Sachwert Magazin 4-2018

sachwertmagazin

DIRK MÜLLER: Machtbeben, Wie man die weltweiten Zusammenhänge in Wirtschaft und Politik erkennt
ALTERSVERSORGUNG: 5 Mythen
SOCIAL INVESTMENT: Geld mit gutem Gewissen
RISIKO PROFILING: Welches Risiko passt zu mir?

Nr. Nr. 04 04 | l 2018 www.sachwert-magazin.de

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5 Mythen

der Altersversorgung

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Müller

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SOCIAL

INVESTMENT

Geld mit gutem

Gewissen

RISIKO

PROFILING

Welches Risiko

passt zu mir?

04

4 192358 003904

SD

Dirk Müller

Machtbeben

Wie man die weltweiten

Zusammenhänge in Wirtschaft

und Politik erkennt

RONALD STÖFERLE

Kryptowährung

DIRK MÜLLER &

GERALD HÖRHAN

Investment heute

04

MARC FRIEDRICH &

MATTHIAS WEIK

Euro am Ende

4 192358 003904

BILD CASHKURS/MÜLLER

Bilder: Friedrich & Weik, Stöferle, Investment Punk Akademie, Müller, Müller


Inhalt

6

16

Bilder: Cashkurs.com, Privat

Dirk Müller: Machtbeben - Größte

Weltwirtschaftskrise aller Zeiten nah

Andreas Kroll: Rücksetzer bei Rohstoffen

und Edelmetallen - Kaufen?

Inhalt 04/2018

5 Editorial Editorial von Julien Backhaus

Wissen

6 Dirk Müller: Machtbeben

10 Lothar Schmidt:

Risikoprofiling von Anlegern

Rohstoffe

16 Andreas Kroll: Rücksetzer bei Rohstoffen

und Edelmetallen - Kaufen?

Sachwerte

20 Deutscher Sachwert Kongress 2018

Investment

22 Gutes Gewissen dank Social Investment

26 Wohnraumbedarf längst nicht gedeckt

27 Matthias Schmidt:

Geldanlage für Renditejäger

Recht

28 Helge Norbert Ziegler:

DSGVO - Was Sie darüber wissen

Vorsorge

30 Thomas Hennings:

Die fünf Mythen der Altersversorung

Impressum

Sachwert Magazin ISSN 2197-1587

Redaktion

Waffensener Dorfstraße 54, 27356 Rotenburg

Tel: (0 42 68) 9 53 04-91, Fax: 9 53 04-92

E-Mail: redaktion@sachwert-magazin.de

Chefredakteur (V.i.S.d.P.) Julien Backhaus

Redakteurin und Satz Martina Schäfer

Expertenbeirat Thomas Hennings

E-Mail: info@backhausverlag.de

Verlag Backhaus Verlag

Herausgeber, Verleger Julien D. Backhaus

Waffensener Dorfstraße 54, 27356 Rotenburg

Telefon (0 42 68) 9 53 04-91

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SACHWERT MAGAZIN 4/2018 3


neu

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Editorial

Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem

inneren Wert zurück. Null.

Voltaire, 1694 - 1778

Julien Backhaus

Verleger

Editorial

Liebe Leser,

Wer kann heute noch sicher sagen, was richtig und was falsch ist. Immer mehr

driften wir in eine Richtung, in der nur noch die eigene Wahrheit gilt. Denn wie

Dirk Müller in seinem neuen Buch „Machtbeben“ schreibt, ist es so gut wie

ausgeschlossen, die „richtige“ Wahrheit zu erkennen. Zu viele Faktoren beeinflussen

mittlerweile die globale Meinungsbildung. Kriege und Konflikte – ob

nun mit Geld oder Waffen geführt – lassen sich nicht mehr eindeutig diesem

oder jenem Aggressor zuordnen.

Das hat auch den Anlegern große Probleme bereitet. Gewohnte Analysen oder

Gesetzmäßigkeiten lassen sich kaum noch an den Finanzmärkten anwenden.

Politik greift immer Stärker in die Marktregulierung ein, und verzerrt somit die

Realität. Wo längst hätte ein reinigendes Gewitter stattfinden sollen, werden

diese Mechanismen mit politischen Einflüssen manipuliert und Krisen in die

Zukunft verschoben. Experten warnen, dass dadurch nur die Fallhöhe steigt.

Ergo: Die Krisen der Zukunft werden um einiges schlimmer, als hätte man sie

peu a peu zugelassen.

Dirk Müller ist ehrlich in seinem neuen Buch – auch mit sich selbst. Er sieht ein,

dass es heute kaum mehr möglich ist, die eine Wahrheit zu erkennen. Vielmehr

geht es darum, Tendenzen zu erkennen und seine eigenen Quellen heranzuziehen.

Und trotzdem kann es sein, dass er sich durch neue, bessere Argumente

überzeugen lässt und Meinungen ändert. Diese Größe haben nur leider die

wenigsten Experten, was dazu führt, dass Experten – auch in den Medien –

stur einem Stigma folgen und dieses als Wahrheit verbreiten. Dasselbe gilt für

Medien. Nur weil sie Informationen verbreiten, müssen es nicht die richtigen

sein. Auch sie beziehen sich nur auf Quellen. Und wir sehen immer öfter, dass

man für beide Seiten der Medaille seriöse Quellen findet. Die Pole der Wahrheit

sind entstanden.

Bild: Wilkens

Intelligente Strategien

für Ihre sichere Zukunft

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schlägt

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In der Historie haben nur die Anleger ihr Vermögen

sichern können, die nicht in bedrucktes

wertloses Papier investiert haben, sondern in

Sachwerte, die nach bestimmten Ereignissen immer

noch einen inneren bzw. einen Tauschwert

aufweisen konnten. Unsere Konzentration liegt

ausschließlich in der Konvertierung von Papier- /

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schadlos durch die Finanz- und Wirtschaftskrise

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Makroökonomische Aufklärung über das Finanz- & Geldsystem

Vermögenssicherung durch physische Sachwerte

Erbschafts- und Schenkungssteuerlösungen

Vermögenstransfer in die nächste Generation

Internationale Stiftungskonzepte

Es ist zu unser aller Aufgabe geworden, Informationen mit der nötigen Vorsicht

zu konsumieren und die Wahrheit zu akzeptieren, die uns selbst am meisten

logisch erscheint. Denn auch das Kollektiv muss nicht recht haben – was Börsen

schon lange bezeugen können.

Herzlichst, Ihr

Julien Backhaus,

Verleger

Rockwinkeler Landstraße 5

28355 Bremen

Telefon (0421) 36 49 75 22

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SACHWERT MAGAZIN 4/2018 5


Wissen

Machtbeben

Die Welt steht vor der größten

Wirtschaftskrise aller Zeiten

Die täglichen Berichte aus Politik und

Wirtschat wirken oft wie zusammenhangslose

Schnipsel, die in ihrer Bedeutung

nur schwer einzuschätzen sind.

Zum einen fehlen uns oft der tiefere

Hintergrund und die Details zu dieser

oder jener Meldung, vor allem aber fehlen

uns die Anschlussstücke zu diesen

Puzzleteilen. Wenn wir die Schachtel

eines Puzzlespiels öffnen und ein einzelnes

Stück herausnehmen, sehen wir

zwar seine Umrisse und ein irgendwie

aufgedrucktes Muster, können aber

nichts damit anfangen, egal wie intensiv

wir dieses eine Teil studieren. Erst

wenn wir weitere Teile in dem großen

Haufen finden, die sich mit dem

ersten Stück zusammenfügen lassen,

ergibt sich etwas mehr Sinn. Je mehr

zusammenhängende Teile wir im Laufe

der Zeit finden und in der richtigen Anordnung

zusammenfügen können, desto

eher erkennen wir das gesamte Bild. Die

Welt aus Politik und Wirtschaft müssen

wir uns als ein solches Puzzlespiel mit nahezu

unendlich vielen Teilen vorstellen.

Zumindest sind es so viele Teile, dass niemand

im Laufe seines Lebens in der Lage

sein wird, sie alle zusammenzutragen,

um das eine, einzig korrekte und umfassende

Bild zu erkennen. Dennoch hängt

unser Verständnis maßgeblich davon ab,

dass wir zumindest die wichtigsten und

für uns aktuellsten Elemente erkennen,

verstehen und in einen Zusammenhang

bringen, mit dem wir etwas anfangen

können.Daher ist dieses Buch der

Versuch, dem geneigten Leser meine

Erfahrungen und Sichtweisen auf

Bild: Cashkurs.com, Cover: Heyne

6

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Wissen

Auszug aus dem Buch

„Machtbeben“ von Dirk Müller

erschienen am 27.08.2018

im Heyne Verlag

ISBN: 978-3-453-20489-8

„Mr. Dax“ Dirk Müller,

Finanzexperte

die Zusammenhänge und Hintergründe

dessen näherzubringen, was

aktuell und in naher Zukunft

in jenen Bereichen von Politik

und Wirtschat geschieht,

die direkten Einluss auf unser

derzeitiges und künftiges

Leben haben. Erst im Zusammenhang

der einzelnen Puzzleteile

ergibt sich ein Gesamtbild

unserer Umgebung. Und

nur wer dieses Gesamtbild erkennt, ist in

der Lage, die Dinge korrekt zu beurteilen.

Nur wer die gegenwärtige Situation

und die zukünftige Entwicklung richtig

einschätzt, vermag sich darauf einzustellen

und den für sich richtigen Weg

einzuschlagen.Die meisten Sachbücher

beschäftigen sich auf vielen Seiten sehr

intensiv mit einem einzigen Puzzlestück

und beschreiben dieses von allen

Seiten und in allen Details. In der

Folge hat man dann sehr gute Kenntnis

von diesem einen Stück, aber es

hilft nicht weiter, wenn man nicht auch

die anderen Puzzlestücke kennt. Entsprechend

müsste man eine Unzahl an

Büchern lesen, Gespräche führen und

Nachforschungen anstellen, um jedes

einzelne Teil detailliert zu kennen und

dann mit seinen Nachbarelementen

zusammenzufügen – eine Lebensaufgabe.

Genau dies war ein wesentlicher

Teil meiner Tätigkeit in den mehr als 25

Jahren, die ich inzwischen in dieser Welt

aus Kapital und Politik verbringen durfte.

Nur wer einen Zusammenhang umfangreich

und im Detail kennt, ist in der Lage,

diesen auch auf die wichtigsten Elemente

hin zusammenzufassen. So könnte ich

Ihnen zahlreiche Puzzlestücke von allen

Seiten umfangreich beschreiben. Dann

hätten Sie am Ende des Buches eine

Handvoll Teile kennengelernt – und noch

immer würde Ihnen der Blick auf das

komplette Bild verschlossen bleiben.

Ich muss mich also entscheiden, ob ich

wenige Teile intensiv oder möglichst viele

Teile knapp, aber dennoch mit den wichtigsten

Informationen beschreiben will.

Ich habe mich für Letzteres entschieden:

»Wenn man etwas nicht

einfach erklären kann,

hat man es nicht verstanden.«

Albert Einstein

Ihnen lieber einen wesentlichen Teil

des Gesamtbildes vorzustellen, wie

es sich für mich

aus den mir vorliegenden

Informationen

ergibt.

Albert Einstein

sagte einmal sinngemäß:

»Wenn man etwas nicht einfach

erklären kann, hat man es nicht verstanden.«

Manches neue Puzzleteil mag irritierend

wirken, wenn es nicht sofort zu

unseren bisher als sicher geglaubten

Zusammenhängen passt. Doch wenn

man bereit ist, die eigenen bisherigen

Sichtweisen stets aufs Neue zu überprüfen

und infrage zu stellen und bereits

zusammengesetzte Elemente zu trennen,

wenn es neue Erkenntnisse gibt, die

mehr Sinn ergeben, dann hat man die

Chance, am Gesamtbild weiterzubauen.

Wer dagegen einst falsch zusammengesetzte

Teile nie mehr infrage stellt,

wird jedes neue Element ablehnen, nur

weil es nicht in das bisherige Weltbild

passt. Als zu Zeiten der Renaissance ein

gewisser Nikolaus Kopernikus mit seinen

Forschungen das neue Bild des Universums

entwarf, in dem sich die Erde um

die Sonne bewegte, statt umgekehrt,

traf ihn Hohn und Verachtung. Was

war passiert? Er hatte das bestehende

Weltbild der durchaus intelligenten

Menschen seiner Zeit, das Weltbild der

Obrigkeit und damit zugleich einen

wesentlichen Machtfaktor zur Diskussion

gestellt. Die einen konnten ihm gar

nicht recht geben, da ihre Macht davon

abhing, dass alles beim Alten blieb; die

anderen wollten ihm

nicht folgen, weil sie

nicht bereit waren, ihre

bisherige Sichtweise infrage

zu stellen und sie

mit aukommenden neuen

Ideen und Sichtweisen immer

wieder abzugleichen.

Sie verteidigten ihre Sicht

auf die Dinge um jeden

Preis.Etwas Ähnliches passiert auch heute

noch in allen Bereichen des Lebens:

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 7


Wissen

»Das eigene Weltbild –

auch meines – kann gar nicht

hundertprozentig korrekt sein.«

Ein neuer Mitarbeiter bringt neue Ideen

in den verkrusteten Arbeitsablauf eines

Betriebes, und die häuigste Reaktion

ist: »So ein Blödsinn, das haben wir

doch schon immer so gemacht.« Neue

Erkenntnisse beweisen, dass sicher geglaubte

politische Zusammenhänge der

Vergangenheit in einem völlig anderen

Licht gesehen werden müssen, und die

häuifgste Reaktion ist eine Ablehnung

dieser »Verschwörungstheorien«. Dabei

geht es gar nicht um die Prüfung und

Abwägung von Argumenten, sondern

um den verbissenen Versuch, das eigene

bislang als sicher angenommene

Weltbild nicht infrage stellen zu müssen.

In meinem letzten Buch, „Showdown.

Der Kampf um Europa und unser Geld“

(erschienen 2013), habe ich mich intensiv

mit den Erdgasvorkommen des

östlichen Mittelmeerraums beschäftigt.

Das Buch polarisierte in von mir ungeahnter

Weise. Einerseits wurde es ein

SPIEGELBestseller, und ich bekam großen

Zuspruch von vielen Lesern, andererseits

erbitterte Gegenwehr – meist von

Journalisten bekannter Häuser, die ihr

Weltbild gefährdet sahen und daher für

sich ausschlossen, dass meine Sicht korrekt

sein könnte. Ich hatte alle Behauptungen

mit nachprübaren Primärquellen

unterlegt. Ich hatte mit den Chefgeologen

des Griechischen Geologischen Institutes

gesprochen, mit der ehemaligen

griechischen Außenministerin, die mir

erklärte, dass nach ihren Kenntnissen

Griechenland auf ähnlich großen Gasvorkommen

sitze wie Libyen. Ich hatte

die geologischen Gutachten und sogar

die Werteinschätzungen in dreistelliger

Milliardenhöhe durch die Deutsche Bank,

London und die Royal Bank of Scotland

herangezogen. Dennoch sagte ein Journalist

eines namhaten Magazins zu mir:

»Ihre Quellen interessieren mich nicht,

ich halte das für Blödsinn.« Der Moderator

eines gleichfalls bekannten Fernsehformates

kommentierte meine oben

angeführten Quellen mit dem inzwischen

legendären Satz: »Die können Ihnen

alle ja viel erzählen, sind Sie denn

selbst hinuntergetaucht und haben das

überprüft!?« Das sind die Momente,

an denen man sich in die schwierigen

Zeiten der Aufklärung zurückversetzt

fühlt. Inzwischen ist die Tatsache, dass

es im östlichen Mittelmeerraum riesige

Gasfelder gibt, Allgemeinwissen: Handelsblatt

2013: »Schatz insel Zypern« 1

– Spiegel 2018: »Gas im Mittelmeer« 2 –

Reuters 2018: »Total, Edison get Greek

go-ahead for oil and gas exploration« 3

Vor wenigen Tagen – im Frühjahr 2018

erhielt ich folgende Zuschrift eines Lesers,

die ich mit seinem Einverständnis

hier wiedergeben darf: »Herr Müller.

Ich musste die letzten Tage ot an Sie

denken! Ich arbeite bei Siemens, Gasturbinen.

Wissen Sie, womit unsere ca.

15 Gasturbinen in den israelischen Kratwerken

laufen? Mit dem Gas aus dem

Gasfeld hier im Mittelmeer, für welches

Sie als ›Verschwörungs theoretiker‹ verspottet

wurden! Unser Projektleiter erzählte

gestern beim Essen auch davon,

wie gut die Gasqualität ist und wie super

unsere Turbinen hier laufen! Die

Verschwörungstheorie von gestern ist

die Nachricht von morgen. Liebe Grüße

aus Haifa, Israel.«

Im Mai 2018 gab der Vorsitzende der

Griechischen Gesellschaft zur Verwaltung

Fossiler Brennstoffe, Jannis Basias

bekannt, dass unter der Meeresoberfläche

südlich von Kreta so viel

Erdgas lagere, dass Griechenland bis zu

600 Milliarden Dollar innerhalb von

25 Jahren erwirtschaften könne. 4 Dennoch

habe ich großes Verständnis für

die kritischen Kommentare von damals

wie heute.

Neue Erkenntnisse

und Sichtweisen,

die der eigenen

bisherigen

Überzeugung

widersprechen,

sind für die meisten

Menschen schwer zu glauben und

verursachen ihnen großes Unbehagen.

Dann gehen sie nachvollziehbarerweise

den für sie angenehmeren Weg, die

neuen Aspekte abzulehnen, um ihr bisheriges

Bild nicht korrigieren zu müssen.

Sie empfinden das in der Regel als Fehlereingeständnis.

Etwas, das einem unangenehm

ist. Es ist, als würde man

im Beruf einen Fehler machen und

sich die Situation dann irgendwie so

zurecht argumentieren, dass man ja doch

irgendwie richtig gehandelt habe.Dabei

ist das gar nicht nötig. Es ist doch alles

vollkommen normal. Das eigene Weltbild

– auch meines – kann gar nicht hun-

8

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Wissen

»Ihre Quellen interessieren mich

nicht, ich halte das für Blödsinn.«

Bild: Depositphotos/curaheeshutter

dertprozentig korrekt sein. Es wäre ein

Zufall wie ein Lottogewinn, wenn die

eigene Weltsicht der absoluten Wahrheit

entspräche. Es gibt einfach zu viele

Elemente, zu viele Zusammenhänge. Ich

habe diese Einsicht für mich schon vor

langer Zeit gewonnen und stelle meine

Sichtweise immer wieder selbst infrage.

Ich freue mich natürlich, wenn

mir jemand meine Sicht der Dinge

bestätigt. Aber genauso freue ich mich,

wenn jemand mein Bild korrigiert. Wenn

er mir Argumente und Fakten liefert, die

mir helfen, mein fehlerhaftes Bild zu korrigieren

oder zu vervollständigen, ist das

ein großes Geschenk, für das ich gelernt

habe, dankbar zu sein. Nur wer

seine Sicht auf die Dinge immer wieder

hinterfragt, auf Fehler überprüft und vor

allem offen bereit ist, sie zu korrigieren,

hat eine Chance, sich der Wahrheit immer

weiter anzunähern. Das ist nichts Ehrenrühriges,

es ist die reinste und einzige

Form der Erkenntnisgewinnung.

1 http://www.handelsblatt.com/politik/

international/oel-und-gas-schatzinsel-zypern/

7756642.html

2 http://www.spiegel.de/politik/ausland/

gas-im-mittelmeer-streit-zwischen-tuerkei-undzypern-israel-und-libanon-a-

1193535.html

3 https://www.reuters.com/article/us-greeceenergy-exploration/total-edison-get-greek-goahead-for-oil-and-gas-exploration-idUSK-

CN1GC2D0

4 https://www.cashkurs.com/hintergrundinfos/

beitrag/griechenlandzeitung-berichtet-uebergipfeltrefen-zu-aussichtsreichen-energieprojekten/

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 9


Wissen

Risikoprofiling

von Anlegern

Wie finde

ich heraus ,

welches

Risiko zu mir

passt?

10

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Wissen

Auszug aus dem Buch

„Vermögensmanufaktur“

von Roland Eller und Markus Heinrich

Bild: Depositphotos/eedough, Bildmontage Martina Schäfer

Jede Finanzentscheidung ist mit Risiko verbunden.

Viele Anleger hingegen suchen

Sicherheit, ein Dilemma? Spätestens seit

der Finanzkrise und der damit einhergehenden

Nullzinspolitik der Notenbanken

ist offensichtlich: keine Rendite ohne Risiko.

Sogenannte »risikolose Anlagen« wie

Cash, Bankeinlagen oder Bundeswertpapiere

bieten nur geringe oder gar negative

Renditen. Wer Vermögen aufbauen oder

für das Alter vorsorgen möchte, braucht

Rendite. Selbst wer lediglich sein Kapital

erhalten möchte, braucht Rendite als

Kompensation für die Inflation, die ansonsten

seinem Geld die Kaufkraft entzieht.

Doch wie finden Sie heraus, welches Risiko

zu Ihnen passt?

Viele Kapitel in diesem Buch beschäftigen

sich mit den Kapitalmärkten und Finanzprodukten,

einige auch damit, wie man

das Risiko dieser Produkte und Strategien

misst. In diesem Beitrag schauen wir bewusst

in eine andere Richtung, auf Sie

als Anleger. Schauen wir nicht auf die

Dinge, die uns so stressen, wie Politik, Finanzmärkte,

Nachrichten oder was unser

Nachbar tut. Sondern konzentrieren wir

uns auf die Dinge in Bezug auf Risiko, die

wir selber beeinflussen. Das ist ein wichtiger

Schlüssel, stressfrei anzulegen.

Dazu werfen wir zunächst einen Blick auf

die Herausforderungen im Umgang mit

und in der Kommunikation zu Geld und

Risiko. Anschließend erfahren Sie, wie

professionelles Risikoprofiling Ihnen und

Beratern helfen kann, das richtige Risikomaß

für Ihre Bedürfnisse zu finden. Abgerundet

wird dies mit einigen Anregungen,

wie Sie als Selbstentscheider vorgehen.

2 Herausforderung im Umgang mit

Geld und Risiko

Lassen Sie uns zunächst einen Blick werfen

auf die wichtigsten Herausforderungen,

denen sich Anleger, aber auch

Berater gegenübersehen.

2.1 Die große Begriffsverwirrung

In der Anlageberatung fällt häufig der Begriff

»Risiko«. Doch was, wenn Sie darunter

etwas ganz anderes verstehen als Ihre

Gesprächspartner?

Werden Anleger gebeten, ein anderes

Wort für Risiko zu finden, fallen so unterschiedliche

Begriffe wie:

• Unsicherheit

• Gefahr

• Chance

• Nervenkitzel

Bei Beratern kommen technische Begriffe

hinzu, wie:

• Volatilität (Schwankungsintensität)

• Drawdown (Höhe des Absturzes vom

Höchstpunkt)

In einer Studie mit dem Titel »Die große

Risikoverwirrung« 1 beklagen die Autoren:

»Eine Hauptursache für die verheerenden

Auswirkungen der Finanzkrise war, dass

Anleger massiven Fehleinschätzungen in

Bezug auf das Risiko

von Kapitalanlagen

unterlagen. Dies lag

nicht zuletzt darin

begründet, dass fast

jeder hierunter etwas

anderes verstand.«

FAZIT: Wenn Sie mit

anderen über Risiko

sprechen, klären Sie,

was diese darunter

verstehen.

2.2 Mit Ungewissheit

leben

Gewissheit in Bezug

auf die Zukunft ist

eher die Ausnahme

im Leben. So können

wir mit Gewissheit sagen, dass die Sonne

morgen aufgeht, aber nicht, dass die Börse

morgen steigt. Risiko ist dadurch definiert,

dass sich dem Eintritt eines Ereignisses

eine Wahrscheinlichkeit zuordnen

lässt. Das ist beim Münzwurf (1:2) oder

Würfeln (1:6) der Fall.

Bei Ungewissheit ist bekannt, was alles

passieren kann, aber nicht mit welcher

Wahrscheinlichkeit. Das trifft auf die Börse

zu. An Finanzmärkten haben wir es vor

allem mit Ungewissheit zu tun. Sie macht

vielen Angst. Doch Ungewissheit herrscht

in vielen Lebenssituationen, beispielsweise

im Verkehr. Offensichtlich haben wir

gelernt, im Verkehr damit umzugehen.

Oder machen Sie sich ständig Gedanken

über das Risiko (richtiger die Ungewissheit),

wenn Sie mit Ihrem Auto fahren?

Was lernen wir daraus? Besteht eine hohe

Motivation, von A nach B zu kommen,

und sind wir an eine Situation gewöhnt,

fällt es uns leichter, mit Ungewissheit zu

leben. Warum sollte das bei Finanzen

nicht auch möglich sein? Coaches sprechen

von einer Ressource.

FAZIT: Wir können mit Ungewissheit leben

und lernen, damit umzugehen.

2.3 Geld und Projektion

Wir betrachten das Thema Risiko in Bezug

auf Entscheidungen zu Geld. Doch

was ist eigentlich Geld? Wir gehen täglich

»Die Qualität

des Lebens

hängt von

den Fragen

ab, die ich

mir stelle«

Tony Robbins

damit um. Geld ist uns derart vertraut,

so selbstverständlich, dass uns die Frage

irritiert. Wir denken nicht darüber nach,

ganz so, wie die Fische in dieser kleinen

Geschichte. Ein Hund am Fluss fragt zwei

vorbeischwimmende Fische: »Wie ist das

Wasser?« »Welches Wasser?«, fragen die

Fische.

Wer die Frage stellt, was Geld ist, der

wird überrascht sein,

wie viele unterschiedliche

Antworten er

erhält: »Tauschmittel,

Währung, Macht,

Luxus, notwendiges

Übel, Belohnung, ein

Fluch, Schmiermittel

der Wirtschaft,

Bewertungsskala,

Freiheit, Unabhängigkeit,

Sicherheit …«.

Probieren Sie es einmal

aus. Hätten Sie

gedacht, dass Ihre

Gesprächspartner

Geld so anders sehen

könnten als Sie? Wir

halten unsere Interpretation

von Geld für die Wahrheit. In

Wirklichkeit ist es eine Perspektive von

vielen.

Das bedeutet: Geld ist das, was wir glauben,

was es ist. Psychologen sprechen von

Projektion. 2 Wir projizieren unsere Ängste,

Hoffnungen und Sorgen auf Geld.

Da Geld abstrakt ist und allgegenwärtig,

bietet es sich als Projektionsfläche geradezu

an. Diesen Zusammenhang zu kennen

hilft, falsche Erwartungen zu vermeiden

und Enttäuschungen vorzubeugen. Viele

Menschen verbinden Geld mit Sicherheit:

»Wenn ich Millionär wäre, dann würde

ich mich sicher fühlen.« Die Erfahrung

zeigt, dass dies nicht aufgeht. Oder warum

treibt viele Millionäre die Sorge um,

ihr Geld wieder verlieren zu können? Der

Hoffnung auf Sicherheit folgt die Angst

vor Verlust. Ganz anders ergeht es Menschen,

die sagen können: Ich bin sicher,

mit und ohne Geld. Weil ich …

• bereits mehrere Krisen durchgestanden

habe,

• ein soziales Umfeld habe, das mich

stützt,

• gesund, gut ausgebildet und ideenreich

bin.

Wahre Sicherheit kommt von innen.

Nicht nur Geld ist Projektionsfläche, auch

viele Anlageobjekte lösen Projektionen

aus:

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 11


Wissen

• Immobilien: Die Immobilie ist Nachfolgerin

der Höhle, in der sich schon unsere

Vorfahren zu Urzeiten vor den Gefahren

der Umwelt zurückgezogen haben. Das

hat sich tief in unser kollektives Gedächtnis

eingebrannt. Kein Wunder, dass sicherheitsorientierte

Anleger Immobilien

schätzen.

• Gold: Menschen messen ihm seit Jahrhunderten

Wert zu. Lange Zeit war der

Wert von Währungen an Gold gebunden.

Es ist knapp und glänzend und schwer. Es

gilt als wertvoll.

• Diamanten: Sie sind umso wertvoller, je

reiner und geschliffener. Sie zieren Kronen

und verkörpern Exklusivität.

• Aktien: Aktienkurse schwanken stark.

Die Unternehmen dahinter liefern ständig

neue Nachrichten und Storys. Aktien werden

rege gehandelt. Sie gelten als spekulativ.

• Kapitallebensversicherungen: Sie werden

von Versicherungen angeboten, die

uns gegen Risiken absichern und vor

Schaden bewahren. Sie gelten als besonders

sicher.

Es ist gut, sich seiner Projektionen bewusst

zu sein. Viele Anleger sind fixiert auf bestimmte

Anlageobjekte und gehen hohe

Klumpenrisiken ein. Sie vernachlässigen

die wichtigste Grundregel in Bezug auf

Risiko, die Risikostreuung (Diversifikation.)

FAZIT: Wer seine Projektionen kennt,

kann bewusster entscheiden.

2.4 Verluste wiegen schwer

Wissenschaftler 3 fanden heraus, dass Verluste

doppelt so schwer wiegen wie Gewinne.

Daher versuchen wir, Verluste zu

vermeiden. Diese Verlustaversion führt zu

Denkfehlern (Dysfunktionale Kognition)

und Verhalten,

das uns schadet. Anleger neigen dazu,

Verluste laufen zu lassen und Gewinne

mitzunehmen. So beschneiden sie regelmäßig

größere Gewinnchancen und versäumen

es, Verluste zu begrenzen. Ein

Verhalten, das sich negativ in der Performance

bemerkbar macht.

Menschen, die im Alltag als Konsumenten

auf Preisrückgänge, Rabatte und

Schnäppchen mit erhöhter Kauflust reagieren,

verhalten sich als Anleger völlig

anders. Fallende Aktienkurse interpretieren

sie nicht als Gelegenheit, sondern als

Gefahr. Statt zu kaufen, verkaufen sie panikartig

aus Angst vor weiteren Verlusten.

Steigende Aktienpreise hingegen versetzen

sie in Kauflaune, während sie als

Konsumenten bei steigenden Preisen Zurückhaltung

üben. Verstärkt wird dieses

widersprüchliche Verhalten durch einen

ausgesprochenen Herdentrieb, dessen

Wurzel sich ebenfalls bis in die Steinzeit

zurückverfolgen lässt. Steinzeitmenschen

fanden in der Gemeinschaft Schutz. Anerkennung

in der Gruppe war existenziell.

FAZIT: Es zahlt sich aus, beim Anlegen

nicht dem ersten Impuls zu folgen, sondern

nachzudenken.

2.5 Zeitpräferenz: Belohnung sofort

Nicht erst seit dem berühmten Marshmallow-Test

4 von Walter Mischel ist bekannt,

wir Menschen mögen Belohnung

sofort. Belohnungsaufschub, wie beim

Sparen, fällt uns schwer. Es gibt sogar

eine mathematische Entsprechung, den

Barwert. Mittels der Barwertformel kann 5

berechnet werden,

was eine Zahlung in der Zukunft, im Vergleich

zur Zahlung sofort, wert ist. Um

langfristig Vermögen aufzubauen oder

für das Alter vorzusorgen, ist es notwendig,

auf Konsum heute zu verzichten zugunsten

einer ungewissen späteren Belohnung.

Doch umgekehrt gilt, wer nicht

frühzeitig spart, kann keine Vorsorge aufbauen

und er lässt die Kraft des Zinseszinses

ungenutzt.

Mischel beschreibt noch ein weiteres Phänomen.

Mithilfe eines funktionellen Ma-

Bild: Depositphotos/ArturVerkhovetskiy

12

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Wissen

gnetresonanztomografen sind Forscher

in der Lage, Gehirnströme zu messen. Sie

beobachten, welche Gehirnareale aktiviert

werden.

Bei einem Experiment 6 forderten Forscher

Probanden auf, über sich selbst, über andere

und über sich selbst in der Zukunft

nachzudenken. Das erstaunliche Ergebnis:

Im Gehirn läuft beim Nachdenken

über uns selbst in der Gegenwart etwas

anderes ab als beim Nachdenken über uns

selbst in der Zukunft. Denken wir über unsere

Zukunft nach, gleicht das eher dem

Nachdenken über Fremde. Es fällt uns offensichtlich

nicht leicht, uns mit unserem

Selbst in der Zukunft zu identifizieren. Wir

sind unserem Zukünftigen Selbst fremd.

FAZIT: Für die Zukunft zu sparen, kostet

Überwindung.

2.6 Verzerrte Wahrnehmung

Das Bild vom Menschen als rationalem

Nutzenmaximierer (Homo oeconomicus)

ist überholt. Auch die Finanzwissenschaft

hat erkannt, dass psychologische Faktoren

von großer Bedeutung sind. Ein eigener

Zweig, genannt »Behavioral Finance«,

beschäftigt sich mit dem Verhalten bei

Finanzentscheidungen. Es gibt eine große

Zahl an Denkfallen, die ich hier nur kurz

anreißen kann:

• Wir überschätzen den Wert der Dinge,

die wir besitzen (Besitzstandseffekt).

• Wir überschätzen die Bedeutung von Ereignissen,

die gerade passiert sind im Vergleich

zu früheren Ereignissen. Wir halten

Dinge eher für wahr, wenn wir sie wiederholt

hören. (Verfügbarkeits-Heuristik)

• Wir überschätzen seltene Ereignisse

(Terror, Crash) und unterschätzen schleichende

Prozesse (mangelnde Bewegung,

Inflation).

• Wir lassen uns von der Art der Darstellung

einer Sache beeinflussen (Ankereffekt,

Framing).

In Bezug auf Risiko bedeutet das: Unser

Risikoempfinden ist stark davon geprägt,

wie wir Risiko wahrnehmen. Das hält oftmals

einer objektiven Überprüfung nicht

stand. Wir tun gut daran, unserer eigenen

Wahrnehmung zu misstrauen und ihr

nicht unreflektiert zu folgen.

FAZIT: Handeln Sie überlegt und betrachten

Sie Ihr Risiko aus unterschiedlichen

Perspektiven.

Wie wir gesehen haben, ist es gar nicht

leicht, finanzielle Risiken richtig einzuschätzen.

Eine professionelle Sicht auf Risiko

ist daher nie einseitig.

3 Professionelles Risikoprofiling

Erst durch die Betrachtung aus verschiedenen

Perspektiven ergibt sich ein Gesamtbild.

Wie ein Profiler im Krimi aus

einzelnen Puzzlesteinchen ein Bild zusammensetzt,

so besteht auch professionelles

Risikoprofiling aus mehreren Schritten.

Es beantwortet die Frage: Welches Risiko

passt zum Anleger?

3.1 Das Risikoprofil

Im Leben ist es hilfreich, ein und dieselbe

Sache aus verschiedenen Perspektiven zu

betrachten. Das Risikoprofil setzt sich aus

vier Perspektiven zusammen. Zwei finanzielle,

rechenbare Größen und zwei psychologische

Faktoren.

Anlageziel

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass

die wenigsten Anleger konkrete Finanzziele

besitzen. Meist haben sie Sehnsucht

nach Sicherheit, Freiheit, Unabhängigkeit

oder Reichtum. Sie wünschen sich, unangreifbar

zu sein, Wohlstand und weniger

Stress. Es ist elementar wichtig, am Anfang

jeder Anlageüberlegung ein klares

Ziel zu formulieren. Nur so haben sie Orientierung

und Maßstab für ihre Entscheidungen.

Es lohnt sich, Zeit und Energie

zu investieren, ein Ziel zu finden und zu

definieren. Schon der römische Philosoph

Seneca 7 wusste: »Wer den Hafen nicht

kennt, in den er segeln will, für den ist

kein Wind der richtige.«

Erforderliches Risiko

Vermögensformel

Vermögen = Kapital x Rendite x Zeit

Wer ein Anlageziel (Vermögen) erreichen

möchte, hat drei wesentliche Stellschrauben.

Steht fest, wie viel er anlegen kann

(Kapital) und wie lange (Zeit), bleibt nur,

an der Rendite zu drehen. Da Rendite

unweigerlich mit Risiko einhergeht, stellt

sich die Frage: Welches Risiko muss der

Anleger mindestens eingehen, um sein

Ziel erreichen zu können?

Da Rendite eine Funktion des Risikos

ist, müssen Anleger, die eine bestimmte

Rendite benötigen, um ihr Finanzziel zu

erreichen, auch ein äquivalentes Risiko in

Kauf nehmen. Risiko und Renditen sind

unmittelbar miteinander verknüpft. Keine

Rendite ohne Risiko. Umgekehrt gilt das

leider nicht. Es gibt zwar Anlagen mit null

Rendite, aber keineswegs Anlagen mit

null Risiko.

Risikokapazität

Die Risikokapazität ist eine finanzielle Kategorie.

Sie beantwortet die Frage: Wie

viel Risiko kann sich der Anleger leisten,

ohne seine Anlageziele zu gefährden?

Mancher spricht auch von Risikotragfähigkeit.

Sollte Ihr erforderliches Risiko höher

sein als das tragbare, sollten Sie Ihr

Anlageziel überdenken. Gegebenenfalls

können Sie ein Stufenkonzept verfolgen

und zunächst ein Zwischenziel definieren.

Anlagehorizont

Der Horizont ist der Punkt, bis zu dem wir

blicken können. Der Anlagehorizont ist

die Dauer, für die ein Anleger gewillt ist,

eine freie Kapitalsumme in eine Anlage zu

investieren.

Es ist nicht nur notwendig zu wissen, wie

viel Euro Sie anstreben, sondern auch,

bis zu welchem Zeitpunkt. Liegt der Zeitpunkt,

wo Sie das Geld benötigen, noch

in der Ferne, gibt Ihnen dies die notwendige

Ruhe, Marktschwankungen auszusitzen.

Benötigen Sie hingegen kurzfristig

einen bestimmten Geldbetrag, der

Marktschwankungen ausgesetzt ist, gilt

es, Risiko zu reduzieren.

Finanzielle Risikobereitschaft

Die finanzielle Risikobereitschaft ist eine

von vier verschiedenen Arten von Risikobereitschaft.

Sie ist zu unterscheiden

von der:

– physischen Risikobereitschaft (Verletzungsrisiko)

– sozialen Risikobereitschaft (sich zur

Wahl stellen, auf die Bühne gehen)

– ethischen Risikobereitschaft (Eingriff in

die Natur)

Das bedeutet, dass eine hohe Risikobereitschaft

in einem anderen Bereich noch

nichts über die finanzielle Risikobereitschaft

eines Menschen aussagt.

Die finanzielle Risikobereitschaft stellt ein

relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal 8

dar. Geschehen keine gravierenden, prägenden

Ereignisse, bleibt sie über drei bis

fünf Jahre regelmäßig konstant. Sie ist

messbar in einem Persönlichkeitstest.

Risikobereitschaft

Risikobereitschaft ist definiert 9 als das

Ausmaß, in dem eine Person bereit ist,

negative Konsequenzen (Verluste) in Kauf

zu nehmen, um ein angenehmes Ergebnis

(Gewinne) zu erreichen.

Wahrgenommenes Risiko

Wie riskant eine Aktion einer Person erscheint,

hängt sehr von ihrer Wahrnehmung

ab und ist eine Frage der Bewertung.

Wie wir Risiko wahrnehmen, wird

stark beeinflusst von der Perspektive und

unterliegt, wie wir gesehen haben, Verzerrungen.

Wer Denkfehler vermeiden

möchte, dem empfehle ich, eine Nacht

über Entscheidungen zu schlafen oder

bewusst gedanklich einen Schritt zurück-

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 13


Wissen

Bild: Privat

zutreten und eine andere Perspektive zu

suchen.

3.2 Anforderungen an die Ermittlung

der finanziellen Risikobereitschaft

Die Ermittlung der finanziellen Risikobereitschaft

erfolgt in der Anlageberatung

durch Befragen des Anlegers. Dieser wird

gebeten, eine Selbsteinschätzung vorzunehmen.

In der Praxis erfolgt das oft

durch Ankreuzen vorgegebener Alternativen.

Wesentlich fundiertere Ergebnisse

erhalten Kunde und Berater mittels standardisierter

Risikoprofiling-Tests. Da die

finanzielle Risikobereitschaft ein psychologisches

Merkmal ist, kann sie durch einen

Persönlichkeitstest ermittelt werden. Die

Psychometrik – eine Querschnittsdisziplin

aus Psychologie und Statistik – entwickelt

Standards für valide und zuverlässige

Tests sowie deren Analyse. Ein Test

ist dann valide, wenn er genau das misst,

was er zu messen vorgibt. Der Anleger erhält

ein unmittelbares Feedback und eine

Einordnung seiner finanziellen Risikobereitschaft

im Vergleich zu einer möglichst

großen Stichprobe an Testpersonen.

Das Ergebnis ist kein fertiger Befund, sondern

idealerweise Ausgangspunkt eines

intensiven Gesprächs zwischen Berater

und Anleger. Die Auswertung soll zum

Nachdenken anregen und das gegenseitige

Verständnis fördern. Besonders wichtig

ist das Gespräch unter Partnern, wenn

Anleger gemeinsam Geld anlegen.

Im nachfolgenden Abschnitt erläutere ich

exemplarisch, wie ich vorgehe. Ich nutze,

wie viele Berater weltweit und mittlerweile

auch in Deutschland, den Risikoprofiling-Test

des australischen Anbieters

FinaMetrica. Ein Onlinetest mit 25 Fragen,

einer Datenbank mit weltweit über einer

Million Testpersonen und einer praktischen

Erfahrung von 20 Jahren. Der Test

wurde ursprünglich in Zusammenarbeit

mit der Universität von New South Wales

in Australien entwickelt und ist in sieben

Sprachen verfügbar.

3.3 Risikoprofiling im Beratungsprozess

am Beispiel

des FinaMetrica Risikoprofilings Der Risikoprofiling-Test

von FinaMetrica misst die

Lothar Schmidt ist

Inhaber von Lothar

Schmidt Finanzcoaching

in Landau i. d.

Pfalz. Er berät private

Kunden als Finanzcoach,

Finanzplaner

(CFP) und Honorar-Finanzanlagenberater

nach § 34 h GewO.

psychologische Dimension »finanzielle Risikobereitschaft«.

Das erforderliche Risiko

bzw. die Risikokapazität zu bestimmen,

ist Mathematik und bleibt Aufgabe des Finanzplaners.

Nachfolgend zeige ich einen

idealtypischen Ablauf mit einigen Leitfragen

und beschreibe die Schritte:

Einstieg in die Beratung

• Ich würde mich freuen, wenn Sie das Risikoprofil

vor unserem nächsten Gespräch

ausfüllen.

• Das Risikoprofil von FinaMetrica hilft

mir, Sie bestmöglich zu verstehen

und Sie bei Ihren Entscheidungen

optimal zu begleiten.

Der Anleger füllt den Test vorab

zu Hause am PC eigenständig

aus. Die Fragen des Tests sind

leicht verständlich. Dauer: 15–

20 Minuten. Der Anleger wird

zum Nachdenken über seine

Risikobereitschaft angeregt. Er

erhält eine unmittelbare Rückmeldung

in Form einer Auswertung

mit einer objektiven

Einschätzung seiner finanziellen

Risikobereitschaft. Nebeneffekt:

Der Anleger wird sofort ins Tun

gebracht und angeregt, über seine Rolle

als Entscheider nachzudenken. Seine Person

mit ihren Einstellungen steht im Mittelpunkt

des Prozesses.

Auswertungsgespräch

• Was waren Ihre Erlebnisse und Erfahrungen,

während Sie die Fragen gelesen

und beantwortet haben?

• Was haben Sie beim Lesen der Auswertung

erlebt, was war überraschend,

was war interessant?

• Was möchten Sie noch besser verstehen?

• Was sind Ihre ersten Erkenntnisse aus

dem Test?

Der Berater klärt Verständnisfragen des

Anlegers und hinterfragt die Antworten

des Anlegers. Dabei nicht zu werten, ist

der Schlüssel zu einem offenen Gespräch.

Punktzahl für die Risikobereitschaft. Die

finanzielle Risikobereitschaft aller Menschen

ist normalverteilt. FinaMetrica nutzt

eine Scala von 1 bis 100 und ordnet diese

sieben Gruppen zu. Interessant ist,

• ob und wie weit der gemessene Wert

von der Selbsteinschätzung des Anlegers

abweicht,

• welche seiner Antworten von typischen

Antworten in seiner Vergleichsgruppe abweichen,

• wie stark der Wert und die Antworten

von denen seines Partners abweichen (bei

Paaren).

Indem Partner einzeln befragt und ihre

Antworten anschließend gemeinsam besprochen

werden, werden Konflikte frühzeitig

aufgedeckt und angesprochen.

Die Parteien können dann unter Moderation

des Beraters bewusst nach einer

Lösung suchen, die allen Seiten gerecht

wird. Dies erfordert zwar soziale Risikobereitschaft

beider Seiten, Anleger wie Berater.

Es zahlt sich jedoch langfristig aus.

So ist sichergestellt, dass latente Konflikte

die Umsetzung einer erfolgversprechenden

Strategie nicht gefährden.

FinaMetrica ermöglicht einen Realitätscheck.

Im Test werden

Renditeerwartung, maximal

akzeptabler Verlust

oder bevorzugtes Musterportfolio

erfragt. Oft haben

Anleger widersprüchliche

Erwartungen, die nicht

gleichzeitig erfüllt werden

können. FinaMetrica liefert

umfangreiche, historische

Auswertungen von Portfolien,

die es ermöglichen, mit

dem Anleger die Anlage zu

simulieren. Quasi eine Art

Probefahrt mit den Daten

der Vergangenheit. Dabei ist zu beachten,

dass historische Daten zwar nützliche

Hinweise für mögliche Szenarien liefern,

jedoch die Zukunft nicht vorherbestimmen

können.

FinaMetrica unterstützt die Umsetzung

langfristiger Strategien, wie sie für Ziele

wie Vermögensaufbau und Altersvorsorge

charakteristisch sind. Um eine Strategie

erfolgreich umzusetzen, erfordert es

Disziplin und Durchhaltevermögen. Übersprungshandlungen,

wie Verkäufe oder

häufige Strategiewechsel, sind kontraproduktiv.

Sie passieren, wenn Anleger in

Panik geraten (zu hohes Risiko) oder sich

langweilen (zu geringes Risiko). FinaMetrica

zeigt »Komfortzonen« auf. Das sind

keine Kuschelecken, sondern vielmehr

Bandbreiten von Risiken, in denen die

höchste Wahrscheinlichkeit besteht, dass

Anleger durchhalten.

Ergebnissicherung und Umsetzung

• Finden Sie sich in den Testergebnissen

wieder?

• Sind Sie einverstanden, dass wir die Ergebnisse

des Tests und Ihren Risiko-Score

als Basis für Ihre Anlagestrategie nutzen?

Das Ergebnis des Gesprächs wird dokumentiert.

Die finanzielle Risikobereitschaft

ist, neben den finanziellen Kriterien, wichtige

Basis der Anlageentscheidung.

Ziel ist es, den Anleger durch Information,

Berechnungshilfen und Selbstreflexion

in die Lage zu versetzen, eine fundierte

Entscheidung zu treffen und ihn darin zu

unterstützen.

Bild: Depositphotos/Sernovik, Cover: FBV

14

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Wissen

Erfahrungsgemäß ist die Begleitung durch

einen Berater oder Coach wichtig, um

den Anleger auch ins Tun zu bringen. Die

konkrete Umsetzung ist quasi der Rubikon,

bei dessen Überschreitung das Risiko

spürbar wird.

Dauerhafte Begleitung

• Sie nehmen die aktuelle Marktsituation

als bedrohlich wahr. Wovor haben Sie

konkret Angst?

• Was hat sich durch die aktuelle Marktsituation

an Ihrer Situation (Anlagehorizont,

Anlageziel, Risikokapazität, finanzielle

Risikobereitschaft) verändert?

• Sie schauen täglich nach den Kursen

Ihrer Wertpapiere. Welche Gefühle löst

das bei Ihnen aus? Was stresst Sie? Wie

könnten Sie die Kontrolle behalten ohne

diesen Stressimpuls?

Die besondere Herausforderung besteht

darin, eine Anlageentscheidung nicht

auf Basis kurzfristiger Wahrnehmung zu

treffen. Objektivierbare Fakten wie Risikokapazität

und erforderliches Risiko sowie

das relativ konstante Persönlichkeitsmerkmal

finanzielle Risikobereitschaft bieten

ein solideres Fundament. Um langfristige

Anlageziele zu erreichen, braucht es eine

Strategie und deren erfolgreiche Umsetzung

erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen.

Ein erfahrener Berater an der

Seite des Anlegers sollte ihn darin bestärken

und helfen, seine langfristigen Ziele

im Fokus zu behalten.

4 So können Sie vorgehen

Für alle, die ohne Berater entscheiden, ein

paar spannende Fragen, über die nachzudenken

sich lohnt. Wenn möglich, erörtern

Sie diese mit einer Person, der Sie vertrauen.

Das könnte Ihr Partner, ein Freund

oder ein Coach sein.

4.1 Fragen zur Selbstreflexion

• Wofür ist mir Geld wichtig?

• Empfinde ich starke Gefühle (Verlangen,

Euphorie, Ängste, Abscheu), wenn es um

Geld geht?

• Was verstehe ich unter Risiko?

• Welche Erfahrungen habe ich gemacht?

Was schließe ich daraus?

• Was möchte ich konkret erreichen?

Definieren Sie Ihr Anlageziel nach der

SMART-Methode:

S spezifisch a Was genau?

M messbar a in Euro!

A attraktiv a Motiviert Sie Ihr Ziel?

R realistisch a Halten Sie Ihr Ziel für erreichbar?

T terminiert a Bis wann wollen Sie Ihr Ziel

erreichen? (Anlagehorizont)

• Habe ich einen guten Überblick über

meine Finanzen und verstehe ich die Zusammenhänge?

• Kenne ich meine finanzielle Risikobereitschaft

und die meines Partners?

• Ist mir bewusst, wie ich finanzielle Risiken

empfinde, und ist das gegebenenfalls

anders als bei anderen Risiken?

• Wie viel Risiko brauche ich, um mein

Anlageziel zu erreichen?

• Tipp: Unter www.zinsen-berechnen.de

finden Sie zahlreiche Tools, um Anlagen

zu berechnen.

• Wie viel Risiko kann ich vertragen, ohne

meinen Lebensstandard zu gefährden?

• Kennen Sie Ihre Ausgaben? Führen Sie

ein Haushaltsbuch? Tipp: Banken bieten

oftmals Tools zur Analyse der Kontoauszüge.

Sollten Sie die Antworten nicht alleine

finden, so helfen

• Finanzcoaches beim Nachdenken über

Geld

• Finanzplaner beim Überblick über Ihre

Finanzen (Vermögensbilanz, Risikoanalyse)

• Finanzberater bei der konkreten Anlageentscheidung

und Produktauswahl

4.2 Unnötige Fehler vermeiden

Fünf Punkte, die Ihnen helfen, die größten

Fehler zu vermeiden:

1. Treffen Sie Finanzentscheidungen nie

spontan (Reflexion).

2. Bedenken Sie die Auswirkungen Ihrer

Entscheidungen (Risikokapazität).

3. Verstehen Sie Ihre Situation und Ihre

Bedürfnisse (Finanzplan, finanzielle Risikobereitschaft).

4. Kaufen Sie nur, was Sie verstehen (Finanzwissen).

5. Bleiben Sie handlungsfähig (Liquidität).

Fazit Risikokompetenz

Unter Risikokompetenz versteht man die

Fähigkeit, informiert, kritisch und reflektiert

mit bekannten und unbekannten Risiken

umzugehen.

Wer stressfrei Geld anlegen möchte im

Klimawandel der Finanzmärkte, braucht

Risikokompetenz. Konzentrieren Sie sich

auf das, was Sie selbst beeinflussen,

und lassen Sie sich nicht vom »Nachrichten-Lärm«

der Finanzmärkte stressen.

Wenn Sie Ihr Risikoprofil kennen, haben

Sie eine solide Grundlage, Anlageentscheidungen

zu treffen.

1 Thielmann, Karl-Heinz/Svetlova, Ekaterina, Die

große Risikoverwirrung, 2013, Blog: Mit ruhiger

Hand.

2 Müller, Monika, Finanzcoaching für Unternehmer,

2013, 1.2.6 Geld als Projektionsfläche.

3 Kahneman, Daniel, Schnelles Denken, langsames

Denken, S.347.

4 Mischel, Walter, Der Marshmallow-Test, 2015 siehe

auch Videos zum Stichwort auf YouTube.

5 Barwertformel: www.wikipedia.org/wiki/Rentenrechnung

6 Ersner-Hershlield, Wimmer u. Knutson, 2009, Aufsatz

»Saving for the Future Self: Neural Measures if

Future Fi4 Mischel, Walter, Der Marshmallow-Test,

2015 siehe auch Videos zum Stichwort auf YouTube.

5 Barwertformel: www.wikipedia.org/wiki/Rentenrechnung

6 Ersner-Hershlield, Wimmer u. Knutson, 2009, Aufsatz

»Saving for the Future Self: Neural Measures

if FutureSelf-Continuity Predict Temporal Discounting«

in Social Affective Neuroscience 4, Nr.1.

7 Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad

Lucilium), 62 n. Chr. 71. Brief.

8 Gerans, Faff und Harret, Studie, 2015, Quelle: https://www.onefpa.org/journal/Pages/AUG16-The-Intertemporal-Persistence-of-Risk-Tolerance-Scores.

aspx

9 Gemäß DIN ISO 22222, Norm zur privaten Finanzplanung.

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 15


Rohstoffe

Rücksetzer bei Rohstoffen

und Edelmetallen

Sollte man bei diesen Preisen schon kaufen oder

greift man in ein fallendes Messer?

Dieser Frage wollten wir nachgehen und haben Andreas Kroll, Finanzmarktanalyst

für Rohstoffe und Geschäftsführer der Noble Elements GmbH, einer Metallhandelsgesellschaft

für Technologiemetalle, um ein Interview gebeten.

Die Eigentümer von Edelmetallen

können über die Wertentwicklung

bei Gold und Silber nur frustriert sein.

Mit den deutlichen Abschlägen am

15.08.2018 wurden die Tiefs von Januar

2017 getestet. Herr Kroll, die Inflation

zieht an, wir erleben Währungskrisen

von Yuan bis hin zur türkischen

Lira, ein unkontrollierter Brexit und

Handelskriege drohen, warum können

die Edelmetalle nicht profitieren?

Die eher monetären Edelmetalle Gold

und Silber sind immer dann stark, wenn

Zweifel an der Solidität des herrschenden

Währungssystems bestehen. Wie gut

Gold und Silber in Krisen funktionieren,

erleben gerade sowohl die türkische als

auch die venezolanische Bevölkerung.

Wohl dem, der Edelmetallbestände dort

besitzt. Jeglicher Kaufkraftverlust der hei-

mischen Währung, wurde in dieser, durch

die Preissteigerungen bei den Edelmetallen

ausgeglichen. Das heißt, der Goldpreis

stieg in den letzten zwölf Monaten in türkischer

Lira gerechnet um gut 50 % an.

Momentan wird der Dollar eben sehr

stark als sicherer Hafen wahrgenommen

und gekauft. Hinzu kommt, dass die FED

das Angebot an Dollar verknappt. Und

was knapp ist, wird teurer!

Sollten erste Anzeichen auf eine Konjunkturabkühlung

in den USA deutlich

werden, wird sich das Chartbild für Gold

aufhellen.

Sollte man also mit dem Kauf von

Edelmetallen noch warten, oder

schon zuschlagen?

Keiner kann den optimalen Zeitpunkt für

den Kauf oder Verkauf vorhersagen. Daher

bin ich auch ein Fan von Sparplänen,

denn dann verschiebt sich der Fokus von

der kurzfristigen Betrachtungsweise eines

Marktes, hin zu der Frage: Wo stehen die

Rohstoffpreise beispielsweise in 10 Jahren?

Aber ich gestehe, ich habe den Preiseinbruch

beim Silber Mitte August zum

Einkauf genutzt.

Bild: Kroll, Depositphotos/elf+11

Andreas Kroll,

Rohstoff-Experte von

Noble Elements

Sie sehen die Rohstoffpreise also zum

Jahresende höher stehen?

Bei den Edelmetallen bin ich mir ziemlich

sicher. Bei den Industrie- und Technologiemetallen

kann hingegen alles passieren,

von lähmender Seitwärtsbewegung

bis hin zu einem dynamischen Preisaufschwung.

Die Einkaufspreise der amerikanischen

Industrie ziehen stark an, zuletzt um gut

4 %. Das ist teilweise wohl schon den

Zöllen geschuldet. Das sollte sich kurzfristig

auf die Inflationsrate auswirken, die

in den USA bereits bei 2,9% notiert. Der

Spielraum der FED die Zinsen zu erhöhen

ist aber begrenzt, wenn sie die Welt nicht

in eine Rezession gleiten lassen will. So

16

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Rohstoffe

erwarte ich auch wieder eine negative

Realrendite in den USA – das sollte den

Edelmetallpreisen insgesamt Auftrieb verleihen.

Bei den Industrie- und Technologiemetallen

müssen wir die Entwicklung bei

den Handelskriegen im Auge behalten.

Sollten diese sich verschärfen, könnte

es schnell zu einer Abkühlung der Weltwirtschaft

kommen. Dieses Szenario ist in

Teilen bereits eingepreist. Kupfer notiert

derzeit gut 20 % unter seinen Hochs in

diesem Jahr.

Bei den Technologiemetallen

hingegen sind

die Preise kaum

zurückgekom-

men. Auf Jahresfrist stehen immer noch

satte Zuwächse von 20 % bis 33 % zu

Buche.

Zwei mögliche Szenarien, werden hier

vom Markt diskutiert: China und die USA

einigen sich und legen ihren Handelsstreit

bei. Der Markt würde aufatmen und zum

Tagesgeschäft zurückkehren. Die Preise

würden sich erholen. Aber bei einer Eskalation

der Auseinandersetzung zwischen

den USA und China, sehen viele Marktbeobachter

die Gefahr, dass China einfach

die Exporte für Metalle, bei denen es weltweit

wichtigster Lieferant ist, darunter

auch den seltenen Erden, in die USA beschränkt.

Ein Rohstoffembargo – Chinas

wohl schärfste Waffe in diesem Konflikt.

Die Preise würden wohl explodieren.

Ein australisches Minenunternehmen für

China sitzt auf auf großen Rohstoff - und

Metallreserven. Sollte es sich im Zuge der

Wirtschaftsstreitigkeiten zu einem Handelsembargo

gegen dir USA entschließen,

werden die Preise explodieren.

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 17


Investment

seltene Erden hält dieses Szenario für zumindest

so plausibel, dass sie bereits Teile

ihrer Produktion zurückhält und steigende

Preise abwartet.

Also sollte man auf Metalle setzen,

auf denen China ein Quasimonopol

besitzt? - welche wären das?

Bei den Technologiemetallen wären das

Indium, Gallium, Germanium und eine

Vielzahl an seltenen Erden. Aber ganz

ehrlich, dieser Ansatz, auf ein chinesisches

Embargo zu setzen, ist mir viel zu spekulativ.

In Technologiemetalle sollte man eher

langfristig investieren. Wie auch bei den

Edelmetallen, stelle ich mir eher die Frage,

wo werden die Preise in 10 Jahren wohl

stehen?

Was sind die Preistreiber? Wie entwickelt

sich das Verhältnis zwischen Angebot und

Nachfrage? Das löst uns von der kurzfristigen

Betrachtung von Preisentwicklungen

und sorgt allgemein für entspannte

Anleger.

Also setzen sie lieber auf langfristige

Trends und weniger auf gute Einstiegsmomente?

So kann man das nicht sagen. Ich glaube

der Zeitpunkt für ein Rohstoffinvestment

wäre jetzt nahezu perfekt, ja sogar alternativlos!

Ich habe ihnen einen aktualisierten

Chart mitgebracht, der den S&P 500

ins Verhältnis zu dem Commodity Index

setzt. In einer früheren Ausgabe ihres

Magazins, hatten sie diesen schon einmal

veröffentlicht. Dieser Chart sagt aus, dass

Rohstoffe im Verhältnis zu Aktien noch

nie so preiswert waren, wie heute. Rohstoffe

sind derzeit der unterbewertetste

Markt. Hätten sie heute 100.000 Euro zu

investieren, welchen Markt würden sie

bevorzugen, den der Aktien, oder den der

Rohstoffe?

Ohne Trump, wäre dieses Ratio vielleicht

schon längst etwas kleiner. Die gute

Weltkonjunktur, die weltweiten Ausgaben

in Infrastrukturprojekte und die Abkehr

vom Verbrennungsmotor sprechen

für steigenden Preise in diesem Sektor.

Diese Verzögerung bei der Preisentwicklung,

die wir gerade erleben, sind auf das

politische Handeln der Regierung Trump

zurückzuführen.

Der Rohstoffmarkt bietet für die kommenden

Jahre mehr Chancen als Risiken –

vielleicht ist es sogar „die“ Chance einer

ganzen Generation!

Unseren treuen Lesern ist es nicht

entgangen, dass sie im besonderen

Maße ein Fan des Technologiemetalls

Rhenium sind. Gibt es hier Neues zu

berichten?

In der Tat, dieses Metall mit seinen besonderen

physikalischen Eigenschaften

fasziniert mich. Anfang August haben

Wissenschaftler der Universität Bayreuth

Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die

absolut bemerkenswert sind. Demnach

kann eine Verbindung aus Stickstoff und

Rhenium achtmal soviel Energie speichern

wie der Sprengstoff TNT. Damit bietet sich

dieses Metall also auch für die Energiespeichertechnik

an.

Herr Kroll, danke für das Gespräch.

Grafik: Incrementum

Entwicklung des

Goldpreises in Lira/oz

Lira

8000

7000

6000

5000

September November Januar März Mai Juli

4000

18

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


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SACHWERT MAGAZIN 4/2018 19


Sachwerte

Deutscher Sachwert Kongress

Dialog der Sachwertbranche 2018 sorgte für

hoch zufriedene Teilnehmer

Von links nach rechts: Frank Neumann (Aureus Golddepot), Julien Backhaus (DSF-Verband),

Folker Hellmeyer (Solvecon Invest), André Wreth (Solvium), Jörg Walter (IVM)

Wie jedes Jahr luden die Vorstände des

Deutschen Sachwert- und Finanzverbandes,

Julien Backhaus und Thomas

Hennings, zum Deutschen Sachwert Kongress

ein. Dieser Einladung nach Kassel

folgte das Who‘s Who der Branche gern,

denn schließlich findet hier die große jährliche

Austauschplattform über die neuesten

Trends statt. Als Unternehmenspartner

des Events stellten die Firmen Solvium,

IVM, ProLife und Aureus Gold Depot ihre

Produkte und Neu inventionen vor. Ein

weiterer Fokus der Veranstaltung lag auf

Anlagetrends bei den Kunden. Für Makler,

die Interesse zeigten, ihr Produktportfolio

zu erweitern, wurden neue Optionen

vorgestellt und dabei die Möglichkeiten

der Zusammenarbeit mit den etablierten

Eventpartnern ausgelotet.

marktstratege mit zielsicherer Spürnase,

referierte über die derzeitige Lage an den

Kapitalmärkten. Dabei betonte er die

Wichtigkeit von realen Unternehmensinvestments.

Insbesondere ging er auf die

Bedeutung und Entwicklung von Gold

ein. Seine Argumente untermauerte er

mit einer fundierten Exkursion in die geopolitischen

Zusammenhänge. Er warnte

deutlich davor, die Sachlage zu einseitig

zu beleuchten und betonte, wie wichtig

es ist, immer auch ein Augenmerk auf

die Interessen der einzelnen Länder zu

haben.

Als ein weiteres Highlight des Kongresses

betrat Roger Rankel die Bühne. Als einer

der besten Vertriebstrainer in Deutschland

fand er vor allem große Aufmerksamkeit

bei Finanzmaklern und Finanzberatern. Er

stellte neue Ideen vor, sich als Makler zu

positionieren. Daneben stellte er Strategien

vor, die helfen, Neukunden nicht nur

zu finden, sondern auch langfristig zu bin-

Als Vortragsredner gab sich Folker

Hellmeyer von Solvecon Invest GmbH

(Bremen) die Ehre. Der Volkswirt, bekannt

als Finanzmarkt- und Kapitalden.

Einen besonderen Ansporn setzte er,

in dem er Techniken vorstellte, mit denen

sich Wow-Effekte schaffen lassen. Zuletzt

gab er seinen Zuhörern den Rat mit auf

den Weg, Alleinstellungsmerkmale zu

schaffen.

Die Veranstaltung wurde den hoch angesetzten

Erwartungen der Besucher wieder

einmal vollstens gerecht. Befragt nach

ihren Eindrücken von der Messe wurde

vor allem die tolle Stimmung und der mitgenommene

Mehrwert gelobt. Auf die

Frage, ob sie denn nächstes Jahr wiederkommen

wollen, gaben die Befragten in

klares Ja an. Außerdem möchten sie die

Veranstaltung weiterempfehlen, da sie

es für unabdingbar halten, am Puls der

Zeit zu bleiben und sich auf den neuesten

Stand zu bringen um das beste für

die eigenen Kunden anbieten zu können.

Schließlich bleibt nur der sicher im Sattel,

der sich selbst nachhaltig positioniert und

Erfolg hat.

Bilder: Christian Jüßt

20

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Sachwerte

Julien Backhaus, Vorsitzender, und Thomas Hennings, Stellvertretender

Vorstand des Deutschen Sachwert- und Finanzverbandes bei ihrer

Ansprache als Veranstalter des Deutschen Sachwertkongresses in Kassel.

Mit Folker Hellmeyer (links)

und Roger Rankel konnten

hochinteressante Gastredner

verpflichtet werden.

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 21


Investment

Gutes Gewissen dank

Social Investment

Investitionen in die Zukunft von Natur und Gesellschaft

Von Martina Schäfer

Die Schere zwischen Arm und Reich wird

Jahr für Jahr klaffender, und zwar nicht

nur irgendwo am anderen Ende der Welt,

sondern auch hier, im deutschsprachigen

Raum. Nicht etwa, dass „die Reichen“

im stillen Kämmerchen boshafte Pläne

schmieden würden, wie sie „den Armen“

einen Cent nach dem anderen abknapsen

und die geschundene Natur noch weiter

ausbeuten und verwüsten können. Nein,

der Fehler liegt im System der globalen

Marktwirtschaft – und in einer gewissen

Unsicherheit, die gewohnten Pfade

zu verlassen. Dabei würde eine Menge

wohlhabender Menschen sehr gerne dafür

sorgen, dass es auch anderen gut geht

und wenn nebenbei auch noch die Umwelt

geschont wird, ist das noch besser.

Wer wird nicht gern zum Helden? Aber

nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern

bitte durch nachhaltige Projekte. Gewusst,

wie und wo ist der Schlüssel.

Das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen

Entwicklung

In den letzten Jahren findet ein Umdenken

statt, das durchaus Grund zur Hoffnung

gibt, dass die Geiz ist geil-Mentalität

langsam aus der Mode kommt. Immer

mehr Menschen begreifen, dass es keinen

Weg am Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen

Entwicklung vorbei gibt, wenn wir

selbst und unsere Nachkommen weiter

in einem lebenswerten Umfeld mit heiler

Umwelt leben wollen. Mit den drei Säulen

sind gemeint:

Die ökologische Nachhaltigkeit, die eine

Lebensweise anstrebt, die die Natur und

die daraus gewonnenen Lebensgrundlagen

nur in dem Maß nutzt, wie sie sich

regenerieren können.

Die soziale Nachhaltigkeit geht davon aus,

dass nur dann dauerhafter Frieden und

Gewaltarmut innerhalb einer Gesellschaft

herrscht, wenn sich die sozialen Spannungen

in Grenzen halten und Konflikte

auf zivilem Niveau beigelegt werden können.

Gerade im derzeitigen politischen

Kontext zeigen sich die lauernden Abgründe

sehr deutlich.

Die ökonomische Nachhaltigkeit setzt

darauf, dass eine Gesellschaft nicht über

ihren wirtschaftlichen Verhältnissen lebt

und damit ihrer Nachkommenschaft die

Lebensgrundlage raubt. Also ist bei allem

wirtschaftlichen Handeln Frage im Hintergrund,

ob es auf diese Weise dauerhaft

betrieben werden kann.

Wie wir es wenden, wir leben nun einmal

nicht allein und die Menschheit und die

damit verbundenen Aufgaben wachsen

schneller denn je. Handeln ist gefragt!

Wohltäter mit nichtmonetären

Interessen

Aus diesen Grundgedanken haben sich

Soziale Beteiligungsgesellschaften entwi-

Bild: Depositphotos/imagex

Myanmar ist geologisch gesehen

ein reiches Land. Grob 90 Prozent

aller Rubine stammen auf Myanmar.

Auch Jade und Saphire werden

hier abgebaut. Metalle wie Gold,

Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Zink, Blei,

Antimon und weitere seltene Erden

und Industriemetalle stecken hier

im Boden. Obwohl der Staat darum

kämpft, den Abbau unter Kontrolle

zu bekommen, sind große informelle

und illegale Abbauten gang und

gäbe. Fehlende Sicherheitsvorkehrungen

und Kontrollen führen zu

schweren Umweltschäden und Unfällen.

Kinderarbeit, wie auf diesem Bild

zu sehen, in 12-Stunden-Schichten ist

keine Seltenheit. Bekämpfen lassen

sich diese Umstände am wirksamsten

von Käuferseite her.

22

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


ckelt. Ein Beispiel aus dem deutschsprachigen

Raum ist die BonVenture GmbH,

ein sozialer Venture Capital Fonds. Unter

der Flagge des sozial verantwortlichen

Risikokapitals unterstützt sie Sozialunternehmen,

Social Businesses und Social

Entrepreneurs unter der Bedingung,

dass diese die Lösung gesellschaftlicher

Probleme durch innovative, multiplizierbare

Konzepte zum Ziel haben. Im Falle

von BonVenture fällt für die Investoren

kein materieller Gewinn an, sondern Ziel

ist eine philantrope Förderung nach dem

Drei-Säulen-Modell.

Crowdinvestment im grünen Bereich

Wem der Sinn nicht nach so viel Wohltätigkeit

steht, findet auf Crowdinvestment-Plattformen

innovative Investitionsideen,

die noch dazu mit recht niedrigen

Einstiegsschwellen von 50 bis 250 Euro

pro Projekt auch für den Kleininvestor

interessant sind. Dazu gehören Energieeffizienzvorhaben

und

Ökostromprojekte,

teils im direkten

Lebensumfeld, wie

LeihDeinerStadt-

Geld GmbH aus

Mainz, Econeers

GmbH aus Dresden,

Green Vesting Solutions

GmbH aus

Usingen, bettervest

GmbH aus Frankfurt.

Mit „Wattpapieren“

von greenXmoney.com

werden

Forderungen auf künftige Erträge aus der

Stromproduktion von Windkraft- und Solaranlagen

gekauft. Aus den tatsächlichen

Erträgen bekommen die Schwarmanleger

später eine Rendite ausgezahlt.

Die Vielfalt der Unternehmensideen wie

verpackungsfreie Supermärkte oder die

Produktion kompostierbaren Einweggeschirrs

ist grenzenlos. Die Kiron University

zur Hochschulbildung für Geflüchtete,

Female Future Force Academy von Edition

F, die sich für Frauenbildung einsetzt, Bonaverde,

die Kaffeemaschinen mit Fairtrade-Bezug

der Kaffeebohnen kombiniert

oder Tado Cooling, eine ressourcensparende

Klimasteuerung, die erkennt, wo

sich der Hausbewohner befindet und nur

dort die Klimaanlage anwirft - all diese

sehr erfolgreichen Projekte wurden über

den Schwarm finanziert.

Ganz risikofrei ist Crowdinvestment allerdings

nicht. Die Crowdinvestment-Plattform-Betreiber

haben mit bis zu 14 Prozent

Beteiligung an den gesammelten

Geldern ein hohes Eigeninteresse, die Projekte

ins Rollen zu bringen. Dabei bleiben

oft Fragen, wie die der Unternehmensfinanzierung

außerhalb des Schwarms oder

„Nach mir die Sintflut“

hat uns gefährlich in

die negative Spirale von

Umweltkatastrophen und

menschlichen Tragödien

gebracht. Ein wenig mehr

Herz und Verstand beim

Investment würde Großes

bewirken, diese Spirale

umzukehren.

Investment

die Investitionsplanung, offen und sollten

beim Unternehmen selbst nachgefragt

werden. Geht das Projekt den Bach hinunter,

steht der Crowdinvestor als Geber

eines partiarischen Nachrangdarlehens

ganz hinten in der Reste-Verteilerkette

und bekommt meist wenig bis nichts zurück.

Fazit: Crowdinvestment kann man

machen, wenn man es sich leisten kann,

den Einsatz zu verlieren. Allerdings finden

sich derzeit auch nirgends sonst so

innovative und hoffnungsvolle Geschäftsideen.

Gold, das mit Umweltfreundlichkeit

glänzt?

Gold ist heute wie seit Tausenden von

Jahren eine konstant sichere Wertanlage

mit nur wenig Schwankungen. Es ist kein

Geheimnis, dass in der Goldförderung

Niedriglohnarbeiter und oft genug Kinder

im Kontakt mit gesundheitsschädlichen

Chemikalien schuften und dabei totes

Land schaffen, um

aus einer Tonne Stein

ein einziges Gramm

Gold zu gewinnen.

Eine umwelt- und

sozialverträgliche

Alternative zum neu

geschürften Gold

ist Recycling-Gold,

das aus Schmuck,

Altgeräten und Produktionsabfällen

gewonnen

wird. Eine

der dazu benötigten

Scheideanstalten betreibt

beispielsweise die Degussa AG.

Daneben ist auch Gold mit Fairtrade-Zertifikat

im Handel, das aus garantiert umwelt-

und menschenfreundlichem Abbau

stammt. Allerdings gibt es wenig davon auf

dem Markt, da wegen mangelnder Information

derzeit kaum Nachfrage besteht.

Banken mit sozialem Hintergrund

Wenn‘s ums Geld geht, hört oftmals alle

Skrupel auf. Nicht so bei extra entgegen

diesen Gedanken gegründeten Banken

wie etwa Steyler Bank Gmbh, Umwelt-

Bank AG aus Nürnberg, GLS Bank, Ethik

Bank, Evangelische Bank eG oder die

Bank für Kirche und Caritas eG. Hier wurde

der ethische Grundsatz schon in der

Gründung fest verankert.

Fazit:

Wer sein Vermögen „sauber“ investieren

möchte, findet reichlich Möglichkeiten

dafür, wenn er sich die meist nicht einmal

große Mühe macht, etwas mehr zu

recherchieren und Fragen zu stellen. Ob

Sie die Möglichkeiten nutzen, Ihr Geld

für eine gute Sache arbeiten zu lassen, ist

letztendlich eine Frage des Gewissens.

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 23

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Investment Anzeige

Agri Terra erobert Asien

Verkaufsprospekt in Deutschland,

in Hong Kong an die Börse?

Es tut sich so Einiges im Hause Agri Terra.

Die Firma mit Sitz im bayerischen Grasbrunn

bei München ist auf Agrar-Investitionen

im südamerikanischen Paraguay

spezialisiert, man gehört dort inzwischen

zu den größten ein Prozent der Rinderzüchter

und ist die Nummer Drei beim

Anbau von Orangen, Zitronen und Mandarinen.

In großen Gewächshäusern stellt

die Gruppe zukünftig Gemüse für paraguayische

Supermärkte her, und ab Jahresende

wird auch frisch gepresster Fruchtsaft

abgefüllt und landesweit vertrieben.

Die Firmengründer, die Brüder Carsten

und Michael Pfau, sind schon seit 1995 in

Paraguay geschäftlich aktiv, und seit 2012

bietet die Firma auch externen Investoren

in aller Welt eine Beteiligung am lukrativen

Agrargeschäft in Südamerika – mit

großem Erfolg.

„In Deutschland werden wir zwei unserer

Angebote nun den Behörden zur

Prospektbilligung vorlegen“, so Carsten

Pfau, Komplementär der Agri Terra KG.

Seit über einem Jahr arbeitet man in Grasbrunn

bereits an einem öffentlichen Ver-

kaufsprospekt, welcher unmittelbar nach

der Sommerpause den offiziellen Prüfstellen

eingereicht werden soll. „Wir sind rasant

gewachsen und unser Angebot wird

von mehr und mehr Investoren wahrgenommen.

Die Prospektierung und die Kooperation

mit der Aufsichtsstelle war da

der nächste logische Schritt“, so Carsten

Pfau weiter. Von einem öffentlichen Verkaufsprospekt

verspricht sich die Gruppe

auch weiteren Zugang zu institutionellen

Anlegern.

In Paraguay ist eine neue

Fabrik für die Produktion von

Saftkonzentrat in Planung,

um die Nachfrage nach

Orangensaft in Hong Kong

zu bedienen.

Bild: Depositphotos/belchonock/dedivan1923

24

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Anzeige Investment

Bilder: Depositphotos/lunamarina

Gutes Umwelt gewissen

und dabei hohe Erträge –

so geht Agrar-Investment!

Die Aktivitäten des innovativen

Agrar-Investors beschränken sich jedoch

schon lange nicht mehr nur auf

Deutschland. Neben einer nahaliegenden

Ausdehnug der Tätigkeit auf

die Nachbarländer Österreich und

Schweiz ist man inzwischen auch in

den USA, Mittelamerika und Asien aktiv.

Der asiatische Arm der Agri Terra Gruppe

hat sich zunächst im renommierten

Central District in Hong Kong niedergelassen,

jedoch schaut man bereits

nach China, Taiwan und Singapur.

Auch ein Börsengang ist nicht auszuschliessen.

„Man ist hier auf uns zugekommen

mit der Frage, ob wir mit unserem

Asien-Geschäft an die Börse in

Hong Kong wollen“, erklärt Pfau. Der

Prozess, um ein sogenanntes Listing zu

erreichen, ist zwar teuer und langwierig,

aber die Vorteile überwiegen. „Der

Gang an die Börse würde uns sozusagen

in die asiatischen Champions League

katapultieren, wir denken ernsthaft

darüber nach“, so Pfau. In die

Überlegungen spielt auch hinein, dass

man in den asiatischen Märkten den

Hauptabsatz für eine bereits geplante

Fabrik für Saftkonzentrat sieht.

Wachstum und Erfolg der Agri Terra

Gruppe erscheinen überwältigend. Auf

die Zukunft darf man gespannt sein.

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 25


Immobilien

Der Wohnraumbedarf ist

weiterhin nicht gedeckt

IW prognostiziert eine Bedarfslücke von

jährlich 380.000 Neubauwohnungen

Die Baufertigstellungszahlen sind nach

offiziellen Angaben des Statistischen Bundesamtes

in Deutschland im Jahr 2017 um

2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf

284.800 Wohnungen gestiegen. Gleichzeitig

sanken im vergangenen Jahr die

Baugenehmigungszahlen um 7,3 Prozent

380.000 Neubauwohnungen pro Jahr

sind nötig

Der geringe Anstieg der Baufertigstellungszahlen

zeigt, dass ein Ende der Wohnungsknappheit

nicht absehbar ist. Nach

Berechnungen des Instituts der deutschen

Wirtschaft (IW) müssten pro Jahr etwa

380.000 Wohnungen gebaut werden, um

den Bedarf zu decken. Zudem haben die

sinkenden Baugenehmigungszahlen zur

Folge, dass mit einem zeitlichen Abstand

von etwa zwei bis drei Jahren bis zur Fertigstellung

der genehmigten Wohnungen

die künftige Nachfrage nicht ausreichend

bedient werden kann. Ferner werden

nicht alle genehmigten Wohnungen tatsächlich

gebaut, was die Verfügbarkeit

an attraktivem Wohnraum in den stark

nachgefragten Ballungszentren weiter

einschränkt.

Immobilieninvestments bleiben des

Anlegers Liebling

Die Marktentwicklung lässt trotz steigender

Kaufpreise einen anhaltend hohen

Wohnraumbedarf in den Metropolregionen

erkennen. Damit bleiben die

Investmentchancen für Beteiligungen

mit Schwerpunkt Wohnimmobilienentwicklung

nachhaltig lukrativ. »Eine

Rendite von sechs Prozent und mehr

pro Jahr ist mit diesem Wertschöpfungsprozess

für den Anleger realistisch

erzielbar«, sagt Alexander Schlichting,

geschäftsführender Gesellschafter der

PROJECT Vermittlungs GmbH.

Bilder: Project Investment

auf 384.100 Wohnungen. Damit wurden

27.300 weniger Baugenehmigungen von

Wohnungen erteilt als im Jahr 2016. Wie

das Statistische Bundesamt außerdem

mitteilt, war damit die Zahl der genehmigten

Wohnungen erstmals seit 2008 niedriger

als im jeweiligen Vorjahr. Von 2008

bis 2016 sind die Zahlen kontinuierlich

gestiegen.

Eigenkapitalbasierte Beteiligungsangebote an deutschen Wohnimmobilienentwicklungen

wie der PROJECT Metropolen 18

stehen bei Anlegern hoch im Kurs.

Leistungsbilanz belegt Qualität

Beteiligungen sind beim neuen PRO-

JECT-Angebot Metropolen 18 ab

10.000 Euro Einmalanlage zuzüglich

fünf Prozent Ausgabeaufschlag möglich.

Als Privatanleger investiert man auf

diese Weise gemeinsam mit Tausenden

von Investoren in mehrere Immobilienentwicklungen

gleichzeitig. Die Rendite

entsteht durch den Verkauf der entwickelten

Wohnungen mit Fokus auf

Eigennutzer. Bei PROJECT kommt ausschließlich

Eigen kapital zum Einsatz –

eine Eigenschaft, die unabhängige

Analysehäuser wie Scope, TKL, Dextro

und der Branchenexperte kapital-markt

intern seit Jahren als entscheidenden

Stabilitätsfaktor benennen. Neben der

hohen Kompetenz durch den eigenen

Asset Manager PROJECT Immobilien,

der aktuell über 6.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten

in Deutschland und Wien

im Gesamtwert von rund 2,7 Mrd. Euro

entwickelt, gilt der makellose Track Record

der Franken als vorbildlich. Jedes Objekt

wurde bislang positiv abgeschlossen.

PROJECT belegt die Performance durch

eine testierte Leistungsbilanz, die jährlich

im Herbst veröffentlicht wird.

26

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Investment

Solide Geldanlage für

Renditejäger

Deutsches Wohnen bietet attraktive Zinsen

und Kurs-Chancen

Mit dem German Real Estate ETP kam am

20.04.2018 eine neue Immobilien-Anleihe

an den Markt. Sie profitiert von dem

dem Know-How eines exklusiven Family

Office, das auch Stiftungsgelder verwaltet.

Sachwert Magazin sprach mit Matthias

Schmidt, dem Geschäftsführer der

Sachwert Capital Management GmbH,

der Initiatorin und Promotorin.

Wie kam es zu Ihrer Entscheidung

eine Immobilien-Anleihe zu begeben?

Mit dem German Real Estate ETP haben

wir nun ein öffentliches und börsenhandeltes

Angebot nach deutschem Recht,

dass jedermann schon ab 1.000 € erwerben

kann. Der Wertpapierprospekt

erfüllt die neuesten Transparenzanforderungen.

Das German Real Estate ETP ist eine

Immobilien-Anleihe, die wie ein

Fonds gemanagt wird. Wie wirkt sich

das auf den Anlegerschutz aus?

Wir haben festgestellt, dass die Anleihe vor

allem bei Stiftungen und Privatanlegern

eine höhere Akzeptanz gegenüber Fonds

und Zertifikaten genießt. Die Veranlagung

der Anlegergelder erfolgt vollkommen

transparent – gemäß Wertpapierprospekt

– in ein diversifiziertes Wohnimmobilien-Portfolio.

Nachdem die Emittentin

ausschließlich das German Real Estate ETP

German Real Estate ETP

Emittentin

WKN / ISIN

Zielrendite /

Ausschüttung

Handel

German Real Estate Capital S.A.

A19 XLE / DE000A19XLE6

5 – 7% p.a.

mind. 3,00% p.a. Zinszahlung

Börse München

09:00 Uhr – 17:30 Uhr

Kontakt Tel. 0921 / 730 30 800

E-Mail:

Internet:

info@gre-etp.de

www.gre-etp.de

Matthias Schmidt (Mitte) bei der Invest Messe in Stuttgart

mit Wirtschaft TV-Moderator Mick Knauff (rechts)

und Sachwert Magazin-Verleger Julien Backhaus (links).

verwaltet, bilden die Anlegergelder faktisch

ein Sondervermögen. Das Management

kann zwischen verschiedenen Optionen

zur Besicherung auswählen.

Was unterscheidet Sie von offenen

Immobilien-Fonds?

Die höhere Flexibilität, eine höhere

Qualitätsorientierung und eine anlegerorientiertere

Verwaltung. Wir investieren

ausschließlich in marktgängige Wohnimmobilien.

Als Nischenanbieter

können wir fokussierter

und schneller als der

Mainstream investieren.

Die Erträge des German

Real Estate ETP werden

aus dem Cashflow und

nicht aus Bewertungen generiert.

Es bestehen keine

Mindesthaltefristen. Die

Anleihe kann täglich gehandelt

werden.

Wo befinden sich die

Immobilien?

Hauptsächlich in Ost- und

Süddeutschland. Es handelt sich ausschließlich

um Bestandsimmobilien. Vor

allem die Chancen in Ostdeutschland haben

wir frühzeitig erkannt.

Wie steht es mit den Renditeaussichten?

Die durchschnittliche Zielrendite liegt bei

fünf bis sieben Prozent jährlich, abhängig

von den jeweiligen Investitionen. Es erfolgt

eine jährliche Zinsausschüttung von

mindestens 3,00 Prozent, die aus dem

sogenannten „Stückzins topf“ gezahlt

werden. Die darüberliegenden Erträge

können entweder ausgeschüttet werden

oder in der Gesellschaft verbleiben

und somit den Kurs erhöhen, also eine

Thesaurierung.

Wie kann man das German Real Estate

ETP erwerben? Wann ist der ideale

Kaufzeitpunkt?

Jederzeit, denn die Anleihe entwickelt sich

unabhängig von den Kapitalmärkten. Entweder

an der Börse München oder direkt

bei der Emittentin. Die Emittentin stellt

verbindliche Kauf- und Verkaufskurse.

Bild: Sachwert Capital Management GmbH

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 27


Recht

DSGVO -

was Sie

darüber

wissen

sollten

Fortgeltung bisher erteilter Einwilligungen und

die Verwendung bisher gespeicherter Daten

Bilder: Depositphotos/SergeiNivens, Ziegler

Die DSGVO stellt darauf ab, dass die Verarbeitung

personenbezogener Daten,

auch bisher erhobener und gespeicherter

rechtmäßig sein muss.

In Gierschmann, Schlender, Stenzel, Heil,

Kommentar zur Datenschutz-Grundverordnung,

Ausgabe 218, wird unter Art. 7

Rz 134 folgendes ausgeführt:

„Einwilligungen gelten grundsätzlich unbefristet,

solange bis diese widerrufen

werden. Davon geht auch die Verordnung

aus, welche in EG 171 bestimmt, dass das

erneute Einholen einer Einwilligung nicht

erforderlich ist, wenn die Art der bereits

erteilten Einwilligung den Bedingungen

dieser Verordnung entspricht. Nach

einem Beschluss des Düsseldorfer Kreises

(s.u.) gelten demnach bisher erteilte (Alt-)

Einwilligungen fort, denn es sei davon

auszugehen, dass bisher rechtswirksam

erteilte Einwilligungen grundsätzlich diese

Bedingungen erfüllen. Insbesondere stelle

die Nichteinhaltung der Informationspflichten

nach Art. 13 nach Meinung der

Aufsichtsbehörden kein Wirksamkeitshindernis

dar.“

Welche Bedingungen an die Rechtmäßigkeit

der Einwilligungen gestellt werden,

ist in Art. 6 der DSGVO geregelt.

Im Einzelnen ist in Art. 6 der DSGVO

folgendes geregelt:

Die Verarbeitung ist nur rechtmäßig,

wenn mindestens eine der nachstehenden

Bedingungen erfüllt ist:

1. Die betroffene Person hat ihre Einwilligung

zu der Verarbeitung der sie betreffenden

personenbezogenen Daten für

einen oder mehrere bestimmte Zwecke

gegeben;

2. die Verarbeitung ist für die Erfüllung

eines Vertrags, dessen Vertragspartei die

betroffene Person ist, oder zur Durchführung

vorvertraglicher Maßnahmen erforderlich,

die auf Anfrage der betroffenen

Person erfolgen;

3. die Verarbeitung ist zur Erfüllung einer

rechtlichen Verpflichtung erforderlich, der

der Verantwortliche unterliegt;

4. die Verarbeitung ist erforderlich, um lebenswichtige

Interessen der betroffenen

Person oder einer anderen natürlichen

Person zu schützen;

5. die Verarbeitung ist für die Wahrnehmung

einer Aufgabe erforderlich, die im

öffentlichen Interesse liegt oder in Ausübung

öffentlicher Gewalt erfolgt, die

dem Verantwortlichen übertragen wurde;

6. die Verarbeitung ist zur Wahrung der

berechtigten Interessen des Verantwortlichen

oder eines Dritten erforderlich,

sofern nicht die Interessen oder Grundrechte

und Grundfreiheiten der betroffenen

Person, die den Schutz personenbezogener

Daten erfordern, überwiegen,

insbesondere dann, wenn es sich bei der

betroffenen Person um ein Kind handelt.

Daraus ergibt sich, dass nicht in jedem Fall

eine ausdrückliche Einwilligung vorliegen

muss. Es kann auch eine konkludent mündlich,

schriftlich oder in Textform erteilte

Einwilligung ausreichen, wobei der Verantwortliche

den Nachweis oder Beweis (hier

ist Verordnung unklar) erbringen muss.

Bisher erteilte Einwilligungen

Jetzt stellt sich die Frage, wie mit den bisher

erfassten Daten umzugehen ist.

1. Es bedurfte auch bisher schon nach

dem BDSG-alt einer Einwilligung zur

Verarbeitung personenbezogener Daten

(Stichwort: Datenminimierung). Diese

wurde, da kaum Strafen zu erwarten waren,

kaum beachtet.

28

SACHWERT MAGAZIN 4/2018


Recht

2. „Wild“ gesammelte Daten (Abschreiben

des Telefonbuches durch Chinesen,

Kauf der CD und Nutzen der Daten) war

bisher schon nicht mehr erlaubt.

3. Im Folgenden wird davon ausgegangen,

dass die personenbezogenen Daten

aus einer zuverlässigen Quelle stammen

und dies ggebenenfalls nachgewiesen

werden kann. Die Daten könnten z.B. aus

folgenden Gründen gespeichert worden

sein:

• Abschluss eines Vertrages

• Erteilung eines Auftrages

• Bekundetes Interesse an einer

Dienstleistung

• Bestellung einer Ware oder einer

Dienstleistung

• Eingehen einer Mitgliedschaft

• Aufforderungen zur Zusendung eines

Newsletters

• Kontaktanfrage und Bestätigung

in XING

Davon ausgehend, dass die Daten aus

einer zuverlässigen Quelle sind und erforderlichenfalls

deren Erhebung nachgewiesen

werden kann, ist der Beschluss des

„Düsseldorfer Kreises“ einschlägig.

Beschluss der Aufsichtsbehörden für

den Datenschutz im nicht-öffentlichen

Bereich (Düsseldorfer Kreis am

13./14. September 2016)

Fortgeltung bisher erteilter Einwilligungen

unter der Datenschutz-Grundverordnung

Bisher erteilte Einwilligungen gelten fort,

sofern sie der Art nach den Bedingungen

der Datenschutz-Grundverordnung entsprechen

(Erwägungsgrund 171, Satz 3

Datenschutz-Grundverordnung).

Bisher rechtswirksame Einwilligungen erfüllen

grundsätzlich diese Bedingungen.

Informationspflichten nach Artikel 13

Datenschutz-Grundverordnung müssen

dafür nicht erfüllt sein, da sie keine Bedingungen

im Sinne des genannten Erwägungsgrundes

sind.

Besondere Beachtung verdienen allerdings

die folgenden Bedingungen der Datenschutz-Grundverordnung;

sind diese

Bedingungen nicht erfüllt, gelten bisher

erteilte Einwilligungen nicht fort:

• Freiwilligkeit („Kopplungsverbot“, Artikel

7 Absatz 4 in Verbindung mit Erwägungsgrund

43 Datenschutz-Grundverordnung),

• Altersgrenze: 16 Jahre (soweit im nationalen

Recht nichts anderes bestimmt wird;

Schutz des Kindeswohls, Artikel 8 Absatz

1 in Verbindung mit Erwägungsgrund 38

Datenschutz-Grundverordnung).

Grundsätzliches über Speicherung

und Verwendung personenbezogener

Daten

Zwischen der Speicherung und Verwendung

von personenbezogenen Daten ist

zu unterscheiden. Es dürfen nur die Daten

gespeichert werden, die für den jeweiligen

Zweck erforderlich sind. Für darüber

hinausgehende Datenerhebungen bedarf

es nach Art. 6 Abs. 1a einer gesonderten

Einwilligung. Es empfiehlt sich also, von

einer möglicherweise bisher praktizierten

„Datensammelwut“ künftig abzusehen,

weil dies die spätere Löschung von nicht

mehr erforderlichen Daten erschwert.

Auch wenn Daten gesetzlichen Aufbewahrungspflichten

unterliegen, geht dies

nicht mit der Verwendung konform. So

dürfen Daten z.B. nicht mehr verwendet

werden, wenn der Zweck der ursprünglichen

Datenerhebung nicht mehr besteht,

und das, obwohl die Daten noch

aufbewahrt werden müssen.

Lesen dazu auch das „Merkblatt über die

Anforderungen an eine Einwilligung nach

der DSGVO .“

Empfehlung

Nach dem 25.05.2018 muss der Verantwortliche

den Betroffenen nach Erfassung

seiner personenbezogenen Daten unverzüglich

darüber informieren. Die nach Art.

13 und 14 DSGVO zu erfüllenden Informationspflichten

sind sehr umfangreich.

(Ein Formular mit Ausfüllhilfe können Sie

hier beziehen: www.immobilienfachverlag.de)

Da die Pflichtinformation ohnehin erstellt

werden muss, ist zu empfehlen, jedem

gespeicherten Kontakt schon vorab diese

Informationen zukommen zu lassen.

Rechtlicher Hinweis

Diese Information wurde nach bestem

Wissen erstellt. Sie ersetzt aber keine Beratung

für den Einzelfall. Eine Haftung

kann daher nicht übernommen werden.

Bitte wägen Sie sorgfältig ab, ob Sie sich

an einen Fachjuristen oder einen unserer

Verbandsjuristen wenden.

Helge Ziegler

Wirtschaftsjurist, Präsident BVFI

Versionsnummer 20180525

BVFI-Präsident

Ziegler in den

Bundesfach ausschuss

Bauen &

Wohnen berufen

Gründung eines verbandsübergreifenden

Arbeitskreises

„Immobilien & Politik“

Ziegler kandidierte im Jahr 2017 für

den Bundestag. Trotz seines guten

Wahlergebnisse reichte es für ihn

nicht, als Abgeordneter in den Bundestag

einzuziehen. Dennoch ist er

weiterhin parteipolitisch aktiv. Zum einen

als Delegierter für die Landes- und

Bundesparteitage, zum anderen auch

als Ausschussmitglied. War er bisher

schon Mitglied im bayerischen Landesfachausschuss

„Verkehr, Landesentwicklung

und Wohnen“, so wurde er

jetzt, nachdem die FDP wieder in den

Bundestag einzog, auch in den Bundesfachausschuss

„Bauen und Wohnen“

berufen.

Um die immobilienwirtschaftlichen

Interessen bundespolitisch gebündelt

zu artikulieren, beabsichtigt Ziegler

die verbandsunabhängige Gründung

eines Arbeitskreises „Immobilien &

Politik“. In diesem Arbeitskreis sollen

die aus Sicht der Immobilienwirtschaft

wichtigen Themen ausdiskutiert werden,

um sie dann gut ausgearbeitet

und mit stichhaltigen Argumenten

versehen, Politikern der zuständigen

Bundestagsausschüsse vorzulegen. Der

Arbeitskreis soll 3 bis 4-mal jährlich zusammenkommen.

Eingeladen sind alle

Interessierte, seien es Immobilienmakler,

Hausverwalter, Juristen usw., die

an einer kontinuierlichen Mitarbeit interessiert

sind.

Wollen Sie dabei sein? Dann scheiben

Sie einfach an ziegler@bvfi.de

SACHWERT MAGAZIN 4/2018 29


Vorsorge

Thomas Hennings ist Experte

für Sachwertlösungen und

Makroökonomie. Er ist Inhaber

des Sachwert-Center Bremen.

Die fünf Mythen der

Altersversorgung

Mythos Nr.1: Die gesetzliche Rente ist

sicher und reicht aus!

Immer noch glauben die Menschen, dass

die gesetzliche Rente ausreicht beziehungsweise

auch noch der Höhe und Qualität

nach sicher wäre. Wir haben den demographischen

Wandel, das heißt, immer mehr

Menschen werden älter und es folgt immer

weniger Nachwuchs. Obendrein reduziert

sich das Rentenniveau auch noch nach unten.

Wo also soll hier etwas noch sicher und

der Höhe nach auch noch „gut“ sein? Es

werden dramatische Einschnitte vorgenommen

werden müssen. Die gesetzliche Rente

wird mit enormer „Flickschusterei“ am Leben

gehalten, extrem hohe Steuereinnahmen

werden zur gesetzlichen Rente umgeleitet,

damit hier unsere heutigen Rentner

überhaupt noch angemessene Renten im

Umlageverfahren erhalten. Wohin soll also

dieses in der Zukunft führen? Experten

gehen davon aus, dass es zukünftig nur

noch einheitliche Rentenbezugsgrößen auf

Mindestniveau geben wird. Das bedeutet

für jeden zukünftigen Rentenempfänger

starke Leistungseinschnitte. Renten auf Sozialhilfeniveau

werden wohl leider Standard

werden.

Fazit: Jeder Bürger sollte unbedingt rechtzeitig,

also frühzeitig, sinnvolle Sparvorgänge

beginnen, um der Altersarmut zu entrinnen.

Mythos Nr. 2: Garantie- und Zinsprodukte

dienen der Altersversorgung!

Der deutsche Verbraucher und Sparer ist einer

der lethargischsten Menschen in Europa,

wenn es um das Sparen und Investieren

geht. Man wurde in jungen Jahren so „erzogen“,

dass die Produkte der Banken zum

Sparen sinnvoll sind und völlig ausreichend

sind für „später“. Daher erfolgen fast achtzig

Prozent aller Sparmaßnahmen der Verbraucher

über Festgelder, Anleihen, Rentenpapiere,

Sparbücher, Bausparverträge,

hinzu kommen noch die renditeschwachen

Kapitallebens- und Rentenversicherungen.

Die Verzinsungen solcher „Sparprodukte“

sind seit längerem so niedrig bis hin zur

Nullnummer. Dazu kommen die stets steigenden

Lebenshaltungskosten sowie die Inflation

noch negativ hinzu. Die Erträge bzw.

Zinsen dieser genannten „Mainstreamprodukte“

reichen nachweislich nicht aus, um

sinnvoll und ertragreich für das Alter vorzusorgen.

Fazit: Mit renditeschwachen Massenpro-

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SACHWERT MAGAZIN 4/2018


dukten kann man eine Altersversorgung

nicht gewinnbringend und nachhaltig für

sich aufbauen. Man muss hier als Verbraucher

über den Tellerrand schauen, sich etwas

Zeit für die Sparmaßnahmen nehmen

und dann diversifiziert in renditestärkere

und inflationsgeschützte Lösungen investieren.

Mythos Nr.3: Aktien und Unternehmensbeteiligungen

sind nur etwas für

vermögende Anleger!

Der deutsche Verbraucher wird weder in

der Schule, noch danach im Bereich Finanzen,

Geld und Finanzsysteme ausgebildet

bzw. geschult. Das ist systematisch so gewollt.

Man wird hier zu Lande „erzogen“,

dass Garantien und Zinsen (wenn auch

gering) besser sind als unternehmerisches

Denken und Handeln. Falsch! Genau das

geht unseren Sparern und Anlegern in der

Regel „ab“, eine Aufteilung der Sparvermögen

auch hinsichtlich von gemischten

Aktienwerten und unternehmerischen Investitionen

sind enorm wichtig zur Optimierung

der eigenen Anlagerenditen und zur

finanziellen Stärkung des Mittelstandes. Die

durchschnittlichen Aktienrenditen liegen je

nach Laufzeiten bei über fünf bis zu dreizehn

Prozent. Die Deutschen haben hier

immer noch viel zu wenig Kapital investiert.

Fazit: Wer attraktive Renditen für den Aufbau

der Altersversorgung wünscht und benötigt,

sollte in gemischte Unternehmenswerte

investieren, das heißt, Aktien und

unternehmerische Beteiligungen.

Mythos Nr. 4: Ich habe ja nicht so viel

Geld zum Sparen, daher lasse ich es

gleich sein!

So und so ähnlich denkt insbesondere die

„jüngere Generation Y“. Der Konsumverzicht

fällt enorm schwer in der heutigen

Gesellschaft. „Wozu sparen, ist ja noch

sehr lange hin bis zur Rente“, so heißt es

oftmals. Wer aber bereits in jungen Jahren

Vorsorge

kleine Beträge monatlich zur Seite legt und

sinnvoll anspart (also nicht in Zinsprodukte

von Banken etc.), der wird über die Jahre

und Jahrzehnte ein beträchtliches Vermögen

zur Verfügung haben.

Fazit: Der Zinseszinseffekt bzw. die Wertzuwächse,

sowie Cost-Average-Effekte bei

ratierlichen Sparvorgängen (auch mit kleineren

Beträgen) sind wichtig und bringen

enormen Nutzen gerade auch für die jüngeren

Sparer. Es gelten die drei Faktoren

„Beitrag x Zeit x Wertzuwachs gleich „stattliches

Vermögen“.

Mythos Nr. 5: Eigenes Wohneigentum

ist die beste Altersversorgung!

Die eigene Immobilie (ob Haus oder Wohnung

spielt hierbei keine Rolle) wird in der

Regel mit einem Bankkredit finanziert und

mit Zins und Tilgung zurückgeführt an die

Bank. Die meisten Finanzierungen sind

knapp bemessen. Der Wunsch und Traum

nach dem „Eigenheim“ überwiegt und es

werden diverse „finanzielle Opfer“ dafür

gegeben (weniger Urlaub, kein neues Auto

und weniger Lebensqualität in vielen Bereichen).

Eigentum verpflichtet, dazu muss

man stets unerwartete und einkalkulierte

Kosten berücksichtigen, die laufend (Wartung,

Reparaturen etc.) bei einer Immobilie

anfallen. Die selbstgenutzte Immobilie ist

kaufmännisch gesehen keine gute Altersversorgung,

rechnerisch sehr einfach belegbar.

Emotional ist sie aber eine gute Lösung.

Fazit: Die „Assetklasse Immobilien“ ist für

die Altersversorgung grundsätzlich sehr gut

geeignet und sollte im eigenen Portfolio

immer zusätzlich zum Eigenheim oder als

Mieter berücksichtigt werden. Man sollte

hierbei aber auf die Investitionsmöglichkeiten

achten, ob man in Kapitalanlageimmobilien,

Fonds oder in eine direkte oder

indirekte Beteiligungen investiert. Auch gilt

es wohnwirtschaftliche oder gewerbliche

Möglichkeiten zu unterscheiden, sowie Investitionen

national und/oder international.

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