PolarNEWS Magazin - 27 - CH

polarreisen

Das Daunenkleid der Jungvögel

ist zur besseren Tarnung der

Farbe des Bodens angepasst.

angewiesen ist. Anderseits, und das ist

der springende Punkt, schwankt der Bestand

an Schnee-Eulen mit dem Sein oder

Nichtsein der Lemminge. Denn deren Population

bricht im festgelegten Rhythmus

regelmässig zusammen (siehe POLAR-

NEWS Nr. 9, Mai 2009). Deshalb kann

alle vier bis zehn Jahre ein aussergewöhnlich

schlechtes Jahr für die Schnee-

Eule auftreten. Dann brütet sie in ihrem

gesamten Verbreitungsgebiet nicht.

Bild: Karupelv Valley Project / Johannes Lang

aber auf Svalbard nicht brüten, weil Kleinsäuger

wie der Lemming, ihre Hauptnahrung,

fehlen.

Wie viele gibt es eigentlich?

Doch wo immer Schnee-Eulen verbreitet

sind, ihre Zahl nimmt ab. Ursprünglich

schätzte man die Weltpopulation auf

300’000 Individuen, davon allein 140’000

in Nordamerika. Neuerdings gehen kritischere

Schätzungen von nur noch rund

14’000 Brutpaaren aus, sogar von bloss

7000 bis 8000 Paaren ist die Rede. Dies

ist der Grund, weshalb die Schnee-Eule

von der Weltnaturschutzunion IUCN als

bedroht bezeichnet und in der Kategorie

«gefährdet» (vulnerable) aufgelistet wird.

Der Grund für derart variierende Zahlen:

Eine Volkszählung bei den Schnee-Eulen

ist schwierig. Einerseits ist der grösste

Teil des hochnordischen Brutgebietes

derart abgeschieden und weitläufig, dass

man auf blanke Hochrechnungen und/

oder Zählungen aus dem Winterquartier

Auf dem Rückzug

Solche zyklischen Bestandsschwankungen

führten zum Beispiel in Ostgrönland

dazu, dass Forscher während einer Lemming-reichen

Phase von 13 Jahren insgesamt

189 Schnee-Eulen-Küken zählten –

in einem fast gleich langen Zeitraum mit

ganz wenigen Lemmingen waren es nur

11 Jungvögel.

Ähnlich markant geht es auf der 70’000

Quadratkilometer grossen Banks-Insel

im kanadisch-arktischen Archipel zu und

her: In guten Lemmingjahren gibt es dort

bis zu 20’000 Schnee-Eulen, aber nur

2000, wenn der Lemmingbestand eingebrochen

ist.

Die Lemminge erklären aber noch nicht

die ganze Geschichte: In Fennoskandien,

dem arktischen Teil Skandinaviens plus

der Kola-Halbinsel und Karelien, schätzen

Experten den Brutbestand aktuell auf

kaum noch 50 Paare – obwohl zwei Lemming-Spitzenjahre

zu verzeichnen waren.

Zum Vergleich: Das letztmals verzeichnete

Schnee-Eulen-Rekordjahr war 1978;

damals brüteten allein in Schweden und

Norwegen immerhin noch gegen 200

Paare. In Finnland nahm die Anzahl der

Schnee-Eulen-Beobachtungen im Winter

und Frühling in den letzten zwei Jahrzehnten

um etwa 60 Prozent ab. Ähnlich

tönt es aus Nordamerika: Seit 1970 wird

der Rückgang mit 64 Prozent angegeben.

Diese Zahlen zeigen: Es gibt immer weniger

Schnee-Eulen in der Arktis, der Bestand

nimmt ab. Noch fachsimpeln die

Experten über die Dramatik dieses Bestandseinbruchs

– sollte es in diesem

Ausmass weitergehen, dann wird diese

Eule, die heute in der Kategorie «gefährdet»

zu finden ist, auf der globalen Roten

Liste wohl bald als «stark gefährdet»

(endangered) klassifiziert.

PolarNEWS 19

Weitere Magazine dieses Users