Handbremse ziehen. <strong>Der</strong> Junge würde nichts ahnen. Er<br />

konnte ihm auch eine andere Story auftischen, weshalb Dennis ab und zu bei<br />

ihm wohnte. Vitali räumte seinen Teller und sein Messer in die Spülmaschine<br />

und setzte sein Wasserglas noch einmal an den Mund, als es oben im Haus<br />

entsetzlich laut polterte.<br />

Es klang, als wäre ein schwerer Gegenstand die Treppe hinuntergefallen ...<br />

gefallen? Gestürzt?! Es wird doch nicht ...!<br />

„Oh nein!“ Vitali rannte panisch aus der Küche.<br />

Es war Dennis. Er lag mit dem Kopf nach unten auf der schmalen Treppe<br />

zum Dachboden und ... grinste ihm frech ins Gesicht.<br />

„Sag mal, hast du noch alle Latten am Zaun?!“ Vitali war außer sich.<br />

Er konnte sich kaum mehr beherrschen. Zum Glück kam auch Annabell aus<br />

ihrem Zimmer gerannt. Sie würde die Situation mit ihrem kühlen Kopf im<br />

Griff behalten.<br />

„Steh auf, Dennis! Sonst kommt dir zuviel Blut in die Birne!“<br />

„Halt dein Maul, du Schlampe!“<br />

„Also, jetzt reicht es! Du beleidigst in meinem Haus keinen Menschen und<br />

erst recht nicht deine Cousine! Ich möchte, dass du augenblicklich deine<br />

Sachen packst und von hier verschwindest. Fietje hast du nicht als Bruder<br />

verdient. Wir lassen das ein für alle Mal. Fietje wird nie erfahren, dass du<br />

sein <strong>Zwilling</strong> bist.“<br />

Es war selten, dass Vitali sich nicht im Griff hatte. Aber wenn, dann wackelte<br />

bei seiner sonoren Stimme das ganze Haus. Wenn er brüllte, bekam<br />

mancher eine Gänsehaut.<br />

Einer hatte jetzt tatsächlich Gänsehaut...: Fietje.<br />

<strong>Der</strong> Junge stand wie angewurzelt in der geöffneten Tür, die zu dem Zimmer<br />

hinter der Dachbodentreppe führte. Er zitterte.


72 73<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

Ein Schock. Annabell erkannte es als Erste. Sie hatte schon oft im <strong>Die</strong>nst<br />

damit zu tun gehabt. Entschlossen nahm sie den Jungen am Arm und zog ihn<br />

ins Zimmer zurück, um ihn dort zu versorgen.<br />

Dennis hatte nichts Besseres zu tun, als noch etwas hinterherzuschreien:<br />

„Mit diesem Schnösel wollte ich noch nie verwandt sein. <strong>Der</strong> soll sich lieber<br />

mal verpissen!“<br />

Dann erhob er sich schwerfällig und schleppte sich auf allen Vieren auf den<br />

Dachboden zurück. Vitali hatte ihn damals extra für den Jungen ausgebaut.<br />

Er war schon immer ein schwieriger Kerl.<br />

Vitalis Schwager hatte seine Entscheidung, den Jungen zu sich zu nehmen,<br />

im Grunde sofort bereut. Er hatte sich nie richtig um ihn kümmern können.<br />

Führungskraft. Tag und Nacht und immer.<br />

Schock<br />

Anzeichen für einen Schock sind:<br />

• blasse, kühle Haut<br />

• unklare Äußerungen des Betroffenen<br />

• kalter Schweiß, frieren Angst-, Unruhe- und Verwirrtheitszustände<br />

• beschleunigte Atmung.<br />

Was ist zu tun bei einem Schock?<br />

Bei ersten Anzeichen für einen möglichen Schock sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:<br />

• Alarmiere so früh wie möglich den Notarzt (112)!<br />

• Versuche, die Ursache des Schocks zu beseitigen, wenn dies möglich ist (z.B. durch Stillen<br />

einer Blutung)!<br />

• Lass die Person nicht allein und beruhige sie!<br />

• Halte die Person warm, z.B. indem du sie in eine Decke wickelt! Verwende jedoch keine Wärme<br />

von außen, wie z.B. Wärmflaschen, Heizdecken oder Ähnliches!<br />

• Ist der/die Betroffene bei Bewusstsein, bringe ihn/sie in die Schocklagerung: Flach auf den<br />

Boden legen und die Beine des Betroffenen hochlegen (z.B. auf einen Hocker, Koffer)!<br />

Falls Bewusstlosigkeit ein tritt, überprüft die Atmung:<br />

• Betroffene/-r atmet: Bringe sie/ihn in die stabile Seitenlage und kontrolliere regelmäßig<br />

die Atmung!<br />

• Betroffene/-r atmet nicht: drehe sie/ihn auf den Rücken und beginne mit<br />

Wiederbelebungsmaßnahmen!<br />

Und das war dann das Ergebnis. <strong>Der</strong> Junge konnte nichts dafür. Vitali tat es<br />

jetzt leid, dass er sich so vergessen hatte. Aber er war auch nur ein Mensch<br />

und diesem Jungen konnte keiner mehr richtig Herr werden. So schien es. Er<br />

würde ihn heute nicht mehr angehen.<br />

Das mit Fietje war jetzt natürlich selten dumm gelaufen. Er hätte sich für<br />

diese unbedachten Worte ohrfeigen können!<br />

Fietje saß mit einer Decke um die Schultern auf seinem Bett. Annabell redete<br />

leise und beruhigend auf ihn ein. Sein Kreislauf schien stabil, sie musste<br />

ihn nicht mit erhöhten Beinen legen. Sie dachte an Dennis und wusste,<br />

auch er benötigte ihre Hilfe. Doch sie konnte jetzt nicht überall sein. Nachher<br />

würde sie sich um ihn kümmern.<br />

Vitali zog seine Wanderschuhe an. Er musste einen klaren Kopf bekommen,<br />

bevor er Fietje seine <strong>Zwilling</strong>sgeschichte im Detail offenbarte. Den Vormittag<br />

würde er in den Bergen rings um den Starnberger See verbringen. Das<br />

würde sicher helfen.


74 75<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

Dennis fiel in einen tiefen Schlaf. Als er am Nachmittag um 15:15 aufwachte,<br />

zog er zuerst das Handy aus seiner Hosentasche. Dort steckte es immer,<br />

auch wenn es so nicht gegen <strong>Die</strong>bstahl versichert war. Er musste jetzt Naomi<br />

dringend von all diesem Mist erzählen. Aber vorher wollte er noch wissen,<br />

wieso sie sich gestern am Bahnhof nicht zu erkennen gegeben hatte. War<br />

der Typ neben ihr schuld? Hatte sie ´nen Anderen und wollte vor dem nicht<br />

auffliegen?<br />

15:15 „Hey! Es macht mich fertig, dass du mich gestern in dem Café nicht<br />

erkennen wolltest!“<br />

15:18 „Dennis, hello! Das gestern? Das war doch nur ein Spielchen.“<br />

15:19 „Ein Spielchen? Bist du nur doof? Wollen denn heute alle mit mir<br />

Spielchen spielen?“<br />

15:24 „Nimms nicht so ernst, ich wollte dich nur testen.“<br />

15:25 „Achso. Und? Seh ich sexy aus?“<br />

15:30 „Klar! Voll! Du bist genau mein Typ.“<br />

15:31 „Du auch ; )!“<br />

So etwas schreckte die Girls eher ab.<br />

Er hatte Hunger. Mordshunger.<br />

Er würde jetzt in die Küche runtergehen. Sollte sein Onkel doch schnauben,<br />

wie er wollte. Ihm war es egal.<br />

Fietje hatte sich vom ersten Schreck etwas erholt. Für ihn machte das alles<br />

keinen Sinn. Und sein Onkel, der es ihm, laut Annabell, erklären konnte, trieb<br />

sich noch am See herum. Annabell hatte ihm die Prospekte von der Bundespolizei<br />

gegeben. Zum Ablenken. Dann war sie in Dennis Zimmer verschwunden.<br />

Den ganzen Vormittag hatte sich Fietje nun schon die Sachen von Annabell<br />

angeschaut, auch mal im Netz recherchiert. Dabei stieß er auf ein cooles<br />

Video von einem gewissen Fabian Aue. Und ja, er wollte auch Hubschrauber-<br />

Pilot werden. Das stand jetzt für ihn fest.<br />

Hubschrauber-Pilot<br />

Dennis entschied sich, Naomi doch nichts zu erzählen.<br />

Ausbildungskriterien und Abläufe:<br />

• Höchstalter 33<br />

• abgeschlossene Laufbahnausbildung im mD / gD (noch!)<br />

<strong>Die</strong>bstahl versichert<br />

Nicht alle <strong>Die</strong>bstähle, die laut dem Gesetz als <strong>Die</strong>bstahl (siehe § 242 StGB <strong>Die</strong>bstahl) gelten, sind<br />

auch <strong>Die</strong>bstähle im Sinne einer Versicherung.<br />

Erstauswahlverfahren (EAV)<br />

• computerbasierte Tests zu kognitiven und psychomotorischen Leistungsmerkmalen, Fähigkeitstests<br />

und Fragebogen zu luftfahrt-psychologisch relevanten Persönlichkeitseigenschaften<br />

beim Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin (DLR) in Hamburg (eintägig)<br />

• Assessment Center (DLR) zu sozialen Fähigkeiten und Verhalten im Team sowie persönliches<br />

Interview mit Vertretern der Fliegergruppe zum Kennenlernen (zweitägig)<br />

• Flugmedizinische Tauglichkeitsuntersuchung<br />

Einfacher <strong>Die</strong>bstahl:<br />

<strong>Die</strong>s sind <strong>Die</strong>bstähle, bei dem es für den <strong>Die</strong>b einfach ist, etwas zu stehlen. <strong>Der</strong> Geschädigte lässt<br />

z. B. das Handy unbeaufsichtigt auf dem Tisch eines Restaurants liegen, weil er kurz auf die Toilette<br />

geht. Trick- und Taschendiebstähle werden oft auch als einfacher <strong>Die</strong>bstahl eingestuft, wenn der<br />

Besitzer ein Handy grob fahrlässig aufbewahrt. Solche einfachen <strong>Die</strong>bstähle sind in der Handy-Versicherung<br />

nicht versichert. Also keine Erstattung im Schadensfall. Anders sieht es bei Einbruchdiebstahl<br />

oder Raub aus. Bei der Handlung wird durch den Täter bei der Tatausführung Gewalt<br />

angewendet oder angedroht.<br />

Ausbildung<br />

• Englisch-Lehrgang (ca. 2 Monate)<br />

• Theorie und Praxis auf EC120 (ca. 1 Jahr)<br />

• Einsatztaktische Ausbildung und Type Rating EC135 (ca. 6 Monate)<br />

• ggf. Type rating AS322 (ca. 2 Monate)<br />

• ggf. Instrumentenflugberechtigung IFR (ca. 4 Monate)<br />

www.komm-zur-bundespolizei.de


76 77<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

Fabian Aue erzählt<br />

über seine Arbeit.<br />

Fietje nahm sich noch einen Yoghurt aus dem Kühlschrank und wartete eine<br />

ganze Weile. Doch Vitali hatte scheinbar nicht vor, sich so bald wieder hier<br />

einzufinden.<br />

„Ich werde Belinda anrufen. Ihr kann ich sicher von dieser <strong>Zwilling</strong>ssache<br />

erzählen“, dachte Fietje und wählte Belindas Nummer. Vielleicht hatte sie<br />

jetzt schon Zeit.<br />

„Hey Fietje, na, schon ausgeschlafen? Wie ist es, wollen wir an den See?“<br />

Belinda hatte größte Lust, heute noch baden zu gehen. Es waren die letzten<br />

Tage des Sommers. Das wollte sie unbedingt nutzen.<br />

„Ja, klar! Aber magst du nicht erst einmal auf einen Kaffee hier vorbeikommen?<br />

Ich muss meine Sachen noch auspacken. Hab´ ich noch nicht geschafft“,<br />

kam es von Fietje. Er wollte erst einmal alles loswerden, bevor er<br />

mit ihr einen entspannten Nachmittag verbrachte.


78 79<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

Belinda kam schon ein paar Minuten später. Sie sah umwerfend aus. Fietje<br />

mochte ihre Dreadlocks sehr und auch ihr Farbgeschmack war seinem<br />

sehr ähnlich. Ihr Wiedersehen war herzlich. Er hatte nichts zu befürchten.<br />

Außer, dass er sich verliebte. Das konnte er grad gar nicht gebrauchen. Beim<br />

Kaffee erzählte er seiner neuen Freundin, dass er seit heute Morgen einen<br />

<strong>Zwilling</strong> hatte. Mehr wusste er darüber ja noch nicht. Und auch, wenn Belinda<br />

tausend Spekulationen parat hatte, er konnte immer nur mit „Das weiß ich<br />

nicht“ antworten.<br />

ist das<br />

etwa dein<br />

Bruder?<br />

„Hey, was soll denn diese Kacke hier?“, brüllte es plötzlich aus Richtung Flur.<br />

Dennis stand in der Küchentür und funkelte Belinda hasserfüllt an.<br />

„Naomi! Willst du mich nur komplett rollen? Was soll das? Was bist du denn<br />

für eine hinterlistige F...“<br />

Das reichte. Fietje sprang auf. Er stürzte sich auf Dennis. <strong>Die</strong> beiden stolperten<br />

über die beiden Treppenstufen zur Küche und lagen jetzt keuchend<br />

auf dem Boden. Belinda stand neben ihnen und schaute auf beide herunter.<br />

„Ist das etwa dein Bruder?“, fragte sie Fietje und zeigte ungläubig auf den zu<br />

ihren Füßen liegenden Dennis.<br />

„So what? Naomi??? Bist du krank oder was? Jetzt tu nicht wieder so, als<br />

würdest du mich nicht kennen. Deine Spielchen stinken mir total. Jetzt auch<br />

noch mit diesem feinen Pinkel, ich glaub es einfach nicht!“<br />

Damit erhob er sich und rauschte in den Flur hinaus. „Rums!“<br />

Das war die Eingangstür. Dennis war gegangen.<br />

Auf dem Boden lag noch sein Handy. Es war ihm beim Gerangel aus der<br />

Tasche gerutscht.


80 81<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

Belinda hob es auf und unternahm einen kleinen Versuch, ihm hinterherzurufen.<br />

Da vibrierte das Smartphone in ihrer Hand.<br />

Sie schaute auf das Display und las: „Nachricht von Naomi“<br />

„Naomi?“, sprach sie ihre Gedanken verwirrt aus.<br />

„So hat er dich eben zwei Mal genannt“, kam es von Fietje, der sich jetzt auch<br />

erhob.<br />

„Also, von mir ist die Nachricht nicht. Wieso denkt er überhaupt, dass ich<br />

Naomi heiße? Oder sind bei ihm alle Girls Naomis?“<br />

„Lass mal sehen!“<br />

Fietje hatte sich zuerst wieder gefasst und war jetzt nur noch neugierig.<br />

Was die beiden allerdings jetzt entdeckten, hatte absolutes Gruselpotenzial.<br />

Denn Naomi war Belinda.<br />

Belindas Bild, was sie bei Instagram und auch sonst noch irgendwo online<br />

hatte, schaute ihnen entgegen.<br />

„Wie geht denn das?“ Belinda war schockiert. Fietje zuckte nur die Schultern.<br />

In dem Moment kam Annabell in die Küche. Noch etwas verschlafen.<br />

„Was ist denn mit euch los? Starrt auf das Handy, als wär´s ein Geist!“<br />

„Hm, vielleicht ist es auch einer“, bemerkte Fietje.<br />

„Wieso? Was ist denn mit deinem Handy?“, fragte Annabell.<br />

„Nee, Dennis seins. <strong>Der</strong> ist grade rausmarschiert. Und das hier ...“<br />

„Oh Mann! <strong>Der</strong> nervt! Zeig mal her, was hat es denn damit?“<br />

Annabell nahm das Handy und sah Belindas Bild mit der Nachricht.<br />

„Ach, du kennst den auch?“ Annabells Blick wanderte zu Belinda.<br />

„Ich hab ihn vorhin zum zweiten Mal gesehen und Naomi bin ich auch nicht.<br />

Keine Ahnung, was er da für Nachrichten bekommt und vor allem von wem?<br />

Mit meinem Bild!“<br />

„Tja, Herzchen, da hat wohl jemand deinen Account gehackt und sich dein Bild<br />

rausgeklaut. Glückwunsch!“, kam es etwas kaltschnäuzig von Annabell.<br />

„Lass mal lesen, was der-die-das geschrieben hat!“<br />

Jetzt kam die Polizistin wieder zum Vorschein. <strong>Die</strong>se Entdeckung konnte<br />

Annabell nicht auf sich beruhen lassen. Sie nahm sich das Handy vor und<br />

ging den gesamten Nachrichtenverlauf durch. Von einem „Ist der dämlich“<br />

über „So wird das nie was mit der Frau“ zu „Mann, wie kann man so bekloppt<br />

sein!“ ging es lächelnd und schimpfend bis zu einem Punkt, an dem Annabells<br />

Gesicht einfror. Belinda und Fietje beobachteten das Szenario und gerieten in<br />

Sorge.<br />

„Was ist los? Was steht denn da?“<br />

Keine Antwort. Stattdessen zog Annabell ihr eigenes Handy.<br />

Fietje und Belinda schauten sich ratlos an.


82 83<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

ZUHAUSE (BEI VITALI)<br />

„<strong>Die</strong> Naomi hier ist überhaupt keine Naomi“, sagte Annabell jetzt sehr ernst.<br />

Von ihrem <strong>Die</strong>nsthandy ging bereits ein Ruf ab.<br />

„Chef, ich habe hier einen Verdacht auf Schleusung, Mittäter bekannt, aber<br />

vermisst.“<br />

<strong>Der</strong> Cousin und seine Freundin verstanden nur Bahnhof.<br />

„Ihr könnt euch sofort auf den Weg machen und Dennis suchen! Wenn gefunden,<br />

dann sofort anrufen!“<br />

„Wieso, was ist denn los?“<br />

„Später.“<br />

Annabell konnte es nicht fassen. Dennis war da in eine ganz gemeine Falle<br />

getappt. Alles machte den Anschein, als dass über den Namen „Naomi“ und<br />

mit dem Bild von Belinda eine Schleusung vorbereitet werden sollte. Den<br />

Hinweis darauf lieferten die Nachrichten der letzten Tage.<br />

Jemand hatte ihren Cousin über die Bundespolizei ausgefragt. Wie das alles<br />

so lief am Bahnhof, auf ihrer, Annabells, <strong>Die</strong>nststelle. Nebenbei immer mal<br />

ein verliebtes Schnurren eingeflochten, dass Dennis nicht dahinterkam. „Oder<br />

steckte er sogar mit drin?“<br />

<strong>Der</strong> Gedanke ließ Annabell zu Eis erstarren. Klar! Konnte ja auch sein!<br />

Bei dem wusste man nie! Jetzt musste sie die beiden gleich wieder<br />

zurückpfeifen.<br />

„Hey, ihr zwei! Stopp! Suche einstellen!“, schrie sie über den Weg zum Haus.<br />

suche<br />

einstellen!<br />

Schleusung<br />

§ 96 StGB<br />

Einschleusen von Ausländern<br />

(1) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen mit<br />

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer einen anderen anstiftet<br />

oder ihm dazu Hilfe leistet, eine Handlung<br />

1. nach § 95 Abs. 1 Nr. 3 oder Abs. 2 Nr. 1 Buchstabe a zu begehen und<br />

a) dafür einen Vorteil erhält oder sich versprechen lässt<br />

b) wiederholt oder zugunsten von mehreren Ausländern handelt oder<br />

2. nach § 95 Abs. 1 Nr. 1 oder Nr. 2, Abs. 1a oder Abs. 2 Nr. 1 Buchstabe b oder Nr. 2 zu begehen und<br />

dafür einen Vermögensvorteil erhält oder sich versprechen lässt.<br />

(2) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer in den Fällen des<br />

Absatzes<br />

1. gewerbsmäßig handelt,<br />

2. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat,<br />

handelt<br />

3. eine Schusswaffe bei sich führt, wenn sich die Tat auf eine Handlung nach § 95 Abs. 1 Nr. 3<br />

oder Abs. 2 Nr.1 Buchstabe a bezieht,<br />

4. eine andere Waffe bei sich führt, um diese bei der Tat zu verwenden, wenn sich die Tat auf<br />

eine Handlung nach § 95 Abs. 1 Nr. 3 oder Abs. 2 Nr. 1 Buchstabe a bezieht, oder<br />

5. den Geschleusten einer das Leben gefährdenden, unmenschlichen oder erniedrigenden<br />

Behandlung oder der Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung aussetzt.<br />

(3) <strong>Der</strong> Versuch ist strafbar.


84 85<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

Auch das noch!<br />

Hier mussten sofort Experten ran. Deshalb rief sie ihren Chef an. <strong>Die</strong>ser verständigte<br />

die Leitstelle. Danach ging alles sehr schnell.<br />

<strong>Die</strong> Leitstelle beauftragte mit einem Anruf die Fliegerstaffel, um Dennis zu suchen.<br />

<strong>Der</strong> Verdacht auf seine Mittäterschaft reichte dafür aus.<br />

Sie schickten die AS 332 raus. Sie hatte eine Infrarotkamera und den Suchscheinwerfer.<br />

Außerdem war sie mit dem Schwimmer für eine Notwasserung<br />

ausgestattet.<br />

Man wusste nie, wo man die betreffende Person auffand. Noch konnte Dennis<br />

nicht weit sein. Und die Suche startete über dem Starnberger See. Da war die<br />

Maschine zum Transport von Einsatzkräften derzeit die beste Wahl.<br />

Als Vitali in der Zwischenzeit von seinem Spaziergang am See zurückkam,<br />

bot sich ihm ein schreckliches Bild. Was hatte denn dieser Tag noch alles auf<br />

Lager? In seinem Garten stand seine Tochter und gestikulierte wild. Fietje<br />

zitterte schon wieder und daneben stand ein hübsches Mädchen, das bis<br />

<strong>Der</strong> Suchscheinwerfer ist ein zur Missionsausstattung<br />

gehörender Hochleistungsscheinwerfer,<br />

der optional am Polizeihubschrauber<br />

angebaut werden kann.<br />

Er kann sowohl im für das menschliche<br />

Auge sichtbare Spektrum als auch im Infrarotbereich<br />

(die Ausleuchtung kann mit<br />

Was ist<br />

hier los?<br />

Hilfe von Restlichtverstärkerbrillen gesehen<br />

werden) betrieben werden. <strong>Der</strong> Suchscheinwerfer<br />

ist aus dem Hubschrauber<br />

in vertikaler wie auch horizontaler Achse<br />

steuerbar. Er ist fokussierbar.<br />

Schwimmer für eine Notwasserung:<br />

Das sind außen am Hubschrauber angebaute<br />

Schwimmkörper, die sich im Falle<br />

einer Notlandung auf hoher See entweder<br />

durch die Besatzung ausgelöst oder<br />

bei Kontakt mit Salzwasser automatisch<br />

aufblasen und so den Hubschrauber für<br />

einen definierten Zeitraum an der Wasseroberfläche<br />

halten.<br />

Leitstelle<br />

<strong>Die</strong> Erfüllung der gesetzlich zugewiesenen Aufgaben erfordert eine stets aktuelle Kenntnis der<br />

jeweiligen Lage. Behörden und <strong>Die</strong>nststellen der Bundespolizei sollen auf lagerelevante<br />

Vorkommnisse unmittelbar und sachgerecht reagieren sowie die Informationen aller Beteiligten<br />

sicherstellen können. Ebenso sollen benachbarte in- und ausländische Sicherheitspartner bei deren<br />

Aufgabenwahrnehmung durch die Bereitstellung lagerelevanter Informationen unterstützt werden.<br />

<strong>Die</strong> Lage- und Einsatzzentrale der Bundespolizeidirektion München befindet sich in der<br />

Direktion in München.


86 87<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

eben noch geweint haben musste. Ihre Augen waren total verquollen. Jetzt<br />

hörte er auch noch die AS 332 in der Nähe. Er konnte die Hubschrauber an<br />

ihrem Motoren-Geräusch erkennen.<br />

„Was ist hier los?“, fragte er seine Tochter und blickte zum See. Von dort<br />

kam der Hubschrauber-Lärm.<br />

Annabell hatte ihr Handy wieder eingesteckt und beschrieb jetzt in knappen,<br />

klaren Worten die Lage. Sie war es von der Arbeit gewohnt, auf Details zu<br />

verzichten.<br />

Vitali kannte das auch von seiner Arbeit. <strong>Die</strong> Piloten sprachen immer nur<br />

kurz und präzise. Für alles gab es Kürzel. Aber jetzt fuhr ihm diese Art und<br />

Weise der Mitteilung heftig in die Knochen. Es musste um etwas gehen. In<br />

seiner Familie!<br />

A332: In Deutschland wurde die zivile Version „Super Puma“<br />

(Puma AS 332 L1) für den Bundesgrenzschutz angeschafft und<br />

Es war Fabian, der die AS 332 flog. Er erbat sich beim Tower Einflugerlaubnis<br />

in den Kreis: „Munich Tower, Pirol 240, AS 332 Super Puma, VFR, just airborn<br />

at Oberschleißheim inbound Starnberg, low level, hot police mission,<br />

request to enter/cross CTR direct on course.“<br />

ist bis heute bei der Bundespolizei im Einsatz. <strong>Die</strong> militärische<br />

Version „Cougar“ wird von der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums<br />

verwendet. In beiden Fällen dienen diese<br />

Hubschrauber in erster Linie dem Transport von Mitgliedern<br />

der Verfassungsorgane, sie werden aber auch im Such- und<br />

Rettungsdienst, im Katastrophenschutz und für humanitäre<br />

Hilfeleistungen eingesetzt.<br />

Tower<br />

Koordinierung des Flugverkehrs in einer Kontrollzone um einen internationalen Flughafen<br />

Einflugerlaubnis<br />

<strong>Die</strong> Piloten erbitten beim Tower die Erlaubnis, in das Gebiet fliegen zu dürfen. Hier:<br />

„München Turm, Pirol 240, AS 332 Super Puma, VFR, gerade in Oberschleißheim gestartet nach<br />

Starnberg, im tiefen Flug, dringlicher Polizeieinsatz, erbitte Einflug/ Durchflug in/der Kontrollzone<br />

auf direktem Kurs“<br />

Es hieß, hier in der Nähe sollte sich der junge Mann aufhalten. Stunden<br />

vergingen und es gab immer noch keine Spur von Dennis. So langsam brach<br />

die Dämmerung herein und ein Sturm bahnte sich an. <strong>Die</strong>s erschwerte die<br />

Suche. Sollte der Sturm zu stark werden, müssten sie die Suche abbrechen,<br />

egal ob sie Dennis gefunden hatten oder nicht. Fabian und seine Kollegen<br />

hatten schon fast die Hoffnung auf einen Erfolg aufgegeben, als sich auf ihrem<br />

Monitor etwas bewegte. Bei genauerem Hinsehen stellten sie fest, dass<br />

es sich um Dennis handeln musste, der sich mitten im Wald befand. Jetzt


88 89<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

war höchste Konzentration gefragt. Sie durften ihn nicht verschrecken oder<br />

einschüchtern, weil er sonst auf dumme Gedanken kommen könnte.<br />

„Oh shit!“, fluchte Dennis, als er nach oben blickte und den Hubschrauber<br />

sah, der seine Scheinwerfer vermutlich auf ihn richtete. Lange überlegte er<br />

nicht und rannte los. Selbst wenn die nicht ihn suchten, sicher war sicher!<br />

Wohin er gehen sollte, wusste er noch nicht, er kannte sich hier kaum aus.<br />

Nur eines war sicher - er wollte weg hier.<br />

„Warum suchen die mich denn gleich mit nem fetten Hubschrauber? Geht’s<br />

noch?“ <strong>Der</strong> Sturm wurde immer stärker und es wurde immer dunkler.<br />

Es fiel ihm schwer etwas zu sehen.<br />

Obwohl Dennis den Hubschrauber längst nicht mehr hörte, rannte er immer<br />

weiter, bis ihm endgültig die Puste ausging. Plötzlich gab es einen riesigen<br />

Knall und er zuckte erschrocken zusammen.<br />

„Super, als ob es jetzt auch noch gewittern muss?! <strong>Der</strong> Wald ist so schon<br />

gruselig genug!“<br />

Da fielen auch schon die ersten Regentropfen, die schnell zu einem strömenden<br />

Regen wurden. Er brauchte einen Unterschlupf, das war klar!<br />

Nach einigen Minuten kam er komplett durchnässt an einer Art Höhle an.<br />

„Das ist alles Fietjes Schuld! Warum hab ich ausgerechnet so einen<br />

<strong>Zwilling</strong>sbruder? Warum hab ich überhaupt einen?!“, schimpfte<br />

Dennis. Er regte sich noch einige Minuten auf. Dabei vergaß er, in<br />

welcher Situation er sich befand. Ein Geräusch, nicht weit von ihm<br />

entfernt, holte ihn in die Realität zurück. Er erschrak darüber so<br />

sehr, dass er wie angewurzelt stehenblieb. <strong>Die</strong> Geräusche kamen<br />

immer näher. Das löste seine Starre und er rannte wieder um<br />

sein Leben.<br />

„Shit! Sie suchen doch nach mir. Bestimmt ist noch was<br />

richtig Blödes passiert.“ Er hatte schon mit seinem<br />

Leben abgeschlossen, da traf ihn etwas Hartes am<br />

Hinterkopf. Ihm wurde schwarz vor Augen.<br />

Annabell sah den Hubschrauber landen und hoffte,<br />

dass sie Dennis gefunden hatten. Doch als Fabian mit<br />

ernstem Blick ausstieg und auf sie zukam, befürchtete<br />

sie das Schlimmste. „Wir haben ihn im Wald entdeckt,<br />

doch dann wurde der Sturm zu stark und wir waren<br />

gezwungen zu landen. Es tut mir leid“, berichtete Fabian.


90 91<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

Annabell fragte entsetzt: „Und jetzt? War er verletzt?“<br />

„Sobald das Unwetter schwächer wird, setzen wir die Suche fort. Soweit ich<br />

das beurteilen kann, war er nicht verletzt. Er ist gerannt.“<br />

Beide waren schon komplett durchnässt. Sie beschlossen reinzugehen und<br />

abzuwarten. Etwas Anderes blieb ihnen gerade nicht übrig.<br />

Als Dennis wieder zu Bewusstsein kam, hörte er ein Brummen und öffnete<br />

langsam seine Augen. Ein Reh stand genau über ihm und starrte ihn an.<br />

Er schrie aus vollem Hals, sprang auf und verschreckte damit das Tier. Es<br />

sprang hastig durch den Wald davon. <strong>Der</strong> Sturm hatte sich beruhigt, doch<br />

es war immer noch stockdunkel. Dennis war noch etwas benommen. Er<br />

schwankte als er aufstand.<br />

Dann konnte er erleichtert erkennen, dass der Gegenstand, der ihn ausgeknockt<br />

hatte, ein Ast gewesen sein musste. Er war abgebrochen und lag<br />

direkt neben ihm. Das Brummen von eben waren allerdings die rotierenden<br />

Propeller eines Hubschraubers. Er fasste den Entschluss wieder loszurennen.<br />

<strong>Die</strong>smal kam der Scheinwerfer immer näher. Dennis wollte gerade<br />

einen Zahn zulegen, als er plötzlich keinen festen Untergrund mehr unter<br />

den Füßen hatte.<br />

Das nächste, das er spürte, war ein ungeheuerlicher Schmerz, der seinen<br />

Körper durchzog. Kaltes Wasser umgab ihn. Er musste von einem Abhang<br />

abgerutscht und in den See gefallen sein. Er versuchte sich über Wasser<br />

zu halten, doch seine nasse Kleidung zog ihn nach unten. Auch sein schmerzendes<br />

Bein erschwerte das Schwimmen. Immer wieder befand er sich<br />

für kurze Zeit komplett unter der Seeoberfläche und schluckte dabei jede<br />

Menge kaltes Wasser. Als er jetzt merkte, dass es nach Blut schmeckte,<br />

geriet er in Panik. <strong>Die</strong> Kraft verließ ihn, je länger er nach Luft rang. Nur noch<br />

ein „Arghrghrgh. Hil….“ war von ihm zu hören. Er hatte Todesangst.


92 93<br />

AUCH DAS NOCH!<br />

ZWEI AUFGEKLÄRT<br />

Als der Regen nachgelassen hatte, war Fabian sofort wieder aufgebrochen.<br />

Er brauchte auch nicht lange zu suchen. <strong>Die</strong> Infrarotkamera hatte die Spuren<br />

von Dennis im Wald neben dem See bereits ausgemacht. Und dann sah<br />

er ihn auch schon aus seinem Hubschrauber. Dennis kämpfte auf dem See<br />

um sein Leben. Er drohte zu ertrinken. Jetzt war Eile geboten.<br />

Fabians Co-Pilot schnallte sich ohne Zögern den Sicherungsgurt für eine<br />

weitere Person um seinen Brustkorb. Dann hängte er sich am Rettungsseil<br />

ein, das unten am schwebenden Hubschrauber befestigt war. Daran<br />

könnten er und Dennis hängend zum nächsten Landeplatz geflogen werden.<br />

Aber zuerst musste er runter zu ihm. Jetzt durfte die AS 332 nicht zu<br />

tief kommen, damit der See so ruhig wie möglich blieb. Jede Welle war eine<br />

Gefahr für Dennis. <strong>Die</strong> Crew wusste nicht, wie lange Dennis schon im Wasser<br />

kämpfte und wie lange es noch dauern würde bis seine Kräfte versagten.<br />

Fabian und sein Co-Pilot hatten es nach 10 Minuten geschafft. <strong>Der</strong> See hatte<br />

16 Grad und der Junge war stark unterkühlt. Nachdem sie ihn auf einem<br />

Landeplatz oberhalb des Waldes im Hubschrauber hatten und der Co-Pilot<br />

die "Puma" erneut startete, um Kurs auf das Klinikum Starnberg zu nehmen,<br />

versuchte Fabian, mit Dennis zu sprechen. Er hatte den Jungen angeschnallt.<br />

Es würde im Sitzen gehen. <strong>Der</strong> Lärm im Hubschrauber erlaubte nicht viele<br />

Worte. Er schrie: „Flucht?“ Kopfschütteln.<br />

„Ok“, dachte Fabian, „mit dem Jungen werden jetzt die Kollegen arbeiten.“<br />

Doch für ihn sah das hier nicht nach Schleuser oder Mittäterschaft aus.<br />

Naja, die Hauptsache war: sie hatten ihn vor dem Ertrinken gerettet.<br />

Co-Pilot<br />

<strong>Die</strong> Komplexität und Nichtplanbarkeit der Einsätze macht es erforderlich, eine weitere Person<br />

(Copilot oder Flugtechniker) zur Unterstützung des Piloten (Funk, Navigation, Überwachung der<br />

Systeme, Vornehmen von Schaltungen etc.) einzusetzen. Kein Pilot fliegt alleine.<br />

<strong>Die</strong> Vernehmung am nächsten Tag an Dennis Krankenbett führten zwei<br />

Bundespolizisten durch. Manchmal war die Kombination von Frau und Mann<br />

eine gute Entscheidung, um zu einer Aussage zu kommen oder eine Situation<br />

zu regeln. Schnell war klar, dass Dennis zwar ein auffälliger und auch krimineller<br />

Jugendlicher war, denn seine Akte sprach Bände. <strong>Die</strong>se enthielt sogar<br />

Straftaten bereits im Alter von 10 Jahren. Doch die Mittäterschaft zu einer<br />

geplanten Schleusung konnten die Antworten des Jungen auf die gezielten<br />

Fragen der Beamten eindeutig ausschließen. Trotzdem waren die Beamten<br />

froh darüber, dass die Annabell, die Beamtin aus der <strong>Die</strong>nstgruppe, richtig<br />

entschieden hatte und sofort die Experten einschaltete. Nun stand noch eine<br />

fieberhafte Suche vor ihnen, die sie sofort starten würden.<br />

Dennis war ein Indiz, was sich als unschuldig erwies,<br />

doch er würde ihnen bei der Suche helfen können.<br />

Zwei aufgeklärt<br />

Es war Donnerstag. Um 14:26 Uhr lief Vitali vor dem<br />

Zimmer 204 des Klinikums Starnberg auf und ab. Im<br />

Gang saßen Fietje und Annabell. Fietje rieb sich nervös die<br />

Hände, schob sie immerzu unter seine Oberschenkel, um sie<br />

kurz darauf wieder hervorzuziehen. <strong>Die</strong> Situation der <strong>Zwilling</strong>e war<br />

vor ein paar Tagen völlig außer Kontrolle geraten. Nicht nur,<br />

dass sie beide nun ungewollt voneinander wussten.<br />

Sie steckten zudem in einer absolut gefährlichen<br />

Lage. Wer auch immer hinter „Naomi“ steckte,<br />

er hatte Schlimmes vor. Das war allen klar. Aber<br />

keiner wusste was genau, wann und wo es passieren<br />

würde. Würden sie alle damit zusammenhängen?<br />

Konnte man noch etwas verhindern?


94 95<br />

ZWEI AUFGEKLÄRT<br />

ZWEI AUFGEKLÄRT<br />

er soll<br />

reinkommen!<br />

<strong>Die</strong> Kollegen vom Ermittlungsdienst hatten entschieden, dass Dennis die<br />

Unterhaltung mit dem Straftäter über sein Instagram-Profil sofort wieder<br />

aufnehmen sollte. Vielleicht hatten sie Glück und er oder sie hatte die Sache<br />

mit dem See nicht mitbekommen. Nur Dennis konnte weiterschreiben. Jeder<br />

hat einen bestimmten Schreibstil und ein Austausch der Person hätte<br />

den Plan zerstören können. Das Ziel war, über die folgende Unterhaltung das<br />

Wann und Wo der geplanten Straftat herauszubekommen. Dennis bekam<br />

dabei Hilfe von Karl, einem sehr erfahrenen Beamten des ErmD. Jetzt hatte<br />

Dennis schon 3 Tage lang mit Naomi geschrieben. Er war immer noch im<br />

Krankenhaus. Hier war er geschützt. Ein Wachposten wurde vor der Tür zu<br />

Zimmer 204 postiert.<br />

Vitali sah zu Fietje hinüber. „Fietje, ich wage es jetzt“, sagte er und berührte<br />

den Türgriff. Er wollte sich endlich bei Dennis entschuldigen. Er klopfte an.<br />

„Jaha!“, kam es von drinnen. Vitali trat ein. Er fand seinen Neffen im Schneidersitz<br />

auf dem Boden sitzend. Es tat ihm so entsetzlich leid, dass er<br />

Dennis letzte Woche so völlig unüberlegt verstoßen hatte. So weit hätte es<br />

niemals kommen dürfen. Er wusste wieder einmal nicht, wie er alles sagen<br />

sollte, erklären, aufklären? Ein Blick in Dennis Augen ... und ...<br />

„Wo ist Fietje?“, fragte Dennis lächelnd als sein Onkel einen tiefen Atemzug<br />

nahm, um seinen Monolog zu starten.<br />

„Ähm, draußen, mit Annabell“, entgegnete Vitali entwaffnet. Er stotterte es.<br />

„Er soll reinkommen. Umarmung überfällig, würd ich mal sagen ...“<br />

Vitali war sprachloser denn je. Er drehte sich auf dem Absatz um und ging<br />

zurück zur Tür, hinaus auf den langen Gang. Mit allem hatte er gerechnet.<br />

Damit nicht. Schach Matt gesetzt. „<strong>Zwilling</strong>e auch im Geiste." Er schmunzelte.<br />

Ermittlungsdienst<br />

Kriminalitätsbekämpfung:<br />

Ein Haar, ein Fingerabdruck, jede noch so widersprüchliche Aussage: Wenn die Bundespolizei einem<br />

Straftäter auf der Spur ist, zählt das kleinste Detail. <strong>Die</strong> Beamtinnen und Beamten der Kriminalitätsbekämpfung<br />

sind im Einsatz, um Straftaten zu verhindern und zu verfolgen. Dabei bekämpfen sie<br />

unter anderem organisierte Schleuserbanden, die Menschen ohne erforderliche Aufenthaltstitel<br />

aus dem Ausland illegal nach Deutschland bringen.


96 97<br />

UNFASSBAR<br />

UNFASSBAR<br />

Unfassbar<br />

Währenddessen, 300 km entfernt vom Geschehen, ...<br />

„80.000 ... 90.000 ... 100.000! Endlich wieder Kohle. Drei Leute für 100.000 €, ich<br />

weiß halt, wie man Geschäfte macht", lobte sich der Mann selbst, während<br />

er mit einem Funkeln in den Augen auf die Geldbündel starrte. Dann warf<br />

er einen Blick auf die Uhr. Zufrieden rieb er sich die Hände. In einer Stunde<br />

sollte der Zug, unter den er die Flüchtlinge binden ließ, in Bozen abfahren.<br />

Joshi würde schon am Ostbahnhof in München warten, um sie in Empfang<br />

zu nehmen.<br />

<strong>Der</strong> Mann schaute hoch, als er die Tür aufgehen hörte. Herein kam Natascha,<br />

seine Ehefrau mit einer teuren Gucci-Bluse und einem Pelzmantel bekleidet,<br />

unter dem ihr künstliches Doppel-D steckte.<br />

„Na Schatz, können wir endlich los, hast du das Geld?", fragte sie mit Akzent.<br />

Er antwortete prompt und überheblich: „Klar Babe, kennst mich doch. Dank<br />

des naiven Jungen hat alles geklappt. <strong>Der</strong> hat mir tatsächlich den ganzen<br />

<strong>Die</strong>nstplan der Bundespolizei München geschickt und alles andere, was ich<br />

brauche." Nataschas künstliches Lachen schallte durch den Raum.<br />

4 Stunden später, 20 km vor München, ...<br />

Seit gefühlten Tagen schon lag er nun unter diesem Zug. Er hatte sein<br />

gesamtes Zeitgefühl verloren, seine Gliedmaßen waren steifgefroren und<br />

er hatte Hunger. Er war komplett erschöpft und betete nur noch, dass die<br />

Zugfahrt endlich ein Ende nehmen würde. Nur die Gedanken an seine<br />

Familie hielten ihn noch am Leben. Auf einmal horchte er auf. Ein neues Geräusch<br />

war aufgetaucht. Er versuchte es zu lokalisieren. Von rechts hörte er<br />

ein gleichmäßiges... Er konnte nicht sagen, wie er es definieren sollte. Aber<br />

irgendwie kam es ihm bekannt vor.<br />

Als sich seine Pappe, auf der er lag, plötzlich ein Stück absenkte, fiel es ihm<br />

siedend heiß ein. Er warf einen Blick nach rechts und sah im letzten Moment<br />

sein Unglück auf ihn zukommen. <strong>Die</strong> Schnur auf der die Pappe lag gab mit<br />

einem leisen Ratsch der Belastung nach. Im letzten Moment konnte er sich<br />

an einem rostigen Rohr über ihm festkrallen, dann fielen Pappe und Schnur<br />

auf die Bahngleise und waren sofort aus seinem Blickfeld verschwunden.<br />

Das kantige Rohr schnitt in seine Handflächen und seine kraftlosen Füße<br />

rutschen von der Unterseite des Zuges immer weiter ab.<br />

Aber er musste durchhalten! Er konnte und würde es schaffen, um seiner<br />

Tochter ein besseres Leben bieten zu können. „Abdul!", hörte er wie sein<br />

Cousin von seinem Platz unter dem Güterzug nach ihm schrie:<br />

„Halte durch, ich sehe schon den Bahnhof!" Das gab Abdul neuen Mut. Seine<br />

Finger zitterten immer mehr unter der Anstrengung und rutschten aufgrund<br />

seines Angstschweißes immer wieder ab. Doch er konnte das schaffen.<br />

Er dachte an die schönen Sachen im Leben. Seine Tochter, seine Frau<br />

und das gute Essen, das ihn in der bayrischen Hauptstadt erwarten würde.<br />

So in Gedanken merkte er nicht, wie der Zug immer langsamer wurde.<br />

Plötzlich bremste dieser abrupt ab und wurde viel langsamer.<br />

Wie in Zeitlupe rutschten Abduls schwitzigen Finger ab, er konnte fast zuschauen<br />

wie seine Füße den Halt verloren. <strong>Der</strong> Schrei seines Cousins war das<br />

Letzte was zu ihm durchdrang. Er fiel ins Gleisbett und wurde sofort vom<br />

Zug mitgeschliffen. Sein Bein blieb 5m weiter hinten liegen als seine linke<br />

Hand. Verbunden waren sie nur noch durch eine fette Blutspur. Das Lächeln<br />

seiner Tochter war der letzte Gedanke, den er für immer gedacht hatte. 10<br />

Minuten später hatten Abduls Cousins immer noch einen starren Ausdruck<br />

auf ihren schmutzigen Gesichtern. Ihre Augen waren groß und ihre Münder<br />

standen offen. Auf einmal hörten sie einen Mann nach ihnen rufen. „Hey ihr<br />

zwei, schnell raus da, was denkt ihr denn?! <strong>Der</strong> Zug fährt gleich weiter. Wo<br />

ist denn der Dritte von euch? Naja egal...! Weg hier!"


98 99<br />

UNFASSBAR<br />

UNFASSBAR<br />

Sie bewegten sich unter dem Güterzug hervor. Langsam liefen sie unter<br />

dem Bahnsteig entlang und wollten das Gleis überqueren. Da wurden sie aus<br />

ihrer Trance gerissen.<br />

„Hey, da sind zwei Flüchtige unter dem Zug hervorgekrochen. An alle verfügbaren<br />

Einheiten, sofort zum Ostbahnhof auf Gleis 4", hörten sie die Stimme<br />

eines Mannes in blauer Uniform.<br />

„Scheiße!", fluchte einer der beiden. „Das sind Polizisten!" Sie rannten über<br />

die Gleise davon. Joshi stahl sich unbemerkt vom Gleisbett in die Menschenmenge<br />

am Bahnhof hinein.<br />

In Windeseile war der ganze Bahnhof abgesperrt. Doch die beiden Überlebenden<br />

sollten noch eine größere Suchaktion auslösen, um gefunden zu<br />

werden.<br />

„Aaahhh!!!!", schrie eine Frau jetzt panisch. Plötzlich brach dort, wo sie stand,<br />

ein riesiger Tumult aus. <strong>Die</strong> Frau hatte die zerrissene Leiche im Gleisbett<br />

gesehen. Mehrere Bundespolizisten versuchten, die Schaulustigen<br />

zurückzudrängen, die schon mit ihren Smartphones Fotos von der Leiche<br />

machten.<br />

Zwei Bundespolizisten kümmerten sich um die Frau und um alle Anwesenden,<br />

bei denen das grauenvolle Blutbad einen Schock nach sich zog. <strong>Der</strong><br />

Notfallmanager der DB wurde informiert, um sich um den traumatisierten<br />

Lokführer zu kümmern. <strong>Die</strong> Spurensicherung, der Rettungsdienst und weitere<br />

Einsatzkräfte wurden geordert. Es war ein einziges Chaos.<br />

Dann musste der zerrissene Körper der Leiche von dem Gleisbett aufgesammelt<br />

und dem Bestattungsunternehmen übergeben werden. Damit die<br />

Beamten nicht dabei gestört wurden und alle Gaffer ferngehalten, wurde<br />

ein Sichtschutz aufgebaut. Weitere Beamte befragten Zeugen und mittendrin<br />

schoss die Presse ihre Fotos.<br />

„Zentrale an alle Einheiten. Zwei flüchtige Personen am Ostbahnhof. Sie<br />

flüchten über die Gleise in Richtung Innenstadt. Alle verfügbaren Einheiten<br />

bitte melden! Hundestaffel und Fliegerstaffel werden angefordert. Gesucht<br />

werden zwei junge Männer im Alter von 18-20 Jahren afrikanischer Abstammung."<br />

„Oh!", schreckte Annabell im Krankenhaus auf.<br />

Eilig öffnete sie die Tür zu Zimmer 204. Ihre Verwandten schauten verwirrt<br />

auf. „Ich muss gehen, Leute. Am Ostbahnhof ist ein heilloses Durcheinander.<br />

Drei Flüchtlinge haben sich unter einem fahrenden Zug versteckt.<br />

Nur 2 haben überlebt." Mit diesen Worten schlug die Tür auch schon wieder.<br />

Nur der Windzug war ein Zeichen, dass sie vor wenigen Sekunden vor Ort<br />

gewesen war. Fietje und Dennis, dem es mittlerweile schon besserging,<br />

sahen sich an und stürmten Annabell gleichzeitig hinterher, gefolgt von Vitali.<br />

Letzterer blieb jedoch plötzlich stehen. <strong>Die</strong> <strong>Zwilling</strong>e drehten sich fragend<br />

um. „Was ist denn?“, kam es von Fietje. Vitali stellte eine Rückfrage an<br />

Dennis: „Müssen wir dich denn nicht noch ordentlich abmelden, wenn du das<br />

Krankenhaus verlassen willst?“ <strong>Die</strong>ser sagte nur kurz: „Das können wir denen<br />

doch auch noch später mitteilen. Ich glaube, ich habe schon gegen genügend<br />

Regeln verstoßen.“ Daraufhin warf ihm sein Onkel nur einen warnenden Blick<br />

zu und sie liefen weiter. Am Parkplatz wartete schon Annabell, die langsam<br />

ungeduldig wurde. „Wenn ihr mitfahren wollt, müsst ihr jetzt mal einsteigen!<br />

Es zählt jede Sekunde!“<br />

Am Bahnhof klärte Chris Annabell über die Sachlage auf. Unklar war immer<br />

noch, ob am Bahnhof ein oder genau der Schleuser auf die Flüchtlinge<br />

gewartet hatte.<br />

Ein Hubschrauber der Fliegerstaffel, Einsatzhunde der Hundestaffel sowie<br />

mehrere Bundespolizisten waren zusätzlich zur eingeteilten <strong>Die</strong>nstgruppe<br />

im Einsatz, um den oder die Schleuser und auch die Überlebenden zu finden.<br />

Zudem wurde an allen Wegen, die aus der Innenstadt hinausführten, Passanten<br />

kontrolliert.<br />

Inzwischen hatte die Dämmerung eingesetzt, weswegen der Helikopter mit<br />

Scheinwerfern nach den Flüchtlingen suchte.


100 101<br />

ZU ZWEIT<br />

ZU ZWEIT<br />

.<br />

Zu zweit<br />

„Annabell, wo ist denn hier das Klo?“, fragte Dennis, dem es nach diesem<br />

Ausgang seiner Instagram-Odysee sehr schlecht ging.<br />

„Du gehst dort die Treppe runter und dann rechts", antwortete Annabell<br />

beschäftigt.<br />

Dennis machte sich gleich auf den Weg. Fietje rief ihm hinterher:<br />

„Dennis! Warte auf mich!"<br />

Dennis wartete bis Fietje ihn eingeholt hatte. Vitali sah, wie sie zusammen<br />

weggingen, dann drehte er sich um und beobachtete stolz seine Tochter,<br />

die selbstsicher ihrer Arbeit nachging.<br />

„Ich wusste bisher nicht, dass das Leben so grausam sein kann“, fing Dennis<br />

im Laufen an.<br />

„Ja, erst die Sache mit Belinda, dann der Fake-Account und jetzt auch noch<br />

das hier“, stimmte Fietje ihm zu, während er die Tür zur Männertoilette<br />

öffnete. Dennis wollte gerade zum Sprechen ansetzen, da bedeutete Fietje<br />

ihm zu schweigen. Erst verzog Dennis das Gesicht, doch dann hörte auch er<br />

einen Mann in einer Kabine fluchen. Beide stellten sich neben die Klotür in<br />

eine Nische und lauschten.<br />

„Scheiße Mann, hier ist alles schiefgelaufen! Warum verdammt nochmal ist<br />

das Seil gerissen? <strong>Der</strong> Bastard liegt im ganzen Gleisbett verstreut und die<br />

anderen beiden laufen hier sonstwo rum. <strong>Die</strong> Bullen hinterher. Ich hoffe,<br />

die haben mich nicht gesehen!“


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ZU ZWEIT<br />

ZU ZWEIT<br />

Entsetzt riss Fietje die Augen auf und sah Dennis an, welcher genauso<br />

geschockt aussah wie er. Doch sie würden noch mehr erfahren.<br />

„Sag mal, wie hast du eigentlich den Streifenplan der Bullen bekommen?“<br />

Eine kurze Pause folgte. „So ein Trottel. Und dieser Dennis hat dir wirklich<br />

alles unter die Nase gerieben?“<br />

Dennis spürte, wie sich die Wut in ihm aufbaute. <strong>Die</strong>se Bastarde hatten ihn<br />

so was von ausgenutzt. Er wollte losstürmen, doch Fietje hielt ihn lautlos zurück.<br />

Er hielt sein Handy hoch. Darauf war das Zeichen einer Sprachaufnahme<br />

zu sehen, die schon seit einigen Minuten lief. Dennis hielt einen Daumen<br />

hoch. Per WhatsApp beratschlagten sie nun, wie es weitergehen sollte. Dabei<br />

bemerkten sie nicht, wie der Mann auflegte und das Klo verließ. Er stieß<br />

die Tür seiner Kabine so weit auf, dass ein dumpfer Knall ertönte. Dennis<br />

stieß ein „Shit“ aus, weil die Tür gegen seine Nase geprallt war. Erschrocken<br />

hielt er sich den Mund zu und schaute Fietje entsetzt an. Sie kauerten sich<br />

noch ein Stück weiter in die Nische hinein, doch es war schon zu spät. <strong>Der</strong><br />

Mann hatte die Kabinentür wieder geschlossen und schrie die Jungen nun<br />

mit hochrotem Kopf an: „Hey, was treibt ihr denn da! Habt ihr mich etwa<br />

belauscht?!“ Bedrohlich ging er auf die beiden zu. <strong>Die</strong>se versuchten zurückzuweichen,<br />

doch spürten sie schnell die Wand im Rücken. Fietje drückte<br />

sein Handy an seine Brust. <strong>Die</strong>s machte den Schleuser darauf aufmerksam<br />

und er riss es dem Jungen aus der Hand. Fietje und Dennis schauten sich<br />

mit angsterfüllten Augen an während das Gesicht des Mannes pure Gewalt<br />

verriet. Bevor die Jungen etwas unternehmen konnten, packte Joshi Fietje<br />

am Arm und spuckte ihm ins Gesicht. „Du kleiner Bastard!!! Was treibt ihr<br />

Suppenhühner da?!“<br />

Plötzlich ertönte Annabells Stimme vor der Eingangstür der Toilette: „Jungs,<br />

wo bleibt ihr denn, alles ok bei euch?“<br />

Dennis öffnete den Mund zum Schrei, doch der Mann gab ihm eine schallende<br />

Ohrfeige.


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ZU ZWEIT<br />

ZU ZWEIT<br />

„Dennis, Fietje, was ist denn los? Ich komme rein, wenn ihr nicht rauskommt!“,<br />

kam es besorgt von draußen. Nachdem weitere 10 Sekunden lang<br />

nichts passierte, ging die Türklinke langsam nach unten.<br />

Dann ging alles ganz schnell. Joshi zog seine Waffe. Er hielt Fietje am Hals<br />

und die Waffe an dessen Kopf. Dennis wollte Annabell noch warnen, doch<br />

schon stand sie mitten im Raum.<br />

„Bundespolizei. Legen Sie die Waffe weg oder ich schieße!“, befahl sie und<br />

richtete ihre Waffe auf den Schleuser.<br />

„Immer diese Scheiß-Bullen. Ihr könnt mich mal. Du willst mir etwas sagen?<br />

Ich sag DIR jetzt mal was: DU wirst deine Waffe brav weglegen, dann wird<br />

diesen Milchbubis hier auch nichts passieren, andernfalls …“, ließ er seine<br />

Worte bedrohlich im Raum stehen.<br />

„Ich sagte, Waffe weg! Im ganzen Gebäude sind Bundespolizisten. Sie haben<br />

keine Chance zu flüchten!“<br />

„Oh Babe. Da wäre ich mir nicht so sicher. Du wirst mir jetzt lieber helfen,<br />

von hier wegzukommen. Am liebsten hätte ich ja so ein cooles Polizeiauto“,<br />

konterte Joshi mit einem bösen Grinsen.<br />

Doch mittlerweile war nicht nur das Fehlen der <strong>Zwilling</strong>e aufgefallen. Auch<br />

Annabell wurde von einer bestimmten Person sehnlichst vermisst. Sie hatte<br />

Chris Bescheid gegeben, dass sie kurz nach ihren Cousins schauen würde.<br />

Doch sie war für seinen Geschmack schon zu lange weg.<br />

„Annabell? Wo bist du denn?“, ertönte wieder eine besorgte Stimme auf dem<br />

Flur. <strong>Der</strong> Schleuser stöhnte: „Schon wieder so 'n Suppenhuhn! Müssen heute<br />

eigentlich alle aufs Klo? Da will man einmal in Ruhe sein Geschäft erledigen …!“<br />

Dennis murmelte: „Ein Toilettengeschäft?“<br />

„Maul halten!“, fuhr Joshi ihn an.


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ZU ZWEIT<br />

SPÄTER<br />

Dann überschlugen sich die Ereignisse. <strong>Die</strong> Tür wurde von Chris aufgestoßen.<br />

Dennis nutzte den Moment der Überraschung und stürzte sich auf Joshi.<br />

<strong>Die</strong>ser ging zusammen mit Fietje zu Boden. Ein Gerangel um die Waffe entstand.<br />

Chris kam den Jungs zu Hilfe und wollte den Schleuser überwältigen.<br />

Doch plötzlich löste sich ein Schuss. Erschrocken schauten alle auf. Dennis<br />

hatte die Waffe in der Hand. Kurz grinste er triumphierend, doch im nächsten<br />

Moment wanderte sein Blick zu Annabell. Blut quoll aus ihrer Schulter.<br />

Chris stieß einen leidenden Schrei aus und stürzte an ihre Seite. Verzweifelt<br />

versuchte er, mit seiner Hand die Blutung zu stoppen: „Annabell bleib wach!<br />

Schau mich an, schau mich an! Halte durch, Annabell!“<br />

.<br />

Später<br />

7 Tage darauf…<br />

Lächelnd betrat Annabell die Wache: „Ihr habt euch aber ins Zeug gelegt.“<br />

Im Aufenthaltsraum der Wache waren Girlanden aufgehängt, mehrere<br />

Kuchen und ein riesiger Leberkäse standen auf dem Tisch.<br />

„Jaja, wir wollen ja schließlich unsere Helden gebührend feiern. Ein Hoch<br />

auf Fietje und Dennis!“, meinte Chris. Alle klatschten und stießen auf die<br />

beiden an.<br />

Durch den Schuss alarmiert, stürmten mehrere Bundespolizisten in den<br />

Raum. Schnell machten sie sich ein Bild von der Lage, nahmen Joshi fest und<br />

alarmierten für Annabell einen Rettungswagen.<br />

<strong>Die</strong> <strong>Zwilling</strong>e hatten die letzten Tage ausgiebig genutzt, um sich endlich und<br />

richtig kennenzulernen. Auf Streifzügen durch den Wald am Starnberger<br />

See erzählten sie sich, wie sie ihre Kindheit ohne den jeweils anderen erlebt<br />

hatten. Vor allem Dennis war überglücklich, weil er merkte, wie diese immer<br />

währende Leere plötzlich von ihm gewichen war. Jetzt fühlte er sich stark<br />

und irgendwie frei.<br />

Fietje wiederum war froh, dass er mit jemandem aus seiner eigenen Familie<br />

über seine völlig verplanten letzten Jahre sprechen konnte. Er war ein so<br />

unumstößlicher Träumer gewesen und Verständnis hatte dafür bisher niemand<br />

gehabt, geschweige denn ein Ohr.<br />

Halte<br />

durch,<br />

annabell!"<br />

Dennis nickte immer nur wissend. Vielleicht lag das ja in der Familie und jetzt<br />

war er nicht mehr allein damit.


108 109<br />

SPÄTER<br />

SPÄTER<br />

Annabells Blick lag nun verwirrt auf Chris. Den ganzen Tag war er eigenartig<br />

unruhig gewesen. Sehr untypisch. Noch verwirrter schaute sie, als dieser<br />

auf einmal mit einem ernsten Gesichtsausdruck auf sie zuging:<br />

„Annabell! Wir sind erst seit 7 Tagen ein Paar. Und diese Tage waren sehr<br />

turbulent. Deine Schusswunde musste operiert werden und dein Schultergelenk<br />

war komplett zertrümmert. Doch jetzt geht es dir wieder besser."<br />

Es folgte eine lange Pause und Annabell ahnte seine kalten Füße.<br />

Also wurde doch nichts aus ihr und ihm. Tatsächlich setzte Chris noch einmal<br />

an:<br />

„Wir kennen uns nun schon seit so vielen Jahren. Seither waren wir beste<br />

Freunde und ich schon immer in dich verliebt. Du bist so eine bezaubernde<br />

und liebenswerte Frau, so mutig und stark. Ich könnte mir niemand anderen<br />

an meiner Seite vorstellen als dich“, in diesem Moment ging er vor ihr auf die<br />

Knie. Annabells Augen füllten sich mit Tränen. „Bitte werde meine Frau!“<br />

Annabell brachte keinen Ton heraus, sie konnte nur noch nicken und fiel<br />

Chris lachend um den Hals. Fietje und Dennis zwinkerten sich zu, während<br />

die gesamte Wache johlte. Dann nahm Chris seine Verlobte zärtlich in den<br />

Arm.<br />

<strong>Der</strong> Schleuser Joshi und seine Hintermänner konnten dank Dennis mutiger<br />

Nachrichtenaktion gefasst werden. Sie müssen sich nun für das Verbrechen<br />

der "Einschleusung mit Todesfolge" verantworten. Hierfür können sie mit<br />

einer Freiheitsstrafe von mehreren Jahren rechnen.<br />

Aufgrund noch nicht abgeschlossener Ermittlungen können keine weiteren<br />

Details bekanntgegeben werden.


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HERZLICHEN DANK<br />

HERZLICHEN DANK<br />

<strong>Die</strong>ser Roman ist etwas ganz Besonderes. Er hat 9 Autorinnen und Autoren,<br />

welche in kooperativem Schreibprozess ihren ersten eigenen Krimi verfassten.<br />

Damit gehören sie im Alter von 17 Jahren zu den jüngsten ihrer Art<br />

in Deutschland. Allen voran gilt deshalb unser Dank den Schülerinnen und<br />

Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasium in Röthenbach bei Nürnberg,<br />

die mit Fantasie, Vorstellungskraft und schriftstellerischem Geschick dem<br />

Kriminalroman ihre ganz eigene Handschrift verliehen haben. Sie geben ihre<br />

wertvolle Arbeit an das kommende Autoren-Team des weltweiten Projektes<br />

„<strong>Die</strong> <strong>Federsammler</strong>“ weiter. Das Projektteam ist schon jetzt auf alle Erlebnisse<br />

der Protagonisten Fietje und Dennis gespannt, die aus eurer ersten<br />

Geschichte erwachsen werden. Dicht darauf folgen die Personen und Institutionen,<br />

die mit Vertrauen und Tatendrang die Entstehung des Romans<br />

über drei wichtige Arbeitsbereiche der Bundespolizei unterstützt haben.<br />

Danke für die umfangreiche Vor- und Nachbereitung sowie die Durchführung<br />

der Werkstatt und Bucherstellung:<br />

Bundespolizeiinspektion Nürnberg: Polizeihauptmeister Kaiser<br />

Bundespolizeiinspektion Kempten: Polizeihauptmeister Keuchel<br />

Jugend will ... gGmbH: Antje Hübner und Annika-Susann Leicht<br />

Geschwister-Scholl-Gymnasium Röthenbach: Stefanie Bretzner<br />

Danke für die Beauftragung und finanzielle Unterstützung sowie fachliche<br />

Beratung:<br />

Bundespolizeidirektion München, Fachbereich Polizeiliche Kriminalprävention:<br />

Polizeihauptkommissarin Wunsch<br />

Danke für die umfassenden Führungen an ihren <strong>Die</strong>nststellen:<br />

Bundespolizeiinspektion München, Hauptbahnhof:<br />

Polizeioberkommissarin Krach<br />

Bundespolizei-Fliegerstaffel Oberschleißheim:<br />

Polizeioberkommissarin Matthiessen, Polizeioberkommissar Aue<br />

Bundespolizei Flughafen München:<br />

Polizeiobermeisterin Riederer, Polizeihauptmeister Köglmeier<br />

<strong>Die</strong> Autorinnen und Autoren v.l.n.r:<br />

Sophia Neudecker, Svenja Rößeler, Leonie<br />

Reiche, Aylin Berkil, Nadine Bayer, Celin<br />

Stolzenwald, Tobias Dammann, Lea Braeske<br />

BPOL hinten: PHM Maik Kaiser, PHM Norbert<br />

Keuchel


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DIE ENTSTEHUNG<br />

DIE ENTSTEHUNG<br />

Vorbereitung; Konzeption<br />

v.l.n.r.: Martin Ebenschwanger (EPHK); Norbert Keuchel<br />

(PHM), Andrea Seefelder (POK), Isabell Krach (POK),<br />

Stefanie Bretzner (DL Geschwister-Scholl-Gymnasium),<br />

Antje Hübner (Jugend will gGmbH), Maik Kaiser (PHM)<br />

Mit Lisa Matthiessen im Heli. Spannend!<br />

Fabian Aue (links) beantwortet die<br />

Fragen der Autoren.<br />

Stadtführung durch München mit Hans Ibel<br />

Mit Maik Kaiser bei der Fliegerstaffel<br />

Am Flughafen mit Theresa Riederer


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DIE ENTSTEHUNG<br />

DIE ENTSTEHUNG<br />

Einmal alles, was wir haben, vorlesen!<br />

Recherche der Bundespolizisten Maik<br />

Kaiser und Norbert Keuchel<br />

Wer könnte ein Held der Geschichte sein?<br />

Autorinnen bei der Arbeit<br />

Redaktionssitzung am Starberger See<br />

Redaktionssitzung in Jena bei Jugend will …gGmbH; Maik<br />

Kaiser und Norbert Keuchel

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