DMG-informiert 4/2018

dmginterpersonal

Spannende und bewegende Missionsberichte aus aller Welt. Unsere Mitarbeiter sind rund um den Globus im Einsatz, damit Menschen Gott begegnen. Thema dieser Ausgabe: Miteinander arbeiten

informiert

Berichte aus der weltweiten Mission | www.DMGint.de | Nr. 4/2018

[partizipativ]


EDITORIAL

Liebe Freunde!

Gebetsleitfaden

fur

die

hinduistische Welt

15 Tage Gebet

28. Okt-11.NOV 2018

Christen lernen die hinduistische

Welt kennen, um fur sie zu beten

13

rfolen

oft

en sich

inem

aber

te Gott

d Hoffnder.

h Starost

in

, dessen

leibt.

„In meiner Firma gibt es nur noch Einzelkämpfer,

die nicht fähig sind, miteinander zu arbeiten“, klagte

ein Freund kürzlich. „Jeder ist Experte in seinem Fach;

aber keiner nimmt mehr wahr, was sein Kollege gerade

braucht. Die Folgen sind Fehler im Produkt und ein

immenser Imageschaden für die ganze Firma.“ Partizipation

heißt das Zauberwort, wenn sowas besser läuft …

Im Schatten hinter Schloss Buchenauerhof sitzen der

Verwaltungsrat und Bereichsleiter der DMG zusammen,

um Ziele und Prioritäten der DMG neu anzudenken.

Partizipation ist eines unserer wichtigsten Ziele!

Wir wollen den großen Auftrag von Jesus gemeinsam

ausführen, einander dienen, in respektvollem Miteinander,

wie Jesus selbst es vorgelebt hat; mit sendenden

Gemeinden in Europa, internationalen Partnerwerken

rund um die Welt und Menschen in den Einsatzländern.

Wie dieses Miteinander auf Augenhöhe praktisch

funktioniert, beschreibt Missionar Martin Henrich auf

Seite 11. Er hat acht Dörfer in den Anden mit Trinkwasser

versorgt. Die Bewohner selbst haben entschieden,

was sie brauchen, sie packen mit an und sorgen in

Eigeninitiative für die Wartung. Es ist IHR Projekt. Missionare

kommen nicht als Macher, die von oben herab

diktieren, was andere benötigen. Bewusst ordnen wir

uns ein, geben Menschen Verantwortung

und stehen zu ihren Entscheidun-

Diese Zeitschrift erzählt, wie sich

Stopgen.

unsere Arbeitsweise bewährt.

Pray

Share

Go

INHALT

Theo Volland

Chefredakteur

GEGEN MENSCHENHANDEL.....

S.4–5

UNSERE Micha PRIORITÄTEN................S.8

6,8

VERANSTALTUNGEN................. S.10

BIBELARBEIT.......................S.11–14

BERICHTE

Danke, dass du dir Zeit

nimmst, mit uns zu beten.

Bedenke beim Beten

bitte auch, was es für dich

selbst bedeutet. Suche dir

Möglichkeiten, Projekte

zu unterstützen, Flüchtlingen

zu dienen und deine

Begabungen zu nutzen,

um Menschen zu helfen.

Gott hat die Flüchtlinge in

unser Land geführt. Was

AFRIKA............................

AMERIKA...................S.8–9,11,14

ASIEN................................ ist deine Antwort darauf?

S.15

EUROPA........................

TAG 14

Lobe Gott für die vielen

Migranten, die heute die Botschaft

des Evangeliums hören

und positiv darauf reagieren.

Gott sei Dank sind wir eine

globale Kirche und können gemeinsam

auf Not antworten

und beten. Bitte Gott, S.6–7 dass er

sich junge Christen beruft, die

das Evangelium weitersagen –

auch als Missionare in anderen

Ländern und Kulturen!

S.16–20

Zu dieser Zeit feiern mehr als eine Milliarde Hindus

ihr berühmtes Fest Diwali und erhoffen sich besonderen

Segen davon. Diwali oder Deepawali, das „Fest der

Lichter“, ist das wichtigste Fest im Hinduismus. Es hat

historische und religiöse Wurzeln und wird von Menschen

in Indien und weltweit zelebriert. Überall werden kleine

Öllampen entzündet, als Zeichen, wie das Licht über

die Dunkelheit siegt. Angesichts der hohen Bedeutung

des Festes für Hindus, wollen wir als Christen für sie

beten; dass Angehörige dieser Weltreligion den größten

Segen überhaupt empfangen, die Offenbarung von Jesus

Christus, der das Licht der Welt und Retter der ganzen

Menschheit ist. Übrigens: In Deutschland, Schweiz und

Österreich leben mehr als 200.000 Hindus. Schauen Sie

mal in Ihrer Nachbarschaft, ob Sie Hindus zum Fest eine

Freude machen können.

Beten Sie gemeinsam mit Christen auf der ganzen Welt für unsere eine Milliarde Hindu Nachbarn.

GEBETSHEFT BESTELLEN

Bald erscheint der Leitfaden „15 Tage Gebet für die Hinduistische

Welt“ mit Informationen und Gebetsanliegen

für Christen und Gemeinden, den Sie bei der DMG und

anderen Werken bestellen können (für eine Spende zur

Deckung der Kosten, Projekt P50257, sind wir dankbar).

Eine gemeinsame Gebetsinitiative für junge

Christen von 19 Missionswerken in Deutschland,

Österreich und der Schweiz.

Menschen hören von Jesus, vorausgesetzt wir Christen

tun unseren Mund auf. „How will they hear?“ (Wie sollen

sie aber hören?), heißt es in Römer 10,14. Angeregt durch

dieses Bibelwort, beten junge Christen für Menschen auf

der Flucht in aller Welt – täglich 10 Minuten, 14 Tage lang.

Durchs Gebet motiviert, beginnen sie selbst, in ihrem

Umfeld #HowWillTheyHear

von Jesus weiterzusagen. Regen Sie die Jugend in

Ihrer Gemeinde zu Gebet und Mission an.

Wie sollen sie aber den anrufen,

Über die DMG können Sie den HowWillTheyHearan

den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an

Gebetsleitfaden im A6-Format und das Poster zur Aktion

den glauben, von dem sie nichts gehört haben?

bestellen (für eine Spende zur Deckung der Kosten,

Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?

Projekt P50255, sind wir dankbar).

Römer 10,14

Kontakt@DMGint.de, Tel. 07265 959-0.

www.howwilltheyhear.net

10:14

14 TAGE 10 MINUTEN

2 DMG-informiert | 4 | 2018


NEUE INITIATIVE

Moderne Sklaverei bekämpfen:

Die DMG engagiert sich in der Bekämpfung von Menschenhandel und moderner Sklaverei. Gemeinsam

mit internationalen Partnern möchten unsere Verantwortlichen neue Einsatzmöglichkeiten

schaffen für christliche Sozialarbeiter, Streetworker, Psychologen, Seelsorger, Juristen,

Mediziner und sonstige passende Fachkräfte, die in Projekten im In- und Ausland gefährdeten Frauen,

Geflüchteten und Arbeitssklaven helfen – und in der Prävention aktiv werden, sodass gefährdete Personen

gar nicht erst in die Fänge von Menschenhändlern geraten.

Zwei Mitarbeiterinnen einer der größten

Partnerorganisationen der DMG, der

SIM (Charlotte, USA), Sarah Scott Webb

und Karine Woldhuis, hatten in den vergangenen

Jahren rund um die Welt das

Thema Menschenhandel recherchiert.

Bei einem Besuch in der DMG-Zentrale

kürzlich stellten sie ihr neues Programm

„For Freedom“ gegen Menschenhandel

und moderne Sklaverei vor.

Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung

und das Zwingen in

Arbeit sind ein weltweites

Phänomen. Auf dem

europäischen Kontinent

werden die Auswirkungen

besonders bei den

Migranten sichtbar. Fast

alle Einwanderer von

anderen Kontinenten

bezahlen viel Geld an

kriminelle Netzwerke,

um ins vermeintliche

Paradies Europa gebracht zu werden,

Frauen oft mit ihrem Körper.

Heute seien mehr Menschen von

Sklaverei betroffen als jemals zuvor, erklärten

die beiden SIM-Mitarbeiterinnen,

rund 40 Millionen weltweit. Die Hälfte

„Das Ziel von

‚For Freedom‘ ist,

internationale Netzwerke

aufzubauen, um

gemeinsam moderne

Sklaverei zu bekämpfen

und gefährdete Menschen

zu schützen.“

davon werde zu harter Arbeit gezwungen,

beispielsweise in der Textil- und

Baubranche; oft zwölf Stunden am Tag in

völliger Abhängigkeit, ohne Lohn. Besonders

gefährdet hierbei seien Geflüchtete

und illegale Einwanderer in Europa und

den USA.

38 Prozent der 40 Millionen sind

Frauen, die zwangsverheiratet werden;

besonders in China, wo aufgrund der

Einkindpolitik akuter Frauenmangel

herrsche. Mädchen aus

Thailand und Kambodscha

würden mit

Versprechungen nach

China gelockt, zur

Heirat gezwungen und

missbraucht. Opfer

von sexueller Ausbeutung

seien weitere

zwölf Prozent der von

moderner Sklaverei

Betroffenen; beispielsweise

mehr als 300.000 afrikanische und

osteuropäische Frauen in Bordellen in

Deutschland – oder afrikanische Mädchen,

die nach Nahost entführt werden.

Der stellvertretende Direktor der

DMG, Andrew Howes, erklärte im

Gespräch mit der SIM-Delegation: „Gemeinsam

mit unseren Partnern wollen

wir herausfinden, wo die Ursachen für

Menschenhandel und moderne Sklaverei

liegen, wie wir gefährdeten Personengruppen

vorbeugend helfen und für

Betroffene Wege aus der Abhängigkeit

finden können. Wir wollen aufdecken,

aufklären, Christen sensibilisieren und

Mitarbeitern die Chance eröffnen, in

guten Projekten Menschen zu helfen und

aus dem Glauben an Jesus Hoffnung zu

schenken.“

Bereits heute hat die DMG über das

Programm „For Freedom“ der SIM

weltweit einige offene Stellen für gut

ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

beispielsweise in einem Projekt

in Bologna (Italien), bei dem es um die

Hilfe für Flüchtlingsfrauen geht, die zur

Prostitution gezwungen worden sind.

Und für Osteuropäer, die in italienischen

Innenstädten betteln müssen. In Bangladesch

hat die DMG offene Türen für

neue Mitarbeiter (m/w), die Prostituierten

und gefährdeten jungen Frauen praktisch

und seelsorgerlich helfen und deren

Kindern Schulunterricht geben könnten;

in ein- und mehrjährigen Einsätzen.

4

Möchten Sie diese neue Initiative finanziell unterstützen?

P50256

DMG-informiert | 4 | 2018


Tu deinen Mund auf für die

Stummen und für die Sache

aller, die verlassen sind.

Sprüche 31,8

Karine Woldhuis (r.) und Sarah

Scott Webb (2.v.r.) von der SIM

(Charlotte, USA) trafen sich mit

den Leitern der DMG, Direktor

Günther Beck und Stv. Direktor

Andrew Howes (l.).

Machen

Sie mit!

In Indien gibt es zwei Projekte zur seelischen

Wiederherstellung von Teenager-

Mädchen, die aus Bordellen gerettet

worden sind – ihnen wird mit Kreativtherapie,

Medienarbeit, Schulunterricht

und Traumaseelsorge geholfen. In Peru

könnten neue Mitarbeiter verhindern,

dass Eltern aus ländlichen Gebieten ihre

Kinder in Haushalte in der Stadt schicken,

wo viele von klein auf ausgebeutet,

misshandelt und missbraucht werden.

In der Prävention seien Sport- und

christliche Jugendarbeit, Familienförderung

und Ausbildung erforderlich, damit

junge Menschen in Sicherheit aufwachsen.

In diesem Bereich könnten sich auch

aktive, fitte Rentner einbringen.

Das Programm „For Freedom“ sieht

vor, weltweit viele neue solche Einsatzstellen

zu schaffen, sodass tausenden

Betroffenen geholfen werden kann. Die

DMG steht in diesem Zusammenhang

auch mit einigen Initiativen in Deutschland

in Kontakt, um Mitarbeiter ihrer

105 Partnerwerke aus anderen Ländern

für die Arbeit mit Prostituierten und

Randgruppen in Großstädten hierzulande

zu gewinnen.

Das Ziel von „For Freedom“ ist,

internationale Netzwerke aufzubauen,

um gemeinsam die moderne Sklaverei

zu bekämpfen und gefährdete Menschen

zu schützen, sagten die beiden

SIM-Mitarbeiterinnen bei ihrem Besuch

der DMG-Zentrale. „Das Wichtigste

ist, neben professioneller Sozialarbeit

und seelsorgerlich-psychologischer

Betreuung, die lebensverändernde Kraft

von Jesus Christus. Jesus will Verlorene

retten und Menschen heilen.“

„Als DMG wollen wir nicht wegsehen“,

erklärte Andrew Howes. „Wir

wollen Christen informieren, damit sie

bei sich vor Ort, in ihren Städten und

Dörfern, schauen, wo es von moderner

Sklaverei Betroffene gibt.“ Die DMG

wolle helfen, regionale Netzwerke aufzubauen,

um gegen Menschenhandel aktiv

zu werden. „Wir wollen Kirchen und

Gemeinden stärken, die sich bewusst

sozial und missionarisch an ihrem Ort

engagieren. Dabei sehen wir im Glauben

an Jesus und in der Botschaft der Bibel

die eigentlichen Hoffnungsträger für die

Menschen“, betonte der stellvertretende

Direktor der DMG.

Sie sind engagierter Christ

(m/w), Sozialarbeiter, Anwalt,

Lehrer, Streetworker, erfahrener

Mitarbeiter für Geflüchtete,

Helfer für Prostituierte

oder Randgruppen? Sie haben

Erfahrung in der Bekämpfung

moderner Sklaverei, sind mutig

und gesund? Bewerben Sie sich

bei der DMG, wir haben offene

Türen in aller Welt für Sie!

Sie arbeiten in einer Initiative

oder Organisation, die sich gegen

Menschenhandel engagiert?

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf,

damit wir miteinander lernen, als

Christen aktiv zu werden.

Herzliche Einladung: Beim

Gebetssonntag der DMG am

„Sonntag für Freiheit“, dem 21.

Oktober 2018 ab 10 Uhr in unserer

Zentrale 74889 Buchenauerhof,

geht es auch ums Thema:

Bekämpfung von Menschenhandel

und moderner Sklaverei.

www.forfreedom.de

DMG-informiert | 4 | 2018

5


AFRIKA

GUINEA

Neun Jahre das Ziel vor Augen

Vor neun Jahren habe ich das

erste Mal Gottes Ruf in die

Mission wahrgenommen. Er sprach

deutlich durch Bibelverse, Liedtexte

und persönliche Not zu mir. Neun

Jahre, in denen er mich Schritt für

Schritt, oft über Umwege, auf meinen

Einsatz in Afrika vorbereitet hat. Jetzt

ist es soweit.

Seit dem 1. Februar bin ich offiziell

Missionar der DMG – nicht mehr Azubi

in der Heimatzentrale – und werde im

Januar nach Guinea in Westafrika ausreisen:

ein Land, in dem nur acht Prozent

der Bevölkerung Christen sind und das

zu den ärmsten der

Welt zählt. Wie es

dazu kam?

Mit 18 Jahren hatte

ich entschieden, Jesus

mit meinem ganzen

Leben zu folgen, auch

mit meinem Beruf.

Ich erkannte, dass mein Alltag nur Sinn

macht, wenn ich ihm alle Bereiche davon

übergebe. Deshalb absolvierte ich von

2011 bis 2014 die theologische Ausbildung

in Wiedenest. Diese Zeit war für

mein geistliches und persönliches Leben

prägend, ich durfte in vielen Bereichen

wachsen und Jesus besser kennenlernen.

Eigentlich war ich mir sicher, dass ich

an die theologische Ausbildung noch

Das Herz des Menschen

plant seinen Weg, aber der

Herr lenkt seinen Schritt.

Sprüche 16,9

eine kaufmännische anhängen sollte.

Doch das wurde nichts! Ich schrieb 60

Bewerbungen, niemand wollte mich

haben. Deshalb jobbte ich ein ganzes

Jahr an einer Industriemaschine. Dass ich

keine Ausbildungsstelle fand, war ziemlich

demütigend. Ich hatte mich auch

bei der DMG als Praktikant beworben,

die mich schließlich nahm. Es stellte sich

heraus, dass Gott mich hier haben wollte.

Im Sommer 2015 begann ich in der

Heimatzentrale meine Ausbildung zum

Kaufmann für Büromanagement.

Die Arbeit in der DMG-Zentrale bereitete

mir viel Freude. Ich war weit über

meinen Fachbereich hinaus gefordert,

beispielsweise durfte

ich beim Jugendevent

JuMi 2017 predigen und

über zwei Jahre den

Instagram-Auftritt der

DMG aufbauen.

2017 besuchte ich

die Missionare Lee

und Sarah Phillips im Benin. Bei diesem

Einsatz ist mir klargeworden, dass meine

nächsten Schritte nach Afrika führen.

Keine leichte Entscheidung: Hatte ich

mir doch immer gewünscht, mit einer

Partnerin in die Mission zu gehen. Wollte

Gott mich wirklich alleine da draußen

haben? Vorerst hätte ich gerne noch

länger in der DMG-Zentrale gearbeitet.

Die Missionsleiter sahen das anders. Sie

Guinea liegt in Westafrika

und war früher eine französische

Kolonie. Nur wenige dort

sind Christen. Der Großteil

der Bevölkerung lebt trotz

vorhandener Bodenschätze

in Armut

ermutigten mich, sofort als Missionar

auszureisen. Ich musste umdenken und

eigene Träume an den Nagel hängen,

damit Gottes Plan für mich mit Afrika

Wirklichkeit werden konnte.

Bei verschiedenen Partnern der DMG

sah ich mich nach passenden Stellen um.

Im Januar 2018 entdeckte ich das Projekt

„Action Vivre“ (Aktion Leben) von „SAM

global“, ein christliches Studienzentrum

mit Jugendarbeit in Guinea. Schnell

wurden wir uns einig. Bei Action Vivre

werde ich Englisch- und Computerkenntnisse

vermitteln und nebenbei durch

Sportangebote Kontakte zu jungen

Afrikanern aufbauen und ihnen den Glauben

an Jesus Christus nahebringen. Ab

September reise ich vier Monate nach

Frankreich, um meine Sprachkenntnisse

aufzubessern, ehe es Anfang Januar 2019

ernst wird.

In den vergangenen neun Jahren habe

ich Jesus erlebt, der mich immer wieder

in die Tiefe geführt und gleichzeitig neu

ermutigt hat. In allen Entscheidungen ist

er treu geblieben und hat meine Schritte

gelenkt. Nun bin ich gespannt auf die

Arbeit in Guinea und freue mich, dass

ich weiter Teil der DMG-Gemeinschaft

bleiben kann. Herzlichen Dank für alle

Ihre Unterstützung.

6

NEU: Timo Goseberg

P10910

www.instagram.com/DMGint


MADAGASKAR

MALAWI

Verfolgt, bestohlen,

Vorbild geworden

Fanja und ich kennen uns schon 17

Jahre, sie hält christliche Kinderclubs

in meinen Nachbardörfern. Egal,

ob viele Kinder oder nur eine Handvoll

kommen; Fanja begeistert sie mit

Liedern, Bildern, biblischen Geschichten

und Gebet. Mittwochs kommt sie zu

Besuch, wir tauschen uns aus, beten,

kochen und essen miteinander. Fanja ist

erst mit 40 Christin geworden. Ihr Bruder

hat sie zu Jesus geführt. Diese Entscheidung

brachte Schwierigkeiten mit

sich. Vier ältere Geschwister verehren

noch die Ahnen, die vier jüngeren folgen

bewusst Jesus nach. Weil sie Christen

sind, wurden sie enterbt und verfolgt.

Zehn Jahre nach ihrer Enterbung hat

Fanja durch Fleiß, Verkauf eigener Ernte

und Handarbeiten ein eigenes Häuschen

bauen können. Wir nennen es „Gottes

Haus“, weil sie überzeugt ist, dass er

es ihr geschenkt hat. Andere Dorfbewohner

gönnten ihr den Segen nicht.

Sogar die eigene Verwandtschaft ist bei

ihr eingebrochen und hat sie mehrfach

bestohlen. In der Erntezeit klauten sie

Reis und Feldfrüchte von Fanjas Acker.

Fanja beschwerte sich nicht, sondern

half sogar den Dieben noch mit Reis aus,

wenn sie nichts mehr zu essen hatten.

Sie liest viel die Bibel. Ihr ist wichtig,

„Gottes Wort zu folgen, von Jesus zu

erzählen und Glauben zu leben“. Leider

sind viele Madagassen nur dem Namen

nach Christen, nicht wie Fanja. Das

Leben dieser Leute bleibt von Alkohol,

Unehrlichkeit und Ahnenverehrung bestimmt.

Selbst unter Kirchenleitern gibt

es nur wenig Vorbilder; Hass und Streit

sind innerhalb der traditionellen Kirche

an der Tagesordnung.

Fanjas Glaube beeindruckt ihre

Nachbarn. Normalerweise sollten alle

im Dorf nach der Reisernte einen Teil

Saatgut zurückbehalten. Leider essen die

meisten ihr Saatgut auf, was Hunger im

nächsten Jahr zur Folge hat. Inzwischen

bringen Nachbarn ihr Saatgut zu Fanja,

sie soll es aufbewahren! Im Dorf weiß

man, Fanja lügt nicht und ist pünktlich.

Sie rät jungen Christen, sich von unguten

Freunden zu trennen, mit Gläubigen

Gemeinschaft zu suchen und die Bibel zu

lesen. Einige Kinder aus ihren Clubs sind

zu verantwortungsbewussten Nachfolgern

von Jesus herangewachsen.

Afrikaner für Mission gewinnen

2012 fand hier in Blantyre die erste

große Pastorenkonferenz zum

Thema Mission statt, seitdem hat sich

viel getan. Wir sind dankbar, gemeinsam

mit Afrikanern den Beginn einer afrikanischen

Missionsbewegung mitgestalten zu

dürfen. Ein äthiopischer Missionar war

Gastredner damals. Mit Eifer und feurigen

Botschaften rüttelte er die Zuhörer

auf. Er machte eine Erkundungsreise ins

Gebiet der drei Millionen Yaos, einer

weitgehend unerreichten Volksgruppe

an der Grenze zu Mosambik. Zurück in

Äthiopien mobilisierte er Missionare für

Malawi.

2014 kamen Abera und Bizunesh in

unser Team. Sie geben treu den Yaos die

beste Nachricht der Welt weiter, dass Jesus

ewiges Leben gibt. Die äthiopischen

Missionare haben es nicht einfach. Im

ersten Dorf erlebten sie Widerstand und

Drohungen. Dann starb ihre Schwägerin.

Später verunglückte Aberas Bruder

tödlich und seine Frau wurde verletzt.

Vor kurzem ist Abera selbst krank geworden

und verbrachte Wochen bei uns

in Blantyre, wo wir uns um sie kümmern

konnten.

Der Dienst unter Yaos ist mühsam.

Wie sehr wir als Team zusammengewachsen

sind, zeigte sich, als Bizunesh

in Aberas Krankheitsphase sagte: „Ihr

seid wie unsere Familie!“ Wir lernen von

ihrem starken Glauben und Einsatz und

sind dankbar, sie als Kollegen zu haben.

Sie bereichern unser Team und weiten

uns den Horizont.

Auch die malawische Kirche erlebt

ihren Aufbruch. Heute nimmt sie den

Missionsauftrag ernst und bereitet eigene

Missionare vor. Im März sind Gusty

und Elena Makhutcha, ein Pastorenehepaar,

als erste malawische Missionare

nach Mosambik ausgesandt worden,

ebenfalls um Yaos von Jesus weiterzusagen.

Ihr Aussendungsgottesdienst war

ein Freudenfest und hat uns tief bewegt.

Sie stellen sich vorbehaltlos Jesus zur

Verfügung. Der neue Kurzfilm „Gold aus

Malawi“ der DMG beschreibt ihren Weg

in die Mission. Bitte beten Sie für unsere

neuen afrikanischen Missionare, dass

Jesus sie segnet und durch sie Menschen

befreit.

GOLD AUS MALAWI

Wie Afrikas Kirchen

Mission entdecken

Familie Richter mit

Abera und Bizunesh

Erleben Sie den Beginn der

Missions bewegung in Malawi mit,

wie die malawische Kirche ihre

ersten Missionare in andere Völker

und Kulturen sendet – ein beeindruckendes

Zeitdokument.

www.DMGint.de/Gold-aus-Malawi

Karin Mende

Hans-Jörg und Andrea Richter

P10435 P10562

DMG-informiert | 4 | 2018 7


Das hat

Priorität:

DMG-informiert dieses Jahr

hat unsere Prioritäten in

Projekten und Aufgaben weltweit

zum Thema – diesmal das

Miteinander auf Augenhöhe

(unten unter „loslassen“).

Worauf legen wir in der Alltagspraxis

Wert?

WIR …

erreichen

Menschen, die das Evangelium

noch nicht verständlich hören

konnten.

helfen

in Notsituationen, freigiebig

und ohne Ansehen von Person

und Religion.

vervielfältigen

Mission, Glauben, Fähigkeiten

und Wissen durch Schule,

Unterricht und Ausbildung

aller Art.

vertiefen

das Gelernte durch kreative

Verbreitungswege, innovative

Dienste und neue Medien.

schauen voraus

damit Projekte eine langfristige

Veränderung und nachhaltige

Hilfe bewirken.

lassen los

und beziehen Menschen in

Verantwortung ein, ordnen

uns unter und geben Aufgaben

ab.

investieren klug

in strategisch Geplantes und

gehen mit den eingesetzten

Mitteln sorgsam um.

Darüber hinaus gibt es unsere

geistlichen Ziele, Werte und das

Leitbild der DMG, diese finden Sie

unter www.DMGint.de auf unserer

Internetseite.

AMERIKA

Um unseren Kindern den

deutschen Schulabschluss zu

ermöglichen, arbeiten wir seit Ende

Mai als DMG-Missionare einige Jahre

von Deutschland aus. Ich (Volker)

fliege mehrmals im Jahr nach Haiti,

um theologische Kurse blockweise zu

unterrichten. Darüber hinaus stehe ich

an der Bibelschule Brake im Klassenzimmer

und versuche, Missionare zu

gewinnen. An unserer Ausbildungsstätte

in Haiti hat Pastor Johny meine

wichtigsten Fächer übernommen. Es

begeistert, wie Gott die Lücke füllt,

die wir hinterlassen:

Pasteur Johny, stellen Sie sich unseren

Lesern bitte kurz vor.

Mein Name ist Johny, ich bin verheiratet,

habe eine Tochter, bin Pastor der

Baptistengemeinde in

HAITI / DEUTSCHLAND

Begeistern statt Auswendiglernen

Massy und arbeite als

Geschäftsführer und

Dozent in der Ausbildung

für Lehrer. Neben

meiner Arbeit habe ich

an zwei Einrichtungen

meinen Bachelor in

Theologie absolviert,

eine ist die FTEL (die

theologische Fakultät,

an der Volker Schnüll unterrichtet).

Demnächst werde ich mein Masterstudium

abschließen, so Gott will.

Seit 2017 schulen Sie an unserer Einrichtung

Pastoren, welche Kurse geben Sie?

Einleitung in die Theologie, die Lehre

über die Bibel, Erlösungslehre und Induktives

Bibelstudium.

Drei dieser Fächer habe ich bisher unterrichtet.

Am meisten liegt mir Induktives

Es stehen nicht mehr

der Leitfaden für

Sonntagsschullehrer,

Kommentare und die

Lehrer im Mittelpunkt,

sondern die Bibel

selbst.

Pastor Johny

wendet das

induktive

Bibel studium nun

auch in der Sonntagsschule

an

Bibelstudium am Herzen. Warum haben

Sie gerade diesen Kurs ausgewählt?

Als Ihr Student bin ich durch diesen

Kurs sehr gesegnet worden. Induktives

Bibelstudium packt ein Problem unserer

Sonntagsschulen an der Wurzel

an. Es stehen nicht mehr der Leitfaden

für Sonntagsschullehrer, Kommentare

und die Lehrer im Mittelpunkt, sondern

die Bibel selbst. Statt viel Reden

und Auswendiglernen stellt der Lehrer

gezielte Fragen und lässt die Teilnehmer

die Antworten im Text selbst entdecken.

Auf diese Weise sind sie beteiligt und

entdecken Neues in Gottes Wort.

Heute ist es also der Lehrer, der immer

mal wieder „Amen“ ruft! :)

Ja, die Leute machen völlig anders mit,

wenn wir so unterrichten. Nach Ihrem

Kurs habe ich es in der Bibelstunde

und Sonntagsschule unserer Gemeinde

probiert. Dann in der

Lehrerausbildung. Es

hat Spaß gemacht und

die Teilnehmer sehr bereichert.

Heute schule

ich Mitarbeiter, Älteste,

Sonntagsschullehrer

und Pastoren mit dieser

Methode.

Was ist das Besondere

daran, gemeinsam die Bibel aufzuschlagen?

Es ist das direkte Studieren, ohne dass

man weitere Bücher braucht. Nur der

Bibeltext zählt und die Frage, was er für

mich bedeutet. Der Lehrer gibt wenig

vor. Nach dem Austausch und der gemeinsamen

Arbeit am Bibeltext suchen

die Teilnehmer im Bibelkommentar

nach Antworten auf noch offene Fragen.

Was dabei herauskommt, erstaunt mich

immer wieder.

8

DMG-informiert | 4 | 2018

Volker und Anette Schnüll

P10661


PARAGUAY

Paraguay – ein christliches Land?

Gespräche über die Ewigkeit

beim Entenzubereiten

In Paraguay sind laut Statistik 90

Prozent der Bevölkerung Christen;

sieben Prozent sind Protestanten.

Offiziell gibt es nur 0,2 Prozent Menschen,

die das Evangelium noch nicht

kennen. Das ist natürlich Humbug,

solche Statistiken spiegeln nicht die

Realität wider. Wir leben seit Februar

in diesem wunderschönen Land, um

Kurzzeitmitarbeiter und Freiwillige

aus aller Welt zu betreuen. Momentan

noch im Sprach- und Kulturstudium,

haben wir schon einige schräge

Geschichten mitbekommen, was

Paraguayer so alles glauben. Unsere

Teamkollegen Tony und Jean Floyd

leben seit 19 Jahren in einem kleinen

Dorf auf dem Land, wo sie eine christliche

Gemeinde gegründet haben. Wie

schätzen sie die geistliche Situation

ein? Tony erzählt:

„Die Landbevölkerung in Paraguay

ist extrem unerreicht. Die Menschen

haben vielleicht den Namen Jesus schon

gehört, doch für sie ist er entweder das

Baby in der Krippe oder der schwache,

sterbende Mann am Kreuz. Sie haben

keine Ahnung, dass Jesus Christus lebt,

eine Beziehung mit ihnen möchte und

wer an ihn glaubt, gerettet wird. Viele

denken, dass sie ihre Toten in den Himmel

‚beten‘ können. Andere hoffen auf

ihre gute Taten, um gerettet zu werden.

Die Botschaft der Gnade wird in den

traditionellen Kirchen hierzulande nur

wenig gelehrt.

Gut ist, dass die Bibel allgemein

respektiert wird, allerdings auf Abstand.

Wer wirklich in ihr liest, wird als Sektierer

abgestempelt. Das Land ist, was

„Wir leben authentisch

und sind Salz und Licht für

unsere Nachbarn, damit

sie nach unserem Glauben

fragen.“

den Glauben anbelangt,

in einem Zustand wie

Deutschland vor der

Reformation. Es gibt

viel Synkretismus, die

Vermischung christlicher

Elemente mit der alten

Naturreligion, und sehr

viel Aberglauben. Unzähligen Menschen

in Paraguay fehlen trotz kirchlicher Tradition

die zentralen Informationen über

den Glauben.

Um Menschen mit der Frohen Botschaft

zu erreichen, bauen wir Beziehungen

auf. Wir leben authentisch und

sind Salz und Licht für unsere Nachbarn,

damit sie nach unserem Glauben fragen.

Einmal haben wir mit Freunden Enten

geschlachtet und gebraten. Eine Nachbarin

stellte nebenher spannende Fragen:

„Wenn wir sterben, wird ein Teil von uns

immer noch am Leben sein, stimmt’s?

Es stirbt nur unser Körper, oder?“ Völlig

unerwartet war ich mitten in einem

Gespräch über Leben, Tod und Ewigkeit.

Solche Gelegenheiten kommen im

Alltag, nicht nur in der Bibelstunde.

Mit unseren Freunden reden wir ganz

natürlich darüber, was uns ausmacht.

Werden sie neugierig, bieten wir an,

die Bibel mit ihnen zu

lesen. Das tun wir so,

dass sie die Botschaft

mit ihrem Leben in Verbindung

bringen und

mit ihren Familien und

Nachbarn teilen. Wir

starten mit sechs Geschichten:

Adam, Noah, Abraham, Mose,

Jesus, Paulus und Silas, so bekommen

sie die Übersicht über Gottes Wort. Mit

Interessierten, die weitermachen wollen,

lesen wir 28 ausgewählte Geschichten,

durch die sie mehr über Erlösung und

Nachfolge erfahren, und laden sie in unsere

Gemeinde ein. Es ist immer wieder

ein Erlebnis, wie Gottes Geist einzelnen

Menschen die Augen öffnet.“

Jonathan und Christine Winarske

P10830

DMG-informiert | 4 | 2018

9


Veranstaltungen Lernen Sie unser kennen!

auf dem Buchenauerhof

Ein Arbeitsbereich der DMG

74889 Sinsheim // Info-Tel.: 07265 959-0

23.09.2018 Herbstmissionsfest

21.10.2018 Gebetssonntag „Asien“

18.11.2018 Gebetssonntag „Afrika“

16.–18.11.2018

Infowochenende für Einsätze in anderen Kulturen

Berufung: Mission? Nehmen Sie sich Zeit, um gemeinsam

mit DMG-Mitarbeitern über Ihre persönliche

Berufung in Gemeinde und Mission nachzudenken.

Informationen zu diesen Angeboten: www.kids-team.de

07.10.2018, von 15 bis 17 Uhr

Freundestag kids-team Karlsruhe

mit Botschaft von Dr. Detlef Blöcher (ehem. Direktor der

DMG) und coolem Kinderprogramm.

Wo?

Christliche Gemeinde

Reinhold-Frank-Str. 44a

76133 Karlsruhe

In Ihrer Nähe

Genauere Infos: www.DMGint.de/Gemeinde-Events

29.09.2018 JuMiKo Frankenwald in 95152 Naila

mit Heinz Spindler, Britta Greiff, u.a.

Info: www.jumiko-frankenwald.de

05.–23.11.2018

Intensiv-Seminar für Kinder- und Jugendarbeit

Schulungswochen auf dem Buchenauerhof.

Auch in Ihrer Gemeinde!

Schulungsmodule: Fit für Kids


Laden Sie Mitarbeiter von kids-team zur Schulung Ihrer Mitarbeiter

in Ihre Gemeinde ein. Eine spannende Möglichkeit,

gemeinsam Kinder für Jesus zu begeistern.

29.–30.09.2018 Missionswochenende in 51570 Rosbach

30.09.2018 Missionstag in 95152 Naila

07.10.2018 Missionstag in 12099 Berlin-Tempelhof

07.–12.10.2018 Missionsfreizeit im Henhöferheim,

76332 Bad Herrenalb-Neusatz

12.–14.10.2018 Infostand bei der

SMD-Herbstkonferenz in Marburg

13.10.2018 Infostand bei Younify

der EJW-Convention in Ludwigsburg

14.10.2018 Missionsnachmittag

in 72189 Vöhringen-Wittershausen

27.–28.10.2018 Missionswochenende

in 35415 Pohlheim-Holzheim

31.10.2018 Infostand bei der Churchnight des LZA

in 75031 Adelshofen

03.–09.11.2018 Missionstage „Mission Live“

in 24536 Neumünster

04.11.2018 Missionstag in 91443 Scheinfeld

09.–11.11.2018 „Mission Possible“ in 74821 Mosbach

Konferenz für alle, die Muslime mit Jesus

bekannt machen wollen. Mit Infostand

der DMG. Info: www.om.org/de/

anmeldung-mission-possible

Reisen

Info-Tel.: 07265 959-0 oder www.DMGint.de/Freizeiten

30.03.–08.04.2019

Jordanien-Reise

Preis: Ab 1.675 Euro.

Info und Anmeldung:

Gerd Sigrist,

Tel. 07265 8610,

Gerd.Sigrist@gmx.net

13.–23.06.2019

Israel: Begegnungs- und Gebetsreise

mit Detlef Garbers

17.–27.10.2019

Entdeckungsreise: Israel heute

mit Gerd Sigrist

10 DMG-informiert | 4 | 2018


AMERIKA

ECUADOR

ZUM THEMA

[partizipativ]

Juntos

Bis vor wenigen Jahren waren die

Kichwa, die Nachfahren der Inkas,

ein Volk ohne Hoffnung im ecuadorianischen

Andenhochland. Sie waren

unterdrückt, hatten keine Landrechte

und ihnen wurde der Zugang zu Bildung

verwehrt. Seit den 1970er-Jahren sind

sie frei, doch Jahrhunderte der Abhängigkeit

haben ihre Spuren hinterlassen,

ihr Selbstbewusstsein lag am Boden.

Wir sind in Zusammenarbeit mit CFI

Berater einer Kichwa-Hilfsorganisation.

Wir begegnen den Menschen mit

Respekt und achten ihre Würde.

Dörfer schicken Abgesandte in unser

Büro in Riobamba, die uns ihre Bedürfnisse

schildern und um Hilfe bitten.

Kürzlich beispielsweise bat uns das Dorf

San Bartholo um Trinkwasser.

Gemeinsam fuhren wir hin, meine

Kichwa-Kollegen und ich, und ließen

uns von den Dorfbewohnern zeigen,

wie ihre Situation war. Sie hatten nur

eine Quelle, vier Kilometer vom Ort

entfernt. Frauen und Kinder mussten

jeden Tag hingehen und kanisterweise

Wasser heranschleppen. Die Quelle war

geeignet, um sie zu fassen und das ganze

Dorf zu versorgen. Mit den Ältesten

des Ortes überlegten wir, was getan

werden konnte.

Unser Konzept bei so einem Projekt

ist, dass wir das Dorf aktiv mit einbeziehen:

in Planung, Entscheidungen

gemeinsam!

und den Bau. Es muss IHR Projekt sein,

sie tragen die volle Verantwortung.

Wir kommen erst ins Spiel, wenn sie

einen offiziellen Verein „Junta de Agua“

gegründet haben, alle Rechte für die

Quelle und den Boden für die Wassertanks

besitzen und jeder einen Vertrag

unterschrieben hat, der einen Wasseranschluss

haben möchte.

Dann geht’s ans Werk. Wir liefern Beton,

Baustahl und Rohre. Sie heben die

Gräben aus für die Leitungen – in einem

Dorf hatte das Rohrnetz eine Länge von

80 Kilometern! Die Tanks bauen sie nach

unserer Anleitung. Dabei lernen sie, wie

das System funktioniert und können es

später selbst unterhalten und reparieren.

Aus diesem Grund achten wir auch sehr

darauf, nur lokal verfügbare Baumaterialien

und Techniken

anzuwenden.

Nach sieben Monaten

war die Quelle im Dorf

San Bartholo gefasst,

die Wassertanks

erbaut und gefüllt, die

Leitungen bis an jedes

Haus verlegt. Jetzt hat

jeder immer (!) fließend

Wasser. Ein Zustand, der sich herumspricht

in der Region, weil selbst in der

Provinzhauptstadt nicht zu jeder Uhrzeit

Trinkwasser aus dem Hahn fließt. Unser

Wasser in San Bartholo ist günstig,

Wir schätzen uns gegenseitig

als wertvolle Partner

und lernen voneinander.

Durch unsere Zusammenarbeit

haben inzwischen

acht Dörfer einen Wasseranschluss.

Die Dorfbewohner planen, organisieren und

verlegen die Wasseranschlüsse selbst

aber nicht kostenlos. Jeder kann es sich

leisten, doch die Dorfbewohner sparen,

wenn sie den Hahn wieder zudrehen. So

bleiben die Tanks gefüllt und alle sind gut

mit dem wertvollen Nass versorgt.

Besonders dankbar sind wir als

Ingenieur und Hygieneberaterin für

die enge Zusammenarbeit mit unseren

lieben Kichwa-Kollegen. Wir schätzen

uns gegenseitig als wertvolle Partner

und lernen voneinander. Durch unsere

Zusammenarbeit haben inzwischen acht

Dörfer mit rund 4.000 Einwohnern

einen Wasseranschluss. Andere Dörfer

sehen das und bitten ebenfalls um Hilfe.

Die gute Zusammenarbeit stärkt das

Selbstbewusstsein der Kichwa.

Unser wichtigstes neues Projekt ist die

Bekämpfung von Bodenerosion. Unser

Verein stellt Pflanzen

für die Wiederaufforstung

zur Verfügung,

Dorfbewohner geben

Grund und Boden,

graben Löcher und

pflanzen die jungen

Bäume. Gemeinsam

arbeiten wir, dass ihre

Dörfer auch in Zukunft

noch gute Ernten und ein Auskommen

haben, weil die Bodenkrume geschützt

wird. Unsere Projekte sind nachhaltig,

weil es ihre Projekte sind und wir ihre

vorhandenen Ressourcen nutzen.

Martin und Julia Henrich

P10225

DMG-informiert | 4 | 2018

11


THEMA

„Was willst du?“

Jesus antwortete ihm und sprach:

Was willst du, dass ich für dich tun soll?

Der Blinde sprach zu ihm: Mein Lehrer,

dass ich sehend werde. Markus 10,51

den Geistern viel wichtiger? Wir sollten

zuerst gut zuhören und einfühlsam Fragen

stellen, was IHNEN wirklich wichtig

ist. Daran gilt es anzusetzen.

Was willst du, dass ich für dich

tun soll?“, fragte Jesus einst den

blinden Bartimäus und dieser nannte ihm

seinen tiefsten Wunsch: „Ich möchte

wieder sehen können“ (Mk. 10,51).

Obwohl Jesus bereits alles wusste

(was auf uns nicht zutrifft!) – die akute

Not, erlebten Enttäuschungen, geheimen

Wünsche und stillen Gebete des

Bartimäus wie auch den Willen Gottes –

wollte er es trotzdem von dem Blinden

selbst hören. Jesus wollte ihn aktiv

beteiligen und ihm damit Würde geben.

Die Heilung des Blinden sollte auch die

Erfüllung seiner Sehnsucht, Gebete und

Hoffnungen sein. Diese Art Hilfe nennen

wir heute „partizipativ“ (teilnehmend),

und solches Miteinanderarbeiten ist

einer der Grundwerte der DMG – ja für

Mission und Gemeinde überhaupt.

VERBORGENE WÜNSCHE

FREILEGEN

Dass ein Blinder sehen will, klingt

eigentlich selbstverständlich, doch ist

es das wirklich? Wahrscheinlich konnte

Bartimäus einst sehen und ist erst durch

eine Infektion oder einen Unfall erblindet.

Doch nach vielen Jahren mag er sich

mit seiner Behinderung abgefunden und

alle Hoffnung verloren haben. Es kann ja

bequem sein, dass andere mich führen,

versorgen und Entscheidungen treffen.

Ich kann ja nicht arbeiten und muss keine

Verantwortung mehr übernehmen. Die

Umstände sind halt schuld!

Ganz anders Bartimäus. Er bittet

Jesus nicht um eine großzügige Spende,

einen warmen Mantel oder eine Stunde

Gespräch. Der Blinde wagt das Unmögliche

und bittet um Augenlicht. Diesen

tiefsten Wunsch erfüllt ihm Jesus.

Missionare in einem anderen Land

kommen von außen und können deshalb

Mängel in ihrer Gastkultur erkennen;

etwa materielle Armut, schmutziges

Trinkwasser und geistliche Dunkelheit.

Manche gehen mit viel Elan daran, etwas

zu ändern. Doch entspricht dies auch

den Prioritäten der Menschen vor Ort?

Vielleicht würden sie ja gerne etwas ganz

anderes haben. Möglicherweise sind

ihnen die persönlichen Beziehungen in

der Großfamilie, dass alle gleich (arm)

sind, ihre Tradition oder Harmonie mit

WÜRDE GEBEN

Jesus hat den Blinden zu sich bringen

lassen, sich Zeit für ihn genommen, ihm

Fragen gestellt, auf seine Antwort gewartet,

gut zugehört. Er hat ihm damit

Würde gegeben und Respekt erwiesen

– sogar vor dem ganzen Dorf und der

großen Volksmenge. Mit seiner Frage

vermittelte er: Du hast etwas zu sagen,

deine Meinung ist wichtig. Auf diese Weise

bekam Bartimäus ein Gesicht – und

das ist mehr als alle materielle Hilfe.

In vielen Ländern ist die Not zum

Greifen nahe; darum wollen Missionare

und Entwicklungshelfer schnell anpacken.

Sie suchen rasche Ergebnisse, müssen ja

ihren Einsatz auch rechtfertigen und ihren

Spendern Erfolge vorweisen. Schnell

wird ein Projekt begonnen, doch das

kann die Betroffenen entwürdigen.

Wie leicht wird indirekt vermittelt, es

fehle den Einheimischen an Fähigkeiten,

Geld, Kreativität, Ausbildung, Erfahrung,

Technik und Eigeninitiative. Ähnlich

wie ein Kleinkind zu füttern, obwohl es

bereits selbst den Löffel führen kann.

Oder es nicht beim Geschirrabtrocknen

helfen zu lassen, weil es noch zu jung sei

… Das entmutigt und nimmt Würde.

Überall haben die Menschen ganz viel

Erfahrung, in allen Kulturen weltweit.

Seit Jahrhunderten haben sie die Natur

beobachtet und ihr Leben gemeistert.

Sie kennen das Wetter ihrer Region,

die Tiere und Heilpflanzen. Sie sind

Experten ihrer Gesellschaft, wie man

sich richtig ausdrückt und verhält. Dieses

unschätzbare Wissen und ihre Erfahrungen

fehlen einem Fremden. Sie müssen

unbedingt berücksichtigt werden, wenn

ein Projekt bleibende Wirkung haben

soll.

12 DMG-informiert | 4 | 2018


[partizipativ]

| THEMA

POTENTIAL ENTWICKELN

Bartimäus ist blind, aber nicht unfähig.

Er hat eine kräftige Stimme (V. 47),

Selbstbewusstsein (48), einen starken

Willen (50), er kann gehen (52), kennt

Gott (Lk. 18,43b) – und hat sicher noch

viele weitere Fähigkeiten. Diese setzt

Jesus gezielt ein und entwickelt sie weiter.

Mit dem Ergebnis, dass der vormals

Blinde Gott preist über seiner Heilung

und viele Menschen auf den Herrn aufmerksam

werden (Lk. 18,43c).

Gott hat jeden mit Begabungen,

Erfahrungen und Mitteln ausgestattet.

Er gibt reichlich! Keiner ist zu arm oder

zu schwach, um mitzuarbeiten. Jeder hat

etwas, mit dem er andere beschenken

kann. Menschen wollen selbst

beteiligt sein – und das setzt weiteres

Potenzial frei. Die auf Augenhöhe

Beteiligten entdecken dabei neue Möglichkeiten,

sie setzen sich immer größere

Ziele. Dies gilt es in Gemeinde und Mission

zu leben, Begabungen freizusetzen.

IN VERANTWORTUNG

STELLEN

Nach der Heilung trifft Bartimäus eine

zentrale Entscheidung: Er lässt seine

Familie zurück und schließt sich Jesus an.

Er übernimmt Verantwortung für sein

Leben – vielleicht zum ersten Mal nach

langer Zeit.

Wie oft habe ich gehört, dass ein

Missionar einer armen Landgemeinde

das Blechdach finanziert hat. 18 Monate

später meldete sich diese Gemeinde

wieder beim Missionar mit der

Nachricht, „sein Dach“ würde lecken.

Er möge bitte schnell kommen, um es

zu reparieren. Sie hatten nichts zum

Bau beigetragen, deshalb war es am

Ende nicht IHRE Kirche. Ähnliches gilt

in Gemeinde, Seelsorge und Mission:

Wir dürfen nicht Entscheidungen für

Menschen treffen, sondern müssen sie

selbst in Verantwortung nehmen: „Was

willst du?“

MIT AUF DEN WEG NEHMEN

Bartimäus schließt sich Jesus an und

macht sich sofort auf den Weg (V. 52),

steil hinauf nach Jerusalem (Mk. 11,1).

Sein Leben wird radikal verändert.

In seinem Leitfaden für „Partizipatives

Arbeiten“ (2003) berichtet Karim Sahyoun

von einem landwirtschaftlichen Missionar,

Peter, der in sein neues Arbeitsgebiet

reiste. Er hatte schon viel vom

Elend der Bevölkerung dort gehört, sich

intensiv mit tropischer Landwirtschaft

befasst und Möglichkeiten erkundet, wie

die Situation der Menschen verbessert

werden könnte. Projektberichte und

Fotos zeigten deutlich, dass Erosion

in dieser bergigen Region ein Problem

darstellte und die Felder immer weniger

Ertrag brachten. So musste die schnell

wachsende Bevölkerung immer mehr

verelenden.

Verschiedene Bodenschutzmaßnahmen

erschienen sinnvoll und die Landwirte

vor Ort nickten zustimmend.

Sorgfältig plante Peter den Bau lokal

angepasster Terrassen und begann gemeinsam

mit der Bevölkerung zügig mit

der Arbeit. Leider nahm deren Interesse

bald ab. Selbst die mühevoll angelegten

Demonstrationsfelder – ein Beweis, dass

die Idee bestens funktionierte – konnten

keine Veränderung bewirken. Peter fragte

sich, warum die Leute nicht bereit waren,

ihre Situation zu ändern. Waren sie

zu faul oder erkannten sie den Ernst der

Lage nicht? Nach wenigen Jahren reiste

er frustriert ab, berichtet K. Sahyoun.

Was war schiefgelaufen? Peter hatte

gründlich recherchiert und sorgfältig

geplant, doch die lokale Bevölkerung war

nicht daran beteiligt. Weder am Erkennen

des Problems*, noch am Entwickeln

der Lösung, beim Entscheiden über den

Lösungsweg, noch an der Beschaffung

der Mittel. Darum fühlten sie sich nicht

verantwortlich für die Ergebnisse.

Ist das nicht häufig so auch in unseren

Familien, Schulen und Gemeinden? Gut

gemeint, doch nicht gut geworden! Weil

die Betroffenen nicht von Anfang an

unmittelbar beteiligt sind, es zu ihrer

Idee, ihrem Ziel, ihrem Weg und ihrem

Ergebnis wird?

ECHT BETEILIGT

Andere echt zu beteiligen, partizipativ

zu handeln, das widerspricht unserem

menschlichen Naturell nach eigener

Bedeutung, Autonomie und schnellen

Ergebnissen. Da wollen wir denken,

entscheiden, handeln, unseren Willen

durchsetzen. Doch das ist nicht Gottes

Weg. Wir sind zum Volk Gottes berufen,

gemeinsam in ein Team gestellt, sollen

aufeinander hören, uns gegenseitig ergänzen

und voneinander lernen (1. Petr.

4,10; Hebr. 10,24).

Jesus beteiligte seine Jünger von

Anfang an in seinem Dienst. Er ließ sich

von der Familie des Petrus einladen und

bewirten (Lk. 4,38); dann setzte er sich

in Petrus’ Boot und ließ sich von ihm

auf den See rudern. Während Jesus zur

Volksmenge sprach, musste Petrus ständig

die Position auf dem See halten (Lk.

5,3) ... Wohlhabende Frauen versorgten

Jesus und sein Team (Lk. 8,3). Jesus ließ

seine Jünger bei Wundern mithelfen (Mt.

14,16.19; Lk. 9,2); dann sandte er sie aus

nach Galiläa und später Judäa. Auch der

Apostel Paulus arbeitete stets im Team

und gab seinen Freunden schnell Verantwortung;

für die Nacharbeit in Beröa

(Apg. 17,14) und Thessalonich (1. Thess.

3,1–6). Er schickte Timotheus zum Spezialeinsatz

nach Korinth, wo sich massive

Probleme aufgetürmt hatten (1. Kor.

4,14; 16,10). In den jungen Gemeinden

setzte er schnell einheimische Leiter ein.

Auch wir sollen gut zuhören, Menschen

echt beteiligen und ihnen helfen,

ihre Probleme selbst zu benennen, sich

selbst Ziele zu setzen, ihre eigenen

Ressourcen zu entdecken und Lösungswege

zu wählen. Das nennen wir heute

„partizipativ“ arbeiten, echt beteiligen,

miteinander verantwortet. Diese

Arbeitsweise gibt Würde und Freude,

setzt ungeahnte Kräfte und Ideen frei,

nutzt die reiche Erfahrung und führt zu

Eigenverantwortung. Was entsteht, wird

zu ihrem Projekt. So sind wir gemeinsam

mit den Menschen in unseren Projekten

und Einsatzländern und Ihnen, liebe

Freunde und Unterstützer, unterwegs.

Damit Menschen Gott begegnen.

Dr. Detlef Blöcher

65 Jahre alt, promovierter Physiker, verheiratet

mit Dr. Elisabeth Blöcher, sie haben drei

erwachsene Kinder. Er leitete die DMG von

2000 bis Mai 2018. Davor war er neun Jahre

Personalleiter. Von 1986 bis 1990 hat er als

Dozent im Nahen Osten gearbeitet.

* In einigen Gegenden Westafrikas werden Wälder als Ort der bösen Geister angesehen; darum möchten die Leute in der Nähe des Dorfes keine Bäume haben. Der Erdboden

wird als Ort der Totengeister angesehen, so dass in ihren Augen bereits Graben und Pflügen einen Tabubruch darstellt. Menschen helfen vielleicht mit, wenn sie für die Arbeit

bezahlt werden, doch es ist nicht ihr Projekt. Zunächst muss sich ihr Weltbild ändern, ihr Verständnis von Gott und der Welt, bevor Landwirtschaft entwickelt werden kann.

13


COSTA RICA

ZUM THEMA

[partizipativ]

Vielfalt,

die bereichert

Mildred ist demotiviert. Die dritte

Absage dieser Woche raubt ihr

alle Hoffnung. Wie soll sie in wirtschaftlich

schlechten Zeiten eine Anstellung

finden? Jungverheiratet, mit Abschluss

in Kommunikationsdesign in der Tasche,

es könnte perfekt sein. Und doch, keine

Chance! Nur unsere wöchentlichen Treffen

halten sie noch über Wasser.

Jesus ist Mildreds Ein und Alles. Nun

sitzt sie vor mir und saugt jedes Wort

der Bibel in sich auf. Ich frage mich, was

Gott mit ihr vorhat? Sie brennt für Jesus,

doch Mission im Ausland ist nichts für

sie und ihren Mann Marco. An diesem

Abend sehe ich noch in ein anderes

frustriertes Gesicht: Daniel erzählt

mir von seinem Tag im Büro unserer

costa-ricanischen Mission. Er begleitet

50 lateinamerikanische Missionare im

Ausland, viel Arbeit für unser kleines

Team. „Was, wenn HIER Gottes Platz für

Mildred wäre?“, überlege ich. Sie wäre

die perfekte Ergänzung.

Noch besteht unser Team hauptsächlich

aus Ausländern. Woher sollte eine

Einheimische Spenden für ihr Gehalt

bekommen? Hierzulande ist es tabu,

vom Geld anderer zu leben. Ihre Familie

würde sie für verrückt erklären. Würde

sie es überhaupt wollen? Dennoch,

der Gedanke kam wie von Gott: Wir

brauchen Costa-Ricaner im Team und

Mildred passt perfekt. Ich spreche es

aus vor Daniel, Mildred und ihrem Mann

Marco. Wir beten, denn uns ist klar: Das

funktioniert nur, wenn es Gottes Wille

ist. Zwei Wochen später erreicht mich

Mildreds Nachricht: „Jetzt macht alles

Sinn“, schreibt sie. Jesus habe sie ihr

Leben lang vorbereitet, sie will Schritte

des Vertrauens gehen.

Ihre Familie hat sie tatsächlich für verrückt

erklärt, als sie das Training ohne

einen Cent in der Tasche begann. Heute,

drei Jahre später, leitet sie die Öffentlichkeitsarbeit!

Als unsere dritte Tochter

zur Welt kam, hat Mildred meine

Aufgaben übernommen. Jesus möchte,

dass wir Seite an Seite arbeiten – und

manchmal sogar Platz machen. Es ist die

Vielfalt, die bereichert und den Einzelnen

schleift. Das ist Reich Gottes.

Weitermachen

Doppelblatt zum Heraustrennen

für Ihren Hauskreis, zur Predigtvorbereitung

oder für den Austausch.

FRAGEN ZUM EINSTIEG

Der Spruch „Selbst ist der Mann“ ist tief in unserer Kultur verwurzelt.

Inwiefern ist er unbiblisch?

a) Im Blick auf Gott.

b) Im Blick auf andere Menschen.

Warum „brauchte“ Jesus das Boot des Petrus (Lukas 5,1-3)?

Er hätte doch übers Wasser laufen können!

FRAGEN ZUM WEITERDENKEN

Auf welche Weise musste der blinde Bartimäus laut Detlef

Blöchers Bibelarbeit (S.12+13) an seiner Heilung mitwirken?

Elia rettete die Witwe von Sarepta (1. Könige 17,7–16)

nicht einfach so, sondern …

Auch Elisa half einer Witwe (2. Könige 4,1–7).

Was musste sie tun?

Welche anderen Beispiele fallen Ihnen ein, bei denen

Empfänger eines Wunders selbst zum Wunder beitrugen?

Was antworten Sie, wenn Jesus fragt:

„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“

Haben Sie schon einmal Jesus dieselbe Frage gestellt?

FRAGEN ZUR PRAXIS

Was hätte geschehen können, wenn Zinsers (Text links)

ausländische Unterstützung für Mildred organisiert hätten?

Was ist das Kernanliegen bei Henrichs (S.13) Wasserprojekten?

Welchen Menschen helfen ich oder meine Gemeinde ohne zu

überlegen, ob wir sie dadurch entmündigen?

Auf welche Weise könnten Hilfsbedürftige uns helfen?

Liedvorschlȧ . ge

Und sie winkten ihren Gefährten,

die im andern Boot

waren, sie sollten kommen

und ihnen ziehen helfen.

Lukas 5,7

In welchem Liederbuch finde ich welches Lied?

www.evangeliums.net und www.liederdatenbank.de

Lasst uns miteinander ..........................................Ich will dir danken: 444

Your Love Never Fails ..........................................Feiert Jesus to go II: 46

Gott baut sein Haus......................................................Feiert Jesus I: 206

Wir sind eins ..............................................................Feiert Jesus V: 168

Wir sind hier zusammen ............................................Feiern & Loben: 34

Vater der Barmherzigkeit ..................Glauben, Leben, Lieben, Hoffen: 148

14

Daniel und Myriam

Zinser P10869


ASIEN

PHILIPPINEN

Das doppelte Geburtstagswunder

Eine Einladung zu einem Geburtstag

ist ja nicht ungewöhnlich, diese

jedoch endete mit einem Wunder:

Ich sitze mit der 83-jährigen Mila und

ihrer Tochter Francia am Tisch und wir

feiern den Geburtstag der Seniorin.

Traurig höre ich, wie sehr ihre Familie

zerstritten ist. Eine Tochter sei schon

Jahre nicht mehr nach Hause gekommen.

Eben erst haben sie erfahren, dass Lolin,

so heißt sie, sehr krank sei. „Es besteht

keine Hoffnung“, erzählen sie, „der

Krebs ist schon zu weit fortgeschritten“.

Mutter und Tochter wollen ihre nahe

Angehörige noch einmal sehen, bevor

es mit ihr zu Ende geht. Sie bitten mich,

mitzufahren und für Lolin zu beten.

Wir finden Lolin schlafend im Wohnzimmer

an und warten bis sie aufwacht.

Nach einer Stunde regt sie sich. Keiner

spricht ein Wort. Die Familie erwartet,

dass ich vermittle. Ich nehme Lolins

Hand und lege die Hand ihrer Mutter

in ihre. Wieder ist es ganz still. „Lolin,

kannst du mich hören?“ Sie nickt mit

dem Kopf, zu schwach zum Reden.

„Deine Mutter ist gekommen, um dich

zu sehen. Und deine Schwester Francia

ist auch hier, freust du dich?“ Ein Nicken,

dann öffnet sie ihre Augen.

„Auch dein Bruder ist extra hergeflogen,

um dich zu sehen. Freust du dich,

dass er hier ist?“ Lolin

nickt wieder und fängt an

zu weinen. Ihre jugendliche

Tochter erklärt, dass

Lolin schon jahrelang keine

Gefühle mehr gezeigt

habe. Ich bitte Mutter

Mila, ihrer Tochter Lolin

zu sagen, was in ihrem

Herzen vorgeht. Die alte

Mama bittet Lolin um Vergebung für

Dinge, die sie an ihrer Tochter versäumt

hat und bestätigt, wie lieb sie sie hat.

Dann kommt Francia, die Schwester von

Lolin, ans Bett und bittet ebenfalls unter

Tränen um Vergebung. Die ganze Familie

sitzt weinend beieinander.

Nach einer Pause lese

ich ihnen Jesaja 53 vor

und erzähle von Jesus,

von seinen Wunden

und Schmerzen am

Kreuz und der Macht

der Vergebung.

Nach einer Pause lese ich ihnen Jesaja

53 vor und erzähle von Jesus, von seinen

Wunden und Schmerzen am Kreuz und

der Macht der Vergebung. „Das hat er

alles für uns getan, um unsere Schuld zu

begleichen. Durch Seine Wunden sind

wir geheilt. Glaubst du das, Lolin?“ Ihr

Gesichtsausdruck verändert sich stark.

Da schimmert etwas von

Freude und Hoffnung

durch, auch beim Rest

der Familie. Durch das

Blut von Jesus ist an

diesem Nachmittag Versöhnung

in eine zerstrittene

Familie gekommen:

etwas Wunderbares ist

geschehen!

Ein paar Tage später bekomme ich

eine Nachricht, die mich selbst zum

Weinen bringt. Sie erzählen mir, dass es

Lolin viel, viel besser geht. Ein zweites

Wunder ist geschehen. Gott sei Dank

dafür.

Ursula Moosmann

P10458

DMG-informiert | 4 | 2018

15


EUROPA

ALBANIEN

BELGIEN

„Gott ist gut,

ich werde feiern!“

Bujar ist einer der wenigen älteren

Christen in Albanien. Er ist der

Vater unseres Pastors, ein lustiger,

herzlicher Mann. Nach der Wende hatte

Bujar in einem Kaffee einen Missionar getroffen,

der ihm von Jesus erzählte. Bujar

entschied, Christ zu werden. Seither lebt

er fröhlich seinen Glauben.

Vergangenes Jahr zum Geburtstag

wollte Bujar unbedingt die ganze Familie

einladen. In Albanien bedeutet das, jeder

Eingeladene bringt Essen mit und der

Gastgeber stellt das ganze Fleisch. Bujars

Frau war nicht begeistert von seiner

Idee: „Das können wir uns auf keinen

Fall leisten“, klagte sie. Doch, wie es sich

für einen albanischen Mann gehört, blieb

Bujar standhaft: „Gott ist gut, er wird

dafür sorgen, dass ich mit meiner Familie

Geburtstag feiern kann.“

Eine Woche lang bearbeitete seine

Frau Bujar. Immer wieder bat sie ihn,

doch nicht an seiner „Schnapsidee“

festzuhalten, weil es das Familienbudget

sprengen würde. Bujar blieb standhaft:

„Gott ist gut. Er wird dafür sorgen, dass

ich mit meiner Familie Geburtstag feiern

kann.“

In derselben Woche kam eine

Lieferung Kleidung aus Deutschland in

unserer Gemeinde an. Wir stellen die

Päckchen immer in die Gemeinderäume.

Zu bestimmten Zeiten können Leute

aus der Nachbarschaft und Gemeinde

kommen, sich je ein Paket aussuchen

und aus diesem dann Kleider nehmen,

die ihnen gefallen.

Bujar fand einen wunderschönen

Mantel, der ihm großartig stand – dachte

er! Seine Frau war anderer Meinung. Sie

fand den Mantel hässlich und riet ihm

heftig davon ab, ihn zu nehmen. Wie es

sich für einen albanischen Mann gehört,

blieb Bujar wieder standhaft. Er nahm

den Mantel mit. Zu Hause angekommen

griff er in die Manteltasche und zog lachend

einen 20-Euro-Schein heraus – was

für eine Überraschung! Damit konnte er

das Fleisch für seinen Geburtstag kaufen

und die ganze Familie einladen. Gott ist

gut!

Miteinander

Gemeinde bauen

Als wir 1993 mit unserem

Möbelwagen über die Grenze

fuhren, war uns kaum bewusst,

wie anders Kultur und Denken im

katholisch geprägten Flandern sind.

Wir haben viel erlebt. Die 25 Jahre

in der 90.000-Einwohner-Stadt Aalst

in Evangelisation und Gemeindebau

gemeinsam mit Flamen haben uns

geprägt.

Gott hat unsere Gemeinde von

30 auf heute 80 Personen wachsen

lassen, eine stabile Gruppe mit vier

flämischen Ältesten, die die Arbeit

weiterführen. Wir knüpften tiefe

Beziehungen, begleiteten Menschen

durch schöne und

schwere Zeiten,

halfen Christen

zu wachsen und

Gottes Stimme zu

verstehen, entdeckten

gemeinsam mit

jungen Mitarbeitern ihre Gaben und

wuchsen mit Leitern in die Verantwortung

hinein. Wir durften eine

ganze Generation prägen. Als wir in

Aalst ankamen, war Levi, der Freund

von unserem Timo, gerade zwei Jahre

alt. Heute ist er verheiratet, gibt

Religionsunterricht und verantwortet

den Leitungskreis, in dem alles

Praktische besprochen wird.

Was hat unserer Gemeinde auf

dem Weg in die Selbständigkeit

geholfen? Erstens: Über die Jahre

Was hat unserer

Gemeinde auf dem Weg

in die Selbstständigkeit

geholfen?

Video zur geistlichen

Not in Belgien:

www.DMGint.de/Belgien

ist in der Gemeinschaft und Zusammenarbeit

ein deutliches Bild

entstanden, wer wir als Gruppe sein

möchten, was unsere Ziele sind und

welche Werte uns verbinden. Das

stärkt Vertrauen und schützt vor

Machtmissbrauch. Zweitens: Wir

haben gelernt, was Gnade ist. Viele

in Flandern haben Angst vor Fehlern

und trauen sich kaum, Verantwortung

zu übernehmen. Dass Gottes

Gnade größer ist, der uns liebevoll

trägt, gab einigen doch den Mut. Als

ich meinen Burnout hatte, hat die

Gemeinde mich liebevoll mitgetragen.

Gott gebrauchte meine Krankheit,

um deutlich

zu machen, dass

Leitungsverantwortung

auf viele

Schultern verteilt

werden muss. Er

gestaltet seine

Gemeinde, das ist das Wichtigste.

Nun sind wir nach Eupen gezogen,

wo wir ab September erneut

im Team eine Gemeinde aufbauen

helfen. Wir sind gespannt, was Gott

mit uns im deutschsprachigen Teil

Belgiens vorhat. Auch hier ist unser

Ziel, dass Gemeinde in die Tiefe und

in der Gemeinschaft miteinander

und mit Jesus wächst und selbständig

wird. Vielen Dank für Ihr treues Mitbeten

und Mittragen als wesentlicher

Teil unseres Teams.

16

David und Anne Kretschmer

P10348

Berthold und Renate Lamparter

P10373


DEUTSCHLAND

DEUTSCHLAND

So entwickelt sich Gemeinde!

Das weiße Mädchen

u musst uns helfen“, fleht Mira

„Dmich an. „Mein Sohn sieht

manchmal ein ‚weißes Kind‘ an seinem

Bettchen stehen und ruft voller Panik

nach mir. Wenn ich komme, seh’ ich das

Kind auch, das passiert uns fast täglich.“

Ich bin bei einer indischen Familie zu

Gast, höre ihnen zu und mache große

Augen. Während ich an meiner Tasse

Tee nippe, schildert Mira ihr Leid:

„Vor ein paar Jahren wohnte hier eine

andere Familie. Beim Spielen hat sich

ihr Mädchen im Schrank versteckt. Sie

konnte die Tür nicht mehr öffnen und ist

erstickt, schrecklich! Jetzt erscheint das

Mädchen jede Nacht allen Leuten hier.

Auf dem Haus liegt ein Fluch. Ich habe es

schon mit Amuletten und Schutzzeichen

versucht, nichts hilft.“ Müde schaut Mira

mich an und bittet um Gebet.

„Es gibt nur einen, der helfen

kann, das ist Jesus Christus!

Er ist der Sieger!“

„Es gibt nur einen, der helfen kann“,

erkläre ich ihr, „das ist Jesus Christus!

Jesus hat am Kreuz den Teufel und alles

Böse besiegt. Er ist der Sieger.“ Mira

überlegt: „Kannst du zu ihm für mich

beten?“ Das mache ich gerne. Danach

erkläre ich ihr, dass Jesus Herr ihres ganzen

Lebens sein möchte. „Wie geht denn

das?“, hakt sie nach. „Wenn du etwas mit

Amuletten und Geistern gemacht hast,

ist das eine Einladung an dunkle Mächte.

Bitte Jesus um Entschuldigung dafür. Er

ist am Kreuz gestorben und hat alles

Böse besiegt. Er macht dein Herz wieder

sauber.“

Mira hat an diesem Tag im Gebet alles

Jesus gebracht, womit sie ihn traurig gemacht

hatte. Sie bat Jesus, in ihr Herz zu

kommen und sie auf seinen guten Weg

zu führen. Ich betete für sie, segnete

ihre Familie und befahl laut im Namen

von Jesus Christus, dass nie wieder ein

Geist in diesem Haus erscheinen sollte.

Fröhlich verabschiedeten wir uns an

der Haustür. Das weiße Mädchen ist nie

wieder erschienen!

Vor dreieinhalb Jahren sind wir

als Familie von China nach

Deutschland zurückgekehrt und ich

habe die junge chinesische Gemeinde

in Kornwestheim bei Stuttgart kennengelernt.

Heute bin ich ein Teil von

ihr. Ich darf meinen Part in der Gruppe

spielen, wie alle anderen auch, und

partizipiere an dem, was Jesus tut. Er

beteiligt mich an seiner Arbeit. So zu

denken, ist einer meiner Grundsätze.

Jesus ist der gute Chef im Hause, er

lässt uns eigene Ideen entwickeln und

bezieht den Einzelnen mit ein. Was

dabei herauskommt, hängt stark vom

Miteinander ab und wie wir alle mit

Jesus verbunden bleiben.

Die junge chinesische Gemeinde

ist aus einem Bibelkreis chinesischer

Christen entstanden. 2015 luden sie

Hartmut Peters (DMG-Personalleiter

Asien) zu einer Predigt ein. Fortan

wollten sie Gottesdienste miteinander

feiern. Diesen großen Schritt wagten

sie im Vertrauen auf Gott, obwohl es

anfangs nicht einfach war, Prediger

zu finden. Zu dieser Zeit kehrten wir

gerade nach Deutschland zurück und

wussten nicht, wie unser Weg weitergeht.

Gott hatte im Hintergrund

bereits viel arrangiert. Er wusste, dass

ich einmal im Monat in dieser neuen

Gemeinde predigen würde.

Mittlerweile treffen wir uns zu

zwei Gottesdiensten monatlich. In

Heilbronn bildete sich ebenfalls eine

Gruppe, sie treffen sich sonntagnachmittags.

Inzwischen sind wir miteinander

verbunden. Ende Juni hatten wir

eine gemeinsame Wochenendfreizeit.

Hier sang zum ersten Mal der neue

Chor. Dessen Leiter gehört zum

Heilbronner Kreis und ist froh, ein Betätigungsfeld

gefunden zu haben. Sie

begeisterten alle mit ihrem Auftritt

Chor beim Gemeindewochenende der chinesischen Gemeinde

und der Freude, mit der sie sangen.

So entwickelt sich Gemeinde. Mit

dem Chor ist von ganz alleine etwas

entstanden, an das die Verantwortlichen

gar nicht gedacht hatten.

An dem Freizeitwochenende

schaute ich auch in die Kinderstunde

hinein, ebenfalls ganz neu! Gott hat

Mitarbeiter beauftragt, die ihre Sache

gut machen. Sie betreuen die Kinderstunde

im Wechsel, sodass jeder auch

bei Gottesdiensten und Bibelarbeiten

dabei sein kann. Die chinesischen

Christen bringen sich vorbildlich ein

und entfalten sich.

Drei Gemeindeglieder, die vor zwei

Jahren getauft worden sind, arbeiten

inzwischen aktiv mit und singen im

Chor. Mit ihnen treffe ich mich zu

einer Kleingruppe. Sie wollten den

Taufkurs von zehn Einheiten einfach

nicht beenden, weil sie noch mehr aus

der Bibel und von Jesus lernen wollten.

Als sie diesen Wunsch äußerten,

stellte ich eine Bedingung: Jeder sollte

im Wechsel eines unserer Treffen

leiten. Das funktioniert hervorragend.

Sie können vieles besser ausdrücken

als ich, weil Chinesisch ihre

Muttersprache ist. Wenn sie biblische

Wahrheiten mit ihrem Leben

verknüpfen, ist das vielsagender als

meine Erfahrungen aus einer doch

ziemlich anderen Welt. Die chinesische

Gemeinde entwickelt sich gut,

auch wenn manche wegziehen und

immer wieder neue Leute dazukommen.

Es gibt deutsch-chinesische

Ehepaare, die sich auch in deutsche

Gemeinden einbringen. Wohin Jesus

uns führt und was die Mitglieder an

persönlicher Entwicklung benötigen,

weiß er selbst am besten. Bitte beten

Sie, dass wir uns von ihm gut führen

lassen.

Jasna und Branislav

P10035

Fred und Gabi Eick

P10126

DMG-informiert | 4 | 2018

17


wieder

fühlen

Warum ich

kann

Wenn euch also

der Sohn frei macht,

seid ihr wirklich frei.

Johannes 8,36

u bist wie ein Stein, mit dir kann

„Dman nicht reden.“ Sätze wie dieser

haben meine Schulzeit sehr geprägt.

Schon als kleines Kind war ich eher still

und zurückhaltend. Bis zum Gymnasium

war das aber nicht schlimm, es wurde

meistens so akzeptiert. Doch ab der

fünften Klasse wurde es schwer, ich fand

nie den Anschluss in meiner Klasse. Das

führte dazu, dass ich mich im Unterricht

fast nie beteiligte. Irgendwann in

der siebten oder achten Klasse fingen

Schulkameraden schließlich an, mich zu

mobben.

Das Zitat oben mit dem Stein verfolgte

mich. Im Landschulheim legten sie mir

heimlich einen Stein vor die Zimmertür,

um zu signalisieren, dass sie mit mir

nichts mehr zu tun haben wollten. Sie

hielten mich für feige und machten sich

über mich und meinen Glauben lustig.

Meine Klassenkameraden wussten

genau, dass ich mich nicht dagegen

wehren würde, denn dazu fehlte mir

der Mut. Durch die Hilfe meiner Eltern

und meines Klassenlehrers hat sich die

Situation zunächst beruhigt. Aber diese

Momente haben mich meine ganze

Schulzeit lang begleitet. Keiner verstand,

was in mir vorging. Weil ich solche Angst

vor Schmerz und Verletzungen hatte,

war ich nicht mehr in der Lage, etwas zu

fühlen. Schöne Momente nahm ich kaum

als solche wahr. Innerlich war ich einfach

leer.

Nach meiner Schulzeit wurde es

langsam besser, denn ich hatte Abstand

zu manchen, die mich bis dahin gequält

hatten. So begann ich mein Freiwilliges

Soziales Jahr bei der DMG als ein relativ

stilles Mädchen. Anfangs fiel es mir

leicht, die neuen Leute kennenzulernen.

Doch um die Weihnachtszeit herum

holte mich meine Vergangenheit ein. Ich

fühlte mich in der Wohngemeinschaft

unseres Jahresteams nicht mehr wohl,

die Arbeit überforderte mich und ich

wurde krank. Also nahm ich mir eine

Auszeit zu Hause.

Zurück bei der DMG am Gebetssonntag

im Februar ging es mir gar nicht gut:

Ein Mitarbeiterehepaar merkte das und

nahm mich auf die Seite. Ihnen erzählte

ich vom Mobbing in meiner Schule und

was das mit mir gemacht hatte. Zuerst

wollten die Worte einfach nicht über

meine Lippen kommen. Doch ich spürte

irgendwie, dass sie mir helfen konnten.

Unter Tränen erzählte ich ihnen meinen

Schmerz: „Alle denken, ich sei wie ein

Stein, und manchmal fühle ich wirklich

gar nichts“, kullerten die Worte aus mir

heraus. Was sie mit mir und mit meiner

Not getan haben, werde ich nie vergessen:

Sie hörten zu und wollten wirklich wissen,

was damals passiert ist. Sie beteten

mit mir und legten Jesus sinnbildlich den

bösen Stein in die Hand. Gemeinsam

18

Vanessa Nickel (Jahresteam 2017/2018)

Danke, wenn Sie unser Jahresteam unterstützen:

P56700

DMG-informiert | 4 | 2018


DEUTSCHLAND

ITALIEN

Vanessa (Nessi) Nickel hat

2017/18 ihr FSJ im Jahresteam

der DMG auf dem Buchenauerhof

absolviert. Dieses Jahr hat ihr

Leben verändert.

Hoffnung

ausstrahlen

fuhren wir zu einem See, nahmen einen

großen Kiesel, beteten noch einmal und

ich versenkte alle meine Last mit diesem

Stein im See. Ein Stück von meinem

Herzen war spürbar befreit. Das erste

Mal seit langer Zeit fühlte ich wieder

etwas …

Aber Gott hatte noch mehr mit mir

vor. Nichtsahnend bin ich Ende April

nach Dillenburg zur STEPS-Konferenz gefahren.

Meine Erwartungen waren nicht

hoch, ich dachte: „Die Veranstaltung

wird wie die letzten Jahre.“ Doch als

ich ankam, staunte ich über das Konferenzthema

„Get free!“ Frei werden, das

sprach mich sofort an. In jeder einzelnen

der fünf Predigten ging es gefühlt irgendwie

direkt um mich und meine Situation.

Schon die erste zu Johannes 8,36

traf mitten ins Herz. Es ging um echte

Freiheit, die wir nur durch Jesus Christus

bekommen.

Ein Redner sprach von modernen

Abhängigkeiten junger Leute, beispielsweise

von Serien in Netflix. Dass sie

den jungen Christen wieder die Freiheit

nehmen, die sie eigentlich durch ihren

Glauben haben. Im Raum lag ein Kreuz

am Boden, an dem jeder seine Abhängigkeiten

auf einen Zettel schreiben

und vor Jesus ablegen konnte. Parallel

lief guter Worship. Ich saß weinend am

Boden. Eine Frau kam zu mir, während

die Band spielte: „… it is well with my

soul“ – es wird gut mit meiner Seele. Sie

schrieb mir in wunderschöner Schrift

diese Worte auf einen der Zettel. Das

bewirkte etwas in mir. Mit jedem Impuls

fühlte sich mein Herz leichter an – am

Ende der Konferenz war ich völlig frei in

Jesus. Das hatte ich noch nie erlebt!

Seither bin ich frei. Und oft kommt

bei mir jetzt die starke und mutige junge

Frau durch. Für die neugewonnene

Freiheit bin ich Jesus sehr dankbar. Er

hat mich verändert. Klar ist heute immer

noch nicht alles perfekt in meinem

Leben, aber eines darf ich wissen. Selbst

wenn die ganze Welt gegen mich wäre

und mich im Stich lassen würde – es gibt

immer jemanden, der bei mir ist: Jesus!

Er hat mein steinernes durch ein liebendes

Herz ausgetauscht.

www.DMGint.de/Jahresteam

Das ist das Motto von

Centro di Radiodifussione

Cristiana, unseres italienischen

Radiosenders. Als vor 60 Jahren

das erste Programm on air ging,

waren die technischen Möglichkeiten

völlig anders. Die gute

Botschaft von Jesus Christus ist

dieselbe; damals wie heute gibt

sie Menschen Hoffnung. Deshalb

setzen wir alles daran, dass unser

Sender auch im 21. Jahrhundert

mit komplett neuer Technologie

vielen Leuten Gottes Liebe ins

Haus trägt.

Heute kann man uns übers

Internet hören, weit über Italien

hinaus. Carmine empfängt unsere

Sendungen in Belgien und freut

sich über Gedankenanstöße.

Ruben in Argentinien macht in

seinem Bekanntenkreis tüchtig

Werbung für unsere Programme.

Armando in Brasilien hört gerne

unsere Botschaften in seiner Muttersprache.

Gianni, ein Rentner

im Ruhrpott, freut sich, biblische

Sendungen in seiner Herzenssprache

zu empfangen. Er hat

sich neu Gott zugewandt …

Interessanterweise melden

sich auch Hörer, die aus anderen

Ländern nach Italien eingewandert

sind. Ria stammt aus

Jonny und Anke Wiegers

P10826

Afrika und hat hier eine Familie

gegründet. Sie versteht manches

in der Kultur nicht und schrieb:

„Seit drei Jahren freue ich mich an

euren Programmen. Das kam so:

Ich war niedergeschlagen, wusste

nicht, wem ich mich anvertrauen

konnte und bat Gott um Hilfe.

Als ich auf meinem Handy Musik

suchte, fand ich zufällig eure

christlichen Sendungen. Seitdem

hör ich euch fast jeden Tag.“

Wir haben öfter miteinander

telefoniert. Ria ist gläubig, hatte

aber keinen Gemeindeanschluss.

Die Afrikanerin hatte immer das

Gefühl, wegen ihrer Hautfarbe

nicht willkommen zu sein. Wir

brachten sie mit einer Gemeinde

an ihrem Wohnort in Kontakt. Sie

gingen aufeinander zu, mittlerweile

fühlen Ria und ihre Kinder sich

gut aufgehoben in der Gemeinde.

Sie betet, dass auch ihr Mann

eines Tages dazufindet.

Kurze Welle – Mittelwelle –

UKW – Internetradio – Social

Media – die Entwicklung geht

rasant weiter. Wir suchen dringend

Mitarbeiter und einen neuen

Leiter und sind weiterhin dankbar

für Ihre Unterstützung. Herzliche

Grüße aus bella Italia!

Postkarten-Kalender 2019

„Italienische Momente“

(15x16 cm)

Begleiten Sie Ehepaar Kröckertskothen

nach Italien.

Die Fotos und Kurzandachten

haben Stil und Tiefe.

Jetzt bestellen:

Tel.: 07265 959-0

Buecher@DMGint.de

19


EUROPA

KROATIEN

Da flog ihr ein

Neues Testament entgegen

Katica wächst in einem kleinen

Dorf auf. Mit der Mutter geht sie

sonntags in die Messe und ist fasziniert

von den vorgelesenen Worten aus dem

großen Buch. Sie möchte wissen, wie

die Geschichten von Jesus weitergehen.

Eines Tages nimmt sie all ihren Mut zusammen

und fragt den Priester, ob er ihr

so ein Buch leihen könne. Unfreundlich

erwidert er, dieses Buch sei nur für die

Kirche. Katica ist traurig und will nicht

mehr in den Gottesdienst gehen.

Sie wird älter und wechselt aufs

Gymnasium. Auf dem Schulweg muss

Katica jeden Tag zu Fuß eine Autobahn

überqueren. Eines Morgens steht sie am

Rand der Fahrbahn. Ein Auto fährt heran,

das Fenster heruntergekurbelt, und

der Mann auf dem Beifahrersitz wirft ihr

aus dem fahrenden Wagen ein Buch zu.

Sie fängt es auf und ist begeistert: „Das

Buch, aus dem in der Kirche vorgelesen

wird!“ Heimlich beginnt sie noch in der

Schulstunde unterm Schreibpult zu lesen.

Das Neue Testament wird zu ihrem

Lieblingsbuch. Soviel wie möglich liest

sie fortan darin.

Der Physiklehrer ist weniger begeistert.

Weil sie seine Fragen nicht

beantworten kann, verpasst er ihr eine

Sechs. Diese Note muss sie verbessern

und müht sich deshalb die ganze Woche

mit den Newtonschen Gesetzen ab. In

der nächsten Physikstunde traut sie sich,

was kein Schüler bisher gewagt hat. Sie

bittet den Lehrer, abgefragt zu werden.

Erstaunlicherweise geht er darauf ein

und quetscht sie erbarmungslos aus.

Katica kann antworten. Sie weiß mehr,

als sie gelernt hat. Der Lehrer staunt

und Katica ist überzeugt, dass Gott

selbst ihr geholfen hat.

Einige Jahre später zieht sie fürs Studium

nach Zagreb. Voller Freude sieht sie

bei ihrer Vermieterin das gleiche Buch

liegen wie ihres damals von der Autobahn.

Die Vermieterin

nimmt sich ihrer an und

gemeinsam lesen sie die

Bibel. In Zagreb lernt

Katica auch die zwei

Männer aus dem Auto

von damals kennen. Sie

erfährt, dass die beiden

sich sogar gestritten hatten während der

Fahrt. Im kommunistischen Jugoslawien

war es verboten und gefährlich, christliche

Literatur zu verteilen. Der Beifahrer

jedoch hatte so stark den Eindruck, dass

er diesem Mädchen das Neue Testament

Im kommunistischen

Jugoslawien war es verboten

und gefährlich,

christliche Literatur zu

verteilen.

zuwerfen sollte. Also hat er es einfach

getan.

Inzwischen ist Katica Lehrerin und

prägt das Leben vieler Schüler. Ihre

Tochter Andreja ist ebenfalls gläubig und

bringt sich in der Gemeinde, unserem

Frauenfrühstück und in der Jugendarbeit

ein. Die meisten Gemeinden in Kroatien

sind klein und es gibt wenig junge

Christen. „Wie ermutigend wäre ein

überregionales Treffen für junge Leute“,

überlegt Andreja.

Sie wagt es, das erste große Jugendtreffen

in Zagreb zu organisieren. Von

ganz Kroatien strömen junge Christen

nach Zagreb und sind begeistert. Jedes

Jahr werden die Treffen

größer. Inzwischen

wollen die Jugendlichen

Menschen konkret

helfen: Armen, Kranken,

Einsamen und allen, die

Jesus noch nicht kennen.

Was für ein Segen für

Zagreb und für die Teilnehmer aus dem

ganzen Land. All das hat begonnen, weil

ein mutiger Mann im richtigen Moment

auf Gottes Stimme gehört und aus dem

Auto heraus einem Mädchen ein neues

Testament zugeworfen hatte.

Frank und Angelika Bosch

20 P10070

DMG-informiert | 4 | 2018


07265 959-100

Gott weitet

deinen Raum

Herbstmissionsfest

23. September 2018 ab 10 Uhr // Buchenauerhof

10 Uhr: Festgottesdienst

Mit dem Team der Straßenkinderarbeit Safina

aus Tansania. Predigt: Direktor Günther Beck

12 Uhr: Begegnung

Missionsausstellung, Mittagessen, Gebet

Ab 12.30 Uhr: Missionare live

Missionsvorträge aus aller Welt

15 Uhr: Forum Mission

Predigt: Stellv. Missionsleiter Andrew Howes

TeenTREFF

Mit Lichthaus Jugendgottesdienst

sowie Sabina Höll und Tabea Winarske

Spielstraße und Kinderfest mit

Liedern, Spaß und guter Botschaft

Musik:

Posaunenchor der Ev. Kirche

Schmalfeld mit Achim Werner

Übersetzung in Englisch und Arabisch

Eine Scheune,

viele Gebete

Herzlichen Dank, dass Sie

mit uns um Weisheit für

die riesige, rund 160 Jahre alte,

denkmalgeschützte Scheune auf

dem DMG-Gelände beten. Es

gibt schon etliche Ideen, aber

noch kein langfristig tragfähiges

Konzept.

Weitere Magazine dieses Users