PolarNEWS Magazin - 27 - CH

polarreisen

Von den Meerarmen wegtreibendes Eis behindert

die Schifffahrt, wie hier in Neufundland.

Meereis macht mobil

Weil der Eisdeckel über dem Arktischen Ozean

stark schmilzt, werden im Nordsommer auch viele

Meeresarme und Meerespassagen rasch eisfrei. So

gelangen neuerdings dicke Treibeisfelder aus den

(letzten) Meeresgebieten mit mehrjährigem Eis

dank Wind und Strömung nach Süden, wo sie die

Schifffahrt im Nordatlantik behindern. So etwa vor

einem Jahr vor Neufundland: Treibeis mit bis zu 8

Meter dicken Eisschollen blockierte die Küste bis in

den Juni hinein.

Grönlands Hitze-Narbe

Laut einer neuesten Studie vom August hat ein

internationales Forscherteam, darunter Experten

des British Antarctic Survey (BAS), herausgefunden,

dass die Erdplatte, auf der Grönland

liegt, unterseits von einer geothermischen «Narbe»

durchzogen ist. Dieses deutlich messbare

geothermische Wärmeband erstreckt sich quer

über die Insel, vom Nordwesten bis in den Südosten.

Es markiert die «Brandspur», entlang der

sich Grönlands Unterseite angesengt hat, als die

Platte vor 80 Millionen Jahren auf ihrer Drift

nach Norden über einen vulkanischen Hotspot

geglitten war, auf dem heute Island liegt. Erstaunlich

ist, dass diese Wärmequelle aus der

Zeit der Dinosaurier noch heute aktiv ist.

Quelle: BAS

IN KÜRZE

Polarmeere

aktuell

Im Sommer publizierten zwei grosse Polarinstitute

gemeinsam einen aktuellen Report

über den Zustand der Polarmeere. Der

16-seitige Bericht auf Englisch kann als PDF

von der Website des British Antarctic Survey

(BAS) gratis heruntergeladen werden:


www.bas.ac.uk/data/our-data/publication/

the-state-of-the-polar-oceans-2018

Erdölfresser

im Eis

Die staatliche Arktis-Universität im russischen

Murmansk macht sich zusammen mit

dem WWF Russland daran, Bakterien zu finden,

welche bei Erdölunfällen in arktischen

Meeren beim Aufräumen helfen sollen. An

Quelle: Geophysical Research Letters

sogenannten

hydrogenocarbonoklastischen

Bakterien wie dem Pseudomonas aeruginosa

wird bereits seit Jahren geforscht. Nun

sollen Bakterien gesucht werden, die auch

bei Eiseskälte noch Appetit auf Erdöl haben.

Bilder: Nasa’s Goddard Space Flight Center, Cambridge University, Henry Weimerskirch, Peter Ryan, Robert Hiscock, Heiner Kubny

Einst grösste

Kolonie fast weg!

Im Jahre 1962 entdeckt, galt die Kolonie von Königspinguinen

auf der bloss 67 Quadratkilometer

kleinen Cochons-Insel im Crozet-Archipel des südlichen

Indischen Ozeans mit einer Brutpopulation

von einer geschätzten halben Million Vögeln nicht

nur als die grösste Königspinguin-Kolonie, sondern

sogar als zweitgrösste Pinguin-Kolonie überhaupt.

Auf neuesten Satellitenbildern lässt sich jedoch erkennen,

dass die Kolonie extrem geschrumpft ist.

Französische Forscher werteten die Aufnahmen aus

– und waren wie vor den Kopf gestossen: Sie zählten

nur noch 60’000 Brutpaare, eine Abnahme um

88 Prozent! Die Gründe sind noch unbekannt. Die

Insel wurde 1982 letztmals betreten.

Quelle: Antarctic Science

Satellitenbild von heute (klein), Flugaufnahme von

1982: klare Unterschiede.

Heute noch messbar: Wie Grönland während

Jahrmillionen von Osten nach Westen über die

Vulkane von Island gezogen ist.

Russland schützt

Arktisinseln

Im März hat die russische Regierung ein neues

grosses Arktis-Naturschutzgebiet geschaffen.

Es liegt auf etwa 75 Grad nördlicher Breite,

ist mit stolzen 60’000 Quadratkilometern gut

anderthalb Mal so gross wie die Schweiz, umfasst

einzigartige Inseln und artenreiche Meeresgebiete

und betrifft Teile der Neusibirischen

Inseln. Das neue Reservat, in dessen Nähe sich

Fridtjof Nansen 1893 mit seiner «Fram» bewusst

im Eis einschliessen liess, schützt auch

den weltweit grössten «Mammut-Friedhof»

und weitere Fundstellen aus der Eis- und der

Steinzeit.

Quelle: WWF


Quelle: WWF

Westwind als

Spielverderber

Seit einigen Jahrzehnten nimmt der Westwind im

Südozean, der um den Kontinent Antarktika herumweht,

an Stärke zu. Dies hat zur Folge, dass

dieses Südmeer weniger CO 2

, ein gefürchtetes

Treibhausgas, aufnehmen kann. Der Südozean

nimmt über 40 Prozent des menschengemachten

Kohlendioxids auf. Falls dieser natürliche Speicher

nun geschwächt würde, müsste man bei zukünftigen

Klimamodellen neu über die Bücher.

Quelle: BAS

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